Page 6

6

Ob Kind oder Künstler: Wasser wird blau gemalt. Dabei ist Wasser farblos. Manchmal erscheinen Seen, Flüsse oder Küstenwasser eher grün, braun, grau, schwarz oder sogar rot. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung „Fernerkundung“ nutzen die unterschiedlichen Wasserfarben für spannende Forschungsfragen. Denn aus der Farbe lassen sich bestimmte Eigenschaften des Wassers ableiten. Dafür begeben sie sich an, auf und über das Wasser und nehmen Wasserproben mit in ihr Labor. Dort messen sie neben der „Farbe“ des Wassers Konzentrationen verschiedener Schwebstoffe, Algen (Chlorophyll) und organischer Abbauprodukte wie Gelbstoff sowie deren optische Eigenschaften. Wichtige Unterstützung erhalten sie bei ihrer Arbeit aus dem All: Satelliten beobachten seit rund 40 Jahren systematisch den Zustand der Meere und Gewässer. Die Konzentrationen der Substanzen werden dabei aus den sogenannten Reflektanzen abgeleitet. Dabei handelt es sich um das Verhältnis zwischen reflektierter und einfallender Lichtintensität. Einflüsse der Atmosphäre, die den größten Anteil des gemessenen Signals ausmachen, müssen herausgerechnet werden, die sogenannte „Atmosphärenkorrektur“.

©HZG/Christian Schmid

Ein Hauptaugenmerk der Forscher liegt auf der genauen Beschreibung der optischen Eigenschaften, das heißt Absorptions- und Streueigenschaften sowie Reflexionsvermögen der Wasserinhaltsstoffe. Das erfolgt hier im Optik-Labor: In definierten Messreihen mischen die Küstenforscher dem Wasser Phytoplankton und weitere Inhaltsstoffe zu und messen die Lichtabsorption und Streuung. Die Werte lassen sich mit den Satellitendaten abgleichen und geben Auskunft über die Menge, Verteilung und Art des Planktons sowie anderer Inhaltsstoffe im Meer. Behörden für Bade- und Trinkwasserqualität nutzen die Satellitendaten ebenso wie Fischerei, Klimaforscher und Ozeanografen.