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”Poste Italiane s.p.a. - Spedizione in A.P. -70% - CNS Bolzano. Periodicità: otto volte l‘anno”

Nr. 4 | Juni 2018

Wirtschaftstage: Austausch Schule-Wirtschaft

Wirtschaftsbarometer 2018: gute Stimmung

Elektronische Fakturierung: Pflicht ab 2019 für alle Betriebe

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Studie | Handelskammer

Wirtschaftsbarometer 2018: gute Stimmung Das Geschäftsklima in Südtirol bleibt auf sehr hohem Niveau und fast alle Unternehmen sind für das laufende J­ ahr optimistisch. Dies geht aus der Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor. Südtiroler Wirtschaft Neun von zehn Südtiroler Unternehmen konnten im Jahr 2017 ­eine zufriedenstellende Ertragslage erwirtschaften und für 2018 gehen sogar 95 Prozent von einer befriedigenden Rentabilität aus. Auch die internationale Konjunkturlage bleibt positiv. Das Südtiroler Bruttoinlandsprodukt wird heuer voraussichtlich um 2,1 Prozent wachsen. Das Geschäftsklima steigt in Südtirol seit fünf Jahren in Folge an. Die Ertragslage war 2017 für 91 Prozent der Unternehmen zufriedenstellend und für 2018 wird eine erneute Verbesserung erwartet. Heuer gehen ganze 95 Prozent der Wirtschaftstreibenden von einem zumindest befriedigenden Be-

„Die Südtiroler Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt und die Prognosen für 2018 deuten auf eine weitere Steigerung hin. Dies wird auch von der guten Stimmung der Unternehmen und Konsument/ innen bestätigt. Es ist nun wichtig, weiterhin zu investieren, um die Wettbewerbsfähigkeit auch künftig zu sichern.“ Dr. Michl Ebner Präsident der Handelskammer Bozen

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für die WIRTSCHAFT

triebsergebnis aus und 28 Prozent erhoffen sich sogar eine wirklich gute Ertragslage. In den vergangenen drei Jahren haben die Umsätze immer mehr an Dynamik gewonnen und die Mehrheit der Südtiroler Unternehmen konnte 2017 ein steigendes Geschäftsvolumen erwirtschaften. Der lokale Südtiroler Markt entwickelte sich besonders positiv, wesentliche Zuwächse wurden aber auch mit der Kundschaft aus den anderen italienischen Provinzen erreicht. Sehr günstig verlief das Auslandsgeschäft, wobei mit fast 4,8 Milliarden Euro ein neuer Exportrekord erreicht wurde. Darüber hinaus sind die Verkaufspreise angestiegen und lagen Ende 2017 um 1,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die positive Umsatzdynamik dürfte sich laut Aussagen der befragten Unternehmen auch heuer auf allen Absatzmärkten fortsetzen. Auch die Investitionen sind 2017 angestiegen, insbesondere was Maschinen und Anlagen, aber auch Kraftfahrzeuge betrifft. Eine begünstigende Rolle spielten dabei die staatlichen Förderungen in Form von Sonder- und Megaabschreibungen („superammortamento“ und „iperammortamento“), die mit einigen Änderungen für 2018 verlängert wurden. Auch aus diesem Grund wird heuer weiterhin eine positive Investitionsentwicklung erwartet. Der Zugang zum Kredit wird als stabil bewertet, so wie die Zahlungsmoral der Kunden. Die Zunahme der Betriebskosten wird voraussichtlich moderat ausfallen, womit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhalten bleibt. Der Arbeitsmarkt entwickelt s­ ich ebenfalls positiv. Im Jahr 2017

Die Investitionen in Maschinen und Anlagen sind 2017 angestiegen

gab es in Südtirol durchschnittlich 201.900 unselbständige Mitarbeiter/innen, was einem Plus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Im Hinblick auf 2018 erwarten die befragten Unternehmer/innen eine weitere Steigerung der Beschäftigung. Erfreulich ist, dass alle Sektoren ein positives Geschäftsklima verzeichnen. Nur im Einzelhandel und im Baugewerbe fallen die Bewertungen der Ertragslage 2017

leicht unterdurchschnittlich aus, bei den Erwartungen für 2018 lassen sich aber keine relevanten Unterschiede zwischen den Sektoren feststellen.

Wirtschaftsbarometer Das WIFO - Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer führt drei Mal im Jahr eine Meinungsumfrage unter den Unternehmerinnen und Un-

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Studie | Handelskammer

Europäische und italienische Wirtschaft

Das Geschäftsklima in Südtirol ist in ­allen Wirtschaftssektoren positiv

ternehmern über die konjunkturelle Entwicklung in Südtirol durch. Dank der aktiven Beteiligung von circa 1800 Unternehmen, die Schätzungen und Prognosen zu Beschäftigung, Umsatz, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit abgeben, kann ein realistisches und aktuelles Gesamtbild der Wirtschaftslage vermittelt werden. Die Ergebnisse der Umfrage werden von Institutionen, Banken, Medien und Wirtschaftsverbänden verwendet.

Die Stimmung der ­Konsument/innen Die Konjunkturerhebungen des WIFO zeigen nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch bei den Haushalten eine optimistische Stimmung. Der Konsumklimaindex hat sich in den letzten drei Quartalen kontinuierlich verbessert und ist im italienischen und im europäischen Vergleich überdurchschnittlich. Die Südtiroler Konsument/innen zeigen sich zuversichtlich, sowohl bezüglich der allgemeinen Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes in Südtirol, als auch was die finanzielle Lage der eigenen Familie betrifft.

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Konsumklima Das WIFO erhebt viermal im Jahr das Konsumklima in Südtirol. Durch eine standardisierte Methodik sind die Ergebnisse mit den italienischen und europäischen Daten vergleichbar. Der Vertrauensindikator basiert auf den Erwartungen der Verbraucher/innen hinsichtlich Wirtschaft und Arbeitslosigkeit in Südtirol, wirtschaftliche Situation der eigenen Familie und Sparmöglichkeiten.

Die Stimmung von Unternehmen und Konsument/innen ist auch in Europa positiv. Der entsprechende Index „Economic Sentiment Indicator“ ist im Jahr 2017 stark angestiegen und war im Dezember so hoch wie zuletzt im Sommer 2000. Ab Jänner hat sich dann das Wirtschaftsklima leicht verringert, es bleibt aber auf einem hohen Niveau. Die Eurozone wird auch heuer ein kräftiges Wirtschaftswachstum erreichen, laut jüngster Prognosen um 2,4 Prozent. Die Exporte profitieren von der positiven Dynamik der Weltwirtschaft und des internationalen Handels. Auch die interne Nachfrage hat sich gestärkt: Die Arbeitslosenquote in der Eurozone entspricht mit 8,6 Prozent wieder dem Vorkrisenniveau und die Konsumausgaben der Haushalte nehmen aufgrund des Beschäftigungs- und Einkommenswachstums zu. Gleichzeitig wachsen auch die Investitionen, unterstützt durch lockere Kreditbedingungen, niedrige Zinssätze und ansteigende Gewinnmargen. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hilft weiterhin dem Aufschwung und bis 2019 wird keine Anhebung der Leitzinssät-

ze erwartet. Was Südtirols wichtigste Handelspartner betrifft, so wird heuer Deutschland voraussichtlich mit + 2,5 Prozent leicht über dem Schnitt der Eurozone wachsen, Österreich mit +2,8 Prozent sogar stärker. Für Italien wird eine Zunahme des Bruttoinlandproduktes von 1,5 Prozent erwartet, was in etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht. Dieses Wachstum wird vor allem von den steigenden Konsumausgaben der Haushalte getrieben. Auch die verstärkte Investitionstätigkeit wird einen positiven Beitrag leisten, dank der weiterhin niedrigen Zinsen, den staatlichen Förderungen und den verbesserten Marktperspektiven. INFO WIFO- Wirtschaftsforschung Tel. 0471 945 708 wifo@handelskammer.bz.it www.handelskammer.bz.it

„Aufgrund der positiven Signale aus der lokalen Wirtschaft, des sich fortsetzenden Aufschwungs in Italien und der günstigen europäischen und internationalen Konjunkturlage geht das WIFO von einem Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandsproduktes von 2,1 Prozent im Jahr 2018 aus.“ Dr. Alfred Aberer Generalsekretär der Handelskammer Bozen

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Schule-Wirtschaft | Handelskammer

Schule – Wirtschaft Es ist wichtig, Jugendliche mit Wirtschaftsthemen vertraut zu machen und den Austausch zwischen Schule und Arbeitswelt zu fördern. Deswegen organisierte der Bereich Schule-Wirtschaft der Handelskammer auch dieses Jahr die Wirtschaftstage für die Schüler/innen der Berufsschulen und WFO Bozen. Der Bereich Schule – Wirtschaft der Handelskammer arbeitet mit Schulen zusammen, um das Wirtschaftsverständnis und das unternehmerische Denken der Schüler/ innen zu fördern. Dazu bietet das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung eine Reihe von Initiativen an, welche kostenlos bezogen oder gebucht werden können. Das Angebot richtet sich an alle Gymnasien, Fachoberschulen und Schulen der Berufsbildung Südtirols.

Jugendliche für die Wirtschaft begeistern

Wirtschaftstag WFO Bozen

Wirtschaftstag für ­Berufsschulen Eine der Initiativen ist der Wirtschaftstag für die Berufsschulen, bei dem sich alles um die Berufsorientierung und Vorbereitung auf die Arbeitswelt dreht. Ziel ist es, die Jugendlichen durch Karrierebeispiele von ehemaligen Berufsschüler/innen für ihre Ausbildung und den Beruf zu motivieren. Zudem können die Jugendlichen in verschiedenen Workshops wichtige Themen für die Arbeitswelt vertiefen. Dieses Jahr fand der Wirtschaftstag für die Berufsschulen zum 5. Mal statt. Die rund 90 Teilnehmer/innen aus allen Landesteilen lernten ehemalige Berufsschulabsolvent/innen sowie deren Karriereweg kennen: Der Steinmetz und Steinbildhauer Tobias Nussbaumer (Steinobjekte, Sarntal), die Schönheitspflegerin Lisa Toselli Bonaldi (Vis a Vis Permanent Make-Up, Bozen), der KFZ-Mechaniker Luca Gualterotti (Da.Lu.Ka, Bozen), die Verkaufsleiterin Sieglinde Romen (Sportler, Bozen),

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für die WIRTSCHAFT

pervisor, Sterzing), Elena Faccio (Trainerin, Bozen), Ivonne Travaglini (Amt für Ausbildungs- und Berufsberatung, Bozen) sowie Monika Frenes und Felix Ninz (Handelskammer Bozen) durchgeführt. Abschließend wurden die Ergebnisse im Plenum präsentiert und diskutiert.

die Gastwirtin Doris Rottensteiner (Patscheiderhof, Signat), der Landwirt Martin Weger (Oberhaslerhof, Schenna) und die Versicherungskaufleute Harald Gruber und Franziska Schöpf (Assiconsult, Bozen) berichteten darüber, was sie an ihrem Beruf begeistert, welche Pläne sie für ihre berufliche Zukunft haben und welche Tipps sie den jungen Berufseinsteiger/innen mitgeben möchten. Im Anschluss daran arbeiteten die Jugendlichen in verschiedenen Workshops zu Bewerbung, Kompetenzen und Unternehmensgründung an ihrer Beschäftigungsfähigkeit. Die Workshops wurden in Zusammenarbeit mit Alois Pföstl und Oliver Moser (Ivoclar Vivadent, Naturns), Luis Gruber (Psychologe und Su-

Jährlich wird außerdem ein Wirtschaftstag in Zusammenarbeit mit den Abschlussklassen der Wirtschaftsfachoberschule „Heinrich Kunter“ Bozen organisiert. Jede Abschlussklasse der WFO Bozen arbeitete bereits im Vorfeld mit einem der folgenden Unter-

nehmen eng zusammen: Booking Südtirol, Brandnamics GmbH, Limitis GmbH, Rotho Blaas GmbH, Systems GmbH, Top Haus AG. Dabei recherchierten sie Informationen zu verschiedensten Themengebieten der Digitalisierung und besuchten die Unternehmen. Es standen folgende Fragen im Vordergrund: Wie digital ist das Unternehmen? Mit welchen Herausforderungen ist das besuchte Unternehmen konfrontiert? Wie handhabt das Unternehmen den Aspekt der Digitalisierung derzeit? Welche Entwicklungen sind betriebsintern geplant? Bei der Betriebserkundung erhielten die Jugendlichen einen Arbeitsauftrag aus dem betrieblichen Alltag, welchen sie im Unterricht bearbeiten konnten. Beim Wirtschaftstag stellten die Schüler/innen ihre Lösungsvorschläge den beteiligten Unternehmen vor. INFO Handelskammer Bozen Schule – Wirtschaft Tel. 0471 945 707 wifo@handelskammer.bz.it

Wirtschaftstag für Berufsschulen in der Handelskammer

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Digitalisierung | Handelskammer

Digitaler Bauschalter (SUAP) Seit März dieses Jahres ist der neue Einheitsschalter zur digitalen Abwicklung von Bauakten online. Er erleichtert die Verwaltungsabläufe, die der Errichtung von Gebäuden vorausgehen.

waltet und damit entfällt auch das wiederholte Eingeben der gleichen Daten. Sogar die Stempelmarken können direkt über das Meldesystem gekauft werden.

Initiative Digitales ­Unternehmen

Bürgernahe Verwaltung Statische Meldungen, geologische und seismologische Gutachten und Meldungen von Tragkonstruktionen sind nur einige der Dokumente, die zu Beginn einer Bautätigkeit hinterlegt werden müssen. Nun ist der neue Einheitsschalter für bauliche Meldungen aktiv, der diesen Prozess erheblich beschleunigt und vereinfacht.

Mehrwert für Bürger/innen und Unternehmen Die neue Online-Plattform (SUAP - Sportello Unico delle Attività Produttive) wurde innerhalb des Einheitsschalters für gewerb-

Der digitale Bauschalter vereinfacht Verwaltungsabläufe für die Errichtung von Gebäuden

liche Tätigkeiten eingerichtet und als gemeinsames Projekt von Landesverwaltung, Handelskammer, Gemeindenverband und in Absprache mit verschiedenen Berufsverbänden und -kammern verwirklicht. Die Abwicklung der Verfahren über das SUAP-Portal stellt eine Vereinfachung dar und wird eine effizientere Bearbeitung der ein-

Digital assessment Wie d­ igital ist Ihr ­Unternehmen? Die Entwicklung von neuen digitalen Technologien stellt die Unternehmen vor die Herausforderung, ihr Geschäftsmodell, ihre Produkte und Prozesse an die neue digitale Realität anzupassen. Die digitale Transformation kann dabei vom Unternehmer bzw. der Unternehmerin strategisch eingeleitet und aktiv mitgestaltet werden. Sie ist ein permanenter Prozess und beginnt mit der Einschätzung der digitalen Fitness im Betrieb. Hierzu hat Unioncamere, die Vereinigung der italienischen Handelskammern, ein digitales Self-Assessment-Tool entwickelt. Damit kann online der digitale Reifegrad eines Unternehmens festgestellt werden. Weiters können Handlungsfelder und Maßnahmen zur Digitalisierung ausfindig gemacht werden. Dieses Online-Tool zur Selbstbewertung ist kostenlos auf www.puntoimpresadigitale.camcom.it,

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gegangenen Meldungen und Anträge mit sich bringen, was wiederum der gesamten Südtiroler Wirtschaft zugutekommt. Mit der Vernetzung wurde ein Mehrwert für die Bürger/innen und Unternehmen erreicht, die nicht nur Zeit in Warteschlangen einsparen, sondern auch Kosten. Über den Einheitsschalter werden die Dokumente nun digital ver-

Die Digitalisierung ist das Jahresthema der Handelskammer Bozen für 2018. Diese unterstützt die heimischen Unternehmen dabei, die mit der Digitalisierung verbundenen Herausforderungen und Veränderungsprozesse zu meistern. Auf der Internetseite www.digital.bz.it können sich die Südtiroler Unternehmen über Dienstleistungen und Weiterbildungen der Handelskammer zum Thema Digitalisierung informieren. INFO SUAP-Handelskammer Tel. 0471 945 532 alexander.dalsasso@handelskammer.bz.it

zunächst nur in italienischer Sprache, zugänglich. Zudem unterstützt die Handelskammer Bozen die Südtiroler Unternehmen in ihrer Digitalisierung durch Informations-, Beratungsund Weiterbildungsangebote.

Experten für die ­Digitalisierung gesucht Sind Sie Berater oder Dienstleister im Bereich Industrie 4.0 und Digitalisierung? Dann melden Sie sich bei uns! Um die Chancen der Digitalisierung strategisch zu nutzen, benötigen Unternehmen die Unterstützung von Experten. Die Handelskammer Bozen möchte im Rahmen ihrer Initiative „Digitales Unternehmen – PID“ den Südtiroler Unternehmen konkrete Hilfestellung bei der Suche von kompetenten Experten bieten. Daher sammelt die Handelskammer Bozen Kontakte von Beratern und Dienstleistern mit Expertise zum Thema In-

Digitalisierung auf dem Prüfstand

dustrie 4.0 und Digitalisierung. Ziel ist die Erstellung eines Verzeichnisses von Experten zu den genannten Themen, welches den Unternehmen auf der Homepage der Handelskammer Bozen www.digital.bz.it zur Verfügung gestellt wird. Weitere Informationen sowie das Anmeldeblatt finden Sie auf www.digital.bz.it. INFO Unternehmensentwicklung Tel. 0471 945 656 -531 digital@handelskammer.bz.it

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Interview | Handelskammer

„China ist die Zukunft“ Vor 20 Jahren stand die Tuchfabrik Moessmer kurz vor dem Aus. Heute beliefert der einstige K&K-Hoflieferant die begehrtesten Modelabels der Welt. Geschäftsführer Walter Niedermair über die gelungene Neuausrichtung und ­warum Mode aus China besser ist als ihr Ruf. Vor der Krise haben Sie 70 Prozent Ihres Umsatzes in Italien generiert, und heute? Heute gehen die 70 Prozent in den Export. Allein 20 Prozent gehen nach Südkorea, Japan und vor allem nach China. Mittlerweile bin ich einen Monat im Jahr in China. Dort entstehen laufend neue Mode-Brands. Es handelt sich um chinesische Marken, die nicht günstig für den Westen sondern hochpreisige Mode für den chinesischen Markt produzieren. Warum setzen Chinesen auf Stoffe aus dem Pustertal?

Hochwertige Stoffe als Schlüssel zum Erfolg

Mitte der 90er Jahre steckte Moessmer noch in einer tiefen Krise. Heute setzen Labels wie Prada, Gucci, Chanel oder Louis Vuitton auf Ihre Stoffe. Wie ist Ihnen dieses Kunststück geglückt? Walter Niedermair: Mitte der 90erJahre schlitterte die klassische Konfektionsindustrie in die Krise. Die Nachfrage nach Tweed und Loden ging radikal zurück, Baumwolle und synthetische Produkte drängten auf den Markt. Es ging nur noch darum, so günstig wie möglich zu produzieren. Was zählte, war der Preis. Auf dieses Spiel konnten wir uns nicht einlassen, mit einem Produktionsstandort wie Kambodscha konnten wir nicht mithalten. Also haben wir nach neuen Märkten und neuen Abnehmern gesucht, die

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bereit waren in qualitativ hochwertige Stoffe zu investieren. Damit einher ging aber auch eine radikale Sanierung. Ja, sicher, es war eine Operation am offenen Herzen. Wir passten unsere Kollektionen an die Bedürfnisse unserer Kunden an, setzten auf exklusive Anfertigungen. Wir haben deutlich weniger produziert, dafür umso hochwertiger. Außerdem haben wir den Schwerpunkt von Herren- auf Damenstoffe verlagert. Damit diese Neuausrichtung Früchte tragen konnte, mussten wir uns erstmal gesund schrumpfen, die Zahl der Mitarbeiter/innen von ehemals 160 auf heute 68 reduzieren. Rund zehn Jahre hat es gedauert, bis wir den Turnaround geschafft haben.

Diese Kunden suchen nicht nach dem Einfachen. Sie wollen das Besondere, das Einzigartige, vor allem aber schätzen sie Authentizität. Das alles können wir bieten, weil wir  - von der Wolle bis zum fertigen Stoff -  den gesamten Produktionszyklus im eigenen Haus haben. Zusätzlich ist  „Made in Italy“ in China Gold wert. Chinesen lieben italienisches Design und mittlerweile auch Wein, gutes Essen und natürlich den Fußball.

Wie würden Sie den chinesischen Kunden beschreiben? Es geht vor allem um Vertrauen. Im Schnitt dauert es drei Jahre, bis man einen Kunden akquiriert. Erstmal gewonnen, erweist sich der Chinese als sehr konstanter Kunde. Deshalb frage ich mich, warum nicht mehr Südtiroler diesen interessanten Markt bearbeiten. Einziger Nachteil ist natürlich die Erreichbarkeit. Ohne Flughafen fehlt die Anbindung an die Welt, der Zugang zum Meer, sprich zum Markt. Sie haben außerdem neue Marktsegmente erschlossen. So finden sich Loden und Walk nun auch im Interiorbereich. Ein rentables Geschäft? Vor allem ein Geschäft, das unglaublich viel Spaß macht. Aus unseren Stoffen werden mittlerweile nicht nur Vorhänge, Sofas und Decken für Luxushotels gefertigt, sondern es werden damit auch Sitze in Zügen und in Seilbahnkabinen bezogen. Drei Jahre haben wir daran gearbeitet, um den Wollstoff brandschutzsicher zu machen. Auf die Züge der Vinschger- und Pusterer-Bahn sollen nun die Züge der Deutschen Bahn folgen.

Walter Niedermair ist kein Mann, der zurück blickt. Er mag den B ­ lick nach vorne. Visionen für die Zukunft zu kreieren, das treibt ihn an. 1999 hat ihn der ­ heutige Mehrheitseigner und Verwaltungsratspräsident Paul Oberrauch als Geschäftsführer in die Pusterer Tuchfabrik Moessmer ­ geholt. Gemeinsam haben sie das 1894 gegründete Unternehmen neu ­ausgerichtet. Mutig, radikal, er­folgreich, wie er im Interview ­erklärt.

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Highlights | Handelskammer

Aktuelle Veranstaltungen der Handelskammer Big Data Große Datenmengen können wichtige Impulse für strategische Entscheidungen im Unternehmen liefern. Die Kunst besteht jedoch darin, diese Datenmengen richtig zu analysieren und einzusetzen. Am 11. April fand zu diesem Thema in der Handelskammer Bozen eine Informationsveranstaltung statt. Experten und Expertinnen informierten zur Digitalisierung und zu Big Data und stellten Beispiele aus der Praxis vor. Über 100 Interessierte nahmen an der vom Bereich Unternehmensentwicklung der Handelskammer organisierten Veranstaltung teil. Digitale Dienste Tel. 0471 945 656 digital@handelskammer.bz.it

Erasmus für Jungunternehmer/innen Am 12. April fand in der Handelskammer Bozen eine Informationsveranstaltung zum EU-Projekt Erasmus für Jungunternehmer/ innen statt. Das grenzüberschreitende Austauschprogramm bietet neuen bzw. angehenden Unternehmer/innen die Möglichkeit, von erfahrenen Unternehmer/innen zu lernen, die in einem anderen teilnehmenden Land einen kleinen Betrieb leiten. Die Handelskammer Bozen ist über das Institut für Wirtschaftsförderung, zusammen mit IDM-Südtirol, Teil des Enterprise Europe Network (EEN). EU-Projekte Tel. 0471 945 689 giuseppe.lombardo@handelskammer.bz.it

Euregio Frauenveranstaltung Die Handels- und Wirtschaftskammern der Euregio haben Initiativen für Frauen in der Wirtschaft gestartet, um diese in Führungspositionen bzw. als Unternehmerinnen zu stärken. Hierzu wurde in der Handelskammer Bozen kürzlich eine Veranstaltung organisiert, bei der das weibliche Unternehmertum in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino und die EU-Programme zur Förderung von weiblichen Führungskräften und Unternehmerinnen unter die Lupe genommen wurden. Oftmals ist die Führung eines Unternehmens für Frauen leider eine größere Herausforderung als für Männer. Umso wichtiger ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern, damit sich Karriere und Familie nicht ausschließen sondern ergänzen können. Initiative Frau in der Wirtschaft Tel. 0471 945 610 luca.filippi@handelskammer.bz.it

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Maria Entner, Landesvorsitzende der Initiative „Frau in der Wirtschaft“ der Wirtschaftskammer Tirol, Claudia Gasperetti, Präsidentin des Beirats zur Förderung des weiblichen Unternehmertums der Handelskammer Trient und Paulina Schwarz, Präsidentin des Beirats zur Förderung des weiblichen Unternehmertums der Handelskammer Bozen.

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Wirtschaft in Zahlen | Handelskammer

Die Südtiroler Milch In Südtirol gab es im Jahr 2016 fast

4.800

Milchbauern und -bäuerinnen

mit durchschnittlich

Tägliche Liefermenge

15 Milchkühen pro Betrieb. Laurein ist die einzige Gemeinde Südtirols, wo mehr Milchkühe leben als Menschen.

Milch 1.000.000 kg davon sind circa

2% Biomilch.

Daraus hergestellt werden täglich:

Fast

Fast

59.000 kg

8.800 kg

Frischmilch

Butter*

Über

Fast

56.000 kg 80.000 kg

Über

7.300 kg

Fast

Käse

UHT-Milch

Fast

Über

Topfen, Ricotta, Mascarpone

Joghurtdrinks

Joghurt

2,7 Mio.

Joghurt hergestellt. aneinanderreiht, kommt man fast 2x um die Welt. Jeder dritte Joghurt in Italien kommt aus Südtirol.

* Wussten Sie, dass es 21-25 Liter Milch für die Herstellung von 1 Kg Butter braucht?

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Ziegenbauern und -bäuerinnen liefern täglich

3.500 kg

Ziegen

Milch

Becher

Wenn man die Jahresproduktion an Joghurt in Bechern

26.000 kg 30.000 kg 341.000 kg

Sahne

Täglich werden

Milchpreis pro Kg (2016)

Deutschland Österreich EU-Durchschnitt USA Südtirol Schweiz Ziegenmilch

27,4 Cent 28,09 Cent 28,46 Cent 32,41 Cent 49,98 Cent 54,33 Cent 59,54 Cent

Quelle: Agrar- und Landwirtschaftsbericht 2016 der Autonomen Provinz Bozen - Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Zivilschutz und Gemeinden, Tätigkeitsbericht 2016 des Sennereiverbandes Südtirol, WIFO

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Aktuell | Handelskammer

Tagung zur Bedeutung der Milch Mit einem EU-Projekt soll der Konsum von Milch-und Milchprodukten in Schulen gefördert werden. Partner dieser Initiative in Südtirol sind die Handelskammer Bozen und IDM-Südtirol.

Handelskammerpräsident Michl Ebner, Landesrat Arnold Schuler, die Direktorin des Sennereiverbandes Annemarie Kaser, der Präsident des Sennereiverbandes Joachim Reinalter und der Generalsekretär der Handelskammer Alfred Aberer.

Die Europäische Union hat ein Programm lanciert, um Schüler/innen dazu anzuregen, mehr Milchprodukte zu konsumieren. Partner dieses EU-Projekts in Italien ist das Ministerium für Landwirtschafts-, Ernährungs- und Forstpolitik in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der italienischen Handelskammern (Unioncamere). Die

Europäische Union stellt Schulen Zuschüsse bereit, damit den Schüler/innen Milch und Milchprodukte angeboten werden können. Als Partner dieses Programmes in Südtirol haben die Handelskammer Bozen und IDM-Südtirol eine Tagung am 4. April in der Handelskammer organisiert, bei der Experten des Bereiches refe-

rierten.Landesrat Arnold Schuler verwies auf die Bedeutung des Landwirtschafts- und Ernährungssektors auf nationaler und regionaler Ebene. Joachim Reinalter, Präsident des Sennereiverbandes, erinnerte daran, dass Mila - Bergmilch Südtirol die EU-Ausschreibung zur Lieferung von Milchprodukten an Schulen für die Region Trentino-Südtirol und Teile der Lombardei gewonnen hat. Urban Perkmann (WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer) sprach über die Bedeutung des Milchsektors im nationalen Kontext. Annemarie Kaser, Direktorin des Sennereiverbandes bezog sich auf den Milchsektor in Südtirol und informierte über die Aktivitäten des Sennereiverbandes. Im Beitrag von Pamela Manzi, Forscherin bei CREA (Consiglio per la ricerca in agricoltura e analisi dell‘economia agraria)

wurden die Nährwerte und Eigenschaften von Milch- und Milchprodukten erklärt. Sabine Giunta, Schulleiterin der Grundschule Dante Alighieri in Bozen, sprach über die Bedeutsamkeit von ernährungserzieherischen Projekten in Schulen. INFO Generalsekretariat der Handelskammer 0471 945 615 generalsekretariat@handelskammer.bz.it

Ausgewogene Ernährung ist für Schüler/­ innen wichtig.

Elektronische Rechnung Die elektronische Fakturierung wird ab 1. Januar 2019 von der Ausnahme zur Regel. Die Handelskammer Bozen steht den Unternehmen beim Übergang zur Seite. Ab 1. Januar 2019 müssen alle Rechnungen elektronisch ausgestellt werden. Galt dies bisher nur für Rechnungen an die öffentliche Verwaltung, wird diese Pflicht im neuen Jahr

Ab 1. Januar 2019 müssen alle Rechnungen elektronisch ausgestellt werden

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auch auf Rechnungen an Unternehmen und Privatkunden ausgedehnt. Ausnahmen sieht der Gesetzgeber derzeit keine vor. Die elektronische Fakturierung betrifft alle Betriebe - auch Kleinstunternehmen. Um diese Herausforderungen bestmöglich zu bewältigen, sollten sich die Unternehmen bereits jetzt mit dem Thema befassen. Um der Pflicht der elektronischen Fakturierung gerecht zu werden, müssen einige Voraussetzungen geschaffen werden. Für die Unterzeichnung von elektronischen Rechnungen ist eine digitale Unterschrift notwendig. Diese kann bei der Handelskammer beantragt werden. Zudem ist die Wahl eines Dienstanbieters für die Ausstellung und gesetzeskonforme Archivierung elektronischer Rechnungen notwendig. Die Handelskammer bietet diesen Dienst kostenlos an, rund 5.000 Südtiroler

Unternehmen nutzen ihn bereits. Aber auch private IT-Unternehmen bieten entsprechende Dienstleistungen gegen Bezahlung an. Unioncamere, die Vereinigung der italienischen Handelskammern, hat bereits italienweit eine Informationsoffensive gestartet. Am 28. März fand im Merkantilmuseum in Bozen eine erste Veranstaltung zum Thema statt. In diesem Rahmen hat die Agenzia per l’Italia Digitale von Unioncamere das Projekt eIGOR, die elektronische Rechnung auf europäischer Ebene, vorgestellt. INFO Digitale Dienste Tel. 0471 945 529 digitaledienste@handelskammer.bz.it

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IDM Südtirol | Handelskammer

Marketing für den Südtiroler Wein 2018 Der Südtiroler Wein ist sowohl im Inland als auch im Ausland sehr geschätzt. Daher setzt IDM Südtirol zusammen mit dem Konsortium Südtirol Wein auf Internationalisierung durch gezielte Marketingaktivitäten. Der Südtiroler Wein findet seine Abnehmer mittlerweile in weit mehr als 50 Ländern. Der wichtigste Exportmarkt ist mit 10% Marktanteil Deutschland. Es folgen die USA, die Schweiz und Österreich.

Südtiroler Wein erfreut sich auch im Ausland großer Beliebtheit.

Wichtigste Rebsorte im Export ist der Pinot Grigio (Ruländer). Vernatsch und Lagrein dominieren vor allem auf dem deutschen Markt. Zu den wichtigsten exportierten Rebsorten zählen auch Weißburgunder und Blauburgunder. In Italien sind hingegen die aromatischen Sorten Gewürztraminer und Müller-Thurgau am gefragtesten. Auf dem italienischen Markt sind die Rebsorte, die Herkunft, die Qualität, aber auch der Bezug zur Region die Faktoren, die für den Kauf von Südtiroler Weinen entscheidend sind. In Deutschland und der Schweiz ist der Bezug zu Südtirol als Urlaubsregion sehr wichtig. Auf den entfernten Märkten greifen vor allem Weinkenner zu Südtiroler Weinen.

Der Bezug zur Region ist beim Kauf von Südtiroler Weinen entscheidend.

Ziel der Marketingaktivitäten von IDM Südtirol und dem Konsortium Südtirol Wein ist es, die Internationalisierung durch ein gemeinsames Werbe- und Veranstaltungsprogramm zu fördern. Zielgruppe ist das Fachpublikum, insbesondere Journalisten, Gastronomen, Weinhändler und Sommeliers. Außerdem werden auch Weinliebhaber und Touristen an-

gesprochen. Um diese Zielgruppen zu erreichen, wird verstärkt auf die Zusammenarbeit mit der Tourismuswerbung gesetzt. Die Werbemaßnahmen finden in Italien, Deutschland, USA, Schweiz, Russland, Japan, Niederlande, Großbritannien und Österreich statt. Gemeinsame Auftritte auf den internationalen Leitmessen „Vinitaly“ und „ProWein“, Weinpräsentationen, Schulungsprogramme und Verkostungen von Spitzenweinen und Leitsorten bilden die Schwerpunkte des gemeinsamen Weinmarketings. INFO IDM Südtirol Tel. 0471 094 104 paul.zandanel@idm-suedtirol.com www.suedtirolerwein.com

Förderung der Investitionskultur in Südtirol Start-ups haben enormes wirtschaftliches Potenzial und tragen mit ihren innovativen Ideen zur Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts bei. Deswegen werden sie von IDM Südtirol gefördert. Bei IDM Südtirol, dem Wirtschaftsdienstleister des Landes und der Handelskammer Bozen, weiß man, dass Jungunternehmen Know-how und Kapital von außen brauchen, aber auch eine attraktive Anlage für Investoren darstellen. Daher fördert IDM die Investitionskultur in Südtirol mit diversen Initiativen. Starke Start-ups bieten verlockende Gewinnchancen für Investoren, zeigen sie doch hohes Wachstumspotenzial durch innovative Technologien und Dienstleistungen. Eine Investition vor allem in den Gründungsjahren dieser Unternehmen ist sehr interessant und kann sich für Profis und Neueinsteiger lohnen. Diese brauchen aber profunde Informationen über Start-up-Projekte und deren Gründer/innen und einen regen Austausch mit anderen Investoren. Deshalb hat nun IDM

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das vor Jahren gegründete Investoren-Netzwerk neu aufgelegt, das einen einfachen, kostenlosen und direkten Austausch mit anderen Investoren und Start-ups ermöglicht. Dank der Teilnahme am Interreg-Projekt Startup. Euregio setzt IDM besondere Aktivitäten, wie regelmäßige Events und Workshops, um die heimische Start-up- und Investoren-Szene aktiv zu beleben. Außerdem wird eine Investors Academy in Gang kommen, die interessierten Investoren Fachwissen rund ums Investieren vermitteln wird. Zu diesen Aktivitäten gehörte auch die Veranstaltung „Max Talk meets Investors Club“ im März 2018 von IDM gemeinsam mit dem Unternehmer Alexander Pichler. Sie richtete sich an Südtiroler Investoren und solche, die es werden wollen, und gab dem Thema „Private Funding“, also finanzielle Unterstützung

für Start-ups durch Private, breiten Raum. Ziel der Veranstaltung war es, die lokale Investorenszene zu stimulieren. INFO IDM Südtirol, Vera Leonardelli Tel. 0471 094 533 vera.leonardelli@idm-suedtirol.com

Start-ups sind für Investoren attraktiv, denn sie ­haben ein hohes Wachstumspotenzial.

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Frau in der Wirtschaft | Handelskammer

Ich bin keine Karrierefrau, sondern mache, was mir gefällt Aufgabe von Giorgia Daprà ist es, Soll und Haben auf die Reihe zu bringen. Und zwar nicht für sie, sondern für ­andere. Im Interview erzählt sie uns von den positiven und negativen Aspekten ihrer Arbeit und wie man Familie und Beruf vereinbaren kann. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit Abschlussprüfungen für Gesellschaften; was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit? Das Schöne an meinem Beruf ist vor allem seine Vielseitigkeit. Jeder Fall ist anders, weil er ­eine ganz spezifische Lage wider­ spiegelt. Wenn wir Sie bitten würden, eine Liste Ihrer schönsten beruflichen Erfahrungen zu erstellen, was würde dann an erster Stelle stehen? Ich kann mich sehr für den NonProfit-Bereich und das Genossenschaftswesen begeistern. Mit solchen Einrichtungen zu arbeiten bzw. zu verstehen, wie sie genau funktionieren und ihnen behilflich sein zu können, ist für mich eine große Genugtuung.

widmen kann. Ich glaube jedoch, dass es den Kindern auch gut tut, wenn sie eine Mutter haben, die mit ihrer Arbeit zufrieden ist und für sie ein Vorbild für das spätere Leben sein kann. Verfügt heutzutage Ihrer Meinung nach eine Frau, die Arbeit und Kinder vereinbaren will, auch über die erforderlichen Mittel? Ich glaube, dass unsere Gesellschaft in diesem Punkt noch Aufholbedarf hat. Es fehlt immer noch eine konkrete Familienpolitik, die berufstätigen Frauen mit Familie die nötige Unterstützung bietet. Frau und Unternehmertum - klappt das? Ich glaube ja, vor allem weil die Frauen anders arbeiten, unter-

nehmungslustig und organisiert sind. Diese im Vergleich zur Männerwelt unterschiedliche Perspektive kann auch den Mehrwert einer Frau ausmachen. Sie gehören dem Komitee für Chancengleichheit Ihrer Berufskammer an. Haben Sie sich in Ihrer Arbeit schon einmal benachteiligt gefühlt? Meine Berufswelt ist vor allem männlich geprägt. Im Allgemeinen ist daher der Ansatz schwieriger - ich erinnere mich noch an die vielen Schwierigkeiten zu Beginn meiner Laufbahn, aber sobald du akzeptierst wirst, gibt es keine Probleme mehr. Was uns Frauen fehlt, ist sicherlich ein gemeinsames Netz; oft überwiegen Konkurrenz und Wettstreit anstatt Gemeinschaftssinn und Solidarität.

Würden Sie sich als Karrierefrau bezeichnen? Nein, eher nicht; wenn ich eine Karrierefrau wäre, hätte ich keine Familie gegründet. Ich denke, ich bin eine Frau, die genau das macht, was ihr gefällt. Zur Person: Nach dem Abschluss des Wirtschaftsstudiums in Verona im Jahr 1995 ist Giorgia Daprà in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und heute Partnerin des Studio Palazzi Daprà Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Bozen. Außerdem ist sie im Verzeichnis der Abschlussprüfer eingetragen und Mitglied des Komitees für Chancengleichheit der Kammer der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der Provinz Bozen. Giorgia Daprà begeistert sich als Freiberuflerin vor allem für den Non-Profit-Bereich und ist Mutter von zwei Söhnen, Leonardo, 9 Jahre, und Lorenzo, 4 Jahre.

Haben Sie auch schwierige Situationen erlebt? Leider ja; da fällt mir vor allem ein Kunde ein, der bankrott gegangen ist. Ein Kunde, der auch ein Freund ist. Aufgrund unseres Berufes sind wir eine Art Berater für die Unternehmer/innen: Wir erteilen Ratschläge, erstellen Bilanzanalysen, kontrollieren die Rechnungsführung und versuchen, die richtigen Mittel zu liefern, um den Werdegang einer Gesellschaft überblicken zu können. Ihr Leben dreht sich aber nicht nur um die Arbeit... Auf keinen Fall. Ich bin in erster Linie Mutter und wie alle berufstätigen Mütter habe ich immer Schuldgefühle, wenn ich meinen Kindern nicht die nötige Zeit

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Giorgia Daprà im Studio Palazzi-Daprà in Bozen.

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Aktuell | Handelskammer

Welfare-Veranstaltung Am 14. Juni 2018 findet bei der Firma Schwabe Pharma Italia GmbH in Neumarkt eine Informationsveranstaltung zu den Themen Welfare und Vereinbarkeit von Familie und Beruf statt. Auf dem Weg zu einer familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik benötigt ein Unternehmen Führungspersönlichkeiten, welche die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Arbeitsalltag umsetzen und damit den Erwartungen der Mitarbeiter/innen sowie der Geschäftsführung gerecht werden. In betriebliche Wohlfahrt zu investieren, ist eine Möglichkeit für den Unternehmer bzw. die Unternehmerin, um gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Mit dem Stabilitätsgesetz wurden in Italien Normen eingeführt, nach denen betriebliche Sozialleistungen nicht besteuert werden. Dadurch wird die reale Entlohnung der Mitarbeiter/innen erhöht. So wird schlussendlich auch die Vereinbarkeit von Familie und

Familienfreundliche Maßnahmen erhöhen die Mitarbeiterzufriedenheit.

Beruf verbessert, indem alle Arbeitnehmer/innen zusätzliche, unversteuerte Leistungen für sich und ihre Familien in Anspruch nehmen können. Der Gastgeber des Abends, die Firma Schwabe Pharma, ist

mit dem audit familieundberuf zertifiziert und stellt bei der Informationsveranstaltung am 14. Juni die eigenen Erfahrungen mit dem audit familieundberuf und der betrieblichen Wohlfahrt vor.

Den Auftakt des Abends bildet ein Impulsvortrag zum Thema Welfare. Im Anschluss stellt die Unternehmensleitung von Schwabe die eigenen Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben vor. Die Veranstaltung wird vom Service Familienfreundliches Unternehmen der Handelskammer organisiert, welcher abschließend das audit familieundberuf vorstellt. Termin: 14. Juni 2018, ab 17.30 Uhr, Schwabe Pharma Italia GmbH, Silvio-Menestrina-Straße 1, Neumarkt. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung erforderlich, Teilnehmerzahl begrenzt. INFO Familienfreundliches Unternehmen, Tel. 0471 945 642 familieberuf@handelskammer.bz.it

Businessplan Kostenloser Download Sie haben eine konkrete Geschäftsidee und möchten sich selbstständig machen? Nutzen Sie unsere kostenlose Vorlage für einen Businessplan. Damit können Sie Ihre Geschäftsidee auf Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen. Die Vorlage finden Sie auf unserer Internetseite im Bereich Unternehmensgründung. Unternehmensgründung Tel. 0471 945 671 startup@handelskammer.bz.it, www.handelskammer.bz.it

IMPRESSUM

Für die Wirtschaft – Mitteilungsblatt der Handels-, Industrie-, Handwerksund Landwirtschaftskammer Bozen – 20. Jahrgang, 4/2018 Herausgeber: Handels-, Industrie-, Handwerks- und Landwirtschaftskammer Bozen Direktion und Verwaltung: Südtiroler Straße 60, 39100 Bozen, Tel. 0471 945 672 E-Mail: press@handelskammer.bz.it Verantwortlicher Direktor: Dr. Alfred Aberer Redaktion: Handels-, Industrie-, Handwerks- und Landwirtschaftskammer Bozen Konzept: Friedl Raffeiner Druck: www.longo.media

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für die WIRTSCHAFT

Fotos: Handelskammer, IDM, Alex Filz, Fotolia, Shutterstock, Erica Caliari, Moessmer Zugelassen beim Landesgericht mit Dekret Nr. 3/99 Mitglied der „Unione Stampa Periodica Italiana - USPI“, Rom

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Für die Wirtschaft 4-2018  

Wirtschaftsbarometer 2018: gute Stimmung - Wirtschaftstage: Austausch Schule-Wirtschaft - Elektronische Fakturierung: Pflicht ab 2019 für al...

Für die Wirtschaft 4-2018  

Wirtschaftsbarometer 2018: gute Stimmung - Wirtschaftstage: Austausch Schule-Wirtschaft - Elektronische Fakturierung: Pflicht ab 2019 für al...

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