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Flexible Leitungen ortsfest montiert Wir hatten letzthin in unserer Firma eine angeregte Diskussion über die Verlegung von Leitungen. Auch nach längerer Zeit waren wir uns nicht einig, ob flexible Leitungen ortsfest verlegt werden dürfen oder ob diese ausschliesslich für die ortsveränderliche Verlegeart zugelassen sind? (S. R. per E-Mail) Für die ortsfeste Verlegeart definiert die NIN keine besonderen Ansprüche an die Bauart der Leitung. So können also steife, flexible und hochflexible Leitungen ortsfest installiert werden. Im Artikel 5.2.2.8.8.1 ist nachzulesen, dass flexible und hochflexible Leitungen bei ortsfester Montage in Rohre einzuziehen sind, oder man wählt eine andere Verlegeart, wobei jedoch zu beachten ist, dass die Befestigungsmittel die Leitung nicht beschädigen. Weiter heisst es, dass Nägel und Agraffen nicht als Befestigungsmittel eingesetzt werden dürfen. Flexible Leitungen werden oft mit der ortsveränderlichen Verlegeart in Verbindung gebracht, natürlich

auch darum, weil man sie dort auch am häufigsten antrifft. Verlegt man nun aber diese flexiblen Leitungen ortsfest, so darf auf keinen Fall der Leiterquerschnitt von der ortsveränderlichen Verlegeart übernommen werden. Auch für flexible Leitungen muss bei ortsfester Verlegeart der Querschnitt entspre(pn) chend dimensioniert werden.

NIN-Know-how

Für die Standbauten sind die Eigentümer teils Firmen, teils Vereine und auch Privatpersonen verantwortlich. Gerade bei Vereinen stellt sich bei solchen Anlässen oft die Frage nach den Verantwortlichkeiten. Wenn die für den Anlass verantwortliche Person keine weiteren Regelungen mehr trifft, so trägt diese Person nun die Haftung auch für solche Stände. Besser für den Bewilligungsträger wäre es jetzt, vorgängig und schriftlich von jedem Standbetreiber eine Person zu bezeichnen, welche für das Einhalten der Vorschriften Rechenschaft ablegt. Gemäss SEV-Info Nr. 2027 1.b vom November 2005 müssen Sicherheitsnachweise bei solchen Jahrmärkten wie folgt ausgestellt werden: • für alle fest angeschlossenen Teile, seien es Installationen oder auch Erzeugnisse • für gesteckte Anschlüsse mit Nennstrom grösser als 32 Ampere, es denn, eine Konformitätserklärung nach NEV liegt vor. Keinen Sicherheitsnachweis brauchen Anlageteile, welche gesteckt werden und keinen grösseren Nennstrom als 32 Ampere aufweisen. Diese werden als Erzeugnisse betrachtet, weshalb (auf Verlangen) eine Konformitätserklärung vorgelegt werden muss. Für die normenkonforme Installation finden Sie alle Angaben in Kapitel 7. 11 (dk) der NIN.

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Kurzschlussselektivität Nach dem Einzug in die neue Eigentumswohnung hat sich unser Kunde darüber beklagt, dass ein Defekt in der Waschmaschine im Keller die halbe Wohnung stromlos gemacht habe. So etwas sei keine fachmännische Installation. Wir haben aber, wie so oft, eine Bezügersicherung D II mit 25 Ampere Nennstrom und für die Gruppe Waschmaschine einen LS-C mit 16 Ampere eingebaut. Genügen zwei Stufen nicht mehr für das Einhalten der Selektivität? (K. B. per E-Mail) Wenn es hier um Obst ginge, würden Sie Äpfel mit Birnen vergleichen, ist ja fast dasselbe. Wir müssen Selektivität im Kurzschlussfall von der Überlastselektivität unterscheiden! Die einfachere Variante für die Planung ist sicher die Überlastselektivität. Beim Hintereinanderschalten von Schmelzsicherungen ist die Selektivität eingehalten, wenn der Nennauslösestrom der vorgeschalteten Sicherung mindestens um den Faktor 1,6 höher dimensioniert ist. Früher (nach älterer SEV-Norm) betrug der Faktor sogar 2, vielleicht hier die Verwechslung mit «2 Stufen». Macht man das Gleiche mit Leitungsschutzschaltern der Charakteristiken B, C oder D, so genügt ein Faktor von 1,5. Im Kurzschlussfall treffen wir aber eine ganz andere Situation an: Es fliesst nämlich sehr rasch ein sehr grosser Strom, der in keiner Art und Weise mit einem Überlaststrom verglichen werden kann. Zudem hängt die Grösse dieses Stromes nun im Wesentlichen von der Entfernung zur Energiequelle ab, ist also an jedem x- beliebigen Ort wieder anders. Die Selektivitätsgrenze hängt hier also von der Grösse des Kurzschlussstromes ab und muss aus den Herstellerangaben entnommen werden. Aus Abbildung 4 ersehen Sie, dass z. B. ein LS-C 16 A zu einer Schmelzsicherung 25 A bis zu einem Strom von 560 Ampere selektiv ist. Gerade im Wohnungsbau nimmt man (vielleicht gar nicht so bewusst?) in Kauf, dass die Anlage nicht 100% selektiv ist. Jedoch nimmt man mit einer Risikoabwägung

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