Page 30

KONSEQUENZEN sowie schließlich auch die Braunkohle. Es entsteht Leere, ein Vakuum im Vergleich zu dem, was vorher dort war, wo sich die Grube gerade befindet. Der vorne abgebaggerte Abraum wird im hinteren, schon ausgekohlten Bereich abgekippt. Das Abkippen passiert größtenteils durchmischt, somit werden geologische Gesteinsschichtungen unwiderruflich zerstört. Darauf folgt das Rekonstruieren und Rekultivieren : » Mit dem Tagebau geht nur die Geschichte der Kulturlandschaft verloren. Nach dem Tagebau beginnt ein Neustart bei Zeitpunkt null. Nach heutigem Wissen kann jeder funktionale Aspekt der Landschaft vollkommen wiederhergestellt werden. [ … ] Außerdem wird somit die Chance gegeben durch die Unterstützung von RWE Landschaft und Tierarten zu schützen «, sagte U. Dworschak, Biologe der Forschungsstelle Rekultivierung79

FOTO : Ortschaft und Infrastruktur am Rande des Tagebaus Garzweiler II

Die Dimensionen der Eingriffe in den Naturhaushalt und die Auswirkungen auf die Strukturen der eher noch ländlichen, besiedelten Region sind bekannt und enorm. Durch das Wandern des Tagebaus wird alles bis dato gewachsene ausgelöscht. Die Kulturlandschaft weicht einem Loch.

L ANDSCHAFTLICHE KONSEQUENZEN

BE WEGUNG

NATUREINGRIFF

Die Struktur einer Kulturlandschaft, die jemand jahrelang gewohnt ist, ändert sich, so auch beispielsweise Infrastrukturen und Orientierungspunkte (Autobahnen, Kirchtürme, Wälder und Felder). Dies hat Auswirkung auf die Orientierung im rheinischen Revier und auf sein Natursystem . Flüsse müssen verlegt werden, Wälder abgeholzt, Ackerland und Wiesen werden weggebaggert. Die ‚Natur’ ist keine Einheit mehr, sondern nach dem Durchzug des Tagebaus ein künstlich-funktional gegliedertes Gebiet, unterteilt in Ackerflächen und ‚Naherholungsgebiete’ . Die natürlich und historisch entwickelte Landschaft weicht künstlich geplanter Funktionsfläche.

A BBILDUNG 18 : Bewegung und Dynamik des Tagebaus Garzweiler II 1995, heute (2015) und das geplante Ende 2045, vor jeglicher Leitentscheidung

Die Bewegung eines Tagebaus durch die Landschaft ist sehr speziell78. Die Abraumfläche im Tagebau wird nicht größer, RWE nennt die Bewegung durch die Landschaft ‚wandern’. Die Bagger fördern stetig Braunkohle, damit die umliegenden Kraftwerke ununterbrochen mit Braunkohle beliefert werden können . Der Tagebau Garzweiler ist jeden Tag im Jahr 24h aktiv. Mit einer Geschwindigkeit von 2,282 cm pro Stunde bewegt sich das Loch konstant durch NRW. Nichts kann den Baggern widerstehen. Alles wird ausgelöst,

Sümpfung Die rheinische Bucht verfügt über ein reichhaltiges Grundwasservorkommen auf einer Fläche von etwa 600.000 80 Hektar (siehe A BB. 19).

79 Die Rekultivierungsabteilung arbeitet in Zusammenarbeit mit RWE 78 Das „Wandern“ hat technische Gründe (Lage, Förderbänder und Effizienz dieser)und könnte mit einem Wurm assoziieren werden, der sich durch das Land frisst. Die Grube kann infolgedessen mit einem Fremdkörper oder schwarzen Loch mitten im rheinischen Revier verglichen werden.

80 Artikel „Die Niederrheinische Bucht – Grundwasserreservegebiet von höchster Bedeutung“ vom Bund Natur und Umweltschutz Deutschland. Quelle : http://www.bund-nrw.de/ themen_und_projekte/braunkohle/braunkohle_und_umwelt/braunkohlentagebau_und_gewaesserschutz/ (01. Februar 2015) 30

The Wandering Hole | Thesis (deutsche Version)  
The Wandering Hole | Thesis (deutsche Version)  
Advertisement