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Hardegg EINE

PUBLIKATION

DER

GUTSVERWALTUNG

HARDEGG

FÜR

Ausgabe

42 Jänner 2017

IN FO IHRE

PARTNER

In der Landwirtschaft macht sich eine tiefe Resignation breit. Zu niedrige Erzeugerpreise für Schwein, Milch, Getreide und Co bei laufend steigenden Kosten für Betriebsmittel, Investitionen und Arbeit lassen das Einkommen seit mehreren Jahren signifikant sinken. Große Verunsicherung über Zukunft und Nachfolge sind die Folge. Wie kann es gelingen, hier gegenzusteuern und den Landwirten wieder eine Perspektive zu geben? Fortsetzung auf Seite 2

Foto: © Herbst/ Gutsverwaltung Hardegg

E DIT ORIAL Liebe Leserin, lieber Leser!

Maximilian Hardegg

Wir Landbewirtschafter können uns nicht in Ruhe wähnen. Die aktuellen Herausforderungen sind groß und reichen von Wetterkapriolen über stagnierende Erzeugerpreise bei laufend steigenden Erzeugungskosten bis hin zu einer überbordenden Bürokratie mit dem damit verbundenen demotivierenden Aufwand. Hinzu kommt vielerorts ein einschränkendes Behördenwesen, welches den Landwirten das Gefühl vermittelt, dass die sogenannte „license to operate“ den Betrieben entzogen wird. Vielfach haben wir den Eindruck, dass wir hauptberuflich Gutachter und Rechtsanwalt sein müssten, um die Tagesanforderungen zu bewältigen. All dies führt zu einer wirklich schlechten Stimmung und trägt dazu bei, dass, laut der von mir initiierten großen WU-Studie, über 60 Prozent der Familienbetriebe keine gesicherte Nachfolge haben.

Ich bin der Meinung, dass die Landwirte nur dann neue Aufgaben erfüllen werden können, wenn sie positiv in die Zukunft blicken. Aber sie können auch an neuen, sinnvollen Aufgaben wachsen und so Mut schöpfen. Österreich braucht daher dringend einen Masterplan für die Landwirtschaft, welcher zum einen dazu beiträgt, dass die Betriebe sich weniger überfordert und dafür wieder freier fühlen. Zum anderen braucht es attraktive, motivierende Aufgaben für die Landwirtschaft wie z. B. im Umwelt- und Tierhaltungsbereich. Je attraktiver ein Betrieb ist, desto leichter wird die Nachfolgefrage zu lösen sein. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und viele gute Ideen für die Zukunft. Maximilian Hardegg

Foto: © Gutsverwaltung Hardegg

Landwirtschaft – wie soll es weitergehen?


THE MA Familienbetrieb unter Druck In kaum einer anderen Wirtschaftssparte sind Familie und Betrieb enger verwoben. Schätzungen zufolge leben in Österreich 800.000 Menschen in Familien der Land- und Forstwirtschaft. Die Ergebnisse der großen WU-Studie zu landwirtschaftlichen Familienbetrieben in Niederösterreich zeigen aber klar, dass es den Landwirten nicht gut geht – 60 Prozent der Betriebe haben keine gesicherte Nachfolge, auch die finanzielle Situation ist für viele bedrohlich. Die Betriebsleiter haben das Gefühl, dass sie alles in den Betrieb stecken, dass aber zu wenig zurückkommt. Dabei geht es auch um die Anerkennung durch den Markt, die Gesellschaft und das behördliche Misstrauen. Sollte es nicht gelingen, den Betrieben wieder Mut zu machen, wird sich dieser negative Trend weiter fortsetzen – zu Lasten der Familien und der bewirtschafteten Ressourcen. Ein Betrieb, der mit dem Rücken zur Wand steht, wird nicht innovativ sein, wird im Bereich Umwelt- und Tierschutz nur das Nötigste tun und sein unternehmerisches Verhalten auf „Auslaufen“ anstatt auf „Zukunft“ einstellen. Bürokratie und Behörde als Zusatzlast In den letzten Jahren, nicht zuletzt durch missverstandene EU-Bestimmungen, hat es im Agrarbereich ein Ausufern der Bürokratie gegeben, wodurch sich Landwirte schikaniert fühlen. Das Ausmessen einzelner Büsche und Bäume ist nur ein Beispiel für demotivierende Auflagen und lässt seitens der Behörden das Grundvertrauen gegenüber Landwirten vermissen. Es muss gelingen, die Kontrollen wieder mit mehr Eigenverantwortung durchzuführen und den Landwirt zur Einhaltung wichtiger Bestimmungen zu motivieren, ähnlich wie beim Verkauf seiner Produkte. Umweltprogramm: früher Musterbeispiel, heute unspezifisch Als Österreich 1995 der EU beitrat, war ein gut dotiertes ÖPUL ein fixer Teil der Bestimmungen. Für viele Landwirte war es sogar das Herzstück einer österreichischen Agrarpolitik, ließen sich doch damit viele Dinge auf einmal erledigen. Aus heutiger Sicht kann als Versäumnis gewertet werden, dass es Politik und Interessenvertretung nicht gelungen ist, eine entsprechende Evaluierung des Erreichten öffentlichkeitswirksam darzustellen. Das noch gültige ÖPUL ist stark abgespeckt, anstatt im Umweltbereich nachzuziehen und immer klarere Ziele zu verfolgen, wie etwa die Hebung der Artenvielfalt, gibt es heute vornehmlich unspezifische Begrünungsmaßnahmen. Diese

Foto: © Gutsverwaltung Hardegg

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Österreich verfügt über ein großes Potenzial – dazu gehört auch eine zeitgemäße Landwirtschaft

Perspektivenlosigkeit schlägt sich auch auf die Einstellung der Landwirte nieder, die gerne Umweltleistungen erbringen würden, aber mit dem Anbot einfach nicht einverstanden sind. Neue Aufgaben für die Landwirtschaft Um den Beruf Landwirt wieder attraktiv zu machen und so die Nachfolge sicherzustellen, braucht es neue Aufgaben, an denen die Betriebe wachsen können. In jedem Betriebsleiter steckt auch ein Händler und Verkäufer. Warum also nicht besondere Leistungen, z. B. im Umweltbereich, aktiv vermarkten? Je besser die Leistung des Betriebs – neben der Quantität zählt auch die Qualität –, desto höher sollte auch das Entgelt von Seiten der öffentlichen Hand sein. Ein praktisches Beispiel wäre die Anlage von Wildäckern für das Überwintern von Niederwild, Wild- und Singvögeln. Je vielfältiger die Pflanzenbestände und je ertragreicher die Wildfutterflächen, desto besser für die Vogelwelt, ergo desto höher das Entgelt dafür. Einer Selbstevaluierung des Landwirten folgen stichprobenartige Kontrollen. Weltweiter Rückgang der Artenvielfalt Eine besondere Herausforderung für Landwirte ist der Vorwurf, für den Rückgang der Artenvielfalt in hohem Maße verantwortlich zu sein. Umweltschutzorganisationen wie der WWF rechnen vor, dass global gesehen jährlich zwei Prozent der Arten verschwinden, nicht zuletzt wegen moderner agrarischer Praktiken. Was aber steckt wirklich dahinter und kann es einer zeitgemäßen Landwirtschaft gelingen, eine hochwertige Artenvielfalt zu erhalten? Die Antwort darauf ist ein klares JA! Wenn es gelingt, entsprechende Lebensräume, Experten sprechen von sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, für Wildlebewesen zur Verfügung zu stellen, teils als Brut- und Nistfläche und teils als Winterfutterflächen, dann ist die Basis für Artenvielfalt gelegt. Wird das Ganze mit einer adäquaten Fütterung und einem

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entsprechenden Wildtiermanagement kombiniert, dann kann eine hohe Artenvielfalt zweifelsfrei etabliert werden. Wofür steht Österreich eigentlich? Als kleiner Mitgliedsstaat der EU hat Österreich wichtige Einstellungen verinnerlicht. Beispielsweise die Tradition, die Betriebe der Landwirtschaft über Generationen in Familienhand zu führen. In Österreich gibt es viele Grundeigentümer und daher eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz für Land- und Forstwirtschaft. Die Landschaft wird als Besonderheit gesehen, gleichbedeutend mit Kultur und Kulinarik. Für den Österreicher ist klar, dass der ländliche Raum zu erhalten ist, sowohl punkto Ausmaß als auch Qualität. Klar ist auch, dass der Landbewirtschafter hier gefragt ist. Wir denken dabei vor allem an zukünftige Generationen, denen ein intakter ländlichen Raum für Wohnzwecke und zur Erholungssuche zur Verfügung stehen soll. Großes Potenzial Eine Erfolgsgeschichte für die österreichische Landwirtschaft wird sich nur dann verfassen lassen, wenn es gelingt, neue Aufgaben zu definieren und die Landbewirtschafter für diese zu gewinnen. Das Ergebnis wird von der Attraktivität der Ziele abhängen und auch davon, wie diese evaluiert und an eine interessierte Öffentlichkeit kommuniziert werden. Gelingt es nicht, den Betrieben Eigenverantwortung zuzutrauen, so kann es passieren, dass sich die Landwirte neue Aufgaben nicht antun wollen. Österreich verfügt über ein großes Potenzial: Zurecht heißt es in unserer Bundeshymne „Volk, begnadet für das Schöne“. Die Landwirtschaft als für den ländlichen Raum verantwortliche Berufsgruppe spielt dabei eine entscheidende Rolle. Österreichische Betriebe haben vielfach bewiesen, dass sie diese Rolle verstehen. Jetzt gilt es, ihnen die richtigen Ziele vorzugeben – genau dafür braucht es von Seiten der Politik einen zukunftsweisenden Masterplan Landwirtschaft. ◆


INTE RVIE W

Die Zukunft landwirtschaftlicher Familienbetriebe Hardegg Info: Herr Generalsekretär, die WUStudie zu landwirtschaftlichen Familienbetrieben hat die Problematik der großteils ungelösten Nachfolge klar zum Ausdruck gebracht. Deckt sich das mit den Daten der Kammer und gibt es dabei regionale Besonderheiten?

Die agrarischen Einkommen sinken laut Grünem Bericht das dritte Jahr in Folge aufgrund zu tiefer Erzeugerpreise bei gleichzeitig steigenden Produktionskosten. Was kann die Kammer tun, damit die Landwirte wieder auf die Erfolgsspur kommen?

Josef Plank: Diese Ergebnisse decken sich in der Grundlinie mit unseren Annahmen. Im LKÖ-Projekt „Agrarischer Ausblick 2025“ müssen wir auf Grundlage der Ergebnisse von Befragungen und Studien davon ausgehen, dass in den nächsten zehn Jahren ein Viertel der Betriebe die Land- und Forstwirtschaft nicht weiterführen wird. Der Hauptgrund sind fehlende Betriebsnachfolger, aber auch zu wenig attraktive Zukunftserwartungen. Regional betrachtet ist die Veränderung in den Ackerbaugebieten im Osten Österreichs deutlich schneller als in den alpinen Ungunstlagen. Es hängt auf jeden Fall auch mit der Erwerbsmöglichkeit außerhalb der Landwirtschaft zusammen.

Die Produktionskosten sind weiterhin sehr entscheidend. Es geht vor allem darum, den Anteil der Bauern in der Wertschöpfungskette abzusichern. Österreichische Agrargüter werden durch höhere Standards aber weiterhin Märkte brauchen, wo höhere Preise bezahlt werden. Uns ist Transparenz bei Lebensmitteln wichtig, dass Produktionsstandards und Herkunft zunehmend für Verbraucherinnen und Verbraucher erkennbar werden. Das gilt auch für verarbeitete und zubereitete Lebensmittel. Langfristig geht es sicher auch darum, die entscheidende Rolle der Landwirtschaft in der Umstellung auf ein sauberes Energiesystem abzusichern. Nicht nur zur Entlastung der Märkte ist es wichtig,

Medienberichte über die WU-Studienpräsentation „Landwirtschaftliche Familienbetriebe in Niederösterreich“

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Foto: © Van Bakel

Interview mit DI Josef Plank, Generalsekretär Landwirtschaftskammer Österreich

dass Biotreibstoffe, aber auch Ökostrom aus Biomasse auch nach 2020 eine entscheidende Rolle zur Treibhausgasreduktion beitragen. Wie sehen Sie die Zukunft eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs? Mehr Unternehmer, mehr Umweltleistungen, Vielfalt oder ein bisschen was von allem? Der Familienbetrieb wird weiterhin seine Stärke in der Konkurrenz mit von Kapitalgesellschaften geführten Agrarbetrieben ausspielen können. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Entscheidend ist jedoch, dass sie nicht durch Administration, Auflagen, Normen und Zertifizierungen überfordert werden. Jetzt ist sicher der Zeitpunkt gekommen, gemeinsam mit den Klein- und Mittelbetrieben der gewerblichen Wirtschaft entschieden gegenzusteuern. Diese Unternehmen haben die gleichen Probleme. Ich gehe von einer sehr vielfältigen Landwirtschaft aus. Mit wenig Einsatz von teuren Betriebsmitteln müssen gute und stabile Erträge erzielt werden, Risikoabsicherung wird noch mehr an Bedeutung gewinnen. Moderne Technik kann dabei helfen. ◆


BIODIVE RS IT ÄT

Singvögel als Indikatoren

Fokus Artenvielfalt Durch diese Kooperation entstand die Idee, Stilllegungsflächen für das Niederwild nützlich zu machen und so Biodiversität im landwirtschaftlichen Betrieb zu fördern. Der Ansatz der Gutsverwaltung Hardegg ist es, auf den Stilllegungsflächen sogenannte „nicht erntefähige“ Kulturen anzubauen, die dem Niederwild als Schutz-, Futter- und Brutzone dienen. Neben der Lebensraumverbesserung sind vor allem die Fütterung durch Niederwildflächen sowie die aktive Zufütterung und die Raubwildkontrolle essentiell. Nachweislich konnten dadurch Brut- und

Satzerfolg beim Niederwild deutlich gesteigert werden. Foto: © Se90 (de.wikipedia)

Laut Umweltschützern sind die Abnahme von Biodiversität und der Rückgang der Singvögel in der agrarischen Kulturlandschaft dramatisch. Die Gutsverwaltung Hardegg arbeitet bereits seit 1992 mit dem britischen Game & Wildlife Conservation Trust zusammen, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was die Landwirtschaft diesem Trend entgegensetzen kann.

Vorbild für das britische Agrarumweltprogramm Dieser Hardegg-Ansatz wurde dank der Überzeugungsarbeit des Game Conservancy in die britischen Agrarumweltprogramme aufgenommen und konnte große Erfolge erzielen. Das zweistufige Agrarumweltprogramm sieht vor, dass Landwirte, welche wertvolle Flächen für Wildtiere anlegen, zwischen 700 und 800 Euro pro Hektar und Jahr an Zuschüssen erhalten. Je besser eine Fläche (keine Verunkrautung, verschiedene Futterpflanzen), umso höher die Prämie. Auch für die zusätzliche Fütterung erhalten britische Landwirte Förderungen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die landwirtschaftlichen Flächen so zu gestalten, dass Brut und Aufzucht sowie Futterqualität für Wildtiere optimiert werden. Es bleibt zu hoffen, dass auch in den österreichischen Agrarumweltprogrammen zukünftig die Artenvielfalt einen entsprechenden Stellenwert bekommt. ◆

Der wunderschöne Goldammer ist ein klassischer Singvogel der Feldflur, welcher sich nicht in Parks und Grünanlagen finden lässt. Der Goldammer hat ganz ähnliche Anforderungen wie das Rebhuhn – mit einem Maßnahmenpaket können daher beide Arten gleichermaßen geschützt werden.

Singvogelzählung 2017 Derzeit nehmen über 1.000 Betriebe an der internationalen landwirtschaftlichen Singvogelzählung teil. Die Gutsverwaltung Hardegg organsiert erstmals am 30.01.2017 eine Schulung zur Singvogelzählung für österreichische Landwirte. Mehr Infos dazu auf Anfrage unter office@hardegg.at

„It is the farmers who are the solution“ Interview with Dr. Roger Draycott, Advisor of Game & Wildlife Conservation Trust Hardegg Info: Ecologists say that there is a constant decline in biodiversity, especially due to modern farming practices. Is that true?

Foto: © GWCT

Roger Draycott: Biodiversity has declined on farmland across Europe over the last 40 years or so and these declines are largely due to modern farming practices. Most ecologists would agree that widespread use of herbicides, insecticides and artificial fertilisers to increase yields has led to a decline in the availability of natural food

sources (seeds, flowers and invertebrates) for birds, pollinators and other wildlife in our fields. This, combined with a loss of semi-natural habitat like hedgerows, shelterbelts and rough grassy areas means the farmed environment is often not as attractive for wildlife as it used to be. Where ecologists often disagree though, is how best to improve the farmed environment for wildlife without having a negative impact on the economic viability of productive farming.

Roger Draycott, Head of Advisory and Eastern and Northern England Advisor. From a farming background and with a PhD in pheasant ecology, Roger has worked at the GWCT (Game & Wildlife Conservation Trust) since 1993. He spent many years undertaking applied research on gamebirds and farmland wildlife throughout Britain before joining the advisory team in 2012. Roger provides advice on game management and wildlife conservation to farmers, shoot managers, conservation organisations and the agricultural supply chain across eastern and northern England in addition to heading up the Advisory team.

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What could be the most efficient measures in land management in order to improve biodiversity? It is vital to provide habitat and food for twelve months of the year. So, for grey partridges for example, we need to provide nesting cover in spring, insect rich foraging areas for the young chicks in summer (wild flowers and legumes are very good), shelter and food in the fields in the winter. What is the point of providing only nesting cover if we are not providing for their needs for the rest of the year? We also have to be pragmatic and flexible when we are looking to recover farmland wildlife. For example, in Great Britain, farmers are paid to grow wild bird seed mixes to provide food for songbirds in the cold winter months. Often these mixes run out of food by the middle of January – just when they need it most. So, farmers can now also be paid to provide extra seed food in late winter and spring to INFO

get birds through this period of cold weather when there is little food about – we call it “the hungry gap”. What made the GWCT start the big songbird count? Is it a success? We started the big farmland bird count to raise the profile of farmland birds and to highlight the good work that many farmers are doing by providing habitat for birds. Often farmers are blamed for causing declines in farm wildlife, but it is the farmers who are the solution. By highlighting local successes it provides encouragement for other farmers to do more for the birds on the farms. In 2016 we had 1000 farmers participating and 130 different species were recorded. In 2017 we hope for many more. The count receives a lot of media attention and helps raise the profile of both the conservation needs of farmland birds and the work that farmers can do to help ◆ the birds on their farms.


TIERGES UNDHEIT

Trend geht Richtung Impfungen Hardegg Info: Frau Dr. Langhoff, die europäische Nutztierhaltung ist einem steten Wandel unterworfen. Wie würden Sie die Entwicklungen im Bereich Tierhaltung beschreiben?

Foto: © Gutsverwaltung Hardegg

Rebecca Langhoff: Im Bereich der Tierhaltung stehen die konventionellen Haltungssysteme immer wieder in der öffentlichen Kritik. Entsprechend wurde die Gruppenhaltung für tragende Sauen bereits im Jahr 2013 europaweit verpflichtend eingeführt. In Österreich gibt es z. B. für die Fixierung der Sau nach dem Decken eine zeitliche Begrenzung, die kürzer ist als in anderen europäischen Ländern. Zurzeit werden auch freie Abferkelsysteme intensiv beforscht. Ob diese Maßnahmen in jedem Fall eine Verbesserung im Tierwohl bedeutet, ist bei Experten umstritten. Persönlich denke ich, dass vieles zielführend umgesetzt werden könnte. Genug Zeit und Investitionssicherheit sind dabei die Grundvoraussetzungen. Leider sind Notlösungen aber häufig erforderlich, da in Altgebäuden der Platz oder die baulichen Voraussetzungen fehlen, Neubauten nicht oder nur eingeschränkt genehmigt werden und

Dialogforum zeitgemäße Landwirtschaft zu Gast bei Boehringer Ingelheim Im Zentrum der fünften Sitzung des von Maximilian Hardegg initiierten „Dialogforum zeitgemäße Landwirtschaft“ stand das Thema Tiergesundheit. Philipp von Lattorff, Geschäftsführer von Boehringer Ingelheim Österreich, lud die Mitglieder ins Regional Center Vienna ein. Rebecca Langhoff, die bei Boehringer Ingelheim für das Technical Management bei Schweinen verantwortlich ist, präsentierte Aktuelles rund um den Nutzen von Impfungen bei Schweinen. Neben der wissenschaftlichen wurde auch die rechtliche Perspektive diskutiert. Input dazu kam von Viktor Szontagh, der aktuell für das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen in Brüssel den Entwurf für eine neue EU-Verordnung zum Tierarzneimittelrecht verhandelt.

am Ende die Gewissheit fehlt, dass die Investitionen auch mit einem vernünftigen und kostendeckenden Schlachtschweinepreis abgegolten werden. Selbst wenn der Wille der Landwirte da ist, findet sich oft kein einfacher Weg der Umsetzung. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen im Tierarzneimittlbereich? Bei Arzneimitteln stehen derzeit vor allem antimikrobiell wirksame Stoffe (Antibiotika) in der Kritik. Hier geht es darum, dem Auftreten von resistenten Bakterien entgegenzu-

Es gilt: Vorbeugen ist besser als heilen – für das einzelne Tier, die Landwirte und die Verbraucher.

wirken, bei denen verschiedene Antibiotika nicht mehr wirksam sind. Dies kann in extremen Fällen zu einem Therapienotstand führen, bei dem eine gezielte Behandlung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr möglich ist. Die stetige Diskussion inwieweit der Antibiotikaeinsatz in der Nutztierpraxis Auswirkungen auf die Humanmedizin hat, sollte nicht entscheidend sein. Alleine der Grund, in Zukunft noch Antibiotika für Therapien zur Verfügung zu haben, sollte uns antreiben. Sehr positiv sind in diesem Zusammenhang alle Entwicklungen zu sehen, die der Prävention von Krankheiten dienen. Einige Maßnahmen, v. a. im Bereich der Biosicherheit und der Schutzimpfungen, sind bereits in der Anwendung, aber die Möglichkeiten sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Der Status quo und die Entwicklungen im Bereich der Arzneimittelanwendung, aber auch der Tierhaltung variieren zwischen den europäischen Ländern – noch stärker bei einer globalen Betrachtung. So werden die Produktionskosten und damit die Wettbewerbsfähigkeit unterschiedlich beeinflusst. Wo die Möglichkeit besteht, wären einheitliche Entwicklungen für den Europäischen Markt wünschenswert. Vielleicht liegt die Lösung für Österreich aber in der stärkeren Bewerbung der Regionalität. Den Verbrauchern zu vermitteln, dass sie nur „zu Hause“ mitbestimmen können, wie Nutztiere gehalten und geschlachtet werden, wäre essentiell. Gerade bei Boehringer Ingelheim ist man sehr um die Entwicklung von Schutzimpfungen bemüht. Welche Vorteile bringen Schweine-

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Foto: © Langhoff

Interview mit Dr. Rebecca Langhoff, Technical Service Manager Swine bei Boehringer Ingelheim

Schutzimpfungen für die Tiere und die Herdengesundheit und welche Auswirkung hat das auf das Endprodukt Fleisch? Mit Hilfe von Schutzimpfungen „trainieren“ wir das körpereigene Abwehrsystem der Tiere, um sie gegenüber spezifischen Erkrankungen resistenter zu machen. Dies bedeutet, dass wir zwar die Infektion mit einem Krankheitserreger oft nicht verhindern können, aber die Folgen dieser deutlich abschwächen. Schütze ich Schweine durch Impfungen, bedeutet das keine Erkrankung oder einen milderen Krankheitsverlauf, geringere Tierverluste, weniger Leistungseinbußen, geringeren Medikamenteneinsatz und einheitlichere Schlachtkörper und bessere Qualität. Schutzimpfungen tragen damit zum Tierwohl bei. Sie sind aus ökonomischer Sicht sinnvoll und leisten einen Beitrag zum Verbraucherschutz. Es gilt: Vorbeugen ist besser als heilen – für das einzelne Tier, die Landwirte und die Verbraucher. Wie wird aus Ihrer Sicht die Nutztierhaltung am Beispiel der Hausschweine in 20 Jahren aussehen? Die Herausforderungen werden sicher nicht weniger werden. Immer wieder werden wir mit neuen Haltungsanforderungen und Erkrankungen konfrontiert. Die Knappheit der Ressourcen wird die Diskussion immer stärker prägen. Aus diesem Grund wird es in 20 Jahren, so denke ich, zwei wichtige Standbeine in der Schweineproduktion geben. Zum einen wird die Grundversorgung international durch die Produktion in großen, voll integrierten Betrieben sichergestellt. Diese sind in dünn besiedelten Regionen mit großen landwirtschaftlichen Flächen angesiedelt. Zum anderen wird aber auch die Produktion von Fleisch mit besonderen Merkmalen, sei es z. B. aus regionaler Produktion oder aus Betrieben mit besonderen Tierschutz- oder Haltungsbedingungen, nachgefragt werden. Ich würde mir wünschen, dass die Verbraucher und Verbraucherinnen in Österreich bereit sind, letzteres mitzu◆ tragen.


KURZ & BÜNDIG

Next Generation Foto: © Land- und Forstbetriebe Österreich

Um das wichtige Thema der Betriebsnachfolge proaktiv anzugehen, will sich der Verband der Land- und Forstbetriebe Österreich zukünftig verstärkt der jungen Generation widmen. Maximilian Hardegg wurde zur Auftaktveranstaltung in die Steiermark nach Weiz eingeladen und stellte dort seine Sichtweise auf Herausforderungen und Chancen in landwirtschaftlichen Unternehmen dar. Es folgte ein angeregter Austausch mit rund 40 interessierten jungen Land- und Forstwirten.

Familien- und Weinlesefest Foto: © Concept Consulting

Im September feierte Maximilian Hardegg mit seinen Mitarbeitern und den Bewohnern der umliegenden Gemeinden vor dem Weinkeller das Familien- und Weinlesefest. Die Veranstaltung war Anlass, um sich bei den Mitarbeitern für ein erfolgreiches Erntejahr zu bedanken. Für die musikalische Begleitung sorgte das bekannte ORF Format Radio 4/4 mit den Schlagergrößen Melanie Peyer und Udo Wenders. Auf der Bühne waren Karl Gold für den Verein der Kellergassenführer, Weinviertel-Tourismus-Geschäftsführer Hannes Weitschacher und Bürgermeister Georg Jungmayer. ORF Moderator Hannes Wolfsbauer führte durchs Programm. Unter dem Motto „Alte Spiele neu entdeckt“ gab es ein tolles Programm – mit Hüpfburg und eigenem Kasperltheater für die kleinen Gäste. Für das leibliche Wohl sorgte das Rote Kreuz mit zwei Spanferkeln, die von Hardegg gesponsert wurden.

Foto: © Gutsverwaltung Hardegg

Zu Besuch bei McDonald’s Österreich McDonald’s Österreich setzt auf regionale Produkte aus Österreich. Der Gutsverwaltung Hardegg kommt als von McDonald’s ausgezeichnete Flagship Farm eine besondere Rolle zu. Mag. Andreas Schmidlechner, Chef von McDonald’s Österreich, informierte sich aus erster Hand bei Maximilian Hardegg über den Kartoffelbau und die allgemeine Situation der Landwirtschaft. „Das Gut Hardegg ist der größte Produzent in dieser Lieferkette und damit auch einer der zentralen Garanten für ganzjährig gleichbleibende Topqualität“, so Schmidlechner. Gemeinsam wurde vereinbart, den Fachaustausch weiter zu intensivieren.

Treff.Punkt Landtechnik in Wieselburg

Zusätzlich zur Hardegg Info möchten wir Sie ab März 2017 mit einem neuen E-Mail-Newsletter informieren.

DI Heinrich Prankl vom BFL Wieselburg veranstaltete den Auftakt der Landtechnik-Fachgespräche im Brauhaus Wieselburg. Vor mehr als 60 interessierten Gästen präsentierte Maximilian Hardegg seine Einschätzungen zur Situation der Landwirtschaft sowie Lösungsansätze für zukünftige Problemstellungen. Die anschließende Diskussion bot den Teilnehmern die Möglichkeit, Sorgen, Herausforderungen und Chancen der Branche „von Landwirt zu Landwirt“ zu besprechen.

Wenn Sie sich für aktuelle Infos rund

Foto: © Karin Maria Heigl

um Feldwirtschaft, Schweinezucht,

I M P R E S S U M

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Herausgeber und Medieninhaber: Gutsverwaltung Hardegg, 2062 Seefeld-Kadolz, Tel. (02943) 22 03, Fax DW 10 E-Mail: office@hardegg.at www.hardegg.at

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Redaktion: Dipl.-Ing. Maximilian Hardegg Konzeption: communication matters Layout: JoHeinDesign Druck: AV+ Astoria Druckzentrum, Wien

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Hardegg Ausgabe 42 / Jänner 2017