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Freitag, 11. Juni 2010 – Nr. 112

HEADL I N E R Redaktion Tageszeitung „Headliner“: 329/5913560 – redaktion.headliner@gmx.com

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Erwischt! von Eva Reichegger

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enkt man an Musik-Downloads, dann denkt man an international bekannte Bands. Aber was ist mit jenen, die um die Ecke wohnen? Das Thema liegt näher als gedacht, denn Südtiroler Bands erwähnen immer wieder, dass ihre Veröffentlichungen ungefragt im Netz auftauchen. Aber wie finden unsere MusikerInnen das? Fühlen sie sich beraubt und gezwungen rechtliche Schritte einzuleiten oder insgeheim geschmeichelt, im Ausland Aufmerksamkeit zu erhalten? Wir haben uns in der Szene umgehört und betroffene Musiker gefragt, wie sie dazu stehen, dass sich die Piraterie ihre Musik auf diese Weise aneignet.

Culture Assault Records Philipp Kieser: In der Szene der elektronischen Musik ist Filesharing zum Massenphänomen geworden. Wir sind als aufstrebendes Label besonders davon betroffen. Nicht nur, dass veröffentliche Releases auf illegalen Portalen gesha-

Graveworm Stefano Fiori: Man merkt, dass viele sich die Alben aus dem Internet holen. Sehe das aber nicht so kritisch, eher ist es für uns Teil der Promotion. Deine Musik zirkuliert durch die Welt und es gibt doch immer Leute, besonders in der Metalbranche, die sich die Alben aus dem Netz saugen, aber die CD anschließend erwerben. Denn das Feeling, die CD beim Anhören in der Hand zu halten, das Booklet durchzublättern, kann man nicht downloaden.

red werden, vielmehr haben wir ein Problem mit unveröffentlichten Tracks, die wir signen und die dann schon vor Veröffentlichung im Netz kursieren. Besonders verbreitet scheint dies in der russischen Fangemeinschaft. Wir sind stets damit beschäftig Tauschbörsen nach Leaks zu durchforsten. Hierfür haben wir Agents, die uns benachrichtigen und für die Löschung der Files sorgen. Kurz gesagt: Diese Menschen verhalten sich subversiv. Es geht nur mehr

darum, wer sich mit den neuesten, möglichst unveröffentlichten Tunes brüsten kann. Von Qualitätsbewusstsein und Musikgeschmack kann hier keine Rede sein. Diese Menschen zerstören die Szene von Innen heraus.

Feline Melinda Robert Irbiz Gallmetzer: Man kann es nicht verhindern. Natürlich sind wir in legalen Downloadshops vertreten, aber es ist nur zu verständlich, dass die Leute eher gratis downloaden. Wer legal downloadet, hat im Grunde auch nicht mehr erhalten als bei einem illegalen Download: Songs auf einer selbstgebrannten CD, Cover muss selbst ausgedruckt werden. Wir freuen uns jedenfalls, wenn unsere Musik angehört wird. Schade nur, dass aufgrund des großen Musikangebots das einzelne Werk nicht mehr geschätzt wird. Eigentlich stört uns bei illegalen Downloads in erster Linie nur die Tatsache, dass die Wertschätzung verloren geht ("Was nichts kostet, ist nix wert") und was uns am meisten ärgert ist, wenn illegale Downloads angeboten werden und der Anbieter die Frechheit hat, auch noch zu verdienen (z.B. Alben um 90 Cent). Ich rate Musikliebhabern CDs zu

Foto: eva

Südtiroler Musiker vs. Download-Piraten kaufen, denn erst bei der OriginalCD spürt man was der Künstler vermitteln will.

Skanners Claudio Pisoni: Purtroppo internet per gente che fa dischi o quant´altro é un disastro. Non si vende piú un cd perché tutti scaricano e noi siamo ancora fortunati che riusciamo a vendere qualcosa perché é un sacco di anni che siamo presenti nella scena heavy, perció pensa a quei gruppi giovani che prospettive hanno!

Brunorock

Bruno Kraler: Für mich ist die Geschichte mit den Downloads nicht wirklich das Problem. Grundsätzlich kaufen Rockfans immer das Original sofern es qualitativ hochwertig ist. Meistens werden Alben anhand von illegalen Downloads Fortsetzung>


Freitag, 11. Juni 2010 – Nr. 112

NEWS

Morgen zum MorgenRock Morgen ist er endlich da: der lang ersehnte letzte Schultag, den auch heuer wieder viele SchülerInnen gemeinsam feiern möchten. Deshalb hier ein Tipp für alle Jugendliche: In Bozen findet morgen die 4. Auflage vom MorgenRock Openair statt, bei dem ihr gebührend in die

Sommerferien springen könnt. Auf der Wiese vor dem Petrarca-Saal Pippo gibt’s ab 11 h Livemusik; mit dabei sind The Living Targets (Alternative Rock, Montan), The Headache (Hard'n Heavy, Bozen), The Mielma Blues Band (Bluesrock, Bozen) und Brothers Records (HipHop, Lana). Auf dem Programm stehen neben den Auftritten der Bands auch Alternative Happy Hours, Barbecue & Drinks, Jonglage & Slackline und eine Streetdance Performance. Der Eintritt ist frei; wir wünschen einen schönen Schulabschluss! Bild: 21_BrothersRec.jpg

Percussion/Kurtatsch

Kultrum Kultrum heißt die neue Formation des Ex-Schlagzeugers und Perkussionisten Helmuth Giovanett. Neben der in Cavalese lebenden und aus Argentinien stammenden Sängerin Gladys Heideé Dirube und Helmuth (Obertongesang und Perkussionen) besteht Kultrum noch aus Rubert Fischer (Kurtatsch), Christian Scarabello (Neumarkt) und Robert Mitterrutzner (Pustertal). Die Band hat am morgigen Samstag, 21 Uhr ihren ersten Auftritt in Kurtatsch, direkt vor der Bar „Weinstube“. Für all jene, die gern zwei Fliegen mit einer Klapper erwischen: In Kurtatsch findet gleichzeitig die „Nacht der Keller“ statt.

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redaktion.headliner@gmx.com

probegehört und dann bei Bedarf gekauft. Die CD an sich hat seine Zeit abgearbeitet und wird in Zukunft durch andere Medien ersetzt. Wieso die Leute weniger Musik kaufen ist ganz einfach ein Zeichen der Zeit.

Frei.Wild Philipp Burger: Ganz einfach, wir haben eine Anwaltskanzlei beauftragt, welche sich auf illegale Downloads spezialisiert hat und diese dann zur Anzeige bringt. Die Strafen variieren, starten aber bei meist 500,00 € und gehen dann hoch ins Unermessliche. Die Einnahmen werden geteilt. 50% für uns, 50% für die Kanzlei. An sich ist es ja in irgendeiner Weise auch Promotion wenn sich viele Leute die Songs ziehen. Diese findet man im Optimalfall auch auf den eigenen Konzerten wieder, was wiederum auch gut für den Merchandise-Verkauf sein kann. Allerdings bieten wir auch immer wieder Songs für um sonst an und leben natürlich auch von den CDVerkäufen und den legal erworbenen Downloads. Ganz ehrlich. Illegal downloaden ist und bleibt illegal, ist unfair den Bands gegenüber und schlicht und einfach Diebstahl. Wir werden das was uns betrifft ahnden und auch weiterhin dagegen vorgehen. Die Dunkelziffer ist ja eh bedeutend höher. Wer erwischt wird, zahlt eben. Wir sind dagegen.

ben auf Portalen auftauchen. Dadurch kann eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Personen auf die Band aufmerksam werden. Zudem kaufen sich viele erst dann CDs, wenn sie diese erstmal illegal gedownloadet und durchgehört haben. Auf der anderen Seite ist es gerade für kleinere Bands extrem wichtig, dass ihre Scheiben gekauft werden. Die Einnahmen wandern –und wenn auch oft nur zum Teil- in die Kasse der Band. Dies sind die dringend benötigten finanziellen Mittel, damit eine Band überhaupt existieren kann.

Alight Mirko Montresor: Penso che il download illegale sia un "arma" a doppio taglio: Da un certo punto di vista è positivo perché aiuta a far girare e conoscere la musica di una band, se qualcuno è veramente interessato può, di conseguenza, acquistare il CD. Come in ogni cosa il troppo non va mai bene; noi Alight ad esempio per limitare lo scarico

Sense of Akasha Ivo Forer: Man kann eh nichts dagegen tun und trotz allem ist es Werbung. Früher kopierte man sich Kassetten, heute saugt man

Sisyphos Benjamin Stötter: Ehrlich gesagt sind wir froh, wenn sich jemand die Mühe macht unsere Musik überhaupt online zu stellen. Auch wenn es illegal ist, sind wir in erster Linie darauf aus, unsere Musik so weit als möglich zu verbrei-

sich die Musik aus dem Netz. Eine virtuelle mp3 aber, kann einem Album mit schöner Verpackung nicht das Wasser reichen.

Slowtorch Bruno Bassi: Natürlich ist es einerseits beschissen, wenn jemand nicht bereit ist, ein paar Euro für

ten. Es ist schon lang nicht mehr so, dass man mit dem Verkauf von Tonträgern verdienen kann (die treuesten Fans haben unsere Platte und das erfüllt uns mit Stolz). In den letzten Jahren bewegt sich der Trend sowieso in Richtung Sharing (sei es bei Musik oder auch bei Filmen u.ä.) und das ist auch gut so. Sich dagegen zu stellen, wäre nicht nur unzeitgemäß, sondern würde uns auch in keinster Weise weiterbringen.

Unantastbar Florian Schkal Wieser: Das Ganze hat Vor- und Nachteile. Für eine unbekannte Band kann es durchaus von Vorteil sein, wenn ihre Al-

del nostro album abbiamo adottato un sistema abbastanza efficace, inviamo una e-mail scritta dal nostro avvocato ai siti in questione, in breve tempo riceviamo rapida risposta e il link viene bloccato. Wenn ihr eure Meinung zum Thema/zu den Statements der Musiker sagen möchtet, dann schickt uns eure Rückmeldungen. Kontakt: redaktion.headliner@gmx.com oder http://forum.airbagpromo.com (im „Headliner“-Board).

20-MINUTIGE FORTBILDUNG ZUM FACHGEBIET In der South Park-Folge „Christian Rock Hard“ dreht sich alles ums Banddasein und um Plattenverkäufe; nebenbei werden Stan, Kyle und Kenny verhaftet, weil sie illegal Musik heruntergeladen haben. Welche Konsequenz das für Metallica, Judas Priest u.a. hat und die sehr treffende Schlussfolgerung seht ihr auf: www.southparkstudios.com/episodes/103772

Grafik: Comedy Partners

HEADL I N E R

ein paar Songs oder ein Album auszugeben - schließlich investieren wir in Equipment, Aufnahmen, Druck und Fahrtspesen und sehen in diesem Fall keinen Cent dafür. Andererseits ist für uns jeder illegale Downloader ein potentieller neuer Fan. Bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als auf etwas Ehrlichkeit zu hoffen.

Fortsetzung >


„Mountain Guitar Festival“-Gitarre

HEADL I N E R

Eine für alle D

ie erste Runde war erfolgreich. Es haben gar einige an der Verlosung der „Mountain Guitar Festival“-Gitarre teilgenommen und uns ein Bild mit sich selbst und dem aktuellen „Headliner“ geschickt. Wir gehen jetzt in die Runde 2. Da der Einsendeschluss auf Freitag, 18. Juni, 24 Uhr, festgelegt ist, habt ihr noch eine Woche Zeit euer Glück zu versuchen, um an die u.a. vom schwedischen Gitarristen Mattias Eklundh signierte Gitarre zu kommen. Schickt uns ein Foto – ob mit dem Handy oder mit der digitalen Spiegelreflexcamera ist einerlei – auf dem ihr mit der aktuellen Ausgabe des „He-

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adliners“ zu sehen seid. Die Adresse: redaktion.headliner@gmx.com. Aus den einlangenden Photos wird am Samstag, 19. Juni innerhalb ei-

nes Openairs der Gewinner oder die Gewinnerin ausgelost und am Sonntag, 20. Juni über www.airbagpromo.com und die Woche darauf im „Headliner“ bekannt gegeben. Vergesst nicht euren Na-

men, eure Anschrift und eventuell eine Handynummer anzugeben, über die ihr erreichbar seid. Also: Nur zu, Handy oder DigiCam zücken, knipsen und mailen! Info: redaktion.headliner@gmx.com

Underwood

Im Alleingang

Foto: Roland Leitner

Headliner: Neulich lag deine CD auf meinem Schreibtisch und ich wurde gefragt, ob du denn generell ein Einzelgänger bist. Andreas Unterholzner: Nein, ich freue mich immer sehr mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. „Moving Alone“ widerspiegelt einfach eine künstlerische Phase, wo ich den Vorgang der Komposition, Aufnahme und Aufführung alleine durchleben will. Irgendwie eine Probe um meine Grenzen zu erfahren und diese Grenzen auch zu überschreiten. Ich bin auf mich gestellt und kann niemanden anderen beschuldigen, wenn etwas nicht läuft wie ich es mir wünsche. Eine Erfahrung die mich zum Reifen

Grafik: Petra Thurner/Sylvia Pechlaner

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er Meraner Andreas Unterholzner, 34, Mitglied bei den Coverbands No Way Out und Bluestorm sowie Amanecer (Gitarrenduo für klassische Musik), hat im März seine erste Solo-CD veröffentlicht: „Moving Alone“ der Titel, „Music for Loop Station and Solo Guitar“ der Untertitel. Beides verrät eigentlich schon in groben Zügen, worum es hier geht: Unterholzner hat seine akustische und elektrische Gitarre, seine Loop Station und sein Effektpedal hervorgekramt und damit ein eigenes Programm für Bühne und Platte zusammengestellt. Wir haben Andreas zum einfallsreichen Alleingang befragt.

Hat sein eigenes Liveprogramm einstudiert: Andreas Unterholzner, hier beim gelungenen Auftritt bei Radio Freier Fall.

Comics im „Headliner“ Sei allen ans Herz gelegt: Der Song „Angelika’s Walz“, zu finden auf „Moving Alone“ von Underwood.

rhd rhd (= Reinhold Giovanett) liest seit jeher Comics: ein wenig Fumetti, ein wenig Manga, sehr viel amerikanische Comics. Favoriten: Daredevil, Diabolik, Star Trek, Aliens/Predator + Garth Ennis. „Erzähl mir von dir“ ist das zweite Comic aus seiner Feder und das erste für „Hinterland“.

Foto: eva

Hinterland - Folge 13

Elisabeth Busani Elisabeth Busani, anno 1978. Dopo la Scuola del Fumetto a Milano e un’esperienza di 4 anni come grafica, mi trasferisco a Bolzano per iniziare a lavorare come freelance. Mi esprimo attraverso illustrazioni, grafie e fotografie. Ho pubblicato su Panik Elektro, Edito da Schwarzer Turm (Germania), New Media Design, Editrice Sometti (Italia), e realizzato 2 fumetti per Manifesta 7 (Biennale d'Arte Contemporanea) edito da Gruppe Gute, Bolzano (Italia). Collaboro come illustratrice esterna con la Casa ed. Erickson (TN), e al Bolzano Comics 09.

bringt und ich freue mich schon wieder mit anderen Musikern auf Eigenkompositionen zu arbeiten. Wie lange hast du an „Moving Alone“ gearbeitet und was war dir dabei wichtig? Vor zweieinhalb Jahren habe ich mit den ersten Kompositionen angefangen und dann immer wieder zeitweise daran gearbeitet. Nachdem ich das Diplom in klassische Gitarre hinter mir hatte, habe ich die Realisierung des fertigen Projektes zwischen August 2009 und Februar 2010 durchgeführt. Mir war es wichtig die Inspirationen und die Musik einfach kommen zu lassen ohne mir irgendwelche Vorgaben zu geben. Du hast dein Album in die 3 Ka-

pitel „24 hours“, „The Moving Alone Suite“ und „Underground Movements“ geteilt. Welcher Gedanke steckt dahinter? Emotionale Regungen und gedankliche Inspirationen haben dazu geführt, dass sich diese Themenblöcke gebildet haben. „The Moving Alone suite“ das ja für Sologitarre ist, ist eine musikalische Alleinreise in das Erlebnis alleine zu sein, was nicht bedeutet einsam zu sein. Die „Underground Movements“ sind aus der Beobachtung der Insektenwelt entstanden, eine Welt die oft im Untergrund arbeitet, ein bisschen wie die Emotionen. Die zwei Stücke von „24 hours“ sind der Tag und die Nacht, die Bewegung im Licht und die Bewegung im Dunkeln. Beim Song „Illusione e realtà“ beziehst du dich auf Sauro Tronconi, der sich viel mit Selbsterkenntnis/beobachtung beschäftigt. Inwieweit hat er dich beeinflusst? Seine Seminare und seine Skripten haben mich sehr zum Reflektieren und Hinterfragen angespornt. Für mich ist es wichtig, sich als Mensch in Selbsterkenntnis/beobachtung zu üben, um ein reichhaltigeres Leben zu führen und die eigenen Horizonte zu erweitern. Info: www.myspace.com/andyunderwood75

(Interview: eva)


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Headliner #094  

Headliner - Musikmagazin - Freitags in der Neuen Suedtiroler Tageszeitung

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