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Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung www.hessen-umwelttech.de

Hessen-Umwelttech

NEWS Neu im Internet: Kompetenzatlas Abfall Hessen-PIUS: Der richtige Druck ist entscheidend Hessens Wirtschaft muss Chancen in Schwellenländern nutzen Waste Tec optimiert Energiegewinnung aus Abfällen Kostengünstige Reinigung von schwermetall- und sulfathaltigen Abwässern Umweltrecht: Von der Abfallzur Rohstoffwirtschaft

3 | 2010


Liebe Leserinnen und Leser, Editorial

Die hessische Umwelttechnologiebranche bietet ein breites Spektrum an Lösungsmöglichkeiten, wenn es darum geht, unsere Wirtschaft nachhaltig und ressourceneffizient zu gestalten. Neben den Wassertechnologien und den Erneuerbaren Energien kommt der Abfallwirtschaft eine tragende Rolle zu. Je umfassender die Vermeidung und Verwertung von Abfällen gelingt, desto weniger sind wir auf die Gewinnung neuer Rohstoffe angewiesen. Dies entlastet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft. Die ambitionierte Gesetzgebung in Deutschland und in Hessen hat die Entwicklung fortschrittlicher Abfalltechnologien weit vorangetrieben. Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz wird den Übergang von der Abfall- zur Rohstoffökonomie fortsetzen. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag zum aktuellen Arbeitsentwurf des neuen Gesetzes. Den gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Innovationskraft hessischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist es zu verdanken, dass wir eine technologische Vorreiterrolle einnehmen und für den internationalen Markt gut gerüstet sind. Denn viele Länder haben enormen Bedarf an einer Modernisierung ihrer Abfallwirtschaft.

Editorial

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INHALT

In eigener Sache

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Um das hessische Know-how besser sichtbar zu machen, hat die Aktionslinie Hessen-Umwelttech meines Hauses den Kompetenzatlas Abfall als OnlinePlattform in deutscher und englischer Sprache erstellen lassen. Er enthält Porträts ausgewählter Akteure der Abfallbranche und gibt einen Überblick über deren Leistungsspektrum. Ein in diesem Bereich tätiges Unternehmen können Sie in der vorliegenden Ausgabe der Hessen-Umwelttech NEWS näher kennenlernen: die Waste Tec GmbH aus Wetzlar. In einem Interview mit dem Geschäftsführer erfahren Sie, wie Waste Tec die energetische Verwertung von Abfällen mithilfe der mechanisch-biologischen Behandlung optimiert und welchen Stellenwert moderne Abfallbehandlungsverfahren nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland haben. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Dieter Posch Hessischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

Was Unternehmer bewegt

Innovationsberatung – einfach und schnell

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Neu im Internet: Kompetenzatlas Abfall

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Waste Tec optimiert Energiegewinnung aus Abfällen

Neuer Ansprechpartner im Hessischen Wirtschaftsministerium

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Aus den Hochschulen

Hessen-PIUS

Kostengünstige Reinigung von schwermetallund sulfathaltigen Abwässern

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„Hessen-PIUS vor Ort“ in Mörlenbach

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Der richtige Druck ist entscheidend

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Fachhochschulen werben für ihr Forschungspotenzial

pius-info.de in neuem Gewand

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Umweltrecht

Außenwirtschaft und Messen

Hessens Wirtschaft muss Chancen in Schwellenländern nutzen Hessischer Gemeinschaftsstand auf der IFAT ENTSORGA 2010

Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010

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Innovationsradar Umweltrecht

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Nachrichten aus Wirtschaft und Wissenschaft

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Termine

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Technologietransfer

Aktuelle Kooperationsmöglichkeiten für die Umweltbranche

Von der Abfall- zur Rohstoffwirtschaft

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Neu im Internet: Kompetenzatlas Abfall Abfallwirtschaft und Ressourceneffizienz in Hessen In eigener Sache

In Hessen sind 37 Prozent der rund 2.400 hessischen Umwelttechnologieunternehmen in der Abfallwirtschaft tätig. Damit ist dies das zweitwichtigste Umwelttechnologiesegment in Hessen nach dem Bereich Wasser/Abwasser. Mit dem Kompetenzatlas Abfall gibt die Aktionslinie Hessen-Umwelttech einen Überblick über wichtige Akteure und deren Leistungsspektrum.

Handwerk und Handel Industrie

Abfallvermeidung

Sammlung und Transport von Abfällen

Verwertung & Rückgewinnung von Roh- und Wertstoffen

Behandlung & Beseitigung von Abfällen

Sanierung von Altlasten

Forschung und Entwicklung Dienstleistungen Umweltpolitik und -gesetzgebung

Der Kompetenzatlas ist im Internet über die Homepage der Aktionslinie www.hessen-umwelttech.de (Rubrik: Kompetenzdatenbank Hessen) abrufbar oder direkt unter www.kompetenzatlas-abfall.de. Im Herbst wird außerdem eine gedruckte Version erhältlich sein. Der Kompetenzatlas Abfall porträtiert in deutscher und englischer Sprache hessische Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die sich mit der Entwicklung, Planung, Herstellung und Integration von Technologien und Verfahren in den Bereichen Abfallwirtschaft und Ressourcenmanagement, Abfall- und Recyclingtechnologien sowie Entsorgungsdienstleistungen beschäftigen. Er ist ein Nachschlagewerk sowohl für Anwender entsprechender Technologien und Produkte als auch für Branchenexperten, die an einem Informationsaustausch oder Kooperationen interessiert sind. Ziel ist es, die Vernetzung von Wirtschaft und Forschung zu fördern und den Technologiestandort Hessen in diesem Umweltsegment auch international zu profilieren.

In Deutschland und Hessen haben frühzeitig erlassene Umweltgesetze mit ambitionierten Grenzwerten zur Weiterentwicklung der Abfallwirtschaft in eine Stoffstromwirtschaft geführt. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Technologien und Verfahren, die dazu beitragen, dass ein erheblicher Anteil der Abfälle verwertet und dadurch Rohstoffe geschont und Deponien entlastet werden. Da es nur wenige Staaten gibt, deren Abfalltechnologien so weit entwickelt sind, wird das vorhandene Know-how im Ausland stark nachgefragt. Die weltweite Ressourcenverknappung und ein steigendes Umweltbewusstsein spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Abfallwirtschaft hat sich somit zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, der unterschiedliche Bereiche umfasst. Im Kompetenzatlas Abfall ist eine Recherche nach verschiedenen Sektoren und Leistungsprofilen möglich. Interessierte erhalten einen schnellen Überblick über das hessische Knowhow und können detaillierte Porträts zu den Unternehmen und Forschungseinrichtungen einsehen.

Wertschöpfung in der Abfallwirtschaft

■ Dr. Carsten Ott

Projektleiter Aktionslinie Hessen-Umwelttech HA Hessen Agentur GmbH Tel.: 0611/774-8350 Fax: -58350 E-Mail: carsten.ott@hessenagentur.de www.hessen-umwelttech.de

Dr. Carsten Ott

Neuer Ansprechpartner im Hessischen Wirtschaftsministerium Im Hessischen Wirtschaftsministerium ist seit dem 1. Mai 2010 Sebastian Hummel der verantwortliche Referent für den Bereich Umwelttechnologie. Seit zwei Jahren ist er bereits im gleichen Referat für den Bereich der Nano- und Materialtechnologien zuständig. Vor seinem Wechsel in das Ministerium war er sechs Jahre bei der Hessen Agentur als Projektleiter tätig. Maria Rieping, die bisher Referentin für Umwelttechnologie war, widmet sich nun federführend der Ordnungs- und Regulierungspolitik im Bereich Tele-

kommunikation und Post und hat im Projekt „Breitband in Hessen“ eine Teilprojektleitung übernommen. ■

Sebastian Hummel Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Kaiser-Friedrich-Ring 75 65185 Wiesbaden Tel.: 0611/815 2471, Fax:-492471 E-Mail: sebastian.hummel@hmwvl.hessen.de www.wirtschaft.hessen.de

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Sebastain Hummel

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„Hessen-PIUS vor Ort“ in Mörlenbach Moderne Biomassefeuerung spart Geld und schont die Umwelt Hessen-PIUS

Im Rahmen der Informationsreihe „Hessen-PIUS vor Ort“ stellen Unternehmen vor, wie sie den Produktionsintegrierten Umweltschutz (PIUS) zu ihrem Vorteil nutzen. Am 30. September macht die Veranstaltungsreihe Station bei der Odenwälder Baumaschinen GmbH in Mörlenbach.

Jürgen Müller

Das mittelständische Unternehmen handelt sowohl mit neuen als auch mit gebrauchten Baumaschinen und Nutzfahrzeugen. Zudem verkauft es in einem Baugeräte-Center Profiwerkzeuge bekannter Markenhersteller. Zusätzlich bietet es einen Ersatzteilverkauf samt Kundendienst an. Im Rahmen der Beratung in Sachen Produktionsintegriertem Umweltschutz stand das Heizungskonzept für die drei Hauptgebäude auf dem Firmengelände – Büro, Gerätehandel und Werkstatt – auf dem Prüfstand. Dabei stellte sich heraus, dass eine moderne Biomassefeuerung auf Basis eines Holzhackschnitzelkessels die umweltfreundlichere und kostengünstigere Alternative zu der bestehenden Beheizung mit Flüssiggas darstellt.

In Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH lädt Geschäftsführer Heinrich Odenwälder am 30. September in sein Unternehmen ein. Er berichtet „vor Ort“ über die Ergebnisse der PIUSBeratung und die Umsetzung der dort erarbeiteten Maßnahmen. Zudem gibt Armin Domesle vom RKW Hessen einen Überblick über das Beratungsprogramm Hessen-PIUS und erläutert die damit verbundenen Fördermöglichkeiten des Landes Hessen. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr und dauert etwa anderthalb Stunden. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung und weitere Informationen unter www.hessen-pius.de. Unternehmen, die sich über eine PIUS-Beratung informieren möchten, wenden sich an: ■

Jürgen Müller / Kay Uwe Bolduan RKW Hessen GmbH Tel.: 06196/9702-40 E-Mail: pius@rkw-hessen.de www.rkw-hessen.de, www.hessen-pius.de

PIUS® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Effizienz-Agentur NRW

Der richtige Druck ist entscheidend Optimierung der Drucklufterzeugung mit Hessen-PIUS

Obwohl der Rohstoff Luft den Unternehmen unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung steht, zählt die Bereitstellung von Druckluft zu den teuersten Energieformen. Mithilfe einer PIUS-Analyse können Optimierungs- und damit Kosteneinsparpotenziale aufgedeckt werden. Nahezu alle Branchen des produzierenden oder verarbeitenden Gewerbes setzen Druckluft ein, beispielsweise zum Betreiben von Sandstrahlgebläsen, Meißeln, Bohrhämmern oder zum Befördern von Schüttgütern. Auch in den Bremssystemen schwerer Fahrzeuge spielt Druckluft vielfach eine wichtige Rolle. Trotz zunehmender Konkurrenz von mechanischen, hydraulischen oder elektrischen Systemen haben Luftdruckgeräte gegenüber diesen Technologien entscheidende Vorzüge. Pneumatische Geräte sind in der Regel wesentlich leichter als vergleichbare Maschinen mit elektrischem Antrieb. Zudem arbeitet aufbereitete Druckluft auch bei extremen

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Temperaturen oder großen Temperaturschwankungen einwandfrei. Darüber hinaus bieten Druckluftelemente eine relativ hohe Sicherheit, denn die Brand- oder Explosionsgefahr ist sehr gering. Technisch betrachtet ist es an vielen Stellen sinnvoll, Druckluft einzusetzen. Doch sollte dies so effizient wie möglich geschehen. Etwa 1,5 bis 3 Cent kostet der Kubikmeter Druckluft. Das ist sechs- bis zehnmal so teuer wie die entsprechende Energiemenge aus elektrischem Strom. Dementsprechend hoch sind auch die Einsparpotenziale. Das belegen die Beratungen im Rahmen des geförderten Beratungsprogramms Hessen-PIUS.

Gesamtsystem betrachten Besonders wichtig für die Optimierung der Drucklufterzeugung sind die Ermittlung des genauen Bedarfs, die richtige Abstimmung der Systemkomponenten aufeinander sowie eine sorgfältige Wartung


der jeweiligen Anlage. Die wesentlichen Komponenten einer Drucklufterzeugungsanlage sind der Verdichter (Kompressor) und sein Antrieb, Kühl- und Schmiervorrichtungen, Öl- und Wasserabscheider, Ansaugluftfilter sowie Mess- und Regelvorrichtungen. Der benötigte Betriebsdruck ist der entscheidende Faktor bei der Auslegung einer Anlage. In jedem Fall ist es unwirtschaftlich, sich bei der Bestimmung des Gesamtanlagendrucks nur an einigen wenigen Werkzeugen mit erhöhtem Druckbedarf zu orientieren. Wegen der vielen verschiedenen Einflussgrößen ist eine unternehmensspezifische Analyse durch entsprechende Fachleute sinnvoll. Erst der Blick auf das Gesamtsystem führt zur optimalen Nutzung. Auch die Instandhaltungs- und mögliche Produktionsausfallkosten sollten kalkuliert werden.

Anforderungen senken, Verluste minimieren Wesentliche Einsparungsmöglichkeiten ergeben sich durch eine Reduzierung der Anforderungen und eine Minimierung der Verluste. Beispielsweise kann der elektrische Energiebedarf für die Kompression verringert werden, indem der Druck abgesenkt wird. Daraus ergibt sich ein Sparpotenzial von sechs bis acht Prozent pro Bar. Einsparungen von zehn bis 25 Prozent sind möglich, wenn eine automatisch gesteuerte Auswahl des am besten geeigneten Kom-

Durch eine Absenkung des Drucks kann der Energiebedarf beim Kompressor um sechs bis acht Prozent pro Bar verringert werden. (Bild: Ingenieurbüro Letsch)

pressors erfolgt. Der Einsatz von modernen Drucklufterzeugern wird mit Einsparungen von zehn bis 20 Prozent belohnt. Denn mit den geringeren Spaltverlusten moderner Verdichter und dem höheren Wirkungsgrad von Elektromotoren wird eine größere Energieeffizienz erreicht. Ersparnisse in Höhe von 70 bis 90 Prozent lassen sich durch die Nutzung der Kompressor-Abwärme erzielen. Weitere Informationen, Zahlen und Fakten sind im Infoblatt „Optimierungspotenzial Drucklufterzeugung“ zusammengefasst. Unter www.hessen-pius.de steht es in der Rubrik „PIUS in der Praxis“ zum Download bereit. ■

Jürgen Müller / Kay Uwe Bolduan RKW Hessen GmbH Tel.: 06196/9702-40 E-Mail: pius@rkw-hessen.de www.rkw-hessen.de, www.hessen-pius.de

pius-info.de in neuem Gewand Einfache Navigation und erweiterte Suchfunktion

Nach fast zehnjährigem Bestehen hat sich das PIUS-Internet-Portal einem umfangreichen Relaunch unterzogen und dabei die Nutzerfreundlichkeit weiter verbessert. Das neue Web-Design ermöglicht ab September ein schnelles und gut strukturiertes Navigieren. Die Suchfunktionen im Info-Pool – mit Zugriff auf mehr als 1.000 Dokumente – konnten entscheidend verbessert werden. Bei der Neugestaltung wurde nicht nur das Schlagwortsystem grundlegend überarbeitet, sondern auch die Suchmaske wesentlich erweitert. Nach der vollständigen Überarbeitung aller Dokumente des Info-Pools steht ein Informationssystem zur Verfügung, mit dem eine Vielzahl von Fachinformationen zu betrieblichen Erfahrungen mit Verfahren, Technologien und praxiserprobten Maßnahmen einfach und kostenfrei abgerufen werden können.

Die fundierten Ergebnisse stammen aus Beratungsprojekten und Netzwerken in Deutschland, die im Themenfeld Produktionsintegrierter Umweltschutz (PIUS), Nachhaltiges Wirtschaften und Ressourceneffizienz aktiv sind. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und Handwerksbetriebe ergibt sich die Möglichkeit zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Kostensenkung in Verbindung mit der Optimierung des Einsatzes von Roh-, Betriebs- und Hilfsstoffen. Die Online-Plattform wird gemeinsam von der Aktionslinie Hessen-Umwelttech, der SAM GmbH, der VDI ZRE GmbH und der Effizienz-Agentur NRW betrieben. ■

Henning H. Sittel Effizienz-Agentur NRW Tel.: 0203/3787951 E-Mail: webmaster@pius-info.de www.pius-info.de Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010

Henning H. Sittel

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Hessens Wirtschaft muss Chancen in Schwellenländern nutzen Vielfältige Angebote der hessischen Außenwirtschaftsförderung Außenwirtschaft und Messen

„Die Zeit ist reif für die kleinen und mittleren Firmen, über die Grenzen Europas hinauszugehen – nicht nur mit Exporten, sondern auch mit ihrer Produktion“, erklärte Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch im Juli in Wiesbaden. Der Schritt in neue Märkte vornehmlich in Asien und Südamerika biete Wachstumschancen, wie sie in Deutschland und Europa in Zukunft kaum noch zu finden sein werden. Auch für die Umweltbranche eröffnen sich hier interessante Chancen. Das Wirtschaftsministerium bietet mit seiner Außenwirtschaftsförderung Unterstützung bei der Erschließung von Auslandsmärkten. Dazu gehört neben Messebeteiligungen und Delegationsreisen auch eine Förderung der Zusammenarbeit kleiner und mittlerer Betriebe mit außenwirtschaftlich starken Erfolgsunternehmen. „Unsere global tätigen Großunternehmen sollen den kleinen und mittleren Firmen den Einstieg in die Märkte der Schwellenländer erleichtern. Die Erfahrungen weltweit erfolgreicher Unternehmen sind für Mittelständler eine hervorragende Informationsquelle, über die neue Geschäftskontakte im Ausland vermittelt und Aufträge akquiriert werden können.“ Beispiele für Firmen, die diese Initiative unterstützen, sind das Medizintechnikunternehmen B. Braun Melsungen und die Unternehmensgruppe Messer, die als Versorger für Industriegase, im Anlagengeschäft für Schweiß- und Schneidtechnologien, im Verschleißschutz und in der Medizintechnik aktiv ist. Erforderlich ist nach Ansicht Poschs eine Konzentration der hessischen Außenwirtschaftspolitik auf die wachstumsstarken Schwellenländer. „Wenn ein Viertel der Weltwirtschaftsleistung in den vier Staaten Brasilien, Russland, Indien und China erzielt wird, dann sind die Zielmärkte der hessischen Außenwirtschaftsförderung klar definiert“, so der Minister. Konsequenterweise bietet das Wirtschaftsministerium deshalb politische Flankierung in diesen Märkten. „Ich werde mit hessischen Unternehmern dieses Jahr Russland und Brasilien besuchen“, sagte Posch. Staatssekretär Steffen Saebisch sei gerade mit einer Delegation aus China zurückgekehrt. Eine weitere Reise führe in das wachstumsstarke Entwicklungsland Vietnam. Firmen vor allem aus den Branchen Infrastruktur, Umwelt/Energie und Finanzdienstleistungen seien zur Teilnahme eingeladen.

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Hessen unterstützt die Expansion ins Ausland außerdem mit neuen Angeboten. Künftig steht die Gründungs- und Wachstumsfinanzierung des Landes auch für Investitionen und Betriebsmittelfinanzierungen außerhalb Hessens zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass diese durch das Land zinsvergünstigten Darlehen zur Sicherung und Schaffung hessischer Arbeitsplätze beitragen. Mit der Durchführung ist die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen betraut. Auch Bürgschaften für die Expansion in ausländischen Märkten sind möglich, wenn sie zur Sicherung der Unternehmensstandorte in Hessen dienen.

Aktuelle Wirtschaftsdelegationsreisen Moskau, Russische Föderation unter Leitung von Minister Dieter Posch, 25. – 27. August 2010, Themenschwerpunkte: Stadtentwicklung – Umwelt – Finanzdienstleistungen. Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, Sozialistische Republik Vietnam unter Leitung von Staatssekretär Steffen Saebisch, 02. – 11. Oktober 2010, Themenschwerpunkte: Infrastruktur – Medizintechnik – Umwelt. Brasilia, Rio de Janeiro und Sao Paulo, Föderative Republik Brasilien unter Leitung von Minister Dieter Posch, 02. – 11. November 2010, Themenschwerpunkte: Infrastruktur – Umwelt – Informationstechnologie.

Bernd Kistner Hessisches Wirtschaftsministerium Referat Außenwirtschaft, Standortmarketing Telefon: 0611/815 2366 E-Mail: bernd.kistner@hmwvl.hessen.de

Matthias Wolfgang Jung Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, Abteilung Wirtschaftsförderung Tel.: 069/133850-7856 E-Mail: MatthiasWolfgang.Jung@wibank.de

Jürgen Schneider HA Hessen Agentur GmbH Internationale Angelegenheiten Tel.: 0611/774-8212 E-Mail: juergen.schneider@hessen-agentur.de


Hessischer Gemeinschaftsstand auf der IFAT ENTSORGA 2010 Aktionslinie Hessen-Umwelttech präsentiert hessisches Know-how

Nach den erfolgreichen Teilnahmen in den vergangenen Jahren organisiert die Aktionslinie Hessen-Umwelttech auch auf der IFAT ENTSORGA 2010 vom 13. bis 17. September in München wieder einen Gemeinschaftsstand für hessische Unternehmen und Institutionen.

Wasser/Abwasser, Halle A3, Stand 113 • aquadrat ingenieure GmbH • Baade M2M-Solutions GmbH • Enterprise Europe Network Hessen • Ingenieurbüro G.Keim • Ingenieurkammer Hessen • LiNetCo GmbH

Die IFAT ENTSORGA ist die weltweit wichtigste Fachmesse für Neuheiten in den Bereichen Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft. Wie interessant der hier von der Aktionslinie angebotene Gemeinschaftsstand für hessische Vertreter der Umweltbranche ist, lässt sich an der großen Nachfrage ablesen. Bereits neun Monate vor Beginn der Messe waren alle Standplätze vergeben. Dabei konnte die Zahl der Mitaussteller verdoppelt werden, die Standfläche wuchs sogar um mehr als das Zweifache gegenüber 2008. „Wir freuen uns sehr über diese große Resonanz“, erklärt Dr. Carsten Ott, Projektleiter der Aktionslinie Hessen-Umwelttech. Er lädt Interessierte herzlich dazu ein, sich auf den beiden Ständen zum Thema Wasser/Abwasser und Abfall/Recycling über neue Entwicklungen in der hessischen Umwelttechnologiebranche zu informieren. Außerdem präsentieren sich hier das PIUS-Internet-Portal und das VDI Zentrum Ressourceneffizienz.

• Mobile Schlammentwässerung Rüdiger Kümmel GmbH • PIUS-Internet-Portal

Abfall/Recycling, Halle B3, Stand 109/210 • BSI Management Systems und Umweltgutachter Deutschland GmbH • ete.a Ingenieurgesellschaft mbH • Kilb Entsorgung GmbH • Köhler & Ziegler Anlagentechnik GmbH • Meinhardt Städtereinigung GmbH & Co. KG • Messe Frankfurt

■ Dr. Carsten Ott

Projektleiter Aktionslinie Hessen-Umwelttech HA Hessen Agentur GmbH Tel.: 0611/774-8350 Fax: -58350 E-Mail: carsten.ott@hessenagentur.de www.hessen-umwelttech.de

• MGF Gutsche GmbH & Co. KG • Novamont GmbH • Raiffeisen Warenzentrale Kurhessen-Thüringen GmbH Recycling-Service • Rhein-Main-Deponie GmbH • Rytec GmbH • Uni Gießen – Institut für Abfall- und Ressourcenmanagement • VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH

Dr. Carsten Ott

• Wool.rec GmbH

Aktuelle Kooperationsmöglichkeiten Angebote des Enterprise Europe Network für die Umweltbranche Technologietransfer

Das Enterprise Europe Network Hessen beantwortet Fragen zu EU-Förderprogrammen, rechtlichen Bestimmungen der EU sowie öffentlichen Aufträgen und leistet Hilfestellung bei der Erschließung ausländischer Märkte. Unternehmen bietet es kompetente Unterstützung beim Aufbau und der Ausweitung von geschäftlichen Kooperationen ins Ausland – seien es markt- oder technologieorientierte Kooperationen.

Abfallbehältern, die mit unterirdischen großen Containern verbunden sind. Letztere komprimieren den Abfall auf etwa ein Viertel des Volumens. Sie verfügen über ein Fassungsvermögen von 10.000 Litern und sind einfach zu warten und auszuwechseln. Zusätzliche Funktionen wie Bezahlsysteme, Wiegen des Abfalls, Magnetkartenbedienung sind möglich. Es werden Unternehmen oder Kommunen für Joint Ventures und kommerzielle Abkommen gesucht.

Entsorgung mit unterirdischen Behältern

Kaffeesatz in Bioverbundwerkstoffen

EEN_20100301

EEN_201000302

Die von einem italienischen Unternehmen entwickelten „Entsorgungsinseln“ bestehen aus relativ kleinen

Eine Firma aus London hat einen Prozess entwickelt, bei dem trockener Kaffeesatz zur Herstellung von Biover-

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■ Céline Lattemann

Enterprise Europe Network Hessen HA Hessen Agentur GmbH Tel.: 0611/774-8692 Fax: -58692 E-Mail: celine.lattemann@ hessen-agentur.de www.een-hessen.de

Céline Lattemann

bundwerkstoffen genutzt wird. Der Kaffeesatz wird mit Recyclingkunststoffen zu einem Verbundmaterial kombiniert, welches gute mechanische Eigenschaften und eine gute Oberflächenbeschaffenheit hat. Das Material wird momentan für die Herstellung von Haushalts- und Büromöbeln verwendet. Das Unternehmen möchte den Prozess auf weitere Abfälle der Kaffeeproduktion, wie beispielsweise Fruchtreste oder Transportsäcke, erweitern. Gesucht werden Partner aus der Forschung oder der Industrie für die gemeinsame Entwicklung neuer Biokomposite und die Anpassung des Prozesses an neue Anwendungen oder Märkte. Bodenaufbereitung per Mikrowelle EEN_20100303 Ein italienisches Unternehmen hat einen Prototyp zur Behandlung von verseuchten Böden entwickelt. Die Anlage besteht aus einem Mikrowellenofen und Werkzeugen, die den Boden aufbrechen und einer kontinuierlichen Behandlung im Ofen zuführen. Der momentan zur Verfügung stehende Prototyp eignet sich zur Behandlung von Böden, die mit Lösungsmitteln belastet sind. Die Firma sucht Partner für die Weiter-

entwicklung der Anlage im industriellen Maßstab. Beseitigung von Bor aus Abwässern EEN_20100304 Ein spanisches Unternehmen hat ein neuartiges, auf Filtration und Ionenaustausch basierendes System zur Beseitigung von Bor aus Abwasser entwickelt. Das Verfahren ist in erster Linie für die Keramik- und Automobilindustrie sowie für die Landwirtschaft interessant. Unabhängig von den Ausgangskonzentrationen vermindert es den Anteil an Bor im Abwasser einfach, günstig und schnell. Das Unternehmen ist an einer technischen Zusammenarbeit oder einem kommerziellen Abkommen mit technischer Unterstützung interessiert. Weitere Profile sind unter www.een-hessen.de abrufbar (Stichwort: Kooperationsvermittlung, Direktrecherche in europaweiter Technologie-Datenbank). Unternehmen und Institutionen, die eine Kontaktaufnahme mit den Anbietern oder die Zusendung des Profils wünschen, wenden sich an Celine Lattemann.

Innovationsberatung – einfach und schnell Gutscheine bringen kleine Unternehmen in die Erfolgsspur Was Unternehmer bewegt

Mit Innovationsgutscheinen unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Unternehmen bei der Inanspruchnahme von externen Beratungsleistungen. Innovationen sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Vor allem kleinen Firmen fehlt es jedoch bisweilen an aktuellem Wissen zu Methoden und Instrumenten, um intern Produktinnovationen oder technische Verfahrensinnovationen erfolgreich zu managen. Die neuen Innovationsgutscheine sollen hier Abhilfe schaffen. Sie decken 50 Prozent der Ausgaben für externe Beratungsleistungen durch vom BMWi autorisierte Beratungsunternehmen. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle, hat die Gut-

Hessische Regionalpartner des Programms sind das TechnologieTransferNetzwerk Hessen (TTN-Hessen) und die RKW Hessen GmbH. Unternehmen, die die Innovationsgutscheine nutzen möchten sowie Berater, die sich für das Programm autorisieren lassen möchten, erhalten weitere Informationen bei:

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scheine im Mai in Berlin vorgestellt: „Wir setzen damit positive Anreize für eine systematische Innovationstätigkeit in kleinen Unternehmen. So bringen wir kleine Unternehmen in die Erfolgsspur und machen sie für größere Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bereit, zum Beispiel für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).“ Gefördert werden Beratungen zu Machbarkeitsstudien und Realisierungskonzepten sowie die Begleitung des Projektmanagements in der Umsetzungsphase. Nutzen können die Förderung Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von höchstens 10 Millionen Euro. Bis zum 31.12.2010 werden vorübergehend auch Beratungen in Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von höchstens 20 Millionen Euro gefördert.

■ Dr. Gerrit Stratmann

Dr. Gerrit Stratmann

Leiter der Geschäftsstelle TTN-Hessen HA Hessen Agentur GmbH Abraham-Lincoln-Straße 38-42 65189 Wiesbaden Tel.: 0611/774-8691, Fax: -58691 E-Mail: gerrit.stratmann@hessen-agentur.de http://www.ttn-hessen.de

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■ Jürgen Müller

Geschäftsführer RKW Hessen GmbH Düsseldorfer Straße 40 65760 Eschborn Tel.: 06196/9702-41, Fax: -99 E-Mail: j.mueller@rkw-hessen.de www.rkw-hessen.de Jürgen Müller


Waste Tec optimiert Energiegewinnung aus Abfällen Perspektiven der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung

Die mechanisch-biologische Abfallbehandlung (MBA) hat sich zu einem festen Bestandteil der deutschen Abfallwirtschaft entwickelt. Aber auch im Ausland wird sie verstärkt nachgefragt. Die Aktionslinie Hessen-Umwelttech sprach mit Andreas Puchelt, Geschäftsführer der Firma Waste Tec in Wetzlar, über die Perspektiven der MBA und deren Vorteile im Hinblick auf die optimierte energetische Verwertung von Restabfällen.

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Sie haben vor kurzem eine biologische Abfalltrocknung für Singapur entwickelt. Wie wichtig ist der internationale Markt für Ihre Branche?

Versuchsanlage zur biologischen Abfalltrocknung in Singapur

Die ausländischen Märkte sind sehr interessant. Entscheidend ist allerdings immer die Frage, ob ein Land überhaupt von der Abfalldeponierung wegkommen möchte. Solange dies nicht der Fall ist, wird in moderne Abfallbehandlungstechnologien kaum investiert. Wichtige Impulse können Lenkungsabgaben in Form von Deponiesteuern geben, wie sie etwa in Österreich und England eingeführt wurden. Durch eine Verteuerung der Deponierung werden die ökologisch sinnvollen Technologien dann auch ökonomisch attraktiver. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass in Industriestaaten neue Deponiestandorte in dicht besiedelten Gebieten nicht mehr akzeptiert werden. In manchen Ländern sind also schlichtweg aus Platzgründen Alternativen gefragt. Außerdem rückt die Möglichkeit der Energiegewinnung aus Abfällen immer stärker ins Bewusstsein der Entscheidungsträger.

präsidenten im Frühjahr dieses Jahres sehr hilfreich. Hierdurch konnten wir unsere Kontakte in diesem Land intensivieren.

Welche Besonderheiten waren in Singapur zu beachten?

Die Bandbreite der einsetzbaren Technologien ist so groß wie die mit der MBA-Technik verfolgten Behandlungsziele; dazu zählen im Wesentlichen:

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Ziel des Projekts in Singapur war es, ein Verfahren zu entwickeln, das eine möglichst hohe Energieausbeute aus den Abfällen erlaubt. Wir haben deshalb eine biologische Abfalltrocknung konzipiert, die Brennstoffe für den industriellen Einsatz erzeugt. Da der Abfall in Singapur einen sehr hohen organischen Anteil hat und wesentlich feuchter ist als in Deutschland, bestand unsere Aufgabe darin, zunächst eine Versuchsanlage zu bauen, die mit diesen Abfalleigenschaften zurechtkommt. Parallel dazu waren wir für das Engineering der Großanlage zuständig. Für unser Engagement in Singapur war die Teilnahme an einer Delegationsreise mit dem Hessischen Minister-

Die mechanisch-biologische Abfallbehandlung (MBA) Im Unterschied zur Müllverbrennung, bei der Abfälle unsortiert verbrannt werden, setzt die mechanisch-biologische Abfallbehandlung auf Behandlungs- und Sortierschritte, die es ermöglichen, unterschiedliche Abfallinhaltsstoffe gezielt aufzubereiten, um sie anschließend energetisch oder stofflich zu nutzen. Die MBA-Technik zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität im Hinblick auf Technologieauswahl und Einsatzzweck aus und kann dezentral dort installiert werden, wo die Abfälle entstehen.

> Reduzierung des Emissionspotenzials im Hinblick auf eine minimierte Gas- und Sickerwasserbildung bei anschließender Deponierung, > Gewinnung von Biogas durch Abfallvergärung, > Gewinnung weitgehend homogener und hochkalorischer Brennstoffe zur energetischen Nutzung als Industrieersatzbrennstoff, zum Beispiel nach biologischer Trocknung, > Aussortierung verwertbarer Materialien, wie Eisen- und Nichteisen-Metalle und zum Teil Kunststoffe zur stofflichen Verwertung.

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Welche Vorteile bietet eine MBA grundsätzlich gegenüber einer direkten Abfallverbrennung?

Müllverbrennungsanlagen erzielen nur dann eine optimale Energieausbeute, wenn sie relativ groß dimensioniert sind. Somit ist deren Errichtung nur dort sinnvoll, wo die Abfälle auf kurzen Wegen angeliefert und die bei der Verbrennung erzeugte Wärme gut genutzt werden kann. Ist eine direkte Nutzung der Wärme hingegen nicht möglich oder das Einzugsgebiet für die Abfälle zu weiträumig, so sind dezentrale Konzepte mit MBAs vorteilhafter. Die Abfälle werden in kleineren Anlagen vorbehandelt und die daraus gewonnenen energiereichen Fraktionen anschließend als Ersatzbrennstoffe in Kraftwerken oder in Industrieprozessen eingesetzt.

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Andreas Puchelt

In Deutschland hat sich aufgrund der Überkapazitäten in Verbrennungsanlagen ein starker Preisdruck aufgebaut. Lohnt sich unter diesen Bedingungen die Erzeugung von Ersatzbrennstoffen aus Abfällen überhaupt?

Der Preisverfall ist in der Tat ein Problem. Den sinkenden Kosten bei der Abfallverbrennung stehen allerdings langfristig steigende Kosten für fossile Energieträger, die durch Ersatzbrennstoffe substituiert werden können, gegenüber. Durch eine gezielte Vorkonditionierung können die Abfälle ganz unterschiedlichen energetischen Verwertungswegen zugeführt

Die mechanische Aufbereitungsanlage in Weidenhausen verfügt über eine Verarbeitungskapazität von 200 000 Tonnen Abfall pro Jahr.

werden. Um wirtschaftlich arbeitende Anlagen zu entwickeln, schauen wir dabei immer zuerst, für welche Prozesse die Ersatzbrennstoffe erzeugt werden sollen, und stimmen darauf das Anlagenkonzept ab. So ist etwa die Herstellung von hochwertigen Brennstoffen für Zement- oder Kohlekraftwerke relativ aufwändig, während für manche Industriekraftwerke eine einfache mechanische Aufbereitung genügt. Als Beispiel für Letzteres ist die Wirbelschichtfeuerungsanlage einer Papierfabrik in Weidenhausen zu nennen. Die von uns hierfür konzipierte Vorbehandlung umfasst lediglich eine Sortierung von Hausmüll nach Korngrößen und eine Ausschleusung von Metallen. Eine biologische Behandlung ist in diesem Fall gar nicht erforderlich. ■

Andreas Puchelt, Geschäftsführer Waste Tec GmbH Spilburgstr.1, 35578 Wetzlar Tel.: 06441/6714111 E-Mail: andreas.puchelt@wastetec-gmbh.de www.wastetec-gmbh.de

Waste Tec im Überblick Das Unternehmen Waste Tec wurde im Jahr 2005 von Führungskräften des nicht mehr am Markt tätigen Anlagenbauunternehmens Herhof-Umwelttechnik GmbH gegründet. Am Firmensitz in Wetzlar beschäftigt es heute 16 Mitarbeiter aus den Fachbereichen Ingenieurbau, Geologie, Maschinenbau, Prozess-, Verfahrens- und Elektrotechnik, Energie- und Wärmetechnik und Agrarwissenschaften. Waste Tec ist Spezialist im Bereich der biologischen und mechanischen Abfallaufbereitung. Hierzu zählen insbesondere die Restabfallbehandlung zur Erzeugung von Brennstoffen für den industriellen Einsatz sowie die energetischstoffliche Verwertung von organischen Abfällen mittels Kompostierung oder Vergärung. Waste Tec erbringt sämtliche für eine individuelle Konzeptplanung und Anlagenrealisierung notwendigen Ingenieurleistungen, einschließlich der Begleitung der Anlageninbetriebnahme, der Personalschulung und der Anlagenwartung. Darüber-

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Firmensitz in Wetzlar

hinaus errichtet Waste Tec komplexe Abfallbehandlungsanlagen schlüsselfertig und führt Leistungen zur technischen und baulichen Anlagenertüchtigung durch. Aufgrund einer europaweit harmonisierten Abfallgesetzgebung liegt der Tätigkeitsschwerpunkt des Unternehmens heute vorrangig in Deutschland und im europäischen Ausland. Im Zuge der weltweiten Orientierung hin zu einem nachhaltigen und energiebezogenen Umgang mit Abfällen werden aber auch Leistungen aus Nordamerika und Asien nachgefragt; jüngste Beispiele hierfür sind Projekte, die Waste Tec in den letzten Jahren erfolgreich in Kanada und Singapur ausgeführt hat.


Kostengünstige Reinigung von schwermetallund sulfathaltigen Abwässern Neues biochemisches Verfahren der Universität Kassel Aus den Hochschulen

Giftige Industrie-Abwässer können dank eines neuen biochemischen Verfahrens der Universität Kassel kostengünstiger, umweltschonender und effektiver gereinigt werden als mithilfe bisher gebräuchlicher Verfahren. Mit einem Festbett-Bioreaktor und Sulfat reduzierenden Bakterien kann das neue Verfahren saure und sulfathaltige Waschwässer, etwa aus Bergwerken, vor Ort aufbereiten. Das ist nicht nur zu rund 30 Prozent geringeren Kosten als bisher möglich – es fallen auch keine Reststoffe mehr an, die auf Sonderdeponien entsorgt werden müssen. In vielen Industriebetrieben wie Müllverbrennungsanlagen, Kohlekraftwerken und Bergwerken fallen bei der Produktion hochkonzentrierte schwermetallund sulfathaltige, stark saure Abwässer an, beispielsweise auch bei der Rauchgasentschwefelung. Die bisher bekannten chemischen Nassverfahren zur Reinigung von schwefel- und schwermetallhaltigen Lösungen, bei denen etwa Kalkmilch zur Elimination von Schwermetallionen wie Cadmium, Quecksilber, Zink, Chrom oder Kupfer verwendet wird, haben Nachteile: Es entsteht eine große Menge von synthetischem Gips, der Schwermetalle und andere giftige Stoffe beinhaltet. Daher muss er teuer auf Sondermülldeponien entsorgt werden. Das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft am Fachbereich Bauingenieurwesen der Universität Kassel hat unter Leitung von Professor Franz-Bernd Frechen und seinem Wissenschaftlichen Mitarbeiter Waldemar Dinkel nun ein biochemisches Verfahren entwickelt, das in einem geregelten, doppelten Reaktionskreislauf die Schwermetalle aus den Abwässern fast vollständig ausfällt. Der Metallschlamm, der dabei entsteht, ist wieder verwertbar. Er besteht vor allem aus Metallsulfid, also einer chemischen Verbindung, in der Metalle auch in der Natur überwiegend zu finden sind.

Bioreaktor erzeugt Schwefelwasserstoff Herzstück des Reinigungsverfahrens, das bereits zwei Patente für Europa und Russland erhalten hat und für zwei weitere angemeldet wurde, ist ein Festbett-Bioreaktor, in dem mit Glycerin gefütterte Bakterien ihre Arbeit verrichten: Sie „verdauen“ sulfathaltiges Abwasser und produzieren auf biochemischem Weg bedarfsgerecht Schwefelwasserstoff. Der Schwefelwasserstoff wird in einem weiteren Reaktor mit Luft oder Stickstoff aus dem Abwasser gestrippt und dann stark konzentriertem Abwasser zugeführt. Hier bewirkt er eine Bindung und Ausfällung der Schwermetallionen.

Dank des entwickelten Bioreaktors haben die Forscher im Laborversuch 99,9 Prozent des Zinks im Abwasser ausfällen und 64 Prozent des Sulfats reduzieren können. „Die wirtschaftlichen Chancen unserer Erfindung liegen vor allem im Bergbau und bei Müllverbrennungsanlagen“, erklärt Professor Frechen. Weitere Einsatzmöglichkeiten sieht er in anderen Industriebetrieben, bei denen Schwermetallionen und Sulfate zum Einsatz kommen, beispielsweise in der Galvanik. Hier kann das Verfahren einen wichtigen Beitrag zur Ressourceneffizienz leisten. ■

Die Grundlagen für dieses Verfahren wurden im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Staatlichen erdöltechnischen Universität Ufa in Russland erarbeitet. Die Russen sind an kostengünstigen Techniken zur Abwasserreinigung interessiert, da es in dieser Region viele Bergbau- und Erdölbetriebe gibt.

Prof. Dr.-Ing. Franz-Bernd Frechen Dr.-Ing. Waldemar Dinkel Universität Kassel Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft Kurt-Wolters-Straße 3 34125 Kassel Tel.: 0561/804 2870 E-Mail:wdinkel@uni-kassel.de Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010

In der Laboranlage des Bioreaktors wurde Zink zu 99,9 Prozent ausgefällt.

Prof. Dr.-Ing. Franz-Bernd Frechen

Dr. Waldemar Dinkel

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Fachhochschulen werben für ihr Forschungspotenzial Kampagne „Forschung für die Praxis“

Hessens staatliche Fachhochschulen gehen neue Wege. Mit einer breit angelegten Imagekampagne werben die fünf Hochschulen für Angewandte Wissenschaften – das sind die Fachhochschulen Frankfurt am Main und GießenFriedberg sowie die Hochschulen Darmstadt, Fulda und RheinMain – in den nächsten drei Jahren bundesweit für ihr Leistungspotenzial in der anwendungsorientierten Forschung. „Der intensive Wissens- und Technologietransfer zwischen den Hochschulen und Unternehmen spielt eine entscheidende Rolle, um im nationalen und internationalen Wettbewerb zu bestehen“, erklärte Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva Kühne-Hörmann anlässlich des Starts der Imagekampagne im Mai. Die hessischen Fachhochschulen seien dabei als Spezialisten für die praxisnahe Forschung und Entwicklung exzellent aufgestellt. „Die Praxispartner können auf Strukturen, Kapazitäten und Dienstleistungen zurückgreifen, die ansonsten im Rahmen eigener Forschungs- und Entwicklungsabteilungen bereitgestellt werden müssten“, so Kühne-Hörmann. Außerdem profitierten die Studierenden von Kontakten und der Einbindung in Forschungs- und Entwicklungs-Projekte; und die Lehre werde durch anwendungsorientierte Forschung permanent aktualisiert. Im Rahmen der Imagekampagne schalten die fünf Hochschulen unter dem Motto „Forschung für die Praxis. Die Hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften“ regelmäßig Anzeigen in der Frankfurter Rundschau und dem Magazin FRIZZ sowie Funkspots in den Hörfunksendern hr 1 und hr-iNFO. Kooperationspartner aus der Praxis bezeugen anhand realer Projekte beispielhaft den Nutzen, den sie aus einer Zusammenarbeit mit einer Professorin oder einem Professor der hessischen Fachhochschulen gezogen haben.

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Publikation zur Umwelttechnologieforschung in Hessen Mit dem Ziel Wirtschaft und Wissenschaft speziell in der Umweltbranche stärker zu vernetzen, hat die Aktionslinie Hessen-Umwelttech im vergangenen Jahr die Broschüre „Umwelttechnologieforschung für die Unternehmenspraxis – Beispiele anwendungsnaher Forschung an hessischen Hochschulen“ veröffentlicht. Unternehmen können sich damit über umweltrelevante Forschungsschwerpunkte an hessischen Universitäten und Fachhochschulen informieren und Partner für mögliche Kooperationsprojekte finden. Die Publikation enthält Porträts zu Instituten und Fachgebieten, die in den folgenden Bereichen forschen: Abfallwirtschaft, Wassertechnik, Luftreinhaltung, Bodenschutz, Energietechnik, Umweltanalytik und umweltgerechte Produktion. Sie kann unter www.hessen-um welttech.de (Rubrik Publikationen) bestellt und heruntergeladen werden.

Vernetzung mit privaten und öffentlichen Partnern Die Imagekampagne ist Teil der bereits länger laufenden Forschungskampagne „Forschung für die Praxis“. Mit ihr stärken das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie die Konferenz Hessischer Fachhochschulpräsidien (KHF) die fünf staatlichen Fachhochschulen in ihrer Rolle als Spezialisten für praxisnahe Forschung und Entwicklung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernetzung mit privaten und öffentlichen Praxispartnern. „Unsere Forschungskampagne ‚Forschung für die Praxis’ hat bereits Früchte getragen, doch wir verfügen noch über Potenziale“, betont Professor Grabatin, Vorsitzender KHF und Präsident der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Allein in den vergangenen acht Jahren seien mehr als 1.600 Forschungs-, Entwicklungs- und Transferprojekte mit einem Auftragsvolumen von rund 72 Millionen Euro gemeinsam mit Unternehmen, öffentlichen Auftraggebern oder im Rahmen öffentlicher Förderprogramme durchgeführt worden.


Beispiele für erfolgreiche Kooperationen Das Kompetenzzentrum für Energie- und Umweltsystemtechnik (ZEuUS) der FH Gießen-Friedberg verbindet die Themen „Energie“ und „Umwelt“ in Forschung und Entwicklung sowie in der Ausbildung. Wesentlich dabei ist die Kooperation zwischen Hochschule und Unternehmen. Im Rahmen der Initiative Dr.-Ing. Ruth Christina Mundhenke, Infraserv Höchst „Forschung für die Praxis“ werden aktuell folgende Projekte bearbeitet: > Optimierung von Biogasanlagen und Untersuchungen zur anaeroben Abbaubarkeit industrieller Reststoffe bei der Co-Vergärung mit kommunalem Klärschlamm Partner: Infraserv GmbH & Co Höchst KG > Energie aus Abwasser, Ermittlung der Potenziale und Erarbeitung der Rahmenbedingungen der Nutzung von Wärme aus Abwasser in Hessen; Förderer: Land Hessen ■ Prof. Dr.-Ing. Ulf Theilen, Tel.: 0641/309-1816, E-Mail: ulf.theilen@bau.fh-giessen.de „Ein Experte der hessischen Fachhochschulen hilft uns, unsere Biogasanlagen zu verbessern und erneuerbare Energien besser für die Stromund Wärmeproduktion im Industriepark Höchst zu nutzen.“

Für kleine und mittelständische Unternehmen ist der Export von Anlagen und technischem Know-how in Entwicklungs- und Schwellenländer oft schwierig. Das Forschungsprojekt clima-pro.de untersucht an den Beispielen Marokko, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten und Tunesien die rechtlichen, administrativen und ökonomischen Voraussetzungen für einen Markzugang. clima-pro.de betrachtet zudem Ann-Christin Angel, juwi Holding AG die für den wirtschaftlichen Erfolg oftmals ausschlaggebenden kulturellen Aspekte. Thematische Schwerpunkte des Vorhabens sind die Bereiche Energie, Abfall- und Wasserwirtschaft. ■ Prof. Dr. Martin Führ, Tel.: 06151/16-8734 , E-Mail: fuehr@sofia-darmstadt.de „Ein Experte der hessischen Fachhochschulen hat uns zu den Marktchancen erneuerbarer Energien und den interkulturellen Herausforderungen in Entwicklungs- und Schwellenländern beraten. Damit ist die Firma juwi für die weitere Expansion gut gerüstet.“

ERNEUERBAR KOMM! (ehemals SUN-AREA) ist ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Frankfurt am Main. Unter der Leitung von Professorin Martina Klärle ist es im Studiengang Geoinformation und Kommunaltechnik verankert. Entwickelt wird ein Leitfaden, der zeigen soll, wie das Potenzial einer Kommune für Erneuerbare Energien sowie deren EnerDr. Helmut Müller, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden giebedarf bilanziert werden können und welche Geobasisdaten hierfür benötigt werden. ■ Prof. Dr. Martina Klärle, Tel.: 069/1533-2887, E-Mail: martina.klaerle@fb1.fh-frankfurt.de „Eine Expertin der hessischen Fachhochschulen hat uns geholfen, mit Hilfe von Geodaten das Solarpotenzial aller 120.000 Dächer in Wiesbaden zu berechnen. Jetzt wissen wir, welches Potenzial für Solarenergie in unserer Stadt liegt.“

Bilder: Frank Muckheim

An den fünf staatlichen Fachhochschulen in Hessen lehren und forschen rund 1.200 Professorinnen und Professoren in insgesamt 40 Fachbereichen. Unternehmen, die an einer Kooperation interessiert sind, finden im Projektbüro der Forschungskampagne und bei den Transferstellen der Hochschulen kompetente Ansprechpartner. Diese sind unter www.forschungfuer-die-praxis.de (Rubrik Kontakt) zu finden. Schirmherrin der Forschungskampagne ist die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Kooperationspartner sind die HA Hessen Agentur GmbH, das TechnologieTransferNetzwerk Hessen (TTN-Hessen), die IHK-Innovationsberatung Hessen,

die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. und der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen. Medienpartner sind die Frankfurter Rundschau, FRIZZ Das Magazin und hr-iNFO. ■

Tobias Semmet Projektbüro „Forschung für die Praxis“ c/o Fachhochschule Frankfurt am Main Abt. Forschung Weiterbildung Transfer Nibelungenplatz 1 60318 Frankfurt am Main Tel.: 069/1533-3193 E-Mail: semmet@fwbt.fh-frankfurt.de www.forschung-fuer-die-praxis.de

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Tobias Semmet

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Von der Abfall- zur Rohstoffwirtschaft Die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes Umweltrecht

Die Bundesregierung hat im Frühjahr einen Arbeitsentwurf zur Neuerung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts vorgelegt. Die geplante Novelle dient der Umsetzung der EG-Abfallrahmenrichtlinie (AbfRRL), die bis zum 12. Dezember dieses Jahres erfolgt sein muss. Ziel ist eine Orientierung von der Abfallwirtschaft hin zur Rohstoffwirtschaft und damit eine Aufwertung der Wiederverwendung und der stofflichen Verwertung von Abfällen.

§ §

Infolge der umweltpolitischen Fortentwicklung wird das neue Gesetz "Kreislaufwirtschaftsgesetz" (KrWG) heißen. Generelle Linie des Gesetzesentwurfs ist es, die bewährten Strukturen und Elemente des bestehenden Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetzes (KrW-/AbfG) zu erhalten und die neuen Vorgaben der AbfRRL möglichst vollständig zu übernehmen. In einigen Punkten werden die bestehenden nationalen Vorschriften somit modernisiert.

Wesentliche Elemente des neuen Gesetzes Neue Begriffsbestimmungen: Die Begriffsbestimmungen des KrW-/AbfG werden mit dem europäischen Abfallrecht harmonisiert. So wird es erstmals EU-weit einheitliche Regelungen zum Ende der Abfalleigenschaft, zur Abgrenzung von Abfall und Nebenprodukten sowie zur Unterscheidung zwischen Verwertung und Beseitigung geben. Eine Verwertung ist dann gegeben, wenn durch das Verfahren im Hauptergebnis Rohstoffe oder Brennstoffe substituiert werden. Müllverbrennungsanlagen können als energetische Verwertungsanlagen anerkannt werden, wenn sie über eine hohe Energieeffizienz verfügen. Bei Altanlagen muss diese mindestens 60 Prozent, bei Neuanlagen mindestens 65 Prozent betragen. Fünfstufige Abfallhierarchie: Im Unterschied zur bislang geltenden 3-Stufen Hierarchie (Vermeidung, Verwertung, Beseitigung) übernimmt der Entwurf die neue 5-Stufen Hierarchie der AbfRRL: > Vermeidung > Vorbereitung zur Wiederverwendung > Recycling > sonstige, d. h. auch energetische Verwertung > Beseitigung

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Hierdurch wird die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling deutlich gestärkt. Die Verwertungsverfahren sollen durch eine flexible Optimierungsklausel auf die jeweils hochwertigste Verwertungsoption ausgerichtet werden. Dabei sind die Aspekte der technischen Möglichkeit, wirtschaftlichen Zumutbarkeit und sozialen Verträglichkeit besonders zu berücksichtigen. Die Optimierungsklausel kann durch Rechtsverordnungen konkretisiert werden. Hier kann für einzelne Abfallarten die jeweils beste Verwertungsoption vorgegeben werden. Da nicht für alle relevanten Abfallarten zeitnah Verordnungen erlassen werden können, wird im Arbeitsentwurf das im geltenden Recht enthaltene Heizwertkriterium von 11.000 kJ/kg als Auffangregelung vorgeschlagen. Ab diesem Wert soll die energetische Verwertung als „ökologisch gleichwertig“ mit der stofflichen Verwertung gesehen werden. Abfallvermeidungsprogramme: In den nach der AbfRRL bis 2013 zu erstellenden Programmen sollen durch Bund und Länder Abfallvermeidungsziele formuliert, bestehende Abfallvermeidungsmaßnahmen zusammengestellt und evaluiert sowie darauf aufbauend neue Maßnahmen konzipiert werden. Hierdurch soll die Abfallvermeidungspolitik gestärkt und transparenter gemacht werden. Verbesserung der Ressourceneffizienz – Verstärkung des Recyclings: Um die Ressourceneffizienz der Abfallwirtschaft zu verbessern, werden die Vorgaben für das Recycling verstärkt: > Über die Vorgaben der AbfRRL hinaus soll bis 2020 für Siedlungsabfälle insgesamt eine Recyclingquote von 65 Prozent (statt 50 Prozent für Papier, Metall, Kunststoff und Glas) sowie für Bau- und Abbruchabfälle eine stoffliche Verwertungsquote von 80 Prozent (statt 70 Prozent) erreicht werden. Die Quoten werden aufgrund des in Deutschland bereits erreichten hohen Standards vorgeschlagen. So wurden 2007 bereits 63 Prozent aller Siedlungsabfälle recycelt. > Bis 2015 soll flächendeckend die getrennte Sammlung von Bioabfällen eingeführt werden. Ziel ist es, das hohe Ressourcenpotenzial der bislang über den Hausmüll erfassten Bioabfälle effizienter zu erschließen.


§ > Schließlich werden die verordnungsrechtlichen Grundlagen für die Einführung der „Wertstofftonne“ zur gemeinsamen Erfassung von Verpackungen und stoffgleichen Nichtverpackungen gelegt. Beibehaltung der „dualen Entsorgungsverantwortung“ von privater und öffentlich-rechtlicher Entsorgung: Während die gewerblichen Erzeuger und Besitzer von Abfällen nach dem Verursacherprinzip grundsätzlich selbst für die Entsorgung ihrer Abfälle verantwortlich sind, tragen die Kommunen als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger nach dem Prinzip der Daseinsvorsorge die Verantwortung für die Entsorgung der Abfälle aus privaten Haushalten und von Abfällen zur Beseitigung aus sonstigen Herkunftsbereichen. Die Novelle verfolgt das Ziel, die kommunalen Überlassungspflichten für Haushaltsabfälle unter strikter Einhaltung des EGRechts und den Vorgaben des Koalitionsvertrags zu präzisieren. Die Möglichkeit für gewerbliche Sammlungen von Abfällen zur Verwertung bleibt weiterhin eröffnet, um sowohl der Wirtschaft wie auch den Kommunen Rechts- und Planungssicherheit zu verschaffen.

Marktchancen für die Umweltbranche Marktchancen für die Umweltbranche ergeben sich durch die neuen Recyclingquoten für Siedlungsabfälle und Bauabfälle sowie die künftige flächendeckende getrennte Sammlung von Bioabfällen und die geplante Einführung der Wertstofftonne. Hiervon können Technologieunternehmen profitieren, die Systeme und Komponenten für Sammlung, Transport und Recycling der genannten Abfälle entwickeln. Ferner vergrößern sich die Absatzchancen von Entsorgungsunternehmen, die die entsprechenden Dienstleistungen anbieten. Für die weitere Entwicklung der Abfallwirtschaft im Hinblick auf die fünf Hierarchiestufen, d. h. insbesondere der Bevorzugung der Wiederverwertung und des Recyclings vor der energetischen Verwertung, wird der Erlass von Verordnungen, die für einzelne Abfallarten die besten Verwertungsoptionen festlegen, maßgebend sein. Hiervon können entscheidende Impulse für den Markt ausgehen. Auch die Abgrenzung zwischen Abfällen und Nebenpro-

dukten sowie die Bestimmung des Endes der Abfalleigenschaften werden zukünftig eine Rolle spielen. Hier sind Einzelentscheidungen der Kommission oder nationale Festlegungen für einzelne Abfallarten möglich, die zu einer verbesserten Akzeptanz von hochwertigen Recyclingprodukten führen können. Der Arbeitsentwurf zur Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes dient zur Vorbereitung eines Referentenentwurfs. Er wurde den interessierten Kreisen zur Diskussion vorgelegt. Wichtige Punkte in den Stellungnahmen der Fachverbände waren die neuen Prioritäten bei der stofflichen und energetischen Verwertung sowie die künftige Aufgabenverteilung zwischen privaten und öffentlichen Entsorgern. Außerdem wurden unter anderem die Bedeutung des Heizwertkriteriums und die Festlegung der Recyclingquoten diskutiert. Der Referentenentwurf des Gesetzes lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Informationen zum aktuellen Stand sind unter www.bmu.de abrufbar. ■

Dagmar Dittrich Aktionslinie Hessen-Umwelttech HA Hessen Agentur GmbH Tel.: 0611/774-8645, Fax: -58645 E-Mail: dagmar.dittrich@hessen-agentur.de www.hessen-umwelttech.de

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Dagmar Dittrich

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Innovationsradar Umweltrecht Umweltrecht im Überblick Innovationsradar Umweltrecht – Juni 2010 Vorphase (Arbeitsentwürfe) Vorschlag, Mitteilung u. Ä. der Kommission (KOM-Doc) Gemeinsamer Standpunkt des Rates

Europäisches Recht

Titel des Rechtsakts

Verabschiedung: EP + Ministerrat

Status

Wesentlicher Inhalt

Energie/Klima Gesetz zur Änderung des Erneuerbare-EnergienGesetzes

INFO: Umweltschutzvorschriften können eine marktschaffende Wirkung für Hersteller von Vermeidungs- und Verminderungstechnologien und für Umweltdienstleister haben. Aus neuen oder geplanten Vorschriften können Hinweise auf künftigen technologischen Bedarf und mögliche interessante Innovations- und Geschäftsfelder abgeleitet werden. Für das Innovationsradar Umweltrecht prüft ein Team erfahrener Umweltexperten regelmäßig die neuesten rechtlichen Entwicklungen auf ihre wirtschaftliche Bedeutung. Das Innovationsradar ist ein Service der Aktionslinie Hessen-Umwelttech mit dem Effizienznetz RheinlandPfalz als Kooperationspartner. Dienstleister sind die Rack Rechtsanwälte in Frankfurt am Main. Weitere Informationen und ausführlichere Angaben zu den einzelnen rechtlichen Regelungen finden Sie unter www.hessen-umwelttech.de, Rubrik Innovationsradar Umweltrecht.

Die Vergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sollen gesenkt werden. Die Änderungen sollen eine Basis für einen dynamischen, aber nachhaltigen Ausbau der Solarenergie in Deutschland gewährleisten und gleichzeitig die eingetretene Überförderung abbauen. Die Vergütungssätze werden an die aktuellen und zukünftig zu erwartenden Preis- und Kostenentwicklungen angepasst. Gleichzeitig wird auch die Zielmarke für den Ausbau der solaren Strahlungsenergie an den dynamischen Ausbau angepasst und auf 3.000 Megawatt installierte Leistung im Jahr angehoben.

Luft/Industrieanlagen Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen – 39. BImSchV

Die neue 39. BImSchV wird die Verordnung über Immissionswerte für Schadstoffe in der Luft (22. BImSchV) und die Verordnung zur Verminderung von Sommersmog, Versauerung und Nährstoffeinträgen (33. BImSchV) ersetzen. Sie dient der Umsetzung der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG aus dem Jahr 2008. Die Richtlinie 2008/50/EG übernimmt alle bereits eingeführten Luftqualitätswerte. Für die besonders gesundheitsschädlichen Feinstäube mit einem aerodynamischen Durchmesser kleiner als 2.5µm (so genannte PM2,5) werden darüber hinaus zusätzliche Luftqualitätswerte festgelegt.

Abfall/Bodenschutz/Altlasten Beschluss 2010/115/EU der Kommission zur Änderung von Anhang II der Richtlinie 2000/53/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über Altfahrzeuge

Gemäß § 8 Absatz 2 der Altfahrzeug-Verordnung dürfen Werkstoffe und Bauteile von Fahrzeugen, die nach dem 1. Juli 2003 in Verkehr gebracht werden, kein Blei, Quecksilber, Kadmium oder sechswertiges Chrom enthalten. Dies gilt jedoch nicht für die in Anhang II der Richtlinie 2000/53/EG über Altfahrzeuge in der jeweils geltenden Fassung genannten Werkstoffe und Bauteile. Die Ausnahmen werden regelmäßig von der Kommission überprüft und neu festgelegt. Aktuell wurden die Ausnahmen für Lötmittel in elektronischen Leiterplatten und in elektrischen Anwendungen auf Glas neu gefasst.

Entwurf: Gesetz zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts

Die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes dient der Umsetzung der EG-Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG in nationales Recht. Über die Vorgaben der EU-Richtlinie hinaus soll bis 2020 für Siedlungsabfälle insgesamt eine Recyclingquote von 65% erreicht werden. Bis 2015 soll flächendeckend die getrennte Sammlung von Bioabfällen eingeführt werden. Es werden die verordnungsrechtlichen Grundlagen für die Einführung der „Wertstofftonne“ gelegt. In ihr sollen Verpackungen und stoffgleiche Nichtverpackungen gemeinsam erfasst werden. Der Einsatz von Abfällen als Brennstoff wird nur dann als Verwertungsmaßnahme anerkannt, wenn die Müllverbrennungsanlage bestimmte Energieeffizienzgrade erreichen.

Chemie Verordnung (EU) Nr. 276/2010 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) in Bezug auf Anhang XVII (Dichlormethan, Lampenöle und flüssige Grillanzünder sowie zinnorganische Verbindungen)

Die Verwendungsbeschränkungen für bestimmte gefährliche Stoffe wurden durch die Änderungsverordnung inhaltsgleich in den Anhang XVII der REACH-Verordnung übernommen. Da die REACH-Verordnung unmittelbar in Deutschland geltendes Recht ist, müssen die Vorschriften nicht mehr in deutsches Recht umgesetzt werden. Sie gelten mit dem Inkrafttreten der Änderungsverordnung.

Verabschiedung Beschluss im BT/BR/LT-Ausschuss Entwurf (BT-Drs./BR-Drs./LT-Drs.)

Nationales Recht

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Vorphase (Referentenentwürfe)


Nachrichten aus Wirtschaft und Wissenschaft Neues Science Park Center in Kassel

Marktchancen

Fundstelle

Aufgrund der geplanten Novellierung ergeben sich auf der einen Seite Risiken für die Hersteller und Betreiber von Solarstromanlagen und auf der anderen Seite Chancen für die Hersteller von Materialien und Fertigungstechniken für Solarstromanlagen. Generell ist und wird die Solarindustrie bestrebt sein, die Produktionskosten weiter zu senken. Dies eröffnet Marktchancen einerseits für Hersteller von Materialien (z.B. Substitution von Aluminium durch Polyurethan, Verkapselung von Solarzellen mit thermoplastischem Polyurethan, Kunststoffschutzscheiben), andererseits für Hersteller von innovativen Produktionstechnologien (z.B. Silizium-Tintenstrahldrucktechnologie).

BT-Drs. 17/1147

Marktchancen ergeben sich für Unternehmen der Umweltindustrie dadurch, dass laut Verordnung die Bundesregierung verpflichtet ist, Maßnahmen zu erlassen, um die Emissionshöchstmengen für Feinstäube einzuhalten. Hierzu gehören strengere Umweltauflagen für Produktionsanlagen und Kraftfahrzeuge sowie steuerliche Regelungen zur Förderung umweltfreundlicher Verfahren und Produkte. Somit ergeben sich Marktchancen insbesondere für Unternehmen der Branchen Maschinen-/Anlagenbau, Ingenieurbüros, Elektrotechnik und Werkstoffe/Chemie für die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von nachgeschalteten und integrierten Lösungen zur Reduktion von Emissionen.

BT-Drs. 17/508

Wiesbaden. Auf dem neuen Universitätscampus Holländischer Platz Nord der Uni Kassel soll bis Ende 2012 ein „Science Park“ entstehen. Er umfasst neben einer Anzahl von universitären Gebäuden unterschiedlicher Nutzung auch das „Science Park Center“ – ein wissenschafts- und technologieorientiertes Gründerzentrum. Anlässlich der Vorstellung des Projektes am 14. Juni in Wiesbaden übergab Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch einen Förderbescheid in Höhe von rund 6,1 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) an den Präsidenten der Universität, Professor Rolf-Dieter Postlep, und den Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Bertram Hilgen. „Das Science Park Center soll zur Keimzelle für neue Entwicklungen und Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werden“, so Posch. „Es ist mir ein besonderes Anliegen, das Projekt zu fördern. Ich bin davon überzeugt, dass dies der Abwanderung von gut ausgebildeten jungen Menschen aus der Region entgegenwirkt und zur Förderung von Arbeitsplätzen in der Region beiträgt.“ ■

Marktchancen ergeben sich für Unternehmen, die Substitute für Schwermetalle entwickeln (z.B. Bindemittel in Elastomeren oder neue Lötmittel) und/oder neue Technologien, die ohne den Einsatz von Schwermetallen auskommen (z.B. neue Verbindungstechnologien als Substitut für Löten mit Blei).

ABl. EU 2010 Nr. L 48 S. 12

Marktchancen für die Umweltindustrie ergeben sich insbesondere durch die Erhöhung der Recycling-Quote für Siedlungsabfälle und Bauabfälle sowie die künftige flächendeckende getrennte Sammlung von Bioabfällen. Geschäftsmöglichkeiten bestehen für Technologieunternehmen, die Systeme und Komponenten für Sammlung, Transport und Recycling von den genannten Abfällen entwickeln. Ferner vergrößern sich die Absatzchancen von Entsorgungsunternehmen, die die entsprechenden Dienstleistungen anbieten.

www.bmu.de

Marktchancen ergeben sich für Chemieunternehmen, die Substitute für Dichlormethan als Abbeizer und für zinnorganische Verbindungen entwickeln. In Europa enthalten derzeit noch etwa 90% der Abbeizmittel Dichlormethan, die bis Ende des Jahres 2011 ersetzt werden müssen.

ABl. EU 2010 Nr. L 86 S. 7

www.wirtschaft.hessen.de

Quint wird Mitglied bei Exportinitiative Energieeffizienz Hesseneck. Die Quint sdi GmbH ist jetzt auch Mitglied der „Exportinitiative Energieeffizienz“. Diese von der Bundesregierung unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie eingerichtete Instanz unterstützt deutsche Anbieter von Produkten, Systemen und Dienstleistungen im Kontext Energieeffizienz bei der Erschließung von Märkten im Ausland. Als Mitglied im Netzwerk darf sich der Anbieter von Systemen zur Energieeinsparung und Wärmerückgewinnung in produzierenden Unternehmen nun nicht nur Teil der Initiative nennen, sondern auch das Logo der Initiative nutzen. Zudem wird das Unternehmen in die projekt- und akteursübergreifende Informationsinfrastruktur eingebunden. „Wir sind stolz darauf, dass wir aktiv zum Erhalt unserer Umwelt beitragen können und sehen unsere langjährige Arbeit nun auch offiziell durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bestätigt“, so Michael Braner, Geschäftsführer bei Quint. ■

www.quint.de

Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010

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Atlas gibt Auskunft über Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in Hessen Wiesbaden. 60 Unternehmen, Hochschulen und Institutionen sind in Hessen im Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie tätig. Das geht aus dem neuen „Kompetenzatlas Wasserstoff und Brennstoffzellen Hessen“ hervor, den der hessische Energiestaatssekretär Mark Weinmeister am 7. Juli in Wiesbaden präsentierte. Das 162 Seiten starke Handbuch stellt die Kompetenzschwerpunkte von Industrie und Wissenschaft in Hessen vor und gibt einen umfassenden Überblick zu den Produkten der Brennstoffzellentechnologie und deren Förderung durch staatliche Programme. „Die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ist für die Zukunft von enormer Bedeutung. Die Technologie eignet sich besonders zur Speicherung erneuerbarer Energien und zum Antrieb von Elektrofahrzeugen. Hier liegt eine große Chance für Umwelt und Wirtschaft in Hessen“, betonte Weinmeister. Die Technologie spiele zudem eine wichtige Rolle bei der Erzeugung von Strom und Wärme. Das Handbuch steht im Internet zum Download bereit und kann bestellt werden unter: ■

Energieeffizienzpreis für Viessmann und SMA Hannover. Erstmals wurden in diesem Jahr gleich zwei erste Preise des Energy Efficiency Award verliehen: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle überreichte auf der Hannover Messe im Rahmen des World Energy Dialogue einen der ersten Preise an die Viessmann Werke GmbH & Co KG für die energetische Optimierung des Produktionsstandorts in Allendorf (Eder). Über einen weiteren ersten Preis konnte sich die SMA Solar Technology AG für den Neubau ihrer CO2-neutralen Wechselrichterfabrik in Niestetal freuen. Der „Energy Efficiency Award 2010“ wurde im Rahmen der Initiative EnergieEffizienz von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Messe und der DZ BANK AG durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. „Die prämierten Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich durch die Verbesserung der Energieeffizienz wichtige Kosten- und Wettbewerbsvorteile gesichert“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der dena, Stephan Kohler. „Wer auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb bestehen will, ist gut beraten, den Energieverbrauch systematisch zu minimieren.“ ■

www.industrie-energieeffizienz.de

www.H2BZ-Hessen.de

Biogasproduktion der HSE wissenschaftlich untersucht Umweltinnovationen im Film Osnabrück. Wie in Industrie und Gewerbe Ressourcen geschont und Energie effizienter eingesetzt werden können, das präsentieren fünf neue Filmbeiträge der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. DBU-geförderte kleine und mittlere Unternehmen zeigen dort zum Beispiel, wie sich nur mit Laserlicht Oberflächen umweltfreundlich reinigen lassen, wie das erste umweltschonende 100%-wasserlösliche Pulverwaschmittel hergestellt wird oder wie Fenster und Türen aus heimischem Holz durch eine spezielle Modifizierung haltbar und stabil wie Tropenholz gemacht werden können. Diese und über 40 weitere Filme zu beispielhaften DBU-Fördervorhaben aus Umwelttechnik, Umweltforschung, Naturschutz und Umweltbildung sind jetzt aktuell auf dem neuen DBU-Videokanal bei YouTube abrufbar und auch als DVD bestellbar. ■ ■

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www.dbu.de/video www.dbu.de/643publikation991.html

Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010

Darmstadt. Eine wissenschaftliche Studie der Universität Gießen zum Anbau von Energiepflanzen hat die Biogasanlagen der HEAG Suedhessische Energie AG (HSE) positiv bewertet. Die HSE, die in Südhessen drei Biogasanlagen betreibt, hatte das rund drei Jahre lange Forschungsprojekt selbst initiiert. Am Beispiel einer Anlage in Wixhausen hat die Studie eine hervorragende Energiebilanz ermittelt. Die Forscher haben die gesamte Prozesskette betrachtet: Vom Dieselverbrauch der Traktoren, die die Äcker umpflügen, den Maistransport, über die Produktion der Baustoffe für die Biogasanlage bis zum Eigenstrombedarf etwa für die Biogasaufbereitung. Der Studie zufolge erzeugt die Biogasanlage über vier Mal mehr Energie als sie selbst verbraucht. Die Untersuchung zeigt zudem, dass sich der Betrieb der Anlage nicht negativ auf die Gewässer der Region auswirkt. Federführend für das Forschungsprojekt tätig waren die Gießener Professoren Friedrich Kuhlmann, Stefan Gäth, Annette Otte und Hans-Georg Frede. ■

www.hse.ag


Treibhausgas-Emissionen in Hessen gesunken

Deutscher Materialeffizienz-Preis 2010

Wiesbaden. Der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen in Hessen ist zurückgegangen. Seit 1995 ist laut einer Auswertung des Hessischen Statistischen Landesamtes der Anteil an Kohlendioxid um 13 Prozent und der Anteil von Lachgas um 6,4 Prozent gesunken. Der Anteil von Methan sank sogar um 53 Prozent.

Berlin. Auch im Jahr 2010 vergibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) den Deutschen Materialeffizienz-Preis. Neben vier mittelständischen Unternehmen wird eine Forschungseinrichtung prämiert, die durch neue anwendungsorientierte Forschungsergebnisse zur Verbesserung der Materialeffizienz in der betrieblichen Praxis die Jury überzeugen kann. Eine unabhängige Jury mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft bewertet unter der fachlichen Leitung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) die Bewerbungen. Fünf fachlich überzeugende Bewerbungen werden mit jeweils 10.000 Euro ausgezeichnet. Der Deutsche Materialeffizienz-Preis 2010 wird am 7. Dezember 2010 im BMWi in Berlin vergeben. Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 14. Oktober 2010.

„Hauptgrund dafür ist die verbesserte Abfallentsorgung und neue technische Entwicklungen in der Deponietechnik. Durch bessere Abdeckung und die ordentliche Erfassung und Verwertung von Deponiegas konnten wir den hessischen Treibhausgas-Ausstoß deutlich vermindern“, erklärt Umweltministerin Silke Lautenschläger. Sie verwies daneben auf konkrete Fördervorhaben der Landesregierung für den Klimaschutz. So könnte mit dem Modellvorhaben „KlimaRegio“ die energetische Sanierung von Altbauten auf Ultra-NiedrigenergiehausStandard oder die Installation von Kraft-Wärme-KopplungsAnlagen gefördert werden. Außerdem sollen hessische Unternehmen und Hochschulen Fördergelder für Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen durch das Programm „Klima E3“ bekommen, das die Erhöhung der Klimaeffizienz von Produkten, Produktionsverfahren und Produktionsprozessen zum Ziel hat. ■

www.hmuelv.hessen.de

Wasserstoff betriebene Fahrzeuge sind alltagstauglich Frankfurt. Drei Jahre Praxistest auf dem Fraport-Gelände des Frankfurter Flughafens und im Industriepark Höchst haben die vier A-Klasse F-CELLs von Mercedes-Benz nun hinter sich. Sie sollten im Rahmen des EU-geförderten und von Infraserv Höchst koordinierten Projektes Zero Regio wichtige Erfahrungswerte über den Alltagsbetrieb und die Betankung von wasserstoffbetriebenen Pkw liefern. Die Fahrzeuge waren am Flughafen Frankfurt und im Industriepark Höchst auf Kurzstrecken im Dauereinsatz. Störungen in der Wasserstoffversorgung oder der Brennstoffzellentechnik gab es keine einzige. Die Fahrzeuge haben sich somit als alltagstauglich erwiesen. Betankt wurden sie an speziellen Wasserstoffzapfsäulen der von Agip betriebenen Multikraftstoff-Tankstelle am südlichen Rand des Industrieparks Höchst. Aufgrund der hier gemachten Praxiserfahrungen wurde von den Projektmitgliedern gemeinsam mit dem TÜV ein erstes Normblatt erstellt (Merkblatt Nr. 514 des VdTÜV). So wird die Planung und Genehmigung zukünftiger Wasserstofftankstellen wesentlich einfacher. ■

www.infraserv.com

www.materialeffizienz.de/materialeffizienzpreis

Neuer Masterstudiengang Umweltrecht Kassel. Erstmals zum Wintersemester 2010/2011 bietet das Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Kassel den Masterstudiengang Umweltrecht an. Dieser ist für drei Semester als forschungsorientierter Vollzeitstudiengang konzipiert. Er richtet sich an Absolventen mit einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschuss (Diplom/Bachelor), vor allem juristischer und wirtschaftsrechtlicher, aber auch wirtschafts- und umweltwissenschaftlicher Studiengänge mit ausreichenden juristischen Anteilen. Nach bestandener Masterprüfung verleiht die Universität Kassel den international anerkannten Titel Master of Laws. Anschließend besteht für besonders erfolgreiche Absolventen die Möglichkeit zum Erwerb des juristischen Doktorgrades. Bewerbungen sind bis 30. September über das OnlinePortal der Universität Kassel möglich. ■

www.uni-kassel.de/go/umweltrecht

Nachrichten in den E-Mail-NEWS Hessen-Umwelttech und unter www.hessen-umwelttech.de

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Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010

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Veranstaltungen/Termine 13.09. – 17.09.2010

München

IFAT ENTSORGA – 16. Internationale Fachmesse für Wasser, Abwasser, Abfall und Recycling Gemeinschaftsstand der Aktionslinie Hessen-Umwelttech, Kooperationsbörse des Enterprise Europe Network Hessen ■ ■ ■

www.ifat.de www.hessen-umwelttech.de www.een-hessen.de

23.09.2010

Frankfurt

Innovation – Unternehmergipfel RheinMain 2010 Veranstaltung des F.A.Z.-Instituts zur Innovationspraxis in führenden Spitzenunternehmen, Info-Stand der Aktionslinie Hessen-Umwelttech ■

www.innovationsgipfel.de

27.09. – 28.09.2010

Hanau

Innovative 2010 – Innovationen aus FrankfurtRheinMain Forschungsinstitute und Unternehmen präsentieren innovative Produkte und Dienstleistungen, Info-Stand der Aktionslinie HessenUmwelttech ■

Die Aktionslinie Hessen-Umwelttech ist eine Maßnahme des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Sebastian Hummel Kaiser-Friedrich-Ring 75 D-65185 Wiesbaden Tel.: 0611 / 815 - 2471, Fax: - 492471 E-Mail: sebastian.hummel@hmwvl.hessen.de Internet: www.wirtschaft.hessen.de

www.innovative2010.de Projektträger ist die

05.10.2010

Wetzlar

4. Mittelhessischer Außenwirtschaftstag Schwerpunkt: Energieeffizienz & Erneuerbare Energien – Marktchancen im Ausland ■

www.auwitag-mittelhessen.de

05.10 – 06.10.2010

Frankfurt

3. EnergieEffizienz-Messe Frankfurt Veranstaltung der IHK Frankfurt am Main ■

www.energieeffizienz-messe.de

06.10.2010

Kassel

9. Brennstoffzellenforum Hessen 2010 - Der Wasserstoff im intelligenten Energie- und Antriebssystem Veranstaltung der Wasserstoff- und Brennstoffzellen Initiative Hessen ■

www.h2bz-hessen.de Kontakt: alexander-bracht@hessen.agentur.de

07.10.2010

Darmstadt

Darmstädter Wasserbauliches Kolloquium 2010 Veranstaltung der TU Darmstadt zum Thema „Schwallspülungen – Messungen in Abwasserkanälen und angeschlossenen Gewässern“ ■

www.wasserbau.tu-darmstadt.de

07.10.2010

Darmstadt

Einsteigerseminar: Der europäische Emissionshandel und Klimaschutzprojekte im Ausland Kooperationsveranstaltung der Aktionslinie Hessen-Umwelttech und der Transferstelle Internationaler Emissionshandel Hessen ■ ■

www.hessen-umwelttech.de www.transferstelle-emissionshandel-hessen.de

12.10. – 14.10.2010

Los Angeles (USA)

Solar Power International Hessischer Informationsstand mit Infrastruktur- und Serviceangeboten für hessische Unternehmen, Kooperationsbörse der Enterprise Europe Network Hessen ■ ■ ■

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www.solarpowerinternational.com www.hessen-agentur.de (Internationales Messeprogramm 2010) www.een-hessen.de

Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010

HA Hessen Agentur GmbH Dr. Carsten Ott (Leiter), Dagmar Dittrich Abraham-Lincoln-Straße 38 – 42 D-65189 Wiesbaden Tel.: 0611 / 774-8350 oder - 8645, Fax: - 8620 E-Mail: carsten.ott@hessen-agentur.de dagmar.dittrich@hessen-agentur.de Internet: www.hessen-umwelttech.de

Impressum Herausgeber Aktionslinie Hessen-Umwelttech Dr. Carsten Ott, HA Hessen Agentur GmbH Abraham-Lincoln-Straße 38 – 42 D-65189 Wiesbaden Redaktion Dagmar Dittrich, HA Hessen Agentur GmbH Gestaltung Piva & Piva, Studio für visuelles Design Heidelberger Straße 93, 64285 Darmstadt Fotos: © moodboard/Fotolia.com (Titel), iStockphoto.com: Illustrious (S.6); BanksPhotos (S. 15) Druck Werbedruck GmbH Horst Schreckhase Dörnbach 22, 34286 Spangenberg Erscheinungsweise 4-mal pro Jahr (kostenlos) Auflagenhöhe 3.300 Stück Newsletter-Abonnement www.hessen-umwelttech.de Der Herausgeber übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, die Genauigkeit und die Vollständigkeit der Angaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die in der Veröffentlichung geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmen.


Hessen-Umwelttech NEWS 3/2010