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DIE NEUE SÜDTIROLER

Freitag, 17. April 2009 – Nr. 75/17. Jg.

Tageszeitung > Redaktion Tageszeitung Headliner: headliner@tageszeitung.it – Tel. 329/5913560

Zwei Ma l Frauen power auf „Alight" der Bühne: morgen und „sHe" sin im „Freirau Jugendzentrud m und näc " in Schlandersm hsten 25. Ap Samstag, Jugendzeril im ntr „Connec tion" in um Brixen live zu se hen.

Graphic ypogras Grafik: H Caroline Traitler

She’s alight

von Reinhold Giovanett

wei Bands, zwei Konzerte. Zwei Sängerinnen. Zwei Mal Metal, im weiten Sinne. Band eins: „Alight" aus Bozen, Band zwei: „sHe" aus Brixen. Es ist Zufall, dass beide Bands Frauen in ihrem Lineup haben: bei „sHe" singt Daniela; „Alight" haben mit Sabina ebenfalls eine Sängerin und mit Elena eine Bassistin. Es kann also als Indikator dafür interpretiert werden, dass sich die längst überfällige Frauenquote in Rockbands erhöht. Mirko Montresor, Schlagzeuger aus Bozen, der schon bei etlichen Bands und Projekten hinter den Drums saß (u.a. „Skanners", „Voces of Decay", „Broken Hearted"), arbeitet schon lange an seinem Projekt „Alight", und so ließ er sich auch Zeit für die ausgestiegene ehemali-

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ge Sängerin den richtigen Ersatz zu finden. Es gab etliche Möglichkeiten, aber erst die junge Sabina Spagnoli hat die Band überzeugt: „Ihr offener, direkter und ehrlicher Charakter und ihre Hinhabe zur Musik haben uns völlig überzeugt." Der Auftritt morgen im Jugendzentrum „Freiraum" in Schlanders ist für „Alight" nicht nur das erste Konzert nach einer längeren Durststrecke, es ist auch der erste Auftritt (und also die Feuerprobe) für die junge Sabina. Mirko selbst feiert diesen besonderen Moment seiner Band u.a. damit, dass er sein Schlagzeug, das er seit Jahren Stück für Stück ergänzt, erweitert uns ausgebaut hat, erstmals in seiner ganzen Pracht zum Einsatz bringen wird. Mirko: „Es ist kein einfaches Schlagzeug, es ist eine komplexe Struktur, für die ich einige Stunden

brauche, um sie aufzustellen. Das Schlagzeug hat den Proberaum bisher tatsächlich noch nie verlassen, aber unsere Rückkehr auf die Bühne ist ganz bestimmt ein passender Anlass, für den sich der Aufwand lohnt." Stilistisch könnte der Begriff Gothic-Metal für „Alight" zutreffen, wenn er für Mikro auch etwas eng ist: „Wir möchten einen neuen, etwas andern Sound erreichen, der die Riffs einer Metalgitarre mit den elektronischen Klängen von Synths zu überzeugenden musikalischen Themen verbindet." „Alight", die übrigens mit Stolz auf einen russischen und einen argentinischen Fanclub verweisen können, gehen die Sache mit viel Liebe zum Detail an und alles ist stimmig auf den leicht poppigen Gothic-Metal der Band abge-

stimmt: von der Grafik der Flyer, über das Logo und die Bandfotos, bis hin zu den – übrigens nur für Schlanders geplanten – Feuerspeierinnen beim Intro und beim Outro des „Alight"-Auftrittes. Fragt man Mirko nach den Höhepunkten seiner bisherigen Musikerlaufbahn, so nennt er drei Ereignisse: Die Produktion der ersten CD von „Voices of Decay" und das Konzert mit der Band beim „Wave Gothic Treffen" in Leipzig im Jahr 2000; das Projekt „Broken Hearted", mit dem er 2005 ein Demo produziert hat und das Konzert mit 'Alight' vor einigen Jahren in Innsbruck. Und er fügt hinzu: „Ich hoffe, dass ich das Konzert am Samstag an diese Liste anfügen kann." Fortsetzung >


Tageszeitung Freitag, 17. April 2009 Nr. 75 Eröffnen das Festival „Steinegg Live in Blues" heute Abend: „T.Mo" aus Bruneck (Hubert Dorigatti, Adrian Kirchler und Egon Niederkofler) mit Blues aus der Mitte des letzten Jahrhunderts.

as Wichtigste vorne weg: Für die drei Konzerte des kleinen Bluesfestivals „Steinegg Live in Blues" sind nur jeweils 65 Plätze frei. Reservierung ist also nicht nur angebracht, sondern dringend notwendig, zumal gute 2/3 schon vergeben sind. Wer sich also die Brunecker „T.Mo" (heute, 20.30 h), „Queen Laurin" (Freitag, 24. April) oder den Münchner Peter Crow C. (Donnerstag, 30. April) in Steinegg ansehen will, ruft am besten jetzt den Toursimusverein Steinegg an und sichert sich eine Karte: Tel. 0471/376574. „Steinegg Live in Blues" wird zwar vom Verein „Steinegg Live" organisiert und findet auch wie gewohnt im Vereinshaus Steinegg statt, aber nicht im Saal, sondern auf der Bühne, und die hat nur etwas 90 Quadratmeter Fläche! Bei geschlossenem Vorhang wird die Bühne zu einem Blues-Club einer amerikanischen Großstadt umgestaltet. Erwin „Peppi" Schroffenegger, Ideator dieses Bluesfestivals ist von der Atmosphäre und der Struktur hinter der Bühne ebenso überzeugt, wie von den besonderen Qualitäten der kleinen, intimen Konzerte, die ja vor allem im Jazz und im Blues von Musikern

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Eine neues, kleines Festival in Steinegg

Der Blues-Club wie Anhängern geschätzt wird. Es muss nicht viel geändert werden: Bier aus den Staaten und aus UK, ein Perserteppich als „Bühne", eine Leuchtschrift mit dem Logo von „Steinegg Live in Blues". Neben Fotos von vergangenen „Steinegg Live"-Konzerten sind zudem neun Bilder der Steinegger Künstlerin Edelgard Mahlknecht gezeigt, die Bluesmusiker wie Muddy Waters, John Lee Hooker, Bessie Smith und Ray Charles porträtiert hat.

Zwar präsentiert „Steinegg Live" bereits seit Jahren die „Bluesnight" – letztes Jahr waren etwas Johnny Winter und Robben Ford zu sehen – Schroffenegger genügte das jedoch nicht. Er erinnert sich an die Zeit vor etwa 15 Jahren, als in der „Cascade" in Bozen oder im „Sugar Shack" in Meran regelmäßig Bluesbands spielten. Heute ist „Hopfen & Co." in Bozen das einzige Livelokal, das hin und wieder Bluesmusikern eine

Bühne bietet. Und das Herbstfestival „Steinegg Live 2009"? Die Planung läuft bereits seit einer weile und mit der Mike Stern Band konnte für Mittwoch, 21. Oktober bereits ein erster Hochkaräter fixiert werden. Der Vorverkauf für dieses Konzert von Mike Stern (Gitarre), Dave Weckl (Schlagzeug), Chris Mihn Doky (Bass) und Randy Brecker (Trompete) beginnt in Kürze. (rhd) Info: www.steinegglive.com

Foto: Caroline Traitler

Comeback nach unsicheren Zeiten: Mirko Montresor (ganz rechts) mit seiner Band „Alight" in der aktuellen Formation.

Fortsetzung >

Mirko war es auch, der für die beiden Konzerte „sHe" aus Brixen ins Boot geholt hat, wobei die gemeinsame Freundschaft ausschlaggebend war und die Wertschätzung der Musik von „sHe".

„sHe" gehen die Sache weniger generalstabsmäßig an und nach fünf Jahren Proberaum, Bühne und einer 4-Track-Demo-CD (Juli 2007) ist die Band in einer Umbruchphase. Sängerin Daniela Waldboth gibt mit sympathischer Offenheit zu: „Anfangs war mein Ziel, Rockstar und natürlich stinkreich zu werden, mittlerweile stehe ich auf der Bühne, weil es mir einfach Spass macht, ich lebe für die Musik, natürlich wäre es besser 'davon' leben zu können, aber eigene Songs zu machen die Gefallen ist schon ein Erfolg." Daniela strickt mit sHe-Bassist Christoph Schmalzl an einem neuen Projekt, wobei die beiden ihre Rollen getauscht haben: Waldboth übernimmt den Bass, Schmalzl das Mikro. Was eigentlich schade ist, denn die Demo-CD (und die Liveauftritte) bescheinigen Daniela eine kräftige, – zur Abwechslung – tiefe und eher raue Stimme.

Seit 2004 in derselben Formation unterwegs: „sHe" aus Brixen (Schlagzeuger Christoph Sacchin, Gitarrist Boris Bagnara, Sängerin Daniela Waldboth und Bassist Christoph Schmalzl)

„sHe", deren Repertoire sich aus Covers und eigenen Songs mit deutschen Texten zusammensetzt, haben mit Daniela jedenfalls eine Stimme

mit Wiedererkennungswert und sollten sich der Qualitäten ihre Frontfrau bewusst bleiben, zumal es noch lange nicht der Normalfall ist, dass sich (junge) Frauen mit Selbstbewusstsein auf die Rockbühnen des Landes wagen. (rhd) Info: www.myspace.com/alightband, www.myspace.com/shegoesmyspace


Tageszeitung

NEWS

Freitag, 17. April 2009 Nr. 75

Coma

Foto: rhd

Minimal, Ambient und ein bisschen Pop: Hanna Brugger aka „boff lemurr“.

Gitarrist Toni (im Bild) hat die Deathmetal-Band „Coma" aus „persönlichen Gründen" verlassen. Am kommenden Samstag, 25. April wird er mit der Band im Petrarca-Saal in Bozen das letzte Mal gemeinsam auf der Bühne stehen. „Coma" wollen trotzdem weitermachen und suchen schon nach Ersatz. Info:

er Elektrobereich ist hierzulande hauptsächlich männerdominiert, doch wenn man genau hinschaut, lässt sich auch dort eine Südtirolerin finden, die in ihrem Genre auffällt: Hanna Brugger, geboren in Oberösterreich, aufgewachsen in Bruneck, seit 2001 MedizinStudentin in Wien. Die 26-Jährige hat unter dem Namen „boff lemurr“ oder auch „boff le murr“ vor vier Jahren begonnen, Musik am Computer zu stricken, wobei die Herangehensweise anfangs noch einfach war und sich erst nach und nach zu einem Projekt entwickelte. „Ich hab damals mit einem sehr simplen Programm begonnen

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„Rock i. Ring“-Contest

Das Finale Die dritte und letzte Vorrunde des „Rock im Ring"-Bandcontests fand letzten Freitag statt und die Sarntaler „Average" konnten sich gegen „New Redemption" und „SoldOut" durch-

„boff lemurr“: Die Ausdrücke „boff“ und „murr“ als Synonyme für die Langeweile und den ursprünglichen Anlass, Musik am Computer zu produzieren.

binde. Ich finde auch die Herangehensweise, die Musik zu einer Videosequenz zu schaffen, sehr interessant, da sich die meisten Effekte in der Umsetzung überlagern und ich versuche musikalisch zeitliche Parallelen zu den Bildern zu finden“, sagt die Studentin. Neben der instru-

home recording since 2005

Foto: Karin Micheli

verschiedene Spuren aufzunehmen, hauptsächlich Gitarre und Stimme, hab dann aber eine externe Soundkarte gekauft und bin auf Cubase umgestiegen“, erzählt Hanna, die durch das Verwenden der genannten Software ihre Lieder öfter bearbeiten, mit Effekten versetzen und ihnen so einen anderen Soundcharakter verleihen konnte. „Für mich ist Musik machen immer ein sehr persönlicher und irgendwie intimer Moment. Dabei ist es mir auch wichtig dass niemand dabei ist, und ich selbstständig arbeiten kann. Somit handelte es sich anfangs weniger um ein geplantes Projekt als um die Umsetzung vertraulicher Gefühle

Felipe Rosell

Bolivien in Kurtatsch

te ein und legte damit einen Klangteppich aus Gitarre, Glockenspiel, Zither, Mundharmonika, Cello, Geige, Akkordeon und - nicht zu vergessen ihrer zarten Stimme an. Daneben spielt bei „boff lemurr“ auch die visuelle Umsetzung der Musik eine große Rolle und so wurden bereits mehrere Videoclips produziert und ins Netz gestellt. „Die Videos sind anfangs zur Musik, dann auch in umgekehrter Weise entstanden. Ich wollte es einfach ausprobieren diese 2 Medien zu verbinden und habe begonnen mit einer älteren canon ixus kurze Filme aufzunehmen, bzw. mit stop-motion Bilder umzusetzen die ich mit meiner Musik ver-

„International Live Award" Semifinale

mentalen und visuellen Umsetzung hat in den letzten zwei Jahren auch die Liveumsetzung langsam an Bedeutung gewonnen. Der erste Auftritt der noch etwas bühnenscheuen „boff lemurr“ ging 2007 beim Ladyfest im „Fluc“ in Wien über die Bühne; es folgte ein Auftritt in Budapest und bei „SOHO“ Wien. Das erste Solokonzert fand 2008 im „Einbaumöbel“ in Wien statt; das letzte Anfang März diesen Jahres im „Rhiz“ Wien. Der nächste, noch ausständige Schritt wäre nun die Veröffentlichung einer ersten Demo-CD. Und darüber hat Hanna bis jetzt zwar noch nicht bewusst nachgedacht, möchte sich in nächster Zeit aber mit diesem Gedanken ausführlicher auseinandersetzen. (eva) Info: www.myspace.com/bofflemurr

Good News aus Wien

Der bolivianische Musiker Felipe Rosell hält sich erst seit einigen wenigen Monaten in Südtirol auf. Nun bestreitet der Sänger, Pianist und Gitarrist Rosell, der in Bolivien bereits mit

Den Einzug ins Finale knapp verpasst: Die Barbianer „Reach us Endorphine" vor dem ehrwürdigen „Gasometer" in Wien Foto: Walter Eschgfäller

Foto: rhd

und Gedanken in verworrene Melodien, die diese verhüllen sollten.“ Die Lieder von „boff lemurr“ bauen auf eine angenehm ruhige Atmosphäre, wobei dem Hörer das Flirren der Songs vordergründig im Gedächtnis bleiben dürfte. Der Sound lässt sich hier dem Minimal und Ambient einordnen, denn der Beat spielt in den Kompositionen keine vordergründige Rolle und wurde in den aktuellsten Produktionen durch einfache clicks 'n cuts aus manipulierten Mikrophonstörgeräuschen ersetzt. Der Verzicht von vorgefertigten Sounds wie Samples und Loops war Hanna von Anfang an wichtig; sie setzte fortwährend neue Instrumen-

„boff lemurr“

setzen. „Average" werden heute Abend gegen 23 h mit den beiden Bands „Slowtorch" und „Serpents Cult" um die Teilnahme beim diesjährigen „Rock im Ring" Anfang Juli in Klobenstein spielen.

namhaften Musikern zusammengearbeitet hat, ein erstes kleines Konzert mit typischer Musik aus Bolivien. Termin: Morgen, Samstag, 18. April, 20 Uhr, Bar Weinstube, Kurtatsch.

Fotos: David Ruggiero

Toni steigt aus

„boff lemurr“ konzentriert: Verworrene Melodien und Live-Electronics.

Letztes Wochende waren die beiden Südtiroler Bands „4twenty" und „Reach us Endorphine" in Wien, um um den Einzug in das Finale für den diesjährigen „International Live Award" zu kämpfen. 40 Bands aus Österreich, Ungarn, Slowenien, Tschechien, der Slowakei und eben Südtirol standen auf der Bühne. Die zehn Bestplatzierten sollten sich

dann für das Finale qualifizieren, das am 1. Mai im Prater in Wien stattfinden wird. Die schlechte nachricht: Die Barbianer „Reach us Endorphine" (im Bild) haben das Finale um nur einen (!) Punkt verpasst und kamen auf Platz 11. Die Brixner „4twenty" konnten überzeugen und standen am Ende – punktegleich mit zwei anderen Bands auf Platz 7. Da die Live-Qualitäten von Boudi & Co. außer Frage stehen, sind ihnen beim Finale realitische Chancen auf einen Sieg einzuräumen. (rhd)

Programm Radio „Freier Fall“ Freitag, 19.40 bis 23.00 Uhr RAI Sender Bozen DAS PROGRAMM FÜR HEUTE: CD der Woche: Morrison's Doghouse "About Haircuts, Miniskirts and Whiskey" Stille Mehrheit im Interview Silentium Noctis: Interview mit Günther „Gonzo" Feichter" zum letzten Konzert der Band Liedermacher Alfred E. Mair live im Auditorium Nähere Infos: http://radiofreierfall.blogspot.com Diskussion: www.stmb.net (South-Tyrolean Music Board)


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