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Freitag, 23. April 2010 – Nr. 79

HEADL I N E R Redaktion Tageszeitung „Headliner“: 329/5913560 – redaktion.headliner@gmx.com

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Einlauf M

orgen Abend, am Samstag, 24. April 2010 steht er auf dem Programm: Der Einmarsch der jungen Unterlandler Rockbands im Jugendzentrum Kass Brixen. Wir vom Headliner präsentieren euch dort ab 20 Uhr drei frische Nachwuchsbands aus dem Süden Südtirols, die dort gemeinsam das kleine Rockfestival „Unterland Invasion“ bespielen und so die Möglichkeit haben, ihre Musik einem neuen Publikum abseits der gewohnten Umgebung vorzustellen. Bei der VölkerBandwanderung sind The 3 Murphys, Hungerstrike und The Living Targets mit dabei; mit allen dreien haben wir uns im Vorfeld unterhalten.

The Living Targets (Alternative aus Montan) Headliner: Eure noch junge Bandgeschichte begann 2007 und nach dem Ausstieg eures Drummers habt ihr einen musikalischen Richtungswechsel eingeschlagen. Wie würdest du ihn beschreiben; inwiefern hat sich euer Stil verändert? Hannes Pfitscher: Als Alternative Rock mit einem Schuss Punkrock, einer Prise Grunge und für Leute

die ganz genau hinhören einen Hauch von Stoner. Unser Stil hat sich insofern verändert, dass unsere Lieder abwechslungsreicher und vielschichtiger geworden sind. Wir sind vom Drei-Akkorde-Punkrock etwas abgewichen. Trotzdem bleibt unsere Musik schnelle Rockmusik. Die gängige Meinung der Südtiroler ist, dass das Unterland nicht viel außer Bluesrock zu bieten hat. Wie siehst du ihr die Musiklandschaft im Unterland? Unserer Meinung nach hat sich im Unterland besonders in den letzten Jahren einiges getan. Es gibt nun einige Bands und Künstler, die besonders in der Rockmusik, aber auch in anderen Genres wie z.B. Drum`n`Bass aktiv sind. Gute Auftrittsmöglichkeiten bieten vor allem die Jugendzentren. Trotzdem scheint es, zumindest uns, so, als ob der Großteil der Jugendlichen im Unterland eher auf House und ähnliche "Discomusik" steht.

Hungerstrike (Alternative/Rock aus Kaltenbrunn) Headliner: Hungerstrike gibt es seit ungefähr 2 Jahren. Wie siehst du selbst die musikalische Entwicklung eurer Band?

Grafik: dia/rhd

von Eva Reichegger

Unterland Invasion in Brixen

Oliver Pernter: Wie viele andere Bands haben wir zunächst einmal hauptsächlich Songs von anderen Bands gecovert. Das hat uns die Möglichkeit gegeben als Band zusammenzuwachsen. Nach und nach haben wir aber gemerkt, dass wir eigene Lieder schreiben möch-

ten und haben das dann einfach getan. Mittlerweile besteht unser Zwei-Stunden-Set zur Hälfte aus eigenen Songs. Habt ihr schon mal im Eisacktal gespielt oder ist die Unterland Invasion eine Premiere für euch? Gibt es Locations in Südtirol, in denen ihr gerne mal spielen würdet? Nein, wir haben noch nie im Eisacktal gespielt. Die Unterland-Invasion öffnet uns sozusagen neue Türen. Wir finden das sehr gut... eigentlich sollte es viel mehr dieser Invasions geben wie z.B. eine Pustertal-Invasion in einem Juze im Vinschgau... Zu den Locations in Südtirol in denen wir gerne spielen würden kann ich nur sagen, dass es für uns super war im Ufo in Bruneck im Rahmen der Paranoise Radio Show spielen zu dürfen...somit wären unsere Träume in Erfüllung gegangen. Fortsetzung >

Foto: rhd

Vom Punk zum Alternative Rock: The Living Targets spielen morgen als Headliner.


Band mit Entwicklungspotenzial: Hungerstrike arbeiten ambitioniert an neuen Songs.

HEADL I N E R Freitag, 23. April 2010 – Nr. 79

Fortsetzung >

The 3 Murphys (Hardrock aus Kurtatsch) Headliner: Ihr habt vor ein paar Monaten Bandzuwachs bekommen und ein viertes Mitglied aufgenommen. Welche Auswirkungen hatte dies auf euren Sound? Ivan Tiecher: Aufgrund der zusätz-

lichen zweiten Gitarre, ist unser Sound jetzt noch wuchtiger und vielfältiger. Wir können uns jetzt beim Songwriting noch mehr austoben. Vor allem bei den Gitarrensoli merkt man einen Unterschied zu vorher. Die Songs klingen einfach voller. Außerdem haben wir jetzt noch einen zusätzlichen kreativen Kopf in der Band, der bereits von Anfang an tolle Songideen beisteuerte. Ihr seid kürzlich im Studio gewesen. Wo und mit wem habt ihr aufgenommen? Habt ihr einen Nachfolger zur ersten Demo-EP „Time For Rock’n’Roll“ geplant? Wir haben, wie bereits bei den letz-

Bühne und Studio frei für Dominik Plangger

Frischer Hardrock aus Kurtatsch: The 3 Murphys & Hamster.

ten Aufnahmen von unserer DemoEP „Time For Rock’n’Roll“, im Jugendzentrum UFO in Bruneck aufgenommen. Tontechniker war wieder Egon Niederkofler. Die Zusammenarbeit mit ihm war wieder sehr gut und so konnten wir die zwei Songs „Rock'N'Roll Highway“ und „Death“ an einem Tag aufnehmen. Ein Nachfolger zur ersten Demo-EP ist zurzeit leider noch nicht geplant. Sie werden je-

Fotos: rhd

Wenn es in Bozen eine ähnliche Location geben würde, würden wir auch mal da gerne spielen. Und was steht 2010 noch auf eurem Programm; was würdet ihr gerne machen? Dieses Jahr stehen bis jetzt noch ca. 10 bis 15 weitere Auftritte auf dem Programm. Weiters arbeiten wir weiter an unseren Songs und vielleicht folgt noch ein kurzer Studioaufenthalt.

doch sicher bald auf unserer MySpace Seite zu hören sein. Die Unterland Invasion beginnt morgen Abend um 20.00 Uhr und wird für die Sendung Radio Freier Fall (jeden Donnerstag, 19.40 Uhr, im Rai Sender Bozen) mitgeschnitten. Kommt vorbei, wir freuen uns auf euch! Infos: www.myspace.com/thelivingtargets www.myspace.com/hungerstrikefromcoldwell www.myspace.com/threemurphys

Das zweite Album ist im Frühsommer zu erwarten: Der Vingschauer Liedermacher Dominik Plangger, hier zusammen mit Aronne Dell'Oro (Gitarre) und Daniel Faranna (Bass).

Zwei gute Nachrichten kommen vom Umfeld des Liedermachers Dominik Plangger.

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rstens: Der aus Prad am Stilfser Joch stammende Sänger wird im Hauptprogramm des Festivals „Songs an einem Sommerabend“ am 16. und 17. Juli 2010 in Kloster Banz, Bad Staffelstein auftreten. Sein Name steht in der April-Ausgabe der Musikfachzeitschrift „Melodie und Rhythmus“ neben jenen von Hannes Wader, Konstantin Wecker und Claudia Koreck. Der Durchbruch in den Olymp der singenden Zunft, kommt nicht unerwartet: Dominiks Auftritt beim selben Festival in Bayern im Vorjahr – er ist Preisträger des Wettbewerbs für junge Songpoeten der Hanns-Seidel-Stiftung – gehörte zu den Highlights. Obschon im Vorprogramm, waren Publikum, Veranstalter und singende Kollegen restlos begeistert.

Zweitens: Zur Zeit ist Dominik im „modernsten Tonstudio Österreichs“ (Zitat Dominik) in Mils in Tirol und nimmt seine 2. offizielle CD auf. Unverzichtbare Hilfe kommt dabei von seinem Aufnahmeleiter Ralph Metzler, inzwischen für Dominik mehr als nur der Plattenproduzent. Zu den neuen Liedern meint Dominik, dass die Stimmung grundsätzlich fröhlicher sei, als auf dem ersten Album „Gestern noch“ (Leebelle Music CD80101), das durch düstere und wehmütige Herbststimmung besticht. Außerdem sickerte durch, dass neben den neuen Liedern auch mindestens 3 neue Covers erscheinen werden, darunter „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ – ein Klassiker von Konstantin Wecker und „S’orme Piabl“ von Egon Kühebacher – wobei anscheinend der Sohn des Au-

tors, Hermann Kühebacher von Titlá, als Gastmusiker in Erscheinung treten soll. Die CD soll noch im Mai fertiggestellt werden und spätestens im Frühsommer erhältlich sein. Wer bis dahin nicht warten kann, ist mit der oben genannten CD zum Einstieg in Planggers Gefühlswelten und zum genießen sei-

ner tiefgehenden Stimme bestens bedient. Einen der Auftritte, die er 2009 als Straßenmusiker in Galway, Irland mit Johnny Cash - Songs bestritten hat und der ebenso das Prädikat „wertvoll“ verdienet, kann man auf der Seite www.myspace.com/dominikplangge r im Internet bewundern. (rol)


Diskontinuität

Festival-Sommer 2010

Nächste Woche im Headliner

Tobias „Tobe“ Planer, von Anfang an im Papperlapapp: Zuerst ehrenamtlich, dann als Zivildiener und hauptamtlicher Mitarbeiter und seit 8 Jahren im Vorstand.

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Die Bretter werden abgestaubt: Am Mittwoch findet nach 6 Jahren wieder ein Livekonzert in den eigenen Papperla-Wänden statt (im Bild: Last Man Standing)

den zwei monatlichen Konzerten, die während des Schuljahres angeboten wurden. Das von der Dompfarre ausgesprochene Konzertverbot wird erst jetzt, zur „Volljährigkeit“ des Jugendzentrums ausnahmsweise ausgesetzt werden. Bis 2004 war das Papperlapapp zum Katalysator der Bozner Jugendkultur geworden, die durch das Konzertstop einen entsprechenden Rückschlag erleiden musste. Während all der Jahre war der Bozner Tobias „Tobe“ Planer direkt

mit dem Papperlapapp verbunden: als Vorstandsmitglied, ehrenamtlicher Mitarbeiter, Konzertorganisator, Bezugspunkt. Wir haben mit ihm ein Interview geführt, das aufzeigt, dass in Bozen Diskontinuität die Regel ist, wo es hingegen Kontinuität bräuchte. (rhd) Headliner: Nach 6 Jahren findet erstmals wieder ein Konzert im Papperlapapp statt. Wird das Geburtstagskonzert eine Ausnahme in Sachen Konzerte unter dem eigenen Dach bleiben? Tobias Planer: Nach 6 Jahren “Konzertverbot” ist es uns endlich gelungen, eine Genehmigung für den legendären Konzertsaal zu bekommen! Das Konzert am Mittwoch, 28. April (mit monroe´s ex, mary´s jail und EF) wird sicher eine Ausnahme sein; denkbar wäre jedoch ein spezielles Konzert pro Jahr. Grund für die Auslagerung der Konzerte ins “Pippo” war nach über 10 Jahren Konzerttätigkeit im Jahre 2004 plötzlich das leidige Thema “Ruhestörung”, mit welchem wir übrigens im “Pippo” auch wieder zu kämpfen haben. Das “Pippo.food-chill-stage” gibts jetzt seit Herbst 2008, dank Unterschriftenaktionen, Presseartikeln, zahlreichen Sitzungen und Verhandlungen mit der Gemeinde. Wie wurde die Katapultierung der Bands auf die pippo.stage aufgenommen? Eigentlich gut! Die fast wöchentlich stattfindenden Konzerte von Bands verschiedenster Musikrichtungen sind gut besucht! Die Musiker schwärmen von der guten Audioanlage und das Publikum ist gerne im “Pippo”, auch weil es in Bozen zur Zeit der einzige Ort für Konzerte dieser Art sind. Wir bekommen täglich ca. 15 mails mit Anfragen von Gruppen, die gerne in Bozen auftreten möchten. Leider kämpfen wir auch hier wieder mit dem Thema “Nachbarschafts(in)toleranz” und seit einem halben Jahr dürfen Kon-

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NEWS

Das Jugendzentrum Papperlapapp in Bozen wird volljährig

as Jugendzentrum Papperlapp liegt mitten in Bozen, hinter dem Dom und ist im Pfarrheim untergebracht, einer Immobilie, die der Dompfarre Bozen gehört. Die Dompfarre hat vor 18 Jahren einen Verein mit der Führung des Gebäudes beauftragt, wobei die Führung eines Jugendzentrums im unteren Stock Teil dieses Auftrages war. Die oberen Stockwerke werden verwaltet. In ihnen sind kirchliche Verbände ebenso untergebracht, wie Säle, die für Seminare etc. vermietet werden. Zudem gibt es im obersten Stockwerk vermietete Sozialwohnungen. Das Pfarrheim ist also buntes Konglomerat, das der Konzerttätigkeit des Jugendzentrums letztlich und trotz Einsatz seitens des Vereinsvorstandes, zum Verhängnis wurde. Im November 2004 war Schluss mit

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zerte nur mehr bis 23.30 Uhr dauern. Mitarbeiter und Konzertbesucher wollen sich nun mobilisieren, diese Situation nicht mehr hinnehmen und das mangelnde Kulturangebot und -verständnis in der Landeshauptstadt aufzeigen. Du warst bei der Veröffentlichung des Samplers „BZ under the ground“ im Jahr 2002 maßgebend beteiligt. Welcher Grundgedanke steckte hinter der CD? Wir wollten ein qualitativ hochwertiges Dokument veröffentlichen, auf welchem die damalige alternative Bozner Musikszene sich präsentieren konnte. 21 Bozner Bands von Hip Hop über Ska bis Metal, mit Eigenkompositionen, gemeinsam auf einem Sampler! Die Bands konnten einen Song professionell im Studio aufnehmen, es gab im Jugendzentrum ein Fotoshooting mit über 100 Musikern; 1000 Stück wurden produziert, an verschiedene Veranstalter und Medien verschickt und südtirolweit verkauft. Einige wenige Exemplare gibts noch im Papperlapapp! Wie sieht die Momentaufnahme der Bozner Szene in deinen Augen aus? Was funktioniert; was will nicht so recht voran gehen? Es fehlt einfach die öffentliche Akzeptanz für diese Musik (im mächtigen Schatten von Volksmusik und Zeltfest-Party-Bands)! Die Szene wird nicht richtig ernst genommen, Underground-Musik machen wird als “störend” empfunden. Die Szene von damals war kompakter, es gab mehr Zusammenhalt, mehr Musiker von anderen Bands kamen zu Konzerten; heute kocht fast jeder sein eigenes Süppchen und durch Seiten wie MySpace hat sich der “Auftritt” und die Präsenz viel mehr ins Netz verlagert. Es fehlt einfach ein angemessenes Zentrum für die Musik, Freiraum für Kreativität und Austausch in Bozen! Info: www.papperla.net

(Interview: eva)

Wir haben hart gearbeitet und wir sind stolz auf unser Schmuckstück: Nächste Woche wird es zum zweiten Mal den „Festival-Sommer“ geben, der euch über die Openairs und Festivals informiert, die im heurigen Sommer anstehen. Ihr seid vorgewarnt, es wird ein fetter Headliner!

Killjoy

Neuer Gitarrist Zwei überraschende News aus dem Hause Killjoy: Die Bozner Punkband wird, wie es ausschaut, im November eine 10tägige Deutschlandtournee im Vorprogramm von Frei.Wild absolvieren und also das nachholen, was bereits einmal geplant aber nicht verwirklicht werden konnte. Weiters ist Daniel Bachmann von IntoXication als Gitarrist in die Band eingestiegen. Bis auf die neuen Erfahrungswerte für Daniel hat dies für IntoXication keine Konsequenzen.

Freier Fall

Openair-Special Am Donnerstag, 29. April – am Tag bevor der „Festival-Sommer 2010“ im Headliner erscheint, hat Radio Freier Fall (Sender Bozen) eine Diskussionsrunde mit Festival-Veranstaltern geplant. Auf der Gästeliste: Tobias Tobe Planer (Upload On Tour), Martin Stampfer (Rock im Ring), Maurice Bellotti (Poison for Souls, Point Neumarkt u.a.) und Gunnar Thöni und Philipp Waldner (Eternity of Rock). Dabei wird es auch Tickets zu gewinnen geben. Tel. 8000 144 77. Beginn: 19.40 Uhr.

Headliner #087  

Headliner - Musikmagazin - Freitags in der Neuen Suedtiroler Tageszeitung

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