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Das Magazin des Schweizer Handels Expertenwissen

Konsumentenforum

Unternehmer

Handel Schweiz intensiviert das Angebot. Seite 8

55 Jahre für den mündigen Konsumenten. Seite 12

Was geht im Handel vor? Vier Zitate. Seite 14

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Freihandel reloaded Die Transformation der Gesell-

tragbaren Krankheiten ab. We-

schaft, ist in vollem Gang. Dabei

niger Kinder sind unterernährt.

sind Globalisierung und Digitali-

Die Veränderungen hinterlassen

sierung nur zwei Stichworte. Sehr

aber auch Verlierer. Das darf nicht

viele Aspekte sind positiv. So ist

ignoriert werden. Ganz wichtig

nach Angaben der Weltbank die

sind daher mehr Investitionen

extreme Armut 2015 erstmals

in und Anstrengungen für die

unter 10% gesunken. 1999 wa-

Bildung.

ren es noch 29%. 2030 soll die

kommen sollten auch USA und

extreme Armut ausgerottet sein.

Russland ins Visier nehmen. Denn

Gute Entwicklungen auch bei der

Abschottung ist nicht die Lösung

Gesundheit: Zwischen 1990 und

– Freihandel schon. Interview mit

2015 nahm die Zahl der über-

Kaspar Engeli. Seite

Neue

Freihandelsab-

2

Ausbildung

Kursangebot aktuell

Blumenhandel

Lernende im Handel werden fit für die Digi-

Weiterbildung für erfahrene Mitarbeitende:

Der Mitgliederverband des Schweizerischen

talisierung – das ist eine Aufgabe der Ausbil-

Verkauf, Unternehmensführung, Digitalisie-

Blumengrosshandels stellt sich vor.

dung. Seite

rung. Seite

Seite 15

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Herausforderungen

Editorial Mehr Bildung Interview mit Kaspar Engeli, Direktor Handel

Zalando; das wäre grotesk. Diese Plattformen

Schweiz

spiegeln im Prinzip den Grosshandel wider und einzelne Webshops den Detailhandel.

Der Ständerat berät, inwieweit

Für den Konsumenten sind diese Plattformen

Plattformen wie booking.com in

sehr benutzerfreundlich und preiswert. Des-

Zukunft in der Schweiz begrenzt

halb ist es der Wettbewerb, der entscheiden

werden können. Was sagen Sie dazu?

muss, aber sicher nicht die Politik mit Geset-

Gewisse Kreise aus Gastronomie und Hotel-

zen. Was würde ich damit bewirken? Als Kon-

Handel Schweiz als Dachverband für rund

lerie laufen Sturm, denn sie sind empört und

sument gehe ich dann einfach auf die deut-

4’000 Handelsbetriebe und den Handel

wollen Plattformen wie booking.com ver-

sche Plattform und suche dort.

in der Schweiz verfolgt die politische und

bieten. Das sind Tendenzen, die grundfalsch

wirtschaftliche Situation aktiv und intensiv.

sind. Erstens haben wir das UWG , das Kartell-

Im Moment gerät der Freihandel immer

gesetz. Zweitens sind diese Plattformen von

stärker unter Druck. Für die Schweiz ist

Wir werden uns auch in diesem Jahr ein-

Zalando über booking.com bis Airbnb einfach

er aber überlebenswichtig. Was kann die

setzen für den Freihandel, für Freihandels-

Realitäten. Der Staat kann das nicht einfach

Schweiz tun, um ihre Bestrebungen im

abkommen, für Marktöffnungen sowie für

verbieten. Stellen Sie sich vor, das Bundes-

Thema Freihandel zu bestärken?

den Abbau von Handelshemmnissen und

gesetz gegen Uber, das Bundesgesetz gegen

Im Moment ist es en vogue, gegen den

Bürokratie. Ausbildung ist weiterhin zentral. Wir forcieren die Weiterbildung und bauen die Erwachsenenbildung aus. Und: Wir sind immer für die Mitglieder da – sei es mit Rechtsauskünften und politischen Auskünften, der Ausgleichskasse oder mit Dienstleistungen rund um Versicherungen. Wir bieten Fakten: 2017 wird die Studie «Facts and Figures» aktualisiert. Auch das World Café zum Thema Waste wird spannend! Sie sehen: Handel Schweiz ist auch 2017 engagiert für Sie unterwegs. Ich wünsche Ihnen spannende Anregungen bei der Lektüre von «Wir handeln».

Kaspar Engeli Direktor Handel Schweiz

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Wir handeln 1/17


Herausforderungen

Freihandel Sturm zu laufen. Protektionismus ist das Zauberwort der

durch die Technologisierung auf der Strecke geblieben sind?

Stunde. Das ist eine fatale Entwicklung. Der Freihandel ist nicht aus

Die Technologisierung hat schon dazu geführt, dass gewisse Kreise

Selbstzweck erfunden wurden, sondern bedeutet für Staaten und Kon-

vermehrt negativ davon betroffen sind. Das Rezept dagegen kann

sumenten einen Vorteil. Und zwar durch Arbeitsteilung und günstigere

aber nicht sein, die Technologisierung zu verbieten. Die Antwort da-

Beschaffung. Die Schweiz verdient 50% im Ausland. Hätten wir das

rauf muss eine intelligente und auf Jahrzehnte ausgerichtete Bildungs-

nicht, wäre unsere Volkswirtschaft nur halb so reich. Wir brauchen

politik sein. Chancengleichheit im Zugang zu Aus- und Weiterbildung

den Freihandel also, um diesen Wohlstand zu erhalten und damit wir

ist dabei zentral. Das gibt jedem die Möglichkeit und Zufriedenheit, an

exportieren und günstig importieren können. Heute ist es bei gewis-

diesem Fortschritt teilhaben zu können. Wichtig ist die Stärkung der

sen Regierungen sehr populär, Protektionismus zu propagieren. Ganz

dualen Berufsbildung.

nach dem Motto: «America First» und «Grenzen zu, dann geht es allen gut». Das ist ein fataler Irrtum und das Gegenteil wird der Fall sein.

Welche Massnahmen sollte dann Ihrer Meinung nach die

Es stimmt, viele Arbeitsplätze gingen mit der Globalisierung verloren,

Schweiz ergreifen, um den Freihandel noch mehr zu stärken?

aber sie sind an einem anderen Ort entstanden. Ein mindestens gleich

Die Schweiz unterhält heute mit 38 Staaten Freihandelsabkommen.

grosser Treiber ist die Technologisierung. Wenn Firmen zurückkommen

Diese sind lebenswichtig. Allen voran natürlich mit der EU, unserem

oder dank des Protektionismus angesiedelt werden, dann wird das

absolut wichtigsten Handelspartner. Da diskutiert man momentan

nicht grosse Auswirkungen auf die Arbeitsplätze haben. Wird heute

über ein Rahmenabkommen. Wichtig ist es, mit der EU langfristig sta-

nämlich investiert und werden neue Firmen gebaut, ist das ohne Be-

bile, zuverlässige Beziehungen zu haben. Umso mehr, weil in ganz

schäftigte. Das ist Hochtechnologie; für den Einzelnen bringt das über-

vielen anderen Teilen der Welt, wie in den USA, Russland, Türkei und

haupt nichts. Protektionismus ist ein Weg zurück in die wirtschaftliche

China, Unsicherheiten entstehen. Es entstehen Vakua, bei denen es

Steinzeit, und das kann niemand wirklich wollen.

heute noch unklar ist, wie sie gefüllt werden. Für andere Gebiete heisst es nun, Freihandelsabkommen zusätzlich auszubauen. Vor al-

Man sagt schon seit über zwanzig Jahren, dass Blue Collar

lem das Freihandelsabkommen mit Russland, das auf Eis liegt, soll

Worker verschwinden werden. Das sind die Leute, die im

wiederaufgenommen werden. Man muss darüber diskutieren und

sogenannten Rust Belt oder im Ruhrgebiet ihre ursprünglichen

herausfinden, wie breit der Handlungsspielraum für Verhandlungen

Jobs verloren haben. Gibt es in der Schweiz auch Leute, die

ist und sich dann rasch in Position bringen. Auch mit den USA sollte

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Herausforderungen

man wieder über ein Freihandelsabkommen diskutieren, wie man das

Die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage ist grossen

2003 bis 2006 gemacht hat. Das war ein unterschriftsreifes Abkom-

Unsicherheiten ausgesetzt. Auf welche Stärken muss sich die

men, aus dem sich die Schweiz zurückgezogen hat. Im Nachhinein ein

Schweiz besinnen, damit sie ihre Position halten oder ausbauen

fataler Fehler.

kann? Wenn man sich auf der Welt umschaut, bestehen momentan sehr

Das Freihandelsabkommen mit China steht immer mehr unter Druck,

viele Unsicherheiten. Das ist bei weitem mehr als nur die neue Ad-

weil man riesige Erwartungen daran hat. Die kleine Schweiz hat ein

ministration im weissen Haus. Dazu zählen natürlich auch die Politik

Freihandelsabkommen mit der grössten Volkswirtschaft, 1.5 Milliar-

in Osteuropa, in Russland. Was Erdogan vorhat, ist völlig unklar. Auch

den Leute, und jetzt passiert etwas Unglaubliches. Das ist natürlich

in Europa selber besteht die Unsicherheit darüber, wie lang die itali-

aus mehreren Gründen nicht so. Es braucht lange Zeit, bis man ein

enischen Banken noch überleben werden. Im Mai sind die Wahlen in

sehr bürokratisches Land wie China mit einem Freihandelsabkom-

Frankreich; da ist es denkbar, dass es eine ähnlich fatale Entscheidung

men in Bewegung setzen kann. Es ist aus chinesischer Sicht das ers-

geben wird wie in Washington. Die Schweiz ist inmitten dieser Unsi-

te Freihandelsabkommen mit einem europäischen Staat. Sie müssen

cherheiten, aber sie ist nicht Treiber dieser Entwicklungen. Das Einzi-

üben, denn für sie ist das neu. Vor allem ist eine sehr lange Staffelung

ge, was wir also machen können ist, uns auf unsere Stärken besin-

vorgesehen, von bis zu 18 Jahren. Es geht also nicht am ersten Tag los,

nen. Das heisst: Die Politik berechenbar und stabil halten. Allem voran

sondern das sind Zollreduktionen, von zum Teil nur ein, zwei Prozent.

steht die duale Berufsbildung. Wir müssen sie hochhalten, ausbauen

Das Freihandelsabkommen ist ausgelegt auf 15 bis 18 Jahre. Erst dann

und fördern – auch als Exportmodell. Für viele Staaten und Länder ist

wird es die volle Wirkung entfalten. Wichtig bei allen Freihandelsab-

das ein interessantes Modell. Wir müssen zusehen, dass wir das Ge-

kommen ist, dass sie vor allem auch kleine Firmen aktiv nutzen und

sundheitswesen im Griff behalten, dass uns die Kostenexplosion nicht

diese heute noch sehr hohe Schwellenangst mehr und mehr ablegen.

umtreibt. Die Türen offenhalten und Freihandelsverträge weiterleben,

Sie müssen sich daran gewöhnen und informieren und Stück für Stück

ist wichtig. Und dies nicht aus Selbstzweck, sondern aus gegenseiti-

einen solchen Markt erarbeiten und erobern. Wir sind aber überzeugt,

gem Interesse. Das fatalste, das der Schweiz passieren könnte, sind

dass das Freihandelsabkommen mit China für die Schweiz ein Glücks-

Nachbarn, die sich protektionistisch verhalten. Stellen Sie sich vor, die

fall ist. Es hat Modellcharakter und bedeutet für die Schweiz auch,

USA oder ein europäisches Land beschliessen über Nacht 20% Import-

dass wir mit komplizierten und grossen Staaten verhandeln können.

zölle auf Pharmaprodukte. Das wäre für die Schweiz verheerend. Und

Mit Indien ist man auch daran, ein Freihandelsabkommen zu verhan-

das ist ja mittlerweile in der Welt, in der wir heute leben, durchaus

deln. Auch das ist sehr komplex, kompliziert und es ändern ständig

denkbar.

die Gesprächspartner. Aber auch da wird die Schweiz zu einem guten Resultat kommen, zum Nutzen von uns allen.

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Wir handeln 1/17


Herausforderungen

Wie können wir in der Schweiz gegen den Protektionismus

welches eine Chance für China bedeutet, das bisher nicht dabei war.

kämpfen?

Sie haben postwendend erklärt, sich überlegen zu wollen, da einzu-

Der inländische Protektionismus fängt an, indem das Parlament Ideen

steigen. Wenn man davon ausgeht, dass das so kommen wird, ist die

hat wie Internetplattformen zu verbieten. Das ist reiner Protektionis-

nächste grosse Achse in diesem Abkommen Japan-China. Das sind in-

mus. Das ist ähnlich wie in der Agrarpolitik, wo es einen Schutz gibt

teressante Perspektiven. Vielleicht entsteht da eine ganz neue Nach-

für 4% der Bevölkerung. Das ist nicht haltbar mit der Zeit. Wir müssen

barschaft, die bis anhin angespannt war. Wir leben heute im chinesi-

offen sein, der Markt muss liberal sein. Schlussendlich ist es der Kon-

schen Jahrhundert, das wird jetzt noch schneller Realität. Vor allem

sument, der entscheidet, was er will, wo er einkauft, in welcher Güte-

wenn China tatsächlich im pazifischen Raum das Zepter übernimmt.

klasse, zu welchem Preis. Und die Politik ist dazu da, möglichst breite

Findet diese Abkühlung zwischen China und den USA tatsächlich statt,

Rahmenbedingungen zu schaffen. Sie muss den 300’000 KMUs in der

wird sich einiges verändern. Denn verhalten sich die USA mehr und

Schweiz viel Handlungsspielraum geben und nicht weiter das Spielfeld

mehr protektionistisch, indem sie Mauern bauen und sich einigeln,

einengen. Nicht noch mehr Vorschriften erlassen und meinen, je mehr

dann wird plötzlich diese vielbesungene Seidenstrasse wieder Auf-

Vorschriften man erlässt, desto höher werde die Rechtssicherheit. Ge-

trieb erhalten. Und zwar indem sich China wieder mehr auf die andere

nau das Gegenteil ist der Fall. Die höchste Rechtssicherheit erlangen

Seite der Welt orientieren wird, nämlich nach Europa. Die Seidenstras-

sie durch eine gefestigte Praxis, wenige, aber akzeptierte Gesetze,

se wird dann eine Renaissance erfahren. Vielleicht auch schneller, als

Gerichtsbarkeit und klare Spielregeln.

wir denken. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

TTP ist eines der wichtigsten internationalen

Was hat das für Konsequenzen für die Schweiz?

Freiheitsabkommen, das in den letzten Jahren doch fast

Falls sich China immer mehr nach Europa orientiert, hat die Schweiz

bis zur Ratifizierung gekommen ist. Jetzt ist die USA aus TTP

eine vorteilhafte Position. Wir haben mit diesem Land nämlich bereits

ausgestiegen, was heisst das für die Zukunft des TTP?

ein Freihandelsabkommen. Man ist auf dem Radar ziemlich in der Mit-

Im pazifischen Raum gibt es das TTP. Teil davon waren die USA, Japan

te und gut positioniert. Das ist ein Vorteil, den die Schweiz hat und

und weitere asiatische Länder. Die neue Regierung in Washington hat

geschickt damit umgehen muss.

aber erklärt, das TTP auf Eis legen zu wollen. Da entsteht ein Vakuum, Impressum Herausgeber: Handel Schweiz, Postfach, Güterstrasse 78, 4010 Basel • Auflage: 5'500 Ex. • Sprachen: Deutsch, Französisch Inserate/Werbung: Tel. +41 61 228 90 30, E-Mail: werbung@handel-schweiz.com Konzept, Design, Redaktion: Iris Wirz c&p communications, iriswirz.com

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Ausbildung

Lernen digital Das Ausbildungsangebot bei Handel Schweiz ist stets am Puls der Zeit. Es orientiert sich am Stand der Digitalisierung in den Betrieben, um weiterhin hochaktuelle Angebote zu bieten. Auch das Branchensekretariat schöpft neue digitale Möglichkeiten aus: Seit

«

letztem Jahr mit dem Projekt «time2learn». Eine Datenbank für verschiedenste Handelsbetriebe und rund 450 Lernenden pro Jahr. Interview mit Ueli Stursberg, 1. Sekretär Handel Schweiz Wo liegt Ihr Verantwortungsgebiet bei

«

Handel Schweiz? Meine Hauptaufgabe liegt in der Ausbildung. Handel Schweiz ist in der beruflichen Grundbildung tätig. Das bedeutet, wir führen das

Sekretariat von einer kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranche: der KV Branche Handel. Gleichzeitig bin ich in der Trägerschaft für die höheren Fachausbildungen für Aussenhandelsfachleute und für Aussenhandelsleiter. Dann bietet Handel Schweiz ebenfalls ein breites Angebot an Tageskursen und Wochenkursen für Mitarbeitende von Handelsfirmen an. Das ist etwa das Tummelfeld, das ich mit meinen Mitarbeiterinnen abdecke. Digitalisierung ist ein wichtiges Thema. Wie wirkt es sich auf die Ausbildung aus? Die Digitalisierung hat bedeutende Auswirkungen auf die Ausbildung. Konkret gibt es da zwei Bereiche: Einerseits haben wir Handelsbetriebe, die mit digitalen Herausforderungen konfrontiert sind. Diese haben teilweise schon ganz neue Geschäftsmodelle mit digitaler Unterstützung entwickelt. Für uns ist es nun wichtig, dass solche Betriebe Lernende ausbilden. Das heisst, unsere Vorschriften und Qua-

Alle 450 neue Lernende wurden in eine einheitliche Datenbank auf-

litätsmerkmale für eine gute Ausbildung müssen für diese Betriebe

genommen. Wir haben die Betriebe darum gebeten, mit uns an einer

weiterhin stimmen. Wenn diese Betriebe aber sagen: «Wir arbeiten

einheitlichen Lösung zu arbeiten. Diese nennt sich: «time2learn». Das

und was ihr von uns verlangt, hat nichts mit unserer Arbeit zu tun»,

ist ein Produkt, das am Markt gekauft werden kann. Wir haben jetzt

dann können wir sie nachher nicht mehr ausbilden. Das wäre natürlich

den grossen Vorteil, dass alles in dieser Datenbank stattfindet. Unsere

fatal, denn das sind genau die Betriebe, die neue Geschäftsmodelle

Kurseinladungen, unsere Prüfungen, die betriebliche Ausbildung, die

mit digitalen Möglichkeiten entwickeln. Wir brauchen Personen, die

ganze Planung und Durchführung im Betrieb. Wir als Branchensekre-

in Zukunft dafür sorgen, dass auch im älteren und konservativeren

tariat können so nachschauen, was die Betriebe machen und wie sie

Handel neue Ideen Einzug halten.

es machen. Das ermöglicht uns, auf verschiedenen Wegen Einfluss zu nehmen. Wir können die Qualität besser kontrollieren und sind auf

Wie digital ist Handel Schweiz?

diese Weise so nahe an den Ausbildnern und Lernenden wie noch nie.

Der zweite Fragenkomplex zu Digitalisierung in der Ausbildung lautet:

Das bedeutet einen enormen Effizienzgewinn, der uns einen Schritt

Wie setzen wir als Branchensekretariat die Digitalisierung ein? Im 2016

vorwärts bringen wird. Das heisst: Auch die Lernenden der Jahre 2017

haben wir da in der Handelsbranche ein grosses Projekt gestartet.

und 2018 werden so erfasst – ab Sommer 2018 also alle 1'350.

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Wir handeln 1/17


Ausbildung

Das denken Lernende KV-Lernende im 3. Lehrjahr erzählen von ihren Erfahrungen.

«

Lehrreich

«

Selbstbewusst

Justin Sugaba (19), GWM Agency AG (ZH)

Kerim Principi (24), Gustoso AG, Fulenbach (SO)

«Ich finde alles in der Handelsbranche interessant.

«Durch meine Tätigkeit in der Handelsbranche habe

Sie ist äusserst lehrreich und stark in unserer Ge-

ich jetzt ein viel besseres Verständnis der Handels-

«

«

sellschaft verankert. Jedes Unternehmen und jeder

wege und vom Lebenslauf eines Produktes. Man

Mensch hat auf seine Art und Weise damit zu tun.

lernt, woher es kommt, was es alles braucht, da-

Der Handel ist einer der grössten Berufszweige, die

mit es bis in die Schweiz und anschliessend zum

es gibt und wird weiterhin wachsen. Man kann mit allem handeln, das

Kunden gelangt. Das finde ich faszinierend. Bislang konnte ich meine

fasziniert mich an meiner Arbeit. Ich rate jedem zu dieser Ausbildung,

Computerkenntnisse um Einiges verbessern. Ebenfalls habe ich ge-

da es ein guter Einstieg in die Berufswelt ist: Besonders für solche, die

lernt, selbstbewusster auf Personen zuzugehen und wie man erfolg-

später mal selbständig werden wollen. Ich nehme an, dass der On-

reich ein Telefongespräch führt. Ich denke, es werden in Zukunft vor

linehandel und die Verwendung von Bitcoins zunehmen werden und

allem Entwicklungen in Bezug auf die Transportmittel stattfinden. Die

dass sich der Handel dadurch auch künftig in eine positive Richtung

Transportwege werden möglicherweise vereinfacht.»

entwickeln wird.»

«

International

«

Umfangreich

Maurine Schaufelberger (19), Jelmoli (ZH)

Veronica Giusto (20), Traveco Transporte AG,

«Die Handelsbranche ist international und wird

Winterthur (ZH)

auch in der Öffentlichkeit sehr stark wahrgenom-

«Die Handelsbranche vereint zahlreiche unter-

«

«

men. Sie ist ausgesprochen vielfältig und abwechs-

schiedliche Bereiche, die zusammenwirken, um

lungsreich. Bislang habe ich in meinem Lehrbetrieb

den Warentransport möglich zu machen. Dies er-

in den verschiedenen Abteilungen gelernt, mich

laubt einem einen umfangreichen Einblick in die

selbst zu organisieren und viele Tätigkeiten auf einmal zu bewältigen.

ganzen Abläufe, die nötig sind. Ich war mir dieser früher gar nicht

Die ausgeklügelten Prozesse von der Beschaffung bis zur Herstellung

wirklich bewusst! Deshalb habe ich bis jetzt auch sehr viel gelernt. Vor

sind äusserst eindrücklich. Ich würde die Branche jedem empfehlen,

allem in Sachen Import, Export, Buchhaltung und Personalverwaltung.

der das Interesse dafür mitbringt. Die zukünftige Entwicklung des

Auch die Zusammenarbeit mit den Chauffeuren in meinem Unterneh-

Handels wird meiner Meinung immer stärker vom Internethandel und

men finde ich sehr interessant. Wer Interesse am Handel und seinen

der Digitalisierung geprägt sein.»

Abläufen hat und Freude am Kundenkontakt mitbringt, dem würde ich die Handelsbranche sehr empfehlen.»

«

Kommunikativ Stella Bongiovanni (18), Coop, Schafisheim (AG)

«

Aktiv Yanni Giaquinto (18), Fenaco Genossenschaft,

«Mich fasziniert die Handelskette: Wie die Ware

Winterthur (ZH)

von Produzenten, Grosshändlern und Detailhänd-

«Der Handel umfasst eigentlich alles, was mit dem

«

lern zum Endkonsumenten gelangt. Ich denke, in den nächsten Jahren wird vor allem das Lieferantenmanagement optimiert werden. Bis jetzt habe

«

internationalen oder nationalen Warengeschäft zu tun hat. Oftmals ist man dabei der Zwischenmann zwischen Kunden und Lieferanten. Diese Position

ich viel über die Logistik im Lager gelernt. An meiner täglichen Arbeit

geniesse ich, da der Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern für mich

bereitet mir der rege Kundenkontakt viel Freude. Gerne möchte ich

das Wichtigste an meiner Arbeit ist. Ich konnte bis jetzt auch wirklich

auch in Zukunft in dieser Branche bleiben und nach der LAP in mei-

viel lernen. Ich habe beispielsweise ein besseres Verständnis vom Wa-

nem Lehrbetrieb weiterarbeiten. Eine Lehre im Handel würde ich einer

renfluss, Währungen und Kursen und ein Know-how im Handeln von

kommunikativen, offenen Person empfehlen, die gerne auch Fremd-

Aktien und Waren. In meiner täglichen Arbeit gefällt mir das aktive

sprachen anwendet.»

Einkaufen und Verhandeln am meisten. Ich trage dort die Verantwortung, und das macht mir Spass.»

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Weiterbildung

Expertenwissen Die Digitalisierung hält Einzug in den Handelsunternehmen und

Unsere Studie hat gezeigt: Die Digitalisierung erhöht die Dringlichkeit

stellt eine grosse Chance dar: Findet man innovative Lösungen,

Expertenwissen in den Unternehmen zu haben. Es ist auch wichtig zu

können Kosten reduziert und ein Alleinstellungsmerkmal beim

lernen, wie man verkauft. In diesem Bereich bieten wir zukünftig deut-

Kunden erarbeitet werden. Handel Schweiz unterstützt die Unter-

lich mehr Weiterbildungskurse an. Wir werden gleichzeitig auch das

nehmen dabei tatkräftig und bietet vielseitige Weiterbildungen

Thema Digitalisierung begleiten und mit Informationsveranstaltungen

an. Sie wissen: Jetzt ist Expertenwissen gefragt.

Begrifflichkeiten klären. Wir möchten aufzeigen, wo Chancen und Felder

«

bestehen, in denen sich der Handel aktiv in das Thema einbringen kann. Interview mit Andreas Steffes, Sekretär Handel Schweiz

Was unterscheidet die Weiterbildungsangebote von Handel Schweiz speziell?

Was motivierte Handel Schweiz zur Studie

Unser Angebot ist sehr vielseitig: Wir bieten kurze, fokussierte und

zum Thema Digitalisierung?

kostengünstige Kurse an. Dieses Angebot wird durch viele Abendver-

In der Handelsbranche herrscht momentan

anstaltungen oder Veranstaltungen in den Morgenstunden ergänzt. So

grosse Verunsicherung in Bezug auf die Digi-

können auch Personen in Führungspositionen daran teilnehmen. Eine

talisierung. Handel Schweiz hat sich zur Stu-

weitere Chance sehen wir für uns in der Digitalisierung. Wir werden uns

die entschlossen, um etwas Klarheit in die Thematik zur bringen. Viele

in Zukunft noch mehr darum bemühen, an die Mitarbeiter in den Un-

Begriffe sind noch sehr vage und Unternehmen wissen nicht, wo sie

ternehmen heranzukommen. Dies, indem wir unsere Lehrinhalte zum

stehen. Wir wollten also gezielt Fragen stellen. Dies mit dem Ziel her-

Beispiel mit Webinar-Angeboten vermitteln.

«

auszufinden, was der Stand der Digitalisierung in Unternehmen ist und wo noch Informationsbedarf herrscht. Ein Webinar wird vom Schreibtisch aus besucht, ohne AnreiWorauf legen die Handelsunternehmen in der Digitalisierung

seaufwand. Benötigt werden lediglich PC und Kopfhörer oder

momentan ihre Schwerpunkte?

Lautsprecher.

Wir können zwei wichtige Trends erkennen: Einerseits gibt es starke Unternehmen, die sich auf den Bereich Kundenbindung, Marketing nach aussen und Webshop Lösungen fokussieren. Auf der anderen Seite sehen wir hingegen viele Unternehmen, die sich Gedanken über ihre internen Prozesse machen und diese deutlich verbessern. Sie richten sich stärker nach dem Kunden und seinen Bedürfnissen aus. So gehen sie vom eigentlichen Materiallieferer zu einem Serviceanbieter über. Dieser erreicht den Kunden durch Planung und Erweiterung des Angebots sehr viel besser. Was beeinflusst die Digitalisierung im Handel am meisten? Momentan wird die Digitalisierung stark vom Kostendruck beeinflusst. Wir sehen viele Handelsunternehmen, die sich zur Digitalisierung hinwenden mit dem Ziel, Kosten zu reduzieren. In der Schweiz ist das ein grosses Thema. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass ich mir gegenüber meinen Kunden durch elegante und interessante Lösungen ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten kann. Um zukünftigen Entwicklungen kompetent zu begegnen braucht es Wissen. Was unternimmt Handel Schweiz, um Mitglieder in diesem Bereich fit zu machen?

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Wir handeln 1/17


Weiterbildung

Kursangebot UnternehmensfĂźhrung Good Corporate Governance im Handel und die Haftbarkeit der Organe

22.03.2017

Die Schweizer Sozialwerke - Was Sie Ăźber die berufliche Altersversorgung als Unternehmer wissen sollten

28.03.2017 05.05.2017

Verkauf Professioneller Auftritt & Umgang mit Stil

28.03.2017

Digitalisierung Archivierung und Mehrwertsteuerrevision: Umsetzung in der Praxis

21.03.2017

Anmeldung unter: handel-schweiz.com/events

Wir handeln 1/17

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Weiterbildung

Corporate Governance

«

Interview mit Stefano Caldoro, Referent Wei-

Wo liegen die Vorteile?

terbildung: Corporate Compliance und Corpo-

Die Vorteile der Corporate Governance und Compliance liegen auf

rate Governance

der Hand. Nicht nur wird das Haftungsrisiko reduziert, vielmehr kann

«

die Compliance die Effizienz des Unternehmens steigern. Mit einem

Was wollen Sie den Teilnehmern durch

schlanken Compliance-Management bewirkt man klare Regeln, auf

Ihr Seminar mitgeben?

die die Mitarbeiter im Unternehmen vertrauen, Unsicherheiten ver-

Das Ziel des Seminars über Compliance und

meiden und schneller handeln können. So wird Compliance als ganz

Governance liegt nicht darin, einen Compli-

normale Managementaufgabe wahrgenommen und zu einem Be-

ance Officer auszubilden. Es geht vielmehr darum, die Aufmerksam-

standteil der Kultur des Unternehmens.

keit der Teilnehmer auf die Eckpunkte dieser Themen zu lenken. Welche Herausforderung hat in den letzten Jahren mehr an

Drei Begriffe sind dabei von Bedeutung: Bewusstsein, Basiskenntnisse

Bedeutung gewonnen?

und Interesse. Ich will ein Bewusstsein für die Verantwortung der Or-

Weg von prozesslastigen Compliance-Programmen zu integrierten

gane mitgeben. Der Verwaltungsrat ist für die Ausgestaltung einer gu-

Compliance-Management-Systemen. Diese sollen auf einer Complian-

ten Corporate Governance, den Ordnungsrahmen für die Führung und

ce-Kultur des Unternehmens basieren sowie das Management und die

Aufsicht von Unternehmen, zuständig. Zu seinen Führungspflichten

Mitarbeiter motivieren, ihren Beitrag zur Compliance und zum Schutz

gehört unter anderem die Sicherstellung der Compliance. Das meint

der Reputation des Unternehmens zu leisten.

die Befolgung von Gesetzen und internen Weisungen durch das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Ebenfalls bietet das Seminar einen

Was sollte in Bezug auf Corporate Compliance und Corporate

pragmatischen Überblick, um Governance und Compliance im eigenen

Governance verstanden werden?

Unternehmen auszuarbeiten oder weiterzuentwickeln.

«Good Governance» und «Compliance» sind keine Belastung für das Unternehmen, sondern führen zu einer Effizienzsteigerung, Begren-

Schlussendlich möchte ich das Interesse wecken und das Augenmerk

zung der Haftungsrisiken und Vorteilen aus einer guten Wahrnehmung

auf die Vorteile für das Unternehmen richten. Oft wird insbesonde-

seitens der verschiedenen Stakeholder. Das ergibt beispielsweise bes-

re die Compliance im Unternehmen als Last oder notwendiges Übel

sere Finanzierungsmöglichkeiten dank Transparenz und Kontrolle,

wahrgenommen. Das soll und kann sich ändern.

Gewinnung von talentierten jungen Mitarbeitern und Sicherstellung langfristiger Beziehungen mit Geschäftspartnern.

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Weiterbildung

Verkaufsworkshop

«

Interview mit Harald Klein, Referent Was wollen Sie den Teilnehmern in Ihrem Verkaufsworkshop vermitteln?

«

Im Workshop geht es grundsätzlich um die Erfolgsfaktoren in Vertrieb und Neukundengewinnung. Kalt-Akquise ist nicht sehr beliebt, und nur

wenige bauen diese Aufgabe wie selbstverständlich in ihr Tagesgeschäft mit ein. Wir erarbeiten gemeinsam, wie Akquise Spass machen und auch den Vertriebsalltag bereichern wird. Dazu brauchen wir ein schlüssiges Gesamtkonzept, das Wettbewerbskunden den Weg zu uns ebnet. In Kurzform: 1. Wer sind die richtigen Kunden? 2. Wie können wir Kalt-Kontakte vor unserem ersten Anruf professionell «anwärmen»? 3. Wie kann ich beim ersten Telefonat dem Kunden das Gefühl geben, dass es Sinn macht, sich mit mir an den Tisch zu setzen? Damit das funktioniert, bekommen die Teilnehmer in diesem Verkaufsworkshop einfach umsetzbare Gesprächsstrategien für die tägliche Praxis, die mehr Sicherheit und Souveränität vermitteln. Wichtig zu wissen ist: Was ist ein typisches Verhalten unserer Kunden und wo verstecken sich Ablehnungsfallen? Wir wollen in der Akquise nicht als Bittsteller dastehen, denn Bittsteller bekommen nur Almosen. Ziel ist jedoch ein Termin mit einem Gespräch auf Augenhöhe, als respektierter Geschäftspartner. Jeder kann mitnehmen, wie man das erreicht

lem Umfeld und besonderen Anforderungen zu tun. Wenn nicht alle

und auch schwierige Situationen mit Bravour meistert.

Kunden über einen Kamm geschoren werden, erweitert das den persönlichen Horizont, entwickelt Charakter und Persönlichkeit, wie fast

Welche Fähigkeiten sind speziell für den Verkauf wichtig?

kein anderer Beruf. Wer ausserdem nicht nur einfach Umsatz machen

Elementar ist eine positive Einstellung zu meinem Unternehmen und

und Produkte verkaufen will, sondern seine Vertriebsaufgabe pro-

meinen Leistungen. Glauben wir nicht selbst an unsere Leistungen,

fessionell angeht, ist Unternehmer im Unternehmen. Im Vertrieb ist

wer dann? Auch langfristiges Denken und vorausschauendes Handeln

dadurch ein sehr selbständiges Arbeiten im eigenen Verantwortungs-

ist essenziell. Akquise besteht oftmals aus «Hau-Ruck»-Aktionen, aber

bereich möglich. Dies bringt viele Freiheiten und Selbständigkeit mit

Neukundengewinnung muss langfristig und vorausschauend gemacht

sich. Ausserdem machen die Herausforderungen den Beruf spannend.

werden. Diese Handlungen sollen das Geschäft automatisch ankur-

Preisverhandlung und Akquise sind Chancen, sich persönlich enorm

beln und Anfragen generieren. Dies setzt auch eine gute Planung

weiterzuentwickeln und meinen Mehrwert für meinen Arbeitgeber

meiner Ziele und Vorhaben voraus. Wo will ich hin? Was muss ich tun,

ständig weiter zu steigern.

um dahin zu gelangen? Die Frage ist: «Macht der Markt uns» – weil vermehrt nur auf Anfragen reagiert und Gegenangebote abgegeben

Was interessiert die Teilnehmer am meisten?

werden, oder «machen wir den Markt», durch gezielte Gewinnung von

Sie wollen wissen, wie Akquise zum Erfolg führt und nicht verlorene

zu uns passenden Kunden?

Zeit ist. Dafür gibt es in der Verkaufspraxis sehr gut einsetzbare Erfolgsrezepte. Im Anschluss an dieses Training werden Sie es kaum er-

Was finden Sie an Vertrieb und Verkauf spannend?

warten können, den Hörer in die Hand zu nehmen und in Folge bei Ih-

Ein Verkäufer hat jeden Tag mit anderen Menschen, deren speziel-

ren Terminvereinbarungen signifikant bessere Trefferquoten erzielen.

Wir handeln 1/17

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Konsumenten

55 Jahre Erfolg

«

Interview mit Babette Sigg Frank,

nannten wir uns noch «Konsumentinnen-Forum» und setzten uns – trotz

Präsidentin des Konsumentenforums kf

vieler Widerstände – für das Frauenstimmrecht ein. Zusätzlich veränderten die aufkommenden Massengüter die Haushalte in der Schweiz, und

Babette Sigg, als Präsidentin des

das Bedürfnis der Frauen nach Informationen über diese neuen Artikel,

Schweizerischen Konsumentenforums kf

die wir heute «Convenience-Güter» nennen, stieg enorm an.

«

feiern Sie dieses Jahr das 55jährige Bestehen Ihrer Organisation. Was genau

Insgesamt gibt es vier nationale Konsumentenorganisationen:

gibt es denn zu feiern?

eine in der West-Schweiz, eine im Tessin und zwei in der

Ausser der «Schnapszahl» gibt es so einiges zu feiern! Zuerst einmal

deutschsprachigen Schweiz – das kf und der Konsumentenschutz

sind wir die älteste Konsumentenorganisation der Schweiz; und je hö-

SKS. Tönt nach unsinniger Doppelspurigkeit in der Deutschschweiz

her der Geburtstag – Sie kennen das sicher auch aus Ihrem privaten

oder gibt es da Unterschiede?

Umfeld – umso mehr wird gefeiert. Wenn man dann noch eine bewegte

Der Unterschied ist ganz klar ein politischer. Sehen Sie, wir setzen uns

Vergangenheit hat, so wie unsere Organisation, kann es sogar richtig

zwar alle für Konsumenten ein, pochen auf Transparenz bei den Her-

sentimental werden...

stellern, bieten Rechtsdienste an usw. Aber wir haben verschiedene politische Ansichten, die uns leiten. Und Politik beeinflusst meistens auch

«Von Frauenorganisationen gegründet, zwecks Tests von

das Konsumverhalten, man denke nur an die Initiativen «Pro Service Pu-

Massengütern» scheint mir aber nicht unbedingt nach einer

blic» oder «Grüne Wirtschaft», welche bei einer Annahme erheblichen

bewegten Vergangenheit zu klingen.

Einfluss auf die öffentlichen Dienstleistungen und das künftige Kaufver-

Dass müssen Sie im gesellschaftspolitischen Kontext sehen, dann hört

halten der Konsumenten gehabt hätten. Als liberale Organisation haben

sich dieser Satz geradezu spektakulär an! Das Konsumentenforum wur-

wir diese Vorlagen aktiv bekämpft, der SKS hingegen, als politisch links

de am 1. Dezember 1961 gegründet, in einer Zeit, in der man gerade

positionierte Organisation, hat sich für diese Initiativen eingesetzt.

erst angefangen hatte, über Gleichberechtigung nachzudenken. Damals

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Konsumenten Ist es nicht etwas speziell, als Konsumentenorganisation «liberal»

Blickt man zurück und vergleicht 1961 mit heute, wie sehr haben

zu sein? Heisst das, das Forum ist mit der Wirtschaft verbandelt?

sich die Konsumenten-Bedürfnisse geändert?

Da scheinen Interessenskonflikte vorprogrammiert...

Die Konsumenten von heute sind zwar mündiger und selbstbewusster

Ab und zu müssen wir uns tatsächlich erklären, weil manche Leute li-

als 1961 und dank Internet besser denn je informiert, gleichzeitig sind

beral mit wirtschaftshörig verwechseln. In unserem Fall heisst liberal:

sie aber von der Fülle an Informationen überfordert. Es gibt viele unse-

Der Markt muss für die Konsumenten so transparent wie möglich sein,

riöse Webseiten, die Kompetenz und Kundenfreundlichkeit vortäuschen

damit sie ihren Kaufentscheid selbständig treffen können. Aber – und

und so die Konsumenten in die Irre führen. Der Kommunikationsstil ist

das ist uns sehr wichtig – wir betreiben keine Bevormundung der Kon-

auch ein anderer: In den 60ern genügte es, den Konsumenten zu sagen

sumenten und sagen ihnen nicht, was sie zu kaufen haben. Und wir

«wir sind die besten» – das funktioniert heute zum Glück nicht mehr so

suchen den Dialog mit den Herstellern, anstatt diese gleich öffentlich

einfach, heute muss man so eine Aussage auch beweisen!

an den Pranger zu stellen. Da kommen die Konsumentenorganisationen ins Spiel. Bei so Das tönt sehr theoretisch. Haben Sie ein Beispiel?

vielen verschiedenen Branchen fragt man sich, wie kompetent

Nehmen Sie «Hors-Sol». Das ist Gemüse, welches nicht im Boden an-

und fachmännisch eine Konsumentenorganisation überhaupt sein

gebaut wird, sondern bodenunabhängig in Steinwolle oder Kokosfasern

kann. Oder haben Sie für jede Branche einen Mitarbeiter, der sich

wächst. Gross war der ideologische Aufschrei vor zwanzig Jahren, als

auskennt?

bekannt wurde, dass man auch in der Schweiz über eine Einführung

Dafür haben wir 16 Fachbeiräte, welche allesamt Branchenkenner sind

nachdachte. Das kf dagegen fand und findet diese Idee durchaus inter-

und mehrjährige Berufserfahrung vorweisen können. Für das Gesund-

essant und sieht in ihr eine mögliche Lösung, künftige Versorgungseng-

heitswesen sind bspw. Beda Stadler, ehemaliger Direktor für Immuno-

pässe zu überwinden. Was haben wir also gemacht? Wir haben mit den

logie der Universität Bern, und die Patientenschützerin Margrit Kessler

Hors-Sol-Produzenten geredet, ihnen die Bedürfnisse und Ängste der

zuständig. Wir sind «Sitz» der Ombudsstellen «Fleisch» und «e-Com-

Konsumenten klargemacht und gemeinsam mit ihnen eine Deklarati-

merce» und haben fünf Nationalräte, die in unserem politischen Beirat

onsvereinbarung verfasst. Damit ist sowohl den Konsumenten wie auch

aktiv sind. In unserer Geschäftsstelle arbeiten Juristen und Betriebsöko-

der Branche geholfen: Die Konsumenten-Bedürfnisse werden ernst ge-

nomen – ich glaube, wir verfügen durchaus über genügend Fachkom-

nommen, und die Branche hat eine Richtlinie, an die sie sich hält und

petenz.

die staatlich anerkannt ist.

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Unternehmen

Aufgeschnappt Vier Unternehmen erzählen von ihren aktuellen Herausforderungen:

«

Der technische Handel schreitet zur Digitalisierung

«

Die Wichtigkeit des Handels wird konsequent unterschätzt

Thomas Affentranger, Leiter Verkauf und Marketing der Heizmann AG Welchen Stellenwert hat die

«

«

Herausforderungen für den Handel aktuell?

Wir sind in unserer Branche, dem techniHandel,

bezüglich

schen Nationalbank, Nordwestschweiz Worin bestehen die grössten

Digitalisierung bei der Heinzmann AG? schen

Daniel Hanimann, Vertreter der Schweizeri-

Digitalisierung

Der Handel ist sehr wichtig für die Schwei-

noch nicht so weit fortgeschritten. Ein erster

zer Wirtschaft, aber ich denke er wird kon-

Schritt in diese Richtung war unser Online Shop. Viele unserer Kunden

sequent unterschätzt. Die grösste Herausforderung für den Handel

sind aber eher traditionelle Firmen, die auch gerne telefonisch oder

ist momentan eindeutig die Digitalisierung und davon abgeleitet der

per Fax bestellen. Dennoch ist die Digitalisierung bei uns ein tägli-

E-Commerce. Eine weitere Herausforderung ist die Weltwirtschafts-

ches Thema. Wir arbeiten gerade an einem grossen Projekt, welches

krise. Damit einhergehend, die abnehmenden Handelsströme, eine

uns sehr beschäftigt: Das Warehouse Managementsystem. Ziel davon

nachlassende Nachfrage und der starke Schweizer Franken. Es ist mo-

ist es, die ganze Logistik schlanker zu machen. Weiter bedeutet die

mentan aber schwierig einzuschätzen, wie es für den Handel weiter-

Digitalisierung für uns eine Chance, Kosten einzusparen, vom Papier

gehen wird. Man weiss, es wird sich viel verändern, aber nicht wie.

wegzukommen und die Genauigkeit zu erhöhen.

«

Neue Kundensegmente für die Woodpecker Holding AG Daniel Pfirter, VR-Delegierter und Inhaber der Woodpecker Holding AG

«

Welche Chancen sehen Sie in der

«

Digitalisierung für die Woodpecker Holding AG? Die Chancen liegen vor allem darin, dass wir neue Kundensegmente angehen können.

Gute Gene für die Zukunft entwickeln Gottfried Stettler, Operativer Leiter der Firma Notz Metall AG Wie geht es weiter mit dem Handel und

«

der Digitalisierung bei der Notz Metall AG?

Die Transparenz im Markt wird immer grösser, die Margen werden kleiner, man muss

Wir haben die Möglichkeit, mehr in Business2Customer Beziehungen

sich differenzieren. Die Herausforderung liegt darin, dass man mehr

zu investieren, was wir bis jetzt nicht gemacht haben. Wir sehen auch

Leistungen erbringen muss, besseren Service, mehr Schnelligkeit und

neue Möglichkeiten Produkte abzusetzen, wie beispielsweise Parkett.

bessere Qualität. Man muss also ziemlich gute Gene entwickeln. Den

Aus diesem Grund hat die Digitalisierung 2017 die oberste Priorität.

Handel wird es aber immer geben. Es ist jetzt einfach wichtig mit der

Sie ist eigentlich das Thema Nummer eins im neuen Jahr, denn bis

Zeit zu gehen. Deshalb hat bei uns auch die Digitalisierung einen ho-

jetzt war unsere Branche in dieser Hinsicht nicht sehr innovativ. Das

hen Stellenwert. Sie ist essenziell, damit sich das Unternehmen mit

wird sich jetzt ändern! Unser Hauptprojekt ist es, einem Webshop zu

seinen Dienstleistungen sauber präsentieren kann. Ein interessierter

haben, der auf der Höhe der Zeit ist. Wichtig ist uns auch das interne

Kunde soll sehen, was unsere Produkte und Dienstleistungen sind. Ein

Knowhow zu fördern, denn wir sind abhängig von Spezialisten.

anderer Teil ist dann B2B. Dort geht es um Dokumentmanagement und Informationen.

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Mitgliederverband

Glück in Blumenform Die Herausforderungen, die auf den Detailhandel zukommen, betreffen auch den Blumengrosshandel. Geschäftsführer der Vereinigung des Schweizerischen Blumengrosshandels, Thomas Bähler, weiss um die Wichtigkeit einer angemessenen Antwort auf die Digitalisierung. Er sieht der Zukunft aber mit Zuversicht

«

entgegegen: Vetriebskanäle werden sich verändern, die Freude an Blumen bleibt. Interview mit Thomas Bähler, Vereinigung des Schweizerischen Blumengrosshandels Für was setzt sich die Vereinigung des

überwiegend internationale Beschaffung und die Produktion auf Far-

Schweizerischen Blumengrosshandels

men auf der Südhalbkugel, müssen wir entsprechende Fragen zu CO2,

ein?

Wasserbedarf, Einsatz von Chemikalien und Arbeitsbedingungen in der

Die Vereinigung des Schweizerischen Blu-

Produktion beantworten können. Dies gelingt uns zum Glück auch gut,

mengrosshandels vertritt die Interessen des

wenn man uns die Gelegenheit gibt.

«

Schweizerischen Import- und Grosshandels für Schnittblumen und Pflanzen gegenüber Behörden, Lieferanten, Kunden, sowie in der Öf-

Wo liegen die Chancen?

fentlichkeit.

Wir verfügen über ein zeitloses Produkt, das nie aus der Mode kommt und vielmehr sogar noch beliebter sein könnte. Dem Menschen geht

Seit wann besteht die Vereinigung des Schweizerischen

es einfach besser, wenn er Blumen und Pflanzen um sich hat. Blu-

Blumengrosshandels?

men machen glücklich und jeder Raum wird so sofort aufgewertet

Sie wurde 1920 gegründet unter dem Namen «Schweizerischer Gros-

und schöner.

sistenverband der Blumen-Bindereibranche». Der aktuelle Namen stammt aus dem Jahr 1999.

Wo liegen die Trends im Blumengrosshandel momentan? Die Inszenierung der Blumen hat an Bedeutung gewonnen. Der Im-

Wie viele Mitglieder hat die Vereinigung?

port- und Grosshandel will das Sortiment nebst den Klassikern aktiv

Die Vereinigung vertritt 18 Mitgliedfirmen, die zusammen den Gros-

bespielen; gleichzeitig nimmt auch der Dienstleistungsanteil gegen-

steil schweizerischen Blumengross- und Importhandels abdecken.

über den Kunden zu. Der Grosshandel muss der Marktmacher der Blumenbranche sein.

Welches sind die wichtigsten Leistungen der Vereinigung? Einerseits das Netzwerk, das wir bilden. Wir organisieren regelmäs-

Wie beurteilen Sie die Zukunft des Blumengrosshandels?

sig Treffen der grünen Branche Schweiz, bei denen auch Grossver-

Die grundsätzlichen Herausforderungen für den Handel und insbe-

teiler, der Fachhandel, die Behörden und andere Partner anwesend

sondere für den Detailhandel betreffen auch uns. Die Digitalisierung

sind. Dabei geht es um Trends und die Rahmenbedingungen unseres

verlangt nach Antworten, auch für unser Produkt. Wir müssen dafür

Produktes. Andererseits fungieren wir als Radar: Wir behalten die Ent-

sorgen, dass auch die junge Generation die Freude an Blumen ent-

wicklungen rund um die Branche im Auge, im Bereich des politischen

deckt. Ich bin aber zuversichtlich, dass Blumen und Pflanzen immer

und rechtlichen Umfelds (Arbeitsrecht, Zollrecht, Konsumentenrecht,

nachgefragt werden, auch wenn sich die Vertriebskanäle und Produk-

Umweltrecht etc.) wie auch die gesellschaftlichen Trends.

teaufmachungen vielleicht verschieben.

Mit welchen Herausforderungen ist der Schweizerische

Was sollte die Öffentlichkeit in Bezug auf den

Blumengrosshandel heutzutage konfrontiert?

Blumengrosshandel unbedingt verstehen?

Das Image des Produkts kann eine Herausforderung darstellen. Kein

Ich kann es nicht genügend oft sagen: Blumen machen einfach glück-

Produkt steht so perfekt für Emotionen wie die Blume. Aber durch die

lich. Unsere Aufgabe ist es, dieses Glück zu den Menschen zu bringen.

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Jetzt vormerken und Platz sichern:

Convention 3. November 2017 im FIFA Gebäude Zürich

Der Handel ist im Wandel. Bewegen Sie mit! Als Mitglied von Handel Schweiz nehmen Sie Einfluss auf die Entwicklung. Sie stärken die Stimme des Handels. Sie treten für faire Rahmenbedingungen im Handel ein. Sie gewinnen konkrete Vorteile über Dienstleistungen.

Handeln Sie jetzt und verlangen Sie unser Angebot. Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände

Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber

mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine

der Schweiz. Im Handel werden über 38'000 Lehrstellen angeboten, mehr bil-

liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein.

det keine Branche aus.

acebook.com/HandelSchweiz

twitter.com/HandelSchweiz

.com/HandelSchweiz

Eine Mitgliedschaft bei Handel Schweiz bringt eine ganze Palette von Dienstleistun-

geniesst das Mitglied administrative und so-

träge, bei denen jedes Mitglied und dessen

gen mit sich: die politische Interessensver-

ziale Vorteile. Ein zentraler Punkt von Handel

Angestellte, das Personal der Mitgliedfirmen,

tretung, die bis zur Rechtsberatung gehen

Schweiz ist die Ausbildung. Dezentral werden

von Krankentaggeld und Krankenpflege pro-

kann oder bis zur Hilfestellung im Umgang

in der ganzen Schweiz KV-Lehrlinge ausgebil-

fitieren können. Weitere Dienstleistungen im

mit Behörden. Zu den geldwerten Dienst-

det. Die Lehrlinge werden in Handelsfragen

Sachdienstleistungsbereich: Brokerdienstleis-

leistungen zählen insbesondere das Sozial-

geschult und als Kaufleute fit gemacht. Ein

tungen oder einen DPD-Rahmenvertrag für

werk, die Ausgleichskasse, die BVG-Stiftung

weiterer Bereich sind Dienstleistungen im

den günstigeren Paketservice.

und die Familienausgleichskassen – bei allen

Versicherungsbereich,

Mehr unter handel-schweiz.com

etwa

Kollektivver-

Wir handeln #1/2017  
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