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RockHorse

Darstellen und Gestalten - Projekt Henri C Buffart 266457 Lehrstuhl f端r Plastik - RWTH Aachen - WS 11/12


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© Henri C Buffart


Inhaltsverzeichnis Werkbericht

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Konzept und Zielsetzung

Architektonischer Bezug

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Formfindung

Bewegung

6

Anspruch und Formbarkeit

Material

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Entwurf

Fotos, Zeichnungen und 3D-Print

10

Herstellung des Unterbaus

Holz und Metall

13

Erarbeitung der Form

Styroporkern

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Auftragen der Aussenhaut

Glasfaserverstärkter Kunststoff

18

Finale Abarbeitung der Oberflächen

schleifen, spachteln, lackieren

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Ergebnis & Fazit

Ergebnisfotos

© Henri C Buffart

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Konzept Zielsetzung architektonischer Bezug

Mit den immer rascheren Entwicklungen der Technik zieht das Tempo unserer Zeit unheimlich an. Mehr Menschen erzeugen mehr Ereignisse, ingeniösere Geräte, schnellere Fortbewegung, bessere Kommunikation und Realisierungen auf größtem Niveau. Architektur als statisches Objekt wird immer schneller langweilig, wenn sie sich weder einer Monumentalität bedient, noch sich mit hochmodernen HiTech-Ornamenten verziert. Das Haus als elementarer Bestandteil des menschlichen Tuns kann man also anders betrachten, wenn man sich in eine andere Zeit hineinversetzt. Unser Elternhaus ist im Kindesalter eine niemals hinterfragte Konstante und ein zentraler Ort für uns gewesen. Das neu entstehende Nomadentum, der “EasyJetSet*”, die Losgebundenheit der jungen Generation regt dazu an darüber nachzudenken was Bewegung bedeutet und wie man diese früher wahrgenommen hat. Bewegung war kleiner dimensioniert. Autos konnten weniger schnell beschleunigen, Züge und Flugzeuge waren respekterregende Monstermaschinen, die Telefonverbindung musste händisch geschaltet werden. Wer heute sein Handy benutzt, führt sich gar nicht vor Augen, dass er gerade ein Signal ins Weltall sendet und eine Reaktion erhält, dessen Verzögerung er gar nicht wahrnehmen kann. Es entstehen Begrifflichkeiten und Problemstellungen wie “Energiewende” und es treten Diskussionen auf bezüglich der Notwendigkeit von Projekten wie zum Beispiel Stuttgart 21. Bewegung, Geschwindigkeit und Spannung waren früher Dinge, die nicht selbstverständlich waren, sondern die man sich durch Beobachtung und Nachdenken erschloss und durch bewusster Teilnahme an der Erfahrung als Ereignis erfuhr. Spannungen, wie sie in der Architektur durch einen guten Entwurf auftreten, machen das Statische dynamisch. Die im Rahmen dieses Projektes angefertigte Arbeit soll eine Allegorie dieser Wahrnehmung sein. Sie soll kinetisch sein, aber durch eingeschränkte und wiederholte Bewegungen an Ort und Stelle einen statischen Charakter erhalten. Sie soll an die Freude durch die einfachen Dinge zurückerinnern und durch seinen Maßstab die Gelassenheit seiner Beobachter und Benutzer prüfen.

*Begriff aus Tobias Rapp: Lost in Sound, Suhrkamp, Berlin, 2009, ISBN 3518460447

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© Henri C Buffart


Formfindung

Wie zuvor im Konzept erläutert, sollen sich in der Formgebung kinetische wie statische Elemente zeigen. Das Pferd ist allgemein anerkannt als elegantes, kraftvolles und edles Tier. In den Niederlanden unterscheidet man semantisch klar zwischen Tier und Mensch, zum Beispiel Haupt und Kopf, Fuß und Pfote. Ausschließlich in Bezug auf Pferden wird sich vom Wortschatz für Menschen bedient. Ein Schaukelpferd ist statisch, da es sich trotz lokaler Bewegung nicht global Fortbewegt. Durch die relative Massivität und Größe des Pferdes wirkt das Objekt statisch, möglicherweise Kraftvoll. Die angefertigte Arbeit stellt eine funktionstüchtige Interpretation eines Schaukelpferds dar. Der Kopf und der vordere Rumpfbereich zeigen Formen, die des Pferdes entnommen wurden. Der Rücken sowie der hintere untere Bereich wurden von Motorrad- und Jetskihöckern abgeleitet. Die konkaven und konvexen Formen bilden mittels recht scharf gehaltenen Graten gemeinsam den Korpus des Objektes aus. Sie stehen im Kontrast und bilden ein Spannungsfeld im Gleichgewicht.

Inspirationen 1 Motorrad 2 Pferdesattel 3 Sfinx 4 Kobra 5 Legopferd 6 Pferd aus Picassos “Guernica” 7 Chio-Logo 8 Seepferdchen 9 abstraktes Pferd, Calatrava 10 Schachfigur

© Henri C Buffart

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Anspruch und Formbarkeit

Styropor ist leicht und frei formbar. Überzieht man diesen mit glasfaserverstärtkem Kunststoff, so erhält man neben der erwünschten Stabilität außerdem eine schöne und gut bearbeitbare Oberfläche. Diese sind die Argumente der Materialwahl. Für die Unterkonstruktion wurde Birken-Multiplex gewählt und ein steifes Gestell zu erhallten. Dies ist notwendig zur Stabilisierung des schwingenden Elements gegenüber dem stehenden, hier werden sämtliche Kräfte in vier Punkte geleitet.

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© Henri C Buffart


Entwurf

Skizzen 2011

© Henri C Buffart

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Skizzen 2011

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Š Henri C Buffart


parametrische Modellierung CAD

3D-Print

Rhino Grasshopper Script - vollparametrisiertes virtuelles 3D-Modell Skriptansicht

3D-Drucker

Rhino Grasshopper Script - parametrische Schaukelbewegung und Modell

3D-Print

Š Henri C Buffart

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63

225

325 71.10° 102.35°

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5

15

3

77.65°

3 11 14

11

72.54°

108.90°

40

465

165 27

27 107.46°

165

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Herstellung des Unterbaus

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85

Der Unterbau besteht aus zwei Holzgestellen. Das erste Steht fest auf dem Boden, das Zweite hängt darüber und schwingt. die Aufhängung besteht aus vier Metallstäben, die mit jeweils zwei Querstiften in den Gestellen gelagert sind. Für den reibungsarmen Bewegungsablauf hat jedes der acht Aufhängungspunkte zwei ABEC9-Kugellager.

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2

2

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31 35

37

25

72.54°

2

4

8

107.46°

27 165

85

3 165

27

11 11 14

2

465

85

40

2

85

55

85

3

4

2

3

23 27

geometrische Einpassung CAD

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3

11 14

2

11

72.54°

175

31

37

32 15

71.10°

35

36

38

25

102.35°

108.90°

325

15 205

225 63

2

4

2 35

5 5

2

13 17

2

11

5

3

27 165

11 14

5

3 165

27

11 11 14

2

27

schwingendes Element 85 85

465

3

40

85 3

85

102.35°

32

71.10°

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© Henri C Buffart

38

10

175

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feststehendes Element

15 205

2

8

107.46°

2

77.65°

23 27

2


Der Unterbau wurde aus 15mm Birken-Multiplex hergestellt. Die Wangen der beiden Elemente wurden mittels CAM auf der CNCFräse gefertigt. Die Löcher für die Kugellager wurden nachträglich mit einem Forstner-Bohrer nachgebohrt. Die Aufhängung besteht aus 20mm Stahl-Quadratprofil, die gebohrt und in denen jeweils kleine Stücke Baustahl geschweißt wurde. Aufgrund der hohen Toleranzen wurde jedes Stäbchen händisch auf den Innendurchmesser der Kugellager gefeilt. Um die Lagerung sichern zu können, wurde an den Enden ein Gewinde geschnitten, auf denen selbstsichernde Muttern geschraubt wurden.

Seitenansicht und

Vorderansicht assemblierter Unterbau

© Henri C Buffart

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Detail Birken-Multiplex ohne und mit Aufhängepunkt: Stahlstift, Kugellager und Mutter (später ersetzt durch selbstsichernde Muttern)

Seitenansicht unteres Element mit lose hängender Aufhängung

Detail Stangenende Quadratprofil Aufhängung: eingeschweißter Stahlstift mit Gewinde

Grundplatte

© Henri C Buffart


Erarbeitung der Form - Styroporkern

1:1 Übertragung der Seitenansicht auf Karton mittelhilfe eines Beamers

In einem zweiten Durchgang wurden die Platten angeklebt, aus denen der Kopf wird

Verkleben der Styroporplatten

Werkzeuge: 1. Stahlbürste für grobes Arbeiten 2. Raspel 3. Raspel mit umgekehrem Blatt (Schubbelastung) 4. Marker 5. Zollstock © Henri C Buffart

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erstes grobes Herausarbeiten der Konturen

xx

Stand 08.12.2011

Stand 19.01.2012

Š Henri C Buffart


Stand 16.02.2012, fertige Styroporskulptur

Š Henri C Buffart

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Auftragen der Aussenhaut - Laminieren des glasfaserverstärkten Kunststoffs

Die beiden Komponenten des Epoxidharzes (Reckli-Bauharz)

Glasfasermatten - In diesem Falle wurde ausschließlich mit dem feineren Gewebe gearbeitet.

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© Henri C Buffart

Detailaufnahme des Kopfes nach dem Aushärten des Harzes


Das nun überaus stabile Objekt in der Seitenansicht

Laminierfehler durch überlappende Glasfasermatten. Dies wird im nächsten Arbeitsschritt weggeschliffen.

Flanke - Rundungen sind sauber herausgekommen

© Henri C Buffart

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Finale Abarbeitung der Oberflächen

Glattschleifen der faserigen Oberfläche

Extzenterschleifer mit angekoppeltem Staubsauger

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© Henri C Buffart

glattegeschliffene Oberffläche


Auftragen Epoxidharzbeschichtung

Š Henri C Buffart

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Abschleifen und Spachteln

Werkzeug und Materialien: vlnr: Autospachtel und Härter, PVC-Rohr, Montagekleber, Vorstreichfarbe, Aceton und Mattlack

Detail vordere Aufhängung: mit Montagekleber eingeklebtes PVC-Rohr zum Anziehen der Mutter (später wird rings herum zugespachtelt)

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© Henri C Buffart


Lackierung

Lackgrundierung mit Vorstreichfarbe

neue Sockelplatte

frisch lackiertes Objekt

Š Henri C Buffart

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Ergebnis & Fazit - Ergebnisfotos

Während des Arbeitsprozesses konnte man beobachten und beeinflussen, ob der Körper des Objektes eine befriedigende Form annimmt. Das Ergebnis jedoch konnte erst mit der Montage der beiden Teile in seiner Gesamtheit beurteilt werden. Die überraschend gut funktionierende und elegante Schaukelbewegung, sowie die Solidität des Objektes überzeugt mich. Die Sockelplatte, die kurz vor der Fertigstellung neu entworfen und ersetzt wurde, spielt dabei eine Rolle, ebenso die mattschwarze Lackierung, die bei Manchen auf Kritik gestoßen ist. Ich selbst erfahre die stattliche Erscheinung dadurch als verstärkt und dem Konzept entsprechend. Die Zielsetzung ist erfüllt und das Objekt ist benutzbar. Dimension, Material, Bewegung und Erscheinung spiegeln in konzeptueller Hinsicht die Entschleunigung wieder. Kinetik und statischer Charakter wurden elegant vereint. Ob ‘das Objekt an die Freude durch die einfachen Dinge zurückerinnert und durch seinen Maßstab die Gelassenheit seiner Beobachter und Benutzer prüft‘ (Wortlaut aus dem Konzept) bleibt natürlich dem Betrachter überlassen. Hinsichtlich des Gedankens, dem das Konzept zugrunde liegt, Architektur als regungslose Monumente inmitten ihrer sich exponentiell beschleunigenden Umwelt zu betrachten, kann man die wangestrebte ,Allegorie der Wahrnehmung‘ als gegeben betrachten.

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© Henri C Buffart


Š Henri C Buffart

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B. Sc. Arch RWTH Henri C Buffart henri.buffart@hotmail.com +49 176 21 75 46 27

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