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Das Magazin des Schweizer Handels World Café 2017

Convention

Aussenhandel

Keine Zeit verschwenden. Seite 3

Zeit für neues Denken. Seite 4

119 neue Fachkräfte. Seite 8

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Die reale digitale Chance Alle sind sich einig: Der Handel bewegt sich in Richtung digitale Transformation. Doch wie genau, wie schnell und mit welchen Ressourcen? Handel Schweiz wollte es genau wissen und führte eine Studie zum Thema durch. Das Resultat zeigt, dass die Weiterbildung und die Kompetenz der Mitarbeitenden zu den wichtigsten Stolpersteinen zählen. Nur in jedem zehnten Handelsunternehmen läuft die Transformation reibungslos. 91% der Handelsunternehmen treiben die Kundenbindung digital voran. Doch fast ebenso viele haben Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Seite

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Beste Lernende

Weiterbildung

Lederwaren

Vier junge Frauen zeigen: Der Handel hat dem

Zwei Referenten sagen, worum es beim Ver-

Der Verband des Schweizerischen Leder-

talentierten Nachwuchs viel zu bieten.

handeln und stilsicheren Auftritt geht.

Grosshandels blickt nach vorn.

Seite 6

Seiten 10 und 11

Seite 14


Zukunft

Editorial Handel gefordert

Ein Wahlkampf unter Algorithmen mit allen technischen Möglichkeiten, um die Vorhersagbarkeit zu steigern – doch selten bestand nach einem Wahlergebnis in den USA so viel Unsicherheit. Die Digitalisierung steigert die Komplexität – auch wenn sie manches vereinfachen kann. Auch der Schweizer Handel hat es da nicht einfach.

«

Das zeigen die Ergebnisse unserer Studie zum Thema.

In Zeiten der Unsicherheit suchen Men-

schen nach verlässlichen Orientierungen.

Interview mit

Protektionismus ist eine Gegenwehr ge-

Jean-Marc Probst,

gen die Entwicklungen der Zukunft, die

Präsident von

Worin bestehen die Lösungen ?

aber längst angeschoben sind und eine

Handel Schweiz

Das ist nicht einfach. Wir müssen die Löhne

hohe Eigendynamik entwickelt haben. Die Lösungen bestehen in der Öffnung, im Sich-Einlassen auf neue Entwicklungen, im Finden von innovativen Ansätzen. Mit

«

als der Preis angeschaut.

in den bestehenden Bereichen halten. In der

Wohin entwickelt

Handelsbranche gibt es daher nur wenige

sich der Handel im

Möglichkeiten zu Lohnerhöhungen. Verbes-

Moment ?

serungen können sich durch ein anderes Ver-

dem neuen amerikanischen Präsidenten

In der Schweiz befindet sich der Handel in ei-

wird TTIP beerdigt oder wenigstens auf Eis

ner schwierigen Lage. Auf der einen Seite ha-

gelegt. Was bleibt, sind die globalen Her-

ben wir den starken Franken, auf der anderen

Welche Rolle spielt die digitale Transfor-

ausforderungen für den Schweizer Handel.

den Einkaufstourismus. Der Schweizer Handel

mation im Handel ?

Wir sind eine Handelsnation und müssen

muss dem Vergleich mit dem internationalen

Die Digitalisierung wirkt sich bestimmt in ei-

uns in der Welt des Handels weiterhin klug

Preis standhalten, was einen sehr grossen

nigen Sparten des Einzelhandels aus. Das ist

positionieren. Deshalb: Für offene Grenzen

Druck auf unsere Margen ausübt. Dieses Pro-

eine grosse Herausforderung. Ich werde oft

und für kreativen Umgang mit den Her-

blem kennen wir schon seit zwei Jahren, aber

gefragt, welche Konsequenzen die Digitali-

ausforderungen der Zukunft!

es hat sich in den letzten Monaten bzw. durch

sierung auf das Unternehmen meines Gegen-

Ich wünsche Ihnen spannende Anregun-

das ganze Jahr 2016 hindurch verschärft. Kon-

übers haben wird. Ich antworte dann jeweils,

gen bei der Lektüre von «Wir handeln».

sumentInnen vergleichen immer mehr die

dass man vorsichtig sein muss und den Mut

Preise mit jenen in unseren Nachbarländern.

zur Bewegung aufbringen sollte. Handeln ist

Das gilt nicht nur für die Privatkunden, son-

Gold wert – denn man kann nicht einfach so

dern auch für B2B – also für alle Investitionen,

weitermachen wie bisher. Dieser Zug ist ab-

Kaspar Engeli

die Geschäftskunden tätigen. Dabei werden

gefahren. Man muss wirklich schauen, wel-

Direktor Handel Schweiz

oft nicht vergleichbare Produkte miteinander

che Veränderungen auf das eigene Gechäfts-

verglichen – es wird also weniger das Produkt

modell einwirken.

2

hältnis zwischen Euro und Franken ergeben.

Wir handeln 3/16


Zukunft

Gibt es Branchen, die weniger betroffen sind ?

Wie ist der Dachverband Handel Schweiz in der politischen Land-

Die Digitalisierung ist eine Evolution und betrifft alle. Das sieht man

schaft positioniert?

am Beispiel des Weines. Eine lange Zeit dachten die Winzer, dass man

Die Prioritäten von Handel Schweiz haben sich nicht verändert. In der

in den Weinkeller steigen muss, um den Wein zu probieren. Heute

Aus- und Weiterbildung bekennen wir uns seit vielen Jahren zur du-

werden jedoch sehr viele Weine über das Internet verkauft.

alen Berufsbildung – das ist ein zentraler Punkt für den Handel. Hier liegen auch einige Schwerpunktaktivitäten unseres Verbandes. Auf

Ähnlich sieht es bei den Schuhen aus. Wenn man einmal Schuhe im

politischer Ebene kommt den partnerschaftlichen Beziehungen zur EU

Internet gekauft hat, wird man das wieder tun. Der ganze Handel un-

eine tragende Rolle zu. Wir fordern den Abschluss weiterer Freihan-

terliegt der Veränderung durch die Digitalisierung.

delsabkommen – so, wie es sie bereits mit 33 Ländern gibt, darunter Japan und China.

World Café 2017: Waste or no-waste? 16. März 2017, Zürich: 17.00 bis 19.00 Uhr

Input-Referate

Eine zukunftsfähige Wirtschaft braucht Lösungen für den nachhaltigen, sparsamen und sorgfältigen Umgang mit den knappen Ressourcen. Das Thema Verschwendung wird deshalb immer dringender. Es beschäftigt auch den Handel und seine Partner. Deshalb ist das nächste World Café in Zürich den Lösungsansätzen gewidmet: • Was lässt sich gegen Waste tun? • Wie können wir Kosten und Ressourcen sparen?

handel-schweiz.com Wir handeln 3/16

Daniel Aebli, Chief Operating Officer von Stahl Gerlafingen AG, Thema: Recycling Daniel Bürgy, Leiter Vertrieb von SBB Cargo, Thema: Verschwendung von Zeit Claudio Beretta, Präsident von Food Waste, Thema: Verschwendung von Lebensmitteln

facebook.com/handelschweiz

Jetzt anmelden: goo.gl/qDMNft

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Convention

Neue Dimensionen Diesmal fand die Generalversammlung und Convention von Han-

diamarkt und Saturn, aber auch Philosoph und Autor, forderte neues

del Schweiz an einem Ort der Superlative statt: Die TISSOT ARE-

Denken (heraus). So sei der Mensch lange in Entweder-oder-Betrach-

NA ist das einzige Stadion der Schweiz, das ein Eishockeystadion, ein

tungen gefangen gewesen. Neu müsse aber entweder-und-oder ge-

Fussballstadion und eine Curlinghalle unter einem Dach vereint. Sie

schafft werden – passend zur modernen Quantentheorie, nach der ein

verfügt zudem über das grösste in einem Stadion integrierte Solar-

Teilchen sich sehr gut an zwei Orten aufhalten könne.

kraftwerk der Welt. Staunen war mehrfach angesagt. Erich Fehr, Stadtpräsident von Biel/Bienne berichtete mit Begeisterung und Stolz, wie

Was paradox klingt, machte in den Worten des amüsant und anschau-

Biel sich als moderne Industriestadt immer wieder neu erfindet und

lich erzählenden Gunz durchaus Sinn. Allen Neugierigen sei nun sein

innovativ positioniert. Walter Gunz, seines Zeichens Gründer von Me-

Buch «Ich war doch nicht blöd» empfohlen.

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Wir handeln 3/16


Convention

Aufgeschnappt Im Umfeld der Convention haben wir uns mit Gästen unterhalten:

«

Auto-Evolution und Zero-Unfälle

«

«

Digitaler Schub im Fachhandel

«

François Launaz, Präsident auto-schweiz

Peter Grossniklaus, Geschäftsführer Bienna

Wo liegen die grössten Herausforderun-

Interfloor Sonceboz SA

gen in der Autobranche?

Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung bei Bienna?

Es findet eine komplette Evolution statt. Man

könnte fast von einer Revolution sprechen. Die sehr strengen Abgasnor-

Wir sind in der Teppich-Bodenbelagsbranche tätig. Wir haben verschie-

men und die selbstfahrenden Fahrzeuge verändern die Branche in den

dene Tools geschaffen in letzter Zeit. Zum Beispiel den Webshop für

kommenden Jahren. Die erste Herausforderung betrifft die CO2-Ziele

unsere Partner im Fachhandel. Wir unterstützen sie bei ihren Auftrit-

2020, die aufgrund des Fahrzeugparks und der Modelle für die Schweiz

ten im Internet und ihren Kontakten mit den Konsumenten. Wir stel-

praktisch unerreichbar sind. Also unternehmen wir Anstrengungen, um

len die Plattform zur Verfügung. So ist der Fachhändler immer à jour;

den Anteil der Elektroautos zu erhöhen. Die zweite Herausforderung

der Endverbraucher kann auf die Homepage des Fachhändlers gehen

besteht in der Verkehrsinfrastruktur. Die Chancen bestehen darin, dass

und entsprechend Produkte auslesen, Bestellungen machen, Muster

der erhöhte politische Druck uns zwingt, in neue Technologien zu in-

anfordern und gegebenenfalls sogar eine Reservation auslösen. Wir

vestieren und uns weiter zu verbessern. Die selbstfahrenden Autos sind

haben in der ganzen Schweiz die Webshops angeschaut und gemerkt,

nicht so einfach zu organisieren. Stellen Sie sich das auf dem Place de

dass die innovativen Unternehmen sofort angesprochen wurden von

la Concorde in Paris vor! Ein wichtiges und mutiges Ziel, ist die Zahl der

unserer Lösung.

«

Todesfälle im Strassenverkehr auf null zu senken.

Transparenz zeigt Mehrwert

grösser wird. Das ist eine Chance, weil so der effektive Mehrwert erkannt und belohnt wird. Die Digitalisierung spielt dabei eine grosse Rolle. Das betrifft den ganzen Handel mit Kommunikation, Verkauf und Warendienstleistungen. Den Handel wird es immer geben, hat es

«

schon immer gegeben und wird es weiterhin geben, insofern sehe

Christian Schaffner, Zino Davidoff

ich die Zukunft positiv.

Welches sind die grössten Herausforde-

Wenn ich das sage, hat

rungen im Handel?

dies einen historischen

Dazu gehören aktuell immer noch der Währungsunterschied, die an-

Hintergrund: Mein Ur-

gespannte Situation der Wirtschaft und der zunehmende Protektionis-

grossvater

mus. Langfristig sehe ich grosse Herausforderungen, die sich auch zum

Gründungsmitglied von

Positiven verwandeln werden. Ich denke, dass die Transparenz immer

Handel Schweiz.

war

ein

Impressum Herausgeber: Handel Schweiz, Postfach, Güterstrasse 78, 4010 Basel • Auflage: 5'500 Ex. • Sprachen: Deutsch, Französisch Inserate/Werbung: Tel. +41 61 228 90 30, E-Mail: werbung@handel-schweiz.com Konzept, Design, Redaktion: Iris Wirz c&p communications, iriswirz.com

Wir handeln 3/16

Video zur Convention unter

Fotos: / 1: © highwaystarz - Fotolia.com • © freshidea - Fotolia.com • © istockphoto.com / monkeybusinessimages • © istockphoto.com / leolintang • © istockphoto.com / michaelpuche | / 2: © istockphoto.com / scyther5 | / 3: © istockphoto.com / funky-data • © istockphoto.com / andresr • © highwaystarz - Fotolia.com | / 5: © Dimitrius - Fotolia.com • © Coprid - Fotolia.com • © lucato - Fotolia.com • © davidoff.com | / 10: © istockphoto.com / vgajic | / 11: © istockphoto.com / vm | / 12: © istockphoto.com / JulieanneBirch | / 14: © istockphoto.com / © istockphoto.com / RyanJLane | / 16: © istockphoto.com / HowardOates

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Ausbildung

Die besten Lernenden

Florence Rapin, Leandra Comment, Alexandra Nava und Sarah Kertzscher (v.l.n.r.) sind sich einig: Die Handelsbranche ist eine Branche, die vielseitige Arbeitsperspektiven bereithält und nicht Gefahr läuft, in Zukunft an Bedeutung zu verlieren.

Um eine der besten Lernenden des Jahres zu werden, braucht es

Verkauf, da sie dort den Kontakt mit den Kunden hat und das Tages-

viel Ehrgeiz, Disziplin und eine Prise Glück. Wir haben die vier

geschäft hautnah miterlebt.

besten Lernenden der KV-Branche Handel interviewt und uns

Alexandra Nava durfte während ihrer Lehre bei der Läckerli Huus AG

spannende Eindrücke aus ihrem Berufsleben geholt.

in Basel sogar in der Produktion mithelfen und weiss jetzt, wie die Produkte hergestellt werden. Es ist ihr wichtig, mit etwas Handfestem

Während ihrer Lehre waren die vier jungen Frauen in sehr unterschiedlichen Betrieben tätig. Gemeinsam ist ihnen das vielfältige Arbeitsgebiet. Sie eigneten sich Fähigkeiten an, die für diverse Tätigkeiten in einem Handelsbe-

zu handeln. Dies mache ihre Arbeit greifbar und verleihe ihr einen

«Eine der grössten Herausforderungen, gerade bei uns in Basel, ist der Einkaufstourismus» Leandra Comment

trieb sehr wertvoll sind und viele Türen in die Arbeitswelt öffnen. So

persönlichen Bezug. Florence Rapin aus Avenches hat die Lehre bei der Landi gemacht. Sie schätzt die Abwechslung,

die

durch

den Einsatz in verschiede-

nen Abteilungen entsteht. Sie konnte so viel an fachlicher und metho-

konnte sich Sarah Kertzscher bei der Schwarz Stahl AG ein Grundwis-

discher Kompetenz gewinnen.

sen im Marketing aneignen und lernen, richtig zu verkaufen und Buch-

haltung zu führen. Ausserdem lernte sie schulisch viel dazu – neue

«Der Handel reagiert auf seine Umwelt»

Sprachen, aber auch Finanzbuchhaltung, Recht und Betriebswirtschaft

Florence Rapin findet es faszinierend, wie wandelbar der Handel sei.

waren Teil ihrer Ausbildung.

«Die Branche ist ständig verschiedenen Umwelteinflüssen unterwor-

fen, die die Arbeit abwechslungsreich und herausfordernd gestalten. Auch Leandra Comment, die erstplatzierte beste Lernende, berichtet

Den konstanten Austausch zwischen Handel und Welt finde ich sehr

von einer lehrreichen Ausbildung bei der Coop Genossenschaft, in der

spannend», meint sie begeistert. Eindrücklich seien auch die schwer

sie in fünf verschiedenen Abteilungen tätig war: Im Marketing, im Ein-

vorzustellbare Grösse und das Ausmass der Handelsbranche. Leandra

kauf und Verkauf, in der Lernendenbetreuung, im Zollwesen und bei

Comment fasziniert an ihrer Arbeit im Handel besonders, dass sie den

den internationalen Transporten. Sie arbeitet dabei am liebsten im

ganzen Prozess mitverfolgen kann, den die Waren durchlaufen – vom

6

Wir handeln 3/16


Ausbildung Muster eines Produktes, über den Transport, bis es in den Regalen der

sene Personen gesucht, die

Verkaufsstelle landet. Ebenfalls sei der Handel eine der vielfältigsten

den Kontakt mit anderen

Wir gratulieren!

Branchen im kaufmännischen Bereich.

Menschen schätzen. Freund-

1. Platz, Leandra Comment (22)

lichkeit und Flexibilität sind

2. Platz, Sarah Kertzscher (23)

Das bedeutet, dass die Chancen unendlich sind: Absolventen, die ger-

wichtig, denn man hat viel

2. Platz, Alexandra Nava (21)

ne in eine andere Branche wechseln würden, haben viele Möglichkei-

mit Kunden und Lieferanten

3. Platz, Florence Rapin (19)

ten, das zu tun, und es können sich Wege auftun, die auch in die inter-

zu tun. Diesen Kontakt fin-

nationale Tätigkeit führen, so Leandra Comment. Nicht zu vergessen

den die jungen Frauen herausfordernd, aber sehr bereichernd. Ausser-

ist auch der Kontakt mit den Kunden und Lieferanten, der besonders

dem sind ein Flair für Zahlen und das Beherrschen von Sprachen Plus-

spannend ist. Aus diesem Grund gefällt ihnen am meisten die Abtei-

punkte für diesen Beruf.

lung Einkauf, dort wird verhandelt und sie befinden sich auch einmal auf der Seite des Kunden.

«Der Handel wird überdauern» Sie denken, dass der Handel weiterhin wachsen wird, auch wenn sich

Neue Herausforderungen im Handel

die Mittel und Wege verändern werden. So denkt Alexandra Nava vor

Es gehen sehr viele Schweizer im grenznahen Ausland einkaufen,

allem an die Absatzwege, die einen Wandel durchmachen. Es gibt im-

was für die Schweiz ein grosser Nachteil ist und eine Herausforde-

mer mehr Online-Bestellungen, und die Kunden kaufen weniger in

rung darstellt, erzählt Leandra Comment. Sie bei Coop versuchen dem mit Preisanpassungen

entge-

genzuwirken, erklärt sie. Auch sie sehe dies als eine Herausforderung,

erzählt

«Die wichtigsten Kompetenzen sind, eine gute Menschenkenntnis zu haben und anpassungsfähig zu sein, in allen möglichen Situationen» Florence Rapin

den Läden, aber vermehrt in den Online-Shops ein. Diese Digitalisierung hat auch Konsequenzen für das Personal und wird sich in Zukunft verstärken. Auch Leandra Comment meint,

Sarah Kertzscher. Sie meint, dass momentan die grössten Herausfor-

dass der Online-Handel an Bedeutung gewinnen wird und obschon

derungen des Handels in der Schweiz von den Ausseneinflüssen des

die Globalisierung schon sehr ausgeprägt ist, die Vernetzung der Welt

ausländischen Handels ausgehen. Bei ihnen im Stahlhandel reagiere

sich noch steigern wird. Florence Rapin und Sarah Kertzscher finden:

der Markt auch darauf. Steht eine Branche neuen Herausforderungen

«Der Handel wird überdauern, es ist eine Branche, die nie zu Ende

gegenüber, braucht es umso kompetentere Mitarbeiter. Die besten Ler-

gehen wird.»

nenden 2016 sind sich einig: Im Handel sind offene und aufgeschlos-

Devisen seit 1999 W E C H S E L S T U B E . C H Wir handeln 3/16

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Diplomfeier

119 neue Fachkräfte Wo über die Landesgrenzen hinweg gehandelt wird, dort braucht

so Benjamin Schneebeli, Präsident der Prüfungskommission EPAH.

es Spezialisten. Handel Schweiz gratuliert 17 Aussenhandelslei-

Man müsse nicht nur schnell auf plötzlich eintretende Kursänderun-

terInnen und 102 Aussenhandelsfachmännern und -frauen zu

gen reagieren können, sondern sich auch mit neuen Märkten, neuen

ihrem Diplom.

Freihandelsabkommen und den sich stets ändernden Zollvorschriften befassen. Selbst er, der seit mehr als 20 Jahren im Metier ist, lerne im-

Bei der feierlichen Übergabe im Kultur- und Kongresshaus Aarau be-

mer wieder Neues dazu: «Was ich vor zig Jahren mal gelernt habe, ist

tonte Ständerätin Anita Fetz die grosse Bedeutung von Bildung für

ständig im Wandel». Damit die Schweizer Wirtschaft überhaupt wett-

jeden von uns, unser Land und unsere Wirtschaft. «Ohne Bildung ist

bewerbsfähig bleiben könne, brauche es Fachleute. «Spezialisten für

alles nichts... », so Anita Fetz. Vor allem in der kleinen und rohstoffar-

den Aussenhandel werden deshalb auch in der Zukunft sehr gefragt

men Schweiz sei Bildung von besonderer Wichtigkeit. «...aber Bildung

sein», prognostiziert Schneebeli. Die insgesamt 119 AbsolventInnen

allein ist nicht alles», fügte die Ständerätin an. Globalisierung, Digitali-

der Weiterbildungen im Aussenhandel haben sich damit eine sichere

sierung, Demographie und Fachkräftemangel würden ebenfalls grosse

Grundlage für ihre weitere Laufbahn gelegt.

Auswirkungen haben. «Die Schweiz verdient jeden zweiten Franken im Ausland» Aussenhandel als zukunftssicheres Berufsfeld

Von den 17 AussenhandelsleiterInnen erzielten die in Sachseln tätige

Das Spannende am internationalen Handel seien vor allem der Kontakt

Flavia Berwert und Benjamin Kuhn aus Weinfelden das beste Resul-

mit den verschiedenen Kulturen und die ständigen Veränderungen,

tat. «Diese Ausbildung ist extrem wichtig, denn die Schweiz verdient

Ständerätin Anita Fetz an der Diplomfeier des Aussenhandels.

300 Gäste feierten zusammen mit den Absolventen die erfolgreichen Abschlüsse.

Aussenhandelsfachleute haben die Kompetenz, qualifizierte und

ökologischen Gegebenheiten gehört genauso zu ihren Aufgaben

spezialisierte Arbeiten und Führungsaufgaben in den Bereichen Im-

wie die Zollabfertigung mit allen notwendigen Dokumenten. Aus-

port und/oder Export von Waren und Dienstleistungen auszuführen.

senhandelsfachleute sind in besonderem Masse für die Risiken im

Sie arbeiten in international tätigen Handels-, Dienstleistungs- und

internationalen Handel sensibilisiert. Dadurch können sie diese

Produktionsfirmen. Zu ihren Aufgaben gehört die Analyse von Kun-

minimieren, absichern und im Sinne der Unternehmensziele da-

denwünschen. Sie stellen sicher, dass die Kunden die Güter oder

mit umgehen. Aussenhandelsfachleute zeichnen sich durch hohe

Dienstleistungen termin- und fachgerecht erhalten. Verhandlungen

Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz aus. Sie tragen in ihrer

führen sie in verschiedenen Sprachen und berücksichtigen kultu-

Rolle als Fachvorgesetzte aktiv zur Teamentwicklung bei und orga-

relle Eigenheiten. Die Organisation des weltweiten Gütertransports

nisieren interne Ausbildungen.

unter Berücksichtigung der länderspezifischen, ökonomischen und

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Wir handeln 3/16


Diplomfeier

Die zwei besten Abschlüsse in der Kategorie Aussenhandelsleiter/in. Benjamin

Die drei besten AbsolventInnen in der Kategorie Aussenhandelsfachfrau/-mann

Kuhn (Note 5.0) und Flavia Berwert (Note 5.1).

(v.l.n.r) Anja Meier (Note 5.1), Simon Stauffer (Note 5.4) und Yvonne Dubi (Note 5.1)

Hochstehende musikalische Begleitung durch die vier Saxophonisten von Quadrosax.

jeden zweiten Franken im Ausland. Ausserdem mangelt es an Fach-

eidgenössischen Berufsprüfung Aussenhandelsfachfrau und Aussen-

kräften im Aussenhandel», so Kuhn.

handelsfachmann waren dieses Jahr 138 Kandidatinnen und Kandidaten angetreten. Den ersten Rang erreichte Simon Stauffer, welcher in

Ein anderer Absolvent betont: «Heutzutage ist es klar, dass man eine

Glattbrugg tätig ist.

Weiterbildung braucht, um sich im Beruf weiterzuentwickeln.» Es sei sehr wichtig, dass junge Leute nach der Lehre oder Erstausbildung am

Musikalisch untermalt wurde der Anlass durch die vier Saxophonisten

Ball bleiben, sagt der frischgebackene Aussenhandelsfachmann. Zur

von Quadrosax.

Aussenhandelsleiter verfügen über die nötigen Kompetenzen, um

optimieren sie die Lieferung von Gütern und Dienstleistungen unter

anspruchsvolle und komplexe Planungs-, Führungs-, und Fachauf-

Berücksichtigung der ökonomischen und ökologischen Gegeben-

gaben im Aussenhandel zu übernehmen. Sie sind in international

heiten. Zu ihrer Arbeit gehört auch die Zusammenarbeit mit der

tätigen Handels-, Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen

Geschäftsleitung zur Erarbeitung des Risikomanagements sowie

tätig und übernehmen Vorgesetztenfunktion auf oberer Kadere-

der Optimierungs-Strategien für Prozesse und Schnittstellen. Das

bene. Sie erarbeiten strategische Richtlinien, bearbeiten Projekte,

Berechnen und Interpretieren der für den Aussenhandel relevanten

erstellen Konzepte und tragen die Gesamtverantwortung der Leis-

betriebswirtschaftlichen Zahlen gehört ebenso zu ihren Aufgaben

tungen im Bereich des Imports und/oder Exports sowie des Tran-

wie das Erstellen und die Überwachung des entsprechenden Teil-

sithandels. Sie überwachen alle Aspekte des Aussenhandels unter

und Gesamtbudgets.

Berücksichtigung internationaler Abkommen und Vorgaben. Weiter

Wir handeln 3/16

9


Weiterbildung

Beziehungen aufbauen

«

Interview mit Silvana Kundert, Referentin

Gibt es einen Mangel an stilsicherem Auftreten?

des Seminars «Stilsicheres Auftreten»

Die meisten Menschen sind heute wohlerzogen aufgewachsen. Bestens ausgebildeten 25- bis 35-Jährigen fehlen jedoch im Umgang mit

Was ist stilsicheres Auftreten?

älteren Zielgruppen gewisse Leitplanken. Ein Beispiel: Mitarbeitende

Stilsicheres Auftreten ist das Bewusstsein

gehen mit Kunden essen. Sie können aber nicht einfach am Tisch sit-

über die Wirkung des Auftritts. Es geht um

zen und ein Gespräch führen, Small-Talk machen und mit guten Ma-

das Wissen über das Zusammenspiel von mir

nieren essen. So besteht in verschiedenen Ecken doch ein Mangel.

«

und dem Gegenüber. Womit hat das zu tun?

Warum ist das Thema wichtig?

Es hat mit der Gesellschaft zu tun, in der wir aufwachsen. In den letz-

Ich habe für die verschiedensten Branchen gearbeitet und diese ha-

ten dreissig Jahren hat sich viel verändert. Früher bekam man vieles

ben eines gemeinsam: Es gibt ein Gegenüber, mit dem man in Kon-

durch die Familie mit, heutzutage ist das weniger der Fall. Es geht

takt tritt. Fachlich sind die meisten dazu bereit. Das Persönliche macht

auch nicht um Essensregeln, sondern Small-Talk, Zuhören können...

jedoch den Unterschied. Es geht darum, positiv zu wirken, Sympathien

das sind Dinge, die sehr wichtig sind.

zu gewinnen und einen sichtbaren Unterschied zu machen. Das Fachliche ist nämlich auf den ersten Blick nicht sichtbar.

Hat stilsicheres Auftreten ihrer Meinung nach mehr mit Kleidung oder mit Manieren zu tun? Keines der beiden ist entbehrlich. Stilsicheres Auftreten hat grundsätzlich mit der inneren Einstellung zu tun. So wie ich denke, so werde ich mich auch verhalten. Mein Auftreten ist wie der Spiegel von mir selber. Wieso sind der erste Eindruck und ein stilsicheres Auftreten speziell wichtig im Handel? Im Handel und im Aussendienst geht es ganz klar um zwischenmenschliche Zusammenkünfte. Man tritt in Beziehung mit anderen Personen – dort ist der erste Eindruck besonders wichtig. Ohne den guten ersten Eindruck entsteht keine gute Beziehungsgrundlage.

Kundenbeziehungen und Verkauf 28.03.2017 im Restaurant Sommerau-Ticino in Dietikon silvanakundert.ch

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Rechtsseminare

• Aufgaben für Handel und Import im Zusammenhang mit der

• Bauprodukterecht in der Schweiz, 21. Februar 2017,

Produktehaftung/Product Compliance

8.30 – 12.30 Uhr, Küsnacht/ZH

22. Februar 2017, 13.30 – 17.30 Uhr, Küsnacht/ZH

• Auswirkungen des Produktesicherheitsrechts/CE-Richtlinien für

• E-Commerce in der Schweiz – Internethandel und

Handel und Import, 22. Februar 2017, 8.30 – 12.30 Uhr,

Konsumentenschutz: Was Händler wissen sollten!

Küsnacht/ZH

23. Februar 2017, 8.30 Uhr - 12.30 Uhr, Küsnacht/ZH

Wir handeln 3/16


Weiterbildung

Verkaufen im Wettbewerb Die erzielten Preise beeinflussen den Gewinn der Unternehmen. 1% weniger Rabatt bei CHF 1 Mio. Umsatz bedeutet eine Gewinn-

«

steigerung von CHF 10’000. Deshalb sind professionell geführte Preisverhandlungen bares Geld wert. Interview mit Harald Klein, Referent des Seminars: «Abschlussorientiert Angebote ab-

Deshalb ist es wesentlich, die einmal gewählte Verhandlungsrichtung

geben und souverän Preise verhandeln»

auch effektiv in die Tat umzusetzen.

«

Was macht ein abschlussorientiertes

Welche Fähigkeiten muss man entwickeln, um erfolgreich

Angebot aus?

Angebote abzuschliessen?

Zuerst muss ich abklären, ob die Anfrage et-

Man sollte ein Gefühl dafür entwickeln, wann man «den Sack zuma-

was taugt oder in die Kategorie «ich wollt

chen» kann – viele verpassen die Gelegenheit und damit den Ab-

mal wissen, was es kostet» gehört. Wenn ich das Angebot abgebe,

schluss. Ich sollte die Bereitschaft mitbringen, den Auftrag nicht zu

muss mir bewusst sein, dass mein Ansprechpartner oft nicht der Ent-

bekommen; ohne Verzichtbereitschaft ist man erpressbar. Mit der rich-

scheider ist. Das Angebot muss jedoch immer für die Entscheider ver-

tigen Einstellung verliert man den Auftrag nicht, sondern verzichtet

fasst sein. Deshalb sollten wir zu Beginn fragen, was den Entscheidern

darauf – eine Haltungsfrage.

wichtig ist. Ausserdem sollten die drei bis fünf wichtigsten Beweggründe für eine Zusammenarbeit aufgeführt werden. Und sehr wich-

Was zeichnet Souveränität aus?

tig: Der Nachfass-Termin solte bereits im Angebot angegeben sein.

Das setzt Vorbereitung, psychische Stabilität und eine grundsätzlich

Gutes Nachfassen gehört auf jeden Fall zum guten Verkauf.

positive Einstellung zum Unternehmen und seinen Leistungen voraus – ohne alles nur durch die rosarote Brille zu sehen. Es geht also um

Was ist die grösste Herausforderung beim Verhandeln von

eine pragmatische und lösungsorientierte Vorgehensweise statt Pro-

Preisen?

blemorientierung.

Das ist bestimmt von Mensch zu Mensch unterschiedlich und richtet sich nach unseren Stärken und Schwächen. Was ich oft beobachte: Wir selbst glauben zu teuer zu sein. Und unter Druck verlassen wir oft die vorbereiteten Pfade. Dabei würden genau diese zum Erfolg führen.

Was Unternehmer über die berufliche Altersversorgung wissen sollten Die berufliche Altersvorsorge befindet sich unter Druck. Entspre-

Die nächsten Seminare

chend sorgfältig gilt es, seine Partner auszusuchen. Das auf den ersten Blick einfache System hält einige Stolpersteine bereit:

21.2.2017 «Neukundengewinnung»

Demographie, Renditen, Risiken. Weitere Schwierigkeiten lie-

22.2.2017 «Abschlussorientierte Preisverhandlung»

gen in den Kosten. Hierzu führen wir am 28.03.2017 in Basel

27.4.2017 «Verkaufserfolge beim Messeauftritt»

eine Frühstücksveranstaltung durch. Reservieren Sie sich den

haraldklein.de

Termin. handel-schweiz.com

Weiterbildung digital Auch die Weiterbildung im Handel wird digital. Am Donnerstag,

Gewinnpotenziale im Prozess Anfrage – Angebot – Abschluss!»

09. März 2017 16.00 – 17.00 Uhr findet das erste kostenfreie Ex-

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Angebotsprozesse optimal ausgestalten,

perten-Webinar von Handel Schweiz statt. Weiterbildung vom eige-

wie Sie prozessbedingte Auftragsverluste vermeiden und unnöti-

nen Schreibtisch aus. «So aktivieren Sie versteckte Umsatz- und

gen Angebotsaufwand reduzieren.

Wir handeln 3/16

11


Studie

Im digitalen Umbruch

Der starke Franken, der Online Handel und der Einkaufstourismus

jedes zweite Unternehmen. Fast ebenso viele sehen sich von branchen-

setzen den Schweizer Handel unter Druck: Es wurden Einbussen

fremden Geschäftsmodellen oder von digitalen Plattformen wie Gala-

von über CHF 20 Mrd. verzeichnet und viele Händler in Bedrängnis

xus bedroht. Digitale Plattformen haben die Nase vorn bei den Themen

gebracht. Es herrscht ein harter Konkurrenzkampf: Internationale

Pricing (75%), Zugang zu den Kunden (50%), beim Sortiment (39%)

Anbieter und digitale Marktplätze dringen in die bestehenden Ge-

und in der Logistik (30%). Trotzdem nutzt nur eines von fünf Handels-

schäftsfelder ein. Marktführer wie Amazon oder Zalando wurden

unternehmen solche Plattformen als Chance für den eigenen Vertrieb.

von IT-Spezialisten und nicht von Händlern erfunden. Dies kann als

Seit Jahren sammelt der Handel Kundendaten, doch nur jedes fünfte

Inspiration dienen, denn innovative Geschäftsmodelle wären eine

Unternehmen nutzt die entsprechenden Technologien zur Auswertung.

grosse Chance im Handel, um Verluste auszugleichen und neuen

70% der befragten Firmen nutzen keine digitalen Services wie QR-Code

Boden gewinnen. Doch schafft der Schweizer Handel den Paradig-

oder digitale Coupons.

menwechsel in das digitale Zeitalter? Handelsunternehmen können die Digitalisierung auf vielfältige Weise 91% der Unternehmen treiben ein Projekt der digitalen Kundenbin-

angehen. Dies zeigen die Beispiele aus den Branchen Auto-, Werkzeug-

dung voran, um zum Beispiel in Online-Communities präsent zu sein;

und Detailhandel.

umgesetzt haben dies jedoch bisher nur 59%. Überhaupt liegt noch der Knackpunkt in der Umsetzung der Digitalisierung. Neun von zehn

Nur wenn’s passt

Firmen haben damit Schwierigkeiten. Vier von fünf beklagen fehlen-

Dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschäftsmodell nicht

de Ressourcen, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten. In drei von

immer zur digitalen Aufrüstung führen muss, erklärt Ferdinand Hirsig,

fünf Unternehmen sind es die technischen Voraussetzungen, in jedem

Leiter der Division Detailhandel/Energie der Fenaco, zu der u.a. die über

zweiten die Fachkräfte und das Wissen über die Möglichkeiten der Di-

570 Volg-Läden und 86 TopShop-Tankstellenshops zählen. Ferdinand

gitalisierung. Mit aufwendigen internen Abstimmungen kämpft rund

Hirsig: «In der Logistik und Organisation sind wir technologisch auf dem

12

Wir handeln 3/16


Studie

neusten Stand. Digitalisierung ist im Lager-, Logistik- oder Fahrtenpro-

Eichenberger: «Oft haben sich die Kunden im Internet über ein oder

zess für uns absolut zwingend.» Anders sieht es beim Auftritt in den Lä-

zwei Modelle detailliert informiert, kennen dafür aber weitere Optionen

den aus. Bei Volg und in den TopShops dreht sich alles um den kleinen

zu wenig. Mitarbeitende, die sich laufend über die Grundmodelle mit

und schnellen Einkauf. Hirsig: «Dafür fährt niemand ins Ausland und für

all den zusätzlichen Varianten orientieren und individuell beraten, sind

den Tankstellenshop-Kunden ist der Online-Handel zu langsam.» Das

deshalb wichtig. Gleichzeitig eröffnen sich mit der Digitalisierung neue

Thema Digitalisierung wird deshalb im Hinblick auf das eigene Kernkon-

Tätigkeitsfelder. Dazu zählt Carsharing. Autonome Fahrzeuge lassen in

zept immer wieder kritisch hinterfragt. Selfscanning-Kassen kommen

Zukunft den Privatverkehr mit dem ÖV stärker zusammenwachsen.» So

zum Beispiel für Volg nicht in Frage.

vermietet Kenny’s inzwischen auch Autos. Digitalisierung vereinfacht das tägliche Geschäft. Im Kompetenz-Center der Werkstatt sind die bes-

Frühe Anstrengungen zahlen sich aus

ten Technik-Diagnostiker tätig. Per Videokonferenz setzen sie sich mit

Beim 139-jährigen internationalen Werkzeug-Händler Brütsch/Rüegger

den anderen fünf Standorten in Verbindung und führen die Diagnose

Tools ist die Digitalisierung der Lebensnerv. Das Unternehmen liefert

über Remote-Steuerung der Testgeräte durch.

nicht nur Werkzeuge, sondern ist Partner von Industrie 4.0. CEO Martin Wirth erklärt: «Als Pioniere innerhalb der Branche haben wir bereits 1998 mit dem ToolShop und dem CD-ROM-Shop erste Lösungen mit grossem Erfolg umgesetzt. Diese frühen Anstrengungen haben uns geholfen, unser Wissen und unsere Kompetenz in der Digitalisierung laufend zu verstärken. Das Unternehmen verfügt über eines der modernsten Lager Europas und schafft Mehrwert durch ein ausgeklügeltes Dienstleistungsportfolio.» Brütsch/Rüegger Tools ist ebenfalls europäischer Branchenführer bei der elektronischen Bestellabwicklung. Autos kaufen, mieten oder teilen Kenny’s hat sich über die Jahrzehnte als eigene Autohändler-Marke etabliert. Trotz Digitalisierung geht es im Autohandel immer noch und vor allem um den Verkauf von Emotionen. Geschäftsführer Marc

«Falls sich das Tempo der digitalen Evolution nicht beschleunigt,

Märkte. Manche experimentieren mit Kundenfeedbacks im Laden

sind aktuell bis zu 250'000 Arbeitsplätze im Schweizer Handel

via Touchscreen, Barcodes an Regalen mit direktem Link zu YouTu-

bedroht. Dabei ist das Wissen über die Möglichkeiten der Digita-

be-Videos, iPad-Stationen oder Virtual Reality Brillen. Ob das passt,

lisierung ebenso zentral wie die Auseinandersetzung mit dem ei-

muss jedes Unternehmen für sich prüfen. Engeli ist zuversichtlich:

genen Geschäftsmodell und dem Mehrwert für Kunden.» Es gibt

«Der Handel ist immer sehr flexibel gewesen. Ich vertraue darauf,

aber Hoffnung: Im Zeitalter der digitalen Information haben auch

dass er auch diesmal seine Chance nutzt.»

Händler Zugang zu Wissen und inspirierenden Beispielen über ihre

Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz

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Mitgliederverband

Eleganz in Leder

«

Interview mit Franz Höltschi, Verband des Schweizerischen Leder-Grosshandels VSLG

Die Firma Höltschi-Lederhandel AG wurde 1998 von Franz Höltschi gegründet, zuerst als Einzelfirma und seit 2009 als AG. 2016

Franz Höltschi hat 45 Jahre Erfahrung im

stieg mit Siril Lobsiger-Höltschi die Tochter in die Firma ein. Die

Grosshandel mit Lederwaren. Als Unter-

Auswahl wurde danach unter ihrer Führung um weitere Sparten

nehmer und Vorstandsmitglied des VSLG

wie z.B. das Bekleidungsleder erweitert.

hat er den Wandel der Branche hautnah

Per 1. März 2017 wird die Geschäftsleitung der Höltschi-Le-

miterlebt.

derhandel AG in den Händen von Siril Lobsiger-Höltschi liegen.

«

Franz Höltschi wird weiterhin im Betrieb mitarbeiten und den

Mit welchen Herausforderungen ist der Schweizerische Lederhan-

Mitarbeitern sowie der neuen Geschäftsleitung mit Rat und Tat

del heutzutage konfrontiert?

zur Seite stehen.

Die immer stärkere Abwanderung der Produktionsbetriebe in Billiglohnländer beschäftigt uns sehr. Zudem geht es immer mehr um die fachliche Beratung von Kunden. Das betrifft die stets strengeren che-

Schweiz oder Europa statt. Zudem sichern sich heute grosse Firmen

mischen Vorschriften für die Lederherstellung und den internationalen

mit Traditionsnamen ihre Zulieferkette über den Kauf bekannter Ger-

Handel. Diese Entwicklungen beanspruchen immer mehr Zeit und Auf-

bereien. Es wird gefürchtet, dass das grosse Erfahrungspotential even-

merksamkeit und verursachen enorme Testkosten für Laboranalysen.

tuell durch schlechte Nachfolgeregelungen verloren gehen könnte. Aber wie bei jedem Wandel entstehen auch hier neue Möglichkeiten.

Wo liegen die Chancen? Die Chancen liegen im fundierten Fachwissen und der grossen Zuver-

Was sollte die Öffentlichkeit unbedingt verstehen?

lässigkeit und Erfahrung der Mitgliedfirmen, die meistens in zweiter

Ein seriöser Lederhandel bietet gute Beratung. Diese setzt ein fun-

oder dritter Generation geführt werden.

diertes Fachwissen mit langjähriger Erfahrung voraus. Darum ist der Lederhandel auch für eine immer schnelllebigere und globalisiertere

Wie beurteilen Sie die Zukunfts des Lederhandels?

Welt nicht zu unterschätzen.

Der Lederhandel hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Früher waren eher die sehr kräftigen Leder wie Militärleder, Zeugleder für Glockenriemen oder Geschirre, Mappen- und Schuhoberleder gefragt.

Schweizerischer Leder-Grosshandel VSLG

Heute sind weiche und elegante Leder für Bekleidung, Möbel, Leder-

Der VSLG wahrt und fördert die Interessen des Ledergross-

waren wie Taschen sowie für Uhrenarmbänder gefragt.

handels in der Schweiz. Er bietet seinen Mitgliedern bessere Rahmenbedingungen und Konditionen nicht zuletzt auch im

Leider sieht die Zukunft des Lederhandels nicht sehr rosig aus. Die Pro-

Verbund mit dem Dachverband Handel Schweiz. Das gilt für Ver-

duktion von Lederprodukten findet zum grössten Teil nicht mehr in der

sicherungen – wie AHV, Krankenlohnausfallversicherung, Pensionskasse –, Bankgeschäfte – wie bessere Konditionen für den Kauf und Verkauf von Fremdwährungen –,Verbandskonditionen für Software, Spediteure und Kurierdienste. Weitere Dienstleistungen umfassen Abklärungen und Richtlinien rund um die REACHVorschriften, Kontakte und Informationen von und zu Tierschutzverbänden und zum Bundesamt für Veterinärwesen. Der VSLG wurde am 14. November 1933 in Zürich gegründet. Zu seinen Blütezeiten hatte er 17 aktive Mitgliederfirmen. Heute sind es noch sieben aktive und sechs passive Mitgliederfirmen. ledergrosshandel.ch

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Faire Werbung

Selbstregulierung Was wäre erfolgreicher Handel ohne Werbung? Und das gerade in

entschieden ist, sondern auch, weil ein Entscheid sachlich sehr nahe

Zeiten, in denen der Franken stark ist und Online-Handel wie Ein-

an ein gerichtliches Urteil heran reicht. Wie wirkungsvoll eine Beurtei-

kaufstourismus blühen? Wenn der Wettbewerb härter wird und

lung durch die SLK ist, zeigt sich daran, dass manch ein «Beschwer-

der Druck auf die Margen steigt, neigt manch ein Werbeauftrag-

degegner», also die beklagte Partei, ihre Werbung bereits ändert oder

geber zum Überborden. Das liegt in der Natur der Sache. Genau

einstellt, wenn er erfährt, dass gegen ihn eine Beschwerde einge-

dafür gibt es seit nunmehr

reicht worden ist.

fünfzig Jahren die Schweizerische

Lauterkeitskom-

Willkommener

mission (SLK). Sie zeigt

«Nebeneffekt»

auf, wo die Grenzen sind,

Als

und sagt, ob eine Werbung

beneffekt» hilft die SLK auf

täuschend,

willkommener

«Ne-

irreführend

politischer Ebene mit, wei-

oder geschlechterdiskrimi-

terführende gesetzliche Ein-

nierend ist.

schränkungen zu verhindern. Aktuelles Beispiel dafür ist

Als breit abgestützte Selbst-

das

regulierung bietet die SLK

(KKG), das am 1. Januar 2016

nunmehr seit fünfzig Jahren

in Kraft getreten ist. Hatte das

jeder natürlichen und juris-

Bundesparlament ursprüng-

tischen Person die Möglich-

lich ein totales Werbeverbot

keit, einfach, schnell und mit

ins Auge gefasst, wird nun

minimalen

Konsumkreditgesetz

Zugangshürden

lediglich aggressive Werbung

missliebige Werbung lauter-

unter Strafe gestellt. Was da-

keitsrechtlich beurteilen zu

runter konkret zu verstehen

lassen. Das stärkt die Glaub-

ist, überlässt der Bund der

würdigkeit der kommerzi-

Konsumkreditbranche.

ellen Kommunikation und

Glaubwürdigkeit

entlastet die chronisch über-

diese Selbstregulierung nicht

lasteten Gerichte. Das Resul-

zuletzt daraus, dass sich die

tat sind effizientere Verfah-

SLK als Beschwerdeinstanz

ren zu wesentlich tieferen

zur Verfügung stellt.

Ihre

gewinnt

Kosten und mit geringerem bürokratischen

Aufwand.

Davon profitieren mehr und mehr auch Unternehmen, die der Ansicht sind, dass die

A NS T Ö S SIG ODER NICH T? D IE S CH W E I Z E R I S CHE L A U T E R K E I T S KO MMI S S I O N K L Ä R T. S E I T 5 0 J A HR E N F ÜR FA IR E W E R BUN G.

Alles Wissenswerte über die Schweizerische Lauterkeitskommission finden Sie auf der Website faire-werbung.

Werbung eines Mitbewer-

ch. Darunter Texte und Bil-

bers unlauter sei. Aufgrund

der zu den diversen Jubilä-

der massiven Verlagerung

umsaktivitäten – von der Für-

des Handels ins Internet ist die kommerzielle Kommunikation immer

sprache der ehemaligen SLK-Präsidentin Bundesrätin Doris Leuthard

kurzlebiger geworden ist. Lange Gerichtsprozesse wegen Verletzung

im Rahmen eines Anlasses der parlamentarischen Gruppe Medien und

des UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) machen deshalb

Kommunikation über einen Auftritt am Tag der Marke von Promarca

wenig Sinn. Eine Beschwerde bei der Lauterkeitskommission dage-

bis zu einer Fachtagung am Europa Institut der Universität Zürich.

gen umso mehr. Nicht nur, weil sie in der Regel innert drei Monaten

faire-werbung.ch

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Jetzt vormerken und Platz sichern:

World Café 16. März 2017 Zürich

Der Handel ist im Wandel. Bewegen Sie mit! Als Mitglied von Handel Schweiz nehmen Sie Einfluss auf die Entwicklung. Sie stärken die Stimme des Handels. Sie treten für faire Rahmenbedingungen im Handel ein. Sie gewinnen konkrete Vorteile über Dienstleistungen.

Handeln Sie jetzt und verlangen Sie unser Angebot. Handel Schweiz ist der Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände

Der Handel ist mit 680'000 Mitarbeitenden der wichtigste private Arbeitgeber

mit insgesamt 3’700 Unternehmen angehören. Handel Schweiz vertritt eine

der Schweiz. Im Handel werden über 38'000 Lehrstellen angeboten, mehr bil-

liberale Politik und setzt sich für eine starke Schweiz ein.

det keine Branche aus.

acebook.com/HandelSchweiz

twitter.com/HandelSchweiz

.com/HandelSchweiz

Eine Mitgliedschaft bei Handel Schweiz bringt eine ganze Palette von Dienstleistun-

geniesst das Mitglied administrative und so-

träge, bei denen jedes Mitglied und dessen

gen mit sich: die politische Interessensver-

ziale Vorteile. Ein zentraler Punkt von Handel

Angestellte, das Personal der Mitgliedfirmen,

tretung, die bis zur Rechtsberatung gehen

Schweiz ist die Ausbildung. Dezentral werden

von Krankentaggeld und Krankenpflege pro-

kann oder bis zur Hilfestellung im Umgang

in der ganzen Schweiz KV-Lehrlinge ausgebil-

fitieren können. Weitere Dienstleistungen im

mit Behörden. Zu den geldwerten Dienst-

det. Die Lehrlinge werden in Handelsfragen

Sachdienstleistungsbereich: Brokerdienstleis-

leistungen zählen insbesondere das Sozial-

geschult und als Kaufleute fit gemacht. Ein

tungen oder einen DPD-Rahmenvertrag für

werk, die Ausgleichskasse, die BVG-Stiftung

weiterer Bereich sind Dienstleistungen im

den günstigeren Paketservice.

und die Familienausgleichskassen – bei allen

Versicherungsbereich,

Mehr unter handel-schweiz.com

etwa

Kollektivver-

Wir handeln #3/2016  
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