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DIE NEUE SÜDTIROLER

Freitag, 12. September 2008 – Nr. 183/16. Jg.

Tageszeitung > Redaktion Tageszeitung Headliner: headliner@tageszeitung.it – Tel. 329/5913560

Fotos: Andrea Lüpke

Besser bei Stimme denn je: Georg Kirchler, charismatischer Mittelpunkt der „Bad Jokers“

Die Wölfe sind zurück Das Comeback der „Bad Jokers“ von Reinhold Giovanett

igentlich haben wir uns nie aufgelöst.“ ist die lapidare Antwort von Georg Kirchler auf die Frage, wie es dazu kam, dass sie sich wieder zusammengetan hätten. Die Frage ist damit dennoch nur zum Teil beantwortet, denn immerhin liegen satte vier Jahre zwischen ihrem letzten dritten Album. Auf die Veröffentlichung von „III“, im Mai 2004 in München produziert, folgten eine Hand voll Konzerte und dann eine bandintern abgemachte Pause, die eigentlich nur ein paar Monate hätte dauern sollen. Vergangen sind besagte vier Jahre, in denen das Leben sein Blatt auf den Tisch ge-

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Die „neuen“ Jokers (v.l.n.r.): Markus Seeber, Georg Kirchler, Klaus Innerbichler und Walter Mutschlechner

legt hat: Familie, Jobs, Verpflichtungen. Bassist Kurt „Jason“ Kelderer beispielsweise ist nach Deutschland gezogen und Markus Seeber hat seinen Wohnsitz nach Canazei verlegt. Die karten neu gemischt hat dann der Ahrntaler Club „Motanapfe“. Dieser Club wollte 2007 seinen 15. Geburtstag feiern und zwar mit der Band, die für den Club 1994 in Weißenbach schon einmal gespielt hatte: die „Bad Jokers“, die damals gerade aus den Gruppen „Powerslaves“ und „Gun Smoke“ hervorgegangen waren und für die es der allererste Auftritt war. Das Angebot konnte also kaum ausgeschlagen werden. Es folgten erste Gespräche, erste Fortsetzung >


Tageszeitung

Debut am Fennberg: „Wildes Tier“ beim diesjährigen Fest des „MF Gangster“

Freitag, 12. September 2008 Nr. 183

Engel aggio 2008, nuovo elemento nella Band: Ingrid Prossliner. Il nostro Engel!“ Die Nachricht – nachzulesen bei www.wildestier.com – ist kurz und aussagekräftig: Die aus Mantua stammende Band „Wildes Tier“ hat die aus Tramin stammende Sängerin Ingrid Prossliner fest in die Band aufgenommen. Dabei hatte sie im Mai erst ein einziges Konzert mit „Wildes Tier“ bestritten. „Wildes Tier“, 2003 als „Pantera“-Coverband gestartet und seit 2005 ausschließlich mit Rammstein-Songs unterwegs, besteht aus durchwegs erfahrenen Musikern und das Konzert, das sie während der Biker-Fete des „MF Gangsters“ am 17. Mai am Fennberg bei Kurtatsch spielten, bewies, dass sie die Sache sehr ernst nehmen: Sänger Erik Bianchi kommt im Klang der Stimme mit akzentfreiem Deutsch dem imposanten Organ von Till Lindemann erstaunlich nahe, ebenso die elektronischen Elemente des Keyboar-

ders Sean Herrmann. Das Riffing der Gitarristen Alessandro und Max Torty ist ebenso präzise und minimalistisch wie der Bass von Alessandro Ronchini. „Wildes Tier“ halten sich an die Vorgaben von „Rammstein“ und das gilt, freilich in reduzierter Form, auch für die visuelle Seite. Als der „MF Gangster“ die Band für ihre Bikerfete gebucht hatten, stattete ihnen Manager Vittorio Magro einen Besuch ab, bei dem dieser ganz nebenbei nach einer Sängerin fragte. Stefan Ebner, für die Bands der Biker-Fete zuständig brachte den Kontakt zu Ingrid Prossliner zustande und wenige Tage später stand sie für zwei Songs mit „Wildes Tier“ auf der Bühne am Fennberg. Mittlerweile hat Prossliner mit „Wildes Tier“ in Rom, Brescia, Venedig und Mantua gespielt und Ende Oktober stehen erneut zwei Konzerte in Rom und eines an der slowenischen Grenze an. Nun, es mag einerseits verwundern, denn die Rammstein-Songs

Fortsetzung >

Das Konzert was als Aufwärm-Gig geplant, ist aber mittlerweile zu einem Teldra Ereignis von unerwarteter Anziehungskraft angewachsen. Wenn sich bei Mutschlechner auch nach vielen Jahren wieder die Nervosität einstellt, so sieht Kirchler, stets der charismatische Mittel-

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Treffen und im März die ersten Proben. Nun stehen zwei Konzertermine fest, für die die „Jokers“ ein über zwei Stunden dauerndes Programm in ihrem alten Proberaum in Steinhaus eingespielt haben.Für den aus objektiven Gründen nicht mehr verfügbaren „Jason“ wurde Walter Mutschlechner in die Band geholt. Mutschlechner war seit jeher ein Freund der Band, war noch vor der Zeit der „Bad Jokers“ mit Kirchler bei den Ahrntaler Bikern und hat mit diesem zu gründende Bands geplant. Als ihn dann Weihnachten letzten Jahres der Anruf erreichte, der in zu den „Bad Jokers“ brachte, überlegte er nur kurz, ob er neben Arbeit, Familie und seiner gut funktionierenden Band „Loud“ noch Zeit für die „Jokers“ finden würde. Mutschlechner, für den es übrigens die erste Band ist, in die er einsteigt, machen eventuelle Terminüberschneidungen mit „Loud“ kein Kopfzerbrechen. Für ihn zählt der erste Termin, der kommt. Am Samstag, 13. September wird er mit Klaus Innerbichler (Schlagzeug), Markus Seeber (Gitarre) und Georg Kirchler (Stimme und Gitarre) im Vereinshaus von Weißenbach auf der Bühne stehen.

Georg Kirchler und Markus Seeber 2002: Live im Gadertal 2002

punkt der „Bad Jokers“-Konzerte, dem Auftritt gelassen entgegen. Das Programm wird zum Großteil aus Songs aus den drei „Bad Jokers“-Alben bestehen: fast die ganze „Bastard“ (2000) wird man mit Songs wie „Iron Horses“, „Der Höllenengel“oder „November Mond“ zu hören bekommen, „Wölfe“ aus dem gleichnamigen Album von 2001 und das etwas unbeachtet

Fotos: rhd

Über Abenteuerlust und Zufall: Ingrid Prossliner mit Frauenstimme sind spärlich: „Engel“ vom 1997 erschienenen Album „Sehnsucht“ und „Te quiero puta!“ aus „Rosenrot“ (2005) mögen zwar schöne Songs sein, aber lohnen sie die Mühe und die Kilometer? Prossliner zögert keine Se-

kunde mit der Antwort: „Ich will weg von hier, möchte neue Leute kennenlernen und für mich ist dies eine, wenn auch kleine, Chance weiter zu kommen.“ Bühnenerfahrung, Kontakt mit anderen Bands und Einblick in andere Realitäten

sind ein wertvolles Gut für Musiker/innen die sich mit Südtirol nicht begnügen wollen. Ein erstes ernstes Angebot zu einer Mitarbeit hat sie bereits in der Tasche: Alessandro Ronchini, u.a. auch Bassist der italienischen Hardcore-Legende „Raw Power“, arbeitet an einem eigenen Projekt, für das er die Stimme von Ingrid haben möchte. Die 22 Jahre junge Ingrid Prossliner ist zur Zeit Leadsängerin der BluesrockFormation „S.I. Band“ und als solche auf hiesigen Bühnen weiterhin zu sehen. Ihre Rolle bei „Wildes Tier“ wird zunehmend wichtig: Für „Te quiero puta!“ trägt sie knallig rote Rüschen und Strapse, bei „Engel“ zeigt sie sich im Käfig, auf dem neuen Demo wird ihre Stimme zu hören sein und mit „Stirb nicht vor mir / Don’t die before I do“ (aus „Rosenrot“) ist ein neuer Song mit Frauenstimme in Arbeit. Info: www.wildestier.com (rhd)

gebliebene dritte Album von 2004, auf dem sich „Mein Freund“ und „Schwarz und laut“ finden. Und natürlich wird auch „Heimat unter fremden Fahnen“ gespielt, das der Band und den Ahrntalern ans Herz gewachsen ist. Der Rest sind Rockklassiker: AC/DC („Rock’n’Roll Damnation“, „Rocker“), „Suzie Q.“ oder „Born To Be Wild“. Wenn vor allem bei den Balladen auch das Keyboard eine durchaus wichtige Rolle spielt – an den Tasten steht 2008 der junge St.Lorenzner Robert Niedermair – so ist es vor allem die Geradlinigkeit in den schnellen Songs, die die Besonderheit der Musik der „Bad Jokers“ ausmacht. „Pure fucking Rock’n’Roll“ war das 1998 in einen Song gepackte Statement der Band und diesem Credo sind sie bis heute treu geblieben. Ob das, was vor acht bis 10 Jahren so gut funktioniert hat heute auch noch funktioniert? Mutschlechner und Kirchler sind diesbezüglich ähnlich vorsichtig: „Das ist das Spannende an der Sache. Wir werden sehen, ob es neue junge Rockliebhaber gibt, ob alte Rocker den Weg

vom bequemen Sofa zum „Jokers“-Konzert noch finden, ob die Musik, für die der Name „Bad Jokers“ stand, noch Anziehungskraft hat. Die Band ist gewillt nach den seit langem schon fixierten Auftritten weiter zu machen, sich jene Konzerte auszuwählen, die für alle vier in der Band passen und vor allem wieder im Proberaum mit Spaß an den Songs zu arbeiten. Vielleicht sogar an neuen Songs für eine neue CD und vielleicht ja sogar in Zusammenarbeit mit dem Musiker, Biker und Songschreiber Hubert Leimegger, der die Band vor gut acht Jahren entscheidend mitgeprägt hat. Die „Bad Jokers“ sind also wieder kompakt und bereit die Zähne zu fletschen. Ob der Biss nach wie vor gefährlich ist, wird sich am morgigen Samstag in Weißenbach im Ahrntal zeigen, wo sie mit „Mad Mecanics“ und „Inrush“ die Bühne teilen. Innerhalb der „Dolomiti Airshow“ (www.whitestoneevents.com) vom 2. zum 5. Oktober in Sand in Taufers, werden die „Jokers“ gemeinsam mit „Helli & Friends“ und der deutschen Rammstein-Coverband „Stahlzeit“ die „Rocknight“ bestreiten, die am Samstag, 4. Oktober einigermaßen spektakulär werden dürfte.

Ende Oktober zwei Konzerte in Rom: „Wildes Tier“ und Ingrid Prossliner


Indies

NEWS MC Rotzbua

HL: Die DJ’s „MaxPower“ und „Reroux“ teilen sich die CDPlayer bei der „AirbagpromoNight". Wer legt denn was auf? MaxPower: Das läuft eigentlich wie immer, es wird spontan entschieden. Natürlich werden wir aber auf den Live-Auftritt von „Diabolic Scheme“ (The Hives–Tribute Band aus Brixen) aufbauen und uns auf feine Indie-Rock und Electro-Pop Platten konzentrie-

der Neueröffnung des Leiferer Jugendzentrums „No Logo“ eine Stunde lang auf der Bühne stehen und mit Sicherheit auch Wortattacken aus seiner jüngsten CD „In Da Buffet“ ins Publikum schleudern.

„Rock in dusty Valley“ Ob sich im Sarntal etwas zu ändern beginnt? Die junge Punkrockband „Average“ (im Bild) ist die erste Band nach langem, die es schafft, außerhalb des Sarntals zu spielen. „Rock in Dust Valley“ ist ein Open Air, das am morgigen Samstag die Rockmusik und den Punk ins Tal holt. Auf dem Programm: „Rams 81“ (Auer), „The Living Targets“ (Montan), „Average“ (Sarntal), „The Loords“ (Steinegg), „Eternity Ends“ (Bozen),„Club 99“ (Überetsch/Unterland) und „Morrison’s Doghouse“ (Vilpian). Als Headliner wurde die österreichische Punkband „Skeptic Eleptic“ verpflichtet. Austragungsort ist die Sportzone von Sarnthein. Beginn: 15.30 h

Titlá

Neue CD Nach „Landor” und „Burning Mind” ist heuer auch von der dritten und ältesten Folkband Südtirols ein neues Album zu erwarten. Die Pusterer „Titlá haben das bereits fertig produzierten Album „Laasn” getauft. Erscheinen dürfte es in Kürze.

Bei „Airbagpromo.com“ aktiv: DJ MaxPower aus Bixen

ren, wobei bei elektronischen Angelegenheiten Reddey, „Reroux“ der Spezialist ist. Wie würdest du Indie definieren? „Airbagpromo“ scheint diese Richtung ja sehr am Herzen zu liegen! „Airbagpromo“ liegen alle Musikrichtungen am Herzen. Vielleicht ist in letzter Zeit verstärkt Indie-

Rock/Pop dran, weil die Nachfrage dementsprechend groß ist und sich die hiesige Szene gerade entwickelt. Indie oder Independent heisst, dass sich die Musik versucht von den vorherrschenden Mainstreamstandards abzugrenzen. Ich persönlich verbinde den Begriff Indie mit Unabhängigkeit und Individualität. Es bedeutet aber auch die Lust, immer wieder Gruppen oder Künstler zu entdecken und diese bei kleinen (oder großen) Konzerten live zu erleben. Aber mittlerweile hat jeder seine eigene Definition und das finde ich auch gut so. Mit „Diabolic Scheme", „Sense of Akasha", „The Sunshine Trippers" oder „The Boots" scheint Indie auch bei den hiesigen Bands Fuß zu fassen. Wie siehst du die Situation diesbezüglich und wie schaut's in Brixen aus? „Sense of Akasha“ sind ein Beweis dafür, dass es durchaus möglich ist, erstklassige und individuelle Musik unabhängig von allen Konventionen zu produzieren. Ich finde es fantastisch, dass sich immer mehr Gruppen dazu entschließen sich mit alternativer Rockmusik zu befassen: „The Zeugshmitz“, „Jade“

MitEinanders: Musik + Kunst

Live und vom CD-Player: IndieRock im „Pukanaka“ in Bruneck

oder „Dschezzi“ oder „Mary’s Jail“ gehören auch dazu. Wichtig in dieser Entwicklung ist „Gorgeous Music Festival“ in Bruneck, das einmal jährlich und heuer Anfang November stattfindet. Bezüglich Brixen und Klausen würde es wagen zu behaupten, dass wir an einem gutem Punkt angelangt sind. Woran es natürlich scheitert ist der Mangel an alternativen Ausgehmöglichkeiten und Konzertangeboten. Auf die Airbagpromo-Night am 13. September im „Pukanaka“ in Bruneck folgt am 20. September das „Electro-Fest Reloaded" im „Corner-Club“ in Brixen. Der „Corner Music Club“ wurde erst diesen Sommer mit dem Ziel eröffnet, eine Alternative in ambientalischer und musikalischer Hinsicht zu bieten. Angesichts des geringen Angebots in Brixen braucht es das unbedingt. Nachdem das Altstadtfest in Brixen heuer abgesagt wurde, wird der damals geplante Abend mit DJ Boma + Foxy Girl (Electro/NuRave) aus Bozen am Samstag 20. September nachgeholt. (rhd)

Im Probelokal in Bruneck: Monika Hochgruber, Chris Aigner, Julian Messner und Günther Profanter

Foto: rhd

Sarntal

Freitag, 12. September 2008 Nr. 183

„Airbagpromo“-Night im Pukanak

Showcase in Leifers Er ist nicht allzu oft live zu sehen, deswegen sollten sich Anhänger des undergroundigen Hiphops diesen Termin nicht entgehen lassen. MC Rotzbua/Il Moccioso wird innerhalb

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eit zehn Jahren ist die Gruppe „MitEinAnders“ in relativ konstanter Formation bei verschiedenen Anlässen und Konzerten (u.a. beim diesjährigen „School’s Out“ in Bozen) zu sehen und weiß mit den teils improvisierten, teils strukturierten Songs und der ungemein ansteckenden Spielfreude zu überzeugen. Die von Chris Aigner geleitete Band ist Teil des „Integrierten Kunstateliers“ in Bruneck. Vor zwei Tagen wurde mit

S

„Art& Disability“ eine Ausstellung eröffnet, bei dem Bilder gezeigt werden, die im „IKA“ unter der Leitung der Künstlerin Elfriede Kehrer entstanden sind. Mit dabei auch Bilder und Zeichnungen einiger Bandmitglieder von „MitEinAnders“: Monika Hochgruber (Stimme) etwa, Giuliana Castlunger (Keyboards), Klaus Pörnbacher (Klangstäbe), Günther Profanter (Schlagzeug und Perkussionen), Julian Messner (Stimme) oder Gustav Lechner (Glocken und Perkussionen). Die Ausstellung, die bis zum 20. September läuft, ist sehr empfehlenswert, wie übrigens auch das Konzert, das die Band am morgigen Samstag, ab 19.30 Uhr in Mitterolang geben wird. (rhd)

Programm Radio „Freier Fall“ Freitag, 19.45 bis 23 h

RAI Sender Bozen DAS PROGRAMM FÜR HEUTE: CD der Woche: „On Fire“ von „Burning Mind“ 100% Live: Jean Ruaz & Friends Harley Davidson: Vertreter des „Harley Clubs Bozen“ über die stählerne Legende „Average“: Die Sarntaler Punkband und das Openair „Rock in dusty Valley“ Andreas Eder von Fleischwald und sein neues Grindcore-Label Nähere Infos: http://radiofreierfall.blogspot.com Diskussion: www.stmb.net (South-Tyrolean Music Board)


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