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Freitag, 5. September 2014 – Nr. 174

HEADL I N E R

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Freitag, 5. September 2014 – Nr. 174

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s ist mehr als nachvollziehbar, wenn nach einem Unglück wie vergangenen Sonntag in Atzwang beim Murenabgang geschehen, sämtliche Veranstaltungen für einen gewissen Zeitraum abgesagt werden. Damit wird auch das für Samstag, 6. September fixierte 5. „Atzwang Metal Fest” nicht mehr stattfinden. Luigi Guarrino, der mit seiner Band Anguish Force das Festival organisiert und der Anhängerschaft des Achtziger Metals damit einen zwischenzeitlichen Unterschlupf bietet, betont aber, dass das Festival nicht nur nachgeholt wird, auch sämtliche, für die morgige Ausgabe gebuchten Bands werden nach Möglichkeit wieder eingeladen. Das wären insgesamt acht Bands, darunter die aus Bologna stammenden Crying Steel und Feline Melinda, die in diesen Tagen ihr neues Album veröffentlichen werden. Gespielt hätten natürlich auch Anguish Force selbst, die an diesem Termin auch gleichzeitig ihre neue Vinyl-EP „The Bermuda’s Triangle” präsentiert hätten.

„Atzwang Metal Fest V” ist abgesagt

Verschobener Vinyl-Release Das aktuelle LineUp von Anguish Force (v.l.n.r.): Rudymental (Bass), Luck Az (Rhythmus Gitarre), Val Shieldon (Stimme), Pemmel (Schlagzeug) und LGD (Gitarre).

Aufdrehen/Ausdrehen Die 4-Track-EP, die übrigens sehr gut in der Hand liegt, enthält vier Songs, die während der Arbeiten am neuen Anguish Force-Album entstanden sind. Anguish Force, die hier mit erneuertem LineUp antreten, bieten das was man erwartet: Thrash-Metal, wie er in den Achtziger Jahren hätte gespielt werden können. Das riffige „The Bermuda’s Triangle” basiert auf einem einfachen, funktionalen Refrain und wurde bereits als Video released. „Mercenaries In Metal” zieht mit der Geschwindigkeit etwas an und erinnert ein klein we-

nig an Iron Maiden. Die PowerBallade „Vacant Soul” wird – verdienterweise – als Bonus-Track auch auf dem neuen Album zu finden sein, für das die Band das Meer als übergeordnetes Konzept ausgewählt hat. Auf dem letzten Track, „Water Or Fire” konnte der ehemalige Feline Melinda-Drummer Tommy Ti. Grotto, der schon lange Jahre in Polen lebt, für die Vocals gewonnen werden. Anguish Force ist mit „The Bermuda’s Triangle” eine Scheibe gelungen, die neugierig auf das Album macht und erfüllt somit völlig die Anforderungen an eine EP. Kleines Manko: Die englische Aussprache des Sängers Val Shieldon ist nicht optimal und hätte mehr Aufmerk-

Limitiert und mit 4 Songs bestückt: „The Bermuda’s Triagle” von Anguish Force erscheint auf Vinyl und als Vorhut für das neue, im Winter zu erwartende Album.

samkeit verdient. Dieses, für den frühen italienischen Metal typische Element hätte ruhig in den Achtzigern bleiben können. (rhd) Info: www.anguishforce.com

Cocco Festival 2014

Let’s Rock! Luskas – „Walking With Whiskey“ (EP, Juli 2014)

Ganes – „Caprize“ (LP, August 2014)

Im Jahr 2012 wurde das Cocco Festival, das jährlich im KubaGarten in Kaltern über die Bühne geht, ins Leben gerufen. Seitdem, und auch bei seiner dritten Auflage am morgigen Samstag, steht das Openair hauptsächlich für Rockmusik. Den Beginn machen morgen um 19 Uhr Fish And Chips, die zu 50 Prozent aus Hungerstrike bestehen und sich auf Acoustic Blues konzentrieren. „Fish And Chips hätten eigentlich schon im letzten Jahr spielen sollen, aber ihr Drummer Tom hat sich am Vortag bei einem Arbeitsunfall verletzt. Deshalb holen sie ihren Gig heuer nach“, erzählt uns Jack Zwerger, der bei der Organisation des Festivals im Hintergrund mithilft und auch mit seiner eigenen Band The Woodheads

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beim Festival auftritt. Ab gen. An ihrer Stel20.15 Uhr präsentiert die le springt die genannte PunkrockDeutschrock-Band Band dort ihre neue EP Hämmertrupp aus „Quiet Please“, die fünf Lana ein. Als Headneue Eigenkomposiliner sind heuer The tionen, so wie einen Piglets angekündigt, Geh Coversong enthält, dritte Rt morgen in die die Stage um 22.45 Festiv unde: Da die und laut Frontmann Uhr erklimmen und al brin s Coc g c nach t Rockmus o Jack „noch spartanidem Publikum bereits Kalter ik n. scher und ungeschliffeaufgrund ihres Sieges ner“ ausgefallen ist als der Vorbeim Bandcontest „Stagänger „Just Like Us“ von 2012. sera mi butto / Loss di gean“ beAuch im Anschluss an The Woodkannt sein dürften. The Piglets heads hätte es um 21.30 Uhr eisind eine reine Coverband mit eigentlich eine Live-Premiere gener starken Frontfrau und spieben sollen, doch die Rocker von len je nach Stimmung Rock, PoResolution, die bereits in der prock oder Metal. Alle vier angeBand Between The Revolt Erfahkündigten Bands treten bei freirung gesammelt hatten, mussten em Eintritt im Kuba-Garten bzw. ihren Gig aufgrund einer Sehnenbei schlechter Witterung im entzündung der Gitarristin absaKuba-Keller auf. (eva)


Das neue Festival „Klompf n’Bass“-Openair

Marling? Marling!

Comics im „Headliner“

Hinterland Folge 44

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NEWS Slackline Festival

Walk The Line Der Allesclub Kastelruth organisiert morgen zum dritten Mal das Slackline Festival auf dem Kastelruther Kalvarienberg. Geboten werden von 11 bis 22 Uhr über 15 Lines, darunter eine Highline, Jumpline und Fixline, wobei jeder auch seine eigene Line mitbringen kann. Es gibt Wo r k s h o p s für Anfänger, ein Rahmenprogramm für Kinder und Familien, Speis und Trank sowie Jamsessions. Wer Lust hat mitzuspielen, packt einfach sein Instrument ein. Info: patrick@jugendbude.it

Foto: ellephoto.bz

Grafik: Samantha Schneider

Nächste Woche, in der neuen Folge von „Hinterland”, erfahren wir was „Crowd Sketching” ist. Verraten sei so viel: „Hinterland” wird wieder von der

Hat eine intensive Festival-Saison hinter sind: Das Shanti Powa Orchestra beschließt das Liveprogramm des „Klompf n’ Bass”-Openairs in Marling.

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Sterzinger Comic-Zeichnerin Samantha Schneider gestaltet und in Bozen gibt es eine Gruppe von Zeichnern, die sich mit dem „Crowd Sketching” beschäftigen. Ein klein wenig mehr gibt es, wie gesagt, nächste Woche an dieser Stelle.

as die musikalische Landkarte in Südtirol betrifft, so finden sich die Koordinaten der Burggräfler Gemeinde Marling nur auf den Navis der Fox- und Schlagerfans abgespeichert. Fans der alternativen Livemusik sollten das aber jetzt nachholen, es gibt nämlich ein neues Festival, das grad morgen, Samstag, 6. September, 15 Uhr, beim Ansitz Lahnerhof in Marling zum ersten Flug abhebt. Nach einem stilistisch offenen Intro, wird, was die Musik betrifft, vor allem das Reggae-Herz verwöhnt. Es beginnt der Meraner Gitarrist Underwood mit seinen klassisch/folkigen Stücken auf der akustischen Gitarre, gefolgt von den Chiefs Of Trouble, einem empfehlenswerten Zweier,

der zeitgenössische, alternative, vom Blues durchweichte Rockmusik spielt. Dann geben sich die Reggaebands das Mikro in die Hand: Skankin’ Drops, The Koalas und, als Headliner, Shanti Powa Orchestra. Und wer von der Livemusik nicht satt gemacht wird, kann sich den Rest im „Dub Keller” von den DJs Tek a Set und Floatin’ Tank holen. Das Festival ist übrigens ein Benefiz-Konzert mit freiem Eintritt. Der Gewinn geht an den knapp zwanzigjährigen Meraner Maximilian, der seit seiner Geburt an Tetraparese leidet und dessen Traum es ist, mit Delphinen zu schwimmen. Das Festival will Maximilians Familie dabei unterstützen, diesen Traum zu erfüllen. (rhd)

franzmagazine.com

Rosengarten Festa Wie stylt man eine ganze Straße? Neugierig? Wenn die Antwort auf die zweite Frage „Ja!” lautete, dann sei der Hinweis erlaubt, dass die Lösung am morgigen Samstag, ab 18 Uhr, in der Rosengarten Straße in Bozen zu finden ist. Das Online-Magazine franzmagazine.com lädt nämlich zur „Rosengarten Festa”, einem kleinen, heuer von einem nord-

Info: www.facebook.com/klompfnbass http://treff.you-meran.net/obermais/43-Herzensprojekt%20Max

Wer bin ich?

Folge 43

Foto: rhd

Unsere Fotostrecke „Wer bin ich?“ geht in die nächste Runde! Klingt wie ein Selbstfindungs-Esoterik-Krempel, ist aber ein lustiges Bandrätsel zur Südtiroler Musikszene. Wir haben wieder mehrere Bands geknipst bzw. ihre Bandnamen auf einem Foto dargestellt; nun gilt es zu erraten, wer auf dem jeweiligen Bild zu sehen ist. Die Auflösung von heute findet ihr zusammen mit einem neuen Rätselfoto in der kommenden „Headliner“-Ausgabe.

Des Rätsels Lösung von letzter Woche:

Foto: rhd

London Elephants (Indie/Alternative Rock, Brixen)

italienischen Künstlerkollektiv gestylten Stadtviertelfest im Zentrum von Bozen. Das Foto ist übrigens von 2013, kein Spoiler-Alarm also! :-P Wer Kunst und Style nicht primär mit einem Fest in Verbindung bringen will, der kann trotzdem hin: franzmagazine.com ist in musikalischer und kulinarischer Hinsicht durchaus geschmackssicher! Eintritt ist eh frei.

Darf’s auch virtuell sein? News, Interviews, Musikclips: www.airbagpromo.com

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Über den Fall „Miracle Hill“

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Der Super-Gau im Wasserglas

Foto: rhd

Ziehen düstere Wolken auf oder ist es Jammern auf hohem Niveau: Die hiesige Jugendkultur war in den letzten Wochen wegen einer kurzfristigen Konzertabsage in der Presse.

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om Ende der alternativen Jugendkultur war die Rede, dass sie nirgendwo Platz finde und dass sie stiefmütterlich behandelt werden würde etc. Das unreflektierte Jammertal, das anlässlich der Verlegung des „Miracle Hill“Festivals von Völs nach Bozen eine gute Woche lang die Medienwelt geprägt hat, erinnert an das jährliche Gejammer des HGV bzw. des Bauernbundes und der Obstwirtschaft, die stets vergessen die Rekordzahlen der letzten Jahre zu erwähnen, wenn sie über aktuelle, leicht rückläufige Zahlen sprechen. Es war in diesen vergangenen Tagen etwas anstrengend, ständig von den schlimmen Politikern auf der einen Seite, und von heldenhaften, jungen unternehmungsfreudigen Konzertorganisatoren auf der anderen Seite zu lesen und zu hören. Fast alle Medien des Landes sind auf den „Scoop“ aufgesprungen, der vom Nachrichten-Portal www.salto.bz ins Rollen gebracht wurde – bezeichnenderweise von einer Praktikantin, denn die „richtigen” Journalisten haben so etwas ja gar nicht mehr im Blickfeld. Mit den zwei, drei Folgeberichten zum Thema hat www.salto.bz sein durchschnittliches Jahrespensum an Berichterstattung über die aktuelle Jugendkultur in Südtirol auch schon erreicht. Würde www.salto.bz diese Welt nämlich etwas aufmerksamer (und regelmäßiger) verfolgen, dann wäre da nicht vom Ende der Jugendkultur die Rede gewesen, sondern höchstens (wenn überhaupt) von einer Absage. Othmar Stamp-

fer, Bürgermeister von Völs, hatte auf Nachfrage von www.franzmagazine.com hin seine Absage mit sicherheitstechnischen Bedenken bezüglich der zu erwartenden Menschenmenge begründet. Immerhin hatte auch die Gemeinde Ritten eben wegen dieser – wider Erwarten großen – Menschenmengen, das „Miracle Hill“ 2013 nicht mehr genehmigt. Derartigen Bedenken kann man mit Sicherheitskonzepten im Vorfeld entkräften oder man akzeptiert das begründete Nein einer Gemeinde, die, wie Stampfer gegenüber www.franzmagazine.com eingesteht, mit Veranstaltungen in dieser Größenordnung noch keine Erfahrung hat. Also hatten in diesem Falle die Organisatoren wohl eine nicht eingelöste Bringschuld die zur Absage geführt hatte und nicht die Willkür der bösen Politiker. Stampfers Begründung wurde aber weder bei www.salto.bz, noch in der „Zett“, noch auf RAI Südtirol verwendet oder gar thematisiert. Es war halt eine tolle, griffige, schnelle Geschichte aus der Welt der jungen Leute, von der ja ohnehin selten genug, und wenn, nur mit negativen Schlagzeilen, berichtet wird. Hier konnten sich die Medien endlich einmal auf die Seite der Jugendlichen stellen. Was dann auch leicht peinlich werden kann: Wenn die Tageszeitung „Alto Adige“ den Bozner Bürgermeister Luigi Spagnolli als „Retter der Rockmusik“ hinstellt, dann werden gar einige Bozner Veranstalter da wohl nicht einmal darüber lachen können.

Die vom „Junge Generation“-Vorsitzenden Tumler hektisch verfasste Pressemitteilung zum Thema war ebenso blutleer wie opportunistisch. Und wenn die „Zett“ Bertrand Risè mit den Worten zitiert, es „würde mit zweierlei Maß gemessen“, dann stimmt das als allgemeines, auf Südtirol gemünztes Urteil definitiv nicht. Es mag auf die Stadt Bozen teilweise zutreffen, auf Meran vielleicht und wohl auch auf die eine oder andere ländliche Gemeinde, das Urteil gilt aber nicht generell: Die Franzensfeste, das Nato-Areal bei Natz, der Schlossberg bei Bruneck, die Gärten von Trauttmansdorff, Schloss Kastelbell, das sind nur einige der Orte, die in den letzten Jahren wiederholt für die Jugendkultur geöffnet wurden. Was die Festivalkultur betrifft, so werden wir vom „Headliner“ nicht müde zu betonen, dass das Angebot noch nie so groß und abwechslungsreich war wie jetzt. Das geht sogar so weit, dass intern, also unter den Festival-Organisatoren selbst, eine Diskussion darüber angestrebt wird, wie man mit dieser großen Zahl an Festivals umgehen soll. Der morgige Samstag, 6. September, ist ein weiteres ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie fett das Angebot in Sachen Jugendkultur ist: die Italienmeisterschaft im Skateboarden mit anschließendem Konzert mit hiesigen Rappern in Bozen, in Marling geht das neue (!) Festival „Klompf ’n’Bass“ über die Bühne, in Kaltern das „Cocco”Festival, in Lana wird die „Our Falschauer Session” ausgetragen,

im Bozner Viertel Zwölfmalgreien gibt es die „Rosengarten Festa”, im Weinstadl von Kaltern jagen die Snowflys mit dem „Summer Beat Out” den Sommer aus dem Hause und wäre am letzten Sonntag die Mure bei Atzwang nicht abgegangen, es fände morgen auch das 5. „Atzwang Metal Fest“ statt. Und nicht zuletzt ist Bertrand Risè selbst das allerbeste Beispiel für die gesunde, lebendige und ganz und gar nicht prinzipiell verhinderte Jugendkultur in Südtirol. 2014 hat er insgesamt mindestens zehn Mal mit seiner Band Shanti Powa auf hiesigen Festivals gespielt, und mindestens zwei Auftritte stehen 2014 noch bevor: Für eine lokale Reggaeband mit eigenem Material eine sehr sehr gute Spielzeit. So unangenehm eine Absage des „Miracle Hill“ für alle Beteiligten war und ist, die Tatsache, dass innerhalb von wenigen Tagen eine Alternative gefunden werden konnte – eben auch mit Hilfe von Politikern wie Landesrat Philipp Achammer – spricht dafür, dass die Jugendkultur in Südtirol ihren Platz gefunden hat. Freilich, die Presse hinkt in der Wahrnehmung dieses Sachverhaltes noch etwas hinterher, und auch jene, die nicht das gesamte Bild sehen, werden prinzipiell auf die Barrikaden gehen und den Patienten Jugendkultur sterben sehen. Unsere Einschätzung ist hingegen: Eine selbstverschuldete Abschürfung am Knie. Nicht weiter schlimm. (Reinhold Giovanett)

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