Page 13

wunsch und Schwangerschaft ein und kämpf- de auch von den “68er*innen” nicht erreicht. ten gegen Gewalt. Sie gründeten den Aktions- Familialismus und patriarchale Herrschaft harat zur Befreiung der Frauen, Wohngemein- ben sich als resistenter erwiesen, als die Aktischaften, Kinderläden, Kommunen und Frau- vist*innen vermutet hatten. enprojekte mit kollektiven War Kollontai unserer Zeit Strukturen. Auch das “PrivaKollontai war ihrer weit voraus? te” sollte politisch sein. Viele Zeit weit voraus. konnten sich einen SozialisIhre Träume und ihObwohl die Lebensformen mus ohne Feminismus (und re politische Praxis vielfältiger geworden sind, umgekehrt) nicht vorstellen. wurden in den Impulse der Bewegungen lässt sich aktuell ein Rück“68er*innen” wiewurden durch das etablierte zug in die traditionelle bürder aufgenommen. gerliche, heterosexuelle System aufgenommen, in den Mainstream integriert Kleinfamilie beobachten. Alternative Lebensformen oder und politisch entsorgt. Kleine Erfolge konnten auch sie erzielen. Doch die gar gelebte Utopien verschwinden offenbar Utopie einer gewaltfreien, friedlichen Gesell- hinter dem Wunsch, der Norm zu entsprechen. schaft von Frauen und Männern, die sich als Möglicherweise ist das auch eine Antwort auf Ebenbürtige begegnen und anerkennen, wur- die prekären Lebensverhältnisse, die Angst, im

Irrgarten der Multi-Optionsgesellschaft nicht den richtigen Weg zu finden, oder die Angst, nirgendwo dazuzugehören, die dazu führt, dass sich Erwachsene nach unkündbaren Beziehungen sehnen und junge Menschen in der romantischen Partnerschaft und der bürgerlichen Kleinfamilie Sicherheit und Geborgenheit suchen. Konservative Gruppierungen, die eine Verschärfung der Abtreibungsgesetze fordern und vor einer “Überfremdung” des Nationalstaates warnen, finden Anhänger*innen, weil sie nach “einfachen Lösungen” suchen. Die Sehnsucht nach zukünftigen Utopien einer befreiten Gesellschaft von freien Zusammenschlüssen unter freien Menschen ohne Unterdrückung und Gewalt darf nicht aufgegeben werden. 

Gisela Notz, Dr. phil., Sozialwissenschaftlerin und Autorin, lebt und arbeitet in Berlin. Sie schrieb u.a.: “Kritik des Familialismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes”, Stuttgart: Schmetterling 2015, und ist Redakteurin von Lunapark21. Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie. Weiterführende Literatur: Alexandra Kollontai: “Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin”, Berlin: Verlag Klaus Guhl 1977. Erstauflage 1926. Alexandra Kollontai: “Die neue Moral und die Arbeiterklasse”, Münster: Verlag Frauenpolitik 1977.

13

HAU-Publikation “Utopische Realitäten"  

Begleitend zum Festival “Utopische Realitäten – 100 Jahre Gegenwart mit Alexandra Kollontai" ist eine neue Ausgabe der HAU Publikationsreihe...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you