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HEIMATSCHUTZ PATRIMOINE

Der Gotthard Le Gothard

Schweizer heimatschutz patrimoine suisse Heimatschutz svizzera protecziun da la patria


EDITORIAL

2 ZUR SACHE/AU FAIT FORUM 6 Michael Hanak Imagewechsel am Gotthard Changement d’image 12 Marco Guetg «Die Gotthardbahn ist ein gewachsenes Denkmal» La ligne du Gothard a acquis sa valeur patrimoniale au fil du temps 16 Lisa Humbert-Droz Eine Erlebniswelt im Gotthardmassiv Un univers de découvertes dans le massif du Gothard 22 Gerold Kunz Halbe Sache A demi convaincant 26 GUT ZU WISSEN/BON À SAVOIR 28 FRISCH GESTRICHEN PEINTURE FRAÎCHE SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ PATRIMOINE SUISSE 30 Le Bureau de Patrimoine suisse Der Geschäftsausschuss 32 Ja zum Raumplanungsgesetz Oui à la Loi sur l’aménagement du territoire 34 Ferien im Baudenkmal Vacances au cœur du Patrimoine 35 SEKTIONEN/SECTIONS 40 VON MENSCHEN UND HÄUSERN DES MAISONS ET DES HOMMES 42 BÜCHER/LIVRES 44 LEA, LUC & MIRO ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

Titelseite: Blick von der Gotthardpasshöhe in Richtung Süden (Bild: Schweizer Heimatschutz) Page de couverture: Panorama depuis le col du Gothard en direction du sud (photo: Patrimoine suisse)

Der neue alte Gotthard Der Gotthard stand für den Schweizer Heimatschutz in seiner über 100-jährigen Vereinsgeschichte immer wieder im Zentrum des Interesses. So zum Beispiel vor genau 40 Jahren, als der Heimatschutz als Gründungsmitglied der Stiftung Pro St. Gotthard zu einer landesweiten Sammelaktion aufrief, um das Hospiz und die Passlandschaft des St. Gotthards der Spekulation zu entziehen und zu retten. Die Stiftung Pro St. Gotthard hatte und hat das Ziel, den Gotthardpass und das Hospiz «als Zeugnis unserer nationalen Geschichte und der Schweizer Freiheit und Unabhängigkeit zu schützen». Mit den gesammelten Mitteln konnte die Stiftung sämtliche Gebäude auf dem Pass erwerben und renovieren. Ihre jüngste Tat ist der kürzlich mit viel Fingerspitzengefühl ausgeführte Umbau des alten Hospizes. In dessen unmittelbarer Nähe wurde zudem diesen Sommer ein sehenswertes Museum in einer Festungsanlage eröffnet, das Einblick in die wichtigsten Themen der Gotthardregion gibt. Und auch für die Verkehrslandschaft Gotthard erfolgen momentan wichtige Weichenstellungen für die Zeit nach der Eröffnung der NEAT. Ein Imagewandel ist im Gange, der auch den Tourismus betrifft. Die Gäste machen nicht mehr nur kurzen Halt auf der Durchreise, sondern verweilen länger in der Region. Der Tourismusresort in Andermatt setzt den Trend. Auf den folgenden Seiten schauen wir uns auf dem Gotthard um und werfen einen kritischen Blick auf das Hotel The Chedi – den ersten Baustein von «Andermatt Swiss Alps». Peter Egli, Redaktor

Le renouveau du Gothard Le Gothard a maintes fois retenu toute l’attention de Patrimoine suisse au cours de ses cent ans et plus d’histoire associative. Tel fut le cas, il y a exactement quarante ans, lorsque Patrimoine suisse, membre fondateur de la Fondation Pro San Gottardo, organisa une collecte de fonds dans l’ensemble du pays pour arracher l’hospice et le site du col tout entier au risque d’une opération spéculative et pour en assurer l’avenir. La Fondation Pro San Gottardo avait et a toujours pour but de sauvegarder le site du Gothard, «témoignage national de notre histoire et expression de la liberté et de l’indépendance de la Suisse». Grâce aux fonds récoltés, la fondation a pu acheter et restaurer tous les bâtiments du col. La rénovation de l’ancien hospice menée avec brio par la fondation est la dernière réalisation d’envergure qui vient de s’achever. A proximité immédiate s’est ouvert cet été dans les fortifications un musée remarquable invitant à la découverte de plusieurs thématiques centrales pour la région du Gothard. Dans le domaine des transports se discutent en ce moment des orientations stratégiques importantes pour l’avenir de l’axe du Gothard après l’ouverture de la NLFA. Un changement d’image est en cours. Il touche également le tourisme. Les hôtes de passage ne se contentent plus de faire une brève halte, ils séjournent quelque temps dans la région. Le complexe touristique à Andermatt montre la tendance. Les pages qui suivent vous emmènent au Gothard et jettent un regard critique sur l’Hôtel The Chedi, première réalisation du projet «Andermatt Swiss Alps». Peter Egli, rédacteur


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Kantonale Denkmalpflege Zürich

patrimoine culturel immatériel Liste des traditions vivantes L’Office fédéral de la culture et les services culturels cantonaux ont publié la «Liste des traditions vivantes en Suisse». Cette liste sensibilise la population aux pratiques culturelles et à leur médiation. Elle est dès à présent accessible sous forme de bibliothèque numérique du patrimoine culturel immatériel de la Suisse.

→ www.traditions-vivantes.ch ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

Bauernhäuser Umbauvorschriften gelockert

Heimatschutzzentrum

Schlussspurt in der Villa Patumbah Die Restaurierung der Wand- und Deckenmalereien im Innern der Villa Patumbah stellt hohe Ansprüche an die Restauratorenteams. Die aufwendigen Arbeiten sind noch im Gange. Aber nächsten Sommer ist es so weit: Der Schweizer Heimatschutz wird in die Villa Patumbah einziehen und dort das neue Heimatschutzzentrum eröffnen.

→ Mehr dazu unter www.patumbah.ch und im Kommentar auf Seite 3 ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏

Ausstellung und Buch zum Wakkerpreis 2011

Von der Peripherie zur Stadt

Der Bundesrat hat Mitte Oktober 2012 eine Teilrevision der Raumplanungsverordnung beschlossen und zusammen mit der Teilrevision des Raumplanungsgesetzes vom 23. Dezember 2011 auf den 1. November 2012 in Kraft gesetzt. Neu können damit auch Gebäude, die 1972 noch von Bauern bewohnt wurden, abgebrochen und wieder aufgebaut werden. Zum Schutz des Landschaftsbilds gelten höhere Anforderungen für Veränderungen am äusseren Erscheinungsbild. Auch zum Schutz der Landwirtschaft und zur Wahrung des Charakters von ursprünglich bloss zeitweise bewohnten Bauten gelten gewisse Einschränkungen (vgl. Heimatschutz/Patrimoine 1/2012, Rubrik «Pro und Contra»).

→ www.are.admin.ch Die Entwicklung einer Stadt geht normalerweise von deren Zentrum aus. Im Bezirk Ouest lausannois beschreiten die 2011 mit dem Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes ausgezeichneten Gemeinden einen anderen Weg: Sie haben die Initiative ergriffen, um mit einem Richtplan die weitere Entwicklung ihrer Stadtgebiete mitzubestimmen. Dabei setzen sie Impulse und Erfindungsgeist in den Vordergrund und gewichten gegenseitige Absprachen und Pragmatismus stärker als einen üblich starren Planungsprozess. Aus einem zerstückelten, heterogenen Siedlungsteppich soll so ein neuer, zusammenhängender Stadtteil entstehen, bei dem öffentliche Zwischenräume eine zentrale Rolle zur Qualitätssteigerung der Stadtgebiete spielen. Die Ausstellung «Pièces à conviction» in der Haupthalle der ETH Zürich findet zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt: Nach abgeschlossener Studienphase hat jetzt die Projektierungs- und Ausführungsphase an-

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gefangen. Dabei werden sich Effizienz und Tragfähigkeit des gewählten Vorgehens zeigen. Die Ausstellung verfolgt den bisherigen Entwicklungsprozess des Richtplans «Schéma directeur de l’Ouest lausannois». Mit diversen Objekten und Dokumenten wird diese neuartige Stadtplanung nachgezeichnet und die Frage thematisiert, ob der Richtplan dem enormen Spekulationsdruck standhalten kann, dem er ausgesetzt ist. Die Publikation zum Projekt, «L’Ouest pour horizon», die anlässlich des Wakkerpreises in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Heimatschutz herausgegeben wurde, ist nun im Rahmen der Ausstellung unter dem Titel «Im Westen die Zukunft» auf Deutsch erhältlich.

→ Die Ausstellung «Pièces à conviction» von

Archizoom/EPFL mit dem Büro des Richtplans Lausanne West und dem Institut gta ist in der Haupthalle der ETH Zürich vom 7.12.12 bis 17. 1.13 zu sehen → Das Buch «Im Westen die Zukunft» kann für CHF 58.– (CHF 45.– für Heimatschutzmit glieder) unter www.heimatschutz.ch/shop bestellt werden

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Tagung Inventare

Inventare: gestern, heute, morgen? Am 15. November 2012 hat die Tagung des Schweizer Heimatschutzes zum Thema Inventare in Biel stattgefunden. Die Zusammenfassungen der einzelnen Referate und weitere Informationen sind auf unserer Website zu finden.

→ www.heimatschutz.ch/inventare


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Le Commentaire

Der Kommentar

Villa Patumbah – un rêve devient réalité

Villa Patumbah – ein Traum wird wahr

«Patumbah» … à quoi ce mystérieux nom fait-il penser? Il évoque Patumbah – was löst dieser geheimnisvolle Name aus? Er erinnert un conte, une contrée lointaine. Patumbah est le nom des plantaan ein Märchen, an ein fernes Land. Patumbah, so hiess die Tabakplantage des Kaufmanns Karl Fürchtegott Grob in Sumatra. Und tions de tabac que possédait Karl Fürchtegott Grob à Sumatra. Et c’est aussi le nom que ce négociant a donné à la villa qu’il s’est fait so nannte dieser die Traumvilla, die er nach seiner Rückkehr in die construire à son retour en Suisse, en souvenir de ses années de prosSchweiz errichten liess – in Erinnerung an die wirtschaftlich erpérité en Extrême-Orient. Les architectes Chiodera et Tschudy ont folgreiche Zeit im fernen Osten. Die Architekten Chiodera und réalisé un chef-d’œuvre de l’historicisme, et le paysagiste hollandais Tschudi schufen ein Meisterwerk des Historismus, und der holländische Gartenkünstler Evariste Mertens lieferte mit dem engEvariste Mertens a dessiné le jardin anglais qui lui sert d’écrin. Mais Grob est décédé peu après. Depuis, l’histoire de la villa n’a cessé lischen Landschaftspark den Rahmen dazu. Doch Grob starb bald, d’être jalonnée de défis difficiles à relever. Après avoir été transund seither ist die Geschichte des Hauses reich an Auseinanderformée en foyer pour personnes âgées, la villa a été abandonnée, setzungen: Nach der Nutzung als Altersheim verfiel es für Jahrtelle la Belle au bois dormant, durant plusieurs décennies. Elle a zehnte in einen Dornröschenschlaf. Es drohte gar der Abbruch. même été menacée de démolition. Cependant, depuis le premier Doch seit Juni 2010, dem Spatenstich zur Renovation, erwacht coup de pioche des travaux de rénovation die herrschaftliche Villa zu neuem Leben. en juin 2010, la prestigieuse villa reprend Ich freue mich riesig, dass die Villa Patumbah gerettet wurde und nun sorgfältig revie. Je suis extrêmement heureux que la noviert werden kann. Mein Dank geht an Villa Patumbah ait pu être sauvée et qu’elle sämtliche Involvierten. soit rénovée dans les règles de l’art. J’adresse Ab Juni 2013 wird der Schweizer Heimatma profonde gratitude à toutes les personnes ayant contribué à ce résultat. schutz das märchenhafte Haus mieten, um Dès juin 2013, Patrimoine suisse pourra dort, unter der Leitung der Kunsthistorilouer cette fabuleuse villa et y exploiter un kerin Karin Artho und ihres Teams, ein centre ouvert au public dirigé par l’histoöffentliches Heimatschutzzentrum zu berienne de l’art Karin Artho et son équipe, treiben. Ein Ort des Entdeckens, des Ausun lieu de découvertes, d’échanges et de tauschs und der Bildung für Kinder und Adrian Schmid formation pour petits et grands. Vivre le Erwachsene. Baukultur hautnah – das ist Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz patrimoine de l’intérieur, voilà qui est neu und einzigartig in der Schweiz! «Baukultur erleben» und dadurch «Freude unique en Suisse! «Découvrir le patrimoine» et ainsi «susciter intérêt et plaisir» sont wecken» sind die Grundgedanken des Heimatschutzzentrums. les fondamentaux du concept de la future Maison du patrimoine. Mit dem frisch renovierten Baudenkmal, einer interaktiven Ausstellung zu Baukultur und tollen Workshopangeboten und FühNous les concrétiserons, dans la villa fraîchement rénovée, par une rungen für Kinder und Erwachsene tragen wir diesen Rechnung. exposition interactive sur le patrimoine architectural et par une offre exceptionnelle d’ateliers et de visites pour les jeunes et les adultes. Das Zentrum bietet zudem eine Plattform für Veranstaltungen La Maison du patrimoine servira également de plateforme à des rund um die gebaute Umwelt. Indem der Hauptsitz des Schweizer manifestations sur l’environnement construit, et le transfert du Heimatschutzes in die Villa verlegt wird, erhält das Zentrum zusätzliches Gewicht. siège de Patrimoine suisse dans la villa renforcera son rayonnement. Le centre s’adresse à tous les publics, à toutes les personnes qui Das Heimatschutzzentrum richtet sich an alle, die mehr über Bausouhaitent approfondir leur connaissance du patrimoine bâti et kultur wissen und sie «an Ort» erleben wollen. Wir werden aber auch Spannendes für Schulklassen zu bieten haben, damit Kinder vivre celui-ci de l’intérieur. Nous proposerons également aux élèves des écoles (la relève de demain) un programme d’animations und Jugendliche – die Entscheidungsträger von morgen – die Freuet d’ateliers qui les initiera au plaisir de découvrir, connaître et de an Baukultur entdecken, Wissen auf bauen und Wertvorstellungen entwickeln können. apprécier la valeur de notre environnement construit. Ces prochains mois, le concept d’exploitation sera affiné et mis proIn den nächsten Monaten wird das Betriebskonzept verfeinert und gressivement en œuvre. L’aménagement intérieur de la villa doit être kontinuierlich umgesetzt. Es gilt, die Villa sorgfältig und doch bien étudié et son coût maîtrisé. De nouvelles collaboratrices ont été kostenbewusst einzurichten. Neue Mitarbeiterinnen wurden verengagées. Le financement de l’exploitation future doit encore être pflichtet. Und auch die Finanzierung des zukünftigen Betriebs ist garanti. Dernièrement, nous nous sommes donc permis de vous zu garantieren. Wir haben uns deshalb kürzlich erlaubt, Ihnen eine lancer un appel personnalisé pour vous demander de nous soutenir. persönliche Anfrage für Unterstützung zuzustellen. Es ist mir eine Je me réjouis de pouvoir dès l’été prochain vous souhaiter la bienFreude, Sie ab kommendem Sommer in einer der bedeutendsten Villen des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu begrüssen. 2005 hat venue dans l’une des plus prestigieuses villas de la fin du XIXe siècle. der Schweizer Heimatschutz anlässlich seines 100. Geburtstags En 2005, à l’occasion de son centième anniversaire, Patrimoine die Idee formuliert. Jetzt wird der Traum Wirklichkeit. suisse avait lancé cette idée. Aujourd’hui, son rêve devient réalité. →  www.patrimoinesuisse.ch/commentaire →  www.heimatschutz.ch/kommentar

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Gelesen

Ausgezeichnet «Die beiden Fischerhäuser aus dem Jahre 1671 galten lange als Schandfleck. Sie standen jahrzehntelang leer und zerfielen zusehends. Viele im Dorf hätten die geduckten Bohlenständerbauten beim Bahnhof am liebsten abgerissen, was aber nicht ging, weil sie geschützt waren. Die Gebäude sind die letzten Zeugen des Fischerdorfes, das Romanshorn einst war. Die Wende kam 2009, als die Denkmal Stiftung Thurgau die Fischerhäuser nach längeren Verhandlungen erwarb und sie in den Jahren 2010/11 in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege aufwendig restaurieren liess. Seit dem Frühling des letzten Jahres vermietet die Stiftung ‹Ferien im Baudenkmal› die drei Wohnungen. Der Verband der Schweizer Holzwirtschaft und das Bundesamt für Umwelt sind sehr angetan vom sorgsamen Umgang mit der historischen Bausubstanz. Sie haben die Fischerhäuser als einzige der zwölf eingereichten Objekte im Kanton mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet, dem ‹Prix

Leserbriefe Orgelinventare Im interessanten Heft 3/2012 sind viele Inventare beschrieben worden, und es wird betont, dass es noch manche andere gebe. So möchte ich eine Ergänzung anbringen. Gesamtschweizerisch existiert seit Kurzem an der Musikhochschule in Luzern ein bereits breitgefächertes Orgeldokumentationszentrum unter der Leitung von Dr. Marco Brandazza. Orgelinventare sind Sache der Kantone, wobei erst wenige die Orgeln vollzählig erfasst haben. Vollzählig, das heisst von Denkmalorgeln bis zur Gegenwart in Kathedralen, grossen und kleinen Kirchen, Kapellen, Konzerträumen, Musikschulen und Orgeln in Privatbesitz. Erfasst wird nicht nur, was man vom Raum aus sieht, sondern was akustisch und technisch relevant ist, bei alten Orgeln auch ihre Geschichte und die allfälligen Umbauten. Inventare bieten nur zum Teil Grundlagen zur jeweils von Fachleuten zu prüfenden Frage, was wertvoll und erhaltenswert ist. Da jede Generation wieder andere Orgelideale pf legt – in unserer pluralistischen Gesellschaft ist von einer ganzen Reihe der Orgel-

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Denkmalpglege des Kantons Thurgau

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Lignum›, der alle drei Jahre verliehen wird. (...) ‹Hocherfreut› über die Auszeichnung ist Romanshorns Gemeindeammann David H. Bon. Die Stiftung habe den Preis verdient. ‹Sie investierte viel Herzblut in das Projekt.› Bekannte von ihm hätten schon in einer der Wohnungen übernachtet und seien ‹hell begeistert› gewesen. Das Beispiel der Fischerhäuser zeige auch: ‹Man findet Lösungen für historische Bauten, wenn man sie sucht.› Gleicher Meinung ist Bettina Hedinger von

der Denkmalpflege. ‹Manchmal braucht es eine Denkpause.› Und sie erinnert daran, dass der Heimatschutz nicht vergessen werden dürfe. Er habe nicht nur massgeblich zum Schutz der Fischerhäuser beigetragen, sondern mache in diesem Jahr auch Werbung für sie, indem er eine Stube als Motiv für den aktuellen Schoggitaler ausgewählt habe.»

stile auszugehen –, ist leider die Tendenz zu beobachten, Orgeln der vorhergehenden Generation als nicht erhaltenswert zu betrachten. Auf diese Weise ist schon viel wertvolles Kulturgut zerstört oder bis zur Unkenntlichkeit verändert worden. Heute schaut man zum Beispiel auf Orgeln hinunter, die zwischen den beiden Weltkriegen und anschliessend gebaut worden sind. In der Schweiz akzentuiert sich dieses Problem, weil die Autonomie der Kirchgemeinden weiter geht als im Ausland und weil Orgeldenkmalpf lege Sache der Kantone ist, die vom Bund nur knappe Mittel erhalten, über die sie nach Gutdünken schalten und walten dürfen. So ist es den Kantonen anheimgestellt, ob sie in heiklen Fragen die eidgenössische Denkmalpf lege konsultieren wollen oder nicht. Diese delegiert nur auf kantonale Anfrage hin einen Konsulenten.

mitglied des Winterthurer Heimatschutzes habe ich mich mehrfach für ein Inventar über die wichtigsten mobilen Kulturgüter eingesetzt. Ich wunderte mich immer wieder über das Missverhältnis zwischen dem grossen Aufwand für klassische Archäologie und dem geringen Aufwand für Industriearchäologie, die einen mindestens ebenso wichtigen Teil unserer Geschichte darstellen würde. Dazu gehört auch eine der weltweit wohl wertvollsten Sammlungen von Dampfmaschinen im Vaporama in Winterthur, die idealerweise in den zwei integral geschützten Hallen auf dem Sulzerareal in Betrieb gesetzt werden könnten. Meines Erachtens wäre es dann «weltkulturwürdig». Lohnte es sich nicht, in einer Nummer am Beispiel des Vaporama für eine Inventarisierung wertvoller mobiler Kulturgüter zu sensibilisieren?

Bernhard Billeter, Zürich

Willy Germann, Winterthur

Thurgauer Zeitung vom 3. Oktober 2012, Markus Schoch

Mobile Kulturgüter Die letzte Nummer Ihrer Zeitschrift widmeten Sie den Inventaren. Sie tönen auch den Inventardschungel an, der auf kantonaler Ebene noch verwirrlicher ist. Aber ein Inventar fehlt: Als Kantonsrat und langjähriges Vorstands-

→ Schreiben auch Sie uns Ihre Meinung zur Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine: redaktion@heimatschutz.ch

→ Réagissez et donnez-nous votre avis sur la

revue Heimatschutz/Patrimoine en écrivant à: redaction@patrimoinesuisse.ch


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Soll die Lex Koller erhalten werden? Viola Amherd, Nationalrätin und Stadtpräsidentin von Brig-Glis, forderte 2011 in einer Motion unter dem Titel «Aufhebung des Bundesgesetzes über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland» die Abschaffung der Lex Koller. Die Motion hat nach der Annahme der Zweitwohnungsinitiative an Aktualität gewonnen. Jacqueline Badran, Initiantin und Präsidentin des Komitees «Pro Lex Koller», kämpft für den Erhalt des 1983 eingeführten Bundesgesetzes.

Contra

Pro

Viola Amherd Nationalrätin CVP, Wallis

Jacqueline Badran Nationalrätin SP, Zürich

Die Lex Koller wurde in den 1980er-Jahren erlassen, um eine Überfremdung von Grund und Boden zu verhindern. Heute sehen sie manche als Mittel gegen Zersiedelung, Immobilienspekulation, Preissteigerung, Geldwäscherei. Dazu ist die Lex Koller aber das falsche Instrument. Zwar liegt auf der Hand, dass solchen Auswüchsen zu begegnen ist. Aber diesen Kampf auf gewisse Nationalitäten und die Frage des Wohnsitzes zu reduzieren, wie das mit der Lex Koller passieren würde, greift daneben. Was Gemeinden und Kantone heute brauchen, ist eine sachliche Neubeurteilung der Situation nach dem Zweitwohnungsentscheid und im Lichte des Raumplanungsgesetzes. Entscheidend für das weitere Vorgehen wird sein, wie die Zweitwohnungsinitiative im Detail umgesetzt wird, ob das Referendum zum Raumplanungsgesetz erfolgreich ist und wie es mit der Landschaftsinitiative weitergeht. Alle diese Vorlagen sind miteinander verknüpft. Kantone und Gemeinden sind bereits stark unter Druck, ihre Zukunftsplanung grundsätzlich zu überdenken. Sie brauchen dazu aber Aktionsfreiheit, damit sie weiterhin gezielt auf die jeweils lokalen und regionalen Herausforderungen reagieren können. Da engt die Lex Koller zusätzlich gefährlich ein.

Die Lex Koller dämmt die Nachfrage nach Boden und Immobilien ein, indem sie den Kauf von Immobilien an den Hauptwohnsitz und damit den Steuersitz bindet; ebenso schliesst sie ausländisches institutionelles Kapital (wie zum Beispiel Immobilienhedgefonds) vom Kauf aus. Sie ist somit ein mächtiges Instrument, um zu verhindern, dass die Immobilie zum blossen Anlagevehikel wird und Rendite ins Ausland fliesst. Bei einer Abschaffung würden die ohnehin massiv steigenden Immobilienpreise und Mieten geradezu explodieren. In Zeiten, wo via Zweitwohnungsbeschränkung und Verschärfung des Raumplanungsgesetzes das Angebot tendenziell verknappt wird, wäre eine Aufhebung dieser Nachfrageschranke Gift für unsere Volkswirtschaft. Ebenso würde sich der Druck auf die Besiedlung deutlich erhöhen, da in den Städten und Agglomerationen vermehrt Zweitwohnsitze entstehen würden. Deshalb ist sie nötiger denn je. Mit den Tourismusgebieten hat die Lex Koller nur am Rande zu tun, kennt sie doch Ausnahmekontingente für diese Kantone. Die Lex Koller schützt den gesamten Immobilienmarkt. Sie garantiert, dass Boden und Immobilien jenen Menschen und Institutionen vorbehalten sind, die hier leben, arbeiten und Einkommens- und Gewinnsteuern zahlen. Und das ist sehr sehr gut so.

Dans notre revue il y a 40 ans Appel au peuple suisse «L’hospice du Saint-Gothard cherche un nouveau propriétaire. Le danger existe que ce lieu historique, particulièrement cher à tout Suisse, ne tombe en des mains étrangères. Pour conserver intacte cette partie de notre patrimoine national, une fondation «Pro Saint-Gothard», créée à Airolo le 15 février 1972, se propose d’acquérir l’hospice. Les membres fondateurs de ‹Pro Saint-Gothard› sont la Confédération, les cantons du Tessin et d’Uri, la commune d’Airolo, la Ligue suisse pour la protection de la nature et la Ligue suisse de sauvegarde du patrimoine national (n. d. l. r. : Patrimoine suisse). Après avoir acquis l’hospice, la nouvelle fondation envisage de poursuivre son exploitation de telle manière qu’il reste ouvert à chacun. Un montant important sera versé par les membres fondateurs, mais le prix d’achat des immeubles et la première étape des travaux de rénovation et d’aménagement exigeront une somme sensiblement supérieure à ce montant. Aussi la fondation «Pro Saint-Gothard» fait-elle appel à la générosité du public. Chaque contribution sera la bienvenue.» «Appel au peuple suisse en faveur du Saint-Gothard» de Nello Celio, président de la Confédération. Revue Heimatschutz/Patrimoine 1/1972

Rundum eine gute Sache

Schoggitaler-Geschenkpakete Gäste, Kunden, Familie und Freunde mit einem Schoggitaler überraschen und gleichzeitig einen guten Zweck unterstützen? Mit dem Verkaufserlös der Geschenkpakete werden historische Räume erhalten und wichtige Tätigkeiten von Schweizer Heimatschutz und Pro Natura unterstützt.

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Ruedi Walti

FORUM

Das neue alte Gotthardhospiz

Imagewechsel am Gotthard Mit der Erneuerung des alten Hospizes auf dem Gotthardpass, das seit je den Reisenden eine Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeit bietet, erhielt seine bauliche Gestalt zusätzliche Prägnanz. Das aus den alten Grundmauern aufragende neue Gebäude ist das sichtbare Zeichen für den gegenwärtigen Wandel seiner Nutzung sowie der Wahrnehmung des Alpenübergangs insgesamt. Michael Hanak, Kunst- und Architekturhistoriker, Zürich

S

owohl der Gotthardpass wie das dortige Hospiz, das seit je den Reisenden Obhut gibt, unterliegen in diesen Jahren einem starken Wandel. Begangen wird der zentrale Alpenübergang zwischen der Nord- und der Südschweiz seit dem frühen Mittelalter. Schon damals bedeutete der Gotthardpass eine der direktesten Alpenüberquerungen, die aber viele Gefahren und grosse

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Mühsal mit sich brachten. Zu Fuss oder mit der Kutsche unterwegs, erlebten die Reisenden im Mittelalter den Pass oft als einen Ort der Ehrfurcht und des Schicksals. In den 1930er-Jahren passte man die Passstrasse den Bedürfnissen des Autoverkehrs an, und die Serpentinen wurden zum Spektakel der frühen Automobilisten. Seit der Eröffnung des Strassentunnels 1980 ist der Pass ein erlebnisreicher


Rudolf Zinggeler

FORUM

Die Gotthardpasshöhe einst (oben: 1905, unten 1910) und heute (links) Le col du Gothard autrefois (en haut: 1905, en bas: 1910) et aujourd’ hui (à gauche)

Umweg, den die Auto- oder Töfffahrer der Bergwelt und der Passfahrt selbst Willen wählen. Mit dem jüngst erfolgten Umbau des alten Hospizes zu einem zeitgemässen Alpenhotel wird ein weiterer Nutzungs- und Wahrnehmungswandel deutlich. In zunehmender Zahl kommen Wanderer und Biker auf die Passhöhe, die den geschichtsträchtigen Ort zwischen Nord- und Südeuropa als ebenso anziehende wie imponierende Station in ihrem Outdoorprogramm sehen. Wechselvolle Baugeschichte Entsprechend dem von der Witterung und vom Verkehr geprägten Ort durchliefen die in der Passlandschaft zerstreuten Gebäude eine unstete, bewegte Geschichte. Den ältesten Ursprung weist die Kapelle auf. Ihre Fundamente stammen aus dem 7. und

9. Jahrhundert. Damit erhärtete sich die Vermutung, dass die Passstrecke schon im Frühmittelalter begangen war. Die im 12. oder 13. Jahrhundert vergrösserte Kapelle wurde dem heiligen Gotthard, dem Schutzheiligen der Handelsreisenden, geweiht. 1607 wurde die Sakristei angebaut und ein kleiner Glockenturm errichtet, 1687 wurde die Kapelle nochmals vergrössert. Ein erstes Hospiz, das erstmals in Säumerstatuten aus dem Jahr 1237 belegt ist, stand westlich der Kapelle. Leitung und Unterhalt des Hospizes vertraute die Diözese von Mailand bald schon der Gemeinde Airolo an, die es an einen Wirt verpachtete. 1799 wurde dieses erste Hospizgebäude im Feldzug des russischen Generals Suworow gegen die Franzosen bis auf die Grundmauern zerstört. Das jetzige, an die Kapelle angelehnte Hospiz geht auf das Jahr 1623 zurück, als der Erzbischof von Mailand gegenüber der bestehenden weltlichen eine geistliche Beherbergung errichten liess. Ursprünglich beinhaltete das Gebäude zwei Räume im Erdgeschoss und zwei im Obergeschoss. Arme Reisende erhielten Verpflegung und Unterkunft umsonst, wer es vermochte, kam für die Unkosten auf. An derselben Stelle liess die Mailänder Diözese 1683 ein grösseres, komfortableres Gebäude erstellen und vertraute es den Kapuzinern an. Wegen des zunehmenden Andrangs von Reisenden musste das Haus 1731 um ein zweites Obergeschoss aufgestockt werden und erhielt eine neue Dachform, welche nun teilweise auch die Kapelle überdeckte. 1774 beschädigte eine Lawine und 1905 eine Feuersbrunst den Bau. Eigentümerin des jeweils wiederaufgebauten Hospizes war ab 1841 die Gemeinde Airolo, die es an die Familie Lombardi zuerst verpachtete und schliesslich verkaufte. Die sogenannte Sust, das stattliche Rast-, Remisen- und Lagergebäude, liess der Kanton Tessin für den zunehmenden Fahrverkehr am Rand der Passstrasse 1834–1837 errichten. Mit dem zunehmenden Alpintourismus bauten die Lombardis, nun in der zweiten Generation, 1866 das Hotel Monte Prosa. Ställe, Waschhaus und die abseits stehende Totenkapelle ergänzen die historischen Bauten auf der Passhöhe, zu denen in jüngerer Zeit weitere hinzutraten. In dieser Gebäudegruppe nimmt das am alten Saumpfad gelegene Hospiz die führende Stellung ein. Vorausschauende Rettungsaktion Als im Herbst 1971 das Hospiz zusammen mit den umliegenden Gebäuden zum Verkauf sowohl in in- wie ausländischen Zeitungsinseraten zum Verkauf ausgeschrieben stand, da die Besitzerfamilie keine Nachkommen mehr hatte, ging ein Aufruhr durch die Reihen des Schweizer Heimatschutzes. Sofort setzte er sich für eine «schweizerische Lösung» der geschichtlichen Stätte ein: Das Hospiz und die Passhöhe sollten in den Besitz aller Schweizer übergehen, um den befürchteten «Ausverkauf der Heimat» abzuwenden. Die Presse griff das Thema auf, und die Zürcher Tageszeitung Die Tat sammelte innert weniger Wochen gegen 6000 Unterschriften für eine entsprechende Eingabe an den Bundesrat. Auf Initiative des Heimatschutzes wurde am 15. Februar 1972 in Airolo die Stiftung Pro St. Gotthard gegründet, mit dem Ziel «das Hospiz und die Passlandschaft des St. Gotthards für alle Zeiten der Spekulation zu entziehen und zu sichern» (Ferdinand Notter in der Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine 1/1972). Gründungsmitglieder dieser Stiftung waren der Bund, die Kantone Tessin und Uri, die Ge-

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FORUM

meinde Airolo, der Schweizerische Bund für Naturschutz und der Schweizer Heimatschutz. Um den Kauf und die Renovation finanzieren zu können, lancierte der Heimatschutz eine landesweite Sammelaktion. Ihr vom damaligen Bundespräsidenten Nello Celio mitgetragener «Aufruf an das Schweizervolk zugunsten des Gotthardhospizes» (vgl. Seite 5: «Appel au peuple suisse») wurde unter anderem in der Verbandszeitschrift publiziert und führte bald zum Erfolg. Bis im Frühling 1972 waren 1,197 Millionen Franken beisammen. Was bewegte die Schweizer zur Unterstützung der Gottharderhaltungsaktion? Im Heimatschutzheft 1/1972 reflektierten verschiedene Autoren die Bedeutung dieses besonderen Ortes. Zunächst ist da die geografische Sonderstellung zwischen den alpinen Hauptketten und inmitten eines Flusskreuzes zu nennen. Dann die – zumindest in der älteren Geschichtsschreibung herausgestrichene – Verbindung mit der Entstehung der Eidgenossenschaft, da der Pass seit dem 13. Jahrhundert an machtpolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung gewann. Das führt uns zur militärpolitischen Bedeutung für den Bundesstaat, die mit der Befestigung Ende des 19. Jahrhunderts einsetzte und ihren Höhepunkt während des Zweiten Weltkriegs mit dem Ausbau zum Reduit erreichte. Hinzu kommt, als wohl wichtigste Konnotation, die in jüngster Zeit herausragende Bedeutung im Verkehr, für die – allerdings vermehrt unter dem Berg – ständig neue Spitzenleistungen Geschichte machen. Anzumerken bleibt, dass sich der nationale Einsatz für das Gotthardhospiz pikanterweise zu einer Zeit abspielte, als die Passstrasse im Begriff war, ihre Bedeutung zu verlieren; denn der wintersichere Strassentunnel, der der längste der Welt werden sollte, war seit 1970 im Bau. Alles in allem bedeutete der Gotthard den Schweizern ein Teil ihrer Identität. Oder, wie der Schweizer Heimatschutz festhielt: «Der Gotthard ist ein Stück Heimat, wie kaum ein anderer Flecken unseres kleinen Landes es sein kann.» Bis heute macht die Vielfalt der Aspekte den Gotthard zu einem schwer fassbaren Phänomen und Mythos. Doch die damit verknüpften Inhalte und Interpretationen verschieben sich laufend. Da schwebt uns das verklärte nationale Symbol für Widerstand und Unabhängigkeit vor, das nach der Überwindung des Kalten Kriegs und nach der Stilllegung respektive Umnutzung der Festungsanlagen seltsam verblasst anmutet. Und da flimmert das Bild des Inbegriffs einer Alpenüberquerung zwischen Nord- und Südeuropa, die längst durch Tunnels obsolet geworden ist. Zurückblickende Erneuerung Als 2005 die Basler Architekten Miller & Maranta den Projektwettbewerb zur Erneuerung des Gotthardhospizes gewannen, genoss es den Status als Denkmal von nationaler Bedeutung. Ihrem Vorschlag nach sollte das während seiner Baugeschichte mehrfach umgeformte Gebäude wiederum eine neue Gestalt erhalten. Sie erhöhten es um ein Geschoss, setzten die Firstspitze des südlichen Giebelfelds höher und zogen das steiler geneigte Dach als Walm über die Kapelle hinab. Durch den mehrfach abgeschrägten und geknickten Gebäudeumriss erhielt das mit Blei eingedeckte Dach einen kristallinen Charakter – ein Leitbild der alpinen Architektur. Innerhalb der bestehenden Umfassungsmauern bauten sie die Gästezimmer und Aufenthaltsräume ganz in Holz auf. Mit spartanischer Ausstattung und hoher Wohlfühl-

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qualität wird den zeitgemässen Ansprüchen und der veränderten Motivation zu einem Passaufenthalt Rechnung getragen. Es gelang, das ehrwürdige Hospiz mit der Kapelle in seiner historischen Zeugenschaft zu bewahren und es gleichzeitig in eine prägnantere, seiner aktuellen Bedeutung entsprechende Form überzuführen. Die Kontinuität der Geschichte findet eine Äquivalenz in der konzeptionellen Vereinigung von Alt und Neu. Dabei berufen sich Miller & Maranta sowohl in der Gesamterscheinung wie in vielen Gestaltungsdetails auf das «kollektive Gedächtnis»: auf unsere Erinnerungen, Deutungen und Assoziationen. Nach Fertigstellung des Umbaus 2010 ist das alte Hospiz auf dem Sankt Gotthard in die Liste des europäischen Kulturerbes aufgenommen worden, womit die Bedeutung des Denkmals für die Geschichte und Kultur Europas unterstrichen wird.

Michael Hanak (Hg.): Vecchio Ospizio San Gottardo: Umbau des Hospizes auf dem Gotthardpass durch Miller & Maranta Park Book, Zürich 2012. Durchgehend zweisprachig d/i, 128 Seiten, CHF 58.–

Vecchio Ospizio San Gottardo Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem alten neuen Gotthardhospiz und seiner Lage in einer mythisch aufgeladenen Kulturlandschaft bietet die kürzlich erschienene Publikation «Vecchio Ospizio San Gottardo». Bereits die einleitende Bilderstrecke, eine fotografische Reise entlang von Brücken, Felsen und Bunkern bis zur Passhöhe, macht deutlich, dass wir es nicht mit einer reinen Baumonografie zu tun haben. Ausgehend vom seit 2010 sichtbaren Resultat des Umbaus durch Miller & Maranta arbeiten sich die Autoren Hubertus Adam, Michael Hanak und Kilian T. Elsasser mit kurzen und schlüssigen Artikeln zum Kontext vor. Denn, was die Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine bereits 1972 festgehalten hat, gilt auch heute noch: «Mit üblichen kunstgeschichtlichen Wertungen wird man diesen Gebäuden wohl kaum gerecht.» Patrick Schoeck-Ritschard

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Le nouvel ancien hospice du Saint-Gothard

Changement d’image Rudolf Zinggeler

Depuis sa rénovation, l’ancien hospice du col du Saint-Gothard qui, depuis toujours, offre nourriture et logement aux voyageurs arbore une stature mettant en valeur sa monumentalité. Le nouvel édifice érigé sur les anciennes fondations est le signe visible d’une métamorphose et d’une adaptation à l’époque contemporaine de cette voie de passage historique à travers les Alpes. Michael Hanak, historien de l’art, Zurich

C

es dernières années, le col du Saint-Gothard et son hospice dont la vocation est, depuis toujours, d’offrir un refuge aux voyageurs se sont métamorphosés. L’axe transalpin reliant le nord et le sud de la Suisse est utilisé depuis le début du Moyen-Age. A cette époque, cette voie de communication était certes l’une des plus courtes, mais elle présentait de nombreux dangers et difficultés de parcours. A pied ou en diligence, les voyageurs et pèlerins du Moyen-Age qui franchissaient ce col gardaient le souvenir d’un passage terrifiant et risqué. Vers 1930, la route du col fut aménagée pour répondre aux besoins de la circulation automobile, et les lacets devinrent une attraction pour les premiers automobilistes. Depuis l’ouverture du tunnel routier en 1980, la route du col constitue un itinéraire attractif, prometteur de sensations fortes que les automobilistes et les motards amateurs de routes et de cols de montagne choisissent d’emprunter pour se faire plaisir. La rénovation toute récente de l’ancien hospice transformé en un hôtel de confort moderne est emblématique du renforcement de la vocation et de l’utilisation du site du Gothard. Randonneurs et cyclistes sont toujours plus nombreux à emprunter ce passage situé sur une voie de communication historique reliant le nord et le sud de l’Europe, et symbolisant à leurs yeux une étape à la fois fascinante et terriblement impressionnante de leur programme de loisirs. Histoire mouvementée Si le col du Saint-Gothard porte les marques profondes des phénomènes météorologiques et du trafic transalpin, les constructions éparses à proximité du col ont également une histoire turbulente et mouvementée. La chapelle est le plus ancien vestige culturel du site. Ses fondations datent des VIIe et IXe siècles – ce qui renforce la supposition selon laquelle ce passage était déjà utilisé au début du Moyen-Age. La chapelle agrandie au XIIe ou au XIIIe siècle fut consacrée au saint bénédictin Gothard, protecteur des voyageurs de commerce. La sacristie et le clocher furent construits en 1607, et un nouvel agrandissement de la chapelle fut entrepris en 1687. L’hospice d’origine dont la première trace figure dans les annales des muletiers et convoyeurs de 1237 était situé à l’ouest de cette

Le col du Gothard vers 1910 ainsi que la chapelle des morts sur le sentier muletier (en bas) Ansicht der Passhöhe um 1910 mit der Totenkapelle am Saumpfad (unten)

chapelle. Le diocèse de Milan demanda rapidement à la commune d’Airolo d’en assurer la gestion et l’entretien, tâche qui fut confiée à un gérant. En 1799, le bâtiment fut presque entièrement détruit lors de la bataille entre l’armée russe placée sous le commandement du général Suvorov, et l’armée française. L’actuel hospice adossé à la chapelle date de 1623: l’archevêque de Milan voulait en effet ériger un lieu d’hébergement de caractère religieux pour faire face à l’hôtel (laïque). Le bâtiment était constitué à l’origine de deux chambres au rez-de-chaussée et deux à l’étage. Pour les pauvres de passage, la nourriture et le logement étaient gratuits, et ceux qui le souhaitaient pouvaient offrir une participation aux frais. En 1863, le diocèse de Milan décida d’agrandir et de transformer le bâtiment pour en améliorer le confort, et confia la gestion de l’édifice à des frères capucins. En raison de l’afflux crois-

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Un engagement passionné et visionnaire A l’automne 1971, quand la nouvelle se répandit que la famille propriétaire dépourvue de descendance voulait vendre l’hospice et les bâtiments environnants, et que des annonces furent publiées dans des journaux aussi bien suisses qu’étrangers, un appel fut lancé dans les rangs de Patrimoine suisse. Celui-ci milita pour une «solution nationale» dans le but de sauvegarder ce lieu historique: le Gothard étant un symbole helvétique, l’hospice et le site du col devaient rester un bien commun du peuple suisse. La presse s’empara du sujet, et le Tat, quotidien zurichois, recueillit en quelques semaines près de 6000 signatures pour une requête au Conseil fédéral. La fondation Pro San Gottardo fut constituée à l’initiative de Patrimoine suisse le 15 février 1972 à Airolo. Son but était «d’arracher l’hospice du Saint-Gothard et le site du col tout entier au risque d’une opération spéculative et d’en assurer l’avenir» (Ferdinand Notter dans la revue Heimatschutz/Patrimoine 1/1972). La Confédération, les cantons du Tessin et d’Uri, la commune d’Airolo, la Ligue suisse pour la protection de la nature (aujourd’hui Pro Natura) et Patrimoine suisse en furent les premiers membres fondateurs. Afin de financer l’achat et les rénovations, Patrimoine suisse organisa une collecte de fonds dans l’ensemble du pays. Son «appel au peuple suisse en faveur de l’hospice du Saint-Gothard», soutenu par le président de la Confédération Nello Celio, parut notamment dans la revue de l’association et reçut un accueil positif (cf. page 5: «Appel au peuple suisse»). Il permit de récolter un montant d’1,197 million de francs au printemps 1972. Quelle fut la motivation des Suisses qui apportèrent leur soutien à cette campagne? Le numéro 1/1972 de la revue de l’association présente plusieurs points de vue soulignant l’importance de ce lieu particulier. Il convient de mentionner sa position géographique privilégiée au cœur des principaux sommets alpins et non loin de la source de trois grands fleuves. Il faut aussi rappeler le lien – relevé en tout cas dans les écrits historiques plus anciens – avec les origines de la Confédération suisse en raison du développement de l’importance stratégique et économique du col à partir du XIIIe siècle. Ce qui nous conduit à parler de sa signification militaire pour l’Etat fédéral qui initia les premiers travaux de fortification à la fin du XIXe siècle et y aménagea le Réduit durant la Seconde Guerre mondiale. Par ailleurs – et cet aspect est certainement le plus important – l’axe du Gothard est de nos jours une référence de premier plan dans le domaine des transports grâce aux innovations et prouesses tech-

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Patrimoine suisse

sant de voyageurs, le bâtiment fut surélevé d’un étage en 1731 et la toiture modifiée, dominant partiellement la chapelle. L’édifice fut endommagé en 1774 par une avalanche et en 1905 par le feu. La commune d’Airolo qui en devint propriétaire en 1841 le mit d’abord en gérance, puis le céda à la famille Lombardi. En raison de l’accroissement du trafic routier, le canton du Tessin fit aménager de 1834 à 1837 un «Sust», une sorte d’abri-remiseentrepôt, le long de la route. Avec l’essor du tourisme, la deuxième génération des Lombardi fit construire l’hôtel Monte Prosa. Des écuries, une buanderie et la chapelle des morts, sur le côté, furent ajoutées à l’ensemble. D’autres réalisations plus récentes complètent aujourd’hui les bâtiments historiques. Cependant, l’hospice situé sur l’ancien sentier muletier garde une silhouette et un rôle prédominants.

Ruedi Walti

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niques qui y ont été réalisées – certes de plus en plus sous la montagne – et qui resteront dans l’histoire. Il est également intéressant d’observer que le peuple suisse s’est engagé pour sauver l’hospice du Saint-Gothard au moment où la route du col allait perdre de son importance. En effet, le chantier du tunnel routier qui allait rendre cet itinéraire praticable en hiver et deviendrait le tunnel le plus long du monde s’était ouvert en 1970. En définitive, le Gothard faisait partie de l’identité du peuple suisse ou, comme l’écrivait la rédaction de la revue de Patrimoine suisse: «Le Gothard est un morceau de la terre helvétique auquel nul autre ne pourrait s’égaler.» Aujourd’hui encore, les nombreuses facettes du Gothard en font un phénomène et un mythe difficile à comprendre. Les imaginaires et les interprétations qui se succèdent changent en permanence. Parfois, ce symbole national de la résistance et de l’indépendance qui nous est si cher nous semble étrangement terne depuis la fin de la guerre froide qui a entraîné la fermeture ou la


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La route du col du Gothard devint un véritable spectacle à l’avènement de l’ ère de l’automobile. La rénovation de l’ancien hospice marque une nouvelle transformation. Der Gotthardpass war ein Spektakel der frühen Automobilisten. Mit dem Umbau des alten Hospizes erfolgt erneut ein Wandel.

transformation des fortifications. Parfois aussi, nous vibrons pour ce mythique passage à travers les Alpes reliant le nord et le sud de l’Europe, et ce quand bien même les tunnels l’ont rendu obsolète. Une rénovation avec un regard rétrospectif En 2005, lorsque les architectes bâlois Miller & Maranta remportèrent le concours d’architecture pour la rénovation de l’hospice du Saint-Gothard, l’édifice bénéficiait du statut de monument d’importance nationale. Les architectes proposèrent de remodeler l’enveloppe de ce bâtiment plusieurs fois transformé au cours de son histoire. Ils le surélevèrent d’un étage, rehaussèrent le faîte du pan sud du toit et accentuèrent la pente de celui-ci en intégrant la chapelle. Avec ses nombreuses lucarnes et découpes, l’imposant toit recouvert de plomb a été épaissi, conférant une silhouette cristalline originale au bâtiment – une réalisation exemplaire de l’architecture alpine. L’intériorité a été soignée, et l’agencement de la salle à manger et des pièces de séjour est exclusivement en

bois. Le mobilier spartiate et l’ambiance chaleureuse répondent en tous points aux besoins de confort d’aujourd’hui et aux diverses motivations des hôtes de passage au col. L’intervention des architectes a permis de restaurer l’hospice légendaire et sa chapelle en préservant leurs caractéristiques de témoins historiques tout en renforçant la stature désormais plus imposante de cet ensemble, en parfaite adéquation avec le rôle qui lui revient aujourd’hui. Les subtiles alliances entre moderne et ancien reflètent la continuité historique. Pour parvenir à ce résultat, les architectes Miller & Maranta se sont référés, tant pour la conception de l’ensemble que dans les moindres détails de réalisation, à notre mémoire collective riche de souvenirs, symboles et associations d’idées. Dès la clôture des travaux de rénovation en 2010, l’ancien hospice du Saint-Gothard a été inscrit au patrimoine culturel européen, ce qui souligne l’importance de ce monument pour l’histoire et la culture européennes.

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Marion Nitsch

Kilian T. Elsasser unter den Brücken, die bei Göschenen über die Reuss führen Kilian T. Elsasser sous les ponts enjambant la Reuss près de Göschenen

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Im Gespräch mit Kilian T. Elsasser

«Die Gotthardbahn ist ein gewachsenes Denkmal» Mit einer Ausstellung im Verkehrshaus Luzern zu 150 Jahren Schweizer Bahnen hat es begonnen, seither ist der Historiker und Museumsgestalter Kilian T. Elsasser nicht mehr vom Gotthard losgekommen. Ein Gespräch über das Gebirge, die Gründe dieser Faszination und ein paar Visionen zur Verkehrslandschaft Gotthard. Marco Guetg, Journalist, Zürich Herr Elsasser, was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an den Gotthard denken? Vor allem seine Geschichte, dann kommen mir all die Orte in den Sinn, an denen ich schon war, aber auch, wie gewisse Dinge am Gotthard oberflächlich betrachtet werden. Nehmen wir die berühmte Kirche von Wassen, der alle nur das Kirchli sagen. Warum? Weil man sie gar nicht richtig anschaut. Die Kirche von Wassen hat nämlich ein respektables Schiff, nur der Turm ist klein. Seit Jahren beschäftigen Sie sich intensiv vor allem mit der Gotthardstrecke und ihrem Herzstück, dem Tunnel. Wie kam es dazu? Zufällig. Als Konservator am Verkehrshaus der Schweiz in Luzern durfte ich zum Jubiläum «150 Jahre Schweizer Bahnen» 1997 eine permanente Ausstellung entwickeln. Dass der Bau des Gotthardtunnels dabei eine zentrale Rolle spielt, war klar. Nur fragte ich mich, ob man dazu überhaupt noch etwas Neues sagen kann. Je mehr ich mich dann mit dem Thema beschäftigte, desto mehr faszinierte mich dieses Bauwerk. Ich wurde Projektleiter der Gotthardtunnelschau. Und der Gotthardvirus war gelegt ... Richtig, und plötzlich merkte ich, dass immer wieder bisher Unbekanntes auftauchte. Ein Beispiel: Im Gemeindearchiv von Göschenen habe ich im Geburtenregister entdeckt, dass 1875 hundert Kinder geboren worden sind, achtzig davon waren Kinder von Italienern. Da wurde mir bewusst, dass Göschenen nicht nur eine Männerstadt war, dass dort auch viele Frauen lebten. Also wurde die Frauenfrage recherchiert. Das war das erste Mal überhaupt, dass Frauen in Zusammenhang mit dem Bau des Gotthardtunnels thematisiert worden sind. Darauf bin ich schon ein wenig stolz. Was macht die Faszination der Gotthardbahn aus? Dass sie kein klassisches Denkmal ist wie beispielsweise das Kloster Müstair, das – etwas zugespitzt formuliert – ja nur aufgrund des ökonomischen Misserfolges im Mittelalter stehen geblieben ist. Die Gotthardbahn ist eine Erfolgsgeschichte. Erst durch sie ist der Gotthard zur wichtigsten Alpentransversale geworden und es wurde dauernd daran gebaut: Doppelspur,

Elektrifizierung, neue Brücken, Automatisierung. Aus jeder Zeit ist etwas erhalten. Der Gotthard ist ein gewachsenes Denkmal, kein hingestelltes. Die Verkehrsgeschichte ist das eine. Der Gotthard schrieb aber auch Militärgeschichte. Um die Transitlinie zu sichern, entstand 1889 in Airolo ein erstes Fort. Auch hier gilt: Jede Kriegsgeneration hat am Gotthard eine neue Befestigungsanlage gebaut – bis hin zum atomsicheren Bunker als Kommandozentrale. Er steht in ... das darf ich jetzt nicht verraten, das gäbe Ärger ... (lacht) Interessiert Sie der Gotthard in erster Linie als Historiker oder hat Ihr Engagement noch andere Gründe? Ich habe schon eine kleine Mission. Die zentrale Frage ist: Was geschieht mit der Bergstrecke, wenn 2016 der Basistunnel eröffnet wird? Zu dieser Infrastruktur muss man Sorge tragen. Grundsätzlich kann man sie ja nur erhalten, wenn man sie auch betreibt. Es genügt aber nicht, ein Mal die Woche eine Dampflokomotive darauf fahren zu lassen. Die Strecke muss einen direkten ökonomischen Nutzen haben, als Reserve- und Überlauflinie dienen, Andermatt, Airolo an den öffentlichen Verkehr anschliessen, eine touristische Attraktion werden. Aber rentieren wird das nie. Ja, weil sie aufwendig im Unterhalt ist. Auch ohne Bahn würde der Grossteil des Unterhalts für Lawinen- und Steinschlagverbauungen weiterhin anfallen. Tatsächlich sprechen sich mehrere Bundesräte, das Bundesamt für Verkehr, die beiden Kantone, wie die SBB selber dafür aus. Doch weil diese Strecke nicht mehr rentieren wird, wird das Bundesamt für Verkehr den SBB wohl einen Unterhaltsauftrag erteilen. Im Moment warten noch alle, was der andere macht, die SBB auf einen Leistungsauftrag des Bundes. Dabei könnten die SBB, aber auch die Kantone eine Vision erarbeiten, wie man diese Strecke touristisch entwickelt. Es gibt Überlegungen, die Gotthardstrecke als UNESCO-Welterbe anzumelden. Wie ist der Stand der Dinge? 2008 haben die Kantone Uri und Tessin sowie die SBB eine Machbarkeitsstudie erstellt und dabei zwei Sachen herausgefun-

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den: erstens, dass man das Thema auf die Verkehrslandschaft Gotthard weiten soll und, zweitens, dass man warten will, bis das Bundesamt für Kultur (BAK) nicht mehr im Welterbekomi-

«Die zentrale Frage ist: Was geschieht mit der Bergstrecke, wenn 2016 der Basistunnel eröffnet wird? » tee der UNESCO ist. Das wird im Sommer 2013 der Fall sein. Dann fühlt sich das BAK wieder freier, über eine Kandidatur nachzudenken. Mit dieser Weitung würde man sämtliche Verkehrswege am Gotthard mit einbeziehen? Ja, wobei die Gotthardbergstrecke und der Gotthardtunnel als prägendste Infrastruktur der Schweiz aus dem 19. Jahrhundert das Rückgrat bilden würden. Wie steht es eigentlich mit den vorindustriellen Verkehrswegen am Gotthard? Sind die auch gefährdet? Nein, die sind im Bundesinventar der historischen Verkehrswege erfasst und geschützt. Es gab wohl eine Kontroverse wegen der Tremola. Der Grund lag darin, dass der Kanton Tessin ein anderes Verständnis bezüglich des denkmalpflegerischen Umgangs mit dieser Strasse hatte. Sie organisieren für den Herbst 2013 ein Symposium über die Verkehrslandschaft Gotthard. Was bezwecken Sie damit? Die Idee entstand innerhalb der Gruppe Industriekultur der ICOMOS Schweiz. Unser Ziel: dass man von verschiedenen Seiten auf den Gotthard schaut, von der denkmalpflegerischen, betrieblichen, volkswirtschaftlichen, touristischen und historischen, und dass man diskutiert, wie ein Erhalt, ein Betrieb und eine Vermarktung der Verkehrslandschaft aussehen könnten. Nicht weiter verfolgt wird die Landesausstellung «Gottardo 2020». Wissen Sie warum? Ich kenne die Details nicht, doch wenn ich sehe, wie schwierig es ist, allein für das Symposium die Leute zusammenzubringen, habe ich eine Ahnung: Der Gotthard hat etwas Verbindendes wie Trennendes. Am Gotthard haben die Urner, Tessiner, Bündner und Walliser ihre Interessen. Wie gefällt Ihnen der Umbau des Hospizes durch die Basler Architekten Miller & Maranta? Gut. Die Kirche und das Haus mit dem Satteldach standen relativ unmotiviert nebeneinander. Die Interpretation von Miller & Maranta finde ich mutig – Mut bewies aber auch der Stiftungsrat, einen solchen Entwurf anzunehmen. In Andermatt, quasi am Fusse des Gotthards, baut Samih Sawiris das Alps Resort. Sehen Sie das eher als Chance oder als Bedrohung für die Region?

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Klar ist das ein grosser Eingriff, andererseits ist es eine ökonomische Grundbedingung, dass dieses Gebiet wieder neu auflebt. Andermatt gibt der Verkehrslandschaft Gotthard, die im Prinzip ja nichts anderes als eine Strecke ist, ein Zentrum. Sie betrachten das offensichtlich ganz pragmatisch. Und historisch. Sawiris nimmt eine Entwicklung aus dem 19. Jahrhundert auf – und das gefällt mir. Die Gotthardbahn hatte eine starke touristische Anziehungskraft. Ein Indikator dafür ist die Anzahl der verkauften Erstklassbillette. Am Gotthard wurde ein Drittel aller Erstklassbillette der Schweiz gekauft – vor allem von Touristen, die an der Wiege der Schweiz vorbeifahren, die Kehrtunnels und den Tunnel erleben und in den Süden fahren wollten. Mehr und mehr ist der Gotthard um 1900 von der Armee «besetzt» worden. Wo eine Armee ist, geht kein Tourist in die Ferien. Und seit die Armee definitiv aus Andermatt abgezogen ist, kommt die touristische Entwicklung zurück. Vor der Sendung «Musik für einen Gast» auf Radio DRS 2 wurden Sie als derjenige vorgestellt, der «alles über den Gotthard weiss». Verraten Sie uns: Was wissen Sie nicht? Oh, ganz viel! Zum Beispiel: Wie die Logistik funktioniert hat, wie man alles Material vom See bei Flüelen nach Göschenen und teils über den Pass nach Airolo geschleppt hat. Denn die Zufahrtswege zum Tunnel wurden erst kurz vor der Fertigstellung des Tunnels gebaut. → Symposium «Zukunft der historischen Verkehrslandschaft Gotthard»,

6. und 7. September 2013 in Altdorf. Der Fokus liegt auf der Bedeutung, der Erhaltung und dem Betrieb und der touristischen Entwicklung der Region. Das Symposium von ICOMOS Suisse wird vom Schweizer Heimatschutz unterstützt.

Kilian T. Elsasser Kilian T. Elsasser wurde 1956 geboren. Nach der Verkehrs- und Verwaltungsschule in Biel holte er auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nach, wurde Primarlehrer und zog dann nach Boston USA und studierte dort Geschichte und Museologie. Kilian T. Elsasser war Leiter Ausstellungen und Mitglied der Geschäftsleitung des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern. 2004 gründete er die Museumsfabrik, die Dienstleistungen für Kulturinstitutionen anbietet. Daneben ist er seit 2012 Geschäftsführer der BLS Stiftung, Autor von Publikationen zur Verkehrsgeschichte und Dozent für Museumspädagogik an den Pädagogischen Hochschulen Schwyz und Luzern. ∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏∏


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Entretien avec Kilian T. Elsasser

La ligne du Gothard a acquis sa valeur patrimoniale au fil du temps Kilian T. Elsasser a commencé par mettre sur pied l’exposition du Musée suisse des transports de Lucerne qui célébrait les 150 ans des Chemins de fer fédéraux (CFF). Ensuite, cet historien et conservateur de musée n’a jamais cessé de se passionner pour le Gothard. Lors d’un entretien, il nous parle de cette région, des raisons de sa fascination pour le Gothard et de ses réflexions stratégiques sur les transports dans cet espace. Marco Guetg, journaliste, Zurich

S

devenir la capitale de la nouvelle région du Gothard. Armée et tourisme sont, à ses yeux, incompatibles. Le départ définitif de l’armée va permettre un essor touristique. Ce grand connaisseur du Gothard affirme avoir encore beaucoup à apprendre sur la région. Il aimerait par exemple comprendre comment les matériaux de construction ont pu être acheminés de Flüelen à Göschenen, puis à Airolo.

Marion Nitsch

i la région du Gothard laisse souvent une impression superficielle aux touristes de passage, Kilian T. Elsasser, lui, en est un éminent spécialiste. Cet historien qui fut conservateur du Musée suisse des transports de Lucerne commença à s’intéresser à la ligne du Gothard qui a joué un rôle central dans le développement du réseau national lorsqu’il fut chargé de mettre sur pied l’exposition permanente de 1997 célébrant les 150 ans des CFF. Ce mordu de l’histoire du Gothard est toujours fasciné par la saga de l’axe transalpin du Gothard qui, à son avis, n’est pas un monument classique, mais un monument ayant acquis sa valeur patrimoniale au fil du temps. Kilian T. Elsasser ne se lasse pas d’étudier cette région. Il découvre toujours quelque chose de nouveau. Il a par exemple mis en évidence le rôle des femmes dans le contexte de la construction du tunnel en lisant dans les archives de la commune de Göschenen qu’il y avait eu en 1875 cent naissances, dont quatre-vingts enfants de nationalité italienne. La région du Gothard a également un passé militaire. Le fortin d’Airolo a été construit en 1889, puis agrandi à chaque nouvelle période de crise. Kilian T. Elsasser se préoccupe de ce qu’il adviendra de la ligne ferroviaire de faîte en 2016, lorsque le tunnel de base sera en service. Il estime qu’il faut préserver cette infrastructure tout en admettant qu’il ne suffit pas d’y faire passer un train à vapeur par semaine. De plus, la ligne nécessite un entretien onéreux pour la protéger des avalanches et des chutes de pierres. L’idée serait d’en faire une attraction touristique, et il se peut que l’OFT signe avec les CFF un mandat de prestations pour en assurer l’entretien. Ensuite, un développement touristique pourrait être envisagé dans le cadre d’une collaboration avec les cantons. Dans quelques années, une demande d’inscription au Patrimoine mondial de l’UNESCO de l’ensemble de l’espace du Gothard pourrait être envisagée. L’inventaire des voies historiques de la Suisse protège d’ores et déjà les passages du Gothard datant de l’époque préindustrielle. Kilian T. Elsasser organise à l’automne 2013 un symposium de réflexion sur le devenir de l’espace du Saint-Gothard qui sera étudié sous ces facettes différentes. Pour l’historien, l’échec de l’exposition Gottardo 2020 tient peut-être à la difficulté d’attirer une exposition nationale à cet endroit. Il qualifie de réussie et courageuse la transformation de l’hospice du Saint-Gothard par les architectes bâlois Miller & Maranta. S’il ne nie pas l’impact du projet de complexe touristique développé par Samih Sawiris à Andermatt, il est heureux de voir que ce promoteur relance une dynamique interrompue au XIXe siècle et qu’Andermatt pourrait

L’ historien et muséologue Kilian T. Elsasser à Göschenen Der Historiker und Museumsgestalter Kilian T. Elsasser in Göschenen

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Patrik Kummer

Sasso San Gottardo bietet den Besucherinnen und Besuchern mitten im Berg unter anderem eine Annäherung an das Thema «Wetter und Klima». L’exposition Sasso San Gottardo installée dans les entrailles de la montagne aborde entre autres la thématique «météorologie et climat»

Neues Angebot für die GotthardRegion

Eine Erlebniswelt im Gotthardmassiv Seit dem 25. August 2012 eröffnet Sasso San Gottardo den Zugang ins Innere des Berges. Die Themenwelt in unmittelbarer Nähe der Gotthardpasshöhe stellt unseren Umgang mit lebensnotwendigen Ressourcen zur Diskussion. Sie wird ergänzt durch den denkmalgeschützten Teil der historischen Festung Sasso da Pigna, eines Artilleriewerks aus dem Zweiten Weltkrieg. Lisa Humbert-Droz, Kuratorin Sasso San Gottardo

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er Gotthard ist ein Ort der Mythen und Sagen, der Legenden und des nationalen Selbstverständnisses, wo die Menschen den Teufel Brücken bauen lassen und natürliche Urgewalt sich zeigt. Es ist ein Ort, der Norden und Süden verbindet und Grenzen überwindet, ein Symbol für den Aufbruch in die Moderne, für technischen Fortschritt und Ingenieurskunst. Hier zeigen sich auch die Grenzen des Fortschritts in kilometerlangen Staus und in der Veränderung des Alpenraums durch den Menschen. Der Gotthard, ein Bergmassiv, ist ein Ort der Ambivalenzen, wo sich Natur und Technik, Ökologie und Ökonomie, Öffnung und Festung, Vergangenheit und Zukunft treffen. Auf der Gotthardpasshöhe eröffnet Sasso San Gottardo den Zugang ins Innere des Gotthardmassivs. Mitten im Berg lassen die Besucherinnen und Besucher die Ablenkungen der Aussenwelt hinter sich. Ungestört und zielgerichtet entdecken sie die Themen «Wasser», «Mobilität und Lebensraum», «Wetter und Klima», «Energie» und «Sicherheit». Es ist nirgends sinnvoller, sich

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Gedanken zu diesen Themen zu machen, als im Gotthard. Nirgendwo anders lassen sie sich auf selbstverständlichere Weise entdecken als hier. In den eindrücklichen Stollen und Felskavernen werden die Herausforderungen im Umgang mit unseren Ressourcen atmosphärisch thematisiert und erlebnisreich inszeniert. Ausgehend von ihrer historischen und örtlichen Relevanz stellt Sasso San Gottardo zukunftsbezogene Fragen. Dem Geschenk des Berges, den einmaligen Riesenkristallen des Gotthardmassivs, ist ein eigener Raum gewidmet. Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem Gitterrost, bündig mit der Wasseroberfläche, in einem Raum, in dem Ton- und Lichtinstallationen donnern und blitzen. Der Regen fällt, langsam zuerst, dann heftig. Sie hören einzelne Tropfen fallen, dann rauscht der Regen in Ihren Ohren. Sie sehen einen zauberhaften Film, eine direkt auf den rauhen Fels projizierte künstlerische Intervention. Der Film zeigt Ihnen die wundersame Welt im und auf dem Wasser. Schwärme von Fischen flitzen vor einem Korallenriff, ein


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Patrik Kummer

Historische Festung Sasso da Pigna Sasso San Gottardo hat mehr zu bieten als die Themenwelt. Der denkmalgeschützte Teil der historischen Festung Sasso da Pigna ist Zeugnis des früheren Artilleriewerks aus dem Zweiten Weltkrieg. Er wird der Öffentlichkeit erstmals zugänglich gemacht. Er zeigt die Hintergründe zum Bau und den Alltag in der Festung. Stellen Sie sich vor, nachdem Sie sechshundert Meter durch einen feuchten Stollen marschiert sind, fahren Sie mit der eigens für die Besucherinnen und Besucher neu gebauten Bergbahn im Innern des Berges hoch in die knapp 30 Stockwerke höher liegende historische Festung (die Soldaten mussten diesen Höhenunterschied von knapp 90 Metern mittels fast 500 Treppenstufen bewältigen). Schlafplätze, Essräume, sanitäre Anlagen, Telefonkabine, angekettete Sturmgewehre und Kleiderablagen sind eingerichtet, als wären die WK-Soldaten vom Sommer 1995 nur kurz in der Pause und hätten die persönlichen Effekten liegen lassen. Sogar die Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung liegt im Original auf. Die Geschütze sind noch funktionstüchtig. An den Mauern sind Gekritzel und Zeichnungen im ursprünglichen Zustand belassen. Im ehemaligen Munitionsdepot sind Gegenstände aller Art aus dem Reduitleben zu sehen, u.a. eine Wolldeck-Klopfmaschine, eine Mischung aus überdimensioniertem Teppichklopfer und ebenso übergrossem Staubsauger. (Wolldecken müssen entstaubt werden. Ohne diese eigens entwickelte Maschine wäre der ausgeklopfte Staub in den Räumen verblieben.) Ein durch den letzten Kommandanten der Festung kuratierter Dokumentarfilm informiert über die Gründe und die Entstehung des sogenannten Reduits im Allgemeinen und die Entstehung der grössten Artilleriefestung Sasso da Pigna im Gotthardmassiv im Besonderen. Verbunden durch einen Stollen, unterscheiden sich die beiden Bereiche in Gestaltung und Funktion stark voneinander. Die Aufteilung der Anlage in zwei Bereiche ermöglicht es, in der historischen Festung die Zeugen aus der Geschichte in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten, während die Themenwelt konsequent in die Zukunft blickt. Die Verbindung beider Bereiche wirkt sich für beide Teile ergänzend aus und bietet einem breiten Publikum weitere zahlreiche Anziehungspunkte.

Patrik Kummer

Containerschiff taucht am Horizont auf, füllt beim Vorüberziehen die ganze Felsfläche und verschwindet wieder. Eine kreischende Möwe schnappt dem Angler einen Fisch weg und fliegt davon, fast über Ihren Kopf hinweg. Das Papier eines Bonbons tanzt im Wind, bevor es ins Wasser fällt. Kurz zeigt das Licht ein (reales) kaputtes Fahrrad. Für das Auge unsichtbare Wasserbewohner wie Plankton, Amöben, Bakterien etc. bewegen sich mittels einer zweiten Projektion leise im runden Wasserbecken. Der Audioguide informiert Sie darüber, dass 1,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, oder über den Wasserverbrauch bei der Produktion eines Handys, einer Jeans und eines Apfels. Oder Sie hören das Märchen vom Plankton namens Anton und von seinen Erlebnissen im Wasser. Die Gleichzeitigkeit von erlebnisreicher Inszenierung, künstlerischer Ästhetik und harten Fakten macht den Reiz der Themenwelt aus. Die Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit Wirtschaftspartnern und der Wissenschaft entwickelt und orientieren sich an Erkenntnissen aus der aktuellen Forschung. Das gibt der Themenwelt ihre Glaubwürdigkeit.

«Sicherheit» und «Wasser» sind weitere Themen von Sasso San Gottardo. La «sécurité» et «l’eau» sont également des thématiques à explorer à l’exposition Sasso San Gottardo.

www.sasso-sangottardo.ch

Preise: Erwachsene ab 16 Jahren CHF 25.–, Personen in Ausbildung, AHV/IV-Berechtigte, Militär in Uniform CHF 19.– Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr während der Passöffnungszeiten

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Nouvelle offre dans la région du Gothard

Un univers de découvertes dans le massif du Gothard Depuis le 25 août 2012, l’exposition Sasso San Gottardo invite à la découverte des entrailles de la montagne. Cet univers thématique installé au sommet du col du Gothard met en scène de manière interactive les questionnements que soulève la gestion de nos ressources naturelles. L’exposition est complétée d’un parcours-découverte de la forteresse Sasso da Pigna, ancien ouvrage d’artillerie datant de la Seconde Guerre mondiale classé monument historique. Lisa Humbert-Droz, commissaire de l’exposition Sasso San Gottardo

L

e Gothard est un lieu de mythes, de contes et de légendes, un lieu emblématique de notre identité nationale, où les hommes font bâtir des ponts par le diable et où les forces élémentaires de la nature se manifestent dans toute leur puissance. Trait d’union entre nord et sud, c’est un lieu qui transcende les frontières, symbole du passage à l’époque moderne, du progrès technique et du génie civil. Le progrès s’y heurte aussi à ses limites, comme en témoignent les kilomètres d’embouteillage et la transformation par l’homme de l’espace alpin. Le massif du Gothard est un lieu d’ambivalence, un lieu de rencontre entre nature et technique, écologie et économie, ouverture et fortification, passé et avenir. Au col du Gothard, l’exposition Sasso San Gottardo invite à la découverte des entrailles de ce massif montagneux. En plein cœur de la montagne, les visiteurs se détachent du monde extérieur. Ils suivent dans cette atmosphère particulière un parcours-découverte sur les thématiques de l’eau, de la mobilité et de l’habitat, de la météorologie et du climat, de l’énergie et de la sécurité. Nul autre lieu que le Gothard ne se prête mieux à la réflexion sur ces thématiques. Dans les impressionnantes galeries et cavernes rocheuses, des animations mettent en scène les défis que nous pose la gestion de nos ressources. Partant de questions historiques et d’importance locale, l’exposition Sasso San Gottardo interroge le futur. Une salle est réservée à ces merveilles que sont les remarquables cristaux géants découverts dans le massif du Gothard. L’aventure: vous marchez sur une grille posée à la surface de l’eau dans une salle animée d’un festival de sons et lumières. La pluie tombe, doucement d’abord, puis très fort. Vous entendez les gouttes d’eau tomber, puis leur martèlement vous assourdit les oreilles. Vous regardez un film fabuleux, une création artistique directement projetée sur le rocher. Le film présente le monde merveilleux de l’eau et de ses profondeurs. Des bancs de poissons filent derrière un récif corallien, un porte-conteneurs apparaît à l’horizon, puis crève la grande paroi rocheuse avant de disparaître. Une mouette rieuse attrape le poisson qu’un pêcheur tient au bout de sa ligne, puis prend son envol en vous frôlant la tête. Le papier d’un bonbon s’envole avant de tomber à l’eau. Une (vraie) épave de bicyclette est éclairée furtivement par les projecteurs. Plancton, amibes, bactéries – locataires habituellement invisibles

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à l’œil nu du monde aquatique – s’agitent dans un bassin de forme arrondie sous les feux d’une deuxième projection. Le guide audio vous informe qu’un milliard et demi d’êtres humains n’ont pas d’accès à l’eau potable ou vous renseigne sur la consommation d’eau nécessaire pour produire un téléphone mobile, un jeans ou une pomme. Ou encore, vous écoutez les contes et aventures du minuscule Anton, organisme planctonique. L’exposition séduit par ses mises en scène riches d’émotions, l’utilisation des arts visuels de manière esthétique et la description des situations réelles. Les thématiques présentées ont été développées en collaboration avec des partenaires économiques et scientifiques, et font référence aux connaissances actuelles dans le domaine de la recherche. Cette démarche leur confère une grande crédibilité. Forteresse historique Sasso da Pigna L’exposition Sasso San Gottardo comporte un autre volet dédié à la forteresse Sasso da Pigna, classée monument historique. Ce témoin des anciens ouvrages d’artillerie datant de la Seconde Guerre mondiale s’ouvre pour la première fois au public. Une présentation retrace le contexte de sa construction et la vie quotidienne à l’intérieur du fort. L’aventure: après avoir parcouru 600 mètres dans une galerie humide, vous montez dans un petit funiculaire construit dans la montagne pour les visiteurs. Celui-ci vous conduit près de 30 étages plus haut, dans la forteresse historique. (Les soldats devaient parcourir ces quelque 90 mètres de dénivelé en montant près de 500 marches). Les dortoirs, la cantine, les sanitaires, la cabine téléphonique, les armes d’assaut cadenassées et les armoires de vêtements sont tels que les auraient laissés les soldats durant une courte pause de leur cours de répétition de l’été 1995, en posant leurs effets personnels. Même l’édition originale de la Neue Zürcher Zeitung est posée bien en évidence. Les pièces d’artillerie sont encore fonctionnelles. Sur les murs, graffitis et dessins ont été laissés tels quels. L’ancien dépôt de munitions abrite toutes sortes d’objets datant de l’époque du «réduit», en particulier une machine spéciale pour battre les couvertures et aspirer la poussière (les couvertures devaient être dépoussiérées, et cette machine évitait que la poussière ne reste dans les pièces). Un film do-


Patrik Kummer

Patrik Kummer

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La forteresse Sasso da Pigna est un ancien ouvrage d’artillerie datant de la Seconde Guerre mondiale classé monument historique Der denkmalgeschützte Teil der historischen Festung Sasso da Pigna ist Zeugnis des früheren Artilleriewerks aus dem Zweiten Weltkrieg.

cumentaire réalisé sous la supervision du dernier commandant de la forteresse Sasso da Pigna informe sur les raisons et le contexte de la création du fameux «réduit», et sur la réalisation du principal ouvrage d’artillerie de la Suisse dans le massif du Gothard. Reliées par une galerie, les deux parties de l’exposition contrastent fortement tant en raison de leur agencement que de leur fonction. Dans la forteresse, les témoins historiques arborent leurs caractéristiques originales, alors que l’univers thématique est tourné vers l’avenir. Ces deux parties interagissent entre elles de façon complémentaire, offrant au public plusieurs points d’attraction.

www.sasso-sangottardo.ch

Prix: adultes dès 16 ans: 25 francs, personnes en formation, AVS/AI, militaires en uniforme: 19 francs Heures d’ouverture: tous les jours de 10h à 18h lorsque le col est ouvert.

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Alessandro della Bella/Keystone

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Das Hotel The Chedi in Andermatt

Halbe Sache In Andermatt steht das Hotel The Chedi kurz vor der Vollendung. Der erste Bau des künftigen Resorts lässt alte Befürchtungen wieder aufkommen. Verträgt sich das Vorhaben mit dem Ortsbild nationaler Bedeutung? Gerold Kunz, Architekt und kantonaler Denkmalpfleger Nidwalden

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m den Tourismus zu fördern, veranstalteten die Einwohnergemeinden des Urserentals zusammen mit der Korporation bereits 2003 einen Architekturwettbewerb für ein neues Sportcenter. Im Ortsbildinventar des Bundes galt das dafür bestimmte Grundstück des ehemaligen Hotels Bellevue seit 1995 als «überbauungsgefährdet», doch gerade hier sollte ein Schlüsselbau für die Weiterentwicklung des Tourismus entstehen, mit der Option, das Areal später mit einer Wohnüberbauung zu ergänzen. Aus dem Wettbewerb ging das Projekt der Architekten Weberbrunner hervor, die das Sportcenter als liegende Baukörper in den Parkwald einbetteten. Die amorphen Bauten richteten sich an ihren Enden auf, um den Blick in die Berge freizugeben. Mit einer neuartigen Architektur beabsichtigten die Architekten den Neubeginn im alpinen Tourismus. Frei von Vorbildern entwarfen sie für Andermatt eine unverwechselbare Architektur, dessen Realisierung gespannt erwartet werden durfte. Doch das Projekt blieb Makulatur. Stattdessen sind heute auf dem Areal die Umrisse des Hotelneubaus The Chedi zu erkennen, der im Winter 2013 eröffnet werden soll. Der Neubau ist Teil des sich im Bau befindenden Tourismusresorts, das sich hauptsächlich auf dem ehemaligen Militärgelände auf der Nordseite von Andermatt entwickeln wird. Er vereint Hotel und Appartements in einem grossen Gebäudekomplex, gegliedert in verschiedene Volumen. Nur das Eisfeld zwischen den volumi-

Der Bauplatz für das Hotel The Chedi liegt im Park des ehemaligen Hotels Bellevue direkt neben dem Bahnhof. L’Hôtel The Chedi est en construction à l’emplacement du parc de l’ancien Hôtel Bellevue, à côté de la gare.

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nösen Bauten erinnert entfernt an das Projekt von Weberbrunner. Die Architektur ist das Gegenteil der damaligen Lösung. The Chedi ist ein Projekt der Denniston-Architekten mit Sitz in Malaysia, einem Architekturbüro mit internationaler Erfahrung im Tourismusbau. Das Büro war in den Studienauftragsverfahren im Kerngebiet des Resorts wegen mangelnder architektonischer Qualität erfolglos geblieben, nun legen sie als Hausarchitekten des Investors den ersten Schlüsselstein für das neue Andermatt vor. Die Verführungsprofis punkten mehr mit Stimmung als mit Analyse. Die Bilder zum Neubau versprechen viel Ambiente, lassen aber eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten in den Alpen vermissen. Hohe Giebel, vertikale Lamellen, holzvertäfelte Innenräume, Inszenierungen mit Kunstlicht: Die Projektansichten vermitteln eine stimmungsgeladene Architektur, die zwar den gehobenen Ansprüchen eines global zu vermarktenden 5-Stern-Superior-Hotels gerecht werden kann, die Erwartungen an ein Bauen in den Alpen aber nicht erfüllt. Der Neubau gliedert sich in mehrere Volumen, die sich zu einem Konglomerat verbinden, statt sich aus der Typolgie alpiner Hotels zu entwickeln. Von der Hauptstrasse rücken die Bauten ab, um gegen Westen einen zentralen Hof zu bilden. Zum Bahnhof hin wirken die drei symmetrisch angeordneten Volumen geschlossen, die Konturen eines künftigen Bahnhofplatzes sind zu erkennen. Zwar ist vorgesehen, den Bahnhof durch einen Neubau zu ersetzen, der auf der Nordseite der Geleise und somit näher an das Resort zu stehen kommt. Doch auch die Volumen des neuen Bahnhofs werden dem Hotelneubau untergeordnet bleiben. Aus der Distanz ist die Baugruppe erstes sichtbares Zeichen für den Umbau Andermatts. Die zu gross dimensionierten Volumen schliessen die heutige Siedlung gegen Norden ab. Zwar hatte auch das 1988 abgebrochene Grandhotel eine deutlich andere Volumetrie als die dörflichen Bauten der Umgebung. Doch die Lage inmitten eines Parks gab dem Gebäude einen respektablen Umraum. Davon ist nichts erhalten geblieben. The Chedi nutzt die gesamte Parzelle des ehemaligen Parks. Projekte dieser Art waren in der Schweiz schon lange nicht mehr zu sehen. Sie galten lange Zeit als unqualifizierte Beiträge zur alpinen Tourismusarchitektur. Viele der vorab aus den 1970erJahren stammenden Bauten sind mittlerweile in die Jahre gekommen und haben als Zeugen der Tourismusgeschichte eine positivere Neubewertung erfahren. Neue bauen will bis heute hingegen niemand. The Chedi knüpft direkt an die Architektur der 1970er-Jahre an. Offenbar haben sich die Bedingungen im international ausgerichteten Tourismus wenig verändert. Auch heute scheinen ober-


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Aufrichtefeier für den Hotelneubau The Chedi in Andermatt am 9. September 2011

«Die architektonischen Bezüge basieren auf einem Bild der Schweiz als Heidiland »

Bouquet final du 9 septembre 2011 marquant l’achèvement du gros œuvre de l’Hôtel The Chedi à Andermatt

flächliche Bezüge zur lokalen Bautradition als Qualitätsmerkmale zu genügen. Für Andermatt und insbesondere für den ersten fertiggestellten Bau im Tourismusresort lässt eine solche Haltung wenig hoffen. Harmonisch in welcher Umgebung? Die Investoren behaupten zwar, der Neubau füge sich harmonisch in seine Umgebung ein. Sie beziehen sich dabei auf das lokale Ortsbild, das hauptsächlich aus Bauten aus den 1990erJahren besteht. Der Hotelneubau ist eingebettet zwischen Jumbochalets und überdimensionierten Wohnhäusern mit Satteldach, die der Bund im Bundesinventar schützenswerter Ortsbilder nationaler Bedeutung der Schweiz (ISOS) sogar als «Fehlinterpretation ländlicher Bauformen» abqualifiziert. Eine Beziehung zum geschützten Ortsbild nehmen die Chedi-Bauten nicht auf. Die Volumen sind zu gross, die architektonischen Bezüge zu oberflächlich. Sie basieren auf einem Bild der Schweiz als Heidiland und führen eine zu allgemeine Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Kontext. Ohne den Einbezug des Gesamtausbaus des künftigen Resorts lassen sich die Auswirkungen des Hotelneubaus nicht abschliessend beurteilen. Das neue Resort wird volumetrisch wie gestalterisch als eigenständiger Beitrag zu bewerten sein. Einem Bau wie dem Chedi kommt aber die Funktion zu, eine Brücke zwischen Alt- und Neuandermatt zu schlagen. Die Frage scheint berechtigt, ob das Projekt gestalterisch den richtigen Kurs verfolgt. Im Kerngebiet des Resorts befinden sich wichtige Bauten in Planung, zum Beispiel jene der Architektengruppe um Miroslav Šik,

die sich an der diesjährigen Architekturbiennale mit einem eigenständigen Beitrag präsentieren. In der Ausstellung im Schweizer Pavillon sind auch Bauten aus Andermatt zu sehen. Sie sind in ein Fresko eingebunden, das als Ergebnis ihrer Suche nach einem heutigen Umgang mit der Frage des Kontexts verstanden werden kann. Im Gegensatz zur Architektur des Chedi-Neubaus knüpfen die in Venedig präsentierten Architekturen an kollektive Bilder an, die eine Auseinandersetzung mit der Architekturgeschichte spiegeln. Diese ist hier anders als in Malaysia. Würde der Architekt Jean-Michel Gathy, Kopf des global tätigen Architekturbüros Denniston, seine Referenzbilder zur Diskussion vorlegen, würden wir vermutlich nur Bauten aus den 1970erJahren zu sehen bekommen. Herausforderung annehmen Seit 2005 verbinden wir mit Andermatt den abenteuerlichen Umbau einer Tourismuslegende zum blühenden Resort alpiner Prägung. Wenig fachliche Kritik hat das Andermatter Tourismusprojekt bisher begleitet. Mit der Bauvollendung des Hotels The Chedi wird sich dies vermutlich ändern. The Chedi verlangt nach einer Neubewertung der jüngsten Entwicklungen in Andermatt. Ist das Projekt auf dem richtigen Kurs? Die Versprechen der Projekte, die aus den Wettbewerben für die Bauten des Podiums hervorgegangen sind, müssen eingelöst werden. Damit das Resortvorhaben gelingt, braucht es Bauten, die sich der Auseinandersetzung mit Fragen des Kontextes stellen. Neuandermatt stellt eine besondere Herausforderung dar. The Chedi erfüllt die Erwartungen leider nicht.

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De l’architecture de l’hôtel The Chedi, à Andermatt

A demi convaincant L’Hôtel The Chedi d’Andermatt sera bientôt achevé. Le premier bâtiment du futur complexe touristique fait resurgir les craintes manifestées antérieurement. Le projet est-il compatible avec ce site d’importance nationale? Gerold Kunz, architecte et conservateur du canton de Nidwald

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fin d’encourager le tourisme, les communes de la vallée d’Urseren avaient organisé en 2003 déjà un concours d’architecture en vue de la réalisation d’un nouveau centre sportif. L’inventaire des sites construits de la Confédération mentionnait dès 1995 que le terrain de l’ancien Hôtel Bellevue retenu pour le projet actuel avait de fortes chances d’être construit, et que cet emplacement devait être réservé à une construction-phare pour le développement touristique, laissant ouverte l’option de réaliser par la suite une extension du village. Le projet primé, dessiné par les architectes Weberbrunner, prévoyait la réalisation du centre sportif dans une construction allongée, lovée dans le parc boisé, et relevée à ses extrémités pour libérer la vue sur les montagnes. C’est par cette architecture d’un style sortant des sentiers battus que les architectes proposaient de renouveler l’image du tourisme alpin. S’affranchissant de tout modèle, ils avaient dessiné pour Andermatt une architecture audacieuse, pleine de promesses. Cependant, ce projet est resté dans les tiroirs. En lieu et place sont sorties de terre les fondations d’une nouvelle construction, l’Hôtel The Chedi, dont l’ouverture est annoncée pour l’hiver 2013. Ce bâtiment fait partie d’un complexe touristique en chantier qui sera principalement développé sur l’ancienne place d’armes située au nord du village. Il comprend un hôtel et des appartements qui seront intégrés à un complexe de vacances constitué d’immeubles de volumes différents. Seule la patinoire insérée entre

«En Suisse, on n’avait plus vu de projets de ce type depuis longtemps car ils étaient considérés comme des contributions peu intéressantes à l’architecture touristique alpine.» ces volumineux bâtiments rappelle quelque peu le projet des architectes Weberbrunner. L’architecture du nouveau complexe est à l’opposé de la solution audacieuse, recherchée initialement. The Chedi est un projet du bureau d’architecture malaysien Denniston bénéficiant d’une expérience internationale dans la construction touristique. Ce bureau d’architecture qui avait été éliminé des procédures d’études préliminaires concernant le cœur du complexe touristique en raison d’une qualité architectonique jugée insuffisante est aujourd’hui chargé, en qualité de bureau d’architecture attitré du promoteur, de réaliser la pièce

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maîtresse du nouveau village d’Andermatt. Ces pros de la séduction ont mis davantage l’accent sur l’ambiance que sur l’analyse. La présentation de leur projet met en avant l’ambiance, mais fait l’impasse sur une analyse approfondie du contexte alpin. Des pignons de grande hauteur, des lamelles verticales, des intérieurs lambrissés de bois, des mises en scène avec éclairage artificiel: la présentation du projet communique un style architectural plein d’ambiance qui peut sans doute remplir les exigences élevées d’un hôtel 5 étoiles, mais qui ne correspond pas à ce qu’on attend d’une telle réalisation dans les Alpes. La nouvelle résidence hôtelière s’articule en plusieurs volumes formant un groupe de bâtiments au lieu de se moduler à partir de la typologie de l’hôtellerie alpine. Les façades donnant sur la rue principale ont été décalées pour former une cour centrale vers l’ouest. Les trois volumes symétriques implantés côté gare créent une structure fermée; on reconnaît les contours d’une future place de la gare. Certes, il est prévu de remplacer la gare par un nouveau bâtiment qui serait situé au nord des voies et donc plus près du complexe touristique. Pourtant le gabarit de la nouvelle gare sera moins imposant que celui du nouveau complexe hôtelier. De loin, le groupe d’immeubles est le premier signe distinctif du nouveau village d’Andermatt. Les volumes surdimensionnés verrouillent les constructions existantes vers le nord. Le Grandhôtel démoli en 1988 avait des dimensions bien différentes de celles des constructions du village. Cependant, le parc qui l’entourait créait un espace extérieur respectable dont il ne reste rien. The Chedi occupe toute la parcelle de l’ancien parc. En Suisse, on n’avait plus vu de projets de ce type depuis longtemps car ils étaient considérés comme des contributions peu intéressantes à l’architecture touristique alpine. Entre-temps, de nombreuses constructions datant principalement des années 1970 ont gagné leurs lettres de noblesse et sont devenues des témoins de l’histoire du tourisme. Par contre, personne ne voudrait en réaliser de nouvelles. The Chedi est inspiré de l’architecture des années 1970. Les conditions du tourisme international ont manifestement subi peu de changements. Il semble que quelques références superficielles au style architectural local suffisent. Cette position minimaliste n’ouvre que peu de perspectives pour Andermatt et surtout pour la première réalisation du complexe touristique. Des bâtiments qui se marient avec quel environnement? Les promoteurs affirment que le nouveau complexe s’intègre harmonieusement à son environnement. Cette affirmation fait principalement référence aux maisons construites dans les années 1990. Le nouvel hôtel est pris en étau entre des chalets Jumbo et des maisons surdimensionnées à toits à deux pans que la Confé-


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Le nouvel hôtel sera entouré de bâtiments surdimensionnés sans relation avec le site historique. Die Umgebung für den Hotelneubau besteht aus überdimensionierten Bauten ohne Bezug zum historischen Ortsbild.

dération qualifie dans l’inventaire fédéral des sites construits d’importance nationale à protéger (ISOS) d’«interprétation erronée du style rural». Le projet The Chedi n’entre pas «en dialogue» avec le site protégé. Les volumes sont trop imposants et les références architectoniques trop superficielles. Le concept est basé sur une vision de la Suisse, pays de Heidi, et débouche sur une analyse trop générale du contexte. Il n’est pas possible d’évaluer l’impact de la nouvelle construction hôtelière sans considérer l’ensemble du complexe touristique qui doit faire l’objet d’une évaluation propre, tenant compte des volumes et de la structure. Une construction comme l’Hôtel The Chedi a cependant pour fonction de jeter un pont entre le nouveau et l’ancien village d’Andermatt. Il est donc légitime de se demander si le projet a pris le bon cap. Au cœur du complexe touristique se trouvent d’importants projets de construction, par exemple les réalisations du groupe d’architectes travaillant avec Miroslav Šik qui a présenté une contribution cette année à la Biennale d’architecture de Venise. L’exposition du Pavillon suisse comporte d’ailleurs des constructions du village d’Andermatt faisant partie d’une fresque géante que l’on peut considérer comme le résultat d’une recherche sur le meilleur dialogue qui puisse être avec le contexte existant. Au contraire de l’architecture de l’Hôtel The Chedi, les architectures

présentées à Venise font référence à des représentations collectives reflétant l’analyse de l’histoire de l’architecture. Celle-ci est différente de celle de la Malaisie. Si l’architecte Jean-Michel Gathy, à la tête du bureau d’architecture Denniston actif dans le monde entier, avait mis en discussion ses références architecturales, nous n’aurions certainement pu voir que des bâtiments des années 1970. Relever le défi Depuis 2005, nous associons à Andermatt une aventure architecturale dont l’ambition est de transformer une légende touristique en un village de vacances de caractère alpin et florissant. Jusqu’à présent, le projet touristique d’Andermatt n’a suscité que de rares critiques de spécialistes. La fin du chantier de l’Hôtel The Chedi va certainement changer les choses. Cette réalisation nécessite une réévaluation des récentes réalisations d’Andermatt. Le projet a-t-il pris le bon cap? Les promesses des projets sélectionnés lors du concours organisé pour les constructions faisant partie du Podium doivent être tenues. Le projet de complexe touristique ne pourra être un succès que si les nouvelles réalisations tiennent compte des questions de contexte. Le nouveau village d’Andermatt constitue un défi particulier que l’Hôtel The Chedi ne relève malheureusement pas.

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GUT ZU WISSEN/BON À SAVOIR

Fusion

Ausbau erneuerbarer Energien

Historisches Hotel des Jahres

Aqua Viva – Rheinaubund

National koordinierte Planung

Hotel Monte Verità in Ascona

Die beiden traditionsreichen Gewässerschutzorganisationen Aqua Viva (1970 gegründet) und Rheinaubund (1960 gegründet) haben sich zusammengetan. Das hat die erste gemeinsame Mitgliederversammlung vom 8. September 2012 bekräftigt, nachdem die beiden Vereine im Juni den Entschluss zur Fusion bereits einzeln gefasst hatten. Der Verband Aqua Viva – Rheinaubund vereint 40 Mitgliederorganisationen (mit über 150 000 Mitgliedern) und rund 1000 Einzelmitglieder unter einem Dach.

Der angestrebte Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien muss an die Raumplanung gekoppelt werden. So können eine weitere Zersiedelung und ein Ausufern technischer Anlagen in der freien Landschaft vermieden werden. Dies ist das Ergebnis einer im Oktober präsentierten Studie der Akademien der Wissenschaften Schweiz. Durch eine nationale Planung von Vorrang- und Ausschlussgebieten können einerseits die Energienutzung in geeigneten Gebieten erleichtert und anderseits besonders schutzwürdige Naturund Landschaftswerte erhalten werden. Die Studie unterstützt damit wichtige Aspekte in der Energiestrategie des Bundesrates. Trotz sorgfältiger Planung werden Konflikte mit Landschafts-, Natur- und Heimatschutz, aber auch mit Landwirtschaft und Tourismus nicht immer zu vermeiden sein. Gerade der Vorschlag des Bundesrates, Nutzung und Ausbau erneuerbarer Energien generell als «von nationalem Interesse» zu deklarieren (Art. 14 neues Energiegesetz), setzt Natur- und Heimatschutz unter Druck. Wichtig ist deshalb, dass die Interessengruppen bezüglich zu schützender Gebiete Prioritäten setzen. So können besonders schützensbzw. erhaltenswerte Gebiete in der Planung berücksichtigt und von einer Nutzung ausgenommen werden.

→ www.aquaviva-rheinaubund.ch

Online-Voting Beliebtes Hotel Maderanertal

Mit einer aussergewöhnlichen Plakataktion machte der Natur- und Heimatschutz des Kantons Uri im Oktober 2012 auf die Bedeutung von intakten Landschaften sowie gut erhaltenen Bauten und Ortsbildern aufmerksam. Auf dem gesamten Kantonsgebiet von Uri wurden insgesamt zwanzig Plakate an historisch oder landschaftlich bedeutenden Standorten platziert. Diese brachten der Bevölkerung die Arbeit des Natur- und Heimatschutzes Uri näher. Mittels Online-Voting kürten die Bevölkerung und die Besucherinnen und Besucher des Kantons Uri nun das beliebteste der zwanzig Kampagnenobjekte. Das Rennen machte mit 25 Prozent aller Stimmen das Hotel Maderanertal. Die Restaurierung des ehemaligen Gasthofs «Zum Schweizerischen Alpenclub» wird seit 1992 durch den Natur- und Heimatschutz Uri begleitet. Dank der zusätzlichen Unterstützung durch den Schweizer Heimatschutz sowie den Mitteln von Bund und Kanton schreiten die Arbeiten am schützenswerten Objekt sukzessive voran.

→  www.wiekommtes.ch

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→ www.akademien-schweiz.ch

Verein Südkultur Roter Nagel Ein grosser, roter Nagel kennzeichnet seit über zehn Jahren Merkpunkte der Baukultur und Landschaft. Ursprünglich vom Architekturforum Obersee initiiert, wandert der Metallstift durch verschiedene Ost- und Innerschweizer Kantone. Die Markierung macht Verborgenes sichtbar und ruft Vergessenes in Erinnerung. Südkultur – 16 Gemeinden aus den Regionen Obertoggenburg, Werdenberg und Sarganserland gemeinsam mit dem Kanton St. Gallen – übernahm im Herbst den «Roten Nagel». Der Verein plant, bis September 2013 sechs Objekte zwischen Weesen und Sennwald zu markieren und heimische Architektur ins Gespräch zu bringen.

→ www.suedkultur.ch

Die Landesgruppe Schweiz des ICOMOS (Internationaler Rat für Denkmalpflege) hat in Zusammenarbeit mit GastroSuisse, hotelleriesuisse und Schweiz Tourismus das Hotel Monte Verità in Ascona TI mit dem Preis «Historisches Hotel des Jahres 2013» ausgezeichnet. Es erhält die Auszeichnung «für den kontinuierlichen und sorgfältigen Erhalt eines der wenigen Hotels der klassischen Moderne in der Schweiz und für die Komplettierung der Anlage durch eine selbstbewusste, zeitgenössische Architektur». Das Hotel Monte Verità wurde vom Düsseldorfer Architekten Emil Fahrenkamp für Baron von der Heydt geplant und 1929 realisiert – ein Vorzeigeobjekt des Neuen Bauens. Um 1900 war der «Wahrheitsberg» ein Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen, die sich pazifistischen und reformerischen Bestrebungen widmeten. Die historischen Duschen im Park erinnern an gelebte Freikörperkultur. Nach dem Tod des Grafen von der Heydt ging der Besitz in eine Stiftung über und der Hotelbau wurde mit Hörsaal und Restaurant des Architekten Livio Vacchini zum Seminarzentrum erweitert. Seit der sorgfältigen Restaurierung von 2007 sind Flure und Zimmer des Hauptbaus von 1929 strukturell wie farblich in altem Glanz erlebbar. (Bild: Hoteldirektor Lorenzo Sonognini nimmt den ICOMOS-Preis 2013 von Jurypräsident Gerold Kunz entgegen.) Mit dem Spezialpreis 2013 wurde das Hotel Ofenhorn in Binn VS «für die fundierte Spurensuche an einem wichtigen Hotel in den Alpen und für die kontinuierliche Restaurierung der Anlage durch eine engagierte Personengruppe» geehrt. Die seit 1997 verliehene Auszeichnung fördert und stärkt das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Erhaltung und Pflege historischer Hotels und Restaurants. Gerold Kunz, Jurypräsident → www.icomos.ch


GUT ZU WISSEN/BON À SAVOIR

Place de camping Vidy, 1940/1943, Musée national suisse

Conseil de Fondation de la FP Trois parlementaires fédéraux Trois nouveaux membres ont été élu lors des deux dernières séances du Conseil de Fondation de la Fondation suisse pour la protection et l’aménagement du paysage (SLFP). Il s‘agit du conseiller aux Etats Werner Luginbühl (PBD/BE), du conseiller national Beat Flach (vert’libéraux/AG) et du conseiller aux Etats Robert Cramer (PS/GE). Robert Cramer est président de la section genevoise de Patrimoine suisse. La FP se réjouit de pouvoir compter sur ces personnalités hautement compétentes dans les domaines de la protection du paysage et de l’aménagement du territoire. Le Conseil de fondation de la FP compte actuellement 15 personnes, parmi lesquelles 5 sont des parlementaires fédéraux. La présidence est assurée depuis 2012 par le conseiller national Kurt Fluri (PLR/SO).

→ www.sl-fp.ch

La Chaux-de-Fonds

Matthieu Gafsou

L’expérience de la ville

Exposition

C’est la vie – photos de presse depuis 1940 Présentée au Musée national de Zurich en janvier 2012, l’exposition consacrée aux vastes archives de photos de presse le sera au Château de Prangins dès le 16 novembre 2012. Elle raconte l’histoire suisse à travers l’objectif des photographes des agences lausannoises «Presse Diffusion Lausanne» (PDL) et «Actualité Suisse Lausanne» (ASL), et illustre l’évolution de la photographie de presse de 1940 à nos jours. L’exposition présente des photographies soigneusement arrangées, montrant des événements politiques, des épisodes de la vie quotidienne, des portaits de personnalités connues et de héros de tous les jours. Le

visiteur découvre en outre comment les premiers reportages photographiques, consacrés aux sujets les plus divers, cèdent peu à peu leur place aux photos d’actualité pour la presse quotidienne, d’abord en noir et blanc, et ensuite en couleur. Les traditionnels hebdomadaires illustrés perdent alors de leur importance à partir des années 1960. Les nouvelles techniques d’impression et de transmission des images permettent de publier dans la presse quotidienne un nombre toujours croissant de photos des événements d’actualité majeurs. →  16. 11. 2012 – 19. 5. 2013, château de Prangins, www.musee-suisse.ch

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Une ville et trois photographes contemporains suisses mandatés pour en faire le portrait. Yann Amstutz, Matthieu Gafsou et Milo Keller ont été accueillis en résidence à La Chaux-de-Fonds, de l’automne 2009 à l’hiver 2011 en toutes saisons, de jour comme de nuit, pour capter cette ville, en faire l’expérience et l’interroger. En jetant sur elle un regard neuf et extérieur, ces trois jeunes photographes mettent en valeur des aspects et des charmes inattendus de la ville, ou saisissent des portraits de ses habitants. Un portrait aux multiples facettes qui devrait surprendre autant les Chaux-de-Fonniers que leurs visiteurs.

→ 7. 10. 2012 – 20. 1. 2013, Musée des beaux arts, www.chaux-de-fonds.ch/musees/mba

Convention du paysage

attribution du label «Parc»

Message de ratification adopté

Parcs d’importance nationale

La Suisse peut adhérer à la Convention européenne du paysage. Après le Conseil des Etats, le National a décidé en septembre 2012 par 100 voix contre 85 de ratifier ce texte visant à promouvoir la protection, la gestion et l’aménagement durables du paysage. L’UDC, le PLR et une partie du PDC n’ont pas réussi à convaincre le plénum qu’en cas d’adhésion, la Suisse perdrait son autonomie, devrait se soumettre à des contrôles imposés par l’étranger et subirait des surcoûts. La Suisse figure parmi les 19 Etats qui ont signé la convention en premier, en 2000. Mais elle n’avait pas lancé le processus de ratification.

L’Office fédéral de l’environnement (OFEV) a attribué le label «Parc» aux quatre parcs qui ont déposé une demande au début de l’année. Parmi les parcs d’importance nationale, la Suisse compte désormais quatorze parcs naturels régionaux et un parc naturel périurbain, ainsi que deux parcs nationaux en phase de création. Le label «Parc» a été nouvellement attribué aux parcs d’importance nationale suivants (demandes déposées au 13 janvier 2012): Regionaler Naturpark Beverin (GR), Parc naturel régional du Doubs (JU/BE/NE), Parc naturel régional Jura vaudois (VD), Regionaler Naturpark Pfyn-Finges (VS).

→  www.bafu.admin.ch

→  www.bafu.admin.ch

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Yves André

FRISCH GESTRICHEN/PEINTURE FRAÎCHE

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Umbau des Hauptgebäudes des Bundesamtes für Sport in Magglingen BE

Max Schlup als Vorbild für Max Schlup Zwei Bauten – ein Architekt. Das eine Haus ist saniert, um die Fassade des anderen streitet man. Der Umbau des Hauptgebäudes des Bundesamtes für Sport in Magglingen und die Lehren für das Gymnasium Strandboden in Biel. Ivo Bösch, Architekt und Redaktor Hochparterre

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n Biel will ein Komitee das Gymnasium Strandboden retten, das der Kanton Bern komplett sanieren und damit zerstören will. Gebaut hat das Gymnasium der noch lebende Architekt Max Schlup. Der Berner Heimatschutz ist vor Verwaltungsgericht abgeblitzt, setzt sich aber weiterhin zusammen mit dem Bund Schweizer Architekten und dem Komitee «Rettet den Gymer Strandbode!» für eine vernünftige und denkmalgerechte Sanierung der 1981 eingeweihten Schule ein (Heimatschutz/Patrimoine 3/2012). Nur ein Kilometer davon entfernt, oben auf dem Hügel in Magglingen, steht ein weiterer Bau von Max Schlup. Das Hauptgebäude des Bundesamts für Sport ist 1970 gebaut und von 2008 bis 2010 re-

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noviert worden. Könnte diese Sanierung vom Bund Vorbild für den Kanton sein? Denn beide Häuser sind mit Stahlstützen, Stahlfachwerkträgern, Betondecken und Stahlfassaden ähnlich gebaut. Originalbleche an der Fassade Olaf Dolfhus von spaceshop Architekten führt durch das Bürohaus, das heute nicht nur das Bundesamt beherbergt, sondern auch die Eidgenössische Hochschule für Sport. Wir sind im ehemaligen Luftkurort, wo der Bund seit 1944 Häuser und Anlagen in die Landschaft verteilt. Das Herz des Sportdorfs Magglingen ist das ehemalige Grandhotel geblieben. Und just daneben hat Ende der 1960er-Jahre der Architekt Max Schlup das sogenannte Hauptgebäu-

de gebaut. Das Haus ist vor allem eine Terrasse mit Aussicht auf den Bielersee. Auf der öffentlichen Terrasse steht bescheiden ein dreigeschossiger Pavillon, so dass er das Grand Hotel nicht stört. Unter der Terrasse im Sockel sind die Büroflächen in vier Geschossen versteckt. Sogar ein Hallenbad hat das Bundesamt in diesen Sockel einbauen lassen. Man habe damals zwei Jahre lang gesprengt, um in zwei weiteren Jahren den Stahlbau aufzustellen, weiss der Architekt Dolfhus zu erzählen. Schlup gab dem Bau damals ein serielles Gesicht, wie es sich für einen Vertreter der «Solothurner Schule» gehört, einer Architekturrichtung, zu der auch Architekten wie Fritz Haller, Franz Füeg, Alfons Barth und Hans Zaugg zählen.


FRISCH GESTRICHEN/PEINTURE FRAÎCHE

Gratwanderung: erhalten oder ersetzen Die zweite grosse Aufgabe war die Umgestaltung des Inneren. Lichter und transparenter wollten es die umbauenden Architekten machen. Dabei musste die Zahl der Arbeitsplätze von 125 auf 185 steigen. Im Klartext: Sämtliche Bürotrennwände sind neu, weil die Büros auch tiefer sind. Die Zwischenzonen zeigen sich heute etwas aufgeräumter. Da die Bürowände zu den Korridoren aus Glas bestehen und die Architekten Oberlichter in die Terrasse haben schneiden lassen, ist es nun tatsächlich heller in den Bürogeschossen darunter. Dazu tragen die Decken und Wände bei, die heller bemalt sind als ursprünglich, und der neue weisse Gummigranulatboden, dem die Teppiche weichen mussten. Ein neuer, fast 30 Meter langer Lichthof erhellt die zwei obersten Bürogeschosse zusätzlich. Auch der Hof holt das Licht von oben. Damit stehen viele Oberlichter auf der grossen Terrasse herum. Schlup habe in einem alten Plan runde Oberlichter eingezeichnet, meint der Architekt Dolfhus. Wir sind sicher, dass Schlup die Oberlichter nicht so unregelmässig auf die Terrasse verteilt hätte. Ein paar Freiheiten haben sich also die jungen Architekten genommen. «Respekt vor dem Bestand und, wo nötig, Mut zum Eingriff», schreiben sie in einer eigenen Broschüre über die Renovation. Und wollte man nach weiterer Kritik suchen, dann könnte man das etwas düstere Innere vermissen, das für Bauten aus dieser Zeit durchaus prägend ist. Das Helle und Weisse will nicht so recht zur gerosteten Fassade passen. Aber man versteht, dass es den Bundesangestellten des Jahres 2012 darin wahrscheinlich wohler ist.

Der 29,6 Millionen Franken teure Umbau hat soeben einen von sechs Atu-Prix (Bernischer Kulturpreis für Architektur, Technik und Umwelt) gewonnen. Begründung: «Das sanierte Hauptgebäude für Sport in Magglingen ist eine in denkmalpflegerischer, technischer und ökologischer Hinsicht sorgfältig austarierte Lösung, die in nachhaltiger Form dem Gebäude die ursprüngliche Ausstrahlung zurückgibt.» Mehr möglich in Biel als in Magglingen Und welche Lehren kann man für das Gymnasium Strandboden ziehen? Der Teufel steckt im Fassadendetail. Architekt Olaf Dolfhus meint, dass am Strandboden sogar nur der Ersatz des Glases möglich wäre. Man könnte also viel mehr Originalteile an der Fassade erhalten als es spaceshop Architekten in Magglingen getan haben. Dieser Meinung ist auch der Architekt Ivo Thalmann, Mitglied des Berner Heimatschutzes und Mitbegründer des Komitees «Rettet den Gymer Strandbode!». Im Gegensatz zu Magglingen seien die Fassadenprofile im Strandboden sogar thermisch getrennt, was dem heutigen Standard entspreche. Die Fassade im Strandboden ist damit ausgereifter, Schlup hatte sie ja auch elf Jahre später gebaut. →  Das Architekturforum Biel gibt voraussichtlich im Dezember 2012 das Buch «Max Schlup – Architekt» heraus.

L’Office fédéral du sport Deux immeubles, un seul architecte. L’un a été rénové. La façade de l’autre fait l’objet d’âpres discussions. La rénovation du bâtiment principal de l’Office fédéral du sport à Macolin et les enseignements à en tirer pour le Gymnase du lac à Bienne. A Bienne, le comité «Sauvez le Gymnase du Lac» s’oppose de toutes ses forces au projet d’assainissement complet qui détruirait l’œuvre remarquable de Max Schlup. Il propose un projet plus respectueux de l’œuvre du célèbre architecte de l’école soleuroise et nettement moins onéreux. A un kilomètre de distance, sur les hauteurs de Macolin, une autre réalisation de Max Schlup, le bâtiment principal de l’Office fédéral du sport abritant la haute école fédérale de sport, a été rénové dans les règles de l’art selon le projet du bureau d’étude «spaceshop Architekten» de Bienne. La grande qualité architectonique du bâtiment a été préservée. Les surfaces utiles et la zone de bureaux aménagée le long de la façade ont été réorganisées. Pour Olaf Dolfhus, l’architecte de la rénovation de Macolin, et Ivo Thalmann, architecte, membre de Patrimoine suisse Berne et cofondateur du comité d’opposition au projet destructeur du Gymnase du lac, la rénovation du gymnase devrait s’inspirer de celle de Macolin. Elle pourrait même être plus légère encore.

1 Renovierte Fassade mit den originalen Blechen und Lisenen aus Cortenstahl

Yves André

Die erste grosse Aufgabe war die Sanierung der Fassade. Zuerst fallen die alten Cortenstahlelemente auf. «Ja, die Bleche sind original», bestätigt Olaf Dolfhus, «wir haben sie demontiert, gereinigt, innen mit einem Korrosionsschutz versehen und wieder montiert.» Ansonsten haben die Architekten die andern Fassadenteile ersetzt, mit Ausnahme der Lisenen aus Cortenstahl. Immerhin ist das Neue möglichst originalgetreu, so sind zum Beispiel die Gläser wieder getönt, bronziert und in Stahl gefasst. Man muss heute genau hinschauen, um das Neue zu erkennen, weil eben die äusserste Schicht mit Blechen und Lisenen die Spuren der Verwitterung noch zeigt.

Façade rénovée grâce à la réutilisation des lésènes et des panneaux extérieurs en acier Corten

2 Der neue Lichthof unter der Terrasse

Le nouveau puits de lumière formant un foyer éclairé sous la terrasse

3 Die Terrasse des Hauptgebäudes des Bundesamtes für Sport in Magglingen mit neuen Oblichtern

La terrasse du bâtiment principal de l’Office fédéral du sport à Macolin et son nouvel éclairage intégré 3

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Jutta Vogel

SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

Les membres du Bureau de Patrimoine suisse (de gauche à droite): Denise Lüthy, Severin Lenel, Daniela Saxer, Christian Bischoff, Philippe Biéler, Adrian Schmid (secrétaire général), Ruth Gisi-Willisegger

Le Bureau de Patrimoine suisse

«Ceux du Bureau» «Ceux du bureau, j’peux pas les voir!». Tous les Romands connaissent cette chanson de Dominique Scheder. C’est pourtant exactement le contraire qui se passe au Bureau de Patrimoine suisse! Mais commençons par le début. Nous Suisses faisons parfois les choses bizarrement: pourquoi donc les fondateurs de Patrimoine suisse ont-ils appelé «Bureau» ce qu’ailleurs on aurait nommé «comité exécutif», «conseil» ou encore «conseil d’administration»? Le Bureau est le principal organe dirigeant de Patrimoine suisse, composé de sept membres et du secrétaire général. Il lui revient notamment de préparer les décisions à soumettre au Comité central (une quarantaine de personnes environ, deux fois par année) et à l’Assemblée annuelle des délégués. Ce n’est pour moi jamais une corvée d’aller au Bureau! Bien au contraire, j’y éprouve à chaque fois le même plaisir et un intérêt renouvelé. Cela tient entre autres à la qualité des personnes présentes, à la diversité de leurs provenances et à la com-

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plémentarité de leurs compétences. Nous avons parfois de vifs débats, certaines opinions tranchées se confrontent. Mais l’esprit reste toujours positif, car nous avons en commun la volonté de trouver la meilleure solution pour le patrimoine. Les questions auxquelles nous devons répondre sont extrêmement variées. Quelques exemples plus ou moins récents: Quel programme pour notre future Maison du patrimoine à la Villa Patumbah de Zurich? Quelle sera l’évolution des ventes de l’Ecu d’or dans les prochaines années? Faut-il recourir contre la décision fédérale d’autoriser l’abandon du télésiège historique du Weissenstein? Quels seront les prochains Prix Wakker? Que des sujets passionnants! Mais voilà que certains membres du Bureau vont malheureusement devoir nous quitter. Dans l’immédiat, c’est Hans Schmid (de Lavin, aux Grisons) qui renonce à regret à son (trop court) mandat pour des raisons principalement professionnelles: dans la conjoncture difficile du tourisme, la conduite de son hôtel requiert toute son énergie.

Puis, plusieurs d’entre nous atteindront prochainement la limite statutaire de 12 ans de mandat: ils devront quitter le Bureau au plus tard en 2016 (trois membres) et en 2017 (le soussigné). Ces échéances peuvent paraître lointaines, mais en réalité cela ira très vite! D’autant plus que certains membres pourraient même décider d’interrompre leur activité avant le terme obligatoire, que ce soit pour des raisons personnelles ou pour favoriser un renouvellement progressif et en douceur du Bureau. C’est dire que nous nous réjouissons d’accueillir prochainement de nouvelles femmes et de nouveaux hommes au sein de notre équipe. Les compétences que nous recherchons sont très diverses: de l’histoire du patrimoine bâti au droit en passant par le management d’une ONG, l’architecture, l’urbanisme ou encore le tourisme ... N’hésitez pas à nous faire connaître votre intérêt: la conduite d’une association aussi dynamique et importante que la nôtre mérite votre engagement! Philippe Biéler, président de Patrimoine suisse


SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

Der Geschäftsausschuss Der Geschäftsausschuss ist das hauptsächliche geschäftsleitende Organ des Schweizer Heimatschutzes. Er besteht aus sieben Mitgliedern und dem Geschäftsleiter. Ihm obliegt es, die Entscheidungsgrundlagen vorzubereiten, die dem Zentralvorstand (ungefähr 40 Personen, zwei Treffen pro Jahr) und der jährlich stattfindenden Delegiertenversammlung unterbreitet werden sollen. Die Sitzungen mit dem Geschäftsausschuss sind für mich nie ein lästiges Muss. Ganz im Gegenteil, ich gehe jedes Mal mit neuem Interesse und Freude hin. Das hängt unter anderem mit den Qualitäten der anwesenden Personen zusammen, mit ihrer unterschiedlichen Herkunft und ihren sich ergänzenden Kompetenzen. Wir führen manchmal lebhafte Diskussionen, in denen sich dezidierte Meinungen gegenüberstehen – dies jedoch immer im positiven Sinn, denn wir wollen alle die beste Lösung für den Heimatschutz. Die Fragen, die wir behandeln, sind äusserst vielfältig. Ein paar aktuelle Beispiele: Wie soll

das Programm für das zukünftige Zentrum für Baukultur in der Villa Patumbah in Zürich aussehen? Wie wird sich der Schoggitalerverkauf in den nächsten Jahren entwickeln? Soll gegen den Bundesentscheid, den Abbruch der historischen Sesselbahn Weissenstein zu bewilligen, rekurriert werden? Welches sind die nächsten Wakkerpreise? Alles spannende Themen! Nun werden uns aber leider gewisse Mitglieder des Geschäftsausschusses verlassen müssen. Unmittelbar ist dies Hans Schmid (aus Lavin in Graubünden), der vor allem aus beruflichen Gründen sein (allzu kurzes) Mandat mit Bedauern aufgibt: In der für den Tourismus schwierigen wirtschaftlichen Situation beansprucht die Führung seines Hotels seine ganze Energie. Dann werden einige von uns nächstens die statuarisch festgelegte maximale Amtszeit von zwölf Jahren erreichen. Sie werden spätestens 2016 (drei Mitglieder) und 2017 (der Unterzeichnende) austreten müssen. Viel-

leicht entsteht der Eindruck, dies sei noch in weiter Ferne, in Wirklichkeit wird es aber sehr schnell so weit sein! Dies umso mehr, als gewisse Mitglieder auch beschliessen könnten, ihre Tätigkeit vor dem Erreichen der Amtszeitbeschränkung zu beenden, sei es aus persönlichen Gründen oder um eine schrittweise Erneuerung des Geschäftsausschusses zu ermöglichen. Somit freuen wir uns, nächstens neue Frauen und Männer in unserem Team begrüssen zu dürfen. Die von uns gesuchten Kompetenzen sind sehr vielfältig: Sie reichen von der Geschichte der Baukultur über das Management einer NGO, die Architektur, den Städtebau oder den Tourismus bis zum Recht … Zögern Sie nicht, uns Ihre Interessen mitzuteilen: Ein so dynamischer und wichtiger Verein, wie der unsere, verdient Ihr Engagement! Philippe Biéler, Präsident des Schweizer Heimatschutzes

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

Kernpunkte der Revision

Urnengang vom 3. März 2013

Ja zum Raumplanungsgesetz Am 3. Oktober 2012 hat der Schweizerische Gewerbeverband bei der Bundeskanzlei die Referendumsunterschriften gegen die Revision des Raumplanungsgesetzes eingereicht. Unbeeindruckt von der im Referendum geäusserten Kritik bahnt sich jedoch eine sehr breite Unterstützung zugunsten des revidierten Gesetzes an, denn damit wird die Zersiedelung gebremst und die Attraktivität und die Entwicklungsmöglichkeiten der Schweiz werden gesichert. Die Revision des Raumplanungsgesetzes ist am 15. Juni 2012 vom Parlament als indirekter Gegenvorschlag zur Landschaftsinitiative beschlossen worden. Dies hat zum Rückzug der Landschaftsinitiative geführt – allerdings nur unter der Bedingung, dass das revidierte Raumplanungsgesetz in Kraft tritt. Die Gesetzesrevision ist im Parlament sehr lange und sorgfältig beraten worden. Das Ergebnis ist ausgewogen und erlaubt, die landschaftliche

Qualität der Schweiz zu bewahren, Handlungsspielräume für die wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen sowie ausreichend Kulturland für die landwirtschaftliche Produktion zu erhalten. Ein Grossteil der Bevölkerung sorgt sich um die Zukunft ihres Lebensraumes, die Entwicklung der Siedlungen und die Bewahrung der Landschaften. Die Revision des Raumplanungsgesetzes geniesst deshalb eine breite Unterstützung. Viele Organisationen haben deren grossen Nutzen für die Schweiz erkannt. Sie haben sich daher vom Referendum distanziert oder sich bereits hinter das revidierte Gesetz gestellt. Sie sind zuversichtlich, am Abstimmungstag vom 3. März 2013 eine deutliche Zustimmung für die Revision des Raumplanungsgesetzes zu erhalten. Der Schweizer Heimatschutz und die weiteren Organisationen, welche die mittlerweile zugunsten des Gegenvorschlags zurückgezogene Landschaftsinitiative initiiert hatten, stellen sich klar hinter das revidierte Raumplanungsgesetz: → www.ja-zum-raumplanungsgesetz.ch

Die Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG) schafft Handlungsspielräume für die Aufgaben der Zukunft: Bauzonen sollen dort entstehen, wo der Bedarf nachgewiesen und die notwendige Erschliessung vorhanden ist. In der Kompetenz der Kantone sollen mindestens 20 Prozent der aus neuen Einzonungen resultierenden Gewinne an die öffentliche Hand zurückfliessen, um damit Kulturland zu sichern und die Lebensqualität der Siedlungen zu steigern. Wo die Bauzonen zu gross sind, müssen sie verkleinert werden. Mit der Revision werden die kantonalen Richtpläne gestärkt und so die Gemeinden in die Pflicht genommen, haushälterisch mit dem Boden umzugehen und in Planungsfragen zusammenzuarbeiten. Die Kantone ergreifen Massnahmen gegen die Baulandhortung. Das revidierte RPG entwickelt die bewährten Instrumente der Raumplanung weiter und präzisiert diese, wo der Vollzug bisher Lücken aufwies. Sie sichert so die Qualitäten unseres Lebensraums und damit auch das touristische Potenzial. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Standortqualität, indem sie die Lebensqualität in unseren Siedlungen fördert und Räume für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung und für die landwirtschaftliche Produktion sichert.

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

Points essentiels

Votation populaire du 3 mars 2013

Oui à la Loi sur l’aménagement du territoire Les signatures recueillies pour le référendum contre la révision de la Loi sur l’aménagement du territoire (LAT) ont été remises le 3 octobre 2012 à la Chancellerie fédérale par l’Union suisse des arts et métiers. Loin d’être impressionnée par les critiques exprimées dans le référendum, une très large majorité se dessine au contraire en faveur de la loi révisée; cette dernière mettra en effet un frein au mitage du paysage et garantira le rayonnement et les possibilités de développement de la Suisse. La révision de la Loi sur l’aménagement du territoire a été décidée par le Parlement le 15 juin 2012, au titre de contre-projet indirect à l’initiative pour le paysage, ce qui a provoqué le retrait de cette dernière, mais à la seule condition que la loi révisée sur l’aménagement du territoire entre en vigueur. La révision de ladite loi a fait l’objet de très longues et minutieuses délibéra-

tions au sein du Parlement. Le résultat est un texte équilibré qui permettra de préserver la qualité des paysages de la Suisse, de se ménager des marges de manœuvre pour le développement économique et de garder suffisamment de sols cultivables pour la production agricole. Une bonne part de la population nourrit des inquiétudes quant à l’avenir de leur espace de vie, au développement de l’urbanisation et à la préservation des paysages. Pour toutes ces raisons, la révision de la Loi sur l’aménagement du territoire bénéficie d’un large soutien. Nombreuses sont les organisations qui ont reconnu qu’elle était d’une grande utilité pour la Suisse. Elles ont, par conséquent, pris leurs distances par rapport au référendum ou se sont déjà rangées du côté des tenants de la loi révisée. Elles ont bon espoir d’obtenir le 3 mars 2013, le jour de la votation, des suffrages sans équivoque en faveur de la révision de la LAT. → www.loi-amenagement-du-territoire-oui.ch

La révision de la Loi sur l’aménagement du territoire se ménage des marges de manœuvre pour les tâches du futur: les zones à bâtir doivent correspondre à des sites où les besoins sont avérés et où l’équipement nécessaire est existant. Les cantons sont tenus de reverser aux services publics au moins 20% des bénéfices résultant des nouveaux classements en zone à bâtir afin d’assurer des sols cultivables et d’accroître la qualité de vie de l’habitat. Les zones à bâtir surdimensionnées devront être réduites. La révision permet de renforcer les plans directeurs cantonaux et de mettre ainsi les communes à contribution pour pratiquer une utilisation raisonnée des sols et travailler de concert sur les questions d’aménagement. Les cantons prendront des mesures pour lutter contre la thésaurisation des terrains à bâtir. La loi révisée poursuit le développement des instruments d’aménagement qui ont fait leur preuve et les affine en cas de lacunes à l’exécution. Elle garantit ainsi les qualités de notre espace de vie, telles que les valeurs paysagères mais aussi les ressources touristiques. Cette révision apporte enfin une contribution importante à l’excellence des sites nationaux en encourageant la qualité de vie dans nos centres urbains et en garantissant des espaces pour le développement économique et la production agricole. Les organisations et les partis, qui ont lancé l’initiative pour le paysage, rejetée à la faveur du contre-projet, s’engagent clairement pour la Loi révisée sur l’aménagement du territoire: Patrimoine suisse, Pro Natura, Fondation suisse pour la protection et l’aménagement du paysage (SL-FP), WWF Suisse, Schweizerische Vereinigung zum Schutz der kleinen und mittleren Bauern (VKMB), Comité d’action Galmiz – Oui à l’aménagement du territoire, Médecins en faveur de l’environnement, Bio Suisse, Greenpeace Suisse, Fondation Suisse de la Greina, Parti écologiste suisse, Habitat-Durable Suisse, Helvetia Nostra, Rheinaubund, Association suisse pour la protection des oiseaux ASPO/BirdLife Suisse, Parti socialiste suisse (PSS), Association Transports et Environnement (ATE).

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SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ/PATRIMOINE SUISSE

Hanspeter Odermatt

Au Cœur du Patrimoine

Erdgeschoss Stüssihofstatt, Unterschächen Rez-de-chaussée de la Stüssihofstatt, Unterchächen

Ferien im baudenkmal

Umbauprojekt für die Stüssihofstatt 2. Akt

Was bisher geschah: Die 562 Jahre alte Stüssihofstatt in Unterschächen UR sollte abgerissen werden und einem Neubau weichen. Durch die Abparzellierung des Gebäudes und dank dem Erwerb durch die Stiftung Ferien im Baudenkmal kann das historische Gebäude nun seine Geschichte weiterschreiben.

Im Juli 2012 wurden vier Architekturbüros eingeladen, einen Studienauftrag zur Renovation der Stüssihofstatt zu erstellen. Die fünfköpfige Bewertungsjury entschied sich nach eingehendem Studium der Unterlagen für die Arbeit des Architekten Hanspeter Odermatt aus Stans. Sein Vorschlag nimmt die Historie des Hauses sehr ernst, das Gesamterscheinungsbild bleibt erhalten und wirkt durch einfache Massnahmen in der Umgebungsgestaltung (Brunnen, Garten, Zaun), angelehnt an die Definition einer Hofstatt, authentisch. Zentrales Element im Innern ist die Öffnung des rauchgeschwärzten Küchen- und Korridorbe-

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reichs. Der neue Raum wird zum Zentrum des Hauses. Er soll als Ess- und Begegnungsplatz dienen. Der durch die Kammern definierte Innenbereich bleibt trotz der Öffnung unverändert. Die Kammern im Obergeschoss ragen in den Luftraum und werden dadurch erlebbar. Die Küche wird neu in die rückwärtige Ostkammer verlegt und zum Essraum hin geöffnet. Die grosszügige Nasszelle wird in der Westkammer angeordnet. Die Erschliessung der beiden Westkammern im Obergeschoss soll durch eine leiterartige Treppe erfolgen. Sehr begrüsst wird der sorgfältige, dem Objekt und der Region angepasste Umgang mit der Bausubstanz. Wie geht es weiter mit der Stüssihofstatt? Welche Überraschungen wird der Umbau bringen? Kann das Projekt so weiterverfolgt werden? Das und noch viel mehr erfahren Sie in den kommenden Ausgaben der Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine. Kerstin Camenisch, Geschäftsführerin Ferien im Baudenkmal → www.magnificasa.ch

Acte II – les faits: dans la commune d’Unterschächen, la Stüssihofstatt, une très ancienne maison vieille de 562 ans, devait être démolie et remplacée par une construction nouvelle. Après une mutation parcellaire et grâce à son acquisition par la Fondation Vacances au cœur du Patrimoine, l’histoire de cette vénérable maison pourra continuer. En juillet 2012, quatre bureaux d’architecture ont été invités à présenter un projet de rénovation de la maison. Après un examen consciencieux des documents transmis, le jury composé de cinq personnes s’est prononcé en faveur du projet de l’architecte Hanspeter Odermatt. Le projet sélectionné prend très au sérieux l’histoire de cette maison. Il en préserve la physionomie générale et agit sur les espaces extérieurs (fontaine, jardin, clôture) par des mesures simples, respectant l’authenticité de cette ferme à l’origine. A l’intérieur, l’intervention principale consiste à ouvrir le corridor et la cuisine, noircis par les fumaisons. Le nouvel espace ouvert deviendra le centre de la maison. Il servira de salle à manger et de foyer. Malgré cette ouverture, la structure intérieure, définie par les chambres, reste inchangée. Les chambres de l’étage s’ouvrent sur l’horizon, ce qui les rend agréables. La cuisine est déplacée dans une chambre arrière, côté est, et dessert la salle à manger. La salle d’eau de dimensions très généreuses est aménagée dans la chambre côté ouest. L’accès aux deux pièces, côté ouest de l’étage, est prévu par un escalier-échelle. Le traitement soigné, respectueux de cet objet patrimonial et de l’art régional, est particulièrement apprécié.

Comment s’écrira la suite de l’histoire de la Stüssihofstatt? Quelles surprises nous réservent les travaux de rénovation? Le projet peut-il se poursuivre tel quel? Autant de questions et plus sur lesquelles vous pourrez vous informer dans les prochaines éditions de notre revue Heimatschutz/Patrimoine. → www.magnificasa.ch


SEKTIONEN/SECTIONS

Blickpunkt: Sektion Graubünden

Von Engadinerhäusern und Oberländertrachten Der Engadiner Massentourismus der Belle Epoque und Wasserkraftwerke wie jenes in Campocologno riefen den Heimatschutz in Graubünden bereits sehr früh auf den Plan. Doch warum genau wurde um 1905 die Vorstellung von «Heimatschutz» möglich? Das neue Buch Graubünden und der Heimatschutz versucht zum ersten Mal eine Gesamtdarstellung des Bündner Heimatschutzes bis zum Zweiten Weltkrieg. Simon Bundi

A

ls der Unterengadiner Architekt Iachen Ulrich Könz an einem Frühlingsmorgen 1932 in seinem Heimatort Guarda einen Bauern sah, der an einem Haus einen Fensterstock herausbrach, um ihn einem Gastwirt zu verkaufen, und dabei der Putz samt Fassadenschmuck die Wiese herunterkollerte, hatte er eine Idee, die zu einem für die Schweiz einzigartigen Projekt führen sollte: die Restauration eines ganzen Dorfes durch den Heimatschutz. Dass zwischen 1938 und 1946 in Guarda über 30 alte Engadinerhäuser gesichert und äusserlich instand gesetzt wurden, hat mit einem Bewusstsein für die Vergangenheit zu tun, das bereits viel älter war als der Heimatschutz. Schon seit dem Mittelalter gab es in der Schweiz das Lob der Vorfahren, seit dem 19. Jahrhundert die romantische Suche nach dem Echten und Ureigenen – das man meist in den (Vor-)Alpen zu finden glaubte. Dazu gesellten sich die Reformarchitektur eines John Ruskin und später der Deutsche Bund

Simon Bundi: Graubünden und der Heimatschutz. Von der Erfindung der Heimat zur Erhaltung des Dorfes Guarda Quellen und Forschungen zur Bündner Geschichte, Band 26, Kommissionsverlag Desertina 2012, 203 S., CHF 38.–

Heimatschutz. Kurz vor dem Schweizer und dem Bündner Heimatschutz gegründet, wurden dessen Statuten von den Churer Heimatschützern fast wortwörtlich übernommen. Diese Kombination machte es möglich, dass angesichts der teils massiven Eingriffe der modernen (Tourimus-)Wirtschaft in Graubünden gleich mehrere Vereinigungen nicht nur «das Eigene» wertschätzen wollten, sondern aktiv erhaltend und gestaltend eingriffen. Dabei waren die bündnerische und die Engadiner Vereinigung für Heimatschutz genauso wie die Pro Campagna einem puren Regionalismus verpflichtet. Nie schaute man über den Bündner Rand hinaus, wenn man etwa ein Gebäude sanierte oder die Trachten für die 500-Jahr-Feier des Grauen Bundes in Trun finanzierte. Gleichzeitig verbanden die Bündner Heimatschützer bis auf diese patriotische Feier in Trun nie den Heimatschutz mit politischen Parolen oder den für heutige Ohren schlecht verträglichen Blutund-Boden-Fantasien, die spätestens seit den 1930er-Jahren nicht nur in Deutschland Hand in Hand mit dem Heimatschutz gingen. Mit Heimatstil an die Prestigeaufträge Just zu dieser Zeit wurde der Kampf um die Anerkennung des Rätoromanischen als vierte Landessprache immer politischer. Als nationale Kampagne im Zeichen geistiger Landesverteidigung unterschied sie sich von Heimatschutzprojekten wie der Erhaltung Guardas, wenn auch das kleine rätoromanische Bauerndorf eigentlich genauso prädestiniert gewesen wäre, in Zeiten äusserer Bedrohung das typisch Schweizerische schlechthin zu repräsentieren. Das heisst aber nicht, dass die volks-

Die 500-Jahr-Feier des Grauen Bundes in Trun 1924. Die Bündnerische Vereinigung für Heimatschutz finanzierte die Trachten, um das Leben und Arbeiten der Vorfahren zu feiern. Célébration des 500 ans de la Ligue grise à Trun en 1924: la section grisonne de Patrimoine suisse avait financé les costumes afin de mettre en scène la vie et le travail des anciens.

erzieherischen Schriften eines Restaurators wie Iachen Ulrich Könz weniger mit gesellschaftlicher Macht zu tun hatten. Jedenfalls verfehlte der Heimatschutz zwischen 1905 und 1945 seine Wirkung im öffentlichen Bewusstsein der Bündner nicht. Neben unzähligen Restaurationen und Kämpfen gegen die «Verschandelung der Landschaft» ist es vor allem der Heimatstil, der heute noch allerorts zu sehen ist: Von der Churer Kantonalbank über Engadiner Grosshotels bis zu Kraftwerkzentralen oder den Stationsgebäuden samt Brücken der Rhätischen Bahn wurden fast alle Grossprojekte dieser Zeit von nicht einmal einem halben Dutzend Architekten ausgeführt. Ein quasi Heimatschutzmonopol also, wie es heute undenkbar wäre.

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SEKTIONEN/SECTIONS

Bern Die Hauswege als «App» Ende der 1980er-Jahre setzte sich die Region Thun-Kandertal-Simmental-Saanen des Berner Heimatschutzes zum Ziel, mittels spezieller Wanderwege die Schätze der einheimischen Baukultur einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit das Verständnis für die Erhaltung dieser wertvollen Zeugen der Zimmermannsund Baukunst zu fördern. 1986 konnte als Pilotversuch der «Hauskundliche Rundweg» im Thuner Westamt eröffnet werden (dieser wurde später zum «Stockentaler Hausweg»). Der Weg war so erfolgreich, dass 1992 und 1995 gemeinsam mit der BLS und den Berner Wanderwegen der «Simmentaler Hausweg» und der «Obersimmentaler Hausweg» realisiert werden konnten. 2001 folgte der «Diemtigtaler Hausweg». 2012 überarbeitete die Arbeitsgruppe Hauswege der Region Thun-Kandertal-Simmental-Saanen als Erstes den «Simmentaler Hausweg», der durch die Gemeinden Wimmis, Erlenbach, Oey-Diemtigen, Därstetten, Oberwil und Boltigen führt. Als erster der fünf Hauswege ist dieser nun im Internet abrufbar, verknüpft mit Informationen zu einzelnen Häusern und diversen Wandervorschlägen. Eine elektronische Fassung der übrigen Hauswege kann dort zudem als PDFDatei heruntergeladen werden. Ergänzt wird die Website durch die neue App zu den «Simmentaler Hauswegen», welche erlaubt, Informationen zu den einzelnen Häusern über Smartphone aufzurufen.

Basel-Stadt

Dorfbild von Riehen bedroht? Auf dem Areal der Landvogtei in Riehen ist ein Einfamilienhaus geplant, das sich in 30 Metern Länge hinter dem Haupthaus erstrecken soll. Der Heimatschutz hat im letzten Jahr gegen die generelle Bauvorlage Einsprache erhoben und musste diese nun an die Baurekurskommission weiterziehen, da seine Einwendungen nicht berücksichtigt wurden. Denn es geht hier nicht einfach nur um ein privates Anliegen, sondern um den Ortsbildschutz von Riehen.

Wertvolles Baudenkmal

→ www.hauswege.ch

Die alte Landvogtei gehört zu den wertvollsten Baudenkmälern des Kantons BaselStadt. Sie befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der mittelalterlichen Kirchenburg von Riehen am westlichen Dorfrand und ist von weither im Dorfbild sichtbar. Das stattliche Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert, war Zehntentrotte und jahrhundertelang der Amtssitz der Basler Obervögte. Bereits 1945 wurde die Landvogtei in das kantonale Denkmalverzeichnis eingetragen. Es gilt also der Umgebungsschutz. Im soeben erschienen Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) ist der Riehener Dorfkern um die Kirchenburganlage, mit der ehemaligen Landvogtei, mit Kategorie A bezeichnet. Dies bedeutet höchste Schutzwürdigkeit.

Berner Heimatschutz

Regina Luginbühl, Berner Heimatschutz

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Das geplante Baugesuch betrifft einen Neubau auf einem historisch noch nie bebauten Areal, das in der Schonzone liegt und zur unmittelbaren Umgebung eines der wertvollsten geschützten Baudenkmäler des Kantons gehört. Es widerspricht nach Auffassung des Basler Heimatschutzes sowohl den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes als auch den Bestimmungen der DorfbildSchonzone im Bau- und Planungsgesetz. Gemäss Denkmalschutzgesetz dürfen eingetragene Baudenkmäler durch bauliche Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden. Der geplante Neubau von 30 Metern Länge kommt hier aber in den direkten Sichtbereich des Denkmals zu stehen. Eine historische, seit über fünfhundert Jahren bestehende Situation wird dadurch entscheidend verändert und ein wertvolles Baudenkmal aufs schwerste beeinträchtigt. Ein moderner Einfamilienhausbau passt nicht in diesen Kontext – auch wenn er gut gestaltet ist.

Topografisch bedeutende Hangkante Eine Anlage wie die Landvogtei mit ihrer Umgebung ist im ganzen Kantonsgebiet einzigartig. Sie darf aus historischen und kunsthistorischen Gründen nicht durch einen Neubau beeinträchtigt werden, der sich mit grosser Länge in die Tiefe des Areals erstreckt und ausserdem die Hangsituation


SEKTIONEN/SECTIONS

Auf der Hangkante am Westrand des Dorf kerns von Riehen BS, rechts an die Landvogtei anschliessend, ist ein 30 Meter breiter Neubau geplant. Un projet prévoit la construction d’une maison de 30 mètres de largeur à proximité immédiate de la Maison des Baillis, dans la partie supérieure de la pente, à l’extrémité ouest du centre de Riehen (BS).

am Dorfrand unwiederbringlich beschädigt. Denn der Neubau soll direkt auf die bekannte Riehener Hangkante zu stehen kommen, die das Dorf von der Ebene trennt. Sie ist teilweise mit einer Mauer abgestützt und gehört als Ganzes zu den prägenden Elementen der Riehener Topografie. Generationen lang hat man dafür geschaut, dass diese prägnante Kante mit der darunterliegenden Wiese nicht bebaut wurde. Nun geht es hier aber nicht nur um den Naturschutz und um den Umgebungsschutz für ein geschütztes Baudenkmal, sondern auch noch um die grundlegenden gesetzlichen Bestimmungen der Dorfbild-Schonzone. Der Gesetzgeber hat das abschüssige Areal der Landvogtei, auf dessen oberste Kante der geplante Neubau zu stehen kommen soll, in die Dorfbild-Schonzone gesetzt. Hätte er gewollt, dass man später darauf ein Einfamilienhaus bauen könnte, hätte er das Areal – und zudem auch ganz bestimmt die grosse angrenzende Wiese – einer Bauzone zugeführt. Die Schonzone ist in beschränktem Mass eine Umbauzone, aber keinesfalls eine Neubauzone! Ausserdem wusste der damalige Gesetzgeber, dass in der DorfbildSchonzone «der nach aussen sichtbare historische oder künstlerische Charakter der bestehenden Bebauung nicht beeinträchtigt werden» darf. Uta Feldges, Basler Heimatschutz

Zum Tod von Annemarie Burckhardt-Wackernagel

Engagiert für den Basler Heimatschutz Mitten in den Sommerferien erreichte uns die Nachricht vom Tod unseres Ehrenmitglieds Annemarie Burckhardt-Wackernagel. In den letzten Jahren war sie altersbedingt nur noch selten zu den Vorstandssitzungen gekommen, hatte aber unsere Aktivitäten stets mit grösster Aufmerksamkeit verfolgt. Das zeigte sich im Gespräch: Sie war immer auf dem neuesten Stand und jeweils an allen Neuigkeiten, die Bauen und Planen in ihrer Stadt betrafen, zutiefst interessiert. Annemarie Burckhardt-Wackernagel wurde 1930 in Basel geboren und war seit 1955 mit dem bekannten Soziologen, Planungstheoretiker und Ökonomen Lucius Burckhardt verheiratet. Sie hat ein Leben lang sehr aktiv an seinem Berufsleben teilgenommen und ihn bei seiner Arbeit unterstützt. Seit den 1960er-Jahren war sie aktives Mitglied des Basler Heimatschutzes. 1972 übernahm sie die Aufgabe, ein Mitteilungsblatt für den Basler Heimatschutz herauszugeben. Es entstand das Blatt Heimatschutz liest für Sie, das von Annemarie Burckhardt-Wackernagel über ein Jahrzehnt lang gestaltet wurde. Gespiesen wurde das Blatt mit Zeitungsartikeln, die sie sorgfältig auswählte, ausschnitt und zusammenstellte. Da damals noch mindestens vier Zeitungen in Basel regelmässig über Bauvorhaben berichteten, ging der Stoff nicht aus. Dazu kam, dass in den Jahren der Hochkonjunktur vieles abgebrochen wurde.

Auch als sie mit ihrem Ehemann nach Kassel übersiedelte, wo er eine Professur übernommen hatte, behielt Annemarie BurckhardtWackernagel ihre Tätigkeiten für den Heimatschutz bei. Diese Arbeit wurde nicht nur hierzulande sehr geschätzt, sondern auch in Deutschland von Denkmalschutzkreisen besonders anerkannt. 1981 wurde ihr der Preis des «Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz» verliehen. Mit dem Denkmalschutzgesetz von 1980 und der Einweisung wertvoller Bausubstanz in Schutz- und Schonzonen wurde die verheerende Abbruchtätigkeit in Basel langsam gebremst. Heimatschutz liest für Sie wurde allmählich zu einem Mitteilungsblatt, wie es heute noch besteht. Annemarie Burckhardt-Wackernagel kehrte mit ihrem Mann nach dessen Emeritierung 1997 wieder nach Basel zurück, wurde Grossrätin für die Grünen und nahm auch wieder aktiv an den Tätigkeiten des Basler Heimatschutzes teil. In den letzten Jahren unterstützte sie unseren Verein, der auf Spenden bekanntlich stets angewiesen ist, auch finanziell. Aber vor allem sei hier an ihre überaus grosszügige Spende an die Restaurierung des Basler Münsters gedacht, die ihre tiefe Verbundenheit und Liebe zu ihrer Vaterstadt aufs Schönste zeigt. Wir empfinden für Annemarie BurckhardtWackernagels Tätigkeit tiefen Dank und werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Basler Heimatschutz, Vorstand

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Vaud Distinction vaudoise du patrimoine Depuis 2007, la section vaudoise de Patrimoine suisse attribue une «Distinction vaudoise du patrimoine». La première distinction a été remise en 2007 à l’«Association pour la restauration des peintures murales du chœur de l’église de Daillens». En 2008, la commune de Renens a reçu la distinction pour la restauration de la salle de spectacles construite en 1952 et restaurée en 1998. Enfin, en 2010, notre section a voulu marquer son centenaire et honorer la restauration du bateau amiral «La Suisse» cen-

tenaire également en 2010, ainsi que l’ensemble de la flotte «Belle époque». Aujourd’hui, parmi les dossiers proposés par les membres du comité, le château de la Roche à Ollon a été retenu pour sa restauration exemplaire avec des moyens limités et part une équipe passionnée et déterminée. Bien que Patrimoine suisse ait primé le château de La Roche en 1989 pour sa sauvegarde, nous voulons relever, aujourd’hui, les efforts considérables fournis par la Fondation et par l’Association du Château de La Roche à Ollon pour sa restauration et pour la nouvelle vie donnée au monument. Denis de Techtermann

→ www.patrimoinesuisse-vd.ch

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SEKTIONEN/SECTIONS

Graubünden

Innerschweiz

Architekturrundgang Bergell

Aufruf der Sektion Uri Der Vorstand der Sektion Uri ist seit geraumer Zeit nicht besetzt. Somit gibt es vor Ort keine Anlaufstelle, welche sich um die dringenden Anliegen des Heimatschutzes im Kanton Uri kümmert. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der zahlreiche Grossprojekte in den Bergregionen geplant und eingegeben werden, ist es uns ein Anliegen, auch im Kanton Uri Kräfte zu mobilisieren. Nebst Uri umfasst der Innerschweizer Heimatschutz noch die

Der Bündner Heimatschutz engagiert sich für einen sorgsamen Umgang mit dem architektonischen Erbe und fördert das Verständnis für die bündnerische Baukultur. Mit diesen Zielen hat der Bündner Heimatschutz die Publikationsreihe «Architekturrundgänge in Graubünden» lanciert. Nach dem «Architekturrundgang Poschiavo Borgo» von 2003 wurde im September 2012 der «Architekturrundgang Bergell» publiziert. Mit den «Architekturrundgängen in Graubünden» hat der Bündner Heimatschutz ein attraktives kulturelles und touristisches Angebot geschaffen. Bauwerke unterschiedlicher Gattung und aus verschiedenen Stilepochen, vom Mittelalter bis in die Gegenwart, werden vorgestellt und in einen (architektur)historischen, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Zusammenhang gestellt. Anhand einer beschränkten Auswahl repräsentativer Objekte erhalten die Leserinnen und Leser einen Überblick über die Architekturgeschichte eines Ortes oder – wie jetzt im Falle des Bergells – einer ganzen Talschaft. Die Reihe erhebt den Anspruch, wissenschaftliche Fundiertheit mit guter Lesbarkeit zu kombinieren. Die «Architekturrundgänge Graubünden» sind kleine, feine Büchlein, die man bequem in die Jackentasche stecken kann, die man aber auch zu Hause in die Bibliothek neben andere Werke der Architektur- und Kunstgeschichte stellt. Der «Architekturrundgang Bergell» erscheint in einer deutschen und in einer italienischen Ausgabe in einer Auflage von je 2000 Exemplaren. In 25 Stationen wird zu unterschiedlichsten Bauwerken von Maloja bis Castasegna geführt. Für den Text verantwortlich zeichnet die Kunsthistorikerin Ludmila Seifert-Uherkovich, die Fotografien stammen von Ralph Feiner. Das Büchlein mit 48 Seiten ist für zwölf Franken erhältlich. →  www.heimatschutz-gr.ch

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Kantone Nidwalden, Obwalden und Luzern. In diesen Kantonen sind es richtigerweise stets Ortsansässige, die sich im Vorstand ihrer Sektion engagieren. Dies garantiert, dass die einheimischen Problemstellungen auch von den dort Ansässigen gelöst werden können. Deshalb unser dringlicher Aufruf an alle, die in Uri wohnhaft und tätig sind: Melden Sie sich bei uns, und setzen Sie sich als Vorstandsmitglied ein für die Anliegen des Heimatschutzes in Ihrem Kanton! Andreas Stäuble, Geschäftsstelle

→ info@innerschweizer-heimatschutz.ch

oder Telefon 041 534 73 48

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Jura

Grand Hôtel International Le 16 août 2012, la juge administrative a déclaré irrecevable le recours déposé par Helvetia Nostra, Patrimoine suisse et sa section locale tendant à déclarer sans suite le permis général octroyé par le canton à la ville de Porrentruy pour la transformation de l’ancien Grand Hôtel International, et à annuler le permis de construire que la Municipalité aurait souhaité pouvoir obtenir en catimini. Un article dans Le Quotidien jurassien met la puce à l’oreille des associations. La Municipalité n’autorise alors pas cellesci à consulter le dossier déposé pourtant publiquement. Patrimoine suisse se tourne alors vers la Section cantonale des permis de construire et obtient enfin l’accès au dossier. Non seulement les craintes des défenseurs du patrimoine exprimées lors du premier passage au tribunal en 2010 se vérifient mais, pire, les maigres acquis dans cette coûteuse procédure ne figurent pas sur les plans de la commune. En effet, la Municipalité n’a nullement tenu compte de deux conditions majeures posées par la Section des permis de construire en 2010. Dans le permis contesté, un tour de passe-passe suffit pour retirer du permis de construire les aménagements à l’est de l’ancien hôtel et les reporter à une procédure ultérieure. Exit donc la rampe d’accès à la salle de spectacle pour les personnes à mobilité réduite sans aucune consultation préalable des milieux associatifs ou institutionnels concernés. La pression politique de la Municipalité est vraisemblablement telle que la Section des permis de construire ne défend que très

mollement sa condition pourtant clairement exprimée de ne pas voir de monoblocs de ventilation apparaître en toiture. En l’espèce, Helvetia Nostra et Patrimoine suisse critiquent vertement le jugement du tribunal de première instance précité. Elles estiment que l’autorité judiciaire omet systématiquement de citer les bases légales cantonales relatives au droit de recours des organisations en renvoyant aux règles applicables pour les particuliers ou à celles d’autres cantons, ou encore fédérales. Dans son jugement, il est parfois constaté que la justice prend les arguments des recourantes à rebours et qu’elle attribue aux associations certains de ses propres propos ou ceux de la Section des permis de construire selon que celles-ci les lui opposent. Helvetia Nostra et Patrimoine suisse comptent apporter d’avantage d’expertise en portant l’affaire devant la Cour administrative du Tribunal cantonal et espère que la justice voudra bien examiner en droit et au fond ce projet calamiteux. Les associations souhaitent également, à défaut de reconnaître qu’elles accomplissent un travail d’intérêt public, que la Municipalité adopte une attitude plus digne à l’avenir. Elles profitent également de rappeler au maître de l’ouvrage que la précipitation en matière de conservation et de restauration du patrimoine historique n’est pas une sage décision. Antoine Voisard, président de la Section jurassienne de Patrimoine suisse

→  www.patrimoinesuisse.ch/jura


SEKTIONEN/SECTIONS

Glarus

Zug

Perlen-Initiative auf neuen Wegen Vertreter des Initiativkomitees – Stadtzuger Einwohnerinnen und Einwohner und der Zuger Heimatschutz – haben Mitte November 2011 die Volksinitiative zum «Erhalt der Perlen in der Stadt Zug» eingereicht. Der Zuger Stadtrat hat im Februar 2012 dem Grossen Gemeinderat GGR beantragt, die Initiative für gültig (in dubio pro populo) zu erklären, diese aber gleichzeitig den Stimmberechtigten zur Ablehnung zu empfehlen. Der GGR hat diesen Antrag nicht gutgeheissen und beauftragte sein Büro, ein externes Rechtsgutachten einzuholen, und zwar bei Prof. Dr. Alain Griffel, Universität Zürich. Das Büro GGR der Stadt Zug schickte das Gutachten von Prof. Dr. Griffel Ende Juni 2012 dem Initiativkomitee in Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Stellungnahme. Wegen der in der Expertise erfolgten Aufteilung in «teilgültige Areale und teilungültige Gebiete» hat das Initiativkomitee nach reiflichen Überlegungen die Perlen-Initiative zurückgezogen. Dazu Auszüge aus der Stellungnahme des Initiativkomitees: «In der Beurteilung der Gültigkeit der Volksinitiative zum ‹Erhalt der Perlen in der Stadt Zug› attestiert Prof. Dr. Griffel, dass die Initiative die Einheit der Materie wahrt und das Erfordernis der Einheit der Form erfüllt, und nimmt ausführlich und nuanciert Stellung zur Frage nach der Planbeständigkeit. Und hier schafft Professor Griffel Klarheit: Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine Änderung der Bau- und Zonenordnung knapp zwei Jahre nach deren Inkrafttreten nicht zulässig. Das heisst aber auch, dass die jüngst von der Stadt mehrfach bewilligten Zonenplanän-

derungen ebenfalls dem Grundsatz der Planbeständigkeit widersprechen müssten. Da für die Areale Oeschwiese und Rötelberg noch die Bau- und Zonenordnung von 1994 gilt, ist nach Professor Griffel die Initiative für diese zwei Perlen gültig und für die Gebiete Meisenberg und Zurlaubenhof ungültig. In der Zwischenzeit hat sich jedoch viel getan. Die Stadt wird den Rötelberg demnächst und später auch die Oeschwiese erwerben. Auf dieser Perle sind eine Strandbaderweiterung und ein Seeuferweg sinnvoll, aber die einzigartige Lage erträgt keine massiven Bauten (Kawamata-‹Häuschen› zugelassen). Allfällige Renovations- und Umbauvorhaben bei der Klinik Meissenberg sollten nicht in Widerspruch zur Perlen-Initiative stehen. Hingegen ist auf dem Initiativweg der integrale Schutz des Zurlaubenhof-Areals nun nicht möglich. Wurden für den Zurlaubenhof bereits bei der letzten grossen Renovation in den 1970er-Jahren zusätzliche Wohnungen zur wirtschaftlichen Sicherung der Gebäude erstellt, so können nicht wieder zusätzliche Bauten für eine erneute Sicherung verlangt werden. Die Befürworter der Perlen-Initiative und der Zuger Heimatschutz hoffen, dass der Gemeinderat bereits im Vorfeld eines möglichen Bebauungsplans die Anliegen der 1119 Zugerinnen und Zuger berücksichtigt. Aufgrund des Gutachtens werden die Initianten der Sache zuliebe neue Wege gehen, um die Ziele der PerlenInitiative zu erreichen und speziell die aussergewöhnlichen Freiräume zu erhalten.» Christine Kamm, Zuger Heimatschutz

→ www.zugerheimatschutz.ch, www.zuger-perlen.ch

80 Jahre Glarner Heimatschutz «Wäre der Glarner Heimatschutz verstaubt und nur rückwärtsgewandt, hätte er mich nicht lange beschäftigt. Die seit je progressive Sektion, die Altes und Neues zwar stets als ungleich, durch den Qualitätsanspruch aber als gleichwertig definierte, hat mich so lange aufgehalten.» So äussert sich Fridolin Beglinger, seit 44 Jahren im Vorstand und seit 17 Jahren Präsident des Glarner Heimatschutzes, im Jubiläumsbericht 80 Jahre Glarner Heimatschutz. Der hohe Qualitätsanspruch, der bereits die Arbeit seiner Vorgänger im Amt des Präsidenten – Hans Leuzinger und Jakob Zweifel – kennzeichnete, ist auch Fridolin Beglinger eigen. Dies zeigt sich auch im dichten Jubiläumsbericht, der eine grosse Themenvielfalt aus den Bereichen Raumplanung, Architektur und Denkmalpflege behandelt.

→ www.heimatschutz-gl.ch

Zürich Generalversammlung 2012 An der Generalversammlung des Zürcher Heimatschutzes vom 6. Oktober 2012 wurde der bisherige Interimspräsident, Thomas M. Müller, zum Präsidenten gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Ulrich Ruoff an, der Mitte des Jahres zurückgetreten ist. Die Generalversammlung fand im Restaurant Krone in Dietikon statt, das unter Tilla Theus nach langjährigem Leerstand 2010 umgebaut und renoviert wurde. Im Anschluss lud die Stadt Dietikon die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Versammlung zum Apéro ein. →  www.heimatschutz-zh.ch

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Solothurn Solothurner Heimatschutzpreis Der 11. Solothurner Heimatschutzpreis wurde am 13. Oktober 2012 im Schloss Wartenfels in Lostorf verliehen. Preisträger ist Prof. Dr. Peter André Bloch aus Olten. Er erhielt den diesjährigen Solothurner Heimatschutzpreis für sein ausserordentliches Engagement für das gebaute Kulturgut, so insbesondere das Schloss Waldegg und das

Schloss Wartenfels. Er verdient die Auszeichnung aber auch für sein Engagement für das kulturelle Leben im Kanton, mit welchem er unsere Heimat (be)greifbar macht; dies nicht nur durch sein Wirken als Wissenschaftler, sondern auch mit seiner Arbeit im Bereich der Geschichts- und Kulturvermittlung, so zum Beispiel als Herausgeber der «Oltner Neujahrsblätter». Die Laudatio wurde von Cäsar Eberlin, Chef Kantonales Amt für Kultur und Sport, gehalten. →  www.heimatschutz-so.ch

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Denis de Techtermann

VON MENSCHEN UND HÄUSERN/DES MAISONS ET DES HOMMES

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Le Manoir de Lanthen-Heid dit «l’Ancienne Forge» à Belfaux

En visite chez les Berset Ce printemps, notre président Philippe Biéler, accompagné de la vice-présidente Ruth Gisi et du secrétaire général Adrian Schmid, a eu un entretien avec le conseiller fédéral Alain Berset pour parler de la protection du patrimoine, de nos attentes vis-à-vis de la Confédération et des projets de Patrimoine suisse. Dans ce cadre, le conseiller fédéral a évoqué avec enthousiasme son enfance à Belfaux et sa participation personnelle à la restauration de la maison historique de ses parents dans laquelle il vit aujourd’hui encore avec sa famille. Nous saisissons cette occasion pour reprendre l’article paru en septembre 2009 dans le bulletin A Suivre de notre section vaudoise. Denis de Techtermann, président de la section vaudoise

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econnu comme l’un des manoirs gothiques les mieux conservés du canton, il semble avoir été construit à l’emplacement d’un premier édifice, propriété des seigneurs de Montagny au XIVe siècle. Le manoir actuel, construit au milieu du XVIe siècle, fut agrandi vers 1567 par son propriétaire, l’avoyer Jean de Lanthen-Heid (1527– 1609), une des grandes figures de Fribourg à cette époque. A vocation artisanale et représentative, ce manoir est le dernier témoin d’une époque où les patriciens de Fribourg étaient encore des marchands et des artisans, avant de se consacrer à la gestion de leurs importants domaines agricoles qui entouraient leurs châteaux ou maisons de campagne, après l’abandon de la fabrication du drap et d’autres industries.

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Avec sa cage d’escaliers rehaussée de peintures murales à caractère moralisant, cette demeure est l’une des premières à renoncer à la tour d’escalier polygonale extérieure, une typologie qui ne disparaîtra du canton de Fribourg que dans les années 1680. Un patrimoine de valeur historique, architecturale et artistique Le manoir fut acquis par la famille Berset en 1959 sur un coup de tête du père de Michel Berset, maréchal-ferrant, lors de la mise publique organisée par la commune pour se défaire de cette bâtisse en très mauvais état. Il aura fallu une vingtaine d’années de travail, de courage et de persévérance à la famille Berset pour effectuer cette magnifique remise en valeur. Les générations successives se sont relayées pour effectuer, elles-mêmes, une

restauration dans les règles de l’art avec l’appui du Service des biens culturels du Canton de Fribourg, toujours présent pour guider et conseiller ces restaurateurs en herbe. Le grand salon a la particularité d’être orné de peintures en grisaille (monochrome gris sur fond de mur blanc). L’enchâssement des poutres du plafond est souligné par une large bande rouge, agrémentée de corbeilles de fruits en grisaille. Pour dégager ces décors, il a fallu gratter un crépi de deux à trois centimètres d’épaisseur appliqué dans le courant du XIXe siècle, selon toute vraisemblance. Ces peintures ont été rénovées par Josef Jelenis, restaurateur d’art zurichois. Le plancher de cette même pièce a été parallèlement reconstitué, à l’identique, dans son entier, en bois de chêne et de sapin.


VON MENSCHEN UND HÄUSERN/DES MAISONS ET DES HOMMES

Das Manoir de Lanthen-Heid in Belfaux

1 Le Manoir de Lanthen-Heid dit «l’Ancienne Forge» à Belfaux Das Manoir de Lanthen-Heid, auch «alte Schmiede» genannt, in Belfaux 2 La cage d’escalier date de 1527 Das Treppenhaus von 1527 3 Le grand salon avec ses décors peints Der grosse Salon mit seinen Wandmalereien

Quant aux différentes portes, elles sont le plus souvent agrémentées de frises sur lesquelles on distingue encore quelques traces de couleur rouge. Les travaux relatifs au bâtiment ont été achevés en 1995, avec la restauration de la magnifique cage d’escalier citée plus haut. Les aménagements extérieurs ont aussi fait l’objet d’une remise en état mettant en valeur les travaux de restauration du manoir. Nos membres, qui ont suivi le récit de Monsieur et Madame Michel Berset avec la plus grande attention, ont été impressionnés par la qualité du travail et par l’engagement d’une famille entière pour la sauvegarde, la restauration et la conservation d’un patrimoine fribourgeois d’une très grande valeur historique, architecturale et artistique.

Denis de Techtermann

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Diesen Frühling war Heimatschutzpräsident Philippe Biéler zusammen mit Vizepräsidentin Ruth Gisi und dem Geschäftsleiter Adrian Schmid zu Besuch bei Bundesrat Alain Berset. Im Rahmen des Gesprächs berichtete der Bundesrat von seiner Kindheit in Belfaux und seiner Mitarbeit an der Restaurierung des historischen Gebäudes, in dem er heute noch mit seiner Familie lebt. Wir nehmen dies zum Anlass, einen Artikel zu publizieren, der im September 2009 im Mitteilungsblatt A Suivre der Waadtländer Sektion erschienen ist. Das Manoir de Lanthen-Heid ist seit über 60 Jahren im Besitz der Familie Berset. Michel Berset, der Grossvater von Bundesrat Alain Berset, kaufte das Gebäude 1959. Die Familie hat das Gebäude während rund 20 Jahren renoviert und kümmert sich seither um dessen sorgfältigen Unterhalt. Das Manoir de Lanthen-Heid gilt als einer der besterhaltenen gotischen Landsitze des Kantons. Es wurde offenbar als Ersatz für ein älteres Gebäude aus dem 14. Jahrhundert erbaut, das den Herren von Montagny gehörte. Der heutige Bau, der aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt, wurde rund um 1567 von seinem Eigentümer, dem Schultheiss Jean de Lanthen-Heid (1527–1609), erweitert, der zu den einflussreichsten Freiburger Persönlichkeiten der damaligen Zeit gehörte. Der auch als «alte Schmiede» bekannte Bau beeindruckt unter anderem durch ein Treppenhaus, das mit moralisierenden Wandmalereien geschmückt ist. Damit war er einer der ersten Landsitze, die auf den polygonalen äusseren Treppenturm verzichteten – eine Typologie, die im Kanton Freiburg erst rund um 1680 verschwand. Das Haus, das im Laufe der Jahre in den Besitz der Gemeinde Belfaux gekommen war, befand sich Mitte des letzten Jahrhunderts in einem desolaten Zustand. Die Gemeinde wollte es deshalb loswerden und brachte es 1959 zur Versteigerung, wo es der Vater von Michel Berset – ein Hufschmied – aus einer Laune heraus kaufte. In der Folge haben mehrere Generationen der Familie die Restaurationsarbeiten nach allen Regeln der Kunst selbst vorgenommen, unterstützt durch das Freiburger Amt für Kulturgüter, das ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand. Um die Grau-in-Grau-Malereien (Grisaille) an den Wänden des grossen Salons – eine Besonderheit – und die auffallenden Einfassungen der Deckenbalken wieder zum Vorschein zu bringen, musste ein zwei bis drei Zentimeter dicker Verputz weggekratzt werden, der aller Wahrscheinlichkeit nach im 19. Jahrhundert aufgetragen wurde. Der Zürcher Restaurator Josef Jelenis sorgte dafür, dass die Malereien heute wieder im früheren Glanz erstrahlen. Die Arbeiten am Gebäude wurden 1995 fertiggestellt, einschliesslich der Restaurierung des Treppenhauses. Aber auch die Aussenanlagen wurden saniert, wodurch die Restaurationsarbeiten am Landsitz noch besser zur Geltung kommen.

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BÜCHER/LIVRES

Glacier du Rhône

Bilder erklären Ina Hirschbiel Schmid (Hg.): Landschaften. Eine Architekturtheorie in Bildern von René Furer Edition Hochparterre, Zürich 2012. 320 S., CHF 48.–

Diese Publikation ist ebenso eigen- wie einzigartig. So beschreiten wir den umgekehrten Weg und erteilen dem Autor René Furer gleich selbst das Wort: «Die Bilder und Pläne sind die wesentlichen Mitteilungen, und die Worte werden eher zur Illustration.» Auf gut dreihundert Seiten nimmt Ina Hirschbiel Schmid den Lesenden – oder eben den Sehenden – mit auf eine Reise in die Welt des Architekturtheoretikers René Furrer, der mit

seinen reich bebilderten Vorlesungen an der ETH Zürich bei Generationen von Studierenden nachhaltige Spuren hinterliess; entsprechend lang und prominent ist die Liste der Gratulanten, die sich mit Erlebnisberichten aus den Hörsälen eingebracht haben. Dieses Buch ist aber weit mehr als eine Hommage: Es ist eine Rückblende auf eine Zeit der Bildkomposition als Erklärungsmedium. So erstaunt es kaum, dass die Architektengruppe Archigram einen prominenten Platz in der Publikation erhalten hat – als René Furers Collage der Collage. Patrick Schoeck-Ritschard

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Basler Gartenkultur

Mit Theo in Bern

Brigitte Frei-Heitz, Anne Nagel: Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts in Basel und Umgebung Gartenwege der Schweiz 1. Verlag hier+jetzt, Baden 2012. 88 S., CHF 19.–

Magdalena Schindler, Catherine Louis: Papierhäuser: Mit Theo in Bern Streifzug eines Katers durch Bauten und Geschichten der Stadt. GSK Bern, 2012, CHF 33.–

Fast wie ein Reiseführer kommt dieses handliche Büchlein daher: Neun sehenswerte Landschaftsgärten in der Stadt Basel und ihrer näheren Umgebung werden mit reichhaltigem Bildmaterial, Plänen, Routenvorschlägen und einem praktischen Serviceteil vorgestellt. Das nötige Basiswissen zur Landschaftsarchitektur im Basel des 19. Jahrhunderts liefern die beiden Autorinnen auf prägnanten 15 Seiten gleich mit. Auch wenn die Anlagen in den kalten Wintermonaten nicht ihre volle Pracht entfalten, lohnt es sich, mit diesem Bändchen in der Tasche auf Erkundungstour zu gehen und en passant zahlreiche versteckte Details zu entdecken. Wir warten gespannt auf eine Fortsetzung dieser neuen Buchreihe der Arbeitsgruppe Gartendenkmalpflege von ICOMOS Schweiz. Patrick Schoeck-Ritschard

42  Heimatschutz/Patrimoine  4 | 2012

Wie begeistere ich meine Kinder für die Schätze der Baukultur? Ganz einfach: Ich folge dem sympathischen Kater Theo auf seinem Streifzug durch Bern. Er zeigt uns 40 Stationen, erzählt von Bären und Forellen, von gotischem Masswerk, dem «jüngsten Gericht» oder dem Chindlifresser. Theo bewundert all die schönen alten Bauten aus graugrünem Sandstein und ermutigt uns, die bröslige Oberfläche mit der Hand zu spüren. Kunstvoll illustriert, sorgfältig recherchiert und liebevoll geschrieben erfreut die Publikation die Herzen der Grossen. Ihnen dient sie als exzellenter Begleiter für eine Erkundungstour mit den Kleinen. Wieder daheim, hält das ausklappbare, drei Meter lange Panoramabild die Erlebnisse wach. Ein vielversprechender Start einer neuen Buchreihe. Karin Artho

Mark Andreas Seiler: Ein Gletscher – ein Hotel – eine Familie. Horizonte einer Walliser Hoteliersdynastie. Rotten-Verlag, Visp 2012, 446 S., CHF 179.–

Aussergewöhnlich ist an diesem Buch nicht nur die Fülle an Geschichten, Informationen und Bildern, aussergewöhnlich ist auch das Format: Das prächtige Werk wiegt über sechs Kilogramm und breitet sich auf über 400 Seiten im Format A3 aus. Die Geschichte des in den 1830er-Jahren in Gletsch, am Fusse des Rhonegletschers, erbauten Hotels «Glacier du Rhône» steht im Mittelpunkt des Bandes. Sie ist eng verknüpft mit der Geschichte der Familie Seiler, die unter Alexander Seiler und seinen Nachkommen mit ihrem Hotelimperium den Tourismus in der Schweiz wesentlich geprägt hat. Anhand von akribisch gesammelten Berichten, historischen Aufnahmen, Gästebucheinträgen und gar Speisekarten werden das Walliser Hotelimperium und die Hoteliersdynastie in all ihrer Vielfalt vorgestellt. Es entspannt sich ein Bogen vom Pioniergeist zu Beginn des alpinen Tourismus über den Glanz seiner Hochblüte bis zum unabweichbaren Ende, als die Besitzerfamilie Seiler 1984 den Hotelbetrieb aufgeben musste. Besonders eindrücklich sind die umfangreichen Darstellungen des Rhonegletschers durch die Jahrhunderte, die den dramatischen Rückgang der Eismassen deutlich machen. Und die Fotografien der Innenräume des Hotels, die kurz vor dem Rückzug der Familie aus Gletsch gemacht wurden, lassen einen im Glanz (noch nicht allzu lange) vergangener Zeiten schwelgen. Der Autor Mark Andreas Seiler ist einer der Urenkel von Alexander Seiler. Ihm liegt viel daran, die Gründe für den Rückzug der Familie Seiler aus Gletsch darzulegen und das beeindruckende Engagement und den Pioniergeist seiner Vorfahren zu beschreiben. Dafür hat er keinen Aufwand gescheut. Jedes Detail erhält seinen wohlverdienten Platz. Diese Fülle mag einen etwas überfordern – dringt man aber tiefer in einzelne Abschnitte des opulenten Buches ein, offenbaren sich einzigartige Einblicke in die Tourismusgeschichte der Schweiz. Peter Egli


BÜCHER/LIVRES

Herrenhäuser in Schwyz

Wohnen in den Alpen

Le Corbusier et la Suisse

Mirko Beetschen, Stéphane Houlmann (Hg.): Bergwärts. Zeitgemäss wohnen in den Schweizer Alpen DVA, München, 2012, 208 S., CHF 66.90

Catherine Courtiau: Le Corbusier. Formation, projets et constructions en Suisse Guides d’art et d’histoire de la suisse, Société d’histoire de l’art en Suisse, Berne 2012, 80 p., CHF 16.–

Ein wahrlich opulentes Buch ist den stolzen Herrenhäusern in Schwyz gewidmet: Auf 272 ansprechend gestalteten Seiten finden Beiträge von 16 Autoren und einer Autorin aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen und formen ein Übersichtswerk, das diesem baukulturellen Herzstück im Kantonhauptort die Reverenz erweist. Eines wird bei der Lektüre und der Betrachtung des wertvollen Bildmaterials deutlich: Die Herrenhäuser von Schwyz bilden ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Innenräumen, Möbeln, Aussenfassaden und den Gartenanlagen und Grünflächen rund um die Gebäude. Nur so lässt sich das Herrschaftsund Wirtschaftssystem dieser einflussreichen Familien verstehen, die zwar ihr Vermögen mit Söldnern im Ausland gemacht und dort ihren Geschmack geschärft haben, aber zugleich fest mit ihrem Haus, dem Grund und Boden und seiner Bewirtschaftung verbunden geblieben sind. Nun ist dieses Wissen in einem umfassenden Buch vereint. Wir hoffen, dass diese Publikation zur Sensibilisierung für diese einzigartigen Ensembles beiträgt – gerade jetzt, wo die Neubauten in der Gartenanlage des Palais Friedberg zeigen, was Verdichtung in diesem sensiblen Kontext bewirkt.

Das Buch Bergwärts. Zeitgemäss wohnen in den Schweizer Alpen verfolgt das ambitionierte Ziel, an 15 ausgewählten Beispielen einen «neuen Alpenstil» zu zeigen. Die Vielfalt der vorgestellten Objekte reicht von einem zur Ferienwohnung umgenutzten Steinstall im abgelegenen Val Ravona im Tessin über das Berghotel Bellevue des Alpes auf der Kleinen Scheidegg bis hin zum Flachdachhaus aus den 1970er-Jahren am Waldrand in Wettswil nahe Zürich. Der einleitende Text umreisst die Faszination der Bergwelt ausgehend von der touristischen Erschliessung der Alpenregion in der Romantik bis heute, wo die Schweizer Bergwelt der vorwiegend urbanen Bevölkerung als Erholungsgebiet dient, und greift aktuelle Diskussionspunkte wie die Zersiedelung des Mittellandes, die Umnutzung bestehender Bausubstanz und die Frage nach dem Ortsbildschutz auf. Reich bebilderte Beiträge beschreiben die ausgewählten Objekte. Dabei stehen oft deren Bewohnerinnen und Bewohner und das Innenleben ihrer individuellen Wohnträume im Zentrum. Das Buch lädt zwar zum Blättern und Schmöckern ein, leistet jedoch leider nur einen kleinen Beitrag zu den eingangs eröffneten Problemfeldern.

La Société d’histoire de l’art en Suisse (SHAS) a publié sur mandat de l’Office fédéral de la culture un guide sur l’œuvre de Le Corbusier. L’ouvrage éclaire les relations du grand architecte avec son pays d’origine, la Suisse, et sa ville natale, La Chaux-defonds. L’auteure Catherine Courtiau y décrit les trois œuvres charnières se trouvant sur territoire suisse: la Maison blanche à La Chaux-de-Fonds, la Villa «Le Lac» à Corseaux près de Vevey et l’immeuble d’habitation Clarté à Genève. L’ouvrage retrace également les expériences d’enseignant de Le Corbusier ainsi que ses activités de concepteur de meubles et peintre. Il donne un éclairage intéressant des projets non réalisés de Le Corbusier (le Palais de la Société des Nations à Genève) et des relations de Le Corbusier avec Zurich, en particulier l’inauguration en 1967 (deux ans après sa disparition) du Pavillon de la Maison de l’Homme. Malgré son petit format, ce guide minutieusement documenté et richement illustré contient une mine d’informations. Sa lecture est indispensable à toute personne désireuse d’en savoir plus sur les réalisations d’un des plus grands architectes suisses dans son pays d’origine.

Patrick Schoeck-Ritschard

Lorenz Hubacher

Peter Egli

Markus Bamert und Markus Riek (Hg.): Herrenhäuser in Schwyz Benteli Verlag, Bern 2012. 272 S., CHF 98.–

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Goetheanumhügel Jolanthe Kugler (Hg.): Architekturführer Goetheanumhügel. Die Dornacher Anthroposophen-Kolonie Niggli, Sulgen, 2011, 212 S., CHF 42.–

Das Goetheanum auf dem Hügel über Dornach zählt zu den bekanntesten und meist diskutierten Gebäuden im Baselbiet. Mit dem Bau des ersten Goetheanums und seinen Nebengebäuden legte Rudolf Steiner 1913 allerdings auch den Grundstein für die seither entstandene Anthroposophen-Kolonie. Das von Jolanthe Kugler herausgegebene Buch ist der erstmalige Versuch, deren organisch-expressiv geprägte Architektur in seiner Gesamtheit zu erfassen. Entstanden ist ein Inventar der Bauten auf dem

Goetheanumhügel, ergänzt mit vier Aufsätzen, welche die Entstehung der Kolonie in einen architektur- und zeitgeschichtlichen Kontext einbetten. Vier Spaziergänge führen zu den wichtigsten, einzeln beschriebenen Gebäuden. Der umfassende Architekturführer ist ein wertvoller Beitrag zur einzigartigen Ansammlung anthroposophischer Bauten und lehrt uns, gängige Muster, wie den Einsatz von rechten Winkeln, infrage zu stellen. Lorenz Hubacher

4 | 2012  Heimatschutz/Patrimoine  43


LEA, LUC & MIRO

En Suisse, le plus court chemin qui relie le nord et le sud passe par le col du Gothard. Les muletiers du Moyen Age utilisaient déjà cette voie pour transporter du sel et du vin. A l’époque, le passage était étroit et dangereux. Lorsque la première route fut construite, il y a environ 200 ans, les diligences permettaient enfin de gagner «confortablement» Milan depuis Lucerne en 28 heures. En 1882, grâce aux chemins de fer à vapeur et au nouveau tunnel, le trajet se réduisit à une dizaine d’heures. Aujourd’hui, il n’en dure plus que quatre. En 2016, le nouveau tunnel ferroviaire de base devrait être achevé. Avec ses 57 km, ce sera le plus long du monde!

Konzept/Conception: Karin Artho, Gabi Berüter / Illustration/Graphisme: Gabi Berüter

In der Schweiz führt der kürzeste Weg von Nord nach Süd über den Gotthardpass. Schon im Mittelalter beförderten die Säumer auf dieser Route Salz und Wein. Damals war der Übergang schmal und gefährlich. Als vor rund 200 Jahren die erste Strasse entstand, gelangte man mit der Postkutsche endlich «bequem» in 28 Stunden von Luzern nach Mailand. 1882 verkürzte sich die Reise dank der dampf betriebenen Eisenbahn und dem neuen Tunnel auf zehn Stunden. Heute dauert es vier Stunden. Im Jahr 2016 soll der neue Eisenbahn-Basistunnel fertig sein: Er wird mit 57 km Länge der längste der Welt sein!

Mitmachen und gewinnen!

Participe et gagne!

Lea, Luc und Miro sind vom Urnerland ins Tessin gereist. Alle auf einem anderen Weg. Finde anhand ihrer Aussagen heraus, wie sie unterwegs waren. Schicke uns die Antwortkarte (nebenan) oder eine E-Mail an info@heimatschutz.ch mit dem Vermerk «Lea, Luc und Miro» bis zum 15. Januar 2013. Vergiss nicht, dein Geburtsjahr und den Absender zu notieren. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir einen Preis.

Lea, Luc et Miro sont allés du pays d’Uri au Tessin, chacun par un autre chemin. Sur la base de leurs commentaires, détermine qui a emprunté quel itinéraire. Envoie-nous jusqu’au 15 janvier 2013 le talon-réponse ci-contre ou un courriel à l’adresse info@patrimoinesuisse.ch, avec la mention «Lea, Luc et Miro». N’oublie pas d’indiquer ton année de naissance et le nom de l’expéditeur. Parmi les participant-e-s qui auront donné la bonne réponse, celui ou celle qui sera tiré-e au sort recevra un prix.

→ Alle bisherigen «Lea, Luc & Miro»-Seiten unter www.heimatschutz.ch/lealucmiro

→ Toutes les pages «Lea, Luc & Miro» précédentes se trouvent sur

44  Heimatschutz/Patrimoine  4 | 2012

www.patrimoinesuisse.ch/lealucmiro


Bestellung: Schoggitaler-Geschenkpackungen Commande: Ecus d’or en paquets-cadeaux 2012: Historische Räume 2012: Intérieurs d’époque GESCHÄFTSSTELLE/SECRÉTARIAT Schweizer Heimatschutz/Patrimoine suisse Postfach 1122, 8032 Zürich Domizil/Siège: Seefeldstrasse 5a, 8008 Zürich T 044 254 57 00, F 044 252 28 70 info@heimatschutz.ch, www.heimatschutz.ch, info@patrimoinesuisse.ch, www.patrimoinesuisse.ch Geschäftsleiter/Secrétaire général: Adrian Schmid ZENTRALVORSTAND/COMITÉ CENTRAL Geschäftsausschuss/Bureau Präsident/Président: Philippe Biéler, rue du Village 24, 1613 Maracon T 021 907 82 52 philippe.bieler@patrimoinesuisse.ch Vizepräsident(in)/Vice-président(e): Ruth Gisi, Hochwald SO Severin Lenel, St. Gallen Übrige Mitglieder/Autres membres: Christian Bischoff, Genève Denise Lüthy, Bonstetten ZH Daniela Saxer, Zürich Geschäftsstellen/Secrétariats Sektionspräsidenten/Présidents de section Aargauer Heimatschutz Präsident: Ruedi Weber, Gipf-Oberfrick Geschäftsstelle: Henri Leuzinger, Kapuzinergasse 18, Postfach 358, 4310 Rheinfelden, G 061 831 70 05, P 061 831 69 67 Heimatschutz Appenzell A.-Rh. Präsident: Heinz Naef, Ober Bendlehn 20, 9042 Speicher, G 071 344 26 44 Heimatschutz Basel Präsident: Robert Schiess, Basel Geschäftsstelle: Paul Dillitz, Hardstrasse 45, Postfach, 4020 Basel, G 061 283 04 60 Baselbieter Heimatschutz Präsident: Markus Jermann, Schlossgasse 2, 4222 Zwingen, G 061 761 38 69, F 061 761 42 38, P 061 761 35 10 Berner Heimatschutz Präsidentin: Dorothée Schindler, Bern Geschäftsstelle: Kramgasse 12, 3011 Bern, G 031 311 38 88, F 031 311 38 89 Bündner Heimatschutz Präsidentin: Inge Beckel, 7413 Fürstenaubruck Geschäftsstelle: Ludmila Seifert-Uherkovich, Lürlibadstrasse 39, 7000 Chur, G 081 250 75 72 Proteziun da la patria d’Engiadina Präsident: Andreas Weisstanner, Via Suot Crasta 38, 7505 Celerina/Schlarigna, P 081 833 81 78, M 076 328 66 88 Patrimoine suisse, section Fribourg Président: Pierre Heegaard, Stalden 20, 1700 Fribourg, B 032 654 91 26, F 032 654 91 08, P 026 322 61 36 Patrimoine suisse, section Genève Président: Robert Cramer, Genève Secrétariat: ruelle du Midi 10, case postale 3660, 1211 Genève 3, B 022 786 70 50, F 022 786 78 07 Glarner Heimatschutz Präsident: Fridolin Beglinger, Oberrütelistrasse 19, 8753 Mollis, G 055 612 22 00, F 055 612 45 36 Patrimoine Gruyère-Veveyse Président: Jean-Pierre Galley, Au village, 1669 Lessoc Secrétariat: Denis Buchs, case postale 161, 1630 Bulle 1, B 026 916 10 10 Innerschweizer Heimatschutz Präsident: Sepp Rothenfluh, Murbacherstrasse 25, 6003 Luzern, G 041 210 87 80 Geschäftsstelle: Andreas Stäuble, Schirmertorweg 6, 6004 Luzern Patrimoine suisse, section Jura Président: Antoine Voisard, Porrentruy Administrateur: Georges Daucourt, CP 2202, 2800 Delémont 2, T/F 032 422 73 89 Patrimoine suisse, section neuchâteloise Présidente: Silvia Rohner, rue de la Côte 64, 2000 Neuchâtel, B 032 724 09 33 Oberwalliser Heimatschutz Präsident: Giuseppe Curcio, Terbinerstrasse 11, 3930 Visp, T 027 946 02 83

Schaffhauser Heimatschutz Präsident: Caro Stemmler, Zum gelben Haus, Stadthausgasse 21, 8200 Schaffhausen, G 052 624 52 20, P/F 044 836 67 45 Schwyzer Heimatschutz Präsident: Walter Eigel, Zwygarten 11, 6415 Arth, P 041 855 51 66 Solothurner Heimatschutz Präsident: Philipp Gressly, Solothurn Geschäftsstelle: Tanja Baumberger, Ravellenweg 12, 4702 Oensingen, G 032 622 12 26 Heimatschutz St. Gallen/Appenzell I.-Rh. Präsident: Andreas Jung, Rebstein Geschäftsstelle: Natalia Bezzola Rausch, Davidstrasse 40, Postfach 931, 9001 St. Gallen, G/F 071 222 07 20 Thurgauer Heimatschutz Präsident: Uwe Moor, Oberhofen bei Kreuzlingen Geschäftsstelle: Gianni Christen, altes SBB-Stellwerk Weinfelden, Schützenstrasse 28, Postfach 299, 8570 Weinfelden, G 071 620 05 10 Società ticinese per l’arte e la natura (STAN) Presidente: Antonio Pisoni, Ascona STAN: Via Borghese 42, CP 1146, 6601 Locarno, U 091 751 16 25, F 091 751 68 79 Patrimoine suisse, section Valais romand Président: Rafael Matos, rue de la Lombardie 10, 1950 Sion, B 027 455 59 61 Patrimoine suisse, section vaudoise Président: Denis de Techtermann, Morges Secrétariat: chemin des Bulesses 154, 1814 La Tour-de-Peilz, B 021 944 15 20, F 021 944 15 89 Zuger Heimatschutz Präsident: Dr. Alex Briner, Cham Geschäftsstelle: Postfach 4641, 6304 Zug, G 041 711 13 18, F 041 711 13 19 Zürcher Heimatschutz Präsident: Thomas M. Müller, Zürich Geschäftsstelle: Adriano von Arx, Eichstrasse 29, 8045 Zürich, G 044 340 03 03, F 044 340 03 35 Fachberater/Conseillers Anfragen über die Geschäftsstelle des Schweizer Heimatschutzes/Consulter le secrétariat de Patrimoine suisse Bauberatungskommission/Commission technique: Christoph Schläppi, Bern (Präsident) Christian Bischoff, Genève Monique Keller, Zürich Hansjörg Stalder, Basel Patricia Schibli, Wettingen

IMPRESSUM 4/2012: 107. Jahrgang/107e année Herausgeber/Editeur: Schweizer Heimatschutz/Patrimoine suisse Redaktion/Rédaction: Peter Egli (Leitung) Elisabeth Kopp-Demougeot (traductions) Irène Bisang (Übersetzungen) Redaktionskommission/Commission de rédaction: Gerold Kunz (Vorsitz), Architekt ETH Peter Egli, Architekt FH/Redaktor Adrian Schmid, Geschäftsleiter Christian Bischoff, architecte Ivo Bösch, Architekt ETH/Redaktor Druck/Impression: Stämpfli Publikationen AG, 3001 Bern

Prof. Dr. Georg Mörsch Dr. Samuel Rutishauser und Gerold Kunz (Denkmalpflege)

EHRENMITGLIEDER/MEMBRES D’HONNEUR Marco Badilatti, Denis Blondel, Jaques Bonnard, Ronald Grisard, Dr. Theo Hunziker, Dr. Caspar Hürlimann, Dr. iur. Bruno A. Kläusli, Beate Schnitter, Dr. phil. Rose-Claire Schüle, Dr. Andrea Schuler, Robert Steiner, Hans Weiss

Preise exkl. Porto und Verpackung. Lieferfrist: bis ca. 10 Tage. Aktion gültig bis 31. 12. 12. Port et emballage exclus. Délai de livraison: 10 jous environ. L’action se déroule jusqu’au 31. 12. 12.

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Erscheint/Parution: vierteljährlich/trimestrielle

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Auflage/Tirage: 18 000 Ex. Adresse: Redaktion «Heimatschutz/Patrimoine», Postfach 1122, 8032 Zürich, T 044 254 57 00, F 044 252 28 70, redaktion@heimatschutz.ch, redaction@patrimoinesuisse.ch ISSN 0017-9817

Nächstes Heftthema: Cafés und Tea-Rooms Redaktionsschluss: 7. Januar 2013 Thème du prochain numéro: Cafés et tea-rooms Délai rédactionnel: 7 janvier 2013

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Lic. iur. Lukas Bühlmann (Schweiz. Vereinigung für Landesplanung, Association suisse pour l’aménagement national) TALERVERKAUF/VENTE DE L’ÉCU D’OR Talerverkauf für Heimat- und Naturschutz Vente de l’Ecu d’or Postfach, 8032 Zürich Domizil/Siège: Seefeldstrasse 5a, 8008 Zürich G 044 262 30 86, F 044 252 28 70 info@schoggitaler.ch, www.schoggitaler.ch, www.ecudor.ch, www.tallero.ch PC 80-4943-5 Leiterin Talerbüro: Iris Strebel

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Rechtsdienst/Service juridique: Lic. iur. Rudolf Muggli, Bern Öffentlichkeitsvertreter/ Représentants des milieux officiels Dr. Raimund Rodewald (Stiftung Landschaftsschutz Schweiz/Fondation suisse pour la protection et l’aménagement du paysage)

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Heimatschutz/Patrimoine, 4-2012  

Die Zeitschrift "Heimatschutz/Patrimoine" wird viermal jährlich vom Schweizer Heimatschutz herausgegeben. Sie richtet sich an Mitglieder des...

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