Page 1

studentisches Literatur-Magazin

Nr. 1 07. 19

White.Paper


Inhaltsverzeichnis 6 EINE MASCHINE

Autor: Anaïs Clerc Gestaltung: Mariana Schweens

DER GERÄT 10

Autor: L. A. Jo Döling Gestaltung: Shadha Al-Alarami

12 DAS BUSTICKET

Autor: Sabine Mihm Gestaltung: Sabine Freese

BILDSTRECKE DATENFLUT 14 Fotograf: Linda Schneider

18 E-MAIL POSTFACH

Autor: Claudia Schröttner Gestaltung: Florian Lüdtke

FURBY 20

Autor: Karoline Fritz Gestaltung: Marie Neureither

22 BILDSTRECKE [ RELOAD ] Fotograf: Manke Chen

DER ROUTER

Autor: Lilli Herrmann Gestaltung: Sulegi Jeong

30

26

AMAZON E-BOOK

Autor: Carsten Jan Weichelt Gestaltung: Maxim Welsch

NEUES DISPLAY

Autor: Leah Winzeley Gestaltung: Barbara Turcan 3

32


Editorial. Liebe Leser*innen, liebe Betrachter*innen, um Technik und um uns, um Text und visuelle Gestaltung geht es in diesem Heft. Die hier gedruckten Texte sind im ersten Semester des Studiengangs Kreatives Schreiben und Texten der SRH Hochschule der populären Künste entstanden. Erschienen sind sie bereits digital: Als Gastbeiträge im Techniktagebuch, dem von der Autorin Kathrin Passig mitgegründeten Blog. Im Techniktagebuch geht es um persönliche Erlebnisse mit Alltagstechnik – das Motto lautet: „Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!“ Das Techniktagebuch ist ein Archiv der Technikkultur des 20. und 21. Jahrhunderts, das von vielen Menschen fortlaufend weitergeschrieben wird. Ein kleiner Ausschnitt dieses Archivs erscheint nun, auf Initiative des Studiengangs Mediendesign, analog und „frozen in time“, in Form dieser Zeitschrift. Wir danken Kathrin Passig und gratulieren sehr herzlich zum Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung, den das Techniktagebuch 2019 erhalten hat !

4


Editorial

hdpk

Viel Vergnügen beim Lesen und Betrachten wünschen Nadja Sennewald und Ricarda Wallhäuser im Juli 2019 außerdem die Studierenden des Kreativen Schreibens und Textens : Anaïs Clerc L. A. Jo Döling Karo Fritz Lilli Herrmann Sabine Mihm Claudia Schröttner Carsten Jan Weichelt Leah Winzeley und die Studierenden des Mediendesigns Shadha Al-Alarami Manke Chen Sabine Freese Sulegi Jeong Florian Lüdtke Marie Neureither Linda Schneider Mariana Schweens Barbara Turcan Maxim Welsch Das Techniktagebuch ist hier zu finden: https://techniktagebuch.tumblr.com/ Einblicke in die Arbeit des Studiengangs Mediendesign hier: www.medienklasse.de Texte des Studiengangs Kreatives Schreiben und Texten hier: http://kreativesschreibenberlin.de/

5


Eine Maschine, die dich einfach ersetzt.

AnaĂŻs Clerc 6


Eine Maschine, die dich einfach ersetzt.

Gestaltung: Mariana Schweens

Frau S. bot mir gleich nach zwei Wochen das Du an und freute sich, „endlich wieder einen neuen, jungen Menschen“ an der Kasse zu sehen. Manchmal kam sie mit ihrer Freundin aus dem Altersheim, deren Name ich mir nie merken konnte, aber meistens war sie alleine unterwegs. Sie schien auch ständig mit irgendwelchen anderen Menschen aus dem Altersheim im Streit zu sein und mied diese dann sehr offensichtlich. Versteckte Auseinandersetzungen und kleine Machtkämpfe zwischen herabgeschriebener Milch und frischen Brötchen, die ich morgens noch halb schlafend backte – in diesem kleinen Dorfsupermarkt zu arbeiten, erwies sich bald als inhaltsreicher als gedacht. Ich erinnere mich, dass mein Chef sehr begeistert und gleichzeitig nervös war, als wir von weiter oben zwei vollelektronische Kassen vorgeschrieben bekamen. Da kann man seine Artikel selbst einscannen, den Betrag in Noten oder Münzen oder mit Karte begleichen, seine Sachen selbst einpacken und wieder gehen. Man muss niemanden grüssen oder sich für nichts bedanken, man ist selbstständig und vielleicht auch schneller, das ist erstrebenswert. Diese Kassen können eine gute Sache sein. Für Bahnhofseinkäufe, die unter Zeitdruck gemacht werden

müssen. Wenn man abends so müde ist, dass man nicht einmal mehr fähig ist, dem*der Verkäufer*in ein Lächeln zu schenken oder ganz einfach, wenn so viele Leute da sind und die Schlange endlos erscheint. Aber ich zweifelte von Anfang an die Wirksamkeit und die Richtigkeit dieser Kassen in einem eher kleinen Dorfsupermarkt an, in dem die Leute so gerne noch über das Wetter, den neuen Busfahrplan oder den letzten Urlaub plaudern. Die Kassen wurden installiert und am ersten Tag ihres Gebrauchs war ich da eingeteilt. Ich stand zwischen den zwei Kassen und hatte die Aufgabe, unseren Stammkund*innen die Vorteile zu erklären. Ich bekam einen wichtigen Badge, um in das Kassengeschehen einzugreifen bei Alterskontrollen oder Kreditkarten, die nicht funktionieren wollten. Als ich von weitem den Haarschopf von Frau S. sah, ahnte ich bereits Böses.

7


„Das ist schon verrückt. Eine Maschine, die dich einfach ersetzt? Das gab es früher nicht. Nein, so was gab es wirklich nicht. Ich weiss noch, als ich zum ersten Mal eine Strumpfhose suchte, habe ich –“

8


Gestaltung: Mariana Schweens

Wie erwartet, war sie alles andere als zufrieden. Sie kam mit ihren ledrigen Händen kaum bis zum Bildschirm hinauf, den sie bedienen sollte. Sie musste zuerst den Rollator inklusive Korb in die richtige Position bringen, dann um ihn herum laufen und vorsichtig die Ware ausladen, die sie auf einem Zwischenregal abstellen musste, weil ihre Kraft nicht ausreichte, die Tüte ganz nach oben zu legen. Irgendwann scannte ich ihre Ware ein (billige Milch, zwei Brötchen, billigen Honig, drei Eier – wie fast jeden Tag) und zeigte ihr, wo sie das Geld einwerfen konnte. Grosse Aufregung, als das Rückgeld in Zweifrankenstücken herauskam und nicht in zwei Einfrankenstücken. Frau S. brauchte nämlich immer Einfrankenstücke, um damit ihre Wäsche zu waschen. Als die Ware schliesslich im Rolli verstaut war, waren ihre Haare zerrauft, ihre abgeschabte Handtasche durchwühlt und ihr Gesichtsausdruck unzufrieden. Sie nahm meine Hand und meinte „Das ist schon verrückt. Eine Maschine, die dich einfach ersetzt? Das gab es früher nicht. Nein, so was gab es wirklich nicht. Ich weiss noch, als ich zum ersten Mal eine Strumpfhose suchte, habe ich…“ – und genau in diesem Moment klingelte der Alarm der anderen Kasse, weil irgendjemand Zigaretten einscannte und ich überprüfen musste, ob dieser Kunde das auch wirklich durfte. Ich liess Frau S. stehen und sah aus den Augenwinkeln, wie sie sich langsam vom Laden wegschob. Die nächsten drei Tage arbeitete ich nicht und als ich vier Tage später den Pausenraum betrat, merkte ich sofort, dass eine spezielle Stimmung herrschte. Aufgeschlagen auf dem Tisch im Mitarbeiter*innenraum lag die Seite mit den Todesanzeigen und da war Frau S. abgebildet. Einen Tag, nachdem ich keine Zeit für sie hatte, ist sie verstorben. Ich hätte gerne erfahren, wie Frau S. ihr erstes Paar Strumpfhosen gekauft hatte.

9


Der Gerät

Gestaltung: Shadha Al-Arami Mit skeptischen Blicken mustern wir die neue Szenerie. Wir bestellen schließlich das Übliche: „Döner Dürüm, Kräuter, Knoblauch mit Salat alles“ für meinen Kumpel und „Döner Dürüm, Kräuter, Knoblauch, Scharf mit Salat alles, aber ohne Tomaten“ für mich. Vielleicht suche ich absichtlich nach etwas, das mit dem Essen nicht stimmt. Aber eins ist klar: Das Fleisch ist viel, VIEL zu dick geschnitten.

Ich bin vierzehn Jahre alt und weiß zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben noch nicht, wie man selber kocht. Soll heißen: Sobald meine Eltern mal nicht da sind, sieht die Lage bezüglich meines leeren Magens eher schlecht als recht aus. Glücklicherweise tritt dieser Fall nur einmal die Woche, nämlich donnerstags, ein. Dann machen mein bester Freund und ich meistens so was wie einen Buddy-Nachmittag. Wir gehen ins Kino, zocken zusammen Videospiele, solche Dinge halt. Genau wie ich hat er an diesem Tag auch sturmfreie Bude. Donnerstags können wir so ziemlich alles machen, was wir wollen. Problem ist: Er kann ebenfalls nicht kochen. Wir brauchen also immer noch etwas zu essen. Weshalb wir zum Dönerladen unseres Vertrauens gehen: BAGDAD.

Beim nächsten Besuch versuchen wir dann als Alternative das Hühnchenfleisch, welches immer noch von einem Mann hinter der Theke per Hand geschnitten wird. Das geht, wie natürlich schon vermutet, GAR NICHT! Da das Eine zu dick geschnitten ist und das Andere nicht nach Döner schmeckt, brechen wir tatsächlich mit unserer Tradition und suchen uns woanders was zu essen.

An einem der vielen Donnerstage gehen wir wie sonst auch auf dem Weg nach Hause bei Bagdad vorbei, um uns einen Dürüm zu holen. Das ist von den Zutaten her

Und wir sind nicht die Einzigen. Denn jedes Mal, wenn wir auf dem Heimweg einen trauernden Blick auf unser einstiges Stammlokal werfen, scheint es etwas leerer zu

betrachtet dasselbe wie ein Döner. Nur wird er in einer Teigrolle anstatt im Fladenbrot serviert.

sein. Unsere Trauer soll aber nicht lange andauern, denn auch Bagdad bemerkt offensichtlich das Fehlen seiner Kunden. Nach nur wenigen Wochen ist „der Gerät“ wieder verschwunden, das Fleisch wird wieder von einem MENSCHLICHEN Profi geschnitten und der Döner Dürüm schmeckt wieder so fantastisch wie eh und je.

Als wir ankommen, stehen wir einem höchst ungewöhnlichen Anblick gegenüber. Eine eigenartige Maschine ummantelt den Dönerspieß. Sie ist mit der Außenaufschrift „Der Gerät“ beklebt. Ein von selbst auf und ab laufendes Messer schneidet nun die dünnen Streifen vom Fleisch. Außerdem ist ein zweiter Spieß aufgetaucht. Mit Hühnchenfleisch. HÜHNCHEN! Auf dem Döner! Das ist unvorstellbar für einen Berliner wie mich.

Der Gerät. L. A. Jo Döling 10


Der Gerät

Gestaltung: Shadha Al-Arami

„Döner Dürüm, Kräuter, Knoblauch, Scharf mit Salat alles, aber ohne Tomaten“

11


Gültig oder ungültig, das ist hier die Frage Alles fängt damit an, dass ich von Portugal nach Frankreich zurückgekehrt bin und in wenigen Tagen nach Berlin ziehen werde. Ich möchte mich unbedingt noch einmal in der Stadt umsehen und bin auf den Bus angewiesen. Ich habe zwar kein Geld dabei, aber dafür habe ich eine Zehner-Busfahrkarte mitgenommen, eine von jenen Fahrkarten aus Papier, auf die ein Lesegerät im Bus druckt, wie oft man sie noch verwenden kann und wann sie zuletzt verwendet wurde. Ich gehe zur Bushaltestelle und warte auf den nächsten Bus. Ich steige in den Bus ein. Was ist denn hier los? Der kleine eiförmige Kartenleser ist nirgends zu sehen. An seiner Stelle sehe ich einen merkwürdigen grauen Kasten und frage mich, was das ist. Dann zähle ich eins und eins zusammen: Der gelbe Kartenleser ist weg, also muss der graue Kasten wohl der neue Kartenleser sein.

Billet d'avion Tickets Billets

Veuillez valider ici Please validate here

here ateder vali e valid illez Pleas Veu

ici

Please validate here

Billet à dix

s allers-retour

ce Paris, Fran 09180 015438900

M

10,00 EUR

pour ables. Tarif commun ions de transport applic e de transport Validité selon les condit systèm nt ensemble dans le les transporteurs opéra français.

Sabine Mihm 12


Der Gerät

Gestaltung: Sabine Freese Er sieht anders aus als sein Vorgänger. Auch scheint der Kartenschlitz des grauen Kastens kleiner zu sein. Ich schenke diesem Umstand nicht allzu viel Beachtung; es ist sicherlich nur ein neues Modell und deswegen kein großer Grund zur Sorge. Ich nehme meine Busfahrkarte und stecke sie in das Lesegerät. Warum geht sie nicht rein? Dann fällt mir auf, dass das neue Lesegerät etwas kleiner als sein Vorgänger ist. Ich gebe nicht auf, vielleicht bilde ich mir das nur ein? Und vielleicht habe ich meine Karte auch nur verkehrt herum hineingesteckt? Aber auch jetzt funktioniert es nicht. Nach einer Weile gebe ich auf und entscheide, den Busfahrer anzusprechen. Ich erzähle ihm, dass meine Busfahrkarte intakt sei und ich noch dreimal mit ihr fahren könne. Der Busfahrer jedoch antwortet mir: „Wir verwenden solche Busfahrkarten nicht mehr, sie ist veraltet, du solltest ins Kundencenter gehen und dort werden sie dir das Geld dafür geben.“ Damit habe ich nicht gerechnet. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll und frage den Busfahrer, ob ich mit dieser Busfahrkarte noch mitfahren könne? Der Busfahrer macht nur eine Geste, die so viel heißen könnte wie „Ist schon in Ordnung“. Da mir die Geste allerdings nicht ganz klar ist, will ich nachfragen, lasse dann jedoch die Sache auf sich beruhen, denn ich habe Angst, dass der Busfahrer es sich anders überlegt. Denn da ich nicht geplant habe, etwas einzukaufen, habe ich kein Geld mitgenommen. Ich bleibe also still und nehme im Bus Platz. Ich bin verunsichert, kann es nicht verstehen und frage mich, was passiert ist. Immerhin ist meine Busfahrkarte nur wenige Wochen alt. Aber vielleicht sollte ich bei meinen nächsten Busfahrten doch lieber immer etwas Kleingeld dabeihaben, besonders in Frankreich.

13


Datenflut

Linda Schneider

Die Flut an Daten stört die junge Generation im Vergleich zur älteren eher weniger. Umso nachlässiger ist unsere Generation aber auch mit diesen. Tausende Konten mit dem gleichen Passwort, GPS ist sowieso immer an. Wir sind ständig erreichbar und immer vernetzt. Sprechen mit Alexa und wundern uns warum wir am nächsten Tag Hundefutter Werbeanzeigen sehen, obwohl wir gar keinen Hund haben. Ah! Letztens hab ich ja mit meinem Bruder über Hunde gequatscht. Wir bezahlen mit dem Handy, ist ja kein Problem, das ist ja mit meinem Fingerabdruck geschützt. Wir saugen förmlich die Alltagsinformationen nur so ein, ohne darüber nach zu denken. Lassen uns von Netflix berieseln und wundern uns, dass schon wieder 5 Stunden vorbei sind, dabei wollten wir heute doch so viel unternehmen. Und unsere Großeltern, die rennen noch mit jeder Überweisung zur Bank. In diesem Sinne „Cheers“ auf die Zeit, die wir mit Online Banking sparen und stattdessen mit Netflix verbingen können.

14

Datenflut


Datenflut

Linda Schneider

15


Datenflut

Linda Schneider

16


Datenflut

Linda Schneider

Linda Schneider 17


E-Mail Postfach voll. Claudia Schröttner Ich heiße SHANE MISSLER. Ich habe einen Lotto-Jackpot von 451 Millionen Dollar (330 Millionen Pfund) gewonnen. Im Januar 2018. Ich habe eine Spende von 4.800.000 Euro. Ich spende diese Spende aus Gründen der Liebe zur Menschheit und der Bedürftigen in der Gesellschaft. Bitte kontaktieren Sie mich für dieses Geschenk, das Sie über diese E-Mail erhalten haben: (shanemissler96@gmail.com)Join Today!We are a team of crypto gurus, financial risk managers and engineers aimed at increasing finances for the clients. Our professional team has a deep enthusiasm for digital asset stableness and we concentrate on long-term expansion of our customer’s real wealth. We put in our very own money alongside our customers with a view that preserving world investing force is the best way to take full advantage of opportunities in global resources. We deeply pursue investment tactics that have a saturated market edge and that we are able to conveniently clarify and consistently replicate. Hands down, we are the only one company with patented market instruments, that enable us get profits for our clients no matter what occurs on the current market. You’re going to see yourself when you join our community. Take only 1 minute of your time and energy to sign up and begin earning and handling your profits instantly! SIGN-UP HEREl contenido de este mensaje de correo electrónico, incluidos los ficheros adjuntos, es confidencial y está protegido por el artículo 18.3 de la Constitución Española, que garantiza el secreto de las comunicaciones. Si usted recibe este mensaje por error, por favor, póngase en contacto con nosotros en baja@noblemix. es para informarnos de este hecho, recuerde que si usted recibe este e-mail por error tiene prohibida su utilización y divulgación.En cumplimiento de lo establecido en los art. 5.5 y 30.2 de la Ley Org. 15/1999 de 13 de diciembre de Protección de Datos de Carácter Personal (LOPD) le informamos que el responsable de esta acción comercial es Noblemix. es con domicilio en Ctra. Carmona, 20 - Nave 11 Izquierda - 41620 - Marchena - Sevilla - España.Los datos utilizados en esta comunicacion han sido obtenidos de las fuentes accesibles al público establecidas en el artículo 3.1 de la LOPD y/o a través de nuestra relación comercial, de nuestros contactos en ferias o congresos profesionales, por vía telefónica o e-mail, siempre pensando que nuestros productos pueden ser de su interés. No obstante siempre que le enviamos un e-mail, le queremos pedir su consentimiento para seguir recibiendo los mismos ya que creemos que nuestros productos le pueden interesar, por tal motivo, entendemos que si no nos dice nada nuestros productos le interesan y quiere seguir recibiendo nuestras promociones, como esta que le adjuntamos. Si esta comunicación le llego por error, o simplemente ya no le interesan nuestros productos, le agradeceríamos nos envíe un e-mail a baja@noblemix.es indicando en el asunto BAJA, le podemos asegurar y garantizar, que pondremos todos los medios necesarios para que no vuelva a recibir nada por nuestra parte.En el caso que usted nos envíe un email a baja@noblemix.es  POR EL MOTIVO QUE SEA IHRE BEWERBUNG bloquearemos su e-mail para que ni de forma voluntaria ni de forma involuntaria pueda volver a recibir comunicación por nuestra parte en dicho email. Es más, si la dirección de e-mail en cuestión es de un dominio suyo, y usted nos lo indica, procederemos a bloquear el mismo para que ni de forma voluntaria ni de forma involuntaria pueda volver a recibir comunicación por nuestra parte en cualquier dirección de email correspondiente a dicho dominio. Siempre pondremos todos los medios que tengamos a nuestro alcance para volverlo a evitar, SIEMPRE.LSSI, Noblemix.es solo enviará comunicaciones comerciales a aquellas empresas con las que tengamos relación contractual (Bien por ser clientes, por solicitarnos información de nuestros productos, por ser visitantes o expositores en aquellas ferias o congresos profesionales a los que asistimos ó por su solicitud vía e-mail, vía web o telefónica. No obstante si usted recibe algún tipo de comunicación por ERROR de nuestra parte, y no recuerda que tengamos algún tipo de relación, ya de antemano LE PEDIMOS DISCULPAS.  Por tal motivo le agradeceríamos infinitamente que nos lo indique vía email a baja@noblemix.es y le garantizamos que pondremos todos los medios a nuestro alcance para que NO VUELVA a recibir nada de nosotros, pero para ello, necesitamos que nos lo indique para que nosotros seamos conscientes de ello, en alguna ocasión por parte de algún virus troyano es muy fácil hackear cuentas de e-mail y realizar envíos de forma inconsciente sin que lo sepa el titular del e-mail.Noblemix.es no añadirá ningún dato personal ni profesional a ninguna base de datos sin su consentimiento, ni mucho menos cederá a terceros. Noblemix.es no compra bases de datos, los datos que tenemos de nuestros clientes   solo son obtenidos de nuestra relación comercial, por ser visitantes o expositores de las ferias o congresos profesionales a los que asistimos, o porque nuestros clientes nos los facilitan vía e-mail, vía web o vía telefónica.*** Este mensaje ha sido verificado con herramientas de eliminación de virus y contenido malicioso ***Siempre respetaremos su privacidad, SIEMPRE.ATTN:    Ich schreibe, um Ihre Mitteilung  machen, dass Ihren  Erbvertrag/Fonds, die Sie erhalten konnten, heute Morgen ein Mann namens ISRAEL einfach MEDINA Adresse 16395 BREEZY ST. FONTANA, CALIF.92336 USA ist, brachte eine traurige Nachricht heute Morgen, dass Sie einen Unfall tˆdlich Motto hatte Das nahm Ihr Leben, er brachte uns Ihre STERBEURKUNDE mit Ihrem Namen.Er pr‰sentiert umfassende Darstellung Details wo Ihr Geld wird nominiert werden, finden die folgenden Kontodaten: MEIN NAME IST: ISRAEL EINFACH MEDINAMEINE ADRESSE IST: 16395 LUFTIGEN ST. FONTANA, CALIF.92336 MEINE BANK IST: WELLS FARGOMEIN KONTO-NO.IS: 2349875829IST MEIN SWIFT-CODE: WFBIUS6SMEINE ROUTING NO.IS: 122000247IHRE ADRESSE LAUTET: 15282  SUMMIT AVE. FONTANA,  CALIF.92336US$ 2 Millionen betragen.  Dies bezeichnete bat unsere intelligente Gruppe Zertifikat NEXT OF KIN, pr‰sentieren, die er nicht in diesem Medium bieten wir beschlossen, Sie durch Ihre e-Mail-Adresse kontaktieren

Mit zufriedenem Gefühl habe ich meine Initiativ-Bewerbung an ein erfolgreiches Unternehmen in Österreich via E-Mail versandt. Im Jahre 2016 erfolgt ja relativ wenig über den normalen Postverkehr. Rechnungen, Mahnungen, Liebesbriefe – alles kommt heutzutage im virtuellen Postkasten an. Daher wünschen auch Personalabteilungen eine Bewerbung ausschließlich per Mail.

POST FAC H VO L L

Ich bin seit Jahren bei dem Mailanbieter Gmx.at. Ich nutze die kostenlose Variante, da ich zu knausrig bin, für so etwas Simples wie mein Mailpostfach Geld auszugeben. Bis dato habe ich nicht die Motivation gefunden, mich nach anderen Mailpostfach-Alternativen umzusehen. Außerdem hat alle Welt seit Jahren diese eine Mailadresse von mir, wäre doch ärgerlich, wenn ich bei einem Wechsel mal ein Mail verpassen würde. Da ich gerade zugegeben habe, dass ich in bestimmten Dingen jeden Cent zweimal umdrehe, muss ich weiter anmerken, dass ich in anderen Situationen die Cents gerne fließen lasse. Ich liebe Onlineshopping und wenn es irgendwo etwas kostenlos abzustauben gibt, bin ich sofort dabei. Die Internetsuchplattform Google weiß das alles leider nur zu gut, ständig schlägt sie mir Links und Werbungen vor, mit denen ich meinem Konsumrausch frönen kann. Um keine Gewinnchancen oder Preisreduktionen zu verpassen, gebe ich überall bereitwillig meine Mailadresse an. Demnach quillt mein Postfach stets über, pro Tag sind es bestimmt fünfzig neue Mails, das macht in zwei

18


E-Mail Postfach voll.

Gestaltung: Florian Lüdtke

Das nächtliche

Tagen hundert, in vier Tagen zweihundert Stück und so weiter. Ich will gar nicht daran denken, wie viele Mails ich nach zwei Wochen Urlaub durchzusehen habe. Als ich letztens irgendetwas von insgesamt 6.000 Mails gelesen habe, habe ich mir gedacht, ich sollte diese dringend mal durchsehen, habe es jedoch auf später verschoben. Als ich mir erlaube, einige Tage mein Mailpostfach nicht zu checken und dann wieder einen Blick in mein Postfach werfe, entdecke ich eine drei Tage alte Nachricht von meinem Mailanbieter Gmx.at: „Postfach voll. Sie können keine weiteren Mails mehr empfangen.“ Hastig beginne ich meine Mails mit den Augen zu überfliegen und hämmere wie verrückt auf die Delete-Taste, um die unwichtigen zu löschen.

Zucken

Leider werden die Mails nicht automatisch nachgesandt, sobald im Mailfach wieder Speicherplatz vorhanden ist. Wenn ein Mail einmal nicht zugestellt werden konnte, muss der Absender es erneut senden. Derjenige, der die Nachricht versandt hat, erhält zwar eine automatische Nachricht, dass das Postfach des Empfängers voll ist und dieser momentan keine Mails erhalten kann. Doch ein automatischer Absender von Gewinnen oder Gutscheinen reagiert darauf sowieso nicht und ich wage es zu bezweifeln, dass ein renommiertes Unternehmen sich die Mühe macht, seine Antwort auf meine Bewerbung ein zweites Mal zu senden. Das Unternehmen will ich nun auch nicht anrufen und erklären, dass mein Postfach voll war. Ich bekomme auch danach kein Mail mehr von dieser Firma. Ob sie in jenen Tagen eines versandt hatten, werde ich somit nie erfahren.

Bitte trage hier deine E-Mail-Adresse ein, um den kompletten Ausschnitt sehen zu können. E-Mail

Karoline Fritz 19 16


Das nächtliche

Zucken

Karoline Fritz 20


Das nächtliche Zucken

Gestaltung: Marie Neureither

Meine Schwester ist zu alt für ihren „Furby“, laut ­unserer Mutter. Das bedeutet entweder wegwerfen oder an mich übergeben und da meine Schwester es nicht übers Herz bringt, ihn zu entsorgen, bekomme ich ihn.

Am Morgen suchen wir Gründe für das komische ­ erhalten des Tieres im Internet. Die einzige Antwort, die V man ­finden kann, ist: „Er ist zu alt“ oder „die Version ist veraltet“.

Furbys sind diese kleinen plüschigen Tierchen mit den großen Plastik-Augen, die aussehen wie eine kleine Brille, verbunden mit einem gelben Schnabel. Sie ent­ wickeln nach und nach eine Persönlichkeit. Je liebe­voller man ihn behandelt, desto positiver wird sein Charakter. Dieses blau-türkise Exemplar sitzt auf ­ seinen Füßen, Ohren gespitzt, als würde er einem immer gerne zuhören wollen. Ich freue mich natürlich über das Geschenk und spiele ziemlich oft mit ihm. Er brabbelt irgendetwas und ich finde das witzig, ich kann ihn sogar ‚füttern‘, indem ich seine Zunge mit dem Finger herunterdrücke. Meine Mutter findet das ziemlich nervig, ich aber immer noch lustig. Der Plüschball redet ununterbrochen und zwinkert mit den Augen. Nach ein paar Wochen fängt er an zu zucken und hört nicht mehr auf, auch nachts nicht, auch nicht, wenn ich versuche, ihn auszuschalten. Das bedeutet, Batterien raus. Dadurch ist er erst einmal ruhig und steht nun in meinem Bücherregal, sieht ­direkt auf mein Bett, mit einem halb und einem ganz ­geöffneten Auge.

Meine Schwester berichtet, dass so etwas Ähnliches auch schon bei den Furbys ihrer Freunde vorgefallen ist, sie sich aber nie weiter Gedanken darüber gemacht hat und ihre Freunde die Furbys letzten Endes einfach in den Keller verbannt oder weggeworfen haben. Auch nach weiterem Suchen und Fragen im Internet finden wir keine Antwort. Seitdem er mir so einen S ­ chrecken eingejagt hat, habe ich ihn in einer Schublade verstaut. Seitdem ist er ruhig. Ich versuche ihn noch einmal anzuschalten, mit neuen Batterien versehen. Seltsamerweise funktioniert das nun auch nicht mehr.

Ein paar Tage später fängt er erneut an zu zucken, m ­ itten in der Nacht. Und zwar so sehr, dass er vom Regal fällt und ich aufwache. Zu dem Zeitpunkt bin ich acht Jahre alt und fange an zu weinen, weil ich mich so erschrocken habe. Ich renne panisch in das Z ­ immer meiner Mutter, die nicht erfreut darüber ist, dass ich sie nachts um halb zwei wecke. Wir haben doch die B ­ atterien rausgenommen, wie ist es also möglich, dass sich der Furby immer noch bewegt und Geräusche macht?

21


[ RELOAD ]

Manke Chen

‘‘2019 marks the 20th anniversary of the release of the original Matrix movie. Obsessed by the green digital rain, I wondered: how would it feel, if the matrix code falls down on my body? An attempt to create such experience in VR and in real life brought me closer to the answer. However, one would have to be a part of the matrix to entirely understand the matrix, no? We are approaching 2020. However, our wild imagination of ETs being drooling, ugly and invasive creatures with advanced technologies have yet to be backed by scientific proof. What if humans are the primitive ones that got blinded by the fear of the unknown? “Mother”(middle left) portraits an imaginary alien existence - a mother with a baby. It might look very different - but at the core, what difference does it have, comparing to a pregnant human mother?’’ @Xingcen Zhou Creative XR Developer at Xibit

[ RELOAD ] 22


@XingCen Zhou

@XingCen Zhou

@ 2018 Yvette En Vogue, Xingcen Zhou

@ 2018 Yvette En Vogue, Xingcen Zhou

23


@Deutsches Technikmuseum

@Deutsches Technikmuseum

@Deutsches Technikmuseum

24


[ RELOAD ]

@ 2018 Yvette En Vogue, Xingcen Zhou

Manke Chen

Manke Chen 25


El enrutador (span. „Der Router“)

Lilli Herrmann 26


El enrutador (span. “Der Router”)

Gestaltung: Sulegi Jeong

Im Herbst 2018 war es endlich so weit: Ich hatte den großen Schritt gewagt und war mit Sack und Pack umgezogen mitten hinein in das Gewühl der Hauptstadt. Doch leider wurden die anfängliche Begeisterung und die Vorfreude auf meinen neuen Lebensabschnitt in den ersten Tagen etwas gebremst. Das langersehnte Studium begann am 1. Oktober und meine Mitbewohnerin zog auch erst in diesem Monat ein. Kurzum, ich hatte noch keinerlei soziale Kontakte und kannte mich in Berlin kaum aus. Was das Fass aber zum Überlaufen brachte, war, dass es auf meinem Studentenzimmer kein WLAN gab, sondern nur ein Modem der Marke telecolumbus mit Internetanschluss. Doch wenn man, wie vorgegeben, sein Handy oder seinen Laptop daran anschloss, hatte man trotzdem keinen Zugriff darauf.

27


„Geht g Darum fuhr mein Onkel noch am ersten Tag mit mir zu Saturn, um mir für 48,99€ einen FRITZ!Box4020- WLAN-Router zu holen, da diese teurere Variante uns von dem netten und kompetent wirkenden Ladenmitarbeiter als besonders bedienungsfreundlich verkauft wurde. („Geht ganz schnell. Jeder Schritt ist verständlich erklärt.“) Leider konnten dann weder ich noch mein Onkel oder der Hausmeister meines Studentenwohnheimes den Router funktionsfähig an das Modem anschließen. Trotz mehrerer Versuche und akribischem Studieren der Gebrauchsanweisung (bei der es sich lediglich um ein vierseitiges Heftchen handelte), bekamen wir es alle drei nicht hin. Als dann am 1. Oktober meine Mitbewohnerin einzog und sie, als Wirtschaftsinformatik-Studentin, ebenfalls vor einem Rätsel stand, wandten wir uns als letzte Anlaufstelle an ihren Freund, welcher sein Informatikstudium schon erfolgreich absolviert hatte. Übers Telefon erklärte er uns dann, dass wir über eine bestimmte Internetseite zuerst eine Sequenz einstellen müssten. Als wir dann allerdings den für uns entscheidenden Menüpunkt erreicht hatten, stellte sich uns schon wieder ein Hindernis in den Weg. Genau dieser Punkt war auf Spanisch, obwohl die restliche Website, also alles darüber und darunter, auf Deutsch eingestellt war.

28

an


El enrutador (span. “Der Router”)

nz schn

Gestaltung: Sulegi Jeong

ell!“

Daher mussten wir dann noch einmal ein paar Tage warten, bis der Freund meiner Mitbewohnerin uns besuchen kam und er dann, nach einigem Ausprobieren, die notwendige Einstellung vornahm. Und selbst er bekam es nicht sofort hin, obwohl er ansonsten sehr technikbewandt ist – so viel also zu: „Geht ganz schnell.“

29


Und ganz plötzlich hatte ich ein Amazon Paperwhite Ebook. Ich liebe es einfach: In Buchhandlungen zu gehen, um dort herumzuschlendern, Bücher in die Hand zu nehmen, sie durchzublättern, um mir einen groben Überblick über den Schreibstil oder die Thematik zu verschaffen. Hier kann ich eine, zwei oder gerne auch mal mehrere Stunden verbringen. Hier ticken die Uhren langsamer. Der Alltag tritt für mich etwas in den Hintergrund, man fängt an runterzukommen. Dafür nehme ich mir konsequent Zeit. Die Atmosphäre, einfach das Gefühl mag ich sehr und möchte es auch nicht missen. Meine Eltern und mein Bruder haben nun schon seit zwei Jahren ein Amazon Paperwhite. Ein E-Book. Einerseits fand ich es immer eine praktische Innovation, andererseits wollte ich nie eines haben, da es einfach nicht dasselbe ist wie ein Buch in der Hand zu halten.

Carsten Jan Weichelt 30


Und ganz plötzlich hatte ich ein Amazon Paperwhite Ebook

Gestaltung: Maxim Welsch

Jetzt an Weihnachten habe ich schließlich ein Amazon Paperwhite E-Book geschenkt bekommen und meine Meinung hat sich geändert. Es ist praktisch. Äußerst praktisch. Ich kann einfach im Kindle-Store herumsuchen, Proben lesen und dann auf „Jetzt kaufen“ klicken – es gibt sogar kostenlose Bücher, die gar nicht so schlecht sind, wie ich anfangs angenommen hatte. Im Gegenteil, manche sind sogar richtig gut. Oftmals sind diese von unbekannten Autoren und das ist ein weiterer Punkt, der mir sehr gefällt. Denn so wird man auf unbekanntere Werke aufmerksam gemacht und liest auch mal solche. Ja, man kann nicht blättern wie in einem gebundenen Buch und ja, generell fühlt es sich für mich ganz anders an, ein E-Book in der Hand zu halten als ein Buch. Aber gleichzeitig ist es auch sehr komfortabel. Mit meinem 32 GB Speicher kann ich jede Menge Bücher mit mir „herumtragen“. Alle Bücher sind in einem kleinen E-Book verpackt. Wenn man unterwegs oder auf Reisen ist, kann es super angenehm sein. Weitere Vorteile: Ich kann weiterlesen, wenn die Umgebung zu dunkel ist. Mein E-Book merkt sich, bis wohin ich gelesen habe. Wenn ich ein Wort nicht verstehe, kann ich sofort danach suchen und bekomme direkt eine Definition dafür. Das E-Book ist äußerlich schwarz. Ein wenig langweilig. Aber ich kann mein Amazon Paperwhite individuell an mich anpassen. Es gibt Cases, in diversen Farben und aus verschiedenen Materialien. Das finde ich großartig. Aber ein E-Book oder ein Online-EBook-Kauf ersetzt nicht den Gang in die Buchhandlung und erst recht nicht das Buchkauf-Gefühl. Es ist von nun an quasi eine Hassliebe mit dem E-Book. Deshalb habe ich mich so entschieden: Viele Bücher werde ich ab jetzt über mein E-Book lesen. Die, die mir besonders gut gefallen, kaufe ich mir dann aber trotzdem noch einmal in der Buchhandlung. Denn ich liebe es einfach in die Buchhandlung zu gehen, um in Büchern zu blättern und den Alltag zu vergessen.

31


Neues Display, Alte Bekanntschaften

Leah Winzeley 32


n

Neues Display, alte Bekanntschaften

Gestaltung: Barbara Turcan

Meine Geschichte nimmt ihren Lauf im Oktober 2018. Ich war unterwegs und wie so oft fiel mir mein Handy auf den Boden. Nichts ahnend hob ich es auf und stellte fest, dass der Bildschirm von oben bis unten gesprungen war. Ich hatte natürlich schon diverse Geschichten gehört. Ein gesprungenes Handy bedeutete oftmals, dass man jegliche Kontrolle über den Bildschirm und die damit verbunden Funktionen verlor, sofern man nicht bereit war, es in die Hände von Apple zu legen und eine Unsumme an Geld zu zahlen. Da mein Kontostand die besagte Reparatur zum gegebenenZeitpunkt eindeutig nicht zuließ, stiefelte ich kurzentschlossen zu einem billigen Handy-Shop. Wenn man am Tempelhofer Damm lebt, dann kann man diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen. Versprochen wurde mir von zwei äußert charmanten Verkäufern, dass ich mein Handy in kurzer Zeit wieder einwandfrei nutzen könne, ganz ohne Probleme. Ich vertraute mein Handy den Verkäufern an, wobei ich feststellen musste, dass ihr Interesse eher mir als meinem Handy galt.

mein Handy und musste feststellen, dass ich scheinbar unabsichtlich die Stumm-Taste gedrückt hatte, er mich also nicht hören konnte, ich ihn aber schon. Zu diesem Zeitpunkt fand ich es noch lustig und dachte mir nichts weiter dabei. Leider musste ich feststellen, dass die zufällige Tasten-Drückerei während meiner Telefonate ein ständiger Begleiter wurde. Kein Telefonat geschah mehr, ohne dass ich mittendrin auflegte, Freunde auf Lautsprecher stellte (am liebsten in der U-Bahn) oder weitere Kontakte in Telefongespräche einlud. Oftmals war das sehr unangenehm, denn neben guten Freunden kamen auch längst vergessene Kontakte wieder zum Vorschein. Diese flüchtigen Bekanntschaften, die dank meines Handys wieder ausgegraben wurden, bescherten mir etliche peinliche Gespräche mit gespeicherten Kontakten, von deren Existenz ich nichts mehr gewusst hatte.

Alles lief gut, das Handy kam wie neu zurück und nach einer Woche hatte ich bereits vergessen, dass es je kaputt war. Bis es zu meinem ersten längeren Telefonat kam. Ich war inmitten einer komplizierten Geschichte, die ich meinem Freund am anderen Ende der Leitung dramatisch lange offenbarte, als vom anderen Ende der Leitung ein „Hallo, bist du noch

Was ich jedoch sagen kann: Ich habe gelernt, mich bei Telefonaten auf alles gefasst zu machen. Die goldene Regel beim Telefonieren lautet ab jetzt, das Handy ca. 20 cm entfernt von meinem Kopf halten. Eine Paranoia hat es mir ebenfalls verschafft: Wenn auch nur ein kurzer Moment der Stille anstatt eines ständigen „Ahas“ oder „Mhms“ meines Gesprächspartners erklingt, bin ich sofort am Bildschirm, um die vermeintliche Stummstellung zu beheben.

dran?“ zu hören war. „Ja natürlich bin ich noch dran, also ich habe ja gerade gesagt, dass ich dann eigentlich mitgehen wollte aber - “ „Hallooo?“ Genervt blickte ich auf

Würde ich beim nächsten Mal eine unverschämte, nicht gerechtfertigte Summe an Geld für eine einfache Display-Reparatur zahlen? Wahrscheinlich schon.

33


Illustration: Mariana Schweens

34


35


Profile for hdpk

White.Paper  

An interdisciplinary project of students of the study courses B.A. Creative Writing and B.A. Media Design at the SRH University of Popular A...

White.Paper  

An interdisciplinary project of students of the study courses B.A. Creative Writing and B.A. Media Design at the SRH University of Popular A...

Profile for hdpk
Advertisement