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Telematik & Multimedia

2 2 Der Blackberry 9000 Bold als bewährtes Werkzeug für die professionelle Unternehmenskommunikation.

takten funktioniert mit Microsoft Exchange 2003 und 2007. Zusätzlich unterstützt es Remote Wipe (ferngesteuertes Löschen aller Daten ab Server, etwa bei Diebstahl), IPSec-VPNs von Cisco und WPA2 Enterprise für eine erhöhte Sicherheit. Zudem haben Firmen die Möglichkeit zur zentralisierten Konfiguration ihrer iPhones. Privaten Anwendern oder Kleinunternehmen ohne Exchange-Server bietet Apple einen Online-Service zur Synchronisation von E-Mails und anderen Daten unter dem Namen «Mobile Me» an (119 Franken pro Jahr inkl. 20 GB Speicherplatz). Dabei handelt es sich um eine stark überarbeitete Version des altbekannten Mac, das es seit Jahren den MacAnwendern erlaubt, mehrere Rechner zu synchronisieren oder Dateien im Web abzulegen. Damit wird die (bei Blackberry-Usern sehr beliebte) Push-Funktion für E-Mails auch hier möglich. Die integrierte Kamera enttäuscht mit ihrer für ein neues Multimedia-Endgerät tiefen Auflösung von nur 2 Megapixeln. Zudem kann man mit ihr nur Fotos schiessen, aber nicht filmen – heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Den grössten (indirekten) Mehrwert bringt wohl das seit März 2008 verfügbare Software Development Kit (SDK), mit dem Drittentwickler mit den bekannten Werkzeugen wie Xcode und Interface Builder Anwendungen in Objective-C für das iPhone erstellen können. Beeindruckende Beispiele sind unter anderem fantastisch-realistische Spiele von Sega oder Pangea, die mit dem Lagesensor des iPhones gesteuert werden, oder eine Nachrichtenanwendung von Associated Press. Das Fehlen von Hintergrund-Prozessen will Apple mit einem zentralen Notification Service ausmerzen, der die Akku-Leistung schonen soll. Apropos Akku: Dieser ist beim iPhone wie schon bei den iPods fest eingebaut. Stirbt der Akku, wird auch das Gerät unbrauchbar. Allerdings gibt es von Drittanbietern beim iPod einen Austauschservice (ab 49 Franken). Für das iPhone ist die Situation noch offen – Lifestyle und konsequenter Umweltschutz scheinen nicht unbedingt kompatibel zu sein. Und: Einen Upgrade für das alte iPhone auf die neue 2.0-Software gab es bei Drucklegung noch nicht. Die für die Schweiz gehackten Geräte werden durch einen Firmware-Upgrade daher unbrauchbar. Wegen der grossen iPhone-Community dürfte die Problemlösung aber nur eine Frage der Zeit sein. Ausser beim Telefonieren sollte der Benutzer übrigens zwei Hände zur Verfügung haben – als Gerät zur vollständigen Einhandbedienung taugt das iPhone nicht. Zudem bleibt im Zusammenhang von Microsoft-Software und der gehackten Firmware des ersten iPhones ein ungutes Gefühl betreffend Sicherheit, wobei Microsoft und Apple etwaige Bedenken aber zerstreuen. Schwerwiegender erscheinen die Testergebnisse der Konsumentenschutzorganisation FRC (Fédération Romande des Consommateurs). Das iPhone 3G ist sehr feuchtigkeitsempfindlich und hat bei der Wasserresistenz eines der schlechtesten jemals

gemessenen Resultate erzielt. Die dabei beobachteten Effekte sind denkwürdig: Der Akku ist schnell leer, das Gerät überhitzt sich, und die Touchscreen sowie die Lautsprecher sollen nicht mehr optimal funktionieren. Als wenn das noch nicht alles wäre, bleiben die Probleme laut FRC bestehen, wenn das Gerät wieder trocken ist. Die Ursache soll das Plastikgehäuse sein. Stolze iPhone-3G-Besitzer sollten das Gerät also gut schützen und auch während des Regens nicht im Auto liegen lassen. Die dortige Luftfeuchtigkeit hat schon so manchem Handy den Exitus beschert. Blackberry 9000 Bold Grosse Erwartungen werden an den Blackberry Bold der bereits 1984 gegründeten Firma Research In Motion (RIM) aus Kanada gestellt. Ebenso wie bei den Apfel-Jüngern existiert auch bei Blackberry eine treue Fangemeinde – besonders im Bereich von Unternehmensapplikationen, wo das iPhone Neuland betritt. Im Vergleich dazu der erste Eindruck vom Bold: kleineres, aber ebenfalls brillantes Display, bewährte QWERTZ-Tastatur mit Einhandbedienung für beschäftigte Manager (rechts der Blackberry, links der Rollkoffer), dazu ein integriertes GPS-System zur Orientierung unterwegs sowie eine 2 Megapixel-Kamera mit Blitz und 5-fach-Digitalzoom für Schnappschüsse. Besonders stolz ist der Hersteller RIM auf den mit 624-MHz getakteten Prozessor. Datenund Sprachdienste sollen sich so gewohnt schnell gleichzeitig nutzen lassen, etwa Telefonieren und parallele Mail-/Textbearbeitung. Der interne Speicher umfasst zwar nur 1 GByte, lässt sich aber über eine MicroSD-Karte fast beliebig erweitern. Der Blackberry Bold bietet bei HSDPA eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von «nur» 3,6 MBit/s (statt 7,2 MBit/s wie beim iPhone 3G). Man ist deswegen aber nicht unbedingt langsamer im Web unterwegs, weil der Blackberry jeden ein- und

iPhone mit Orange oder Swisscom? Eine Enttäuschung für Vielnutzer ist die Tatsache, dass es bei beiden Anbietern kein Angebot mit Flatrate gibt. Andererseits sind die in den Abos enthaltenen Datenmengen für Otto Normalsurfer ausreichend bis mehr als genug. Bei Orange sind dies grundsätzlich ein GByte, bei Swisscom je nach Abotyp 100, 250 oder 1000 MByte (Postpaid). Das Prepaid-Abo Easy von Swisscom eignet sich nur für ausgesprochene Wenignutzer, zumal das iPhone 3G mit 519 Franken (8 GByte Speicher) bzw.

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619.– Franken (16 GByte) viel teurer als mit den 24-Monatsverträgen ist (99 bis 349 Franken). Gesprächsgebühren sind bei Orange zwischen 30 und 100 Minuten enthalten. Swisscom-Kunden zahlen 50 bzw. 70 Rappen (Postpaid) bzw. 80 Rappen pro Stunde/pro Gespräch (Prepaid). Dazu kann Swisscom ihre gut ausgebaute Netzinfrastruktur in die Waagschale werfen. Neben dem flächendeckend ausgebauten EDGE (99,8% der Bevölkerung) mit mindestens 100-150 kBit/s steht die schnelle UMTS-

Variante HSPA (rund 85% der Bevölkerung) mit bis zu 7,2 MBit/s bereit. Orange kommuniziert zur UMTS-Abdeckung keine vergleichbaren Zahlen und bietet ausserhalb grosser Städte und entlang den Hauptverkehrsachsen (dort UMTS mit max. 384 kBit/s, an ausgewählten Orten auch HSPA mit max. 3,6 MBit/s) nur das langsame GPRS (hier über 99% der Bevölkerung) mit weniger als 50 kBit/s. Da ist es dann schnell vorbei mit dem schnellen Surfen.

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