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Heimatschutz Patrimoine

Farbe am Bau Couleur et architecture

Schweizer heimatschutz patrimoine suisse Heimatschutz svizzera protecziun da la patria

4 2009


Inhalt

Editorial

FORUM

Farbe am Bau 2 10 14 16 18

Stefanie Wettstein, Lino Sibillano

Farbgestaltung als Mehrwert Jean-Pierre Lewerer

Die Farbigkeit und Pracht vergangener Tage Eric Teysseire

Keine Frage des Geschmacks Ueli Fritz

Perlweiss, Samtweiss, Federweiss Peter Kaschnig

Das Experiment «Haus Blau»

20 Frisch gestrichen 24 Kampagne «Aufschwung» SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ 29 31 32 34 35

Ferien im Baudenkmal erweitert Angebot Kontinuität dringend notwendig Neubau auf der Insel Ufnau Zum neuen Raumentwicklungsgesetz Seilbahn Weissenstein

38 Von Menschen und Häusern

Sommaire FORUM

Couleur et architecture 5 7 12 17 19

Welche Farbe soll man für sein Haus wählen? Apfelgrün, ein leuchtendes Rot oder doch ein helles Beige? Die Farbpalette für Fassaden ist grenzenlos. Die Fantasie der Bauherrschaft, der Architektinnen und Maler ebenso. Alles ist möglich – jedenfalls technisch. Ein Blick in die Geschichte der Farbherstellung und -anwendung macht klar, dass die Farbwahl wenig mit Zufall und persönlichen Vorlieben zu tun hat. Sie wird von einer Reihe von Grundsätzen bestimmt. Und man stellt fest, auch Grau ist eine Farbe! Bereits 1925 wies der Architekt Heinrich Tessenow darauf hin, dass die Farbe als Gestaltungsmittel «ungefähr die gleiche Kraft, die gleiche Bedeutung, gleiche Geltung oder Wichtigkeit wie die Form» habe. Die Wahl der Farbe hat also in der Architektur eine grosse Bedeutung. Entsprechende Sensibilität und Fachwissen sind gefragt. Dies dokumentiert die vorliegende Ausgabe. Und wir gratulieren: Vier Jahre nach dem Schweizer Heimatschutz wurde 1909 der Schweizer Naturschutzbund, heute Pro Natura, gegründet. Unser Präsident, Philippe Biéler, weist in seiner Kolumne auf den gemeinsamen «Schoggitaler» hin. Ein Erfolg für Baukultur und Natur. Adrian Schmid, Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz

Stefanie Wettstein, Lino Sibillano

L’art de construire en couleur Jean-Pierre Lewerer

Les couleurs d’origine recréent la splendeur du passé

Même le gris est une couleur

Eric Teysseire

Quelle tonalité choisir pour sa maison? Vert pomme? Rouge écarlate? Beige clair? La palette des couleurs au choix pour peindre une façade est illimitée. Maîtres d’ouvrage, architectes et peintres peuvent laisser libre cours à leur imagination car tout est possible – techniquement parlant. L’histoire de la fabrication et de l’application des couleurs nous enseigne que leur choix doit très peu au hasard ou aux préférences personnelles. Il est guidé par une série de principes. D’où ce constat: même le gris est une couleur! En 1925 déjà, l’architecte Heinrich Tessenow disait que la couleur est au service de la conception architecturale et «qu’elle a pour ainsi dire la même force, la même importance, la même valeur ou la même portée que la forme». Le choix des couleurs relève donc d’une grande importance. Une bonne sensibilité et un savoir spécialisé sont indispensables. Ce numéro de notre revue vous le démontre. Toutes nos félicitations à Pro Natura, ex-Ligue suisse de la protection de la nature, créée quatre ans après Patrimoine suisse, et qui fête son centième anniversaire! Dans son billet, notre président Philippe Biéler rappelle le partenariat qui nous lie à Pro Natura dans le cadre de l’Ecu d’or. Une action réussie en faveur du patrimoine et de la culture.

Ce n’est pas qu’une question de goût Ueli Fritz

Blanc cassé, écru, perle, satiné, mat … Peter Kaschnig

L’expérience «Haus Blau»

21 Peinture fraîche 22 Campagne «L’envol» PATRIMOINE SUISSE 28 30 34 35

Auch Grau ist eine Farbe

Vacances au cœur du Patrimoine Renforcer la conservation des monuments historiques Projet de loi sur le développement territorial Télésiège du Weissenstein

39 Des maisons et des hommes Titelseite: Wohnhaus in Horgen und Haupthalle des Bundeshauses in Bern. (Bilder Renzo Bader Architekten; BBL/Alexander Gempeler) Page de couverture: Maison d‘habitation à Horgen et hall principal du Palais fédéral à Berne. (photos Renzo Bader Architekten; OFCL/Alexander Gempeler)

Adrian Schmid, secrétaire général de Patrimoine suisse


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Farbe ist mehr als eine Frage von Gefühl, Intuition und Lust

Farbgestaltung als Mehrwert Differenzierte Farbkonzepte gibt es trotz erwachter Farbenfreude in der Architektur nur selten. Farbgestaltung erfordert Fingerspitzengefühl und vielseitiges Fachwissen. Das Haus der Farbe in Zürich schult den qualifizierten Umgang mit Farbe und stärkt die Sensibilität für dieses Gestaltungsmittel in der öffentlichen und privaten Umwelt.

Stefanie Wettstein und Lino Sibillano, Haus der Farbe – Schule für Handwerk und Gestaltung, Zürich

Farbe wird von jeher mit Emotion in Verbindung gebracht und wurde gerade im vernunftgeprägten Architekturkontext ähnlich wie das Ornament immer wieder kontrovers diskutiert. So wurde Farbe je nach Epoche als Ausdruck von Gefühl, Intuition und Lust gefeiert oder als Gegenpol von Vernunft, Ordnung und Reinheit bekämpft. Nachdem spätestens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und der Bewegung zur Befreiung der Farbe von der Form auch Schwarz und Weiss eindeutig als Farben gelten, gibt es keine nicht farbige Architektur. Farbe und Architektur sind sozusagen schicksalhaft miteinander verbunden, und gerade wegen ihrer emotionalen Kraft prägt Farbe massgebend das Erscheinungsbild eines Baus. So hat Farbe einen grossen Einfluss auf die Wirkung und Atmosphäre unseres privaten als auch öffentlichen Lebensraumes. Es ist also verständlich, dass der Ruf nach einem professionellen Umgang mit Farbe laut wird, indem sich Gefühl und Vernunft, Farbe

Das Haus der Farbe in zürich Ausbildungen zur Thematik der Farbe sind rar. Farbe ist traditionellerweise irgendwo, meist ziemlich randständig, im Schlepptau der Form angesiedelt, so im Architekturstudium wie auch in vielen Kunstausbildungen. Seit 1995 bemüht sich in Zürich ein spezialisiertes Institut, das Haus der Farbe – Schule für Handwerk und Gestaltung, um die verschiedenen Aspekte des Phänomens Farbe. Das Ziel ist, einen qualifizierten Umgang mit Farbe zu schulen und die Sensibilität für Farbe als allgegenwärtiges Gestaltungsmittel in der öffentlichen wie auch privaten Umwelt zu stärken. Neben dem dreijährigen Diplomlehrgang «Farbgestaltung» an der Höheren Fachschule bietet das Haus der Farbe auch einen zweijährigen Weiterbildungslehrgang «Gestaltung im Handwerk» an. Dieser richtet sich an alle Handwerker/-innen mit hohem Qualitätsanspruch und mit entsprechendem Berufsstolz. Alle Lehrgänge am Haus der Farbe sind berufsbegleitend und stehen Berufsleuten aller Sparten offen. Haus der Farbe – Schule für Handwerk und Gestaltung Langwiesstrasse 34, 8050 Zürich Tel. 044 493 40 93, info@hausderfarbe.ch www.hausderfarbe.ch

und Form, Colore und Disegno, wie die zwei angeblichen Antagonisten im akademischen Streit in der Renaissance genannt wurden, zusammenfinden. Im «Farb-Konzept», einem Begriff, der in dieser polaren Denkweise lange gar nicht gedacht werden konnte, vereinen professionelle Farbgestalter/-innen Emotion und Vernunft in ihrem Umgang mit Farbe und Material gewinnbringend. Dies macht den Kern des Berufs Farbgestalter/-in aus. Gestalterisches Farbkonzept statt Farbgebung Angesichts unserer bunter werdenden Städte und Dörfer könnte man meinen, Farbkonzepte gehörten heute zum Architekturalltag. Als aufmerksame Betrachter unserer farbigen Umwelt müssen wir jedoch feststellen, dass es differenzierte Farbkonzepte trotz erwachter Farbenfreude in der Architektur oftmals nicht gibt. Ob bunt oder dezent, die gewählte Farbigkeit ist zu oft zufällig, unsensibel oder schlicht bedeutungslos. Auch durchaus bewusst gewählte Farben fussen nicht zwingend auf einem umfassenden Konzept. Einzelne Baukörper, Flächen oder Materialien mittels Farbe auszuzeichnen, ist vielleicht ein Ansatz für ein Farbkonzept, jedoch noch keine eigentliche Farbgestaltung. Wir möchten dies eher Farbgebung nennen. Eine Farbgebung kann sehr wohl gelungen sein, oft ist sie es jedoch auch nicht. Sie ist nicht selten auswechselbar, sowohl formal als auch farblich, obwohl stets betont wird, wie intensiv sich die Suche nach genau dieser speziellen Farbnuance gestaltet habe. Und leider hat Farbgebung zu oft die Funktion, einen Bau wichtiger zu machen, als er ist. Nur so sind die zahllosen bunten Bauten zu erklären, die von einem Willen nach Kreativität und dem Wunsch nach Originalität zeugen. Eine Haltung, die grundsätzlich zu begrüssen ist, die aber auf einer fachkundigen und differenzierten Auseinandersetzung mit Architektur, Farbe und Material basieren muss. Ist diese Grundlage gegeben, wird eine Farbgebung zu einem «gestalterischen Farbkonzept» erweitert, dem eine bewusste Haltung und eine klare Gestaltungsidee zugrunde liegen. Dieser bewusste gestalterische Einsatz von Farbe


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Ein Wasserkanal führt auf Holzstelzen vom Clüna-Bach direkt in die Mühle Ftan. (Bild Marco Guetg) Un bisse conduit l’eau du ruisseau Clüna au moulin de Ftan. (photo Marco Guetg)

muss keinesfalls zwingend zu Buntheit im Stadtbild oder im Innenraum führen. Denn ein differenziertes Farbkonzept entsteht aus der sorgfältigen Analyse der architektonischen und materialtechnischen Gegebenheiten, des urbanen, historischen wie auch sozialen Kontexts und nicht zuletzt der Bedürfnisse von Auftraggeberschaft und Benutzerinnen. Der Gestaltungsansatz einer Farbgestalterin oder eines Farbgestalters variiert je nach Aufgabe; er kann geschichtsbewusst, politisch, frech oder rücksichtsvoll, einfühlend, künstlerisch, materialtechnisch oder psychologisch ausgerichtet sein. Stets muss dieser persönlichen und situationsbezogenen Haltung und Stellungnahme ein grundlegendes Verständnis des zu gestaltenden Raums zugrunde liegen – dies ist die unabdingbare Voraussetzung für eine qualitätsvolle, vielschichtige und angemessene Farbgestaltung. Dadurch ergibt sich für die Architektur eine zusätzliche Bedeutung. Ein sehr ausdrucksstarker architektonischer Entwurf kann mit einem sehr zurückhaltenden Farbkonzept ausgezeichnet werden, ein sehr einfacher Entwurf kann dank Farbe zum Ereignis werden. Rezepte gibt es hierbei zum Glück keine. Ein gestalterisches Farbkonzept vermag demnach eine eigenständige Aussage zur Architektur zu machen, die die Architektur nicht konkurrenziert, sondern unterstützt, kommentiert und erweitert. Dies ist der Mehrwert einer jeden gelungenen Farbgestaltung.

Von Graunuancen zu Rot und Orange Ein eindrückliches Beispiel eines wohldurchdachten und gelungenen Farbkonzeptes findet sich an einem eher schlichten neuen Wohnhaus in Horgen am Zürichsee, das von Renzo Bader Architekten gebaut wurde. Das kubisch gestaffelte Volumen wird durch auf den feinen Verputz in vier verschiedenen Graunuancen aufgemalte Felder zusätzlich raffiniert gegliedert. Im eher langweiligen Kontext des umgebenden Wohnquartiers wirkt diese Fassadengestaltung einerseits wie eine Tarnung, sie macht das Haus kleiner, als es ist, indem sie das Volumen verunklärt, und sie fügt sich farblich nahtlos in den von Grau- und Sandtönen bestimmten Kontext ein. Andererseits weckt der Bau dank der ungewöhnlichen Farbfassung den Eindruck, als würde er ein edles Kleid tragen. Er hebt sich dadurch positiv von der Umgebung ab, ja er bereichert das ganze Quartier, ohne es zu dominieren. Noch ein Stück komplexer als bei Neubauten gestaltet sich die Oberflächengestaltung bei Sanierungen von Altbauten. Eine sorgfältige Bauuntersuchung sollte immer zuerst über ehemalige Farbfassungen Aufschluss geben. Oft weisen die Untersuche dann den Weg für eine Neufassung oder Restaurierung im Sinne einer historischen Farbschicht. Nicht selten ergibt aber der Bauuntersuch zu unklare Resultate, sodass eine Neugestaltung in Erwägung zu ziehen ist. In diesem Fall ist besondere

Die Volumen der drei Zweifamilienhäuser in Horgen werden durch in verschiedenen Graunuancen aufgemalte Felder raffiniert gegliedert. (Bild Renzo Bader Architekten) Les diverses nuances de gris utilisées rehaussent la structure raffinée des trois maisons jumelles de Horgen. (photo Renzo Bader Architekten)


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Die sanierte Siedlung Oberstrass in Zürich setzt dem Verkehr ein kräftiges Zeichen entgegen: Hier wohnen Menschen! (Bild AnneMarie Neser)

Sorgfalt geboten, denn es gilt, die Historizität eines Baus auch in einem neuen Kleid zu erhalten. Angemessenheit in der Farb-, vor allem aber auch in der Materialwahl ist hier unumgänglich. Bei einer Neugestaltung bietet sich jedoch auch die Gelegenheit, auf ein sich stetig veränderndes Umfeld zu reagieren. Dies hat beispielsweise Andrea Burkhard bei der Sanierung der Siedlung Oberstrass in Zürich auf interessante und gelungene Art und Weise getan. Die Siedlung Oberstrass grenzt an eine der Haupteinfallstrassen in die Stadt Zürich beim Irchel. Der Verkehr braust hier unablässig vorbei und hatte an den schlichten, aber qualitätvollen Genossenschaftsbauten aus den 1920er-Jahren eine braungraue Patina hinterlassen. Andrea Burkhard gelang es zusammen mit einer aufgeschlossenen Bauherrschaft, ein vergleichsweise farbstarkes Gestaltungskonzept in mineralischen Rot- und Orangetönen umzusetzen, das der Siedlung eine neue starke Identität verleiht. Heute setzt die Genossenschaft Oberstrass dem Verkehr ein kräftiges und selbstbewusstes Zeichen entgegen: Hier wohnen Menschen!

La rénovation des immeubles de l’Oberstrass de Zurich lance un puissant signal aux usagers de la route: il y a des gens qui habitent ici! (photo AnneMarie Neser)

Fingerspitzengefühl und Fachwissen gefragt Im Fall eines Bankgebäudes an der Piazza Riforma in Lugano waren einerseits der Ensemblecharakter des Platzes und andererseits

die Architektursprache sowie die bestehenden Materialien des Baus grundlegend für die Wahl der neuen Farbgestaltung. Das stattliche Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist bedeutend grösser als seine unmittelbaren Nachbarn am Platz. Die Farbigkeit dieser kleineren Stadtpalazzi entspricht in etwa dem, was wir mit südländischer Farbigkeit assoziieren: rosa, ockergelb, pompeijanischrot. Das von den Architekten Sandra Giraudi und Felix Wettstein renovierte Bankgebäude erhielt hingegen einen leicht bläulichgrauen Verputz, wodurch die lachsfarbene Nuance des bestehenden Sandsteins der Fenstereinfassungen und Ecklisenen erst richtig zur Geltung kommt. Im Sockelgeschoss setzen verschiedene Natursteine feine Akzente. Graue, fein strukturierte Stoffstoren und graubeige Fenster tragen zum distinguierten Charakter des Baus bei. Dies entspricht der Architektursprache des 19. Jahrhunderts und verschafft dem mächtigen Volumen einen eleganten Auftritt, ohne es im Ensemble des Platzes zu dominant auftreten zu lassen. Wie wir sehen, erfordert Farbgestaltung Fingerspitzengefühl und ein vielseitiges Fachwissen. Je mehr öffentlich über die Bedeutung der Farbe in der Architektur diskutiert wird und sowohl Fachleute als auch Laien dafür sensibilisiert werden, desto qualitätvoller wird unser gebauter Lebensraum sein.


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La rénovation de cette banque de Lugano a bénéficié d’un concept de couleur des bâtiments qui respecte le langage architectural du XIXe siècle. (photo Ralph Feiner) Das renovierte Bankgebäude in Lugano erhielt eine Farbgebung, die der Architektursprache des 19. Jahrhunderts entspricht. (Bild Ralph Feiner)

La chromo-architecture ne s’improvise pas

L’art de construire en couleur Malgré l’engouement pour les teintes vives en architecture, il est encore très rare de rencontrer un véritable travail sur la couleur. Le métier de coloriste, enseigné à la Maison de la couleur à Zurich, est un art subtil qui exige une grande sensibilité et des connaissances spécifiques.

La couleur fut longtemps synonyme d’émotions et de goûts personnels. Célébrée comme l’expression de sentiments, d’intuitions et d’envies selon les époques ou au contraire bannie par souci d’austérité, d’ordre et de pureté, la couleur a été reléguée au statut d’ornement par les courants de l’architecture moderne. Or, au plus tard depuis la fin du XIXe siècle, lorsqu’elle s’est libérée de la forme et que le noir et le blanc ont acquis le statut de teinte chromatique, la couleur est omniprésente dans l’architecture. La coloration a une influence déterminante sur l’aspect d’un bâtiment et sur l’atmosphère qui s’en dégage. C’est pourquoi la chromo-architecture est désormais reconnue comme un art à part entière et s’enseigne dans les écoles d’arts et métiers. Les querelles académiques de la Renaissance qui opposaient forme et couleur – raison et émotions – sont reléguées au passé. Lors de l’élaboration d’un «concept de couleur», les coloristes allient

sensibilité aux vibrations chromatiques et études poussées sur l’agencement des lumières et des matières. Concept de couleur des bâtiments Vu l’emprise du monde des couleurs sur nos villes et villages, il serait logique que leur utilisation fasse toujours l’objet d’un concept mûrement réfléchi. Or, il n’en est rien. Le choix des coloris, qu’ils soient vifs ou au contraire discrets, est souvent le fruit du hasard. Il est rare de rencontrer un véritable travail sur la couleur. Tenter de caractériser certains bâtiments, matériaux ou surfaces par différentes teintes constitue un début, mais il ne s’agit pas encore d’un concept chromatique digne de ce nom. On devrait dans de tels cas parler de coloration ou de mise en couleur. L’effet est rarement réussi, car très souvent la couleur choisie accentue l’importance d’un bâtiment. Les innombrables constructions colorées qui témoignent de la

Stefanie Wettstein et Lino Sibillano, Maison de la couleur ( Haus der Farbe ), Ecole supérieure d‘arts appliqués de Zurich


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l’historicité du bâtiment tout en lui donnant un nouveau visage. Une telle opération offre cependant l’opportunité de s’adapter à un environnement construit en constante mutation. Les immeubles de l’Oberstrass à Zurich, rénovés par l’architecte Andrea Burkhard, sont un très bon exemple. Bordant un axe routier important, les façades de ces habitations construites en 1920 se sont couvertes d’une couche de pollution gris-brun. L’architecte a mis en œuvre un concept de couleur très audacieux dans les tons minéraux rouges et orange qui donnent une identité totalement nouvelle à l’ensemble: les usagers de la route ne peuvent désormais plus ignorer que ces immeubles sont habités!

La couleur gris bleuté de la façade de l’établissement bancaire met en valeur la nuance saumonée des encadrements de fenêtres et des corniches en molasse. (photo Ralph Feiner) Der leicht bläulichgraue Verputz des Bankgebäudes bringt die lachsfarbene Nuance des bestehenden Sandsteins der Fenstereinfassungen und Ecklisenen richtig zur Geltung. (Bild Ralph Feiner)

volonté de créativité et de l’originalité de leurs architectes en apportent la démonstration. Si cette position est louable, il est indispensable que ces couleurs soient le fruit d’une étude chromatique poussée. Une architecture très expressive peut être mise en valeur par un concept de couleur discret, alors que des variations de teintes vives peuvent transformer un projet sobre en un véritable événement. Il n’y a pas de concept miracle. L’essentiel est que le langage des couleurs devienne un allié de l’architecture. Du gris au rouge-orange Les récentes habitations réalisées par le bureau d’architectes Renzo Bader à Horgen, au bord du lac de Zurich, démontrent de manière éloquente comment un concept de couleur bien pensé valorise des volumes aux lignes très pures. Les quatre nuances de gris appliquées par surfaces sur un crépi fin accentuent l’articulation des volumes aux formes cubiques. Par une illusion d’optique, l’ensemble paraît plus petit qu’il ne l’est en réalité. De plus, les bâtiments s’intègrent parfaitement à leur environnement dominé par les tons jaunes et gris. Enfin, la façade dégage une impression de noblesse qui contribue à l’amélioration qualitative de l’ensemble du quartier. Lors de la rénovation de bâtiments, le choix des couleurs s’avère encore plus complexe. Le ravalement des façades doit commencer par une recherche des anciens coloris. Ces observations donnent souvent des indications qui guident la restauration dans le respect des couleurs d’origine. Mais il n’est pas rare non plus que ces analyses aboutissent à des résultats difficiles à interpréter et qu’il faille envisager un nouveau concept chromatique. Dans de tels cas, le plus grand soin est de mise car il s’agit de préserver

Un travail de professionnel Pour la restauration de l’établissement bancaire de la Piazza Riforma de Lugano, les architectes Sandra Giraudi et Felix Wettstein ont tiré parti du cachet de l’ensemble architectural de cette place du XIXe siècle. Ils ont respecté les matériaux existants tout en élaborant un concept de couleur qui confère à cette bâtisse, nettement plus imposante que les constructions voisines, une silhouette élégante sans dominer. Alors que la plupart de ces palazzi arborent souvent des couleurs chaudes, dans les tons roses, ocre ou jaunes, les architectes ont choisi un fond de façade gris bleuté et ont mis en valeur les corniches, les bandeaux et les encadrements de fenêtres avec une teinte légèrement saumonée. Ils ont laissé les pierres naturelles de couleurs différentes du rez-de-chaussée et fait poser des stores en tissu gris aux fenêtres beiges. Ainsi, ils ont réussi à respecter le langage architectural d’origine tout en donnant à cette construction un caractère raffiné. La chromo-architecture ne s’improvise pas. Elle exige des connaissances poussées et un sens des ambiances, des profondeurs et des surfaces. Pour rehausser la qualité de notre environnement construit, il importe de sensibiliser la population et les professionnels en ouvrant le débat sur l’importance de la couleur en architecture. Maison de la couleur (Haus der Farbe), Ecole supérieure d‘arts appliqués de Zurich www.hausderfarbe.ch


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Transformation et réhabilitation du Palais fédéral

Les couleurs d’origine recréent la splendeur du passé L’édifice d’origine se caractérisait par des teintes vives. Un grand soin a été apporté par les architectes, associés à un artiste peintre, pour les retrouver et leur redonner vie sans pour autant que le bâtiment ne paraisse bariolé. Jean-Pierre Lewerer, architecte SIA/EPFZ, ancien vice-président de l’ICOMOS Suisse, membre du comité de Patrimoine suisse Genève

Le Palais fédéral, que l’on s’y rende pour s’y recueillir ou pour y manifester son mécontentement face à la politique qui s’y pratique, incarne indubitablement un lieu investi d’une charge émotive particulière, ce que souligne le nom qu’on lui a donné, qui associe les fastes de l’Ancien Régime à un système politique à vocation égalitaire. Et pourtant, le corps central destiné à accueillir les deux chambres consti-

tuant le Parlement (Conseil national et Conseil des Etats) a à peine plus de 100 ans, puisqu’il a été inséré par l’architecte Hans Wilhelm Auer (1847–1906) entre deux bâtiments préexistants, et inauguré en 1902. Puisant dans différents langages architecturaux du passé, il joue la carte du fédéralisme, que ce soit au niveau du choix des matériaux (les pierres mises en œuvre proviennent de toutes les régions de la

La place Fédérale et la façade nord du Parlement. (photo OFCL/Alexander Gempeler) Der Bundesplatz und die Nordfassade des Parlamentsgebäudes. (Bild BBL/Alexander Gempeler)


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Les sols font appel à des pierres extraites de carrières situées dans toute la Suisse. (photo OFCL/Alexander Gempeler) Für die Böden wurden Steine aus verschiedenen Regionen der Schweiz verwendet. (Bilder BBL/Alexander Gempeler)

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Suisse), du décor, du mobilier ou des œuvres d’art, voire de celui des fabricants, entrepreneurs, artisans et artistes. Une opération complexe La campagne de travaux menée de 2006 à 2008 ressortit à la fois de la transformation – rendue nécessaire par des modifications au niveau du fonctionnement du bâtiment, mais également sur les plans technique et technologique –, de la réhabilitation et de la conservation. En tant qu’intervention coordonnée, elle a visé à corriger, supprimer ou améliorer une succession de travaux réalisés au cours des décennies, se voulant généralement de simple entretien, quoique dans une large mesure dévastateurs pour la substance d’origine. Les travaux de rénovation furent confiés au bureau d’architecture Aebi & Vincent, qui s’associa le concours de l’artiste Adrian Scheidegger pour le traitement de la couleur. L’un des problèmes majeurs fut la difficulté, voire l’impossibilité de procéder à des sondages préalables, autant pour des raisons de délai que du fait que l’édifice devait continuer à fonctionner durant toute la durée des travaux. De même, il fallut à huit reprises interrompre l’intervention et remettre le bâtiment en état afin de pouvoir tenir les sessions parlementaires. Quelques chiffres résument la complexité d’une telle opération. Ainsi, le coût total des travaux s’élève à 103 millions de francs. Le bureau d’architecte a par moments engagé 25 collaborateurs pour les études et la surveillance du chantier. Quant aux entreprises, elles ont travaillé durant la moitié environ de la durée des travaux selon le système des deux fois huit et, par moments, 24 heures sur 24. L’intervention visait à faciliter l’accès du bâtiment – en séparant l’entrée traditionnelle depuis la place Fédérale par une nouvelle entrée destinée aux visiteurs, répondant aux règles de sécurité renforcées actuelles –, à restaurer les étages historiques, les façades et la coupole, à aménager le troisième niveau et à refaire l’ensemble des installations techniques. Il s’agissait

donc de retrouver sous les interventions réalisées depuis un siècle le bâtiment d’origine (applications de peintures hygiénistes, création de faux-plafonds destinés à cacher les installations techniques, recours à un éclairage artificiel des verrières du hall central, etc.). Retrouver les teintes d’origine Au niveau de son aspect intérieur, l’édifice d’origine se caractérisait par des couleurs vives, soutenues – tout le contraire de la fadeur régnant dans le bâtiment en début de chantier. Le problème posé fut de retrouver les teintes d’origine à travers des sondages, tout en assurant l’unité du bâtiment là où il existait des manques, ou encore dans les parties modifiées ou nouvellement créées. Le rôle des architectes et de l’artiste fut d’établir, puis de tenir à jour et de compléter une palette la plus restreinte possible, afin d’éviter parallèlement que le bâtiment ne paraisse bariolé. Le résultat est étonnamment convaincant, si l’on ajoute à cela que les couleurs principales, un rouge tomate et un vert foncé, ont été investies d’un rôle supplémentaire, la première teinte symbolisant la fonction et les espaces réservés au grand hall sous la coupole – et la seconde au Conseil national. Cette signalétique a également servi au troisième niveau, fortement transformé, identifiant clairement les fonctions et facilitant la localisation dans un bâtiment somme toute complexe. Seule la partie occupée par la nouvelle entrée des visiteurs transcende en partie cette signalétique, tout en s’y intégrant. Une autre dérive a consisté, avec l’intention d’éclaircir un certain nombre de salles de réunion, de peindre en clair la partie supérieure des murs, entre les boiseries et le plafond. Dans la mesure où ces surfaces étaient à l’origine habillées de papiers peints, il fallut en faire des copies, le même motif se déclinant selon plusieurs teintes de la palette. A l’extérieur, les dorures posées à nouveau sur le lanterneau couronné de la Croix suisse et les nervures des coupoles soulignent la fonction symbolique du bâtiment, également présente


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dans le choix de son nom de Palais fédéral. En dépit d’une démarche apparemment somptuaire, il ne s’agit en fin de compte que d’un peu plus d’une livre de feuilles d’or pur, tandis que la main d’œuvre a coûté un multiple du prix de la matière première. Une intervention qui résume et symbolise à elle seule le soin apporté à la couleur et, de manière plus générale, à la lumière – qui n’est en fin de compte, comme nous le savons tous depuis Newton, que la somme des couleurs fondamentales, dont l’association crée la lumière blanche. Il s’agit des vitraux éclairant la partie supérieur du hall principal. Eclairés avant la transformation par de la lumière artificielle placée à l’arrière, ils sont à nouveau illuminés par le soleil. Depuis, les visiteurs du Palais retrouvent une perception du temps – aussi bien le temps qu’il fait que le temps qui

La salle dite de Brienz a été présentée dans le cadre de l’Exposition universelle de Paris de 1900 avant d’être intégrée au Palais fédéral. Un papier peint reconstitué dans la gamme de teintes retenue rééquilibre l’espace. (photo OFCL/Alexander Gempeler) Das sogenannte Brienzer Zimmer wurde im Jahr 1900 an der Weltausstellung in Paris gezeigt, bevor es in das Bundeshaus eingebaut wurde. Eine rekonstruierte Tapete in gedämpften Farbtönen sorgt für das räumliche Gleichgewicht. (Bild BBL/Alexander Gempeler)

passe –, tandis que la lumière diffusée sur le grès des murs les colore de manière variée et aléatoire. En résumé, il convient de louer à sa juste valeur la vision cohérente qui a animé l’ensemble des intervenants dans cette opération de réhabilitation exceptionnelle par son objet et son ampleur. Ces derniers ont en effet tenté dans toute la mesure du possible de s’insérer dans le bâtiment existant, d’en comprendre les enjeux et les règles tout en l’enrichissant de leur propre apport, jusqu’à aboutir à la quintessence d’une démarche architecturale globalement exemplaire. L’auteur remercie pour leurs précieux renseignements Monica Bilfinger, qui a suivi les travaux en tant qu’historienne de l’art de l’Office fédéral des constructions et de la logistique, ainsi que l’architecte Bernhard Aebi, du bureau Aebi & Vincent, architectes, à Berne et à Genève, et Adrian Scheidegger, artiste à Berne, qui a fonctionné comme conseiller au niveau du choix des couleurs.


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Sanierung und Umbau des Bundeshauses

Die Farbigkeit und Pracht vergangener Tage Das ursprüngliche Gebäude war stark geprägt von den Farben. Die Architekten, begleitet von einem Künstler, legten entsprechend grosses Gewicht darauf, die originalen Farben wieder zu finden und sie zu neuem Leben zu erwecken. Jean-Pierre Lewerer, Architekt SIA/ETHZ, ehemaliger Vizepräsident von ICOMOS Schweiz, Vorstandsmitglied der Heimatschutz-Sektion Genf

Das Bundeshaus ist ein Bau, der zweifellos besondere Emotionen auslöst: egal ob man nur dorthin geht, um sich zu versammeln oder um seiner Unzufriedenheit mit der dort praktizierten Politik Ausdruck zu geben. Dies zeigt sich bereits in der französischen Bezeichnung Palais fédéral, die den Prunk des Ancien Régime mit einem egalitären politischen System verbindet. Das Parlamentsgebäude – der zentrale Teil des Bundeshauses, in dem die beiden Kammern des Parlamentes zusammentreten – ist allerdings kaum mehr als 100 Jahre alt: Es wurde vom Architekten Hans Wilhelm Auer (1847–1906) zwischen zwei bereits bestehende Gebäudeteile eingefügt und 1902 eingeweiht. Dieser Baukörper ist durch verschiedene Architektursprachen geprägt und verkörpert den Geist des Förderalismus. So stammen die verwendeten Materialien und Steine aus allen Regionen der Schweiz, ebenso wie das Dekor, das Mobiliar und die Kunstwerke beziehungsweise die Fabrikanten, Unternehmer, Handwerker und Kunstschaffenden, die am Bau beteiligt waren. Ein komplexes Umbauprojekt Mit den zwischen 2006 und 2008 durchgeführten Arbeiten sollte das Parlamentsgebäude zum einen den neuen Anforderungen in funktioneller, technischer und technologischer Hinsicht angepasst werden, zum andern drängten sich aber auch Rückbau- und Konservierungsmassnahmen auf. Durch umfassende koordinierte Eingriffe sollten dabei eine Reihe von baulichen Massnahmen der vergangenen Jahrzehnte korrigiert, rückgängig gemacht oder verbessert werden. Viele dieser Veränderungen, die damals nur dem Unterhalt des Gebäudes dienen sollten, hatten nämlich eine verheerende Wirkung auf die Originalsubstanz. Im Rahmen eines zweistufigen Konkurrenzverfahrens fiel die Wahl auf das Architekturbüro Aebi & Vincent. Es hatte sich für dieses Projekt die Mitarbeit des Künstlers Adrian

Scheidegger für das Farbkonzept gesichert. Der Auftrag beinhaltete nicht nur die architektonische Raumgestaltung, sondern auch die technischen Installationen und die Möblierung. Eine der Hauptschwierigkeiten bestand darin, dass es problematisch oder gar unmöglich war, die üblichen vorgängigen Bauwerksuntersuchungen durchzuführen. Grund dafür waren terminliche Zwänge sowie die Tatsache, dass das Gebäude während der gesamten Bauzeit weiterhin benutzbar sein sollte. So mussten die Bauarbeiten schliesslich acht Mal unterbrochen werden, um das Gebäude für die parlamentarischen Sessionen jeweils provisorisch wieder in einen funktionstüchtigen Zustand zu versetzen. Ein paar Zahlen veranschaulichen die Dimensionen und die Komplexität des Projektes: Die Gesamtkosten beliefen sich auf 103 Millionen Franken, das Architekturbüro stellte vorübergehend 25 zusätzliche Mitarbeitende ein, und die beteiligten Unternehmen arbeiteten während rund der Hälfte der gesamten Bauzeit in zwei Schichten à acht Stunden, zuweilen sogar rund um die Uhr. Eines der Ziele der baulichen Interventionen bestand darin, den Zugang zum Gebäude zu erleichtern. Dazu wurde der traditionelle Eingang vom Bundesplatz her durch einen neuen und abgetrennten Besuchereingang ergänzt, der den heute verschärften Sicherheitsbestimmungen Rechnung trägt. Weitere Ziele des Projektes waren die Restaurierung der historischen Geschosse, der Fassaden und der Kuppel sowie der Ausbau des dritten Obergeschosses und die Erneuerung der gesamten Haustechnik. Die wohl grösste Herausforderung bestand darin, den ursprünglichen Bau wieder ans Licht zu holen und die vielen Ergänzungen und Eingriffe, die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts vorgenommen worden waren, rückgängig zu machen: Anstriche, Zwischendecken,


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die künstliche Beleuchtung der Fenster in der Kuppelhalle und vieles mehr. Wiederherstellung der originalen Farbigkeit Die Innenräume des Gebäudes waren früher durch lebendige und kräftige Farben geprägt, ganz im Gegensatz zur faden Farbgebung, die vor den Sanierungsarbeiten dominierte. Um diese originale Farbigkeit wiederherzustellen, mussten erst durch Untersuchungen die ursprünglichen Farbtöne bestimmt werden. Gleichzeitig galt es aber auch, die Einheitlichkeit im gesamten Bauwerk zu sichern. Dazu musste eine möglichst enge Farbpalette erstellt werden, die laufend aktualisiert und bei Bedarf ergänzt werden konnte, um so zu verhindern, dass der Bau letztlich zu bunt wirkt. Das Ergebnis ist sehr überzeugend, dies insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die wichtigsten Farben – ein kräftiges Rot und Dunkelgrün – auch als signaletische Elemente eingesetzt wurden: Rot symbolisiert die Funktion und die Räume der grossen Kuppelhalle, während Grün für den Nationalrat steht. Dieses Konzept ist auch im dritten Obergeschoss umgesetzt, das massiv verändert wurde und wo der konsequente Einsatz der beiden Farben die Orientierung deutlich erleichtert. Einzig im Bereich des neuen Besuchereingangs wird dieses Farbkonzept teilweise durchbrochen. Um gewisse Sitzungszimmer aufzuhellen, wurde vormals der obere Teil der Wände zwischen Täferung und Decke hell gestrichen. In den Zimmern, in denen diese Bereiche ursprünglich mit Tapeten verkleidet waren, wurden diese mit einem in verschiedenen Farbtönen wiederkehrenden Motiv nach dem Originalbefund rekonstruiert. Von aussen betrachtet unterstreichen das neu vergoldete Schweizerkreuz auf dem Dach des Parlamentsgebäudes und die ebenfalls wieder in Gold leuchtenden Grate und Rippen der Kuppeln den symbolischen Wert des Gebäudes. Dieser Eingriff mag luxuriös scheinen, aber letztlich wurde dafür kaum mehr als ein Pfund reine Goldblätter verwendet, während die Personalkosten ein Mehrfaches davon betrugen. Ein Eingriff, der den umsichtigen Einsatz von Farben und Licht besonders schön illustriert, betrifft die Fenster im oberen Teil der Kuppelhalle, die vor dem Umbau künstlich von hinten beleuchtet waren. Diese künstliche Beleuchtung wurde entfernt, sodass die Halle neu von Tageslicht durchflutet wird. Der je nach Tageszeit unterschiedliche Lichteinfall ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern des Bundeshauses, sich zeitlich zu orientieren und zuzusehen, wie die Sandsteinmauern im Verlauf des Tages ihre Farbe immer wieder verändern.

All jenen, die am Umbau und an der Sanierung dieses so prestigeträchtigen Objektes beteiligt waren, gebührt ein grosses Lob. Sie haben es verstanden, sich in das bestehende Gebäude einzufühlen, seine Herausforderungen zu erkennen und optimal zu bewältigen. Das Resultat ist eine überaus gelungene architektonische Lösung, die man mit gutem Recht als exemplarisch bezeichnen kann. Der Autor dankt Monica Bilfinger für ihre wertvollen Hinweise. Sie hat die Umbau- und Sanierungsarbeiten in ihrer Funktion als Kunsthistorikerin beim Bundesamt für Bauten und Logistik begleitet. Ein Dank geht auch an den Architekten Bernard Aebi vom Architekturbüro Aebi & Vincent in Bern und Genf sowie an den Künstler Adrian Scheidegger (Bern), der das Farbkonzept massgeblich prägte.

Die von der grossen Kuppel dominierte Haupthalle, deren Wände sich heute wieder im originalen Tomatenrot präsentieren, erstrahlt in ihrer ursprünglichen Pracht. (Bild BBL/Alexander Gempeler) Le hall principal dominé par la coupole, dont les murs ont retrouvé leur couleur d’origine rouge tomate, brille d’un nouvel éclat. (photo OFCL/Alexander Gempeler)


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La couleur porte une signification sociale et culturelle

Ce n’est pas qu’une question de goût Du rouge écarlate, du bleu cobalt ou du vert pomme … Depuis quelques années, la fantaisie des propriétaires et des architectes semble ne plus avoir de limites, sous prétexte de liberté. Or la mise en couleur d’un édifice n’est pas qu’une simple question de goût. Elle relève de quelques principes, malheureusement souvent oubliés. Eric Teysseire, ancien conservateur des monuments et sites du canton de Vaud

La couleur n’est pas neutre. Elle est socialement et culturellement connotée en fonction de l’objet sur lequel elle s’applique. Auriez-vous envie d’un appareil photographique réflex jaune? D’une Ferrari vert anglais? D’un complet-veston rose? Aimeriez-vous trouver dans votre assiette du poisson artificiellement coloré en bleu (si, si, c’est possible)? Probablement pas. Or, depuis quelques décennies, la couleur réinvestit nos villes et nos villages. Consultez des photographies prises dans nos villes dans les années 70, le blanc, le beige et le gris clair y règnent en maître, ponctués de quelques rares taches pastel. Les premiers roses soutenus et des jaunes vifs apparaissent dès les années 80. Puis le mouvement s’accélère et le XXIe siècle naissant voit fleurir le rouge écarlate, le bleu cobalt et le vert pomme. La fantaisie des propriétaires, des architectes et des peintres semble ne plus avoir de limites, sous prétexte de liberté de goût et de gaieté des couleurs. En milieu nouvellement urbanisé, fort bien. En milieu traditionnel, c’est une autre affaire. La Charte de Venise ne prescrit-elle pas que «lorsque le cadre traditionnel subsiste, celui-ci sera conservé, et toute construction nouvelle, toute destruction et tout aménagement qui pourrait altérer les rapports de volumes et de couleurs seront proscrits»? Trois principes Loin de n’être qu’une simple question de goût, la mise en couleur d’un édifice relève dès lors

de quelques principes, malheureusement en général ignorés – ou plus exactement oubliés – des professionnels, des autorités et du public. En premier lieu, les couleurs de l’architecture dépendent d’abord des matériaux utilisés localement. Qu’on pense au granit gris dont est fait St-Malo, à la chaux blanche recouvrant les maisons des îles grecques, à la terre de Sienne qui colore toute la Toscane et, plus près de chez nous, au gris-vert de la molasse de Berne ou au rouge du grès des Vosges utilisé à Bâle. La pierre d’Hauterive ne fait-elle pas même dire de Neuchâtel qu’il est «taillée dans une motte de beurre»? En outre, dans nos régions, du Moyen-Age jusqu’au XIXe siècle, le blanc de la chaux grasse – le seul liant connu jusqu’à l’arrivée des ciments – constitue la couleur presque unique des enduits des façades. C’est que les pigments coûtent chers et qu’on n’y a recours que rarement. En dehors du cadre alpin, soumis à d’autres traditions, le bois est protégé par une peinture. Le gris clair domine sur les avant-toits, le vert est appliqué sur l’immense majorité des volets et enfin le blanc ou le gris clair – des couleurs destinées à atténuer les chocs thermiques dus au soleil – protègent les menuiseries des fenêtres. Façades blanches, encadrements gris et volets verts décorent dès lors plus des trois quarts du parc immobilier d’avant le XXe siècle. Le second principe veut que l’on ait presque toujours appliqué un décor sur les immeubles. Celui-ci pouvait aller d’une simple couche de peinture uniforme sur un immeuble modeste, à un dessin très élaboré comportant un fond de

Des couleurs … pétantes: en milieu nouvellement urbanisé, fort bien. En milieu traditionnel, c’est une autre affaire. (photos section des monuments et sites, VD) Knallige Farben: In Neubaugebieten mag dies angehen, aber in traditionell geprägten Quartieren sieht die Sache etwas anders aus. (Bilder Section des monuments et sites, VD )


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Les couleurs de l’architecture dépendent d’abord des matériaux utilisés localement: la ville de Neuchâtel – ici la place Pury – est dominée par la pierre d’Hauterive (à gauche). Grès des Vosges rouge à Bâle (à droite). (photos Ps) Die Farbe der Gebäude hängt in erster Linie von den örtlich verwendeten Materialien ab: Die Stadt Neuenburg – hier die Place Pury – ist geprägt vom gelblichen Hauterive-Stein (links). Roter Vogesensandstein in Basel (rechts). (Bilder SHS)

façade et des éléments structurants de type encadrements, chaînes d’angle, cordons, etc. sur un immeuble plus prestigieux. Dans certains cas, c’est même un faux appareil de pierres de taille régulier qui recouvrait le vrai appareil de construction irrégulier. Ces décors avaient en effet pour but soit de régulariser l’apparence d’un immeuble, par exemple lorsque celui-ci était construit avec des éléments hétérogènes, soit d’imiter des matériaux nobles que l’on n’avait pas les moyens de s’offrir, comme par exemple le marbre au lieu de la molasse. Enfin, la troisième règle tient à l’économie des moyens utilisés, qui voit, surtout en milieu contigu, les décors limités aux façades principales, celles qui se présentent à la rue, tandis que les murs pignons ne sont jamais revêtus de décors peints mais laissées bruts, de même que les cheminées (qui aurait l’idée de peindre le pot d’échappement de sa voiture de la même couleur que la carrosserie?). La notion de terroir A ces trois règles de base s’ajoute le fait que les couleurs disponibles se situaient autrefois pour des raisons techniques et financières dans une gamme assez limitée: blanc, ocre jaunes et ocre roses et enfin, quoi que plus rarement,

noir (ou plus exactement les différents tons de gris). Le bleu et le vert (soit pour des raisons de coût, soit pour des motifs de stabilité dans le temps) étaient réservés aux intérieurs des édifices d’exception (voûtes d’églises, peintures murales, etc.). De plus, les ocre utilisés à l’extérieur restaient confinés à des nuances claires, la couleur «saturant» avec les peintures à la chaux à un certain niveau d’intensité, quelle que soit la quantité de pigment utilisée en trop. Il résulte de ces quelques règles une architecture dans laquelle la couleur tient une place bien précise, facilement identifiable pour qui prend la peine d’observer le patrimoine bâti environnant. En cas de doute, les services cantonaux des monuments sont là pour renseigner le public sur les couleurs en usage dans les régions de la Suisse et pour aider les propriétaires et leurs architectes à faire les bons choix. L’architecture constitue l’essentiel du caractère de nos ensembles construits et de nos sites. Il est curieux que la notion de terroir soit aussi largement admise dans des domaines tels que la viticulture ou la fromagerie et que, quand il s’agit de patrimoine bâti, elle soit aussi peu prise en compte. Respecter le caractère de notre environnement bâti, c’est pourtant aussi respecter notre identité.


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Farben haben eine gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung

Keine Frage des Geschmacks Leuchtendes Rot, Kobaltblau oder Apfelgrün ... Der Fantasie der Eigentümer, Architektinnen und Maler scheinen keine Grenzen gesetzt. Der persönlichen Vorliebe entsprechend und möglichst farbenfroh sollen die Häuser sein. Die Farbe eines Gebäudes wird jedoch durch eine Reihe von Grundsätzen bestimmt. Diese werden leider im Allgemeinen ignoriert oder – genauer gesagt – vergessen. Eric Teysseire, ehemaliger Denkmalpfleger des Kantons Waadt

In St-Malo gibt der graue Granit den Ton an, in Bern dominiert graugrüner Molassesandstein. (Bilder ZVG; M. Ruetschi, Keystone) Le granit gris donne le ton à St-Malo alors que le gris-vert de la molasse domine à Berne. (photos LDD; M. Ruetschi, Keystone)

Farben sind nicht neutral. Sie sind gesellschaftlich und kulturell eng mit der Funktion des Objektes verbunden, auf dem sie angebracht sind. Würde Sie beispielsweise eine gelbe Spiegelreflexkamera begeistern? Oder ein Ferrari in Englischgrün? Wie wäre es mit einem rosa Sakko, oder könnten Sie einen Fisch geniessen, der künstlich blau gefärbt ist? Wohl kaum. Seit einigen Jahrzehnten haben in unseren Städten und Dörfern im Baubereich immer mehr Farben Einzug gehalten. Das war früher nicht so. Schaut man sich Fotos aus den 70erJahren an, dominieren Weiss, Beige und Hellgrau, da und dort etwas aufgelockert durch einige wenige Bauten, die pastellfarben gestri-

chen sind. Die ersten intensiven Rosa- und Gelbtöne tauchten in den 80er-Jahren auf. Danach beschleunigte sich die Entwicklung, und im frühen 21. Jahrhundert waren auch Gebäude in leuchtendem Rot, Kobaltblau oder Apfelgrün zu sehen. Der Fantasie der Eigentümer, Architektinnen und Maler schienen keine Grenzen gesetzt – ganz nach dem eigenen Geschmack und farbenfroh sollte es sein. In neu urbanisierten Gebieten mag dies angehen, aber in traditionell geprägten Quartieren sieht die Sache doch etwas anders aus. Nicht umsonst steht in der Charta von Venedig geschrieben: «Wenn die überlieferte Umgebung noch vorhanden ist, muss sie erhalten werden, und es verbietet sich jede neue Baumassnahme, jede Zerstörung, jede Umgestaltung, die das Zusammenwirken von Bauvolumen und Farbigkeit verändern könnte.» Drei Grundsätze Die Farbe eines Gebäudes ist keineswegs bloss eine Frage des Geschmacks, sondern wird durch eine Reihe von Grundsätzen bestimmt, die von Fachleuten, Behörden und der breiten Öffentlichkeit jedoch leider im Allgemeinen ignoriert oder – genauer gesagt – vergessen werden. Der erste dieser Grundsätze lautet, dass die Farbe eines Gebäudes in erster Linie von den örtlich verwendeten Materialien abhängt: In St-Malo gibt der graue Granit den Ton an, auf den griechischen Inseln das Weiss der getünchten Häuser und in der Toskana die sienarote Erde. In Bern dominiert graugrüner Molassesandstein und in Basel roter Vogesensandstein. In Neuenburg – der Stadt, die (frei nach Alexandre Dumas) «wie aus einem Buttermödeli geschnitten» aussieht – ist der gelbliche Hauterive-Stein prägend. Übrigens waren in unseren Regionen die allermeisten Fassaden vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert schlicht mit weissem Steinkalk verputzt, dem einzigen bekannten Bindemittel vor dem Aufkommen von Zement. Farbpigmente waren nämlich sehr teuer und wurden deshalb nur selten eingesetzt. Ausserhalb der Alpenregionen, wo andere Traditionen herrschten, erhielten Holz-


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bauten einen schützenden Farbanstrich. Die Vordächer erstrahlten meist in einem hellen Grau, die Fensterläden waren grün, die Holzrahmen der Fenster weiss oder grau, da diese Farben die grossen Wärmeunterschiede aufgrund der Sonneneinstrahlung dämpfen sollten. Weisse Fassaden, graue Fensterrahmen und grüne Läden: So sahen hier vor dem 20. Jahrhundert mehr als drei Viertel aller Häuser aus. Der zweite Grundsatz besagt, dass Bauten von jeher fast immer geschmückt wurden. Bei einem bescheidenen Gebäude mochte dies vielleicht eine einheitliche Farbschicht sein, bei prestigeträchtigeren Bauten hingegen waren es äusserst komplizierte Verzierungen, bei denen strukturierende Elemente wie Rahmen, Ecksteine oder Bänder auf den Fassaden angebracht wurden. Ein unregelmässiges Mauerwerk wurde zuweilen gar verschönert, indem man Fugen aufmalte und so ein regelmässiges Mauerwerk vortäuschte. Solche Dekorationen dienten dazu, das Erscheinungsbild eines Gebäudes harmonischer erscheinen zu lassen oder kostbare Materialien zu imitieren, deren Einsatz man sich nicht leisten konnte. Der dritte Grundsatz schliesslich hängt mit dem sparsamen Einsatz der verfügbaren Ressourcen zusammen: Er führte dazu, dass insbesondere in eng bebauten Räumen Dekorationen auf die Hauptfassaden beschränkt blieben, die der Strasse zugewandt sind, während die Giebelwände ebenso wie die Kamine im Rohzustand belassen wurden. Wer käme denn auf die Idee, den Auspuff seines Autos in der gleichen Farbe zu bemalen wie die Karosserie? Der Begriff «Terroir» Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass Farben früher aus technischen und finanziellen Gründen nur in sehr begrenzter Auswahl zur Verfügung standen: Erhältlich waren Weiss, verschiedene Ockertöne und etwas weniger oft Schwarz (oder genauer gesagt verschiedene Grautöne). Blau und Grün waren aus Kostengründen, aber auch weil sie weniger dauerhaft waren, für ganz besondere Innenräume reserviert, so beispielsweise für die Bemalung der Kuppeln in Kirchen oder Wandmalereien. Zudem wurden an den Aussenwänden aus-

schliesslich helle Ockerfarben verwendet, weil Kalkfarben Pigmente nur bis zu einer gewissen Konzentration binden und intensive Farbtöne deshalb gar nicht möglich sind. Werden diese Grundsätze beachtet, so führt dies zu einer Architektur, in der die Farben eine klare Rolle übernehmen. Und wer sich die Mühe nimmt, das vorhandene gebaute Erbe genau zu beobachten, kann dies auch unschwer erkennen. In Zweifelsfällen helfen die kantonalen Denkmalpflegestellen gerne weiter: Sie beraten die Öffentlichkeit, erklären, welche Farben in welchen Regionen der Schweiz verwendet werden, und unterstützen Eigentümer und Architekten dabei, eine gute Wahl zu treffen. Schliesslich prägt die Architektur den Charakter eines Ortes. Ist es nicht interessant, dass der Begriff «Terroir» beim Weinanbau oder bei der Käseherstellung eine so grosse Bedeutung hat, während er im Zusammenhang mit der Baukultur kaum berücksichtigt wird? Den Charakter unserer gebauten Umgebung zu respektieren, bedeutet auch, unsere eigene Identität zu respektieren.

Das «Terroir» des Waadtlandes: Weiss, verschiedene Ockertöne und ab und zu etwas Grau. (Bilder Eric Teysseire) Le terroir vaudois: blanc, ocre jaunes et enfin, quoi que plus rarement, gris. (photos Eric Teysseire)

APROPOS … Die Überlegungen des Architekten Heinrich Tessenow, die er 1925 im Aufsatz «Die äussere Farbe unserer Häuser» darlegte, haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren: «Es gehört zu den selbstverständlichsten Liebenswürdigkeiten, wenn wir suchen, unserer Hausansicht eine gewisse lächelnde Freundlichkeit zu geben; es ist immer wie eine stille Hilfe oder wie ein stiller Trost, wenn im vielen grauen alltäglichen Mühen und Sorgen die Menschen oder Dinge uns freundlich grüssen; und solches Grüssen hat hinsichtlich unserer Hausbilder sehr viel auch mit einer gewissen Farbigkeit, aber hat hier ebensoviel auch mit einer gewissen stillen verbindlichen Zurückhaltung zu tun.» Und: «Der Städter, der sein Haus in der hellen Strasse von unten bis oben, über die ganze Hausfläche hinweg mit irgendwelchen heftigen Farben und möglicherweise noch mit blitzenden Ölfarben anpinseln lässt, ist allermeistens ganz zuverlässig ein ausgemachter Querkopf mit sehr geringem Gemeinschaftssinn oder ist eigentlich überhaupt kein Städter, sondern gehört, richtig behandelt, in die wildeste, einsamste Natur hinaus.» Aus: Wohnhausbau. Heinrich Tessenow. Gesamtausgabe, Band 1. Hg. Theodor Böll für das Heinrich-Tessenow-Institut e.V., 2008.


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Die Farbe und ihre Erscheinung im Zusammenhang mit den verwendeten Materialien

Perlweiss, Samtweiss, Federweiss Die Wirkung der Farbe wird durch Bindemittel, Pigmente und Streckmittel bestimmt. Ein kurzer geschichtlicher Abriss zeigt die Entwicklung der Farbe von der handwerklichen Herstellung zu den heutigen Industrieprodukten. Ein Blick auf die einstige Farbenpracht und das, was davon übrig bleibt. Ueli Fritz, dipl. Restaurator FH, Hochschule der Künste, Bern

Das früheste Beispiel für die keimsche Farbtechnik in der Schweiz ist an der Villa Patumbah in Zürich in erstaunlicher Qualität erhalten. (Bilder SHS) On trouve l’un des premiers exemples d’utilisation de la technique de couleurs Keim en Suisse, dans la villa Patumbah de Zurich. (photos SHS)

Eine Farbe wird stark beeinflusst durch die Materialien, die für ihre Herstellung verwendet wurden. Dies sind die Bindemittel (Klebstoff), die Pigmente (Farbpulver) und die Füllstoffe (Streckmittel). Die verwendeten Rohstoffe waren vom Altertum bis ins frühe 19. Jahrhundert keinen grossen Veränderungen unterworfen. Die Bindemittel waren entweder pflanzliche oder tierische Leime (Hautleim, Kleister etc.), trocknende Öle (Nuss-, Sonnenblumen-, Leinöl etc.) oder natürliche Harze (Mastix, Sandarak, Kolophonium etc.). Mit der Industrialisierung veränderte sich dies kaum, aber aufgrund der Kunststoffe des 20. Jahrhunderts, welche die natürlichen Bindemittel weitgehend verdrängten, haben wir heute eine breite Palette an Möglichkeiten unterschiedlichster Eigenschaften und Wirkungen. Die wichtigsten Pigmente wurden bis in das 18. Jahrhundert aus natürlichen Vorkommen gewonnen. Farbige Erden lieferten gelbe, braune und rötliche Pigmente. Die Pflanzenfarbstoffe boten eine etwas grössere, dafür auch weniger lichtbeständige Palette. Sie verbleichen am Licht recht schnell und werden teilweise unansehnlich, bräunlich, schmutzig. Die Suche nach geeigneten Materialien war in allen historischen Kulturen von Bedeutung für Rituale, aber auch für den Schmuck von Bauten war grosser Bedarf vorhanden. Für einige Farb-

töne mussten gar Halbedelsteine (Lapislazuli, Malachit, Azurit, etc.) gemahlen werden. Deshalb war die blaue Farbe (bis zu ihrer chemischen Herstellung im frühen 18. Jahrhundert) dem Adel (Königsblau) und der Kirche vorbehalten. Die Herstellung künstlicher Pigmente reicht historisch weit zurück. Grünspan, Bleiweiss und Bleimennige wurden schon im Mittelalter verwendet. Ende des 18. Jahrhunderts kamen dann die leuchtenden Chromfarben (u.a. das Postgelb) dazu. Die industriellen Herstellungsweisen und das zunehmende chemische Wissen ermöglichten im Laufe des 19. Jahrhunderts eine wachsende Vielfalt der Produkte, von denen aber viele experimentell und qualitativ noch nicht ausgereift waren. Keimsche Farbe an der Villa Patumbah Eine besondere Rolle spielen die mineralischen Anstriche. Die einzige historische Technik, die wetterfest war und nicht vergilbt, war die Freskotechnik. Sie basiert auf Kalk (gebranntem Kalkstein), der mit Wasser angemacht wird und durch Karbonisation (Aufnahme von CO2 aus der Luft) abbindet und so wieder zu Kalkstein wird. Im Volksmund werden Wandmalereien allgemein als Fresko bezeichnet, auch wenn dies auf die wenigsten Malereien zutrifft. Die echte Freskotechnik ist kompliziert, erfordert viele technische Kenntnisse und Ge-


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schick. Das Wissen um diese Technik ging jedoch Ende des 18. Jahrhunderts weitgehend verloren, sodass John Ruskin in der Mitte des 19. Jahrhunderts gar glaubte, die Sixtinische Kapelle könne niemals in Freskotechnik gemalt sein. Die Suche nach mineralischen Bindemitteln, die einfach zu verarbeiten und doch gegen die Witterung beständig waren, konzentrierte sich im 19. Jahrhundert auf das Wasserglas. Die von Johann Nepomuk Fuchs ab den 1840er-Jahren vehement proklamierte Technik konnte aber erst dank dem genialen, systematischen Chemiker Adolf Wilhelm Keim ihren Durchbruch erzielen. Sie gilt seit den 1870er-Jahren als diejenige Technik für die qualitativ beste Fassadenbemalung. Das früheste Beispiel dieser Technik in der Schweiz ist an der Villa Patumbah in Zürich in erstaunlicher Qualität erhalten. Keim publizierte damals auch Misserfolge in seinen «Maltechnischen Mitteilungen» und stellte klar, was deren Ursachen waren. Dies stärkte das Vertrauen in die industriellen Produkte massiv, und allmählich lösten die Industrieprodukte die handwerklichen «Geheimrezepte» ab. Handwerkliches Können nimmt ab Heute bietet die Industrie eine Vielzahl von Produkten an, sodass eigentlich die wertvollsten Behandlungen möglich wären. Doch erstaunlicherweise geschah das Gegenteil, je mehr Produkte auf den Markt kamen, desto mehr nahm das handwerkliche Können ab, und die Leute glauben heute wirklich, Weiss sei ein normierbarer Farbton und nichts als einfach weiss. Wie ganz anders war das im Klassizismus, als Winkelmann und Goethe von den weissen Tempeln in Arkadien (dem «Land, wo die Zitronen blühen») schwärmten und mit ihren Traumbildern die Tourismusindustrie bis heute beflügeln. Die vermeintliche weisse Farbe der griechischen Tempel – und die damit verbundenen Assoziationen zum Ursprung der Demokratie – beeinflusste die damalige Architektur vom Justizpalast bis hin zum «Weissen Haus» in Washington. Doch das Weiss war im 18. Jahrhundert nicht einfach ein genormter Farbton. Nein, das gestreute Licht der matten Oberflächen oder das Tiefenlicht, das durch aufwendige Behandlungen und Polituren des Marmors inszeniert wurde, stellte ein viel diskutiertes Thema dar. Nicht zuletzt prägte die Oberflächenwirkung des «weissen Goldes», des Porzellans, das ästhetische Empfinden der Zeit. All das floss natürlich auch in Farbfassungen ein, so wurden gestrichene Flächen «gesandelt» (in die nasse Farbe wurden feine weisse Sande gestreut),

Blanc cassé, écru, perle, satiné, mat … Les pigments minéraux ont joué un rôle particulier dans le développement des techniques de fabrication des couleurs. Le fresco désigne la peinture à fresque développée pour que les peintures murales résistent aux intempéries et au temps. Dans le langage courant, le terme de fresque a pris le sens plus large de peinture murale sans tenir compte de la technique utilisée. La vraie peinture traditionnelle à fresque demande que des pigments minéraux soient posés sur un enduit de chaux non pure encore humide qui, au contact de l’air, se transforme progressivement en carbonate de chaux. Cette technique bien particulière exige une grande rapidité et beaucoup d’habileté. Elle a disparu en grande partie à la fin du XVIIIe siècle. Au siècle suivant, la recherche de liants minéraux faciles à travailler et résistants aux intempéries s’est concentrée sur les silicates. Le procédé découvert par Johann Nepomuk Fuchs vers 1840 et développé par l’ingénieux chimiste Adolf Wilhelm Keim est désormais couramment utilisé pour des peintures murales de qualité. On trouve l’un des premiers exemples d’utilisation de cette technique en Suisse, dans la villa Patumbah de Zurich. Au cours de ses recherches, Adolf Keim a établi des comptes rendus de ces expérimentations qui se soldaient parfois aussi par des échecs. Son travail a favorisé le développement de la production industrielle de masse qui a progressivement supplanté les recettes artisanales soigneusement conservées. Aujourd’hui, l’industrie propose un grand nombre de produits qui offrent, en théorie, des possibilités infinies. Pourtant, la multiplication des produits sur le marché n’a pas favorisé les techniques artisanales. Bien au contraire! Pour beaucoup de gens, par exemple, il n’existe qu’un seul blanc: le blanc standard. Au XVIIIe siècle toutefois, le blanc était à l’honneur et le nuancier des blancs présentait des blancs cassés mélangés à des tons froids ou chauds, à la couleur ivoire, gris perle, pour donner des tons satinés ou mats. Il conviendrait donc de revenir à la richesse de la gamme chromatique d’antan pour que les techniques artisanales reprennent la place qui leur revient et apportent une valeur ajoutée à l’utilisation de produits industriels standard. Ce serait un moyen de retrouver le monde perdu de la diversité chromatique. Projet de création d’un centre du Patrimoine bâti dans la villa Patumbah. Pour en savoir plus: www.patumbah.ch.

oder subtile matte weisse Anstriche erhielten durch hauchdünne Überzüge mit transparenten Harzen einen marmorähnlichen Charakter. Es gab warmes Weiss und kaltes Weiss, Elfenbeinweiss und Perlweiss, Samtweiss und Federweiss etc. – eine Vielfalt, von der wir heute nur noch träumen können. Es wäre schön, wenn diese vergessenen Qualitäten wieder gepflegt würden und das handwerkliche Können den ihm angemessen Stellenwert vor der reinen Applikation der industriellen Produkte (mit Systemgarantie) zurückerhielte. Die Fachzeitschrift «Applica» könnte dann wieder «Maltechnische Mitteilungen» heissen. So könnten wir einen Teil der verlorenen Farbenpracht (auch wenn sie nur weiss ist) wieder zurückgewinnen. In der Villa Patumbah plant der Schweizer Heimatschutz ein Zentrum für Baukultur. Mehr dazu unter www.patumbah.ch.


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«Haus Blau» in Klagenfurt: Alles Vorhandene wurde in eine Farbe getaucht. Einzig die Gläser blieben frei. (Bild Rainer Wührer) «Haus Blau» à Klagenfurt: la maison a été complètement imprégnée de bleu. Seules les vitres ont été épargnées. (photo Rainer Wührer)

Wie Farbe das Sehverhalten beeinflusst

Das Experiment «Haus Blau» Erstaunlich, was Farbe bewirkt. Ein bescheidenes, dem Abbruch geweihtes Häuschen im österreichischen Klagenfurt wird durch und durch in blaue Farbe getaucht. Durch diese Monochromierung erfährt es eine vollständige Veränderung, verliert seine Unscheinbarkeit und rückt für ein paar Wochen in den Mittelpunkt des Interesses. Peter Kaschnig, Architekt, Graz

Ein Haus in Klagenfurt wurde im April 2009 in blaue Farbe getaucht. Während rund eines Monats, bis zum Abbruch, regte es zum Nachdenken über unsere Raum- und Farbwahrnehmung an. Das Experiment war vorwiegend eine Auseinandersetzung mit Licht und Farbe und mit den Kontrasten, die durch unterschiedliche Farben gebildet werden. Als Farbe für das Experiment «Monochromierung» wurde Blau gewählt. Die Inspiration dazu lieferte der Maler und Performancekünstler Yves Klein, der unter anderem für seine monochromen Bildkompositionen, vorzugsweise in Ultramarinblau, bekannt war. Zur Frage «Was ist blau?» meinte Yves Klein: «Blau ist das sichtbar werdende Unsichtbare. Das Blau hat keine Dimensionen. Es ist ausserhalb der Dimensionen, die Teil der anderen Farben sind.» Veränderung der räumlichen Wahrnehmung Das Gebäude stellte in seiner Kompaktheit und in seinem Erscheinungsbild den Inbegriff eines Häuschens dar. Im Zuge der monochromen Einfärbung sollte dem Unterschied in der Wahrnehmung der Betrachter nachgespürt werden. Ziel war eine Vereinheitlichung der Materialien,

eine Vereinigung der Abbildungsebenen. Alles Vorhandene wurde in eine Farbe getaucht, Wand- und Deckenflächen, Türen und Fenster, Möbel und Einrichtungsgegenstände sowie Dach und Fassade. Einzig die Gläser blieben frei von Farbe und erlaubten dem Licht den Eintritt ins Gebäude und dem Beobachter den Aus-, Ein- und Durchblick. Die Lichtwirkung veränderte sich, der Raum schien entrückt und die gebaute Struktur unwirklich. Nachbarn und Passanten waren irritiert, aber interessiert. Weltweite Aufmerksamkeit Das Projekt veränderte das Erscheinungsbild des vorhandenen Häuschens vollständig. Dem abgewohnten Gebäude wurde durch den Farbauftrag neues Leben eingehaucht. Die Vereinheitlichung der Oberflächen durch die leuchtende Farbe brachte dem Gebäude die verloren gegangene Aufmerksamkeit zurück, dies nach dreissig Jahren der Unscheinbarkeit. Die Veränderung führte zu Berichten in unterschiedlichsten Medien. So erschien in Japan sogar ein Comic zum Blauen Haus. Mehr dazu: http://hausblau.halm-kaschnig.at


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Comment la couleur influence la sensibilité

L’expérience «Haus Blau» Etonnant, ce que la couleur est en mesure d’exprimer! A Klagenfurt, en Autriche, l’imprégnation en bleu d’une modeste maison vouée à la démolition l’a métamorphosée. Durant quelques semaines, cette construction qui passait jusqu’alors inaperçue a attiré tous les regards. Peter Kaschnig, architecte, Graz

En avril 2009, une maison de Klagenfurt a été totalement imprégnée de couleur bleue. Un mois durant, jusqu’à sa démolition, elle a suscité la réflexion sur notre sensibilité aux couleurs et à l’espace. Il s’agissait d’une expérience sur la lumière et la couleur et sur les contrastes obtenus à partir des différences de couleurs. La couleur choisie pour cette expérience s’inspire de l’œuvre de l’artiste et auteur de manifestations de l’éphémère Yves Klein, internationalement connu pour ses monochromes et son bleu ultramarin. A la question «c’est quoi le bleu?», l’artiste répondait: «c’est l’invisible devenant visible». Pour Yves Klein, «le bleu n’a pas de dimension. Il est hors dimension, tandis que les autres couleurs, elles, en ont.» Modification de la sensibilité à l’espace Par son aspect compact, la construction était en quelque sorte l’archétype de la petite maison. Le but était d’observer si son imprégnation en bleu changeait le regard des gens. Le mono-

chrome bleu a eu pour effet de faire disparaître les différences entre plans et matériaux. Les murs, les planchers, les portes, les fenêtres, les meubles, les objets, le toit et la façade ont été noyés dans le bleu. Seules les vitres demeurées intactes laissaient passer la lumière pour guider les visiteurs. La modification des jeux de lumière a eu pour effet de rétrécir les espaces intérieurs. La bâtisse semblait irréelle. Elle a parfois suscité une certaine irritation, mais n’a laissé personne indifférent. Intérêt suscité dans le monde entier Le projet a complètement changé l’aspect de la petite maison. Le bleu lui a conféré une seconde vie. Personne ne la regardait plus depuis trente ans. Son imprégnation en un bleu monochrome a attiré l’attention du monde entier. Les médias les plus divers ont relaté sa métamorphose. Une BD japonaise s’est même intéressée à l’histoire de la Maison bleue. Pour aller plus loin: http://hausblau.halm-kaschnig.at

Une maison peinte en bleu nous fait réfléchir sur notre perception de l’espace et de la couleur. Elle attire l’œil et décontenance son observateur. (photo Rainer Wührer) Ein blaues Haus regt zum Nachdenken über unsere Raum- und Farbwahrnehmung an. Aufmerksamkeit und Irritation sind das Resultat. (Bild Rainer Wührer)


Frisch gestrichen

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Das Teatro San Materno in Ascona

San Moderno Es ist das erste Studiotheater der Schweiz im Geist des Neuen Bauens. Mit viel Mühe hat man aus dem leer stehenden Haus wieder ein Tanztheater gemacht – mit zu viel Mühe. Ivo Bösch, Redaktor/Architekt, Zürich

Schon als 1996 Michel und Michèle Poletti ihre Puppen das letzte Mal tanzen liessen, war das Theater San Materno in einem desolaten Zustand. War es die Nonchalance der Gemeinde Ascona, die das Theater 1972 gekauft hatte, oder das Nichtanerkennen eines bedeutenden modernen Baus – schliesslich stammte er «nur» von einem Deutschen und modernen Architekten –, oder waren es einfach politische Querelen, die das Theater während langer Jahre verfallen liessen? Mehr als Tanzen Doch von vorn: Am Fuss des Monte Verità liess sich die weltberühmte Tänzerin mit dem Künstlernamen Charlotte Bara nieder. Ihr Vater, der reiche Industrielle Paul Bachrach, kaufte ihr das Schlösschen San Materno. 1927 beauftragte Bachrach den deutschen Maler und Architekten Carl Weidemeyer (1882–1976) mit dem Neubau eines kleinen Theaters. Weidemeyer kam gerade aus der Künstlerko-

lonie Worpswede bei Bremen und war mit dem Besuch der Weissenhofsiedlung in Stuttgart auf den modernen Architekturgeschmack gekommen. Sein Entwurf hatte denn auch Flachdächer, grosse Fenster und kubische Formen. So konnte Bara mit ihrer Truppe die neuen Performances auf der halbrunden Dachterrasse einüben, auf der «Terrasse für Tanz und Gymnastik», wie Weidemeyer auf die Originalpläne schrieb. Denn die Idee war, das Haus nicht als gewöhnliches Theater zu führen. Es war eine Tanzschule mit Bühne, in der Musik gespielt, Ausstellungen gezeigt und Feste gefeiert wurden: Die Kunst sollte – ganz im Sinne des damaligen Asconeser Milieus, das sich um den Monte Verità versammelt hatte – alle Lebensbereiche durchdringen. Den Theatersaal belichtet denn auch ein grosses zweigeschossiges Fenster, das bei einem reinen Theater nicht nötig, sondern sogar störend ist. Der Saal war von Anfang an als Übungs- und Aus-

stellungsraum gedacht, der Tageslicht braucht. Wie einst kann man heute die Stühle auf dem unteren Niveau wieder unter die Bühne verstauen. Zum damaligen Raumprogramm zählten auch Studiowohnungen, die der Architekt vor allem im obersten Geschoss unterbrachte. Es lässt sich gut vorstellen, wie Künstler und Freunde des Hauses hier vorübergehend wohnten. Abgekratzte Farben Bis 1958 betrieb Charlotte Bara ihre Schule für Tanz- und Bewegungskultur. Mehrmals wurde das Theater renoviert, das letzte Mal 1970, als bereits keine regelmässigen Aufführungen mehr stattfanden. «Das Theater war in einem desolaten Zustand als ich es 1999 das erste Mal betrat», bedauerte Guido Tallone, Architekt des Umbaus, bei der Neueröffnung vor den Medien. In zwei Jahren ist das Haus gebaut worden, 3,5 Jahre dauerten die Renovationsarbeiten – die Bauforschung, an der 15 Personen arbeiteten, nicht ein-

Der Saal des Teatro San Materno während einer Tanzprobe (links) und vor einer Aufführung (rechts oben). Der Haupteingang mit Charlotte Baras Schlösschen im Hintergrund (rechts unten). (Bilder Stefania Beretta) Une répétition au Teatro San Materno (à gauche) et la salle avant le spectacle (à droite en haut). Entrée principale, en arrière-plan la forteresse de Charlotte Bara (à droite en bas). (photos Stefania Beretta)


Peinture fraîche

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gerechnet. Die Suche nach der Baugeschichte nahm archäologische Züge an, abgekratzte Farben sind sogar chemisch analysiert worden. Man war sich also der Bedeutung einer der ersten modernen Bauten im Tessin bewusst. Um die 4,2 Millionen Franken kostet das die Gemeinde, die aber vom Kanton und Bund mit grossen Beiträgen unterstützt wird. Ein Theater ist noch kein Theater Die Tänzerin und Choreografin Tiziana Arnaboldi will als neue Leiterin zusammen mit dem Projektleiter Domenico Lucchini einen kleinen, feinen Ort für Tanz aufbauen. International will man strahlen und dafür einen Pool von jungen Tänzerinnen und Tänzern aufbauen. In Ascona war also der erste Schritt gut gemeint. Doch ein Theater von 1928 ist eben kein Theater von 2009. Haustechnik und Vorschriften aller Art setzten dem Haus arg zu. Die hehre Absicht, hindernisfrei umzubauen, bedeutete den Bau eines Betonturms einige Meter vor der Eingangsfassade. Wo sich früher das einzige WC für Gäste und Besucher befand, ist heute das Kassenhäuschen. Eine gelungene Umnutzung, weil es im Eingang auch einen Empfang braucht. Doch die neuen Toiletten liess der Architekt zusammen mit einer Künstlergarderobe und Technikräumen in den Hang vergraben. Die neuen Räume sind fast unsichtbar, wie die Bühnentechnik und die Lüftung im Theatersaal. Einzig neue Lüftungsgitter zeigen, dass da etwas sein muss. Um das zu erreichen, waren Eingriffe in die Bausubstanz nötig. Der Archi-

Hinter dem grossen Fenster liegt der Theatersaal. (Bild Stefania Beretta) Derrière la grande fenêtre, la salle de théâtre. (photo Stefania Beretta)

tekt Weidemeyer, der in Ascona später eine Handvoll Villen erbaute, entwarf häufig Häuser mit aussen liegenden Treppen. Und so hatte auch das dreigeschossige Theater früher keine interne Treppe – mit Ausnahme der kleinen Treppe vom Eingang ins Foyer, das nur die Empore im Saal erschliesst. Geschickt legte er dem Hang folgend abwechslungsreiche Treppenwege an, die alle Geschosse erschliessen. Neu ist aus praktischen Gründen das Zwischengeschoss mit der neuen Garderobe mit dem Saalgeschoss verbunden. Heute herrscht eine heitere und helle Atmosphäre im Haus. Orange und blaue Wände, gelbe und blaue Decken, gelbes Holz, violette Sockelleisten – alles originalgetreu gestrichen. Nur das Neue ist zur Unterscheidung in Weiss gehalten. Vor allem in den Wohnungen waren die meisten Einbaumöbel noch da, man musste sie nur flicken und streichen. Das Theater ist ein kleines Juwel, wer sorgt sich da um Verluste in der Bausubstanz? War das Teatro San Materno vor wenigen Jahren weiss getüncht, strahlt es heute wieder in den gleichen Farben, wie es die Zeitschrift Werk 1929 beschrieb: «Der gesamte Bau ist in ortsüblicher Weise mit Kalk verputzt, glatt und gelblich gestrichen. Die Eisengeländer und das obere Abschlussgesims sind zinnoberrot, die Fensterrahmen und Aussentüren matt türkisblau.»

Teatro san materno À ascona C’est au pied du Monte Verità que la célèbre danseuse Charlotte Bara décida de s’installer. En 1927, son père chargea le peintre et architecte allemand Carl Weidemeyer de construire un petit théâtre. Ce joyau de l’architecture Bauhaus, avec ses toits plats et ses formes cubiques, a été conçu, non pas pour un théâtre ordinaire, mais spécifiquement pour une école de danse. Il comporte une scène se prêtant à des concerts, à la présentation d’expositions et à l’organisation de fêtes. Dans l’esprit artistique du Monte Verità, l’art était à cette époque une formation totale englobant tous les domaines. Charlotte Bara a dirigé son école de danse et d’art du mouvement jusqu’en 1958. Le théâtre a été rénové plusieurs fois, la dernière fois en 1970. Sa construction avait duré deux ans, sa rénovation, elle, a duré trois ans et demi, sans compter les recherches architecturales. La commune qui bénéficie du soutien du canton et de la Confédération assume le coût de la rénovation d’un montant de 4,2 millions de francs. La danseuse et chorégraphe Tiziana Arnaboldi, nouvelle directrice artistique, souhaite en faire, avec Domenico Lucchini, responsable de la programmation, un lieu de formation et de recherche sur la danse, ouvert aux jeunes artistes. Le bâtiment resplendit de clarté et de luminosité. Les murs orange et bleus, les plafonds jaunes et bleus, les boiseries jaunes, les plinthes violettes – toutes les couleurs d’origine ont été refaites.


Campagne

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Le livre-événement de Patrimoine suisse Genève

Un siècle d’architectures à Genève en quatorze promenades La section du bout du lac présente une très belle publication sur l’architecture du XXe siècle à Genève. Dans le cadre de la campagne « l’envol », nous avons sélectionné quelques exemples marquants des années 50 et 60. Catherine Courtiau, Christian Bischoff Patrimoine suisse Genève

Patrimoine suisse Genève célébrait en 2007 ses 100 ans d’existence. A cette occasion, de nombreux événements et manifestations ont été organisés, rappelant à nos membres et au large public l’éventail de nos activités et nos nombreux engagements pour la sauvegarde du patrimoine et des sites du canton. Le siècle d’existence de notre association coïncide également avec un siècle de profondes transformations sur le plan architectural et urbanistique. Ville de près de 100 000 habitants en 1900 – au centre d’un canton encore agricole – Genève est devenue une agglomération transfrontalière et internationale de plus de 800 000 habitants en l’espace d’un siècle seulement. Dans

notre sphère d’intérêts, cette évolution se caractérise par une extension du champ patrimonial traditionnel des monuments (églises, châteaux, etc.) aux biens culturels. Ceux-ci intègrent aujourd’hui l’ordinaire de la ville, soit les édicules, le décor, les œuvres d’art intégrées à l’architecture, le logement, les ensembles urbains, et plus globalement l’histoire et ses protagonistes. Cette extension du champ patrimonial à une grande diversité de genres et de styles inhérente au XXe siècle ne va pas sans difficultés. Les édifices et ensembles pour lesquels nous nous mobilisons sont souvent mal connus ou ignorés du public. Quels que soient nos goûts, nos intérêts et nos aspirations,

70 à 80% des édifices qui forment aujourd’hui notre cadre de vie ont été érigés au XXe siècle! Il faut apprendre à les connaître, à en identifier les qualités économiques, sociales, matérielles et culturelles. Afin de pallier le sentiment d’incompréhension que le «promeneur» peut parfois éprouver face à une architecture aussi éclectique et variée, il nous a paru de première importance de dédier un ouvrage à un ensemble de bâtiments sélectionnés avec soin et portant un éclairage nouveau sur ces intenses activités dans le domaine de la construction. Au final, près de 380 édifices ont retenu notre attention et ont fait l’objet de descriptions détaillées, afin d’en dé-

SI Surpraille, construction 1962–1964, architecte Arthur Bugna. (photo Gustave Klemm) SI Surpraille, Baujahr 1962–1964, Architekt Arthur Bugna. (Bild Gustave Klemm)


Campagne

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Eglise néo-apostolique, 1949–1950, architectes Werner Max Moser, en collaboration avec Max Ernst Haefeli et Rudolf Steiger, réalisation par Francis Quétant (à gauche). Cité Carl-Vogt, construction 1961–1964, architectes et ingénieurs Honegger Frères (à droite). (photos Olivier Zimmermann; Max Oettli) Neuapostolische Kirche, 1949–1950, Architekten Werner Max Moser in Zusammenarbeit mit Max Ernst Haefeli und Rudolf Steiger, Ausführung durch Francis Quétant (links). Cité Carl-Vogt, Baujahr 1961–1964, Architekten und Ingenieure Honegger Frères (rechts). (Bilder Olivier Zimmermann; Max Oettli)

gager la valeur patrimoniale et les différents courants qui caractérisent le paysage architectural genevois du XXe siècle. Nous avons également pris grand soin de donner une juste appréciation des principaux acteurs – architectes, ingénieurs, maîtres d’ouvrage, artistes et artisans – qui en ont forgé les fondements. Ce travail de communication et de sensibilisation est d’une importance capitale pour inscrire notre action dans la durée. A titre comparatif, le patrimoine de la fin du XIXe et du début du XXe siècle jouit aujourd’hui d’une large notoriété et reconnaissance, mais rappelons qu’il y a moins de trente ans, on détruisait sans état d’âme ce même patrimoine. A la rue de la Confédération, les grands magasins de la Belle-Epoque tombaient sous les pioches des démolisseurs sans scrupules, de même qu’une bonne partie des bâtiments de la rade. Il a fallu la mobilisation de personnalités engagées pour que les mentalités et les pratiques évoluent. Notre

association y a beaucoup contribué, notamment par la campagne de sauvetage de l’hôtel Métropole (1976) et la loi sur les ensembles, dite loi Blondel (1983). Au-delà de ces actions défensives, législatives et préventives, notre association était déjà consciente de l’importance du travail de sensibilisation et publiait en 1985 un guide en douze promenades à travers l’architecture genevoise du XIXe et du début du XXe siècle. Connaître et diffuser la connaissance constitue la première des mesures de sauvegarde. Avec le présent ouvrage, Patrimoine suisse Genève désire aiguiser la curio-

XXe. Un siècle d’architectures à Genève. Promenades. Une publication de Patrimoine suisse Genève sous la direction de Catherine Courtiau, avec Mélanie Delaune Perrin, coordinatrice, et Karl Andermatt, Christian Bischoff, Eliane Brigger, Isabelle Claden ainsi que de nombreux auteurs, à paraître aux éditions Infolio en novembre 2009. 512 pages richement illustrées. Prix de vente: CHF 58.–. ISBN: 978-2-88474-078-4.

sité du lecteur, lui faire découvrir et apprécier avec un regard neuf l’environnement architectural de ce XXe siècle, partant du «Heimatstil» au «hightech» en passant par l’Art déco, siècle caractérisé par des solutions stylistiques, matérielles et techniques successives les plus innovantes et originales. Nous avons aussi choisi de faire connaître délibérément des réalisations qui ne figurent pas dans des publications spécialisées, des œuvres inconnues réalisées par des architectes parfois ignorés, des «architectures» plurielles, diverses, humaines et parfois même audacieuses!


Kampagne

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Architektur der 50er-, 60er- und 70er-Jahre

Vom Aufschwung zum Boom Drei soeben erschienene Publikationen widmen sich der Architektur der Nachkriegszeit. Bauten der Stadt Basel, der Architekt Eduard Neuenschwander und ein genereller Überblick über die Architektur der Boomjahre sind die Themen. 1950er- und 1960er-Jahre in Basel Wie die Architektur früherer Epochen weist auch diejenige der 1950er- und 1960er-Jahre überdurchschnittliche Leistungen auf, welche aus der breiten Masse des Gebauten herausragen. Die Wertschätzung der Baudenkmäler aus den beiden Jahrzehnten der Hochkonjunktur ist im öffentlichen Bewusstsein jedoch noch wenig ausgeprägt. Das neue Faltblatt in der Reihe «Baukultur entdecken» lädt dazu ein, die vor zwei Jahren durch eine erste Broschüre angeregte Auseinandersetzung mit der Basler Architektur jener Zeit zu vertiefen. Dem Fortschreiten der Bestandesaufnahme durch die Denkmalpflege entsprechend, verschiebt sich der Schauplatz nach GrossbaselWest und ins Kleinbasel. Auch verlagert sich das Schwergewicht von den Wohn- und Geschäftshäusern hin zu einer grösseren Vielfalt der Bauaufga-

ben mit bisher noch nicht berücksichtigten Beispielen aus Bereichen wie Schulhausbau, Kirche und Spitalbau. Eduard Neuenschwander, Architekt und Umweltgestalter Eduard Neuenschwanders Werk überschreitet Grenzen: Er ist sowohl Architekt als auch Umweltgestalter, Biologe und Denkmalpfleger. Das Œuvre des 1924 geborenen Gestalters, zu dem die Kantonsschule Rämibühl (1960–1970) oder der westliche Teil des Irchelparks (1986–1989) in Zürich zählen, ist charakterisiert durch sein ganzheitliches Denken. Ausgehend von rund zwanzig vorgestellten Gebäuden und Aussenanlagen breitet das Buch das umfangreiche Werk Neuenschwanders aus und vertieft einzelne Aspekte seines Schaffens. Seine fachliche Herkunft, von der frühen Naturbegeisterung bis zu den Lehrmeistern Sigfried Giedion

Das Felix Platter-Spital (1961–1967) wird im neuen Faltblatt «Baukultur entdecken» vorgestellt. (Bild Bruno Thüring, Denkmalpflege Basel-Stadt) L‘hôpital Felix Platter (1961–1967) est présenté dans le nouveau guide Découvrir le Patrimoine. (photo Bruno Thüring, Denkmalpflege Basel-Stadt)

und Alvar Aalto, wird ebenso beleuchtet wie seine Fragment gebliebene Idee einer Künstlerkolonie in Gockhausen, wo der Architekt noch heute lebt. Weitere Schwerpunkte sind seine Rolle in der Naturgartenbewegung, seine grossmassstäblichen Planungen, die von ihm gegründete Stiftung Baukultur und seine Gestaltungselemente, die stets Architektur, Natur und Geschichte miteinander verbinden. Heinrich Helfenstein fotografierte die Bauten und Anlagen in ihrem heutigen Zustand. Die Publikation entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts an den Lehrstühlen für Landschaftsarchitektur, Christophe Girot, und für Architektur und Konstruktion, Peter Märkli, der ETH Zürich. Bauten der Boomjahre – Paradoxien der Erhaltung Das Bild der Boomjahre prägten Grosssiedlungen, Gemeinschaftszentren und Satellitenstädte. In den 60er- und 70erJahren des 20. Jahrhunderts stieg die Menge an Gebäuden und Infrastruktur in ganz Westeuropa immens an. Architekten, Ingenieure und Stadtplaner entwickelten Bausysteme, Vorfabrikationsverfahren und Planungsinstrumente, um die neuen Aufgaben zu lösen. Das Buch stellt die Architektur der Boomjahre in der Schweiz, Deutschland und Frankreich vor. Es untersucht die Rolle der Utopien, die Realität der Massenproduktion und die Herausforderungen und Paradoxien dieses komplexen architektonischen Erbes und seiner Erhaltung. Heimatschutz Basel (Hg.), Bruno Thüring, Baukultur entdecken – Die Architektur der 1950er- und 1960er-Jahre in Basel. Auswahl 2. Faltblatt. 2009, Basel. Zu bestellen unter www.heimatschutz.ch/shop

Einfamilienhaus «Im Binzen» in Gockhausen, 1964–1969. Ansicht von Westen. (Bild Heinrich Helfenstein) Maison individuelle «Im Binzen» à Gockhausen, 1964–1969. Côté ouest. (photo Heinrich Helfenstein)

Claudia Moll, Axel Simon. Eduard Neuenschwander, Architekt und Umweltgestalter. Mit Fotografien von Heinrich Helfenstein. CHF 65.–, 256 Seiten. 2009, gta Verlag, Zürich. ISBN 978-3-85676-235-3 Uta Hassler, Catherine Dumont d’Ayot (Hg.), Bauten der Boomjahre – Paradoxien der Erhaltung. Tagungsband des Instituts für Denkmalpflege und Bauforschung (IDB) der ETH Zürich, zweisprachig (Deutsch/Französisch). CHF 59.–, 360 Seiten. 2009, Infolio éditions, Gollion. ISBN 9-782-884-741811


Tour d’horizon

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EN BREF Zones de villas La Confédération n’entend pas permettre aux cantons de délimiter des zones de villas destinées exclusivement à des catégories de population à revenus élevés. Ce sont les propos qu’elle a tenus en réponse à la question déposée par la conseillère nationale Brigit Wyss (Les Verts, Soleure) dans le cadre de l’Heure des questions du Conseil national. Selon le Conseil fédéral, des dispositions légales qui réservent certaines zones à l’intention des personnes fortunées enfreignent le principe de l’égalité de traitement. De plus, pareilles zones de villas peuvent aller à l’encontre de l’utilisation mesurée du sol et favoriser le mitage du paysage. Le Conseil fédéral est prêt à accorder une attention toute particulière à ce problème lors de l’approbation des plans directeurs cantonaux. Ces dernières années, un regain d’efforts a été consenti afin de freiner la croissance continuelle des surfaces urbanisées. On continuera à l’avenir à œuvrer dans ce sens, également en ce qui concerne les zones de villas. Dans cette optique, l’Office fédéral du développement territorial fera valoir, le cas échéant, son droit de recours contre les décisions cantonales relatives aux plans d’affectation afin d’éviter tout effet indésirable. www.vlp-aspan.ch

Le château de La Sarraz, un des trois sites suisses distingués par le label «patrimoine européen». (photo Dominique Uldry/ OFC) Das Schloss von La Sarraz, eines der drei mit dem Label «europäisches Kulturerbe» ausgezeichneten Objekte in der Schweiz. (Bild Dominique Uldry/ BAK)

nologies, il est désormais possible pour chacun de visualiser les résultats de «son» aménagement du territoire. En répondant à quelques questions, l’urbaniste improvisé fait des choix décisifs. Ces mêmes choix que la société suisse, via ses autorités, doit faire aujourd’hui. Mieux vaut juger des résultats, parfois inquiétants, sur photos et grand écran que dans la réalité. Les scénarios utilisés pour les images de synthèse sont issus du programme national de recherche 54 «Développement durable de l’environnement construit» et d’une collaboration entre l’EPF de Zurich et la Haute école des arts de Zurich. www.pronatura.ch/developpementurbain

Découvrir la Suisse du futur Pro Natura fait entrer la population dans le débat actuel sur le développement du territoire. Un mètre carré de sol suisse se bétonne chaque seconde. Qu’est devenu le visage du pays des derniers 50 ans et que sera-t-il dans le futur? Cette interrogation est au cœur du nouvel instrument que propose Pro Natura à la population suisse. L’exposition «100 ans dans la vie d’une localité» est visible au Centre Pro Natura de Champ-Pittet à Yverdon-les-Bains jusqu’au 8 novembre 2009 (prolongation les week-ends de novembre), puis dès février 2010 au Naturama à Aarau. La partie interactive est accessible sur www.pronatura.ch/developpementurbain. Durant la dernière exposition nationale, la population était déjà invitée à s’interroger sur le futur du pays. Avec les nouvelles tech-

Trois sites suisses distingués par le label «patrimoine européen» L’idée d’un label du patrimoine culturel européen revient à la France. Entre-temps, 18 Etats européens se sont joints à l’initiative. Une première étape a consisté à dresser une liste d’honneur des premiers sites à être distingués par le label. Il s’agit de 60 objets, y compris trois sites suisses. Les premiers objets suisses ont été sélectionnés par l’Office fédéral de la culture (OFC) en collaboration avec les cantons de Genève, Vaud et du Tessin. Le label vise à mettre en valeur la dimension européenne des biens culturels et des lieux de mémoire. Il a pour objectif d’inciter au respect, à la connaissance et à l’attachement des peuples à leur patrimoine et il conforte la coopération entre les Etats européens. Le la-

bel devrait être institutionnalisé dans le cadre d’un projet de la Commission européenne ces prochaines années. A cette occasion, les règles et les critères d’inscription seront repensés et révisés. L’OFC mettra ces règles en œuvre et établira un cadre propre pour la sélection d’autres sites suisses. La cathédrale Saint-Pierre à Genève a été choisie en raison de sa relation avec le réformateur Jean Calvin. La cathédrale fut en effet son centre d’activité pendant les vingt ans qu’il passa à Genève. L’Hospice du SaintGothard, situé sur le col du même nom à 2100 mètres d’altitude, est depuis plusieurs siècles un symbole du rapprochement des cultures du nord et du sud de l’Europe. Le monument a été modernisé et symbolise sous sa nouvelle forme le lieu unissant les cultures européennes. Le château de La Sarraz porte aussi en lui une longue tradition d’échanges: en 1928, les Congrès internationaux pour l’architecture moderne y ont été fondés sur invitation de la châtelaine de l’époque. Les Congrès ont eu lieu jusqu’en 1959 et ont joué le rôle de pionnier pour l’urbanisme moderne en Europe. Office fédéral de la culture, www.bak.admin.ch

Cadenazzo (TI) et plaine de Magadino 1953 – et dans quelques décennies? (photos Archivio di Stato TI; image de synthèse Pro Natura/T. van der Heide) Cadenazzo (TI) und Magadino-Ebene 1953 – und in einigen Jahrzehnten? (Bilder Archivio di Stato TI; Pro Natura/T. van der Heide)


Rundschau

KURZ UND BÜNDIG Zum Tod von Dolf Schnebli Im September ist Dolf Schnebli im Alter von 80 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Besonders mit seiner langjährigen Lehrtätigkeit hatte er grossen Einfluss auf die Schweizer Architekturentwicklung. Dolf Schnebli studierte Architektur in Zürich und den USA. Nach ausgedehnten Reisen eröffnete er ein eigenes Architekturbüro, das aufgrund von Wettbewerbserfolgen stetig anwuchs. Es folgte eine Bürogemeinschaft mit Flora Ruchat-Roncati und die Realisierung zahlreicher Bauten. Schnebli lehrte in St. Louis, Harvard und Berkeley. Von 1971 bis 1994 war er Professor für Architektur und Entwurf an der ETH Zürich. Kürzlich erschien im Niggli Verlag das Buch «1956: Fotoskizzen einer langsamen Reise». Schnebli hatte 1955 ein Harvard-Reisestipendium zugesprochen bekommen, das es ihm ermöglichte, ein Jahr lang auf dem Landweg von Venedig nach Indien und zurück zu reisen. Mit dabei waren seine Frau und ein VWKäfer. Zweck seiner Reise war das Studium der Geschichte der Architektur, besonders des Städtebaus. Mehr als 50 Jahre nach dieser Reise werden nun erstmals seine Fotografien veröffentlicht, die bisher nur als Kontaktabzug in Skizzenbüchern schlummerten. Schutz für Trockenwiesen – jetzt Trockenwiesen sind wichtige Flächen für die Artenvielfalt, aber auch prägend für das Landschaftsbild. Sie sind oft begleitet von anderen Zeugen der bäuerlichen Tätigkeit wie zum Beispiel Trockenmauern. Die Trockenwiesen und -weiden sind seit Jahren in einem Inventar und in einer Verordnung erfasst, konkret geschehen ist bisher aber nichts. Anfang November haben deshalb verschiedene Umweltverbände – unter ihnen auch der Schweizer Heimatschutz – beim Bund eine Petition mit über 37 000 Unterschriften eingereicht. Darin wird gefordert,

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Venedig. Ein Foto aus dem Buch «1956: Fotoskizzen einer langsamen Reise» des kürzlich verstorbenen Architekten Dolf Schnebli. (Bild Dolf Schnebli) Venise. Une photographie tirée du livre de feu l’architecte Dolf Schnebli intitulé «1956 : Fotoskizzen einer langsamen Reise». (photo Dolf Schnebli)

dass das Inventar endlich in Kraft gesetzt und die notwendigen finanziellen Mittel zur Umsetzung bereitgestellt werden. www.pronatura.ch/trockenwiesen

Maultier-Museum sucht Standort Das Maultier war und ist ein vielseitiger, verlässlicher Partner des Menschen. Es hat als Trag-, Zug- und Reittier immer wieder seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Die «Interessengemeinschaft für das Maultier» will dem Maultier ein Museum widmen. Dieses soll das Maultier in Bezug zu fünf verschiedenen Themen vorstellen: Landwirtschaft, Transportwesen, Armee, Tourismus, Freizeit. Der Museumsbetrieb soll ergänzt werden durch weitere Angebote, wie zum Beispiel Kinderreiten, Trekkings, Kurse zum Umgang und zur Haltung und vieles mehr. Für die Realisierung des Maultier-Museums sucht die Interessengemeinschaft ein Gebäude, beziehungsweise einen Standort, in der Schweiz. Dieser sollte gut erreichbar und touristisch interessant sein, einen Bezug zum Maultier haben und mehrere Räume für unterschiedliche Nutzungen bieten. Wer ein geeignetes Gebäude kennt oder besitzt, ist aufgerufen, sich zu melden. Zur Umsetzung des

Für ein geplantes Maultier-Museum sucht die Interessengemeinschaft für das Maultier einen Standort. Bild aus vergangenen Zeiten: eine Winzergruppe mit Maultieren in Sitten. (Bild ZVG) Pour y établir son musée du mulet, la communauté d’intérêt du même nom cherche un bâtiment adéquat. Cicontre une famille de vignerons avec des mulets à Sion. (photo LDD)

Projektes sind zudem Arbeitskräfte gefragt, sei es für die Restaurierung von Ausstellungsobjekten, die Organisation von Wanderausstellungen oder für die allgemeine Projektmitarbeit. Finanzielle Beiträge sind natürlich auch willkommen. Die Interessengemeinschaft freut sich über jede Unterstützung. www.maultier-museum.ch, Ansprechperson: Luzius Heinen, info@maultier-museum.ch

AlpTransit: Gute Zusammenarbeit Die Zusammenarbeit zwischen der AlpTransit Gotthard AG und den beschwerdeberechtigten Umweltschutzorganisationen wird fortgeführt. Zu diesem Schluss sind die schweizerischen Umweltschutzorganisationen, vertreten durch Dr. Martin Furter, bei Besuchen auf den Baustellen der AlpTransit Gotthard AG (ATG) am 15. September 2009 in Bodio und Biasca gekommen. Die Umweltschutzorganisationen anerkennen den hohen Stellenwert, den die ATG dem Umweltschutz beimisst. Seit Jahren besuchen die Umweltschutzorganisationen regelmässig die Baustellen, die für das Projekt NEAT betrieben werden. Diese Besuche ermöglichen es den Organisationen – darunter dem Schweizer Heimatschutz –, sich über die Umsetzung der zum Teil aufgrund ihrer Einsprachen verfügten Umweltschutzmassnahmen ein Bild zu machen. www.alptransit.ch

«Landschaftsfeindlich» Wie schon 1998 lehnt der Bundesrat die Verlängerung des Fonds Landschaft Schweiz (FLS) ab. Unter dem Titel «Bundesrat zeigt einmal mehr seine landschaftsfeindliche Seite!» äussert sich dazu in einer Medienmitteilung Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL): Mit diesem Entschluss desavouiere der Bundesrat zahlreiche lokale, regionale und nationale Institutionen, die sich für die Landschaftspflege tagtäglich einsetzen. Der Bundesrat


Rundschau

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bleibe seiner landschaftsfeindlichen Linie treu – so habe er früher schon den FLS und auch die Schaffung von Naturpärken abgelehnt –, und dies pünktlich zum internationalen Jahr der Biodiversität 2010. Würde der FLS wegfallen, so würde dies die Landschaftspflege und die Erhaltung des Kulturgutes in der Schweiz grundsätzlich infrage stellen. Die SL wird sich im Parlament vehement für den FLS einsetzen. www.sl-fp.ch

Druck auf landschaftliche Kronjuwelen Wie der Druck auf unsere wertvollsten Landschaften zunimmt, präsentierten die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL und Pro Natura im Oktober in einer neuen Studie zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Die 162 Objekte des BLN sind die eigentlichen Aushängeschilder der Schweizer Landschaften. Doch diese «Kronjuwelen» sind bei Weitem nicht genügend vor Zersiedelung und Zerschneidung geschützt, wie die Studie zeigt. Der Nutzungsdruck auf die geschützten Landschaften nimmt zudem wieder zu: Neue Höchstspannungsleitungen sowie Wasser- und Windkraftprojekte bedrängen zunehmend unsere national geschützten Landschaften. BLN-Landschaften stellen auch ein unveräusserliches Kapital unseres Tourismus dar. Der Naturtourismus in der Schweiz generiert gemäss einer Studie des SECO 2,5 Milliarden Franken jährlich. Eine Abwertung dieser Landschaften käme uns, der Natur und späteren Generationen teuer zu stehen. Die beiden Verbände fordern daher die Behörden auf, sich für den Schutz unseres wichtigsten Landschaftserbes einzusetzen. www.sl-fp.ch, www.pronatura.ch

Hohe Erfolgsquote bei Beschwerden Die Umweltorganisationen mussten dieses Jahr dem Bundesamt für Umwelt BAFU erstmals die Resultate ihrer 2008 abgeschlossenen Beschwerdefälle mitteilen. Die 31 be-

schwerdeberechtigten Umweltorganisationen in der Schweiz haben dem BAFU für 2008 insgesamt 52 erledigte Beschwerdefälle gemeldet. In mehr als der Hälfte aller Eingaben konnten sie einen Erfolg verbuchen. So wurden 50 Prozent der Beschwerden vollumfänglich und 11,5 Prozent teilweise gutgeheissen. In 13,5 Prozent der Fälle wurde die Beschwerde zurückgezogen und eine Vereinbarung abgeschlossen. In weiteren 13,5 Prozent der Fälle erwies sich die Beschwerde als gegenstandslos, weil das Baugesuch zurückgezogen oder abgeändert wurde. Abgewiesen wurden die Beschwerden nur in 11,5 Prozent der Fälle. Diese Zahlen zeigen, dass die Beschwerden der Umweltorganisationen 2008 sehr häufig gutgeheissen wurden. Die Beschwerden trugen damit massgeblich zur Verbesserung der Bauprojekte bei. www.bafu.ch

Schweizer Denkmalpreis 2009 Die Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger (KSD) vergibt seit 2008 Preise für besonders gelungene Restaurierungen. Die Auszeichnungen werden auf Antrag einer Fachjury bestimmt und für denkmalpflegerische Leistungen verliehen. Unter einer grossen Anzahl von Projekten wurden 2009 mehrere Gewinner ausgewählt. Ausgezeichnet wird der Bauherr Alfred Richterich für die Gesamtrestaurierung der Villa Annamaria in Kastanienbaum, Gemeinde Horw (LU), und deren Ergänzung mit einem Ersatzneubau. Ein weiterer Preis geht an den Stockalperturm in Gondo (VS) für den innovativen und qualitätsvollen Wiederaufbau und das Engagement der Eigentümer und Betreiber. In Kreuzlingen (TG) wird das Ehepaar Theres und Rainer Sigrist und deren «Haus zum Englischen Gruss» gewürdigt. Dies für die anspruchsvolle Restaurierung der historischen Bereiche, kombiniert mit zeitgemässen Ergänzungen. Weitere Preise erhalten das Bürgerbauernhaus Balmermatte in Bürglen (UR) und die Aufbahrungshalle des Friedhofs Sihlfeld in Zürich. Besichtigung des neuen Anbaus von Gigon/ Guyer Architekten an der Verleihung des Denkmalpreises 2009 für die Restaurierung der Villa Annamaria in Kastanienbaum. (Bild Gerold Kunz) Le Prix pour la conservation du patrimoine 2009 récompense entre autres la villa Annamaria à Kastanienbaum. (photo Gerold Kunz)

Das COOP-Fertighaus

Unter dem Titel «Erfolgreicher Start für nachhaltiges Bauen» berichtet der Grossverteiler Coop über das neuste Produkt in der Abteilung Bau+Hobby: das «Coop Minergie-Haus». Nachhaltiges Bauen? Es gibt nichts dagegen zu sagen, dass die zwei zur Auswahl stehenden Coop-Fertighäuser über das Minergie-PLabel verfügen. Aber Nachhaltigkeit ist mehr als Energiesparen: Wie sieht es aus mit dem unbändigen Siedlungswachstum, dem masslosen Flächenverschleiss, dem Generieren von zusätzlichem Verkehr? Das Einfamilienhaus per se ist nicht nachhaltig. Daran ändert auch Minergie-P nichts. Benedikt Loderer, Stadtwanderer und Redaktor der Zeitschrift Hochparterre, nennt das «Hüsli» die verschwenderischste Art des Wohnens: «Das, was der einzelne Hüslimensch sucht, vernichten die Hüslimenschen als Herde. Aus dem unschuldigen Landwirtschaftsland machen sie eine Einfamilienhaushalde. Wo der Hüslimensch baut, da macht er ganze Arbeit. Von der Natur, die er zu lieben vorgibt, bleibt nichts mehr übrig.» Das 4 ½-Zimmer-Haus gibt es schlüsselfertig (ohne Bauland) für 299 900 Franken. Das 5 ½-Zimmer-Haus kostet 346 818 Franken. Die Hüsli werden weggehen wie warme Weggli. Wer macht sich bei diesem Angebot schon ernsthafte Gedanken über wahre Nachhaltigkeit? Könnte doch wenigstens die Architektur überzeugen! Partner von Coop ist die österreichische ELK-Fertighaus AG. Diese präsentiert unter www.elk.ch eine Bildergalerie mit ihren Produkten. Ein eindrücklicher Blick in die Zukunft unserer Agglomerationen. Dem Architekturliebhaber verschlägt es die Sprache. Wer sich ein genaues Bild vom Coop-Fertighaus machen will, noch bevor es überall zwischen Bodensee und Genfersee zu spriessen beginnt, kann das Musterhaus in Suhr besichtigen (Bernstrasse Ost 46/3, Tel. 062 842 48 34, Voranmeldung empfohlen). Weitere Informationen im Internet unter: www.coop.ch/coophaus. Peter Egli, Redaktor


Patrimoine suisse

Wir suchen Die Stiftung Ferien im Baudenkmal wurde 2005 durch den Schweizer Heimatschutz gegründet. Sie übernimmt historisch wertvolle Häuser, renoviert diese sanft und vermietet sie als Ferienwohnungen. Für die Erweiterung des Führungsorgans suchen wir ab sofort ein

Heimatschutz  Patrimoine 4/09 | 28

La location de cette maison engadinoise ­située dans la partie basse du village historique de Scuol est déjà ouverte. (photo Stephen England) Das typische Engadinerhaus im unteren, alten Dorfteil von Scuol kann ab sofort für Ferien gemietet werden. (Bild Stephen England)

Mitglied des Stiftungsrats Wir suchen eine Person mit Freude und Interesse an dieser innovativen Verbindung von Tourismus und historischer Baukultur. Weil die Finanzen eine zentrale Herausforderung für das weitere erfolgreiche Wachsen der Stiftung sein werden, sollten Sie idealerweise Erfahrungen, Kontakte und Ideen für die Mittelsuche mitbringen. Der Stiftungsrat tagt vier- bis fünfmal pro Jahr. Interessierte melden sich bitte beim Stiftungsratspräsidenten Severin Lenel (043 488 38 96) oder bei der Geschäftsführerin Monika Suter (044 252 28 72). Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Nous recherchons Créée en 2005 par Patrimoine suisse, la Fondation Vacances au cœur du Patrimoine reprend des bâtiments historiques, les rénove en douceur et les loue comme logements de vacances. Pour renforcer le comité de direction, nous cherchons dès maintenant un

membre du Conseil de fondation Nous cherchons une personne qui apprécie et s’intéresse au développement de ce secteur d’innovation entre tourisme et patrimoine. Les questions financières constituant un enjeu essentiel pour la poursuite de la croissance de la Fondation, vous apportez votre expérience, vos contacts et vos idées dans le domaine de la recherche de fonds. Le Conseil de fondation siège quatre à cinq fois par année. Si cette activité vous intéresse, prenez contact avec Severin Lenel, président du Conseil de fondation (043 488 38 96) ou Monika Suter, secrétaire générale de la Fondation (044 252 28 72). Nous nous réjouissons de votre appel.

Vacances au bord du lac de Zurich, à Scuol ou à Niederwald

Le catalogue de Vacances au cœur du Patrimoine s’enrichit Le projet «Vacances au cœur du Patrimoine» de Patrimoine suisse ne cesse de se développer. Sept demeures sont désormais proposées dans le catalogue qui vient de s’enrichir de deux nouvelles locations saisonnières: une maison à colombages au bord du lac de Zurich et une maison engadinoise dans le centre historique de Scuol. Bientôt, deux autres maisons situées à proximité de la Gon Hüs de Niederwald viendront compléter l’offre dès décembre. Monika Suter, secrétaire générale de Vacances au cœur du Patrimoine

Le sixième objet que Vacances au cœur du Patrimoine propose dans son catalogue de location de vacances est une merveilleuse bâtisse, la maison Blumenhalde, au bord du lac de Zurich, à Uerikon (ZH). L’association Ritterhaus (Maison des chevaliers) d’Uerikon en est propriétaire. Cette construction qui arbore des colombages d’un seul côté date du XVIIIe siècle. Elle a fait l’objet d’une rénovation douce. Les planchers et boiseries d’origine ont été conservés et repeints dans le style biedermeier, les anciens poêles en faïence restaurés. La maison comporte un jardin donnant accès au lac, un abri à bateaux et une barque à rames. D’une capacité de six personnes, ce logement de vacances sera ouvert à la location à partir du printemps 2010. Le septième objet de l’offre saisonnière est une maison engadinoise typique, située dans la partie basse du village historique de Scuol. De nombreux éléments, notamment les lambris et les anciens escaliers montant à l’étage audessus du fourneau à bois, ont été pré-

servés. Ils dégagent une atmosphère historique authentique. Cette maison abrite deux logements pour cinq à six personnes, tous deux aménagés avec du mobilier de valeur, provenant en partie de la production locale. Les installations sanitaires et la cuisine répondent aux exigences du confort moderne. La juxtaposition de l’ancien et du moderne est fascinante. Cette maison engadinoise est une propriété privée dont la location saisonnière est déjà ouverte. A partir de mi-décembre 2009, deux bâtisses historiques situées à proximité de la Gon Hüs de Niederwald seront mises en location. Vacances au cœur du Patrimoine a pu saisir l’opportunité d’un changement de propriétaire pour lancer la location de deux maisons voisines de la Gon Hüs. Le «château», comme on appelle cette maison en raison de sa taille, peut accueillir quatre à six personnes et la grange annexe, deux personnes. Informations complémentaires: www.magnificasa.ch


Schweizer Heimatschutz

29 | Heimatschutz  Patrimoine 4/09

Ferien mit Seeanstoss, in der Arvenstube oder im Walliser Dorfkern

Ferien im Baudenkmal erweitert Angebot Ferien im Baudenkmal, das Projekt des Schweizer Heimatschutzes, wächst weiter. Inzwischen konnte das Angebot um zwei weitere Häuser auf sieben Baudenkmäler erweitert werden: ein Riegelhaus in Uerikon direkt am Zürichsee und ein Engadinerhaus im alten Dorfkern von Scuol. Zudem werden ab Dezember zwei Nachbarhäuser des Gon Hüs in Niederwald zu mieten sein. Monika Suter, Geschäftsführerin Ferien im Baudenkmal

Als sechstes Objekt nimmt Ferien im Baudenkmal das aussergewöhnliche Haus Blumenhalde direkt am Zürichsee in Uerikon ZH ins Angebot. Das Haus befindet sich im Eigentum der Ritterhausvereinigung Uerikon. Es handelt sich um ein einseitig angebautes Riegelhaus aus dem 18. Jahrhundert. Bei der sanften Renovation wurden die Zimmer mit originalen Holzböden und Täfer wieder in Biedermeierfarben gestrichen und die alten Kachelöfen restauriert. Das Haus Blumenhalde

Das Haus Blumenhalde direkt am Zürichsee kann ab Frühling 2010 gebucht werden. (Bild SHS) La maison Blumenhalde au bord du lac de Zurich sera mise en location à partir du printemps 2010. (photo Ps)

verfügt über einen Garten direkt bis an den See, mit einem eigenen Bootshaus und einem Ruderboot. Das Haus bietet Platz für sechs Personen und kann ab Frühling 2010 gebucht werden. Der siebte Zugang im Angebot von Ferien im Baudenkmal ist ein typisches Engadinerhaus im unteren, alten Dorfteil von Scuol GR. Viele Details wie die Stubentäfer oder die alten Ofentreppen sind noch sichtbar und tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Im Haus befinden sich zwei Wohnungen für fünf bzw. sechs Personen. Beide Wohnungen sind mit hochwertigen Möbeln, zum Teil aus einheimischer Produktion, ausgestattet. Zusammen mit den zeitgenössischen Küchen- und Sanitäreinrichtungen

entsteht in den historischen Räumen eine faszinierende Mischung aus Alt und Neu. Das Haus befindet sich in Privatbesitz und kann ab sofort gebucht werden. Ab Mitte Dezember 2009 werden in Niederwald neben dem Gon Hüs noch zwei weitere Baudenkmäler zur Verfügung stehen. Aufgrund eines Eigentümerwechsels erhält Ferien im Baudenkmal die Möglichkeit, zusätzlich zwei Nachbarhäuser des Gon Hüs zu vermieten. Das wegen seiner Grösse «Schloss» genannte Wohnhaus bietet Platz für vier bis sechs Personen, ein umgenutzter Stadel unmittelbar daneben ist für zwei Personen gedacht. Weitere Informationen unter www.magnificasa.ch


Patrimoine suisse

Heimatschutz  Patrimoine 4/09 | 30

L’engagement de la Confédération dans le domaine du patrimoine culturel et monuments historiques

Il faut renforcer la conservation des monuments historiques Patrimoine suisse demande que le Parlement relève en 2010 à leur niveau de 2009 les fonds fédéraux mis à la disposition de la protection du patrimoine et des monuments historiques. Ces 30 millions de francs permettraient de rétablir les aides financières urgentes dont les cantons ont besoin. Après la réduction des fonds de la Confédération, d’une moyenne de 38 millions de francs par an dans les années 1993–2004 à environ 28 millions de francs à partir de 2005 (programme d’allègement 2003, redistribution des cartes au sein de l’Office fédéral de la culture) et à peine 21 millions en moyenne au budget de la période 2008– 2011, le Conseil national et le Conseil des Etats se sont fort heureusement prononcés en faveur d’une correction lors des discussions budgétaires de 2007 et 2008. Le Conseil fédéral veut pourtant laisser les subventions nécessaires d’urgence en 2010 et 2011 au niveau budgété. Une évolution problématique Face au recul des moyens financiers mis à disposition se trouvent d’innombrables bâtisses à rénover de toute urgence. Les demandes des cantons sur-

passent actuellement largement les ressources de l’OFC, section Patrimoine culturel et monuments historiques. Les demandes qui ne peuvent être prises en considération sont renvoyées à la période financière 2012– 2015 avec prière de patienter. Les dommages qui en résulteront aux objets sous protection et les coûts d’assainissement ultérieurs augmenteront d’autant durant cette période. La liste d’attente des demandes s’allonge, parce que l’équilibre qui régnait avant 2004 n’existe plus. L’attente sur la voie de garage conduit irrémédiablement à la perte partielle ou totale de bâtiments de valeur. Les dommages qui menacent les monuments historiques présentent une croissance exponentielle. Le Parlement doit relever en 2010 à leur niveau de 2009 les fonds de la Confédération mis à la disposition de la protection du patrimoine et des monuments

historiques. Les 30 millions de francs permettent de rétablir les aides financières urgentes dont les cantons ont besoin. La liberté d’aménagement de leurs ressources laissée aux cantons dans le cadre de la NPF (Nouvelle péréquation financière entre la Confédération et les cantons) ne sera pas touchée. Le relèvement en question ne doit pas se faire aux dépens d’autres tâches de l’Office fédéral de la culture. Un argumentaire se trouve sur www.patrimoinesuisse.ch, à la rubrique Politique, Fonds fédéraux 2010.

Sans une aide finacière suffisante, l’avenir de nombreux monuments historiques ne sera pas assuré. (photo Ps) Ohne ausreichende finanzielle Unterstützung ist für zahlreiche Baudenkmäler die Zukunft nicht gesichert. (Bild SHS)


Schweizer Heimatschutz

31 | Heimatschutz  Patrimoine 4/09

Engagement des Bundes im Bereich Heimatschutz und Denkmalpflege

sendeturm Beromünster

Kontinuität dringend notwendig Der Schweizer Heimatschutz fordert, dass das eidgenössische Parlament die Bundesmittel für Heimatschutz und Denkmalpflege für 2010 wieder auf den Stand von 2009 erhöht. Mit den 30 Millionen Franken können die dringend benötigten Finanzhilfen an die Kantone wieder aufgestockt werden. Nachdem die Bundesmittel der Jahre 1993–2004 von durchschnittlich 38 Millionen Franken pro Jahr ab 2005 auf rund 28 Millionen zurückgefahren (Entlastungsprogramm 2003, Umverteilungen innerhalb des Bundesamtes für Kultur) und für die Periode 2008– 2011 auf durchschnittlich noch knapp 21 Millionen veranschlagt worden waren, sprachen sich National- und Ständerat erfreulicherweise in den Budgetdebatten 2007 und 2008 für eine Erhöhung aus. Trotzdem will der Bundesrat die dringend notwendigen Beiträge für 2010 und 2011 auf dem budgetierten Niveau belassen. Problematische Entwicklung Dem Rückgang der Bundesmittel stehen zahlreiche Restaurierungen gegenüber, welche dringend angepackt werden müssten. Die Gesuche der Kantone übersteigen die Mittel des Bundesamts für Kultur, Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege, bei Weitem. Gesuche, die nicht berücksichtigt werden können, werden auf die Finanzperiode 2012–2015 vertröstet. Die Schäden an den Schutzobjekten und damit

die Sanierungskosten nehmen in dieser Zeit zu. Gleichzeitig wird die Warteliste der Gesuche immer länger, weil das Gleichgewicht zwischen Beträgen und Gesuchen aus den Jahren vor 2004 nicht mehr vorhanden ist. Der Überhang führt unweigerlich zum Verlust wertvoller Bauten. Es droht ein exponentiell wachsender Schaden an Baudenkmälern. Die Bundesmittel für Heimatschutz und Denkmalpflege sind für 2010 durch das eidgenössische Parlament wieder auf den Stand von 2009 zu erhöhen. Mit den 30 Millionen Franken können die dringend benötigten Finanzhilfen an die Kantone wieder aufgestockt werden. Die Gestaltungsfreiheit der Kantone im Rahmen der NFA (Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen) wird damit nicht angetastet. Trotzdem will der Bundesrat die dringend notwendigen Beiträge für 2010 und 2011 auf dem budgetierten Niveau belassen. Ein Factsheet mit zehn Argumenten für eine Aufstockung der Bundesmittel im Bereich Heimatschutz und Denkmalpflege steht unter www.heimatschutz.ch, Rubrik Politik, bereit.

Entwicklung der Bundesmittel für Heimatschutz und Denkmalpflege, Stand 31. 8. 2009, Mio. CHF. (Quelle BAK) Développement des moyens financiers de la Confédération dans le domaine du patrimoine culturel et monuments historiques (financement de la Confédération, corrections du Parlement, budget), état au 31. 8. 09, mio. CHF. (source OFC)

Der Schweizer Heimatschutz und seine Innerschweizer Sektion haben seit mehreren Jahren dafür gekämpft – nun ist es Tatsache: Der grosse Sendeturm des Landessenders Beromünster wird unter Schutz gestellt. Die zukünftige Nutzung des 215 Meter hohen Sendemastes ist jedoch noch unklar. In einem Ideenwettbewerb hat der Heimatschutz bereits 2007 dazu aufgerufen, sich Gedanken zur Zukunft der Anlage zu machen. Die Unterschutzstellung durch die kantonale Denkmalpflege Luzern erfolgte knapp ein Jahr nachdem vom Landessender Beromünster keine Mittelwellensendungen mehr ausgestrahlt werden. In der Mitteilung vom 19. Oktober 2009 hiess es, dass die Schutzwürdigkeit der Anlage aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung und der Stellung in der Technikgeschichte gegeben sei. Zu Diskussionen Anlass gibt die Frage nach dem Schutzumfang: Die technischen Apparaturen werden nicht unter Schutz gestellt, da diese in der Zwischenzeit vom Museum für Kommunikation in Bern übernommen wurden. Dort sei deren Erhalt sehr gut gewährleistet. Ebenfalls nicht unter Denkmalschutz gestellt werden sollen das Sendergebäude und der kleine Sendeturm (Foto). Dieser zeichne sich zwar «ingenieurtechnisch und gestalterisch durch höchste Sorgfalt und Qualität» aus. Dieser Wert stünde jedoch nicht im Verhältnis zum Aufwand, der für den Erhalt zu betreiben wäre. Die Kosten wären unverhältnismässig. Die kantonale Denkmalpflege würde es ausdrücklich begrüssen, wenn alle Gebäude erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden könnten. Dies deckt sich klar mit dem Anliegen des Schweizer Heimatschutzes, der wiederholt darauf hingewiesen hat, dass es sich beim Sendemast, dem Reservesendeturm und dem zugehörigen Sendergebäude um ein Ensemble von nationaler Bedeutung handelt, das in seiner Gesamtheit schützenswert ist. (eg)


Schweizer Heimatschutz

Heimatschutz  Patrimoine 4/09 | 32

Neubau auf der Insel Ufnau

Ein geschichtsträchtiger Ort im Zürichsee Im September stellte der Architekt Peter Zumthor sein überarbeitetes Projekt für die Insel Ufnau (SZ) vor. Der deutlich redimensionierte Neubau fügt sich subtiler in die bestehende Landschaft ein und dominiert die Insel nicht mehr. Der Schweizer Heimatschutz verzichtet auf eine Einsprache. Adrian Schmid, Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutzes

Die Insel Ufnau gehört zu den am besten geschützten Landschaften der Schweiz – zu Recht. Die Insel nahe am Damm, der Rapperswil (SG) und Pfäffikon (SZ) verbindet, ist einmalig, die Schutzwürdigkeit des Kleinods daher gleich dreifach gegeben: Es ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder wie auch im Bundesinventar der schützenswerten Landschaften vermerkt und beinhaltet eine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung. Der geschichtsträchtige und landwirtschaftlich genutzte Ort gehört mit einem kurzen Unterbruch seit 965 dem Kloster Einsiedeln. Seit 1831 ist es auch ein Ort der Gastfreundschaft und Begegnung. Sommer 2009: Im baufälligen Restaurant «Zu den zwei Raben» lässt sich eine grosse Gruppe Kulturinteressierter unter Schatten spendenden Bäumen gebackene Felchen aus dem Zürichsee servieren. Sie schmecken. Die Wirtin reicht nach, zweimal, dreimal. Dutzende flanieren auf den verschlungenen Wegen, besuchen die Kirche St. Peter

und Paul. Das Kursschiff aus Rapperswil legt an, und 100 Primarschüler strömen auf die Insel. Zahlreiche geniessen später ein Bad im geschützten Uferbereich der Insel, wo Baden verboten ist. Erstes Projekt überdimensioniert Sommer 2006: Das Kloster Einsiedeln präsentierte ein Projekt des Architekten Peter Zumthor für den Neubau des Restaurants auf der Insel Ufnau. Im Rahmen der öffentlichen Planauflage erhob der Schwyzer Heimatschutz Einsprache, auch namens des Schweizer Heimatschutzes. Ebenso opponierte die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, während sich vor Ort die Gruppe «Ufnau ohne Neubau» widersetzte. Und es ist bekannt: Heimatschutzintern gingen die Meinungen auseinander. Der Zentralvorstand setzte daher im März 2007 eine Arbeitsgruppe ein. Grundsätzlich standen sich rechtliche und architektonische Einschätzungen gegenüber. Auf der Ufnau «bestehe aufgrund des Moorlandschaftsschutzes ein fakti-

sches Bauverbot». Die Erneuerung des bestehenden Restaurants müsse daher in sehr engen Grenzen stattfinden. Ein frei stehender Neubau sei nicht zulässig, egal wer baue. Umgekehrt wurde argumentiert, Architekt Zumthor habe das Können und das Feingefühl, auch unter den anspruchsvollen Bedingungen auf der Ufnau ein herausragendes Projekt zu entwickeln. Ein solches dürfe der Heimatschutz doch nicht zu Fall bringen. Die Kommission des Heimatschutzes, in der namhafte Rechts-, Bauberater und Architekten mitwirkten, verfasste einen Schlussbericht. Aufgrund der starken Opposition kamen dem Kanton Schwyz als Bewilligungsinstanz Zweifel an der Gesetzeskonformität des Projektes. Er forderte ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Natur- und Heimatschutz (ENHK) an. Dieses gab dem damals überdimensionierten Projekt den Todesstoss. Abt Martin vom Kloster Einsiedeln musste über die Bücher. Er setzte eine Arbeitsgruppe ein, in

Die Insel Ufnau, wie sie sich heute präsentiert. (Bild Atelier Peter Zumthor & Partner) L’île d’Ufnau, comme elle se présente aujourd’hui. (photo Atelier Peter Zumthor & Partner)


Schweizer Heimatschutz

33 | Heimatschutz  Patrimoine 4/09

Im neuen Projekt von Peter Zumthor bilden das «Haus zu den zwei Raben», die Stallscheune und der Neubau des Restaurants ein Ensemble. (Modellfoto Atelier Peter Zumthor & Partner) Dans le deuxième projet de Peter Zumthor, la maison «Zu den zwei Raben», la grange et le nouveau bâtiment du restaurant forment un ensemble. (photo de maquette Atelier Peter Zumthor & Partner)

der, mit Beteiligung der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und des Schweizer Heimatschutzes, während zweier Jahre ein redimensioniertes Projekt erarbeitet wurde. Überarbeitetes Projekt bescheidener September 2009: Der renommierte Architekt Zumthor stellte auf dieser Basis das überarbeitete Projekt der Öffentlichkeit vor. Der Anbau von 1939 an das Hauptgebäude soll abgebrochen werden. Neu bilden das barocke «Haus zu den zwei Raben», die nach den aktuellen Tierschutzgesetzen sanierte Stallscheune und der Neubau des Restaurants eine Hofgruppe und stehen in einem funktionalen Zusammenhang. Der deutlich redimensionierte Neubau fügt sich subtiler in die bestehende Landschaft ein und dominiert die Insel nicht mehr. Die Neue Zürcher Zeitung sprach von einem «bescheidener auftretenden Zumthor-Bau», während der Bote der Urschweiz das Projekt als Kompromiss bezeichnete. Diese Ein­ schätzung teilte auch der Geschäftsausschuss des Schweizer Heimat­ schutzes. Er verzichtete auf eine Einsprache, nicht jedoch seine Sektion Schwyz wie auch die Umweltorgani­ sation Aqua Viva. Wie geht es nun weiter? Nach der Planauflage folgt eine aktualisierte Stellungnahme der Eidgenössischen Kommission für Natur- und Heimatschutz. Der Beschwerdeweg an die übergeordneten Instanzen liegt

nach dem Entscheid über die aktuellen Einsprachen nur den national legitimierten Verbänden offen. Und was passiert auf der Ufnau? Bis zu 2000 Besucher strömen an schönen Sommertagen auf die Insel. Ein «Ort der Stille» ist sie nicht, jedoch ein lieblicher und geschichtsträchtiger Ort, der es verdient, geschützt zu sein, der aber auch eine eingeschränkte Nutzung für die Menschen und die Tierhaltung zulassen darf und soll:

Das den heutigen Bedürfnissen entsprechende neue Restaurant, notabene ohne zusätzliche Quadratmeter und mit einem klaren Nutzungskonzept, trägt dem Ort der Begegnung Rechnung. Der sorgfältig gestaltete Baukörper fügt sich bescheidener in die Umgebung ein und wirkt nicht mehr als Konkurrenz zu den zwei Sakralbauten. Die hohe architektonische Qualität erleichtert dem Schweizer Heimatschutz die Zustimmung.

Wir suchen

Nous recherchons

Der Geschäftsausschuss des Schweizer Heimatschutzes ist das Bindeglied zwischen dem strategisch entscheidenden Zentralvorstand und der operativ tätigen Geschäftsstelle. Da eines der sieben Mitglieder des Geschäftsausschusses aufgrund einer Amtszeitbeschränkung zurücktritt, suchen wir auf den kommenden Sommer ein neues

Le Bureau de Patrimoine suisse est l’organe de direction situé entre le Comité central, responsable des décisions stratégiques, et le Secrétariat, chargé de l’opérationnel. L’une des sept personnes qui le composent se retirant, nous cherchons pour l’été prochain un nouveau

Mitglied des Geschäftsausschusses Wir erwarten Freude an Fragen der Baukultur und die Bereitschaft, aktiv an der Weiterentwicklung einer Non-Profit-Organisation mitzuarbeiten. Sie können einer Verhandlung in Deutsch und Französisch folgen. Weiter sind Sie bereit, an ca. acht Sitzungen pro Jahr teilzunehmen. Interessierte werden gebeten, sich mit dem Präsidenten Philippe Biéler (021 907 82 52) oder dem Geschäftsleiter Adrian Schmid (044 254 57 00) in Verbindung zu setzen.

membre du Bureau (conseil d’administration) Nous attendons de la part des candidat/es un vif intérêt pour le patrimoine culturel et une disposition à participer activement au développement d’une organisation à but non lucratif. Vous êtes capable de suivre des discussions en allemand et en français. Vous êtes disposé/e à participer à environ huit séances par année. Les personnes intéressées sont priées de prendre contact avec le président, Philippe Biéler (021 907 82 52), ou le secrétaire général, Adrian Schmid (044 254 57 00).


Schweizer Heimatschutz

Heimatschutz  Heimatschutz Patrimoine Patrimoine2/09 4/09||34 34

Indirekter Gegenvorschlag zur Landschaftsinitiative

Gesetzesrevision in zwei Etappen Das Raumplanungsrecht muss revidiert werden. Darüber besteht Einigkeit. Das neue Raumentwicklungsgesetz, welches das geltende Raumplanungsgesetz ablösen sollte, ist aber bereits gescheitert. Eine bescheidene Revision des Raumplanungsgesetzes will nun der Bundesrat im Parlament als indirekten Gegenvorschlag zur Landschaftsinitiative vorlegen. Die Vernehmlassung zu einem neuen Raumentwicklungsgesetz (REG), welches das geltende Raumplanungsgesetz (RPG) von 1979 abgelöst hätte, lief im April 2009 ab. Eingereicht wurden 275 Stellungnahmen. Positiv beurteilt werden die Stärkung der kantonalen Richtpläne durch klarere bundesrechtliche Vorgaben, die Bestrebungen zur Begrenzung des Siedlungswachstums oder Massnahmen gegen die Baulandhortung und für eine Planung über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus. Auf wenig Anklang stiessen die Neukonzeption für das Bauen ausserhalb der Bauzonen sowie die Abgaben für nicht landwirtschaftliche Aktivitäten ausserhalb der Bauzonen. Die Kritik war letztlich so gross, dass der Bundesrat den Entwurf zurückzog. Weiteres Vorgehen Der Bundesrat will nun das RPG in zwei Etappen revidieren. In einem ersten Schritt sieht er eine Teilrevision vor, die als indirekter Gegenentwurf zur Landschaftsinitiative dienen soll. Unter dem Titel «Raum für Mensch und Natur» verlangt die vom SHS mitinitiierte Initiative, dass die Gesamtfläche der Bauzonen während 20 Jahren nicht mehr vergrössert werden darf. Bauen im Nichtbaugebiet soll begrenzt werden. Der Bundesrat meint, dass sich die Anliegen der Initiative durch eine Anpassung des RPG besser erfüllen lassen, als durch eine Änderung der Bundesverfassung. So sollen die kantonalen Richtpläne neu zwingend Aussagen zur Siedlungsentwicklung enthalten: zur Grösse und räumlichen Verteilung der Siedlungsflächen oder zur Siedlungsentwicklung nach innen. Bei den Bauzonen soll präziser festgelegt werden, unter welchen Voraussetzungen Neueinzonungen vorgenommen werden dürfen. Zudem sollen die Kantone verpflichtet werden, Massnahmen zur Bekämpfung der Baulandhortung zu treffen. In einem zweiten Schritt sollen weite-

re Punkte des RPG revidiert werden. Im Vordergrund stehen die Stärkung der kantonalen Richtpläne sowie optimierte Regelungen zum Bauen ausserhalb der Bauzonen. Die Vorarbeiten für die zweite Etappe sollen 2010 beginnen. Unterstützung für Landschaftsinitiative Die Umweltorganisation Helvetia Nostra von Franz Weber hat im Oktober mitgeteilt, dass sie die Volksinitiative «Gegen masslosen Bau umwelt- und landschaftsbelastender Anlagen» zu-

rückzieht. Sie will damit die Chancen der ähnlich gelagerten Landschaftsinitiative verbessern. Es gelte, die Energien der Umweltverbände zu bündeln und der Landschaftsinitiative zum Erfolg zu verhelfen. Die Landschaftsinitiative wird 2010 ein Themenschwerpunkt des Schweizer Heimatschutzes sein. Ein Positionspapier «Raumplanung Schweiz» und eine öffentliche Fachtagung werden im nächsten Jahr die Haltung des Heimatschutzes in der Öffentlichkeit vorstellen.

contre-projet indirect à l’initiative sur le paysage Le droit de l’aménagement du territoire a besoin d’une révision. Tout le monde s’accorde à le dire. Le projet de loi sur le développement territorial qui aurait remplacé la loi sur l’aménagement du territoire en vigueur a échoué. Désormais, les Chambres fédérales vont travailler à une révision partielle de la loi sur l’aménagement du territoire qui constituera un contre-projet indirect à l’initiative sur le paysage. La consultation sur le projet de loi sur le développement territorial (P-LDTer) qui aurait remplacé la loi sur l’aménagement du territoire (LAT) de 1979 a été ouverte en avril 2009. 275 avis ont été remis. Les résultats montrent clairement que seule une révision partielle de la loi en vigueur est préconisée. Les points accueillis favorablement sont le renforcement des plans directeurs cantonaux par des prescriptions de droit fédéral claires, les efforts destinés à limiter l’urbanisation par le biais d’une densification urbaine ainsi que les mesures contre la thésaurisation des terrains à bâtir et en faveur d’une planification au-delà des frontière cantonales et communales. Les propositions nouvelles concernant la conception de la construction en dehors des zones à bâtir et les taxes sur les activités sans rapport avec l’agriculture en dehors des zones à bâtir n’ont pas rencontré un large écho. Le Conseil fédéral entend réviser la LAT en deux étapes. Dans un premier temps, il pré-

voit une révision partielle constituant un contre-projet indirect à l’initiative sur le paysage dont Patrimoine suisse est l’un des protagonistes. Le Conseil fédéral est d’avis que les requêtes des auteurs de l’initiative seront mieux satisfaites par une adaptation de la LAT que par une modification de la Constitution fédérale. Ainsi, les plans directeurs cantonaux devront impérativement préciser les dimensions et la répartition géographique des surfaces construites dans le canton, ou fournir des informations sur la densification urbaine. Il s’agira aussi de préciser dans quelles conditions un classement en zone à bâtir peut avoir lieu. Les cantons seront par ailleurs tenus de prendre des mesures adéquates contre la thésaurisation des terrains à bâtir. La deuxième étape de la révision de la LAT doit porter sur d’autres aspects, en particulier le renforcement des plans directeurs cantonaux et l’optimisation de la réglementation actuelle de la construction en-dehors des zones à bâtir. Les travaux préparatoires commenceront en 2010. La Fondation Helvetia Nostra de Franz Weber a annoncé en octobre le retrait de son initiative populaire fédérale «contre la création effrénée d’implantations portant atteinte au paysage et à l’environnement». Par cette décision, elle espère augmenter les chances de l’initiative pour le paysage. Cette initiative sera l’un des axes thématiques prioritaires de Patrimoine suisse en 2010.


Schweizer Heimatschutz

35 | Heimatschutz  Patrimoine 4/09

Historische Seilbahn Weissenstein

Der Kampf um den Erhalt geht weiter Ende September hat der Schweizer Heimatschutz Einsprache gegen den Abbruch des Sessellifts auf den Weissenstein und gegen die Konzession zum Bau einer neuen Gondelbahn eingereicht. Gleichzeitig treibt er die Bemühungen um eine zukunftsfähige Lösung der historischen Bahn voran. Peter Egli, Redaktor

Der historische Sessellift auf den Weissenstein (SO) ist der letzte seiner Art in der Schweiz und ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Seit vier Jahren wehrt sich der Schweizer Heimatschutz (seit Januar 2008 mit der Unterstützung des Vereins Pro Sesseli) gegen den Abbruch der wertvollen Sesselbahn und deren Ersatz durch eine überdimensionierte Gondelbahn. Zwei Punkte stehen dabei im Vordergrund: Erstens soll die einmalige historische Bahn erhalten bleiben und in ihrer ursprünglichen Form weiterhin die zahlreichen Gäste aus nah und fern begeistern. Zweitens soll verhindert werden, dass die Landschaft durch die neue Bahn mit grösseren Stationen und höheren Masten beeinträchtigt wird. Der Weissenstein ist im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt und muss somit uneingeschränkt erhalten bleiben. Der Schweizer Heimatschutz beantragte Ende September 2009 mit einer Einsprache an das Bundesamt für Verkehr (BAV), dass die Bewilligung zum Abbruch des bestehenden Sessellifts wie auch die Konzession zum Bau und Betrieb einer neuen Gondelbahn zu

verweigern sei. Besonderen Wert legt der Schweizer Heimatschutz darauf, dass der Seilbahn Weissenstein AG verbindlich untersagt wird, Teile des bestehenden Sessellifts vor einem rechtskräftigen Entscheid zu entfernen oder in anderer Form weiterzuverwenden. Stiftung macht Kaufangebot Gleichzeitig bemüht sich die neu gegründete Stiftung Historische Seilbahn Weissenstein weiter um den zukünftigen Betrieb der Seilbahn. Der derzeitigen Betreiberin, der Seilbahn Weissenstein AG, wird sie ein Kaufangebot zur Übernahme unterbreiten. Die Stiftung beabsichtigt, die historische Seilbahn sanft zu sanieren und anschliessend einer fachkompetenten Betriebsgesellschaft zur Verfügung zu stellen. Am 1. November 2009 wurde der Betrieb der Seilbahn vorerst eingestellt. Dies entspricht der Tradition, da im November bis anhin jeweils Revisionsarbeiten durchgeführt wurden. Wie es mit dem Seilbahn-Oldtimer weitergeht, wird das Gericht klären. Die Beschwerde gegen das Abbruchgesuch ist beim BAV hängig. Der SchweiDie Landschaft von nationaler Bedeutung wird durch die neue Bahn beeinträchtigt. Links das Projekt der neuen Station, rechts die Profilierung. (Bilder Pius Flury, Matthieu Haudenschild) Ce paysage d’importance nationale serait altéré par la nouvelle installation. A gauche le projet de la nouvelle station, à droite les gabarits. (photos Pius Flury, Matthieu Haudenschild)

zer Heimatschutz wird den Rechtsweg bei einem negativen Entscheid weiter beschreiten und allenfalls ans Bundesverwaltungsgericht gelangen. Die Hoffnung des Heimatschutzes ist gross, dass der historische Sessellift erhalten bleibt.

Télésiège du Weissenstein Le télésiège historique du Weissenstein (SO) est la dernière installation du genre en Suisse. C’est un monument d’importance nationale. Patrimoine suisse s’engage depuis quatre ans pour empêcher sa démolition et son remplacement par une télécabine surdimensionnée. Dans l’opposition qu’il a adressée fin septembre 2009 à l’Office fédéral des transports (OFT), Patrimoine suisse demande que l’autorisation de démolir et l’octroi d’une concession pour l’aménagement d’une nouvelle installation à câble soient refusés. Patrimoine suisse veille à ce qu’un avis officiel soit prononcé pour empêcher la société qui exploite l’installation de démanteler certaines parties du télésiège historique avant la fin des procédures d’examen, d’opposition et de recours. De son côté, la nouvelle Fondation du télésiège historique du Weissenstein s’occupe de l’avenir du remonte-pente et a présenté à la société propriétaire une offre d’achat. La Fondation souhaite effectuer une rénovation en douceur de cette installation, puis poursuivre son exploitation avec une société spécialisée. L’exploitation du télésiège a été arrêtée le 1er novembre. Cet arrêt d’exploitation est habituel pour la saison en raison des travaux de révision. Le sort de ce téléphérique historique est désormais lié à la décision des tribunaux. En cas de décision défavorable, Patrimoine suisse utilisera toutes les voies de droit et poursuivra si nécessaire la procédure jusqu’au Tribunal fédéral. La fermeté de notre engagement devrait permettre de sauver cette installation. Patrimoine suisse espère de tout cœur y parvenir.


Sektionen/Sections

Heimatschutz  Patrimoine 4/09 | 36

Cette annonce est parue le 12 septembre dernier dans l’édition lausannoise du quotidien 24 heures. (photo Ps) Dieses Inserat ist am 12. September 2009 in der Lausanner Ausgabe der Zeitung «24 heures» erschienen. (Bild SHS)

Gros plan: section Vaud

Le stade de la Pontaise n’a pas dit son dernier mot Le sort de l’arène olympique ne sera pas scellé avant plusieurs années. En effet, sa démolition ne pourra intervenir qu’une fois construits les deux nouveaux stades voulus par la Ville de Lausanne. Un projet qui peut encore être remis en question. Monique Keller, architecte EPFL, Patrimoine suisse

Le 27 septembre, les Lausannois ont rejeté l’initiative «Deux stades au nord» par 56% de non. Ce résultat laisse librecours à la Municipalité de Lausanne d’aller de l’avant avec Métamorphose, son projet de modernisation de la ville. L’un des volets de ce projet prévoit la construction de deux nouveaux stades qui remplaceront celui de la Pontaise, jugé trop vétuste. Comme le texte de l’initiative ne garantissait pas formellement sa sauvegarde, Patrimoine suisse et sa section vaudoise ont décidé de ne pas prendre position sur la votation mais de publier un encart publicitaire dans le journal 24 heures. Cette annonce, parue le 12 septembre, devait sensibiliser le public – et les autorités – à la valeur du dernier stade de Suisse construit à l’occasion de la Coupe du monde de 1954. Malgré le feu vert donné par la population pour Métamorphose, tout n’est pas perdu pour l’installation de la Pontaise. Dans les faits, son avenir ne devrait pas être discuté avant sept ou huit

ans. Car c’est seulement une fois les deux nouveaux stades construits – l’un destiné à l’athlétisme, l’autre au football – que l’ancien pourra être démoli. Or leur financement par des capitaux privés, dans le cadre d’un partenariat public-privé, n’est pas encore assuré. Monument d’importance régionale Le 28 août dernier, Patrimoine suisse et sa section vaudoise ont écrit à Daniel Brélaz, syndic de Lausanne, pour insister sur la nécessité de conserver le stade de la Pontaise. Dans sa réponse du 24 septembre, le syndic a précisé les motifs qui «conduiront probablement les autorités lausannoises à demander la démolition de cet ouvrage». Et de rappeler qu’à la demande du Conseil communal, une étude sur la valeur patrimoniale du stade de la Pontaise a été confiée au laboratoire des techniques et de la sauvegarde de l’architecture moderne de l’EPFL, dirigé par le professeur Franz Graf.

Figurant au recensement architectural du canton de Vaud avec une note 3, le stade est actuellement considéré comme un objet intéressant au niveau local, sans être inscrit à l’inventaire. Dans ses conclusions, le professeur Graf estime qu’il mériterait l’attribution de la note 2, soit monument d’importance régionale, d’être inscrit à l’inventaire et donc d’être conservé. Toutefois, il préconisait de compléter cette étude par une analyse de l’état actuel du stade. Une brèche dans laquelle s’est engouffrée la Municipalité. «Les résultats des études portant sur le diagnostic matériel de l’ouvrage, son adaptabilité aux pratiques contemporaines des sports et l’évaluation économique des options possibles ont conduit la Municipalité, puis le Conseil communal, à privilégier la construction de deux nouveaux stades plutôt que la rénovation de la Pontaise», justifie Daniel Brélaz dans sa réponse à Patrimoine suisse.


Sektionen/Sections

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APpenzell ausserrhoden 100-Jahr-Jubiläum 2010 Der Ausserrhoder Heimatschutz wird in seinem Jubiläumsjahr der Frage nachgehen, was Heimat bedeutet und was alles dazugehört, damit man sich beheimatet fühlt. Geplant sind verschiedene Aktivitäten: In der Appenzeller Zeitung wird der Ausserrhoder Heimatschutz das ganze Jahr über mit einer monatlichen Zeitungsseite präsent sein, in welcher jeweils Themen aus allen Ausserrhoder Gemeinden erläutert werden. Wöchentlich können dazu Sammelbilder (wie die Fussballbilder an der FussballWM) ausgeschnitten und in einem Sammelheft eingeklebt werden. So kann anhand von 240 Bildern zu 12 Themen aus den 20 Gemeinden erfahren werden, was Ausserrhoden zur Heimat macht. Die Aktion wird in den Sommermonaten durch Tischsets, welche in den Wirtschaften des Appenzellerlandes aufgetischt werden, zusätzlich unterstützt. Der für die Zeitungspublikationen erarbeitete Inhalt soll zusammengefasst und reich illustriert am Ende des Jubiläumsjahres in einer Jubiläumsbroschüre erscheinen. www.heimatschutz-ar.ch

BAsel-Stadt Architektur der 1950er- und 1960er-Jahre Am 24. Oktober 2009 stellte der Basler Heimatschutz eine neue Publikation in der Reihe «Baukultur entdecken» zur Architektur der 1950er- und 1960erJahre in Basel (vgl. S. 24) vor. Die Vernissage fand im Basler Kino Studio Central statt. Verschiedene Filmdokumente aus der Zeit des Aufschwungs ergänzten und bereicherten den Anlass. www.heimatschutz.ch/basel

Basel-Landschaft Heimatschutzpreis für Wohnsiedlung Freidorf Die Wohnsiedlung Freidorf ist der bedeutendste Siedlungsbau der Schweiz aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. Sie wurde vom Verband Schwei­ zerischer Konsumvereine als Modellprojekt des sozialen Wohnungsbaus gestiftet. Initiator war Bernhard Jäggi (1869–1944). Entworfen hat die Siedlung der spätere Bauhaus-Architekt Hannes Meyer (1889–1954), erstellt wurde sie in den Jahren 1919 bis 1921 im Genossenschaftsmodell nach Gartenstadt-Vorbild. Meyer selbst beschrieb das Freidorf als halb Kloster und Anstalt, halb Gartenstadt und Juradorf. Das Ortsbild des Freidorfes wurde sowohl vom Bund als auch vom Kanton Basel-Landschaft im Zuge des Inventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als von nationaler Bedeutung klassiert. Der Heimatschutzpreis des Baselbieter Heimatschutzes erfolgte 90 Jahre nach dem Spatenstich. Die Auszeichnung soll die Siedlungsgenossenschaft darin unterstützen, Sorge zum architektonischen Erbe zu tragen und weiterhin erschwinglichen Wohnraum anzubieten. www.heimatschutz-bl.ch

Schaffhausen Kino im Zeichen der 50er-Jahre Derzeit laden verschiedene kantonale Heimatschutzsektionen zu einer Reise in die Welt der 50er-Jahre ein und zeigen ein buntes Programm mit Filmdokumenten aus der Zeit des Aufschwungs: Präsentiert werden informative Filmwochenschauen, amüsante Werbefilme sowie überraschende Auftrags- und

Dokumentarfilme. Den Anfang machte die Sektion Schaffhausen am 22. September 2009 mit einem Kinoabend im Zeichen der 50er-Jahre im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen. Persönliche Ausführungen von Caro Stemmler, Präsident des Schaffhauser Heimatschutzes, Daniel Grütter, Kurator des Museums zu Allerheiligen, und Jörg Aellig, Architekt und ehemaliger Baureferent der Stadt, ergänzten die Filmvorführungen. www.heimatschutz-sh.ch

Solothurn Heimatschutzpreis für «Haar und Kamm» Das Museum HAARUNDKAMM beziehungsweise dessen Trägerschaft, der Verein «Haar und Kamm Thal», dokumentiert und zeigt ein wichtiges Stück regionaler Industriegeschichte mit internationaler Bedeutung. Die Initiantinnen und Initianten des Museums haben mit viel Engagement erreicht, dass im Ambiente der alten Kammfabrik im solothurnischen Mümliswil die Geschichte des Ortes und der Kammmachertradition in zeitgemässer Form gezeigt wird und wieder auflebt. Mit dem Solothurner Heimatschutzpreis 2009 wurden nicht nur der Verein und das Museum ausgezeichnet, sondern auch das Engagement all jener gewürdigt, die zu dessen Entstehen beigetragen haben. Die Verleihung fand am 25. September 2009 in einem feierlichen Rahmen im Museum statt. www.heimatschutz-so.ch

Tischsets des Ausserrhoder Heimatschutzes werden 2010 auf das 100-Jahr-Jubiläum hinweisen. (Bild ZVG) Des sets de table pour rappeler le 100e anniversaire de la section Appenzell Rhodes-Extérieures de Patrimoine suisse. (photo LDD)

Baselbieter Heimatschutzpreis 2009 für die Wohnsiedlung Freidorf in Muttenz – den bedeutendsten Siedlungsbau der Schweiz aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. (Bild Baselbieter Heimatschutz) Le Prix du patrimoine de la section Bâle-Campagne a été décerné à l’unité d’habitation de Freidorf à Muttenz. C’est l’ensemble le plus important construit en Suisse lors de l’entre-deux-guerre. (photo Patrimoine suisse, section Bâle-Campagne)

Valais romand Des films des années 50 Actuellement, diverses sections de Patrimoine suisse vous invitent à un voyage dans les années 50 et 60 et vous proposent un riche programme cinématographique sur ces deux décennies de prospérité avec des films publicitaires, des films d’auteur et des documentaires. Le 10 octobre 2009, la section du Valais romand a organisé une séance cinématographique au cinéma Capitole avec une sélection de films documentaires des années 50. www.patrimoinesuisse.ch/envol

Zürich Ulrich Ruoff geehrt und gewählt Der Zürcher Heimatschutz hat an der Generalversammlung vom 26. September 2009 den Interimspräsidenten Ulrich Ruoff zum ordentlichen Präsidenten gewählt. Der ehemalige Stadtarchäologe Ulrich Ruoff hat dieses Jahr zudem den «European Archaeological Heritage Prize» zugesprochen erhalten. Damit wird er für seine Verdienste um die Unterwasserarchäologie, die Arbeiten im Bereich der historischen Hausuntersuchung sowie für seine Versuche, Kleincomputer in der Archäologie und bei der Archivierung von Bildern einzusetzen, ausgezeichnet. www.heimatschutz-zh.ch


Von Menschen und Häusern

Heimatschutz  Sauvegarde 4/09 | 38

Zu Besuch im Bleniotal

Umbauen mit Respekt Ein Haus erzählt die Geschichte eines Ortes und einer Familie. Konrad Schmid hat das über 110-jährige Gebäude in Ponto Valentino im Valle di Blenio nach und nach «bewahrend renoviert». Marco Guetg, Journalist, Zürich

Casa Berla, Ponto Valentino, Valle di Blenio. Dieses Haus steht hier, weil Menschen weggehen mussten. Emigrationsdruck nennt man das, und den kennt man im Tessin seit dem Dreissigjährigen Krieg (1618–1648). Viele sind seither ausgewandert und nie wieder zurückgekehrt. Andere gingen und kamen wieder. Damit hat auch die Geschichte der Casa Berla zu tun. Gehen und zurückkommen Wir sitzen am Tisch in der Pergola. Konrad Schmid erzählt, und was er von der Familie erzählt, weitet sich zur Kulturgeschichte. Er erzählt von Giovanni Berla, dem Ururgrossvater mütterlicherseits, der in Florenz Cho-

colatier wurde, in die Schweiz zurückkehrte, an der Gerechtigkeitsgasse in Bern eine Manufaktur übernahm und für den Rest seines Lebens Schokolade produzierte; von Giovannis Sohn Pasquale, den die Liebe zurück ins Bleniotal zieht und der in Ponto Valentino Bauer wird. Giovanni kaufte dem Sohn einen für damalige Verhältnisse grossen, landwirtschaftlichen Betrieb. Und als der Vater starb, erbte Pasquale einen schönen Batzen. Damit baute er das Haus, von dem hier die Rede ist. Das war zwischen 1892 und 1894, und er tat es für seine Sippe: im Parterre Arbeitsküche, Esszimmer, Salone und ein Arbeitsraum, in den oberen Stöcken nichts als Schlafzimmer. Als Pas-

Konrad Schmid – hier mit seiner Frau – entschied sich für eine «bewahrende Renovation» der Casa Berla. (Bild Monika Kubik) Konrad Schmid, ici avec sa femme, a opté pour une rénovation douce de la Casa Berla. (photo Monika Kubik)

quale 1921 starb, übernahm seine Tochter Melanie Haus und Landwirtschaft, doch nach acht Jahren starb auch sie: verbrannt in der eigenen Küche. Gehen und zurückkommen. Das prägt künftig das Schicksal der Casa Berla. Melanies vier Brüder lebten nämlich wieder in Bern und betrieben dort einen erfolgreichen Handel mit Südfrüchten. Bartolomeo – jetzt sind wir bei Konrad Schmids Grossvater angelangt – erbte 1929 das Haus. Er baute es 1930/31 um, versah es mit Strom, Wasser und einem elektrischen Kochherd, malte Räume farbig aus und setzte hier und dort gar chinesische Motive. 1936 verliess Bartolomeo Bern und zog sich nach Ponto Valentino zurück, wo er 1943 starb. Die Casa Berla wurde zum Ferienhaus einer auf die vier Töchter Bartolomeos reduzierten Erbengemeinschaft. Die Jüngste war Konrad Schmids Mutter, die es an ihre zwei Söhne weitervererbte, bis Konrad Schmid es ausgelöst hat und wir somit in der Gegenwart angekommen sind. Intensives Hineindenken «Ich habe eine hohe emotionale Bindung an dieses Haus», sagt Konrad Schmid. «Hier habe ich meine schönsten Zeiten verbracht.» Nur: 80 Jahre lang wurde in diesem Paradies nichts mehr instand gestellt. Das geht an die Substanz. Konrad Schmid renovierte – und er tat es durchaus mit einem didaktischen Fingerzeig. «Mich stört», verrät Konrad Schmid, «wie lieblos man im Tal mit der Bausubstanz umgeht. Mein erklärtes Ziel war es deshalb, den Bleniesi zu zeigen, wie man es auch machen könnte – aus Respekt vor der Leistung und Ästhetik, die unsere Vorfahren in diese Häuser gelegt haben.» Konrad Schmid entschied sich für eine «bewahrende Renovation» und verzichtete bewusst auf Perfektion. «Al-


Des maisons et des hommes

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les, was noch zu retten ist, soll im Haus bleiben.» Und was fälschlicherweise hineinkam, musste wieder raus. Sein erster Entscheid: «Trennung von aussen und innen. Aussen soll die Struktur unverändert bleiben. Das Innere hingegen wurde den heutigen Bedürfnissen angepasst.» Beredt und vom Engagement beseelt führt Konrad Schmid den Besucher durch die Renovationsgeschichte. Er skizziert die grossen Züge: Die inneren und äusseren Symmetrien mussten bewahrt werden. Er erklärt die ener-

Rénovation respectueuse A Ponto Valentino dans le Val Blenio, la Casa Berla est une magnifique demeure construite entre 1892 et 1894 par Pasquale Berla. En tant qu’héritier de son grand-père Giovanni, chocolatier qui fit fortune à Berne, ce simple paysan avait décidé d’investir dans une résidence de villégiature. Il mourut en 1921, sa fille en 1929. Comme les quatre frères s’étaient établi à Berne, la maison resta vide de longues années. De nombreuses allées et venues ont marqué la Casa Berla qui est utilisée depuis 1943 comme résidence de vacances par une communauté de quatre héritiers. La maison vient d’être définitivement reprise par un descendant, Konrad Schmid, après le décès de sa mère. Dans cette maison abandonnée pendant quatre-vingts ans, plus rien ne fonctionnait. Konrad Schmid se décida pour une rénovation conservatrice. Il préserva ce qui pouvait l’être et fit enlever ce qui avait été ajouté sans égard pour la construction d’origine. Il prit la décision importante de faire la distinction entre les travaux intérieurs et extérieurs. Il prit le parti de ne pas modifier l’extérieur, mais de le rénover, et d’aménager l’intérieur pour qu’il puisse répondre au confort d’aujourd’hui. Tout ce qui a été simplifié et supprimé est le fruit de décisions réfléchies. Il n’y a pas d’artifice. C’est justement ce qui rend la rénovation parfaite. Derrière cette logique se cache une dimension pédagogique. «Mon idée, dit Konrad Schmid, était de montrer à la population du Val Blenio qu’il existe une manière de rénover dans le respect des principes esthétiques dont nos ancêtres s’étaient inspirés pour bâtir leurs maisons.»

gietechnische Sanierung: Zentralheizung mit Wärmepumpe. Er berichtet über einen erfolgreichen Disput mit dem Spengler: Die Dachtraufe wurde eigens für dieses Haus so gezogen. Er verrät, weshalb sich in den Aussenfenstern im Gegensatz zum gängigen Hightechglas die Landschaft spiegelt: weil dort «russisches Ziehglas, Arbeitstechnik 1905, verwendet worden ist. Das gibt Leben in die Fassade …» Später, beim Rundgang, der vom Keller und bis unter die Granitplatten im Dachstock führt, wird dem Besucher

bei vielen Details, auf die der Hausherr erklärend hinweist, klar: Was herausgeholt worden ist aus diesem Haus, ist das Resultat intensiven Hineindenkens in dieses Haus. Nichts ist Konfektion. Das macht seine Perfektion aus.

Bei der Renovierung des Gebäudes in ­Ponto Valentino blieb die äussere Struktur unverändert. (Bild Herbert Kurz) La rénovation respecte l’aspect extérieur de la Casa Berla de Ponto Valentino. (photo Herbert Kurz)


Info-Mix

VOR 76 JAHREN Farbe am Haus «Mit wachsender Besorgnis und Entrüstung muss man wahrnehmen, wie in letzter Zeit unsere schönen, einheitlichen Dorf- und Stadtbilder immer mehr durch hässliche, aufdringliche Hausanstriche entstellt und auf lange Zeit schwer geschädigt werden. Entweder sind es zu schwere Farben in einem brutalen Gelb, Orange, Rot, Grün oder gar Waschblau oder süssliche, unnatürliche, wie in letzter Zeit Rosarot, Süsslila, Violett und dergleichen. Das missverstandene Schlagwort von der Farbe im ‹Stadtbild› hat allenthalben schwer wieder gutzumachenden Schaden angerichtet. Es liegt im wohlverstandenen, eigenen Interesse des Malerhandwerks, mitzuhelfen, dass auf diesem Gebiet so rasch als möglich Wandel geschaffen wird. Wir möchten Sie daher auffordern, in Ihren Kreisen dahin zu wirken, dass wieder die Auffassung der Ein- und Unterordnung des einzelnen Hauses in die Gesamtheit des Strassen- und Ortsbildes in erster Linie als Richtschnur dient und dass die Farbe am Haus nicht Selbstzweck oder gar Mittel der Reklame für den Einzelnen sein darf.»

Heimatschutz  Heimatschutz Sauvegarde Patrimoine1/08 4/09 || 40 40

Hotel Bregaglia Das Hotel Bregaglia in Promontogno ist ein unverkennbares Bauwerk aus der Frühzeit des alpinen Tourismus. Als Transithotel an einer damals viel frequentierten Reiseroute ins Engadin gebaut, kam der Hotelbetrieb jedoch nie richtig in Schwung. Wohl nicht zuletzt darum finden seine Gäste noch heute vieles im ursprünglichen Zustand vor. Das Buch erzählt die bewegte Geschichte dieses einmaligen Zeitzeugnisses aus verschiedenen Blickwinkeln. So führt es ein in die kulturellen Besonderheiten des Bergells als traditionelles Transit- und Emigrantental. Es porträtiert die Gründer des Hotels und seine Besitzer und Betreiber im Laufe der Zeit. Und es beleuchtet das bisher weitgehend unbekannte Leben und Werk des Architekten Giovanni Sottovia aus Vicenza, der auch bemerkenswerte Hotelbauten im Engadin und Puschlav realisiert hat. Die Hotelchronik führt, gespickt mit zahlreichen Anekdoten und mit historischem und aktuellem Bildmaterial, als roter Faden durch die verschiedenen Kapitel. Mit seiner sorgfältigen Gestaltung empfiehlt sich das Buch bestens als anregende Sonntagslektüre. Roman Kallweit

Auszug aus einem Text des Schwäbischen Bundes für Heimatschutz in der Zeitschrift Heimatschutz, Nr. 5, 1933, S. 80.

Isabelle Rucki, Stefan Keller (Hg.), Heinrich Helfenstein (Fotograf). Hotel Bregaglia. Ein Findling im Bergell. 172 Seiten, CHF 48.–, 2009, Verlag hier+jetzt, Baden. ISBN 3-03919-129-2

NEUE BÜCHER

NOUVELLE PARUTION

Entdeckungstouren im Tessin Kein Kanton löst auf der Alpennordseite stärkere Gefühle aus als das Tessin. Hugo Ball, der Mitbegründer der Dada-Bewegung, bezeichnete seine Wahlheimat einst als eine Art Neuguinea und Honolulu. Der Ruch des Exotischen haftet dem Südkanton bis heute an. Das neue Buch von Omar Gisler kann als Tourismuslexikon, Reiseführer und Kulturgeschichte in einem gesehen werden. Auf mehr als 200 Seiten weist der junge Autor den Weg zu jenen Sehenswürdigkeiten zwischen Gotthard und Lugano, zwischen Ascona und Morcote, die in den offiziellen Führern kaum gewürdigt werden: Kirchen mit ungewöhnlichen Schätzen, Gärten mit üppigster Vegetation, Schlösser mit wundersamen Besitzern, Fabriken und Wehranlagen mit ihren teils skurrilen Geschichten. Die Palette reicht von der Felsenwohnung Splüia Bela im Valle Bavona über das ehemalige Stahlwerk Monteforno in Bodio bis hin zum neuen Kulturzentrum, das zurzeit im ausgebrannten Hotel Palace in Lugano entsteht. Die Beschäftigung mit der Auswahl an Kulturdenkmälern lohnt sich, wenn man verstehen möchte, weshalb das Tessin so ist, wie es heute ist. Lukas Brassel

Un monument historique controversé Parmi les premières interventions d’envergure dans le Paris intra muros de l’après-guerre, l’ensemble de la Caisse d’allocations familiales (CAF, Raymond Lopez, Michel Holley architectes, 1953–1959) a été, à l’époque de sa réalisation, un événement à part entière. Exploit architectural, prouesse technique, emblème de la renaissance du secteur du bâtiment, il jouit d’une fortune critique exceptionnelle. Objet d’une longue controverse politique en matière de sa sauvegarde, l’ensemble de la CAF est devenu un cas juridique exceptionnel: inscrit à l’Inventaire supplémentaire des monuments historiques en 1998 et déclassé en 2002, le projet n’est pas protégé et ne pourra plus l’être par la suite. Premier – et seul – bâtiment «déclassé», longtemps menacé de disparition, l’ensemble est l’objet d’une rénovation lourde, qui prévoit la démolition partielle de l’ensemble, une transformation radicale de son image, ainsi qu’une perte irréversible de sa substance matérielle. Reconnu par les historiens comme un témoin majeur de l’architecture des Trente Glorieuses, mais décrié par le tout-public, le projet de l’agence Lopez pour la CAF existe sur la longue durée, légitimé par une redécouverte tardive et polémique. Par la documentation historique et l’analyse critique du projet d’origine, ainsi que par la prise en compte de ses enjeux patrimoniaux récents, cet ouvrage se propose de retracer l’histoire controversée de ce «monument désavoué».

Omar Gisler. Auf Entdeckungstouren im Tessin. Nachwort von Raffaello Ceschi, übersetzt von Mario Maccanelli. 229 Seiten, CHF 49.–. 2009, Huber Verlag, Frauenfeld. ISBN 978-3-7193-1532-0

Schweizer Brückenbauer Christian Menn gilt als der bedeutendste Schweizer Brückenbauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er baute über 100 Brücken und prägte als Professor an der ETH Zürich eine ganze Generation von Bauingenieuren. Zahlreiche Auszeichnungen zeugen von seinem internationalen Ansehen. Das Buch zeigt Menns Fähigkeit zur gekonnten Reduktion auf das Wesentliche und lässt einen in die Welt seiner Ingenieurkunst eintauchen. Menns Leistung liegt unter anderem darin, dass es ihm immer wieder gelang, die Anforderungen der Wirtschaftlichkeit, Technik und Ästhetik gekonnt zu einer Einheit, zu einer «Brücke» zusammenzufügen. Neben der klaren Konzeption und sauberen konstruktiven Bearbeitung sind stets die Form und Massstäblichkeit in Bezug zur Landschaft bemerkenswert. Lukas Brassel Peter Marti, Thomas Vogel, Orlando Monsch, Philipp Schelbert. Christian Menn – Brückenbauer. 131 Seiten, CHF 40.–. 2008, Vdf Hochschulverlag AG, Zürich. ISBN 978-3-7281-3137-9

Giulia Marino. Un monument historique controversé. La Caisse d’allocations familiales à Paris 1953–2008. Préface de Bertrand Lemoine. Postface de Franz Graf et Bruno Reichlin. 272 pages, 39 euros. 2009, Editions Picard Paris. ISBN 978-2-7084-0846-3

INFORMATION RÉDACTIONNELLE Nouvelle règle typographique La rédaction de Heimatschutz/Patrimoine a décidé de supprimer les espaces fines placées avant le point d’interrogation, le point d’exclamation, le deuxpoints et les guillemets. Cette règle de ponctuation n’a pas le caractère d’obligation absolue que peut avoir l’orthographe. Leur suppression permet, en outre, une meilleure harmonisation avec les textes en allemand où ces espaces n’existent pas. La rédaction

LE COMMENTAIRE

Petite sœur devenue grande Pro Natura fête cette année ses 100 ans. Bon anniversaire! L’association «Patrimoine suisse» est née en 1905 sous le nom de «Ligue pour la conservation de la Suisse pittoresque». Objectif: protéger notre pays dans ses particularités naturelles et historiques. Ce fut la première organisation nationale de protection de l’environnement. De son côté, l’association «Pro Natura» a été fondée quatre ans plus tard, en 1909, avec pour but pionnier la création d’un Parc national. Elle s’appelait alors «Ligue suisse pour la protection de la nature». Les deux organisations non gouvernementales sont les filles de la même époque et d’une volonté commune: réagir face à la pression grandissante de l’industrialisation et du tourisme. Rapidement, elles se sont efficacement réparti les rôles: à l’une la défense de la nature et de sa diversité, à l’autre l’action dans le domaine de l’environnement bâti ou culturel. Depuis 1946, les deux associations sœurs vendent ensemble le fameux «Ecu d’or», dont le bénéfice est consacré à la sauvegarde de notre cadre de vie. Autres exemples de coopération: les campagnes politiques que nous menons (d’ailleurs avec d’autres organisations encore) pour la défense du droit de recours des associations ou en faveur de l’Initiative pour le paysage. Il y a toutefois une différence de taille (c’est le cas de le dire!) entre nos deux associations : Pro Natura a pris plus de poids que Patrimoine suisse, elle compte environ quatre à cinq fois plus de membres et donateurs, et ses moyens d’action (y compris financiers) sont bien plus considérables. On peut donc dire aujourd’hui que notre petite sœur Pro Natura est devenue grande, qu’elle nous a largement dépassés et qu’elle nous remplit d’admiration. La force qu’elle a prise, son développement et sa capacité d’action sont un modèle pour Patrimoine suisse: puissions-nous grandir comme elle, au bénéfice de notre environnement! Félicitations! Philippe Biéler, président de Patrimoine suisse Die deutschsprachige Übersetzung des Kommentars findet sich unter www.heimatschutz.ch/Kommentar


Adressen/Adresses

GESCHÄFTSSTELLE/SECRÉTARIAT Schweizer Heimatschutz/Patrimoine suisse Postfach 1122, 8032 Zürich Domizil/Siège: Seefeldstrasse 5a, 8008 Zürich T 044 254 57 00, F 044 252 28 70 info@heimatschutz.ch, www.heimatschutz.ch info@patrimoinesuisse.ch, www.patrimoinesuisse.ch Geschäftsleiter/Secrétaire général: Adrian Schmid

ZENTRALVORSTAND/COMITÉ CENTRAL Geschäftsausschuss/Bureau Präsident/Président: Philippe Biéler, Au Praz Derrey, 1613 Maracon P 021 907 82 52, e-mail: philippe.bieler@patrimoinesuisse.ch Vizepräsident(in)/Vice-président(e): Ruth Gisi Christoph Schläppi Übrige Mitglieder/Autres membres: Christian Bischoff Severin Lenel Denise Lüthy Daniela Saxer

Geschäftsstellen/Secrétariats Sektionspräsidenten/Présidents de section Aargauer Heimatschutz Präsident: Ruedi Weber, Gipf-Oberfrick Geschäftsstelle: Henri Leuzinger, Kapuzinergasse 18, Postfach 358, 4310 Rheinfelden, G 061 831 70 05, P 061 831 69 67 Heimatschutz Appenzell A.-Rh. Präsident: Heinz Naef, Ober Bendlehn 20, 9042 Speicher, G 071 344 26 44 Heimatschutz Basel Präsident: Robert Schiess, Basel Geschäftsstelle: Hardstrasse 45, Postfach, 4020 Basel, G 061 283 04 60 Baselbieter Heimatschutz Präsident: Markus Jermann, Dorfstrasse 24c, 4243 Dittingen, G 061 761 38 69, F 061 761 42 38, P 061 761 35 10 Berner Heimatschutz Präsidentin: Dorothée Schindler, Bern Geschäftsstelle: Kramgasse 12, 3011 Bern, G 031 311 38 88, F 031 311 38 89 Bündner Heimatschutz Präsident: Jürg Ragettli, Poststrasse 43, 7000 Chur, G 081 250 75 72, F 081 250 75 71 Proteziun da la patria d’Engiadina Präsident: Johannes Etter, Schluocht 78, 7494 Wiesen, G 081 410 00 45, P 081 854 23 43 Patrimoine suisse, section Fribourg Président: Pierre Heegaard, Stalden 20, 1700 Fribourg, B 032 654 91 26, F 032 654 91 08, P 026 322 61 36 Patrimoine suisse, section Genève Président: Marcellin Barthassat, Genève Secrétariat: ruelle du Midi 10, case postale 3660, 1211 Genève 3, B 022 786 70 50, F 022 786 78 07 Glarner Heimatschutz GHS Präsident: Fridolin Beglinger, Mühlenstrasse 3, 8753 Mollis, G 055 612 35 35, F 055 612 44 73 Patrimoine Gruyère-Veveyse Président: Jean-Pierre Galley, rue de l’Eglise 3, 1669 Lessoc, P 026 928 14 55 Innerschweizer Heimatschutz Präsident: Sepp Rothenfluh, Murbacherstrasse 25, 6003 Luzern, G 041 210 87 80 Patrimoine suisse, section Jura Président: Antoine Voisard, Porrentruy Administrateur: Georges Daucourt, CP 2202, 2800 Delémont 2, T/F 032 422 73 89 Patrimoine suisse, section neuchâteloise Président: Claude Roulet, Chevreuils 37, 2300 La Chaux-de-Fonds, B 032 967 06 70, F 032 967 06 00, P 032 926 62 94 Oberwalliser Heimatschutz Präsident: Werner Bellwald, Postfach 548, 3900 Brig, P 027 939 12 20

Schaffhauser Heimatschutz Präsident: Caro Stemmler, Zum Gelben Haus, Stadthausgasse 21, 8200 Schaffhausen, G 052 624 52 20, P/F 044 836 67 45 Schwyzer Heimatschutz Präsident: Walter Eigel, Zwygarten 11, 6415 Arth, P 041 855 51 66 Solothurner Heimatschutz Präsident: Philipp Gressly, Solothurn Geschäftsstelle: Tanja Baumberger, Ravellenweg 12, 4702 Oensingen, G 032 622 12 26 Heimatschutz St. Gallen/Appenzell I.-Rh. Präsident: Andreas Jung, Rebstein Geschäftsstelle: Davidstrasse 42, Postfach 931, 9001 St. Gallen, G und F 071 222 07 20 Thurgauer Heimatschutz Präsident: Uwe Moor, Oberhofen bei Kreuzlingen Geschäftsstelle: altes SBB-Stellwerk Weinfelden, Schützenstrasse 28, Postfach 299, 8570 Weinfelden, G 071 620 05 10 Società ticinese per l’arte e la natura (STAN) Presidente: Antonio Pisoni, Ascona STAN: Piazza Grande 26, CP 1146, 6601 Locarno, U 091 751 16 25, F 091 751 68 79 Patrimoine suisse, section Valais romand Président: Rafael Matos, rue de la Lombardie 10, 1950 Sion, B 027 455 59 61 Patrimoine suisse, section vaudoise Président: Denis de Techtermann, Morges Secrétariat: Domaine de La Doges, chemin des Bulesses 154, 1814 La Tour-de-Peilz, B 021 944 15 20, F 021 944 15 89 Zuger Heimatschutz Präsident: Dr. Alex Briner, Cham Geschäftsstelle: Postfach 4641, 6304 Zug, G 041 711 13 18, F 041 711 13 19 Zürcher Heimatschutz Geschäftsstelle: Limmattalstr. 213, 8049 Zürich, G 044 340 03 03, F 044 340 03 35 Präsident: Ulrich Ruoff, Zürich

Fachberater/Conseillers Anfragen über die Geschäftsstelle SHS/ Consulter le secrétariat de Patrimoine suisse Bauberatung/Service technique: Eugen Mugglin, Luzern Patricia Schibli, Wettingen Rechtsdienst/Service juridique: Lic. iur. Rudolf Muggli, Bern

Öffentlichkeitsvertreter/ Représentants des milieux officiels Dr. Raimund Rodewald (Stiftung Landschaftsschutz Schweiz/Fondation suisse pour la protection et l’aménagement du paysage)

TESTAMENTE UND LEGATE Die Regelung Ihres Nachlasses gibt Ihnen Gewissheit, dass Ihr letzter Wille respektiert wird und dass Personen oder Organisationen, deren Ziele Ihnen wichtig sind, berücksichtigt werden. Unterstützen Sie den Schweizer Heimatschutz mit einem Legat. Sie können unser Informations­blatt telefonisch unter 044 254 57 00 bestellen oder unter www.heimatschutz.ch als PDF-Datei herunterladen.

TESTAMENT ET LEGS Rédiger un testament vous donne la certitude que vos dernières volontés seront respectées et vous permet de favoriser les personnes ou les organisations dont vous souhaitez soutenir les buts. Soutenez Patrimoine suisse par un don testamentaire. Un dépliant d’information est à votre disposition sur demande au 044 254 57 00. Vous pouvez également le télécharger sur notre site internet.

IMPRESSUM 4/2009: 104. Jahrgang/104e année Herausgeber/Editeur: Schweizer Heimatschutz/Patrimoine suisse Redaktion/Rédaction: Peter Egli, Leitung Elisabeth Kopp-Demougeot (traductions) Irène Bisang (Übersetzungen) Redaktionskommission/Commission de rédaction: Christoph Schläppi (Vorsitz), Architekturhistoriker Peter Egli, Architekt FH/Redaktor Adrian Schmid, Geschäftsleiter SHS Gerold Kunz, Architekt ETH Ivo Bösch, Architekt ETH/Redaktor Druck/Impression: Stämpfli Publikationen AG, 3001 Bern Erscheint/Parution: vierteljährlich/trimestrielle Auflage/Tirage: 18 000 Ex. Adresse: Redaktion «Heimatschutz/Patrimoine», Postfach 1122, 8032 Zürich, T 044 254 57 00, F 044 252 28 70, redaktion@heimatschutz.ch, redaction@patrimoinesuisse.ch ISSN 0017-9817 Nächstes Forum-Thema: Blick über die Landesgrenze Redaktionsschluss: 4. Januar 2010 Prochain thème du Forum: Au-delà des frontières suisses Délai rédactionnel: 4 janvier 2010

Prof. Dr. Georg Mörsch Dr. Samuel Rutishauser (Denkmalpflege) Lic. iur. Lukas Bühlmann (Schweiz. Vereinigung für Landesplanung VLP Association suisse pour l’aménagement national ASPAN)

Gefährdete Baudenkmäler können nicht sprechen. Wir schon!

TALERVERKAUF/VENTE DE L’éCU D’OR

WERDEN SIE MITGLIED BEIM SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ!

Talerverkauf für Heimat- und Naturschutz Vente de l’Ecu d’or Postfach, 8032 Zürich Domizil/Siège: Seefeldstrasse 5a, 8008 Zürich G 044 262 30 86, F 044 252 28 70, info@schoggitaler.ch www.schoggitaler.ch, www.ecudor.ch, www.tallero.ch PC 80-4943-5 Leiterin Talerbüro: Brigitte Brändle

Als Dank für Ihre Anmeldung erhalten Sie ein Willkommensgeschenk Ihrer Wahl: www.heimatschutz.ch/geschenk oder T 044 254 57 00 Les bâtiments menacés ne peuvent pas crier au secours. Nous, oui!

EHRENMITGLIEDER/MEMBRES D’HONNEUR

DEVENEZ MEMBRE DE PATRIMOINE SUISSE!

Marco Badilatti, Denis Blondel, Jaques Bonnard, Ronald Grisard, Dr. Theo Hunziker, Dr. Caspar Hürlimann, Dr. iur. Bruno A. Kläusli, Beate Schnitter, Dr. phil. Rose-Claire Schüle, Dr. Andrea Schuler, Robert Steiner, Hans Weiss, Dr. h.c. Jakob Zweifel

En remerciement de votre inscription, vous recevez un cadeau de votre choix: www.patrimoinesuisse.ch/cadeau ou T 044 254 57 00


Heimatschutz/Patrimoine, 4-2009  

Die Zeitschrift "Heimatschutz/Patrimoine" wird viermal jährlich vom Schweizer Heimatschutz herausgegeben. Sie richtet sich an Mitglieder des...

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