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Das Magazin des Schweizer Handels Aussenhandel

Import

Lernende

Neue Fachkräfte mit viel Biss und Chancen. Seite 6

Tipps für Corporate Social Responsibility. Seite 8

Flexible Lösungen fürs Homeoffice. Seite 14

21

Ein Lächeln für den Handel Ob online oder im stationä-

ren. Das gelingt erstaunlich gut.

ren Handel – Konsumentinnen

Intakte Lieferketten trotz stei-

und Konsumenten fühlen sich

genden Transportpreisen, sich

einfach wohler, wenn sie «an-

ändernde Verkaufskanäle, stabil

gelächelt» werden. Hier unter-

anspruchsvolle Kunden und un-

scheiden sich der Detailhandel

sichere Zukunftsaussichten – das

und der Grosshandel nicht. Wäh-

alles stemmt der Schweizer Han-

rend die Händler «gute Laune»

del. Dafür ein herzliches Danke!

verbreiten, Zuversicht und Kom-

Mit Ihrer Zuverlässigkeit schen-

petenz vermitteln, müssen sie

ken Sie den Schweizerinnen und

heutzutage ihre grosse Flexibili-

Schweizern viel Freude. Fühlen

tät noch einmal erhöhen, ihre

Sie sich angelächelt – auch wenn

Zukunftsplanung schärfen und

das Lächeln nicht immer sichtbar

ihre

ist! Seite

Innovationskraft

trainie-

2

«Formel 1» der E-Shops

Mitgliederverband

Im neuen E-Shop der SPAETER Gruppe ver-

Up and down bei Arbeitsbühnen: ein Lage-

2020 bei Handel Schweiz: Rückblick, Ein-

schmelzen Online und Offline. Seite

bericht aus der Branche. Seite

blick – zum Herausnehmen. Ab

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19

Jahresbericht 2021

Seite 9


Branchen im Handel

Editorial Mit Zuversicht! 2020 war für die meisten Handelsbranchen ein aussergewöhnlich forderndes Jahr. Doch einzelne Bereiche erreichten deutliche Steigerungen. Dazu zählen der Spielwarenhandel, der generell um 13% gewachsen ist. Die Konsumentinnen und Konsumenten spielen und puzzeln nicht nur mehr. Sie haben auch andere Vorlieben entwickelt. So wird Kaffeerahm heutzutage vor allem in grösseren Flaschen gekauft statt in kleinen Portionen. Herr und Frau Schweizer geniessen lieber einheimischen Wein, der um 10% zulegen konnte. Sie nutzen ausserdem die Zeit, um ihre Holzterrasse zu planen und in Auftrag zu geben. Auch die Antriebstechnik des Neuwagens ist ein Thema in Schweizer Familien. 2020 wurden 30% mehr Neuwagen mit Ohne Aussenhandel wäre die Schweiz

alternativen Antrieben wie Elektro verkauft. Im Januar waren es 36%.

irgendein marginales Land inmitten Europas ohne wirtschaftlichen Einfluss und

Lebensmittel

haben

Der

Detailhandel

ist

ohne kulturelle Entfaltungsmöglichkeit.

die Schweizerinnen und

von der Pandemie sehr

Seit es die Schweiz gibt, ist der Handel,

Schweizer im Jahr 2020

heterogen betroffen. Die

insbesondere der Aussenhandel, ein Teil

insgesamt

weitgehend

wochenlange Schliessung

unserer Identität. Das ist nicht selbstver-

unverändert

konsumiert.

tausender Läden brachte

ständlich. Dafür muss man kämpfen und

Der zeitweise unterbrochene

viele Händler in grosse Schwierigkeiten. 2021

einstehen. Es ist wichtig, den Handel zu

Einkaufstourismus erwies sich als ein Vor-

ist der Detailhandel insgesamt jedoch zuver-

verteidigen, neu zu entwickeln und uns

teil für den hiesigen Handel. Manche Firmen

sichtlich. In der Branche ist ein Aufatmen

als Branche immer wieder neu zu positio-

verzeichneten ein leichtes Plus. In gewissen

spürbar. Eine aktuelle Herausforderung sind

nieren. Das ist eine Daueraufgabe, die uns

Bereichen des Lebensmittelhandels entstand

die Überseetransporte, die mit Unsicher-

agil und munter hält.

Knappheit bei einzelnen Produkten. So führte

heiten behaftet sind, was zu Warenausfällen

der Anstieg der Käseexporte zu einem Man-

führen kann.

Die Schweiz verdient die Hälfte des Wohl-

gel bei der Butter und zu einem höheren

standes im Ausland. Dank dieser Ver-

Milchpreis, was mit Sorge beobachtet wird.

netzung geht es uns als kleines Land der-

Der

mit FotoVideokameras

Handel

und

wir veredeln sie und exportieren sie wie-

Weinhandel über eine quali-

der mit sehr viel Wertschöpfung. Diese

tativ gute Ernte und konn-

fällt in der Schweiz an. Damit dies mög-

te die Lager gut füllen.

fand ein Technologiewechsel

lich ist, brauchen wir Partnerländer, mit

Doch wird in geschlossenen

von Spiegelreflexkameras zu spiegellosen

denen wir Handel betreiben können – und

Restaurants bekanntlich kein

Geräten statt. Diese machen nun mehr als

zwar Freihandel, möglichst ohne Zölle,

Wein konsumiert. Deshalb musste der Wein-

ohne Hürden, ohne technische Handels-

handel in der Gastronomie einen Umsatz-

hemmnisse. Lassen Sie uns dafür ge-

rückgang von bis zu 45% hinnehmen. Auch

meinsam einstehen.

im Fachhandel brach der Umsatz um 45% ein,

massen gut. Wir importieren Rohstoffe,

2020 freute sich der

während der Detailhandel zulegen konnte.

satzrückgang.

Gleichzeitig

die Hälfte des Marktes aus. Der

Textilhandel

lag

2020 auf üblichem Niveau; die Verkäufe von Textilien an den Einzelhandel zeig-

Ich wünsche Ihnen spannende Anregungen bei der Lektüre von «Wir handeln».

verzeichnete für das Jahr 2020 insgesamt einen Um-

Zudem veränderten sich die Vorlieben beim

ten sich stabil. Der Han-

Weingenuss. Die Konsumenten orientierten

del mit Berufskleidung folgte

sich stärker am inländischen Wein, was hier

weiterhin einem positiven Trend. Nach den

Kaspar Engeli

zu einer Umsatzsteigerung von 10% geführt

Corona-Einschränkungen vom Herbst liegt je-

Direktor Handel Schweiz

hat. Zudem hat eine wachsende Zahl Privat-

doch die Winterkollektion immer noch in den

kunden Wein direkt bestellt.

Läden und Lagern und ist fast nicht mehr zu verkaufen. Probleme bereiten auch die feh-

2

Wir handeln 1/21


Branchen im Handel

Direkter Link zum Videointerview lenden Container für den Transport aus Fernost und die massiv stei-

Handel mit Maschinen und Automation für Druck und Verpackung muss-

Auch der

genden Frachtkosten.

te grosse Flexibilität beweisen. Während sich der Der mangelnde Abverkauf der Winterware prägt das Geschäft in 2021.

Bereich Verpackung überdurchschnittlich positiv

Für den Textilgrosshandel und die Produzenten ist die Nachfrage nach

entwickelte, verzeichnete der Handel mit Druck-

der nächsten Kollektion deutlich gesunken. In der internationalen

maschinen einen Rückgang von 20%.

Produktion von Textilien finden interessante Entwicklungen im Markt statt. So baut China aktuell eine Kleiderproduktion in Bangladesch und

Im

Autohandel sorgt die Pandemie für rasche

anderen asiatischen Ländern auf. In China selbst ist die Herstellung

Veränderungen im Markt. Die Neuwagenverkäufe

von Kleidung inzwischen zu teuer geworden.

2020 sind gegenüber 2019 um 24% eingebrochen – das schlechteste Resultat seit 1975. Für den Licht-

Lederhandel verlief die Entwicklung je nach

blick sorgen die um 30% gestiegenen Verkäufe von

Region und Kundengruppen sehr unterschiedlich.

Neuwagen mit alternativen Antrieben. Nun müssen für diese Fahr-

Während manche Lederhändler keine Einbussen

zeuge genügend Ladestationen bereitstehen, damit der Erfolg nach-

verzeichneten, haben andere bis zu 40% Umsatz

haltig sein wird.

Im

verloren. Auch im gesamten

Baubereich entwickelten sich

Zigarren und Genussmittel

die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich, was

ging 2020 der Umsatz um 20% zurück, während

sich auf mehrere Handelsbranchen auswirkt. Wäh-

Im Fachhandel

der Grosshandel sein Volumen halten konnte. Mit

rend der Tiefbau weiter auf hohem Niveau läuft, ist

90% Rückgang machte der Bereich Duty Free eine

der Hochbau rückläufig. Nicht nur der Stahlhandel

dramatische Entwicklung durch. Die Preise und die

litt 2020 unter den verzögerten Baubewilligungen, die aufgrund des

Zuverlässigkeit der Fracht stellen aktuelle Herausforderungen dar. Ins-

Homeoffice der Baubehörden langsamer bearbeitet wurden. Für Un-

gesamt ist trotzdem der Ausblick für 2021 verhalten positiv.

sicherheiten sorgen zudem die drohenden Zurückstellungen von Projekten der öffentlichen Hand wie zum Beispiel den SBB. Es ist abseh-

In der Medizinaltechnik entwickelten sich die Be-

bar, dass in den nächsten Jahren Investitionen im Tourismusbereich

reiche sehr unterschiedlich. Während «Notfall» und

nur zurückhaltend getätigt werden.

«Anästhesie» im Jahr 2020 ein Plus verzeichneten, kam es in der Chirurgie zu Rückgängen von bis zu 40%. Da verschobene Operationen nun nachgeholt werden, normalisieren sich insofern die Aussichten. Grosse Sorge

Doch trotz diesen negativen Voraussetzungen verlief vor allem der Handel mit

Holzwerkstoffen Holzbau stieg

zufriedenstellend. Der Umsatz im

bereitet das Auslaufen des MRA-Abkommens (Mutual Recognition

um bis zu 20%. Die Pandemie sorgte für einen kräf-

Agreement) mit der EU. Die EU hat klargemacht, dass sie ohne das Insti-

tigen Digitalisierungsschub in den betrieblichen Ab-

tutionelle Rahmenabkommen das MRA nicht erneuern wird.

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läufen. Die Aussichten für 2021 sind sehr gut.

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Branchen im Handel Handel mit Metallen 2020 einen Rückgang von bis zu 1,5%. Vor

Insgesamt verzeichnete der

Der

Elektrogrosshandel konnte nach zeitweise

stärkeren Einbrüchen den Umsatz in der Bauwirt-

allem brach die Nachfrage durch die Industrie ein.

schaft bis Ende 2020 stabilisieren. In der Industrie

Bereits im vergangenen Jahr kam es zu einem

wurden dagegen die anfänglichen Umsatzein-

Preisanstieg, der sich in den ersten zwei Monaten

bussen im Jahresverlauf nicht mehr wettgemacht.

des Jahres 2021 weiter fortsetzte. Im Handel mit

Baumaschinen ging im ver-

Der Handel mit Bodenbelägen verzeichnete 2020 einen Rückgang von rund 8%. Negativ fiel ins Ge-

gangenen Jahr das Volumen um 6% zurück. In

wicht, dass die üblichen Umbauten in den Touris-

2021 rechnet die Branche mit einer stabilen Nach-

musregionen im Frühjahr nicht möglich waren res-

frage und einem Plus von 1,5%. Aktuelle Heraus-

pektive auf den Herbst verschoben wurden. Wegen

forderungen sind die um bis zu 7% gestiegenen Prei-

der zweiten Welle wurden sie dann jedoch auch nicht

se, längere Lieferzeiten und die EU-Zölle für Produkte aus den USA.

ausgeführt. Hingegen haben Firmen, deren Mitarbeitende im Homeoffice waren, die Gelegenheit genutzt, um neue Böden zu verlegen.

Im Handel mit

Baumaterialien blieb das Ge-

schäftsvolumen stabil, wobei es zu regionalen

Arbeitsbühnen werden im Bau, in der Indust-

Unterschieden kam wie beispielsweise in der Re-

rie, Reinigung sowie bei Messen und Events ein-

gion Genf, in der 15% weniger Baumaterialien ver-

gesetzt. Insgesamt verloren im Jahr 2020 die meis-

kauft wurden. In der Romandie und im Tessin bereiteten die Baustellenschliessungen Probleme, während an anderen

ten Anbieter von Arbeitsbühnen bzw. Hebebühnen gegenüber dem Vorjahr bis zu 12% Umsatz.

Orten Fabrikschliessungen zu Lieferverzögerungen führten.

Umfrage: Ihre Antwort zählt!

Der Handel 2030 Handel Schweiz möchte von Ihnen erfahren, wie Sie die Zukunft Ihres Unternehmens und Ihrer Branche einschätzen. Nehmen Sie an unserer aktuellen Umfrage teil – online oder per Videochat. Die Umfrage ist online unter:

www.handel-schweiz.com/umfrage2030 Uns interessieren Ihre Einschätzungen der relevanten Zukunftsthemen und wie Sie Ihr Unternehmen in dieser Hinsicht für die kommenden zehn Jahre fit machen. 4

Als Teilnehmende an der Umfrage erhalten Sie die Zusammenfassung der Ergebnisse. Anonymisierte Auszüge werden in den Medien publiziert, was den Anliegen des Handels Nachdruck verleiht.

Direkter Link zur Umfrage Wir handeln 1/21


Aussenhandel

Krönung für Berufsleute Nach einem struben Jahr mit Prüfungsverschiebungen und viel

Die Absolventinnen und Absolventen erwerben nicht nur Kenntnisse

Ungewissheit sind die eidgenössischen Berufsprüfungen im

im Aussenhandel, sondern eignen sich auch Wissen in Betriebswirt-

Aussenhandel wieder voll auf Kurs: Es wird geprüft und die Zu-

schaft, Personalführung und Management an.

kunft geplant. Aussenhandelsleiter mit neuer Ausrichtung Die Herausforderungen des vergangenen «Corona»-Jahres waren

Um diesen umfassenden Ansprüchen gerecht zu werden, wurde die

auch in der höheren Berufsbildung sehr spürbar: Es mussten Ver-

Weiterbildung zum Aussenhandelsleiter neu ausgerichtet: Aussen-

anstaltungen und Prüfungen verschoben werden. Aber bis Jahresende

handelsleiterinnen und -leiter verfügen über die nötigen Kompeten-

konnten alle Lücken geschlossen, sämtliche Prüfungen durchgeführt

zen, um anspruchsvolle und komplexe Planungs-, Führungs- und Fach-

und auch noch eine online-taugliche Diplomfeier organisiert werden,

aufgaben im Aussenhandel zu übernehmen. Sie sind in international

die dann am 15. Januar stattgefunden hat.

tätigen Handels-, Dienstleistungs- und Produktionsunternehmen tätig und übernehmen Vorgesetztenfunktion im mittleren oder oberen

Prüfungen ab 2023 neu

Kader. Sie erarbeiten strategische Richtlinien, bearbeiten Projekte, er-

Die Entwicklungsprojekte in den eidgenössischen Berufsprüfungen

stellen Konzepte und tragen die Gesamtverantwortung der Leistungen

wurden durch die Pandemie auch nicht gestoppt, sondern schreiten

im Bereich des Imports, Exports und des Transithandels. Sie stehen der

plangemäss voran. Die neuen Prüfungsordnungen und -wegleitungen

Geschäftsleitung als Sparringpartner und als Auskunftsperson für den

für die Aussenhandelsfachleute und -leiter sind beim Bund eingereicht

ganzen Bereich des Aussenhandels zur Verfügung.

worden und werden nach der offiziellen Vernehmlassung in Kraft treten. 2023 werden die ersten Prüfungen gestützt auf diese neuen

Mit diesem staatlich anerkannten Abschluss sind die erfolgreichen

Grundlagen durchgeführt werden.

Absolventen fit für einen nächsten Sprung auf der Karriereleiter, und die Betriebe profitieren von Arbeitnehmern, welche über ein beein-

Berufsprüfung vermittelt Fachkenntnisse

druckendes Wissen und Können verfügen. Es gibt keine andere Höhe-

Die Trägerschaft beider Berufsprüfungen setzt sich zusammen aus den

re Fachprüfung, die so umfassende Kompetenzen voraussetzt.

zwei Aussenhandelsverbänden Handel Schweiz und Swissmem. Sie sind es auch, welche die Weiterbildung laufend auf ihre Aktualität hin

Es handelt sich um die Krönung für Berufsleute, die der Faszination des

überprüfen und bei Bedarf an neue Anforderungen anpassen. In der

Handels mit fremden Ländern und Kulturen erlegen sind. Für sich und

Berufsprüfung sind gemäss den Wünschen der Wirtschaft die Fach-

ihren Arbeitgeber sichern sie mit dem Erwerb des eidgenössischen

kenntnisse stärker gewichtet. Bei der Aussenhandelsleitung wünscht

Diploms nachhaltigen Erfolg.

sich die Wirtschaft dagegen eine Kaderausbildung im Aussenhandel.

Der Aussenhandel ist eine faszinierende Berufswelt.

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Diplome

Chance Aussenhandel In den vergangenen sieben Jahren haben sich knapp 800 Personen als Aussenhandelsleiter/in oder Aussenhandelsfachmann/-frau qualifiziert. Sie alle sind im Schweizer Arbeitsmarkt sehr gesucht. Sechs Absolventen geben Einblick in ihre Tätigkeit. «Der Handel ist eine Abbildung unserer zunehmend komplexen und vernetzten Welt. Wir haben es 2020 erlebt, wie sich eine lokale Infektion auf der ganzen Welt verbreitete und weltweit Menschen in Not brachte. Auch der Handel wurde beeinträchtigt, das Gütervolumen reduziert, Lieferketten auseinandergerissen, und ganz viele Fragen zur

«

Mitarbeitende in Zollthemen schulen

mittelhersteller als Foreign Trade Manager tätig. Sie erlebt täglich eins zu eins die zu-

«

Markt. Mit dem Wissen aus der Weiter-

Welt beeinträchtigt, erleben wir Mängel und Preisexzesse und letztlich Wohlstandsverluste.» Das sagt Daniel Aufschläger, einer der rund 70

bildung ist sie dafür noch besser gewappnet als zuvor. Als Aussenhandelsleiterin ist sie

Prüfungsexperten für Aussenhandelsfachkräfte.

die Stellvertretung des Logistikleiters. Sie kümmert sich um die logis-

Karriere dank Weiterbildung

tischen Abläufe wie auch um die Zollprozesse in der Schweiz sowie für

Sanja Thaler aus dem Kanton Thurgau ist

die Schwestergesellschaft in der EU. «In der Nahrungsmittelindustrie

in der Projektspedition eines Maschinen-

sind die Präferenzursprungskriterien extrem komplex, weil diese in

industrie-Unternehmens tätig. Dies umfasst

den Freihandelsabkommen separat abgewickelt werden. Wir ver-

die Abwicklung von Transporten für Gross-

zollen selbstständig und müssen all die fachspezifischen Tücken ken-

projekte – vom Vertragsabschluss über die

nen – deshalb schule ich auch meine Mitarbeiter im Bereich Zoll.»

«

kommerziellen Abwicklungen, die sie mitgestaltet und verhandelt, bis hin zu den Versanddokumenten sowie der Organisation

des Transports bzw. Schwertransports. Besonders spannend findet sie die enorme Vielseitigkeit, die sie täglich erlebt. «Kein Tag gleicht dem anderen. Ich bin im weltweiten Bereich tätig, hauptsächlich betreue ich jedoch Projekte in den USA, Indien sowie Europa.» Sanja Thaler konnte aufgrund ihrer Weiterbildung zur Aussenhandelsleiterin ihre heutige Stelle als stellvertretende Abteilungsleiterin antreten. Sie belegt mit ihren Prüfungsergebnissen den zweiten Rang mit der hervor-

«

Freihandelsverträge zwischen China und Indien Andrea Freitag aus Arbon im Kanton Thurgau hat nach der Weiterbildung zur Aussenhandelsfachfrau jene zur Aussenhandelsleiterin abgeschlossen. Ihr Arbeitgeber, das international tätige Unternehmen Saurer in

«

Arbon, betreibt sogenannten Cross Trade. Dabei sind Versender, Versandort und Empfangsort in jeweils anderen Ländern. So

liegt bei Saurer das Management in der Schweiz, die Textilmaschinen

ragenden Note 5,3.

«

zehn Jahren bei einem grossen Lebens-

nehmende Vernetzung im internationalen

Logistik des Handels stellten sich. Wird der Handel in der globalisierten

«

Sabrina Pettineo aus Lachen SZ ist seit

werden jedoch ab Indien und China in die ganze Welt verschickt.

Führungsaufgaben übernehmen

Andrea Freitag schätzt es daher sehr, dass die Weiterbildung inter-

Marcel Hasler aus dem Kanton Thurgau

national gestaltet wurde und so auch das Tagesgeschäft von global tä-

hat sich für die Weiterbildung zum Aussen-

tigen Firmen sehr gut abdeckt. Für Saurer sind Freihandelsverträge zwi-

handelsfachmann entschieden, weil «es

schen der Schweiz und anderen Ländern nicht direkt relevant, jedoch

die perfekte Verknüpfung zwischen meiner

solche zwischen anderen Ländern, wie dies beispielsweise zwischen

ehemaligen Lehrausbildung als Speditions-

China und Indien der Fall ist. In jedem Fall reduziert ein Freihandelsab-

kaufmann und meinem jetzigen Beruf im

kommen die Zollabgaben. Dafür müssen gewisse Voraussetzungen er-

Export eines Industrieunternehmens ist».

füllt werden. Andrea Freitag: «Meist wird durch eine offizielle Behörde

«

Sein Arbeitgeber gehört zu jenen Schweizer

geprüft, was zur Zollbefreiung oder Zollerleichterung führt. Für Indien,

Firmen, die vom Freihandelsabkommen Schweiz–China profitieren,

das mit China ein Freihandelsabkommen hat, führt dies zum Beispiel

indem sie die Waren vergünstigt, zollfrei oder verbilligt importieren

zu einem Wegfall von Zollsätzen von 7%. Diese wären fällig, falls wir

können. Marcel Hasler hat die Berufsprüfung mit der sehr guten Note

direkt ab der Schweiz liefern würden.»

5,2 abgeschlossen und damit den dritten Rang erreicht.

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Wir handeln 1/21


Diplome

«

Die täglichen Herausforderungen Doris Becher aus Büren im Kanton Nidwalden hat die Weiterbildung zur Aussenhandelsfachfrau begonnen, weil sie sich bei der Erledigung der täglichen Aufgaben

«

Projekte kompetenter abwickeln

immer wieder mehr Hintergrundwissen ge-

«

Ein international tätiges Unternehmen der mechanischen Branche profitiert vom neu erworbenen Wissen von Céline Levrand aus Fully im Kanton Wallis. Ihr Ziel für den Abschluss der Berufsprüfung: unnötige Kosten

«

wünscht hatte. Ihr Arbeitgeber verkauft

in der Abwicklung von Projekten und Liefer-

recycelbare Güter nach Übersee, Europa,

verzögerungen vermeiden helfen – ins-

in die Ukraine, nach Nordafrika oder Pakis-

besondere in Anbetracht der zunehmenden

tan. Die Coronakrise hat ihren Betrieb vor grosse Herausforderungen

Komplexität und einer wachsenden Zahl an Reglementen in den ver-

gestellt, wie alle Firmen in der Recyclingbranche. Wegen des Über-

schiedenen Ländern. «Ich kann Projekte heute

angebots der Produkte kam es zu einem starken Preisverfall, womit

viel kompetenter abwickeln», ist Céline Levrand

die Logistikkosten unter Druck gerieten. Auch Doris Becher hat mit der

überzeugt.

sehr guten Gesamtnote 5,3 den dritten Rang erreicht.

Konsumgewohnheiten ändern sich, aber nicht « der Handel. Wir brauchen Waren, und wir brauchen Austausch.» Giovanni Di Domenico, Prüfungsexperte

Direkter Link zum Video der Diplomfeier

Wechsel im Präsidium der Prüfungskommission

Benjamin Schneebeli war 16 Jahre lang in der Prüfungskommission

Mit Martin Schuler konnte wieder ein ausgewiesener Aussen-

tätig und fünf Jahre ihr Präsident. In dieser Funktion konnte er zu-

handelsprofi als Präsident gewonnen werden. Der Leiter der Auf-

sammen mit der Kommission einige Veränderungen bewirken und

tragsabwicklung, der Logistik und des Marketings der Liebherr Export

begleiten, so unter anderem die Vergleichbarkeit der beiden Weiter-

AG, einem Handelsunternehmen der Firmengruppe LIEBHERR, ver-

bildungen Aussenhandelsfachmann/-frau und Aussenhandelsleiter/in

antwortet vom aargauischen Nussbaumen aus den Kauf und Verkauf

mit dem europäischen Qualifikationsrahmen. Somit ist die inter-

von Baumaschinen, Mining-Geräten, Turmdrehkränen, Betonmisch-

nationale Einordnung der Weiterbildungen klar ersichtlich, was auch

anlagen und Betonvermischern in bis zu über hundert Ländern. Mit

die Arbeitssuche ausserhalb der Schweiz oder die Kommunikation in

seinem Engagement will er einen aktiven Beitrag in der Weiterbildung

international geführten Unternehmen erleichtert. Benjamin Schnee-

leisten und mithelfen, dass der Aussenhandel weiterhin ein wichtiger

beli ist Aussenhandelsprofi durch und durch. Seit seiner Ausbildung

und interessanter Arbeitgeber bleibt. Den Diplomanden gibt er mit auf

als Speditionsfachmann und Speditionsleiter befasste er sich mit

den Weg: «Seid stolz auf euren Abschluss, aber bleibt nicht stehen.

dem Aussenhandel, der ihn wegen der vielen Sprachen und der ver-

Nur mit gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben

schiedenen Kulturen immer fasziniert hat. Als Leiter Export bei der

Schweizer Firmen international eine Chance, sich zu etablieren und

Firma Stöcklin Logistik in Aesch, heute Laufen, hat er verschiedene

auch erfolgreich zu sein».

Projekte nach Mexiko, USA, Südamerika und Europa abgewickelt.

Wir handeln 1/21

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Unternehmensführung

Mehr Verantwortung Von Alex Kunze Nationaler Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO Der

Klimawandel,

Menschenrechts-

verletzungen in globalen Lieferketten wie auch die öffentliche Debatte zur Lohn- und Chancengleichheit haben die verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility, CSR) in den gesellschaftlichen und politischen Fokus gerückt. Dies stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Wie gehen Banken mit dem Ausstieg aus fossilen Energien um? Berücksichtigen Kunden nach wie vor Modelabels, die aufgrund von Ausbeutung der Textilarbeiterinnen in den sozialen Medien angeprangert werden? Wie stellen Unternehmen eine angemessene Vertretung von Frauen in Führungsgremien sicher und was erwartet der Bund? bleibt die Vorbildrolle der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats Der CSR-Aktionsplan 2020-2023 des Bundesrates zeigt zahlreiche Ins-

sowie deren Bereitschaft zum Dialog mit den externen Interessen-

trumente für Unternehmen zur Einhaltung der Arbeits- und Menschen-

gruppen und zur Innovation zentral. So stärkt CSR die Wettbewerbs-

rechte, zur Korruptionsprävention und für den Umweltschutz auf. Er

fähigkeit und die Marktstellung eines Unternehmens, mindert poten-

hält auch die Erwartung des Bundesrates an Unternehmen fest, inter-

zielle Reputationsrisiken und ist eine wichtige Voraussetzung für

nationale CSR-Standards wie die Leitsätze für multinationale Unter-

eine nachhaltige wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische

nehmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung.

Entwicklung (OECD) einzuhalten – auch wenn sie rechtlich nicht verbindlich sind. Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative Im Zentrum steht dabei die sogenannte Sorgfaltsprüfung (Due Dili-

Nach der Ablehnung der Konzernverantwortungsinitiative wird

gence). Sie ermöglicht Unternehmen, Risiken betreffend beispiels-

der indirekte Gegenvorschlag des Parlaments in Kraft treten,

weise Wasserverschmutzung, Verletzung von Landrechten, Dis-

sofern dagegen nicht das fakultative Gesetzesreferendum er-

kriminierung von Arbeitnehmenden (z. B. aufgrund des Geschlechts)

griffen wird. Dieser sieht eine Berichterstattungspflicht für gros-

oder Bestechung von Amtsträgern zu erkennen. Auf dieser Basis kön-

se Publikumsgesellschaften und Finanzinstitute ähnlich wie in

nen sie geeignete Massnahmen ergreifen, wobei sie deren Wirksam-

der EU über Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, Menschen-

keit laufend überprüfen und darüber berichten und ggf. Wiedergut-

rechte und die Korruptionsbekämpfung vor. Weiter besteht eine

machung leisten. Für die praktische Umsetzung der Sorgfaltsprüfung

Pflicht zur Sorgfaltsprüfung und Berichterstattung für Unter-

hat die OECD einen branchenübergreifenden Leitfaden sowie spezi-

nehmen, die Mineralien oder Metalle bestehend aus Zinn, Tan-

fische Instrumente für die Sektoren Rohstoffe, Textilien, Landwirt-

tal, Wolfram oder Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten in

schaft und Finanzen publiziert. Gemeinsam mit den Interessengruppen

die Schweiz importieren oder hier bearbeiten. Eine Pflicht zur

(Wirtschaft, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen) er-

Sorgfaltsprüfung besteht auch für Unternehmen, die Produkte

arbeitet und durch die 50 Unterzeichnerstaaten verabschiedet, gelten

oder Dienstleistungen anbieten, bei denen ein begründeter

sie als die international anerkannteste Referenz zur CSR-Sorgfaltsprü-

Verdacht besteht, dass sie unter Einsatz von Kinderarbeit her-

fung. Sie werden vermehrt auch als Grundlage für gesetzliche Rege-

gestellt wurden.

lungen (z. B. Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative) genutzt. Last but not least, für eine erfolgreiche Umsetzung der CSR

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CSR-Bundesportal: www.csr.admin.ch

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Jahresbericht 2021

Stimme des Handels Das vergangene Jahr wird

gutem Beispiel voranzugehen. Eines der reichsten Länder der Welt,

als ein kompliziertes Jahr

stolz auf seine Start-ups, seine Pharmaindustrie und seine exzellente

in

bleiben.

Regierungsführung, hat nicht zeigen können, wozu es fähig ist. Im

Dennoch sind die Wider-

Gegenteil: Verspätete und unzureichende Bestellungen, der Austausch

standsfähigkeit und Agili-

von Impfstoffen zwischen den Kantonen und ein schlecht kontrollier-

tät, die die Schweizer Wirt-

tes Prioritätensystem haben die Behörden letztlich dazu gezwungen,

schaft an den Tag legt, mit

Massnahmen aufrechtzuerhalten, die mit der Zeit unpopulär und un-

Genugtuung zur Kenntnis

verständlich wurden.

Erinnerung

zu nehmen. Die meisten unserer Mitglieder spüren nur sehr wenig Einfluss auf den Verlauf ihres Geschäfts. Ich denke dabei an Unter-

Während beim Institutionellen Rahmenabkommen leider kein gutes

nehmen, die zum Beispiel in der Bau-, Elektronik- oder Lebensmittel-

Ergebnis erwartet werden kann, spricht sich Handel Schweiz weiter-

branche tätig sind. Andere, die im Einzelhandel tätig sind, konnten

hin für die Fortsetzung der Verhandlungen und vor allem für die Bei-

sich der Covid-19-Krise nicht entziehen. Ich denke zum Beispiel an die

behaltung des bilateralen Weges aus. Bei den guten Nachrichten

Wein- und Textilbranche, die lange Zeit brauchen werden, um sich zu

darf ich schliesslich mit Genugtuung die Annahme des Freihandels-

erholen, und die staatliche Unterstützung klar verdient haben.

abkommens mit Indonesien durch das Volk erwähnen. Einmal mehr haben die Schweizerinnen und Schweizer gezeigt, dass sie sich dem

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels besteht die einzige Hoff-

Prinzip der Offenheit gegenüber anderen verpflichtet fühlen und den

nung auf eine schnelle Rückkehr zur normalen Wirtschaftstätigkeit in

internationalen Handel befürworten.

einer gross angelegten Impfkampagne. Leider haben die Schweizer Behörden in diesem Zusammenhang eine Gelegenheit verpasst, mit

Jean-Marc Probst, Präsident Handel Schweiz

Präsident des Vorstands Jean-Marc Probst, Probst Maveg SA, Crissier*

Vizepräsidenten des Vorstands Rudolf O. Schmid, ESIMAG-IMMOBILIEN AG, Zürich* Peter J. Grossniklaus, Bienna Holding AG, Biel*

Mitglieder des Vorstands Matthias Anliker, A. Leiser AG, Reiden

Robert Laubscher, Laubscher & Co. AG, Hölstein*

Daniel Broglie, Chromos AG, Dielsdorf

François Launaz, auto-schweiz, Bern

Rolf Burri, Carlit + Ravensburger AG, Würenlos

Daniel Pfirter, Woodpecker Holding AG, Basel

Dr. Matthys Dolder, Dolder AG, Basel

Marc André Proz, Matériaux PLUS SA, Sion

Othmar Dubach, Emmi Schweiz AG, Luzern

Roman Rogger, Woodpecker Holding AG, Bremgarten*

Patrick Fischer, Otto Fischer AG, Zürich

Christian Rüegger, Brütsch/Rüegger Holding AG, Urdorf

Jürg Frutiger, Elsau

Martin Stoll, Textilagentur Martin Stoll GmbH, Pfeffingen

Beat Hauenstein, Oettinger Davidoff AG, Basel

Matthias Tobler, Scherer & Bühler AG, Meggen

Dr. Thomas Hill, Fritz Meyer AG, Basel

Christoph Weber, Arthur Weber AG, Seewen

Andreas Knöpfli, SWICO – Der Wirtschaftsverband für die digitale

Philipp Zgraggen, Volg Konsumwaren AG, Winterthur

Schweiz, Zürich

Arno Zindel, Canon (Schweiz) AG, Wallisellen

Hans Kohler, Hans Kohler AG, Zürich Stéphane Küpfer, Küpfer Cuir SA, Genf

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* Mitglied des Leitenden Ausschusses

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Jahresbericht 2021

Wirtschaftspolitik

Interessen vertreten

Im vergangenen Jahr waren zweifelsohne fast alle Lebensbereiche

Handelsunternehmen zu sensibilisieren. Parallel dazu nutzten wir

von einem Faktor dominiert: Corona. Zu Beginn des Jahres noch von

unsere politischen Kontakte, um diese Anliegen auch bei den Be-

vielen auf die leichte Schulter genommen, entwickelte sich die Pande-

hörden zu platzieren.

mie rasch zu einem Thema, das die meisten unserer Entscheide beeinflusste. Handel Schweiz reagierte rasch auf die neuen Gegebenheiten.

Doch trotz Corona galt es auch im vergangenen Jahr, bei verschiedenen

In einer ersten Phase galt es, den Mitgliedern zu helfen, sich mit

politischen Vorlagen für die Interessen der Branche einzustehen. Im

den neuen Regelungen zurechtzufinden. Wie ein Wirbelwind brachte

Rahmen zahlreicher Vernehmlassungen setzte sich Handel Schweiz

Covid-19 im Nu neue Verbote, Gebote und Formulare für Staatshilfen.

für die Anliegen der Branche ein. Beispielsweise betonte der Verband

Und alle paar Wochen, oder sogar alle paar Tage, galten wieder neue

bei der Revision der Zollgesetzgebung die Wichtigkeit des Abbaus von

Einschränkungen und gab es wieder neue Auflagen für Kredite. Manch

tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen und lehnte behörd-

KMU, das sich in erster Linie darum kümmern musste, Mitarbeiter und

liche Wettbewerbsverzerrungen klar ab. Auch bei der Revision der

Kunden bei Laune zu halten, verlor fast den Überblick in diesem Laby-

Holzhandelsverordnung wandte sich Handel Schweiz gegen Handels-

rinth von Verordnungen, das sich quasi über Nacht wieder veränderte.

beschränkungen, und bei der Verordnung über die Rückgabe, Rück-

Die Spezialisten von Handel Schweiz konnten hier per Telefon, E-Mail

nahme und Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte wehrte

und Website den Mitgliedern Hilfe leisten.

sich der Verband gegen staatliche Eingriffe in einen funktionierenden Markt.

Als nach dem ersten Lockdown nach und nach die Läden unter strengen Bedingungen ihre Türen wieder öffnen durften, lag es an den

Die für viele Unternehmen entscheidendste Volksabstimmung des

Verbänden, Muster-Schutzkonzepte zu erarbeiten. Auch hier reagier-

Jahres fand im September statt: In Print- und Digital-Werbungen

ten Handel Schweiz und seine Branchenverbände rasch, damit die

sowie Video-Statements, die wir über die sozialen Medien streuten,

Mitglieder pünktlich zur Wiedereröffnung alle Anforderungen des BAG

erklärten Vertreterinnen und Vertreter des Handels, warum sie die

erfüllten.

Begrenzungsinitiative ablehnten. Die Vorlage, die auch «Kündigungsinitiative» genannt wurde, erlitt nach einem intensiven Abstimmungs-

Parallel galt es für uns als Dachverband auch, in den Medien die Stim-

kampf mit 62% Nein-Stimmen deutlich Schiffbruch. Knapper wurde es

me des Handels zu vertreten. Einerseits um verunsicherten Konsu-

im November bei der Unternehmensverantwortungs-Initiative, doch

menten aufzuzeigen, dass die Schutzkonzepte des Handels greifen,

auch hier brachte letzten Endes ein Aufbäumen der Wirtschaftsver-

andererseits um die Öffentlichkeit für die Nöte und Bedürfnisse der

bände eine knappe Ablehnung zustande.

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Jahresbericht 2021

Kaufmännische Grundbildung

Bildung stärken Corona

Frühjahr 2021 wieder ordentliche Prüfungen durchführen zu können.

Corona hat die Berufsbildung von Handel Schweiz kräftig durchgeschüttelt. Aber nach einer ersten «Verwirrungsphase» im Früh-

Bildungsverordnung 2022

jahr hat man sich gefangen, alle verschobenen Veranstaltungen im

Bis zu den Sommerferien 2020 wurden die Rückmeldungen der

Laufe des Jahres nachgeholt und neu alle Kurse und Prüfungen gegen

Projektleitung und des SBFI in die Entwürfe der branchenspezifischen

Covid-19 «immun» gemacht.

betrieblichen und der ÜK-Leistungszielkataloge aufgenommen. Zusammen mit den Entwürfen der Bildungsverordnung und des

Jahrgang 2020-2023

Bildungsplanes dienten diese Dokumente dann als Grundlage der An-

Im August 2020 starteten 390 Lernende in der kaufmännischen Aus-

hörung unter den Lehrbetrieben, die im August und September 2020

bildungs- und Prüfungsbranche Handel. Bereits Ende September oder

stattgefunden hat. Noch vor dem Jahreswechsel konnte der wichtige

anfangs Oktober besuchten sie die durch das Branchensekretariat or-

Meilenstein der Ticketeingabe für die neue Grundbildung beim Bund

ganisierten überbetrieblichen Kurse, in denen sie mit dem Handel ver-

erreicht werden.

traut gemacht wurden.

Aussenhandelsfachleute und -leiter

Qualifikationsverfahren 2020

Auch die mündlichen und schriftlichen Prüfungen der höheren Berufs-

Für Lernende, die im Frühjahr 2020 ihre Schlussprüfungen besucht

prüfungen im Aussenhandel wurden ein «Opfer» von Corona: Obwohl

hätten, war zu Beginn der Coronakrise völlig unklar, ob, wie und

sie erst im April begonnen hätten, war schnell klar, dass an eine

wann sie diese absolvieren würden. Der Bund hat allerdings grosse

ordentliche und stressfreie Durchführung nicht zu denken war. Einmal

Anstrengungen unternommen, möglichst schnell Klarheit für alle Be-

beschlossen, wurde die Verschiebung schnell kommuniziert und ab

teiligten zu schaffen. In der kaufmännischen Grundbildung war schnell

dann alle Energie auf die Planung der Ersatztermine konzentriert. Und

klar, dass der kleinste gemeinsame Nenner die Absage aller Prüfun-

so konnten im Herbst 172 Aussenhandelsfachleute und 15 Aussen-

gen ist. Dank den betrieblichen Erfahrungsnoten konnte den Lernen-

handelsleiter erfolgreich geprüft werden. Bei einer Online-Diplom-

den aber trotzdem ein aussagekräftiges Schlusszeugnis ausgestellt

feier konnten dann allen erfolgreichen Kandidatinnen und Kandida-

und das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis mit gutem Gewissen aus-

ten die wohlverdienten Fachausweise und Diplome virtuell überreicht

gehändigt werden. So richtig zufrieden ist natürlich trotzdem niemand

werden.

mit dieser Lösung und allen Entscheidungsträgern liegt viel daran, im

Anstossen bei der virtuellen Diplomfeier.

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Jahresbericht 2021

Aussenwirtschaft

Vernetzt bleiben

Der Aussenhandel stand letztes Jahr ganz im Zeichen von Covid-19: So

Kündigung dieses umfassenden Vertragswerkes von über 120 Ab-

schrumpften die Exporte (-7,1% auf CHF 225,1 Mrd.) und die Importe

kommen mit der EU. Das fusst einerseits auf einer Fehleinschätzung

(-11,2 % auf CHF 182 Mrd.) in historischem Ausmass. Dabei sackten im

der wirtschaftlichen Realitäten (so ist England nicht mit der Schweiz

zweiten Quartal Ein- und Ausfuhren in noch nie dagewesener Weise

vergleichbar, die Schweiz kleiner als die EU) und andererseits der Ver-

ab. Die Entwicklung warf den Aussenhandel niveaumässig um drei

harmlosung des möglichen vertragslosen Zustands. Wir haben keine

Jahre zurück. Tiefe und langfristige Spuren also, mit welchen alle Staa-

Not, die bilateralen Verträge aufs Spiel zu setzen, ganz im Gegenteil!

ten umgehen müssen.

Die bestehenden Verträge und Pakete sind zu aktualisieren und neue sollten dazukommen, denkt man nur an Energie, Forschung, Finanz-

Um rasch wieder in positive Gefilde zu kommen, ist es – gerade für

markt, Telekommunikation.

die Schweiz – essenziell, sich aktiv global zu vernetzen und dem Handel Wachstumsimpulse zu geben. Zum Glück müssen wir das Rad

Das Institutionelle Rahmenabkommen wird zum Schreckgespenst

nicht neu erfinden, aber wir sollten uns auf die bestehenden Pfeiler

hochstilisiert. Das ist es nicht. Es bildet einen Rahmen für die zu-

besinnen:

künftige Entwicklung. Dies kann und soll man entspannt diskutieren,

Die Kraft des Freihandels

ohne die Türe schon prophylaktisch zuzuschlagen.

WTO

Freihandelsabkommen (FHA)

Globale Spielregeln für alle am Welthandel beteiligten Staaten führen

32 an der Zahl, ermöglichen sie uns weltweit Vorteile im direkten Zu-

zu Abbau von Handelshemmnissen, Zollerleichterungen und gleich

gang zu Auslandsmärkten und umgekehrt. Es sind wegfallende Zölle,

langen Spiessen im Zugang zu Auslandmärkten. Jahrelang lahmgelegt,

gegenseitige Anerkennungen von Standards, Handelserleichterungen

mehren sich nun zarte Hoffnungen auf eine Renaissance. Zwischen-

nichttarifärer Art, weniger Bürokratie, kurz: Dank den FHA haben wir

zeitlich geht man in verschiedenen Ländergruppen und Geschwindig-

privilegierten Status im Handel mit den Partnerländern. Und neben

keiten wichtige Reformvorhaben an. Die WTO ist für die Schweiz ein

den traditionellen handelspolitischen Fragen werden mehr und mehr

Glücksfall; ohne sie hätten wir niemals eine so tiefe Verflechtung auf

Nachhaltigkeitsstandards gesetzt. Die direkte Verknüpfung dieser

der ganzen Welt.

Standards mit Zollerleichterungen wie im Fall des indonesischen Palmöls ist weltweit ein Novum. Es zeigt, welche Kraft Freihandel ent-

Bilaterale Verträge

falten kann!

Befeuert vom Brexit gefällt gewissen Kreisen die Vorstellung der

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Tag des Handels 2021

Die Branchenplattform Mit dem «Tag des Handels» wurde eine Plattform geschaffen, deren erklärtes Ziel lautet: eine attraktive und etablierte Veranstaltung für die Handelsbranche.

Programm 2021 17. Juni 2021, Gottlieb Duttweiler Institut, Langhaldenstrasse 21, 8803 Rüschlikon 13:30 Uhr Begrüssung Jean-Marc Probst, Präsident Handel Schweiz 13:45 Uhr

Delegierten- und Generalversammlung

14:00 Uhr

Keynote Speaker

Dr. Fritz Zurbrügg, Vizepräsident des Direktoriums der SBN

14:45 Uhr Podiumsdiskussion

Dr. Fritz Zurbrügg

Carl Illi, Präsident Swiss Textiles, CEO der CWC Textil AG

Carl Ziegler, Präsident swiss export, CEO T-LINK

Moderation Marc Lehmann, Tagesgespräch, Radio DRS 1 Ab 15:45 Uhr Apéro

Wir danken unseren Sponsoren:

Melden Sie sich frühzeitig an unter: www.handel-schweiz.com/de/Verband/Tag-des-Handels Direkter Link zur Website

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Grundbildung

Ausbildung im Homeoffice

Der Beschluss des Bundesrates stellte die Berufsbildnerinnen und

Lösungen für die Praxis

Praxisbildner vor grosse Herausforderungen, die sie aber – typisch

Für die Lernenden aller Berufe, die ohne Anwesenheit nicht ausführ-

Handel – pragmatisch meisterten. Seit 18. Januar 2021 müssen viele

bar sind, war – wie auch für die verantwortlichen Praxisbildner – klar,

Handelsbetriebe nicht nur einen grossen Teil des Personals, sondern

dass Homeoffice nicht in Betracht gezogen werden konnte. Lernen-

auch viele Lernende ins Homeoffice schicken. Die Vielfältigkeit der Be-

de der Logistik und Polymechanik zum Beispiel arbeiteten weiter in

triebsstrukturen und der Bedürfnisse hat dabei zu ganz verschiedenen

den Lehrbetrieben. Die kaufmännische Grundbildung hingegen findet

Herausforderungen und Lösungen geführt. Die staatlichen Vorgaben

in Betrieben statt, welche vielfältige Rahmenbedingungen und Um-

waren auf den ersten Blick eindeutig und strikt. Beim genauen Lesen

setzungsformen aufweisen. Vor diesem Hintergrund musste die Um-

aber wurde augenfällig, dass Interpretationsspielraum bestand.

setzung der Homeoffice-Pflicht entsprechend differenziert betrachtet werden. Und so ist in den Betrieben eine bunte Mischung an Lösungen

Homeoffice im Grundsatz

entwickelt worden, die immer pragmatisch den Gesundheitsschutz,

Grundsätzlich ist es Aufgabe der Ausbildungsbetriebe zu entscheiden,

die Ausbildungsbedürfnisse und die betrieblichen Notwendigkeiten

ob und wie die Homeoffice-Pflicht in geeigneter Form umgesetzt wer-

im Blick hatten.

den kann. Unbestritten ist, dass die Homeoffice-Pflicht grundsätzlich auch für Lernende und deren Berufsbildnerinnen gelten soll: «Nach

Unterschiedliche Lösungen im gleichen Betrieb

erfolgter Einarbeitungszeit müssen auch Lernende diejenigen Tätig-

So kam es mancherorts zu unterschiedlichen Lösungen im gleichen

keiten, welche es zulassen, von zuhause aus bearbeiten können. Der

Betrieb: In einer Abteilung konnte Homeoffice für die Lernenden in-

wichtige regelmässige Kontakt mit der Berufsbildnerin soll an die-

klusive der digitalen Betreuung durch die Berufsbildner ohne Proble-

sen Tagen elektronisch stattfinden. Falls es zu Ausbildungszwecken,

me vollzogen werden. Doch in einer anderen Abteilung war Homeof-

also zum Erlernen von Handlungskompetenzen, zur Einführung oder

fice aufgrund von heiklen Daten oder speziell notwendiger Infrastruktur

zum Training von neuen Aufgaben oder zur Ausübung der beruflichen

nicht durchführbar. Da auch die kaufmännischen Lernenden während

Tätigkeiten ein Treffen vor Ort im Betrieb braucht, kann dies unter

ihrer Lehrzeit verschiedene Abteilungen in einem Betrieb durchlaufen,

Einhaltung der Hygienemassnahmen stattfinden.» So heisst es in den

waren vor allem auch die Wechsel und die damit verbundene Ein-

Dokumenten des Bundes.

arbeitung in neue Tätigkeiten eine grosse Herausforderung. Dabei

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Grundbildung musste oft für eine gewisse Zeit auf Homeoffice verzichtet werden.

halb sehr darum bemüht, es nicht so weit kommen zu lassen, und

Sobald aber die Lernenden eine gewisse Routine entwickelt hatten,

erhielten dabei auch Unterstützung von den zuständigen kantonalen

konnte man sie wieder von zuhause aus arbeiten lassen.

Behörden, die sich der Problematik bewusst waren.

Betriebe in Kurzarbeit

Erfahrungsaustausch für Berufsbildner

Leider gab es auch eine grosse Zahl von Betrieben, die keine Arbeit

Das Sekretariat der kaufmännischen Ausbildungsbranche Handel

mehr hatten, weil der Lockdown sie oder einen grossen Teil der Kund-

hat während des Frühjahrs mehrfach einen Online-Erfahrungsaus-

schaft direkt betroffen hat. Dann waren die Berufsbildnerinnen und

tausch unter den Berufsbildnerinnen organisiert. Hier konnten sich

Praxisbildner in Kurzarbeit. Damit wurde es anspruchsvoll, für die Ler-

die Bildungsverantwortlichen der Lehrbetriebe gegenseitig erzählen,

nenden sinnvolle Aufträge zu kreieren. Man darf nicht vergessen, dass

wie sie die grosse Herausforderung «Homeoffice» für Lernende an-

sich diese jungen Menschen während der Grundbildung Wissen und

genommen und gelöst haben. Zusammenfassend darf man festhalten,

Können aneignen müssen, damit sie fit für den Arbeitsmarkt werden.

dass auch in diesem Bereich mit Fantasie, gesundem Menschen-

Dass sie während Wochen und Monaten keine betrieblichen Tätig-

verstand und einer grossen Portion Motivation viele gute Lösungen zu

keiten neu lernen und trainieren konnten, ist einer der schlimmsten

Gunsten der beruflichen Grundbildung entwickelt worden sind.

Kollateralschäden der Pandemie. Die betroffenen Betriebe waren desImpressum Herausgeber: Handel Schweiz, Postfach, Güterstrasse 78, 4010 Basel • Auflage: 5'500 Ex. • Sprachen: Deutsch, Französisch Inserate/Werbung: Tel. +41 61 228 90 30, E-Mail: werbung@handel-schweiz.com Konzept, Design, Redaktion: Iris Wirz c&p communications, iriswirz.com

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AUCH FÜR HANDELSFYRMEN: EINE BANK, DIE GROSS GENUG FÜR KOMPETENZ UND KLEIN GENUG FÜR NÄHE IST. FIRMENKUNDENGESCHÄFT, SCHWYZER ART: UNKOMPLIZIERT, VERLÄSSLICH, EFFIZIENT. szkb.ch/firmenkunden

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Stahlhandel

Agil denken und handeln Thomas Freuler erklärt, was ihn als neuer Präsident des Schweizerischen Stahl- und Haustechnikhandelsverbandes und als Vorstands-

«

mitglied von Handel Schweiz motiviert. Interview mit Thomas Freuler,

abdecken. Diese Tatsache möchten wir in der breiten Öffentlichkeit,

CEO SPAETER Gruppe

aber auch bei der öffentlichen Hand noch bekannter machen. Wir müssen nur wenig Rohmaterial von weither transportieren, sondern kön-

Mit welchen Herausforderungen ist der

nen uns stattdessen auf die gut verankerte Recyclingkurve verlassen.

Stahlhandel konfrontiert?

Ansonsten geht es darum, die hervorragende Arbeit von Christoph

Marktseitig stellen wir eine Konsolidierung

Weber weiterzuführen und hier die Kontinuität zu gewährleisten.

«

fest – bei den Kunden wie bei den Konkurrenten. Der Markt entwickelt sich leicht rück-

Was motiviert Sie als Vorstandsmitglied von Handel Schweiz?

läufig, wie auch die Bauindustrie. Die Digitalisierung ist die techno-

Im Handel sind in den verschiedenen Branchen Menschen mit ganz

logische Herausforderung. Eine dritte ist gesellschaftlicher Natur. Es ist

unterschiedlichen Erfahrungen tätig. Ich freue mich auf den Austausch

ganz schwierig, Fachkräfte in den Bereichen Logistik, Vertrieb und im

und möchte aktiv mithelfen, die Interessen des Handels politisch und

Marketing zu finden, auszubilden und zu halten.

öffentlich zu vertreten.

Sie sind neuer Präsident des SSHV. Welche Ziele haben Sie sich

Was begeistert Sie?

gesetzt?

Mich begeistert es, mit Menschen Projekte zu starten, Begeisterung

Im Fokus steht der Werkstoff Stahl. Neben herausragenden techni-

zu schüren für ein gemeinsames Ziel. Auf dem Weg dorthin werden

schen Eigenschaften ist Stahl ein Kreislaufprodukt. Wir alle recyclen

auch Zwischenschritte gefeiert und schliesslich die Früchte des Pro-

unsere gebrauchten Messer. Auch in der Industrie ist Stahlrecycling ein

jektes geerntet. Aus dem Erfolg schöpfen wir wieder Kraft für neue

gut verankerter Prozess. Mit dem eingesammelten bzw. rezyklierten

Projekte. Das Interessante: In diesem positiven Kreislauf ist eine Moti-

Schrott können wir einen grossen Teil vom Stahlbedarf der Bauindustrie

vation von aussen nicht mehr nötig. Sie kommt aus sich selbst. Das ist meine wahrscheinlich wichtigste Motivationsquelle im Alltag. Wie wird sich der Handel weiter entwickeln? Alle drei bis fünf Jahre fliegt uns ein schwarzer Schwan entgegen und erschüttert uns in den Fundamenten. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Agilität im Management und in der Organisation hilft uns, solche Phasen positiv zu bewältigen. Wie fördern Sie Agilität? Ich versuche, Agilität vorzuleben und trotzdem verlässlich zu sein. Agilität hat sehr viel mit Delegieren zu tun. Auf allen Stufen sollten die Mitarbeitenden über die Kompetenzen verfügen, Verbesserungen einzuführen und schnell zu reagieren. Das fördere ich ganz spezifisch. Ich delegiere Aufgaben. Im agilen Projektmanagement nehmen wir ein Thema auf, boxen es schnell durch und setzen es um. Dann kommt das nächste Projekt, in dem wir ebenso vorgehen. Das führt zu einer sehr agilen Denkweise der Akteure. Wenn man

Direkter Link

das schafft, lassen sich auch fundamentale Kri-

zum

sen sehr gut überstehen.

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Videointerview

Wir handeln 1/21


Digitalisierung

«Formel 1 Shop» in Luzern

Die SPAETER Gruppe ist seit 120 Jahren in den Bereichen Stahl&Me-

sich das Geschäft dem B2B. Innovativ ist der neue physische Shop in

tall, Baubewehrungsstahl und Haustechnik tätig. Das Familienunter-

Luzern. Dort verschmilzt der virtuelle Onlineshop mit dem physischen

nehmen setzt auf langfristige Perspektiven, kurze Entscheidungswege

Shop.

und eine sehr pragmatische Handlungsweise. Hohe Verlässlichkeit gegenüber Mitarbeitenden und Kunden bestimmt das Handeln im

CEO Thomas Freuler erklärt: «Wir wollten ein Formel-1-Auto unter den

Grossen wie im Kleinen.

Shops bauen. So haben wir im neuen 24/7-Abholshop in Luzern fast alles integriert, was technisch möglich ist – bis hin zur Verschmelzung

Im Bereich Digitalisierung setzt die SPAETER Gruppe intern die Schwer-

zwischen E-Shop und physischem Shop. Die Kunden können mit der

punkte im Prozessmanagement und im papierlosen Arbeiten – auch

Spaeter-App im E-Shop 24 Stunden bestellen. Mit der gleichen E-Shop-

im Zusammenhang mit Kunden. Bei den externen Projekten steht der

Lösung bzw. mit der gleichen App können sie den stationären Shop

Mehrwert für den Kunden im Zentrum.

besuchen und ebenfalls 24/7 einkaufen, sich wieder auschecken und nach Hause gehen.»

Online und Offline verschmelzen Bei der Konzeption des neuen E-Shops galt es, die unterschiedlichen

Die besondere Herausforderung bestand darin, zu Beginn die interne

Anforderungen in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern zu berück-

Begeisterung für solch einen neuen Shop zu wecken. Verschiedene

sichtigen. Im klassischen Stahlbau geht es vor allem darum, die Be-

IT-Fragen waren zu klären, denn alle neuen technischen Tools muss-

stellungen und Bestelllisten hochzuladen. Im Stahl – bei Trägern und

ten auch mit dem Warenwirtschaftssystem ver-

Profilen – lässt sich das Standardsortiment gut über den E-Shop ver-

knüpft werden. Seit Oktober ist der neue Shop

kaufen. Spezialitäten wie Zuschleifen und Bohren eignen sich bisher

nun offen. Er bietet Kunden jeden Tag ein neues,

weniger für einen B2C-E-Shop.

innovatives Einkaufserlebnis. Selbstverständlich kann der Kunde bei den Mitarbeitern im Shop

Im Bau, im Bereich Bewehrung und Armierungslösungen, ist der

auch ganz traditionell bestellen. Der Shopleiter

E-Shop noch nicht aktiv. Hier ist die SPAETER Gruppe noch in der

holt die Waren dann aus den Regalen heraus

Konzeptionsphase. Die Haustechnik dagegen ist prädestiniert für

und liefert sie an die Theke.

einen E-Shop. Mit einer grossen Anzahl Kunden und Artikeln nähert

www.spaeter.ch

Wir handeln 1/21

Direkter Link zum Videointerview

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Übersetzungen

FLYER: Velo mit Flügeln

Wie kann ich einem Velo Flügel verleihen? Das fragt sich Anfang

FLYER sitzt auch sprachlich fest im Sattel

der Neunzigerjahre der Emmentaler Philippe Kohlbrenner und

Der FLYER eröffnet Menschen eine neue Form der mobilen Freiheit.

tüftelt an einem ersten E-Bike. Dazu benutzt er unter anderem

Damit diese Botschaft auch in den fremdsprachigen Märkten an-

den Scheibenwischermotor eines Lastwagens und eine Auto-

kommt, braucht es erstklassig übersetztes Informationsmaterial,

batterie. Bereits 1995 geht das Ur-Modell, der FLYER Classic, in

auf das sich der Handel in der Westschweiz, im Tessin und im Aus-

Serie, und innert Kürze entwickelt sich die Marke zum Über-

land stützen kann. Deshalb hat sich der E-Bike-Pionier für Apostroph

flieger. Inzwischen beträgt die jährliche Produktion mehr als

Switzerland entschieden. Die Übersetzungsagentur ist führend in

60’000 E-Bikes, die europaweit von über 1’000 Fachhändlern ver-

der DACH-Region und beschäftigt ausschliesslich geprüfte Fachüber-

trieben werden.

setzerinnen und Fachübersetzer. Für die Kataloge, Websites und Bedienungsanleitungen hat Apostroph gezielt Sprachprofis ausgewählt,

Mobilität, die Menschen im In- und Ausland begeistert

die Erfahrung mit technischen Produkten haben und über das nöti-

Ein FLYER E-Bike besteht aus 150 bis 240 hochpräzisen Bauteilen. Mehr

ge Gespür für die verschiedenen Zielgruppen verfügen. Denn der

als 300 Mitarbeitende sorgen dafür, dass jede noch so kleine Kom-

FLYER steht bei jungen Wilden ebenso hoch im Kurs wie bei Jung-

ponente sitzt. Zusätzlich testet die Qualitätssicherung regelmässig

gebliebenen. Für die Garantien und Verträge wiederum kommen spe-

einzelne Bestandteile und simuliert Fahrten von der Länge einer Erd-

zialisierte Übersetzerinnen und Übersetzer zum Einsatz, die mit den

umrundung. Das sind überzeugende Verkaufsargumente für den Han-

juristischen Feinheiten in ihrer Sprachheimat vertraut sind.

del, ebenso wie die qualitativ hochstehenden Materialien und das technisch-coole Design. Der FLYER hat sich seine Stellung im Markt mit

In Huttwil ist man mit der Qualität der Übersetzungen äusserst zu-

einer konsequenten Qualitätsstrategie erarbeitet. Jene Fachhändler,

frieden. Auch schätzt der Auftraggeber das intelligente Onlineportal

die schon früh die Berner Elektrovelos in ihr Sortiment aufgenommen

myAPOSTROPH mit dem Online-Translator und dem professionellen

haben, können von einer aufregenden E-Bike-Reise erzählen. Denn

Post-Editing. Damit gestaltet sich die Abwicklung von Übersetzungs-

sie haben erlebt, wie aus einer kleinen Schweizer Marke eine inter-

aufträgen ebenso einfach und entspannt wie ein Ausflug auf dem

nationale Kultmarke wurde.

FLYER.

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Mitgliederverband

Sichere Arbeitsbühnen

«

Interview mit Eric Hunziker, Präsident des VSAA, Verband Schweizer Arbeitsbühnen Anbieter Wie geht es Ihrer Branche?

«

Allgemein hat sich die ArbeitsbühnenBranche in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Das Thema Sicherheit in der

Höhe ist immer mehr in den Vordergrund gerückt. So ist das Arbeiten mit Leitern durch Vorschriften eingeschränkt. Somit hat die Durchdringung des Marktes zugenommen. Wo gibt es Schwierigkeiten? Der öffentliche Raum wird immer knapper. Innerstädtisches Arbeiten ist schwieriger. Da ist zum einen der Verkehr. Andererseits sind Arbeitsbühnen nicht sehr leise, da sie mehrheitlich mit Diesel betrieben werden. So entstehen Engpässe beziehungsweise verlagert sich die Arbeit in die Nacht. Hybrid- oder Elektroantriebe werden sich langfristig durchsetzen. Gibt es einen Fachkräftemangel? Das ist für uns ein grosses Thema, weil wir selber keine Lernenden zum Arbeitshebebühnen-Bediener ausbilden. Zudem fehlt es für den Unterhalt und die Reparaturen an ausgebildeten Mechanikern.

setzt. Die korrekte Verzollung ist ein anderes wichtiges und komplexes Thema wie auch die Strassenverkehrsvorschriften.

Worin bestehen die Herausforderungen? Sie liegen in der Arbeitssicherheit. Die Sicherheitsvorschriften neh-

Wie entwickelt sich die Zukunft?

men zu, die Standards steigen. Für die Vermieter von Arbeitshebe-

In internationalen Verbänden wird der grüne Fussabdruck diskutiert:

bühnen ist es wichtig, dass ihre Kunden die Vorschriften verstehen

Wie lassen sich die CO2-Emissionen der Arbeitshebebühnen reduzie-

und einhalten.

ren? Bei den Herstellern beobachten wir einen Trend zu mehr Hybridgeräten. Für batteriebetriebene Arbeitshebebühnen werden grosse

Wie unterstützen Sie die Mitglieder?

Anstrengungen unternommen. Für unsere Mitglieder ist das Thema

Im Bereich Arbeitssicherheit haben wir Fachempfehlungen formuliert.

Digitalisierung wichtig – sei es, um Geräte zu tracken oder um Be-

Um weitere Fortschritte zu erzielen, beobachten wir die Entwicklungen

diener bei Problemen digital zu unterstützen.

in anderen Ländern und fordern gewisse Sicherheitsstandards bei den Herstellern ein. Ausserdem ist der Austausch mit der SUVA und mit

Welche Geschäftsmodelle haben Ihre

internationalen Verbänden sehr wichtig für unsere Arbeit. Bei End-

Mitglieder?

kunden spüren wir eine hohe Bereitschaft, ihre Mitarbeitenden auszu-

Wir unterscheiden zwischen den Spezialisten,

bilden. Hier gibt es in der Schweiz Bildungsprojekte nach VSAA-Stan-

die ausschliesslich Arbeitsbühnen anbieten, und

dard, aber auch internationale Ausbildungen.

den Generalisten mit einem breiten Sortiment an Geräten für den Bau. Neu beobachten wir in Direkter Link

Welche Themen beschäftigen Sie?

Europa einen Trend zu Plattformanbietern nach

Neben der Arbeitssicherheit sind Unterhalt und Reparatur der Arbeits-

dem Modell von Uber.

zum

hebebühnen zentral. Hier haben wir gewisse Qualitätsstandards ge-

www.verbandvsaa.ch

Videointerview

Wir handeln 1/21

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Wir handeln #1/2021  

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