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dame & bube liebe geht über falten

hauptstadt / 18 — stärkt eure abwehrkräfte hochschule / 32 — foto-love-story • denn ein hausmeister ... auftritt / 50 — „wir sind nerds!“ • die open-synth-session im kulturpalast neulich / 34 — von prinzipienreitern und quasselstrippen • begegnungen in der bahn magazin für junges leben in hannover • ausgabe 4 • dezember 2009 • www.derhanns.de • kostenlos


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editorial

100%

hundert prozent altpapier fühlen sich einfach besser an! umweltschutz — vorgeführt auch von den tretwerk-fahrradkurieren! vorgeführt — hanns feiert premiere im apollo kino, party mit heinz und geburtstag im kulturpalast. neue herausgeber, das erste tattoo, musizierende fährmänner, strippende schauspielerinnen, brüllende löwen und großstadthaie bewegen hanns. neue freunde mit visionen lassen uns weiter wachsen. für viel lob, kritik und unterstützung steht an dieser stelle: danke

coverfoto: mirja zentgraf; diplom kostümdesign: birgit klötzer


04 dame & bube liebe geht über falten 32 foto-love-story denn ein hausmeister ... 18 stärkt eure abwehrkräfte

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HAUPTSTADT

32

HOCHSCHULE

50

AUFTRITT

34

NEULICH

50 wir sind nerds die open-synth-session

klischee:

40 halbgöttin im kulturpalast in gummistiefeln

hanns entdeckt:

22 der großstadthai

mein erstes mal:

54 beim tätowierer

einblick:

42 there is no place like ...

erstaunlich:

28 der kleine mann im gully

unterton:

in der mensa mit:

58 this is reebosound

46 ingo lass

zapfsäule:

30 das blattgold

60 ausgeh’n

im dezember/januar

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dame & bube liebe geht 端ber falten


titelstory

text: maria eggers fotos: mirja zentgraf diplom kostümdesign: birgit klötzer

Für gewöhnlich sollte die Traumfrau eines Mannes vor allem eines sein: hübsch und möglichst jung. Wir Frauen wünschen uns vermeintlich einen, sagen wir mal, erfahrenen Mann, der am besten schon fest im Berufsleben steht und weiß, was er vom Leben erwartet. Doch was, wenn sie die Brötchen verdient, während er noch vor seinen Unibüchern schwitzt? Wenn er noch frisch und knackig ist, während bei ihr schon die ersten grauen Härchen sprießen? Kann das auch gut gehen, wenn man nicht Ashton Kutcher oder Demi Moore heißt und statt in Hollywood im beschaulichen Hannover residiert? Gruppen wie „Auf alten Kähnen lernt man segeln“, „Ich steh auf ältere Frauen“ oder auch „Ältere Frauen und jüngere Männer liegen voll im Trend“, zieren immer häufiger das Konterfei von Profilen in einschlägigen sozialen Netzwerken. Ältere Frauen mit einem jüngeren Mann an ihrer Seite scheinen momentan wirklich im Trend zu liegen und sind eigentlich nichts Ungewöhnliches mehr. Warum jüngere Männer ihr Auto tunen, jüngere Frauen nur zum Pony reiten taugen und ein jüngerer Partner einfach eine Prise romantischer ist, erfahrt ihr exklusiv in eurem hanns.

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Als Magdalena (28) ihren Ehemann Adrian (25) vor 4 Jahren kennenlernte, gab sie der Beziehung zu ihrem Schatz keine lange Haltwertszeit. „Vielleicht hören sich drei Jahre Altersunterschied

„ich wollte schon als kind mein auto tunen“ nicht sehr dramatisch an, doch für meine Eltern war das damals ein riesiger Schock“, berichtet Magdalena. „Meine Eltern hatten schon mit 19 geheiratet und wünschten sich dasselbe für mich. Ein junger Typ wie Adrian konnte in den Augen meiner Eltern unmöglich an einer ernsthaften Beziehung interessiert sein.“ Doch weit gefehlt! Obwohl Magdalena bereits nach kurzer Beziehung ein fünfmonatiges Praktikum in Griechenland absolvierte, hielt die Beziehung an. Adrian meinte es ernst und „rief mich jeden Tag in Griechenland an“, so Magdalena. Die Feuerprobe war bestanden. Als sie

wiederkam, fackelte ihr Freund nicht lange und hielt um ihre Hand an. Magdalena ging das allerdings zu schnell und sie erbat sich eine Bedenkzeit, die ganze zwei Jahre andauern sollte. Ob sie dem jugendlichen Übermut nicht traute? „Nein“, entgegnet sie bestimmt. „Ich wollte ihn vorher einfach noch besser kennenlernen und mit ihm zusammen wohnen.“ Adrian dagegen war sich von Anfang an sicher, dass Magdalena die Richtige ist. „Und drei Jahre Altersunterschied sind doch auch gar nicht der Rede wert“, findet Adrian. „Mein Onkel ist immerhin 14 Jahre jünger als meine Tante“, so der 25-jährige. Der Trend zu älteren Frauen liegt bei ihm wohl auch ein bisschen in der Familie. 2008 gab Magdalena schließlich Adrians Heiratsavancen nach und sie schlossen den Bund der Ehe. Was ihm besonders an seiner Frau gefällt? „Ihre Reife“, erklärt er ohne zu zögern. Da der gebürtige Pole noch nicht sehr lange in Deutschland lebt, hilft seine Frau ihm sich in Deutschland zurechtzufinden oder auch bei hin und wieder auftauchenden Sprachbarrieren. Peinlich ist ihm das nicht. Er ist stolz auf seine Frau und hat kein Problem damit, von ihr unterstützt zu werden. >


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* Die mit Sternchen gekennzeichneten Namen sind von der Redaktion ge채ndert

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Magdalena ist dagegen manchmal von den jugendlichen Impulsen ihres Mannes genervt. „Als er mir vor einiger Zeit immer in den Ohren lag sein Auto zu tunen, konnte ich das echt nicht nachvollziehen und fand das Ganze total albern“, erzählt die 28-jährige. „Aber so eine kindische Ader hat ja eigentlich jeder Mann“, fügt sie anschließend versöhnlich in Richtung ihres Mannes hinzu. Das aufgetunte Auto hat er mittlerweile. Und die Aufregung seiner Frau kann Adrian überhaupt nicht verstehen: „Ich habe mir eben schon als Kind so etwas gewünscht“, verteidigt er sich. „Ja, aber einen Flachbildschirm gibt’s trotzdem nicht. Denn so was“, erinnert Magdalena ihren Mann, „gab‘s nämlich noch gar nicht, als du klein warst.“ Adrian nickt artig. Eindeutig wer in dieser Beziehung die Hosen an hat. Die Frau natürlich. Doch solange Adrian sein aufgemotztes Auto behalten darf, scheinen beide miteinander glücklich zu sein. Als die Psychologin Nicole (28) vor zwei Jahren dem Amerikaner Jordan (23) begegnete, hätte sie nie im Leben erwartet wie schlagartig sich ihr Leben ändern würde. „Ich schrieb gerade an meiner Magisterarbeit und hatte über-

haupt keinen Kopf für so was“, erklärt sie. „Deshalb war Jordan am Anfang eher wie ein guter Freund für mich.“ Außerdem lebte sie zu dem Zeitpunkt noch zusammen mit ihrem damaligen Partner, „auch

„jüngere männer haben einen viel größeren sinn für romantik“ wenn wir uns dort schon in einer Beziehungspause befanden“, stellt Nicole klar. Jordan studierte damals für einige Monate in Deutschland und war von Anfang an von Nicole begeistert. „Sie war so offen und neugierig, deshalb fiel mir anfangs der Altersunterschied überhaupt nicht auf“, berichtet der Amerikaner. Nachdem sie sich immer öfter mit gemeinsamen Freunden trafen, wollte Jordan mehr. „Wir waren dann ein Paar - allerdings nur für zehn Tage“, erzählt er. Danach beschlossen die beiden, dass es besser

sei, Freunde zu bleiben. „Wir waren einfach zu verschieden“, meint Nicole. Der Altersunterschied war ihr anfangs wohl doch nicht so geheuer. Jordan hingegen gab sich damit nicht zufrieden und kämpfte um die Gunst seiner Angebeteten. Schließlich wurden sie doch wieder ein Paar und sind seit einigen Monaten glücklich verheiratet. Mittlerweile sehen beide den Altersunterschied positiv. „Jordan war zwar noch sehr jung, als wir uns damals kennen lernten, doch trotzdem war er zu dieser Zeit schon viel reifer als mein damaliger gleichaltriger Freund“, berichtet Nicole. „Von Anfang an hat er viel von Heirat gesprochen und strahlte eine Reife aus, die ich bis dato überhaupt nicht kannte.“ Schließlich sei sie von ihrem Ex-Freund immer eine gewisse Planlosigkeit gewohnt gewesen. So habe er während der ganzen Beziehung überhaupt nicht gewusst, was er vom Leben wollte. „Wahrscheinlich konnte ich mir auch früher deshalb nicht vorstellen zu heiraten, aus Selbstschutz“, sagt Nicole nachdenklich. Nachdem sie dann ein Jahr als Deutschlehrerin in Frankreich tätig gewesen war, wagte sie den Schritt über den großen Teich und zog zu Jordan


in die USA. „Ich habe einfach gemerkt wie reif Jordan war und dass er zu dem stand, was er mir sagte und ich mich auf ihn verlassen konnte.“ Diese Standfestigkeit überzeugte Nicole letztendlich. „Als wir dann zusammen am Grand Canyon waren und die atemberaubende Sicht genossen, hielt Jordan ganz romantisch um meine Hand an“, verrät sie glücklich. „So etwas Romantisches habe ich noch nie zuvor erlebt und natürlich sofort Ja gesagt.“ „Bei gleichaltrigen oder älteren Männern habe ich etwas Vergleichbares nie erlebt.“ Jordan, der sich für sein Alter schon als sehr reif betrachtet, findet an seinem Verhalten trotzdem nichts außergewöhnliches, im Gegenteil. „In Amerika ist man nun mal einfach nicht jahrelang mit derselben Partnerin zusammen. Entweder es wird nach spätestens 4 Jahren geheiratet oder man trennt sich“, klärt er auf. „Mit 18 habe ich bereits genug Erfahrungen gemacht und nach einer ernsthaften Beziehung gesucht, die ein Leben lang halten sollte“, sagt der Amerikaner. Gleichaltrige Frauen kamen für Jordan für so etwas Ernstes allerdings nicht in Frage. „Meine jüngeren Freundinnen waren im Gegensatz zu Nicole einfach zu

unreif dafür.“ Und wie reagierte das Umfeld der beiden? „Das hat super reagiert, vor allem meine Mutter, schließlich ist sie auch drei Jahre älter als mein Vater“, erzählt Nicole und freut sich bereits auf weitere romantische Gesten von ihrem Mann.

„den altersunterschied merke ich kaum – außer beim kanu fahren“ Auch Melanie* (37) ist dem Charme eines jüngeren Mannes verfallen, doch bei ihr fällt der Altersunterschied mit 11 Jahren besonders groß aus. Seit eineinhalb Jahren ist sie mit ihrem heute 26-jährigen Partner Peter* glücklich liiert, trotz des großen Altersunterschieds. „Natürlich waren nicht alle begeistert von meinem neuen Partner, vor allem meine Mutter hatte so ihre Probleme mit seinem Alter. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen,

dass ein so junger Mann es ernst meint und wünschte sich einen älteren Mann für mich, der schon fest im Berufsleben steht und finanziell unabhängig ist.“ Ihr Partner hingegen war bis vor kurzem noch einfacher Student und befindet sich momentan auf Jobsuche. Doch nach einiger Zeit waren selbst die größten Skeptiker von ihrem Auserwählten überzeugt. „Immerhin leben wir schon seit einiger Zeit zusammen und sind sehr glücklich miteinander“, berichtet sie. Kennengelernt haben sich die beiden in der Baggi – ausgerechnet auf einer Ü30Party, über gemeinsame Freunde. „Von Anfang an haben wir uns gut miteinander verstanden und irgendwann wurde einfach mehr daraus“, erzählt sie. Beide haben viel gemeinsam, sind sehr unternehmungsfreudig und gerne im Nachtleben unterwegs. „Schließlich habe ich viele jüngere Kollegen, die mich überall hin mitnehmen“, erklärt die lebensfrohe Melanie. Trotzdem wird ihr der große Altersunterschied hin und wieder bewusst. Z.B. das letzte Mal als Peter sie für eine ganztägige Kanutour anmeldete. „Da war ich nach zwei Stunden einfach fix und fertig. In diesem Moment fiel mir der >


Altersunterschied schon sehr stark auf. Ich bin halt keine zwanzig mehr und ein halber Tag im Kanu hätte mir schon gereicht“, gesteht sie. Was ihr Freund dennoch an seiner älteren Partnerin schätzt? „Ich glaube, dass ich in gewissen Dingen einfach entspannter bin als jüngere Frauen und nicht so zickig. Als er mir ganz zu Anfang unserer Beziehung berichtete ein Auslandssemester zu absolvieren, bin ich einfach locker geblieben und habe ihn die ganze Zeit über in dieser Entscheidung unterstützt.“ Im Laufe der Jahre habe sie einfach angefangen die Dinge entspannter zu sehen. „Denn wenn eine Beziehung wirklich tief ist, wird sie schließlich auch aus der Ferne halten oder sie geht halt in die Brüche, aber dann sollte es wohl nicht sein.“ Diese gelassene Einstellung hat bei ihrem Partner Eindruck hinterlassen. „Denn auf Rumgenerve haben doch die meisten Männer überhaupt keine Lust“, sagt sie. Dass ihr Freund gerade erst sein Studium beendet hat, während sie bereits fest im Berufsleben steht, stört sie wenig. „Ich unterstütze ihn bei seiner Arbeitssuche und gebe ihm Stabilität. Aber er mir auch, auf seine Weise.“ So kümmert er sich liebevoll um

ihr Kind aus einer früheren Beziehung und ist trotz seines Alters genau wie sie ein absoluter Familienmensch. Warum er dann trotz glücklicher Beziehung nichts öffentlich zu der Beziehung sagen möchte, bleibt offen. „Er ist eben schüchtern“, erklärt seine Freundin und wünscht sich für ihre Beziehung vor allem zwei Dinge: dass Peter möglichst einen Job in Hannover und Umgebung findet und sie bei der nächsten Kanutour doch bitte zu Hause bleiben darf.

„jeder mann wünscht sich eine mutti“ Amadeus* (22), seines Zeichens selbst erklärter Fachmann für Frauen ab 30, kann die Begeisterung für das ältere weibliche Geschlecht absolut nachvollziehen. Ältere Frauen haben meist einen guten Job, einen tollen Kleidungsstil und sind einfach wesentlich relaxter als gleichaltrige oder jüngere Frauen. Die kann man seiner Meinung nach total vergessen. „Die können doch nur Pony reiten“, so


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das Urteil des Frauenkenners. Offen plaudert Amadeus aus, was sich insgeheim jeder Mann wünscht. Von wegen scharfe Sexbombe, eine Mutti soll es sein. „Wir Männer wollen an die Hand genommen werden und jemanden haben, der uns sagt wo es langgeht.“ Auch sexuell. „Von Frauen in der »Turtleposition« habe ich jedenfalls genug“, stellt er klar. Turtleposition? Was is‘n das? „Ganz einfach: Frauen, die einfach da liegen und ihre Arme nach hinten verschränken, während der Mann arbeiten muss“, klärt Amadeus wissend auf. „Überhaupt habe er nichts gegen eine Karrierefrau einzuwenden. „Ich bin schließlich ein emanzipierter Mann und habe ganz und gar nichts dagegen, wenn die Frau erfolgreicher ist, als ich es bin. Denn selbst Sartre konnte sich doch ohne Simone de Beauvoir nicht einmal die Schuhe zu binden“, führt er den Lobgesang auf ältere Frauen fort. Gut, die Männer wollen also eine starke Frau. Doch besteht nicht die Gefahr, den Mann doch irgendwann an eine Jüngere zu verlieren? Amadeus’ Meinung nach überhaupt nicht. „Das Anziehendste an einer Frau ist ihr Selbstbewusstsein“, sagt er ohne zu zögern. „Und die Frauen der

heutigen „Heidi-Klum-Generation“ können doch vor allem nur eins: an sich rummeckern. Auf Fragen à la „Bin ich schön?“ oder „Bin ich nicht zu dick?“ können wir Männer echt verzichten. Das nervt und törnt einfach ab und ist alles anders als selbstbewusst“, gibt er zu Protokoll. Doch ist das schon alles, was ältere von jüngeren Frauen unterscheidet? „Nein“, sagt der Frauenversteher und führt seine Huldigungen der älteren Frauen fort: „Frauen mit einer gewissen Reife geben sich nicht mehr der Illusion hin einen Mann ändern zu wollen, sondern akzeptieren ihn so, wie er ist.“ Während ein junges Ding den ganzen Tag darüber meckert, wenn ein Mann stundenlang mit seinen Kumpels vor der Glotze hängt und Fußball schaut, mache sich eine ältere Frau gar nicht erst die Mühe rumzukeifen und beschäftige sich kurzerhand einfach mit etwas anderem, was sie interessiert. „Damit bewirkt die Frau, dass der Mann wie von selbst aufhört fernzusehen, weil er neugierig wird, was seine Flamme denn bitte mehr interessieren kann als Fußball.“ Sprich: Ältere Frauen können Männer einfach subtiler bearbeiten und verhalten sich dabei durchaus raffinierter als ihre jün- >

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geren Artgenossinen. Ob er es doch eines Tages mit einer Jüngeren versuchen wird, ist unwahrscheinlich. Schließlich hat die Präferenz für ältere Frauen „etwas mit Anspruch zu tun.“ Und solange Jüngere sich weiterhin nur mit Ponys beschäftigen, schaut sich Amadeus lieber weiter nach älteren Damen um.

„knackig, straff und fest ist die devise“

Passend zu unserer Titelstory läuft im Apollo Kino der Klassiker „Harold & Maude“ Fr+Sa, 25.+26.12.2009, 23.00 Uhr / Di, 29.12.2009, 18.00 Uhr / Mi, 30.12.2009, 23.00 Uhr / So, 03.01.2010, 20.15 Uhr / Mi, 06.01.2010, 18.00 Uhr Apollo Kino Linden / Limmerstraße 50 / 30451 Hannover / www.apollokino.de

Während die männliche Gattung vor allem die innere Haltung und Gelassenheit an reiferen Frauen zu schätzen weiß, steht bei Frauen ganz klar der körperliche Aspekt im Vordergrund. Ihre letzten drei „Bekanntschaften“ waren 21, 19 und 18 Jahre jung. Miramond* (28) bekennt freimütig: „Jüngere Männer sind einfach schön knackig, straff und fest. Sie sind im Vergleich zu ihren älteren Genossen schön vital und befinden sich in jüngeren Jahren zusätzlich auf dem Höhepunkt ihrer Potenz. Jemand, der sich dreimal täglich einen runterholt, hat noch viel


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mehr körperliche Energien.“ Neben dem körperlichen und sexuellen Aspekt findet Miramond jüngere Männer auch einfach mutiger. „Die trauen sich in der Disco viel schneller an eine Frau ran als ältere Männer.“ Und wenn man die Wahl habe zwischen einem älteren Mann und einem Jüngeren, um Spaß zu haben, sei der junge Bursche eindeutig die bessere Alternative. „Im Gegensatz zu reiferen Männern sind die Jüngeren doch viel ausdauernder und man kann stundenlang mit ihnen rumknutschen“, lobt Miramond. Doch taugt so ein Jungspund auch für etwas Festes? Da ist sich Miramond dann doch nicht ganz sicher. „Die jungen Männer befinden sich doch noch in einer ganz anderen Lebensphase, wohnen teilweise noch bei ihren Eltern und wissen nicht einmal, wie man Wäsche wäscht.“ In einer Beziehung zählen neben der körperlichen Anziehung nun mal noch andere Dinge. „Ich möchte mit meinem Partner auch tiefe Gespräche führen können.“ Dies könne ein jüngerer Mann wohl nur, wenn er schon sehr reflektiert sei. Doch für eine Nacht wird Miramond sicher auch in Zukunft nicht Nein zu einem hübschen Jüngling sagen.

Auch Wiebke (22) glaubt nicht daran, dass jüngere Männer wirklich beziehungstauglich sind. „Ich war einige Monate mit einem fünf Jahre jüngeren Mann liiert und am Ende ist die Beziehung am großen Altersunterschied gescheitert.“ Kennengelernt haben sich die beiden in einem Pfadfinderlager und obwohl sie

„damals im ferienlager...“ beide sehr verliebt waren, gingen die beiden nach einigen Monaten getrennte Wege. „Wir befanden uns einfach in zu unterschiedlichen Lebensphasen“, sagt Wiebke. „Während ich anfing zu studieren und nicht mehr zu Hause lebte, ging er noch zur Schule und wohnte bei seinen Eltern. Das ging auf Dauer einfach nicht gut. Wir hatten keine gemeinsame Basis.“ Heute kann sie es sich überhaupt nicht mehr vorstellen, eine Beziehung zu einem jüngeren Mann zu haben und schaut sich lieber nach Männern um, „die sich in derselben Lebensphase befinden.“ Ob

sich der Trend zum jüngeren Mann bzw. zur älteren Frau durchsetzen wird bleibt abzuwarten. Schade ist, dass es immer noch gesellschaftlich tabuisiert ist, wenn eine ältere Frau einen jüngeren Partner hat. Deshalb zum Schluss eine Message an alle Pärchen da draußen: Lasst euch eure Beziehung nicht von außen kaputt machen. Es gibt weit mehr Pärchen in dieser Konstellation als ihr glaubt. Von denen allerdings viele ihre Geschichte nicht öffentlich erzählen. hanns findet, dass kein Pärchen sich verstecken muss. Am Ende ist das Alter schließlich nebensächlich und es zählt dann sowieso nur was bereits die Beatles predigten: Die Liebe. Und wenn man das Glück hat sie gefunden zu haben, ist es doch egal ob nun er oder sie jünger ist. Hauptsache man ist glücklich dabei.

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wo die liebe hinf채llt

: ein interview


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hanns: Liegt die Konstellation ältere Frau+ jüngerer Mann neuerdings im Trend? Julia Kobs, Diplom-Psychologin am Institut für Seelische Gesundheit an der Medizinischen Hochschule Hannover erklärt, was ältere Frauen und jüngere Männer aneinander so anziehend finden und warum solche Beziehungen durchaus glücklich enden können. interview: maria eggers foto: parisa hussein-nejad

Julia Kobs: Einerseits ist das sicher ein Trend. Viele Frauen werden selbstbewusster, tun länger etwas für ihr Äußeres, treiben Sport, nehmen kosmetische Operationstechniken in Anspruch und fühlen sich viel länger viel jünger. Letzteres basiert auf dem verstärkten Selbstbewusstsein der heutigen Frauengeneration, die bessere Positionen bekleiden, mehr Geld verdienen und sich deshalb auch in der Liebe nicht mehr zurückhalten und sich das nehmen, was sie wollen. Im Zuge der Gleichberechtigung sagen diese Frauen häufig: „Was Männer können, das können wir auch. Ältere Männer und jüngere Mädchen sind ja schließlich auch nichts Ungewöhnliches.“

Und Andererseits? Andererseits hat es so etwas ja schon immer gegeben, doch war es bisher gesellschaftlich stark tabuisiert. Die Frauen wurden häufig als so genannte „Nesträuberinnen“ verschrien, die den jüngeren Frauen, die eine Familie gründen wollen, angeblich die Männer klauen. Die jüngeren Männer werden hingegen häufig als „Weicheier“ und „Mamasöhnchen“ bezeichnet, wenn sie sich mit älteren Frauen einlassen. Deshalb werden diese Beziehungen aufgrund der starken Stigmatisierung oft verheimlicht.

Was zieht einen jüngeren Mann an einer älteren Frau an? Das sind verschiedene Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Zum einen steht nicht jeder Mann auf junge Mädchen, die eher als unerfahren und unschuldig gelten. Viele Männer wünschen sich ein „Gegenüber“ und empfinden die Reife einer älteren Frau als durchaus anziehend. Eine ältere Frau strahlt oft mehr Selbstbewusstsein aus, sie wissen meist viel besser, was sie wollen und sind eher bereit, sich das auch zu nehmen. Ein Mann kann es als sehr angenehm empfinden eine Partnerin zu haben, die im Leben steht und sagt wo es langgeht.

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Der Mann findet es also gut nicht immer den „Starken“ spielen zu müssen? Genau. Natürlich wird es gesellschaftlich auch heute noch oft von dem Mann erwartet diese Rolle ausspielen zu müssen, doch für den Mann kann es auch eine Erleichterung sein, von der Frau entlastet zu werden und nicht immer voranschreiten zu müssen. Trotzdem ist dies häufig auch einer der Gründe, der zu dem Scheitern solcher Beziehungen beiträgt. Männer kommen häufig auf Dauer in einer Beziehung nicht gut damit zurecht, sich unterlegen zu fühlen. Jüngere Frauen dagegen haben mit erfolgreicheren Männern an ihrer Seite seltener ein Problem und können die Reife älterer Männer oft sogar genießen. So pradox es klingt: Das, was im ersten Moment für jüngere Männer an einer reiferen Frau anziehend ist, kann letztlich oft zum Scheitern der Beziehung führen.

Was finden Frauen an jüngeren Männern anziehend? Ganz eindeutig das Lebendige. Der leichtere Umgang mit dem Leben, den jüngere Männer haben, und dass sie weniger kopflastig sind. Jüngere haben meist einfach sehr viel Spaß im Leben, sind gelassener und strahlen eine gewisse Leichtigkeit aus, durch die sich die Frauen selbst auch jünger fühlen können. Mit dem jüngeren Mann kann eine Frau einfach leichter die Dinge tun, die im Leben eines älteren Mannes einfach nicht mehr so viel Platz haben. Und natürlich ist ein jüngerer Partner für eine Frau im gewissen Alter auch eine enorme Bestätigung, dass eine Frau trotz ihres Alters attraktiv und begehrenswert ist.

Wie kann eine solche Beziehung glücklich enden? Es sind verschiedene Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Das häufige Scheitern dieser Beziehungen liegt nicht nur daran, dass der Mann sich oftmals unterlegen fühlt, sondern ihr Gelingen wird auch dadurch erschwert, dass gerade einer reiferen Frau in einer Beziehung neben der körperlichen Anziehung, sprich dem Sexuellen und dem Spaß, auch die Kommunikationsfähigkeit in einer Partnerschaft wichtig ist. Eine Frau möchte sich auf ihren Partner nicht nur verlassen, sondern sich vor allem


auch mit ihm austauschen können, eben ein Gegenüber haben. Wenn das dauerhaft fehlt, kann es trotz gutem Sex zu Spannungen bis hin zur Trennung kommen. Denn am Anfang dieser Konstellation spielt Eitelkeit und Bestätigung auf Seiten der Frauen sicher eine große Rolle. Entpuppt sich der Partner aber nur als Spaßvogel, der keine ernsten Gespräche führen kann oder keine tieferen Interessen hat, ist dies häufig ein Grund für Frauen sich zu trennen. Neben der Sexualität ist daher auch in dieser Konstellation eine wirkliche Partnerschaft, die auf Intimität und Vertrauen beruht, der beste Garant, damit die Beziehung von Dauer ist.

Scheitern diese Beziehungen nicht auch oft am äußeren Druck? Natürlich werden, abgesehen von Prominenten, normale Menschen mit solchen Beziehungen besonders kritisch beäugt. Während Stars einen Sonderstatus besitzen, müssen Nichtprominente mit scharfer Kritik von außen rechnen, weil sich so etwas in den Augen vieler Menschen auch heute noch einfach nicht gehört. Somit haben die Paare mit starken Vorurteilen zu kämpfen, beispielsweise dass der Mann nur an ihrem Geld interessiert sein könnte und sie an einem jungen Lover.

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Ich habe persönlich keine Erfahrungen mit einem jüngeren Partner gemacht, kenne allerdings zwei Paare, bei denen das so ist. Bei dem einen Paar sind es über 20 Jahre Altersunterschied und bei dem anderen 13, und die Partnerschaften funktionieren erstaunlich lange gut. Trotz der Vorurteile, mit denen die Paare zu kämpfen haben, kann so eine Verbindung durchaus gut gehen. Wo die Liebe eben hinfällt. Versteht man sich gut und hat neben dem körperlichen Aspekt auch eine verlässliche Partnerschaft aufbauen können, können diese Paare natürlich glücklich miteinander werden, genau wie im umgekehrten Fall auch.

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stärkt eure abwehrkräfte! Dies ist nicht etwa das Motto einer neuen Gesundheitskampagne, sondern die Aufforderung der Front Deutscher Äpfel (kurz FdÄ), einer nationalen Initiative gegen die Überfremdung des deutschen Obstbestandes und gegen faul herumlungerndes Fallobst. Na verwirrt? hanns sorgt für Aufklärung, mit einem Porträt über eine ganz andere Form des politischen Protestes. text: ninon katschmarz foto: roman pawloski


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„Was gibt der deutschen Jugend Kraft? − Apfelsaft, Apfelsaft!“, rufen die in schwarze Anzüge, die stark an die Naziuniformen erinnern, gekleideten jungen Männer im Chor. Einige schwenken Fahnen. An einem ihrer Ärmel tragen sie eine rote Armbinde, die auf den ersten Blick ebenfalls sehr an die Rechte erinnert. Doch auf dieser hier ist statt eines Hakenkreuzes ein Apfel zu sehen. Sie alle gehören zur Front Deutscher Äpfel, einer 2004 in Leipzig gegründeten Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, faules Obst zu beseitigen, alle Südfrüchte auszuweisen und somit eine Überfremdung des deutschen Obstbestands zu stoppen. Unsinn?! Nein, sondern ein politisches Statement der anderen Art. Mit Satire will die Apfelfront den Rechtsradikalen in Deutschland begegnen. Dafür haben sie deren Symbole ebenso aufgegriffen wie den Sprachgebrauch. Bei Demonstrationen parodieren die Äpfel die NPD und deren Anhänger mit Sprüchen wie „Christian, ich will ein Kind von dir“ (gemeint ist Christian Worch, führender Kopf der militanten Neonaziszene). Parolen wie „Wollt ihr den totalen Apfelmus?“ bringen sie sogar die Polizei zum Lachen. Kürzlich >

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hat eine kleine Delegation der Apfelfront Hannover bei der Demonstration am 12. September gegen den Naziaufmarsch unterstützt. Entstanden ist die Front Deutscher Äpfel auf Initiative von Alf Thum, einem Schauspieler und Künstler, als die NPD mit über neun Prozent der Stimmen in den sächsischen Landtag eingezogen ist. Das Symbol des Apfels geht zurück auf den NPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel. Bei den Aktionen der Apfelfront ist Gewaltfreiheit das oberste Gebot, deshalb haben sie auf Demonstrationen mittlerweile auch eine organisatorische Position eingenommen. Die Mitglieder sehen sich aber auch als Unterhalter, die die Leute bei Demos bei Laune halten wollen. Durch diesen Event-Charakter soll das verstaubte Image von Demonstrationen etwas aufpoliert und gezeigt werden, dass politischer Protest auch humorvoll sein kann. Bewiesen haben sie dies unter anderem mit ihrem „Marsch auf Berlin“ − als Klassenfahrt getarnt, reisten Äpfel aus der ganzen Republik an, um vor den Reichstag zu ziehen. Dabei wurden sie von Ordnungshütern aufgehalten und wichen daraufhin auf das Brandenburger Tor aus, wo schließlich die Forderungen

der Apfelfront bekannt gegeben wurden. Die roten Fahnen und Armbinden sorgten bei einigen Passanten jedoch für Verwirrung. Genau so sollte es auch sein: Damit will die Front Deutscher Äpfel auf das Aufgreifen der Symbole der linken Szene durch die rechte Szene aufmerksam machen. Mit Che Guevara Shirts und Kufiya seien die Anhänger der Rechten heute kaum mehr von den Linken zu unterscheiden. Die Reaktionen auf die Apfelfront sind dabei eher gemischt: Die Gegner bemängeln, dass durch die Fahnen und Uniformen die Aktionen nicht eindeutig als Parodie erkannt würden und dies sei kontraproduktiv. Befürworter und Anhänger sehen diese Form des Protestes hingegen als Schnittpunkt zwischen Kunst und Politik und betonen die Gewaltfreiheit. Dies sei mal etwas anderes, als Steine zu schmeißen. Doch wie reagieren die Rechten eigentlich auf die Aktivitäten der Äpfel? Einige machen ihre Wut in Internetforen publik. Auch die Adresse des Hauptquartiers der FdÄ wurde in solchen Foren veröffentlicht, zu Übergriffen aus der rechten Szene kam es bisher einmal. Vor allem produzieren die Rechten fleißig „Anti-Äpfel Buttons“,

was die Mitglieder der Apfelfront eher als unfreiwillige Werbung betrachten. Mittlerweile hat die FdÄ ca. 700 Mitglieder in ganz Deutschland. Es gibt verschiedene Untergruppierungen wie „Nationales Frischobst Deutschland“ (NFD) und die Frauenorganisation „Bund weicher Birnen“ (BWB) sowie die Gaue, die im ganzen Bundesgebiet verstreut sind. So gibt’s den „Boskopistischen Traditionsgau Süd-Ost-Bayern“ und den „Alkmenischen Ostgau Mark Brandenburg“. Für Hannover ist der Gau „Streuobstwiesen Niedersachsen-Bremen“ zuständig, wobei seit neuestem auch der Gau Hamburg dabei ist. Hannover hat aber auch seinen eigenen Kringel. Die Mitglieder eines Kringels vertreten den Gau vor Ort und haben vor allem die Aufgabe, Aktionen zu planen und zu organisieren. Außerdem informieren sie die Gaue über Demonstrationen und Veranstaltungen. Momentan werkeln alle Mitglieder an einer Schulhof-CD. Da in der Vergangenheit immer wieder Rechtsradikale an Schulen faschistisches Liedgut verteilt haben und so auch schon die Kleinsten politisch manipulieren wollten, haben die Äpfel diese Gegenkampagne gestartet. Die


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CD soll an Schulen und Jugendzentren kostenlos verteilt werden. Zu hören sind dort Songs wie „Nazis ham ne scheiß Frisur“, „Folgt Ihnen nicht“ und natürlich der „Apfelfront-Pogo“. Überhaupt sind die Äpfel sehr musikalisch, denn sie haben ihre eigene „Apfelhymne“. Und auch die Birnen trällern vergnügt ihre „Ode an den Boskop“, die in Anlehnung an Schillers „Ode an die Freude“ geschrieben wurde. Bei den Äpfeln rattert ebenso wie bei den Rechten die Propagandamaschine. Im Netz haben sie sogar ihr eigenes Nachschlagewerk „Boskopedia“. Dort findet man in fast 200 Einträgen die Geschichte der Äpfel und andere interessante Informationen. Unter anderem kann man dort die „Apfelnationale“ einsehen, die jedes Mitglied im Schlaf aufsagen kann. Doch der Hannover Kringel braucht noch Unterstützung, der hat nämlich sage und schreibe 2 Mitglieder. Die freuen sich natürlich immer über Tatkräftige und Sympathisanten. Denn die FdÄ will zur stärksten nationalen Kraft werden. Dafür wird auch von der NPD auf der Weltnetzseite der Apfelfront gefordert: Reiß Dich zusammen Du, NPD, Du! Die Front Deutscher Äpfel wünscht sich starke Gegner!

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www.apfelfront.de www.apfelfront-niedersachsen-bremen.de


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hauptstadt - hanns entdeckt

hanns entdeckt:

der großstadthai – im pudding auf feldforschung

text: melody garcia brenn fotos: michael lieb

„Ein Besuch in der Muckibude könnte dir nicht schaden. Du bist ziemlich fett.“ „Warum kommt nach 30 Sekunden nicht schon der erste Refrain?“ Auf Sprüche wie diese muss man gefasst sein, wenn man sich im Musikgeschäft mit einem Major-Lable einlässt. Christian Sölter hatte keine Lust auf so ein „Hurengeschäft“ und macht lieber das, was er selbst will. Als Sänger der Band „Hammerhai“, Autor, Sprecher und Veranstalter hat er sich so Raum geschaffen, um mit allen künstlerischen Mitteln seinen verrücktesten Ideen Ausdruck zu verleihen.


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Man kann sich gegen viele Dinge im Leben entscheiden. Christian Sölter aber hat sich vor allem für die Kunst entschieden. Als Kind wollte Sölter noch Journalist werden, später entschied er sich für ein Lehramtstudium. Doch dann kam etwas, dass sich wie ein Keil zwischen ihn und ein Beamtendasein drängte: Die Bühne. Die Vorlesungen wurden fortan zur Nebensache erklärt, an den Wochenenden gab es keine Alternative zur Bandprobe, und vor Auftritten wurde mit eiserner Disziplin geprobt. „So eine Band ist eben fast wie eine Beziehung. Wenn du zum Beispiel drei Wochen in einem VW Bus durch die Lande tingelst und ständig aufeinander hockst, erfährst du mehr von deinen Kollegen als dir lieb ist. Die von dir allerdings auch…“ Und das ist nicht alles, was die Entscheidung für die Musik mit sich bringt. Eine ungewisse Zukunft ist ebenso ständiger Begleiter wie finanzielle Sorgen. Bereut hat Sölter den Ent-

schluss dennoch nie, denn „das Gefühl der Freiheit als Künstler wiegt alles auf.“ Mit „Hammerhai“ gründet sich 1997 die erste deutschsprachige Ska Punk Band. „Deutsch ist kantiger, kratziger und wenig biegsam“, sagt Sölter, „aber auch eigenständiger.“ Tatsächlich ist es ein Wagnis sich auf deutsche Texte umzustellen. „Bei englischen Texten fragt man seltener nach der Aussagekraft der Songtexte, deutsch dagegen ist viel verbindlicher.“ Dazu kommt, „dass der Peinlichkeitsfaktor viel höher ist und die Gefahr von Fremdscham steigt, wählt man seine Muttersprache für die Texte. Man hört einfach viel genauer hin wenn man alles versteht.“ Aber dieser Herausforderung wollte sich Sölter stellen und scheut bei Liedern und Geschichten nie eine Kernaussage. Mit Erfolg. Jahrelang tourte die Band erfolgreich durch Deutschland und veröffentlichte mehrere Alben wie „Erledigt“ (1999), „Komma’ Klar“ (2002)

und „Mein Kiez“ (2006). 300 Konzerte und sieben Alben später ist nun jedoch Babypause für die Band angesagt. Susii an der Orgel bekam ein Baby. Ersatz kommt nicht in Frage, denn „dies ist das beste line-up und wenn wir jetzt tauschen würden, wäre es schlechter als vorher!“ So hat Sölter immerhin mehr Zeit sich dem Projekt „SölterKirleis“ zu widmen. Seit zwei Jahren arbeitet Sölter bereits mit dem Pianisten und Sänger Holger Kirleis zusammen. Sölter bedient sich hierbei des verkannten Instruments der Mundharmonika. Ihre Musik, welche man im August im Chéz Heinz bei der „Sommer Gala der SölterKirleis Sofa Show“ live erleben konnte, erinnert unter dem Motto „Piano mit Punk“ an das Berlin der 20er Jahre mit einer Prise Hannover ´09. Auch als Autor hat sich Christian mittlerweile im Underground bundesweit einen Namen gemacht. So hat er nicht nur Hannover beim International Poetry Slam >

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hauptstadt - hanns entdeckt

vertreten, sondern er ist auch von Anfang an Teil des künstlerischen Herz des Chéz Heinz gewesen, wo er immer wieder Literatur- und Konzertreihen veranstaltet. Als Autor von Kurzgeschichten genießt Sölter den Vorzug seinem Beruf gleich im eigenen Kiez nachgehen zu können. Denn in seinen Texten erzählt er von den kleinen Geschichten des Alltags. „Jedes Mal wenn ich um den Pudding ziehe betreibe ich praktisch Feldforschung.“ So entstehen Lieder und Geschichten die von genau dem Handeln, was wir Tag für Tag sehen, ohne es jedoch tatsächlich noch wirklich wahrzunehmen. Wenn die Stadt einen eigenen Geschichtenerzähler engagieren würde, wäre Sölter der Mann für diesen Job. Genau wie die Stadt selbst gehört er nicht zu den ganz Großen, aber warum auch? Freiheit, Glück und Kreativität brauchen nicht viel Raum um groß zu sein. So tüftelt, liest, singt, dichtet und schreibt er in Linden und überall, nimmt kein Blatt vor den Mund, und tut all dies aus vollem Herzen. www.soelterkirleis.de www.hammerhai.net www.beichezheinz.de


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‘entweder hanns party’ grund wart ihr, liebe mitarbeiter, unterstützer, laufburschen und konsumenten. bei aller schönheit, selbsverständlich ist eure arbeit nicht. gewaltfrei forderten wir euch auf, am 27 november das danke anzunehmen und massig gewinne einzufahren. um euer musikalisches wohlbefinden kümmerten sich unsere freunde der wizard club, knollo und fabian brennecke (foto). spendabel zeigten sich im tombolatopf: die dauerfeuer-jungs, let petits und der high five skateshop. außerdem zu gewinnen gab’s ein katerfrühstück bei doppelkorn und ein entspanntes leinwanderlebnis im apollo kino. gäste haben reichlich freunde zu dieser veranstaltung mitgebracht. vielen dank fürs kommen. die bilder des abends gibt’s auf: www.grafikstudenten.de www.derhanns.de


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der kleine mann im gully ——— musik aus dem untergrund; die hörenswürdigkeit hannovers text: franziska riedmiller illustration: quintessenz creation

Er ist nicht mehr weg zu denken aus Hannover. Der musizierende Gully. Die ungewöhnliche Hörenswürdigkeit Hannovers begleitet uns Passanten zum Shopping, auf dem Weg zur Arbeit, zum Feiern oder nach Hause und lässt uns unbewusst ein wenig beschwingter über den Bahnhofsplatz laufen. Aber woher kommt eigentlich die Musik, sitzt da etwa ein kleiner Musiker in der Kanalisation?!

Wer schon mal in Gedanken versunken über den Ernst-August-Platz gegangen ist, wird vielleicht durch aus dem Nichts kommende Musik aufgeschreckt worden sein. Auf der Suche nach dem Ursprung wird er dabei verwundert mit der Nase auf einen unscheinbaren Gully mitten auf dem Bahnhofsplatz gestoßen sein. Dort, wo sonst wenig wohlriechende Gerüche aufsteigen, ertönen plötzlich stimmungsvolle Klänge. Um die Ursache der Musik zu erforschen kniet sich eine Passantin hin, um durch die Löcher des Deckels einen Hinweis zu erspähen. Denn auf dem gesamten Platz weist nichts auf diese Attraktion hin. Doch man sieht nichts, es ist dunkel. Vielleicht sitzt dort unten ja ein kleiner Mann im Gully und erleidet ein ähnliches Schicksal wie der Fährmann aus dem Andersen-Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, der bis zu seiner Ablöse wieder und wieder über den Fluss fahren muss. So wie der Fährmann ist der kleine Mann vielleicht verdammt, ohne Unterlass zu musizieren, bis


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er von seiner Prinzessin erlöst wird. In der Hoffnung den Musiker zu erretten, hebt also die Passantin den Deckel, um ihn aus seiner Verwünschung zu erlösen. Doch die potenzielle Prinzessin wird herbe enttäuscht. Statt einem hübschen Musiker blicken ihr zwei unscheinbare Lautsprecher entgegen, die, gut verpackt gegen alle Witterungen, unter dem Gullydeckel angebracht sind. Sie folgt den Kabeln der Anlage weiter durch die Kanalisation und landet überraschend in einem Raum des Untergeschosses der Passerelle, in dem zwei CD-Player stehen, die sich ohne Unterbrechung Tag und Nacht abwechseln, 24 Stunden hindurch. Die Idee des musizierenden Gullys hatte der Architekt Timm Ohrt, der dem ErnstAugust-Platz zur Expo 2000 ein neues Gesicht gab. Das Projekt fand dann mit dem für die hannoverschen Stadtplätze zuständigen Stadtplaner Thomas Göbel-Groß einen Partner, der den Bahnhofvorplatz mit Musik beseelte. Mittlerweile ist das Kulturbüro der Stadt Hannover Ansprechpartner, während der Geschäftsführer des Pavillons, Uwe Kalwar, die musikalische Verantwortung übernommen hat. DJ Gullyman stellt jetzt für jede Jahreszeit eine Tag- und Nacht-CD zusammen. Die Titel kann die Gullyfangemeinde dann auf www.gullyman.eu nachverfolgen und sich über Neuigkeiten auf dem Laufenden halten. Etwas entzaubert entsteigt die Dame wieder dem Gully. Doch was sieht sie da: Überall kleine Papierschiffchen, fein säuberlich sternförmig um den Gully angeordnet. Etwa doch eine Dankesbotschaft vom kleinen Musiker?

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Längst hat sich die stylische Bar „Blattgold“ vom Geheimtipp zur angesagten Location entwickelt. Warum? Das muss man einfach selber testen, aber hanns hat für alle, die diese Szenebar mit dem edlen Namen noch nicht entdeckt haben, einen Blick hinein geworfen.

mit rotkäppchen beim tablequiz ~ das „blattgold“ text: tanja busse; fotos: milos djuric

Blattgold. Mit diesem Begriff könnte man filigranen Schmuck assoziieren oder Omas vergoldete Kitschfigürchen. Aber nichts da. Hannovers „Blattgold“ – Café und Bar – ist seit 2006 ein angesagter Treffpunkt in der List. Eine Kombination aus dem Retrostyle der 70er Jahre und einer ausgeprägten Affinität für das bayerische Bundesland – keine Angst, Schweinshaxen und Weißwurst stehen nicht auf der Speisekarte – machen das „Blattgold“ zu einem wahren Augenschmaus. Typische 70er-Jahre-Tapeten im Kontrast zu kräftigen Wandfarben und Goldverzierungen, gekrönt durch

ein Alpenpanorama, machen das extravagante Design des Ladens aus. Nicht zu vergessen das stattliche Wandgeweih eines ehemals lebensfrohen Hirsches. In diesem ansprechenden Ambiente schmecken nicht nur die ausgefallenen Speisen, sondern vor allem die zahlreichen Cocktails gleich umso besser. Nicht nur für die arbeitende Bevölkerung gibt es von dienstags bis freitags zwischen 18 und 19 Uhr die Afterwork Happy Hour (Caipi 2,50!). Übrigens schlägt sich selbst in den Namen der Cocktails der Stil des „Blattgold“ nieder. So kann man sich an einen „Rotkäppchen und der kleine Klaus“


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In der Steinriede 9, 30161 Hannover, Tel. 0511/ 940 31 39, Mo-Fr ab 15 Uhr, Sa und So ab 10 Uhr

wagen oder einen „Traudel Sportsmann“ testen. Zum Beispiel während man seine Intelligenz jeden zweiten Dienstag beim Tabelquiz unter Beweis zu stellen versucht. „Da geht’s hier richtig ab“, berichtet Barmann Sascha. „Und Preise winken natürlich auch.“ Der Lister Nachwuchs fühlt sich ebenfalls wohl beim Prinzessinen- und Tigerfrühstück, vor allem weil man dieses in einem netten Außenbereich zu sich nehmen kann. „Ich komme am liebsten sonntags hierher“, erzählt Stammkundin Kati*. Warum? „Alle zwei Wochen gibt’s Pasta satt für 5 Euro, einfach unschlagbar.“ Doch dies ist nur eine

von den vielen Aktionen, die das „Blattgold“ seiner Kundschaft bietet. Für alle, die es herzhaft mögen, steht donnerstags die „Deftige Brotzeit mit Tannenzäpfle“ für zwei Personen auf dem Speiseplan. Und alle Vielesser können sich montags beim 3-Gänge-Menü mal so richtig vollstopfen, das für nur 7 Euro zu haben ist. Auch wenn man einfach nur einen leckeren Kaffee schlürfen möchte, ist man im „Blattgold“ genau richtig. Eine Sofaecke im Stil von Omas guter Stube in den 70ern lädt zum Verweilen und Chillen ein. Und wo genau ist der Laden denn jetzt, wird sich der Eine oder Andere fragen. In der

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Günstigstes Bier: Herri vom Fass 0,3 l für 1,80 Euro Günstigste Mahlzeit: Möhren-Curry-Kokos-Suppe mit Fladenbrot 4,20 Euro Klocheck: Das „Blattgold“ bleibt sich selbst auf dem stillen Örtchen treu. Rote Rosen und antik anmutende Schränkchen runden das Ambiente ab. Für alle, die befürchten, zu viele Kalorien zu sich genommen zu haben, gibt es eine Oldschool-Waage auf dem Damenklo. Und sauber ist es auch noch – Wahnsinn.

List, zwischen den Haltestellen Sedanstrasse und Lister Platz, in einer netten kleinen Seitenstrasse der „Lister Meile“. Somit in sicherer Entfernung vom Einkaufstrubel, jedoch fix zu erreichen. Vielleicht wagen es auch eingefleischte Lindener sowie Nord- und Südstädter, die Grenzen ihres vertrauten Territoriums zu überschreiten und einen Abstecher in die List zu machen.

* Die mit Sternchen gekennzeichneten Namen sind von der Redaktion geändert


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fotos: sandra wildeboer; illustration: sascha bente

r 端 c k t l i c h t


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Die Bahn. Sehr praktisch, um von A nach B zu kommen. Aber auch sehr interessant. Die Straßenbahn ist wie ein einzelner Mikrokosmos, in dem die unterschiedlichsten Personen aufeinander prallen. Das gibt nicht selten Anlass zu urigen, skurrilen, lustigen und auch nervigen Begegnungen. Ja, der Mensch und die Bahn. Besonders unvorhersehbar finde ich immer Begegnungen mit den Senioren dieser schönen Stadt. Man sollte dabei auf alles vorbereitet sein. Da passiert es einem schon mal, dass man hinterrücks von einem Krückstock angegriffen wird, weil man im Hinterkopf keine Augen hat und nicht telepathisch erahnt, dass gleich ein Senior einsteigt und Anspruch auf „seinen“ Platz erhebt. Vor ein paar Monaten fragte ich mich ernsthaft, ob eigentlich – abgesehen von Ausnahmen natürlich – nur Bekloppte in der Bahn fahren. Schnell einsteigen, um noch einen Platz zu kriegen, beschloss ich. Aber oh Wunder, das ganze Abteil war leer. Bei der großen Auswahl entschied ich mich für einen Einzelplatz und setzte mich gechillt. Doch dann brach es über mich herein, plötzlich, unerwartet, laut: „Das ist ein Behindertensitzplatz. Sind sie etwa behindert?“ Äh, nein, glücklicherweise nicht. Wer spricht da zu mir? Eine kräftige Furie mittleren Alters starrte mich mit bösem Blick an. Friedfertig, wie ich bin, wählte ich einen neuen Platz aus dem breiten Angebot. Endlich Ruhe, dachte ich mir – falsch gedacht. „Dieser Platz ist für Leute mit Kinderwagen reserviert!“, brüllte die Furie, während ihr die Zornesröte ins Gesicht stieg. Schluss mit lustig, befand ich: „Wo zur Hölle ist denn hier ein Kinderwagen?!“, schrie ich zurück und blieb wütend sitzen. Was ist bloß mit den Leuten los? Dämliche Prinzipienreiter. Aber es gibt auch Menschen mit einer anderen Art eines mir unverständlichen Bedürfnisses, wie mich die Bahn lehrt. Das Mitteilungsbedürfnis. Menschen mit dieser Art von Problem meinen, jeder Fremde wolle eine Offenbarung des eigenen Seelenlebens hören. Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob ich das Schild „Seelsorge kostenlos für die nächsten fünf Stationen“ auf dem Kopf habe, oder ob mich die Aura eines Sozialarbeiters umgibt. Warum meinen ältere Herrschaften immer, mich interessiere ihre Lebensgeschichte, oder noch besser die Chronologie ihrer sicherlich sehr schlimmen Krankheit? Gerade neulich habe ich wieder eine reizende alte Dame kennen gelernt. Nämlich Nerven-reizend. Die Dame – volles weißes Haar, Brille, rosa Shirt mit Glitzeraufdruck, Rock – hinkte mühevoll mit ihrem Stock die Stufen hoch und visierte mich sogleich mit ihrem leidenden Blick an. Höflich, wie ich bin, bot ich ihr den Platz an. „Ach, Sie wissen ja gar nicht, wie man sich so fühlt, wenn man einen Schwerbehindertenausweis hat.“ Stimmt. Weiß ich nicht. Dafür bin ich aufrichtig dankbar. Aber will sie

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neulich, aus dem leben eines hanns: von prinzipienreitern und quasselstrippen: begegnungen in der bahn / text: tanja busse/illustration: caspar david engstfeld


denn jetzt hier sitzen? „Man traut sich ja gar nich, jemanden um den Platz zu bitten, man fühlt sich ja so bedürftig.“ Tja, blöd. Es tut mir ehrlich leid. Aber will Sie denn jetzt hier sitzen? Ja, sie will. Ich bleibe neben ihr stehen, da die Bahn ziemlich voll ist. Und sogleich nimmt das Verhängnis seinen Lauf. „Ja wissen sie, junge Dame, mein Rücken. Alles verspannt. Und die Hüfte erst. Mehrere OPs schon gehabt, hier im Friederikenstift. Kann kaum noch laufen. Hab einen Rollator, der steht in der Garage.“ Na wie praktisch, da steht er ja gut. „Letztes Jahr haben sie mir die Brust abgenommen, dann die andere auch noch, oje, oje (eindeutige Handzeichen ihrerseits auf ihre Brüste). Brustkrebs, wissen sie?“ Nein, wusste ich nicht. Hilflos nicke ich. Mein Mitgefühl kämpft gegen die Abneigung gegen das drohende Gespräch. „Aber die Krankenkassen, die zahlen so welche BHs, in schwarz, weiß, und in hautfarben-rosa“. Aha. „Früher haben die 100 Mark bezahlt dafür, jetzt noch 50 Mark.“ Ja, die Wirtschaftskrise schlägt sich auf allen Gebieten nieder. Und zu den Zeiten der guten alten D-Mark war eh alles viel besser. „Na ja, wissen sie, früher hatte ich ja nicht so welche BHs, aber die sind nich so schlecht, da sind so welche Polster drin. Sehn sie?“ Erneut umfasst sie kraftvoll mit beiden Händen ihre Brüste und wippt sie hin und her. Ich schaue sie nur an und nicke wortlos. Der Gedanke, wie die alte Dame sich ihren neuesten Push Up-BH anzieht, lädt nicht zur geistigen Vertiefung ein. Hab ich schon erwähnt, dass sie Wassereinlagerungen hat? Bei der Erklärung dazu wackelt sie intensiv an ihrem ausgeprägten Armspeck und erklärt mir den Vorteil von Salben gegenüber Stützstrümpfen für den Arm. Soso. Gut zu wissen, für später einmal. „Und neulich war ich beim Arzt, da hatte ich so was hier, das musste weg geschnitten werden…“ NEEIN! Es reicht. Die Dame fängt an, ihren Allerwertesten zu befummeln und zuppelt an ihrem Rock herum. Verdammt, denke ich nur. Wir kennen uns nicht, ich will DAS NICHT wissen. Wie komme ich raus aus der Nummer? Aussteigen? Oh nein, noch drei Stationen. Endlos. Mein Mitgefühl hindert mich daran, mich einfach umzudrehen. Doch oh Glück, das Schicksal wendet sich. Wir bewegen uns auf neutraleres Terrain zu. „Meine Tochter, die is stinkreich.“ Wirklich? „Hat so nen Mürrischen geheiratet, pah (abfällige Bewegung mit der von Wasser geplagten Hand), aber Geld hat er. Oh ja, viel Geld.“ Aha, Schwiegermuttermonster. Entlarvt. „Hat ihr ma nen Pelz geschenkt“ (tiefgründiges, mehrfaches Nicken). Oh, Wahnsinn. Die Glückliche. Das Gute am mittellosen Studentendasein ist, dass man nicht gezwungen ist, sich tote, einst knuddelige Pelztierchen um den Hals zu hängen. Widerlich. „Hab mir bei Karstadt ein gutes Kostüm gekauft. Das hängt im Schrank. Nur wenn die zu Besuch sind – aber nur selten, der Mürrische arbeitet wohl immer, ja ja, dann gehen wir in die gute Stube, dann zieh ich mein Kostüm an.“ Oh nein, jetzt hat sie mich. Mitleidsgefühle verstärken sich. Hat die arme, alte, kranke Dame also eine ignorante Tochter, die ihre arme, kranke Mutter nie besucht, und wenn, dann muss sich die arme alte Dame verkleiden, damit der Mürrische nicht noch mürrischer wird. Verdammt. Verdammt einsam muss sie sein, dass sie in der Bahn wahllos irgendwelche Studentinnen vollquatscht und ihre intimsten Krankheiten und privatesten Mutter-Tochter-Schwiegersohn-Probleme erzählt. Wie traurig, denke ich und muss aussteigen, wobei wir uns gegenseitig einen schönen Tag und sie mir Gesundheit und ein schönes Leben wünscht. Ja, die Bahn. Immer für eine Überraschung der zwischenmenschlichen Art gut. Unterschiedlichste Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen und persönlichen Hintergründen, verschiedenen Vorstellungen von richtig und falsch, Menschen jeden Alters treffen aufeinander. Da sind Konflikte scheinbar vorprogrammiert. Aber es erinnert einen auch daran, dass man nicht der Einzige auf diesem Planeten ist.

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Studenten über Studentenklischees:

halbgöttin in gummistiefeln : in einer kuh ist es warm und dunkel protokoll: ninon katschmarz illustration: anne rüter

Wie impft man eigentlich einen Leguan? Und wie viel Leber steckt in einer Leberwurst? Für solche Fragen hat Tomke (27) sofort eine Antwort parat. Nach fünf Jahren Wartezeit konnte sie sich endlich an der Tierärztlichen Hochschule Hannover einschreiben und weiß nun, dass ein Tiermedizinstudium viel mehr zu bieten hat als die Kastration von Meerschweinchen.


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„Die klassische Tiermedizinstudentin hat einen Pferdeschwanz und beschäftigt sich in ihrer Freizeit mit Pferden. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Bei uns an der TiHo ist so ziemlich jeder Stil vertreten. Rar gesät sind hingegen die Männer. Die stellen hier wirklich eine bedrohte Minderheit dar und gerade zu Beginn der ersten Semester kann man beobachten, wie einer nach dem anderen von der Liste der Singles verschwindet. Die Gelegenheit zum Flirten bietet sich hier bei den zahlreichen Partys, denn Tiermediziner feiern viel und vor allem gerne. Ein Anlass findet sich dafür immer, und wenn kein Alkohol fließt, dann Kaffee. Wir müssen nämlich tatsächlich so viel lernen, dass der Schlaf schon mal zu kurz kommt. Das Studium ist sehr lernintensiv, da musste ich mich zu Beginn erstmal wieder dran gewöhnen. Doch es lohnt sich: Neben dem klassischen Beruf des Kleintierarztes stehen uns Studierenden noch ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung. Viele streben eine Karriere in der Forschung an, aber auch die Arbeit als Lebensmittelkontrolleur, Amtsveterinär oder Pharmazievertreter sind Bereiche, auf die uns das Studium vorbereitet. Die Zeit zum Arbeiten während des Studiums hat man in der Regel nicht, da mindestens jeder von uns 23 Haustiere zu verpflegen hat. Auch das ist natürlich nur ein Klischee. Einem so genannten Tiermessie bin ich hier zumindest noch nie begegnet, auch wenn viele Studenten ein Haustier haben. Höchstwahrscheinlich heißt ein Großteil davon Amelie oder Meläna (spricht sich Milena). Tiermediziner finden es nämlich überaus lustig, ihren Tieren den Namen einer abscheulichen Krankheit zu geben. Amelie bedeutet in der Fachsprache, dass das Tier nur noch drei Gliedmaßen hat und Meläna ist der Fachbegriff für Darmblutung. In den Semesterferien arbeite ich manchmal auf Messen, es gibt aber auch die Möglichkeit ab dem fünften Semester als „Bremser“ an der Hochschule zu arbeiten. So heißen hier die Hiwis, da die Studierenden früher dafür zuständig waren, die Tiere zu führen und eben zu bremsen, wenn sie bei einer Untersuchung mal etwas nervös und zappelig wurden. Einige meiner Kommilitoninnen sind als Aushilfskraft in der Tierarztpraxis beschäftigt, in der sie vorher eine Ausbildung zur Tierarzthelferin gemacht haben. So einige Studenten haben eine solche Ausbildung vor Beginn ihres Studiums absolviert, um die Wartezeit zu überbrücken oder weil der NC zu hoch war – wie bei mir. Wenn man dann erstmal anfängt mit dem Studium kann man das Gelernte jedoch für eine gewisse Zeit abhaken, da in den ersten zwei Jahren Grundlagen der Physik, Chemie, Biochemie und Anatomie gepaukt werden. Das Standardwerk an der TiHo ist der Nickel, ein fünfbändiger Anatomie-Almanach, der stolze 400 € kostet. Um mal abzuschalten, habe ich lange Zeit Theater gespielt – neben dem ganzen naturwissenschaftlichen Input muss ich mich zum Ausgleich auch mal künstlerisch engagieren. Seit ein paar Monaten gehe ich jedoch wieder meiner alten Leidenschaft nach und singe im Johannes-Brahms-Chor Hannover. Eine beliebte Abwechslung im Studium sind aber auch die Praxiszeiten. Da bekommt man dann zum Beispiel fundierte praktische Kenntnisse vermittelt. Dann muss man auch schon mal über seinen Schatten springen und im Landwirtschaftspraktikum als Vegetarierin Ferkel kastrieren und ihnen die Schwänze ohne Betäubung kürzen. Und für alle, die sich dafür interessieren, wie es ist, seine Hand in einen Kuhdarm zu stecken: Es ist warm und dunkel. Was jeder können sollte, der kein Tiermedizinstudium absolviert hat? Mhmh − da fällt mir nur eins ein: Kastrieren. Dann gäbe es nämlich weniger Tiere ohne Halter und die Tierheime wären nicht so massiv überfüllt. Es gibt Perioden, da halten die Tierheime die Katzen in den Umkleideräumen, weil der Platz fehlt. Obwohl dies auch manchmal eine traurige Arbeit ist, wenn man an die überfüllten Tierheime denkt oder auch an die Tierhaltung in den Massenbetrieben, gibt es auch immer wieder positive Momente, wie eine Geburt oder die Heilung eines Tieres, das sehr lange krank war. Eine Welt ohne Tiermediziner? Das wäre wahrscheinlich eine von Krankheiten geplagte Welt, da die medizinische Arbeit nicht ohne die Forschung an Tieren auskommt. So wurden schon so einige medizinische Fortschritte für den Menschen errungen.“


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hochschule - einblick

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Daniel, 25, Religionspädagogik — Radfahren an den Ricklinger Teichen „Es ist toll, sich mitten in Hannover wie auf dem Land fühlen zu können und das auch über eine weitläufige Strecke. Vor allem das Wasser und die Ricklinger Teiche erinnern mich an zu Hause.“

Wiebke, 22, Politik und Englisch — Spazieren gehen und Musik hören in den Herrenhäuser Gärten „Am schönsten finde ich die Größe und Gestaltung des Gartens, man fühlt sich nicht wie in einem Park. Jetzt im Herbst sind die Alleen sehr schön zum spazieren, abschalten und Gedanken ordnen.“

Steffi, 28, Soziale Arbeit — Käsekuchenessen im Café les Ersatz „Am liebsten entspanne ich bei einem Stück Käsekuchen im Café les Ersatz, da gibt es nämlich den besten in Hannover. Man fühlt sich fast wie in Omas Wohnzimmer, kann aber durch das große Fenster das Treiben auf der Limmerstraße beobachten.“

Alexander, 28, Sozialwissenschaften — Joggen am Lindener Berg „Auf dem Lindner Berg beim Laufen. Vom höchsten Punkt sieht man bis zum Kilimandscharo.“

Hanna, 24, Medizin — Flohmarkt am Leineufer „Nichts hilft besser beim Entspannen als das Treiben auf einem Flohmarkt. Die unterschiedlichen Menschen, der Kitsch und die Schätze lenken vom Alltag ab. Und wenn man großes Glück hat, trägt man auch sein persönliches Tageshighlight nach Hause.“


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hochschule - in der mensa mit

in der men s a mit: in go la s s / inter v iew : f r a n z i sk a r ie dmiller foto: ma x pr it s ch

Während der Studienzeit ein Geschäft zu gründen, das erfordert Mut. Ingo Lass (36) hat den Schritt gewagt und „Archebau“ ins Leben gerufen, ein Unternehmen, dass auf ökologische Baustoffe setzt. Die Mensa hat schon geschlossen, dafür können wir uns in das Café im ersten Stock auf den Balkon setzen. Dort spricht Ingo Lass über seinen Weg von der Idee zur Neugründung, die Zukunft biologischer Rohstoffe und seine eigene berufliche Zukunft.


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hanns: Du hast während deinem Architekturstudium mit einem Studienkollegen eine Firma für ökologisches Baumaterial gegründet. Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Während meiner Ausbildung zum Bauzeichner fing das Interesse an biologischen Baustoffen an, genauso wie es mir während des Studiums hauptsächlich um die Materialien ging. Ein Freund von mir hatte dann ein Geschäft für biologische Baustoffe in Hannover und über den wurden wir dann zu unserem Geschäftskonzept angeregt. Es hat sich nach und nach entwickelt. Vor dem Studium hätte ich mir das nicht vorstellen können.

Gab es einen zündenden Funken, der den Ausschlag zur Umsetzung der Idee gegeben hat? Nee, es war mehr die Notwendigkeit etwas auf die Beine zu stellen. Mein Partner war schon in den letzten Zügen seines Studiums. Er hat im Gründungsjahr auch seinen Abschluss gemacht und einen Job gesucht. Deshalb haben wir dann über eine Geschäftsgründung nachgedacht. Allerdings sollte es parallel ein Architekturbüro werden, was leider nie zustande kam.

Hast du denn daneben noch aktiv dein Architekturstudium weiter machen können? Ich habe vorher schon nicht so intensiv studiert, da ich mir mein Studium nebenher selbst finanzieren musste. Mit der Geschäftsgründung habe ich dann auch mein Studium abgebrochen. Das war möglich, da ich etliche Grundkenntnisse schon durch meine Ausbildung als Bauzeichner erworben hatte.

Dich hat es durch das Studium nach Hannover verschlagen. Woher kommst du denn ursprünglich? Geboren bin ich in Göttingen. Die Ausbildung habe ich dann aber in Lübeck gemacht, weil mein Vater Soldat war und wir alle zwei bis drei Jahre umgezogen sind. Danach habe ich mich dann zunächst bei der Universität für Architektur in Hildesheim beworben, von der aus ich dann nach Hannover gewechselt bin.

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Doch bevor ich zu studieren angefangen habe, habe ich die zwei Jahre Wartezeit ßberbrßckt, indem ich mich mit einem Subunternehmen von Sixt selbstständig gemacht habe.

Das ist ja eine komplett andere Richtung gewesen, oder? Ja, ich habe mein Geld damit verdient. Mit jemandem aus der Firma habe ich dann beschlossen, das kĂśnnen wir auch selber, das bisschen organisieren. Das hat dann auch gut funktioniert und innerhalb von ein paar Monaten hatten wir 60 Angestellte. Ich bin da dann aber nicht lang geblieben, nur die Wartesemester.

Habt ihr UnterstĂźtzung von der Hochschule bekommen oder wie habt ihr euer Projekt finanziert?

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Von der Hochschule haben wir keinerlei Unterstßtzung bekommen. Wir haben unser Startkapital ßber Darlehen bezogen. Dazu haben wir auch Berater gehabt und einen Businessplan aufgestellt. Es gab ein bestimmtes Budget und verschiedene TÜpfe, je nach dem, welches Darlehen man bekommen hat. Wir haben uns fßr KFW entschieden und denen dann auch den Standort gezeigt. Die mussten dann Vertrauen entwickeln, dass die Geschäftsidee aufgeht. Sie waren dann auch ßberrascht, als sich der Standort am Lister Platz als ungßnstig herausgestellt hat. Es standen zwar immer recht viele Leute vor dem Geschäft, aber die haben auf den Bus gewartet und nichts gekauft.

Du gibst jetzt das Geschäft am Lister Platz auf. Liegt das nur am Standort oder bekommst du die Wirtschaftskrise mittlerweile stark zu spßren?

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Ja, man merkt, es wird mehr ßberlegt, was kann ich mir leisten und was nicht. Das Geschäft fßr biologische Baustoffe steckt zudem immer noch in den Kinderschuhen, anders als beim Verkauf von biologischen Lebensmitteln oder Kleidung. Ein Haus baue ich nur einmal, da will man hochwertige Materialien. Andererseits ist die Differenz gerade in der Baubranche viel stärker. Das beläuft sich dann auf 10 Prozent beim


Einkauf, will heißen: bei 200 000 Euro sind das 20 000 Euro mehr. Bei einem Apfel beträgt die Differenz hingegen nur 30 Cent. Wir hatten, wie 70 Prozent der Baubranche, starke Einbußen und mussten entlassen. Jetzt wagen wir noch mal einen Neustart an einem anderen Standort.

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Ihr zieht jetzt in die Südstadt. Was erhoffst du dir davon, was macht ihr anders? Ich will das Geschäft umstrukturieren und gehe jetzt in Kooperation mit einem Maler. Wir teilen uns dann die Anwesenheitszeiten, jeder behält dabei aber seine eigene Firma. Für den Kunden kann dabei ein Vorteil entstehen, da er für Bauprodukte und Maler nur eine Anlaufstelle hat. Wir werden gegen Ende des Jahres auch wieder Seminare zu verschiedenen Baumaterialien und deren Verarbeitungsweisen anbieten. Weiterhin kann man bei uns allerlei Geräte ausleihen, wenn dann doch das Geld für den Handwerker fehlt.

Sind eure Produkte auch für Studentenbuden erschwinglich? Biologische Baustoffe sind natürlich immer noch recht teuer im Vergleich zu Produkten der chemischen Industrie. Es gibt jedoch auch Stadtteile, wie zum Beispiel Linden, wo biologische Produkte auch bei Studenten funktionieren. Gerade bei Farbe greifen immer mehr Studenten zu ökologischen Produkten. Sie hält länger und hat vor allem keine schädlichen chemischen Ausdünstungen.

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Ingo, wann warst du das letzte Mal in der Mensa und warst du eher hier oder am Königsworther Platz? ... vor fünf Jahren, oder vier schätze ich. Ich bin meistens hier in die Hauptmensa gegangen, denn hier ist das Essen besser. Hatte ich zumindest das Gefühl. Vor allem biologisches Essen haben die hier schon, seit ich hier zu studieren angefangen habe. Sie sind ja auch glaube ich immer ausgezeichnet worden als biologischste Mensa Deutschlands. Ich muss hier eigentlich wieder mal zum Essen her kommen, vielleicht gehe ich ja noch als Student durch (lacht).

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< WIR SIND NERDS !> Die Open-Synth-Session im Kulturpalast

Es ist wieder so ein letzter Mittwoch im Monat. Wer kennt ihn nicht? Genau zwischen den Wochenenden, am Monatsende, l채sst man sich ohne die Hoffnung auf ein echtes Abenteuer nicht vom Sofa bewegen. Aber da wir in Hannover sind, ist auch an solch einem Mittwoch f체r den interessierten Gute-Laune-Konsumenten l채ngst vorgesorgt. text: simon block fotos: lea grobecker


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Also bewegt dieser sich zum Kulturpalast-Linden e.V. Dort angekommen guckt er sich irritiert um: Lauter Leute, Hanns und Franz, entspannt, jedoch aufmerksam auf die Bühne starrend, wohin nun auch der Blick unseres Probanden – nennen wir ihn Felix – wandert. Hier beginnt seine Begegnung dritter Art: Ein langer Tisch. Darauf... Kisten in nicht überschaubarer Zahl, verbunden mit einer riesigen Anzahl an Kabeln, die alle diese Kästen miteinander verbinden. Hinter dieser Installation, die wohl der Steuerkonsole der Enterprise nachempfunden ist, stehen in einer Reihe junge Kerle, die Köpfe nach unten geneigt, stumm auf diese „Synthesizer“ genannten Dinger starrend. Synchron, im Takt zur loungigen Elektromusik, nicken sie mit, während sie Knöpfe drehen, drücken und schieben und so das Raumschiff sicher durch den Weltraum zu steuern scheinen. Die fragenden Augen unserer Testperson animieren das Mädel im Cocktail-Sessel neben ihm, ihn aufzuklären. Synthesizer seien so analoge Klangerzeuger, unabhängig von Computern, mit denen die Jungens auf der Bühne da spielen. Als daraufhin der fragende Blick von Felix sich in ei-

nen Ausdruck schierer Verzweifelung verwandelt, holt sie etwas länger aus: Es geht hier um Sound, der fernab von „organischen“ Klängen entsteht. „Synthesizer legen ja schon vom Wort her nahe, dass es sich hier um Geräte handelt, die Klänge synthetisch erzeugen. Prinzipiell sind Handys, Gameboys und Türsummer alle Synthesizer. Mit diesen Geräten improvisieren die Musiker komplette Elektromusik-Sets“, berichtet die Unbekannte. Gut, der grobe Grundstock ist gelegt. Dank an die mysteriöse Fremde. Das alles mitbekommend habe ich den Klangakrobaten dann einen Hausbesuch abgestattet. Vor mir sitzen da nun ein gewisser Wenzel, ein Andreas, ein Philipp, sowie zwei Alexander. Wie sie dazu gekommen sind, frage ich. „Diese Crew ist Stück für Stück organisch gewachsen“, beginnen sie zu erzählen (wo ihnen doch „synthetisch erzeugt“ viel besser zu Gesicht stünde). Irgendwann kam die Erleuchtung: „Lass‘ eine öffentliche Session machen!“ Die Veranstaltung, gestehen sie, ging in eine andere Richtung als ursprünglich geplant, da der Schwerpunkt sich verlagert hat. Vom Vorstellen eigener Kompositionen, worauf erst das Hauptaugenmerk

liegen sollte, hin zur Impro-Jam-Session, die mehr als Dessert angedacht war. Die Interviewten bilden den Kern der Veranstaltung. Doch darf jeder mit seinem Synthesizer seinen Senf dazu mischen. „Alles ist pure Improvisation“, so Alexander 1. „Kein Track eines Jams wird je wiederholt werden.“ Wo sie denn hin wollen mit ihrem Werkeln möchte ich wissen. „Wir wollen weg vom DJ-ing, hin zum eigentlichen Aspekt der Musik: dass sie im Moment entsteht.“ Es habe sie alle angefoppt, dass elektronische Musik eigentlich nur noch als Konserve auf Plattentellern präsentiert wird. „Das ist so der Auslöser gewesen“, meinen sie und bezeugen eine gemeinsame Liebe zur elektronischen Live-Musik, wobei die meisten von ihnen auch auflegen und daher betonen, keine Antistimmung gegen DJs erzeugen zu wollen. „Synthesizern ist nicht Tasten drücken!“ Laut ihrer Aussage ist der Grundgedanke der Synthesizer auch nicht auf Improvisation ausgelegt, sondern darauf, dass man die Klangelemente vorprogrammiert. „Vor allem der Sound!“ sei entscheidend. Nach ihrer Meinung ist das der Unterschied zu herkömmlicher Musik. Der >

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www.kulturpalast-hannover.de www.myspace.com/opensynthhannover


Sound stehe stärker im Vordergrund, weil im Synthesizer mehr Möglichkeiten liegen, den Sound besonders klingen zu lassen. „Wir haben Sequenzen laufen, schalten die an, schalten die aus, in einem Live-Kontext, um gemeinsam einen Track zu entwickeln.“ Es sei eben nicht wie beim Heimtüfteln, wo man Loops setzt, hier und da am Sound schraubt, sich alles zigmal anhört und dann in aller Ruhe zusammensetzt. Sie machen das alles live. In Echtzeit. Hier und jetzt. Man braucht dazu Geräte, die das überhaupt zulassen. In der Kompliziertheit liege die Herausforderung. „Es geht um die Frage: Wie verwandeln wir uns in einen großen Synthesizer? Wie verwandeln wir uns in einen Track?“, erläutern sie weiter. Und: „Der Abend ist auch als Plattform gedacht, Hannoveranern, die elektronische Musik machen, zu connecten.“ Eine letzte Frage an die illustre Runde: „Würdet ihr euch als elitär bezeichnen, mit dem, was ihr macht?“ „Ja ja, die Spitze vom Eisberg, die Vordenker, blablabla...! Ich würde eher sagen, wir sind Nerds!“, sagt ein Alex (allgemeines

Kopfnicken). „‚Elitär‘ heißt, wir grenzen uns ab. Aber das tun wir absolut nicht, wir öffnen uns“, stimmt Wenzel zu. „Jeder Zweite (der elektronische Musik macht) hat eine kleine Groovebox, da Synthies erstmal ziemlich günstig sind“, behauptet Phillip. „Elektronische Musik ist sehr öffentlich geworden. Wir sind nur der Ausdruck einer Bewegung“ ergänzt Alex 2. „Wir wollen uns halt ganz besonders irgendwie austoben“, erläutert Andreas (lachen). „Das ist elitär!“ Der Grundton lautet also: Wer wirklich will, der kann und soll auch. Ich bedanke mich, zumal die Runde derweil meine Kippen weniger in Schall, denn in Rauch aufgelöst hat. Der Abend im Kulturpalast ging übrigens bis ca. 2 Uhr. Aber wo... ach dort, in der Ecke, lungert Felix zusammen mit dem Mädel rum. Sie sind sich erheblich näher gekommen. Diese imaginären Personen! Da lässt man sie eine DIN A 4-Seite aus den Augen und schon... Und die Synthie-Künstler? Und wenn sie nicht gestorben sind... jeden letzten Mittwoch im Monat, 20 Uhr, im Kulturpalast in der Deisterstraße 24. Man sieht sich.

Einfach gutes Brot. Doppelkorn Linden Bio Backwaren & Café Limmerstraße 58 30451 Hannover Tel 0511-215 39 11

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Doppelkorn Laatzen Bio Backwaren & Café Magdeburger Str. 9-A 30880 Laatzen Tel 05102-890 32 86

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auftritt - mein erstes mal


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mein erstes mal beim tätowierer — einmal mutterherz bitte !

text: sebastian matthes illustration: caspar david engstfeld

Hat man sich erst einmal entschieden, sich ein Tattoo stechen zu lassen, geht man anschließend mit geschärfter Aufmerksamkeit durch die Straßen. Die ganze Stadt scheint mit einem Mal tätowiert zu sein. Die Straßen sind voll mit Arzthelfer(inne)n, Bankangestellten oder Versicherungskaufleuten jeden Alters, die auf diese Weise versuchen zumindest ein kleines bisschen weniger gewöhnlich zu wirken. Das kann ich gut verstehen und vielleicht habe ich mich ja auch aus diesem Grund entschlossen, mich dieser Gemeinde anzuschließen. Da wünscht man sich beinahe in die Zeit zurück, als diese Form des Körperschmucks nur Punkern, Seeleuten und Häftlingen – also der gesellschaftlichen Avantgarde – vorbehalten war. Bei meiner persönlichen Feldstudie unzähliger Arschgeweihe, Totenköpfe und Tribals an den üblichen verdächtigen und gut sichtbaren Körperstellen beschleicht mich das Gefühl, dass sich die Wenigsten gut überlegt haben, was sie sich da haben unter die Haut stechen lassen. Über viele Details macht man sich zu wenig Gedanken. Das Motiv ist das Eine, dann noch die schwierigen Fragen nach der genauen Körperstelle, dem Winkel und natürlich der Größe. Schließlich

geht es hierbei um Millimeter und dabei ist der eigene biologische Verschleiß noch nicht einkalkuliert. Es kommt die Zeit, in denen die Pflegeheime voller tätowierter Senioren stecken. Es wird zum neuen Pflegersport werden, sich über die verschrumpelten bunten Hautlappen lustig zu machen. „Hey, hast du schon das Arschgeweih von Frau Zimmermann gesehen?“ Ich gehe in mich und überlege mir, welche Ansprüche habe ich an ein Motiv? Es sollte zeitlos sein, denn >

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auftritt - mein erstes mal

gelegentlich kann ich mich tatsächlich damit anfreunden einmal alt und senil zu werden. Eine individuelle Note sollte es ebenfalls enthalten. Also bitte kein Abziehbildchen aus der Bravo. Außerdem sollte es eine persönliche Bedeutung für mich haben, damit fallen dann auch jegliche Tribals, Mutterherzen und Anker flach – obwohl ich eigentlich der tiefen Überzeugung bin, dass der Anker an sich als Motiv zu unrecht verpönt ist. Aber das ist wie mit der Karottenjeans: Das kommt alles wieder. „Und was für ein Motiv?“ fragt mich Hector, der Tätowierer eher lässig als erwartungsvoll, als ich schließlich in seinem Laden stehe und einen Termin ausmachen will. Der Mann meines Vertrauens ist mir auf Anhieb sympathisch und wurde mir von einem Freund empfohlen. Außerdem ist der Laden um die Ecke und ich bin bequem. „Öh, ja… ich dachte da vielleicht so an einen Stern, aber ne Vorlage hab ich noch nicht.“ Gute Antwort! Ich werde an eine Wand mit Zeitschriften und Mappen mit Vorlagen und Motiven aller Art verwiesen. Nachdem ich mir einige Stunden Totenköpfe, Jesusportraits und Blümchen angeschaut habe, kon-

kretisiert sich mein Wunsch. Zumindest weiß ich, was ich nicht will. Hector tut mir fast leid. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leute täglich mit einem ähnlich präzisen Wunsch bei ihm aufkreuzen. Ich entscheide mich für einen fünfzackigen Stern mit leichter Schattierung der Innenfläche, auf den ich während einer meiner unzähligen Recherchen im Internet stoße. „Wie kreativ und einfallsreich“, werden jetzt einige denken. Dennoch erfüllt das Motiv im Grunde alle meine Anforderungen. Außerdem kann so ein simples Ausgangsmotiv jederzeit erweitert werden und das Wichtigste ist, er gefällt mir auf Anhieb. Die folgenden Wochen verbringe ich täglich mit dem mindestens fünfminütigen Anstarren des Motivs. Endlich ist der große Tag gekommen. Auf dem Weg ins Studio gehe ich noch eben in einen Kiosk, was zu trinken und einen Schokoriegel kaufen. Man hört ja immer wieder von Leuten, die die Sitzungen wegen der Schmerzen abbrechen müssen oder irgendwelche Kreislaufgeschichten bekommen. Ich zeige Hector zwei Vorlagen, von denen ich glaube, dass sie sich eigentlich nur durch ihre unterschiedlichen Schattierungen unterscheiden. „Dir

ist aber schon klar, dass dieser hier parallel ist und dieser nicht?“ Dabei tippt er mit seinem Zeigefinger auf meine Schwarzweißausdrucke. Die Frage erwischt mich unerwartet. „Klar… wie jetzt parallel?“ Verdammt er hat recht. Wie konnte mir das nicht vorher auffallen. Ich entscheide mich spontan für eine der beiden Varianten und hoffe, dass ich es später nicht bereuen werde. Während Hector eine Vorlage von meinem Motiv macht und die Liege präpariert, überlege ich noch mal, an welche Stelle ich es genau haben möchte. Bisher war nur die Innenfläche des linken Oberarms sicher. Hector markiert die grobe Stelle und macht dann einen Abzug darauf. Ich gehe zum Spiegel und überlege, ob an Position und Ausrichtung noch was verändert werden sollte. „Geht nur noch jetzt“, wird mein prüfender Blick grinsend kommentiert. Die Prozedur sollte sich noch zwei Mal wiederholen, ehe ich dem Ganzen meinen Segen erteile. Ich liege auf der Liege und kann eine gewisse Anspannung nicht verleugnen. Die Nadel rückt näher. Wie sich das wohl anfühlt? Und dann das Unerwartete. „Ding dong.“ Die Tür geht auf. Wie kann denn jetzt jemand stören?


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dringend erforderlich gewesen wäre. Es geht los. Endlich. Wer jetzt erwartet, dass ich von höllischen Schmerzen berichte, den muss ich enttäuschen. Ich empfinde die Prozedur einer Blutspende als wesentlich unangenehmer. Während Hector sich auf meinem Arm verewigt, klagt er über seine Haltungsschäden, die er vom vielen Sitzen bekommt. „Und seit ich so viel im Laden bin, hab ich fast 20 Kilo zugenommen“, stöhnt Hector. Wir beschließen beide in Zukunft mehr Sport zu machen. „Nur in der nächsten Woche nicht, da muss ich viel arbeiten“, wendet Hector ein. Und ich darf wegen der Wunde nicht, was mir ehrlich gesagt nicht ganz unpassend kommt. Ärgerlich ist allerdings, dass der Sommer endlich eine gewisse Konstanz bekommt, Schwimmen in den nächsten Wochen aber auch flach fällt. Nach gut einer halben Stunde ist alles vorbei. Hab es mir grad noch mal im Spiegel angeguckt. Gefällt mir gut. Mach ich auch bestimmt wieder, aber bis dahin werde ich eventuell das eine oder andere Fachmagazin konsultieren und mich noch mal mit Hector über die „technischen Möglichkeiten des Tätowierens“ austauschen. Der Anfang ist gemacht.

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„Hast du auch Gutscheine?“, fragt eine Stimme. „Nein, kann ich aber machen“, antwortet Hector routiniert. „Unsere Mutter hat heute Geburtstag und die will sich was in türkischer Schrift auf den Arm machen lassen.“ Verdammt, wen interessiert das jetzt?! Und nach einer kurzen Pause fügt die junge Dame hinzu „Was kostet das denn?“ Oh man, besorg dir ne Preisliste, denke ich mir. „Kommt auf die Größe an und auf das genaue Motiv“, entgegnet Hector. Beide Variablen sind nicht bekannt und an die Schriftart wurde anscheinend auch noch kein Gedanke verwendet. So ziehen die beiden Damen unverrichteter Dinge wieder ab. Endlich. Jetzt geht’s los. Das ist auch gut so, denn ich begann gerade zu zweifeln, ob die Stelle so gut ist oder ob ich nicht lieber doch noch was ändern sollte…. Doch dann wieder das „ding dong“. Nicht doch. „Sind das im Schaufenster alle Piercings, die du hast?“ hallt eine neue Stimme im schrillen Ton. Oh man! Hector bejaht, doch bevor seine Frage „Kann ich irgendwie helfen?“ Gehör bei der Kundin findet ertönt schon wieder die Ladenglocke und die Dame ist entschwunden. Dabei lies ihr Auftreten vermuten, dass Hilfe

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auftritt - unterton

unterton: ‚this is reebosound‘ / text : sandra wildeboer; foto: reebosound

„Are you a reebo?“, fragen die Jungs von Reebosound auf ihrer Homepage. Nein, „reebos“ sind sie sicherlich nicht. Aber wer oder was sind Reebosound? hanns fragt nach, um mehr über die Band, ihren Stil und die Unabhängigkeit in der Musikbranche zu erfahren. www.myspace.com/thisisreebosound www.reebosound.de


auftritt

Reebosound wurde 2005 von Sven Missullis alias Missu als Soloprojekt ins Leben gerufen. Nach jahrelangem Spielen in diversen Bands war es Zeit für ihn, etwas ganz eigenes auf die Beine zu stellen. Ab in den Aufnahmeraum und Tür zu. Missu hat alle Instrumente für das Album selbst eingespielt und produziert es eigenverantwortlich und selbsttragend. Bereits 1991 bekam Missu seine erste Gitarre und stand kurze Zeit später schon auf der Bühne. „Das war schon verrückt damals. Keiner konnte sein Instrument richtig, aber wir sind einfach auf die Bühne gegangen und haben gespielt. Es war Spaß und das ist das Wichtigste.“ Nach und nach spielte er in unterschiedlichen Bands. Mal Gitarre, mal Bass, mal war Not an einem Schlagzeuger. „Dann wird halt so lange rumprobiert, bis es passt.“ Gitarre, Bass und Schlagzeug konnte er so für das Debutalbum „Reebosound“ selbst einspielen. Anstatt den Weg des schmutzigen Türklinkenputzens zu gehen, entschied er sich damals, sein Album ohne Label und kostenfrei zum Download zur Verfügung zu stellen. „Was nützt es, wenn dich keiner kennt?“, fragt auch Niklas, zweiter Gitarrist und jüngstes Mitglied der Band. Apropos: Wie kam es denn nun eigentlich vom Soloprojekt zu der 4-köpfigen Band Reebosound? Missu suchte Musiker für Liveauftritte. Arne (Bass) fand Missu im Aufnahmestudio zu seinem ersten Album. Seit Ende 2006 ist Arne nun dabei und brachte noch seinen Kumpel Toni (Schlagzeug) mit ins Boot. Niklas kam im März 2008 zur Band. „Heute kann ich mir unsere Musik ohne zweite Gitarre nicht mehr vorstellen, das war ein richtiger Schub“, sagt Missu und grinst Niklas an. Ich bekomme den Eindruck, Perfektionismus wird in dieser Band großgeschrieben, aber ohne Verbissenheit. Das Beste rausholen und Freude dabei haben, bei der Studioarbeit und bei Liveauftritten, das Gesamtpaket eben. „Eigentlich macht man ja auch Alben, um sie dann live zu spielen“, sagen Niklas und Missu. „Am Anfang, als wir auf die Bühne gingen, haben wir uns noch ganz schön vertan“, berichtet Missu. „Aber egal. Es hat Spaß gemacht und mittlerweile sind wir auch ein richtig gut eingespieltes Team.“

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Im Oktober erschien ihr neues Album „This is Reebosound“. Vielleicht auch diesmal wieder zum downloaden? „Uns geht es vielmehr um die Bestätigung und die Resonanz von unserem Publikum. Auch wenn die Alben kostenlos sind, die Leute schreiben uns dann trotzdem Mails, wie gut sie unsere Musik finden, das hört man gern.“ Später kam das Debüt übrigens auch als CD und Vinyl raus und verkaufte sich gut. Das hört man ebenfalls gern. Im Studio spielt Missu auch heute noch fast alle Instrumente selbst ein, aber nicht mehr, ohne sich nicht ab und zu die Meinung seiner Bandkollegen anzuhören. „Ich lass mir da nicht wirklich reinquatschen, aber das ist schon gut, wenn man auch mal Gegenstimmen hört und nicht immer in seinem eigenen Dunstkreis bleibt. Durch diese Art zu arbeiten unterscheiden sich die Studioalben immer von den Liveauftritten. Das ist uns aber auch wichtig“, betonen die beiden von Reebosound. „Auf der Bühne bringt jeder seine ganz eigene Art zu spielen mit in die Musik. Das ist gut so.“ Auf die Frage, wie sie sich selbst musikalisch einordnen würden, antworten Missu und Niklas „Irgendwie Indie“. Aber „irgendwie“ ist ja alles heute Indie. Ich bohre weiter und erfahre, die Band sieht sich selbst in der Tradition alter DIY: Sonic Youth, Dinosaur Jr, Hüska Dü. Dabei geht es aber mehr um den DIY-Gedanken als um die Musik. Das hat auch etwas damit zu tun, sich nicht in die Musik reinquatschen lassen zu wollen und unabhängig zu bleiben. So ist die Überlegung, die neue Platte wieder selbst zu produzieren nur eine logische Folge. „Auch mit Label ist das ja heutzutage für Bands kaum anders.“ Und wie klingen Reebosound denn nun? Es macht gute Laune den Jungs zuzuhören, die Musik ist vielseitig, die Melodien sind eingängig und haben Wiedererkennungswert. Man mag sich an die Eels oder an Blackmail erinnert fühlen. Das erste Album kann man immer noch kostenfrei runterladen. Und auf neue Alben dürfen wir uns schon freuen. Nichts desto Trotz: Diese Band ist live immer anders. Deswegen ab in die Glocksee. Dort spielen Reebosound am 06.April 2010!


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auftritt - ausgeh‘n

ausgeh’n

ausgewählte veranstaltungen aus kunst, theater, musik, kabarett und kino.

kunst 4. Dezember 2009 - 7. Februar 2010 Dienstags bis Sonntags 11-18 Uhr Donnerstags 11-20 Uhr Eintritt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro Kestnergesellschaft, Goseriede 11 www.kestner.org

Elke Krystufek – less art / Die österreichische Künstlerin macht Kunst, die spricht. Mit klaren, harten und manchmal auch verstörenden Worten wie „How long does it take you to buy a painting you rotting corpse without a soul? You piece of human waste”, provoziert Elke Krystufek den Betrachter in einem Wust von wütenden Anschuldigungen und Fragen, die um ein Frauengesicht ranken. Auf der Venedig-Biennale 2009 repräsentierte sie Österreich, im Dezember kommt sie zur Kestnergesellschaft. Ihre Arbeiten sind feministisch und reichen vom Experimental-Film über Malerei bis zur Performance. Eine kunstschaffende Alice Schwarzer? War in ihren früheren Werken vor allem sie selbst das Zentrum ihrer Kunst, so lässt sich Krystufek heute mit Humor und einem Hang zum Exzess über die Riten und Regeln des Kunstbetriebs aus. In Kunstbüchern häufen sich durch Männerhand gemalte nackte Frauen. Krystufek dreht den Spieß um und zeigt das weibliche Männerbild. In einem eigens für die Ausstellung „less art“ produzierten Film setzt die Künstlerin Südsee-Utopien in einen Kontrast zu europäischen Meeresbildern und -mythen.

Bis 30. Dezember 2009 Mittwochs bis Freitags 15-19 Uhr Samstags 11-16 Uhr Eintritt frei Nice/Nice Exhibition Space Deisterstraße 55 www.ilovenicenice.com

Atle Ostrem / “Atle knows how to pick apart the day, put the pieces back together his way”, heißt es auf der Internetseite des norwegischen Künstlers Atle Ostrem. Der 29-Jährige ist nachdenklich, manchmal melancholisch. Zumindest wenn man versucht, durch seine Kunst in ihm zu lesen. Traurige zu Boden gesenkte Gesichter- nicht Mensch nicht Tier- blicken blind ins Nichts. Er kritzelt sie auf Leinwand, Karton, Skateboards oder Spraydosen. Daneben stehen prägnante Texte, die er sich im norwegischen Alltag in sein Notizbuch schreibt. „I look for you in everyone“ oder „Choose your weapon“ erzielen zusammen mit seinen Alien-artigen Wesen starke Wirkungen- Mitleid, Beklemmung, Angst? Macht euch selbst bekannt mit den sehr sehenswerten Geschöpfen des Skandinaviers, und lasst es wirken.

17. November 2009 - 12. Januar 2010 Montags bis Freitags 9- 20 Uhr Eintritt frei Design Center, Expo Plaza 2 www.fh-hannover.de

Grün ist es im Licht / Das klingt erst mal nach adretten Blümchen und fein hergerichteten Beeten. Nach Bildern, die Tante Hilde und die Oma herrlich schön finden, uns aber wenig Begeisterung abgewinnen können. Der aufmerksame Leser ahnt schon: Das ist hier nicht so. Recht soll er haben. Die Fotostudenten der Fachhochschule zeigen in ihrer Ausstellung „Grün ist es im Licht“, dass Garten-Fotografien nicht nur für die ältere Generation ansprechend sein können. Traditionell und experimentell näherten sie sich dem Thema an, mit lustigen, nachdenklichen und phantastischen Ergebnissen.


Aufgabe war es, die Vielfältigkeit der Fotografie zum Thema „Gartenregion Hannover 2009“ mit all ihren Facetten aufzuzeigen. Bereits im Sommer hingen die Bilder schon mal an den Wänden. Nun folgt Ausstellung Nummer zwei, für alle, die das Grün im Winter vermissen.

theater Montagsbar / Kaum ein Tag ist so verhasst wie der Montag: Der süße Wochenendtraum hat ein Ende und eine Woche voller Vorlesungen und Arbeit breitet hämisch grinsend die Arme aus. Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, angeknipst durch die „Montagsbar“. Jeden Montagabend stellen sich neue Ensemble-Mitglieder und Studenten der „Hochschule für Musik und Theater“ in der Cumberlandschen Galerie vor und zaubern ihrem Publikum den Montagsfrust aus dem Gesicht. Frisches Schauspiel jede Woche, und das an einem Montag. Heißer Tipp: Jeden letzten Montag im Monat kommt hannoverscher Krimi unter dem schönen Namen „Schatten unterm Schwanz“ auf die Bühne. Für alle Neu-Hannoveraner: Nein, das ist nichts Versautes – wartet ab, bis ihr euch zum ersten Mal mit jemandem in der Stadt verabredet.

Jeden Montag 22 Uhr Eintritt 5 Euro Cumberlandsche Galerie Prinzenstraße 9 www.staatstheater-hannover.de


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auftritt - ausgeh‘n

3.- 6. + 10.- 13. Dezember 2009 19.30 Uhr Eintritt 8 Euro ermäßigt 6, bzw.4 Euro Studiotheater im Kurt-SchwittersForum, Expo Plaza 12 www.studiotheater-hannover.de

„Warte, bis der Vater kommt“ / In keinem Zeitalter wurde wohl so viel gedacht und gegrübelt wie in der Antike. Noch heute leiten sich die großen Weisheiten der Menschheit von den alten Griechen ab, und das wird vermutlich auch immer so bleiben. Aber wer war denn das hellste aller Denkerstirn-Köpfchen? Schwierige Entscheidung, finden auch die Schauspieler der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Deswegen nimmt das fünfte Semester einfach ein bisschen von Aischylos, eine Prise Euripides und ein wenig von Sophokles und macht daraus sein neues Stück „Warte, bis der Vater kommt“. Der für die Tragiker typische Chor darf natürlich nicht fehlen, und auch bekannte Figuren wie Agamemnon und Poseidon finden ihren Platz. Das Antikenprojekt stellt die Beziehung der Kinder zum abwesenden Vater in den Mittelpunkt. Von der Mutter im Stich gelassen, fantasieren sie von Wärme und Verständnis. Auf die Bühne kommt es im Studiotheater der HMT am Expo Plaza – zugegeben nicht ganz zentral, aber der Weg lohnt sich. Genauso wie ein Blick auf die Internetseite www.studiotheater-hannover.de, auf der man alle Stücke und Schauspieler findet.

musik 16. Januar 2010 Eintritt 6 Euro Mephisto www.portless.de

The Portless und Jez Pearce / Ehemals als Soloprojekt geplant spielt das Band-Projekt „The Portless“ um Menne Cetrin aus Hannover im Mephisto. Die Nu Country Songs mit melancholischen Elementen werden die Zuhörer aus dem hannoverschen Mephisto hinaus in die Welt bis nach Arizona treiben. Als hübschen Bonus sind die Songs kostenlos downloadbar unter www.portless.de.

Ebenfalls sind an diesem Abend „Jez Pearce“ am Start, um euch den Abend zu versüssen. Einst als Acoustic-Duo in der Hamburger Clubszene unterwegs, spielen die inzwischen 4 hannoveraner Jungs im Mephisto ihre gefühlvollen Popsongs mit melancholischen und bisweilen zynischen Texten.


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The Leisure Society / Eine Überraschung! Wenn 7 Köpfe und Instrumente auf einer Bühne versammelt sind, erwartet einen meistens skamusik. Aber hier steht ein Orchester vor einem. Mit Querflöte, Banjo, Ukulele und Geige klingen sie völlig skafrei, dafür aber melodiös, verträumt und verspielt ohne Tragik und natürlich orchastral. Die Band aus Brighton/UK kann sicher ganze Räume klanglich füllen, die Feinkostlampe füllen müsst ihr!

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29. Januar 2010 Feinkost Lampe www.feinkostlampe.de

kabarett Desimos Spezial Club: Helge & das Udo: “Bis einer heult!” / Im neuen Programm gehen Helge und das Udo aufs Ganze! Sie spielen die komplette Nibelungen Sage in Versmaß und Reimschema nach und schrecken auch vor der größten Erzählung des Abendlandes nicht zurück: der Weihnachtsgeschichte! Ihr groß angelegtes Laienkrippenspiel ist Jahreszeiten übergreifendes Welttheater der Extraklasse und fast so wertvoll wie ihre Interpretation der Biene Maja! Überboten höchstens noch von ihren grandios improvisierten Szenen, die sie zu Vorschlägen aus dem Publikum aus dem Stehgreif spielen...

12. Januar 2010 20.15 Uhr Apollo Kino, Limmerstrasse 50 www.helgethun.de www.desimo.de

Fatih Çevikkollu: „Komm zu Fatih“ / Sein Debüt-Programm „Fatihland“ wurde oft ausgezeichnet – jetzt kommt der Kölner Kaba-

01. Februar 2010 20.15 Uhr Apollo Kino, Limmerstrasse 50 www.fatihland.de

rettist mit mit „Komm zu Fatih“ auf den Punkt. Wer ihn als Murat aus „Alles Atze“ kennt, wird über seine knackigen Pointen zu Vorurteilen und Anglizismen in der deutschen Sprache umso erstaunter sein. Grandioses deutsch-türkisches Kabarett, ein zweites Mal im Lindener Hinterhof.

Desimo: „Wunschlos oder Glücklich“ / Was passiert, wenn ein Zauberer, ein Comedian und ein Kabarettist auf unerklärliche Phänomene treffen? Jede Menge Entertainment! DESiMO geht paranormalen Phänomenen auf den Grund. Wie tritt man mit Engeln in Kontakt? Wie finde ich einen Parkplatz? Ist Armut nur ein Irrtum unserer Gedanken? Oder ein Irrtum des Chefs? DESiMO verblüfft als international preisgekrönter Magier nicht nur mit seinen Tricks, sondern zeigt: wo das Wissen aufhört, fängt der Spaß erst richtig an. Und er erfüllt Ihnen Wünsche, die Sie vorher gar nicht hatten...

15. Februar 2010 20.15 Uhr Apollo Kino, Limmerstrasse 50 www.desimo.de


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kino Inglourious Basterds und seine Vorbilder / Quentin Tarantino hat mit seiner etwas anderen Auslegung der deutschen Geschichte restlos begeistert. Nach gewohnter Manier wurde wieder viel geschossen, gesprengt und gestorben, gewürzt mit dem unverwechselbaren Tarantino-Hau-Drauf-Humor. Vorbilder könnten da die beiden Klassiker aus den 70ern „Das dreckige Dutzend“ und „Ein Haufen toller Hunde“ gewesen sein.

Di, 04.01.2010, 20.15 Uhr Fr, 08.01.2010, 22.30 Uhr Apollo Kino

Ein Haufen toller Hunde / Zweiter Weltkrieg, Nordafrika, britisches Militärstraflager. Die Häftlinge Offizier Joe Roberts (Sean Connery) und die Soldaten Jacko King und George Stevens werden in ihrer Kriegsgefangenschaft schikaniert und gequält. Mit immer härteren Schikanen werden die Häftlinge an ihre Grenzen getrieben. Die kleine Gruppe lehnt sich gegen die sadistischen Behandlungsmethoden des Lagerführers auf. Ein ebenso packender wie auch aufrüttelnder Film, der unmenschlichen Sadismus und sturen Militarismus anprangert. Inszenatorisch und darstellerisch hervorragend, mit gelegentlich arg reißerischen Zügen.

Mo, 04.01.2010, 20.15 Uhr Do, 07.01.2010, 22.30 Uhr Apollo Kino

Das dreckige Dutzend / März 1944. Wegen seiner unkonventionellen Methoden ist der amerikanische Major Reisman (Lee Marvin) bei seinen Vorgesetzten schlecht angesehen. Dennoch erhält der Offizier den Auftrag ein Himmelfahrtskommando zu bilden, um hinter den deutschen Linien abzuspringen und ein SS-Quartier auszuheben. Den gefährlichen Auftrag sollen zwölf zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen Verurteilte ausführen, denen im Gegenzug Strafmilderung versprochen wird. Ein zynischer, böser Film, der wie kaum ein Anderer das blutige und perverse Gesicht des Krieges deutlicher gezeigt.


Inglourious Basterds / Quentin Tarantinos wahnwitziger Weltkriegsfilm, in dem sich ein Trupp jüdischer US-Soldaten daran macht, die führenden Nazis zu töten. Der gewaltige Showdown in einem Pariser Kino lässt die Kinosessel vibrieren und den Atem stocken. Die Besetzung könnte sich besser kaum lesen: Brad Pitt, Christoph Waltz, Diane Kruger, Til Schweiger, Daniel Brühl, August Diehl und Christina Berkel. Besonders die herausragende schauspielerische Leistung von Christoph Waltz und Tarantinos einzigartige Erzählweise machen den Streifen absolut sehenswert. Cannes Rolle 2009 / In der französischen Küstenstadt werden nicht nur begehrte Filmpreise vergeben, auch die Welt der Werbung blickt einmal im Jahr gebannt an die Cote d‘Azur. Die besten Werbespots sahnen dort auf dem „International Advertising Festival“ hübsch glänzende Löwen ab. Was für die Musik der Grammy und für den Film der Oskar ist, das ist der Löwe für die Werber. Deutschland hat dieses Jahr mit zehn Nominierungen und vier Auszeichnungen einen glänzenden Auftritt hingelegt. Zweimal Silber gab es für „Serviceplan“ aus München und „Jung von Matt“ aus Hamburg. Die Berliner Agentur Scholz & Friends und die Hamburger Grabarz & Partner sahnten jeweils eine bronzene Figur ab. Sie können sich mit ihren Werbespots mit Fug und Recht zur Königsklasse der Werbewelt zählen. „Cannes Rolle“ zeigt alle Gewinnerstreifen des diesjährigen Festivals.

Sa, 09.01.2010, 22.30 Uhr So, 10.01.2010, 20.15 Uhr Mi, 13.01.2010, 22.30 Uhr Apollo Kino

Do - Sa, 17.-19.12.2009, 23.00 Uhr Di, 22.12.2009, 20.15 Uhr Mi, 23.12.2009, 22.30 Uhr Apollo Kino Limmerstraße 50 www.apollokino.de


mitwirkend, helfend und liebend:

das hanns impressum

— magazin für junges leben in hannover • ausgabe 4 • dezember 2009 • www.derhanns.de

Herausgeber Natalie Basedow, Hardy Seiler, Nikolai Reichelt

Illustration Caspar David Engstfeld, Quintessenz Creation, Sascha Bente, Anne Rüter

Redaktionsleitung Tanja Busse

Fotoleitung Sandra Wildeboer

Redaktion Maria Eggers, Sebastian Matthes, Alexa Brase, Ulrike Hönemann, Simon Block, Franziska Riedmiller, Svenja Beller, Ninon Katschmarz, Melody Garcia Brenn, Sandra Wildeboer

Foto Mirja Zentgraf, Parisa Hussein-Nejad, Roman Pawloski, Michael Lieb, Milos Djuric, Sandra Wildeboer, Max Pritsch, Lea Grobecker

Lektorat Alexa Brase, Tanja Busse, Janneke Bode, Eike König

Web Fabian Neidhardt, Nikolai Reichelt

Layout, Satz, Gestaltung Nikolai Reichelt, Hardy Seiler Grafik Hardy Seiler, Nikolai Reichelt

Veranstaltungen Svenja Beller, Tanja Busse Anzeigen Ulrike Hönemann, Nikolai Reichelt, Hardy Seiler, Tanja Busse, Sarah Gades

Druck Gutenberg Beuys Gesellschaft für Digital- und Printmedien mbh Feindruckerei Große Düwelstraße 20 30171 Hannover Auflage 1.500 Vertrieb Ulrike Hönemann, Tanja Busse Kontakt www.derhanns.de www.twitter.com/derhanns Redaktion - redaktion@derhanns.de Grafik - grafik@derhanns.de Anzeigen - anzeigen@derhanns.de Kultur - kultur@derhanns.de Ideen, Fragen und Kritik gerne an: redaktion@derhanns.de


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hanns ausgabe #4  

hanns - magazin für junges leben in hannover / vierte ausgabe / august 2009