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Otto-von-Guericke Universität Fakultät für Sozialwissenschaften Institut für Soziologie Tutorium: Tutorin: Referenten: Semesterlage: Datum:

Dienstags von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr Gebäude 40 – Raum 437 Rebecca Eulzer Conny B., Katja S., René Z. Wintersemester 2008/09 30.11.2008

Thema:

Soziale Ungleichheit

1. Definition „Als soziale Ungleichheit bezeichnet man bestimmte vorteilhafte und nachhaltige Lebensbedingungen von Menschen, die ihnen aufgrund ihrer Position in gesellschaftlichen Beziehungsgefügen zukommen“ (Hradil Stefan: 2003; S 206)) wertbehafteter Begriff ⇒ soziale Differenzierung 2. Arten a. Verteilungsungleichheit • Verteilung der Ressourcen ist ungleich und bezogen auf die Sozialstrukturierung der Bevölkerung b. Chancenungleichheit • bessere oder schlechtere Chancen bei der Ressourcenverteilung für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe 3. Strukturebenen der sozialen Ungleichheit Ursache: • Entstehung der Strukturen und Gefüge sozialer Ungleichheit durch Bestimmungsgründe und Mechanismen • Bsp: ökonomische Ausbeutung, soziale Vorurteile -

Determination: • soziale Merkmale von Menschen • keine Vor- & Nachteile • mit sozialen Ungleichheiten einhergehen • Bsp: zugeschrieben – Alter, Geschlecht; erworben – Bildung, Beruf

-

Dimension: • sind (un-)vorteilhafte Lebensbedingungen • „klassische Dimensionen“ - Besitz/Einkommen, Macht, Ansehen/Prestige • „neue“ Dimensionen: Bildung, Freizeit-, Wohn-, Umwelt-, Arbeits- oder Gesundheitsbedingungen, soziale Sicherheit -

Auswirkungen: 1. „äußere Lebensbedingungen“ • Bsp: Luxus oder Kargheit, Reichtum oder Armut 2. Werthaltungen & alltägliche Verhaltensweisen


Bsp: Optimismus oder Pessimismus, Aktivität oder Lethargie,

4. historische Entwicklung des Begriffs „soziale Ungleichheit“ 4.1. „Entdeckung“ der sozialen Ungleichheit • Jean Rousseau (1712 – 1778) erste Theoretiker (Begründer) modernen Ungleichheitstheorie • Erkenntnis: „natürliche“ und „soziale“ Ungleichheit • bedingen einander • Bsp: Frau seltener in höheren beruflichen Positionen als Mann ⇒ soziale Ungleichheit determiniert von „natürlicher“ Ungleichheit 4.2. Modelle zur Erklärung der sozialen Ungleichheit 1. gottgewollt/naturgegeben ⇒ unveränderbar 2. Form gesellschaftlicher Differenzierung • soziale Ungleichheit verändert sich ständig • Veränderungen der sozialen Strukturen & der Formen sozialer Ungleichheit = sozialer Wandel 4.3. Aktuell - gesellschaftliches Gefüge sozialer Ungleichheit • Spiegel der Kultur & politischen Ordnung der Gesellschaft • geschlossene & starre Ordnung ⇒ wenig Demokratie & Freiheit • nicht vermeidbar & vollständige Abschaffung nicht wünschenswert ⇒ Ursache für soziale Konflikte & sozialen Wandel ⇒ Antriebskraft für gesellschaftliche Interaktionen 5. soziale Ungleichheit im Beruf am Beispiel „Mann & Frau“ 5.1. historische Betrachtung 5.1.1. Frauenbild in der Antike • Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) begründete nachhaltiges Frauenbild: o Beschränkt Tugend des Denkens auf reife, männliche Erwachse o Frau = „unvollständiger Mann“ (Lüdke, Runge, Koreuber, 2005, S. 62) o „Der Mann gibt die Form, die Frau den Stoff“(Lüdke, Runge, Koreuber, 2005, S. 62) • Dieses Frauenbild war maßgeblich bis in die Neuzeit, die Vererbungstheorie wurde erst von Darwin im 19. Jhd. widerlegt 5.1.2. Frauenbild im Mittelalter • Frauenfeindliche, diffamierende Schilderungen • Kirche reduzierte die Frau auf ihr durchtriebenes, widerspenstiges, zänkerisches, triebgesteuertes Wesen, dass erst vom Vater, später vom Mann erzogen werden muss • Sexualität der Frau musste reglementiert werden = Ehe = hat nur die Verpflichtung für Nachwuchs zu sorgen, keine Freude daran • Keine Arbeit in öffentlichen Ämtern • Begründung für Minderwertigkeit der Frau: Eva wurde aus Adams Rippe erschaffen


• Eva kostete Frucht vom verbotenen Baum = Sünde -> Strafe sind die Schmerzen bei der Geburt eines Kindes und die Monatsblutungen • Das Leben in der Ehe: o Mädchen wurden mit 12-16 zwangsverheiratet (möglichst ehrenvoll, denn die Frau nahm den Stand des Mannes an – auch im Negativen) o Sie waren dem Ehemann untertan o Der Gatte besaß Vormundschaft für seine Frau o Die Verwaltung des Vermögens oblag dem Mann o Leben und Handeln der Frau von Verwandten (prüften ob der Mann zu seiner Hilfsverpflichtung stand) und Hofstaat (beobachteten kontinuierlich die Treue der Ehefrau) überwacht • Vorwürfe von Prostitution, Zauberei, Abtreibung = Frauen sind schlecht = allgemeingültiger Grund für die schlechte Behandlung der Frau • Vergewaltigung, Brutalität, Unterdrückung von Männern grausame Realität 5.1.3. Aufgaben/ Möglichkeiten der Frauen • In der Ehe: o Oberste Priorität: Gebären zum Erhalt der Familie o Haushalt o Bewirtschaften der Gäste o Befriedigung des Mannes • Gottgefälliges Leben im Kloster 5.1.4. Das Männerbild • • •

Musste maskulines Männerbild verkörpern Heldentum, Mut, Tapferkeit und Omnipotenz sind die wichtigsten Tugenden -> Mannheit, höchstes Gut: Ehre Galt das Ernährer, Beschützer, (Arbeiter) für die Familie – ohne ihn konnte die Familie nicht überleben

5.2. neuzeitliche Betrachtung 5.2.1. Soziale Ungerechtigkeit im Beruf Fakten: • schwache Frauenerwerbsquote (64,6 %) • Frauen verdienen im Durchschnitt 26 % weniger als Männer • Frauen sind kaum in Führungspositionen vorhanden Beispiel: • Bankkauffrau: monatlich 2.967 Euro • Bankkaufmann: monatlich 3.682 Euro = 716 Euro mehr! Gründe: • Vorurteile und uralte Rollenmuster verändern den Blick auf das was Frauen leisten/leisten können • Frauen arbeiten im durchschnitt in ihrem Leben weniger als Männer (Schwangerschaft etc.), dadurch entstehen im Lebenslauf Lücken, wodurch sie als unproduktiv gilt -> schlechtere Bezahlung


• In den 70iger Jahren erhielten Frauen tatsächlich eine schlechtere Ausbildung, das schlägt sich bis heute in den Statistiken nieder. • Typische Frauenberufe führen häufiger in Sackgassen, in denen es keine Möglichkeiten mehr für einen Beruflichen aufstieg gibt. Außerdem werden sie weniger gut bezahlt, da sie in der Gesellschaft weniger hoch angesehen sind. 5.2.2. Soziale Ungerechtigkeit in der Familie • Viele Männer haben weiterhin das alte Rollenbild -> Mann verdient das Geld und Die Frau kümmert sich um Familie und Haushalt • Aber auch viele Frauen sehen sich weiterhin in diesem Rollenbild verankert • wichtige Rahmenbedingungen, dass beide Arbeiten gehen können sind nicht gegeben. (z.b. Kinderbetreuungssystem) 6.Quellen DRINK, B. (o.J.): Blickwinkel der Geschlechterforschung, in: Lüdke, D./ Runge, A./ Koreuber, M. (Hrsg.) (2005): Kompetenz und/oder Zuständigkeit - Zum Verhältnis von Geschlechtertheorie und Gleichstellungspraxis, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S. 62 KORTE, H. & Schäfers, B. (Hrsg.) (2003): Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie; 6. Auflage; Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S.184-185, 206 SOLGA, H./Berger, P.A./Powell, J. (2009): Soziale Ungleichheit – ein zentrales Thema der Gesellschaftsanalyse. Eine Einführung. In: Dies. (Hrsg.): Soziale Ungleichheit. Klassische Texte zur Sozialstrukturanalyse, Frankfurt/New York: Campus http://www.welt.de/politik/deutschland/article803999/Frauen_verdienen_deutlich_weniger_al s_Maenner.html http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,558454,00.html http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Elternschaft/s_680.html http://www.lohnspiegel.de/main/frauenlohnspiegel/frauengehalter-niedriger http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EFCFC5926203 C4C40854C971B38667DAD~ATpl~Ecommon~Scontent.html


Handout für Vortrag über die Soziale Ungleichheit zwischen Geschlechtern