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P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven der Region PACA im Kontext der aktuellen Debatte um die Reform der Gebietskörperschaften in Frankreich

Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung


VERFASSERERKLÄRUNG Hiermit erklären wir, dass wir die vorligende Arbeit in allen Teilen ohne fremde Hilfe und ohne Benutzung anderer als im Literaturverzeichnis und Abbildungsverzeichnis aufgeführten Unterlagen bearbeitet haben. Hamburg, Deutschland Freitag, den 27. November 2009

Micha Becker

Sebastian Stegemann

Bearbeitet von: Micha Becker | 25914 Sebastian Stegemann | 32064 Betreuer: Prof. Dr.-Ing. M.A. Jörg Knieling Dipl.-Geogr. Andreas Obersteg HafenCity Universität Hamburg Studiengang Stadtplanung Website: http://p4-paca.bplaced.net/index.php/startseite.html Hamburg, Dezember 2009


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Vorwort

Vorwort Europa wächst zusammen - und dies birgt auch für die einzelnen Mitgliedstaaten Herausforderungen wie künftige Kooperationen auf der Ebene der Metropolen und Metropolregionen ausgestaltet werden können, um sich im europäischen Wettbewerb zu positionieren. In Frankreich wird zurzeit (2008/2009) intensiv über eine Territorialreform nachgedacht und diskutiert. Diese sieht eine grundlegende Änderung der Raumordnungstrukturen vor. Diese Diskussion nimmt die Projektgruppe auf und stellt die Frage, welche Perspektiven in der Region Provence-Alpes-Côte-d‘Azur entstehen - eine Region mit Herausforderungen aber auch mit spannenden und spannungsvollen Potentialen. Mit dem Blick auf das Zusammenwachsen Europas und des Lernens von unterschiedlichen (Planungs-) Kulturen möchte die Projektgruppen einen Diskussionsbeitrag leisten. Die eigenen Erfahrungen mit Frankreich als Teil des Alltagslebens war eine der Motivationen sich in diesen Kultur- und Sprachraum zu begeben und die eigenen Sichtweisen, Bilder und Perspektiven zu überprüfen. An dieser Stelle gilt ganz besonderer Dank and Prof. Dr.Ing M.A. Jörg Knieling und Dipl. Geogr. Andreas Obersteg (beide HafenCity Universität Hamburg), die das Projekt aus der Nähe und aus der Ferne betreut haben. Besonderer Dank gilt zudem Herrn Louis-Laurent Dupont, Leiter der AgAM (Marseille) und Herrn Prof. Alain Motte vom Institut d‘Urbanisme et d‘Aménagement Régional der Université Paul Cézanne Aix-Marseille III in Aix-en-Provence für die Interviews, die vor Ort geführt wurden und in diesem Bericht auch veröffentlicht werden durften. Ferner möchten wir uns auch bei den Freunden und Kommilitonen bedanken, die uns in Marseille während der Exkursion aufgenommen haben, sowie bei unseren Verwandten und Freunden, die uns während der Arbeit mit viel Verständnis und ihrer Hilfe stets zur Seite standen. 4


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Vorwort

Préface L’Europe fusionne - et cela vaut aussi pour les différents États membres, tels que les défis futurs de la coopération au niveau des villes et des régions métropolitaines peuvent être développées pour se positionner dans la compétition européenne. En France, à l’époque (2008/09), on a pensé très fort et on a discuté une réforme des collectivités territoriales. Celle-ci prévoit un changement fondamental dans les structures spatiales. Le projet reprend ce débat et se pose la question des perspectives dans la région Provence-AlpesCôte-d’Azur - une région à défis mais aussi avec des similitudes excitantes et passionnantes. En mettant l’accent sur l’intégration de l’Europe et en apprenant de la culture (de planification) différente, ce projet contribue à un élément de discussion. Notre propre expérience avec la France dans le cadre de la vie quotidienne était l’une des motivations de se rendre à cette langue, culture et de revisiter nos propres perceptions, images et perspectives. C’est la raison pour laquelle nous remercions très spécialement le Professeur Dr.-Ing Jörg MA Knieling et Dipl. Geogr Andreas Obersteg (tous deux de la HafenCity Universität Hamburg) qui ont accompagné le projet de près et de loin. Un merci spécial va à M. Louis-Laurent Dupont, directeur de l’AgAM (Marseille) et le professeur Alain Motte de l’Institut d’Urbanisme et d’Aménagement Régional de l’Université Cézanne Aix-Marseille III Paul à Aix-enProvence pour les entrevues réalisées sur site et qui ont été autorisées à être publiés dans le rapport présent. En outre, nous tenons également à remercier les amis et les camarades qui nous ont accueilli à Marseille pendant l’excursion, ainsi que nos parents et nos amis qui nous ont toujours soutenu avec beaucoup de compréhension et d’aide pendant le travail sur le projet.

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort....................................................................................................................... 4 Préface ........................................................................................................................ 5 Inhaltsverzeichnis ........................................................................................................ 6 Abbildungsverzeichnis ................................................................................................. 8 Glossar ...................................................................................................................... 10 Einleitung .................................................................................................................. 20 Warum Marseille? ................................................................................................................... 20

Introduction .............................................................................................................. 22 Pourquoi Marseille? ................................................................................................................ 22

Problembeschreibung ................................................................................................ 24 Karten von Frankreich ............................................................................................................ 24 Der administrative Aufbau Frankreichs .................................................................................. 26 Kommunalverbände in Frankreich .......................................................................................... 28 Vergleich wichtiger Regionen in Frankreich ............................................................................ 31 Vergleich der Gebietskörperschaften... .................................................................................... 32

Bestandsaufnahme .................................................................................................... 34 Die wichtigsten interkommunalen Kooperationsansätze ......................................................... 34 Die Planungsebenen und -Dokumente in Frankreich .............................................................. 38 Der Rapport Balladur ............................................................................................................. 40 Karten der Region Provence-Alpes-Côte-d‘Azur (PACA) ........................................................ 48

Analyse ..................................................................................................................... 50 Regionen in Frankreich, ein erster Blick ................................................................................. 50 Auf den zweiten Blick... .......................................................................................................... 52 Zusammenhänge in der Raumordnung Frankreichs ................................................................ 58 La région urbaine Marseille-Aix (RUMA) .............................................................................. 64

Bewertung ................................................................................................................. 68 Stadt, Land, Meer ................................................................................................................... 68 Marseille: Von der „Ville en Crise“ zum „Phoenix, der sich aus der Asche erhebt“ ................ 72 Metropolfunktionen ............................................................................................................... 76 Die Region PACA im Vergleich .............................................................................................. 80

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Konzept..................................................................................................................... 90 Erfassung der Themenfelder und Querschnittsthemen in der Matrix ...................................... 92 Die Ebenen der Matrix ........................................................................................................... 94 Bewertungen in der Matrix ..................................................................................................... 98 Themenfelder und Querschnittsthemen ................................................................................ 100 Drei Szenarien für die Region PACA .................................................................................... 104

Fazit ........................................................................................................................ 114 Conclusion .............................................................................................................. 118 Literaturverzeichnis ................................................................................................. 122 Literaturquellen .................................................................................................................... 122 Internetquellen ..................................................................................................................... 124

Anhang ................................................................................................................... 128 Interviewfragen .................................................................................................................... 128 Inhaltliche Zusammenfassung des Interviews mit Louis-Laurent Dupont (AgAM) ............... 130 Inhaltliche Zusammenfassung des Interviews mit Professor Alain Motte .............................. 146 Die 20 Forderungen des „Komitee Balladur“ ................................................................................ 152

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Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Luftbild Frankreich ............................................................................................................. 24 Abb. 2: Karte der französischen Regionen ....................................................................................... 25 Abb. 3: Die Verfassung der Französischen Republik ........................................................................ 26 Abb. 4: Das politische System Frankreichs........................................................................................27 Abb. 5: Vergleich wichtiger Regionen in Frankreich .........................................................................31 Abb. 6: administratives System Frankreichs ..................................................................................... 32 Abb. 7: Administratives System Deutschlands ................................................................................. 33 Abb. 8: Luftbild der Region PACA mit wichtigen Städten................................................................ 48 Abb. 9: Karte der Departements in der Region PACA ..................................................................... 49 Abb. 10: konzentrische Region .........................................................................................................53 Abb. 11: polyzentrische Region ........................................................................................................53 Abb. 12: Metropolregionen in Frankreich ........................................................................................58 Abb. 13: Metropolitane Zusammenhangsräume in der Region PACA ..............................................59 Abb. 14: Interkommunale Zusammenhangsräume im Küstenbereich der Region PACA .................. 60 Abb. 15: Luftbild der RUMA mit wichtigen Städten ........................................................................ 64 Abb. 16: Metropolfunktionen ......................................................................................................... 77 Abb. 17: Entscheidungs- und Kontrollfunktion ................................................................................ 78 Abb. 18: Innovations- und Wettbewerbsfunktion ............................................................................ 78 Abb. 19: Gateway-Funktion ............................................................................................................ 79 Abb. 20: Symbolfunktion ................................................................................................................ 79 Abb. 21: Metropolregionen im Vergleich ..........................................................................................81 Abb. 22: Vergleich Unternehmenssitze............................................................................................. 82 Abb. 23: Vergleich Sitze staatlicher Institutionen ............................................................................. 82 Abb. 24: Vergleich Sitze sonstiger Organisationen ........................................................................... 82 Abb. 25: Vergleich Innovationen (Wirtschaft & Technik) ................................................................ 84 Abb. 26: Vergleich Innovationen (Soziales & Kultur) ..................................................................... 85 Abb. 27: Vergleich Gateway-Funktion ............................................................................................. 86 Abb. 28: Vergleich Zugang zu Wissen ............................................................................................. 86 Abb. 29: Vergleich Zugang zu Märkten........................................................................................... 87 Abb. 30: Vergleich Symbolfunktion ................................................................................................. 88

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Abb. 31: Indikatoren - Themenfelder ............................................................................................... 90 Abb. 32: Matrix-Dummy ................................................................................................................ 90 Abb. 33: Indikatoren - Querschnittsthemen..................................................................................... 91 Abb. 34: Matrix - unbewertet ..........................................................................................................93 Abb. 35: Matrix - bewertet.............................................................................................................. 98 Abb. 36: Bewertungsmuster - unsortiert .......................................................................................... 98 Abb. 37: Bewertungsmuster - sortiert .............................................................................................. 98 Abb. 38: Summe der gewichteten „Sterne“ .....................................................................................103 Abb. 39: hierarchische Städte-Struktur ...........................................................................................107 Abb. 40: dezentralisierte Städte-Struktur .......................................................................................109 Abb. 41: Auflösung der departementalen Ebene .............................................................................110 Abb. 42: Reorganisation der administrativen Ebenen .....................................................................111 Abb. 43: Städte-Struktur als Netzwerke .........................................................................................113

Abbildungen ohne Quellenangabe sind eigene Darstellungen der Projektgruppe.

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Glossar Centralisation

ZENTRALISIERUNG Die Zentralisiering ist ein Organisationssystem eines souveränen Staates, welches die politischen, sozialen und ökonomischen Entscheidungsgewalten und Ressourcen bündelt und sich auf die Standortentscheidungen von Institutionen und der Bevölkerung auswirkt. In Frankreich ist die Zentralisierung historisch begründet und erstreckt sich von der Staatenbildung Frankreichs im 17. Jahrhundert bis hin zum Absolutismus sowie der Französischen Revolution und fand ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Hintergrund für die Zentralisierung war der Gedanke Frankreich als eine demokratische, wirtschaftliche, soziale und politische Einheit hervorzuheben („La France est une et indivisible.“) (vgl. Universalis 2009, abgerufen am 25.11.2009).

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La décentralisation territoriale

DIE TERRITORIALE DEZENTRALISIERUNG Die territoriale Dezentralisierung zielt darauf ab, Gebietskörperschaften eigene Kompetenzen zuzuschreiben. Die entsprechenden Autoritäten werden dabei von der Bevölkerung gewählt und sichern damit ein ausgewogenes Mitbestimmungsrecht über die entsprechenden Teilräume. Die Dezentralisierung beruft sich auf die Entscheidungsprozesse der Bevölkerung um demokratische Legitimierung und Nähe zu sichern. Sie stellt den lokalen Behörden (im Idealfall) ausreichend finanzielle Ressourcen zur Verfügung um ihre Handlungsfähigkeit zu sichern (vgl. Vie Publique 2009, abgerufen am 25.11.2009).

Déconcentration

DEKONZENTRATION ODER ADMINISTRATIVE DEZENTRALISIERUNG Administrative Dezentralisierung oder auch Dekonzentration genannt, meint die Übertragung der verwaltungsrechtlichen Kompetenzen an untergeordnete Verwaltungsebenen. Der Begriff der administrativen Dezentralisierung ist in Frankreich mit der Dekonzentration gleich zu setzen. Die Dekonzentration versteht sich als ein Delegierungssystem zu den lokalen Entscheidungs- und Ausführungsinstanzen. Das Ziel und die Aufgabe der Dekonzentration ist die Entscheidungsoptimie-


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rung durch das Verschlanken des Zentralapparates mittels der Delegierung der Entscheidungs- und Delegierungsbefugnisse auf das lokale Niveau. Hier gilt das Subsidiaritätsprinzip (vgl. Universalis 2009, abgerufen am 25.11.2009). DAS SUBSIDIARITÄTSPRINZIP Kann die untergeordnete Kompetenz bzw. Verwaltungsinstanz die Ausführung des Rechtes nicht gewährleisten, übernimmt die übergeordnete Instanz die Ausführung der staatlichen Aufgaben. Ansonsten übernimmt die übergeordnete Instanz die Überwachungs- / Rückkopplungsfunktion der tieferen Instanz (vgl. Vie Publique 2009, abgerufen am 21.11.2009).

DIE REGION Das Begriffverständnis von Region in Deutschland und der Europäischen Union: Die Region ist ein geographisches Gebiet, versteht sich gleichzeitig allerdings auch als ein unspezifischer Raumbegriff, der durch einen intentionalen Kontext greifbar gemacht wird. Eine klare und absolute Definition von Region ist damit nicht möglich.

La Région

Die Region beschreibt im deutschen Kontext keine Gebietskörperschaft, sondern einen nicht scharf eingegrenzten Bedeutungsraum auf verschiedenen Ebenen. Regionen werden durch verschiedene Intentionen begreifbar gemacht. Neben den verwaltungspolitischen Regionen, lassen sich Regionen durch andere Bedeutungsmerkmale wie zum Beispiel Naturräumlichkeit, Kulturhistorie, soziales Milieu, Ökologie und Ökonomie definieren. Das Begriffverständnis von Region in Frankreich: Als Folge der Dezentralisierungsgesetze bildet die Region in Frankreich eine territoriale Verwaltungseinheit (Gesetz vom 16. März 1986, Revision am 28. März 2003). Dieses Verständnis von Region in Frankreich ist verwaltungspolitisch entstanden 11


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und gliedert sich mit den 22 Regionen politisch-administrativ, als auch territorial in das französische Planungssystem und die Planungsebenen als Gebietskörperschaften ein. (vgl. Universalis 2009, abgerufen am 25.11.2009)

Le Départment

DAS DEPARTMENT Die Départements wurden durch ein Gesetz am 22. Dezember 1789 gegründet. Ein Gesetz von 1831 sieht die Wahl (Zensuswahlrecht) von „Conseillers généraux“ (Abgeordneten) vor. Die departementale Exekutive liegt beim Präfekt. Seit 1871 wird der Präfekt durch direktes Wahlrecht gewählt. Der Präfekt übernimmt seit 1982 eine administrative Tätigkeit und hat politisch neutral zu sein (vgl. DGCL 2009, abgerufen am 25.11.2009 u. Interview DUPONT, S. XX). COLLECTIVITÉS TERRITORIALE Unter der collectivité territoriale wird die Struktur und der Aufbau des französischen Planungs- und Verwaltungssystems verstanden. In diesen politisch-administrativen Räumen werden die Interessen der Bevölkerung wahrgenommen und vertreten (vgl. Vie Publique 2009, abgerufen am 25.11.2009). Einheiten der collectivités sind die communes, die départements, die régions und collectivités à statut particulier ou d‘outre mer (Verwaltungseinheiten mit besonderem Status, sowie die Überseegebiete Frankreichs)

La Commune

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DIE KOMMUNE Die Kommunen wurden durch ein Gesetz am 14. Dezember 1789 gegründet (vgl. DGCL 2009, abgerufen am 25.11.2009). Die Kommune ist die kleinste Gebietskörperschaft in der Französischen Republik. Es gibt in Frankreich 36.571 Kommunen. In Deutschland hingegend sind es ca. 12.007 (vgl. Werner, 2000, S. 283 ff.).


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EPCI (INTERKOMMONUALER KOOPERATIONSVERBAND) Ein EPCI ist eine Verwaltungseinheit im französischen Planungs- bzw. Verwaltungsrecht. Das EPCI vereint Kommumen, die sich als themenbezogene Interessengemeinschaft formieren und diese Interessen in Zusammenarbeit effektiver durchsetzen und gestalten können (z.B. Gemeindeübergreifendes Verkehrswesen oder Müllentsorgung) (vgl INSEE 2009, abgerufen am 25.11.2009). In Frankreich gibt es verschiedene Arten von EPCI. Diese werden in der Problembeschreibung (S. 24f.) näher erläutert.

(établissement public de la coopération intercommunale)

CU - COMMUNAUTÉ URBAINE Die Communauté urbaine (CU) ist ein Interessenverband von Kommunen in Ballungszentren. Ziel der CU ist die geographischen und verwaltungstechnischen Realitäten auszugleichen. Dabei vereinigt die CU die Kommunen mit einem Einzugsbereich von mindestens 500.000 Einwohnern, der aus mindestens einer Stadt mit mehr als 50.000 Bewohnern bestehen muss. Geleitet wir die CU durch die Hauptvertreter der Kommunen. 12% der französischen Bevölkerung leben in einer der 16 CU. Nimmt eine Kommune an der CU teilt, gibt sie automatisch die Verantwortung für bestimmte Kompetenzen und Querschnittsthemen an die CU ab. Dabei handelt es sich um die Entwicklung der ökonomischen, kulturellen und sozialen Räume, die Raumordnung auf kommunaler Ebene in Kohärenz, das Verkehrswesen im Ballungsraum, den Sozialwohnungsbau, die Stadtpolitik sowie die öffentlichen Aufgaben der Versorgung durch (Ab-) Wasser, Strom, Friedhofsverwaltung, Schlachthöfe sowie die Aufgaben des Umweltschutzes, der Müllentsorgung und des Lärmschutzes.

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Neben diesen Querschnittsthemen, können in der CU von den Gemeinden andere Themen vorgeschlagen werden, an denen gemeinschaftlich gewirkt wird und die mit den verschiedenen Departements abgesprochen sein müssen. Die CU versteht sich als EPCI fiscalité propre und finanziert sich durch die „Taxe professionelle unique“ (Gewerbesteuer) sowie zusätzliche Steuern, die von den verschiedenen Kommunen selbst erhoben werden können und durch staatliche Gelder. (DGCL 2009, abgerufen am 25.11.2009)

CA - COMMUNAUTÉ D‘ AGGLOMÉRATION Die Communauté d‘ agglomération (CA) versteht sich wie die CU, bezieht sich allerdings auf einen Einzugsbereich von 50.000 Einwohnern und mit mindestens einer Kommune, die über eine Einwohnerzahl von mindestens 15.000 verfügt. Die CA schreibt den Kommunen die Ausführungen bestimmter Kernkompetenzen vor (Wirtschaftsentwicklung, Raumentwicklung auf kommunaler Ebene, nachhaltige und soziale Wohnraumentwicklung, Stadtpolitik) und lässt ihnen in anderen Bereichen die Wahl, an welchen Aufgaben sie sich beteiligen möchten (Abwasserversorgung, Müllentsorgung, Umweltschutz, Sport und Kultur). Die CA muss sich mindestens an drei Nebenthemen beteiligen und der Verantwortung für die Kernkompetenzen nachkommen. Die CA legt ihre Steuersätze selbst fest. Ziel ist es nach einigen Jahren die Steuersätze zwischen den Kommunen als „Taxe professionnelle unique“ zu gestalten um Standortnachteile von Kommunen steuerlich auszugleichen und wirtschaftlich attraktiver zu machen. In Frankreich gibt es heute 171 CA in denen 21,9 Millionen Menschen leben. (vgl. DGCL 2009, abgerufen am 25.11.2009)

CC - COMMUNAUTÉ DE COMMUNES Die Communauté de communes (CC) versteht sich als Gemeinschafts- und Interessenverband von benachbarten 14


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Kommunen, die projektübergreifend zusammenarbeiten und ist auf der niedrigsten Ebene des Verwaltungsrechts anzusiedeln. Die Kooperation mehrerer Kommunen ist nicht an eine Einwohnerzahl gebunden, wohl aber an die geografische Kontinuität des Raumes. Aufgaben und Themen in der CC sind die gemeinsame und projektübergreifende Zusammenarbeit an den Themen der kommunalen Raumentwicklung, sowie gemeinsame für die Kommunen bedeutende Projekte. Neben den Kernaufgaben, müssen die Kommunen mindestens an einem der folgenden Nebenthemen mitarbeiten: Schutz und Inwertsetzung des Lebensraumes, Wohnpolitik, Verkehrswesen (hier bezogen auf Straßenbau), Instandhaltung der Kultur- und Lerninstitutionen, Aktionen im Interesse der Kommune. Sind diese Aufgaben durch die Kommunen an die CC delegiert, kann die Kommune diese Aufgabe nicht mehr ausführen. (vgl. DGCL 2009, abgerufen am 25.11.2009)

CV - COMMUNAUTÉ DE VILLES Die communauté de villes (CV) ist ein Zusammenschluss von Kommunen durch das Gesetz „Joxe“ vom 6. Februar 1992, mit dem Ziel die Agglomerationen von über 20.000 Einwohnern zusammenzufassen und zu entwickeln. Die Kompetenzen der CV reichen von der Wirtschaftsentwicklung, Raumplanung über Angelegenheiten des Umweltschutzes, der Wohnentwicklung, des Transports und infrastrukturelle Ausstattungen im Bereich Kultur, Sport und Bildung. Die CV erhebt die Taxe professionnelle (TP) mit einer anteiligen Abgabe an die Mitgliedskommunen. Die Möglichkeiten eine CV zu gründen wurde durch das Gesetz n°99586 vom 12. Juli 1999 ermöglicht um die interkommunale Zusammenarbeit zu vereinfachen. (vgl. MULETA 2009, abgerufen am 25.11.2009)

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TP - TAXE PROFESSIONNELLE Die Gewerbesteuer ist eine von vier erhobenen Steuern durch die französichen Gebietskörperschaften. Sie gilt nur für Unternehmen, während drei weitere Steuern (Grundsteuer, Steuer auf bebaute und nicht bebaute Grundstücke) von den Privathaushalten getragen werden. Die TP wurde mit einem Gesetz vom 29. Juli 1975 eingeführt. Eine Aufhebung der TP wurde vom Präsidenten der Republik im Januar 2004 angekündigt. Die vorgeschlagene Reform ist aber noch nicht abgeschlossen. Die Aufhebung der TP wurde ursprünglich vom damaligen Premierminister und späteren Präsidenten der Französischen Republik Jaques Chirac initiiert. Die TP entspricht 50% der Haushaltsmittel der lokalen Gebietskörperschaften. Es ist eine Steuer zugunsten der Kommunen, Departements und Regionen. Auch EPCI profitieren von dieser Steuer. (vgl. Zones d‘activité.org 2009, abgerufen am 25.11.2009)

TPU - TAXE PROFESSIONELLE UNIQUE Die einheitliche Gewerbesteuer TPU gibt es seit dem 12. Juli 1999. Die TPU ist für CA Pflicht und optional für CC. Sie ersetzt die TP der Mitgliedskommunen eines EPCI. Im Großraum Toulouse, gibt es beispielsweise nur einen TPSteuersatz für den gemeinsamen Raum. Dadurch kann ein kommunaler Finanzausgleich realisiert werden. Die Kommunen treten nicht mit verschiedenen Steuersätzen in Konkurrenz an und bleiben für Unternehmen attraktiv. Die Gemeinschaft der Kommunen profitiert davon. Die TPU macht etwa 40% der TP auf kommunaler Ebene aus. Allerdings gibt es immer mehr EPCI, die die Kommunen ersetzen. Die ursprünglichen TP-Steuersätze werden mehr und mehr von der TPU abgelöst. Die Kommunen übertragen dabei ihre Kompetenzen an das EPCI und werden somit entlastet. Um eine zu starke Bereicherung der EPCI zu verhindern, werden Rückzahlungen an die Kommunen geleistet. Diese Rückzahlung entsprechen der Differenz zwischen dem Betrag der eigentlichen TP der Kommune und der Höhe der Ausgaben, die an die EPCI geleistet wurden. 16

(vgl. dazu Zones d‘activité.org 2009, abgerufen am 25.11.2009)


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MÉTROPOLE 1. Der Begriff Metropole hat mehrere Bedeutungen. Aus dem Griechischen übersetzt ist eine Metropole das Einflusszentrum einer Region oder eines Landes mit einer (Mutter-) Stadt. 2. Eine Metropole ist eine Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern, die eine überregionale Bedetung hat und Funktionen für den Raum übernimmt. (vgl. dzu Zones d‘activité.org 2009, abgerufen am 25.11.2009)

METROPOLREGION Der Begriff der Metropolregion ist weiter gefasst als der Bergiff der Metropole. Bei einer Metropolregion handelt es sich um einen größeren Raum, der auch ländliche Gebiete mit einbezieht. Die MKRO (Ministerkonferenz für Raumordnung) definiert die Metropolregion als „Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung“ und „ sie sollen die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Europas erhalten“. In Frankreich findet der Begriff „aires métropolitaines“ Anwendung (vgl. Werkstatt: Praxis 2007: S.5f.). GOVERNANCE Governance (von frz. “gouverner” verwalten, leiten, erziehen aus lat. “gubernare” gleichbed. griech. “kybernan” das Steuerruder führen) bezeichnet generell das Steuerungs- und Regelungssystem im Sinne von Strukturen (Aufbau- und Ablauforganisation) einer politisch-gesellschaftlichen Einheit wie Staat, Verwaltung, Gemeinde, privater oder öffentlicher Organisation. Häufig wird es auch im Sinne von Steuerung oder Regelung einer jeglichen Institution (etwa einer Gesellschaft oder eines Betriebes) verwendet (Brockhaus 2006 : 228). DATAR Eine französische Organisation, die durch ein Dekret vom 14. Februar 1963 geschaffen wurde. Sie ist die „Delegation für Raumordnung und regionale Aktion“. Der DATAR wurde zunächst die Aufgabe, im Rahmen der allgemeinen

Délégation à l‘aménagement du territoire et à l‘action régionale

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Ziele der Planung, der Vorbereitung und Koordinierung der erforderlichen Elemente für staatliche Entscheidungsprozesse zugewiesen. Schließlich übernahm sie mit der Regierung und lokalen Behörden auch die „Überwachung“ von Planungen und Einhaltung von Vertragsinhalten zwischen Staat und Gebietskörperschaften. Die ausgewogene Entwicklung der französischen Regionen und die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten wurde zu einer der wesentlichen Aufgaben der DATAR. Die DATAR ist mit finanziellen Ressourcen sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen ausgestattet. Sie verfügt über Entscheidundsbefugnis in der Planungsausrichtung (vgl. Universalis 2009, abgerufen am 25.11.2009).

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Comité interministériel pour l‘aménagement et le développement du territoire

CIADT In Frankreich ist das CIADT ein interministerielles Komittee welches sich regelmäßig unter der Leitung des Premierministers trifft und über Fragen der Raumentwicklung diskutiert. Das Komitee beteiligt die betroffenen Minister der Raumplanung und den Innenminister (vgl. DIACT 2009, abgerufen am 25.11.2009).

L’Agence d’urbanisme de l’agglomération marseillaise

AGAM Die AgAM ist eine Stadtentwicklungsgesellschaft, die lokale Gebietskörperschaften, den Staat und mehrere Organisationen und Institutionen zusammenbringt, um die städtische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt von Marseille zu fördern. Patner der AgAM sind unter anderem auch die Stadt Marseille selber, die Communauté Urbaine de Marseille, der Stadt-Umland-Verband Marseille Provence Métropole (MPM) und die Communauté d’agglomération du pays d’Aubagne et de l’Etoile sowie die Handelskammer Marseille Provence, der Grand Port Maritime de Marseille (Hafen von Marseille) und die Assistance Publique des Hôpitaux de Marseille.


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Verzeichnisse

Die AgAM strebt mit anderen Entwicklungsgesellschaften eine enge Zusammenarbeit im Netzwerk von ca. 50 Agenturen auf nationaler Ebene mit über 1.300 Mitarbeitern an. (vgl. AgAM 2009, abgerufen am 25.11.2009)

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Einleitung

Einleitung Warum Marseille?

Der südfranzösische Raum gewinnt an enormer Bedeutung für Frankreich. Mit der Dezentralisierungspolitik in Frankreich haben sich die Raumkonfigurationen in den letzten Jahrzehnten sehr stark verändert. Ein Beispiel ist die TGVVerbindung Paris - Marseille in 3 Stunden. Somit wird gesamt Südfrankreich wesentlich leichter zugänglich gemacht. Der französische Staat hat ein neues Verständnis der Raumordnungspolitik entwickelt und erkannt, dass Frankreich sich mit seinen größten Städten und Metropolregionen im Kontext der EU etablieren muss. Dabei wird der Region um Marseille eine besonders wichtige Rolle im Bereich der Wirtschaft sowie als Schnittstelle zum Mittelmeer- und nordafrikanischen Raum zugeschrieben.

Städtepartner Hamburg und Marseille

Etablissement public de la coopération intercommunale (EPCI)

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Auslöser für dieses Projekt ist die 50-jährige Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Marseille. In der Region um Marseille gibt es verschiedene interkommunale Verbände, sogenannte EPCI, in denen eine unterschiedliche Intensität der Zusammenarbeit herrscht. Es hat den Anschein, dass die Instrumente der interkommunalen Kooperation in Frankreich vor allem darauf ausgerichtet sind, dass eine größere Gemeinde oder Stadt mit Umlandgemeinden zusammenarbeitet um öffentliche Aufgaben effizienter abwickeln zu können. Innerhalb der Gebietskörperschaften und der lokalen Politik scheint das Verständnis für überregionale Zusammenarbeit wenig ausgeprägt zu sein. Überregionale Probleme sollten jedoch auch auf überregionaler Ebene gelöst werden. Nur so kann der Ballungsraum Marseille und Aix-en-Provence internationale Aufmerksamkeit erhalten. Die zukünftige Funktionsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit muss Ziel einer überregionalen Zusammenarbeit sein.


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Einleitung

„Europa ruft!“ Bedenkt man, dass Marseille 2013 Europäische Kulturhauptstadt wird, ist dies mit Sicherheit eine sehr große Chance für den Süden Frankreichs auf europäischer Ebene auf sich aufmerksam zu machen. Die ambivalente Gemengelage von unterschiedlichen interkommunalen Kooperationen verhindert derzeit eine klare Positionierung der Region um Marseille im europäischen Wettbewerb. Ziel dieses Projekts ist es, Wege zu finden die Region zu stärken ohne die lokale Identität zu schwächen, die insbesondere in Südfrankreich einen hohen Stellenwert hat. Anlass über die administrative Struktur Frankreichs nachzudenken gibt der „Rapport Balladur“ aus dem Jahr 2008. Herr Balladur ist ein von der Regierung Sarkozy beauftragter Politiker, der Vorschläge zu einer effi zienteren Gliederung des französischen administrativen Systems machen sollte. In seinem Bericht stellt Herr Balladur Forderungen auf, die von uns auf ihre Umsetzbarkeit hin am Beispiel der Region Provence-Alpes-Côte-d‘Azur, deren Hauptstadt Marseille ist, überprüft werden.

Der „Rapport Balladur“ Im Oktober 2008 wurde von der französischen Regierung eine Kommission zur Erarbeitung von Vorschlägen für eine Reform der Gebietskörperschaften in Frankreich ins Leben gerufen. Unter dem Vorsitz von Edouard Balladur wurde im März 2009 der Abschlussbericht der Kommission veröffentlicht. Die wichtigsten Forderungen der Kommission werden in der Bestandsaufnahme (S. 40ff.) näher erläutert.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Einleitung

Introduction Pourquoi Marseille?

Le Sud possède une place de plus en plus importante en France. La politique de décentralisation française a contribué à de nombreux changements des configurations spatiales durant les dernières décennies. La ligne TGV reliant Paris à Marseille en 3 heures en est un exemple. Le Sud de la France est ainsi devenu beaucoup plus accessible. L’Etat français a développé une nouvelle vision en matière de politique de planification, reconnaissant le besoin de la France, à s’imposer au travers de ses plus grandes villes et de ses régions métropolitaines dans le contexte de l’UE. Cela a donné à la région marseillaise un rôle particulièrement important dans la sphère économique ainsi que renforcé l’interface quelle joue avec la Méditerranée et l’Afrique du Nord.

Le jumelage de deux villes : Hambourg et Marseille. L’élément déclenchant de ce projet est le cinquantenaire du jumelage entre Hambourg et Marseille en 2008. Dans la région marseillaise, plusieurs communes se sont organisées en coopération intercommunale, appelée EPCI, où il existe une différence dans l’intensité de la coopération. Il semble que les instruments de coopération intercommunale en France soient ciblés principalement sur le fait qu’une grande ville ou une ville puisse travailler avec les communautés environnantes pour gérer efficacement les tâches publiques. Au sein des autorités et des politiques locales, la compréhension de l’inter-coopération régionale semble être faible. Certains problèmes régionaux doivent être résolus au niveau suprarégional. C’est le seul moyen pour la région métropolitaine de Marseille et d’Aix-en-Provence de recevoir l’attention internationale. La viabilité et la compétitivité dans l’avenir doivent être les objectifs de la coopération régionale. 22


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Einleitung

« L’Europe appelle ! » Compte tenu du fait que Marseille sera la Capitale européenne de la Culture 2013, ce sera certainement une très bonne opportunité pour le Sud de la France afin d’attirer l’attention au niveau européen sur la région. La confusion ambivalente des différentes formes de coopération intercommunale empêche actuellement un positionnement clair de la région de Marseille en terme de compétitivité à l’échelle européenne. L’objectif de ce projet est de trajet de renforcer la région sans fragiliser l’identité locale qui est, en particulier dans le sud de la France, une grande priorité. Le «Rapport Balladur» de l’année 2008 est l’occasion de réfléchir à la structure administrative de la France. M. Balladur est un homme politique qui est actuellement chargé par le gouvernement Sarkozy de faire des propositions pour une répartition plus efficace du système administratif français. Dans son rapport, M. Balladur a fait des recommandations, lesquelles nous allons vérifier concernant leur application sur l’exemple de la région Provence-Alpes-Côte d’Azur et sa capitale Marseille.

Le « Rapport Balladur » En Octobre 2008 a été lancée par le gouvernement français une commission pour élaborer des propositions sur une réforme des collectivités locales en France. Présidé e par Edouard Balladur, elle a publié son rapport final en Mars 2009. Les exigences essentielles de la Commission sont précisées dans le chapitre « Bestandsaufnahme » (p. 40 et suivants).

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Problembeschreibung

Problembeschreibung

Karten von Frankreich Satellitenbild mit Grenzen und wichtigsten Städten

Paris

Lyon

Marseille

Quelle der Kartengrundlage: Google Earth

Abb. 1: Luftbild Frankreich 24


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Regionen und ihre Grenzen

Großbritannien Belgien

Lille Nord-Pas-deCalais HauteNormandie Caen BasseNormandie Bretagne Rennes Pays-de-la-Loire

Atlantischer Ozean

Poitiers PoitouCharentes

Luxemburg Lux

Picardie

Rouen

Metz

Paris Châlons-en n- Lothringen Île-de-France Champagne Sttrasbo trasbo ourg ChampagneCentre Ardenne Elsass Orléans

Frankreich

Nantes

Deutschland

Amiens

Dijon Burgund

Besanç nçon nç ç FrancheComté Schweiz

Auvergne Limousin Limoges

Lyon

ClermontFerrand

Rhône-Alpes Italien

Bordeaux Aquitanien Midi-Pyrénées Montpellier

Region Provence-AlpesCôte d’Azur

Touluse Marseille

LanguedocRoussilion Mittelmeer Spanien 0

Andorra

Korsika Ajaccciio

100 km

Legende: Rhône-Alpes = Name der Region = Name und Lage der Regionshauptstadt Amiens

Quelle der Kartengrundlage: http://www.hist-geo.com

Abb. 2: Karte der französischen Regionen 25


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Problembeschreibung

Der administrative Aufbau Frankreichs

Frankreich gliedert sich in vier territoriale Ebenen. Den Staat, die Regionen, die Departements und die Kommunen. Der Staat hat hierbei die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz, alle weiteren Ebenen haben administrative Kompetenzen. Entstanden ist das streng zentralistische Regierungssystem nach der Französischen Revolution, nach welcher man sich als einheitlicher Staat positionieren wollte. Diese Bestrebungen wurden abermals nach dem Zweiten Weltkrieg

Quelle: Informationen zur politischen Bildung, Frankreich, Heft Nr. 285 / 2004

Abb. 3: Die Verfassung der Französischen Republik 26


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Problembeschreibung

deutlich. Frankreich sollte politisch sowie wirtschaftlich möglichst als Einheit hervortreten, weswegen die zentrale Entwicklung sowie die Steuerungskompetenz des Staates bewusst gefördert wurden. Ein Beispiel hierfür ist die gezielte staatliche Ansiedlung bestimmter Industriebetriebe in wirtschaftlich schwächeren Regionen. Im Grunde ging man somit einen entgegengesetzten Weg im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland, welche sich als föderalistischer Bundesstaat neu gründete. (Informationen zur politischen Bildung 2004: S. 37ff.) Die Schemata (Abb. 3 u. 4) zeigen den hierarchischen Aufbau des politischen Sys-

Präsident

Premierminister

Minister

tems in Frankreich. Die Verfassung der V. Republik trat am 4. Oktober 1958 in Kraft und wurde von der Regierung unter Charles de Gaulles verabschiedet. Der Staatspräsident ist die zentrale Figur in der V. Französischen Republik. Besonderheiten sind die direkte Wahl durch das Volk und umfangreiche Kompetenzen des Präsidenten wie die der alleinigen Entscheidungsbefugnis in der Sicherheitsund Außenpolitik. Es wird in Frankreich von der „doppelköpfigen“ Exekutive gesprochen. Die Gesetzgebungsgewalt geht zwar vom Parlament aus, jedoch bestimmt der Staatspräsident die Richtlinien der Politik. Dem Premierminister kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu. Er ist das Bindeglied zwischen Präsident und Nationalversammlung. (Informationen zur politischen Bildung: S. 37ff.)

Quelle: eigene Darstellung nach Wikipedia/Ladyt

Abb. 4: Das politische System Frankreichs 27


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Kommunalverbände in Frankreich Intercommunalités

Auf kommunaler Ebene gibt es verschiedene ausdifferenzierte Kooperationsformen, sogenannte „Établissement public de la coopération intercommunale (EPCI)“, Kommunalverbände. Das Problem bei diesem Aufbau besteht einerseits in der Hierarchielosigkeit der Gebietskörperschaften (Region, Departement und EPCI / Kommunen), und der damit verbundenen Kompetenzüberschneidungen ohne regelnde Instanz und andererseits in der großen Zersplitterung territorialer Einheiten (Zahlen der Gemeinden). Dieser Zustand wurde mehr und mehr zum Entwicklungshemmnis insbesondere von größeren Agglomerationen, die auf eine zuverlässige Koordination der regionalen Vernetzung angewiesen sind, um nicht im Chaos zu ersticken. In diesem Rahmen funktionieren die alten, zentralistisch organisierten Dimensionen der Gebietskörperschaften und die auf Umverteilung des Wohlstands gerichteten Konzepte nicht mehr, selbstständige dezentrale Entwicklung ist notwendig um die französische Wirtschaft und territoriale Entwicklung langfristig stabil zu halten.

Loi Voynet d‘orientation pour l‘aménagement et le développement durable du territoire (LOADDT)

Seit den Dezentralisierungsgesetzen zu Beginn der 1980er Jahre werden den Kommunen mehr und mehr Kompetenzen übertragen, die interkommunale Kooperationen immer weitgehender ermöglichen und attraktiver machen. Meilensteine sind hierbei 1992 das Loi ATR (administration territoriale de la République), 1995 das Loi Voynet, auch LOADDT genannt und 1999 das Loi Chevènnement. Die Formen der Gemeindezusammenschlüsse waren bis 1999 sehr vielfältig, seitdem sind drei Arten von EPCIs und die damit zusammenhängenden Kompetenzübertragungen klar definiert. Diese EPCI sind dadurch gekennzeichnet,

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Problembeschreibung

dass sie über die sogenannte „fiscalité propre“, eigene Steuereinnahmen, verfügen. Welche Art EPCI in einem Gebiet gegründet werden kann, hängt unter anderem von der Gesamteinwohnerzahl, der räumlichen Ausdehnung des Gebietes sowie der Einwohnerzahl der größten beteiligten Gemeinde ab. So ergibt sich: • Communauté urbaines (CU) mind. 500.000 Einwohner • Communauté d’agglomerations (CA) mind. 50.000 Einwohner, mind. eine Kommune mehr als 15.000 Einwohner • Communauté de communes (CC) ohne Beschränkung Darüber hinaus haben die Gemeinden die Möglichkeit einfache Ein- oder Mehrzweckverbände zur Erledigung einzelner kommunaler Aufgaben, wie beispielsweise die Organisation der Müllabfuhr o. ä., zu gründen. Grundsätzlich sind die Zusammenschlüsse frei in der Gebietswahl und nicht an Departements- oder Regionsgrenzen gebunden. Diese Art der Kooperation ist dadurch gekennzeichnet, dass keine „fiscalité propre“ vorliegt. Der Sinn der Gründung von EPCI besteht darin, einen Agglomerationsvertrag zu erarbeiten und gemeinsam mit Staat und Region zu unterschreiben. In diesem Vertrag regelt die EPCI die Orientierung der Entwicklung auf seinem Gebiet bezogen auf Wirtschaft, Soziales, Verkehr etc. und verleiht evtl. erarbeiteten Entwicklungsplänen Verbindlichkeit. Gleichzeitig werden Maßnahmen zur Umsetzung dieser Orientierungen und deren Finanzierung durch die Vertragspartner festgeschrieben. Der Agglomerationsvertrag zwingt also die Kommunalverbände an ein auf einige Jahre festgelegtes Programm, eröffnet aber Möglichkeiten zur gemeinsamen Finanzierung mit Staat und Region.

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Taxe Professionnelle Unique (TPU)

Délégation à l‘aménagement du territoire et à l‘action régionale (DATAR)

Es hat sich gezeigt, dass trotz eines Rahmens durch Interkommunalität, insbesondere mit einer Communauté Urbaine, durch die die interne Vernetzung von Ballungszentren vorangetrieben werden soll, dieses als Instrument für Ballungsräume ungeeignet ist. Die Annahme liegt nahe, dass die für eine Communauté Urbaine geforderte Zusammenarbeit, die sich bis in das Steuerwesen hinein zieht (TPU: gemeinsamer Gewerbesteuerhebesatz) zu eng für wirklich große Zusammenschlüsse ist. Jedenfalls gibt es auch in Frankreich seit 2003 eine Politik für Metropolregionen, die konkret mit einem Ausschreibungsverfahren vorangetrieben wurde: Eine Anzahl von etwa 42 Ballungsräumen, die den Bewerbungskriterien entsprachen (Paris und Überseegebiete waren ausgeschlossen) wurden von der zentralen Raumordnungsbehörde (DATAR) aufgefordert sich zu beteiligen. In den Bewerbungsunterlagen mussten Konzepte vorgestellt werden, mit denen der Raum beabsichtigt sich zu einer Europäischen Metropolregion (mit den bekannten Metropolfunktionen) zu entwickeln. Dieses System ähnelt der Interkommunalität insofern, als dass der Prozess in Metropolverträgen mündete, die ähnlich wie die Agglomerationsverträge aussehen, nur freier in den Inhalten. Im Prozess zur Erarbeitung dieser Konzepte ist auch ein größeres Territorium einzubeziehen. Die so genannte Metropolitane Kooperation (Coopération métropolitaine) scheint locker genug zu sein, dass sogar die „Konkurrenten“ Aix-en-Provence und Marseille es schafften durch ein gemeinsames Konzept zu überzeugen sowie ausgewählt zu werden und heute gemeinsam mit anderen EPCI die Metropolregion Aix-en-Provence-Marseille bilden. (Braumann, Elineau 2003)

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Vergleich wichtiger Regionen in Frankreich

Île-de-France

Rhône-Alpes

PACA

Bevölkerung ca. 10 Mio.

ca. 5,6 Mio.

ca. 4,5

Fluggäste ca. 137 Mio.

ca. 6 Mio.

ca. 15 Mio.

Universitäten 9

4

4

156

92

116

dominant

dominant

symbiotisch

konzentrisch

polyzentrisch

Museen

Präfektur

Polaritäten konzentrisch Technologie

Wirtschaft Dienstleistung

Industrie

Sektoren

Forschung

Wirtschaft Innovation

Dienstleistung

Dienstleistung

Tourismus

Technologie

Industrie Forschung

Die drei größten und wichtigsten Städte in Frankreich sind Paris (2.181.371 EW 2009), Marseille (847.084 EW 2009) und Lyon (480.778 EW 2009) (vgl. INSEE 2009: „populationslegales“, abgerufen am 12.11.09). Die Stärke dieser Städte geht jedoch nur aus dem Verbund mit angrenzenden Städten und Gemeinden hervor. Im Städteverbund in und um Paris lebten 1999 9.644.507 Menschen, in und um Marseille 1.349.772 Menschen und in und um Lyon 1.348.832 Menschen (vgl. INSEE 2009: „unités urbaines“, abgerufen am 12.11.09). In der Grafik links (Abb. 5) sind sieben wichtige Kriterien im Vergleich der Regionen, in denen Paris (Île-de-France), Lyon (RhôneAlpes) und Marseille (Provence-Alpes-Côted‘Azur) liegen, dargestellt. Auffällig ist hierbei zunächst die Ausnahmestellung von Paris. Es handelt sich um einen Raum der Superlative. Lyon ist in den letzten 10 Jahren durch neue Wege der interkommunalen Kooperation ein stark wachsender Raum. Paris und Lyon sind sich von ihrer Struktur her ähnlich. Beide Räume sind konzentrisch organisiert und bilden den dominanten Mittelpunkt in ihrer Region. Marseille als „zweite Stadt Frankreichs“ war insbesondere wirtschaftlich lange Zeit in der Krise. Durch neue Impulse in der Stadt und der Region sollen der tertiäre Sektor und die Schnittstellenfunktion zum Mittelmeerraum ausgebaut werden. Die polyzentrische Organisation des Raumes drückt sich insbesondere in der Tatsache aus, dass nahegelegene Städte wie Aix-en-Provence und Toulon wichtige Wirtschaftspole neben Marseille sind.

Innovation Technologie Forschung Industrie

Quelle: eigene Darstellung nach Mérienne 2003 Abb. 5: Vergleich wichtiger Regionen in Frankreich 31


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Vergleich der Gebietskörperschaften... ...in Frankreich

● Diese Gegenüberstellung soll die Unterschiede in der administrativen Struktur von Frankreich und Deutschland verdeutlichen.

L’État (der Staat): • 62.817.120 Einwohner, Festland 2006 (INSEE) • Zentralstaat, ausschließliche Gesetzgebungskompetenz • Staatliches Organ: Staatspräsident La Région (die Region): • 22 Regionen in Europa, 4 in Übersee • Verwaltungseinheit mit administrativen Kompetenzen • Staatliches Organ: Präfekt der Region

Staat 26 Regionen 100 Departements 36.571 Kommunen Abb. 6: administratives System Frankreichs

Insbesondere die dreifache Anzahl von Kommunen in Frankreich ist Deutschland gegenüber ein wesentlicher Unterschied.

Le Département (das Departement): • 96 Departements in Europa, 4 in Übersee • Verwaltungseinheit mit administrativen Kompetenzen • Staatliches Organ: Präfekt des Departements L’Intercommunalité (der Kommunalverband): • Établissement public de coopération intercommunale (EPCI) • 12.840, davon 2.601 mit Selbstverwaltungskompetenz • Interkommunaler Zusammenschluss o vertraglich geregelte gemeinsame Arbeitsschwerpunkte (z.B. Müllabfuhr, Schule) o keine „General-Kooperation“ La Commune (die Kommune): • 36.571 • Kleinste Verwaltungseinheit, häufig werden bei sehr kleinen Gemeinden administrative Kompetenzen an einen Kommunalverband oder ein Departement abgegeben • Staatliches Organ: Bürgermeister Werner Hrsg., 2000, S. 283ff.

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...und Deutschland

Staat: • 82.002.400 Einwohner am 31.12.2008 (DESTATIS) • Bundesstaat mit partieller Gesetzgebungskompetenz • Staatliches Organ: Bundeskanzler Bundesland: • 16 Bundesländer • Teilsouveräner Gliedstaat mit partieller Gesetzgebungskompetenz • Staatliches Organ: Ministerpräsident Landkreis/kreisfreie Stadt: • 301 Landkreise und 112 kreisfreie Städte • Verwaltungseinheit mit administrativen Kompetenzen • Staatliches Organ: Landrat

Staat 16 Bundesländer 301 Landkreise 12.007 Gemeinden Abb. 7: Administratives System Deutschlands

Kommunalverband (KV): • Kommunale Zusammenschlüsse auf Gemeinde-, Kreisoder TÖB-Ebene • „General-Kooperation“ mit eigenständiger „Souveränität“

Kommune: • 12.007 • Kleinste Verwaltungseinheit, häufig werden bei sehr kleinen Gemeinden administrative Kompetenzen an eine Samtgemeinde oder den Landkreis abgegeben • Staatliches Organ: Bürgermeister Werner Hrsg., 2000, S. 283ff.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Bestandsaufnahme

Die wichtigsten interkommunalen Kooperationsansätze Établissement public de la coopération intercommunale (EPCI) Das französische Konzept für den Aufbau kooperativer Strukturen beruht bis heute auf interkommunalen Vereinbarungen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Kommunen die Basis jeder institutionellen Reform in Frankreich sind. Interregionale Institutionen sind keine politischen Vertretungskörperschaften per se, da sie einerseits keine umfassenden Zuständigkeiten besitzen und andererseits nicht von direkt gewählten Volksvertretern regiert werden. In Frankreich gibt es sieben Formen von EPCI (zwischengemeindliche Behörden bzw. Verwaltungsstellen), die alle vom Staat eingerichtet werden:

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Syndicats Intercommunaux à Vocation Unique (SIVU)

INTERKOMMUNALE ZWECKVERBÄNDE MIT EINEM EINZIGEN GESCHÄFTSZWECK Sie werden seit 1890 eingerichtet und stellen mit ca. 14.500 heute den größten Teil aller ÉPCI. Sie beschäftigen sich vorwiegend mit dem Management von Infrastruktureinrichtungen (ÖPNV, Wasserversorgung und Kanalisation, Abfallentsorgung etc.) und der Bereitstellung von Dienstleistungen.

Syndicats Intercommunuax à Vocation Multiple (SIVOM)

INTERKOMMUNALE MEHRZWECKVERBÄNDE Sie wurden 1959 eingerichtet, 1996 gab es ca. 2.500 solcher Verbände.

MISCHVERBÄNDE mit einem oder mehreren Geschäftszwecken. Sie werden Mischverbände genannt, weil verschiedene Verwaltungsebenen beteiligt sind. Alle Kombinationen von Gemeinde, Departement, Region und Staat sind hier möglich. 1996 gab es ca. 1.200 solcher Mischverbände.


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Die drei bisher genannten Kommunalverbände werden aus den Haushalten der Gemeinden oder anderer Beteiligter finanziert. Sie dürfen keine eigenen Steuern erheben. UMLANDVERBÄNDE Sie wurden 1966 eingeführt, 2009 gibt es 16 Umlandverbände. Diese werden als die am weitesten integrierten Kooperationsansätze gesehen, da sie über elf gesetzlich festgelegte Rechte und eigene Steuereinnahmen verfügen.

Communautés Urbaines (CU)

VERBÄNDE DER „NEUEN STÄDTE“ Sie wurden 1983 eingerichtet und können in den so genannten villes nouvelles eingerichtet werden. Bisher wurden neun gegründet, von denen im Jahr 2009 noch fünf bestehen.

Syndicats d’Agglomération Nouvelle (SAN)

GEMEINDEVERBÄNDE Diese wurden 1992 für Gebiete mit weniger als 20.000 Einwohnern eingerichtet. 2009 gibt es 2.406 Gemeindeverbände. Gemeindeverbände haben zwei satzungsmäßige Rechte: Wirtschaftsentwicklung und Planung. Gemeindeverbände unterscheiden sich von anderen Kooperationsformen auch durch das Recht, für bestimmte eingegrenzte Teilräume Gewerbesteuern erheben zu können.

Communautés de Communes (CU)

AGGLOMERATIONSVERBAND Diese wurden 1999 gegründet und bilden eine Zwischenebene zwischen Umlandverbänden und Gemeindeverbänden. 2009 gibt es 174 Agglomerationsverbände in Frankreich.

Communauté d’Agglomération (CU)

Artikel L5214-20 des Code général des collectivités territoriales

Artikel L5214-23 des Code général des collectivités territoriales

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Die vier hier genannten Kommunalverbände verfügen über das Recht eigenständig Steuern zu erheben. Man spricht hierbei von „groupements à fiscalité propre“. Das institutionelle System der interkommunalen Zusammenarbeit in Frankreich ist also sehr komplex. Es gibt im Grunde genommen keine vertikale Hierarchie zwischen den einzelnen Kooperationsformen. Es ist möglich themenbezogen zu kooperieren, dabei sind administrative Ebenen zweitrangig. Der große Spielraum innerhalb der genauen Ausformulierung von Kooperationsverträgen zwischen Gebietskörperschaften setzt die Hemmschwelle der Kooperation herab. Gebietskörperschaften haben die Möglichkeit themenbezogen mit verschiedenen anderen Gebietskörperschaften zusammen zu arbeiten. Eine Gemeinde kann also sehr problemspezifisch Kooperationen eingehen und ist nicht gezwungen Teile ihrer Souveränität abzugeben, die sie nicht abgeben möchte. Die Freiheit der Kooperationsmöglichkeiten bringt jedoch automatisch die Gefahr mit sich verwirrend zu sein. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto schwerer fällt die Differenzierung der Kooperationsformen. (DGCL 2009: Les collectivités locales en chiffres 2009, S. 21)

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Die Planungsebenen und -Dokumente in Frankreich

SCHÉMA

SCHÉMA

(SSC)

NATIONALE EBENE | SSC: • 9 Stück in Frankreich (Wissenschaft, Kultur, Information und Kommunikation, Transport 2x, Energie, Natur, Gesundheit, Sport) • Planungshorizont 20 Jahre • „Gemeinnützige Dienstleistungskonzepte“ machen Vorgaben zu räumlichen Entwicklungsperspektiven der „Fachbereiche“

RÉGIONAL D’AMÉNAGEMENT ET DU

REGIONALE EBENE I | SRADT: • Regionales Raumordnungs- und Raumentwicklungskonzept • Vergleichbar mit dem Landesentwicklungsplan in Deutschland • Aufgestellt wird der SRADT als fachübergreifendes Leitliniendokument vom Regionalrat in Abstimmung mit allen betroffenen Partnern • Muss mit den Zielen der SSC vereinbar sein

DE SERVICES COLLECTIVES

DÉVELOPPEMENT DU TERRITOIRE

DIRECTIVE

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(SRADT)

TERRITORIALE D’AMÉNAGEMENT

(DTA)

R EGIONALE EBENE II | DTA: • Teilräumliche Raumordnungsvorgabe • 7 Stück in Frankreich (Alpes-Maritimes, bassins miniers Nord lorrains, l’estuaire de la Loire, l’aire métropolitaine lyonnaise, Bouches-du-Rhône, Alpes du Nord, l’estuaire de la Seine) • Vergleichbar mit dem Regionalplan in Deutschland • Aufgestellt wird eine DTA vom Staat und der betroffenen Gebietskörperschaft • Muss mit den Zielen des SSC und des SRADT vereinbar sein


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

ÜBERKOMMUNALE EBENE | SCOT: • Dokument für Kommunalverbände, Erstellung freiwillig! • Vergleichbar mit dem FNP in Deutschland • Muss mit den Zielen des DTA vereinbar sein, falls kein DTA vorhanden ist mit den generellen Zielen der Raumentwicklung in Frankreich (Projets d’interêt général [PIG] und Landschafts-, Küsten- sowie Ressourcenschutz) KOMMUNALE EBENE | PLU: • Planungsdokument für Gemeinden und Kommunalverbände • Die Erstellung ist nicht verpflichtend für die Gemeinden! • Vergleichbar mit dem B-Plan in Deutschland

SCHÉMA

DE COHÉRENCE TERRITORIALE

(SCOT)

PIG = Projekte von nationalem Interesse

PLAN

LOCAL D’URBANISME

(PLU)

CARTE COMMUNALE (CC): • Vereinfachtes Planungsdokument für sehr kleine Gemeinden • Vergleichbar mit einem vereinfachten B-Plan in Deutschland (Braumann, Elineau 2003, S. 11f. u. Clev, Kistenmacher 1998, S. 178f.)

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Der Rapport Balladur Zusammenfassung der wichtigsten Forderungen.

Im Jahr 2008 hat die Französische Regierung unter Sarkozy ein 15-köpfiges „Komitee für die Reform der Gebietskörperschaften“ eingesetzt. Den Vorsitz hatte Edouard Balladur, der 1986 bis 1988 unter Jacques Chriac Staatsminister für Wirtschaft und Finanzen sowie von 1993 bis 1995 Premierminister von Frankreich war. Zwischen Oktober 2008 und März 2009 hat das Komitee einen Bericht erarbeitet. Das Ergebnis der Arbeit ist der sogenannte Rapport Balladur mit dem Titel „Il est temps de décider“ („Es ist Zeit sich zu entscheiden“). Es handelt sich um einen Bericht von 170 Seiten. Der Bericht ist in zwei Teile gegliedert. Im Ersten Teil wird die derzeitige Situation skizziert und auf die Probleme verwiesen. Im zweiten Teil werden Lösungsvorschläge gemacht, die zukünftig zu einer Verbesserung führen können. Anschließend werden 20 konkrete Forderungen aufgelistet und begründet (der Forderungskatalog ist diesem Bericht angehängt). Im Anhang zu dem Bericht befindet sich sogar eine Art Gesetzesvorlage zur Reform der Gebietskörperschaften. DIE HAUPTPROBLEME DER JETZIGEN SITUATION SIND: • Kommunale Finanzen / Überschuldung der Kommunen • Verwirrung um Kompetenzen der Gebietskörperschaften • Die Struktur der Raumplanung ist zu vielschichtig und zersplittert Maßnahmen zur Behedung der Probleme werden genannt. Es müssen die Kompetenzen bezüglich der lokalen Finanzen zwischen dem Staat und den Gebietskörperschaften geklärt werden und anschließend klare und vereinfachte Strukturen geschaffen werden. Die Kompetenzverteilung auf lokaler Ebene muss geklärt werden. Wie weit darf der Staat in 40


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

lokale Entscheidungen eingreifen? Anschließend müssen die Zuständigkeiten nach einfachen und unstrittigen Kriterien neu verteilt werden. Weiterhin muss die Zahl der Gebietskörperschaften verringert werden. ZUR VEREINFACHUNG DER STRUKTUREN SOLLEN ZWEI LEITZIELE VERFOLGT WERDEN: 1. Steuerung der Raumplanung und der Aktivitäten 2. Dienste für die Bevölkerung Die regionale und lokale Ebene erscheinen am geeignetsten die Leitziele umzusetzen. Die Region ist die Ebene, die nationale Bedeutung und internationale Konkurrenzfähigkeit haben kann. Die Kommune bzw. Interkommunalität ist prädestiniert um bürgernahe Dienstleistungen anzubieten. Zwei Fragen stellen sich jedoch: 1. Können die Departements aufgelöst werden? 2. Können die Kommunalverbände (EPCI) die erforderlichen kommunalen Kompetenzen erhalten? Die Bipolarisierung der Gebietskörperschaften zu Gunsten der Region und den EPCI ermöglicht die Klarstellung der Kompetenzen. Anschließend bedarf es einer Modernisierung des kommunalen Steuersystems. Der Forderungkatalog des Komité („20 Propositions“) befindet sich im Anhang (S. 152ff.) zu diesem Bericht. Im folgenden Abschnitt lesen Sie die Zusammenstellung unterschiedlicher Positionen zum Rapport Balladur sowie eine fachliche Auseinandersetzung mit den Inhalten des Rapport Balladur. 41


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Rapport Balladur und kontroverse Diskussionen

Die Veröffentlichung des Rapport Balladur und die damit verbundenen Änderungsvorschläge des Komitees führten zu einer sehr kontroversen Diskussion über die Zukunft der Gebietskörperschaften in Frankreich. An dieser Stelle werden die Positionen von Vertretern der unterschiedlichen administrativen Ebenen vorgestellt und anschließend in den Stand der fachlichen Diskussion eingeordnet. Association des Régions de France (ARF)

STELLUNGNAHME DER VEREINIGUNG DER REGIONEN FRANKREICHS, ALAIN ROUSSET, PRÄSIDENT: Die ARF, ADF und AMF haben eine gemeinsame Stellungnahme zum Rapport Balladur veröffentlicht. Auf diese wird hier Bezug genommen. Zunächst stellt M. Rousset fest, dass die fundamentalen Reformen im Zuge der Dezentralisierung ihre Ziele weitestgehend erreicht haben. Für die Zukunft erwartet er, dass sich der Staat nicht der „finanziellen Verantwortung“ gegenüber den Gebietskörperschaften entzieht. Die Gebietskörperschaften müssen volle Eigenverantwortung, politisch sowie finanziell, für ihre Bereiche haben. Dies sei zur Zeit nicht der Fall. Insbesondere die Frage der finanziellen Ressourcen spielt hier eine bedeutende Rolle. Weiterhin müssen die Kompetenzen zwischen den administrativen Ebenen (Regionen, Departements, EPCI, Kommunen) geklärt werden. Entweder auf normativer oder vertraglicher Ebene. Das Ziel einer besseren territorialen Organisation in Frankreich wird unterstützt, jedoch unter der Maßgabe der Freiwilligkeit der Gebietskörperschaften. Letztlich fordert M. Rousset, dass die institutionellen Reformen mit einer Reform der Finanz- und Steuergesetzgebung einhergehen sollte. (Rousset, 2009, S. 1f.)

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

STELLUNGNAHME DER VERSAMMLUNG DER FRANZÖSISCHEN DEPARTEMENTS, CLUDY LEBRETON, PRÄSIDENT: Zusätzlich zu den bereits genannten Positionen aus der gemeinsamen Stellungnahme von ARF, ADF und AMF wird M. Lebreton in einem Zeitungsartikel mit den Worten: „Das ist das Ende der Departements“ („C‘est la fi n des Départements“) zitiert. Er geht davon aus, dass die Departements die Bereiche Wirtschaftsentwicklung und Raumplanung an die Regionen abtreten müssten und die sozialen „Kompetenzen“ an den Nationalstaat. Weiterhin würde die finanzielle Unabhängigkeit durch die geplante Steuerreform stark eingeengt werden. M. Lebreton ließ eine Studie der möglichen Kosten des Wegfallens der departementalen Ebene anfertigen, die besagt, dass jeder Mitarbeiter, der nach der Reform arbeitslos sei, eine Abfindung von 4.000,- € erhalten könnte. Er spricht von bis zu 120.000 Personen, die dies betreffen könnte. In der Summe würde das fast eine halbe Milliarde Euro kosten.

Assemblée des Départements en France (ADF)

(Lebreton, 2009)

STELLUNGNAHME DER VERSAMMLUNG DER GEMEINDEVERBÄNDE („INTERCOMMUNALITÉS“) IN FRANKREICH: Es wird festgestellt, dass der Rapport Balladur in vielen Punkten mit den Zielen der AdCF übereinstimmt. Insbesondere die vorgeschlagene Stärkung der interkommunalen Kooperation wird positiv hervorgehoben. Kritisiert werden folgende Punkte. Das Wegfallen von Einnahmen durch die Taxe Professionnelle müsse besser kompensiert werden. Zum Beispiel durch eine lokale Wirtschaftssteuer. Die Zusammenlegung von Gemeinden solle auf freiwilliger Basis geschehen. Grundsätzliche Kritik wird an der Tiefe der Reformvorschläge geübt. Der Rapport Balladur bewege

Assemblée des Communautés de France (AdCF)

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

sich lediglich an der Oberfläche der territorialen Organisation des Landes und nehme zu wenig Bezug auf die inneren Probleme wie Finanzierungs- und Kompetenzprobleme. Es würden keine konkreten Handlungsempfehlungen zur Kompetenzverteilung sowie dem Umgang mit der kommunalen Selbstverwaltungsgarantie („la clause de compétence générale“) gemacht. (AdCF, 2009, S. 1f.) Association des petites villes de France (APVF)

STELLUNGNAHME DER VEREINIGUNG DER FRANZÖSISCHEN KLEINSTÄDTE: Viele Forderungen der APVF finden sich im Rapport Balladur wieder. Einige Punkte des Rapport Balladur werden jedoch kritisch beurteilt. Die Rolle der Bürgermeister der Kleinstädte in zukünftigen Kommunalverbänden sei nicht klar genug geregelt. Es dürfe keinesfalls zu einer „Abwertung“ der Kleinstädte in einem Kommunalverband kommen. Der Hauptkritikpunkt bezieht sich auf die vorgeschlagenen Veränderungen im Finanzsektor. Da die Kleinstädte zwingend auf Mittel aus Departement und Region angewiesen seien, würde sich die finanzielle Situation der Kleinstädte bei Wegfall des Departements drastisch verschärfen. Die lokale Solidarität müsse gewahrt bleiben. Weiterhin wird bemängelt, dass die Verringerung der territorialen Zersplitterung Frankreichs nicht ausreichend Berücksichigung findet und zunächste die Mechanismen des kommunalen Finanzausgleichs reformiert werden müssten, bevor man über Reformen der Gebietskörperschaften nachdenke. Auch die APVF fordert eine schnellstmögliche Reform des kommunalen Finanzwesens. (APVF, 2009)

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

STELLUNGNAHME DER VEREINIGUNG DER BÜRGERMEISTER IN FRANKREICH: Die AMF hebt ebenfalls zunächst hervor, dass viele Forderungen im Rapport Balladur den Positionen der AMF entsprechen. Hervorgehoben wird hier der parallele Reformansatz der Gebietskörperschaften an sich und der kommunalen Finanzpolitik. Aber auch sie hat einige Kritikpunkte. So spricht sie sich entschieden gegen die Zusammenlegung von Kommunen aus, weil die dann neu entstehenden „métropoles“ den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bürger nicht mehr gerecht werden könnten. Die AMF spricht sich dafür aus, die Gewerbesteuer neu zu organisieren. Es solle ein stärkerer Bezug zwischen Unternehmen und Standort hergestellt werden, als dies bisher der Fall ist. Am Ende wird darauf verwiesen, dass die Nähe der Kommunalpolitiker zu den Bürgern das Wesen der Demokratie und des sozialen Zusammenhaltes ausmachen. Dies dürfe nicht „zerstört“ werden.

Association des Maires de France (AMF)

(AMF, 2009)

AUFSATZ VON PROF. MICHEL VERPEAUX Der Aufsatz von M. Verpeaux benennt die wichtigsten Elemente des Rapport Balladur und begründet die Erfordernis einer Reform. Die „Intercommunalité“ mit Selbstverwaltungsgarantie und finanzieller Autonomie sei die richtige Ebene um das kommunale Problem Frankreichs zu lösen. Zur Vereinfachung der kommunalen Strukturen sollen bisherige interkommunale Lösungen (bspw. SIVOM, SIVU) in EPCI aufgehen. Die Kumulierung von Mandaten soll eingegrenzt werden, so soll jeder Politiker zukünftig nur noch maximal zwei

M. Verpeaux ist Professor an der Universität Panthéon-Sorbonne in Paris. Er ist Direktor des Forschungszentrums für Verfassungsrecht und Mitglied des Komitee für die Reform der Gebietskörperschaften in Frankreich.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Posten bekleiden dürfen. Die Zahl der Angestellten in den Verwaltungsebenen soll um ein Drittel gesenkt werden. Ein weiterer großer Schritt auf dem Weg zur Vereinfachung der territorialen Struktur in Frankreich ist die Verringerung der Zahl der Regionen und Departements. Es solle stärker das Volumen einer Gebietskörperschaft bestimmend für ihre Größe sein, weniger die geografische Größe. (Verpeaux, 2009, S. 9ff.)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vertreter aller administrativen Ebenen die Arbeit des Komitee schätzen und diese auch befürworten. Kritikpunkte sind in erster Linie auf die Frage der zukünftigen Organisation des kommunalen Finanzierungssystems ausgerichtet. Und jede Ebene findet Argumente dafür, dass sie auf gar keinen Fall „wegrationalisiert“ werden darf. Aus planerischer und objektiver Sicht von Außen kann festgehalten werden, dass keine der Forderungen des Rapport Balladur ein Demokratiedefizit oder ähnliche schwerwiegende Fehler aufweist. Es ist nun also Aufgabe die Argumente der unterschiedlichen administrativen Ebenen untereinander abzuwägen. Eine Bewertung der Ebenen wird in den Kapiteln Analyse und Bewertung (S. 50ff.) vorgenommen.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Karten der Region Provence-Alpes-Côted‘Azur (PACA) Satellitenbild der Region PACA mit wichtigen Städten

Avignon

Nizza

Aix-en-Provence

Marseille

Toulon

Abb. 8: Luftbild der Region PACA mit wichtigen Städten

Quelle der Kartengrundlage: Google Earth

In dieser Karte (Abb. 8) sind in dem Luftbild der Region PACA die bedeutendsten Städte eingetragen. Auffällig ist, dass sich die vier wichtigsten Wirtschaftsräume in der Region PACA an der Küste befinden. Auf die Struktur der regionalen Ebene wird im Abschnitt „Zusammenhänge in der Raumordnung“ (S. 58ff.) näher eingegangen.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bestandsaufnahme

Departements und ihre Grenzen

Region Rhône-Alpes

Departement 05 Hautes-Alpes Gap Italien

Region LanguedocRoussillion

Digne-les-Bains

Departement 84 Vaucluse Avignon

Departement 04 Alpes-de-Haute-Provence

Departement 06 Alpes-Maritimes

Nizza

Departement 13 Bouches-du-Rhônes Departement 83 Var Marseille Mittelmeer

Toulon 0

Abb. 9: Karte der Departements in der Region PACA

50 km

Quelle der Kartengrundlage: http://www.hist-geo.com

Diese Karte (Abb. 9) stellt die Region PACA und deren Departements mit Hauptstädten dar. Betrachtet man die Flächen der Departements, so sind alle in etwa gleich groß. Die absolute Mehrheit der Bevölkerung lebt im Küstengürtel, also in den Departements Bouches-du-Rhônes, Var und Alpes-Maritimes.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Analyse

Analyse

Regionen in Frankreich, ein erster Blick In der Politik ist es manchmal wie in der Grammatik: Ein Fehler, den alle begehen, wird schließlich als Fehler anerkannt. (André Malraux, franz. Politker) Das oben abgedruckte Zitat des französischen Dichters und Politikers André Malraux aus den Zwanziger Jahren beschreibt auf eine gute Art und Weise einen Prozess, den die Region Provence-Alpes Côte d‘Azur (PACA) seit vielen Jahren erlebt. Zugegebenermaßen ist diese Art der Einführung über eine Region zu schreiben ein wenig reißerisch, dennoch lässt sich Vieles unter diesem Zitat wiedererkennen. Doch wie schaut eine Annäherung an eine Region aus? Wie bekommt ein Stadt- und Raumplaner einen Eindruck über die Dynamiken der Region - einen Querschnitt über die wichtigsten Themen, Herausforderungen und Probleme? Ohne Zweifel spielt das Eigeninteresse eine besondere Rolle. Die Verfasser teilen aus verschiedenen Hintergründen die Leidenschaft mit Frankreich, insbesondere des südfranzösischen Raumes, sowie den Hintergrund des Studiums und die Auseinandersetzung mit Raum- und Stadtentwicklung. Betrachtet man den südfranzösischen Raum, stellt man sehr schnell fest, dass es zum übrigen Frankreich einige Unterschiede gibt. Urlaub, Sonne, Strand, Meer und das mediterrane Lebensgefühl sowie die Mentalität sind nur einige der Assoziationen, die sich mit diesem Lebensraum verbinden. Dass dieser Raum allerdings auch starke strukturelle und soziale Unterschiede aufweist, bleibt dem ‚gemeinen‘ Touristen meist verborgen. Aber genau diese Mischung der Disparitäten und Ambivalenzen macht den südfranzösischen Raum um Marseille, Aix-en-Provence, Toulon und Nizza zu einem interessanten und spannungsvollen Gegenstand.

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Die Annäherung an die Region bestand zunächst aus Interviews mit der Agence d‘urbanisme de l‘agglomération marseillaise (AgAM) und mit Prof. Alain MOTTE (Institut d‘Aménagement et d‘Urbanisme Régional - Université Paul Cézanne - Aix-Marseille III), die ein erstes Bild der Region und ihrer Dynamiken zeichnen konnten. Neben den Interviews war eine Querschnittsrecherche wesentlicher Bestandteil der Komplettierung des Bildes. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass ein abschließendes Bild der Region bis ins kleinste Detail nicht gegeben werden kann. Auch der zeitliche Rahmen des Projektes erlaubt leider nur eine Querschnittsbetrachtung, wobei auch das Forschungsumfeld mit den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zwischen Deutschland und Frankreich sowie die Sprache eine spannende Herausforderung für die Bearbeitung des Projektes darstellte.

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Auf den zweiten Blick... ... stellt sich die Frage über was wir eigentlich sprechen? Region, Metropole, Metropolregion ...? In den vorherigen Kapiteln und insbesondere im Glossar wurde auf die verschiedenen Definitionen von Begrifflichkeiten aufmerksam gemacht. Dies betrifft insbesondere den deutschen Begriff der Region, der an dieser Stelle verwendet wird. Andernfalls wird die französische Schreibweise verwendet, sollte der Begriff im französischen Kontext verwendet werden. Dennoch scheint auch der Regionsbegriff in Frankreich im Wandel zu sein. Während der Begriff Région in Frankreich ursprünglich eine Gebietskörperschaft meint, beschreibt Jean-Louis Guigou in seinem Buch „Ein ehrgeiziges Ziel für Frankreich“ (vgl. Guigou 200) die Region wie sie aus dem deutschen Kontext vertraut ist und zeigt damit, dass der französische Begriff das „Überbleibsel“ von historich und politisch-administrativ motivierten Reformen in den letzten Jahrhunderten ist. Kurz zusammengefasst beschreibt GUIGOU die territoriale Struktur Frankreichs mit den aktuellen Rahmenbedingungen von Wirtschaft und Gesellschaft als nicht mehr aktuell und fordet ein „Weiterdenken“ und eine Anpassung auf zukünftige Entwicklungen und Perspektiven. Die in Frankreich entstandene aktuelle Territorialität ist sehr stark historisch bedingt und für das Verständnis der Territorialentwicklung unverzichtbar. In Frankreich lassen sich die Regionen in zwei Klassifikationen einteilen, wobei innerhalb dieser Klassen Variationen und Abwandlungen auftreten können. Aufgrund der historisch bedingten Territorialentwicklung in Frankreich entstanden zwei Konfigurationen von Raum. Paris und der Rest. Mit dem Wandel in der Territorialpolitik, das heißt, vom Zentralismus zur Dezentralisierung und De52


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konzentration in Frankreich wurde versucht die räumlichen und damit auch sozial verbundenen Disparitäten zu überwinden um die schwächeren Gebiete in Frankreich zu stärken. Es lassen sich folgende zwei Typen von Regionen darstellen.

Die klassische Region ... meint einen Raum, der von einem Entwicklungspol dominiert wird. Dabei übernimmt die Hauptstadt in der Region die Rolle des primären Entwicklungspols und zieht die meisten Aktivitäten an sich heran (Abb. 10). An dieser Stelle kann auch von einer Metropole gesprochen werden (vgl. dazu Glossar „Metropole“, S. 15).

Abb. 10: konzentrische Region

Die Region im Netzwerkverbund ... meint eine Region, die von mehreren Entwicklungspolen gekennzeichnet ist. Dabei werden die Funktionen und Aufgaben von den verschiedenen Städten im Netzwerk übernommen. Die Aktivitäten verteilen sich je nach Kompetenzen und Leistungsfähigkeit der Städte (Abb. 11).

Abb. 11: polyzentrische Region

Die Region PACA PACA lässt sich als Region im Netzwerkverband einordnen, da nicht alle Funktionen auf eine Stadt konzentriert sind. Marseille teilt als Hauptstadt der Region beispielsweise die administrativen und juridikativen Funktionen mit der Nachbarstadt Aix-en-Provence, während sie für die Einwohner der Region den primären Wirtschaftsraum darstellt. Die Symbiose zwischen Marseille und Aix erklärt die polypolarität im Raumgefüge und lässt sich an anderen Stellen in der Region ebenfalls wiederfinden.

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Marseille zwischen „Nationalmythos und Lokalpatriotismus“ Es gibt kaum eine Stadt in Frankreich, über die so viel gestritten wird, wie Marseille. Dabei scheint diese Stadt, die auch gleichzeitig der Namensgeber für die Nationalhymne Frankreichs ist, neben Paris und Lyon eine der bekanntesten Städte in Frankreich zu sein. Dennoch, mit zweitem Blick auf die Stadt, beanspruchen auch die Bewohner die Andersartigkeit der Stadt, sogar der Region zum Rest des Landes. Gründungsmythos, Mentalität und Kultur spielen vermutlich eine große Rolle, wie M. Dupont im Interview meint. Als Stadt, räumlich stark getrennt von Paris, die in der Vergangenheit starken Entwicklungen und einem starken Strukturwandel unterlag, schien Paris oftmals aushelfen zu müssen, was von den Bewohnern Marseille‘s unterschwellig als Eingriff auf eigenem Territorium aufgefasst wurde. Der Begriff des Territoriums wird an dieser Stelle, anders als in Deutschland, wesentlich mehr mit Politik, Autonomie und Wirtschaft verknüpft. In Frankreich hat es den Anschein, dass die Grundsätze der Raumordnung und deren Umsetzung nicht nur von Fachleuten in Ministerien abhängen, sondern auch stark von einzelnen politischen Personen auf nationaler und lokaler Ebene (vgl. Interview DUPONT - Anhang S. 136). Paris argumentiert mit der Hilflosigkeit der Stadt Marseille gegenüber Herausforderungen und greift wie ein Elternteil in die Erziehung seiner Kinder ein, während Marseille seine eigenen Wege geht und die gefühlte Entmündigung stillschweigend hinnimmt aber auch nicht ‚nein‘ sagen kann, da durch Paris finanzielle Mittel in die Stadt fließen, die dringend benötigt werden, um die sozialen Kosten der Stadt zu decken oder Großprojekte zu finanzieren. 54


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Marseille zwischen „Sozialfall und sozialer Verantwortung“ Ein wesentlicher Punkt, der von den Interviewpartnern genannt wurde ist die Abwehrhaltung der umliegenden Kommunen und Städte gegen Marseille. Diese Abwehrhaltung ist vorwiegend durch ökonomische Gesichtspunkte motiviert sowie die massiven Soziallasten, welche die Stadt zu tragen hat. Nach den Reformen der 90er Jahre, als das Gesetz zur Gründung von interkommunalen Kooperationen (la loi Chevènement), das die Gründung und Interkooperation von Kommunalverbänden ermöglichte, beschlossen die Kommunen sich gegen Marseille zusammen zu schließen, um der Belastung durch die Sozialkosten der Stadt Marseille zu entgehen. Dies ist zudem der Grund dafür, dass die Communauté Urbaine (CU) de Marseille im Vergleich zu anderen Communautés Urbaines, wie zum Beispiel die in Lyon, wesentlich kleiner ist und Marseille so in seiner Territorialpolitik und Entwicklungsperspektive eingeschränkt ist. Boden- bzw. Territorialpolitik hängt dort sehr stark mit Ökonomie zusammen. Marseille hat keinen Boden und das Geld machen die umliegenden Kommunen, die Entwicklungsgebiete für Projekte ausweisen und damit wirtschaften können, während die Regionshaupstadt auf den sozialen Kosten sitzen bleibt und sich die Kommunen aus dieser Verantwortung ziehen. Marseille steht alleine da, doch profitieren die Kommunen und umliegenden Städte von der Anziehungskraft Marseille‘s. Und Marseille versucht die sozialen Fragen in den Griff zu bekommen. Diese Ambivalenz ist in der Bevölkerung und den lokalen Identitäten spürbar. Mit dem Stadtenwicklungsprojekt Euroméditerranée versucht die Stadt Marseille Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor zu schaffen und somit wieder attraktiv für Firmen und Arbeitnehmer aus dem tertiären Sektor zu werden.

Zahlen und Fakten zur Euroméditerranée: Entwicklungszeitraum: 1995 bis 2012+ Fläche: 480 ha Wohnungen: + 18.000 Büroflächen: + 1.000.000 m² Gewerbeflächen: + 200.000 m² öffentl. Einrichtungen: + 200.000 m² öffentl. Plätze und Parks: 60 ha Arbeitsplätze: + 35.000 Einwohner: + 38.000 Investitionen: 7 Milliarden Euro

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Die regionale Herausforderung Wie eingangs beschrieben, lässt sich die Region PACA mit der Regionshaupstadt Marseille als eine ‚nicht klassische‘ Region beschreiben, die mit ihrer Bedeutung kein Entwicklungsmonopol bestimmt, sondern Aufgaben und Funktionen mit den umliegenden kleineren Städte und mit Aix-en-Provence teilt. Diese lokalen Herausforderungen stellen in Frage, ob Marseille überhaupt die Regionshauptstadt ist - formal ohne Zweifel - funktional allerdings muss an dieser Stelle eher von einem Netzwerk, mit Marseille als Teil, gesprochen werden. Nach Außen hin bestätigt Marseille die Führungsrolle als größte Stadt und Regionshauptstadt. Neben Marseille entwickeln sich aber auch weiter entfernte Städte weiter. Aixen-Provence, Toulon, Cannes und Nizza bilden zusammen mit Marseille ein Städtenetzwerk, in welchem sich die Stadt Marseille auch behaupten muss. Neben den lokalen Herausforderungen mit den Kommunen und der vorhandenen Abwehrhaltung muss Marseille sich auch dem Wettbewerb in der Region und darüber hinaus stellen. Während die Städte wie Nizza und Cannes sich stark auf den Tourismus konzentrieren, in Aix-en-Provence die ‚alte und neue Bourgeoisie‘ dominiert, inkarniert Marseille das Bild der traditionellen Arbeiterstadt als Wirtschafts- und Arbeitsstandort Nummer eins. Der spürbare Strukturwandel und die beschriebenen Prozesse im Hintergrund lassen den Wirtschaftsstandort Marseille nicht zukunftsfähig erscheinen. Alte Industrien dominieren und auch der Hafen befindet sich nicht mehr auf Marseiller Boden, sondern in Fos-surMer, die nun von der Gewerbesteuer profitieren. Auf regionaler Ebene lässt sich erkennen, dass Marseille sich im regionalen Städtegefüge behutsam einfügt. Der Anspruch führende Stadt in der Region zu sein erscheint eher schwach und doch scheint man in der Region PACA zu wissen, dass eine Entwicklung ohne Marseille nicht denkbar ist. 56


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„Staatsmanieren und Poltikgeschäft“ Dass Politik immer wieder im Zusammenhang mit Bodenpolitik und -entwicklung steht muss nicht weiter erläutert werden. In Frankreich nimmt die Politik im Alltag eine selbstverständliche Rolle ein und ist Teil der Lebens- und Diskussionskultur. Welche Rolle die Politik in Frankreichs unterschiedlichen Teilräumen spielt, deutet M. Dupont in dem Gespräch an, welches die Projektgruppe mit ihm geführt hat. Aus den Interviews geht hervor, dass die Politik für die Territorialentwicklung in der Region PACA, sowie generell in Frankreich, eine bedeutende Rolle einnimmt. Die Art und Weise wie Politik gemacht wird, ist anscheinend eine Mentalitätsfrage und im Nord-Süd-Gefälle unterschiedlich ausgeprägt. Laut Dupont (vgl. Interview - Anhang S. 136) gibt es regionale Unterschiede wie Politik in Frankreich gemacht wird. Während im Norden des Landes Politik sehr rational gedacht wird und wesentlich mehr als Mediation und Ansatz zur Lösungsfindung begriffen wird, scheint die Politik im Süden des Landes um so stärker an die Person gebunden zu sein. Diese ‚Inkarnation‘, wie M. Dupont sie bezeichnet spielt in den politischen Netzwerken, in denen sich die Politiker bewegen eine nicht unbedeutende Rolle. Bürgermeister, die gleichzeitig eine Position auf Ebene der Regierung besitzen, wie zum Beispiel einen Ministerposten bekleiden, haben einen wesentlich größeren Einfluss auf Politik und sind sich dessen auch bewußt. Dabei müssen die Politiker auch den Spagat zwischen nationalen und lokalen Interessen abwägen, was oftmals in der unmittelbaren politischen Landschaft nicht einfach ist und zu Konflikten führen kann. Genau diese Konflikte zeigen die eigentliche Herausforderung in der Region PACA auf. Die Ebenen, auf die sich Herausforderungen beziehen, lassen sich rasch identitifizieren. 57


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Zusammenhänge in der Raumordnung Frankreichs Die nationale Ebene Frankreich ist ohne die nationale Ebene in der Raumordnungs-, Entwicklungs- und Bodenpolitik nicht denkbar. In Frankreich als ehemals zentralistischem Staat ging jede Gewalt von Paris aus. Heute greift der Staat nur noch dann ein, wenn die Herausforderungen vor Ort nicht ohne Hilfe bewältigt werden können oder bei Projekten von nationalem Interesse. Abb. 12: Metropolregionen in Frankreich Côte d'Opale Flandre Occidentale Belge

G R A N D E - B R E T A G N E

Roulers Calais Dunkerque Aire métropolitaine Boulogne-sur-Mer Ypres Courtrai de Lille Saint-Omer Lille Tournai Ath Lens B E L G I Q U E Hénin Béthune Valenciennes Douai Maubeuge Arras Cambrai

A L L E M A G N E

L U X .

M a n c h e

Le Havre Rouen Caen

Sarrebruck -

Thionville Metz

Métropole Normande

Forbach Moselle Est Sarreguemines

Sillon Lorrain

Brest

Strasbourg

Eurodistrict Strasbourg - Ortenau

Nancy

Espace métropolitain Loire-Bretagne

Rennes

Epinal Laval Belfort Angers

Saint-Nazaire

Montbéliard Besançon

Dijon

Mulhouse Bâle

Réseau métropolitain Rhin - Rhône

Nantes

S U I S S E

Conférence des villes et agglomérations de Rhône-Alpes

Agglomération franco-valdo-genevoise

Bourg-en-Bresse

Vichy

Genève

Roanne

O c é a n ClermontFerrand

Réseau Clermont Auvergne Métropole

A t l a n t i q u e

Région urbaine de Lyon

Le Puy-en-Velay

Auch

Albi

St-Gaudens

Valence

I T A L I E

Sillon Alpin Grenoble

Métropole Côte d'Azur

Marseille Provence Métropole Pays d'Aix

Aire métropololitaine Toulousaine Castres Toulouse

Chambéry

Saint-Etienne

Aurillac

Montauban

Annecy

Lyon

Nice

Monaco

Aix-en-Provence Marseille

Mazamet

Toulon

Aire Toulonnaise

Pamiers Foix

A N D O R R E 0

50

100 Km

E S P A G N E M é d i t e r r a n é e

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Quelle: http://www.diact.gouv.fr/IMG/File/Carte090805ACmetropole%20.pdf


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Die regionale Ebene Diese Ebene kann auch die Ebene des Wettbewerbs der Regionen bzw. Wirtschaftsräume bezeichnet werden. Auf die Region PACA bezogen, stehen an dieser Stelle die Region und der Witschaftsraum von Lyon gegenüber. Nach Außen hin beugt sich das Bild konkurrierender Regionen und Wirtschafträume den nationalen Interessen. Auf translokaler Ebene wird das Gefühl im Wettbewerb und in Konkurrenz zu anderen Regionen mit ihren ‚starken‘ Städten zu stehen reflektiert und kommuniziert. Abb. 13: Metropolitane Zusammenhangsräume in der Region PACA

Region Rhône-Alpes

Gap

Region LanguedocRoussillion

Digne-les-Bains Avignon Nizza Cannes Aix-en-Provence Marseille

Mittelmeer

Toulon

Quelle der Kartengrundlage: http://www.hist-geo.com 59


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Die translokale Ebene Diese Ebene beschreibt das unmittelbare Umfeld der Städte und Gemeinden der Region. Für die Region PACA ist auf Grund der polyzentralen Struktur keine klassiche französische Region, wie auf S. 53 beschrieben. Abb. 14: Interkommunale Zusammenhangsräume im Küstenbereich der Region PACA Region LanguedocRoussillion

Departement 06 Alpes-Maritimes

Avignon

Italien

Nizza Salon-de-Provence

Departement 13 Bouches-du-Rhônes

Fos-sur-Mer

Departement 83 Var

Cannes

Aix-en-Provence

Marseille Aubagne Cassis Toulon

Mittelmeer Quelle der Kartengrundlage: http://www.hist-geo.com

Die kommunale Ebene Die kommunale Ebene befasst sich im Wesentlichen mit den Aufgaben der Bürgernähe und Information. Sie ist die Ebene, die dem Bürger alle möglichen Informationen, Angebote und Dienstleistungen zur Verfügung stellt und sichert sowie die (Grund-)Versorgung vor Ort gewährleistet.

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Konfliktpotential Die vier identifizierten Ebenen stehen sich in einer engen und sich bedingenden Verknüpfung mit verschiedenen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen gegenüber. Dies bietet ein hohes Konfliktpotential, wie bereits im Abschnitt „Staatsmanieren und Politikgeschäft“ (S. 57) beschrieben und bildet in gleicher Hinsicht auch die Herausforderung aller Beteiligten und die Frage der Gerechtwerdung aller Interessen auf den verschiedenen Ebenen. Dies ist die Herausforderung von der in der Region PACA gesprochen wird um Politik, Raumentwicklung, wirtschaftliche Interessen sowie soziale und kulturelle Belange untereinander in Ausgleich zu bringen.

Konfliktbereitschaft Konfliktbereitschaft ist ein wesentliches Kriterium für die Entwicklung von Lösungen und Konflikten. Die Bereitschaft Konflikte einzugehen, ermöglicht es erst eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Konfliktherden zu führen und kann Grundlage für die Bereitschaft bilden, den Konflikt und die Probleme so gut es geht zu lösen. Die Konfliktbereitschaft hängt sehr stark von den verschiedenen Interessen und deren Vertretern ab, bildet aber die Grundlage für ein erfolgreiches Konfliktmanagement. Bezogen auf die Region PACA und im Zusammenhang mit den verschiedenen Aktionsebenen stellt sich die Frage, wie und ob eine Zusammenführung der Ebenen mit den unterschiedlichen Interessen überhaupt möglich ist und welche Kooperations- und Lösungsvorschläge entwickelt werden können. Konfliktmanagement und Mediation beanspruchen dabei eine bedeutende Rolle.

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Konfliktmanagement / Mediation der Ebenen Die Frage, wie und wer die Zusammenführung der verschiedenen Interessen und räumlichen Ebenen organisiert hat der französische Staat mit den Funktionären auf den administrativen Ebenen beantwortet (Präfekt der Region und des Departments sowie den Bürgermeistern mit nationalem Mandat). Mit dieser Hierarchie versucht der Staat einen reibungslosen Kommunikations- und Aktionsfluss herzustellen, was aber nur dann gelingt, wenn sich die ‚Repräsentanten‘ als Mediatoren begreifen und sich konfliktfrei beziehungsweise neutral verhalten. Diese Mediationsstruktur kann und muss auf ihre Aktualität und auf ihren Kontext im Rahmen der Projektarbeit hinterfragt werden und wird in einem separaten Abschnitt detaillierter behandelt. Konflikte sollten in erster Linie als Indikator für Herausforderungen begriffen werden und von der allgemeinen Negativebehaftung abgekoppelt werden. Konflikte als Chance an Stelle von Konflikten als Indikator für „Sand im Getriebe“.

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La région urbaine Marseille-Aix (RUMA) Der Ballungsraum Marseille und Aix-en-Provence Abb. 15: Luftbild der RUMA mit wichtigen Städten

Salon-de-Provence

Aix-en-Provence Istres

Fos-sur-Mer

Marignane

Marseille

Aubagne

Cassis

Quelle: INSEE (2002): Atlas des Métropolitains

In den 1960er Jahren hat der französische Staat die Bemessung der „aire métropolitaine mairseillaise (AMM)“ ohne Rücksicht auf regionale territoriale Gegebenheiten festgelegt. Die AMM war auf das Departement Bouches-du-Rhône beschränkt. In den 1990er Jahren hat der Staat nach Einwirken des Ministeriums für Ökologie, Energie, nachhaltige Entwicklung und Raumplanung und des INSEE eine Erweiterung der AMM zugelassen. Es wurde die RUMA gegründet, die sich aus sechs „aires urbaines“ zusammensetzt. 1999 lebten in der RUMA 1,8 Mio. Menschen bei 626.000 Arbeitsplätzen; sie setzt sich aus 139 Kommunen zusammen. 64


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Marseille ist der dominierende Kern der RUMA, jedoch haben auch die peripheren Kommunen vielfach ein wichtiges Wirtschaftswachstum gehabt. Insofern kann die RUMA als polyzentraler Interkommunalverband bezeichnet werden. Die RUMA hat drei Wirtschaftsschwerpunkte: 1. Marseille als „Hauptstadt“ 2. l’Ètang de Berre als Standort der Schwerindustrie und 3. Aix-en-Provence als Technologie-Standort Hinzu kommen vier weitere wichtige Standorte für die RUMA: 1. Vitrolles und Plan de Campagne als kommerzielle Zentren 2. Aubagne und Gémenos als Industriestandorte 3. Gardanne als Bergbaustandort und 4. La Ciotat als Schiffbaustandort. In der Zeit zwischen 1982 und 1999 hat das Departement Bouches-du-Rhône einen Einwohnerzuwachs von 8,2% erfahren. Im gleichen Zeitraum hat Marseille 6,7% der Einwohner verloren. Dies ist ein Indiz für attraktive Umlandgemeinden von Marseille und stärkt den Eindruck einer Polyzentralität auf regionaler Ebene. Bis 1980 gab es wenig interkommunale Kooperation zwischen den Kommunen auf dem Gebiet der RUMA. In den 1990er Jahren kamen mit dem „loi ATR“ und dem „loi Chevènement“ zwei wichtige Auslöser für neue Kooperationsansätze auf. Letztendlich wurden neben den bereits existierenden Kommunalverbänden um Marseille, Aix und Aubagne drei weitere CA um Arles, Martigues und Salon de Provence kreiert. Hinzu kam ein SAN um Istres und Fos-sur-mer und vier weitere CC.

Syndicat d’agglomération nouvelle (SAN)

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Schéma de cohérence territoriale (SCOT)

Mit dem „loi SRU“ aus dem Jahr 2000 wurde den Gebietskörperschaften ein neues Instrument der interkommunalen Planung gegeben. Der SCOT ist vergleichbar mit dem Flächennutzungsplan (FNP) in Deutschland, mit dem Unterschied, dass der französische SCOT gezielt für Kommunalverbände entwickelt wurde und nicht für einzelne Gemeinden oder Städte. Im Jahr 2004 wurde der erste SCOT in der aire urbaine Marseille-Aix erstellt. Er umfasst das Gebiet der Marseille Provence Métropole (MPM). Ein Jahr später wurde der SCOT für die Communauté d’agglomération du Pays d’Aix aufgestellt. Eine der größten Herausforderungen in der aire urbaine Marseille-Aix ist der Verkehr. Bisher wurde die Nutzung des PKW favorisiert. Die beiden Kommunalverbände von Marseille und Aix haben daher jeweils die Erstellung eines „plan de déplacement urbain (PDU)“ beschlossen. Dieser soll dazu beitragen den Pendlerverkehr stärker auf den ÖPNV (Pendelbusse und Regionalzüge) zu verlagern, um dadurch die Luftverschmutzung zu reduzieren und die Verkehrsbelastung der Hauptstraßen und Autobahnen zu verringern. Zeitgleich zu den SCOT wurde seitens des Staates an der directive territoriale d’aménagement (DTA) für das Departement Bouches-du-Rhône gearbeitet. Ein Reibungspunkt in diesem Prozess war die territoriale Abgrenzung des DTABereiches. Der Erarbeitungsprozess wurde von vielen kontroversen Diskussionen innerhalb der RUMA, aber auch mit dem Staat begleitet.

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Im Mai 2007 wurde der DTA festgestellt und benennt drei Kernziele: 1. RAYONNEMENT ET MÉTROPOLISATION: Das Departement soll seine Position im europäischen Kontext und Mittelmeerraum verbessern. 2. INTÉGRATION ET FONCTIONNEMENT: Das Departement soll intern effizienter gemacht werden. Dies soll durch ein polyzentrales System der Verkehrswege, des ÖPNV und des wirtschaftlichen Austauschs erreicht werden. 3. PRÉSERVATION ET VALORISATION: Das Department soll nachhaltig weiterentwickelt werden. Denkmäler und natürliche Ressourcen sollen geschützt werden und notwendige Veränderungen zu Gunsten der Wettbewerbsfähigkeit des Departements sollen vorgenommen werden ohne zukünftigen Generationen den Lebensraum zu zerstören.

Ausstrahlungskraft und Metropolisierung

Integration und Funktionsfähigkeit

Schutz und Aufwertung

Das Paar Marseille und Aix-en-Provence wird in Frankreich bei der Entwicklung der RUMA metaphorisch mit Frankreich und Deutschland bei der Entwicklung der Europäischen Union verglichen. Hierbei wird auf das historisch bedingt, vormals gespannte Verhältnis der beiden Partner angespielt, die sich aus materiellen Zwängen zusammenfinden, um gemeinsam einen Wirtschaftsraum zu entwickeln. Aus dem anfänglichen „Zwang“ der Zusammenarbeit ist in beiden Fällen im Laufe der Zeit eine konstruktive Zusammenarbeit gewachsen; man kann auch von einer Symbiose sprechen. (Motte 2007 und DTA Bouches-du-Rhônes 2007)

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Bewertung

Stadt, Land, Meer Die Region im Überblick

Wie im vorangegangenen Kapitel bereits erläutert, handelt es sich bei der Region Provence-Alpes-Côte d‘Azur (PACA) um eine Region, die im Vergleich zur Lyon keinen starken Gravitationspunkt setzt und alle regionalen Funktionen in einer Stadt vereint, sondern vielmehr aus mehreren kleinen Stimulationsstädten besteht, die sich die Aufgaben und Funktionen teilen dadurch jedoch auch in Konkurrenz stehen. Marseille ist in der Region PACA nominell mit ca. 800.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt, gibt aber funktional einige Aufgaben an die umliegenden Städte ab. Laut Dupont (vgl. Interview DUPONT - Anhang S. 136f.) ist die Stadt Marseille das Wirtschaftszentrum aufgrund der hohen Bevölkerungszahlen, geprägt durch die ‚Arbeiterklasse‘ in der Industrie, während Aix-en-Provence von der ‚Bourgeoisie‘ geprägt ist und die Funktionen der Bildung, Hochschulentwicklung und Kultur auf sich vereint. ● Interview DUPOINT, AGAM 17.06.09

[...] Et dernier élément historiquement. Aix, c’était la capitale administrative, universitaire, juridique, la capitale politique et Marseille c‘était la grande ville économique. Si bien qu‘il y a beaucoup de fonctions métropolitaines, des fonctions juridiques, de l‘université, de la culture qui sont à Aix et Marseille ne les a pas. Marseille est une capitale régionale, qui n’a pas tous les attributs, les caractéristiques d‘une capitale régionale. Normalement dans le reste de la France, dans une capitale régionale on a l‘administration, les universités, les bureaux d‘étude et la matière grise. Die Region PACA weist mehrere Besonderheiten auf. Einerseits sind es die naturräumlichen Qualitäten, und die Funktionen, welche die räumliche Organisation der Region konfigurieren. Andererseits die polyzentrische Charakteristik der Region im Gegensatz zum Rest Frankreichs.

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Stadt

Neben den Städten Marseille und Aix-en-Provence, die zusammen eine Symbiose ihrer Funktionen bilden und damit auch das Gravitationszentrum ‚Le Coeur de la région‘ der Region im westlichen Teil darstellen, tauchen andere Städte als Pole auf, die den übrigen Raum in der Region definieren und entlang der Küste als Band organisiert sind. M. Dupont nennt die Stadt Toulon, die in engerer Verbindung mit Marseille und Aix-en-Provence steht, sowie die Städte Cannes und Nice, die einen eigenen Schwerpunkt im Osten der Region PACA setzen. ●

En gros, sur PACA il y a une métropole Toulonnaise, il y a une métropole Aix-Marseille, donc Aix et Marseille sont très lié, beaucoup plus qu‘avec Toulon. Ils font les deux cœurs de la métropole. Et après il y a une métropole Cannes-Nice jusqu‘a Menton. On a trois métropoles. Marseille démographiquement et économiquement important et Aix est plus qualitative qui a l‘université et une population avec haute revenue.

● Interview DUPOINT, AGAM 17.06.09

Die Stadt bildet im Zusammenhang mit den naturräumlichen Gegebenheiten folgende Funktionen aus. Sie organisiert zunächst einmal die wirtschaftlichen Pole in der Region, stellt den Lebensraum der Einwohner zur Verfügung und ist Inkubator für alle weiteren Funktionen, die ihre Bewohner benötigen und beanspruchen: Kultur, Bildung, Tourismus, Erholung usw. Das Land als Naturraum begriffen, steht in der Region PACA im Zusammenhang mit Erholung, Umwelt und Tourismus aber auch Peripherie. Das Hinterland als Peripherie stellt durch die geographische Qualität und Konfiguration auch gleichzeitig harte Perimeter in der Region dar, welche die Organisation der Region mit beeinflussen. So bilden die 69


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naturräumlichen Gegebenheiten, wie zum Besipiel die Topographie, einen Zwang der Städte sich entlang der Küste zu organisieren und das Hinterland als Erholungsraum gleichzeitg aber auch als Peripherie auszubilden - beides als spannende Räume, die hohe Qualitäten für den Sommerund Alpintourismus bieten und auch dementsrpechend erkannt wurden.

Meer Im Zusammenhang mit den Städten an der Küste, bildet das Meer die nächste naturräumliche Gegebenheit mit wichtigen Funktionen. Betrachtet man die Zusammenhänge zwischen Stadt und Meer, ist festzustellen, dass das Meer einerseit eine wichtige Funktion im Rahmen der Entwicklung des Tourismus und der Erholung beansprucht und gleichzeitig die Funktion der Hafenwirtschaftsentwicklung übernimmt. Beide Funktionen gehen Hand in Hand. Während in Marseille die Hafenwirtschaft dominiert, kann in Nizza und Cannes eher von einer touristischen Ausrichtung (auch Erholung und Lifestyle) ausgegangen werden. Zusammenfassend betrachtet entwickeln sich die Städte entlang der Küste und setzen ihre funktionalen Schwerpunkte in der Region je nach Lage individuell. Marseille bildet mit Fos-sur-Mer das wirtschaftliche Zentrum, geprägt durch die Petrochemie und die Hafenwirtschaft, während Nizza und Cannes als Städte mit Fokus auf Tourismus bezeichnet werden können und letztere insbesondere durch bekannte Persönlichkeiten auf den Filmfestspielen in der Öffentlich-

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keit positioniert wird. Marseille hingegen generiert mit dem eigenen Fussballklub auf lokaler Ebene eine andere Form der regionalen Teilidentität, die auch in der Öffentlichkeit erscheint. Es ist kaum möglich einen gesamten Überblick über die Region PACA zu erhalten und auf die weiteren Qualitäten der Städte einzugehen. Festzuhalten ist, dass dieser Städteverbund stark diversifiziert ist, an vielen Stellen komplementär wirkt, durch die naturräumlichen Gegebenheiten organisiert wird und sich in dieser Raumkonfiguration Pole mit verschiedenen Schwerpunkten herausbilden, die zur Konkurrenz für bisherige Pole werden. In Verbindung mit der Wirtschaftsentwicklung und der Gewerbesteuer (Taxe Professionnelle) als Ansiedlungsstrategie für Unternehmen, bildet dieser Perimeter die Grundlage für den Konflikt mit der Stadt Marseille.

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Marseille: Von der „Ville en Crise“ zum „Phoenix, der sich aus der Asche erhebt“ Die Stadt im Zeitraffer Die Stadt Marseille weist aufgrund ihrer geospezifischen Lage im Vergleich zu anderen Städten Frankreichs einige Besonderheiten auf. Der Hafen spielte nicht nur in der ‚Legende‘ der Stadtgründung eine wichtige Rolle - nämlich der Landgang der Phönizier - sondern wurde immer als ein Teil der Stadt begriffen. Dem Hafen ist es zu verdanken, dass die Stadt in der Kolonialzeit Reichtümer anhäufen konnte und eine enorme Entwicklung vorzuweisen hatte. Als ehemalige Kolonialmacht, war es die Stadt Marseille, welche die Waren, Ressourcen und Güter der Kolonien in Empfang nahm und in das Landesinnere weiterleitete. Die Stadt war bis zu den 1950er Jahren im Aufschwung begriffen, als Transformationsprozesse das Gesicht der Stadt stetig veränderten. Begründet wurden diese Prozesse durch Folgen der Dekolonialisierung und der Deindustrialisierung, sowie demografische Veränderungen, die eng mit diesen Entwicklungen zusammenhingen. Marseille war gelähmt und wußte keine Antworten auf diese Herausforderungen und war auch nicht in der Lage mit den umliegenden Gemeinden und Städten Strategien zu entwickeln (RuR 2008: S. 23f.), da diese sich von der Stadt Marseille abwendeten, um sich von der kollektiven Verantwortung des Raumes frei zu sprechen. Marseille war alleine. Marseille befand sich in der Krise. Die internen Probleme der Stadt verstärkten auch das negative Bild nach Außen. Hohe Arbeitslosigkeit, verfallene Industrieflächen und Kriminalität waren die Indikatoren, derer sich auch Saskia Sassen bediente und Marseille als „Stadt in der Krise - im Niedergang“ bezeichnete (RuR 2008: S. 25f.). Eine Stadt, die auch im wahrsten Sinne des Wortes auch heute noch im Zwiespalt steht.

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Mit dem Rückgewinn des Mittelmeerraumes als bedeutendem Wirtschaftsraum, rückt die Stadt Marseille als wichtiges Gateway wieder in den Mittelpunkt der nationalen und internationalen Diskussionen. Sie wird wieder als „Drehscheibe zum zentralen Wirtschaftsraum“ (RuR 2008: S. 24f.) begriffen. Dieser Bedeutungszuwachs verschafft der Stadt und ihrer Region eine neue Perspektive, sich an die benachbarten Wirtschafträume anzunähern und sich aufgrund der geospezifischen Lage am Mittelmeer neu zu positionieren. Allein dieser Bedeutungszuwachs reicht aber nicht aus die Stadt aus der Krise zu heben und so werden die Transformationsprozesse in der Stadt durch Stadtentwicklungsprojekte, wie das der Euroméditerranée, initiiert. Der Gesamteindruck hinterlässt das Bild einer Stadt, welche aus einer Lähmung erwacht und durch neugewonnene Perspektiven in Aufbruchstimmung ist. Und diese Aufbruchstimmung bezieht sich auch auf die Fragen und Herausforderungen an die Region. Denn es ist klar - ein Alleingang der Stadt Marseille ist nicht möglich, um sich als Metropole und Metropolregion zu positionieren. Die Frage lautet: Wie sieht die Kooperation mit den umliegenden Gebietskörperschaften aus? Und welche Form der „Regional Governance“ kann für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gefunden werden? Denn bisher verfolgten die umliegenden Gemeinden eine Vermeidungsstrategie statt mit der Stadt Marseille zu kooperieren.

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Wenn Marseille „die Luft wegbleibt...“

Interview DUPONT, AGAM 17.06.09

Als größte Stadt der Region PACA, die unmmittelbar von kleineren Städten und Gemeinden umschlossen ist, besitzt die Stadt Marseille keine weiteren größeren Optionen sich in ihrer Fläche zu entwickeln. Mit Stadtentwicklungsprojekten wie der Euroméditerrannée versucht die Stadt die Initierung eines Transformationsprozesses von der Industrie zu Dienstleistungen zu schaffen. Hintergrund dieser Initiierung ist letztendlich die Frage nach der Gewerbesteuer (Taxe Professionelle), die im Zusammenhang mit der unzureichenden Wertschöpfung durch ‚alte‘ Industrien der Stadt nicht genug Steuern einbringt, um die enormen Sozialkosten der Stadt zu decken. Die Erweiterung der Flächen für Wertschöpfung durch Gewerbesteuer fehlen dementsprechend und die Stadt Marseille steht erst am Beginn, die ‚alten‘ Industrien durch innovative und ‚saubere‘ Industrien sowie Dienstleistungen zu ersetzen. Die aktuelle Problematik der Stadt besteht darin, dass die Umlandgemeinden ihre Gewerbesteuer selbst bestimmen können. Damit ist Marseille für die umliegenen Kommunen keine Konkurrenz. Erstens, weil nicht genügend oder ausreichen Flächenkapazitäten vorhanden sind und zweitens, weil die Umlandgemeinden den Steuersatz konkurrenzlos selber festlegen können, um den Unternehmen, attraktive Konditionen und Flächen zu bieten. Desweiteren werden die Kommunen um Marseille von den hohen Sozialkosten abgeschreckt, sodass sie eine Kooperation mit der Stadt Marseille vermeiden und ihr den Rücken zukehren.

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[...] À l‘époque, c‘était une ville encore pauvre, grosse ville avec ... Marseille seulement avec 800.000 habitants qui recommençait à redémarrer. Une grosse ville qui était pauvre et sans beaucoup de ressources fi scales, la Taxe Professionnelle (TP). Qu‘est-ce qui c‘est passé? C‘est qu‘en fait toutes les communes qui étaient autour disaient qu’ils ne se veulent pas se mettre avec Marseille. Parce que ce sera ‚un boulot pour nous‘. Alors ils se sont tous raccrocher avec Aix. C‘est bien, il y avait un périmètre. Aix c‘est là et toutes les communes n‘ont pas voulu être avec Marseille. Celle là n‘a plus de force. Donc il y a une CU qui est toute petite qui a été défini à ne faut. Normalement ce ne sera pas être logiquement ce périmètre. Alors c‘est un périmètre que ne se rend pas compte de la réalité par exemple, cette politique en défense contre Marseille. [...] Diese Vermeidungsstrategie seitens der umliegenden Kommunen ‚schnürt‘ Marseille die Luft ab. Marseille wird sich selbst überlassen. Übrig bleibt eine veraltete Wirstchaftsstruktur, die mit viel Energie und geförderten Projekten in einen Transformationsprozess versetzt wird und eine Masse an Menschen, die der Stadt aufgrund von Qualifikationsdefiziten eher Kosten verursachen als Werte schöpfen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die kulturelle Identität und Vielfalt der Stadt, mit ihren Bewohnern, in ihrer Qualität negativ zu bewerten sei. Es gilt nun, die Handlungsräume der Stadt Marseille schrittweise aufzudecken, auszubauen und gemeinsam mit den vorliegenden administrativen Strukturen und Kooperationspartnern zu entwickeln. (RuR 2008 : S. 25)

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Metropolfunktionen Problematik der Bewertung von Metropolen und ihrer Funktionen. Ziel des Projektes ist es die Region PACA in einen Bewertungskontext einzuordnen und dies stellt sich schwieriger dar als ursprünglich angenommen. Diese Schwierigkeiten liegen zunächst einmal daran, dass das Thema im allgemeinen Diskurs über Metropolregionen in Europa nicht hinreichend genug erforscht ist, erst in den Anfängen steht (Wiechmann 2009: S. 101ff.). und erst in den letzten Jahren einen größeren Bedeutungszuwachs bekommt. Ein weiterer wichtiger Grund für die Problematik einer Einordnung und Bewertung ist die unzureichende Datenbasis, die für eine umfassende und abschließende Bewertung nötig wäre (Wiechmann 2009: S. 104ff.). Die Daten, die im Projekt erhoben wurden, stützen sich auf die generelle Recherchearbeit und auf die Informationen, die beispielsweise aus den Interviews gewonnen werden konnten. In Frankreich ist die Datenlage an sich recht umfangreich, doch stehen die Daten oftmals nicht in einem quantitativen Zusammenhang. Das „Institut national de la statistique et des études économiques“ (INSEE) stellt ebenfalls Daten zur Verfügung. Da dieses Projekt jedoch lediglich über einen begrenzten zeitlichen Rahmen und nicht über die Ressourcen und Kapazitäten verfügt die Daten auszuwerten und in ihrer Fülle zu kontextualisieren, legt das folgende Kapitel den Fokus auf bereits anerkannte Methoden für die Untersuchung von Metropolregionen. In der Regel werden solche Aufgaben in Deutschland von Instituten wie dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) übernommen. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat in Zusammenarbeit mit dem Initiativkreis Europäischer Metropolen (IKM) in Deutschland ein Konzept für die Entwicklung von Strategien von Metropolregionen entwickelt. Auch die

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TU-Dortmund ist in diesem Forschungsfeld tätig und hat einen interessanten Beitrag zum Diskurs veröffentlicht. In seinem Aufsatz über die Bewertung von Metropolregionen und ihrer Funktionen stellen Blotevogel und Schulze ein interessantes Indikatorenset als Bewertungsmodell vor (Blotevogel, Schulze 2009: S. 39). Dieses Modell bezieht sich zunächst nur auf die Metropolregionen in Deutschland. Eine direkte Übertragung auf Frankreich wäre zu überprüfen. Dennoch können von dieser Bewertungsmethode gelernt und viele Teilaspekte adaptiert und angewendet werden. Das Bewertungssystem, welches von Schulze entwickelt wurde, legt zunächst die grundsätzlichen Funktionen von Metropolen fest. Das Bewertungssystem wurde ursprünglich in drei Blöcke unterteilt (Entscheidungs- und Kontrollfunktion, Innovations- und Wettbewerbsfunktion und Gateway-Funktion). Der vierte Block (Symbolfunktionen) (siehe Abb. 16) wurde von der Projektgruppe ergänzt da er auch in anderen Kontexten, wie bei der Bewertung der Metropolregion Bremen, auftaucht. Es sei vorweggenommen, dass eine detaillierte Analyse und Auswertung durch das Projekt nicht allein geleistet werden kann. Dazu müssten wesentlich mehr Daten gesammelt und ausgewertet werden. Was das Projekt leisten kann, ist eine erste Einordnung der Region PACA aufzuzeigen und Ansatzpunkte für Handlungsempfehlungen auszusprechen.

Abb. 16: Metropolfunktionen Metropolfunktionen Entscheidungs- und Kontrollfunktionen ¨ UNTERNEHMEN Hauptsitze nationaler und internationaler Ebenen Banken, Börse, Finanzwesen, spezialisierte Dienstleister ¨STAAT Regierung, Ministerium, Landesbehörden, Botschaften, Konsulate ¨SONSTIGE Supranationale Organisationen, EU, UN internationale NGO's

Innovations- und Wettbewerbsfunktion ¨ WIRTSCHAFTLICHE UND TECHNISCHE INNOVATION F&E -Einrichtungen, wissensintensive Dienstleister, Forschungsinstitute ¨SOZIALE UND KULTURELLE INNOVATION Kulturelle Einrichtungen, Orte sozialer Kommunikation, neue Lebensformen, metropolitaner Habitus, Integration

Gateway-Funktionen ¨ ZUGANG ZU MENSCHEN Verkehrsknotenpunkte, Luftverkehr, Schienenverkehr, öffentlicher Nahverkehr ¨ZUGANG ZU WISSEN Medien (Fernsehen, Print, Verlage), Kongresse, Bibliotheken IT-Landscape ¨ZUGANG ZU MÄRKTEN Messen, Austellungen, Tourismus

Symbolfunktionen ¨ BRANDING & MARKETING Kultur, Geschichte, Mythos, Theater, Museen, Kunst, Musik, Medien, Events, Architektur, Stadtgestalt, Image

Quelle: eigene Darstellung nach Blotevogel, Schulze 2009 : S. 39

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Im Folgenden wird ein Überlick über die Bewertungsblöcke gegeben und erläutert warum diese an der Stelle im Metropolfunktionssystem aufgelistet wurden. Entscheidungs- und Kontrollfunktionen ¨ UNTERNEHMEN Hauptsitze nationaler und internationaler Ebenen Banken, Börse, Finanzwesen, spezialisierte Dienstleister ¨STAAT Regierung, Ministerium, Landesbehörden, Botschaften, Konsulate ¨SONSTIGE Supranationale Organisationen, EU, UN internationale NGO's

Abb. 17: Entscheidungs- und Kontrollfunktion

Innovations- und Wettbewerbsfunktion ¨ WIRTSCHAFTLICHE UND TECHNISCHE INNOVATION F&E -Einrichtungen, wissensintensive Dienstleister, Forschungsinstitute ¨SOZIALE UND KULTURELLE INNOVATION Kulturelle Einrichtungen, Orte sozialer Kommunikation, neue Lebensformen, metropolitaner Habitus, Integration

Abb. 18: Innovations- und Wettbewerbsfunktion

Der erste Block beschreibt die Ebene der Kontroll- und Entscheidungsfunktionen in der Metropolregion, die hauptsächlich von den Unternehmen und den Kapitalströmen beeinflusst wird. Diese Ebene wird durch die Politik und die Zivilgesellschaft ergänzt. Diese Ebene kann auch als die Ebene der Entscheidungsträger bezeichnet werden. Die wirtschaftlichen und (zivil)politischen Entscheidungen gestalten Stadt (vgl. dazu Blotevogel, Danielzyk 2009: S. 26). Der zweite große Block beschreibt das Thema der Innovations- und Wettbewerbsfunktion, die den Zusammenhang von Wissen, Kreativität und Wertschöpfung zwischen der Entwicklung von Metropolregionen und des großräumlichen Verflechtungsgrades herstellen. Inhaltlich bezieht sich der zweite Block auf Indikatoren wie Bildungsinstitutionen und Wissenschaftsbranchen, Forschungsschwerpunkte, Exzellenzinitiativen und Graduitenkollegs sowie auf alle Institutionen die durch Forschung an Universitäten und privaten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen Teil des Wertschöpfungsprozesses in der Metropolregion werden. Die privaten Forschungs- und Entwicklungsunternehmen, die auf hochqualifi ziertes Personal angewiesen sind („Wissensarbeiter“, die in technologisch orientierten Wirtschaftszweigen arbeiten) spielen dabei auch eine wichtige Rolle als Indikator für die Innovationsfähigkeit. Die Zahl der angemeldeten Patente, Gewerbe und auch der Technologietransfer und Wissenaustausch sind Variablen, die in diesem Block von Bedeutung sind (vgl. dazu Blotevogel, Danielzyk 2009: S. 25).

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Der dritte Block beschreibt die Gatewayfunktion. Mit Gateway ist die Erreichbarkeit, Durchlässigkeit und Zugänglichkeit zu den Menschen, dem Wissen und zu Märkten gemeint. In anderen Worten: Metropolregion in ihrer Wirkung als Knotenpunkt in den verschiedenen globalen und internationalen Verkehrs- und Kommunikationsnetzen (vgl. dazu Blotevogel, Danielzyk 2009: S. 25f.). Die Anzahl der Fluggastbeförderungen sind an diseser Stelle ein interessanter Indikator, der für den Austausch von Menschen und (wirtschaftlichen) Kontakten in der Metropolregion steht. Neben den drei bisher beschriebenen Blöcken taucht in verschiedenen anderen Quellen auch ein vierter Block auf. Dieser beschreibt die Symbolfunktion, die von einer Region ausgeht. Kultur, Events, Symbolkraft, Stadtgestalt und Image sind die Begriffe, welche diese Ebene beschreiben. An dieser Stelle muss gefragt werden, wie die dort genannten Indikatoren wie Image & Marketing oder auch Kultur & Lebensqualität gemessen werden können (vgl. dazu Blotevogel, Danielzyk 2009: S. 27f.).

Gateway-Funktionen ¨ ZUGANG ZU MENSCHEN Verkehrsknotenpunkte, Luftverkehr, Schienenverkehr, öffentlicher Nahverkehr ¨ZUGANG ZU WISSEN Medien (Fernsehen, Print, Verlage), Kongresse, Bibliotheken IT-Landscape ¨ZUGANG ZU MÄRKTEN Messen, Austellungen, Tourismus

Abb. 19: Gateway-Funktion

Symbolfunktionen ¨ BRANDING & MARKETING Kultur, Geschichte, Mythos, Theater, Museen, Kunst, Musik, Medien, Events, Architektur, Stadtgestalt, Image

Abb. 20: Symbolfunktion

Mit der Einordnung der zwei Vergleichsregionen (Île-deFrance und Rhône-Alpes) zu der Region PACA wird schnell deutlich welche Funktionen von der Projektgruppe in den entsprechenden Metropolen als sehr bedeutend, weniger bedeutend und kaum bzw. nicht bedeutend eingeschätzt werden. Die Bewertung setzt sich additiv aus den Informationen zusammen, die im Laufe des Projektes über die Regionen gesammelt wurden und geben ein Stimmungsbild wieder, wie die Region PACA einzuordnen ist.

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Die Region PACA im Vergleich Warum die Region PACA in den Kontext zu den anderen Regionen stellen? Im Laufe der Arbeit und der Beschäftigung mit der Region PACA wurden einige Besonderheiten erkennbar. Die Region Île-de-France ist mit ihrer Metropole Paris trotz der Dezentralisierungsanstrengungen die Dominante in der französischen Raumordnung. Das Ziel der Denzentralisierung ist nicht die Abschwächung des Ballungsraumes Paris, sondern vielmehr den Ausgleich und die Förderung der Peripherie zu stärken. Die Region Rhône-Alpes ist mit der Metropole Lyon der Prototyp für eine klassische Dezentralisierungsphase wie es von der französischen Regierung in den 1960er Jahren mit den Ausgleichsmetropolen vorgesehen war. Auch die Stadt Marseille wurde mit Aix-enProvence zusammengefasst und als „Région d‘équilibre“ (Ausgleichsregion) behandelt. Diese Entwicklung ist in der Gegenwart zu einer Symbiose geworden, da Marseille und Aix sich wichtige Funktionen teilen, wie Dupont es in seinem Interview bezeichnet. Die Region PACA stellt allerdings auch eine Besonderheit dar. Die Region ist räumlich sehr weit von Paris entfernt und konzentriert sich innerhalb ihres Gebietes auf mehrere Pole. Marseille mit Aix-en-Provence als symbiotischer Pol und die Städte wie Nizza und Cannes, die im Osten der Region einen zweiten starken Anziehungspunkt bilden. Ordnet man die Funktionen, die Metropolen abdecken (müssen) in das vorher beschriebene Bewertungssystem ein, stellt sich heraus, dass die Regionen unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Die Einordnung und Bewertung der Regionen wurde von den Projektteilnehmern vorgenommen und wird im Folgenden erläutert.

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Die Region Provence-Alpes-Côte-d‘Azur im Vergleich zu den anderen zwei stärksten Regionen Frankreichs - Île-de-France und Rhône-Alpes Metropolfunktionen

Île-de-France

Rhône-Alpes

PACA

Entscheidungs- und Kontrollfunktionen ¨ UNTERNEHMEN Hauptsitze nationaler und internationaler Ebenen Banken, Börse, Finanzwesen, spezialisierte Dienstleister ¨STAAT Regierung, Ministerium, Landesbehörden, Botschaften, Konsulate ¨SONSTIGE Supranationale Organisationen, EU, UN internationale NGO's

Innovations- und Wettbewerbsfunktion ¨ WIRTSCHAFTLICHE UND TECHNISCHE INNOVATION F&E -Einrichtungen, wissensintensive Dienstleister, Forschungsinstitute ¨SOZIALE UND KULTURELLE INNOVATION Kulturelle Einrichtungen, Orte sozialer Kommunikation, neue Lebensformen, metropolitaner Habitus, Integration

Gateway-Funktionen ¨ ZUGANG ZU MENSCHEN Verkehrsknotenpunkte, Luftverkehr, Schienenverkehr, öffentlicher Nahverkehr ¨ZUGANG ZU WISSEN Medien (Fernsehen, Print, Verlage), Kongresse, Bibliotheken IT-Landscape ¨ZUGANG ZU MÄRKTEN Messen, Austellungen, Tourismus

Symbolfunktionen ¨ BRANDING & MARKETING Kultur, Geschichte, Mythos, Theater, Museen, Kunst, Musik, Medien, Events, Architektur, Stadtgestalt, Image

Es gibt drei Kategorien von Bewertungspunkten: rot : unbedeutend oder nicht vertreten gelb : von geringer Bedeutung aber vertreten grün : bedeutend und vertreten

Abb. 21: Metropolregionen im Vergleich

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Die Entscheidungs- und Kontrollfunktionen Entscheidungs- und Kontrollfunktionen Île-de-France

Rhône-Alpes

PACA

¨ UNTERNEHMEN Hauptsitze nationaler und internationaler Ebenen Banken, Börse, Finanzwesen, spezialisierte Dienstleister

Abb. 22: Vergleich Unternehmenssitze

¨STAAT Regierung, Ministerium, Landesbehörden, Botschaften, Konsulate

Abb. 23: Vergleich Sitze staatlicher Institutionen

¨SONSTIGE Supranationale Organisationen, EU, UN internationale NGO's

Abb. 24: Vergleich Sitze sonstiger Organisationen

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Die Anziehungkraft einer Region oder einer Stadt wird unter anderem von ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit geprägt. Hier wird deutlich, dass die Region Île-de-France mit Paris das wirtschaftliche Zentrum Frankreichs bildet. Die BIP-Zahlen belegen dies ebenfalls (vgl. dazu Mérienne 2003: S. 24, 36f. und Finkenzeller, Ostermeier 2009: S. 85 ff.). Rhône-Alpes gilt als dynamisches Zentrum. Die Region PACA ist als drittstärkste Region immer noch gut vertreten. Dieses Trio bildet die wichtigsten Wirtschaftsräume in Frankreich. Île-de-France ist mit Paris als Haupstadt Frankreichs die dominanteste Region in Frankreich und nicht nur Sitz vieler politischer Institutionen. In der Region Rhône-Alpes und PACA sind die Institutionen nur auf den entsprechenden lokalen oder übergeordneten Ebenen von Bedeutung. Daher hier schwächer bewertet (vgl. dazu SUD INSEE 2003: S. 2). Ähnlich wie bei Untenehmen, bevorzugen viele supranationale Organisationen, Städte mit Repräsentationsfunktion - sogenannte Adressen. Die Île-de-France ist an dieser Stelle Vorreiter, während Rhône-Alpes und PACA Alternativen bilden. Das Hamburger Wirtschaftsmagazin brand eins hat im Oktober 2009 einen interessanten Beitrag über die Firmenpostfachphilosophie einiger Unternehmen in Paris berichtet (Finkenzeller, Ostermeier 2009: S. 85 ff.).


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Zwischenfazit Die Île-de-France ist nach wie vor die Dominante in der Französischen Raumordnung. Der Wirtschaftsraum um Paris generiert ein BIP von über 28% Gesamtfrankreichs (Mérienne 2003: S. 24). Die nationalen politischen Entscheidungen werden in Paris getroffen. Die klassischen Funktionen einer Hauptstadt und Metropole sind hier sehr stark abgedeckt. Die Region ist stark und scheint ‚aus allen Nähten zu platzen‘, sodass der Französische Präsident das Projekt des Grand Paris forciert (Finkenzeller, Ostermeier 2009: S. 89). Rhône-Alpes stellt sich als dynamischer Witschaftsraum dar, der sich auf den wirtschaftlichen Zweig von Technologie und Forschung spezialisiert hat. Die Nähe zur französischen Hauptstadt ist einerseits positiv zu bewerten, da von dort aus das Abschöpfen von Witschaftspotential machbar ist und gleichermaßen der Anschluss zur Internationalität durch die Verkehrsinfrastrukturen gewährleistet ist (Finkenzeller, Ostermeier 2009: S. 89). PACA stellt eine Region dar, die an der Periepherie liegt und sich eigenständig entwickelt und in dieser Eigenheit eine Sonderstellung einnimmt. Als drittstärkste Region in Frankreich verfügt die Region über gute Chancen aktiv Entwicklungen anzutreiben und laut Dupont (vgl. Interview im Anhang, S. 130ff.) ist eine Aufbruchstimmung zu erkennen. Die Daten des INSEE verzeichnen auch eine positive Entwicklung in den Schlüsselbereichen wie der Bevölkerungsentwicklung, Arbeitslosenquote und Wirtschaftsleistung (vgl. dazu SUD INSEE 2003 u. 2006). Die Aktualität dieser Bereiche müsste aufgrund der Finanzkrise 2009 aber sicherlich nochmal genauer betrachtet werden. Dazu liegen bisher keine aktuellen Ergebnisse vor.

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Die Innovations- und Wettbewerbsfunktion Innovations- und Wettbewerbsfunktion Île-de-France

Rhône-Alpes

PACA

¨ WIRTSCHAFTLICHE UND TECHNISCHE INNOVATION F&E -Einrichtungen, wissensintensive Dienstleister, Forschungsinstitute

Abb. 25: Vergleich Innovationen (Wirtschaft & Technik)

Städte sind Märkte. Märkte sind Zentren für Wettbewerb aber auch Innovationen. In der Bewertung dieses Blocks schätzt die Projektgruppe die Region Île-de-France nach wie vor als den dominierenden Standort ein. Betrachtet man die Verteilung der Universitäten in Frankreich stellt sich dar, dass die meisten Universitäten (insbesondere Exzellenzuniversitäten) in Paris angesiedelt sind. (Mérienne 2003: S. 24) Die Region Rhône-Alpes hingegen wird auch gut bewertet, da diese eine hohe Anzahl an privaten Forschungs- und Technologieinstituten aufweist und Wissen stark mit Wirtschaft verknüpft wird sowie Werte generiert werden. (SUD INSEE 2006: S. 4; Finkenzeller, Ostermeier 2009: S. 89 u. Mérienne 2003: S. 37)

Die Region PACA steht in dieser Entwicklung ein wenig zurück, organisiert sich zur Zeit aber zum Positiven in diesen Bereichen. Es ist ein Aufwärtstrend zu verspüren sowie die Bemühungen sich von den alten Industrie- und Wertschöpfungstrukturen zu lösen. Der Überhang im Dienstleistungssektor spricht für sich. 8 von 10 Arbeitsplätzen werden vom tertiären Sektor besetzt (SUD INSEE 2006: S. 5f.). Die Forschungs- und Bildungslandschaft scheint an dieser Stelle im Gesamtvergleich ein wenig schwächer ausgeprägt zu sein.

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Die Île-de-France ist mit ihrer Metropole Paris das kulturelle Zentrum Frankreichs. Dort wurden die meisten Entscheidungen und historischen Ereignisse der Französichen Geschichte eingeleitet, denkt man beispielsweise an die Französische Revolution, die Friedensverträge von Versailles und ähnliche historische Ereignisse. Diese Metropolregion ist Anziehungpol nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Kulturträger und ist Raum sozialer Interaktionen, Reibungen und Austausch. Kultur- und Sozialpolitik ist Nationalangelegenheit, die in den Städten ausgelebt wird. So gibt es in Frankreich themenbesetzte Tage im Jahr wie, das Fest der Musik oder das Fest der Lichtspiele, an denen die französischen Städte teilnehmen und Teil nationalen Bewusstseins für Kunst & Kultur werden. In Deutschland ist dies nicht so stark ausgeprägt.

¨SOZIALE UND KULTURELLE INNOVATION Kulturelle Einrichtungen, Orte sozialer Kommunikation, neue Lebensformen, metropolitaner Habitus, Integration

Abb. 26: Vergleich Innovationen (Soziales & Kultur)

Soziale und kulturelle Innovation lässt sich schwer auf einen Nenner bringen. Vielmehr ist dies vom Lebensraum abhängig und reguliert sich in den diversen Milieus der Städte. Paris gilt als Künstlerstadt, während Lyon mit der Seidenweberei einen industriekulturellen Schwerpunkt legt. Marseille hingegen kultiviert sich über das Arbeitermilieu während die Bourgeoisie in Aix-en-Provence ihre Ausdrucksform in der Architektur und Lebensweise fand. In allen Städten und Metropolen ist eine Form von kultureller und sozialer Innovation vorhanden. An der Stelle muss überlegt werden, welche Indikatoren in den entsprechenden Räumen sinnvoll wären. Dies könnte beispielsweise der Indikator: Integrationsarbeit sein, der für Marseille als Stadt mit hohem Bevölkerungsanteil aus dem maghrebinischen Raum interessant sein könnte.

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Die Gateway-Funktion Gateway-Funktionen Île-de-France

Rhône-Alpes

PACA

¨ ZUGANG ZU MENSCHEN Verkehrsknotenpunkte, Luftverkehr, Schienenverkehr, öffentlicher Nahverkehr

Abb. 27: Vergleich Gateway-Funktion

Metropolregionen in ihrer Funktion als verbindendes Gateway zwischen globaler und lokaler Ebene weisen einen hohen Grad an Mobilität von Menschen auf. Indikatoren für diesen Austausch von Menschen sind beispielsweise die Fluggastzahlen. Die Île-de-France vezeichnet mit seinen Flughäfen ein Passagieraufkommen von ca. 138 Mio. pro Jahr (2003) während Rhône-Alpes 2003 ein Passagieraufkommen von knapp 6 Mio. aufweist. Die Region PACA befördert immerhin mit 15 Mio., gut das Doppelte im Vergleich zur Region Rhône-Alpes (vgl. dazu Grafik „Regionsvergleich“ Abb. 5). In der Region PACA liegt dies vor allem am Faktor Tourismus, werden die Städte Cannes und Nizza mit einbezogen (Mérienne 2003: S. 24, 36f.).

Fluggastbeförderung ist der Indikator, der den internationalen Austausch und die Konnektivität der Metropolregionen in den globalen Kontext stellt. Dabei reicht die Bandbreite des Austausches vom Tourismussektor bishin zu wirtschaftlichen Kontakten. ¨ZUGANG ZU WISSEN Medien (Fernsehen, Print, Verlage), Kongresse, Bibliotheken IT-Landscape

Abb. 28: Vergleich Zugang zu Wissen

Die Projektgruppe hat versucht anhand der ihnen vorliegenden Informationen die Vergleichsregionen zu bewerten. Im Vergleich zu den anderen Regionen konzentriert Île-de-France den Zugang zu Wissen auf sich selbst. Indikator dafür sind die Anzahl der Einrichtungen wie Bibliotheken, Archive und der Grad der Ausprägung der Medienlandschaft und Technologie (Blotevogel, Danielzyk 2009: S. 27).

Als Hauptstadt Frankreichs hat Paris und seine Metropolregion im Bereich Wissen die Vorrangstellung. Rhône-Alpes hingegen vernetzt und stellt den Zugang zu Wissen über eine nicht repräsentative-dominante Art und Weise zur Verfügung. Es ist zu bemerken, dass es wahrscheinlich einen Zusammenhang zwischen Wissen, seiner Nutzung und Armut/Reichtum gibt, der an dieser Stelle nicht jedoch belegt werden kann. Indikatoren für eine solche Untersuchung wäre die Anzahl von Internetanschlussen in der Metropolregion und deren Verteilung im Raum sowie 86


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bewertung

ein Screening der Medienlandschaft der zu vergleichenden Metropolregionen. Die Projektgruppe war sich an dieser Stelle sehr uneinig, wie mit diesem Aspekt in der Einordnung der Metropolregionen umgegangen werden sollte. An dieser Stelle müssten wesentlich detailliertere Untersuchungen durchgeführt werden. Die Märkte in den Vergleichsregionen zu charakterisieren ist nur anhand der wirtschaftlichen Dynamik möglich. Da es sich um die drei stärksten Witschaftsregionen in Frankreich handelt und die Île-de-France mit einem Wert von 28% des gesamten Bruttoinlandproduktes die Vorreiterrolle übernimmt, stellt sich die Region Rhône-Alpes mit einem BIP Wert von 9,9% (2003) an die zweite Position, während die Region PACA auf einen Satz von 6,9 % des BIP‘s Frankreichs kommt (vgl. dazu Mérienne 2003: S. 24 u. 36f.). Im Bereich des Sektors Tourismus liegt die Region PACA knapp hinter der Region Île-de-France (vgl. dazu Comité Régional du Tourisme PACA, Nov. 2009). Diese Einschätzung wird auch von der Projektgruppe geteilt. Die Verknüpfung mit den Fluggastbewegungen wird an dieser Stelle sichtbar und zeigt den Zusammenhang zwischen Wertschöpfung und Tourismus. Ein anderer Indikator ist die Anzahl der Übernachtungen sowie die Anzahl an Betten und Hotels, die in den entsprechenden Regionen zur Verfügung stehen. Die Nähe zum Meer und die naturräumlichen Gegebenheiten spielen in den Regionen auch eine richtungsweisende Rolle. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Region Île-de-France durch ihre historische Strahlkraft und den kulturellen Einrichtungen einen Schwerpunkt in Tourismus legt, während sich die Region PACA mehr auf die Nähe zum Meer und das günstige Klima ausrichtet und im Winter die „Alpen im Rücken hat“ (vgl. SUD INSEE 2001: S.

¨ZUGANG ZU MÄRKTEN Messen, Austellungen, Tourismus

Abb. 29: Vergleich Zugang zu Märkten

3).

Tourismus ist in der Region PACA somit transsaisonal zu betrachten. Die Höhepunkte werden im Sommer an der Küste und im Winter in den Bergen erzielt. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Region. 87


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bewertung

Die Symbolfunktion Île-de-France

Rhône-Alpes

PACA

Symbolfunktionen ¨ BRANDING & MARKETING Kultur, Geschichte, Mythos, Theater, Museen, Kunst, Musik, Medien, Events, Architektur, Stadtgestalt, Image

Abb. 30: Vergleich Symbolfunktion

Die Symbolfunktion von Metropolregionen meint nicht nur die bauliche Ausprägung sondern auch das Erschaffen von Zeichen, Bedeutungen, Bildern und Symbolen mit der die Metropolregion in den Köpfen der Menschen lokal und global verankert wird. Indikatoren dafür sind beispielsweise Events, Ereignisse, die Architektur oder die Attraktivität durch die Schaffung von Lebensqualität. Simon Anholt weist in einem Interview im Wirtschaftsmagazin „brand eins“ auf die Irrationalität hin, mit der die Menschen die Entscheidung über ihren Wohnort treffen (Albers 2009: S. 60ff.), nämlich dass die subjektive Wahrnehmung der Menschen über eine Stadt den Ausschlag für die Entscheidungen gibt und nicht unbedingt die harten Standortfaktoren. Die Île-de-France wird mit ihrer Ausstrahlungskraft an dieser Stelle sehr positiv bewertet. Dies liegt daran, dass ihr abstraktes Bild, ihr Image, ihre Symbolkraft wesentlich deutlicher und anerkannter ist als in den beiden anderen Regionen Rhône-Alpes und PACA. In ihrem Aufsatz „Metropolregionen in Frankreich - aktuelle Tendenzen in der französischen Raumordnungspolitik“, spricht Heidi Megerle von der Unausgeglichenheit der Metropolregionen in Frankreich (vgl. Schwerpunk PLANERIN 2008: S. 38ff.) und macht auf das Fehlen von Metropolitan Growth Areas der Kategorien 1 und 2 aufmerksam. Die Metropolregionen Lyon und Marseille werden der Kategorie 3 zugeordnet. Gerade diese Diskrepanz zeigt die fehlende Symbolkraft der Metropolregionen Rhône-Alpes und PACA auf. Die Île-de-France spielt im internationalen Vergleich demnach in einer ganz anderen Liga der Weltstädte und Regionen.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Bewertung

Zwischenfazit An dieser Stelle schließt das erste Stimmungsbild mit Queruntersuchung der Region PACA und den Vergleichsregionen Île-de-France und Rhône-Alpes. Die Schwierigkeiten einer Einordnung und Bewertung werden deutlich, da die Metropolregionen über eine Ebenenkonvergenz verfügen, die bei einer detaillierten Betrachtung mit einbezogen werden muss. Dies bedeutet, dass man sich vom Gedanken verabschieden muss, eine Region im gesamten Umfang analysieren zu können. Vielmehr geht es darum die Stellschrauben auf den verschiedenen politischen, administrativen und gesellschaftlichen Ebenen zu identifizieren, um Handlungsansätze für die Herausforderungen zu entwickeln. Die Territorialreform nach Balladur kann an dieser Stelle eine Grundlage bilden um beispielsweise völlig neu über die Organisation der administrativen Ebenen nachzudenken. Dies kann über Themenfelder und mit ihnen verbundene Kompetenzen geschehen, die auf die entsprechenden territorialen und administrativen Ebenen verteilt werden können. Der nächste Abschnitt definiert die Themenfelder und deren sinnvolle Einordnung auf die administrativen Ebenen um die Ergebnisse visuell in einer Matrix zusammenzufassen.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Konzept

Konzept Themenfelder

Die Entwicklung der Themenfelder erfolgte über die Betrachtung der Metropolfunktionen. Themenfelder sind Fachthemen oder Fachbereiche, die in der Region PACA von Bedeutung sind. Eine Liste der gewählten Themenfelder ist links (Abb. 29) zu finden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass diese Auswahl noch weiter diversifiziert werden kann, aber immer im Kontext der vorher beschriebenen Funktionen steht. Je detaillierter die Wahl der Themenfelder ist, desto besser lassen sich Indikatoren entwickeln, die für eine detaillierte Analyse notwendig sind.

Indikatoren Themenfelder ¨ BEVÖLKERUNG

¨ SIEDLUNGSSTRUKTUR

¨ WIRTSCHAFTSKRAFT

¨ BILDUNG, FORSCHUNG, ENTWICKLUNG

Zusammenhang der Themenfelder erkennen! ¨ VERKEHR

¨ UMWELT UND TOURISMUS

¨ FINANZEN UND FÖRDERMITTEL

Es sollte darauf geachtet werden, dass die Themenfelder untereinander im Zusammenhang stehen und die Zusammenhänge erkannt werden. So kann das Thema Beschäftigung beispielsweise in Zusammenhang mit den Themen Bevölkerungsentwicklung und -struktur sowie ökonomische Leistung gebracht werden.

europäische Ebene nationale Ebene regionale Ebene departementale Ebene interkommunale Ebene Abb. 32: Matrix-Dummy 90

kommunale Ebene

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Abb. 31: Indikatoren - Themenfelder

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Konzept

Querschnittsthemen

Neben den Themenfeldern lassen sich für die Metropolregion auch einige Querschnittsthemen benennen. Querschnittsthemen sind Aufgaben oder Eigenschaften im öffentlichen Leben, die Themenfeldübergreifend wirken. Eine Liste der gewählten Querschnittsthemen ist rechts (Abb. 30) zu finden. Diese haben sich im Rahmen der Projektarbeit und der Beschäftigung mit dem Thema und den Interviews, die bei der AgAM und mit Prof. Motte geführt worden sind, herausgebildet (siehe Anhang - Interviews).

Indikatoren Querschnittsthemen ¨ POLITIK

¨ IDENTITÄT

¨ ADMINISTRATION

Die Themenfelder und Querschnittsthemen werden zusammengeführt. In diesem Zusammenhang stehend, kann die Bedeutung der Themen auf den verschiedenen administrativen Ebenen bewertet werden. Die Bewertung der Bedeutung der Themenfelder und Querschnittsthemen wird im folgenden Abschnitt vorgenommen.

¨ AKTIVITÄT & HANDLUNGSFÄHIGKEIT

¨ BÜRGERNÄHE

¨ PROFILIERUNG

Abb. 33: Indikatoren - Querschnittsthemen

Wie ist die Matrix zu lesen? Die Betrachtungsebenen setzten sich aus den räumlichen Ebenen des französischen Planungssystems zusammen und beschreiben hierarchisch von Oben nach Unten die europäische, nationale, regionale, departementale, interkommunale und kommunale Ebene. Wie die Themen mit den Ebenen zusammengeführt werden, zeigt sich im MatrixDummy (Abb. 31) auf der linken Seite. In den Zeilen die administrativen Ebenen, in den Spalten die Themenfelder und Querschnittsthemen. 91


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Konzept

Erfassung der Themenfelder und Querschnittsthemen in der Matrix Herangehensweise Um die Analyse der Metropolregion PACA in einen übersichtlichen Zusammenhang zu setzen, bedient sich das Projekt einer Matrix und Indikatoren aus den untersuchten Themenfeldern. Die Themen wurden entsprechend ihrer Rolle für die Region gewählt und aus den Metropolfunktionen abgeleitet (siehe Abschnitt Metropolfunktionen S. 76f.).

Aufbau der Matrix Die Matrix ist in eine vertikale und horizontale Ebene aufgebaut. Da sich das Projekt mit den verschiedenen Territorialstrukturen Frankreichs beschäftigt, bedient die Vertikale die verschiedenen administrativen Ebenen. Diese reichen von der europäischen Ebene bis hin zur kommunalen Ebene während die Horizontale die gewählten Perimeter aus den abgeleiteten Themenfeldern und Querschnittsthemen der Region PACA abbildet. Auf diese Art und Weise lässt sich nachvollziehen, welche Themen auf welcher Ebene abgedeckt werden. Ziel ist es, eine Übersicht zu erstellen, aus der sich ablesen lässt, welche der Ebenen im Kontext einer reformorientierten Handlungsstrategie angesteuert werden muss, um Verbesserungen herbeizuführen. Die Matrix soll in übersichtlicher Form die Ansatzpunkte aufzeigen und das nächste Kapitel „Drei Szenarien für die Region PACA“ (S. 104ff.) einleiten.

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Die Einordnung und das Bewertungsystem Die Einordnung und Bewertung der Themen erfolgt über ein Sternsymbol. Es gibt zwei Ausprägungen: von Bedeutung sehr bedeutend

Um einen Schwerpunkt innerhalb des Matrizensystems vornehmen zu können, wurde der Stern in eine Gewichtung unterteilt. Der halbe Stern weist auf ein Thema hin, das bedeutend ist, während der volle Stern eine komplette Gewichtung auf die entsprechende Ebene legt. Damit lässt sich erkennen, welcher Ebene in Verbindumg mit welchem Themenfeld eine besondere Gewichtung zukommt. Die zusätzliche Einfärbung der Sterne ermöglicht die visuelle Verbindung zwischen Bedeutung und Ebene. Sind alle Themenfelder durch das Setzen der Sterne abgedeckt, sollte erkennbar sein, welche administrativen Ebenen besonders aktiv sind und welche weniger bedeutenden Einfluss auf die gewählten Themenfelder und Querschnittsthemen haben. Für die spätere Bewertung der Analyse lassen schließlich aus der Matrix die Elemente abbilden, die für die Interpretation benötigt werden um eine Grundlage für die Handlungsempfehlungen zu erstellen.

ke it

ig

EM B e EN vö FE l L Si ker DE ed un R lu g W ng irt se n s Bi cha twi ld ft ck u s k lu Ve ng, raf ng rk Fo t e r Um hr & sch u w M ng el ob . & Fi t & i na li E nz Tou tät ntw en ri . & sm Fö us Q rd U er ER m itt Po SC el lit HN ik IT Id T ST en H tit EM Ad ät & EN m P i Ak nis rof ili t v tr e itä at io run t & Bü n g rg Han er dlu nä he gsfä

Die Matrix in ihrer unbewerteten Form stellt sich dann folgendermaßen dar:

h

TH

n

i

europäische Ebene nationale Ebene regionale Ebene departementale Ebene interkommunale Ebene kommunale Ebene

Abb. 34: Matrix - unbewertet 93


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Die Ebenen der Matrix

Europäsiche Ebene Die Europäische Ebene ist in der Matrix nicht besonders stark gewichtet. Ihre Rolle findet jedoch Gewichtung in der Auseinandersetzung mit dem internationalen Wettbewerb. Im Abschnitt „Regionen“ wurde auf das Wertschöpfungspotential dieser Ebene hingewiesen. Diese Regionen treten gegen- und miteinander im internationalen Wettbewerb an. Daher ist die europäische Ebene für die Szenarioentwicklung der Region von Bedeutung und sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Nationale Ebene Die Nation ist in der Raumordnungspolitik nach wie vor ein Schwerpunkt. Auch wenn Frankreich sich vom Zentralismus verabschiedet hat, ist das Bild, welches sich über zwei Jahrhunderte als historische Raumstruktur etabliert hat, immer noch in den Köpfen der Bürger der „Grande Nation“ verankert. Paris ist und bleibt ein Stereotyp für den Zentralismus. Was sich ändert sind jedoch die Anforderungen an das Land, z.B. durch die Globalisierungstendenzen. Dies ist die Ausgangslage für das Umdenken in der französischen Raumordnungpolitik in Frankreich, welches vor ca. 30 Jahren unter der Regierung von Mitterand initiiert wurde.

Region Die Ebene der Region weist die meisten Schwerpunkte auf. Mit den Dezentralisierungsgesetzen strebt die französische Regierung eine regionale Raumentwicklung an, die allerdings immer noch stark vom Zentralismus überschattet wird. Die raumrelevanten Entscheidungen werden nicht mehr primär in Paris getroffen, sondern vielmehr an den ensprechenden Stellen (Gebietskörperschaften) und deren Kompetenzen (Subsidiaritätsprinzip). Die Region ist die Ebe94


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ne, auf der die Wertschöpfung des Nationalstaates generiert wird. Neben der Île-de-France (Großraum Paris) und der Region Rhône-Alpes (Lyon) bildet die Region Procence-Alpes-Côte d‘Azur (Marseille) die wirtschaftlich drittstärkste Region Frankreichs. Diese Stellung gilt es auszubauen und sich den Anforderungen und dem Wettbewerb untereinander und im europäischen Kontext zu stellen.

Departement Die Gewichtung des Departments fällt „schwach“ aus. Dies kann folgende Gründe haben. Erstens: Die Perimeter zur Bewertung in der Matrix wurden schlecht gewählt; oder Zweitens: das Department hat funktional nicht mehr die Kompetenzen, über die es einst verfügte. Aus der Matrix geht hervor, dass es sich vorwiegend um eine administrative Gebietskörperschaft handelt, die das ‚Controlling‘ für die Entscheidungen, die auf kommunaler Ebene getroffen werden, übernimmt. Der Verlust oder vielmehr das Abtreten der ursprünglichen Kompetenzen ist in der Dezentralisierungspolitik der letzten Jahrzehnte begründet.

Interkommunalität Interkommunalitäten als das „Irgendwiedazwischen“. Die Ebene der Interkommunalität wurde als dritter Schwerpunkt identifiziert. Mit der Loi Joxe stieg die Anzahl der interkommunalen Verbände in den 90er Jahren stark an und übernahmen Kompetenzen der Kommunen, die an gemeinsamen Projekten arbeiteten. Dabei geht es um öffentliche Aufgaben, die gemeinsam effizienter abgewickelt werden können, um Ressourcen einzusparen. Ein Beispiel dafür ist die Müllentsorgungswirtschaft, die nicht mehr von den einzelnen Kommunen durchgeführt wird, sondern im Verbund. 95


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Die Frage die sich hier stellt ist: Welche zukünftigen Aufgaben und Anforderungen werden an die interkommunalen Verbände gestellt, sollte es tatsächlich zu einer Territorialreform kommen, wie Balladur sie angekündigt hat. Eine Neubewertung und Einordnung dieser Ebene wäre in diesem Kontext unbedingt erforderlich.

Die Kommune Die Kommune bildet das eigentliche Rückgrat des gesamten französischen Territoriums. Unabhängig auf welcher Ebene Entscheidungen über Projekte oder raumpolitische Themen getroffen werden - die Kommune ist die Gebietskörperschaft, die unmittelbar betroffen ist und bildet die Ausführungsebene. Daher bekommt sie eine besonders wichtige Rolle zugeschrieben, da es sich um das Territorium handelt, das im Kollektiv für die Wertschöpfung des Landes zuständig ist. Neben dieser Ausführungsrolle übernimmt sie auch die bürgernahen Services und bildet zusammen mit den Interkommunalitäten die Schnittstelle zur Region.

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Bewertungen in der Matrix

EM B e EN vö F E l L Si ker D ed un R lu g W ng irt se n s B cha twi ld ft ck u s k lu Ve ng, raf g rk Fo t eh rs Um r & ch u w M ng el o Fi t & i . & n li E nz T u tät nt en . i & sm u ör s Q de U ER rm S itt Po C el lit HN ik IT Id TS TH nt i EM A ät m P i of Ak nis ili tiv t r e itä at io run t Bü & H n rg an er dlu n n he gsfä h

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Die unten abgebildete Matrix (Abb. 32) veranschaulicht die Bewertung der verschiedenen administrativen Ebenen in Kombination mit den Themenfeldern und den spezifischen Querschnittsthemen des Bezugsraumes Region PACA.

r

ä

d

europäische Ebene nationale Ebene regionale Ebene departementale Ebene interkommunale Ebene kommunale Ebene Bewertung

von Bedeutung sehr bedeutend

Abb. 35: Matrix - bewertet Auswertungsmuster:

Bewertungsmuster - unsortiert

Abb. 36: Bewertungsmuster - unsortiert

Das links abgebildete Bewertungsmuster der Matrix (Abb. 33) zeigt bereits deutlich welche Ebenen besonders angesteuert werden und ‚wer‘ die Gestalter der Region sind. Die kommunale und interkommunale Ebene sind besonders stark gewichtet.

Auswertung sortiert:

Bewertungsmuster - sortiert Wird das Bewertungsmuster sortiert, stellt sich die Schwerpunktverteilung noch deutlicher dar (Abb. 34).

Abb. 37: Bewertungsmuster - sortiert

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Auswertung Werden die Sterne addiert zeigt sich folgendes Bild: TF

QT

2,0 0,5

2,5

3,5 3,0

6,5

3,0 2,5

5,5

2,0 1,5

3,5

5,5 4,5

9,0

6,5 5,0

11,5

9,0

MAKROEBENE

9,0

METAEBENE

20,5 MIKROEBENE

Die Nennungen unter „TF“ bilden die Ergebnisse des Bereiches „Themenfelder“ ab. „QT“ steht für die „Querschnittsthemen“ der Region, während die bunt hinterlegten Werte die Zusammenfassung der Themenfelder und Querschnittsthemen bildet. Werden die Ebenen als Paare verstanden, bildet sich der Schwerpunkt der Untersuchung auf der Mikroebene ab (hier: kommunale und interkommunale Ebene). Die Ebenen des Departments und der Region bilden die Metaebene, während die nationale Ebene und die europäische Ebene die Makroebene darstellt. Die Gewichtung der Untersuchung beschränkte sich auf die Themenfelder, die im folgenden Abschnitt kurz beschrieben und begründet werden.

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Themenfelder und Querschnittsthemen

Die Themenfelder wurden, wie in auf S. 90 beschrieben, aus dem Model der Metropolfunktionen entwickelt. Sie bilden die Indikatoren für eine detaillierte Untersuchung (Monitoring). Aufgrund der begrenzten Bearbeitungszeit des Projekts und der begrenzten Kapazitäten, kann dieses Projekt eine Grundlage für weitergehende Untersuchungen schaffen.

Bevölkerung Die Bevölkerungsentwicklung und die demografische Struktur ist für die Betrachtung der Region PACA von großer Bedeutung. Über das Statistische Amt stehen diese Informationen zur Verfügung und sind als wichtiger Indikator für die Bewertung einzustufen. Die Bezugebene der Bevölkerung ist hauptsächlich die kommunale und interkommunale Ebene, also die unmittelbare Umwelt der Bürger.

Siedlungsentwicklung Wer macht und steuert die Siedlungsentwicklung in der Region? Aus Untersuchungen und Interviews des Projektes wurde deutlich, dass die kommunale und interkommunale Ebene dabei am aktivsten ist. Das Department hingegen legt seinen Fokus lediglich auf die Außenentwicklung (vgl. Interview Dupont: S. 134) in den ländlichen Gebieten.

Wirtschaftskraft Die Wirtschaftskraft ist ein Indikator für die Attraktivität von Städten. Wo Arbeitsplätze vorhanden sind, ziehen Menschen hin. Dieser Indikator lässt sich weiter aufschlüsseln in Beschäftigung und ökonomische Leistung. Die Bezugsebene der Wirschaftskraft ist hauptsächlich die Kommune und die Interkommunalität. Für die Region ist die Wirtschaftskraft als Indikator der Entwicklungsdynamik wichtig. Letztere bildet einen Faktor für die Attraktivität der Region für Unternehmen des tertiären Sektors. 100


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Bildung, Forschung & Entwicklung Bildung, Forschung & Entwicklung bilden das Themenfeld, welches sich vorwiegend auf die Ebene der Kommunen, der Region und die nationale Ebene bezieht. Auf regionaler Ebene sind die Forschungs- und Bildungseinrichtungen von hoher Bedeutung, während Hochschulentwicklung nationales Thema ist. Die Grundschulen sind auf kommunaler Ebene rückgebettet. Kommunen sind zudem die Anbieter von Forschungs- und Entwicklungsclustern.

Verkehr & Mobilität Das Thema Verkehr und Mobilität ist das am intensivsten bewertete Themenfeld und ist gleichzitig auch ein Indikator im Sinne von Erreichbarkeit und Austausch im Untersuchungsraum (vgl. dazu Kapitel Metropolfunktionen S. 76ff.). Dieses Thema zieht sich vom nationalen Kontext, der in der Region PACA stark mit Tourismus verknüpft ist, über den Anschluss an das TGV-Netz, Autobahnen, auf Ebene des Departments geht es um den Umgang mit den Pendlerströmen (beispielsweise Marseille-Aix). Der öffentliche Nahverkehr ist auf der kommunalen oder interkommunalen Ebene organisiert.

Umwelt & Tourismus Umwelt und Tourismus treten als Paar auf. Das Thema Umwelt ist insbesondere durch den Einfluss der Europäischen Union (EU) von Bedeutung. Das Thema Tourismus durch den Bekanntheitsgrad des französischen Südens als Reiseziel ebenfalls. Auf der nationalen Ebene bekommt der saisonale Tourismus eine besondere Rolle zugeschrieben. Während im Sommer besonders die Küstenregionen frequentiert werden, sind im Winter die Skigebiete von großer Bedeutung. Tourismus und Umwelt sind Dauerthema und wichtiger Wirtschaftsfaktor auf Makro und Mikroebene in der Region PACA. 101


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Finanzen & Fördermittel Das Themenfeld der Finanzen und Fördermittel ist auf der nationalen Ebene von Bedeutung. An dieser Stelle wird über die Verteilung finanzieller Ressourcen entschieden. Zweiter starker Schwerpunkt liegt auf den Kommunen, die ihre Steuersätze selbst erheben können. Fördergelder also auf Makroebene - Steuern und Ressourcen auf der Mikroebene. Die Metaebene mit der regionalen und departementalen Ebene übernimmt nur Verteilerfunktion.

Politik Im Interview mit Dupont zeigte sich, dass die Mentalität der Politiker eine große Rolle im Netzwerk der ‚Entscheider‘ spielt. Die Problematik der Politik bezieht sich im Wesentlichen auf die Divergenz kommunaler und nationaler Interessen. Daher wird dieses Querschnittsthema schwerpunktmäßig auf der nationalen Ebene und mit starker Bedeutung auf der Ebene der Kommunen und Interkommunalitäten gesehen.

Identität & Profilierung Mit Identität und Profilierung ist die Symbolwirkung des Untersuchungsraumes gemeint. Die Perzeption ändert sich auf den verschiedenen Ebenen. Die Ebene der Region stellt die Frage nach iher Ausstrahlungskraft (vgl. dazu Kapitel Metropolfunktionen S. 76ff.). Dabei stellt die Mikroebene mit der kommunalen und interkommunalen Ebene den Rückbettungsraum für die Identität der Menschen vor Ort (vgl. dazu Guigou 2000: S. 66 ff.) dar.

Administration Die Ebenen, die am stärksten von der Verwaltung berührt werden sind auf der nationalen, departementalen und kommunalen Ebene vorzufinden. Am Departement wird besonders deutlich, dass keine Inhalte entschieden werden, sondern der Präfekt als politisch neutraler ‚Controller‘ ein102


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gesetzt wird. Auf der nationalen Ebene werden in Frankreich nach wie vor Verwaltungsentscheidungen gemacht, die sich unmittelbar auch auf die kommunale Ebene auswirken. Die kommunale Ebene bildet die Durchführungsebene.

Aktivität & Handlungsfähigkeit Anhand der Untersuchungen im Rahmen des Projektes hat sich gezeigt, dass die Mikroebene, also die Ebene der Kommunen und Interkommunalität am aktivsten im Planungssystem in Frankreich ist. Die Selbstverwaltungsgarantie der Kommunen ermöglicht es Handlungspielräume ausnutzen zu können und inhaltliche Vorgaben zu machen. Daher der sehr bedeutende Schwerpunkt auf der Mikroebene.

Bürgernähe Die Kommune ist die Ebene an die sich die Bürger mit ihren Belangen wenden und auf der die Kommune ganz ihren Service anbietet - daher sehr bedeutend bewertet. Auf interkommunaler Ebene wird die Bürgernähe auch zum Thema, wenn es beispielsweise um die gemeinsame Müllentsorgungswirtschaft geht. Im Bereich Transport findet sich die departementale Ebene wieder, die beispielsweise den öffentlichen Pendlerverkehr organisiert.

Zusammenfassung

TF

An dieser Grafik wird sichtbar, dass die Gewichtung der Mikroebene besonders stark ausfällt. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Themenfelder nicht abschließend zu betrachten sind (vgl. Abschnitt Themenfelder S. 100) sondern auf den verschiedenen Ebenen unterschiedliche Schnittstellen mit gemeinsamen Schnittflächen in enger Verbindung stehen. Im Zusammenhang mit dem „Rapport Balladur“ gilt es die entsprechenen Themen auf den Ebenen zu identifizieren und als Ansatzpunkte oder Stellschrauben in der Szenarienentwicklung zu sehen.

2,0 0,5

2,5

3,5 3,0

6,5

3,0 2,5

5,5

2,0 1,5

3,5

5,5 4,5

9,0

6,5 5,0

11,5

QT

9,0

MAKROEBENE

9,0

METAEBENE

20,5 MIKROEBENE

Abb. 38: Summe der gewichteten „Sterne“

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Drei Szenarien für die Region PACA

Die Bewertung der drei Räume Île-de-France, Rhône-Alpes und Provence-Alpes-Côte d‘Azur anhand der Matrix im vorangegangen Kapitel soll in diesem Kapitel seine Fortsetzung finden. Bezugnehmend auf die Fragestellung dieser Projektarbeit, wie sich die Reformvorschläge des Komitee Balladur auf die Region PACA auswirken, wird in diesem abschließenden Teil der Arbeit die Szenario-Methode angewendet um mögliche Entwicklungsperspektiven in der Region PACA aufzuzeigen. Es werden drei Szenarien aufgestellt: Zunächst die „Nullhypothese“, wie wird sich die Region PACA entwickeln, wenn alles so weiterläuft, wie bisher und keiner der Reformvorschläge umgesetzt wird. Als Zweites wird ein gemäßigtes bzw. als realistisch anzusehendes Szenario entwickelt. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die wichtigsten Reformvorschläge des Komitee Balladur in die Tat umgesetzt werden. Das dritte Szenario wird eine grundlegende Reform der Gebietskörperschaften, des kommunalen Finanzsystems und Verfassungsänderungen als gegeben annehmen und die möglichen Folgen für die Region PACA darstellen. Da eine Region ein zu komplexes Gebilde ist, um es komplett in einem Szenario darzustellen werden Teilbereiche gewählt um die Entwicklungen deutlich zu machen. Es wird zum Einen auf die territoriale und administrative Dimension der Veränderungen eingegangen und zum Anderen auf ein Fachthema in der Region.

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Die Szenario-Methode wurde gewählt, da sie es ermöglicht “die Komplexität gesellschaftlicher Verhältnisse” und “unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten” darzustellen. Szenarien sollen die Situation bildhaft-anschaulich verständlich machen, sie sind neutral und geben eine prognostizierte Realität wieder. Die Szenarien, die hier entwickelt werden sind explorativ. Unterschiedliche Ansätze und Tendenzen, die heute bereits sichtbar sind, werden in die Zukunft projiziert und zu unterschiedlichen Zukunftsbildern verdichtet. (ILS, 1989, S. 11) Die Szenarien werden anhand folgender Kriterien erarbeitet: • Auswirkungen auf die administrative und territoriale Ebene (PACA, Departements, EPCI, Kommunen = Grenzen und Zuständigkeiten) • Auswirkungen auf die Bürger (Dienstleistungen, Wahlen o.ä.) • Erfordernis weitergehender Reformen (kommunale Finanzen, VI. Republik) • Internationale Wettbewerbsfähigkeit • Maß der Polyzentralität (Infrastrukturausbau, Kooperation, wirtschaftliche Verflechtungen) In jedem Szenario wird die geschätzte Entwicklung jedes Kriteriums festgelegt. So kann leicht nachvollzogen werden, welche "Stellschrauben" (Kriterien) verändert werden müssen, um ein Szenario in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen. Die Szenarien könnten somit zur Unterstützung einer politischen oder öffentlichen Meinungsbildung genutzt werden.

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Szenario 1: „Nullhypothese“

Die „Nullhypothese“ beschreibt den Fall, dass keine Reformen oder ähnliche Änderungen vorgenommen werden. In diesem Fall ist mit Blick auf die Nachbarländer und die Frage, wie sich französische Regionen im europäischen Kontext einordnen können, von einem negativen Entwicklungstrend in der Region PACA auszugehen. Die verworrene und vielschichtige Verwaltungsstruktur von der kommunalen bis hin zur regionalen Ebene bleibt bestehen. Damit verbunden ist eine mangelnde Effizienz in der Entscheidungsfindung und „administratives Stückwerk“ innerhalb der Regionsgrenzen. Das Thema Governance spielt in dieser Zukunft keine Rolle, da keine gemeinsamen regionalen Kooperationsstrukturen bestehen. Die weiterhin bestehende territoriale Zersplitterung des Raumes bindet viele öffentliche Ressourcen, die für kreative, zeit- und kostenintensive Zukunftsvisionen fehlen. In dieser Zukunft verstärken sich lokale Vorbehalte und „einfältige“ Kooperationsstrukturen. Das Thema Solidarität in Entwicklungsräumen und zwischen Kommunen spielt kaum eine Rolle mehr. Für die Bürger ergeben sich in dieser Zukunft eine Menge Probleme. Öffentliche Leistungen werden auf Grund von Geldknappheit und uneffizienten Verwaltungsstrukturen gekürzt. Die Suburbanisierung der Wohnbevölkerung wird sich fortsetzen und die Pendlerströme in die Städte werden zunehmen. Größere Städte wie bspw. Marseille und Toulon werden einkommensstarke Einwohner verlieren. Dies führt zu einer Häufung von Transferleistungsempfängern und einkommensschwachen Haushalten, die die öffentlichen Kassen zusätzlich belasten. Der Wettstreit der Kommunen um Steuereinnahmen führt zu egoistischem Verhalten und letztlich zu einem Sinken der Lebensqualität in der gesamten Region. 106


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Die internationale Wettbewerbsfähigkeit kann nur anhand der Tourismus-Region Côte d‘Azur und großen Einzelprojekten wie z.B. der Euroméditerrannée in Marseille angestrebt werden. Ein systematisches Heranführen der Region an die europäische Ebene und das Generieren internationaler Aufmerksamkeit ist auf Einzelaktionen beschränkt. Langfristige Perspektiven bezüglich einer besseren Positionierung im europäischen Kontext sind hierbei nur vage vorhersehbar. Das Maß der Polyzentralität in der Region PACA wird sich in dieser Zukunft nicht nennenswert entwickeln. Die kommunalen und interkommunalen Beziehungen werden sich einzelfallbezogen weiterentwickeln oder stagnieren. Es gibt weiterhin eine günstige Ausgangslage für effiziente Kooperations- und die Entwicklung von Governance-Strukturen in der Region PACA. Es bleibt jedoch bei der günstigen Ausgangslage, da kommunale Partikularinteressen über denen einer strategischen Entwicklung der Region auf interkommunaler und regionaler Ebene stehen. Die Hoffnung, auf Entwicklungsperspektiven beschränkt sich auf den Prozess der Selbstregulierung und ist schwerpunktmäßig an ökonomische Entwicklungen gebunden. DIESE ZUKUNFT

ZUKUNFT DER „PATRIOTEN UND TRADITIONSORIENTIERTEN OHNE ZUKUNFTSORIENTIERUNG“. IST EINE

Abb. 39: hierarchische Städte-Struktur

Quelle: Guigou, J.-L. (2000): Ein ehrgeiziges Ziel für Frankreich - zur Gestaltung von Raum und Zeit, Peter Lang AG, Bern (Anhang IV. „Die drei Frankreichbilder“) 107


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Szenario 2: „gemäßigte Reformen“ Das Szenario 2 geht davon aus, dass einige der Reformvorschläge umgesetzt werden. Es wird skizziert, wie sich diese „gemäßigten Reformen“ auf die Region PACA auswirken können. Dieses Szenario beruht auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit, soll heißen, dass nur diejenigen von den Reformen „betroffen“ sind, die darum aktiv bitten. Es wird keine „Zwangsreformierung“ (ausgenommen Gesetzesänderungen o.ä.) einzelner Bereiche geben. Angenommen, die Ebene der interkommunalen Kooperation wird gestärkt und die Departements werden für Bereiche, in denen Metropolen entstehen, weitestgehend aufgelöst. Als Folge daraus ergibt sich eine neue, klar zugeordnete Kompetenzverteilung zwischen Region, EPCI / Metropolen und Kommunen. Dies bedeutet einen enormen Effi zienzgewinn in der Verwaltung und in der Entscheidungsfindung. Gleichzeitig ermöglicht diese neue Kompetenzverteilung die Grundlagen für eine „Metropolitan oder Regional Governance“ zu schaffen. Die Stärkung der interkommunalen Ebene wird zu einer intensiveren Kommunikation innerhalb der Region PACA führen. Aus intensiver Kommunikation kann im Erfolgsfall Kooperation entstehen. So könnte langfristig ein polyzentral organisierter Raum entstehen, der effizient verwaltet werden kann. Die Bürger erfahren in diesem Szenario Vereinfachungen im Verwaltungswesen. Die Kompetenzverteilung zwischen den administrativen Ebenen ist klar geregelt und „thematische Bündelungen“, beispielsweise im Bildungssektor, werden vorgenommen. Eine verbesserte Kommunikationskultur zwischen den Kommunen wirkt sich positiv auf die öffentliche Meinung aus. Die Bürger erkennen (kleine) Fortschritte in der Zusammenarbeit an und sehen Zukunftsperspektiven für die eigene Existenz, eine gemeinsame lokale Identität kann sich entwickeln. Die kommunalen Finanzhaushalte 108


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werden weiterhin stark überstrapaziert sein und nur durch effiziente Kooperationsprojekte entlastet werden können. Eine Entspannung ist langfristig jedoch nicht zu erwarten, da die politischen und gesetzlichen Voraussetzungen dafür nicht vorhanden sind. Das Thema internationale Wettbewerbsfähigkeit spielt in dieser Zukunft keine große Rolle. Durch eine verbesserte Governance-Struktur lassen sich regionsweit gemeinsame Themen definieren und mit Leitbildern und -ideen arbeiten. Diese können auf internationaler Ebene bekannt gemacht werden und bieten die Möglichkeit den Bekanntheitsgrad im europäischen Raum zu erhöhen. Großprojekte von „europäischer Dimension“ werden auf Grund der nach wie vor fehlenden gemeinsamen Finanzierungs- und Governancestruktur auf regionaler Ebene, nur im Einzelfall realisierbar sein sowie schwerlich strategisch und langfristig gedacht werden können. In dieser Zukunft erhöht sich das Maß der Polyzentralität nur geringfügig, da sich die Kommunikation und Kooperation zwischen Kommunen auf den engeren Bezugsraum um diese herum beziehen wird. Durch eine verbesserte Kommunikation und interkommunale Kooperation ist der Grundstein für eine „Regional Governance“ gelegt. Die Akteure in den Kommunen und in der Region haben die Möglichkeit langfristig die Kooperation auszubauen, dies wird jedoch dadurch erschwert, dass die Finanzierung von Kooperationsverbänden noch von Einzelentscheidungen auf nationaler Ebene abhängt und nicht durch die sogenannte „propre fiscalité“, also die Möglichkeit der Selbstfinanzierung durch Steuererhebung etc., finanziell unabhängig ist. DIESE ZUKUNFT IST EINE ZUKUNFT DER „KONSERVATIVEN VERFASSUNGSKONFORMEN MIT OPTIMIERUNGSZIELEN“.

UND

Abb. 40: dezentralisierte Städte-Struktur

Quelle: Guigou, J.-L. (2000): Ein ehrgeiziges Ziel für Frankreich - zur Gestaltung von Raum und Zeit, Peter Lang AG, Bern (Anhang IV. „Die drei Frankreichbilder“) 109


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Szenario 3: „VI. Französische Republik? Revolution?“ Das Szenario 3 skizziert eine grundlegende Reform der Gebietskörperschaften, des kommunalen Finanzsystems und gegebenenfalls der Verfassung der V. Französischen Republik. Es geht davon aus, dass sich die französische Politik der Dekonzentration und Dezentralisierung zu 100% anschließt und aller erforderlichen Konsequenzen (neue Gesetze zu den Gebietskörperschaften und dem kommunalen Finanzsystem sowie Verfassungsänderungen) daraus zieht. Es werden neue Gesetze erlassen, die die Gebietskörperschaftsreform und eine Reform des kommunalen Finanzsystems einleiten. Bezogen auf die administrativen Ebenen werden „überflüssige“ oder ineffiziente Strukturen abgebaut. Konkret bedeutet dies, dass die Ebene des Departements aufgelöst wird. Die bisher auf dieser Ebene verwalteten Kompetenzen werden auf EPCI und die vorher Auflösung / Umschichtung Regionen sinnvoll verlagert. Weiterhin europäische Ebene europäische Ebene werden Kommunen nationale Ebene nationale Ebene zusam mengeleg t , regionale Ebene regionale Ebene sodass sich die Zahl departementale Ebene departementale Ebene der Kommunen interkommunale Ebene interkommunale Ebene auf mindestens die kommunale Ebene kommunale Ebene Hälfte reduziert. Orientieren kann Abb. 41: Auflösung der departementalen Ebene man sich dabei an dem Volumen einer Gebietskörperschaft, die eine kritische Einwohnerzahl von bspw. 5.000 Einwohnern erreichen sollte. Regionen sollten eine Bevölkerungszahl von 3 bis 4 Mio. haben. Dies führt zu einer effi zienten Verwaltung der Gebietskörperschaften. Die territorialen Veränderungen sind enorm und haben gravierende Auswirkungen auf viele Bereiche des französischen Staates. Wenn man jedoch umfassende Reformen durchführen möchte, macht es Sinn diese dann auch vollständig durchzuführen, 110


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um in der neuen Struktur dann handlungsfähiger zu sein als zuvor. Governance-Strukturen können in dieser Zukunft „generalstabsmäßig“ geplant und in die Tat umgesetzt werden. EPCI und Metropolen erhalten den Status von Gebietskörperschaften mit Selbstverwaltungsgarantie. Gleichzeitig wird die kommunale Finanzgesetzgebung geändert, sodass die Gebietskörperschaften über eigene Budgets verfügen und diese für ihre eigenen Zwecke einsetzen können. Sie werden finanziell unabhängiger vom Nationalstaat. Für die Bürger ergeben sich einschneidende Änderungen im täglichen Leben. Dies beginnt damit, dass sich für viele der Name der Kommune ändert, in der sie wohnen sowie die Zugehörigkeit zu einer Region. Weiterhin werden die Reformen im Verwaltungsapparat immense Veränderungen bezüglich Ansprechpartner u.v.m. hervorrufen. Durch eine intelligente Verteilung der Zuständigkeiten werden bürgernahe öffentliche Dienstleistungen in den EPCI konzentriert und Verwaltungsaufgaben, die nicht „direkt am Bürger“ zu erledigen sind auf die regionale Ebene verschoben. Durch die intensive Zusammenarbeit von Kommunen in Städteverbänden (EPCI) erfahren viele Bereiche des öffentlichen Lebens eine spürbare Aufwertung. Dies können zusammenhängende Parks, Rad- und Wanderwege sowie einheitliche Lebensbedingungen sein. Es wird ein intensiver Austausch innerhalb eines EPCI stattfinden, der die lokale Identität positiv beeinflussen kann. Synergieeffekte durch die gestiegene Zahl an Ressourcen und Möglichkeiten ermöglichen eine kostengünstigere Abwicklung bspw. der Müllentsorgung. Somit können die Lebenshaltungskosten sinken oder die Lebensqualität bei gleichbleibenden Lebenshaltungskosten gesteigert werden. Anfängliche Vorbehalte gegenüber „fremden“ Kommunen können durch einen intensiven Austausch der Bürger ausgeräumt werden.

Reorganisation europäische Ebene nationale Ebene regionale Ebene Metropolregion PACA interkommunale Ebene kommunale Ebene Abb. 42: Reorganisation der administrativen Ebenen

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Die internationale Wettbewerbsfähigkeit wird durch die neuen Governance-Strukturen und die eigenen Finanzmittel auf regionaler Ebene deutlich gesteigert. Die Region kann sich in ihrer Gesamtheit mit Leitbildern europaweit präsentieren und eigenständige Schwerpunkte im Regionsmarketing setzen. In der Region PACA ist das der Tourismus (im Sommer die Côte d‘Azur, im Winter die Berge, sowie die provencalische Historie) und die Wirtschaftskraft von Marseille als zukünftigem hafenorientiertem Dienstleistungszentrum mit Gateway-Funktion zum Mittelmeerraum sowie Toulon als Standort der Hafenindustrie. Die Vereinheitlichung von Planwerken, grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Gebietskörperschaften und die effizienten Entscheidungsstrukturen in der Region führen zu einer deutlich erhöhten Produktivität in der Region. In der Region PACA bildet sich ein Städtenetz, welches komplementäre Funktionen auf Ebene der Region übernimmt. Im Städtenetzwerk selber würden sich sogenannte „Hubs“ entwickeln, die aufgrund besonderer Eigenschaften, Funktionen im Städtenetzwerk zur Verfügung stellen, um den Gedanken der Governance und der vernetzten Kooperation zu fördern und zu stärken. Die intelligente Vernetzung des räumlichen Gefüges kann im Sinne der Verfassungsgrundsätze „Liberté, Égalité et Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) das Konzept der in den 1980er Jahren angestoßenen Dezentralisierung räumlich fortschreiben. Marseille-Aix bildet somit im Westen der Region einen Anziehungspunkt, während Cannes und Nizza diesen im Osten der Region bildet. Städte wie Toulon können sich in das Gefüge des Städtenetzwerkes eingliedern oder ab einer kritischen Größe selber Netzwerkpunkte initiieren und eigene Schnittstellen zur Verfügung stellen. Die Polyzentralität in der Region PACA dehnt sich auf alle Bereiche in der Region PACA aus. Wirtschaftliche Zusammenhänge werden nun auch durch Verkehrsverbindungen 112


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und ggf. einheitliche Steuerhebesätze und gleiche Bedingungen abgebildet und ergänzt. Der Austausch innerhalb der Ballungsräume wird noch besser ermöglicht und neue Dimensionen der Zusammenarbeit entstehen. Weiterhin führt eine gesteigerte Polyzentralität und Dezentralisierung von Funktionen in der Region zu einer massiven Entlastung der Verkehrswege insbesondere im Ballungsraum um Marseille. Die Themen in der Region können gemeinsam besser abgestimmt werden. Der Wechsel der hierarchischen Organisation des Raumes über die Dezentralisierung hin zum Städtenetzwerk in der Region erfordert eine hohe Flexibilität. Ein sensibles Thema bleibt die Diskussion über die Auswirkungen einer VI. Französischen Republik auf das historisch-kulturelle Erbe Frankreichs. Da die Geschichte des Landes immer mit dem Territorium verknüpft war, sind die Argumente zum Thema der Reform authentisch zu kommunizieren ohne das historische Erbe zu negieren und die Frage zu stellen, wie dieses in der neuen Organisation von Raum integriert werden kann. DIESE ZUKUNFT IST EINE ZUKUNFT DER „VISIONÄRE UND „EUROPÄER“ MIT VERÄNDERUNGSWILLEN“. Abb. 43: Städte-Struktur als Netzwerke

Quelle: Guigou, J.-L. (2000): Ein ehrgeiziges Ziel für Frankreich - zur Gestaltung von Raum und Zeit, Peter Lang AG, Bern (Anhang IV. „Die drei Frankreichbilder“) 113


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Fazit

Mit abschließendem Blick auf das Projekt lassen sich folgende Aussagen machen: Die Region Provence-Alpes-Côte d‘Azur (PACA) hat eine Sonderstellung unter den Regionen Frankreichs. Der Vergleich zwischen PACA zur Region Île-de-France (Metropolregion Paris) und Rhône-Alpes (Metropolregion Lyon) hat verdeutlicht, dass die Region anders aufgestellt ist, aber dennoch zu den drei stärksten Regionen in Frankreich zählt (vgl. Kapitel Analyse, S. 50ff.). Die räumliche Distanz oder auch Peripherie zur französischen Hauptstadt und die geographischen Gegebenheiten verleihen der Region PACA eine Autonomie. Sie kann sich auf sich selbst konzentrieren. Auf diese Autonomie ist man Stolz und dies bekommt man auch vor Ort in der Regionshauptstadt Marseille zu spüren. Das Bild mit dem die Projektgruppe auf Exkursion in die Region PACA gegangen ist, hat sich mit der Exkursion und einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsraum sowie vor Ort geführten ExpertenInterviews (vgl. Anhang - Interviews) gewandelt. Vor 20 Jahren mag die Stadt Marseille an einem Attraktivitätsund Imagedefizit gelitten haben. Dies ist aber heute nicht mehr der Fall. Soziale Spannungen sind zwar nach wie vor spürbar, doch zeigen sich in der Stadt deutliche Anstrengungen, Veränderungen herbei zu führen. Das Projekt Euroméditerranée setzt an der Stelle ein Signal und im Bereich von Wissenschaft und Forschung werden auch die ersten größeren Projekte initiiert und kommuniziert. Die Aufbruchstimmung ist spürbar und die Stadt Marseille in der Symbiose mit Aix-en-Provence hat die Rolle des Wachstumsmotors in der Region eingenommen. Der ehemalige Widerspruch zwischen “der Ville en Crise” und der boomenden Region scheint vorbei zu sein. Die sozialen 114


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Fazit

Disparitäten sind die kommenden Herausforderungen und da spielt Marseille als “Auffangraum” in ihrer Verantwortung eine Schlüsselrolle. Aber auch die umliegenden Kommunen und Interkommunalitäten stehen in der Verantwortung nicht nur vom Verdichtungsraum profitieren zu wollen, sondern auch Möglichkeiten zu entwickeln aus der Vermeidungshaltung auszubrechen und sich der Stadt Marseille zuzuwenden. Wenn die Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft im Ballungsraum Marseille gestiegen ist, dann wird sich auch das schlechte Image der Stadt aus der Vergangenheit in eine positives Image wandeln. Der „Rapport Balladur“ bietet ein Initiativ- und Rahmenwerk, neu über die politischen, administrativen und räumlichen Strukturen Frankreichs nachzudenken. Interessant ist der Gedanke, dass der Rapport an sich nicht die politischen und räumlichen Strukturen voneinander entkoppelt sieht, sondern in einer holistischen Sichtweise eine klare Vision vorgibt (vgl. dazu Kapitel Rapport Balladur, S. 40ff. und Szenario 3, S. 110) und die Grundlagen für eine Neudefinition der administrativen und territorialen Strukturen in Frankreich bildet. Der “Rapport Balladur” könnte einen Paradigmenwechsel in der französischen Raum- und Territorialplanung einleiten. Weiterhin wäre eventuell sogar eine Verfassungsänderung möglich, die M. Sarkozy 2006 mit dem Bevorstehen der VI. Französischen Republik betitelte; diese Idee aber nach Amtsantritt schnell fallen ließ. Es ist der Versuch der aktuellen Regierung unter Sarkozy die Dezentralizierungsbemühungen entschlossener anzugehen, als die Regierung unter Jaques Chirac in den 1980er Jahren. Im Kontext des europäischen Wettbewerbes würden gute Vorraussetzungen geschaffen werden die Metropolregionen Frankreichs zu stärken und im europäischen Wettbewerb neu zu positionieren. 115


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Fazit

Als Projektgruppe war es sehr spannend sich mit einer anderen Planungskultur in einer anderen Sprache auseinander zu setzen. Welche Rolle die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und Mentalitäten in der Projektarbeit gespielt haben, ließ sich an den internen Diskussionen in der Gruppe nachvollziehen. Die Frage, ob deutsche Planer überhaupt in der Position sind einen wertenden Blick auf das französische Planungssystem zu werfen lässt sich mit ja beantworten. Ja, weil der Gegenstand Metropolregion kein französisches Phänomen ist, sondern auch in anderen Ländern der Europäsichen Union existiert. Frankreich ist an dieser Stelle ein Sonderfall. Die Ursachen dafür sind in der Geschichte des Landes begründet. „La France est une et indivisible“, soll heißen: „Frankreich ist Eins und untrennbar“. Vor dem Hintergrund dieser Tradition führen die aktuellen Reformvorschläge im Land selber zu intensiven Diskussionen, die im Abschnitt (vgl. dazu Kapitel Rapport Balladur, S. 40ff.) beleuchtet wurden. Die Herangehensweise an die Region PACA war aufgrund der französischen Literatur und den Interviews, die auf Französisch geführt wurden eine große Herausforderung. Für die Entwicklung der Matrix (vgl. Kapitel Matrix, S. 92ff.) musste ein Überblick über den aktuellen Diskurs auf die Methoden zur Bewertung von Metropolregionen geschaffen werden. An der Stelle hat sich die Projektgruppe auf Methoden gestützt, die in Deutschland anerkannt sind und durch eigene Vorstellungen und Vorschläge ergänzt wurden. Die Matrix war ein gutes Mittel dafür, sich strukturiert an die Region PACA heranzutasten und erste Indikatoren für weitergehende Untersuchungen zu definieren sowie erste Vorschläge für zukünftige Verbesserungen zu entwickeln. Der Projektgruppe ist bewusst, dass mit dieser Arbeit nur ein kleiner Diskussionsbeitrag über eine spezifische Region in Frankreich gelungen ist. Neben den inhaltlichen Zielen 116


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Fazit

war es der Projektgruppe ein großes Anliegen dem Leser das französische Planungssystem näher zu bringen und eine Sensibilität für die Unterschiedlichkeit der beiden Nachbarn und wichtigsten Mitglieder der europäischen Union zu wecken. Eine weitergehende Beschäftigung mit dem Thema hätte wesentlich mehr Ressourcen erfordert. Abschließend lässt sich sagen, dass die Region PACA gute Chancen hat, sich im Kontext der Reformen Balladur‘s neu zu positionieren. Die Frage ob dies gelingt kann gegenwärtig noch nicht beantwortet werden. Dies hängt davon ab wie intelligent sich die Region vernetzt, miteinander und voneinander lernt und ob die Akteure eine Governance kultivieren können, um an gemeinsamen Themen auf den verschiedenen Ebenen miteinander zu arbeiten. Die Grundlagen in der Region sind vorhanden. Der Raum ist polyzentral organisiert und verfügt über ein breites Angebot an Stärken (Wirtschaft, Tourismus und Kultur) sowie einer besser werdenden internen und externen Infrastruktur. Wenn diese Potentiale in einer neuen administrativen und territorialen Struktur in enger Kooperation innerhalb der Region entwickelt werden können, kann die Positionierung auf europäischer Ebene gelingen. Unter den heutigen politischen Voraussetzungen ist dies jedoch kurzfristig nicht wahrscheinlich und wird noch eine lange Zeit dauern.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Fazit

Conclusion

En conclusion sur le projet, on peut évoquer les points suivants: La région Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) a une position particulière parmi les régions de France. La comparaison entre la région PACA, l’Île-de-France (région métropolitaine parisienne) et la région Rhône-Alpes (région métropolitaine lyonnaise) a précisé que la région est bien différente, mais toujours la troisième région en France (voir chapitre «analyse», p. 50 et suivantes). La distance physique à la Capitale française permet l’autonomie à la Région PACA. Elle peut se concentrer sur elle-même. Cette autonomie est visible sur place dans la fierté des gens qui vivent à Marseille. L’image du projet avec laquelle nous sommes allés en excursion sur place dans la région PACA s’est modifiée avec la confrontation directe à l’objet et au terrain du projet en parlant avec les experts locaux (voir Annexe - Interviews). Il y a vingt ans, la ville de Marseille souffrait d’un déficit d’image et d’attractivité, mais cela n’est aujourd’hui plus le cas. Ce sont surtout les disparités sociales qui définissent les nouveaux enjeux. Mais la ville montre une grande volonté à entraîner des changements rayonnants. Le projet Euroméditerranée met en place un signal et il y déjà aussi, dans le domaine de la science et de la recherche, de premiers grands projet initiés et communiqués. Le climat d’optimisme est palpable et la ville de Marseille en symbiose avec Aix-en-Provence a pris le rôle de moteur de croissance dans la région. L’ancienne opposition entre «la ville en crise» et la région en pleine expansion semble être terminée. Les disparités sociales sont les défi s à venir et, tel qu’il se jouent à Marseille comme «zone de déchargement» ont un 118


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rôle clé dans sa responsabilité. Mais les communes voisines et l’intercommunalité ont une responsabilité non seulement dans le bénéfice de l’agglomération, mais aussi de développer leur possibilités de sortir d’un comportement d’écartement et donc de se tourner vers la ville de Marseille. Lorsque la propension de communication et de communication dans l’agglomération de Marseille aura augmenté, c’est aussi la mauvaise image de la ville du passé qui s’améliorera grandement. Le «Rapport Balladur» initie et fournit un cadre pour réfléchir sur les nouvelles politiques administratives et les structures territoriales en France. Il est intéressant de voir que le les propositions ne négligent en fait pas les structures politiques et spatiales en vue découpée, mais dans une vision holistique avec une vision claire (voir chapitre «Rapport Balladur», p. 40 et suivantes et le scénario 3, p. 110 et suivantes) et donne une base de redéfinition des structures administratives et territoriales en France. Le «Rapport Balladur» pourrait initier un changement de paradigme dans la discussion française sur l’aménagement du territoire. En outre, peut-être même un amendement constitutionnel aurait été possible avec M. Sarkozy en 2006 s’il y avait eu passage à la VI. République. Mais cette idée a disparu rapidement après sa prise de fonctions. C’est une tentative pour s’attaquer à l’actuel gouvernement sous la présidence de Sarkozy, de forcer les effort de décentralisation déterminés en comparaison avec le gouvernement de Jacques Chirac dans les années 1980. Cela créerait de bonnes conditions préalables dans les zones métropolitaines de France à se renforcer et se repositionner dans le contexte de la compétition européenne. 119


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Fazit

Dans le projet, il était très excitant de faire face à une culture différente en terme de planification et dans une langue différente. Les différents milieux culturels et mentalités ont joué dans le travail du projet et entrainer des discussions intensives au sein du groupe. Sur la question de savoir si les planificateurs allemands sont en général dans la position d’un regard de jugement sur le système de planification Français, il peut être répondu « Oui ». Oui, parce que la question n’est pas un phénomène français métropolitain, mais existe aussi dans d’autres pays de l’Union européenne. La France est, sur ce point, un cas particulier. Les raisons sont ancrées dans l’histoire du pays. «La France est Une et indivisible,» doit se lire en allemand: «Frankreich ist Eins und untrennbar». Dans le contexte de cette tradition, le pays lui même déclenche des discussion intenses sur les propositions de réforme qui ont été présentées dans un des chapitres précédents (voir chapitre Rapport Balladur p. 40 et suivantes). L’approche sur la région PACA par la littérature française et les entrevues qui ont été menées en français a été un défi majeur. Pour le développement de la matrice (voir chapitre «matrice», p. 92 et suivantes) il y a eu un aperçu du discours actuel sur les méthodes d’évaluation des régions métropolitaines. Sur le site, le projet s’est reposé sur des techniques, reconnues en Allemagne et par nos propres idées et suggestions. La matrice était une bonne façon de structurer la région PACA et les tâtonnements d’abord pour définir des indicateurs afin de continuer à examiner et élaborer des

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Fazit

propositions initiales pour des améliorations futures. Le groupe de projet est conscient qu’il a abouti avec ce travail, à une petite contribution unique à la discussion sur une région spécifique en France. En plus des objectifs de fond, le projet a été une préoccupation majeure pour le lecteur envers le système de planification français, et vise à stimuler une sensibilité aux différences entre les deux pays voisins - membres principaux l’Union européenne. Une autre préoccupation sur la question du projet aurait pris beaucoup plus de ressources. En conclusion, la région PACA a de bonnes perspectives de se repositionner dans le contexte des réformes Balladur. La question de savoir si cet objectif pourrait être atteint ne peut actuellement être répondu. Cela dépend de la région et si elle trouve une manière intelligente de se lier avec les différents échelons pout cultiver une gouvernance pour travailler ensemble sur les thème communs. La région a de bonnes conditions. L’espace est organisé polycentrique et dispose un large éventail de points forts (économie, tourisme et culture) mais nécessite d‘améliorer une meilleure infrastructure interne et externe. Si ce potentiel peut être développé en une structure administrative et territoriale, en coopération étroite au sein de la région, la réussite du le repositionnement dans le contexte européen peut bien être achevé. Au vu des conditions politiques actuelles, c’est peu probable à court terme et prendra beaucoup de temps.

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Anhang

Interviewfragen

Anhang

Hier die Interviewfragen auf Deutsch und Französisch.

QUESTIONS

GÉNÉRALES SUR LA DISCUSSION DU L’AMÉNAGEMENT DU

TERRITOIRE EN FRANCE La discussion actuelle en France est celle de la reforme territoriale et des structures administratives-politiques. M. Balladur a fait un rapport avec des propositions pour le parlement et nous aimerions savoir si:

1. Connaissez-vous le rapport Balladur, comment évaluez-vous les exigences ? 2. Considérez-vous que les exigences soient transposées par le gouvernement français comme réaliste ? 3. Comment cernez-vous le calendrier de Monsieur Balladur visant la transposition des exigences jusqu’au 2014 ? AU

RÉGION ET DES COMMUNES Étant donné que la région est devenu très importante avec ses municipalités et les EPCI au cours des dernières décennies et prend une position clé aux questions de l’aménagement du territoire, nous aimerions savoir si: NIVEAU DE LA

4. Quels problèmes dans la région PACA peuvent être résolus exclusivement au niveau intercommunal ? 5. Quelles institutions y a-t-il et ceux-ci contribuent-ils à la solution des problèmes ? 6. À votre avis, quelle influence Paris prend sur des décisions locales ? 7. Comment estimez-vous l’indépendance (en particulier financièrement) des EPCI par rapport à Paris ? 8. Voyez-vous des difficultés avec la coopération intercommunale eu égard aux identités locales au niveau politique ? 9. Comment l’acceptation des EPCI est-elle élevée dans la population ?

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ALLGEMEINE FRAGEN ZUR RAUMPOLITISCHEN DEBATTE IN FRANKREICH

In Frankreich gibt es z.Zt. eine große Diskussion um die Neuordnung der politisch administrativen Strukturen im Bereich der Raumordnung. Herr Balladur hat der Regierung einige Vorschläge unterbreitet und wir würden gerne wissen, ob: 1. Sie den Rapport Balladur kennen und wie bewerten Sie die Forderungen? 2. Halten Sie es für realistisch, dass die Forderungen von der Regierung umgesetzt werden? 3. Wie schätzen Sie den Zeitplan zur Umsetzung der Forderungen bis 2014 von Monsieur Balladur ein? ZUR EBENE DER REGION UND DEN KOMMUNEN Da die Regionen mit ihren Kommunen und interkommunalen Kooperationen in den letzten Jahrzehnten wieder wesentlich mehr in den Vordergrund getreten sind und in der Schlüsselposition für die Raumordnung stehen, würden wir gerne wissen: 4. Welche Probleme in der Region PACA können ausschließlich auf interkommunaler Ebene gelöst werden? 5. Welche Institutionen gibt es und tragen diese zur Lösung der Probleme bei? 6. Welchen Einfluss hat Paris, Ihrer Meinung nach, auf lokale Entscheidungen? 7. Wie stark schätzen Sie die Unabhängigkeit (insbesondere finanziell) der EPCI von Paris ein? 8. Sehen Sie Schwierigkeiten bei der interkommunalen Zusammenarbeit im Hinblick auf die lokalen Identitäten auf politischer Ebene? 9. Wie hoch ist die Akzeptanz der EPCI in der Bevölkerung?


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Anhang

Zur Frage der Profilierung der Region PACA und ihren Perspektiven Regionen profilieren sich oftmals und entwickeln Themen bzw. Entwicklungsperspektiven. Im Ganzen betrachtet würden wir gerne wissen: 10. Welche sind Ihrer meiner Meinung nach die wichtigsten Themen in der Region? 11. Wo sehen Sie die Region PACA in 20 Jahren und welche Perspektiven wünschen Sie sich? 12. In welcher Rolle sehen Sie Marseille als Motor der Entwicklung in der Region PACA?

SUR

LA QUESTION DE LA

RÉGION –

LES PROFILS ET LES PER-

SPECTIVES

Une région possède souvent un certain profile et développe des perspectives.

10. À votre avis, quels sont les sujets les plus importants dans la région PACA aujourd’hui ? 11. Où retrouvez-vous la région PACA en 20 ans et quelles perspectives désirez-vous pour la région ? 12. En quel rôle / position voyez-vous Marseille dans le contexte du développement dans la région PACA ?

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Anhang

Inhaltliche Zusammenfassung des Interviews mit Louis-Laurent Dupont (AgAM) am 17. Juni 2009 in Marseille ● Herr Dupont ist Leiter der Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung in der Agence d‘urbanisme de l‘agglomération marseillaise (AGAM = Stadtentwicklungsgesellschaft) in Marseille.

Mit dem Zusammenführen administrativer Ebenen, geht Balladur das Risiko ein Funktionäre zu entlassen. Nach der Reform aber sollte das System effizienter funktionieren.

QUESTIONNAIRE PARTIE 1 (ALLGEMEINE FRAGEN ZUR RAUMPOLITISCHEN DEBATTE IN FRANKREICH): Je connais le Rapport Balladur. Je trouve ce qui es proposé dans le rapport Balladur, c‘est un minimum, il faut peutêtre aller plus loin. Le problème de fond c‘est qu‘en France on na pas fait la réforme territoriale qu‘il faudrait. Donc on a beaucoup d‘échelons, on a rajouté des échelons sans en enlever. Donc le gouvernement a derrière eu beaucoup des fonctionnaires et d‘hommes politiques qui vivent de cela, du territoire. Réformer en enlevant des échelons ca veut dire qu‘il y aura des gens au chômage. Après Balladur, ce sera un travail plus efficace. On peut être plus productive avec un peut moins du monde. Si on regarde le travaille de tous les jours on passe beaucoup de temps à des tâches de coordination. Avec tous ces échelons. On perd beaucoup de temps. Le Rapport Balladur a essayé de faire quelque chose d‘acceptable, d‘admissible et des propositions qui sont très intéressantes quand même. Mais en face on a des hommes politiques, qui disent: « Nous, il faut qu‘on vive. »

Es wird zur Zeit eine Gesetzesgrundlage für die Reform erarbeitet, die stark diskutiert wird. Im Oktober 2009 wird dieser Entwurf im Parlament vorgetragen.

Il y a un projet de loi qui est prévu dans la rentrée en Octobre 2009, qui va être discuté au parlement qui va porter de parler sur les métropoles. En ce moment il y a des réunions. Les partis politiques, les associations d’élus, qui discutent avec le parlement. Il y a beaucoup de discussion. Et cela dure depuis un an déjà. Donc c’est quelque chose qu’est important qui va monter de petit à petit. Le problème c‘est que ca ne concerne pas beaucoup le citoyen français. Pour lui ce sont des histoires administratives. C‘est compliqué de lui expliquer pourquoi cela lui concerne.

In Frankreich wurde keine Verwaltungsreform wie in Deutschland durchgeführt. Dies führte zur Zerplitterung der Gebietskörperschaften.

Alors un autre élément important en France, c’est le gouvernement. Le gouvernement est à droit. Les régions sont toute à gauche, sauf une. Les grandes villes sont à gauches et les 130


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départements sont beaucoup à gauche. Donc le gouvernement intervient dans la discussion. Par exemple les régions se sont formées contre le gouvernement. La politique de blocage rend les choses compliquées. Oui je trouve c‘est bien ce qui est proposé mais il faut aller plus loin. Pourquoi? Parce ce qu‘il y a trop de niveaux, il y a un drame de compétence sur l‘économie, tout le monde est compétitive et puis il y a un problème de fond et c‘est la répartition de richesse. Donc concrètement sur Marseille il y a 800.000 habitants et il y a des fonctions de centralités, des charges, donc il faut dépenser l‘argent pour ces gens là mais en face on n‘a pas de ressources. Pourquoi il n‘y a pas des ressources, parce que les principales ressources c‘est la taxe professionnelle, et les grands établissements sont autour de Marseille et ne payent pas la taxe professionnelle. Il y a les charges et des dépenses nécessaires mais il n‘y a pas de ressources. Ailleurs ils ont beaucoup de ressources mais pas de charges. Ca c‘est un premier problème. La taxe d‘habitation c‘est payé par les habitants qui sont pauvres, donc il n‘y a pas beaucoup de ressources. Et ailleurs par exemple en Aix, il y a une grosse taxe professionnelle. Il y a une grosse disparité entre ce territoire qui est très endetté et puis ceux qui sont autour et qui n‘ont pas de problème. C‘est un constat. Mais c‘est une question de disparité fondamentale dans ce système à Marseille et autour. On a fait des zones d‘activités et les zones urbaines on les a défavorisés. En faite on a développé des grandes zones d‘activités autour de la ville. Donc il y a beaucoup de commune qui ont développés des zones d‘activités pour toucher la taxe professionnelle. C‘est ce que les centres-villes n‘ont pas pu faire.

Blockadepolitik ist ein Hemmnis für erfolgreiche Kooperation.

Il y a parallèlement un projet de loi pour réformer la taxe professionnelle.

Die „Zones d‘activité“ (Gewerbegebiete) defavorisieren die städtischen Räume, da die Gewerbesteuersätze individuell festgesetzt werden können und es die Unternehmen dadurch stärker ins Umland zieht.

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Der Rapport Balladur schlägt die Zusammenfassung der 26 bisherigen auf 11 Regionen vor. Dies soll an 4 Modellregionen (Paris, Lille, Marseille und Lyon) zunächst schrittweise erprobt werden.

Dans le rapport Balladur il y a onze métropoles proposées, dans le projet de loi il y en a quatre. Déjà ils vont l‘appliquer sure quatre et voir si ca marche et après appliquer sur les autres. Donc, ils vont faire ca graduellement. Donc ca va être Paris, Lille, Marseille et puis Lyon. Et je crois qu‘il y en a un autre. Toulouse ou une ville comme ca. Donc si cela sera transposé, je n‘en sais rien. J‘espère mais je ne peux pas le dire. Pour moi c‘est réaliste mais après c‘est un rapport politique. Si ca ressemble que le calendrier du changement marche, ils vont sans doute continuer. Ca va dépendre s’ils vont réussir sur Paris, Marseille, Lille et Lyon. Il faut quand même voir, ce qu‘on se trouve dans un mouvement de déconcentration depuis les années 1980. Il y avaient les lois de décentralisation dans les années 1980. On a eu la loi Chevènement et ensuite un ensemble des lois en fi n des années 1990. Après, il n‘y a rien eu. Et là c‘est un mouvement indispensable qui est nécessaire en beau Français. Et je pense que tout le monde le sait. Les gens qui réfléchissent le savent. Le maire de Lille qui est de gauche, c’est lui qui a lancé cela. Alors la gauche elle a toujours poursuivit un peu la décentralisation, cette rationalisation. La droite c‘est pareil. Dans les années 1995 M. Balladur était déjà là. À gauche comme à droite, ils savent qu‘il faut faire ce travail. Ce n’est pas une question de parti, mais par contre c‘est dur. Et donc il faut le faire, ca se fera mais ca va être très long. Par contre, la difficulté est qu‘il faut se rendre compte de l‘ensemble des institutions. De la commune jusqu‘à la région. Tout ca on doit intégrer. Et ca va aussi au niveau de l‘état. Une organisation que se rassemble en ce moment. On réduit un nombre de fonctionnaires c‘est ce qui se passe et on fusionne les administrations. C‘est par exemple au niveau du ministère de l‘équipement. Il y avait donc ceux qui

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s‘occupaient de l‘équipement, il y avait l‘environnement, il y avait l‘industrie, c‘étaient des ministères. Maintenant on regroupe et diminue. Les gens de l‘état ils passent dans les collectivités locales. Donc il y a des compétences qui sont transférés alors aussi du personnel. QUESTIONNAIRE PARTIE 2 (ZUR EBENE DER REGION UND DEN KOMMUNEN): C’est un peu la question de la subsidiarité, uniquement au niveau intercommunal. Moi par défaut je dirais en gros, il faudrait les grandes politiques d‘aménagement du territoire et de l‘économie et les grandes infrastructures, ca ce devrait être la région. Le problème de la région, comme je vous l‘ai expliqué c’est que la région elle est élue par le conseil régional, il est élu à partir d‘une représentation d‘un certain nombre de gens, d‘élus de tout le territoire régional. Donc la région elle a du mal, elle veut faire plaisir à tout le monde. Elle a du mal à décider sur l‘aménagement du territoire. Donc alors là il y a un vrai problème. C‘est que la région n‘attendait la grande politique de l‘aménagement du territoire économique et concrètement elle ne peut pas parce qu‘elle doit faire plaisir à cette personne là et à celle là. Ces élus là ils sont dans la ville locale, de la commune qui pèse.

Die Region ist nicht handlungsfähig, da sie in ihrer Funktion als Administrative keinen Interessenausgleich aller Beteiligten erreichen kann.

Et qu‘est-ce qu‘elle fait dans l‘autre sens, la région? Elle fait une politique d‘équipement et de la redistribution sociale. Alors elle travaille dans ses compétences et elle fait les lycées, la formation professionnelle etc. Et elle redistribue l‘argent équitablement un peu partout mais de façon très équitable, très équilibré. Donc elle n‘a pas de politique d‘aménagement du territoire. Elle a un rôle plus de redistribution que de planification. Alors là il y a une difficulté de la région ce que veut dire qu‘est-ce qui peut-être résolu au niveau intercommunal?

Die Region übernimmt lediglich eine Distributorenrolle und verteilt die finanziellen Ressourcen. Sie macht keine Raumordnungspolitik. 133


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Das Departement macht die eigentliche Raumplanung, hatte in den letzten Jahren allerdings meistens den Fokus auf ländliche Entwicklungsgebiete, als auf die städtischen Entwicklungszentren.

Et le département fait un peu ca aussi. Le département en France en général il est élu en bénéficiant beaucoup des voix des communes rurales et périurbaines et il est moins bien représenté au niveau des villes. Donc les élus des départements sont plutôt des gens rurales, périurbaines. Ce que veut dire mathématiquement que les investissements du département profitaient plutôt aux communes rurales périurbaines et moins aux villes. Il y a que depuis peu de temps ou il y a eu un basculement un peu à gauche qu’on commence de s‘occuper des villes. En gros, les dépenses du département au niveau social et au niveau d‘infrastructures. Et le dépenses du département c‘était le social pour les villes, les infrastructures et le routes pour les campagnes. Et ils disaient: « Mais voyez, on dépense beaucoup pour les villes mais c‘était seulement de la dépense sociale. Et par contre ils dépensaient beaucoup pour les campagnes. » Et de fait le département c‘est lui qui fait la planification et c‘est lui qui fait l‘aménagement du territoire. Ce n’est pas la région, c‘est plutôt le département à une grande échelle. Ce qui est en train de se repérer en ce moment, c‘est qu‘il y a un mouvement du département envers les villes à travers l‘investissement. En ce moment il y a un plan quadriennal et il y a l‘investissement du Conseil Général sur Marseille avec 500 million EUR, c‘est quand même pas mal à investir dans le transport commun, le déplacement, les routes et des choses comme ca. Donc le reste, c‘est les EPCI et après entre la commune et l’EPCI. Les espaces économiques c‘est l’EPCI qui est le plus compétent. La commune, qu‘est ce qui peut rester à la commune. À la commune c‘est plutôt les questions de proximité. Moi ce que je pense personnellement c‘est qu‘il y a un ou deux niveaux de trop. Et s‘il fallait supprimer des échelons je penserai que ce serait celle du département. Il faudrait avoir de grosse Métropo-

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les. De grandes intercommunalités pour garder une région plus grande pour fusionner des régions plus grandes. Il faut avoir des grandes intercommunalités fortes et il faut garder des pouvoirs qui sont communaux de proximité avec quelques ressources et qui viennent de l‘intercommunalité, donc que se soit indépendant. Alors, on supprime deux niveaux.

Die Kommune übernimmt die bürgernahen Dienstleistungen. Es gibt ein oder zwei Ebenen zu viel und meiner Meinung nach sollten große Kommunalverbände diese Funktionen auffangen um größere Regionen zu bilden.

Par exemple sur Marseille ils on crée la Communauté Urbaine (CU). Il y a la compétence sur l’urbanisme. Plan d‘occupation des sols qui est inscrit sur la CU mais pratiquement c‘est la commune qui la maintient. Alors au début c‘était comme ca et de petit à petit dans la pratique, c‘est en train de passer à l‘intercommunalité. Il y a beaucoup de choses de passer comme ca. Il y a des parties économiques par exemple toute l‘économie c‘est l‘intercommunalité sous compétence forte et il reste le tourisme pour la ville. Mais on sent que c‘est en train de passer également. Alors il y a un jeu de transfert qui se fait vers l‘intercommunalité sur beaucoup de choses. L‘habitat c‘est pareil. On peut alors se poser las question qu‘est ce qui reste à la ville ? Alors les gens ne votent pas pour un président d’EPCI. Ils votent pour un maire. Donc eux ils voient le maire. Pourtant le pouvoir, il est au président d’EPCI. C‘est lui qui a l‘argent. Il y a un décalage. Si les gens votaient pour le président d‘EPCI ils reconnaitraient cette personne. Donc tant qu’il n‘y a pas ce suffrage direct, l‘élection directe. Du président d’EPCI on aura toujours ce problème la. Il y a beaucoup de gens qui pensent ca. Il faut qu‘on puisse élire directement le président d’EPCI. Et après il sera reconnu. Pas de problème. Il sera incarné il y aurait une personnalité pour lui on va être relié ca sera très bien. C‘est simplement ca la question.

Ein EPCI braucht eine Referenz-Person. Die Bürger müssen sehen wen sie wählen und wer dem Verband vorsteht.

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Die politische Mentalität im Norden und Süden Frankreichs ist sehr verschieden.

Après, la question des identités. Alors en Provence c‘est vrai dans le Sud. Les personnalités politiques ont une identité très forte. C‘est à dire qu‘ils incarnent un pouvoir. Alors une personne. Elle incarne une autorité. Dans le nord de la France c‘est moins ca. Il y a des gens qui sont plus digère, qui suicide dynamique, mais c‘est tellement la personne compte-elle. Dans le Sud, c‘est des acteurs. L‘homme politique c‘est un acteur. À la limite, techniquement, pas très compétent. Par contre il incarne une identité. Et donc cela peu poser des problèmes. Alors une identité se crée, ca se développe. Ce n’est pas né comme ca. Il y a une histoire qui forme l‘identité mais après ca peut se travailler une identité.

Identität entwickelt sich, sie kann nicht „hergestellt“ werden.

Exemple : La Communauté du Pays d‘Aubagne et de l‘Étoile. C‘est un territoire qui est intégré dans l‘agglomération marseillaise proche et alors ils sont plutôt de sens gauche mais ils ont volontairement développé une identité. Affirmer une identité (contre Marseille). On est Aubagnais, on est différent ! On répète ca souvent et les gens pensent : « Je suis différent. » L‘identité elle n‘est pas née comme ca. Elle travaille. On a évolué une identité. Il faudra peut-être trouver une identité plus moderne, plus ouverte, le dialogue. Et on a trop souvent tendance de baser l‘identité sur l‘action contre un autre. C‘est ca un peu le problème. Donc garder les identités locale, oui parce qu‘on les a cultivé comme ca. Pour voir concrètement les deux territoires qui ont le plus peur de Marseille. C‘est Aubagne et de l‘autre côté c‘est Berre. Berre, la pétrochimie. Aubagne parce que c‘est très près de Marseille. C‘est dedans. Les autres c‘est à cause de la taxe professionnelle. Et aussi Nîmes il y a une usine pour brûler les déchets. Je ne peu pas la mettre sur Marseille, parce qu‘il y a de la fumée qui va tomber sur les habitants. Alors je la mets dans une zone industrielle loin. Donc je la mets chez les voisins.

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La différence entre Lyon et Marseille, c’est qu‘à Lyon la situation était plus simple. C‘est à dire que Lyon, c‘est une ville, une capitale sans aucune hésitation. Il y a une bourgeoisie très forte, puissant, très implantée. C‘est des vrais notables, des hommes politiques lyonnais qui sont très connu en France et très puissant. Ce sont des gens qui sont très bien installés. Autour il y avait des banlieues c‘était un schéma classique. Alors cela c‘est développe progressivement, logiquement de façon intelligente. Pour moi, une ville plus performante en France. C‘est le modèle le plus logique, performant et intelligent qui soie. À Marseille ce n‘est pas le cas. C‘est qu‘on a ce problème entre Aix et Marseille. La diffusion et même à l‘échelle PACA. Lyon c‘est la capitale de Rhône-Alpes. Il n‘y a pas de problème. Personne ne discute de cela. En PACA ca se discute. En PACA il faut savoir par exemple que Nice ce n‘est pas très forcement attaché à l‘État français. Marseille historiquement a toujours été attaché à Paris. Ce sont les territoires de la périphérie qui ont du mal de se raccrocher à territoire national déjà. Alors c‘est beaucoup plus compliqué qu‘a Lyon même géographiquement. On a une vallée. Lyon au centre on a des antennes qui marchent bien dans les trucs et Lyon c‘est le centre de tout ca, pas d‘hésitation. Tout est organisé de Lyon et beaucoup plus simple. Moi, je pense que la solution c’est le poly centralisme. Et c‘est bien pour nous de comprendre ce système de développement en France pour la traduction en Allemagne et c‘est très important de comparer les différentes régions. Bon il y a quelques quatre figures en France où c‘est très centralisé et que ca marche. Mais ailleurs. En PACA il faut avoir un poly centralisme, ca c‘est claire. Si on va tout mettre à Marseille cela ca ne sert à rien. Ca marcherai jamais c‘est clair. C‘est ce que fait Lyon un peut aussi. Il y a Lyon, mais il y a Grenoble et ils luttent un peut alors ils sont intelligents

Die Lösung ist der Polyzentralismus.

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et ne mettent pas tous sur Lyon. On reconnait un rôle universitaire, High Tech, industriel intelligent à Grenoble ca marche.

Die Konfliklösungsmentalität im Norden ist anders als im Süden. Während im Norden konstruktiv an einem Problem gearbeitet wird, findet man diese Einstellung im Süden kaum. Paris muss immer mehr Kompetenzen an die lokalen Gebietskörperschaften abtreten. Der Präfekt ist lediglich „Animateur“ und hat keine Entscheidungsbefugnisse.

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Le problème j‘ai l‘impression entre la France c‘est vrai qu‘il faudra développer le poly centralisme sur la région PACA. Nous (AGAM) travaillons dans ce sens là. La différence entre l‘Allemagne cela nous ramène au point précédent cela à faire avec l‘exercice du pouvoir. Que l‘exercice du pouvoir dans les pays nordique, il est démocratique et technique. Il n‘est pas autoritaire et pas un pouvoir sur les gens. Alors que dans le sud c‘est plus un pouvoir sur les gens. Voilà, il est moins technique. C‘est une autre forme de pouvoir on pourrait dire. C’est vite terminé en question de conflit. « Lui il est contre lui ». Alors que dans le nord s‘il y a un problème on essaye de le résoudre ensemble, on se voit on discute. Tandis qu‘en méditerranée on ne trouve pas ca. L‘influence de Paris sur les décisions locales c‘est un vrai problème. Paris était très puissant. On est dans un état centralisé et on est dans une phase de décentralisation avec la difficulté de transmettre de responsabiliser les acteurs locaux. Donc c‘est l‘État qui prenait toutes les ressources qui étaient sur son dos et autour de lui il y avait beaucoup d‘enfants et quand il y avait un problème il les résoudrait. Cela change, aujourd‘hui il a du mal. Il n‘a presque plus de pouvoir. Vous avez transféré les compétences on ne veut pas entendre de parler de nous. Retournons chez vous le préfet, c‘est ca avant il décidait, maintenant il anime. Avant il mettait les élus autour de la table et disait : « Bon maintenant je décide que... » Il décidait au nom de l‘état. Maintenant qu‘est ce qu‘il fait il met les élus autour de la table « Essayez de vous entendre entre vous... ». Il les anime. S’ils ne sont pas d‘accord il dit « Bon, vous n‘êtes pas d‘accord. Moi je ne peux rien dire. Je ne peux pas décider pour vous. »


➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Anhang

Ca c‘est la difficulté à rapport de la définition de la métropole. Et déjà on le sentait il n‘a pas été en capacité de dire: « Ca c‘est un mauvais périmètre. » Il y a deux ans qu‘il y avait une disposition qui voulait améliorer les périmètres intercommunaux. Donc il y avait des commissions départementales qui disaient que la Communauté intercommunale ne marche pas et qu‘il y a de mauvais périmètres et qu‘il faut trouver une solution. Alors on a constaté mais on n‘a pas pu décider. En fait, ce sont les territoires qui ont le pouvoir maintenant. Paris a de moins en moins d‘influence de décision sur les territoires locaux et c‘est sa qui bloque le processus des métropoles parce que les élus locaux, le maire de Marseille ils ont beaucoup de pouvoir. Ils sont dans les ministères. Á la fois ils sont local ils sont aussi sur ce niveau. Alors c‘est un jeu un peu complexe. En PACA c‘était donc le Président du Conseil Général qui était ministre de l‘aménagement du territoire. Alors les décisions qui va prendre au niveau national, derrière il aura des implications locale c‘est un peu compliqué ce jeu là. Et pour la Région PACA on au eu de grosse difficulté. Parce que le ministre qui était aussi maire de Toulon il était un peu en porte à faut. En même temps il a fallut une politique nationale alors c‘est vraiment compliqué. Enfin en gros il y a de moins en moins de pouvoir Parisien parce qu‘il y a aussi de moins en moins d‘argent. Les communes commencent à comprendre leur responsabilité. On essaye de leur faire compte, elles comprennent aussi qu‘il faut qu‘ont coopère plus ensemble. Qu‘il y a des enjeux mondiaux mais ca c‘est il y des communes intelligentes qui comprennent ca qu‘on est plus puissant ensemble et il y en a d‘autres qui ont du mal. Alors après il y a le temps politique on est élu pour cinq ans. Ce n’est pas généralement on a du travail pour les prochaine cinq ans. Alors on n‘a pas cette 139


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Einige Kommunen denken intelligent und stellen sich den Herausforderungen, indem sie sich mit anderen Kommunen in Verbänden zusammenschließen, während sich andere Kommunen damit schwer tun.

vision à long terme. On a beaucoup de mal c‘est tous le travail on essaye de développer une vision à long terme. Une métropole, ca ne se construit pas comme ca. Donc c‘est un boulot très dur et il y a tout ses enjeux, restrictions et problèmes du système qui vont contre ca. Toutes les logiques sont contre ca. Donc le rapport Balladur fait un nettoyage. Balladur en fond c‘est basé déçu.

Dezentralisierung = mehr Verantwortung und weniger Solidarität.

C‘est un phénomène et la grande question française de la décentralisation égale plus de responsabilité, ca veut dire donc moins de solidarité. Au niveau de le MPM il y a un problème qu‘on retrouve également en France qui en gros est c‘est si il y a une ville centre qui est pauvre avec un développement résidentiel autour donc les gens sont revenus ici il y a des classes moyennes qui ont créé des identités chaque commune a son identité. Ici le cadre de vie, on dit, il y a une proximité contre la ville centre. Il y a une crise d‘identité de la périphérie marseillaise au rapport à la ville centre. Alors ca c‘est MPM à l‘échelle de la métropole. Moi j‘ai été à Le Havre avant, la même chose. Ce sont des villes avec de l‘histoire industrielle, il n‘y avait pas de bourgeoisie et la périphérie a crée cette identité qui se tourne ‚contre‘ le centre-ville. Qu‘est ce qui c‘est passé jusqu‘à présent sur MPM? On avait MPM avec Marseille au milieu. Le maire de Marseille (800.000) et le reste c‘est moins de 5.000 habitants. Alors Marseille est très puissant. Donc le maire de Marseille était en même temps le président de cet ensemble là. Et selon Marseille est une ville pauvre, toutes les dépenses sont allés sur Marseille. Il y avait des services minimums assurés sur le reste. Les maires ici, ils sont presque tous de droite. Normal ce sont les habitants au cadre ici à droite. Bon qu‘est

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ce qu‘i s‘est passé aux dernières élections? Les gens ont élus leur maire là à droite. Marseille aussi droite, il y a eu un vote en faveur de la gauche. Le maire de Marseille n‘était pas élus président de l‘intercommunalité sure de logiques considérant. Les maires se sont tous allié contre Marseille et on préféré de voter à gauche alors qu‘ils sont tous droites. Mais contre la ville de Marseille. Donc ils ont fait passer tout à gauche aussi mathématiquement. On a eu un clivage territorial. En vue de mieux prendre compte des intérêts des territoires. « Nous on en a marre d‘exister on veut qu‘on se rend compte de nous. » Donc là en ce moment au niveau de l‘institution le truc c‘est de rééquilibrer entre Marseille et le reste de la Communauté Urbaine. On va mieux rendre compte de ces identités. C‘est ca qui a été demandé les besoins des identités. Pendant la contrepartie, le Conseil Général du département va mieux financer la ligne et de rendre Marseille à la gauche. Et peut être on aura une politique qui sera plus intégré entre les deux. C‘est difficile et cela c‘est notre devoir mais les gens comprennent qu‘il faut le faire. QUESTIONNAIRE PARTIE 3 (ZUR FRAGE DER PROFILIERUNG DER REGION PACA UND DEREN PERSPEKTIVEN): En gros le bilan de la coopération intercommunale (lois et autres incitations) on a créé plus d‘intercommunalités. Ce qu‘on voit petit à petit. Il y a plus en plus de compétences transférés aux coopérations intercommunales. On émerge les identités intercommunales des projets des visions à long terme intercommunaux. Reste le problème des périmètres qui ne sont parfois pas pertinent. Ce qui se crée à l‘époque de Chevènement ici à Marseille se sont créé des intercommunalité de défense autour des villes centres pour garder leur richesse. Et puis restait au milieu un petit périmètre intercommunal. Et maintenant il faut du courage et la question qui se pose : « est ce qu‘on peu agrandir ce périmètre là ? ».

Es haben sich um Marseille Kommunalverbände gegründet, die aus einer Abwerhhaltung gegen Marseille entstanden sind. Für Marseille stellt sich die Frage des Umgangs mit der „Einkesselung“ durch die Kommunalverbände. Es stellt sich die Frage: „Wo kann Marseille noch wachsen?“ 141


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Die wichtigen Themen der Region sind: 1. Verkehrswesen 2. Hochschulentwicklung 3. Kultur 4. Wirtschaftsförderung und -entwicklung

Les sujets importants de la Métropole Aix-Marseille sont : 1. le déplacement. Alors problème numéro un c‘est le déplacement, le transport commun. Ca marche entre Marseille et Aix mais il y a un grand retard. Et on dit qu‘il faut des cadences régulières entre Marseille et des transports collectifs sinon tous les gens sur les autoroutes (embouteillages). Il y a des gens qui travaillent dessus. Il y a un syndicat mixte qui va se créer très prochainement avec des gens du département et des EPCI. Sauf Aix parce qu‘ils sont de droite. Et là ils vont faires des propositions petit à petit. 2. la question de l‘université. Il y a la moitié à Marseille et l‘autre à Aix. Il y a trois Universités et ils disent on va fusionner et faire une offre pour tous les trois. Il n‘y aura pas de doublement et une formation. On va essayer d‘organisé des sites avec des disciplines et une administration plus efficace. Mais tous cela ca vient des Université et pas des élus. 3. la culture. Avec Marseille Provence 2013 (Europäische Kulturhauptstadt) ils ont réussi a associé tous autour avec le même projet. Après il faut voir concrètement. Il faudra voir s’il y a un cadre de travail pour un projet. 4. la question économique. C’est plus dur. Il faudra une approche un peu plus commune sur les questions des zones d‘activités, les pôles de compétitivités. Cela s‘avance de petit à petit.

Es gibt Themen, wie z.B. die Landschaftsplanung, die nicht kohärent abgestimmt sind, sondern aus vielen Stückwerken bestehen.

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Qu‘est ce qui manque? Il y a des sujets sur lesquelles on n‘est pas bon. Par exemple la protection des milieux naturels. On voir beaucoup de parc naturels avec des petit périmètres sur la région. Par exemple les Calanques. Il y a des parcs qui ne marchent pas. Quand on remonte vers le nord de PACA il y en a d‘autres. On n’a pas une vision régionale il n‘y a pas de vision ou


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planification pour ca, on crée des petites parcs sans relation. L‘État ne fait pas son boulot. Et qui fait ca? Ce sont les communes n‘importe quoi ce n’est pas traité. Au sujet de l‘eau, il n‘est pas bien traité. Il n‘y a pas un plan général. C‘est aussi politique. Quand on parlait des espaces économiques qui sont difficile c‘est le port de Marseille. Concrètement ce que le port fait mais ne le dit pas c‘est qu‘on transfère les activités du port de Marseille vers Fos. On n‘en parle pas à la presse. On le faire mais ce n’est pas planifier ce n’est pas prévu et anticipé cela se passe. C‘est un truc qui est très à l‘échelle de la métropole. Le port il est un projet très clair pour développer Fos. Et les documents ils ne sortent pas, c‘est la discrétion. Parce que la question du port il y a des questions des syndicats politiques, des histoires ouvrière derrière et il faut pousser le port. Le port Marseillais ne marche pas. Et ca c‘est un problème à l‘échelle de la métropole.

Die Hafenentwicklung ist ein Thema auf Ebene der Region. Der Hafen in Marseille funktioniert nicht.

La région PACA. Se qu‘on souhaite et ce qui se passe et déroule. Je crois qu‘il y a en France un mouvement, une tendance que les gens vont vers le sud. En Allemagne c‘est pareil oui? Ils décèdent. C’est plus chaud ca se passe comme ca. Donc il y a un mouvement naturel. Après ca il faut le transformer en richesse. C‘est un peut le défit en PACA. Et après il y a Rhône-Alpes ils sont performant, intelligent. Il faut faire parti de cette attractivité. Cela commence à se passer avec Cannes. Dans la région PACA il faut trouver une gouvernance PACA. Il faut changer la façon de travailler et les institutions. • 1er niveau, c‘est la gouvernance • 2ème niveau, la population est pauvre en général. 143


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Die Region muss Anreize schaffen um Arbeitnehmer anzuziehen. Menschen mit Kapital, Menschen mit Bildung und sie zu integrieren wissen, damit eine Wertschöpfung entsteht, die in die Region rückgebettet werden kann.

Il y a des populations avec des histoires derrière, ouvriers et des gens qui ne sont pas très qualifié. Et il faut les remettre dans le système. Question de l‘intégration sociale est de qualification. Alors la question de gouvernance il y a des questions d‘intégration de population qui sont fragile. Surtout la qualification les immigrés la question d‘insertion sociale. En gros on voit plus front national il y a des gros antagonismes. Il y a de gros conflits entre immigrés et d‘autre. Derrière c‘est l‘aménagement du territoire. La ville de Marseille, la carte de la ville est très simple. Au sud ils votent à droit, au nord ils votent à gauche. Au sud ce sont ceux qui ont l‘argent au nord ce sont ceux qui non pas d‘argent. Alors l‘idée c‘est d‘arrêter cela. C‘est de mélanger. C‘est en train de se faire. C‘est l‘idée. On met des riches en haut, des HLM en bas. Puis après sur PACA ca va être de développer une économie moderne. Donc rénover l‘industrie sur innovation technologique le savoir. Ce n’est pas dans la culture. C‘est la culture du nord. Bon il faut mettre l‘accent dessus. Le savoir au cœur de l‘économie, c‘est super important. Et puis après c‘est de tirer les choses une industrie culturelle valorisé le cadre de vie il faut qu‘on arrête de massacrer le cadre de vie. Il faut qu‘on s‘en serve pour valoriser le territoire. Le paysage, le soleil, les gens. Il y a un gros potentiel après il faut que cela soit remis dans l‘économie moderne. Et cela c‘est le rôle méditerranéen et les questions de gouvernance derrière. Et puis Marseille est une des centrales (au niveau de Milan, Barcelone etc.). Bon c‘est Marseille et un système multipolaire! Ca peut être très bien mais peut aussi être avec beaucoup des risques et de menaces et beaucoup d’atouts. Et en ce moment on se gaspille on perd de l‘énergie alors soyons plus efficace ensemble et arrêtons de gaspiller. C‘est très ouvert il y a beaucoup de promesse mais après il faut passer à l‘acte. Il faut faire. Alors il y a beaucoup de ter-

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➜ P4 Provence-Alpes-Côte-d‘Azur Anhang

ritoires qui n‘ont pas ce potentiel. En gros on peut dire que ca avance mais il y a la crise. Marseille il y a beaucoup de retraités. C’est moins compétition directe avec le monde. Mais si en France on dit maintenant qu‘on va arrêter de distribuer l‘argent on ferme, moins de fonctionnaires, moins de redistributions de l‘argent. Tout ca, c‘est de l‘argent qui ne rentre plus à PACA. C‘est très sensible. Ca va causer des problèmes. C‘est un système qui est fragile. Alors jouons la qualité le résidentiel ce n’est pas que ca. C‘est aussi l‘économie. Il y a beaucoup de promesses et il faut passer aux actes. Ca c‘est la gouvernance. L‘avenir est ouvert mais ils ont arrivés à se débrouiller. Mais ce qu‘on voit concrètement c‘est que la population de Marseille (skizziert Bevölkerungskurve), c’est écoulé puis remontait et redémarré de 1995 à aujourd‘hui cela redémarre on est dans un mouvement. Aix, Toulon etc. puis il faut consolider, c‘est aussi la gouvernance.

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Inhaltliche Zusammenfassung des Interviews mit Professor Alain Motte am 18. Juni 2009 in Aix-en-Provence ● Herr Motte ist Professor am Institut d‘Urbanisme et d‘Aménagement régional der Université Paul Cézanne Aix-Marseille III in Aix-en-Provence, Forscher im „Centre Interdisciplinaire de Recherches sur les Territoires et leur Aménagement“ (CIRTA) des IAR und Herausgeber des Buches „Les agglomérations francaises aux défits métropolitains“

Je n’ai pas lu le rapport Balladur de manière très détaillée. Je vais vous faire des commentaires aux n’importe quelle partie du rapport. Ce que j’ai lu est très bien. La construction politique et administrative après la révolution est très importante pour le système français aujourd’hui. Les réformes peuvent être conduites avec Mr. Sarkozy. QUESTIONNAIRE PARTIE 1 (ALLGEMEINE FRAGEN ZUR RAUMPOLITISCHEN DEBATTE IN FRANKREICH): C’est un débat très important en France depuis la fin des années 1990. Il y a la discussion à l’intérieur des parties politiques. Des reformes en fin des années de Mr. Jospin en privilégant la région et l’intercommunalité, c’est exactement la même chose (loi Chevènement).

Raumordnung ist weniger eine Frage der linken oder rechten politischen Ausrichtung, sondern vielmehr eine Debatte über die Ideen wie die territorialen Institutionen organisiert werden können.

Raumordnung ist in Frankreich eine Angelegenheit der Politik. Es müssen mehr interkommunale Städteverbünde entstehen. Präsident Sarkozy lotet aus, wie die Parteien auf verschiedene Ansätzte reagieren.

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En France il y a deux grands courants qui s’affrontent à l’intérieur des différentes parties politiques. Les uns qui veulent renforcer le département et la commune, par exemple Mr. Mitterrand. Les autres qui veulent renforcer la région et l’intercommunalité. C’est moins un débat entre le droit et le gauche, c’est plutôt un débat des idées de l’organisation institutionnelle du territoire. Le problème en France, c’est le nombre des communes, en plus ils sont trop petits. Il est évident de monter les communes au intercommunalités. C’est un débat tout à fait nécessaire. Mr. Sarkozy était le ministre de l’intérieur de Mr. Balladur (premier ministre) dans les années 1990. Il y a une relation entre les deux personnes politique. Mr. Sarkozy fait beaucoup de rapports pour tester comment les différentes parties politiques etc. réagissent. C’est un rapport très vaste duquel il faut discuter en cercle politique et public en fin de 2009.


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La perspective pour la réalisation des propositions de Mr. Balladur est une question du calendrier électorale. Il y a des élections régionales en France en avril 2010 et les élections présidentielles en 2012. Ça fait deux moments de mettre en œuvre les propositions. Au plutôt en décembre 2010 on peut voir comment les réactions au rapport Balladur se déroule. Le rapport à provoqué beaucoup de débats importants. Comme toutes les régions sont en gauche, si la droite reprend la force en échelon régional, c’est plutôt possible. L’élection régionale est une réaction des gens de l’élection communal et inverse. S’il y a des changements en échelons régionales est le gens ne sont pas contente avec ça, les élections 2012 vont être très difficile à gagner pour la droite. À cause de la situation que le plus des intercommunalités fortes sont gérer par des parties gauche, il n’est pas facile de trouver le bon moment pour mettre en vigueur les propositions de Mr. Balladur.

Die Umsetzung der Reformen hängt von den Zielsetzungen des Präsidenten in seiner Legislaturperiode ab.

Mr. Joxe (gauche) a fait une première tentative en 1992 avec la loi Joxe. Elle favorise la coopération entre les communes. Il a créé la base pour la loi Chevènement en 1999. Dans les 7 ans entre 1992 et 1999 les élus de toutes les communes avaient obligé de se poser la question de la coopération intercommunale. La loi Chevènement était accompagnée par une incitation financière. Les communes ont vu plus des avantages (réorganisation du transport et de la planification) que des inconvénients (perte d’autonomie). Ils ont vu que c’est plus efficace de coopérer en matière des services publics. Les inconvénients vus par les élus étaient des questions financières (taxe professionnelle, retraite).

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Le rapport Balladur est un peut sévère. Il n’est pas facile de mettre en œuvre les propositions. Je pense qu’on a besoin des incitations pour assurer les élus des communes de déplanter les idées de Mr. Balladur. QUESTIONNAIRE PARTIE 2 (ZUR EBENE DER REGION UND DEN KOMMUNEN): En système français chaque échelon administratif a des certaines compétences. Les gouvernements Raffarin et Jospin ont eu des différentes idées des compétences institutionnelles en France (la commune et le département vs. l’intercommunalité et la région). Mr. Sarkozy a une grande expérience avec des élus communaux et départementaux. Il est monté par toutes les échelons politiques (élu, maire, conseiller général, ministre…). Mr. Mitterrand était très prudent avec des réformes.

Die Zusammenlegung adminstrativer Ebenen, wird eine Entlassung von Funktionären zur Folge haben und zu Arbeitslosigkeit führen.

Si on supprime un ou deux échelons administratifs on provoque du chômage. Les élus ont peur de le faire parce que ce n’est pas populaire. En ce moment là il y a une grande partie des fonctionnaires dans le département par exemple qui sont payé pour presque rien faire… La région PACA est très large est les EPCI sont très nouveau. Dans la région PACA il y a plusieurs régions métropolitaines. La région niçoise, la région toulonnaise et la région marseillaise. Après il y a Digne, Nyon. La décentralisation a eu un impact très important, localement les liens avec le pouvoir central sont beaucoup moins forts. Ça, c’est important pour les très grands projets, mais pas pour les projets moyens. Il y a une histoire avec les contrats État-Région en France. Les grandes communes en France peuvent réaliser des projets même-si la région n’est pas d’accord avec ça. Un exemple est le maire de Nice. Il est un homme politique très

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fort et il a des bon connections vers Paris (Mr. Sarkozy) en suite à Nice il y a des projets a côté du contrat État-Région… Même chose à Toulon avec un SCOT très grand. Historiquement, Marseille n’était pas en Provence. À cause du port Marseille était toujours indépendant et plus ouvert vers la mer méditerranéenne que vers la Provence. Marseille était la capitale régionale économique (salle). Aix était la capitale de la politique (culture). Il y avait des différentes identités qui se sont développée.

Marseille ist die Arbeiterstadt und der traditionelle Wirtschaftsraum, während Aix-enProvence mit den verschiedenen Identitäten, die sich entwickelt haben, die Stadt der Kultur ist.

Les réseaux du transport (ferré et routier) et la question de l’environnement (déchets) sont les deux points les plus important en échelle intercommunale dans la région PACA. Je pense qu’il faut insuffler un intérêt à la coopération intercommunale aux élus. C’est une question de la confiance entre les acteurs. De temps en temps ce n’est pas seul la question de l’intérêt des élus mais la question de l’intérêt des parties politiques. Sans un intérêt fi nancier direct les hommes politiques n’ont pas l’intérêt de coopérer souvent. C’est une chose qui se développera en long terme avec la confiance entre les élus etc.

Die wichtigen Themen auf Ebene der Region PACA sind Fragen des Verkehrswesens und des Umwelschutzes.

Dans les années 1990 il y avait la constitution des EPCI. C’était un changement fondamental. Il faut que les élus fassent des expériences avec la coopération. Ils ne veulent pas les choses nouvelles („Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“). Il faut laisser un peut de temps dans le contexte qui s’est développé dans les années dernières. Les élus dominant fallait accepter de partager leur pouvoir. Quand ils n’acceptent pas les autres (les moins dominants) ne vont pas le faire non plus.

Die Implementierung neuer Ideen und Ansätze braucht Zeit um sich zu entfalten.

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L’influence de Paris aux décisions régionales et locales dépend du type d’équipement. Les lignes de grandes vitesses sont contrôlées par Paris mais les réseaux de transport en bus c’est plutôt organisé régional, départementale ou locale. Le grand changement était initié avec les lois de la décentralisation au début des années 1980. Avant Paris a décidé tous. Après l’influence parisienne est baissée et se concentre aux projets très grands aujourd’hui. Pour les français l’État et une chose très important, comme un père.

Die eigenständige Handlungsfähigkeit und finanzielle Unabhängigkeit der Kommunen von Paris ist sehr wichtig.

L’État met en concurrence les différentes régions en matière des grands équipements, par exemple un opéra, en visant l’augmentation de la performance des régions. La somme des équipements nationaux est limitée. Ce n’est pas que la logique politique aussi une logique de la rentabilité. La fiscalité propre des communes et des EPCI est très important pour l’indépendance financière de Paris, mais en dehors les grands équipements.

Marseille wird 2013 Europäsische Kulturhauptstadt. Dies is ein Beispiel an dem alle Kommunen um Marseille mitwirken können. Fos-sur-Mer aber verweigert aus Prinzip jede Kooperation mit Marseille. Dies ist in der gemeinsamen Geschichte begründet.

Un exemple de Marseille être la capitale européenne de la culture en 2013. C’est un exemple de la coopération intercommunale dans la région PACA. La plupart des intercommunalités à accepter de collaborer avec Marseille, sauf Fos-sur-Mer. Il y a une grande histoire de l’identité entre Marseille et Fos. Fos n’accepte pas n’importe quelle décision de Marseille…

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QUESTIONNAIRE PARTIE 3 (ZUR FRAGE DER PROFILIERUNG DER REGION PACA UND DEREN PERSPEKTIVEN): Il y a des problèmes très important commun concernant l’environnement. La pollution de l’industrie maritime et des pôles d’activités littoraux ont affecté la nature. Par contre dans le nord de la région PACA on a créé des parcs naturels et des réserves naturelles. En plus il y a des problèmes énormes avec l’eau. La région doit être sensible avec l’alimentation de l’eau, particulièrement pendant les mois d’été.

Umweltschutz und Wasserwirtschaft sind wichtige Themen in der Region.

Le rapport Balladur il a l’idée de réorganiser les régions. Mais je pense, que ça touche que les régions qui sont très petite. Par exemple la Normandie. Dans la région PACA il n’y aura pas beaucoup de changement. Peut-être à Nice il y aura une évolution à l’avenir. La profile méditerranéenne de Marseille s’est développé par une dynamique autonome. La politique n’a pas beaucoup d’influence. On a une transition entre le sud de l’Europe et les pays de l’Afrique de nord. Le marché est une plateforme d’échange.

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Die 20 Forderungen des „Komitee Balladur“ 20 Propositions

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Die Regionen Frankreichs sollen ihre territoriale Ausdehnung vergrößern und sich ggf. zusammenschließen. Auf freiwilliger Basis soll die Zahl der Regionen dadurch von derzeit 26 auf zukünftig 15 verringert werden. Jede Region sollte zukünftig eine Bevölkerungszahl zwischen drei und vier Millionen Einwohnern aufweisen.

PROPOSITION N° 1: favoriser les regroupements volontaires de régions et la modification de leurs limites territoriales, pour en réduire le nombre à une quinzaine. Certaines régions françaises sont moins peuplées que leurs homologues européennes, et leur périmètre est parfois contesté. L’objectif est de leur donner une taille critique de 3 à 4 millions d’habitants.

Der freiwillige Zusammenschluss von Departements in Frankreich soll begünstigt werden.

PROPOSITION N° 2: favoriser les regroupements volontaires de départements par des dispositions législatives de même nature que pour les régions.

Ab 2014 sollen die Wahlen zum Regionalund Departementparlament gleichzeitig stattfinden.

PROPOSITION N° 3: désigner par une même élection, à partir de 2014, les conseillers régionaux et départementaux; en conséquence supprimer les cantons et procéder à cette élection au scrutin de liste.

Alle französischen Kommunen sollen bis zum Jahr 2014 in mindestens einem Kommunalverband organisiert sein.

PROPOSITION N° 4: achever, avant 2014, la carte de l’intercommunalité. Presque toutes les communes françaises sont membres d’un groupement de communes, mais, dans certaines régions, la carte de l’intercommunalité demeure inachevée. Il convient que les communes qui ne sont membres ni d’une communauté urbaine, ni d’une communauté d’agglomération ni d’une communauté de communes rejoignent, avant 2014, la forme de groupement correspondant à l’importance de leur population.

Bis 2014 sollen die „kommunalen Syndikate“ (SIVOM, SIVU) durch Kommunalverbände ersetzt werden.

PROPOSITION N° 5: rationaliser, avant 2014, la carte des syndicats de communes. Afin de simplifier le fonctionnement des administrations locales et de diminuer le nombre des échelons d’administration, il est proposé qu’avant 2014, tous les SIVOM et SIVU soient, lorsque leur périmètre correspond à celui d’un grou-


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pement de communes, absorbés par celui-ci et que soient précisées les conditions d’adhésion des communes à des syndicats dont le périmètre ne recoupe que partiellement celui du groupement de communes auquel elles appartiennent. PROPOSITION N° 6: ne plus créer de nouveaux «pays» au sens de la loi du 4 février 1995.

Ab sofort sollen keine „Pays“ mehr gegründet werden.

PROPOSITION N° 7: instaurer l’élection des organes délibérants des EPCI à fiscalité propre au suffrage universel direct, en même temps et sur la même liste que les conseillers municipaux.

Auf Ebene der EPCI soll die Direktwahl eingeführt werden. Sie soll zum gleichen Zeitpunkt stattfinden wie die Kommunalwahlen.

PROPOSITION N° 8: créer par la loi onze premières métropoles, à compter de 2014, d’autres intercommunalités pouvant ensuite, sur la base du volontariat, accéder à ce statut. A: C’est en 1966 qu’ont été créées, par la loi, les communautés urbaines. Pour donner une nouvelle impulsion aux plus importantes d’entre elles et doter notre pays d’agglomérations d’une force suffisante, il est proposé de créer, par la loi, avant 2014, un premier groupe de métropoles (Lyon, Lille, Marseille, Bordeaux, Toulouse, Nantes, Nice, Strasbourg, Rouen, Toulon et Rennes), auquel auraient ensuite vocation à se joindre, si elles le souhaitent, les intercommunalités remplissant les conditions posées par cette loi. B: Les métropoles ainsi constituées seraient des collectivités locales à statut particulier, exerçant, outre certaines des compétences des communes, les compétences, notamment sociales, dévolues aux départements. C: Soit les communes membres des communautés urbaines ou d’agglomération sur la base et dans le périmètre desquelles seraient créées les métropoles auraient la qualité de « villes », personnes morales de droit public dotées de compétences et de ressources fiscales propres et de conseils élus.

Es sollen ab 2014 elf Metropolen kreiert werden. A und B: Lyon, Lille, Marseille, Bordeuax, Toulouse, Nantes, Nice, Strasbourg, Rouen, Toulon, Rennes. Die Metropolen sollen aus der Kernstadt und den angrenzenden Kommunen bestehen und Gebietskörperschaften mit speziellem Status sein.

C: Handelt es sich bei den Kommunen innerhalb eines Städteverbunds um Städte bleibt deren Selbstverwaltungsgarantie (finanzielle Ressourcen und Kommunalparlament) unangetatstet. 153


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Interkommunal-Verbände sollen sich zu einer Kommune mit Selbstverwaltungsgarantie zusammenschließen können.

PROPOSITION N° 9: permettre aux intercommunalités de se transformer en communes nouvelles en redéployant, en leur faveur, les aides à l’intégration des communes.

Das Personal in Interkommunal-Verbänden soll um ein Drittel verringert werden.

PROPOSITION N° 10: réduire d’un tiers les effectifs maximaux des exécutifs intercommunaux.

Die Selbstverwaltungsgarantie für Metropolen, neue Gemeinden aus Interkommunalitäten und andere Gemeinden einführen sowie die Kompetenzen der Departements und Regionen spezifizieren.

PROPOSITION N° 11: confirmer la clause de compétence générale au niveau communal (métropoles, communes nouvelles issues des intercommunalités et autres communes) et spécialiser les compétences des départements et des régions.

Die Kompetenzen zwischen den Gebietskörperschaften untereinander und zwischen diesen und dem Staat klären.

PROPOSITION N° 12: clarifier la répartition des compétences entre les collectivités locales et entre celles-ci et l’Etat.

Es sollen alle Konsequenzen aus den Dezentralisierungsgesetzen gezogen werden. Alle unberechtigten Eingriffe des Staates in Entscheidungsbefugnisse der Gebietskörperschaften (Dekonzentration) sollen unverzüglich eingestellt werden.

PROPOSITION N° 13: prévoir, à l’occasion de la révision générale des politiques publiques, de tirer toutes les conséquences des lois de décentralisation, de telle sorte que les services ou parties de services déconcentrés de l’Etat qui interviennent dans les champs de compétences des collectivités locales soient supprimés.

In einer jährlichen Debatte im Parlament soll eine Zielsetzung der Entwicklung der lokalen öffentlichen Ausgaben definiert werden.

PROPOSITION N° 14: définir, dans le cadre d’un débat annuel au Parlement, un objectif annuel d’évolution de la dépense publique locale.

Die Grundlagen der lokalen Steuern sollen überprüft werden und alle sechs Jahre aktualisiert werden. Die derzeitigen Grundlagen stammen aus dem Jahr 1970.

PROPOSITION N° 15: réviser les bases foncières des impôts directs locaux et prévoir leur réactualisation tous les six ans. Actuellement, les bases foncières des impôts directs locaux sont celles fixées en 1970.

Es wird gefordert die „Taxe Professionnelle“ abzuschaffen und durch eine andere Form der Steuer zu ersetzen.

PROPOSITION N° 16: compenser intégralement la suppression de la taxe professionnelle par un autre mode de taxation de l’activité économique, fondée notamment sur les valeurs


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locatives foncières réévaluées et la valeur ajoutée des entreprises. PROPOSITION N° 17: limiter les cumuls d’impôts sur une même assiette d’imposition. Quelque 39.000 entités distinctes disposent, en France, de la capacité de lever l’impôt. Il en résulte une opacité du système fiscal qui nuit à l’exercice de la démocratie locale.

Steuerkumulierungen sollen zukünftig begrenzt werden. In Frankreich können ca. 39.000 öffentliche Stellen über Steuern entscheiden. Daraus ergibt sich eine Undurchsichtigkeit des fiskalischen Systems, das der Ausübung der lokalen Demokratie schadet.

PROPOSITION N° 18: créer, en 2014, une collectivité locale à statut particulier, dénommée « Grand Paris » sur le territoire de Paris et des départements de la Seine-Saint-Denis du Val-de-Marne et des Hauts-de-Seine. Cette création serait précédée d’une consultation associant les représentants des collectivités locales intéressées, des partenaires sociaux et des forces économiques.

Im Jahre 2014 soll eine kommunale Körperschaft mit besonderem Statut namens „Grand Paris“ auf dem Territorium von Paris und der Departements von Seine-Saint-Denis, Val-de-Marne und Hauts-de-Seine entstehen. Voraussetzung dafür ist, dass die betroffenen Gebietskörperschaften, die Sozialverbände und die Wirtschaft einverstanden sind.

PROPOSITION N° 19: modifier certaines dispositions du mode de scrutin actuel pour la désignation des membres de l’Assemblée de Corse.

Es sollen bestimmte Methoden bei der Wahl zum korsischen Parlament geändert werden.

PROPOSITION N° 20: instaurer, dans les départements et régions d’outre-mer, une assemblée unique.

In den Übersee-Regionen und Departements soll ein einziges „Parlament“ eingerichtet werden.

Les propositions n° 1, 2, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 19 et 20 ont été adoptées à l’unanimité des membres du Comité. Les proposition n° 3, n° 8 B, n° 11 et n° 18 ont été adoptée par la majorité du Comité.

Die Vorschläge n° 1, 2, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 19 und 20 sind einstimmig von den Mitgliedern des Komitee angenommen worden. Die Vorschläge n° 3, n° 8B, n° 11 und n° 18 sind durch die Mehrheit des Komitee angenommen worden.

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Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven der Region PACA im Kontext der aktuellen Debatte um die Reform der Gebietskörperschaften in F...

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