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Inhalt Editorial (Florian) 4 Kolumne (Iulia, Gabriel) 5 Wie viel hält die Erde aus? (Tillmann) 6 Kurzanleitung: Diktator (Janina B.) 10 Konsum (Janina M.) 12 Delegierte in den StartlÜchern (Timo) 14 Milleniumsziele (Lilian) 16 Ein Kind, mehr nicht (Meike) 18 9.000.000 hungern (Greta) 21 Sicherheit oder Freiheit (Lisa-Marie, Jonas) 24 Wasserknappheit (Runa) 26

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Editorial Editorial Hochverehrtes Publikum.

Wir begrüßen Sie zu einem Drama erster Güteklasse. Gemeinsam mit sieben Milliarden Darstellern präsentieren wir stolz das Machwerk, auf das wir Jahrtausende hingearbeitet haben. Das größte Theaterstück in der Gesichte der Menschheit: Unser eigenes Ende. Und jeder von uns spielt fleißig mit. Drei neue Nachwuchsschauspieler werden jede Sekunde geboren. Fast genau so schnell, wie ein Kind das Licht der Welt erblickt, schließt ein anderes seine Augen für immer. Die Gründe: Hunger. Gewalt. Krankheiten. Mit großen Augen blicken die Zuschauer des Stücks auf die Akteure: Die Entwicklungsländer, in denen die Menschen in Überbevölkerung, zusammengepfercht und ohne hygienische Versorgung leben. Die Zuschauer sitzen dabei in den Logen der Welt: Es sind die Industrienationen, die mit Nahrungsmitteln spekulieren und ganz neo-kolonialistisch Landraub betreiben. Und während die einen zusehen und die anderen auf der Bühne um ihr Leben kämpfen, schreien sie alle lauthals nach „weniger“. Wir brauchen weniger Nachwuchs, sagen überbevölkerte Staaten und fördern Abtreibungen von staatlicher Seite. Wir brauchen weniger Konsum, deklarieren Aktivisten mit besorgtem Blick auf dramatische Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern. Wir brauchen weniger verseuchtes Trinkwasser, fordern besonders afrikanische Staaten. Trotzdem brauchen wir weniger Regeln, mahnen Freidenker beim Gedanken an die Überregulierung der Märkte. Weniger. Was aber wollen wir dafür aufgeben, was riskieren, was investieren? Der Grad, auf dem unsere sieben Milliarden Hoffnungsträger wandeln, ist schmal. Und die Menschheit ist bereits ins Stolpern geraten. Was wir tun können und was wir lassen sollten, um nicht zu fallen, das zeigt die erste Ausgabe unseres Magazins GlobalWitness. Eine nachdenkliche und aufrüttelnde Lektüre, Florian Gehm 4


Wo sind die deutschen Gentlemen?

Es war einmal ein hilfloses ausländisches Mädchen, das im Landtag Schleswig-Holsteins angekam, um an einer MUN-Konferenz teilzunehmen. Das große Gebäude beeindruckte sie sehr und öffnete ihr Herz, doch menschlich stieß sie nur auf Kälte. Die Tür wurde ihr vor der Nase zugeschlagen, der Weg immer wieder abgeschnitten und Antworten waren kurz und knapp. Und so fragte sie sich: Wo bleibt die deutsche Höflichkeit? Doch das war nicht das Einzige, das ihr auffiel. Die Pünktlichkeit konnte sie leicht bemerken, da sich das Mädchen grundsätzlich verspätete. In ihrem Heimatland ist es doch völlig normal, das akademische Viertel auszunutzen. Die Ruhe der arbeitenden Pressemitglieder war ausgezeichnet und Süßigkeiten wurden verteilt, um die Atmosphäre zu versüßen. Wenn sie durch ihre Stadt läuft, ist von Ruhe nicht viel zu spüren: hupende Autos, laute Musik aus allen Geschäften und sich lautstark unterhaltende Jugendliche. Doch dann schaute sie in Kiel genauer hin. Alle Journalisten verblüfften durch ihre Freundlichkeit und das ständig präsente Lächeln auf den Lippen. Bei Fragen und Problemen fand sie immer ein offenes Ohr, sodass sie sich bald nicht mehr hilflos fühlte. Und am Ende des Tages traf sie ihn doch: den letzten verbleibenden Gentleman, der ihr höflich die Tür öffnete. 5


Weniger: Wie viel hält Danica May Camacho hat schlechte Laune. Eben noch in wohlig-warmer Dunkelheit schlummernd, schaut sie jetzt, mitten in der Nacht, ziemlich zerknautscht in die Augen von Mama, Papa und die Objektive einiger Fotoapparate. Die gerade geborene Philippinerin ist im wahrsten Sinne des Wortes eine kleine Berühmtheit. Zugegeben, der neue Messias ist sie vermutlich nicht, statt der heiligen drei Könige mit Gold, Weihrauch und Myrrhe stehen aber immerhin ein paar UN-Vertreter mit Kuchen an ihrer „Krippe“. Und in Sachen Medienwirksamkeit macht der kleinen Danica angesichts ihrer globalen Nachrichtenpräsenz ohnehin niemand etwas vor. Das kleine Mädchen von den Philippinen ist laut Vereinten Nationen seit dem 31. Oktober 2011 die siebenmilliardste Erdenbewohnerin. Das mediale Spektakel um die Geburt sieht kritische Fragen nicht vor: Verkraftet unser Planet so viele Menschen überhaupt? Wie wird er durch sie verändert? Gibt es Möglichkeiten, den Trend zur Überbevölkerung zu stoppen, oder ist der Zug schon abgefahren? Höchste Eisenbahn also, sich über unser aller Zukunft Gedanken zu machen. Vorher aber ein kurzer Blick in die Vergangenheit: 6

Wie wir wurden, was wir sind. Hauptgrund für die seit Beginn des 19. Jahrhunderts rasant wachsende Weltbevölkerung ist die stetige Verbesserung der hygienischen Situation, besonders in Europa. Die Schaffung von unterirdischen Abwassersystemen und zunehmend bessere Versorgung mit sauberem Trinkwasser erhöhten die Lebenserwartung der Bevölkerung erheblich. Die Medizin trug ihrerseits vor allem ab der Wende zum 20. Jahrhundert dazu bei, die Säuglingssterblichkeit zu drücken und so die Bevölkerungszunahme regelrecht explodieren zu lassen. Während zwischen der zweiten und dritten Milliarde Menschen noch 33 Jahre verstrichen, fand bis 1999 in beinahe der gleichen Zeit sogar eine Verdopplung der Weltbevölkerung statt. Das globale Bevölkerungswachstum muss man jedoch differenziert betrachten, da nicht in allen Regionen der Erde die Zahl an Menschen gleichermaßen wächst. Besonders in den europäischen Industrienationen zeichnete sich ab der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts eine deutliche Abschwächung der Bevölkerungszunahme ab, in Deutschland schlug sie gar in eine Schrumpfung um. Auch das weltweite prozentuale Wachstum halbierte sich seit den 1960er-Jahren beinahe.


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die Viel hilft viel Trotz dieser prozentualen Abnahme beherbergt die Erde gemäß aktuellen Angaben nach jedem Jahr rund 83 Millionen Bewohner mehr, ohne dass gleichzeitig die Fläche des Planeten mitwachsen würde. Die rückläufigen Bevölkerungszahlen in den meisten westlichen Industrienationen werden durch die weiterhin rapide Zunahme in den Schwellen- und Entwicklungsländern Afrikas und Asiens ausgeglichen. So verzeichnet Nigeria, das Land mit dem größten prozentualen Bevölkerungswachstum und ca. 170 Millionen Einwohnern, jährlich gut drei Millionen Neubürger. In Indien sind es fünf Mal so viele. Während in den hochentwickelten Industriestaaten Bildung, Zugang zu Verhütungsmitteln und soziale Sicherungssysteme zu immer weniger Kindern pro Frau geführt haben, müssen Menschen in Entwicklungsländern auf genau diese Dinge verzichten. Fehlende Bildung und schwerer Zugang zu sicheren Verhütungsmethoden erzeugen eine Vielzahl an ungewollten Kindern. Oftmals ist ein reicher Kindersegen aber auch ausdrücklich gewünscht. Da der Staat für eine Altersversorgung in der Regel nicht aufkommt, müssen Kinder diese Aufgabe übernehmen, und dabei gilt die Devise „Viel hilft viel.“

aus? Traurige Rekorde Die Bevölkerung auf der Erde wird also, wenn auch allmählich immer langsamer, weiter wachsen. Davon gehen auch die UN aus, die in ihrer Prognose von 2010 mit 10,9 Milliarden Menschen im Jahr 2100 rechnen. Bliebe die Geburtenrate auf dem Stand von heute, müssten wir uns in knapp 90 Jahren den Planeten sogar mit ca. 27 Milliarden anderen Menschen teilen. Es beweisen aber bereits heute etliche Beispiele, dass schon 7,1 Milliarden Menschen der Erde und sich selbst viel, vielleicht zu viel, zumuten. Ein Blick in die Slums indischer und afrikanischer Großstädte führt uns die katastrophalen Auswirkungen des horrenden Bevölkerungswachstums schonungslos vor Augen. Abgase, Müll, verseuchtes Trinkwasser und grassierende Seuchen machen etwa die nigerianische Stadt Lagos laut der britischen Zeitschrift „The Economist“ zu einer der fünf Städten, in denen man am schlechtesten lebt. Ein weiterer, denkbar unrühmlicher Superlativ ist die Bevölkerungsdichte in einigen Stadtteilen. 34.000 Menschen teilen sich dort einen Quadratkilometer, das sind gut drei Mal mehr als im vermeintlich überfüllten New York City. 7


Immerhin ist der nigerianischen Regierung dieses Problem bewusst. Carl Julius Gödecken, Delegierter Nigerias im Wirtschafts- und Sozialrat, konstatiert: „Übermäßigem Städtewachstum muss entgegengewirkt werden, indem sowohl eine aktive Entwicklung ländlicher Regionen als auch intelligente Stadtplanung betrieben wird.“ Viele Füße Während die Menschen sich vorerst weiter gegenseitig auf den Füßen stehen, ist der Boden darunter der „weinende Dritte“. Viele Leute brauchen viel zu essen, zu trinken, kurz: viel zum Leben. Deswegen hinterlassen sie täglich kleine und große ökologische Fußabdrücke auf der Erde. Die Sahelzone in Afrika ist durch falsche und zu intensive Bewirtschaftung auf erschreckend schnellem Rückzug, die Desertifikation wiederum reißt Millionen Menschen ihre Existenzgrundlage unter den Füßen weg. Die großflächige Abholzung von Bäumen in Pakistan lässt dem Monsun keine Chance, im Waldboden zu versickern und der Indus ist nach zahlreichen Begradigungsmaßnahmen zwar gewappnet für wachsende Handelsströme, nicht aber für wachsende Wassermassen. Beinahe 8

makaber mutet an, dass gleichzeitig der Kampf um Wasser längst in vollen Zügen ist; eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es scheint, als würde sich die Erde zur Wehr setzen gegen immer mehr Füße, die auf ihr „herumtrampeln“. Damit Gaias Rache in Zukunft nicht noch schrecklicher wird, müssen Lösungen gefunden werden, um den Planeten im wahrsten Sinne des Wortes zu entlasten. Hilfe statt Härte Der erstmalige Rückgang der Bevölkerungszunahme seit den 1960er-Jahren zeigt, dass man Wachstumsraten beeinflussen kann. Hierbei gibt es, wie die Geschichte und heutige Bevölkerungspolitik zeigen, zwei Wege. In China setzte man seit ca. 1970 auf das repressive Mittel der „Ein-Kind-Politik“, um die Geburtenrate möglichst schnell zu drosseln. Wer sich an die gesetzliche Norm hält und mit einem Nachkommen zufrieden ist, wird dafür belohnt, wer nicht, hart bestraft. Auch wenn die chinesische Strategie ihr Ziel erreicht hat – von über drei Prozent Wachstum 1960 sind heute knapp 0,5 geblieben – müssen die dafür angewandten


Methoden wie erzwungene Sterilisationen und Schwangerschaftsabbrüche höchst kritisch hinterfragt werden. Eine Senkung der Geburtenrate durch Bildung, Aufklärung und die Bereitstellung von Verhütungsmitteln, wie es z.B. die indische Politik forciert, scheint ethisch vertretbarer. Auch die UN bekennen sich seit der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz 1994 dazu, Müttern und Paaren die Zahl ihrer Kinder freizustellen. Gleichzeitig aber soll durch die Verbesserung der Bildungs-, Hygiene- und Versorgungssituation in Entwicklungsländern Eltern die Möglichkeit gegeben werden, ihre Familie wohl durchdacht zu planen. Ohne den Druck

zu verspüren, mit vielen Geburten einer hohen Säuglingssterblichkeit entgegenwirken oder die eigene Altersvorsorge sicherstellen zu müssen. Eine erfolgreiche Strategie gegen Überbevölkerung fängt in den Köpfen der Eltern an – weg von der Devise „Viel hilft viel.“, hin zu der Erkenntnis „Weniger ist mehr.“ Die Herausforderungen der Zukunft interessieren die kleine Danica nicht. Um ihre eigene steht es übrigens außerordentlich gut, lokale Spender finanzieren mit einem Stipendium ihr späteres Studium. Bis dahin ist bestimmt auch ihre Laune besser.

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Wie werde ich Diktator? Eine Kurzanleitung Haben auch Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, in der Zukunft als Despot tätig zu sein? Eine Idee, die auch in dem Seminar „Berufswunsch: Diktator. Was tun? – Eine Einführung in das Völkerrecht.“ thematisiert wurde. Die Delegierten der DVR Korea Yannick Markhof und Christian Buschmann waren dabei und verraten Tipps und Tricks zur richtigen Staatsführung.

Wie komme ich an die Macht? Um ein völkerrechtlich anerkannter Machthaber zu werden, sind drei Dinge unvermeidlich: Ein Staatsgebiet, ein Volk und die Staatsgewalt. Besonders die vom Staat ausgeübte Macht ist etwas, das sich ein angehender Diktator erst erarbeiten muss. „Man braucht ein Volk, das bereit ist, Entbehrungen freiwillig auf sich zu nehmen, um dem Staat zu dienen“, weiß auch Yannick Markhof. Den Willen und die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erkennen, ist also das politische A und O angehender Machthaber. Denn ist die völkerrechtliche Anerkennung durch andere Staaten erst einmal abgeschlossen, besitzen alle Länder vor den Vereinten Nationen einen neutralen Status und das Recht, sich zu verteidigen.

Wie verhalte ich mich auf Parkett?

Charlie Chaplin-„Der große Diktator“ (c) Wikimedia Commons

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„Auch als Diktatur ist ein Staat auf gewisse Handelsbeziehungen angewiesen, die er pflegen muss.“, erklärt Christian Buschmann. Vor seinen Verbündeten und Partnern muss ein Despot also stets freundlich und entgegenkommend auftreten. „Auf Provokationen sollte natürlich trotz alledem in einer angemessenen und energischen Art reagiert werden.“, fügt der Delegierte aus dem Hauptausschuss 1 hinzu. Diktatoren, die zu


(c) Bundesarchiv Bild 101I-297-1722-24 | Wikimedia Commons

schwach auftreten, haben keine großen Chancen an ihrem Arbeitsplatz. Um sich deshalb gebührenden Respekt auf internationaler Ebene aufzubauen, ist die Atomwaffe ein wirkungsvolles Instrument. Wer nicht sofort mit einer solchen Gerätschaft auftrumpfen kann, muss diesen Gedanken jedoch nicht sofort verwerfen. Schon die Ankündigung nuklearer Forschung oder ein gut platzierter Hinweis auf die Anreicherung von Uran kann genügen, um sowohl globale Aufmerksamkeit, als auch eine respektvolle Abstandhaltung der Weltgemeinschaft zu erwirken.

Wie bleibe ich in meiner Position? Auch hier spielt die Meinung der Bevölkerung eine große Rolle. Der Zuspruch zur Regierungsart sollte stets durch Wahlen bestätigt werden. Dass der Wahlbehörde hierbei unter Umständen kleinere Fehler unterlaufen könnten, ist natürlich nicht auszuschließen. Dennoch sagt Yannick Markhof: „Eine neunundneunzigprozentige Zustimmung zur Politik unseres Führers ist eine überwältigende Rückmeldung, die uns Kraft gibt.“ Eine weitere, anerkannte Methode zur Prävention eines möglichen Putsches ist es, möglichst viele Familienmitglieder in hohen

Staatspositionen anzusiedeln. Und nach dem Motto „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ kann der Sohnemann die Führung gleich nachdem man selbst in Rente gegangen ist, weiterführen.

Berufswunsch Diktator Der Berufswunsch Diktator ist in seiner Umsetzung also von komplexen Feinheiten geprägt. Eine Diktatur aufzubauen, die nicht auf gewaltsamen Widerstand stößt oder durch andere Staaten zu verhindern gesucht wird, ist eine Kunst für sich. Christian Buschmann weiß jedoch noch einen Tipp beizusteuern, den er von Kim-Yong Un persönlich bekommen habe: „Unser Führer regiert nicht für sich allein, sondern will sein Volk in eine bessere Welt leiten.“ Gemeinhin wird mit Diktatoren eine gewaltsame Herrschaft verbunden. Das muss jedoch nicht zwangsweise sein, denn auch ein friedlicher Alleinherrscher zu sein, ist laut Definition nicht ausgeschlossen. Wer also im späteren Leben einmal die Wahl zwischen friedlicher und rabiater Vorgehensweise im Umgang mit Volk oder Gegnern haben sollte, braucht die Aberkennung des Titels „Diktator“ nicht zu fürchten. 11


KONSUM

Der beißende Geruch von Chemikalien liegt in der Luft. Hunderte Frauen sitzen dicht an dicht an Fließbändern: Jeden Tag die gleichen Handgriffe, nicht selten arbeiten sie über zehn Stunden am Stück. Eine Jeans nach der anderen wird gefärbt, ein Knopf nach dem anderen angebracht. Doch heute sollte es anders laufen. Schreie waren aus dem vierstöckigen Fabrikgebäude in Bangladesch zu hören. Es brannte im Erdgeschoss. Schwarzer Qualm stieg auf und die lodernden Flammen waren schon von der Straße aus zu sehen. Was für alle bloß wie ein Brand aussah, war für die Textilarbeiterinnen mehr: Es war der Weg zum Tod. Denn die drei Treppenhäuser des Gebäudes führten alle nur ins Erdgeschoss, in dem die züngelnden Flammen sich über alles freuten, was sie ergreifen konnten. Die Arbeiterinnen wussten sofort, was die Sirenen der Feuerwehr für sie zu bedeuten hatten. Sie waren in dem Gebäude eingesperrt. Hektisch liefen sie umher, um Notausgänge zu suchen, obwohl sie wussten, dass es keine gab. So wie bei diesem Brand hunderte Arbeiter ums Leben kamen, kamen auch bei vielen anderen Bränden Arbeiter kaum unverletzt oder gar lebend aus Fabrikgebäuden. In Bangladesch müssen zwei Millionen Menschen unter den schlechtesten Bedingungen Fabrikarbeit leisten - 90 % von ihnen sind Frauen. Besonders stellen sie Kleidung für europäische Läden wie H&M oder C&A her. Doch obwohl diese Frauen keinen Urlaub bekommen, kaum Geld verdienen und jeden Tag gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sind, haben besonders die jungen Leute bei uns den Schrank voller solcher Klamotten. Kaum jemand macht sich noch Gedanken über die Arbeitsbedingungen, die bei ihrer Herstellung herrschen. Je billiger desto besser. Doch auch bei teureren Kleidungsstücken kann man nicht mehr davon ausgehen, dass sie unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wurden. Sogar Marken wie Ralph Lauren, Puma und Esprit sorgten schon für Skandale: 12

Sie sollen ihre Produkte in Fabriken herstellen lassen, in denen die Arbeiterinnen 7 Tage die Woche arbeiten, oder nur 1,25 Euro pro Tag verdienen. Kampagnen, wie die Clean Clothes Campaign und die Christliche Initiative Romero setzten sich weltweit für Arbeitsrechte ein. Die Clean Clothes Campaign forderte unter anderem C&A und KIK dazu auf, für den Brand in Bangladesh in der Fabrik von Tazreen Fashions aufzukommen, da sie dort ihre Ware einkaufen. Gefordert wird, die Opfer der Brände vollständig zu entschädigen, sicherzustellen, dass die Brandursachen vollständig und transparent untersucht werden und das Brandschutzabkommen (Bangladesh Fire and Building Safety Agreement) zu unterzeichnen. Sollte man sich nicht mit vier T-Shirts zufrieden geben, wenn man ohnehin nur eines zur Zeit tragen kann? Oder sollte man Läden, die ihre Produkte in Billiglohnländern herstellen, nicht mehr unterstützen? Doch das ist alles gar nicht so einfach. Denn wer kann in seinem Hemd heute noch „made in Germany“ lesen. Allein in Bangladesch gibt es 5000 Fabriken, die ihre Ware nach Europa oder Amerika verkaufen. Ebenfalls in China, Indien, Kambodscha und Vietnam werden für billige Kleidung oft die Arbeits- und Menschenrechtsbestimmungen verletzt. Auch gestern schleppten über 400 Jugendliche ihre schwer beladenen Koffer in die Kieler Jugendherberge oder in das Landtagsgebäude. Ich alleine habe drei Hosen und einen Rock mit; für vier Tage. Wenn man schon so viele Kleidungsstücke besitzt, dass man eine Stunde braucht, um sich zu entscheiden, was man einpackt und


am Ende trotzdem mehr mit hat, als man anziehen kann, hat man nicht nur seine Zeit verschwendet und Schwierigkeiten, den Koffer in den Zug zu bekommen, sondern bestimmt auch die Fabriken in den Billiglohnländern unterstützt. Laut Greenpeace kauft der Deutsche im Durchschnitt elf bis fünfzehn Kilogramm Kleidung im Jahr. Ein Drittel des Gewichts dieser Kleidung besteht dabei meist nur aus Chemikalien. Wer weniger kauft und dafür mehr von besserer Qualität, gibt den Unternehmen die Chance, ihre Produkte von gut bezahlten Arbeitern verarbeiten zu lassen. Außerdem hat man auch selbst länger etwas von hochwertigen Produk-

ten, genau wie von waschmaschinentauglichen Kleidungsstücken. Auch chemisch riechende Produkte sollte man vermeiden, da sie oft mit Formaldehyd belastet sind. Wer sich für grüne Mode interessiert, sollte sich mal den Bog von Kirsten Brodde unter kirstenbrodde.de anschauen. Dort stellt Kirsten Brodde gerade die Frühjahr/Sommer 2013 Kollektion des Labels K.O.I aus Amsterdam vor. K.O.I konzentriert sich ausschließlich auf Denims und stellt Jeans aus recycelter Baumwolle her. Außerdem ermutigt Kirsten ihre Leserinnen, ihre Mode auch selbst zu nähen und stellt einige Seiten, auf denen es Nähanleitungen gibt, vor.

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Delegierte in den Startlöchern Im vollbesetzten Seminar "Einführung in die Grundlagen der Weltwirtschaft" war die Vorfreude der Teilnehmer von MUN bereits mehr als zu spüren. Es war das einzig vollbesetzte Seminar am frühen Donnerstagnachmittag. Als ich in den Saal trat, schauten 60 gespannte Gesichter in Richtung des Referenten und seiner Präsentation. Dieser war auch schon fleißig dabei, Phänomene wie Angebot und Nachfrage zu simplifizieren. Doch es war keine normale Infoveranstaltung, sondern eine der Art, wo Informationen die Informierten zu heißen Diskussionen untereinander anregten. Bereits am Anfang mischten sich die Delegierten intensiv ein. Sie wollten sich durch ihre eigenen, spannenden Beispiele zum Thema Marktpreisbestimmung vom Referenten bestätigen lassen, ob sie diese Grundlage der VWL verstanden hatten. Dieser studiert selber gerade erst im zweiten Jahr. Danach wurden die wichtigsten Institutionen der Weltwirtschaft wie WTO und der IWF vorgestellt, wobei schnell klar wurde, dass diese Begriffe im Raum kein Fremdwort waren. Beim Programmpunkt Wachstum und der daraus folgenden Diskussion über die Natur des Menschen und seiner Veranlagung wachsen zu wollen, war klar, dass die Delegierten auf eine hitzige Diskussion in den folgenden Tagen scharf sind. Der Referent war nur noch staunender Zuschauer als mehrere angehende Delegierte aus unterschiedlichsten Ländern diskutierten, ob der Mensch von Natur aus größenwahnsinnig sei oder ob er eigentlich nur unter seiner eige14

nen Kultur leidet. Zum Ende hin war es dann nur noch ein Frage- Antwort Spiel zwischen den Abgeordneten untereinander, wobei derjenige, welcher zu Beginn noch präsentieren durfte, am Ende nur noch zum pünktlichen Beenden des Seminares beitragen konnte. Bereits an diesem Donnerstag, zu dem Zeitpunkt als die Konferenz noch Stunden davor war wirklich eröffnet zu werden, wurde deutlich, dass die Teilnehmer bereits in den Startlöchern stehen und nur noch darauf warten loszulegen zu können. Wenn eines an diesem Donnerstag Nachmittag klargeworden ist, dann ist es, dass die Teilnehmer bereits optimal für inhaltlich hochwertige Debatten gerüstet sind und auch auf emotionalem Level nur darauf warten mit ihren Argumenten auf die anderen "einzuschießen". Der Vortrag war für sie zwar "ganz interessant", wie Herr Christian Schnell aus El Salvador am Ende feststellen musste, jedoch war schon den Gesichtern anzusehen, dass alle eigentlich nur noch auf den Startschuss für das richtige Event warteten. Das Seminar war also weniger eine Infoveranstaltung für die Vertreter der Nationen dieser Welt, sondern eher ein kleines Aufwärmtraining, um am Freitag richtig loszulegen.


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Milleniumsziele im Fokus Die Blicke gespannt auf ihn gerichtet, belebt Enrico Kreft von der Hermann-Ehlers-Akademie seinen Vortrag ein weiteres Mal mit einer scharfsinnigen Anekdote. Kritik gegenüber den Monopolherrschaften der großen Unternehmen schwingen während den anderthalb Stunden genauso mit wie der Blick ins Detail; Über was für Menschen reden wir überhaupt? Wen betreffen die Milleniumsziele und wo könnten die Probleme in ihrer Durchführung liegen? Kreft beleuchtet den Stand der Welt und bleibt dabei ganz „du“ mit den Delegierten der Vereinten Nationen und sich selbst und schafft damit eine Plattform für kontroverse Diskussionen unter Delegierten und NGOs. Die acht Milleniumsziele, die auf dem UN-Gipfel im Jahr 2000 in New York beschlossen wurden, behandeln den Kampf gegen Hunger und Armut, die Verbreitung von Bildung, die Gleichbehandlung von Frau und Mann, die Kindersterblichkeit, die Gesundheit der Mutter, das Verhindern und Verringern der Ausbreitung von Krankheit, die ökologische Nachhaltigkeit und die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Zeiten der Globalisierung. Anders als in den letzten Jahren sind die Ziele diesmal konkreter gesteckt; die Senkung der Kindersterblichkeit von 10.6% auf 3.5% ist ein Beispiel dafür. Da in den Milleniumszielen nicht der Umgang mit Computerviren oder die ultimative Altersvorsorge angesprochen werden ist die Zielgruppe schon klar; Entwicklungsländer. Besonders Afrika steht im Fokus mit den knapp 10% HIV16

infizierten im Süden und täglich wachsenden Verbreitungsraten über den ganzen Kontinent, mit kaum sauberen Trinkwasser und politischen Missständen. Ungefähr die Hälfte der Milleniumsziele ist bereits erfüllt, doch ist die Frist im Jahr 2015 abgelaufen und dadurch könnte schnell Entmutigung eintreten. Außerdem stehen den Zielen immer noch Monopolunternehmen und große Länder wie Brasilien, China, Indien und Russland gegenüber, deren Interessen sich teilweise nicht mit denen der Milleniumszielen decken. Doch fällt die Schlussbilanz gut aus, besonders durch die Konkretisierung konnten Erfolge erzielt werden. Der Druck muss aber trotz Ablauf der Deadline beibehalten werden, um Hunger etc. zu bekämpfen. Und wenn man über den Hunger der Welt liest kommt zwangsläufig die Frage auf, was wir eigentlich dazu beitragen. Europas desaströse Nahrungsmittelpolitik und die Subventionen im Binnenmarkt zerstören nicht nur die lokalen Strukturen in Afrika, nein. Sie verhindern außerdem jegliche Entwicklung, die stattfinden könnte. In einem Entwicklungsland. Neben Butterbergen und anderen ökologischen Verwerflichkeiten gibt es auch noch das überschüssige Hühnchenfleisch, das nach Afrika exportiert wird. Es ist billiger als das lokal produzierte Fleisch und als Einwohner ist man dazu gezwungen, jeden Cent


zu sparen. Die lokalen Bauern können also kein Geschäft abschließen und sich nicht von Entwicklungshilfen oder von herrschenden mafiösen Strukturen emanzipieren. Außerdem werden durch den langen Transport die Konsumenten des Fleisches durch Salmonellen oft auch todkrank. Auch die Nichtregierungsorganisation „attac“ drängt auf einen gerechten Verlauf der Globalisierung und sinnt auf eine verantwortungsvolle Nutzung von Landfläche und Energie. Und bei all diesen Probleme müssen wir wach bleiben, gegenüber der Welt, die vor uns zugrunde geht. Wir müssen aktiv werden und unsere Ressourcen respektieren. Deutschland könnte die verwendete Fläche für Fleisch von 18.8 Mio. Hektar auf 2.4 Mio. ha reduzieren, wenn wir alle unnötigen Nahrungsmittelabfälle vermeiden würden. 1,8 Mio. ha wären es nach WWF bei Fleischverzehr

auf gesundem Niveau, also max. 600g pro Woche/Person. In einigen Teilen Osteuropas muss regelmäßig sauberes Trinkwasser durch die Rohre gespült werden, um eine Verkalkung oder Verschmutzung zu verhindern. Trotz Verboten werden immer noch gewaltige Flächen vom Regenwald gerodet, um Europa und Nordamerika mit Rindfleisch zu füttern. Die westliche Welt muss aufwachen, Selbstreflektion lernen und handeln. Mit Hilfe der Milleniumsziele sind die ersten Schritte getan. Lilian Chamai Bose

(c) Jean Pierre Hintze | www.flickr.com

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Weniger Geschrei: Es ist nicht lange her, dass im Oktober 2011 der sieben Mrd. Mensch der Erde das Licht der Welt erblickt hat- und es werden immer mehr. Die Vereinten Nationen gehen nach aktuellen Prognosen davon aus, dass sich die Weltbevölkerung bis zum Jahre 2025 erneut um eine Mrd. erhöhen wird und das trotz zurückgehender Geburtenraten in vielen Ländern. Dabei erweist sich die Versorgung der auf der Erde lebenden Menschen bereits jetzt als ein immer größer werdendes Problem. Die Ressourcen werden zunehmend knapper und der angekündigte Klimawandel macht sich bereits bemerkbar – ein klares Zeichen dafür, dass die Weltelite nach Möglichkeiten suchen sollte um dem rasanten Bevölkerungswachstum entgegenzuwirken.

In China, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, gibt es bereits politische Maßnahmen um die Zahl der Bevölkerung zu kontrollieren: die „Ein-Kind-Politik“. Vorgesehen ist, dass pro Familie nur noch ein Kind gezeugt werden darf. Eltern mit nur einem Kind erhalten vom Staat Vergünstigungen: eine kostenlose Ausbildung bis zum 14. Lebensjahr, kostenlose Arztbesuche sowie mehr Urlaub winken einer Frau entgegen, die nur ein Kind zur Welt bringt. Familien, die ein zweites Kind bekommen, werden vom Staat grundlegend benachteiligt und erhalten auch kein Kindergeld. Aufgrund dessen ziehen es immer mehr Eltern in Erwägung bei einer zweiten Schwangerschaft den Fötus abzu18

treiben, zudem sie hierfür vom Staat finanziell unterstützt werden. Wie wirkt sich diese Politik auf die Bevölkerung aus? Die chinesische Bevölkerung ist von den Traditionen ihres Landes sehr geprägt, weshalb Paare die Geburt eines männlichen Nachkommens bevorzugen. Eine Tochter bringt der Familie nur zusätzliche Kosten ein, weil sie nach der Heirat für die Eltern ihres Ehemannes sorgen muss und nicht mehr für ihre eigenen – und dabei sind in China die Menschen im höheren Alter bei ihrer Versorgung auf den Nachwuchs besonders angewiesen. Sie konzentrieren sich


Ein Kind ist genug somit stark auf ihr einziges Kind und investieren viel Geld in die Bildung. Sie wollen ihrem Nachkommen später einen guten Job und Ansehen ermöglichen. Studien australischer Universitäten belegen, dass die „Ein-Kind-Politik“ die Persönlichkeit von Einzelkindern verändert. Der von den Eltern ausgelöste Konkurrenzkampf überträgt sich auf das Kind, wodurch es sich später oft egoistisch verhält. Zudem wird

es von seinen Eltern regelrecht verwöhnt und entwickelt sich oft unselbstständig. Da durch die „Ein-Kind-Politik“ weniger Kinder geboren werden, stellen in einigen Jahren die älteren Generationen die Mehrheit der Bevölkerung. In einem Sozialstaat würde dies zu einem Problem führen, da die jüngeren Generationen für die Renten der Älteren aufkommen. Sie müssten also höhere Sozialabgaben zahlen,

während die Rentner mit erheblichen Kürzungen zu kämpfen hätten.

wachs zu bremsen. Ähnlich wie in China ist hier eine begrenzte Kinderzahl pro Elternpaar festgelegt. Während Indien das erste Land war, das Abtreibungen legalisierte, wird auch heute diese Form von Schwangerschaftsabbruch oft durchgeführt. So winken einer Frau, die bereits zum dritten Mal schwanger ist 6 Wochen bezahlter „Abtreibungs-Urlaub“. Sollte eine Frau mehr als 2 Kinder gebären, werden ihr vom Staat Sanktionen verhängt. Beispielsweise kann ihrer Familie die Teilnahme an Kommunalwahlen verboten und den Kindern die Aufnahme in staatliche Bildungseinrichtungen versagt werden. Doch nicht in allen Ländern sind Maßnahmen zur Bevölkerungsreduktion

„Ein-Kind-Politik“ für alle? Ein weiteres Land mit hohem Bevölkerungswachstum ist Indien. Mit 1,07 Mrd. Einwohnern steht es in der Liste der bevölkerungsreichsten Länder direkt hinter China. Pro Jahr wächst hier die Zahl der Menschen um ca. 18 Mio., was in 4 Jahren einen Zuwachs von fast 80 Mio. bedeutet – so viele Menschen, wie heute in Deutschland leben. Deshalb versucht auch Indiens Regierung mit radikalen Maßnahmen in ihrer Bevölkerungspolitik den Zu-

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zwangsläufig notwendig. Beim Blick auf die Bevölkerungsentwicklung in industriell weit entwickelten Ländern lässt sich hier ein Rückgang der Zahlen feststellen. Gründe hierfür sind die zunehmende Berufstätigkeit der Frau und der „Pillenschnitt“. Die Einführung der Antibabypille im Jahre 1960 wurde zu dem am häufigsten verwendeten Verhütungsmittel, das viele ungewollte Schwangerschaften verhinderte. In solchen Ländern mit zurückgehender Geburtenrate, wie beispielsweise Deutschland, wird in einigen Jahren die Kluft zwischen jung und alt deutlich größer werden und somit die Altersversorgung erschweren. Jedoch wird dieses Problem sich voraussichtlich nach einigen Generationen eingependelt haben. Selbst wenn in Deutschland die Bevölkerung gleichermaßen rasant wachsend würde wie in China, wäre die

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Umsetzung der „Ein-Kind-Politik“ hier jedoch gar nicht erst möglich. Mit ihren radikalen Maßnahmen verstößt sie gegen die Menschenrechte und das wäre in einem westlich gelegenen Land undenkbar. Familien sind in ihrer Entscheidung über die Familienplanung stark eingeschränkt, weil sie nicht über die Anzahl der Kinder entscheiden dürfen. Dabei werden sie regelrecht zur Abtreibung und somit zur Tötung eines heranwachsenden Lebewesens gezwungen. Zudem darf die Bevölkerungspolitik nicht mit Hilfe von Zwangsmaßnahmen gegen den Willen der in dem Land lebenden Menschen durchgesetzt werden.


900.000.000 hungern. Weltweit mangelt es an allen Ecken und Kanten. Besonders betroffen davon sind die sogenannten Entwicklungsländer. 98% der Hungernden stammen aus Ländern, welche die Schwelle zum Industrieland noch nicht überschritten haben. Während die Mülltonnen hierzulande nur so überquellen hungert dort fast jedes vierte Kind. Eine Besserung der Lage ist kaum in Sicht, denn kapitalstarke und bevölkerungsreiche Länder verstärken ihre Ansprüche auf die weltweite Nahrungsmittelindustrie. Geraubtes Land Um Ansprüche und Bedarf zu decken erweitern einflussreiche Staaten ihre Agrarflächen. Verteilt über die ganze Welt, gehören die besten Ackerflächen längst nicht mehr den ansässigen Bauern. Immer öfter besuchen Abgesandte oder Geschäftsleute unterschiedlichster Staaten die Regierungen vieler Entwicklungsländer und handeln um landwirtschaftliche Gebiete. Unter Druck gesetzt bleibt vielen Regierungen keine andere Wahl, als Land abzutreten. Diese Geschäfte werden allgemein als „Land-Grabbing“ bezeichnet. Im Gegenzug werden Entwicklungsmaßnahmen - wie der Ausbau von Schulen oder der Infrastruktur - versprochen. Allzu oft verführt jedoch auch die Zusicherung von Geldmitteln zum Verkauf. Meist geschieht dies jedoch zum Vorteil der kapitalstarken Staaten. Kenia verkaufte Land an Katar, das Versprechen: ein Ausbau des Überseehafens. Doch wem wird dieser Ausbau im Endeffekt zugute kommen? Der Hafen soll später dazu dienen, Nahrungsmittel von Kenia nach Katar zu verschiffen. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten des beraubten Landes steigern sich kaum, während der Käufer durch eigene Investitionen nur mehr Vorteile erzielt. 20 Millionen Hektar im Wert von „30 Millionen Dollar“ sollen bis jetzt verkauft oder verpachtet

worden sein, so der Präsident der International Food Policy Research Institutes in Washington. Hauptsächlich beteiligt an diesen Transaktionen sind Länder wie Saudi-Arabien, Katar oder der Megabevölkerungsstaat China. Meist wird versucht den Bedarf zu decken oder Luxus zur Verfügung zu stellen. Dabei steigt die Gefahr von lokalen Hungersnöten um ein vielfaches. Verträge liegen oft in einer rechtlichen Grauzone und so ist es schwer zu sagen, welche Methoden als illegal gelten sollten oder welche den Regeln des internationalen freien Marktes entsprechen. Macht, Unterdrückung – aussichtslose Lage Dass einige Länder jetzt als Entwicklungsland gelten, ist kein historischer Zufall. In der Mitte des 19. Jahrhunderts rangen fast alle europäischen Mächte um Kolonien überall auf der Welt, allem voran in Afrika. Die Folgen: Ausbeutung, Sklaverei, Armut. Noch heute haben diese Länder damit zu kämpfen und stehen in ihrer Entwicklung zurück. Langsam erholen sich einige Staaten und steigen wirtschaftlich auf, doch vor allem mit Hunger haben sie immer noch stark zu kämpfen. Und schon steht ein neues Problem vor ihrer Tür: Geschäftsleute klopfen an und drängen. Ausbeutung des Agrarlandes, weniger eigene Flächen zur Produktion und eine geschwächte Wirtschaft können Folgen davon sein. Wieder stehen Länder, die große innenpolitische Konflikte in Atem halten, mit weniger als nichts da. Leere Hände und hungernde Familien bleiben zurück. Erinnern die Vorgänge oder die Folgen des „Land-Grabbings“ nicht im weitesten Sinne an den Vorgang im 19. Jahrhundert? Staaten erstreben eine hegemoniale Stellung und streben dies, ohne Rücksicht auf Verluste, weiter 21


an. Benannt wird dieses Phänomen mit dem durchaus passenden Begriff „Neo-Kolonialismus“. Was tun? Fast elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen. Dieser Trend zeigt sich auch in anderen Industrieländern. Es herrscht also in vielen Ländern luxusbedingtes Überangebot, in anderen großer Hunger. Gerade in diesen Ländern wird das „Land-Grabbing“ verstärkt durchgeführt. Luxus und Wegwerfen zurückschrauben und anderen Ländern ihre Kapazitäten größtenteils lassen wäre zumindest ein Anfang für eine Verbesserung der betroffenen Länder und etwas das jeder von uns versuchen könnte. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass wir unseren Luxus für Probleme aufgeben, die größtenteils so weit von unserem Alltag entfernt sind?

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Ein UN-Report zum Thema „Land-Grabbing“ wurde erst kürzlich veröffentlicht, doch lässt dieser eine klare Benennung der Lage vermissen. Angesprochen wird nur, dass Landraub nicht immer einen Vorteil für die Ernährungslage im Land bringen wird. Wünschenswert wäre also ein umfassender Bericht über Praktiken und Vorgehensweise, sowie mögliche daraus resultierende Konsequenzen zur Verhinderung weiterer „Abzocken“ kapitalstarker Länder, die die Schuldenlage anderer ausnutzen. Wenigstens aber eine Klärung der rechtlichen Lage und eine allgemeine Transparenz sollte für eine Institution wie die UN ein Muss sein. Wenn auch ein universelles Verbot nicht möglich sein wird, wäre ein Hinweis oder eine Einschränkung erstrebenswert.


Hat die Europäische Kommission nichts Besseres zu tun? Griechenland kämpft noch immer ums überleben. Zypern und Spanien tun es Griechenland nach. Unsere Kanzlerin Frau Merkel möchte einen leistungsstarken Kontinent in Wohlstand und sieht zu wie tausende Lebensmittel grundlos für Unsummen vernichtet werden. Tausende flüchten aus Nordafrika nach Lampedusa in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie werden zurückgewiesen. Doch die EU-Kommission hat nichts Besseres zu tun als festzulegen welche Maße Bananen haben müssen um in den Handel zu gelangen. 14cm Länge und 27mm Durchmesser sind die Traummaße einer EU-Banane. In der EU werden sie vermessen und wenn sie nicht den Ma-

ßen entsprechen vernichtet. Die Kosten für den Transport sind enorm, vor allem da sie nicht dort wo sie vermessen werden vernichtet werden. Sie werden vernichtet wo es gerade am günstigsten ist, immens hohe Transportkosten werden dabei in Kauf genommen. Umweltbelastungen durch den CO2 Ausstoß des Transports werden auch hingenommen, dabei unterscheidet sich eine EU-Banane qualitativ nicht von einer der aussortierten. Mir stellt sich nun die Frage warum? Warum dieses Drama um die Maße eines Lebensmittels? Warum, wenn doch qualitativ kein Unterschied besteht? Warum diese Massenvernichtungen in Zeiten wo Übergewicht ein immer größeres

Die ist die Traumlänge einer EU-Banane Problem wird? Warum nimmt die EU diese enormen Kosten in Kauf, wenn sie doch ganz andere Probleme lösen könnte? Haben die Kommissare Angst um ihre Berufe und führen deshalb immer mehr Normen ein? Ich kann es mir nicht anders erklären. Zu Anfang waren die Regelungen, Richtlinien und Normen der EU- Kommission eine Bereicherung für den Alltag: Die Europoolpalette erleichtert den Transport enorm. Die Einführung des Euro als europäische Währung erleichtert Geschäfte innerhalb der EU erheblich. Ebenso wie die Regelungen des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes. Doch im Laufe ihrer Entwicklung wurden alle wichtigen Regelungen getan. Die Kommissare beschäftigten sich fortan mit der Aktualisierung und Anpassung der Normen und eben auch mit der Schaffung neuer

umstrittener Normen. Händler forderten eine Gurkenverordnung, welche ihnen das einsortieren der Gurken erleichtern sollte. In ihrer Sorge um Arbeitsplätze oder ihrer Langeweile schaffte die EU-Kommission sehr zur Freude aller Gurkenhändler diese Verordnung. Vor kurzem wurde diese Regelung wieder abgeschafft. Der Regelungswahn der Europäischen Kommission wird vermutlich nicht so bald ein Ende finden, Bananen werden also weiterhin auf umweltbelastende wenig wirtschaftliche Weise hin und her transportiert, zur Unterhaltung der Verbraucher und zur Freude der Kommissare, welche unter dieser Voraussicht ihre Zukunft gesichert sehen.

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„Meine Freiheit endet dort, wo deine Freiheit beginnt.“

Lisa-Marie Heusinger von Waldegg Mit diesem simplen Zitat, wird eines der wichtigsten Güter der Welt angesprochen. Es ist so wichtig, dass es auch im deutschen Grundgesetz festgehalten wird. Denn die “Freiheit der Person“ darf nur bei Unumgänglichem eingeschränkt werden, wie zum Beispiel bei der Sicherheit im Verkehr. Aber braucht der Bürger nicht auch Sicherheit? In einer Welt nach 9/11, mit monatlichen Amokläufen muss der Staat doch eingreifen, oder nicht? Bekannte Überwachungsstaaten wie China oder Russland benutzen solche Totschlagargumente, um das eigene Volk nie aus dem Blick zu verlieren. Man muss das Volk schützen. Wer nichts zu verheimlichen hat, hat nichts zu befürchten. Das steht jedoch im krassen Kontrast zum Bild der Freiheitsidee. Von Anfang an jeden Bürger als potentiell kriminell zu verdächtigen, ist nicht nur eine Frechheit, sondern auch falsch. Die DDR, in der Abhören, Geruchsentnahmen und intimste Dokumentation als Rechtsstaatlichkeit verkauft wurde, ist nur ein extremes Beispiel der Vergangenheit. Doch auch heute ist es noch bittere Realität. In China wird nicht nur das Internet stark eingeschränkt, auch aufbegehrenden Bürgerrechtlern wird das Ausreiseverbot auferlegt. Die russische Föderation verurteilte zwei protestierende Frauen für zwei Jahre ins Arbeitslager. Natürlich aus Sicherheitsgründen. Aber wo soll das hinführen? Gerade nach dem Terroranschlag in New York und Washington, DC im Jahre 2001 wurde viel im Namen der Sicherheit verändert. Die Vereinigten Staaten diskutierten über Folterbestimmungen, in Amsterdam werden die Menschen nicht nur durch den Nacktscanner geführt, sondern am ganzen Körper abgetastet. Und trotzdem konnte Breivik vor knapp zwei Jahren eine Bombe mitten in Oslo platzieren und detonieren lassen. Anschließend tötete er 69 junge Menschen. Vor wenigen Monaten erschoss Lanza 27 Kinder und Erwachsene im US-Bundesstaat Connecticut. Am Montag starben drei Menschen bei einem Bombenanschlag in Boston. Wer hätte das verändern können? Warum konnte man diese Menschen nicht fassen? Weil es unmöglich ist. Die Welt kann Einzeltäter wie Breivik oder Lanza nicht aufhalten oder frühzeitig entdecken. Um Menschen vor Gewaltakten langfristig zu schützen, muss man Aufklärungsarbeit leisten und Hass vorbeugen. Es hilft nicht jeden einzelnen Menschen dieser Welt grundsätzlich erst einmal zu verdächtigen. Dies sollte nicht im Aufgabenbereich eines Staates liegen. Kant sagte: „Als ein vernünftiges(...) Wesen kann der Mensch die Kausalität seines eigenen Willens niemals anders als unter der Idee der Freiheit denken.“ Der Mensch braucht keine Bevormundung vom Staat. Wir wollen beim Knutschen hinter dem Rathaus nicht gefilmt werden. Wir wollen nicht, dass unsere E-Mails vor uns gelesen werden. Und schon gar nicht, dass der Staat abhört, wie wir Geheimnisse an engste Freunde weitergeben. Unsere Freiheit ist Ihr und mein persönliches Grundrecht. Wir müssen sie verteidigen. 24


Weniger Freiheit bedeutet mehr Sicherheit

Jonas Maier Gewalttaten in Deutschland sind Alltag. Jedem sind die Gewalttaten an Bahnhöfen nur allzu präsent. Oftmals ist es schwer überhaupt Täter zu ergreifen. Beispielhaft ist dafür der Fall zweier Brüder die nachts am Münchener Ostbahnhof ausgeraubt worden sind. Bis heute ist unklar von wem die beiden brutal niedergeschlagen worden sind. Zeugen waren nicht vor Ort. Der Polizei fehlt jede Spur. Videoüberwachung wäre die einzige Möglichkeit gewesen, den Tätern auf die Spur zu kommen. Eine Umfrage der ARD bekräftigt die Notwendigkeit flächendeckender Überwachung. Demnach wünschen sich 81 Prozent der Bürger mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen. Dieses Verlangen nach mehr Sicherheit darf nicht ignoriert werden. Das friedliche Zusammenleben der Gesellschaft muss sichergestellt werden. Deutschland hinkt hierbei der Zeit und ihren Möglichkeiten hinterher. Andere Länder leben uns vor, wie eine moderne Gesellschaft geschützt werden kann. Die USA ist allgemein als Land der Freiheit bekannt. Doch nach mehreren terroristischen Akten erkannte auch dieses traditionell freiheitliche Land, dass sich der Ausbau sicherheitsschaffender Institutionen auszahlt. Das aktuellste Beispiel ist der Bostoner Marathon. Videoaufnahmen halfen dem FBI zwei Verdächtige auszumachen. Der Nutzen ist groß, die Ermittlungen konnten deutlich schneller und erfolgreicher durchgeführt werden. Die Vereinigten Staaten werden ihre Überwachungskompetenzen erweitern, schließlich konnte man dort schon vielfach erfolgreiche Erfahrungen sammeln. Singapur ist ein Staat in dem die Überwachung des öffentlichen Lebens alltäglich ist. Belohnt wird das mit einer niedrigen Kriminalitätsrate. Die Bevölkerung wird dadurch nicht gestört, schließlich sind nur Verdächtige durch Überwachungsmaßnahmen betroffen. Das Vereinigte Königreich ist heutzutage flächendeckend mit Videokameras gesichert. Trotzdem ist die Heimat George Orwells kein totalitärer Überwachungsstaat. Ganz im Gegenteil, dort lebt eine große liberal geprägte Gesellschaft, die von Videoüberwachung profitiert. Fakt ist: Der Britische Polizist ist ohne Schusswaffen ausgestattet und kann mit Hilfe von Videoüberwachung das friedliche Zusammenleben der Gesellschaft sicherstellen. Es zeigt sich, dass Überwachungsmaßnahmen also auch präventiv wirken. Sie bieten ein gewisses Abschreckungspotential, das Verbrecher von Straftaten abhält. Wäre es nicht auch sinnvoll in weiteren Teilen der Welt für mehr Sicherheit zu sorgen? Der anfangs erwähnte Fall ist keineswegs eine Einzelerscheinung. Es gibt eine Vielzahl an anderen Verbrechen, die sich durch Überwachungsmaßnahmen hätten verhindert worden können. Unsere heutige Gesellschaft in der Gefahren immer zahlreicher und beunruhigender werden, erfordert benötigt ein mehr an Sicherheit. Es lässt sich empirisch belegen, wie Kontrollmaßnahmen diese bewirken. Die Möglichkeiten sind vielfältig und vor allem notwendig. Es ist Zeit diese zu ergreifen.

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„Einmal zerstört, immer kaputt.“ Krankheitserreger nutzen das Trinkwasser als Trittbrett

Das Wasservorkommen der Welt ist begrenzt. Nur rund 2,5% der 1,4 Millionen km³ sind zum Verzehr geeignet. In Entwicklungsländern beschränkt sich das Vorkommen an Trinkwasser auf rund 10%, doch das ist nicht gleichbedeutend mit Wasser, dass wirklich getrunken werden kann. Der Großteil dieses Wassers ist durch Krankheitserreger, Parasiten oder industrielle Schadstoffe verseucht. Es gibt jährlich viele Tote durch die Wasserknappheit. An Wassermangel sterben mehr Menschen als an Aids. Ein sehr prägnantes Beispiel zur Verbreitung von Krankheiten durch kontaminiertes Wasser ist Cholera. Diese Krankheit war im Jahre 1950 kaum noch verbreitet, doch durch die großen Massen an verseuchtem Trinkwasser und der mangelnden Hygiene in Entwicklungsländern ist die Krankheit 2004 bereits wieder auf allen Kontinenten der Welt vertreten. Trinkwasservorräte werden teilweise derart vermüllt, dass eine Aufbereitung große Kosten erzeugt. Der UN Pressesprecher Dr. Arne Molfenter warnt: „Einmal zerstört, immer kaputt.“ Fehlende Hygienestandards Die sanitären Anlagen und Hygienestandards in Entwicklungsländern sind meist mangelhaft ausgebaut oder schlimmstenfalls gar nicht vorhanden. Diese Situation macht es noch schwieriger die Wasservorkommen zu reinigen und dann auch nachhaltig sauber zu halten. Eine Große Schwachstelle liegt im Transport des Trinkwassers. Durch den übermäßigen Kontakt von erkrankten Menschen mit den gesamten Wasservorräten einer Region, die sich oft in einem Brunnen oder einen See zusammenfassen lassen, sind die hygienischen Standards gleich null. Einige Wissenschaftler haben es sich im Auftrag der UN zur Aufgabe gemacht, den Trans26

port des Wassers ohne Verseuchung möglich zu machen. Dazu haben sie den so genannten „Water-Roller“ entwickelt. Dieses Transportmittel ähnelt einem Fass mit Griff, das es möglich macht das Trinkwasser ungefährlich zu Transportieren. Schrumpfende Wasserflächen Doch die Kontamination des Wassers ist nicht das größte Problem. Nicht überall wo Wasser gebraucht wird ist auch welches vorhanden. Das Wasservorkommen der Erde schrumpft täglich. Ob durch Trockenheit, Verschwendung oder die Industrie. Ein bekanntes Beispiel ist der Tschadsee in Südafrika, der innerhalb einiger Jahre von einer Fläche von 25.000 km² auf die Größe von 1350km² zusammengeschrumpft ist. In der Industrie wird Wasser in aufwendigen Herstellungsprozessen in unmenschlichen Massen verschwendet. Doch anstatt nachhaltige Produktion zu ermöglichen, wollen die Käufer ihre Ware lieber zu günstigeren Preisen kaufen. Der kommende Krieg ums Wasser? Die Vereinten Nationen haben es sich zur Aufgabe gemacht den Menschen in Entwicklungsländern den Zugang zu trinkbarem Wasser zu ermöglichen und sie über die weltweiten Wasserprobleme aufzuklären. Der UN Sicherheitsrat hat das Recht auf trinkbares Wasser in die allgemeinen Menschenrechte aufgenommen. Der Resolutionsentwurf wurde von der bolivischen Delegation vorgelegt. Trotz der Aufnahme in die Menschenrechte kommt es sowohl national als auch international zu Konflikten um die Wasservorräte. Viele unterirdische Wasservorkommen sind über mehrere Landesgrenzen hinweg ausgebreitet und es gibt viele grenznahe


und grenzüberschreitende Flüsse und Seen, bei denen ungeklärt ist, wer eigentlich das Recht auf dieses Wasser hat. Forderungen nach einem Gerichtshof, der sich nur mit den Konflikten um die weltweite Wasserversorgung beschäftigt, werden laut. Denn in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten kann Wasser wertvoller als Öl werden. Die beiden UN Arbeitsgruppen,

die sich mit dem Thema der weltweiten Trinkwasserversorgung und der internationalen medizinischen Versorgung detailliert beschäftigen, haben bis jetzt schon einiges erreicht – aber noch lange nicht genug. Um erneut den letztjährigen Referenten zu zitieren: „ Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn es nur ein Hoffnungsschimmer ist.“

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GlobalWitness - MUN-SH 2013 - Freitag  

Hierbei handelt es sich um die Freitagsausgabe der Konferenzpresse "GlobalWitness" anlässlich der UN-Simulation MUN-SH 2013.

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