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No6 • 07/2011

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Theater „Traum vom Leben“ S.38

Die Würde des Menschen ist unantastbar Teil 4 Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber wo käme man denn hin … Weiter auf S.5

Hund oder Mensch? Teil 5

Stellen Sie sich vor, der Baum vor Ihrem Haus verliert sein ganzes Laub und wird zunehmend dürr und kahl … Weiter auf S.34


Heimfocus@yahoo.de

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Inhalt Editorial ......................................................................................................................... 3 DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR......................................................... 5 AUCH EIN FLÜCHTLING IST ZUALLERERST EIN MENSCH............................................. 7 friedenspreis.................................................................................................................8 Exhausted sound....................................................................................................... 10 Norooz........................................................................................................................... 12 himmel auf erden........................................................................................................ 13 Ziviler Friedensdienst............................................................................................... 14 Neue Asyl-Beratungsstelle bei Amnesty International Würzburg ....16 Zu FuS zur Arbeit – ziviler Widerstand in Uganda......................................... 17 „Irgendwo am Rand ist auch mittendrin” - ?.....................................................18 Schwangere Illegale: Aus Angst nicht zum Arzt.......................................... 19 interview ........................................................................................................................ 20 Das Mysterium äthiopischer Philosophie.........................................................24 Hunger, Hoffnungslosigkeit, Hilfsbedürftigkeit .......................................26 Seminare der Akademie Frankenwarte.............................................................28 vom Spiel mit Demokratie zur Grünen Bewegung......................................... 30 Projektgruppe Asyl bittet Staatsregierung . ............................................... 32 Hund oder Mensch?.................................................................................................... 34 Flüchtlingserfahrungen in Julia Francks Roman „Lagerfeuer” ..........36 Würzburger Montagsspaziergang feiert 25. Jubiläum............................... 37 „Wie kann man das ertragen?”...............................................................................38 „umgekommen /angekommen – nicht willkommen?”......................................39 Traum vom Leben.........................................................................................................40 africa Festival Würzburg 2011............................................................................... 42 AFRIKA ZWISCHEN AUSBEUTUNG UND AUFBRUCH...................................................44 Impressum......................................................................................................................46

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Editorial

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Würzburg offen für Integration Was braucht man, um Flüchtlinge zu integrieren?

Addis Mulugeta

Jahrelang werden sie in Lagern abseits der Gesellschaft gehalten und doch öffnen Flüchtlinge immerzu ihre Herzen und strecken ihre Hände aus, um mit der einheimischen Bevölkerung vertraut und um integriert zu werden. Dazu ist Sprachkenntnis ein unabdingbarer Schlüssel, um die Kluft in der Kommunikation zu überbrücken. Die Frage stellt sich, welchem Zweck dient das jahrelange Verweigern von Sprachkursen für Flüchtlinge? Dabei wird von ihnen erwartet, behördliche Schreiben zu verstehen, ohne Sprachkenntnisse. Wie soll das gehen? Sich differenziert im Krankenhaus, im Amt verständlich zu machen. Wie könnten sie das? Was für ein Bild haben Flüchtlingskinder, die in der Schule fließend Deutsch lernen, von ihren hilflosen Eltern, die die Sprache lernen wollen, aber nicht dürfen? Ganz zu schweigen von einfachen Kontakten im Bus, in der Stadt, in der Nachbarschaft. Es trifft wohl zu, dass Flüchtlinge und Migranten in der Gesellschaft des Gastlandes oder der neuen Heimat Spuren hinterlassen. Doch warum sollte dies negativ sein? Wenn die Neuankömmlinge teilen und von sich etwas geben und die Einheimischen ebenfalls, wird niemandem etwas genommen, sondern allen etwas geschenkt. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Selbst die wenigen Flüchtlinge, die hier einen gesicherten Aufenthaltsstatus erlangen, ringen trotz eines Integrationskurses oft hart um ihren Platz im neuen Leben, um Kontakte mit den einheimischen Nachbarn, um Teilhabe an der Gesellschaft. „Wir haben Probleme, uns verständlich zu machen, unsere Fragen und Anliegen mitzuteilen,“ klagen sie mitunter,“uns fehlen Vertraute, die uns ein Stück weit

begleiten.“ Es gibt noch viel zu tun, um Flüchtlinge offen und gastfreundlich aufzunehmen und um deren Beziehungen zu Einheimischen zu ermöglichen. Würzburg hat jedenfalls verstanden, dass unterschiedliche Kulturen in der Stadt eine Quelle der Bereicherung sind und ein Potenzial für positive Entwicklungen. Es öffnet sich für Begegnungen mit ausländischen Gästen und gibt ihnen Raum, sich und ihren kulturellen Reichtum zu präsentieren. Die Veranstaltungen des letztjährigen Interkulturellen Herbstes, verschiedene integrative Feste und Begegnungen wie das gemeinsame Ramadan-Brechen, das Kulturenfest des Ausländer- und Integrationsbeirats, das internationale Sommerfest des Ökumenischen Zentrums Lengfeld sind nur einige wenige Beispiele gelebter Begegnung. Und diese ist der Beginn aller Kommunikation und Integration. Zu den ganz aktuellen Höhepunkten gehört das Projekt „Traum vom Leben“ des Mainfranken Theaters und der Akademien der Stadt, bei dem erstmalig Flüchtlinge aktiv mitwirken. Die Mönchberg-Schule und die Hauptschule Heuchelhof sind Erfolgsgeschichten gelungener Integrationsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. In den Stadtteilen Heuchelhof und Zellerau wird mit einem engagierten Quartiersmanagement viel getan, um ein bereicherndes Zusammenleben vieler Nationalitäten zu gestalten. Das Würzburger Afrika Festival gehört sicherlich zu den kulturellen Besonderheiten der Stadt. Die 23. Auflage dieses Festivals fand vom 02. bis 05.Juni 2011 statt. In diesen Tagen brachten Gäste aus verschiedenen europäischen und auch einigen afrikanischen Ländern Farbe in die Stadt. Festivals dieser Art sind Gelegenheiten für Begegnungen, aber auch für Präsentationen unterschiedlicher Länder mit ihrer Geschichte, Kultur, Tradition, Bräuchen, Speisen, Natur und Gesellschaft. Leider war gerade davon auf dem Afrika Festival nicht viel zu sehen, nicht von der Vielfalt Afrikas, vielleicht abgesehen von einigen wenigen Beispielen. Wenn man dieses Jahr schon den Fokus auf die Karibik und das Elend der Sklaven

in vergangenen Zeiten richtete, warum nicht einmal ein einziges Wort zu dem Drama der abertausende afrikanischer Flüchtlinge der heutigen Zeit? Und zu der unrühmlichen Rolle Europas darin damals wie heute? Es hat mich betroffen gemacht, die vielen Flüchtlinge aus dem benachbarten Flüchtlingslager vor dem Zaun des Festivalgeländes stehen zu sehen, die meisten davon starke, vielversprechende junge Menschen, die willens und fähig sind, zu lernen, zu arbeiten und zu dieser Gesellschaft beizutragen, aber sie dürfen es nicht. Mit ihren 1,30€ Taschengeld pro Tag konnten sie sich niemals das Ticket leisten und so blieb ihnen eine der ganz wenigen Möglichkeiten verwehrt, ihrer Isolation, dem Stress und der Depression des Lagerlebens zu entfliehen, mit Menschen zwanglos in Kontakt zu kommen und am Vergnügen der Festivalbesucher teilzuhaben. Für die Meisten war der Fußmarsch vom Lager zum Festival und zurück vergeblich. Und wie viele Flüchtlinge, die in weit abgelegenen Lagern leben müssen, können nicht einmal über den Zaun eines solchen Festivals schauen? Wann und auf welche Weise bekommt das Thema Flüchtlinge endlich die verdiente Aufmerksamkeit in den Medien, in der Bevölkerung, in der Politik? “Schau und verstehe“ - Flüchtlinge in jedem Lager strecken Hilfe suchend ihre Hände aus und öffnen ihre Herzen, um den Bürgern vor Ort zu begegnen. Und bevor jemand von diesen Meinungen äußert und urteilt, sollte er sich die Mühe einer Begegnung machen und mit eigenen Augen sehen, wie Flüchtlinge leben müssen. Das trifft in besonderem Maße für Politiker zu, die weitreichende Entscheidungen über das Leben so vieler ausgelieferter Menschen treffen. Nur wenn man jemandem direkt ins Gesicht blickt, wenn man seine Stimme hört und seine Hand hält, begreift man sein einmaliges Wesen und seine Bedürfnisse – und ändert vielleicht sein vorgefasstes Bild von ihm, seine Haltung und seine Entscheidungen.


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DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR Teil 4

ich habe ja nichts gegen ausländer, aber … ...wo käme man denn hin, wenn die alle einfach so herkommen könnten und sich hier ein schönes leben machen - auf unsere kosten, versteht sich! Mein leben ist auch kein Wunschkonzert!

Bus reden die dann schon wieder in ihrer Muttersprache. Und mit uns deutschen haben die eh nix am Hut.

Selbstverständlich habe ich nichts gegen Ausländer, die sind ja alle so nett und zuvorkomUm Gottes Willen, ich habe nicht im mend, wenn man sie im Urlaub trifft. aber hierher kommen nun mal die, die Geringsten etwas gegen Ausländer, aber hören Sie doch auf mit dieser Gut- daheim eben nicht buckeln wollen die Wissen Sie, eigentlich habe ich nichts mensch-romantik von Nächstenliebe, hier nur schnelles Geld machen wollen. gegen Ausländer, Solidarität, Gerechtigkeit und so. die aber wo soll das hinführen, wenn es hier sind doch selber schuld, wenn sie es da- Eigentlich habe ich nichts gegen Ausländer, bald mehr türken und araber gibt als uns heim nicht geregelt kriegen. aber mal ganz unter uns deutschen, das deutsche? die vermehren sich ja wie die Was geht uns das an? wird man doch noch sagen dürfen: Wir karnickel, das liest und hört man doch überall! Und lernen und arbeiten wollen Nicht dass Sie mich falsch verstehen, brauchen hier kein Multikulti und so, früher hat es das ja auch nicht gegeben, die auch nix! ich habe nichts gegen Ausländer, aber wir sind hier im zivilisierten teil der überall diese Fremden, wo soll das noch Aber nein, ich habe doch nichts gegen Welt; man muss schon darauf bestehen, hinführen? Ausländer, dass die unsere leitkultur annehmen. aber es darf doch noch gesagt werden, Gerade wir sind ja eine traditionsreiche Wo denken Sie denn hin , ich habe wir sind doch wieder die dummen, da kulturnation und die kommen irgendwo nichts gegen Ausländer, aber diese Schwarzen, vorsicht, sage bietet man denen Sprachkurse an und im her aus dem Busch. ich! Nigerianische Mafia und so, drogendealer, kriminelle, die muss man schon gewaltig im auge behalten. Und als Frau, nee, da möcht' man denen nun wirklich nicht im dunkeln begegnen.

© Eva Dannenhauer, Asyl-AK der


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6 Persönlich habe ich ja nichts gegen Ausländer, aber es ist doch klar, sie müssen für uns schon von Nutzen sein, unserem anspruch und Bedarf gerecht werden, als volk und Gesellschaft, meine ich. die müssen schon was bieten können. Im Großen und Ganzen habe ich überhaupt nichts gegen Ausländer, aber so geht es doch nicht! alles nur Wirtschaftsflüchtlinge und illegale. da pumpt man Entwicklungshilfe rein und das langt nicht? Wir haben hier ja auch ganz schön zu kämpfen!

Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber wo käme man denn hin … Und übrigens: Niemand hier hat doch etwas gegen Ausländer, wie kommen Sie denn überhaupt darauf?

Wir sind doch weltoffen und gastfreundlich und ja, globalisiert sind wir auch. Wir mögen sie doch alle, William und kate, mein Gott, wie edel und königlich, und Brad pitt und david Beckham und obama natürlich auch ein bisschen und lady Gaga und Mutter theresa und von mir Ich habe nichts gegen Ausländer, aus auch johannes paul ii. und Nelson aber die sollen als Flüchtlinge doch froh Mandela und Serena Williams und Wlasein, dass sie ein dach über dem kopf ha- di klitschko, ja, und dede und Grafite ben, ihre ruhe und was zu futtern. Wem und annan, okay, die sind schwarz, aber das nicht passt, wer motzt, raus damit super FuSballer, da wollen wir mal nicht und tschüs. so sein...und johnny depp und ja, Bill Gates auch, der ist so sozial eingestellt,

die angelina jolie auch.Und dann erst die tollen schwarzen jungs und Mädels, wenn die auf dem afrika Festival auf den Mainwiesen singen und trommeln, dass das Zelt wackelt! Und ja, Sie haben recht, auch abraham, jesus und Buddha und Mohammed und Gandhi, alles ausländer, verehren wir doch auch, na ja, bei Mohammed, da weiS nicht so recht... Und der aristoteles, Sokrates und der platon und wie die alle hieSen, als die Germanen noch auf den Bäumen hockten, und Galileo, da vinci, Edison und so, die waren halt auch nicht von hier, aber das waren ja obergescheite... Und klar, die zum Beispiel finden wir doch auch super: H&M, ikea, toyota, Nokia, Samsung, Shell, Nestle, Facebook, Google, armani, Microsoft, apple, New yorker, Barrosso, Mcdonalds und Burger king und Mitsubishi und Starbucks und.... Niemand hier hat doch etwas gegen Ausländer, wie kommen Sie denn überhaupt darauf? Eva Peteler

© Eva Dannenhauer, Asyl-AK der


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AUCH EIN FLÜCHTLING IST ZUALLERERST EIN MENSCH

Als Flüchtling gilt nach der Definition der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, Art. 1.“ jede Person, die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will...“ Es ist wirklich nicht schwer, nachzuvollziehen, dass Flüchtling zu werden nicht eine Entscheidung ist wie von einem Viertel ins andere umzuziehen oder in Urlaub zu fahren. Es ist auch nicht wie zur beruflichen Ausbildung oder auf Geschäftsreise ins Ausland zu gehen. Es ist nicht einmal wie ein Tourist Sehenswürdigkeiten zu besuchen oder Mitglied einer Delegation zu sein. Es bedeutet, seine Heimat aufzugeben, in der man geboren und aufgewachsen ist, alles hinter sich zu lassen, die Orte seiner Kindheit, seine besonders mit Erinnerungen beladenen Stätten der Ausbildung und religiöser Beheimatung; es heißt, seiner Familie und seinen Freunden Lebewohl zu sagen wie auch dem ganzen Lebensumfeld.

Man lässt alles, was man war und was man besaß, hinter sich. Es braucht schon sehr viel Entschlossenheit und Mut, diesen Schritt zu wagen. Es ist eine endgültige Entscheidung, die man dann und nur dann trifft, wenn es keine annehmbare Alternative mehr gibt, den oben erwähnten Status eines Flüchtlings zu umgehen. Flüchtling zu sein bedeutet nicht nur, seine bisherige Biografie aufzugeben, sondern auch, die gegenwärtigen Widrigkeiten und Belastungen zu ertragen. Jeder Flüchtling in einem Lager in Deutschland hat über Monate, wenn nicht Jahre diese Realität zu bewältigen: Keine Erlaubnis, zu arbeiten, keine Sprachkurse, keine Bewegungsfreiheit außerhalb des gestatteten Bezirks, 40€ Taschengeld im Monat... All dies hat weitreichende Auswirkungen auf den Lebensalltag des Flüchtlings als Menschen. Man kann so nur Tag für Tag über-leben, wenn man getragen ist von der Hoffnung auf ein besseres Morgen, von einer Sehnsucht nach einer guten Zukunft für sich und auch seine Heimat. Flüchtling zu sein bedeutet jedoch nicht nur, seine Vergangenheit hinter

sich gelassen zu haben und die Gegenwart zu ertragen. Jeder Flüchtling ist zuallererst ein Mensch, der gekommen ist mit seinen einzigartigen persönlichen Begabungen, mit seinen kulturellen, sozialen, politischen und religiösen Überzeugungen und Werten, mit seiner persönlichen Vorstellung von universeller Existenz. Es ist also dieses wertvolle, einzigartige, von Gott geschaffene Individuum, das als Flüchtling um Asyl bittet in einem Land, in dem erwartungsgemäß die Menschen ein friedliches und besseres Leben führen. Flüchtling sein war schon zu allen Zeiten Teil der Menschheitsgeschichte. Und immer, damals wie heute, ging und geht es dabei um Menschen, Menschen an erster Stelle. Die Bedürfnisse der Asylsuchenden zu allen Zeiten ähneln sich: Zuflucht, ein Dach über dem Kopf, persönliche Sicherheit, Nahrung, aber auch Bewegungs- und Redefreiheit, Recht auf Arbeit und Zugang zu sozialer Teilhabe. Mich als Christen hier in einem christlich geprägten Land bewegen da wichtige Fragen (nach Mt. 25, 34-46): Seid ihr bereit, den Hungrigen Brot, den Dürstenden Wasser zu geben und die Fremden und Obdachlosen bei euch aufzunehmen?

Buch Kommunikation liebt und lebt:

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Abay Kiros


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das Heimfocus-redaktionsteam (hinten v.l.n.r.): Addis Mulugeta, Maneis Arbab (vorne v.l.n.r.): Abay Kiros, Eva Peteler

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Tel . 093 1 / 666601 1

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Kt o. − Nr. 2 905 3 3− 85 0 ( S pen den q ui tt u n g)

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Exhausted sound

Part 5

Letter to my family

Dear Mama and Papa, I know you are crying when you read this In addition, I don’t have the permission for letter, please don’t do it. I will see you when work and no chance to learn the language. I will get a free time. At this time, I will be In this case, it is difficult to integrate with there for a vacation. V-A-C-A-T-I-O-N, va- the people here. It is simply no money cation, what is wrong with me, ohhh God, I no funny!! Ohh Mama and Papa, I don’t forget that I am a refugee, my poor Mama, like to give you another headache, forgiforgive me! I don’t have the chance or free ve me! You have already enough pains in time to see you. I am so busy the whole the country you live in. I'm afraid by now day, weeks, months and years. Don’t ask most of our neighbours have gone to prime what I am doing. Forget about me! son, have been killed or cut their chances and rights. Still no dignity, no freedom, no You remember, Mama, when I was a small peace and prosperity in the country? child; you were frequently asking me what I would like to become. Like many other Anyway, it is already long time since I children in my age, I wanted to become a wrote this letter because I couldn’t find DOCTOR to give a relief for those who are anybody to bring it to you. For that matter, really sick. That was a nice wish, isn’t it? I don’t have money for posting it. It is expensive for people like me having only 40 When I grew up, I realized that it was a true Euro per month. But don’t worry I will find wish; I found out, there are a number of someone to bring the letter directly. sick people in our villages, towns and cities, country and continent and around the You politicians, you doctors, you engineers, world in general. you teachers, you taxi drivers, you social Even if people are in a difficult situation, workers, your priests and even you stuthey still explain their life as being good In this case, I am not talking about a natudents or you foreign office workers, please and nice. I am writing this letter to inform ral sickness but about those who are being do me a favour! Please drop this letter to you of some changes that are happening made sick and weak by politics. Although my family on the way to your vacation! I in my life. It is difficult to explain my situatithis is the truth, I haven’t fulfilled my wish wish you a nice and free time in my counton within this short letter. If I start to write and dream. ry, I can give you a guarantee that you can the whole, better not, you will be going move around and visit the sites freely. I am crazy, worried about me and mad at those Mama, please close your eyes, do not ask sure the local people, if there hasn't been who have been deciding on my life ending me again my wish! Close your ears, your any change within the last four years, will up like this. If you like to know a bit at least, son is no more becoming a doctor, rather show you a welcoming face. I am exhausted, worried, feared, careless ending up in a refugee camp living an unand not feeling good almost all the time. Mama, when I think about you, my eyes acceptable life. I don’t have the right to Bye, Mama and Papa, are full of tears. It is already a long time move around, only sleeping and eating, since I have seen you. Though I haven’t sleeping and eating, no privacy, we are Your exhausted “DOCTOR” Son, seen you, however, your image is always in more than four people living in a single room for years. Isaa Yakubu front of me and gives me strength.

I was just staring outside the window, just looking at the cars passing by and the forest over the hill. My eyes have got full of tears which dropped down the window. Then I heard a knock on the door; I cleaned my eyes and made my way to open the door. Ohh, here is my Iraqi friend; he is always asking me something for cooking. I asked him this time, tell me, for you, how is life in a refugee camp? He said, “I came to this country full of energy, confidence and enthusiasm but all of them are gone” and he added silently: God is great!!! Uhhhh, sorry, sorry, my Mama and Papa, since recent times I start to forget placing things in the right order. You see, I didn't even ask you how you are and how things are going on at home. There is so much disorder and confusion in my head and in my heart. How are you? And how are my brothers and sisters?


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Stimme der Erschöpfung

Teil 5

Ein Brief an meine Familie

Liebe Mama, lieber Papa, ich habe gerade eben am Fenster gestanden und hinaus gestarrt, einfach die vorbei rasenden Autos und die Hügel am Horizont betrachtet. Meine Augen haben sich mit Tränen gefüllt, die auf das Fensterbrett tropften, ein Tropfen nach dem anderen. Plötzlich klopfte jemand an die Tür, da habe ich schnell die Tränen weg gewischt und die Tür geöffnet. Ohh, mein irakischer Freund von nebenan; er fragt mich immer, ob ich mit ihm essen will. Diesmal stellte ich ihm die Frage, die mir gerade durch den Kopf ging: Sag' mir, wie ist für dich eigentlich das Leben im Lager? „Ich kam in dieses Land voller Leben und Energie,“ antwortete er, „aber all das, alle Zuversicht und Begeisterung sind verschwunden...“ „Gott ist groß!!!“ fügte er noch leise an. Uhhhh, verzeiht mir bitte, Mama und Papa, seit Kurzem bringe ich in meinem Kopf Vieles durcheinander. Ich habe euch zu Anfang dieses Briefes ja nicht einmal gefragt, wie es euch geht und wie alles zu Hause aussieht. Es ist einfach so viel Unordnung und Verwirrung in meinem Kopf und in meinem Herzen. Wie geht es euch also? Wie geht es meinen Brüdern und Schwestern? Wisst ihr, auch wenn es Menschen nicht gut geht, auch wenn sie in einer schwierigen Lage sind, erzählen sie denen, die ihnen nahe stehen, mein Leben ist gut und in Ordnung... Ich schreibe euch diesen Brief, um euch über einige Veränderungen in meinem Leben zu informieren. Es ist schwierig, meine Situation in einem kurzen Brief zu beschreiben. Wenn ich euch alles sagen würde... Nein, besser nicht, ihr würdet verrückt werden, voller Sorge um mich und wütend auf diejenigen, die Verantwortung für mein elendes Leben hier tragen. Das wenigstens möchte ich euch sagen: Ich bin erschöpft, besorgt, unkonzentriert, voller Angst und Unsicherheit, und meistens geht es mir nicht gut. Mama, wenn ich dir jetzt das alles sage, fül-

len sich meine Augen wieder mit Tränen. Es Dazu kommt, ich habe nicht die Erlaubnis, ist schon so lange her, seit ich dich das letz- mir Arbeit, irgendeine Beschäftigung zu te Mal gesehen habe. suchen und keine Chance, die Sprache zu Aber obwohl ich dich nicht sehen kann, lernen. So ist es sehr schwierig, Kontakte habe ich dein Bild immer vor Augen, und zu Einheimischen zu knüpfen. Und laut Gedas gibt mir Kraft. setz nur 1,30 € Taschengeld pro Tag, was ist Ich weiß, du weinst, wenn du diesen Brief das schon! Es ist also nicht nur die Sprachliest, bitte, lass es sein. Ich komme dich ja losigkeit, es ist auch so: Kein Geld, keine besuchen, wenn ich frei habe. Ich sehe dich Möglichkeiten. bald im Urlaub, U-R-L-A-U-B, Urlaub, oh nein, was ist bloß Ohh, Mama und Papa, ich möchte euch mit mir los?? Ohhh Gott, ich habe verges- keine Kopfschmerzen bereiten, bitte versen, dass ich ein Flüchtling bin , meine arme gebt mir! Ihr habt schon mehr als genug zu Mama; bitte vergib mir, ich habe keine ertragen zu Hause, in unserem Land. Ich Möglichkeit, ich habe nicht frei, ich bin nicht fürchte, viele von unseren Nachbarn sind frei, um dich zu sehen. Ich bin ja so beschäf- mittlerweile im Gefängnis, nicht wahr? tigt die ganzen Tage, Monate, Jahre hier... Oder sie sind verschwunden, umgebracht Frage mich nicht, was ich tue. Vergiss mich! worden oder ihrer Rechte und Lebenschancen beraubt worden. Immer noch keine Kannst du dich noch erinnern, Mama, als Menschenwürde, keine Freiheit, kein Frieich ein kleines Kind war: Du hast mich oft den und Wohlstand im Land? gefragt, was ich mal werden möchte. Wie viele Kinder meines Alters antwortete ich, Wie dem auch sei, diesen Brief habe ich ich wolle ARZT werden, um denen zu hel- euch eigentlich schon vor langer Zeit gefen, die sehr krank sind. Das war eine schö- schrieben, aber ich habe niemanden gefunne Idee, nicht wahr? den, der ihn euch zustellen würde. Ihr wisst, Als ich dann größer wurde, wusste ich, wie zum Verschicken habe ich kein Geld. Aber sehr ich mit meinem Berufswunsch Recht macht euch keine Sorgen, ich finde schon hatte: Ich sah, dass in unseren Dörfern, eine Möglichkeit, ihn euch zukommen zu Städten, in unserem Land, Kontinent und lassen. überall in der Welt viele Menschen krank sind und leiden. Ihr Politiker, ihr Ärzte, ihr Ingenieure, ihr Hier spreche ich nicht von Krankheit des Lehrer, ihr Taxifahrer, ihr Sozialarbeiter, ihr Körpers, sondern von all denen, die durch Priester und sogar ihr Studenten oder ihr politische und soziale Auswirkungen krank Sachbearbeiter in der Ausländerbehörde, und schwach gemacht werden. bitte, tut mir den Gefallen! Bitte gebt dieObwohl ich diese Wahrheit erkannt habe, sen Brief meinen Eltern auf dem Weg in eukonnte ich meine Berufung und meinen ren Urlaub! Ich wünsche euch eine wunderTraum nicht verwirklichen. bare Urlaubszeit in meinem Land! Und ich Mama, schließe deine Augen und frage versichere euch, ihr könnt euch dort überall mich nie mehr nach meinem Berufs- frei bewegen und alle Orte besuchen, ganz wunsch! Verschließe deine Ohren, dein wie ihr wollt. Ich bin sicher, alle EinheimiSohn wird nie Arzt werden, vielmehr wird schen werden euch, sofern sich in den letzsein Lebensweg in einem Flüchtlingslager ten vier Jahren nicht sehr viel verändert hat, zu Ende sein, ein unerträgliches, unan- mit offenen Armen der Gastfreundschaft nehmbares Leben... empfangen. Ich habe nicht das Recht, mich frei zu be- Auf Wiedersehen, Mama und Papa, wegen, nur schlafen und essen und schlafen und essen, keine Rückzugmöglichkeit, euer erschöpfter„ARZT“-Sohn keine Privatsphäre; wir sind mehr als vier Übersetzung: elos Personen in einem einzigen Zimmer, jahrelang.


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„Norooz“ (der neue Tag)

Das schönste und größte iranische Fest ist das Frühlings- und Neujahrfest „Norooz“ (der neue Tag), dessen Wurzeln mindestens in die Zeit der Achämeniden zurückreichen. Dieses älteste und wichtigste iranische Fest beginnt mit dem astronomischen Frühlingsanfang, der zugleich der Beginn des iranischen Kalenderjahres ist und nach abendländischer Zeitrechnung etwa auf den 20. / 21. März jedes Jahres fällt. Der eigentliche Höhenpunkt des Festes ist der Zeitpunkt der Gleichheit von Tag und Nacht (Tahwil-e-Sal). Das Wort Norooz stammt aus Pahlawi und bedeutet „der neue Tag“. Als Fest der Gemeinschaft und des Lebens markiert es den Sieg des Lichtes über die Finsternis, des Guten über das Böse, des Frühlings über den Winter.   Den Jahreswechsel kündet der Hadschi Firuz an, eine Art Troubadour, der bekleidet mit roten Kleidern und

langem Magierhut (Kolah-Bugi) und mit schwarz geschminktem Gesicht vor allem in den Städten auftritt. Er erscheint zum Höhenpunkt der Feierlichkeiten und verkündet mit seiner Musik (gespielt auf Dayere, Tamburi genannt) den Beginn des Frühlings und des neuen Jahres. Wichtiger Bestandteil der NoroozBräuche ist das Neujahrsspeisetuch Haft Sin. Das Haft Sin bestehet aus sieben Elementen, die alle den persischen Buchstaben Sin als Anfangsbuchstaben haben.   -Sabze (Weizensprossen) -Samanu (ein süßer Weizenbrei) -Sir (Knoblauch) -Serkeh (Essig) -Samagh (ein Gewürz) -Sib (Apfel) und -Sendjed (Maulbeeren)   Das sind alles Symbole der Erneuerung, der Schöpfung und der Gesundheit.

Ein wichtiger Bestandteil der NoroozBräuche ist auch noch Charschanbe Suri (Fröhlicher Mittwoch). Am Vorabend des letzten Mittwochs des Jahres wird ein kleines Feuer gemacht, über das Jung und Alt springen. Dabei sprechen sie zum Feuer die Worte: Meine Blässe (=mein Schädliches) möge dir gehören, Meine Blässe für dich, deine Röte für mich, meine Kälte ist dir, deine Wärme ist mir.   Es gibt allgemeine Bräuche, die im ganzen Land bekannt sind und allgemein einhalten werden und viele lokale glaubensbezogene, auch zum Teil schamanistische Arten, die schon längst Tradition geworden sind. Fatemeh Aryaee Nejad (Mina) Übersetzung N. Zabihi


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Himmel auf Erden Profis usammenarbeit sz g un kl ic tw n E er in d

Meister der Wohltätigkeit

Weltmeister im Spenden Doch wie lernt man

die zu sehen die man lieber nicht sieht

denen zuzuhören die man eher überhört sich für di die niem e einzusetzen als etw as zurü ckzahle n könn en

Lade die ein deren Freundschaft niemandem nützt

sagt Jesus und nimmt Platz am Tisch der Ausgegre

nzten

zum Mahl bei dem alle satt werden

© Vera Krause Misereor-Hilfswerk Liturgische Bausteine 2011 Menschenwürdig leben. Überall!


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Ziviler Friedensdienst:

Friedensarbeit mit Fachkräften und friedlichen Mitteln

Auch wenn es sehr ähnlich klingt: Ziviler Friedensdienst (ZFD) meint nicht Zivildienst! Während dieser von jungen Männern ohne spezielle Qualifikation als Ersatz für den Wehrdienst geleistet wurde, steht im Zentrum des Zivilen Friedensdienstes die Entsendung von Fachleuten für Zivile Konfliktbearbeitung in Krisenregionen. Gemeinsam mit örtlichen Partnerorganisationen vermitteln diese speziell ausgebildeten Fachkräfte in Konflikten, bringen Anliegen benachteiligter Gruppen an die Öffentlichkeit oder begleiten ehemalige Soldatinnen und Soldaten auf dem Weg ins zivile Leben. Sie arbeiten mit traumatisierten Opfern von Gewalt oder tragen dazu bei, Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Sie bilden ihre örtlichen Partner in ziviler Konfliktbearbeitung aus, ermutigen sie aber auch, traditionelle Schlichtungsinstanzen zu stärken. Der Zivile Friedensdienst ist 1996 aus einer Initiative von Friedens- und Entwicklungsorganisationen in Deutschland hervorgegangen. Seit 1999 führen acht Organisationen (www.ziviler-friedensdienst.org) mit finanzieller Förderung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Projekte weltweit durch. Einer der Träger des ZFD ist das forum Ziviler Friedensdienst (www. forumzfd.de). Es ist überparteilich

und überkonfessionell. Es engagiert sich mit Projekten im Nahen Osten, auf dem westlichen Balkan, auf den Philippinen und in deutschen Kommunen. Außerdem bildet das forum ZFD in seiner Akademie für Konflikttransformation Friedensfachkräfte aus und bietet Trainings in Ziviler Konfliktbearbeitung an. An diesen Angeboten nehmen immer mehr Menschen aus Konfliktregionen teil, um dann selbst als Friedensfachkräfte arbeiten zu

Bürger beim Würzburger Montagsspaziergang stehen ein für den Zivilen Friedensdienst

können. Der ZFD tritt somit in den Konfliktregionen nicht als Geldgeber, sondern als Berater und Vermittler auf. Dieses Prinzip des ZFD ist einer der Schlüssel für eine nachhaltige Friedensförderung, die an den Interessen der Betroffenen orientiert ist. Insgesamt sind in den vergangenen elf Jahren über 500 Fachkräfte in 50 Länder ausgereist. Im Jahr 2010 befanden sich 250 Fachkräfte im Einsatz (im Rahmen von 99 Projekten in 45 Ländern), wobei zu jedem Projektplatz ein Team von lokalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hinzukommt, dass oftmals multiethnisch zusammengesetzt ist. Nach Weltregionen lag Afrika mit ca. 35 % der Fachkräftestellen am ersten Platz, gefolgt von Asien und Lateinamerika mit je etwas 25 %, dem Nahen Osten mit 10 % und Südosteuropa mit 5 %. Die beiden folgenden Beispiele aus dem Heft „Der Zivile Friedensdienst – wir scheuen keine Konflikte“ (1) zeigen deutlich, wie der Weg der Gewaltlosigkeit und Versöhnung wieder Hoffnung und Perspektive in das Leben der Menschen bringt. Gewaltlos zum Ziel: Oum Huot war Zeit seines Lebens einfacher Bauer in Kambodscha. Im Streit mit einem Holzkonzern wurde er zum Wortführer mehrerer Dorfgemeinschaften.


07 / 2011 Unter der Terrorherrschaft der Roten Khmer in den siebziger Jahren wurden in Kambodscha alle Grundbücher verbrannt und alle Ländereien zwangskollektiviert. Nach dem Ende des Terrors wussten die wenigsten, wie sie ihr Landrecht geltend machen konnten. Landraub zugunsten großer Unternehmen ist seitdem an der Tagesordnung und bedroht den Frieden und die Demokratie in Kambodscha. Auch die Wälder um Oums Dorf gingen in die Hand eines Holzkonzerns. Die Organisation STAR Kampuchea tritt für die Landrechte der Armen ein. ZFD-Fachkräfte beraten sie dabei. Oum Huot lernte in den Seminaren von STAR, die Rechte der Bevölkerung zur Nutzung des Waldes ohne Gewalt zu verteidigen: „Solange wir Gewalt einsetzten und direkte Gespräche vermieden, erreichen wir nichts. Mit gewaltfreien Strategien hatten wir Erfolg.“ Gemeinsam mit den sieben Dörfern, die er vertrat, gelang es Oum Huot, die Behörden und den Konzern zur Rückgabe des Landes zu bewegen.

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kräfte im Zivilen Friedensdienst einZFD-Fachkräfte unterstützt. Im Frühjahr 2011 wurde die erste gesetzt werden. Wer die Kampagne umfassende Evaluierung des Zivilen mit seiner Unterschrift unterstützen Friedensdienstes veröffentlicht. Die- möchte, kann dies auf der Internetwww.20millionen-mehr-vomse wissenschaftliche Untersuchung, Seite die im Auftrag des BMZ durchgeführt militaer.de tun. wurde, bescheinigt dem ZFD Wirkun- In Würzburg hat sich als kräftiger gen in der Friedensförderung, insbe- Zweig der Würzburger Friedens- und sondere auf lokaler Ebene – also dort, Umweltgruppe Ökopax (www.oekowo Veränderungen für die Menschen pax.de) seit 2004 die „Regionalgruppe besonders spürbar werden. Die Evalu- Nordbayern“ entwickelt. Sie inforierung empfiehlt daher eine verstärk- miert mit Benefizkonzerten, Vortragste finanzielle Förderung des ZFD, um veranstaltungen und Info-Ständen Länderprogramme auszubauen und über die Projekte und Kampagnen des Wirkungen über die lokale Ebene hi- Zivilen Friedensdienstes. naus zu ermöglichen. Trotz der nachweisbaren Erfolge wurden unter dem Wenn Sie Interesse an weiteren neuen Minister Dirk Niebel die Ausga- Informationen haben oder eine ben für den ZFD in 2011 um 1 Million Veranstaltung organisieren möchvon 30 auf 29 Million Euro gekürzt. ten, wenden Sie sich bitte an die Hingegen erreichten die Ausgaben für Sprecherin der Regionalgruppe Auslandseinsätze der Bundeswehr im Jahr 2010 die Rekordsumme von 1,36 Dr. Claudia Bischlager Millarden Euro. Dagegen protestiert email: bischlager.claudia@web.de die Kampagne „20 Millionen mehr vom Militär“ und fordert die Bundesregierung und den Deutschen Bun- Wer noch mehr über die Projekte ledestag auf, für drei Jahre je 20 Million sen möchte, dem empfehle ich zwei Versöhnung ist möglich: Euro aus dem Verteidigungshaushalt Veröffentlichungen des KonsortiSüdafrika, Provinz KwaZulu-Natal: für den Ausbau des Zivilen Friedens- ums Ziviler Friedensdienst: Hier schürte die weiße Apartheidre- dienstes umzuwidmen. Jede Woche, (1) Der Zivile Friedensdienst „Wir gierung in den 1980er- und 90er-Jah- die die Bundeswehr in Afghanistan scheuen keine Konflikte“ – Bonn 2010 ren bewusst Konflikte zwischen den verbleibt, kostet die deutschen Steu- (2) „Gewaltfrei für den Frieden Menschwarzen Bevölkerungsgruppen. Das erzahler 20 Millionen Euro. Für diese schen und Projekte – eine Reise um Trauma von damals sitzt tief. Bis heu- Summe könnten weitere 200 Fach- den Globus“ – Frankfurt am Main 2009 te sind Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung. Die Organisation Sinani begann in der Stadt Richmond zunächst mit Traumaarbeit, erkannte dann jedoch, dass auch die Ursachen der Gewalt bekämpft werden mussten. Sinani gelang es, Lokalpolitiker aus allen verfeindeten Gruppen an einen Tisch zu bekommen. Einer von ihnen, Richard Mkhize, erinnert sich: „Ich wollte Rache. Ohne Sinani hätte ich wohl nie angefangen, anders darüber zu denken.“ Nachdem alle Ängste und Schuldzuweisungen auf den Tisch gekommen waren, ging den Beteiligten auf, dass Gewalt in niemandes Interesse war. Die ehemaligen Gegner bildeten ein Friedensforum und warben für respektvollen Umgang und Toleranz. Der Neuanfang wurde mit einer traditionellen Zeremonie bekräftigt, bei der man sich versöhnte und dies den Ahnen mitteilDr. Claudia Bischlager informiert über den Zivilen Friedensdienst te. Seit 2001 wird Sinani durch zwei


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Neue Asyl-Beratungsstelle bei Amnesty International Würzburg Asylum-Consultation Center opened at Amnesty International Würzburg Beginning June 2011 a new team of the Amnesty International section Würzburg will offer consultation in Friedenstrasse 3.

Ab Juni 2011 steht die Asyl-Beratungsstelle der Amnesty-Sektion Würzburg in der Friedenstrasse 3 mit einem neuen Team zur Verfügung. Ab sofort wird das Büro wöchentlich donnerstags von 17-19 Uhr geöffnet sein. Während der Sprechzeit sind immer mindestens 2 Ansprechpartner vor Ort um persönliche und telefonische Unterstützung in asylrechtlich relevanten Fragen zu gewährleisten. Alle Teammitglieder sind geschult in Asylrechtsfragen. Sie möchten Asylbewerbern eine Anlaufstelle bieten, um Fragen zum Aufnahmeverfahren in Deutschland zu klären und über Möglichkeiten des Rechtsschutzes zu informieren. Selbstverständlich findet sich auch ein offenes Ohr über rechtliche Fragen hinaus. Außerhalb der Bürozeiten ist es möglich Nachrichten auf den Anrufbeantworter zu spre-

chen die dann umgehend beantwortet werden.

The office will be open weekly on Thursdays from 5-7 pm. During officehours at least 2 members of the team will be present to provide support perTeam: Chris, Anja, Chris, Tilmann, sonally or by phone. Johanna, Sören All team members have knowledge concerning the “Asylverfahren” in Amnesty International Germany and constantly keep it up to Asyl-Beratungsstelle date. They want to offer refugees and Friedenstrasse 3 other persons in need a helping hand 97072 Würzburg in matters of application procedure Tel.: 0931 – 886 927 and legal protection. Of course conE-Mail: sultation will be offered beyond legal asylberatung@amnesty-wuerzburg.de issues as well. Outside normal officehours there’s a phone mailbox to leave messages which will be answered as soon as possible.


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Zu Fuß zur Arbeit – ziviler Widerstand in Uganda Unerhörte politische Entwicklungen überrollen die Welt, insbesondere in Afrika und im mittleren Osten. Die größten Bewegungen finden in Tunesien und Ägypten statt sowie mit besonderer Dramatik und unter besonderer Aufmerksamkeit und Einflussnahme des Westens in Libyen. Dort greift die NATO in das Geschehen aktiv ein und bombardiert Libyen mit dem vorgeblichen Ziel der Befreiung des libyschen Volkes. Als ob die Libyer wie auch die Ägypter oder die Tunesier ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln könnten. Im Schatten dieser Ereignisse, die scheinbar die ganze internationale Aufmerksamkeit beanspruchen, hat ein Mann die Gunst der Lage genutzt und seinen größten Rivalen in der eben abgeschlossenen Wahl mitsamt dem ganzen Volk brutal in die Knie gezwungen. Die Rede ist von den Präsidentenund Parlamentswahlen vom 18. Februar 2011 in Uganda. Hier erklärte sich der seit 25 Jahren amtierende Präsident Yoweri Kaguta Museveni erneut zum Sieger. Nichts anderes konnte man erwarten nach den Erfahrungen der vergangenen Urnengänge mit all ihren Missständen und Unregelmäßigkeiten. Die Oppositionsparteien einigten sich daraufhin auf eine Demonstration der anderen Art, die Aktion „ Spaziergang zur Arbeit“. Sie wollten damit auf den Umstand aufmerksam machen, dass die Regierung geschätzte 350 Millionen $ für die Wahlkampagne und weitere 740 Millionen $ für Kampfjets ausgegeben und damit den Staatshaushalt erschöpft hatte. Unterdessen stiegen die Lebenshaltungs- und Treibstoffkosten, was die Protestwelle zur Folge hatte. Dabei verzichteten die Mitglieder der Opposition auf ihre Autos und gingen zu Fuß zur Arbeit, ungeachtet der Entfernung zu ihren Büros. Dem schlossen sich weite Kreise der Öffentlichkeit an und gingen ebenfalls zu Fuß zur Arbeit. Diese Aktion spitzte sich zu, als am 11. April 2011 der führende Oppositionsführer, Dr. Kizza Besigye, in Begleitung einer Menge an Unterstützern auf dem Weg zur Arbeit von der Polizei abgefangen und mit Gewalt zur Unterbrechung des Fußmarsches gezwungen wurde. Schließlich ist er gewaltsam in ein Polizeiauto

Verhaftung von Dr.Besigye durch Polizeikräfte

verschleppt worden, wobei er auf Grund der Auseinandersetzung seiner Begleiter mit der Polizei eine Schussverletzung an der Hand erlitten hat. Am selben Tag forderte Amnesty International, die Anklagen gegen die politischen Führer ugandischer Opposition und gegen ihre Unterstützer fallen zu lassen. Viele Inhaftierte wurden darauf hin gegen Kaution freigelassen, sehen sich jedoch weiterhin eine Anklage ausgesetzt. Zehn Tage später verurteilte die Organisation die anhaltende po-

LIVE

lizeiliche Gewalt gegen friedliche Demonstranten scharf und forderte die ugandische Regierung auf, die brutale Gewaltanwendung gegen die gewaltfreien Demonstranten sofort zu beenden. Hierbei hatte die Polizei in verschiedenen Städten des Landes willkürlich in die Menge geschossen; zwei Kinder sind dabei ums Leben gekommen. Ende April berichtete „Daily Monitor“ von fünf Toten bei den Protesten und von rund 700 Verhaftungen. Wenige Tage danach verteidigte Museveni in den Medien das Vorgehen der Polizei. Uganda, das seine Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1962 erhalten hat, kannte in den Anfangsjahren durchaus ein Mehrparteiensystem, das zum sog. Kongress der Bürger von Uganda geführt hat (Uganda People‘s Congress UPC). Heutzutage leidet das Land unter der Diktatur des Museveni-Regimes, welches viele Bürger zur Flucht gezwungen hat, entweder in die Nachbarländer wie Kenia und Tansania oder in westliche Länder wie zum Beispiel Deutschland. Hier leben Flüchtlinge aus Uganda in verschiedenen Flüchtlingslagern, auch in Würzburg. Francis Effeni Paul Ssentongo Übersetzung: elos

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„Irgendwo am Rand ist auch mittendrin“ - ? Gedanken und Hintergründe zum 5. Themenwochenende Migration und Gesundheit Missionsärztliches Institut Würzburg 20./21.05.2011 Der bezeichnende Untertitel „Zwischen Berufsethos und Realität“ dieser wie immer interessanten und facettenreichen Fachtagung spricht für sich. Die medizinische Behandlung von Migranten, insbesondere von Flüchtlingen, ist eine ganz besondere Herausforderung: Angesichts des vom Asylbewerberleistungsgesetz äußerst eng gesetzten Rahmens, der weit unterhalb des medizinisch und ethisch vertretbaren Selbstverständnisses eines jeden Mediziners liegt, stellt sich nicht nur die Frage nach den allgemeinen Konsequenzen mangelhafter medizinischer Versorgung der Flüchtlinge. Es ist auch eine Frage individueller Tragik als Folge versagter Therapie auf der einen und unseres ethisch-moralischen Selbstbildes auf der anderen Seite. Von Gesetzes wegen weit hinter den für Deutsche selbstverständlichen medizinischen Möglichkeiten zurück bleiben zu müssen, ist der eigentliche Skandal. Denn lediglich die Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände ist hier gestattet, jede weitere, medizinisch noch so eindeutig gebotene Maßnahme bedarf einer gesonderten behördlichen Einzelgenehmigung. Diese limitierenden Faktoren stellen für jeden seinem Berufsethos und schlicht der Menschlichkeit verpflichteten Arzt und medizinischen Mitarbeiter eine Herausforderung dar – als ob es nicht ohnehin mehr als genug Probleme gäbe, die es in der Behandlung der Flüchtlinge zu bewältigen gilt: Kulturell und traditionell geprägtes Verständnis von Krankheit und Therapie, geschlechtsspezifische Hemmnisse, Kommunikations- und Zugangshürden sind nur einige davon. So ist es zum Beispiel für viele HIV-Infizierte unendlich schwierig, den Mut aufzubringen, selbst die niederschwelligen Beratungsstellen, z.B. die der Caritas in Würzburg, aufzusuchen. Ein Tabu, das man am liebsten verdrängen möchte,

so dramatisch können seine sozialen Folgen sein. Wer erinnert sich an das Schicksal von Aussätzigen in der Geschichte, sobald ihre Erkrankung offenkundig wurde? Beinahe unüberwindbar scheint für Manche die panische Angst davor zu sein, auch nur in der Nähe der Beratungsstelle gesehen zu werden. Bekanntwerden der HIV-Infektion im Umfeld, ja, selbst in der eigenen Familie, gleicht dann mitunter einem psychosozialen Todesurteil. Oft sind Tabus und Furcht vor Stigmatisierungen neben einer uns gänzlich fremden traditionellen Bedeutung von Erkrankung generell hohe Hürden, die für beide Seiten eine Herausforderung darstellen. Hinzu kommen nur scheinbar banale Schwierigkeiten wie Sprachbarrieren. Wo einen gleichgeschlechtlichen, medizinisch geschulten, kulturell verwandten und vor allem absolut verschwiegenen Dolmetscher auftreiben? Im eigenen Flüchtlingslager? Kaum denkbar! Zu groß die Angst vor Indiskretion! Von auswärts? Woher – und wer zahlt die Kosten? Dies ist nur ein kleiner Einblick in die vielen, vielen kleinen und großen Stolpersteine in der Behandlung von Flüchtlingen. So ist es nicht nur kulturellen Besonderheiten der Heimatländer geschuldet, dass der Konsum von Genussgiften und die Suchtproblematik bei Flüchtlingen eine besondere Aufmerksamkeit erfordern. Drastisch brachte es einer der in der Gemeinschaftsunterkunft Würzburg engagierten Ärzte auf den Punkt: Wenn ich in meinem Freundeskreis von der Lebenssituation der Flüchtlinge erzähle, so sagte er, dann bekomme ich nicht nur einmal zu hören: Wenn ich so leben müsste, dann würde ich auch saufen oder Drogen nehmen... So bedarf es keiner großen Phantasie, in einer Sucht den Strohhalm zu suchen in einem entwürdigenden Leben ohne

Hoffnung auf ein besseres Morgen, auf eine selbstbestimmte Perspektive im Leben, auf Freiheit, Arbeit, Familie, das ganz banale menschliche Lebensglück. Dazu kommen die verdrängten, nicht behandelten traumatischen Erfahrungen und Verletzungen aus der Vergangenheit, die Fluchtgründe, der Verlust von Familie und Heimat, die Entwurzelung und Einsamkeit. Dieser Härte der Flüchtlingspolitik und der realen Lebenssituation setzen zum Glück viele engagierte professionelle und ehrenamtliche Unterstützer von Institutionen und Gruppen Lichtblicke der (Mit-)Menschlichkeit entgegen, direkt vor Ort, wenigstens in den größeren Städten. So konnte man bei der Tagung Berichte von studentischen Initiativen aus Würzburg und Regensburg hören, von einem Engagement neben dem Studium, dem Respekt und große Bewunderung gebührt und das zeigt, wie Vieles möglich ist, wenn sich Menschen mit Herzblut und Phantasie engagieren. Das Münchner „Refugio“ stellte seine Arbeit als interdisziplinäres Zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer dar und die „Mudra-Drogenhilfe“ aus Nürnberg ihr Drogenhilfesystem. Dass es im weiten Feld der Migrantenmedizin nicht nur um die Therapie von Erkrankungen geht und gehen kann, dafür steht die Öffnung der Tagung für weitere wichtige Themen: PGAsyl, die Projektgruppe Asyl Würzburg erläuterte ihr hoch differenziertes, professionelles Konzept mit Mindeststandards für eine neue Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Bayern (www.pgasyl.de) und warb für breite öffentliche Unterstützung dieses Modellentwurfs. Das Redaktionsteam des HeimfocusMagazins wies auf die vitale Bedeutung einer sinnvollen Beschäftigung und Teilhabe für die psychische Gesundheit eines jeden Menschen hin, auch die der Flüchtlinge. Herzlichen Dank an Herrn Dr. August Stich und seinen MitarbeiterInnen von der Abteilung für Tropenmedizin am Missionsärztlichen Institut in Würzburg für die interessante und wichtige Tagung. Eva Peteler


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Schwangere Illegale: Aus Angst nicht zum Arzt © Juliane Kinast, Westdeutsche Zeitung

Flüchtlingsinitiative: Bei „Stay!“ melden sich immer mehr schwangere Frauen, die aus Angst vor der Abschiebung allein entbinden wollen. Düsseldorf. Als Mariama W. aus Gambia durch die Glastür in der Hüttenstraße 150 kam, war sie im achten Monat schwanger und lebensbedrohlich krank: In ihrem Bauch wuchs ein Tumor. Trotzdem traute sich die junge Frau nicht, zum Arzt zu gehen. Mariama W. war illegal in Deutschland, eine papierlose Einwanderin. Deshalb wandte sie sich an die Flüchtlingsinitiative Stay! in der Hüttenstraße. Inzwischen wurde Mariama operiert, ihr Leben ist gerettet. Ihr kleiner Sohn Basiru ist jetzt sechs Monate alt. Und: Mariama W. hat endlich eine Aufenthaltsgenehmigung. Sie ist zufrieden – obwohl sie und ihr Sohn sich noch immer eine 50-Quadratmeter-Wohnung mit vier anderen Menschen teilen.

Bis sechs Wochen vor der Geburt werden Frauen noch abgeschoben

Es sind unglaubliche Geschichten, die Sozialarbeiterin Nicole Tauscher von Stay! in den zwei Jahren seit der Gründung gehört hat. Erst vor zwei Wochen kam eine Hochschwangere aus Ghana, die in Düsseldorf zur Prostitution gezwungen und von einem Freier geschwängert wurde. Es sind Geschichten, die mitten in Düsseldorf spielen – die aber kaum jemand bemerkt, weil die Protagonisten sich aus Angst verstecken, in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden. „Und abge-

schoben wird bis sechs Wochen vor dem Entbindungstermin“, sagt Nicole Tauscher. Mariama W. und Basiru hätte das wohl ihr Leben gekostet. 350 Menschen berät Stay! pro Jahr – Tendenz steigend. Und besonders stark nehme derzeit die Zahl schwangerer Frauen zu, die sich verzweifelt an die Initiative wenden. Hilfe bekommen die Frauen nicht nur beim Gang zu den Ausländerbehörden, sondern auch direkt medizinisch. Uni-Kinderarzt Alex Rosen leitet das Düsseldorfer Medinetz, das mit Stay! zusammenarbeitet. 20 Mediziner engagieren sich ehrenamtlich in der Beratung. Zudem gebe es Frauenärzte und Krankenhäuser, die Papierlose anonym und zur Not kostenlos behandelten. „Ich hätte nicht gewusst, was ich ohne dieses Angebot getan hätte“, sagt DritaS. (34). Die Liebe brachte sie vom Kosovo nach Düsseldorf, sie wurde schwanger. Zurück konnte sie nicht: Da der Vater ihres Kindes einer anderen Volksgruppe angehört, wurde Drita S. von ihrer Familie bedroht. Wie viele andere Frauen hätte sie den kleinen Admir ohne die Hilfe von Medinetz wohl allein zu Hause bekommen. „Das darf nicht sein“, sagt Stay!-Mitbegründer Oliver Ongaro. Jede Frau, egal ob legal oder illegal in Deutschland, müsse das Recht auf eine ordentliche Geburt haben. Aber ob Stay! weiterarbeiten könne, stehe auf der Kippe: Die Spenden reichen immer nur ganz knapp. „Die medizinische Flüchtlingshilfe in Bochum bekommt Gelder von der Stadt“, sagt Ongaro. In Düsseldorf sei das allerdings nicht in Sicht.

Keine Schwangerschaft ist illegal! stay! Düsseldorfer Flüchtingsinitiative e.V. möchte auf die dramatische Situation von hochschwangeren papierlosen Flüchtlingsfrauen ohne Papiere in Düsseldorf aufmerksam machen. Seit mehreren Monaten suchen hochschwangere Frauen, die keine Krankenversicherung und keinen legalen Aufenthaltstitel in Deutschland haben, die Beratungsstelle STAY! Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative auf. Aus Angst vor einer Abschiebung trauen sich die werdenden Mütter nicht zum Arzt. In den meisten Fällen sind die Frauen im achten Monat schwanger ohne zuvor eine ärztliche Untersuchung bekommen zu haben. Die sozialarbeiterische und medizinische Versorgung dieser Flüchtlingsfrauen kostet viel Geld, deshalb sind wir dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Weitere Informationen finden Sie unter www.stay-duesseldorf.de


Interview

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Heimfocus@yahoo.de

Innenansichten einer Demokratie oder Menschen wie Menschen behandeln?? Heinz Ratz

Eva Peteler vom Heimfocus Magazin führte ein Gespräch mit dem Musiker Heinz Ratz, der von Februar bis April 2011 über 7000 km mit dem Rad zurücklegte, um Flüchtlingsunterkünfte in ganz Deutschland zu besuchen. Heinz, danke dafür, dass du dich unmittelbar nach der letzten Etappe des Triathlons für ein Interview zur Verfügung stellst. Wie bist du auf die Problematik der Flüchtlinge aufmerksam geworden? Was hat dich dazu bewogen, gerade sie als Zielgruppe des letzten Teils deines Moralischen Triathlons, der Tour der 1000 Brücken, auszuwählen?

weiter befasst habe, fand ich es notwendig, etwas zu tun. Ich bin generell der Überzeugung, dass man eine Verantwortung dafür hat, für die mitzusprechen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben. Das trifft natürlich auf Flüchtlinge in besonderem Maße zu.

benden gilt und dass natürlich hinter diesen goldenen Fassaden eine ganz andere Realität herrscht. Erschreckt hat mich, wie schwer es mir gemacht wurde, Menschen, die sich in Not befinden, zu helfen. Die Gesetze sind ja nicht nur so, dass die Flüchtlinge sich selbst nicht helfen können, dass sie in aussichtslose Situationen hinein getrieben werden, dass sie Spielball zwischen den Behörden sind und einer Art seelischer und geistiger Folter ausgesetzt werden. Sie sorgen auch dafür, dass man selbst als Deutscher eigentlich keine Möglichkeit hat, diesen eng gesteckten gesetzlichen Rahmen zu durchbrechen und den Flüchtlingen zu helfen. Mir kommt es so vor, als seinen es keine Flüchtlinge im eigentlichen Sinne, sondern politische Gefangene. So geht man mit politischen Gefangenen um und nicht mit Menschen, die hierher kommen, auch weil sie in ihren eigenen Ländern für Demokratie gekämpft haben. Und dann werden sie von einem demokratischen Staat so behandelt.

Das, was ich seither mit meinen eigenen Augen gesehen habe, ist noch viel, viel extremer und zeigt eigentlich das ganze Unrecht und die ganzen Missstände, was generell Menschenrechte angeht und was insbesondere den Umgang mit Flüchtlingen angeht. Es ist viel drastischer als das, was man darüber so erfahren und lesen kann. Es ist etwas ganz anderes, es sich mit eigeDer Auslöser dieser Tour war die Be- nen Augen anzuschauen. gegnung mit einem Obdachlosen in Frankfurt. Als ich dort das Geld meiner letzten Tour verteilt habe, hat mir die- Hat sich im Rückblick auf die Erfahrunser Mann gesagt: Uns geht es schlecht, gen der Tour etwas in deiner Wahrnehwir brauchen eigentlich das Geld, aber mung der Flüchtlingssituation und der wir kommen schon irgendwie klar. Flüchtlingspolitik verändert? Gib es doch den Flüchtlingen, denen geht es noch viel schlimmer als uns. Generell nicht so viel, ich habe schon Ich wusste bis dahin schon, dass man immer die Ansicht vertreten, dass unmit Flüchtlingen in Deutschland nicht sere Demokratie mehr eine Fassadenbesonders gut umgeht, aber das hat demokratie ist, dass sie vornehmlich mich getroffen und neugierig gemacht. für die Deutschen und unter diesen Von den sicherlich zahllosen ErlebnisNachdem ich mich mit der Thematik eigentlich mehr noch für die Wohlha- sen auf Deiner Tour:


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Was waren denn die positiven Momen- helfen. Wo ich konnte,habe ich zum te, die Hoffnungsschimmer und was Beispiel versucht, ihnen einen Anwalt waren die schlimmsten Erfahrungen? zu besorgen, aber insgesamt kann man als Einzelner nicht viel tun. Was mich am meisten gestört hat, war das halbherzige Engagement mancher Um auf die schönen Momente zu bliMenschen, die behauptet haben, den cken: Ich liebe Kinder und die BegegFlüchtlingen helfen zu wollen. Die sa- nung mit Kindern war immer ein Lichtgen, ich unterstütze euch, aber eigent- blick. Kinder versprühen selbst in der lich nur die Flüchtlinge benutzen, um schrecklichsten Situationen oft eine sich als Gutmenschen zu fühlen. Daran ganz eigene Art von Lebensfreude, die scheitert Vieles. sie auf andere übertragen. Die haben mir oft über schlimme Momente hinAuf der anderen Seite gibt es schreck- weg geholfen. liche Einzelschicksale. Ich möchte hier als Beispiel einen Roma-Vater aus dem Und ich freute mich auch, sehr engaKosovo nennen. Die albanischen Sol- gierte Menschen zu treffen und nadaten haben vor seinen Augen dem türlich auch so viel Reichtum selbst kleinen Sohn fünfmal in den Bauch ge- an einem so traurigen Ort wie in einer stochen, damit er sagt, wo sich serbi- Flüchtlingsbehausung zu finden: So sche Soldaten versteckt halten, und die viele verschiedene Kulturen, so viele Ausländerbehörde in Kassel behauptet, tolle Menschen, so viele Gedanken, er habe sich das ausgedacht, um sich Philosophien, Religionen. Auch wenn das Bleiberecht zu erschleichen. Das ist die Umgebung noch so trist und traurig nur schrecklich, er hat keinen Anwalt, war, das empfand ich als eine unglaubhat kein Geld dazu , um sich wirklich liche Chance, die ganze Welt an einem verteidigen zu können, fürchtet natür- Ort zu erleben. Ich fand es schade, dass lich seine Abschiebung in den Kosovo ich nicht zwanzig Sprache spreche. zurück und ist tief traumatisiert. Und ich hoffe, dass ich wenigstens für Das war für mich manchmal ganz ein paar Menschen dort mit ihren vieschwierig, weil Viele dachten, ich sei len Talenten und Fähigkeiten Einiges ein berühmter Mann, ich könne ihnen tun kann...

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Hast du unterwegs auch ermutigende Projekte der Kooperation und Integration erlebt, die zeigen, man kann auch wirklich Effektives bewegen und bewirken, wenn man will? Wenn man wirklich will... Da nenne ich eine Heimleiterin in Bremerhaven, die wirklich engagiert für die Flüchtlinge arbeitet. Ich habe viele Heimleiter kennengelernt, die reaktiorär sind, die auf ihren Posten gesetzt werden, um die Flüchtlinge auch noch zusätzlich schlecht zu behandeln. Auch richtige Nazi-Leute waren darunter, so im Sinne, die können sich alle nicht zivilisiert benehmen, die wollen nicht Deutsch lernen, das sind alles faule Schweine, richtig wortwörtlich. Aber diese Heimleiterin hat die ganze Zeit mit den eigenen Vorgesetzten gekämpft, damit sie die Flüchtlinge unterstützen konnte, das fand ich besonders beeindruckend. Ich fand auch den Mut mancher Flüchtlinge sehr, sehr beeindruckend, die sich engagieren und für ihre Rechte kämpfen, obwohl sie natürlich große Angst haben, drangsaliert oder abgeschoben zu werden. Ich habe aber auch festgestellt, dass derjenige, der kämpft, dadurch mitunter auf einen gewissen


22 Schutz hoffen kann, da er meistens Unterstützer hat. Er ist also kein Niemand wie die überwiegende Mehrheit, ist nicht allein und ausgeliefert.

Kontakt zu kommen. Überall gibt es natürlich erfreuliche Ausnahmen, aber die Regel war, dass man versucht hat, mich am Kontakt vor Ort zu hindern, bis zu dem Extremfall in Gerstungen, wo mir ein Hausverbot ausgesprochen Du bist faktisch durch ganz Deutschland wurde und die Polizei auf mich gewargeradelt. Tausende von Kilometern, 70 tet hat. Absurderweise hatte die NPD Orte mit ihren Flüchtlingslagern. eben dort ein paar Wochen zuvor eine Wie war die Resonanz bzw. die Solidari- Besuchsgenehmigung bekommen, tät der Bürger vor Ort, der Medien und aber ich eben nicht. vielleicht auch politischer Persönlichkeiten? In vielen Fällen waren die Flüchtlinge sehr verängstigt; sie sind völlig auf sich Nun, das deutsche Volk ist, milde allein gestellt. Hier in Würzburg und gesagt, nicht besonders ausländer- in manchen größeren Städten gibt es freundlich. Es ist die uralte Angst vor Gruppen, die ihnen helfen, aber andere Überfremdung, es gibt sehr, sehr viele Orte sind irgendwo im Wald, und da ist Vorurteile, die Menschen sind meist gar keiner. ziemlich verschlossen. Zum Glück gibt Da haben sie natürlich Angst, denn sie es davon aber auch tolle Ausnahmen. sind den Behörden, dem Hausmeister Wir haben das Problem, dass die Ju- völlig ausgeliefert. Da ist es oft sehr, gendgeneration offensichtlich sehr un- sehr schwer gewesen, Kontakt zu bepolitisch ist, mehr am Ausleben eigener kommen. Interessen und an Spaß orientiert ist. Man merkt auch vielerorts eine ausgeprägte antimuslimische Haltung, auch Welche regionalen Unterschiede in der geschürt durch die Medien. Unterbringung und Behandlung der Ich habe bemerkt, dass explizit das Flüchtlinge hast du auf deiner Tour quer Thema Flüchtlinge medial sehr klein- durch ganz Deutschland bemerkt? gehalten wird. Als ich bei meinem Tri- Wo gibt es Regionen, in denen die athlon geschwommen bin für mein Flüchtlinge menschlicher behandelt Umweltprojekt, hatte ich die ganze und untergebracht sind und wo ist es Zeit Fernsehkameras da. Viele dieser die Hölle? Redakteure wollten mit mir auch bei diesem neuen Projekt zusammenarbei- Es gibt natürlich Unterschiede: In ten, haben aber von ihren Chefs gesagt Rheinland-Pfalz sind alle Lager aufgebekommen, nein, das passt nicht ins löst worden bis auf den furchtbaren Programm. Abschiebeknast in Ingelheim und die Die Flüchtlingsproblematik ist sehr riesige Erstaufnahmeeinrichtung. Hier schwierig. Wir sind kein gastfreundli- werden die Flüchtlinge alle in Wohnunches Land. Ich glaube, es ist generell gen untergebracht. Das ist natürlich ein globales Problem, wir leben in einer primär zu begrüßen, aber nur dann, sehr egoistisch gewordenen Welt. Es wenn Unterstützer erfahren, wo sie die ist kein rein deutsches Problem, aber Menschen finden können. So waren z.B. die Deutschen sind leider auch keine drei minderjährige Jungs aus Somalia erfreuliche Ausnahme. irgendwo im Landkreis untergebracht und kein Mensch wusste eigentlich, wo sie sind. Und sie selbst waren völlig hilfWie waren deine Erfahrungen mit den los. Vom gesetzlichen Rahmenbedinzuständigen Behörden vor Ort, mit den gungen her sind Baden-Württemberg Möglichkeiten direkter Begegnung mit und Bayern am schlimmsten, am härden Flüchtlingen in ihrem Lebensbe- testen. Sie sind am feindseligsten den reich? Flüchtlingen gegenüber eingestellt. Vieles hängt von den einzelnen VerantIch bekam vielerorts leider den Eindruck, wortlichen bei den Behörden ab, von ihes sind de facto eben nicht Flüchtlin- rer Nutzung der Ermessensspielräume. ge, sondern politische Gefangene die- Über 80% sind knallhart, ich bin mir ses Landes. Es wurde mir unglaublich sicher, das ist politischer Wille, das wird schwer gemacht, mit Flüchtlingen in von oben gesteuert. Im Grunde genom-

Heimfocus@yahoo.de men will die Politik gar keine Flüchtlinge, man möchte die Bodenschätze aus Afrika oder aus Asien, man möchte alles haben, nur die Menschen nicht. Das ist eine Form von Kolonialismus. Kommen wir doch zum medialen und politischen Lieblingsschlagwort „Leitkultur“, auf die wir uns immer gerne berufen, wenn wir Angst haben vor Veränderungen, vor fremden Einflüssen... Seit die Menschheit denken kann, ist der Begriff Leitkultur benutzt worden. Da beruht auch der Faschismus darauf und das Ariertum usw., die eine überlegene Kultur und ihre Angst vor Durchmischung, vor Durchrassung. so hieß es ja früher. Psychologisch führe ich es darauf zurück, dass es so viele Menschen gibt, die wenig Selbstbewusstsein haben. Im Grunde ziehen sie ihr Selbstbewusstsein aus anderen Dingen. Sie ziehen es aus dem Fußballverein, den sie toll finden; sie ziehen es aus der Staatsangehörigkeit, die sie haben, aus der Hautfarbe, die sie haben, aus diesen zufälligen Merkmalen - nicht aus dem Charakter, nicht aus dem, was sie aus sich selbst gemacht haben. Darauf sind sie nicht stolz, sondern sie sind auf Äußerlichkeiten stolz. Und da es so viele sind und da unsere Gesellschaft auch so ausgelegt ist, Menschen nicht selbstbewusst werden zu lassen, sondern sie letztlich klein und austauschbar zu halten, greift es dann natürlich immer gut, wenn man sagt, Dieses oder Jenes bedroht uns von außen. Mit den einzelnen Bürgern in ihrem Gefühl der Bedrohung kann man dann natürlich nach eigenem Ermessen phantastisch operieren. Die Welt ist seit langer Zeit fest in der Hand der weißen europäischen Rasse gewesen. Diese hat mit äußerster Brutalität ihre Herrschaft rund um den Globus durchgesetzt. Mittlerweile hat sie gelernt, dabei einen guten Ton zu pflegen. Sie hat ein schönes Lügenprodukt geschaffen, das einer freien, demokratischen Gesellschaft, und die Menschen glauben dies bereitwillig, sofern sie nicht wie ich anfangen, die Worte an der Realität zu messen und zu prüfen, ob beide stimmig sind. Dann merken sie plötzlich, vieles ist ganz anders. Das Spiel wird mit großem Ge-


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schick gespielt, es gibt keine KZs mehr, ker... Flüchtlinge. Der Deutsche selbst würde es gibt keine Vernichtungslager, es gibt Den ganze Reichtum, der zu uns natürlich eine ganz andere Art von Bebei uns keine brutalen Kriege mehr. Al- kommt, den möchte ich wenigstens an- handlung erwarten; er würde sie aber les wird auf eine nette, pseudohumane satzweise nutzen und den Deutschen vermutlich nicht bekommen. Warum Art gemacht; die, die kommen, wer- zeigen, schaut her, das alles wird bei soll man in Ländern, in denen sich herden nicht mehr getötet oder gefoltert, uns verschwendet, das sind Menschen, umgesprochen hat, wie hier mit Flüchtsondern sie werden ruhig gestellt, sie die kommen zu uns, die verlassen ihre lingen umgegangen wird, eine bessere kriegen erst gar keine Stimme. Viel ge- Heimat, weil sie keine andere Wahl ha- Behandlung erwarten? Wenn man sich schickter, aber die Unmenschlichkeit ben. Sie bringen so viel Wertvolles mit, das klar macht, wird man vielleicht ein ist gleich groß. sie wollen es mit uns teilen, sie wollen bisschen bescheidener, auch wenn uns etwas schenken, aus Dankbarkeit man egoistisch veranlagt ist, vielleicht dafür, dass wir ihnen Schutz gewähren! aus reiner Vernunft heraus. Dann wird Kann man nach einer solchen Tour, Warum sind wir so dumm, dass wir das man die Menschen, die Hilfe suchend nach all diesen Erfahrungen, einfach nicht annehmen? Da hoffe ich, dass zu uns kommen, vielleicht mit der gleiwieder ins normale Leben zurückkeh- man so Einiges bewegen kann. chen Achtung behandeln, mit der man ren? Was hast du für Pläne, was treibt selbst behandelt werden möchte. dich jetzt an? Das ist wohl für viele, die sich mit dem Nach diesem Schlusssatz im Sinne der Mein Leben war schon immer nicht Herzen in der Flüchtlingsarbeit enga- Goldenen Regel, die es in allen großen angepasst; im Grunde ist dies die kon- gieren, die Hauptarbeit, den Deutschen Kulturen in einer Art und Weise gibt, sequentere Variante von dem, was ich die Angst zu nehmen und ihnen zu zei- danken wir dir, lieber Heinz, im Namen schon immer gemacht habe. von Heimfocus für dieses interessante gen, dass beide Seiten profitieren. Ich habe einen gewissen Bekanntheits- Was möchtest du abschließend den Interview und für Deine Tour der 1000 grad und kann über Kunst Einiges be- Menschen hier mitteilen? Brücken! wegen. Daher möchte ich mit einigen Flüchtlingen aus verschiedenen Städ- Auf den Konzerten sage ich den Men- Fazit der Tour und vieles mehr nachzuten gerne Kulturprojekte machen. Wir schen immer, dass es nichts Schlim- lesen auf: haben unter ihnen Weltklassemusiker meres gibt als Arroganz! Erkennen wir gefunden, die auf jedem großen Fes- zum Beispiel nach der Katastrophe in www.1000bruecken.de tival Tausende begeistern würden, wir Japan nicht, es brauchen hier nur ein, haben tolle Schauspieler gefunden, zwei Atommeiler in die Luft zu fliegen Philosophen, phantastische Handwer- und und wir sind selbst ein Land voller


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Das Mysterium äthiopischer Philosophie 17. Jahrhundert bedroht durch die Bekehrung des Königs Suseynos zum Katholizismus sowie durch die lang anhaltende Präsenz missionierender Jesuiten. Es war eben dieser Versuch der Zwangsbekehrung der Äthiopier zum katholischen Glauben in der Ära des Königs Suseynos, der den beeindruckendsten Auftrieb geistiger Unabhängigkeit in Afrika des 17. Jahrhunderts zur Folge hatte.

In den Augen der internationalen Gemeinschaft und der westlichen Welt dominieren Dürre und Hungersnot, die die Menschen dort seit Dutzenden von Jahren leiden lassen, das Bild von Äthiopien. Äthiopien ist jedoch wie die meisten afrikanischen Länder ein differenzierter Vielvölkerstaat jenseits dieser Klischees. Darüber hinaus ist Äthiopien nicht nur ein Land mit uralter Geschichte, mit Kultur und Traditionen, die mehr als 3000 Jahre in der Geschichte zurück gehen und die Heimat verschiedener bedeutender archäologische Funde einschließlich unseres gemeinsamen Vorfahrens, des Australopithecus afarensis („Lucy“). Auch äthiopische Philosophen waren jahrhundertelang von großer Bedeutung. Auf Grund ihrer schriftlichen Form und ihrer Entwicklung während des äthiopischen Mittelalters nehmen sowohl die äthiopische Philosophie als auch die Literatur einen einzigartigen Platz in der gesamtafrikanischen Philosophie ein.

Entwicklungsbedingungen der äthiopischen Kultur. Sie ist ein Produkt des Zusammenfließens griechischer und altväterlicher Philosophie mit traditionellen afrikanischen Weisen und Ansichten. Auf Grund ihrer frühen Isolation von den eigenen spirituellen Wurzeln Byzanz und Alexandria erhielt die äthiopische Philosophie einige ihrer Grundzüge durch arabische Einflüsse.

Die Eigenart äthiopischer Philosophie ist bestimmt durch die besonderen

Nach einigen sekundären Quellen wurde die äthiopische Identität im

Zar‘a Ya‘ecob (1599-1692) ist der wichtigste Vertreter äthiopischer Philosophie und seinem Werk Hatätä (1667) gebührt ein ausgewiesener Platz im engsten Kanon universell bedeutsamer Philosophie. Zar‘a Ya‘ecobs Denkweise war gänzlich theologisch geprägt. Trotz seiner einfachen Herkunft zeichnete er sich durch eine bemerkenswerte intellektuelle Bandbreite aus, und er durchlief die traditionelle äthiopische theologische Ausbildung. Neben den Studien koptischer und katholischer Theologie hatte er profunde Kenntnisse der jüdischen und islamischen Religion. Sein spiritueller Wegbegleiter war Davids Buch der Psalmen, in dem er Trost und Inspiration fand.


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07 / 2011 indem er also nicht nur mit zwei unterschiedlichen christlichen Bibelauslegungen vertraut war, sondern darüber hinaus auch mit den beiden anderen abrahamischen religionen, trieb die Beobachtung der darin erkennbaren Widersprüche Zar‘a ya‘ecob dazu, nicht nur die autorität der äthiopischen tradition abzulehnen, sondern darüber hinaus jegliche autorität im allgemeinen. Er kommt in seinen Schriften zu der Erkenntnis, dass tradition von lügen bestimmt sei angesichts der tatsache, dass der Mensch in seiner arroganz in der Überzeugung verharre, alles zu wissen, und sich aus diesem Grund weigere, dinge mit dem eigenen verstand zu ergründen; vielmehr übernehme er blind die Überlieferung seiner vorfahren. der philosoph erkennt lediglich vernunft als die einzige autorität an und akzeptiert von der Heiligen Schrift und von den dogmen nur das, was vernünftiger Betrachtung standhält. Er besteht darauf, dass die menschliche vernunft die Wahrheit finden könne, wenn sie nach dieser strebt und sich nicht durch Hindernisse entmutigen und beirren lässt.

sche Schrift verfasst hat, in der er die Gedanken seines Meisters systematisiert. Er widmete mehr aufmerksamkeit eher den praktischen und erzieherischen Fragestellungen und strebte danach, die philosophie von Zar’a ya’ecob mit dem Wesen früherer Weisheitsliteratur zu vebinden. Wäldä Heywåt greift bewusst auf ausschmückungen und parabeln zurück, und häufig kann man das „Buch der weisen philosophen“ als die Quelle seiner Beispiele ausmachen. obwohl sein Werk weniger ursprünglich ist als das seines Meisters, kann es als „eher äthiopisch“ betrachtet werden, da es ihm gelungen ist, eine Synthese zu schaffen von ausgesuchten Gedanken, geprägt durch Zar’a ya’cobs ablehnung der tradition, und der traditionellen christlichen Weisheit. Es ist darüber hinaus auch in dem Sinne „mehr äthiopisch“, als es etliche praktische, soziale und moralische Bereiche anspricht, denen die meisten äthiopier jener Zeit im leben begegneten. in dieser Hinsicht ist das Werk von Wäldä Heywåt weniger spekulativ, sondern mehr volksverbunden als die Werke seines Meisters Zar’a ya’ecob.

auf diese Weise der differenzierten Schritt-für-Schritt-auslegung ( dies ist die Bedeutung des Begriffs Hatätä) nähert sich Zar‘a ya‘ecob einer Begründung der Existenz Gottes als eines ewigen, unerschaffenen Urgrundes, zugrunde gelegt in der Unmöglichkeit einer unendlichen kausalkette und der Überzeugung, die Schöpfung sei gut, weil Gott gut ist. diese Überzeugung ist die Basis für seine kritik asketischer Moral wie auch einiger jüdischer und islamischer Gebote. da er den Willen Gottes mit Hilfe der vernunft definiert, lehnt Zar‘a ya‘ecob die meisten der moralischen äthiopische literatur kann in drei Gebote als Blasphemie ab, zum Bei- Hauptbereiche eingeteilt werden: spiel hinsichtlich polygamie, Fasten, klassische literatur einschlieSlich hissexueller oder alimentärer Untersa- torischer Erzählungen, Heldenepos gungen. Er scheint der Überzeugung und Werke philosophischer reflexiozu sein, dass für die Guten alles gut sei. nen, versetzt in imaginäre Gegebenauf diese Weise erinnert er an die art heiten und schlieSlich romantische des denkens ausgedrückt in der Glau- sowie politische literatur, letztere in bensausübung des anderen groSen amharisch, der äthiopischen landesZar‘a ya‘ecob, eines kaisers des 15. sprache. jahrhunderts. die klassische literatur hingegen ist verfasst in Ge’ez, einer semitischen Zar‘a ya‘ecob hatte einen Schüler, Sprache, die zugleich die älteste in Wäldä Heywåt, der eine philosophi- Schriftform vorliegende Sprache af-

rikas darstellt. diese Schrift mit ihrer einzigartigen orthographie kann man fast 2.000 jahre zurückverfolgen. die Bibel und alle anderen christlichen texte sind ebenfalls in Ge’ez übersetzt worden, das bis heute als die Sprache des äthiopische klerus überlebt hat. in dieser Hinsicht ist Ge’ez mit latein der westlichen Welt vergleichbar.

äthiopien ist im Westen kaum jemandem bekannt als ein land mit uralter Geschichte und kultur, als ein land, das es hinsichtlich intellektueller und kultureller Errungenschaften durchaus mit den anderen Hochkulturen der Welt aufnehmen kann. auch heutzutage trifft man dort viele begabte und gebildete Menschen, äthiopische akademiker, Stipendiaten und Berufstätige aus den verschiedensten Bereichen. auf Grund jahrzehntelanger repressiver politischer Situation im Heimatland haben sie keine Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und zum Beitrag ihrer ideen und Fähigkeiten zur Entwicklung des landes. Statt dessen sehen sie sich zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen. Addis Mulugeta


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Hunger, Hoffnungslosigkeit, Hilfsbedürftigkeit – war da noch was??

Von der Schönheit und vom christlichen Glauben eines uralten Kulturlandes Reisen bildet. Reisen als individueller Rucksacktourist, immer hautnah mittendrin ohne das kuschelige All-inclusive-Pauschalpaket, noch mehr. Nur gute drei Wochen waren es, leider viel zu kurz, um mehr als eine leise Ahnung, mehr als flüchtige Einblicke zu bekommen in die vielen Facetten eines wunderschönen Landes mit reicher Kultur und Geschichte. Die drei H-Worte der Überschrift, vielleicht noch Kaffee und Weltklasseläufer, ja und natürlich Menschen für Menschen, damit ist für die meisten Deutschen das Bild von Äthiopien erschöpft. Eines der ärmsten Länder eines armen Kontinents, bestenfalls präsent in Bildern von Armut mit großen anklagenden Augen. Man fragt sich in der Tat auf den langen, mühsamen Fahrten durch die wilden, atemberaubend schönen Berglandschaften, wie überleben hier die Menschen die Trockenzeit, wo nichts, aber auch gar nichts wächst? Dagegen nimmt sich die sattgrüne mitteleuropäische Trockenperiode dieses Jahres

aus wie das Paradies schlechthin. Hierzulande wird gewiss niemand ver-hungern, wir werden weiterhin ein Drittel unserer Nahrungsmittelproduktion auf den Müll werfen und in der Bäckerei nicht das Brot von vorgestern kaufen müssen. Doch hier? Die Menschen sind Überlebenskünstler, irgendwie, sie haben keine Wahl außer der zwischen Leben und Tod. Nur vereinzelt, in wenigen Tälern, dort, wo scheinbar eine Wasserquelle vorhanden ist, da leuchtet plötzlich inmitten der staubtrockenen Wüste fast surreal ein üppiger Garten Eden auf und vermittelt eine Ahnung davon, was dieses fruchtbare Land sein könnte mit einer funktionierenden Bewässerung. Kein Hunger, keine Hoffnungslosigkeit, keine Hilfsbedürftigkeit, nein, Überfluss... Es ist nicht nur die Schönheit der Landschaft und die vielen Zeugnisse Jahrtausende alter Kulturen, die beeindrucken und berühren. Jeder, der dieses Land bereist hat, wird es bestätigen: Selten findet man sowohl von der Geographie wie auch von der Geschichte

her so viele unterschiedliche und faszinierende Bilder und Eindrücke. Wie falsch liegen wir doch mit unserer pauschalisierenden westlichen Arroganz und Ignoranz, mit dem undifferenzierten Bild eines so vielfältigen Kontinents im Allgemeinen und dem von Subsahara-Afrika als eines „dunklen“ Kontinents ohne Kultur und „Zivilisation“ im Besonderen. Wer von uns, wer von Ihnen weiß schon, dass Äthiopien die Wiege der Menschheit ist, dass es dort monumentale Zeugen früher Hochkulturen gibt, dass dieses Land über eine ebenso reiche Geschichte verfügt wie Ägypten und Mesopotamien? Dass dort bereits lange Christentum Staatsreligion und eine hochdifferenzierte Kultur und Philosophie beheimatet waren, als die Germanen noch auf den Bäumen hockten? Afrika ist also nur Busch und Lehmhütte und Mangel an allem? Es ist aber auch die außergewöhnliche Schönheit der Menschen, ihre natürliche Würde und Haltung, ihre tiefe gelebte Gläubigkeit quer durch alle Generationen und Schichten, die auf-


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07 / 2011 fallen und berühren. ob in der Morgendämmerung , mittags oder abends: von überall her schallen aus den zahlreichen äthiopisch-orthodoxen kirchen kirchengesänge und rufe zum Gebet, weiS gewandete Menschen strömen herbei und beten mit einer Ehrfurcht und Frömmigkeit, die uns schon lange fremd sind. der Student wie der Geschäftsmann, die Sekretärin wie die Bäuerin: vor der arbeit, nach der arbeit, täglich strömen sie alle mit ihren luftigen weiSen kirchengewändern herbei; der Glaube bestimmt das leben, den tages- und jahresrhythmus. Und er wird offen gezeigt und gelebt. Wenn man im taxi sitzt oder wie wir auf einer langen Bergetappe im Bierlaster und der Fahrer bekreuzigt sich plötzlich, dann sieht man gewiss irgendwo in der landschaft eine kirche, und sei sie noch so versteckt oder fern. in der Hauptstadt bleiben dann die Menschen mitten auf der StraSe stehen, machen das kreuzzeichen und verbeugen sich. Und überall im lande erkennt man äthiopisch-orthodoxe Christen, auch sehr viele junge Christen beiderlei Geschlechts, schon von ferne an ihren weiSen Umhängen und Gewändern. Nicht nur an den uralten, besonders heiligen Stätten ihres Glaubens, in aksum und lalibela, sondern überall. Ein dunkler kontinent also, der von uns Europäern viel zu lernen hat? ich jedenfalls habe umgekehrt im Umgang mit seinen Menschen viel gelernt: Bewunderung und respekt für die

Würde und Beharrlichkeit, mit denen sie ihren mitunter sehr harten alltag meistern; Ehrfurcht und demut angesichts ihrer Frömmigkeit und konsequenten ausrichtung ihres lebens auf ihren Glauben hin. Nicht nur in der Heimat, sondern auch hier in der Fremde, in der diaspora, im Flüchtlingslager: leben mit und aus dem Glauben auch dann, wenn die normierten Essenspakete keine rücksichten nehmen auf die häufigen und langen Fastenzeiten. leben mit und aus dem Glauben auch dann, wenn die kirche weit entfernt ist und man jedes Mal für einen Gottesdienstbesuch eine Einladung des pfarrers braucht, mit der man dann bei der ausländerbehörde um Erlaubnis fragen muss. Und dann noch von seinen 40€ taschengeld die Fahrt zahlt. leben mit und aus dem Glauben ohne wenigstens einen raum der Stille, des rückzugs, in der riesenkaserne, in der man mit ca. 450 anderen Flüchtlingen untergebracht ist. Beten auf der Bettkante. Ein seltenes, kostbares Glück in der Fremde: leben mit und aus dem Glauben mit einer katholischen Gemeinde um die Ecke, die solidarisch und geschwisterlich ihre kirche öffnet und den Fremden mit Herzlichkeit und Gastfreundschaft begegnet. So wie in Hl.Geist in Würzburg-dürrbachau. reisen, so reisen, ist auch eine reise zu sich selbst – in äthiopien und im Flüchtlingslager. Eva Peteler

Liebe(r) Jugendliche(r), bist Du ohne Begleitung Deiner Eltern nach Deutschland gekommen? Warst Du zum Zeitpunkt Deiner Ankunft in Deutschland noch minderjährig? Wenn Du beide Fragen mit „ja“ beantwortest, dann würden wir uns freuen, wenn Du zu einem Gespräch mit uns bereit wärst. Die Universität Konstanz führt derzeit eine Studie durch, um einen Eindruck über die Erlebnisse, die Gesundheit und den Umgang mit Konflikten von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu gewinnen. Falls Du Interesse hast, an unserer Studie teilzunehmen, wird ein einmaliges Gespräch mit einem unserer Mitarbeiter stattfinden. Alle Informationen, die Du uns gibst, werden natürlich vertraulich behandelt und nicht an andere Personen weitergegeben! Die Teilnahme am Interview ist freiwillig und es entstehen für Dich dadurch keine Kosten. Als kleines Dankeschön erhältst Du einmalig 15 Euro. Wir würden uns sehr über Deine Teilnahme an der Studie freuen! Dr. Martina Ruf & Cand.-Psych. Julia Baumann Kompentenzzentrum Psychotraumatologie Klinische Psychologie der Universität Konstanz Email: Martina.Ruf@unikonstanz.de Tel.: 07531- 88- 4623 (Sekretariat Fr. Riedke)

Gefördert durch den EFF.


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Seminare der Akademie Frankenwarte

Gesellschaft für Politische Bildung

04. bis 06.07.2011 Afghanistan – Eine Dekade des internationalen Engagements Was von afghanistan zu hören und lesen ist, lässt weite teile der deutschen Bevölkerung am Engagement der internationalen Staatengemeinschaft zweifeln. das Seminar gibt einen tiefen und differenzierten Einblick: Was ist aus den internationalen Bemühungen geworden? Wo erkennt man tatsächliche Fortschritte und wo rückschläge? die Situation vor

ort wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, um einen besseren Überblick über die Gesamtsituation erlangen zu können. teilnahmebeitrag: € 87,00 anmeldung: Carmen.Schmitt@frankenwarte.de Fon: 0931/80464-340 Fax: 0931/80464-44

17. bis 19. juni 2011 Zusammenleben in Deutschland gesellschaftliche Rolle(n) der islamischen Religion in der Diskussion Seminar in kooperation mit dem internationalen Bund der konfessionslosen und atheisten e.v. (iBka)

teilnahmebeitrag: € 87,00 anmeldung: Ulrike.Schuhnagl@frankenwarte.de Fon: 0931 / 80464-214 Fax: 0931 / 80464-77

11. bis 13. juli 2011 Kulturelle Vielfalt leben - Interkulturelles Training Seminar in kooperation mit der arbeiterwohlfahrt Nürnberg deutschland ist ein Einwanderungsland. der Umgang mit kultureller vielfalt und unterschiedlichen lebensrealitäten ist in der Gesellschaft, in institutionen wie auch in der Wirtschaft eine zentrale Herausforderung für unser Zusammenleben. pädagogischwissenschaftlich ausgebildete trainer/innen mit langjähriger Erfahrung in der jugend- und Erwach-

senenbildung stellen sich gemeinsam mit den teilnehmer/innen der Frage: Welche „interkulturellen kompetenzen“ sind in einer Migrationsgesellschaft angesichts dieser Situation von uns gefordert? Und wo liegen deren mögliche Grenzen? teilnahmebeitrag: auf anfrage anmeldung: Carmen.Schmitt@frankenwarte.de Fon: 0931 / 80464-340 Fax: 0931 / 80464-77


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4.bis6.November 2011 Fremd im eigenen Land? Obwohl immer deutlicher, so bleibt es dennoch in den meisten Debatten unausgesprochen: Es gibt sie, tief sitzende Ängste vor „dem Fremden“, die zu seltsamen bis hin zu gefährlichen Einschätzungen und Verhaltensweisen führen. Wie umgehen mit diesen Ängsten, damit sich in Deutschland eine lebendige

Demokratie für und von Bürger-/innen aller Kulturen und Religionen entfalten kann? Teilnahmebeitrag: € 87,00 Anmeldung: Thea.Momper@frankenwarte.de Fon: 0931 / 80464-333 Fax: 0931 / 80464-44

7. bis 9.Oktober 2011 Interkulturelle Mediation in Politik und Ehrenamt eine Form des Diversity Managements (Training) Die Begegnung und Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur birgt häufig Schwierigkeiten. Nicht selten kommt es zu scheinbar unüberbrückbaren Missverständnissen. Um die Potenziale, die in der kulturellen Vielfalt liegen, nutzbar zu machen und interkulturelle Konflikte konstruktiv zu lösen, kann die Mediation als eine Form des Diversity Managements wertvolle Dienste

leisten. In dem Praxisseminar werden Sie Grundlagen und Methoden der interkulturellen Mediation kennen lernen. Teilnahmebeitrag: € 195,00 Anmeldung: Carmen.Schmitt@frankenwarte.de Fon: 0931 / 80464-340 Fax: 0931 / 80464-44

21.bis22.November 2011 Fachtagung: "Kultursensible Pflege in der Einwanderungsgesellschaft" Möglichkeiten und Herausforderungen in der Diskussion Diese Tagung mit fachkundigen Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung, Politik und Praxis bietet MultiplikatorInnen und Interessierten im Bereich des Pflege- und Gesundheitssektors ein Forum für Diskussionen zu den Herausforderungen und Möglichkeiten der kultursensiblen Pflege in der Einwande-

rungsgesellschaft und erarbeitet Handlungsansätze. Teilnahmebeitrag: € 125,00 Anmeldung: Carmen.Schmitt@frankenwarte.de Fon: 0931 / 80464-340 Fax: 0931 / 80464-44


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Vom Spiel mit Demokratie zur Grünen Bewegung Toomadj Avazzadeh

Warum erzähle ich Ihnen diese Hintergrundgeschichte von den letzten Wahlen in meiner Heimat Iran? Sie liegen schon lange zurück gemessen an der Flut aktueller Ereignisse und Nachrichten aus der ganzen Welt. Sie sollten diese Geschichte dennoch lesen, weil sie Ihnen, allen Bürgern dieses Landes und Europas beispielhaft für viele Länder zeigt, warum so viele Menschen hierher kommen und um Asyl bitten. Die Präsidentenwahl im Iran ist die Geschichte von Menschen, die in der Hoffnung und im Streben nach Demokratie und Freiheit ihre Stimme erhoben haben und für dieses Mut einen Preis bezahlt haben. Und diese Geschichte beantwortet auch die Frage, warum so viele hoffnungsvolle, vielversprechende Menschen keine andere Wahl haben als ihr Land zu verlassen. Die zehnte Präsidentenwahl im Juni 2009 ist, nach der Islamischen Revolution von 1979, ein Wendepunkt in der iranischen Geschichte, eine Zeit bedeutender Ereignisse. Vor dem Wahltermin fand eine TalkRunde der Kandidaten im Fernsehen statt, in der sie alle die Gelegenheit hatten, ihre politischen Grundsatzprogramme darzulegen. Das war das erste Mal in den 30 Jahren islamischer Regierungsherrschaft, dass dem Volk Gelegenheit gegeben wurde, sich auf diese Weise ein Bild von den Wahlkandidaten zu machen. Das iranische Regime animierte die Wähler so auf geschickte Art und Weise zum Urnengang und zeigte der öffentlichen Meinung in der Welt seine demokratische Grundhaltung. Allerdings ahnte das islamische Regime nicht, wie sehr es mit dem Streichholz seiner Medien am Pulverfass der iranischen Nation gezündelt hat.

In diesen Tagen vor den Wahlen haben die Anhänger des Kandidaten der Gesamtopposition, Hossein Moussawi, damit begonnen, sich mittels grüner Armbänder oder grüner Kleidung zu definieren und von den Unterstützern der anderen Kandidaten abzuheben. Dies führte dazu, dass Moussawis Anhänger überall ohne Mühe wahrgenommen werden konnten, auch von ihresgleichen. Womöglich ist es nicht übertrieben zu behaupten, dass es mitunter ein Meer von grün gekleideten Menschen in den Straßen zu sehen gab. So erkannten die Unterstützer von Moussawi leicht, wie riesig ihre Zahl in Wirklichkeit war und dass sie, gemessen daran, die Wahlen gewinnen würden. Als jedoch nach den Wahlen der bisherige Amtsinhaber Ahmadinedschad zum Gewinner erklärt und vom Obersten Revolutionswächter Ali Khamenei bestätigt wurde, erreichte die Wut des iranischen Volkes ihren Höhepunkt. Davon unbeeindruckt erklärte Ali Khamenei beim ersten Freitagsgebet nach den Wahlen mit drohender Stimme, die Verantwortung für die Folgen der Proteste und jeglichen Blutvergießens liege bei den Anführern der Protestbewegung. So positionierte er sich klar gegen die Massen der iranischen Bevölkerung. Etliche Male versuchten die Anführer der Protestbewegung, bei der iranischen Regierung Erlaubnis für eine Demonstration zu erhalten – vergebens. Die Strategie von Ali Khamenei , getragen von Unterstützung aus den Reihen des Militärs, der Sicherheits- und Geheimdienste, konnte nur mit Hilfe eines willigen Helfers gelingen; dafür war Ahmadinedschad der beste Kandidat. Eine verantwortungslose Regierung, wirtschaftliche und geschlechtsspezifische Diskriminierung, Mangel an individueller, sozialer und politischer Freiheit, an dem Grundrecht der freien Meinungsäußerung, Inhaftierung Oppositioneller, hohe Arbeitslosigkeit

und vieles mehr brachte die Menschenmassen auf die Straßen. Die größten Massendemonstrationen fanden in der Hauptstadt Teheran statt. Millionen zeigten der Regierung ihr Wut. Seitens des Regimes wurde dies als Proteste „einiger störender Elemente“ gewertet, die eine Farbige Revolution, eine Volksverhetzung provozieren wollten. Demnach bezeichnete die Regierung die Anführer der Bewegung als Anführer des Aufruhrs, den sie blutig bekämpfte: Mehr als 20 Menschen wurden dabei getötet. Ferner wurden nach den Wahlen und der Protestwelle ungefähr 4000 Journalisten, politische Aktivisten und Reformer sowie einige ihrer Anwälte verhaftet. Es gab Gerichtsurteile gegen einige von Moussawis Unterstützern wegen eines Putschversuchs gegen die Islamischen Regierung. In zahlreichen Berichten sind Fälle von Körperverletzungen, von Misshandlungen der Inhaftierten, von sexueller Gewalt, Verstümmelungen und Tötungen dokumentiert worden. Nun leben einige der Oppositionsführer unter Hausarrest und in Isolation, um seitens des Regimes den innenpolitischen Druck zu reduzieren und die Kontrolle zu behalten. Seit Januar 2009 haben auch die Internetnutzer im Iran Schwierigkeiten, auf gefilterte Seiten wie die der sozialen Netzwerke, Facebook, Twitter, Badoo etc., zuzugreifen. Dem wirken einige persischsprachige Medien im Ausland entgegen, indem sie unzensierte Nachrichten über den Iran über Satellit zur Verfügung stellen. Obwohl der Iran hinsichtlich Geschichte, Kultur, Naturschätzen, Potential der Bevölkerung und Gesellschaftsdynamik eines der reichsten Länder der Welt ist, zwingt sein totalitäres und unterdrückendes Regime viele gebildete, patriotische Bürger zur Flucht und zum Exil in allen Teilen der Welt. Allein in der kurzen Zeit von Januar bis April 2011 zum Beispiel sind 930


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neue Asylbewerber aus dem Iran nach ßerhalb von Iran zusammen, um ihrer der Islamischen Republik Iran und bis Deutschland gekommen. Wut und ihrem Widerstand gegen das zur Festigung einer wirklichen DemoBedauerlicherweise findet sich die Regime Ausdruck zu verleihen. Wie kratie im Heimatland. Die iranischen Grüne Revolution des iranischen Vol- es scheint, ist die Protestbewegung Flüchtlinge hier und überall auf der kes kaum noch in den Medien, aber bis der Iraner unaufhaltsam und wird wei- Welt hoffen auf diesen Tag des Sieges. heute kommen zu bestimmten Anläs- ter geführt werden bis zum Sieg über Übersetzung: elos sen sehr viele Menschen im und au- das gegenwärtige politische System

ONE RACE...HUMAN Afrika-Karibik-Festival

Festplatz Aschaffenburg (Mainufer) 11. - 15. August 2011 www. afrika-festival.de


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Projektgruppe Asyl bittet Staatsregierung um Erprobung verbesserter Bedingungen: Vorschlag für ein Modellprojekt für eine neue Erstaufnahmeeinrichtung in Bayern eingereicht Nach mehr als drei Monaten intensiver Arbeit reichte nun die Projektgruppe Asyl (kurz: PG Asyl) einen ausführlichen Vorschlag für ein Modellprojekt für eine neue Erstaufnahme­einrichtung (EAE) in Bayern ein. Auf 42 Seiten hat darin die PG Asyl konkrete Vorschläge für verbesserte Bedingungen vorgelegt, wie eine angemessene medizinische, soziale und psychologische Versorgung sowie juristische Unterstützung von Asylbewerberinnen und -bewerbern gewährleistet werden kann. Eva Dannenhauer von der PG Asyl: ˶Wir bitten Sozialministerin Haderthauer und die Bayerische Staatsregierung unseren Vorschlag zu erproben und bei der Suche und Auswahl einer dritten EAE in Bayern zu berücksichtigen.“ Die Bayerische Staatsregierung plant seit Monaten die Errichtung einer neuen EAE in Bayern. Nach den Erfahrungen mit der Asylpolitik der Bayerischen Staatsregierung in den letzten Jahren und unter dem Eindruck der Lebensbedingungen von Asylbewerbern und Flüchtlingen in bayerischen Sammelunterkünften, hat sich die Projektgruppe Asyl gegründet, um aus ihrer Erfahrung Mindeststandards für eine neue EAE zusammen zu tragen. Die Arbeit der PG Asyl wird unterstützt und getragen von 14 Gruppierungen aus der Asylarbeit vor allem in Bayern. Die PG Asyl wünscht einen stärkeren Einbezug der Wohnbevölkerung im Umfeld der Sammelunterkünfte, eine verbesserte Unterstützung der ehrenamtlich Engagierten sowie eine wissenschaftliche Begleitung. „Dies böte die große Chance, den Asylsuchenden und Flüchtlingen für ihren weiteren Weg, sei es in unserer Gesellschaft, in ihrer Heimat oder an einem anderen Ort, die Ausgangsbedingungen zu verbessern.“

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Damit dies möglich werden könne, sei bei der Auswahl des Standorts zu beachten, dass es ein gesellschaftliches und bürgerschaftliches Umfeld geben müsse, von dem aus eine ehrenamtliche Unterstützung und wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts gewährleistet werden könne, fordert die PG Asyl. Daher sei für das Gelingen eines solchen Projektes wichtig, dass in Reichweite der neuen EAE eine Universität und eine Stadt mit im Asylbereich engagierten Menschen sind.

Weitere Informationen unter: www.pgasyl.de Das Modellprojekt der bayerischen Projektgruppe Asyl wird unter anderem von folgenden Gruppen getragen: • Asylarbeitskreis der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg, • Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY), • ATD Vierte Welt in Deutschland e.V., • Asylkreis Zirndorf, • Asylseelsorge Bistum Würzburg, • Ausländer- und Integrationsbeirat Würzburg, • Bayerischer Flüchtlingsrat, • Caritasverband für die Diözese Würzburg e.V., • Freundeskreis für ausländische Flüchtlinge im Regierungsbezirk Unterfranken, • Infobus für Flüchtlinge München, • Ökumenischer Asylkreis Würzburg, • Ökumenische BAG Asyl in der Kirche e.V., • REFUGIO München und • vivovolo e.V. Eva Dannenhauer Projektgruppe Asyl c/o Katholische Hochschulgemeinde (KHG) Hofstallstraße 4 97070 Würzburg

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Dog or human?

Part 5

Imagine the tree next to your house is the only first refugee arriving place losing its leafs and is becoming nude. in Bayern apart from Munich, said to What can you do to keep it safe and me: „I do not have the time and energy healthy? Are you ready to give it some to talk to you and to respond your imwater, soil, air and sun ray to keep it mediate questions right now because safe or are you going to cut it down I want to save my energy and time to and remove it because it is dry? play with my dog.” At this time, as a Okay what about someone who has person being harassed, I reacted by lost his country, family, job and best getting upset and looking distressed. I friends? What do you do personally didn’t have friends to help me at this for those people who are fleeing their time, my loneliness became stronger country? It is clear that this person and my feeling of sadness, in additineeds a big SMILE more than anything on my self-confidence dropped to the else. The fact is, it is not their fault to bottom. leave their home and beloved one. Starting from this bad experience Or are you fearing the displaced, lea- being treated like under Dog, for me, ving them behind or showing them an it was difficult to approach other ofinhuman attitude? That is really a bad ficials and locals in the beginning beexperience even for the dreams and cause my live has been made miserahopes of the upcoming generations. ble by harassment. I decided to stay in The questions are where and when my crowded room. I understand that people learn the attitude of discri- my life is in the hands of those officials minating and harassing others? Is it who are in charge of refugees. The a natural gift or are they taught like point is, I chose this country for asythis when they are small children? Of lum with high human rights expectacourse children are most conscious of tions rather than for offering me menwhat they see, the way adults around tal illness and depression. them respond to those who are of Being the newcomer in this country different race, religion, sexual orien- what can I do if I am being harassed tation etc. I don’t think in most deve- and someone showed me his back? loped countries like this people have Nothing, really nothing, except praylearned and developed the attitude ing to the Lord who created us equal of discriminating foreigners as well and in his image. as refugees this way. If this is not the What is the problem of answering the reason, why people, particularly some vital questions about how long refuofficials, adapted to this negative at- gees are staying in the first arriving titude towards others? Is it politics? place, what kind of food and drinks If it is politics, everyone has the right are offered to them, what are the rules to feel safe and to be free from discri- and regulations about what to do and mination and harassment, this is a hu- not to do being a refugee, is there any man right. The truth is, some people possibility to learn the language etc. are using their superiority in technolo- But this official needs his time and gy or economy to harass people, some energy to play with his dog instead of are using their race and colour as a tool killing his time with my basic questions. to discriminate others. What is the sense of being human if However, verbal harassment is the you are not helping and supporting worst way of rejecting and abusing your fellow human being in trouble people. The point is, it is okay for and in the time of difficulty? And even them to harass people who are diffe- less than reaching out your hand, just rent from them. I am one of them to encounter him with basic respect and be rejected and harassed in my first politeness simply because he is a huarriving place. I would like to repeat man created to be equal to you. what this official person in Zirndorf, Can you imagine how difficult life is

for those people who don’t know and aren’t allowed to know the language?? What about me someone having considered my human nature under Dog? How long does it take to stop discrimination and harassment, one generation, two, three…? Who is responsible to stop this? The locals, politicians, humanitarian organizations or who? Differences in race, culture, religion, gender and color should be our unity and strength for the benefit of all, we should appreciate them! Abasi Kibwana Stellen Sie sich vor, der Baum vor ihrem Haus verliert sein ganzes Laub und wird zunehmend dürr und kahl. Was können Sie tun, um ihn gesund und am Leben zu erhalten? Sind Sie willig, ihm Wasser, gute Erde, Luft und Sonnenlicht zukommen zu lassen, damit er gesundet, oder haben Sie eher vor, ihn abzusägen und zu entfernen, weil er dürr geworden ist? Also gut, und was ist dann mit einem Menschen, der sein Land, seine Familie, seine Arbeit und seine besten Freunde verloren hat? Was tun Sie persönlich für die vielen Menschen, die aus ihrem


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Hund oder Mensch? Teil 5

Land fliehen müssen? Es leuchtet wohl ein, dass diese Menschen ein freundliches , einladendes LÄCHELN mehr brauchen als alles andere. Vergessen Sie nicht, es ist nicht ihre Schuld, dass sie ihr Land und ihre Lieben verlassen mussten. Oder lassen Sie sich beherrschen von einer ablehnenden Furcht vor den Entwurzelten, schauen Sie weg oder verhalten sich ihnen gegenüber feindselig und unmenschlich? Das ist eine tief verletzende, schlimme Erfahrung, selbst für die Hoffnungen und Träume künftiger Generationen. Die wesentliche Frage ist, wo und wann lernen Menschen, andere zu diskriminieren und zu schikanieren? Ist es eine natürliche Begabung oder wird es ihnen in früher Kindheit beigebracht? Kinder sind aufmerksame Beobachter ihres Lebensumfeldes, auch der Art und Weise, wie die Erwachsenen denen begegnen, die einer anderen Rasse, einem anderen religiösen Bekenntnis oder einer anderen sexuellen Orientierung zugehören. Ich glaube und hoffe nicht, dass die Menschen in den am höchsten entwickelten Ländern es gelehrt bekommen haben, Fremde und vor allem Flüchtlinge derart zu diskriminieren. Aber wenn nicht, wie sonst haben sich diese negative Haltungen gegenüber anderen entwickelt, insbe-

sondere bei Mitarbeitern von Ämtern und Behörden? Ist es Wille der Politik? Wenn es Politik ist, dann sei hier daran erinnert, dass Sicherheit der Person, auch von Diskriminierung und Schikane, Menschenrecht ist. Es ist so, manche benutzen technische oder wirtschaftliche Überlegenheit, um andere zu diskriminieren und zu erniedrigen, andere missbrauchen ihre Rasse und Hautfarbe dazu. Verletzung und Erniedrigung mit Worten gehören zu den schlimmsten Arten der Zurückweisung und des Missbrauchs von Menschen. Es ist wohl in Ordnung für die, die es tun, diejenigen herum zu schubsen und zu schikanieren, die sich von ihnen, den Tätern an der Macht, unterscheiden. Ich bin eines der vielen Opfer dieser Machtspiele, zurückgewiesen und diskriminiert bereits in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf, unmittelbar nach meiner Ankunft in Deutschland. Ich möchte hier wiederholen, was dort der zuständige Beamte zu mir sagte: „Ich habe weder Zeit noch Energie, mit Ihnen zu sprechen und Ihre dringlichen Fragen jetzt zu beantworten, weil ich meine Zeit und Energie für das Spiel mit meinem Hund schonen will.“ So zurückgewiesen, war ich sehr verstört und verletzt. Damals kannte ich niemanden, keine Freunde, die mich auffangen konnten. Ich zog mich zurück, meine Einsamkeit wuchs und meine tiefe Traurigkeit, mein Selbstvertrauen war am Boden zerstört. Nach dieser unauslöschlichen und leidvollen Erfahrung, weniger Wert zu sein als ein Hund, war es für mich zunächst unmöglich, Menschen, seien es Behördenmitarbeiter oder einfach andere Einheimische, offen zu begegnen. Ich verbrachte meine Tage lieber in meinem überfüllten Zimmer. Ich begriff, hier geht es nicht um Freiheit und Würde der Person, ich bin der Willkür der zuständigen Beamten ausgeliefert. Der wesentliche Punkt ist, gerade dieses Land habe als Asylsuchender aufgesucht, weil ich hohe Erwartungen an seine demokratische Integrität und Respektierung der Menschenrechte hatte.

Ein Angebot von Demütigung, psychischer Traumatisierung und Depression habe ich hier nicht erwartet. Als hilfloser Neuling in diesem Land, was kann ich schon tun, wenn mich jemand schikaniert und mir den Rücken zukehrt? Nichts, gar nichts außer zu meinem Herrn zu beten, der uns alle gleichwertig als Sein Ebenbild geschaffen hat. Was ist eigentlich so schwer daran, die verständlichen Grundfragen der Flüchtlinge zu beantworten, zum Beispiel, wie lange muss ich hier in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben, welche Nahrung bekomme ich hier, was sind die Regeln und Verordnungen, an die ich mich zu halten habe, wo bekomme ich Hilfe, gibt es hier eine Möglichkeit, Deutsch zu lernen... Aber dieser Beamte braucht ja seine Zeit und Energie für das Spielen mit seinem Hund anstatt sie an mich und meine grundsätzlichen Fragen zu verschwenden. Was ist der Sinn des Menschseins, wenn man dem Mitmenschen in seiner Not und in Zeiten, in denen er auf unterschiedliche Weise der Hilfe bedarf, Unterstützung und Solidarität verweigert? Und noch weniger, als die Hand auszustrecken, wenn man ihm nicht einmal mit Respekt, Anstand und Höflichkeit begegnet, einfach deswegen, weil er ein ebenbürtiges menschliches Wesen ist. Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie schwierig das Leben für jene ist, die die Sprache nicht können (dürfen), die sich nicht mitteilen können? Wie es in mir aussieht, wenn meine menschliche Natur und Würde offensichtlich unter der eines Hundes ist? Wie lange braucht es, um solche Diskriminierung und Schikane zu beenden, wie viele Generationen – eine, zwei, drei? Wer zeichnet verantwortlich dafür, dieses Unrecht zu beenden? Die Menschen vor Ort, die Politiker, Wohlfahrtsverbände und Organisationen oder wer? Verschiedenheit in Rasse, Kultur, Religion, Geschlecht und Hautfarbe sollte für uns ein gemeinsames Potenzial sein, aus dem wir alle für alle schöpfen, unsere einigende Kraft, die wir schätzen.

Übersetzung elos


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Eine unbequeme Wahrheit:

Flüchtlingserfahrungen in Julia Francks Roman „Lagerfeuer“ Julia Franck, die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2007 hat die Hälfte ihrer Kindheit in der DDR verbracht, bevor sie mit ihrer Mutter und drei Geschwistern in die Bundesrepublik ausreiste und neun Monate im Notaufnahmelager Marienfelde in West-Berlin verbrachte. Zu der Zeit war sie erst acht Jahre alt, aber diese Erfahrung scheint sie doch so sehr geprägt zu haben, dass sie sie zum Thema ihres 2003 erschienenen Romans Lagerfeuer machte. Die Meisterin des Erzählens schreibt aus vier völlig unterschiedlichen Perspektiven jeweils in der Ich-Person: Die Polin Krystyna Jablonowska kommt mit ihrem Vater und mit ihrem krebskranken Bruder in den Westen in der Hoffnung auf bessere medizinische Behandlung als im Heimatland. Der Afroamerikaner John Bird arbeitet für den US-Geheimdienst. Seine Aufgabe ist es, von den Flüchtlingen durch lange Verhöre Informationen über deren Vergangenheit zu bekommen, die von politischem Interesse für den Westen sein könnten. Da er in dieser Tätigkeit sehr erfolgreich ist, hofft er auf Beförderung durch Aufnahme in die CIA. Der Schauspieler Hans Pischke hat mehrere Jahre Gefängnishaft in der DDR hinter sich, bevor er von der BRD freigekauft wird und muss sich damit abfinden, das er im neuen Leben keine Chance hat, seinen alten Beruf auszuüben und auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar gilt. Im Zentrum steht jedoch die junge Jüdin Nelly Senff, welche mit ihren beiden Kindern dank eines Fluchthelfers, den sie teuer bezahlen muss, die DDR verlässt. Sie ist auf der Suche nach dem Verbleib ihres Lebensgefährten und Vaters ihrer Kinder Wassilij Batalow. Angeblich hat dieser einige Jahre zuvor Selbstmord begangen, aber es deutet sich in den Verhören an, dass er für die USA als Spion tätig war, von den DDR-Behörden enttarnt und beiseite geschafft wurde. Jedenfalls ist der amerikanische Geheimdienst selbst über kleinste intime Details ihrer Beziehung informiert. Nelly hat bei ihrer Ankunft in West-Berlin eine lange Tortur von behördlichen Befragungen hinter sich. Selbst während ihrer Ausreise wird sie noch einmal stundenlang auf würdelose Art verhört, wobei die Kinder von ihr getrennt werden, ihr sämtliche Kleidung genommen wird

und sie sich einer menschenverachtenden Leibesvisitation unterziehen muss. Damit hat sie aber noch lange nicht alles durchgestanden, denn die Verhöre gehen im Westen weiter, wenn auch von ganz anderer Seite. Sie lässt sich aber nicht beirren und begegnet John Bird, der ganz offensichtlich von ihrer Person beeindruckt ist, mit stolzer Schweigsamkeit. Eigentlich wird ihr gar nicht direkt gesagt, welche Information sie preisgeben soll. Es sind die üblichen Verhörmethoden, die man aus klassischen Spionagefilmen kennt, bei denen die Befragten unter massiven psychischen Druck gestellt werden: Man gibt lediglich vor, eigentlich bereits alles über sie zu wissen, aber man lasse ihr die Chance, selbst darüber zu berichten. Da Nelly sich auch davon nicht beirren lässt, droht ihr schließlich Johns Kollege: “Eine letzte Frage, Frau Senff. Begreifen Sie die Frage als Chance, oder meinetwegen als Hinweis: Sind Sie sicher, dass Sie von der Regierung hier aufgenommen werden wollen?” Harold zündete sich eine Zigarette an und lauerte auf ihre Reaktion, die ausblieb. “Ihnen sollte bekannt sein, dass so ein Antrag auf Aufenthaltserlaubnis auch mal abgelehnt wird? Wissen Sie, wie es in den Lagern für Nichtanerkannte zugeht?” Hiermit gibt er preis, dass unkooperative Menschen mit beabsichtigter Schikane seitens der Behörden rechnen müssen. Dabei ist es eigentlich schwer vorstellbar, inwiefern es noch schlimmer als in Marienfelde zugehen könnte, wo einem Menschen keinerlei Recht auf Intimsphäre zugesprochen wird. Man wird willkürlich mit unbekannten Leuten auf engstem Raume einquartiert, den man nicht vor Zutritt fremder Leute schützen kann. Hans Pischke berichtet, wie er sich zumindest die Möglichkeit verschafft, zu erfahren, ob sich jemand in seinen Raum aufhält, während er selbst nicht da ist: “Ich riß mir ein Haar aus, vom Hinterkopf, dort waren sie am längsten, und klemmte es in die Ritze der geschlossenen Tür. Wie sonst hätte ich feststellen können, ob während meiner Abwesenheit jemand die Tür zum Zimmer geöffnet und sich darin umgesehen haben könnte?” Dass solch ein Zustand in einem modernen, demokratischen Land absurd ist, drückt der schwerkranke Pole Jerzy Jablonowski aus, der kurz vor seinem

Tod das Orientierungsvermögen völlig verloren hat und seine Schwester zunächst nicht mehr erkennt. Als diese ihm die Grüße ihres Vaters aus dem Lager ausrichtet, erwidert er: “Das ist schon länger her, nicht? Die Zeit mit dem Lager, dachte ich, die ist vorbei. Vater und ich wurden befreit, Krystyna. Wir haben doch keinen Krieg mehr?” Auf erschütternde Weise wird dem Leser am Beispiel der Musikerin Krystyna deutlich, was manche Menschen hinter sich gelassen haben, um nun in dieser Situation zu leben: “Ich könnte mein ganzes Leben für Jerzy geben, wenn ich nur Cello spielte. Statt dessen hatte ich ihn nach Deutschland und in dieses Krankenhaus gebracht, hatte das Cello verkauft, und alles, was ich jetzt noch konnte, war, seine Hand zu halten.” In der Tat fühlt man sich an die Zeit während oder unmittelbar nach dem Krieg erinnert, wenn man die Beschreibung der Essensausgabe liest, eine der eindruckvollsten Passagen des Romans. Sie wird aus der Sicht von Hans geschildert, der in dieser Situation zum ersten Mal Nelly begegnet. Julia Franck erzielt viel Wirkung mit nüchternen Worten bereits durch den Titel des Kapitels: “Hans Pischke stellt sich an, fast wunschlos.” Das Chaos in der Warteschlange widerspiegelt die Spannung zwischen den Lagerbewohnern untereinander und zwischen dem Personal und den Bewohnern: “»Als ob wir nicht genug zu tun hätten«, die Dame in der Ausgabe nickte den beiden hinterher und sprach laut vor sich hin, damit wir sie hören konnten. »Fünf hungrige Mäuler, daß ich nicht lache. Fast viertausend waren das im letzten Jahr, wenn man die Polacken dazurechnet, ja, fast viertausend, allein in dem Lager hier.« [...] »Hier ist Marmelade, keine Auswahl, gibt’s nur Erdbeer, das ist Butter oder Margarine, und die gibt’s nur einmal in der Woche, die ist für Kaffee. Haben Sie Kinder, ja?« »Woher wissen Sie das?« [...] »Wegen der Milchmarken, ein Erwachsener allein bekommt nicht soviel Milch.« [...] Den Dank ließ ich inzwischen weg. Schließlich war es nicht die Dame in der Ausgabe, die uns beschenkte, sie wurde für ihre Arbeit bezahlt, nahm ich an. Sie hatte Arbeit und das siegesgewisse, gönnerhafte Lächeln einer Angestellten, die Nützliches mit Gutem verband und neben dem monat-


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07 / 2011 lichen Gehalt immer wieder danksagungen der Neuankömmlinge einsteckte. ich gab meine Marken ab. »Extrawünsche?« »danke, nein.« Es dauert eine Weile, bis Nelly sich des entwürdigenden Zustands ihrer lage bewusst wird. als sie Hans erzählt, dass sie aufgrund der krankheit ihres Sohnes ihren aus paris angereisten onkel nicht treffen konnte, fragt er sie, warum er denn nicht ins lager gekommen wäre Bürger bekennen Farbe und wollen und ob er etwa den anblick eines lagers ihre Zukunft aktiv und verantwortlich nicht vertragen würde. Sie antwortet: mitgestalten. “doch, vielleicht hätte er den anblick vertragen. Er ist ins Exil gegangen und hat Beim 25. Jubiläumsfest der Initiative seine vorstellung von den deutschen am 23.05.2011 waren „Heimfocus“ wie und ihren lagern. ich wollte nicht, daS er auch andere Gruppen der Zivilgesellmich hier sieht.” auch Hans äuSert sich schaft mit dabei. später erbittert über die Situation: “Wir sind hier im lager, nicht im Westen. [...] Danke an die Initiatorinnen Jenifer und du hast vielleicht den osten verlassen Claudia Gabel für ihren Einsatz! und ich das Gefängnis dort. aber wo bist du gelandet? ist dir nicht aufgefallen, Und es geht weiter: daS wir in einem lager wohnen mit einer Mauer drumherum, mitten in einer Stadt mit einer Mauer drumherum, hier drinjeden Montag nen, im innern der Mauer, ist der goldene Westen, die groSe Freiheit?” um 18:00 Uhr julia Franck hat keinen politischen roam Vierröhrenbrunnen man im Sinne einer abrechnung mit den ostblock-regimes geschrieben. Sie stellt an der Alten Mainbrücke in Würzburg beispielhaft drei verschiedene Charaktere vor, die aus ganz unterschiedlichen www.wuerzbuger-montagsspaziergang.de Gründen in die Bundesrepublik deutschKontakt: montagsspaziergang@web.de land gekommen sind: Nelly sieht nach dem verlust ihres lebensgefährten keine persönliche perspektive mehr in Herzlich willkommen! der ddr, und krystyna erhoffte sich die Machen Sie mit! medizinische rettung ihres Bruders. allein Hans kann als politischer Flüchtling gelten, auch wenn seine Übersiedlung nicht gerade aus eigenen Stücken erfolgte. dennoch haben alle drei einen Grund für ihre ankunft im Westen und verdienen somit verständnis. allerdings steht nicht die vergangenheit dieser personen im Mittelpunkt. Es geht auch nicht um ihre Zukunft, denn der leser erfährt nichts über ihr Schicksal nach dem lager. Franck schildert die absurdität und Würdelosigkeit der Existenz eines solchen lagers in unserem land und in unserer Zeit. dass am Ende des romans durch einen kurzschluss, der durch einen umgestürzten, von gönnerhaften Westberlinern gespendeten Weihnachtsbaum verursacht wird, in diesem lager ein groSes Feuer ausbricht, ist die einzige lösung, welche die autorin zu bieten hat. durch diesen Schluss erhält der titel des romans lagerfeuer seine abschlieSende Bedeutung. Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Herr Georg Rosenthal, im Monika Wolf Gespräch mit Addis Mulugeta und Eva Peteler von Heimfocus

Würzburger Montagsspaziergang feiert 25. Jubiläum: wach – mutig – solidarisch

Treffpunkt


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Gedanken zum Theaterstück „Traum vom Leben“

„Wie kann man das ertragen?“

ausdrucksstarke, aufwühlende Bilder, die nicht nur für den augenblick wirken: die meist jungen darsteller aus der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Würzburg haben die Zuschauer in ihre reise in die eigene vergangenheit und Gegenwart mit hinein genommen, tief betroffen und berührt. Nur gut, dass die kette dichter biografischer Szenen von Gewalt, tod und Folter zu Hause und von dramatischen Fluchterfahrungen immer wieder unterbrochen wurde von gespielten Bildern und von den Flüchtlingen selbst gelesenen Geschichten aus der kindheit. Geschichten, wie sie sich überall auf der Welt abspielen, dort, wo noch dieses kleine Glück von Geborgenheit in der Familie, im Freundeskreis zu Hause ist. kinderspiele, Fabeln, Erlebnisse mit den Eltern, wie gleich sind sie doch hier und überall... Nur gut? Gerade dieses Wechselbad von dem auch uns so vertrauten klei-

nen Glück des banalen alltags und dem Schmerz des verlustes, der Entwurzelung und der Hoffnungslosigkeit im vermeintlichen sicheren Hafen deutschland macht zutiefst betroffen und schmerzt. Warum? Warum so? Warum fügt der Mensch dem Menschen solches leid zu? vielleicht war ich nicht die Einzige, die mit diesen Fragen zu ringen hatte.

Einblick in den Schatz ihrer kulturen, der nicht befremdete, sondern zeigte, wie bereichernd und vertraut das Miteinander sein kann, wie integration sein könnte, wenn man sie den Flüchtlingen erlaubte.

Wie Felsen in der Brandung, nicht minder gewaltig und eindrucksvoll waren die von Schauspielerinnen des Mainfranken theaters vorgetragenen texte Sie haben uns Zuschauern ihr innerstes von Bertolt Brecht. Niemand sonst hätoffenbart, kreative, vitale, trotz allem te hier treffender und hintergründiger noch nicht gebrochene junge Menschen das absurde der Flüchtlingsrealität auf mit unglaublich viel talent und potenzi- den punkt bringen können. al, die hier endlich einem begeisterten publikum von drinnen und „drauSen“ Noch lange nach dem begeisterten zeigen konnten, was in ihnen steckt – applaus saSen die darsteller mit vieund was wir hier achtlos zurückweisen len Zuschauern zusammen und stellten und ersticken lassen. trotz allem so viel sich ihren Fragen. die angeregte dislebenswille und auch so viel kraft und kussion offenbarte dem publikum auch, Mut, sich den eigenen verwundungen woran die Menschen im lager leiden zu stellen und sie auf offener Bühne zu und verzweifeln. aus der Betroffenheit teilen. Und sie schenkten uns noch et- heraus äuSerten nicht wenige das Bewas, das hoffentlich nachwirkt: einen dürfnis, Hilfe anzubieten. Sie wurden


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„umgekommen/ angekommen – nicht willkommen?“ Liebe Leserinnen und Leser, wir, der Ökumenische Asyl-Kreis Würzburg, wollen Sie auf eine Veranstaltung hinweisen. Wir beteiligen uns an der

Würzburger Nacht der Kirchen am 02.10.2011 von 19 - 23 Uhr und sind dieses Jahr in der Franziskanerkirche (Franziskanergasse 7, Würzburg) anzutreffen. Der Abend wird unter dem Thema „umgekommen / angekommen – nicht willkommen?“ stehen.

eingeladen, beispielsweise eine Art Pa- Zuschauen so betroffen macht, es noch tenschaft für einen jungen Mann oder einmal und immer wieder erleben, die eine junge Frau zu übernehmen und Wunden wieder aufzureißen, indem diese so aus der Isolation und Sprach- man sie auf der Bühne ausspielt? Wie kann man das ertragen? Wie könlosigkeit heraus zu begleiten. nen wir es ertragen, diesen Menschen Wie kann man das ertragen? Eine dop- ins Gesicht zu schauen, uns an ihrem leidenschaftlichen, eindrucksvollen peldeutige Frage. Einmal gestellt an die wunderbaren Spiel zu erfreuen und sie dann so zujungen Menschen, die uns diesen Ein- rück zu lassen? blick geschenkt haben; wie kann man Eva Peteler es ertragen, dies alles , was schon beim

Höhepunkt ist ein „Afrikanisches Requiem für die Verstorbenen an den EU-Außengrenzen“ um 20 Uhr. Die vom Togolesen Assion Lawson verfasste und von Mathias Sens dirigierte Messe besteht aus Gebeten, Psalmen, eigenen Gedanken und afrikanischen Rhythmen. Dieses Requiem will den auf den Flucht zu Tode Gekommenen gedenken. Außerdem macht es aufmerksam auf die Probleme und Skandale an den EU-Außengrenzen. Ab 19 Uhr können Sie sich mit Texten und Musik zum Thema Flucht und Flüchtlinge auf das Requiem einstimmen. Herzliche Einladung! Ihr ÖAK-Team


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Traum vom Leben

Momentaufnahmen und Betrachtungen von und mit Flüchtlingen und Asylsuchenden Ein Projekt der soziokulturellen Reihe „Wegmarken“ in Kooperation mit der Theatergruppe der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber Würzburg Projektleitung: Alexander Jansen Inszenierung: Barbara Duss Konzept Raum und Kostüm: Stella Kasparek / Kristopher Kempf Interkulturelle Begleitung, Assistenz und Organisation GU-Theatergruppe: Hannah Förster / Eva Giese Theaterpädagogik: Daniela Schwarz Interkulturelle Beratung: Eva Peteler Darsteller aus der Gemeinschaftsunterkunft Würzburg: Fatemeh Aryaee Nejad (Mina) - Iran Daud Azimi - Afghanistan Joseph Degefa - Äthiopien Azad Farhan - Irak Mohammad Fahim Dosti - Afghanistan Mohammad Firuz - Afghanistan Feroz Habibzada - Afghanistan Ali Haschimi - Afghanistan

Solomon Mahteme Hailegiorgis - Äthiopien Armin Jahanizadeh - Iran Hossein Sohrati - Afghanistan Hatef Soltani - Iran Jutlar Taha Ali - Irak Thomas Solomon Tsegaye - Äthiopien

Darsteller aus dem Ensemble des Mainfranken Theaters Würzburg: Carolin Kipka a.G., Anna Sjöström, Max De Nil Technischer Leiter: Jochen Kuhn – Produktionsleiter: Marco Bauer – Chefrequisiteurin: Cornelia Geißler – Ausstattungshospitanz: Nadine Schneider Uraufführung: 10. Juni 2011, 19:30 Uhr, Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, Veitshöchheimer Straße 100 „In unserem Lande zur Jahreswende und wenn eine Arbeit fertig ist und zum Tag der Geburt müssen wir dem Guten Glück wünschen. Denn in unserem Lande der Lautere braucht Glück.“ Bertolt Brecht, „Und in eurem Lande?“ (Ausschnitt)


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„Traum vom Leben“ Handlungsstrang von kurzen Szenen aus sehr persönlichen biografischen Erfahrungen der Asylbewerber: 16 Szenenbilder in wechselnder Reihenfolge mit Rezitationen aus dem Werk von Bertolt Brecht Kinderspiele aus Afghanistan, Äthiopien, Irak, Iran, Schweden und Deutschland. Erinnerung an die Kindheit „Ich kaufe mir nach der Schule lebende Fische statt Essen“ (Iran) Die roten Schuhe (Iran) Fischen und Schwimmen (Afghanistan) Der Maulbeerbaum (Afghanistan) Der große Bruder (Äthiopien) Vor der Flucht

Ein Tag in Afghanistan „Die Wüste“ (Iran) Eine Familie im Iran Die Unterschrift (Äthiopien)

Flucht

Ein Weg aus dem Iran in die Türkei Ein Weg nach Deutschland (Irak / Iran)

Märchen Ein Witz

Die Fabel vom Hasen und von der Schildkröte (Äthiopien) Die Fabel vom weisen Affen und der dummen Hyäne (Äthiopien) (Irak)

„Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustande kommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.“ Bertolt Brecht, „Flüchtlingsgespräche“ (Ausschnitt) Wir danken der Leitung der Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende Würzburg (Armin Sauermann) und der Regierung von Unterfranken (Thomas Weingart) für die Ermöglichung dieses Projekts in den Räumlichkeiten der GU. Dank gebührt darüber hinaus für besondere Unterstützung, Beratung und Hilfe: Maneis Arbab – Eva Dannenhauer – Mehdi Hosseini – Abay Kiros – Essam Abdel Mahmoud – Addis Mulugeta –Navid Zabhihi Mainfranken Theater Würzburg – „Traum vom Leben“ – Spielzeit 2010/2011 Theaterstraße 21 – 97070 Würzburg – Tel.: 0931 / 3908-0 Intendant: Hermann Schneider – Kaufmännischer Geschäftsführer: Klaus Heuberger


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Africa Festival Würzburg 2011 Zerihun Sewnet, ein äthiopischer Flüchtling, der in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Würzburg wohnt, auf die Frage von „Heimfocus“ nach seinem Eindruck vom Africa Festival: „ Ich erlebe ein solches sehr großes afrikanisches Festival in Europa zum ersten Mal. Für mich als Flüchtling ist es natürlich eine Riesenchance, mit Menschen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Allerdings ist der Eintrittspreis für mich als Flüchtling mit gerade mal 40€ Taschengeld pro Monat unerschwinglich. Also nicht die geringste

Chance, am Festival teilzunehmen. Andererseits ist mir berichtet worden, dass dort weder meine Heimat Äthiopien noch andere afrikanische Länder gebührend vorgestellt wurden.“ Abdalla Muse, ein somalischer Flüchtling ebenfalls aus der Gemeinschaftsunterkunft: „ Es ist ein nettes Festival, ich mag es, aber ich verstehe nicht seine Zielsetzung. Es wäre schön, wenn dort die vielen Kulturen Afrikas entsprechend gewürdigt wären, die Traditionen, die Länder an sich, das wäre wirklich gut. Wenn ich auf mein Land zu sprechen komme, da habe ich dort nicht einmal eine Flagge Somalias gesehen.“

„Sie werden von Jahr zu Jahr weniger, die Afrikaner,“ sagte sie. „Wissen Sie, ich komme schon seit Jahren hierher, aber leider flacht das Festival immer mehr ab zu einem Touristenevent für Deutsche... Ist ja alles schön und gut, flanieren, Musik hören, essen, kaufen. Aber das kann doch nicht alles sein, wenn man von Afrika spricht. Und die Afrikaner selbst, warum sollen sie denn her kommen? Sie finden sich und ihre Heimatländer hier nicht wieder. Es wird ja so gut wie nichts angeboten, was interessierten, neugierigen Besuchern ihre Länder, die Vielfalt, den

Paul Ssentongo, ein Flüchtling aus Uganda, schließt sich an: „Für mich ist das Festival keine neue Erfahrung. Es ist schön, die Atmosphäre hier zu erleben, obwohl, wie gesagt, der Eintrittspreis für uns Flüchtlinge sehr hoch ist. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr vielleicht mein Heimatland vorstellen kann.“ Zerihun Sewnet

Abdalla Muse Reichtum, aber auch die Probleme und die Entwicklung Afrikas näher bringen würde. Das trifft für Ost-und Zentralafrika besonders zu - wo finden die sich hier auf dem Festival? Und überhaupt Afrika: Es gibt kein uniformes „Afrika“, höchstens als Klischee, wie wir es gerne hätten. Und dieses wird hier bedient. Die Leute haben ihren Spaß und gehen genauso unwissend nach Hause, wie sie gekommen sind – und in ihrem Klischeebild bestätigt. Nein das wird dem Kontinent Afrika nicht gerecht. Da wird eine Riesenchance verspielt, schade, wirklich schade!“ Und ein Afrikaner fügt hinzu: „ Wir als Afrikaner können und sollten hier selbst sprechen. Mit Ihnen allen und miteinander. Um zu diskutieren, um


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uns zu vernetzen, eine Kommunika- erfahren die Besucher wirklich etwas soren im Rücken, zumindest soviel tionsmöglichkeit zu haben. Die Orga- über den Kontinent? Großzügigkeit zeigt, die mittellosen nisatoren haben viel Mühe und Kraft Ich träume von einem Flaggenmeer, Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsinvestiert, dafür gebührt ihnen An- das die Länderzahl und Vielfalt we- unterkunft in Sichtweite des Festivalerkennung und Respekt, aber wenn nigstens als Symbol aufzeigt. geländes nicht vor dem Tor stehen zu es für mehr nicht reicht, dann sollten Ich träume von einem Info- und Begeg- lassen wie Hunde vor einer Metzgerei: sie doch andere mit ins Boot holen, nungszelt, in dem fortlaufend zu vie- „Wir müssen draußen bleiben...“ Sonals Partner und Förderer. Wir haben len Themen, auch zu kritischen, poli- dern sie einlädt als Gäste; nicht nur die jedenfalls mehr zu bieten, fragt uns tischen, unbequemen Themen, Foren, vielen Afrikaner unter ihnen, sondern doch...“ Vorträge, Diskussionen stattfinden. sie alle. Es täte niemandem weh und es Ja, es ist wieder Afrika Festival in In dem Afrikaner sich selbst und ihre wäre eine Geste der Gastfreundschaft Würzburg, einer der kulturellen Me- Länder vorstellen können, zum Bei- und Solidarität. Zwei Jahre schon wurgaevents in der Mainmetropole. spiel in Form von Kleinkunst oder Le- de eine entsprechende Anfrage nicht Strahlendes Wetter, Sommerfeeling, sungen, kreativ und individuell.In dem einmal beantwortet. die Menschenmassen schieben sich sich Afrikaner mit Afrikanern treffen Und schlussendlich und zuallererst durch die Basarmeile. und austauschen können, zu Themen, träume ich von einem Afrika Festival, Das Tuareg-Zelt ist gut gefüllt, immer- die sie selbst in den Mittelpunkt stel- das Spuren nicht nur im Geldbeutel, im hin. Die verschwitzten Mitteleuropäer len, die sie wirklich betreffen. In dem Bauch und in Form bunter Zöpfchen lauschen beeindruckt; wird es das eine der interessierte und weltoffene Be- auf dem Kopf hinterlässt, sondern in oder andere Bild im Kopf korrigieren? sucher sein Bild von Afrika von vielen den Köpfen seiner Besucher. Sie möEinen kleinen Einblick in die Geschich- Seiten her weiten kann, nachdenklich, gen über ihre ehrlichen Antworten auf te Afrikas gönnt man dem Besucher kritisch und neugierig wird. Damit er diese Fragen nachdenken:

im Restaurationsbereich: indische und nicht so ignorant heraus geht wie er afrikanische Küche friedlich beisam- gekommen ist, wie zum Beispiel das men, nein, das ist kein Stilbruch, im- Rentnerpaar, das sich an einem Infomerhin gehören Inder seit langer Zeit stand (ja, immerhin!) für Solarkocher zumindest in Ost- und Südafrika ein- und Solarlampen über Letztere für fach dazu. Das war's leider auch schon sein Wohnmobil informiert und meint: mit der Abteilung Geschichte, Kultu- „Ja, wozu brauchen die denn Solarkorenvielfalt, Gesellschaft und Entwick- cher in Afrika, die können doch mit lung. Schade, wo sonst, wenn nicht Holz kochen!“ hier, hätte man diese idealen Möglich- Da draußen gibt es genug engagierte keiten, Afrika von seinen vielen Seiten potentielle Kooperationspartner mit zu präsentieren. Bis auf eine Alibi-Ver- tollen Ideen und Themenfeldern, die anstaltung rund um Solarenergie und den Veranstalter unterstützen könneinige kleine Infostände scheint den ten. Veranstaltern leider alles, was man mit Ich träume von einer Veranstaltung, Bildung, Information und Diskussion die nicht nur Akzente setzt auf unser umschreiben könnte, nicht besonders folkloristisches Bild von Afrika, auf am Herzen zu liegen. Es stimmt schon, das Konsumieren von Exotik. wo bleiben die Afrikaner? Wo sehen Ich träume auch von einem Festival, sie sich und ihre Länder vertreten? Wo das, erst recht mit so mächtigen Spon-

Werden Sie morgen dem Afrikaner auf der Straße genauso offen begegnen wie auf dem Festival? Werden Sie ihn im Bus genauso freundlich ansprechen, anstatt sich ja nicht neben ihn zu setzen? Werden Sie dem Bundespolizisten im Bahnhof solidarisch den eigenen Personalausweis vor die Nase halten, wenn er schon wieder und immerzu jeden Schwarzen kontrollieren muss, als wären sie alle Verbrecher? Werden Sie einen Afrikaner als Freund oder Freundin ihrer Kinder herzlich und unvoreingenommen willkommen heißen? Werden Sie sich für diejenigen Afrikaner interessieren und einsetzen, die nicht so frei sind wie ihre schwarzen Brüder auf dem Festival? Die hier in Lagern mehr überleben als leben? Eva Peteler


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AFRIKA ZWISCHEN AUSBEUTUNG UND AUFBRUCH WEGE DER SELBSTBEFREIUNG

Diskussionsveranstaltung am 26.05.2011 mit Prof. Dr. Kocra Assoua von der Universität Bayreuth In dieser Veranstaltung, bewusst im Vorfeld des Afrika Festivals in Würzburg, haben sich mehrere Dutzend Teilnehmer mit diesem ebenso spannenden wie für uns alle, Afrikaner wie Europäer, bedeutenden Thema auseinander gesetzt. Eingeladen hatte der Florakreis - Soziales Bündnis Würzburg, ein politisch, gesellschaftlich und sozial aktiver Gesprächs- und Aktionskreis. Warum dieses Thema und warum zu diesem Zeitpunkt? Das Bündnis will nicht bei dem in vielen Köpfen präsenten Kontrastbild von Afrika stehen bleiben: Farbenpracht, Lebenslust, Musik, Handwerk und Folklore einerseits, so präsentiert beim beliebten Afrika Festival in Würzburg, Hunger, Klimakatastrophen, Gewalt, Elend und Hilfsbedürftigkeit in den Medien andererseits. Trommeln ist zu wenig, klagen und spenden auch. Wenn wir uns Afrika nicht mit der Lupe, sondern im Weitwinkel nähern wollen, kommen wir u.a. nicht vorbei an einer kritischen Auseinandersetzung mit unseren unheilvollen Spuren dort, seit Jahrhunderten und bis heute. Ob die staatliche Entwicklungshilfe, aus der ganzen Welt in den vergangenen 50 Jahren mehr als 600 Milliarden €, letztendlich Fluch oder Segen ist, ob die Dominanz der unzähligen Wohlfahrtsorganisationen und Projekte im zivilgesellschaftlichen Sektor wirklich nachhaltig ist und die Afrikaner nicht längst schon in die Passivität des ewigen Empfängers gedrängt hat, spannende und unbequeme Fragen standen zur Diskussion. Und nicht zuletzt galt es, sich auch dem Preis unseres Lebensstils und Wohlstands zu stellen, unserem Anteil an Ausbeutung, Elend und Flucht in Afrika.

Bildung ist der Schlüssel: Grundschüler in Tansania

Ein ganzes Bündel kontroverser Aspekte also, die alle viel mit uns selbst zu tun haben und sehr wohl auch mit den Migrationsströmen aus Afrika nach Europa; ob wir diese perspektivlosen Menschen nun als „Wirtschaftsflüchtlinge“ deklassifizieren, um sie ruhigen Gewissens zurück zu drängen oder durch willige bezahlte Diktaturen weitab entsorgen zu lassen oder einfach so tun, als ginge uns das alles gar nichts an. Wir sind aus vielen Gründen längst ein Teil dieser Tragödie. Der von uns, nicht von den Armen verursachte Klimawandel, massive Aufkäufe afrikanischen Bodens durch Staaten und westliche Investoren, Ausbeutung von Ressourcen mit skrupelloser Umweltzerstörung, Zerschlagung der Binnenmärkte durch hoch subventionierte EU-Agrarexporte,

ökonomische Knebelverträge mit afrikanischen Staaten, Blockade fairer Handelsbeziehungen durch Schutzzölle auf afrikanische Produkte, Belieferung von Konfliktparteien in Afrika mit deutschen Waffen... Die Liste ließe sich fast endlos fortsetzen. Ganz zu schweigen von all den mächtigen internationalen Organisationen und Allianzen, in denen wir auch mitreden und mit Verantwortung tragen, die so gut wie nie im Interesse der Menschen entscheiden, sondern zugunsten der Wirtschaft und der Macht. Elite Hand in Hand mit Elite, ob Nord oder Süd, die Interessen sind gleich. Alle geladenen Gesprächspartner waren sich einig, dass eine Befreiung von diesem Neokolonialismus nur von Afrika selbst ausgehen kann, von einem


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Afrika, das es heute schon in Ansätzen Afrika als das in unseren Medien ge- geschätzt, verwies auf unsere Verantsehr wohl gibt, selbst wenn in unseren pflegte: Das eines gar nicht „dunklen“ wortung als Bürger und Konsumenten. Medien und in unseren Köpfen immer Kontinents, in dem sich dynamische, Nur als Beispiel für viele Bereiche des noch das Bild des „Dunklen Konti- aktive junge Afrikaner lokal und über unheilvollen Zusammenspiels masnents“ gepflegt wird, ohne Hoffnung, Landesgrenzen vernetzen, ein pan- siver westlicher, also unserer Wirtohne Wachstum, ohne eigenes Po- afrikanisches Denken und Handeln schaftsinteressen und korrupter, eitenzial, abgehängt auf der Weltbühne. möglich und erfolgreich betrieben gennütziger lokaler Eliten verwies er Dieser Blick ist genauso tendenziös, wird. Beispielsweise treibt das Afri- auf die bedrohlichen Landaufkäufe can Unbound Movement seit 2009 die in Afrika und auf die einseitige euroirreführend wie falsch. Prof. Dr. Kocra Assoua von der Elfen- Selbstbesinnung und Wiederentde- päische Zoll- und Handelspolitik. Es beinküste, als Juniorprofessor für Af- ckung der eigenen Ressourcen voran sei verlogen, Afrika wirtschaftlich zu rikanische Politik an der Universität mit dem Ziel des Friedens und gesi- unterdrücken und gleichzeitig EntBayreuth tätig, wies auf die bereits cherter Lebensgrundlagen für alle. In- wicklungshilfe an die Mächtigen dort sehr wohl vorhandene wirtschaftliche ternational operiert auch das Business zu verteilen, auch als sog. Budgethilfe, Dynamik in vielen teilen Afrikas hin, Women Network, das afrikanische also Teil des Staatshaushalts. die hier nicht wahrgenommen wird. Frauen vernetzen und bestärken will.

Knochenarbeit: Straßenbau in den Bergen Äthiopiens

Für ihn liegt der Schüssel aller Selbst- Unzählige lokale Kooperativen und Inbefreiung des Kontinents in der kul- itiativen versuchen „von unten“ eigeturellen wie sozioökonomischen Wie- ne, afrikanische Wege in die Zukunft derentdeckung der eigenen Identität, zu bahnen. des Reichtums der Kulturen und des Diese nicht anders als mit Partnervielfältigen Potenzials seiner vitalen schaft auf Augenhöhe zu unterstützen Bevölkerung. So werden an vielen af- und zu begleiten, ist eine sinnvolle Art rikanischen Universitäten endlich Stu- der Solidarität und Wertschätzung. diengänge zu dieser Thematik ange- Dass ein solches langjähriges Proboten. Kultur bedeute ja innere Kraft, jekt Bilder in den Köpfen verändert Selbstvertrauen und Verwurzelung und durch persönliche Freundschafeiner Gesellschaft weit über die ma- ten Menschen einander näher bringt, teriellen Gegebenheiten hinaus, das konnte Jürgen Wawersig, der politiBewusstsein und Achten der eigenen sche Sekretär der IgM in Würzburg, Werte und der eigenen Identität als in seiner eindrucksvollen Schilderung Motor für jegliche tragende Entwick- der langjährigen Partnerschaft der IgM-Jugend mit einem Schul- und Julung. gendprojekt in Südafrika bestätigen. Addis Mulugeta, Asylbewerber und Chefredakteur des Heimfocus Maga- Michael Röhm, von vielen Würzburzins, war ein weiterer afrikanischer gern als ehemaliger Leiter des WeltlaReferent des Abends. Er zeigte uns dens sowie als sachkundiger Referent ein ganz anderes aktuelles Bild von über entwicklungspolitische Themen

So formulieren es auch viele kritische Afrikaner selbst: Handel statt Hilfe! Interessierten sei auch die Internetseite der Initiative „Bonner Aufruf“ empfohlen: www.bonner-aufruf.eu Herzlichen Dank an alle Beteiligten, insbesondere auch an Prof. Arnold Köpcke-Duttler, der als Moderator souverän und hintergründig durch den Abend führte. Und an die vielen Gruppen, Verbände und Gewerkschaften, die unsere Veranstaltung mitgetragen haben. Schade, dass diese kritischen, aber wesentlichen Bereiche und Aspekte des vielschichtigen afrikanischen Kontinents auf dem renommierten Würzburger Afrika-Festival keinen Raum finden. Ich bin mir sicher, sie wären vielen weltoffenen Besuchern und Kooperationspartnern willkommen. Eva Peteler


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Impressum

1.Jahrgang, 6.Ausgabe, 2011 Redaktion: Addis Mulugeta, Abay Kiros Redaktionskontakt: heimfocus@yahoo.de

No2 • 10/2010

VOICE FOR REFUGEES

teilhaben – Teil werden

Erscheinungstermin: 01.07.2011 Erscheinungsweise: vierteljährlich Auflage: Exemplare 2500 Herausgeber: Eva Peteler c/o Ausländer-und Integrationsbeirat der Stadt Würzburg Rückermainstr.2 97070 Würzburg Fotos: Redaktion Titelbild: Redaktion Layout: Anette Hainz, Maneis Arbab Druck und Produktion: flyeralarm GmbH Die in der Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung der Redaktion in irgendeiner Form reproduziert werden. Die Beiträge geben eine persönliche Meinung des Autors wieder, die nicht mit der der Herausgeber übereinstimmen muss. Die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt ausschließlich beim Verfasser.

VIVOVOLO reach out your hand for refugees … cont. on p 20

04 / 2011

Hund oder Mensch? Manche Menschen glauben immer noch, ihre Rasse sei allen anderen überlegen und habe eine Monopolstellung auf diesem Planeten … weiter auf S.24


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07 / 2011

DER GEGENSATZ VON LIEBE IST NICHT HASS, DER GEGENSATZ VON HOFFNUNG IST NICHT VERZWEIFLUNG, DER GEGENSATZ VON GEISTIGER GESUNDHEIT UND VON GESUNDEM MENSCHENVERSTAND IST NICHT WAHNSINN UND DER GEGENSATZ VON ERINNERUNG HEISST NICHT VERGESSEN, SONDERN ES IST NICHTS ANDERES ALS JEDES MAL DIE

liegt derzeit aus bei/in: Rathaus Weltladen Stadtbücherei Falkenhaus Bücherei Am Bahnhof, Veitshöchheim Mainpost-Geschäftsstelle Plattnerstraße Mainfrankentheater Kolping Kath. Hochschulgemeinde Evang. Hochschulgemeinde

GLEICHGÜLTIGKEIT

Elie Wiesel

Augustinerkloster, Dominikaner Platz Ökumenisches Zentrum Lengfeld Buchhandlung „erlesen“, Grombühl

FRAGEN SIE INFORMIEREN SIE SICH HANDELN SIE

Buchhandlung Neuer Weg, Sanderstraße Buchhandlung Knodt, Semmelstraße Stephansbuchhandlung, Stephanstraße Tanzschule Bäulke

www.fluechtlingsrat-bayern.de www.proasyl.de www.thecaravan.org www.deutschland-lagerland.de www.borderline-europe.de www.borderregime.eu www.fortresseurope.blogspot.com

Standard Unicafé Kult Café Klug Wunschlos Glücklich Café Lavazza Moonlight Mass, Dom/Sepultur, So 21h Philosoph. Fakultät I (Allg.Erziehungswissenschaften, Cafeteria) RA Michael Koch, Textorstraße

www.amnesty.de www.faf-unterfranken.de www.bamf.de www.epo.de

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Heimfocus #06 - 07/2011  

Voice For Refugees teilhaben - Teil werden

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