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Das Magazin des Schweizer Handels Mercosur

Freihandel

Webinar

Heute Zölle bis zu 35% und in Zukunft? Seite 3

Staatssekretärin MarieGabrielle Ineichen-Fleisch am Tag des Handels. Seite 6

Schulung im Vertrieb: Teilnehmende über den Nutzen. Seite 11

18

Merke: Marke erleben Am Tag des Handels setzten

legierte des Verwaltungsrates der

sich in Bern rund 250 Gäste mit

Loeb Holding AG, Prof. Martina

den Herausforderungen des Han-

Dalla Vecchia von der Fachhoch-

dels auseinander. Online, offline

schule Nordwestschweiz FHNW

oder doch beides? Und wenn ja,

und dem Gründer der Online-Platt-

warum? Doch alle digitalen Zau-

form brack.ch Roland Brack zeigte:

bereien, tiefschürfenden Analysen

Es geht immer «nur» um Sein und

und

Innovationen

Schein der Marke. Lebt die Marke,

führen ins Nichts, wenn sich ein

taufrischen

können wir sie auch erleben. Die

Handelsunternehmen nicht mit

Marke kann online oder offline

den Augen des Kunden und der

im Warenhaus inszeniert werden.

Kundin betrachtet. Die Podiums-

Wichtig: Sie muss wiedererkenn-

diskussion mit Nicole Loeb, De-

bar und spannend sein. Seite 7

Studien

Weiterbildung

Change = Chance?

Frisch geliefert: Facts & Figures und Dossier-

Die Prüfungsexperten haben die Prüfung be-

Wer treibt die Veränderung im Handel

politik zum Thema Handel. Wertvolles Wissen

standen. Sie bringen ihre Kompetenz ein und

voran? Warum ist der Handel pessimistischer

für Ihre Gespräche. Seite

erhöhen die Qualität der Bildung. Seite

als andere Branchen? Seite

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15


Freihandel

Editorial Win–win Zahlen und Fakten zum Nutzen des Frei-

Konsumentinnen und Konsumenten steht ein

handels für die Schweiz

preiswerteres und vielfältigeres Angebot zur Verfügung. Der gesteigerte Wettbewerb führt

Von Kaspar Engeli

zu Produktivitätsgewinnen.

Neben der EU und EFTA, mit welchen wir weit

Exporte verdoppeln sich

über 60% des Aussenhandels abwickeln, hat

Freihandelsabkommen

erlauben

es

der

die Schweiz gegenwärtig ein Netz von 30

Schweiz, sich ihren Platz in den globalen

Der Tag des Handels stand ganz im Zei-

Freihandelsabkommen mit 40 Partnern in

Wertschöpfungsketten zu sichern. So wuch-

chen von Freihandel und Digitalisierung.

der ganzen Welt. Damit sichern wir uns den

sen die Schweizer Exporte von 1988 bis 2014

Beide Themen sind für den Handel zentral:

Import und Export zu wichtigen und dynami-

insgesamt durchschnittlich um 4.1% pro Jahr.

Rechtssicherer und hürdenfreier Aussen-

schen Märkten mit ca. 2.2 Milliarden Konsu-

Die Ausfuhren an Freihandelspartner ausser-

handel ist für uns eine zentrale Voraus-

menten und einem BIP von rund USD 25‘000

halb der EU/EFTA dagegen nahmen um mehr

setzung für die Fortschreibung der Erfolgs-

Mrd.

als das Doppelte zu. In den ersten vier Jah-

geschichte Schweiz.

ren nach Inkrafttreten des jeweiligen FreiFreihandel kennt nur Gewinner

handelsabkommens entsprach das Wachs-

Die über 130 bilateralen Verträge mit der

Alle profitieren vom Freihandel: Es gibt we-

tum durchschnittlich 8.5% pro Jahr.

EU, die Freihandelsabkommen mit Staaten

niger Armut auf der Welt. Verlierer sind

auf der ganzen Welt, die Mitgliedschaft in

jene, die nicht partizipieren wie etwa Nord-

CHF 400 Mio. bei den Zöllen sparen

der WTO – dieses breit abgestützte Netz

korea. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von

Neben der deutlichen Zunahme der Handels-

gilt es immer wieder zu stärken, auszu-

Vertragsabschlüssen: Solche mit dem Ziel

ströme ermöglichen Freihandelsabkommen

bauen und zu unterstützen.

einer Win-Win-Situation. Dabei gibt es aus-

erhebliche Einsparungen bei den Zöllen.

drücklich nur Gewinner, was auch unserem

Unternehmen mit Sitz in der Schweiz konnten

Die Wertschöpfungsketten im Handel ste-

allgemeinen Verständnis von Verträgen ent-

laut einer Schätzung des SECO im Jahr 2014

hen vor riesigen Umwälzungen. Welche

spricht. Auf der anderen Seite sind Verträge

im Warenaustausch mit Freihandelspartnern

Rolle spielen Plattformen, neue Techno-

nach dem KO-Prinzip denkbar. In diesem Ver-

ausserhalb der EU/EFTA rund CHF 400 Millio-

logien wie 3-D-Drucker, Bitcoins?

ständnis bedeutet ein guter Abschluss, dass

nen einsparen.

es einen Gewinner und einen Verlierer gibt. Wer macht die Logistik, wo kaufen die

Das entspricht in etwa der trumpschen Vor-

Handel mit Dienstleistungen nimmt zu

Kunden ein? In welche Richtung geht die

stellung von einem Vertragsabschluss.

Moderne Freihandelsabkommen gehen über

Reise, welche Weichen sind zu stellen

die Liberalisierung des Güterverkehrs hinaus

und wo sieht sich jede einzelne Firma in

Freihandelsabkommen sind ein Geben und

und decken weitere wichtige Bereiche ab:

Zukunft?

Nehmen. Sie sichern die Wettbewerbsfähig-

Der Dienstleistungshandel macht heute

keit des Standortes Schweiz und fördern

etwas mehr als ein Viertel des Schweizer

Auf diese und weitere Fragen geben die

Wachstum und Wertschöpfung. Das BIP der

Gesamthandels aus und verzeichnete in den

folgenden Seiten Auskunft.

Partnerländer von Freihandelsabkommen der

letzten Jahren ein stärkeres Wachstum als der

Schweiz wuchs zwischen 1990 und 2014 um

Güterhandel.

Ich wünsche Ihnen spannende Anregungen

durchschnittlich 3.6% pro Jahr und übertraf

bei der Lektüre von «Wir handeln».

damit das weltweite BIP-Wachstum um fast

Spitzenposition bei Direktinvestitionen

einen Prozentpunkt.

In Staaten mit Freihandelsabkommen oder anderen

wirtschaftlichen

Integrations-

Kaspar Engeli

Wohlfahrtseffekte entstehen sowohl bei den

abkommen kommt es erfahrungsgemäss

Direktor Handel Schweiz

Importen wie bei den Exporten. Produzenten

zu mehr Direktinvestitionen. So nimmt die

profitieren von günstigeren Vorleistungen.

Schweiz im internationalen Vergleich sowohl

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Wir handeln 2/18


Freihandel

als Investor als auch als Empfänger ausländischer Direktinvestitionen

Regeln für den internationalen Erfolg

eine Spitzenposition ein.

Der Schutz des geistigen Eigentums stützt den Innovationsstandort Schweiz durch transparente und durchsetzbare Regeln und spielt für

Denn Schweizer Unternehmen und Privatpersonen investieren zu-

die innovations-intensive Schweizer Wirtschaft eine wichtige Rolle.

nehmend in Freihandelsabkommen-Partnerländer (EU/EFTA ausgenommen). 2014 entsprachen diese Investitionen zum Beispiel

Regeln zum öffentlichen Beschaffungswesen in Freihandelsab-

14.5% des gesamten Schweizer Kapitalbestandes im Ausland. Die er-

kommen weiten die Anwendung des WTO-Abkommens auch auf

wirtschafteten Erträge aus Schweizer Direktinvestitionen beliefen sich

Nicht-Mitglieder bzw. weitere Sektoren aus.

im Jahr 2014 auf CHF 82 Mrd. Immer grösseres Gewicht erhalten zudem Themen wie Umwelt, Die Investitionen aus Freihandelsabkommen-Partnerländern (EU/

Nachhaltigkeit und Arbeitsschutz. In diesen Bereichen ist die

EFTA ausgenommen) in der Schweiz entsprachen im gleichen Zeitraum

Schweiz bekanntlich bereits führend und kann entsprechend ihre Stär-

2.1% am gesamten ausländischen Kapitalbestand in der Schweiz.

ken einbringen.

Mercosur – salomonische Lösung gefragt

Modernisierungsbedarf in der dortigen Industrie erhalten. Davon

Sowohl die EU als auch die Schweiz (im Rahmen der EFTA) ver-

könnte die Schweiz sicher profitieren.

handeln bekanntlich ein Freihandelsabkommen mit dem Wirtschaftsraum Mercosur, zu dem die Länder Brasilien, Paraguay, Uru-

Bis heute sind die Mercosur-Staaten eher protektionistisch – mit

guay und Argentinien zählen und in dem 260 Millionen Menschen

Zöllen von bis zu 35%.

leben. Im Frühjahr besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann

Brasilien als wichtigste Volkswirtschaft des Mercosur hat hohe Zoll-

in diesem Zusammenhang Südamerika.

schranken für alle Waren aufgebaut, die sie selbst produzieren. Für solche Produkte verlangen die Brasilianer einen hohen Import-

Der Traum von einem Freihandelsabkommen mit Mercosur ist

zoll. Auch Argentinien hat lange Zeit eine Politik der Abschottung

nicht neu. Die Schweiz ist schon seit Jahren am Handel mit die-

verfolgt. Mit einem Freihandelsabkommen mit Mercosur könnten

sem vielversprechenden Wirtschaftsraum interessiert. Heute prä-

Schweizer Unternehmen nun das grosse Potenzial für Importe und

sentieren sich die Rahmenbedingungen für solch einen Vertrag

Exporte erschliessen. Die ganze Schweiz würde vom vorhandenen

immerhin etwas besser als früher. Doch nach wie vor steht der

Marktpotenzial profitieren und potenzielle Risiken vermeiden.

Agrarmarkt bzw. der Handel mit Fleisch als Knackpunkt quer in den

Diese Risiken ergeben sich durch die Verhandlung der EU mit Mer-

Verhandlungen. Denn die Mercosur-Länder wünschen einen un-

cosur. Sobald ein Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur

gehinderten Zugang zum Agrarmarkt in der Schweiz. Im Gegenzug

vorliegt, verliert die Schweiz doppelt. In einem Markt von der Grös-

würde die Schweiz Zugang zu einem riesigen Markt mit glänzen-

se und dem Potenzial wie Mercosur kann und will sich die Schweiz

den Aussichten und einem grossen Defizit an Infrastruktur sowie

solch einen Verlust sicher nicht leisten.

Wir handeln 2/18

3


Studien

Wirtschaftsmotor HANDELSchweiz

Facts & Figures

gt die Welt: Die weltweiten Handelsströme

Facts & Figures HANDELSchweiz

HANDELSchweiz

Facts & Figures

504 1065

Gute Schweizer Rahmenbedingungen für den Handel

2.5

450

2.0

400

1.5

350 250 200

Der Schweizer Handel im Überblick

2007 2005-2011

Legende:

2012

Schweiz

2014

2013 USA

2015

2016

Legende:

EU

Wachstum der realen Bruttowertschöpfung, in % p.a. Quelle: OEF, BAK Economics)

4.5

3 2 1.5 1 0.5 0

10

11

12

13

14

15

2016

738 900

114 119

Importe

221 201

79 99

Verfügbares Haushaltseinkommen und Aussenhandel, in Mrd. CHF (Quelle: EZV, BAK Economics)

120 80 60

Süd-/Zentralamerika 744

40 20 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Legende:

214

0

152 207

Asien/Pazifik 5'485

694 302

185

Legende:

Durchschnittlicher Quartalswechselkurs in CHF (Quelle: OEF, SNB, BAK Economics)

Erläuterungen Die Schweizer Wirtschaft ist vergleichsweise gut durch die Krisenjahre gekommen. Mit einem jährlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1.5 Prozent in den Jahren 2010 bis 2015 konnte man sich deutlich gegenüber der schwächelnden EU (+1.0%) abheben. Der wirtschaftliche Aufschwung der USA (+2.1%) stimulierte gleichzeitig die Schweizer Wirtschaft, gehen doch immerhin rund 12 Prozent aller Schweizer Exporte in die USA. Auch die zwar schwächere, aber immer noch kräftig expandierende Wirtschaft Asiens stimulierte das Schweizer Wirtschaftswachstum zusätzlich. Hinzu kam eine starke Binnenwirtschaft, die durch einen stabilen Konsum und eine sehr robuste Bauwirtschaft, nicht zuletzt dank einer kräftigen Zuwanderung, die Schweizer Wirtschaft stützte.

Mittlerer Osten 780

170

173

Wechselkurs CHF/EUR (linke Achse) Wechselkurs CHF/USD (linke Achse) Ölpreis, $ (rechte Achse)

229 148

Afrika 639

100

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Arbeitslosenquote, quartalsweise (Quelle: OEF, BAK Economics)

09

Exporte

Verfügbares Einkommen der Haushalte

1.8 1.6 1.4 1.2 1.0 0.8 0.6 0.4 0.2 0.0

4 3.5 2.5

08

134 127

Europa 6'792 379 540

150

-1.0

Facts & Figures

Nordamerika 3'195

300

1.0 0.5 0.0 -0.5

GUS Staaten 512

218 1385

Warenhandelsvolumen in Mrd. US$

7‘000 3‘000

Welthandelsvolumen in Mrd. US$ 18’147

500

Handel innerhalb Region Handel ausserhalb Region Warenströme (in Mrd. US$)

einen Abnehmer ausserhalb der exportierenden Region. Europa ist der

Mit der Aufhebung der Mindestgrenze des Franken-Euro-Wechselkurses im Januar 2015 haben sich die Rahmenbedingungen eingetrübt. Insbesondere die Lage auf dem Arbeitsmarkt aber auch die Einkommensentwicklung hat sich abgeschwächt. Gleichzeitig hat sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt. Hinzu kommen politische Unsicherheiten in der Schweiz und in den Beziehungen zur EU. Zudem haben perfektionistische Ideen im politischen Europa und der Schweiz Hochkonjunktur. Der zunehmende Agrarprotektionismus, eine wirtschaftsfeindliche Konzernverantwortungsinitiative, eine realitätsfremde Volksinitiative für faire Importpreise aber auch die bisher verpassten Reformchancen der AHV oder der Unternehmenssteuern dämpfen das Vertrauen der Wirtschaftsakteure und verschlechtern die Rahmenbedingungen in der Schweiz. Der Bundesrat hat im Dezember 2017 Gegensteuer ergriffen und mit Vereinfachungen bei der Anwendung des Cassis-de-Dijon Prinzips und einem unilateralen Abbau der Zölle auf Industriegüter reagiert.

am stärksten am Welthandel beteiligte Wirtschaftsraum. Etwa 37%

Insbesondere im Detailhandel führte der teure Franken zu einem weiteren Anstieg des Einkaufstourismus im grenznahen Ausland und erhöhte den Preisdruck im Inland. Negativ auf die Umsätze wirkten sich auch der zunehmende Preisdruck und weitergegebene Währungsvorteile aus. Auch für die Bauwirtschaft und deren Zulieferer haben sich die Aussichten eingetrübt. Der Zenit der Sonderkonjunktur im Bau scheint überschritten.

importieren und exportieren kann. gehandeltweltweit wurde. Der zweitgrösste Handelspartner weltweit stellt

1

9

Die Schweizerische Aussenwirtschaft beruht auf drei Säulen: Mitgliedschaft in der WTO, bilaterale

der wertmässigen fanden den der Weg Abkommen mit derGüterumschläge EU und Freihandelsabkommen mit Staaten ausserhalb EU. über die euroWTO sichertwovon dank globalender Standards Zugang zu Teil Märkten(69%) und sie vereinfacht den weltweiten päischen Die Länder, grösste innerhalb der Region Handel. Für die Schweiz als Binnenland ist so sichergestellt, dass sie einfach und gleichberechtigt Die mittlerweile fast 130 Abkommen, welche sich hinter den «Bilateralen» verstecken, sind Ergebnis

des EWR-Neins vom 6. Dezember 1992. Zehndar Jahre lang dümpelte die Wirtschaft vor sich hin, überholt die asiatisch-pazifische Region (30%), gefolgt von Nordamerika von allen Nachbarländern, wir waren das Schlusslicht in der OECD, bis uns die Bilateralen I ab 2002

einen gewaltigen Schub verliehen. Heute sind sie nicht mehr wegzudenken und bilden den Lebens(18%). Betrachtet man die einzelnen Handelsströme unter den Regionerv für unseren Wohlstand und die Stabilität.

Die aktuelle Ausgabe der Studie «Facts&Figures» ist online. Sie

nen fällt auf, derabzeichnete, Handel den erwähnten dreisubstanRegionen Als sich dass immer mehr dasszwischen es innerhalb der WTO nicht gelingen würde, weitere

vermittelt Einblicke in die globalen und nationalen Dimensionen des

oder Staatengruppen mehr und mehr an Gewicht. Rasch circa war es möglich, mit wichtigen Handelspartnern (Europa, Asien/Pazifik, Nordamerika) 48% des interregionalen gezielte Handelserleichterungen zu vereinbaren. Damit wurde der Grundgedanke der WTO – globale

Handels. Sie bietet Analysen von Teilaspekten der Branche und geht

tielle Schritte zu machen, gewann die Idee von Freihandelsabkommen zwischen einzelnen Staaten

Handelserleichterungen für alle – mehr und mehr geschwächt. Welthandels ausmacht. Rund 11% der europäischen Exporte finden Die Schweiz verfügt mittlerweile über ein Netz von 38 Freihandelsabkommen mit wichtigen Staaten

konkret auf die Beispiele Motorrad- und Maschinenhandel ein. Dazu

wie Kanada, Japan China. Zudem befindet sich die Schweiz aktuell in Verhandlungen mit vielen einen Abnehmer imoderasiatischen Raum. Ungefähr

ein paar Texthäppchen, die den Leseappetit anregen mögen:

8% werden nach Nordamerika verschifft. 18% der

weiteren Staaten im asiatischen Raum.

asiatischen Exporte haben nordamerikanische ReHandelsströme: Im Jahr 2014 wurden auf der gesamten Welt Güter

gionen zum Ziel und in die entgegengesetzte Rich-

im Wert von 18.1 Billionen US$ gehandelt, wovon 9.5 Billionen US$

tung finden über 20% der nordamerikanischen

und somit 52.5% innerhalb der jeweiligen geographischen Räume

Exporte einen Abnehmer im asiatisch-pazifischen Direkter Link zur

getauscht wurden. Die restlichen 8.6 Billionen US$ (47.5%) fanden

Raum.

7

Studie

Ohne Import kein Export # 09 / 2018

Welchen Stellenwert haben die in die Schweiz importierten Güter für den Export und den Wohlstand unseres Landes? Das ist auch eines der Themen von Dossierpolitik 9/2018, die diesmal von Handel Schweiz und economiesuisse präsentiert wird. Das umfassende Dossier gibt

In Kooperation mit

Schweizer Handel: Eine wichtige Branche steht vor grossen Herausforderungen

Antworten auf die Frage, mit welchen vielfältigen Herausforderungen

08.06.2018

die Schweizer Politik im Themenkomplex Handel konfrontiert ist.

Das Wichtigste in Kürze Die Handelsbranche ist für die Schweizer Volkswirtschaft von enormer Bedeutung. Sie ist der grösste rein privatwirtschaftlich organisierte Arbeitgeber und trägt massgeblich zur Wirtschaftsleistung der Schweiz bei. Dabei ist sie nicht einfach eine Branche unter vielen, sondern hat eine besondere Stellung: Als Bindeglied zwischen

Direkter Link zur Studie

Produzenten und Konsumenten nimmt sie zahlreiche Aufgaben im Wirtschaftssystem wahr. Besonders wichtig ist der Importhandel. Er versorgt die Schweizer Exportindustrie mit Vorleistungen aus dem Ausland. Ohne einen tadellos funktionierenden und in die internationalen Wertschöpfungsketten gut integrierten

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Importgrosshandel wäre die Schweiz deutlich weniger wettbewerbsfähig. Doch trotz ihrer enormen Bedeutung steht die Branche heute vor grossen Herausforderungen. Wie eine aktuelle Umfrage von economiesuisse und Handel Schweiz zeigt, haben die Händler vor allem mit drei grossen Herausforderungen zu kämpfen: Digitalisierung,

Wir handeln 2/18


Tag des Handels

Jetzt handeln!

Der Tag des Handels war vor allem eine Aufforderung zum Han-

Die gestaltende Kraft des Handels

deln. Und das gleich auf mehreren Ebenen.

Jean-Marc Probst betonte die gestaltende Kraft des Handels in einer zunehmend verflochtenen Welt. Dass die Armut weltweit zurückgedrängt

Die Komplexität des Handels macht auch seine Attraktivität aus.

wird, dass immer Menschen Zugang zu Bildung haben, ist inzwischen

Handelsströme gibt es global, regional, lokal, digital und das alles

so selbstverständlich, dass es diese positiven Nachrichten nur selten in

neben-, über- und miteinander, quer verwoben, beiseitegeschoben,

die Top News schaffen. Und doch – vor wenigen Jahrzehnten erst schien

frei oder genormt. Man könnte sagen, dass der Handel eines der

dieser Zustand als ein naiver, nicht umsetzbarer Traum einiger unver-

spannendsten modernen Abenteuer überhaupt sei – er bietet fast

besserlicher Idealisten. Heute sind ganze Branchen mit der Umsetzung

grenzenlose Möglichkeiten für Pioniergeist, Kontaktfreude, Selbstver-

beschäftigt. Dieser Traum hat Arbeitsplätze geschaffen und wird als ein

wirklichung und Teamgeist.

knallhartes, auch sehr erfolgreiches Business geführt. Natürlich ist nicht alle Arbeit getan und gibt es an vielen Orten noch sehr viel zu tun.

Und doch muss sich alles auch rechnen, sonst reissen rasch einmal

Jean-Marc Probst freute sich, dass es dem Handel in der Schweiz und

die Fäden im mühevoll gesponnenen Beziehungsnetz, das Handlungs-

der Schweizer Wirtschaft insgesamt sehr gut gehe. Das sei auch auf die

spielraum zulässt. Wie fragil dieses Netz aus grenzüberschreitenden

klug verhandelten Freihandelsabkommen der Schweiz zurückzuführen.

Absichtserklärungen und Vereinbarungen ist, erleben wir aktuell immer wieder im Bereich der Handelspolitik. Doch jedes Handels-

Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz, zeigte sich zufrieden mit

unternehmen weiss aus täglicher Erfahrung – und manche sogar seit

der ersten derartigen Durchführung des Tags des Handels: «2019 findet

250 Jahren –, wie wichtig die guten Beziehungen zu Kunden und Liefe-

der Tag des Handels am 21. Juni statt. Wir freuen uns, gemeinsam mit

ranten sind. Ohne diese sind Handelsunternehmen schlicht nicht mehr

befreundeten Verbänden und Organisationen die Zukunft der kleinen,

handlungsfähig.

aber starken Handelsnation Schweiz weiter zu entwickeln.»

Wie dieses dichte Geflecht aus Erwartungen und Möglichkeiten im Handel möglichst lebendig gehalten wird, war letztlich das Kernthema des

Handel Schweiz – gut vernetzt

diesjährigen Tags des Handels. Handel Schweiz führte den Anlass zum

Der Tag des Handels wurde freundlicherweise von den Spon-

ersten Mal mit fünf anderen Verbänden durch – am Vormittag wurden

soren Luzerner Kantonalbank, Klicktime und Apostroph unter-

innerhalb des jeweiligen Verbandes branchenspezifische Themen be-

stützt. Sie nutzten die Gelegenheit, ihre Kontakte mit den an-

sprochen und verhandelt. Nach der kurzen Generalversammlung von

wesenden Handelsunternehmen zu knüpfen, zu pflegen und zu

Handel Schweiz und dem Lunch folgten am Nachmittag die Referate

erweitern. Die grosszügigen hellen und stilvoll modernisierten

von Jean-Marc Probst, Präsident von Handel Schweiz und von Staats-

Räume des Kursaals Bern boten dafür den richtigen Rahmen.

sekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Direktorin des SECO sowie

Der Blick auf die Stadt Bern und die Alpen bot Entspannung und

Direktorin der Direktion für Aussenwirtschaft.

Übung in Weitsicht zugleich.

Wir handeln 2/18

5


Tag des Handels

Unfreier Freihandel

Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch ist seit 2007 der

abkommen mit Kanada einen besseren Zugang zum Käsemarkt in Ka-

zentrale Kopf der Schweiz, wenn es um die Verhandlung von Frei-

nada erhält, hat das relativ schnell Auswirkungen auf die Käseexporte

handelsabkommen geht. Am Tag des Handels ging die Staatssekretärin

der Schweiz. Deshalb müssen wir dann in den Freihandelsabkommen

auf die aktuellen Herausforderungen des Schweizer Handels im inter-

nachziehen können, damit unser Teil des Käseexports gesichert ist.»

nationalen Kontext ein. Sie erläuterte, dass das Wort Freihandel missverständlich sei, denn kein Handel sei frei von Regeln. «Freihandel

Die Schweiz hat kein Güterhandelsbilanzproblem

heisst frei von Zöllen und von unnötigen Verfahren. Es gibt jedoch sehr

Vor dem Hintergrund der konstanten Entwicklung im Freihandel, müssen

wohl klare Regeln im Freihandel.» Diese Regeln sind das Kernthema der

zudem Abkommen immer wieder an aktuelle internationale Rahmen-

WTO. Sie widmet sich dem abgestimmten und regelkonformen inter-

bedingungen angepasst werden. So hat die Schweiz gerade als eines

nationalen Handelssystem. Deshalb setzt sich die Schweiz seit jeher

der ältesten Freihandelsabkommen jenes mit der Türkei modernisiert.

aktiv für die Welthandelsorganisation ein. Neu koordiniert die Schweiz

«Anfang der neunziger Jahre betrafen unsere Freihandelsabkommen

im Rahmen der WTO eine Gruppe von mittelgrossen Ländern, denen der

noch vor allem den Zugang zu Industriegütern. Heute sind für uns bei

Erhalt und die weitere Entwicklung der Welthandelsorganisation wichtig

Freihandelsabkommen der Zugang bei den Industriegütern, aber auch

ist. Wie ein gemeinsames Vorgehen von vier Ländern aussehen kann,

der Schutz des geistigen Eigentums, der Zugang beim Beschaffungs-

zeigt das Beispiel Mercosur, dem «gemeinsamen Markt Südamerikas».

wesen und die Dienstleistungen sehr wichtig. Entscheidend ist, dass

Die Herausforderungen in den aktuellen Verhandlungen mit Mercosur

wir bei den nächsten Freihandelsabkommen flexibler sein können.

sieht die Chefunterhändlerin der Schweiz in der Öffnung des Agrar-

Das gilt vor allem auch für die Landwirtschaft», meinte Marie-Gabrielle

marktes. «Die vier Mercosur-Länder haben klar signalisiert, dass sie mit

Ineichen-Fleisch. Der Wohlstand in der Schweiz basiere zu einem gros-

der Schweiz ein Freihandelsabkommen verhandeln möchten, jedoch

sen Teil auf den offenen Märkten. 70% unseres BIP beträfen den Han-

einen stärkeren Zugang zum schweizerischen Agrarmarkt suchen. Des-

del. «Wir sind ein kleiner Binnennmarkt. Wenn wir produzieren, können

halb müssen wir in diesen Verhandlungen wohl weiter gehen, als dies

wir nicht alles in der Schweiz absetzen. Viele Unternehmen, vor allem

bisher der Fall war – und das bedeutet doch eine Herausforderung», so

auch KMU, exportieren bis zu 90% ihrer Waren. Deshalb brauchen wir

die Staatssekretärin.

offene Märkte für diese Produkte, damit wir uns weiterentwickeln und den Wohlstand sichern können. Aber auch der Import ist für die Schweiz

Freihandelsabkommen im internationalen Wettbewerb

sehr wichtig. Die Schweiz importiert sehr viel. Dabei ist es für uns kein

Sie betonte, wie wichtig die nicht isolierte Betrachtungsweise der

Problem, wenn wir bei einem Land mehr importieren als exportieren.

Schweizer Freihandelsabkommen sei. Sie stünden immer im Zu-

Denn vielleicht brauchen wir ja genau jene Produkte für unsere Wirt-

sammenhang mit anderen, gerade abgeschlossenen oder sich in Ver-

schaft, um in unserer Wertschöpfungskette Waren weiterzuverarbeiten

handlung befindlichen Freihandelsabkommen in der ganzen Welt. Denn

und dann zu exportieren. Deshalb haben wir das Güterhandelsbilanz-

bei Freihandelsabkommen herrsche ein konstanter Wettbewerb der

problem von Präsident Trump nicht – wir sehen das nicht so wie er»,

Länder untereinander. Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch nannte ein ein-

äusserte sich die Staatssekretärin unmissverständlich.

leuchtendes Beispiel: «Wenn zum Beispiel die EU durch ihr Freihandels-

6

Wir handeln 2/18


Tag des Handels

Linientreu gedacht Online oder offline – mindestens eine solche Linie braucht es für

Online-Händler mit einem Sortiment von 200'000 Produkten sind sich

den Handel. Manchmal überschneiden sich diese Linien auch. In der

darin einig, dass der Kern der Marke und die Aus- und Weiterbildung

Podiumsdiskussion blickten Nicole Loeb, Delegierte des Verwaltungs-

der Mitarbeitenden das Zentrum aller Anstrengungen sind. Prof. Marti-

rates der Loeb Holding AG, Prof. Martina Dalla Vecchia von der Fach-

na Dalla Vecchia von der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW geht

hochschule Nordwestschweiz FHNW und der Gründer der Online-Platt-

davon aus, dass im Schweizer Handel ein grosses Innovationspotenzial

form brack.ch Roland Brack am Tag des Handels in die Zukunft des

besteht. Sie erlebt, dass Führungskräfte mit vielen guten Ideen unter-

Handels. Die Mitinhaberin des stationären Warenhauses, die das 1881

wegs sind. Doch um diese zu nutzen, müssten Unternehmen anders

gegründete Unternehmen in der fünften Generation führt, und der

vorgehen als früher.

«

«

Agil auf die Reise

Pioniergeist in der DNA

Martina Dalla Vecchia, Professorin an der

Nicole Loeb, Verwaltungsratsdelegierte der

Fachhochschule Nordwestschweiz für das

Loeb Holding

Thema E-Commerce, Onlinemarketing und

«Gerade als kleines Unternehmen sind

«

Social Media «Digitalisierung

«

wir gezwungen, innovativ zu sein. Es kann

verändert

die

Wert-

schöpfungsketten, das Verhalten der Kunden und den Handel. Um hier die richtigen Ent-

morgen ganz anders sein als heute. Darum müssen wir wachsam, schnell, innovativ und kreativ sein. Es ist ganz wichtig, dass wir

scheidungen zu treffen, braucht es ein digitales Mindset. Es braucht

unsere Identität behalten, und der Kunde uns wiedererkennen kann

die Offenheit für neue Technologien. Eine Führungskraft sollte sich

bei Loeb. Wir setzen auf eine gute Beratung. Menschen begegnen

drauf einlassen. Es reicht nicht, wenn man Videos anschaut, um zu

Menschen, und darum investieren wir in die Schulung unserer Mit-

erkunden «Was ist Virtual Reality? Was bedeuten diese Ansätze für

arbeitenden. Loeb will das persönlichste Warenhaus der Schweiz sein.

den Handel?». Man muss tiefer einsteigen, sich mich den Leadern in

Wir haben das in unserer DNA. Und wenn sie das in der DNA haben, in

diesem Bereich vernetzen (ihnen auf Twitter folgen) und in Work-

der Strategie, und das als Führungskraft vorleben, transformiert sich

shops oder Labs diese technischen Fortschritte selber erleben. Im

das Ganze automatisch auf die Mitarbeitenden, und der Kunde kann

Endeffekt müssen wir die ganze Erfahrung der Leute aus dem Handel

das spüren. Im stationären Bereich versuchen wir, das Erlebnis in den

in die digitale Welt mitnehmen. Ziel ist es, beide Welten zusammen-

Laden zu bringen, so dass der Kunde die Verweildauer in unseren Ge-

zubringen. Das erfordert die Bereitschaft, sich auf diese neue Reise

schäften verlängert, sei es mit Cafés, einer Showküche oder mit einem

einzulassen. Der digital Leader, die digitale Leaderin im Unternehmen

Näh-Café. Im digitalen Bereich setzen wir auf kleine Projekte zum Bei-

muss die Fahne nehmen und das vorantreiben. Es reicht nicht, in den

spiel den Dash Button: Das ist ein Knopf neben der Waschmaschine;

bestehenden Strukturen einfach weiterzugehen. Man braucht neue

wenn das Waschpulver aufgebraucht ist, können Sie draufdrücken und

Ansätze und eine grosse Portion Agilität in einem Handelshaus.»

Loeb sendet Ihnen am nächsten Tag das Waschpulver nach Hause.»

«

Im Kern gleich

stellung angerufen hat, dient heute das Telefonat eher einem Trouble

Roland Brack, Gründer der Online-Plattform

Shooting oder den Orientierungen rund um komplexe Produkte. Wir

brack.ch

planen deshalb keine stationären Läden. Wenn digitale Plattformen

«Unser Unternehmen ist nicht als On-

stationäre Läden starten, könnte vielleicht eher ein Servicegedanke

line-Händler geboren. Dass wir heute eine

dahinterstehen. Ich habe davor durchaus Respekt. Es braucht viel

«

führende Online-Plattform sind, ist das Er-

Organisation im Management von stationären Filialen. Für viele Pro-

gebnis vieler kleiner Veränderungen, mit

dukte ist es heute jedoch einfach praktischer, online einzukaufen. Wir

denen wir das Unternehmen umgebaut

haben zum Beispiel kleine Netzwerkserver im Angebot. Online kann

haben. Der Kern ist jedoch geblieben: Der Kunde mit seinen Bedürf-

das komplexe Produkt mit Video und anderen Tools einfach viel besser

nissen steht im Zentrum. Während früher der Kunde für eine Be-

inszeniert werden als im Laden.»

Wir handeln 2/18

7


Tag des Handels

Gemeinsam behandeln

Handel Schweiz veranstaltete zum ersten Mal den Tag des Han-

Der Verband Schweizerischer Technischer Händler VSTH hat 2015

dels zusammen mit fünf anderen Verbänden, die Unternehmen

sein hundertjähriges Jubiläum gefeiert. Die rund 50 Mitglieder sind

aus den Bereichen Spielwaren, Hebebühnen, Edelstahl- und Me-

KMU aus der ganzen Schweiz. Der VSTH setzt sich für ihre wirtschaft-

tall sowie technische Produkte bzw. Leasinggeschäft vertreten.

lichen Interessen sowie die Aus- und Weiterbildung ein. Als Technische Händler beliefern die Unternehmen Industrie und Gewerbe mit

Der VSEMH – der Verband Schweizerischer Edelstahl- und Metall-

Halbzeugen (vorgefertigte Werkstücke), einbaufertigen Teilen sowie

händler – ist die repräsentative Branchenorganisation der Schweiz auf

Fertigprodukten.

dem Gebiet des Edelstahl- und Metallhandels. In wichtigen Gremien sitzen Verbindungspersonen des VSEMH, so z.B. in der wirtschaftlichen

Der Verband Schweizer Arbeitsbühnen Anbieter VSAA vertritt 70%

Landesversorgung, bei Eurometal oder bauenschweiz.

der in der Schweiz tätigen Arbeitsbühnenanbieter. Die Zukunft und Aussicht für die Arbeitsbühnenbranche ist positiv zu beurteilen.

8

Wir handeln 2/18


Personalführung andererseits infolge verschärfter Sicherheits-

Auswirkungen des Leasinggeschäftes für die

vorschriften und verstärkt erhöhtem Sicher-

Schweizer Wirtschaft aufzuzeigen. Leasing-

heitsbewusstsein. Auch der Fortschritt in

gesellschaften, aber auch Unternehmen,

der Technik und Elektronik tragen ihren Teil

welche in der Konsum-, Absatz und Handels-

dazu bei. Der VSAA hat sich das Ziel gesetzt,

finanzierung tätig sind und keinen Banken-

diesen Entwicklungsprozess aktiv und ver-

status aufweisen, können sich der SRO/SLV

antwortungsbewusst zu begleiten und zu

anschliessen.

fördern. Im Spielwaren Verband Schweiz SVS sind alle führenden Schweizer Produzenten, Importeure und Lieferanten von Spielwaren zusammengeschlossen. Auch Detailhändler können – als Trade Partner – von allen Dienstleistungen des Verbandes profitieren. Der SVS setzt sich für die gesamte Spielwarenbranche ein und versteht sich als deren Sprachrohr. Einerseits aufgrund vermehrter Wirtschaft-

Dem Schweizerischen Leasingverband SLV

lichkeitsabwägungen gegenüber herkömm-

ist es ein grosses Anliegen, der breiten

lichen Methoden der Höhenzugangstechnik,

Öffentlichkeit das Potential und die positiven

Wie ticken Generationen? Welche Generationen gibt es in Unternehmen?

sicherheit. Ihren unerschütterlichen Optimismus verdanken sie einer

Obschon die Grenzen nicht immer klar gezogen werden können und

Jugend in Zeiten von wirtschaftlichem Aufschwung, tiefer Arbeitslosig-

sich bisweilen überschneiden, lassen sich die heute Berufstätigen vier

keit und wachsendem Wohlstand.

verschiedenen Generationen zuordnen. Bei den zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Jahr 1965 Geborenen spricht man

Die nachfolgende Generation X präsentiert sich ebenfalls ambitio-

von den Baby-Boomern. Es ist die zahlenmässig grösste Generation.

niert und ehrgeizig, aber gleichzeitig deutlich unabhängiger und selb-

Der Generation X werden Menschen zugeordnet, die zwischen 1966

ständiger. Eine Kindheit in unsicheren Zeiten, geprägt von der Ölkrise,

und 1980 zur Welt gekommen sind. Darauf folgen die zwei Jahrzehnte

einem stagnierenden Arbeitsmarkt, vermehrter Zuwanderung und

der Generation Y. Zur Generation Z gehört, wer nach dem Jahr 2000

steigenden Scheidungsraten, hat sie Autoritäten und gesellschaft-

geboren wurde.

lichen Rollenbildern gegenüber kritisch gemacht. Statt zu leben, um zu arbeiten, wie die Baby-Boomer vor ihnen, arbeiten sie, um zu

Die Theorie der Generationeneffekte geht davon aus, dass wichtige Er-

leben. Unabhängigkeit und Individualismus sind zentrale Werte dieser

eignisse und sozioökonomische Umstände Einfluss auf die Werte und

Generation.

Weltanschauungen und damit auch auf die Arbeitseinstellung von Individuen haben. Deshalb unterscheiden sich die Stereotypen dieser

Auch die Vertreterinnen und Vertreter der Generation Y sind grund-

Generationen ganz erheblich.

sätzlich ichbezogen. Globalisierung und Technologisierung haben sie aber mobiler, weltoffener und wissensdurstiger gemacht. Die latente

Wie sehen die stereotypen Vertreter aus?

Orientierungslosigkeit und fragende Grundhaltung dieser Generation

Die Baby-Boomer, im Aufschwung der Nachkriegszeit zur Welt ge-

angesichts sich abzeichnender Umbrüche in Gesellschaft und Wirt-

kommen, gelten als erfolgshungrig, prestigegetrieben und konkurrenz-

schaft kommt in der Bezeichnung Generation Y (englisch: «why»)

freudig. Sie sind strebsam, loyal und legen viel Wert auf Arbeitsplatz-

zum Ausdruck.

Wir handeln 2/18

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Personalführung

Die Generation Z schliesslich ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer

Wie gelingt generationengemischte Zusammenarbeit?

einzuschätzen. Als charakteristisches Merkmal gilt die Selbstverständ-

• Die Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen aller Teammitglieder

lichkeit, mit der ihre Vertreterinnen und Vertreter der Vernetzung der

gemeinsam diskutieren und allgemeingültige Regeln der Zu-

Welt gegenübertreten. Gleichzeitig sind sie stark auf sich selbst und

sammenarbeit definieren

ihre persönlichen Ziele fokussiert, weshalb ihnen gerne mangelnde

• Individuelle Anreizsysteme schaffen: Eine gute Leistung oder ein

Empathie und Teamfähigkeit unterstellt wird.

Dienstjubiläum kann monetär, aber auch mit zusätzlichen Ferien tagen oder einer Weiterbildung honoriert werden

Alle zusammen – kann das gut gehen?

• Motivationen erkennen und unterschiedliche Entwicklungen zu-

Die Frage ist – angesichts der oben aufgeführten Stereotype der vier

lassen: Nicht für alle ist der Weg nach oben der erstrebenswerte

Generationen – berechtigt: Können Repräsentantinnen und Reprä-

• Wissens- und Erfahrungsaustausch ermöglichen und aktiv fördern,

sentanten der Baby-Boomer, der Generationen X, Y und Z überhaupt

etwa mit Innovationszirkeln, Austauschplattformen und Tandems

produktiv miteinander arbeiten? Die Antwort lautet: Ja! Entscheidend

• Flexible Rahmenbedingungen schaffen

ist, dass es einem Unternehmen gelingt, einen Mehrwert aus der

• Altersdurchmischte Teams schaffen: So werden Wissenstransfer

Heterogenität dieser Gruppen zu gewinnen. Mitarbeitende sollen so

und Perspektivenwechsel erst ermöglicht

eingesetzt werden, dass sie ihre Stärken einbringen und gleichzeitig von anderen Generationen lernen können. So können jüngere Mitarbeitende beispielsweise technologisches Know-how vermitteln, während sie in strategischen und organisatorischen Fragen vom Erfahrungsschatz älterer Kolleginnen und Kollegen profitieren. Gelingt es, die individuellen Fähigkeiten aller Mitarbeitenden zu erkennen

vivit, das Kompetenzzentrum für Gesundheit und Prävention der

und optimal zu kombinieren, können Unternehmen nur gewinnen.

CSS Versicherung, berät Sie in allen Fragen rund um das betrieb-

Wie eine Untersuchung der Universität St. Gallen zeigt, hat das so-

liche Gesundheitsmanagement.

genannte Demografie-Management eine hohe Leistungsrelevanz, ins-

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besondere bei der Innovationsstärke.

10

Wir handeln 2/18


Vertriebsschulung

Schlagkräftiger Verkauf Die Zeiten im Vertrieb sind schwieriger geworden. Nicht nur sind Kun-

komplett verändert. Das Rüstzeug des Vertriebsmitarbeiters ist dabei

den heute anspruchsvoller, auch die Digitalisierung setzt Vertriebs-

noch immer das gleiche, es gilt nur, den Einsatz gezielt der neuen

mitarbeiter unter Druck. Die eigenen ERP-Systeme, die erhöhte Trans-

Situation anzupassen. Handel Schweiz bietet dazu Hand und unter-

parenz über Produkte und Preise und professionelle Einkäufer machen

stützt Vertriebsmitarbeiter mit einem Kursangebot für den durch-

das Geschäft zunehmend schwieriger. Zudem haben sich klassische

schlagenden Vertriebserfolg.

Vertriebskanäle wie Messen oder die klassische Aussendienstarbeit

11.09.2018

Verkaufstraining: «Differenzierung im Wettbewerb - Lösungen verkaufen»

Hotel Sommerau-Ticino Dietikon

Direkter Link zur Anmeldung

Im Verkauf von Industriegütern und Industriedienstleistungen sind

Nicht alle Vertriebsmitarbeiter haben erkannt «der Kunde braucht kei-

Produktschulungen beliebte und oft einzige Qualifizierungsmass-

nen Bohrer, er braucht ein Loch». Und: «Mache Deinen Kunden erfolg-

nahmen. Dies führt dazu, dass VerkäuferInnen fleissig Produkte ver-

REICH!» – nur die für den Kunden «echte» Lösung führt zu Kunden-

kaufen, obwohl die Marketingabteilungen von Lösungen sprechen.

zufriedenheit und Kundenbindung.

12.09.2018

Verkaufstraining «Verhandeln durch die Brille des Einkäufers»

Hotel Sommerau-Ticino Dietikon

Direkter Link zur Anmeldung

Einkäufer machen ihren Job und es liegt in der Natur der Sache, dass

Preis den richtigen Stellenwert zuzuweisen. Denn beide Parteien soll-

die damit verbundenen Ziele beim Vertrieb zum Teil in gegensätz-

ten akzeptieren: Leistung muss seinen angemessenen Preis haben.

lichen Interessen münden. Gegensätzlich sind meist die Preisvorstellungen, gemeinsam ist beiden das Interesse an einem guten Pro-

Allen Beteiligten sollte von Anfang an klar sein: Letztendlich haben

dukt und einer guten Leistung. Im Verkaufsprozess ist es deshalb

beide längerfristig nur Erfolg, wenn es zu einem WIN-WIN-Ergebnis

wichtig, die gemeinsamen Schnittstellen zu erweitern und dem

kommt.

Achtung: Erster komplett digitaler und interaktiver Vertriebslehrgang in der Schweiz

«Ich habe keine Zeit für einen Schulungstag» - Ein Argument was Handel Schweiz nicht mehr gelten lässt. Mit der TQS Angebotsprofi bietet Handel Schweiz einen vollständig digitalen Kurs an. Sie entscheiden, wann und wie lange Sie sich dem Kurs widmen. Sie machen dies an Ihrem Schreibtisch oder zuhause mit dem Tablet und erfahren so, wie Sie Angebote verkaufsorientiert gestalten oder den Nachfassprozess optimal organisieren. Zudem erhalten Sie durch die Kurse eine personalisierte Checkliste für die eigene Arbeit.

«Ich war sehr skeptisch, bin aber absolut positiv überrascht wor-

Weitere Informationen erhalten Sie über

den. Ich habe zusätzliche Aufträge gewonnen und sogar verloren

www.handel-schweiz.com/TQS

geglaubte Aufträge zurückgeholt. Mir gefällt besonders, dass ich mich dann weiterbilden kann, wenn ich den Kopf dafür frei Direkter Link

habe.

»

Alexander Lindner, Ammon Baubeschlag Handel

zur Website Wir handeln 2/18

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Grundbildung

Korrigieren, was ein Spass!

Bis eine schriftliche Prüfung fair und seriös korrigiert worden ist,

gut steuern. Das Sekretariat organisierte gleichzeitig den Druck und

müssen viele gute Leute denken, entwickeln, organisieren und

den Versand der Prüfungsbögen, damit am Tag X jeder Lernende vor

vollen Einsatz geben. Zum Glück arbeiten für die Branche Handel

«seiner» Prüfung sitzen und pünktlich um 9 Uhr starten konnte.

solche Leute! Prüfungen im Fliessbandverfahren Wie jedes Jahr haben auch 2018 Anfang Juni die gut 400 Lernenden

Aber die Lernenden waren nicht die ersten Personen, die die Fragen

der kaufmännischen Branche Handel eine zweistündige schriftliche

zu Gesicht bekommen haben. Schon zwei Tage vor dem Termin hat

Prüfung als Teil ihres Qualifikationsverfahrens absolviert. Einen Tag

das Briefing der Teamleiter stattgefunden: Jeder Autor von Prüfungs-

später haben sich in Zürich über sechzig und in Lausanne gut zwanzig

fragen nahm mit den Leitern der Teams, die «seine» Fragen korrigie-

Korrektorinnen und Korrektoren getroffen, um all das Geschriebene

ren werden, Kontakt auf und besprach mit ihnen die Frage und die

kritisch unter die Lupe zu nehmen und bis am Ende des Tages valab-

Musterlösungen. Dank dieser vorgängigen inhaltlichen Abstimmung

le, also faire, einheitliche und nachvollziehbare Ergebnisse – sprich:

konnten die Teamleiter die Antworten auch noch auf Herz und Nieren

Noten – zu erzielen.

prüfen und am Korrekturtag selber ihre Teams schnell instruieren, die gemeinsame Linie festlegen und dann Hunderte von Prüfungen im

Das Richtige vom Falschen trennen

Fliessbandverfahren effizient korrigieren.

Dieser Korrekturtag musste natürlich sehr gut vorbereitet werden: Damit auf jeder einzelnen der 11'000 vollgeschriebenen Seiten das

Danke an die Lehrbetriebe!

Richtige vom Falschen getrennt und die entsprechenden Punkte ver-

Dass uns die Lehrbetriebe diese Fachleute Jahr für Jahr zu Verfügung

geben werden können, ging die Planung schon im Oktober 2017 los.

stellen, ist nicht selbstverständlich, dass diese immer so motiviert

Die QV-Kommission und das Branchensekretariat arbeiteten parallel:

mitarbeiten, ist toll! Die geringe Fluktuation der Korrektorinnen und

Während die Prüfungsfragen entwickelt wurden, erfolgte bereits eine

Korrektoren ist sicher ein Zeichen der Zufriedenheit mit der guten

provisorische Zusammenstellung der Korrekturteams. Ziel war es, die

Organisation.

Fachpersonen den Fragen zuzuteilen, für die sie das beste Wissen mitbringen.

Von der Pflicht zur Freude Wenn also die Vorbereitungen gut ablaufen und man auf einen gros-

Musterlösungen

sen Pool von motivierten und fachlich starken Leuten aus den Be-

Nachdem im Januar die Prüfungsserie definitiv erstellt worden ist,

trieben zurückgreifen kann, dann wird sogar eine eigentlich trockene

konzentrierte sich das Autorenteam auf die Musterlösungen. Mit Hilfe

Arbeit wie die Prüfungskorrekturen interessant und bereichernd und

dieser kann man die Einheitlichkeit und die Strenge der Korrektur sehr

macht allen Beteiligten Spass!

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Wir handeln 2/18


Höhere Berufsbildung

Profis prüfen Profis Wenn eine angehende Aussenhandelskauffrau zur Prüfung an-

branche ihr berufliches Know-how zur Verfügung zu stellen und den

tritt, sitzen ihr Personen gegenüber, die von der Materie sehr viel

zeitlichen Aufwand leisten können. Immerhin geht es um die Weiter-

verstehen. Nur so kann die Qualität der Abschlüsse sichergestellt

bildung unseres Fach- und Führungspersonals.

werden. Die grösste Herausforderung für die Prüfungsorganisation war es, Handel Schweiz und Swissmem, zwei starke Aussenhandelsverbände,

einen grossen und stabilen Expertenpool mit den oben aufgezählten

prüfen seit 2014 die Aussenhandelskauffrauen und -männer und die

Qualitäten aufzubauen. Natürlich konnten viele gute Fachleute von

Aussenhandelsleiterinnen und -leiter. Total treten pro Jahr gut 140

den Vorgängerprüfungen übernommen werden. Aber einige genügten

junge Berufsleute an, um einen eidgenössisch anerkannten Abschluss

den Ansprüchen nicht und andere mussten altershalber in den wohl-

zu erwerben. Wer aber hat die fachliche Kompetenz, Leute zu prüfen,

verdienten Ruhestand verabschiedet werden. Durch kontinuierliche

die sich im Beruf und in den Vorbereitungskursen intensiv mit den ver-

Rekrutierung, ein umfassendes Schulungsangebot und eine professio-

schiedenen Themen des Aussenhandels auseinandergesetzt haben?

nelle Betreuung kann die Prüfungsleitung heute genügend Fachleute einsetzen, die das Prädikat «sehr gut» verdienen.

Die Antwort gibt wieder einmal unser bewährtes und praxisnahes Milizsystem: Personen, die auch schon lange in Handelsfirmen arbei-

Denn schlussendlich ist es von grösster Wichtigkeit, dass in dieser

ten und über ein breites Wissen und Können verfügen.

Funktion Personen eingesetzt werden können, die dem Niveau der Ausbildung gerecht werden. Nur so kann die Qualität der Abschlüsse

Was für einen Rucksack müssen unsere Prüfungsexpertinnen und

auf dem heutigen hohen Niveau gehalten werden und die Wirtschaft

Experten mitbringen? Zentral ist natürlich, dass sie über eine gros-

hat die Gewissheit, dass diese eidgenössisch anerkannten höheren

se, praktische Berufserfahrung im Aussenhandel verfügen. Mit Vor-

Berufsprüfungen halten, was sie versprechen.

teil nehmen sie in der Firma eine leitende Position ein, sind Teamoder Abteilungsleiter oder sogar in der Geschäftsführung. Aber die

Kontakt:

Ansprüche sind noch höher: Unsere Experten müssen die geschäft-

Stefan Würth, der Prüfungsleiter der Aussenhandelsprüfungen, steht

liche Kommunikation beherrschen und beurteilen können. Natürlich

Ihnen sehr gerne für Fragen oder Bemerkungen zur Verfügung:

müssen sie auch bereit sein, diesem wichtigen Bereich der Handels-

info@epah-efce.ch, 044 888 7200

Impressum Herausgeber: Handel Schweiz, Postfach, Güterstrasse 78, 4010 Basel • Auflage: 5'000 Ex. • Sprachen: Deutsch, Französisch Inserate/Werbung: Tel. +41 61 228 90 30, E-Mail: werbung@handel-schweiz.com Konzept, Design, Redaktion: Iris Wirz c&p communications, iriswirz.com

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Welthandel

Chancen vs. Risiken Das internationale Umfeld ist für die Schweizer Exportindustrie

sen sich der gestiegenen Risiken bewusst sein und sollten sich gezielt

nach wie vor günstig. Die hohe Dynamik im Aussenhandel scheint

dagegen absichern.»

sich trotz politischer Turbulenzen fortzusetzen. Dazu leisten die Schweizer KMU einen wichtigen Beitrag. Passende Instrumente

Wie gegen Risiken absichern?

zur Zahlungs- und Leistungssicherung im grenzüberschreitenden

Gerade für KMU stellt sich die Frage, wie sie ihre Widerstandskraft

Warenverkehr unterstützen sie dabei. Solche Absicherungs-

gegen Risiken wie zum Beispiel Zahlungs- oder Leistungsausfälle stär-

lösungen sollten von Spezialisten für jedes Handelsgeschäft indi-

ken können. Der Grund: Bereits ein einzelnes schwieriges Handels-

viduell erarbeitet werden.

geschäft kann die Risikoexposition des Unternehmens stark erhöhen, während Grosskonzerne solchen Klumpenrisiken weniger stark ausgesetzt sind. Eine wichtige Rolle bei der Absicherung gegenüber Handelsrisiken kommt den verschiedenen Instrumenten des Trade Financing zu. Ein Beispiel dafür ist das Dokumenteninkasso. Dabei werden dem Käufer die für die Eigentumsübertragung notwendigen Dokumente unter Mitwirkung einer Bank erst übergeben, wenn der Kaufpreis entrichtet ist. Für Aussenhandelsgeschäfte mit Kunden oder Lieferanten in risikobehafteten Ländern ist ein Akkreditiv das richtige Instrument, um die Gefahr eines Ausfalls zu minimieren: Das Export-Akkreditiv stellt sicher, dass das exportierende KMU für eine vertragsgemässe Lieferung den

Fabian Fischer, Leiter Unternehmerbank, Luzerner Kantonalbank

vereinbarten Kaufpreis bei Vorlage von vertraglich festgehaltenen Dokumenten erhält. Auf diese Weise kann das Unternehmen das Waren-

Die Zahlen vieler Branchenverbände unterstreichen es: Die Schweizer

abnahmerisiko ausschalten, und die Planung der Liquidität wird stark

Wirtschaft verzeichnet sowohl beim Export als auch beim Import sehr

erleichtert. Ein weiteres Beispiel für die Leistungen der LUKB im Trade-

positive Entwicklungen. Die Exporte legten im ersten Quartal 2018

Finance-Bereich sind Bankgarantien oder die Schweizerische Export-

um 0,2% zu. Die Importe stiegen im selben Zeitraum gar um 4,1%.

risikoversicherung (SERV), welche durch eine öffentlich-rechtliche An-

Dieses Wachstum der Handelsströme aus der und in die Schweiz ist

stalt des Bundes sichergestellt wird.

geographisch und branchenmässig breit abgestützt. Und doch herrscht im aktuellen politischen Umfeld eine gewisse Verunsicherung. Die

Individuelle Lösung entwickeln

Einführung neuer Zölle durch die US-Regierung und die Gegenmass-

«Patentlösungen gibt es im Trade Finance nicht», sagt Fabian Fi-

nahmen der betroffenen Handelspartner wie China, Kanada und die EU

scher. Jedes Handelsgeschäft und jede Konstellation von Käufer und

zeigen auf verschiedenen Ebenen Wirkung und veranlassen Handels-

Verkäufer ist einzigartig und muss spezifisch betrachtet werden. Die

akteure, ihre Strategie und ihre Entscheidungen zu überdenken.

Unternehmerbank der Luzerner Kantonalbank analysiert deshalb jedes Geschäft zusammen mit dem beteiligten Kunden genau und erarbeitet

Bereits bemerkbar im Welthandel sind beispielsweise Änderungen der

die optimale Absicherungslösung. Oft handelt es sich um eine Kom-

Handelsströme und -volumen. Gewisse Exporteure und Importeure

bination von verschiedenen Instrumenten. Darüber hinaus unterstützt

sind gezwungen, sich neu zu orientieren und in andere Länder aus-

die Unternehmerbank ihre Kunden auch aktiv bei der Erstellung der

zuweichen. Dies bekommen auch viele Schweizer Unternehmen zu

relevanten Dokumente.

spüren. Fazit: Die nach dem Frankenschock überwunden geglaubte Volatilität ist zurück im Alltag der einheimischen Wirtschaft – die Ri-

Dass es dafür neben Kompetenz auch ein schnelles, unkompliziertes

siken im grenzüberschreitenden Warenverkehr sind teilweise deut-

und agiles Vorgehen braucht, ist selbstverständlich. Nur so kann die

lich gestiegen. Fabian Fischer, Leiter Unternehmerbank der Luzerner

Unternehmerbank der LUKB dazu beitragen, dass ihre Kunden die

Kantonalbank, fasst zusammen: «Die Unternehmen können weiterhin

Chancen im internationalen Geschäft wahrnehmen können – und trotz-

von einer positiven Stimmung im Welthandel ausgehen; doch sie müs-

dem ruhig schlafen.

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Wir handeln 2/18


Trends

Die Change-Lokomotive gativ beeinflussen können. Dabei zählen der technologische Wandel und die Veränderung der Kundenbedürfnisse zu den wichtigsten Treibern von Veränderungen (vgl. Abbildung 1). Dies gilt gleichermassen für Unternehmen aus dem Handel. Wenn man jedoch die weiteren Treiber von Veränderungen speziell für den Handel betrachtet, ist es vor allem die Konkurrenz aus dem Ausland, die Veränderungen vorantreibt bzw. nötig macht. Mit ausländischen Konkurrenten sind u. a. Unternehmen aus dem Onlinehandel, wie z. B. Zalando, gemeint, die bei der Lieferschnelligkeit hohe Standards setzen, so dass Kunden dies zunehmend als Basisanforderung auch von Schweizer KMU erwarten. Veränderungen auf Kundenseite Auf Kundenseite spielen die Veränderungen bei den Kundenbedürfnissen für alle Unternehmen eine grosse Rolle, wobei die Vielfalt bei den Bedürfnissen als Herausforderung gesehen wird (vgl. Abbildung 2). Dies gilt in gleichem Masse für Handelsunternehmen. Im Vergleich ist der Handel aus Sicht der befragten Unternehmen von einigen Veränderungen stärker betroffen. Aus Sicht der Handelsunternehmen Eine von der FHS St.Gallen durchgeführte Untersuchung (KMU-Spie-

üben Kunden grösseren Druck bei Preisverhandlungen aus, da viel-

gel 2018) beschäftigte sich mit der Frage, welche Chancen und Risiken

fach die Möglichkeit besteht, online Preise zu vergleichen. Gleichzeitig

Veränderungen für Schweizer KMU bedeuten. Zentrale Fragen waren

sind die Kunden aber auch weniger loyal und wechseln häufiger den

unter anderem: Wie haben sich die Branchen in den letzten Jahren ver-

Anbieter, so dass der Aufbau einer engen persönlichen Beziehung zum

ändert? Was sind die zentralen Treiber für diese Veränderungen? Was

Kunden schwieriger wird. Aus dem Grund legen Handelsunternehmen

bedeuten die Veränderungen für Schweizer KMU? Dabei ging es auch

ihren Schwerpunkt darauf, den direkten Kontakt zum Kunden zu er-

um die Frage, wie Unternehmen Veränderungen generell beurteilen.

halten. Bei den Interviews mit Vertretern aus dem Handel wurde deut-

Von gut der Hälfte aller befragten Unternehmen (52%) werden diese

lich, dass es besondere Erlebnisse braucht, um

eher als Chance wahrgenommen. Bei den Befragten aus dem Handel

Kunden an sich zu binden und sich vom

ist dieser Anteil etwas geringer und liegt bei 42%.

Wettbewerb abzuheben.

Treiber von Veränderungen Für Unternehmen haben Veränderungen eine grosse strategische Be-

Direkter Link

Download der kompletten Studie:

Abb. 1: Welches sind wichtigsten 1: Welches sind die wichtigsten Treiber für deutung, sie die langfristige positivfür oder ne- Abb. zur Studie www.fhsg.ch/kmu-spiegel Abb. 1: da Welches sind die dieWettbewerbsfähigkeit wichtigsten Treiber Treiber für Veränderungen in Ihrem Unternehmen? Veränderungen in Ihrem Unternehmen? Veränderungen in Ihrem Unternehmen? Abb. 2: Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Veränderungen auf Kundenseite? Technologischer Technologischer Wandel Wandel

50% 50%

Veränderung der der Kundenbedürfnisse Kundenbedürfnisse Veränderung Neue gesetzliche gesetzliche Vorschriften Vorschriften Neue

29% 29%

Konkurrenz aus aus dem dem Inland Inland Konkurrenz

22% 22%

10% 10%

12% 12%

Demografische Entwicklungen Entwicklungen Demografische

12% 9% 12% 9%

Gesamt Gesamt

47% 47%

29% 29%

Veränderung der Kundenbedürfnisse

56%

2

28% 28%

Handel Handel

Welches sind die wichtigsten Treiber für Veränderungen in Ihrem Unternehmen?

4

3

Konkurrenz aus dem Ausland

29%

Konkurrenz aus dem Inland

22%

Wir suchen nach Möglichkeiten, um Varianten unseres Leistungsangebots günstiger anbieten zu können.

10%

12%

Demografische Entwicklungen

12%

Eine enge persönliche Beziehung zum Kunden aufzubauen, ist schwieriger geworden. Quelle:Quelle: KMU-Spiegel (2018) (2018) KMU-Spiegel

Gesamt Gesamt

5

47%

29%

15%

Entwicklung des Wechselkurses 9%

51%

38%

16%

Wir konzentrieren uns stärker darauf, einen direkten Kontakt zum (End-)kunden zu haben.

Unsere Kunden wechseln schneller den Anbieter als früher.

50% Stimme voll und ganz zu 49%

Die Bedürfnisse unserer Kunden sind vielfältiger geworden.

Unsere Kunden üben bei Preisverhandlungen grösseren Druck aus.

Quelle: KMU-Spiegel (2018) Quelle: KMU-Spiegel (2018)

Wir handeln 2/18

1

Konjunkturelle Einflüsse

15% 15%

Entwicklung des des Wechselkurses Wechselkurses Entwicklung

Stimme Technologischer Wandel überhaupt nicht zu

Neue gesetzliche Vorschriften

38% 38%

16% 16%

Konkurrenz aus aus dem dem Ausland Ausland Konkurrenz Konjunkturelle Einflüsse Einflüsse Konjunkturelle

56% 56%

51% 49% 51% 49%

28%

Handel Handel

2

1 1

Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Veränderungen auf Kundenseite?

15


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Der Handel ist im Wandel. Bewegen Sie mit! Als Mitglied von Handel Schweiz nehmen Sie Einfluss auf die Entwicklung. Sie stärken die Stimme des Handels. Sie treten für faire Rahmenbedingungen im Handel ein. Sie gewinnen konkrete Vorteile über Dienstleistungen.

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Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber

mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine

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liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein.

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Eine Mitgliedschaft bei Handel Schweiz bringt eine ganze Palette von Dienstleistungen

das Mitglied administrative und soziale Vor-

träge, bei denen jedes Mitglied und dessen

mit sich: die politische Interessensvertretung,

teile. Ein zentraler Punkt von Handel Schweiz

Angestellte, das Personal der Mitgliedfirmen,

die bis zur Rechtsberatung gehen kann oder

ist die Ausbildung. Dezentral werden in der

von Krankentaggeld und Krankenpflege pro-

bis zur Hilfestellung im Umgang mit Be-

ganzen Schweiz KV-Lehrlinge ausgebildet.

fitieren können. Weitere Dienstleistungen

hörden. Zu den geldwerten Dienstleistungen

Die Lehrlinge werden in Handelsfragen ge-

im Sachdienstleistungsbereich: Brokerdienst-

zählen insbesondere das Sozialwerk, die

schult und als Kaufleute fit gemacht. Ein

leistungen oder ein DPD-Rahmenvertrag für

Ausgleichskasse, die BVG-Stiftung und die

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