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Heimat ist vermutlich nur noch für wenige Menschen der Ort an dem sie leben. Heimat ist ein Gefühl, eine Sehnsucht. In dem Wort klingt, ebenso wie bei dem ähnlichen, aber stärkeren Begriff Paradies, die Schwermut des Verlustes mit. Beide haben mit Kindheit zu tun, und die Kindheit ist in der Welt der Geschichten immer ein Symbol für einen Zustand ursprünglicher, sorgloser, unschuldiger, angstfreier, behüteter Ganzheit. In den meisten Romanen, Filmen, Erzählungen verliert der Held oder die Heldin das Paradies, wird aus der Heimat verstoßen und traumatisiert. Er verliert seine Ganzheit. Wir Leser verfolgen mit Spannung, ob es gelingt, in die alte Heimat zurück zu kehren oder an einem anderen Ort eine Neue zu finden.


Wolfgang Schorlau Krimiautor

Im Grossen Lesesaal der Landesbibliothek


Heimat ist eine Perspektive, die ich immer hatte und immer wieder erobern muss. Eine unstillbare Sehnsucht. Die Begriffe Heimat, Vaterland und Muttersprache haben für mich eine ganz hohe Bedeutung. Das kann man heute gar nicht mehr verstehen. Geboren bin ich in Masuren, aufgewachsen in Holstein. 1939 mit 17 wurde ich eingezogen in das 6. Infanterieregiment. Dann kamen 10 Jahre Russland. An der Front sprachen wir Platt. Nein, Nazis waren wir keine, nur gute Soldaten. Ich hätte nichts gegen den Heldentod gehabt, aber der wollte mich nicht. Stattdessen erhielt ich die silberne Nahkampfspange. Im Krieg war das Heimatgefühl stark. Es bestand aus der Sehnsucht nach Holstein und Frieden. Ja, Heimat ist Landschaft, Gedichte, Lieder, Sprache. Das Beisammensein mit den Geschwistern und der Mutter. Gedichte von Matthias Claudius, die Erinnerung an Dickmilch mit roter Grütze und Bratkartoffeln mit einer Scheibe Schinken. Das Heimatgefühl hier in Schwaben ist begrenzt auf Zweitheimat. Ich habe Stuttgart angenommen und kann es verteidigen. Die Arbeit ist auch ein Stück Heimat. Auch meine vielen Freunde und die etlichen hundert Studenten, von denen ja einige bereits selbst pensionierte Professoren sind. Meine Lieblibgstypo

- Corporate A light -


Prof. Kurt Weidemann Gebrauchsgraphiker


„Hier bin ich daheim, in diesem Schmelztiegel der Kulturen, in dem alle Sprachen zu hören sind. Wo die ganze Welt sich trifft und von wo wir die Welt bereisen. Hier gehen die grössten Tänzer, Dirigenten, Sänger, Choreographen und Regisseure der Welt ein- und aus. Hier ist alles: Tradition und Innovation, Regionalität und Internationalität auf höchstem Niveau, in steter Wandlung.“

Meine Heimat ist das Stuttgarter Ballett. Als ich 1970 im Alter von 8 Jahren als Cranko -Schülerin hier anfing, wünschte mir nichts inniger, als mein Leben in diesem Haus zu verbringen. Nach Abschluss der Cranko-Schule tanzte ich 4 Jahre lang als Halbsolostin in Hof. Als dann der Anruf kam mit der Frage, ob ich sofort Opernballettmeisterin in Stuttgart werden wolle, war das die Erfüllung meines Traumes, auch wenn ich den Tanz dafür auf der Höhe meines Könnens aufgeben musste. Seither bin ich hier. In all den Jahren habe ich eine Krankmeldung abgegeben. Ich weiss, wie ein Stück vor 20, auch vor 35 Jahren getanzt wurde und von wem, während um mich herum fast alle ausgetauscht sind. Meine Aufgaben? Ich helfe den Solisten und dem Chor der Oper, wenn es um‘s Tanzen oder um eine Rollengestaltung geht, ich leite die Wiederaufnahmeproben, organisiere alle Tourneen, alle Kindereinsätze, die Statisten, ich sorge für korrekte Abrechnungen, vernetze die Abteilungen, pflege den Austausch mit der Cranko-Schule. Ich bin zunehmend in Charakterrollen wieder auf der Bühne und wenn es heisst: „Angelika, wir brauchen eine Pythonschlange“ kümmere ich mich auch darum. Arbeitsstunden zählen? Lächerlich. Ich helfe überall und zu jeder Zeit.


Angelika Bulfinski

Opernballettmeisterin am Stuttgarter Ballett


„Als ich 1977 zum Studium nach Essen ging, habe ich die heimatliche Laugenbrezel so sehr vermisst, dass ich mir in der Apotheke verdünnte Lauge(NaOH) besorgte und solange ausprobierte, bis ich mir meine Laugenbrezeln selber backen konnte.“

Meine Lieblingsgeschichte der Entstehung des Laugengebäcks Streit in der Backstube. Die Ehefrau wirft mit dem Teig nach ihrem Mann, der duckt sich und der Teigklumpen landet im Putzeimer. Die sparsame Bäckerin holt ihn aus der Putzlauge wieder heraus und backt damit dunkle Brötchen. Die Kunden wollen diese besonderen Brötchen wieder kaufen. ...so entstand das Laugengebäck. Und der Renner wurde die Laugenbrezel.


Dr. Helga Breuninger

Stifterin, Bildungsexpertin, Nachfolgeberaterin Vorsitzende der Stuttgarter Bürgerstiftung

Bäckermeister Frank Senior unterstützt die Bürgerstiftung bei ihrer Hefezopfwette. Seine Backstube habe ich mir als Ort ausgewählt, weil hier bei ihm die Brezeln am besten schmecken und die urgemütliche Atmophäre wohl tut.


Ich komme aus Weissrussland, aus Gomel, nicht weit von Tschernobyl. Zum ersten Mal kam ich als „Tschernobylkind“ nach Deutschland, wo wir medizinisch behandelt wurden ohne zu wissen wofür und wogegen. Ab da wollte ich in Deutschland leben. !999 kam ich dann nach Freiburg, um mein Sportstudium fortzusetzen. Dort kam ich über eine Zeitungsannonce zum Boxen. Mein Ding! Seit 1999 lebe ich in Stuttgart und betrachte diese Stadt als meine Heimat. Ich kann noch nicht einmal sagen, dass es nur meine zweite Heimat wäre: Gomel habe ich verlassen und seither hat sich diese Stadt verändert und ich mich ebenso. Ich bin jetzt hier, ich bin glücklich, habe meine Freunde hier und interessiere mich für alles, was mit meiner neuen Heimat zu tun hat.

Mein Heimatsymbol ist mein Patenkind: Der Sumatra Tiger „Bagus“, der im April 2007 in der Wilhelma geboren wurde. Er steht für meine Verbindung zu meiner neuen Heimat Stuttgart und gleichzeitig zu meinem Kampfnamen: Die Tigerin!


Alesia Graf

Boxweltmeisterin im Super-Fliegengewicht

Am Killesberg 체ber der den D채chern der Stadt


Während ihr eure Fildern zubetoniert, bauen wir euer berühmtes Spitzkraut eben in Baden an - es ist sowieso mein Traum, Württemberg zu übernehmen.

t. a h

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ck i tw ür el f n k u s e rkt gen nd L z e n en rstä sun n u a g i m d E ve Lö che n Die Revolution ist traditionell e i n n u d ... sei nu und ns r n , g e e ln un rn ch en M seh on badisch! e i e i r z ur Klä ond h m Ide aller ührt Reg W se , s ic de it er die e i b n s e e n d di el as ise igk as n d in rch and tet,d swe äng g. D üsse s s du w tal nft bh n m a d nd ern es ku rA bu ür , en er u r Elt umg , zu de mge Daf r bo ies de eit de sein n U ge. e g d fen ow sen sst rte fra n i h e ac ap d s fas wu ie at n i n t m h st n ßs un um Be efi ei n o er Fu en en im al d e H i t ua tlich den mm uch haft ion h di n. t i S en in no ra tsc reg uc rde e g ur ge ir b ir h e a e n i i e n e at ht n n an : W ndw , auc inn rkt w i rd eim nic lter ann e La en en S estä i w t H ja r E n k ch ich nd r g n a teh an ine de gli türl sse de M ts ll m me en rträ na fa ie ? n t w i e w a e m , u rte h h w Hof zu eltv en m i c i e d m n H r m ßlic en be mw sun ine dwi Fü hlie be d ufga d u r ge in e Lan Sc ha ftsa - un ine nd der Ich kun zial on e en u cht Zu e so n v Frag sma e g ein wes exe ltun be mpl sta ko e Ge di n e r ä


Christian Hiß

Mitbetreiber des bio.dyn. Gärtnerhofes „Querbeet“ in Eichstetten am Kaiserstuhl, Initiator der „Ländlichen Akademie“, des „Kaisterstühler Gartens“, von „Perpetuum Novile“ sowie der „Regionalwert AG“, der ersten Bürgeraktiengesellschaft Deutschlands.


Meine Frau, unser kleines Mädchen und ein schönesGutmannHefeweizenamFeierabend sindunteranderemsolcheVorraussetzungen, die die schönsten Heimatgefühle ganz von alleine entstehen lassen.

Heimat ist ein Gefühl, das durch viele Faktoren ausgelöst werden kann, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Es ist etwas Ruhendes, die eigene Mitte. Es kann sich überall einstellen, auch an einer Straßenbahnhaltestelle.

Ich bin zwar nur in der ersten Gener tion Schwabe , fühle mich aber voll integriert. Scheint was dran zu sein an derTheorie, das Schwaben vor Urzeiten einmal chinesisch besiedelt war.


Daniel Tjoa

Unternehmer, Geschäftsführer „Idogohaus“ Stuttgart Tai-Chi Lehrer

An einer x-beliebigen Strassenbahnhaltestelle


HEIMAT HAT VIELE ASPEKTE: Landschaft, Orte, Menschen, politische ... MEIN Heimat-Ort ist der auf dem Bild gezeigte: In dieser Landschaft erlebte ich als Kind in der Nachkriegszeit ein paar Wochen Heimat: Schoenheit, Fuelle, Sicherheit.

Mein Heimatsymbol sind meine Malwerkzeuge – weil Heimat in all ihren Aspekten sehr viel mit Gestaltung (WIDERSTAND!) zu tun hat. Meine politische Heimat ist aufklaererisch, humanistisch, links; Der Widerstand hat seine wechselnden Formen und seine wechselnde Aesthetik: Aesthetik des Widerstandes. Und die Malerei? Alles, was die Sehnsuechte der Menschen widerspiegelt, macht diese widerstaendiger. Wer malt, schafft eine andere, eigene, mitunter bessere Welt.


Gangolf Stocker

Politischer Aktivist und Maler


„Zur Heimat erkor ich mir die Liebe“

Mascha Kaleko

Heimat? Ein Boden aus Geschichte und ein leerer Raum, den wir selbst gestalten. So ist mein Heimatsymbol ein Buch wie dieses - es steht schon etwas drin, das ich nicht ändern kann. Und es gibt viele leere Seiten, die ich selbst gestalten darf...

Unser 104 Jahres altes Schulhaus symbolisiert für mich Bestand und Sicherheit - ein guter Ausgangspunkt für die Suche nach eigenen Wurzeln. Nie hätte ich gedacht, dass ich bei der historischen Forschungsarbeit mit unseren Abgangsklassen zur Geschichte von ehemaligen Schülerinnen und Schülern unserer Schule auf Spuren der eigenen Familiengeschichte stoßen würde. Mussten die in der Schule einquartierten Zwangsarbeiter auch bei meinem Großvater in der schulnahen Werkstätte arbeiten? Seltsam - wenn man bedenkt, dass hier unser Herzensanliegen ist, Flüchtlings- und Migrantenkindern aus aller Welt ebenso wie den einheimischen Kindern eine Heimat anzubieten


Gudrun Greth

Rektorin der Grund- und Hauptschule Stuttgart- Ostheim wo ca. 75% der Sch端ler aus der ganzen Welt kommen

Auf dem T端rmchen der Schule


Heimat ist der Ort, für den ich auch Verantwortung übernehme.

MEIN HEIMATSYMBOL IST Der Stuttgarter Haushaltsplan, denn über nichts läßst sich bekanntlich trefflicher streiten als über Geld.    Ich möchte zeigen, dass man sich erlauben kann, innerhalb des Systems   zu träumen - denn Träume können einen Charme haben, den eine   Verwaltungsvorlage nie haben kann. Was ist der Traum, die Utopie hinter diesem Haushalt?  Sowas scheint es  außer dem alten „höher, schneller, weiter“ nicht zu geben. Warum eigentlich nicht? Warum darf Politik nicht experimentieren?

Warum wird nicht gemeinsam mit den Bürgern die Frage bewegt, in was für einer Stadt wir wie leben wollen und was wir dazu benötigen? Auf dieser Grundlage müssten  wir einen Haushaltsplan machen. Und das ist mein Traum: Dass Menschen aus allen Schichten sich zusammen an einen Tisch setzen und frei von Zwängen und Grenzen gemeinsam überlegen, was sie brauchen, um in  Gemeinschaft miteinander, in Frieden mit sich und der Natur gut zu leben. Der Ausgang eines solchen Experiments ist offen, nur eins ist sicher: wie in der Architektur wird auch hier die Lösung im konkreten Ort liegen.


Hannes Rockenbauch

Stuttgarter Stadtrat, Architekturstudent

Fliegen lehren, auf dem Dach der Uni Stuttgart


Heimat hat für mich sehr viel mit Menschlichkeit zu tun - dafür stehen die Hände, die mein Heimatsymbol sind.

Menschlichkeit ist auch in meinem Beruf zentral und ich wünsche mir sehr, auch in Uniform als Mensch gesehen zu werden und nicht nur als Institution. Ich bemühe mich, stets den Menschen zu sehen, egal, wie schlimm die Situation ist. Wir werden im Streifendienst häufig mit dem Tod konfrontiert, deshalb beschäftige ich mich intensiv mit meinem und unserem Umgang mit Tod und Sterben, sowie auch mit den im menschlichen Sinne sehr schwer zu definierenden Fragen rund um Opfer- und Täterschaft. Wenn eine Situation eskaliert ist, brauchen alle Hilfe. Am Ende auch wir Polizisten. Mein Bestreben ist es, einen anderen Umgang mit Sterben und Tod zu finden. Darum arbeite ich an der erfolgreichen Vernetzung von Polizei, Notfallseelsorge und den psychologischen Beratungsstellen, um Unfallbeteiligten besser helfen zu können.


Heike Fรถrster Polizeiobermeisterin

Auf dem Hohenstaufen mit meinem Sohn Hier komme ich oft her, um mich nach schwierigen Erfahrungen wieder zu erden.


Auch (Nutz)tiere haben Heimatrecht!

... und dazu gehört: Freiheit für ungehinderte soziale Beziehungen, Sicherheit nicht wie lebendige Ware verkauft zu werden, angst- und schmerzfreier Tod in gewohnter Umgebung.

Schlachtungen sind leider notwendig, nur dadurch kann die Herde überleben. Tierfreundliche Schlachttier-Transporte sind unmöglich und verstoßen deshalb gegen das Tierschutzgesetz. Im Jahre 1986 kam ich zum Entschluss: Lebendtransporte meiner Tiere in den Schlachthof nur noch über meine Leiche. Um den Tieren einen angst- und schmerzfreien Tod in gewohnter Umgebung ermöglichen zu können, mussten wir über 13 Jahre lang mit Behörden kämpfen. Dabei haben wir um Haaresbreite unsere Heimat verloren. Buchstäblich in letzter Minute haben uns über 100 meist unbekannte Menschen mit einer Sammlung von ca. 500.000,-DM. gerettet. Dies ist das „Wunder von Uria“. Das war im Jahr 2000 und mittlerweile hat sich unsere Situation stabilisiert. Zu unserer Heimat gehören seither viele neue wunderbare Menschen und es werden immer mehr. Neben der Betreuung unserer Herde beraten wir inzwischen Landwirte und Behörden bei der Umsetzung tierfreundlicher Haltungs- und Schlachtmethoden. Unsere Ziele sind grundsätzliche Verbesserungen in der Nutztierhaltung und die schrittweise Abschaffung der Schlachttier - Transporte.


Ernst Hermann Maier

Rinderzüchter, Vorsitzender des Vereins Uria e.V.

Bei seiner Herde von ca. 230 Rindern, die ganzjährig im Freien leben und deren Hörner immer schöner und länger werden.


Heimat ist ein Ort im Herzen. Die Heimat meiner Kindheit ist Worpswede, ein Nest von Erinnerungen an Geborgenheit hinter einem verklärten Blick.

Meine neue Heimat ist Stuttgart, ein Ort, an dem ich mich einbringe, an dem ich Verantwortung übernehme, den ich (mit)gestalte. Dieser Ort muss nicht vollkommen sein, er hat auch unschöne Seiten. Er verlangt keine bedingungslose Zustimmung und keinen verklärten Blick. Dieser reale Ort soll sich verändern. Seit 26 Jahren ist Stuttgart meine Heimat! Heimat ist auch ein Ort der kleinen Wege. Alles was ich mit dem Fahrrad erreichen kann gehört dazu. Daher ist mein Symbol für Heimat mein Rad – ich habe es aus der alten Heimat Worpswede mitgebracht. In der Stadt ist mein Fahrrad viel schneller, beweglicher und kommunikativer als mein Auto! Denn eine Heimat ohne Bekannte, Freunde und spontane Begegnungen: das wäre nicht meine.

Der Wochenmarkt am Rathaus ist ein zentraler Ort dieser Heimat ...


Veronika Kienzle

Bezirksvorsteherin Stuttgart- Mitte Fl端chtlingskoordinatorin


Schlankelesbirne

Williamsbirne Palmischbirne

Limpurgerbirne

Naturzerstörern, dem rasenden Stillstand und der (europäischen) Agrarpolitik zeigen wir den Götz.

Weißherrnbirne

Die alten Birnensorten haben sich über Jahrhunderte hinweg an Boden und Witterung angepasst und so unvergleichliche, köstliche Aromen entwickelt. Heute interessieren sich ausser mir nur noch wenige dafür. Ich vergeiste sie zu aromareichen Wässern, um diese Bäume in unserer Heimat zu erhalten.

„Ich saß hier schon als Kind am Rand der schwäbischen Waldberge und blickte in die Hohenloher Ebene. Dort begann ja Norddeutschland. Man wusste schließlich, dass Norddeutschland ganz flach ist.“


Klaus K채ppler Schnapsbrenner, Schweinebauer, Organist und Halbgeologe


Mein Heimatsymbol - Bahnschienen. Wie die hier in Bad Urach. Mit diesen Bahnschienen begann auch meine politische Karriere: Als Jugendlicher habe ich mit anderen für den Erhalt dieser Schienen gekämpft – und wir waren erfolgreich! Damals hatte man den Bahnverkehr eingestellt und wollte auch gleich die Schienen entfernen. Heute fahren die Züge wieder. Schienen stehen für Nähe und Distanz, Kommen und Gehen, Beständigkeit und Veränderung, Zuverlässigkeit und Freiheit. Sie haben aber auch einiges mit Politik zu tun: Es ist einfach, sich auf festgelegten Gleisen zu bewegen. Es ist stets eine Herausforderung zu erkennen, welche alten Gleise wir erhalten sollten und welche Strecken stillgelegt werden können. Um aber neue Gleise zu legen, braucht es viel Arbeit, Überzeugung und Geduld. Politik bedeutet auch, auf bewährten Gleisen fahrend nach neuen Wegen zu suchen und dort Schienen zu verlegen.

Wo meine Heimat liegt? Zwischen Bad Urach und Berlin. Heimat ist für mich stark mit mir nahe stehenden Menschen verbunden: Meiner Frau und unserer Tochter in Berlin, meinen Eltern in Bad Urach, wo ich geboren und aufgewachsen bin.


Cem Özdemir

Abgeordneter im Europäischen Parlament (Bündnis 90 / Die Grünen)


Heimat. Da musst Du Dir sicher sein, dass es ein zu Hause ist. Da musst Du Dir Deiner Arbeit sicher sein, damit Du Dir Deiner Wohnung sicher bist und Du Dein zu Hause behältst. So sicher ist das nicht. Du musst Dir nicht nur sicher sein, satt zu werden, sondern auch sicher, nicht krank zu werden von dem, was da wächst auf der Heimaterde, was da auf Dich fällt aus der Heimatluft, was da hoch kriecht vom Heimatboden, Deine Schleimhäute in Angriff nimmt. Du musst gut zu Fuß sein in Deiner Heimat, damit Du ihre Grenzen kennenlernst und weißt, wie Du sie überwinden kannst, wenn Dir jemand die Heimat streitig macht. Sei gut zu Fuß in der Heimat und gut zu jenen, die auf den Koffern sitzen, hingeschoben von der einen in die andere Heimat. Sei Dir Deiner Heimat nie zu sicher, das hält Dich jung und unruhig. Es ist gut für Deine Heimat, wenn auch Sie Deiner nie ganz sicher ist. Heimat. Wenn Du unterwegs bist, wirst Du sehen: Sie ist grenzenlos. Heimat. Da wirst Du Dir sicher sein unter Deinesgleichen, schwesterlich, brüderlich. Heimatlos ohnedies.


Peter Grohmann Kabarettist, Anstifter


„Nimm Dir Zeit für Menschen“

Vor etwa 30 Jahren kam ich als Physikstudent aus Pakistan nach Stuttgart. Bald darauf lernte ich meine deutsche Frau kennen, mit der ich zwei Töchter habe. Schon sehr lange betrachte ich Leonberg als meine Heimat, bin dort im Vorstand der SPD, Mitglied im internationalen Rat und in vielen anderen Bereichen tätig. Auch im Höfinger Heimat- und Kulturverein! Mein Herzensanliegen ist die interkulturelle (Jugend)-Arbeit. Auch als Muslim glaube ich zutiefst an die Einheit und Brüderlichkeit der Menschen und gönne mir den Genuss, in meinem kleinen Bereich dafür zu wirken.


Dr. Yusuf Shoaib

Dr. der Physik, Inhaber eines ĂœbersetzungsbĂźros, Lokalpolitiker in Leonberg


Meine Heimat ist in einem sehr umfassenden Sinne das Theaterhaus Stuttgart.

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altfreier Ort, de w e g r nic in e ücktheit Raum hat, r r h e b V l t nur dem rüfstein stellt, P sha n n e i e r d den egel eimat ist rn uf d e m r mich a ü t d f t u n s a i n o g s d t n ordnet, di lau ima r Lebendigkeit, e e d er einen stän e f en d bala .H ität und Veränder ung. r ag s u n i s t F n n n u o e c K u erfinden m iere ne po , i m e r b A e s i t s e n a u nd Fr uch ständig T d zw m, d d e e n i d i z u , in dem die unterschiedlichsten schen Erholung m u e u a i z R t kei ein et t t s u n i t h a c u i s n grenzt e sc eimat bede d er n, , e , n h s b e lbstverständlichkeit darstellt. a o e a f S r n e f h f n e i g d e e T n rennu ern tr ilen“ h e c T e i inlä enschen s zip dt, in n i r P dem das „

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Zu Begriffen wie Heimat, Deutschland, Deutschsein habe ich ein ganz ambivalentes Verhältnis und verwende sie äußerst selten, weil all diese Begriffe nach wie vor zu Missverständnissen führen.


Werner Schretzmeier

Theaterhausleiter und Gastgeber


„Als er von Straßburg herüberfuhr und den dunklen Wald seiner Heimat erblickte, als er zum erstenmal wieder jene kräftigen Gestalten, jene freundlichen, treuen Gesichter der Schwarzwälder sah, als sein Ohr die heimatlichen Klänge stark, tief, aber wohltönend, vernahm, da fühlte er schnell an sein Herz, denn sein Blut wallte stärker, und er glaubte, er müsse sich freuen und müsse weinen zugleich.“ So beschreibt Wilhelm Hauff in seinem Märchen „Das kalte Herz“ die Gefühle seines Märchenhelden, wie er nach langer Zeit in seine Heimat zurückkehrt. Solche Gefühle spüre ich auch selbst bei mir, wenn ich auf meinem geliebten Kappelberg stehe.


Sigrid Fr체h

M채rchen- und Sagenforscherin Erz채hlerin

Auf dem Kappelberg zwischen Fellbach und Stuttgart


Klaus Käppler „Schwäbisches Poesiealbum“ Heike Förster Positionen zur modernen Heimat von Gestaltern aus Politik, Kultur und Wirtschaft Ein Fotokunstprojekt von Juliane Spitta und Heiko Hellwig

Dr. Helga Breuninger

Gudrun Greth

Dr. Jussuf Schoaib

Vernissage am 27.9. um 19.00 Uhr in der Galerie Zukunftslabor

Prof. Kurt Weidemann Gangolf Stocker Ausstellungsdauer vom 27.9. bis 20.10. Öffnungszeiten: Do & Fr 17 - 20 Uhr, Sa 11-14 Uhr

Peter Grohmann

Cem Özdemir

Hannes Rockenbauch

Alexanderstrasse 164B 70180 Stuttgart Telefon 0711 / 470 9944

Schwäbisches Poesiealbum  

Menschen aus der Region Stuttgart beschreiben den Begriff Heimat