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Freitag, 1. Oktober 2010 – Nr. 191

HEADL I N E R Redaktion Tageszeitung „Headliner“: 329/5913560 – redaktion.headliner@gmx.com

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Fotos: rhd

Machte sich die Leidenschaft zum Beruf: Thomas Orgler, Gitarrist bei Graveworm und Instrumentenbauer

Das Klingonen-Schwert von Reinhold Giovanett

Zog nach Bozen um „Thomas Guitars“ zu verstärken: Klaus Eilken aus München.

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ie Werkstatt liegt etwas abseits, in einem der Häuser am Berghang in Haslach in Bozen. Die Gegend ist ruhig, und angenehm gelassen sind auch die zwei Instrumentenbauer von „Thomas-Guitars“, Thomas Orgler und Klaus Eilken. Thomas Orgler hat sich mit dem Betrieb die Leidenschaft zum Beruf gemacht. Vormals Tischler, besuchte er in den Jahren 2006 bis 2009 die Musikinstrumentenbauschule Mittenwald, schloss diese mit Auszeichnung ab und hat seit Beginn dieses Jahres seine eigene Marke, seine Werkstatt. Es war eine Entscheidung, die Orgler nicht sofort gefällt hat. Nachdem er die Arbeit „am Fließband“ großer Instrumentenfabriken für sich ausgeschlossen hatte, versuchte er zuerst den Weg, bei namhaften spezialisierten Firmen wie etwa Ramirez in Spanien unterzukommen. Da dieser Weg aber schwieriger als gedacht war, fiel

dann die Entscheidung etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Was nicht heißt, dass dies der leichtere Weg wäre. Für Musiker ist ein Instrumentenbauer in der Nähe jedenfalls von Vorteil. Wie Orgler im Laufe des Gesprächs immer wieder erwähnt, ist für einen Musiker in erster Li-

nie das Spielgefühl eines Instrumentes wichtig. Dieses Spielgefühl lässt sich durch kleine Korrekturen in den Einstellungen (Saitenhöhe etc.) verbessern oder eben durch das Konzipieren eines völlig neuen Instrumentes nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen. Neben den Reparaturen und dem

Einstellen von Saiteninstrumenten, die die Musiker zu „Thomas Guitars“ bringen, läuft parallel auch das Entwickeln und Bauen eigener Instrumente. Orgler hat die renommierte Musikinstrumentenbauschule Mittenwald mit einem von ihm selbst entwickelten Instrument abgeschlossen, einer Mischung aus einer klassischen Gitarre und einem akustischen Bass, ein Instrument, das unter anderem das Spielen von Akkorden trotz tiefer Stimmung nach wie vor erlaubt. Neben dieser Contra-Oktav-Gitarre, wie die beiden Instrumentenbauer ihr Kind nennen, erfüllen sie auch Sonderwünsche von Musikern und Liebhabern. Aktuell arbeiten sie beispielsweise an einer kleinen Oktav-Gitarre mit acht Saiten, die eine Oktave höher gestimmt ist als die üblichen Gitarren. Fortsetzung >


Poetry Slam

HEADL I N E R

Morgenstern 2010

Freitag, 1. Oktober 2010 – Nr. 191

Die drei Erstplatzierten der Landesausscheidung vom „Morgenstern 2010“: Rüdiger Plè, Alissa Thaler und Arno Dejaco (v.l.n.r.)

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m vergangenen Wochenende fand im Pippo Bozen die Landesausscheidung des Poetry Slams „Morgenstern“ statt, der vom Südtiroler Künstlerbund organisiert und von Markus „Dog-

die vom Künstler Michael Meraner gestaltete Trophäe vorerst bis zum nächsten Morgenstern-Slam behalten. Ob er sie dann abgeben muss, wird sich beim Ö-Slam herausstellen: Die drei Sieger treten am 08. Oktober um 20.30 Uhr und 09. Oktober um 18.00 Uhr im Rahmen des transart-Festivals im Ex-Alumix Bozen gegen das österreichische Poetry Slam-Team an. Dort wird’s spannend, denn mit dabei sind Jörg Zemm(l)er (Völs/Wien), Matthias Vieider (Steinegg/Wien) und 19 weitere Finalisten. (eva)

gi“ Dorfmann moderiert wurde. Kurz gesagt, geht es bei so einem Slam darum, dass die teilnehmenden PoetenInnen das Publikum in einem vorgegebenen Zeitrahmen mit eigenen Texten überzeugend

unterhalten und auf ihre Seite locken. Der Brixner Arno Dejaco (früher Mitglied bei SPU) hat dies am vergangenen Wochenende geschafft und konnte die Wandertrophäe „Morgenstern 2010“ als bester Lautpoet aus Südtirol ergattern. Rüdiger Plè landete auf dem zweiten Platz, Alissa Thaler auf dem dritten. Somit wird Dejaco

seine Ratschläge, kritisiert, verbessert, sagt seine Meinung. Aus Neugier haben wir die ersten beiden „Hinterland“-Comics, an denen unsere Redaktion direkt be-

teiligt war („Erzähl mir von dir“ von Reinhold Giovanett und Elisabeth Busani; „Schmetterlingseffekt“ von Eva Reichegger und Samantha Schneider) in einer italie-

nischen Version eingeschickt. Erstes Feedback gibt’s nun in der aktuellen Ausgabe von „Fumo di China“ zu lesen (:

Randi auch auf der Bühne bereits zu zirkulieren. Bleibt noch die Frage zu Graveworm, die Band, in der Thomas Orgler seit et-

lichen Jahren nun schon spielt. Diese Woche hat die Band eine relativ lange Reise angetreten. Heute, Freitag, 1. Oktober, werden Graveworm gemeinsam mit Hypocrisy in Mexico City auf der Bühne stehen. Ansonsten arbeitet die Band an neuen Songs, die dann für ein neues Album eingespielt werden. Und dann sind die beiden Gitarren von „Thomas Guitars“ auch auf CD zu hören und nicht nur live.

Comic-Rezension

„Hinterland“ im „Fumo di China“

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> Fortsetzung

Aber als Metal-Gitarrist baut Orgler natürlich auch E-Gitarren. Für seine Band Graveworm hat er gemeinsam mit Eric Treffel ein Modell entwickelt, von dem es bisher nur zwei Modelle gibt, eine rote Gitarre, die von Thomas gespielt wird, und eine blaue, die Eric liebevoll „Batleth“ getauft hat – „Bat'leth“ nennen die Klingonen ihr eigentümliches Schwert. Graveworm praktizieren Downtuning, stimmen ihre Gitarren also nach unten, konkret zweieinhalb Ganztonschritte, also H. Das Problem bei dieser tiefen Stimmung ist, dass die Saiten an Spannung verlieren und die tiefer gespielten Riffs gerne matschig klingen. Orgler hat dieses Problem durch neue Griffbrettmaße und eine bewusst ausgewählte PickUp-Position kompensiert. Der Korpus ist aus Mahagony-Holz, die Decke aus Ahorn, was dieses Instrument etwas schwerer als üblich macht, aber: „Mahagony klingt halt gut und hat ein tolles Sustain.“ Orgler weiter: „Wir haben versucht, ein modernes Instrument zu

entwickeln, also ein Instrument, das auch in anderen Bereichen einsatzfähig ist.“ „Thomas Guitars“ ist noch neu im Geschäft, aber erste Kontakte bestehen bereits: für das Musikhaus Bruneck werden eigene Modelle von akustischen Gitarren entwickelt und dort sind auch einige Modelle aus dem Hause „Thomas Guitars“ lagernd. An diesem Netz wollen Thomas Orgler und Klaus Eilken, der übrigens wie Orgler das Studium in Mittenwald abgeschlossen hat und als Münchner mittler weile in Bozen lebt, weiter ausbauen. Die Instrumente selbst beginnen dank Musiker wie Gregor Marini oder Manuel

Zwei Beispiele aus der Werkstatt von „Thomas Guitars“: Die elektrische „Graveworm“Gitarre und eine akustisches Modell.

Info: www.fumodichina.com

Info: www.thomas-guitars.it

Foto: Thomas Guitars

er sich in Italien für Comics interessiert und etwas hinter die Zeichnungen und „bunten Bilder“ schauen will, kennt „Fumo di China“ mit großer Wahrscheinlichkeit. „Fumo di China“ ist seit gut dreißig Jahren jene Zeitschrift, die sich kritisch mit der Welt der Comics auseinandersetzt. „Fumo di China“ hat seit jeher eine kleine Rubrik, die sich „Mandati al Marcello“ nennt. Der Comic-Autor und -Zeichner Marcello Toninelli gibt darin jungen Comic-Zeichnern und -Autor/inn/en


Wie Stars in Frankreich: Jambalaya News auf der Bühne des 1. Country-Festivals in Nogent Sur Oise.

HEADL I N E R Freitag, 1. Oktober 2010 – Nr. 191

NEWS Bewerbungen

Final Collapse 2011 Bis zum Frühjahr dauert es zwar noch ein Weilchen, aber weil die erste Auflage des Final Collapse-Festivals mit 600 Be-

Jambalaya News zurück aus Frankreich

Un week-end prolongé Gruppenbild mit Veranstalter (stehend v.l.n.r.): Andreas Marmsoler (Bass), Heidi Capovilla (Stimme), Phillippe Mazzuccato (Festival-Veranstalter), Chris Kaufmann (Gitarre), Markus Mayr (Schlagzeug); vorderere Reihe: Roland Leitner (Gitarre, Stimme) und Michi Lintner (Gitarre, Stimme).

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as verlängerte Wochenende der Bozner CountryBand Jambalaya News liegt jetzt schon etwas zurück, aber nicht weit genug, dass sich die Begeisterung im Michi Lintners Stimme verflüchtigt hätte. „Es war super! Ich weiß nicht, was der Veranstalter dort über uns erzählt hat, jedenfalls wurden wir empfangen und behandelt wie Stars.“ Michi Lintner war mit seiner Band am 18. und 19. September im französischen Nogent Sur Oise. Das ist eine Kleinstadt in Nordfrankreich, in der ein mehrtägiges, groß angelegtes Country-Festival stattgefunden hat. Der Veranstalter des Festivals hatte Jambalaya News letztes Jahr bei einem ihrer Konzerte Nähe der belgischen Grenze gesehen und quasi vom Fleck weg engagiert. Jambalaya News haben jetzt auch schon wieder zwei weitere Gigs 2011 in der Tasche: einen im Juni, einen zweiten im September. Und nach Frankreich geht es heuer gleich noch einmal, wenn sie im November in der Nähe von Lyon spielen werden. Auch wenn diese Auftritte mit Gage, Hotel und allem drum und dran versehen

sind, so muss man die, im Falle von Nogent Sur Oise beispielsweise 1200 Kilometer hin erst einmal zurücklegen als Band. Konnte man im Juni noch in Ruhe frühzeitig anreisen, so ist die Band nach ihrem zweiten Set am Sonntag, 19. September gleich ins Auto, um den Heimweg anzutreten. Konkret heißt das, dass die Band Montag Morgen in Bozen war und die Musiker direkt ihre Jobs verrichten konnten/durften/mussten. Warum macht man das? Lintner: „Für mich war es ein tolles Wochenende mit Freunden, an dem ich mein Hobby ausüben konnte. Machbar ist das freilich nur, wenn in der Band die Leidenschaft stimmt, wenn alle in der Band mit diesem Unterfangen einverstanden sind.“ Es läuft also rund bei Jambalaya

sucher ein Erfolg für die Brixner Metalszene war, steht der Termin für die nächste Ausgabe im Max Brixen schon jetzt fest: Mittwoch, 20. April 2011. Auch diesmal können interessierte Metal-, Rock- und Punk-Bands sowie Drum&Bass-DJs direkt über über’s Netz anfragen, denn der Startschuss für die Bewerbungen ist bereits gefallen. News im Moment: Seit März 2010 ist mit dem Klobensteiner Markus Mayr (u.a. Moe's Garage, Funky Movement) ein passender Drummer gefunden worden und – der ständigen Nachfrage der Konzertbesucher nachgebend – arbeitet die Band bereits an einer ordentlichen CD. Für diese CD, für die bereits die Schlagzeugspuren aufgenommen werden, sind zwar „nur“ Coversongs vorgesehen, aber mit Heidi Capovillas Stimme, der Gitarre und den Arrangements von Chris Kaufmann und der mittlerweile eingespielten Band dürfte am Ende doch ein Tonträger mit einem gewissen Wiedererkennungswert stehen. (rhd)

Info: www.finalcollapse.it

Flavio Delladio

Live am Café Gries Sonntag, 3. Oktober, 18 Uhr. Das sind die zeitlichen Eckdaten für den Auftritt von Flavio Delladio, der mit seiner flexiblen Mann-

Info: www.jambalaya.it

Wer bin ich? Foto: eva

Unsere 10-teilige Reihe „Wer bin ich?“ ist kein Selbstfindungs-Esotherik-Krempel, aber ein lustiges Bandrätsel zur Südtiroler Musikszene. Wir haben 10 Bands geknipst bzw. ihre Bandnamen auf einem Foto dargestellt; nun gilt es zu erraten, wer auf dem jeweiligen Bild zu sehen ist! Die Auflösung von heute findet ihr mit einer neuen Folge in der kommenden Headliner-Ausgabe.

Foto: rhd

Des Rätsels Lösung von letzter Woche:

Nachtcafè (Folk/Jazz aus Bozen)

schaft einen Mix aus Rock'n'Roll, Blues, Country und Mariachi präsentieren wird. Mit an Bord: Stevie Buonocore (Gitarre), Andrea Fillidei (Schlagzeug) und Richy Moya (Perkussionen). Austragungsort: Café Gries am Grieser Platz in Bozen.

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Headliner #110