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Juli/August 2013

DAS SCHWEIZER HANDBALL-MAGAZIN

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Soka Smitran gewann in drei verschiedenen Ländern zumindest einen Cupsieg oder Meistertitel.

Über 400 Gäste feierten an der Swiss Handball Awards Night im Trafo Baden die Awardgewinner.

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Editorial

Ein Rücktritt und eine Rückkehr mit Symbolkraft Liebe Leserin, lieber Leser Er ist erst 27 – und hat trotzdem seine Karriere vor wenigen Tagen bereits beendet: Remo Quadrelli, die grosse Torhüter-Hoffnung, stand bei der 16:29-Klatsche gegen Weltmeister Spanien letztmals im Aufgebot zu einem Ernstkampf. Der Kadetten-Schlussmann hatte über Jahre den Spagat zwischen Spitzensport und beruflicher Ausbildung erfolgreich geschafft. Und jetzt, wo er einen Bachelor als Informatik-Ingenieur in der Tasche hat, steigt er wie jeder rechte Schweizer ins Berufsleben ein und sagt dem Sport tschüss. Schade, aber nachvollziehbar in einer Gesellschaft, in der sportliche Meriten nicht zählen und in einer Zeit, in welcher der technologische Fortschritt schneller ist als ein Düsenflugzeug. Quadrelli hat noch ein Leben vor sich, und das will er nicht verpassen. Nur ein gutes Jahr älter ist sein (National-) Teamkollege David Graubner. Der Halblinke mit Defensivqualitäten wagte als einer von wenigen Schweizern den Sprung ins Ausland. Er zog ein schlechtes Los und stieg nach seinem ersten Bundesliga-Jahr mit Grosswallstadt ab. Und was macht Graubner, der Besonnene? Er schätzt den Spatz in der Hand mehr als die Taube auf dem Dach und kehrt bereits wieder nach Schaffhausen zurück. Auch dies ein plausibler Entscheid, besonders nach dem überraschenden Abgang des deutschen Talents Christian Dissinger zu Atletico Madrid. Acht weitere Nationalspieler haben auf die kommende Saison hin den Klub gewechselt. Alle blieben im Land, sieht man von Alen Milosevic ab, der bei Redaktionsschluss dieser Seite noch immer auf ein Angebot aus dem Ausland hofft. Einmal mehr ist der Marsch aus dem geschützten heimatlichen Biotop hinaus in die raue Welt ausgeblieben, den Nationaltrainer Goran Perkovac seit Jahren fordert. Und man muss sich fragen: Sind unsere Leute in den stärksten Ligen überhaupt gefragt? Hätten sie eine Chance?

Kein Spagat mehr zwischen Spitzensport und beruflicher Ausbildung. Bereits mit 27 Jahren beendet Remo Quadrelli seine Handballkarriere.

Denn einmal mehr ist es unserer Auswahl nicht gelungen, sich für ein Titelturnier zu qualifizieren. Wie soll es auch, wenn unsere besten Kräfte bereits in jungen Jahren demissionieren oder zumindest wieder an den heimischen Herd zurückkehren? Sicher haben wir hoffnungsvollen Nachwuchs. Aber das nützt unter den aktuellen Bedingungen nichts, verpufft im Dunst des Schweizer Arbeitsalltags. Da bräuchte es mehr als Reformen und eine neue Strategie im Schweizer Handball-Verband. Es bräuchte eine Wirtschaft, die in solchen Situatio­ nen mitzieht. Die nicht am liebsten schon Kindergärtler mit Studienabschluss einstellen möchte und Fünfzigjährige zum alten Eisen wirft. Sondern die einem Sportler auch mit 35 noch die Chance zur Karriere gibt. Und es bräuchte eine Politik, die den Sport ernsthaft fördert und Spitzensport im eigenen Interesse als Staatsaufgabe betrachtet. Doch solange selbst der zaghafte Versuch, einer handverlesenen Zahl von Top-Athleten ein Trainingslager im Ausland als Militärdienst anzurechnen, in der Öffentlichkeit massiv kritisiert wird, sind wir davon noch weit entfernt. Ich wünsche Ihnen allen eine erholsame Sommerpause und viel Lesespass. Werner Reimann, Redaktor o

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INHALT 03 EDITORIAL 05 INHALT 06 TRIBÜNE 10

SWISS HANDBALL AWARDS Impressionen von der 2. Gala-Night im TRAFO Baden.

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NATIONALMANNSCHAFT Schweizer ohne Sieg Tabellenletzter in der EM-Qualifikation.

20 KOMMENTAR Umdenken und SHV-Neustruktur sind dringend nötig. 22 WACKER THUN Erster Meistertitel für die Berner Oberländer. 24 POSTER Das grosse Schweizermeister Poster zum Herausnehmen. 26 KADETTEN SCHAFFHAUSEN Trainer Markus Baur übernimmt, David Graubner kehrt zurück. 28 CHAMPIONS LEAGUE Der HSV Hamburg gewinnt überraschend den Champions League Final. 32 15 FRAGEN ... an die 7 Jahre als Profi spielende Soka Smitran. 34 U21 NATIONALMANNSCHAFT Der erfolgreichste Jahrgang des SHV vor seinem letzten Grossauftritt. 37 INTERNATIONAL Die Landesmeister im Überblick. 40 STV BADEN Nach 24 Jahren zurück in der Nationalliga B. 42 HSC KREUZLINGEN Am Bodensee feiern die Frauen und die Männer ihren Aufstieg. 46 SCHLUSSPFIFF... ...mit Andy Schmid, Rhein-Neckar Löwen. Kreisläufer Alen Milosevic geht im letzten EM-Qualifikations-Heimspiel gegen Mazedonien spektakulär in den Abschluss. Der auch dank Athletik-Spezialtraining stark verbesserte Kreisläufer gehörte zu den Aktivposten im Schweizer Team.

IMPRESSUM

Marketing/Kommunikation

Fotografen

Adressänderungen

Katja Bopp Anna-Lena Stach

Michael Heuberger René Jäger Dan Marti Alexander Wagner Adrian Ehrbar

Unter Tel. Nr. 058 200 55 90, schriftlich an die Verlagsadresse oder per E-Mail an verlag@handballworld.com

Ausgabe 4 Juli/August 2013 26. Jahrgang ISSN: 1663-6937

Lesermarkt

Verlag, Redaktion

Redaktionelle Mitarbeiter

handballworld c/o Makoli AG Bahnhofstrasse 88 CH-5430 Wettingen Telefon +41 56 437 03 13 Telefax +41 56 437 03 15 verlag@handballworld.com www.handballworld.com

Verlagsleiter Daniel Zobrist

Kevin Melion

Fritz Bischoff Christoph Bopp Marco Ellenberger Fabian Hägler Franziska Engeli Werner Reimann Stephan Santschi Alexander Wagner Lukas Wernli Björn Pazen Erik Eggers

Erscheinungsweise, Abonnemente handballworld erscheint siebenmal im Jahr. Einzelausgabepreis Fr. 7.50 Jahresabonnementspreis Fr. 49.– (exkl. 2,5% MwST) Ausland: + Postgebühren Druck, High-EndDatenaufbereitung Stämpfli Publikationen AG, Postfach, 3001 Bern

Juli/August 2013

DAS SCHWEIZER HANDBALL-MAGAZIN

4/2013

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Soka Smitran gewann in drei verschiedenen Ländern zumindest einen Cupsieg oder Meistertitel.

Über 400 Gäste feierten an der 2. Swiss Handball Awards Night im Trafo Baden die Awardgewinner.

Erstmals wurde der Champions League Final in Köln in der Verlängerung entschieden.

Erscheinungsdaten 2013 5/13 29.08.2013 6/13 16.10.2013 7/13 04.12.2013

© Nachdruck gestattet mit dem Hinweis «aus dem handballworld – www.handballworld.com»

Wacker Thun holt ersten Meistertitel www.handballworld.com

Jubelnde Wacker Thun Spieler (von links: Lukas von Deschwanden, Roman Caspar und Andreas Merz), mit Trainer Martin Rubin. Titelbild: Foto Wagner

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Tribüne

HRV OST zweimal siegreich Die Juniorinnen-Regionalauswahl des HRV OST hat sich am Finalturnier in Wettingen souverän den Titel gesichert. Die Ostschweizerinnen setzten sich im Final gegen Bern-Jura diskussionslos mit 25:16 durch. Die Bernerinnen zollten im Endspiel dem intensiven Halbfinal (19:13 gegen die Romandie) Tribut und konnten die körperlich überlegene Auswahl des HRV OST nur noch in der Startphase (4:4 nach einer Viertelstunde) fordern. Die Bronzemedaille sicherte sich die IHV-Auswahl, die sich ihrerseits im Halbfinal der Ostschweiz nur knapp mit 10:13 geschlagen geben musste. Im Spiel um Platz drei setzten sich die Innerschweizerinnen gegen die Romandie mit 23:17 durch. Auf den weiteren Plätzen folgten die Nordwestschweiz (5.), der Zürcher Handball-Verband (6.) sowie Gastgeber Aargau Plus (7.). Junioren ebenfalls Erster Auch die Junioren des HRV OST holten sich an ihrem Finalturnier in Horw verdientermas­ sen den Schweizer Meistertitel. Die von vielen erwartete Finalpaarung zwischen der Ostschweiz und Zürich verlief zunächst recht ausgeglichen, schliesslich siegten aber am Ende die Ostschweizer mit 36:27. Im Spiel um den dritten Platz rang die RA Nordwestschweiz die RA Aargau Plus unter Einsatz der letzten Kräfte nieder. Um die Plätze 5 bis 7 dominierte die RA Bern-Jura klar, setzte sich das Team doch zweimal deutlich gegen die Romandie und die Innerschweiz durch.

GC Amicitia Zürich siegte bei den U13

Der Schweizer Meister bei den U13 Junioren heisst GC Amicita Zürich (Bild). Der Zürcher Nachwuchs besiegte im Finalspiel die Jungs von GS Stäfa hauchdünn mit 11:10. Auf den weiteren Plätzen klassierten sich der HSG Siggenthal/Vom Stein und der HV Herzogenbuchsee.

Herzliche Gratulation zum U13 Schweizer Meistertitel!

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neWS AltdOrf erstmAls in der nlA In der 50 jährigen Vereinsgeschichte bedeutet der Aufstieg des HC KTV Altdorf (Bild: jubelnder NLB-Meister mit Fans) in die Nationalliga A einen weiteren Höhepunkt. Freuen können sich auch die Innerschweizer Handballfans. Und zwar auf emotionsgeladene Derbies gegen den HC KriensLuzern. Die Urner nehmen Ihre NLA Saison mit dem neuen Trainer Burkhard Keller in Angriff. Als Spieler verstärken Philipp Reuter (Pfadi) und Lutz Wesseling (TV Emsdetten) den Aufsteiger. www.hc-ktv-altdorf.ch

YellOw winterthUr U17 sChweiZer meister

Präsident Käser tritt ZUrüCK

Jubelnde U17 Schweizer Meister Juniorinnen von Yelllow Winterthur: Vordere Reihe, von links: Céline Gloor, Chantal Meyer, Petra Weber, Lea Schüpbach, Vanessa Bühler. Hintere Reihe, von links: Dani Hunziker, Tanja Vollenweider, Sophie Steiness, Nadja Manser, Saskia Jäggli, Delia Koller, Simone von Arx, Min Soo Cho, Seraina Ceravolo, Ursi Schmid, Julie Casartelli.

Christian Käser, Präsident des HSC Suhr Aarau, tritt nach 3 Jahren auf die Generalversammlung vom 22. August 2013 zurück. Er macht berufliche und familiäre Gründe geltend. Er wird dem Verein jedoch für ausgewählte Projekte erhalten bleiben. Seine Nachfolge ist noch nicht geregelt.

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Tribüne Alex Wagner neuer Präsident der Aargauer Sportjournalisten An der Generalversammlung der Vereinigung Aargauer Sportjournalisten wurde Alexander Wagner (im Bild links) als neuer Präsident gewählt. Der 44-Jährige ist seit über 20 Jahren auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs und zudem seit Jahren auch für handballworld im Einsatz. Der bisherige Präsident Wolfgang Rytz (Bild rechts) wurde als Präsident des nationalen Verbandes der Schweizer Sportjournalisten (sportpress.ch) gewählt und musste daher sein Amt als Präsident der Aargauer Sektion abgeben.

Mepha-Cup findet nicht mehr statt

Mikkel Hansen am letzjährigen Mepha Cup im Interview mit Tunierchef Meinrad Stöcklin.

Luzia Bühler neue Präsidentin Der SPL Die Schweizer Handball-Frauenliga, die SPAR PREMIUM LEAGUE, hat mit Luzia Bühler eine neue Präsidentin gewählt. Die 31-jährige ehemalige Schweizer Internationale (43 Länderspiele) folgt auf Sonja Bachmann, die das Amt nach zwei Jahren wie angekündigt abgab und nach dem erfolgten Rücktritt von Christian Müller neu zur Vizepräsidentin gewählt wurde.

Der SPL-Vorstand: Luzia Bühler (Präsidentin), Sonja Bachmann (Vizepräsidentin), Peter Stutz (SRO/Nationalteams), Victor Lopez (Marketing/Medien), Reto Estermann (Finanzen/Reglemente/Weisungen).

AIDA: Festival La Perla handballworld verlost 2 x 2 Tickets (Kat. A, Wert 159 Franken) für die Generalprobe am 7. August, 20.15 Uhr!

Noch im letzten Jahr begeisterten die Spieler von Paris um ihren Star Mikkel Hansen und weitere Olympiasieger die Fans in der vollen Fiechtenhalle in Reinach BL. Doch damit wurde auch ein (grandioser) Schlusspunkt unter das Traditionsturnier gesetzt. Denn nach 16 Jahren beendete die Mepha Pharma AG ihre Zusammenarbeit und auch im Organisationskomitee stehen Abgänge an. Dies veranlasste die Macher um ihren Präsidenten Meinrad Stöcklin, die Zukunft des Turniers generell zu prüfen. Nun gaben sie bekannt, dass es den Mepha-Cup, zumindest im Jahr 2013, nicht mehr geben wird. Damit verliert der Schweizer Handball sein letztes, renommiertes internationales NLA-Vorbereitungsturnier. Ob es 2014 in einer neuen Form und mit einem neuen Titelsponsor weitergeht, ist im Moment völlig offen und wohl eher unwahrscheinlich. «Für den Moment ist das Kapitel abgeschlossen und eine Denkpause macht gewiss Sinn», lässt sich das OK denn auch in seiner Pressemeldung zitieren.

Das Festival La Perla wird am Seequai von Pfäffikon vom 9. bis 18. August 2013 unter freiem Himmel und vor malerischer Naturkulisse aufgeführt. Über 200 Mitwirkende darunter internationale Solisten und bekannte Musiker werden die beliebte Verdi-Oper Aida in 4 Akten vor einem Publikum von knapp 4'000 Zuschauern pro Vorstellung aufführen.

MITMACHEN UND GEWINNEN! Senden Sie eine E-Mail an verlag@handballworld.com mit Ihrer Adresse und dem Vermerk «AIDA» oder eine Postkarte an Verlag handballworld, Bahnhofstrasse 88, 5430 Wettingen zu. Einsendeschluss ist der 20. Juli 2013. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Viel Glück! www.festival-la-perla.ch

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SWISS HANDBALL AWARDS

Der Schweizer Handball Der Verlag handballworld führte Ende Mai in der Trafohalle in Baden die 2. Swiss Handball Awards Night durch. Die besten Sportler der abgelaufenen Saison wurden in stilvollem und glamourösem Ambiente gefeiert. Gekommen waren über 400 Gäste des Schweizer Handballs, sowie aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Fernsehmoderatorin Claudia Lässer führte durch die Gala und entlockte den siegreichen Handballerinnen und Handballer so manch persönliches Statement. Text Stephan Santschi Fotos Foto Wagner und Adrian Ehrbar

Dazu begeisterte der Solothurner Slam-Poet Kilian Ziegler mit seiner wortakrobatischen Einlage das Publikum und die Performance der Soulund Bluesband mit Sängerin Sandra Rippstein sorgte für einen rund um perfekt gelungen Abend. Insgesamt gab es 15 Kategoriensieger, die Wahlen wurden von einer Fachjury und teilweise auch via SMS-Publikumsstimmen vorgenommen. Zu den besten Spielern mit Schweizer Pass wurden erneut die Bundesliga-Söldner Andy Schmid von den Rhein Neckar Löwen und Nicole

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Dinkel von Frisch auf Göppingen gewählt. Der Luzerner Schmid führte die Löwen als Spielmacher zum Gewinn des EHF-Cups. Die wertvollsten Akteure der Schweizer Ligen sind Wacker Thuns Rückraumspieler Lukas von Deschwanden und Brühls Topskorerin Azra Mustafoska. Durch die überragende Leistung in der Saison 12/13 konnte Andreas Merz, Wacker Thun, seinen Titel als Bester Torhüter verteidigen und Laura Innes, LK Zug, überzeugte ebenso mit Bravur bei den Frauen und trägt verdient den Titel «Beste Torhüte-

rin 2013». Trainer des Jahres ist wie im letzten Jahr Martin Rubin, der Wacker Thun zum historischen Double führte. Die gleiche Auszeichnung bei den Frauen erhielt Damian Gwerder, den LK Zug zum Meistertitel coachte. Topskorer wurden der Krienser Boris Stankovic (NLA) mit 166 Toren beziehungsweise Brühls Azra Mustafoska (SPL) mit 160 Toren. Massgebend für dieses Ranking war der Stand nach Ablauf der Finalrunde, womit die in den Playoffs erzielten Tore nicht in die Wertung kamen. Dies, um allen Spie-


2. SWiSS HanDball aWarDS niGHT

feierte seine Stars lern der NLA gleichlange Spiesse, sprich die selbe Anzahl Spiele zu gewähren. Ferner avancierte Luka Maros, Rückraumspieler von GC Amicitia Zürich, zum Newcomer des Jahres. Nächste Saison wird der 19-jährige Nachwuchs-Internationale für Pfadi Winterthur auflaufen. Bei den Frauen kam diese Ehre Nottwils Rückraumspielerin Lisa Frey (18) zu Teil.

SuvaLiv zeichnete erstmals den fairsten Verein aus Der mit 5000 Franken dotierte Vereinsaward für ausserordentliche Vereinsprojekte ging an den BSV Stans. Die Fairplay-Wertungen gewannen die SG Muttenz/Pratteln (Männer), die SG Uster (Frauen) und und als Verein der TV Sissach (neue Kategorie). Das beste Schiedsrichter-Duo bilden Robin Sager und Stefan Styger. Der diesjährige Special Award ging an Dominique Gmür, Sportlicher Leiter von St. Otmar St. Gallen, für sein jahrelanges, grosses Engagement im Schweizer Handballsport generell und bei St. Otmar St. Gallen im speziellen. o

DIE AWARD-GEWINNER Bester Schweizer Spieler: andy Schmid (rhein neckar löwen). Beste Schweizer Spielerin: nicole Dinkel (Göppingen). MVP der SPL/SHL: azra mustafoska (lC brühl) und lukas von Deschwanden (Wacker Thun). SHL Trainer des Jahres: martin rubin (Wacker Thun). SPL Trainer des Jahres: Damian Gwerder (lk zug). Bester Torhüter: andreas merz (Wacker Thun). Beste Torhüterin: laura innes (lk zug). Topskorer (Stand nach Finalrunde): boris Stankovic (HC kriens-luzern) und azra mustafoska (lC brühl). Newcomer des Jahres: luka maros (GC amicitia zürich). Newcomerin des Jahres: lisa Frey (Spono nottwil). Bestes Referee-Duo: robin Sager und Stefan Styger. SHV Vereinsaward: bSV Stans. SuvaLiv Fairplay: SG muttenz/ pratteln (männer), SG uster (Frauen), TV Sissach (Verein). Special Award: Dominique Gmür, St. otmar St. Gallen.

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2. SWiSS HanDball aWarDS niGHT Spezialrubrik

Azra Mustafoska und Lukas von Deschwanden gewannen den MVP-Award.

Strahlende Vereinsvertreter des BSV Stans. Sie gewannen den SHV Vereinsaward.

Beste Torhüter: Laura Innes und Andreas Merz.

Erika Schmid (Mutter von Andy Schmid) und Ständerat Georges Theiler.

Claudia Lässer und Dominique Gmür, Gewinner Special Award.

Die Asics Girls.

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Die Trainer der Saison heissen Damian Gwerder und Martin Rubin.

Die Newcomer: Luka Maros und Lisa Frey.

handballworld Herausgeber Daniel Zobrist begrüsst die Gäste.

Schiedsrichter Robin Sager.

Walter Lussi (BSV Stans) freut sich über den Award Gewinn.

Die Vereinsvertreter der Fairplay Sieger TV Sissach und SG Muttenz/Pratteln.

Strahlende Gesichter der Fairplay Sieger Kategorie Frauen, SG Uster, im Interview mit Moderatorin Claudia Lässer.


Spezialrubrik Impressionen

Die Laudatoren: Peter Bruppacher.

Ulrich Rubbeli, SHV-Präsident.

Antoine Ebinger, ehemaliger Nationaltorhüter.

Iwan Ursic gratulierte den Newcomern.

Roman Derungs von St. Otmar St. Gallen mit dem Special Award Couvert.

Prof. Klaus Wellershoff verkündete die Sieger Fairplay und Schiedsrichter-Paar 2013.

Marc Baumgartner zeigte, wer als beste Schweizerin und bester Schweizer gewählt wurde.

CeHi Präsident Patrick Bläuenstein mit Ehefrau Larissa.

Die Vertreter von Hauptsponsor Asics mit Geschäftsführer Stefan Heiniger (zwischen den Asics Girls).

Simon Maurer, UNITED school of sports.

Der mehrfach preisgekrönte Slam-Poet Kilian Ziegler begeisterte mit seiner Wortakrobatik.

Am Keyboard: Christoph Heule.

Sandra Rippstein und Band sorgten das musikalische Highlight des Abends.

Dr. Lukas Weisskopf, Praxisklinik Rennbahn, mit Ehefrau Gabi.

Jürgen Egger von Award-Sponsor SPAR.

Daniel Hayoz, SHV Sponsor FitLine mit Sandra.

Am Saxophon: Beat Riggenbach.

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Wir danken allen partnern der 2. Swiss Handball awards night ganz herzlich für ihre unterstützung. HAUPT–SPONSOR

SWISS HANDBALL AWARDS

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Impressionen

Gut gestylt und in Partystimmung trafen die Gäste in Baden ein.

Thun Präsident Reto Zwahlen inmitten der Thuner Spielerfrauen.

handballworld Fotograf Adrian Ehrbar setzte die Gäste ins richtige Licht.

Roman Caspar, Wacker Thun, mit Partnerin Sandra und Familie.

SHV Präsident Beat Wernli mit Ehefrau Susi.

Heinz Wyss, von Partner SuvaLiv, mit Ehefrau Bernadette.

Die Geschwister Frey von links: Lisa, Noëlle und Rahel.

Peter Leutwyler, Kadetten Manager, mit Ehefrau Georgette.

Wacker Thun Torhüter Marc Winkler mit Partnerin.

GC Vize-Präsident Walter Müller mit Ehefrau Monika.

Nominierte Newcomer: Pascal Vernier und Kevin Jud.

Andrija Pendic, Kadetten, mit Partnerin Gilda Kocher.

Karin Weigelt mit Schwester Franziska (rechts).

Ex-Nationaltrainer Arno Ehret, aktuell bei GC Amicitia.

Christian Villiger, TV Endingen, mit Ehefrau Chantal.

Blick in die festlich geschmückte Trafohalle in Baden.

Stefan Heiniger (Asics), Iwan Ursic und Pascal Jenny (Arosa Tourismus und SHV).

RPK Präsident Fredy Zweerus mit Ehefrau Ursula.

Nati-Teammanager Kurt Widmer mit Corinne Ericsson.

Kadetten Präsident Giorgio Behr mit Ehefrau Anne-Marie.

Stephanie Engeler (Mitte) mit Jessica Wenger und Annatina Benz (alle LC Brühl).

Grosses Finale: Alle Award-Gewinner präsentieren sich zum Schluss nochmals dem applaudierenden Publikum. handballworld 4/13

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nationalmannschaft

Rückschlag löst Reibereien aus Die Schweiz wird in der EM-Qualifikation erneut Tabellenletzter. Damit muss sie für die EM 2016 wieder in die Vor-Qualifikation. Sportchef Ingo Meckes ist verstimmt und Nationaltrainer Goran Perkovac legt sich mit den Schaffhausern an. Text Stephan Santschi Fotos Foto Wagner

Enttäuschung bei den Schweizern nach dem verlorenen Mazedonien-Spiel, von links: Andy Schmid, Michal Svajlen, David Graubner, Luca Spengler.

Die Stimmung ist schlecht im Schweizer Handball. Am 12. Juni, am Tag des letzten Heimspiels der Qualifikation zur EM 2014, empfing die Schweiz die Konkurrenz aus Mazedonien zum Kampf um Platz drei. 1850 Zuschauer sorgten für einen ansprechende Kulisse, die Atmosphäre in der Zürcher Saalsporthalle war sogar fantastisch. Allerdings nur dank den Gästefans. Über 1000 mazedonische Anhänger feuerten ihr Team euphorisch an und generierten dabei Dezibelwerte im ohrenbetäubenden Bereich. Die wenigen Schweizer Fans waren kaum zu hören. Viel treffender liesse sich die aktuelle Tristesse im hiesigen Handball nicht wiedergeben.

Der Mangel an Schlüsselspielern Das Spiel gegen Mazedonien ging mit 22:27 verloren. Eine reelle Chance auf den ersten Sieg in einer EM-Qualifikation seit vier Jahren hatten die Schweizer nicht. Vier Tage später schlossen

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sie die Kampagne mit einer diskus­ sionslosen 16:29-Schlappe in Spanien ab. Damit bleibt die Schweiz in der Gruppe 1 mit einem Punkt auf dem letzten Platz sitzen. Für die EM 2016 muss sie wieder in die Vor-Qualifi­ kation. Das wollte Ingo Meckes, der G eschäftsführer Leistungssport des ­ Schwei­zerischen Handballverbands, unbedingt verhindern. «Ich bin enttäuscht, das ist ein Rückschritt», fasst er die jüngsten Ergebnisse prägnant zusammen. Vorgesehen waren ursprünglich vier Punkte und Rang drei. Die Schweizer haben gegen Mazedo­ nien und Spanien die positive Entwicklung der Portugal-Spiele aus dem April nicht fortsetzen können. «Wir waren einmal mehr nicht fähig, das Optimum abzurufen. Wir schiessen keine einfachen Tore aus dem Rückraum, wir verfügen nicht über die physischen Voraussetzungen, um unser schnelles Spiel mit den Gegenstössen durchzuziehen und uns mangelt es an

Schlüsselspielern», stellt Nationaltrainer Goran Perkovac fest.

Andy Schmids Schuhprobleme Zu denken gab ihm vor allem der schwache Angriff. «Kann man ein Spiel ohne Aufbau gewinnen?», fragte Perkovac nach dem Mazedonien-Spiel. Der linke Rückraumspieler David Graubner war nach einer aufreibenden Saison und dem Abstieg mit Grosswallstadt völlig ausser Form. Marco Kurth tat als Notnagel im rechten Aufbau sein Möglichstes, für grössere Ziele ist das aber zu wenig. Und Andy Schmid, der in der Bundesliga für Furore sorgte und die Rhein-Neckar Löwen zum Gewinn des EHF-Cups führte, kann es in der Nationalmannschaft alleine nicht richten. Zu viel hängt vom 29-jährigen Luzerner ab. Er soll das Spiel gestalten, gleichzeitig aber auch noch die siegbringenden Tore erzielen. «Den Schuh, den ich mir im Nationalteam anziehe, ist grösser, als jener bei den Löwen», erklärt


EURo 2014 DÄnEmaRK DEUTSCHLAND ERSTMALS NICHT FÜR DIE EURO QUALIFIZIERT Deutschland leistete sich im letzten auswärtsspiel gegen montenegro (25:27) eine niederlage zu viel. Die Equipe von Bundestrainer martin heuberger ist somit an der Euro 2014 in Dänemark nicht dabei. nach dem guten abschneiden im Januar an der Wm in spanien (Rang 5), ist dies ein nicht erwarteter Rückschlag, der auch die trainerdiskussion neu entfachte. Ebenfalls eine negative Überaschung erlebte man in slowenien, das gegen Weissrussland den Kürzeren zog. Die slowenen spielten sich noch an der Wm im Januar mit attraktivem tempohandball in die herzen der handballfans. Erst im halbfinale musste man sich damals gegen spanien (22:26) und

danach beim Bronzematch gegen Kroatien (26:31) geschlagen geben. Die positive Überraschung lieferte hingegen unser nachbarland Österreich: Das team von Patrékur Johannesson bezwang in einem begeisternden letzten heimspiel vor 3'300 fans in innsbruck Russland mit 30:25 und qualifizierte sich so erstmals aus eigener Kraft für eine Euro. nur als Veranstalter (2010) war man bisher an einer Em-Endrunde dabei. als beste drittklassierte nation schnappten die Russen das ticket knapp den Deutschen weg. Bei gleicher Punktzahl hatten sie das um drei tore bessere torverhältnis, wobei nur die spiele gegen die beiden tabellenersten gewertet wurden.

SCHLUSSRANGLISTE EM-QUALIFIKATION

SCHLUSSRANGLISTE EM-QUALIFIKATION

SCHLUSSRANGLISTE EM-QUALIFIKATION

GRUPPE 1

GRUPPE 2

GRUPPE 3

1. Spanien 2. Mazedonien 3. Portugal 4. schweiz

6/12 6/6 6/5 6/1

1. Tschechien 2. Montenegro 3. Deutschland 4. israel

6/8 (+12) 6/8 (0) 6/6 6/2

1. Frankreich 2. Norwegen 3. litauen 4. türkei

6/12 6/8 6/2 (-19) 6/2 (-55)

SCHLUSSRANGLISTE EM-QUALIFIKATION

SCHLUSSRANGLISTE EM-QUALIFIKATION

SCHLUSSRANGLISTE EM-QUALIFIKATION

GRUPPE 4

GRUPPE 5

GRUPPE 6

1. Kroatien 2. Ungarn 3. slowakei 4. lettland

6/10 6/7 6/4 6/3

1. Schweden 2. Polen 3. holland 4. Ukraine

6/10 (+33) 6/10 (+29) 6/2 (-31) 6/2 (-31)

1. Island 2. Weissrussland 3. slowenien 4. Rumänien

6/10 6/9 6/5 6/0

Nationen fett = Qualifiziert für die Endrunde an der Ehf Euro 2014 in Dänemark

SCHLUSSRANGLISTE EM-QUALIFIKATION

DIE 4 EM VORRUNDENGRUPPEN AUF EINEN BLICK Gruppe 1 Dänemark, tschechien, mazedonien, Österreich

GRUPPE 7 1. Serbien 2. Österreich 3. Russland 4. Bosnien herzegovina

Gruppe 2 spanien, island, Ungarn, norwegen

6/9 6/8 6/6 6/1

Gruppe 3 serbien, frankreich, Polen, Russland Gruppe 4 Kroatien, schweden, Weissrussland, montenegro Weitere infos unter www.eurohandball.com und www.ehf-euro.com

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Remo Quadrelli voll konzentriert bei seinem letzten Heimauftritt im Schweizer Dress. Der 27-jährige Keeper von Kadetten Schaffhausen beendet nach dieser EM-Qualifikation seine Hanballkarriere und steigt in der IT-Branche ins Berufsleben ein.

Schmid. Ohne entsprechende Unterstützung kann er dem Spiel der Schweiz nicht den Stempel aufdrücken. Seit fünf Jahren ist Perkovac Nationaltrainer der Schweiz, in dieser Zeit verhalf er 34 Spielern zum Länderspiel-Debüt. Nun wirkt er so frustriert, wie selten zuvor. Hat Perkovac resigniert? «Nein, ich habe nicht aufgegeben, das Poten­ zial ist vorhanden. Was wir brauchen, ist viel Ruhe und Arbeit», betont er mit Blick auf die vielen Nachwuchstalente. Seine schlechte Laune nach dem Mazedonien-Spiel sei neben der Enttäuschung mit körperlichen Schmerzen zu begründen. Am Tag danach musste Perkovac wegen einer akuten Blinddarmentzündung notfallmässig operiert werden. «Ich konnte mich nicht bücken und nicht einmal mehr meine Socken selber ausziehen.» In Spanien coachte deshalb Assistent Lubomir Svajlen das Team.

Ärger wegen Quadrellis Rücktritt Der Frust über das neuerliche Scheitern bewegte Perkovac schliesslich sogar zu einem Seitenhieb Richtung Schaffhausen. «Man sollte sich fragen, wieso Remo Quadrelli fast zum Rücktritt gezwungen wird. Er wäre für uns sehr

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wichtig», sagt er. Goalie Quadrelli zieht nach 25 Länderspielen und im Alter von 27 Jahren bereits einen Schlussstrich unter seine Karriere. Die Vertragsofferte der Kadetten war ihm zu bescheiden, deshalb hat er eine Stelle als Software-Entwickler angenommen. «Mein Rücktritt ist nicht ganz freiwillig. Schaffhausen legte mir nahe, neben dem Handball den Einstieg ins Berufsleben anzugehen. Wenn ich etwas mache, dann will ich es aber zu 100 Prozent tun», erklärt Quadrelli. Bei den Kadetten hätte er weiterhin auf den Nummer-1-Status warten müssen. Schaffhausens Manager Peter Leutwyler sagt: «Wir bedauern Remos Rücktritt sehr. Wir boten ihm aber einen marktgerechten Vertrag an.» Über die Kritik von Perkovac ärgert sich Leutwyler: «Das ist ein Ablenkungsmanöver, nachdem man im Nationenranking aus den ersten 25 Plätzen rausgeflogen ist.» Die Kadetten sind diesbezüglich aber keinen Deut besser. So sagt Präsident Giorgio Behr in seiner verharmlosenden Analyse der missglückten Schaffhauser-Saison: «Besorgt bin ich dagegen wegen des jahrelangen Sinkfluges der Schweizer Nationalmannschaft unter Goran Perkovac.»

Meckes widerspricht Perkovac Auch innerhalb des Verbands gibt es Unstimmigkeiten. So sind sich Perkovac und sein Chef Ingo Meckes nicht in allen Punkten einig. Perkovac begrüsst die Partien der Vor-Qualifikation für die EM 2016. «Ein, zwei internationale Spiele mehr sind perfekt für uns», sagt er. Meckes hingegen findet, dass die Schweiz auch ohne diese Vor-Qualifikation genügend Spielpraxis erhalten würde. Perkovac wünscht sich ferner, dass er mit den in der Schweiz engagierten Nationalspielern jeweils am Montag und Dienstag trainieren kann. «Das wäre für ein, zwei Jahre locker machbar. Dazu braucht es die Hilfe der Vereine. Und nicht nur Lippenbekenntnisse», so Perkovac. Meckes sieht hier aber keinen zwingenden Handlungsbedarf: «Nationen wie Österreich, Portugal oder die Slowakei, Nationen also, mit denen wir uns messen wollen, machen das auch nicht.» Unbestritten ist allerdings, dass die Schweiz resultatmässig auf der Stelle tritt. Seit Jahren wird Besserung versprochen, in Sicht ist sie allerdings nicht. Die Stimmung ist schlecht im Schweizer Handball. o


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Kommentar

Wollen wir es international eigentlich noch wissen? Vordergründig geht es um eine Strukturreform mit den gewohnten Nebengeräuschen. Eigentlich geht es aber um eine Weichenstellung: Wollen wir international noch mitspielen, oder diese Bühne aufgeben, wie es dem Volleyball- und dem Basketballverband passiert ist? Falls wir aber wirklich dabei bleiben wollen, werden wir um eine Anpassung der Strukturen nicht herumkommen. Text Christoph Bopp Illustration Swen.ch Es gibt keinen Grund zum Ausruhen. Und schon gar keinen, sich zufriedengemütlich zurückzulehnen, weil ja alles bestens ist. Unser Sport verliert an Profil in den Medien. Handball im Schweizer Fernsehen findet nicht statt. Und die grossen Tageszeitungen füllen ihre Seiten immer mehr mit anderen Sportarten. Unsere Nationalmannschaft hat Mühe, sich für die grossen Turniere zu qualifizieren. Die Lizenzen gehen zurück. Die Mannschaften auch. Das sind Tatsachen. Eher ungemütliche. Es gibt auch Erfreuliches, zugegeben. Im Nachwuchsbereich arbeiten wir gut. Unsere U19/U21-Nationalteams der Männer sind international dabei. Und in den jüngeren Kategorien wird viel getan. Die Mini-Handball-Anlässe sind gut besucht. Und in den Spitzenklubs wird gut gearbeitet. Auch wenn man nicht übersehen kann, dass die Ressourcen knapp sind. Aber die Alarmzeichen überwiegen. Und es steht, wie SHV-Zentralpräsident Ueli Rubeli nicht müde wird zu betonen, die Entscheidung an, ob wir in der Schweiz Handball nach wie vor als Spitzensport betreiben wollen. Konkret: Ob wir eine Nationalmannschaft wollen, die an den Weltmeisterschaften und Europameisterschaft auftritt (vielleicht nicht jedes Mal, aber immer öfter). Oder ob wir die absolute Spitze aufgeben und uns im Verband mehr der (oberen) Breite zuwenden. Das habe man beim Volleyball und beim Basketball getan. Mit dem Effekt, dass man in den Medien mehr über die NBA liest als über den Schweizer Basketball. Nicht, dass diese Situation nicht realitätsgerecht wäre. Die NBA ist spannender, ist – weil uns die Medien viele Möglichkeiten bieten,

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auch teilzunehmen – präsenter, als was in den Hallen hierzulande passiert. Es ist nicht der Tod der Sportart. Aber es wäre schade, wenn man für die aufregenden Handball-Events ins Ausland reisen muss oder auf fremde TV-Stationen angewiesen ist. Und alles mehr oder weniger ohne uns stattfindet. Wer trägt in der Schweiz den Handball? Das ist eine Frage, die hierzulande immer wichtig ist. Weil wir den Föderalismus lieben. Wir möchten am liebsten alles so kleinräumig wie möglich organisieren. Ich will da, wo ich lebe, auch mitreden. Und nicht mir von einer Zentrale vorschreiben lassen, wie es gehen soll. Fürs Politische mag das stimmen. Hier sind bottom-up-Lösungen meist besser, weil sie besser akzeptiert werden, weil man mitdenkt und sich mit der Umsetzung identifiziert. Der Unterschied zum Sport wird der sein, dass das Politische kein anderes Projekt hat als sich selbst. Zufriedenheit stellt sich von selbst ein. Wenn man aber ein Projekt verfolgt, das ein Ziel hat, dann ist man erst zufrieden, wenn das Ziel erreicht ist. Der Schweizer Handball hat ein Ziel. Siehe oben. Und deshalb ist wahrscheinlich die super-föderalistische Organisationsform seines Trägers nicht die optimale Lösung. Die Vereine arbeiten für ihre Interessen, das ist klar. Gut arbeitende Vereine braucht es, um das Ziel zu erreichen. Aber ohne den Rest reicht es nicht. Und diesen Rest muss der Verband leisten. Weil nur er es kann. Denn es geht auch darum, neue Wege zu beschreiten, neue Möglichkeiten zu ergreifen. Und das ist in der bisherigen (föderalen) Struktur kaum möglich. Nichts gegen den Föderalismus. Aber hier gilt

das Prinzip, dass Aufgaben auf der Ebene erledigt müssen, wo sie hingehören, und dass auch die entsprechenden Kompetenzen dort angesiedelt sein müssen. Der Zentralvorstand hat einen Anlauf gemacht. Seine Dachstrategie wurde an der vorletzten DV 2012 aber abgelehnt. Fragt man nach, sollen die Gründe eher atmosphärischer Natur gewesen sein. Martin Hitz, Präsident der Region Aare plus, betont zwar «keine formelle Rolle» zu spielen, aber er äusserte sich sinngemäss schon an der DV so: «Schnellschuss, keine Vernehmlassung, schlecht kommuniziert». Sachlich sei man sich im Prinzip durchaus einig. «Alle sind dafür, dass die Strukturen vereinfacht werden müssen.» Die Frage sei, wie – und da gäbe es Differenzen. Vor allem mit den Regionalverbänden. (Die Spitzenligen der Frauen und Männer waren dafür.) «Zu viel Zentralismus», dieser Einwand ist vorerst einmal pauschal. «Wir möchten einen Prozess, die Regionen einbinden, sicher stellen, dass wir das Gleiche meinen und verstehen.» Wenn sich jemand überfahren fühlt, dann ist das meist nicht gut. Also gab man sich ein Jahr Zeit, leitete den Prozess ein, stellte gar einen Moderator zur Verfügung – Ergebnis für die DV 2013: Null. Katastrophe? Scherbenhaufen? – Blicken wir über die Grenze. Der grosse Superverband DHB (Deutscher HandballBund) hat praktisch dasselbe auch schon erlebt. 2011 ist die Verbandsspitze mit dem Antrag einer Strukturreform angetreten und gescheitert. Die Argumente damals waren ganz ähnlich. Nach dem Bundestag 2011 wurde ebenfalls ein Prozess eingeleitet. Und jetzt für den Bun-


destag 2013 im September schaut es gut aus. Personelle Verknüpfungen haben mitgeholfen. Bernhard Bauer, der frühere Torhüter von FA Göppingen (Goalies haben Nerven!), hat bereits in der Arbeitsgruppe «Strategie» eine tragende Rolle gespielt und stellt sich jetzt als Nachfolger des langjährigen DHB-Präsidenten Ulrich Strombach als Kandidat zur Verfügung. Er will das keineswegs als Drohung oder dergleichen verstanden wissen, aber natürlich übernimmt er den Posten nur, wenn die Strukturreform auch durchkommt. Georg Clarke, DHB-Vizepräsident Jugend, sieht die Chancen dafür als gut an. «Wichtig war, dass wir in der Arbeitsgruppe wirklich alle, die am ‹Produkt Handball› beteiligt sind, an Bord nehmen konnten.» Und alle zogen mit. Denn das grosse Handballland Deutschland kennt ganz ähnliche Probleme wie die Schweiz. Unter anderem sinkende Mitglieder- und Mannschaftszahlen. Auch in Deutschland ist man der Meinung, dass man die Probleme konsequenter angehen sollte. Georg Clarke redet von «bindender Strategie», «Bündelung der Ressourcen», «zentraler Vermarktung», Probleme sieht er auch bei der Jugendförderung, weil in

Deutschland flächendeckend auf Tagesschulen umgestellt wird. Vereine werden dann Mühe haben, am späten Nachmittag Hallen zu bekommen. Projekte im Kinder- und Jugend-Handball und im Amateur-Bereich sollten zentral angegangen werden. Die Strukturreform fasst Clarke unter dem Titel «Stärkung der Hauptamtlichkeit» zusammen. Professionalisiert werden soll vor allem die operative Tätigkeit. Die strategische Führung soll den Ehrenamtlichen vorbehalten bleiben. Ulrich Rubeli, dem Zentralpräsidenten des SHV, wird das alles ziemlich bekannt vorkommen. Auch er vermisst einheitliche Ansätze beim Breitensport. «Da wäre viel möglich», sagt er. Und durchaus auch Geld zu generieren. «Handball macht Schule» – unter diesem Titel lief bereits einmal ein Projekt in der Schweiz. Durchaus erfolgreich. Jetzt ein neues auf die Beine zu bringen, ist schwierig. Zentrales Thema ist die Vermarktung. «Mit traditionellen Mitteln und Strukturen ist es nicht möglich, den Handball professionell zu vermarkten», sagt Rubeli. Thomas Helbling, Professor für Marketing und Leiter des Instituts

Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz, pflichtet ihm bei: Auch bei anderen Non-Profit-Organisationen sei «die effiziente Markenführung» die Hauptherausforderung. «Die Leistungsempfänger/Kunden, wahrscheinlich bedingt durch die vergrös­serte Mobilität und das modifizierte Informationsverhalten, haben je länger je mehr ein Bedürfnis nach einer einheitlichen Markenführung, während die Leistungserbringer oft in der alten Struktur hängen bleiben,» bringt er das Problem auf den Punkt. Ein Patentrezept kennt er allerdings auch nicht. Was bedeutet das? Sicher nicht, dass man nichts tun soll. Handeln ist angesagt. Die Strukturen aus den 80er Jahren – damals, als der Handball nach der WM 1986 im eigenen Land boomte, durchaus richtig und zielführend – müssen angepasst werden. Sie sind nicht mehr zeitgemäss. Die Situation ist durchaus so, dass nichts zu machen auf jeden Fall schädlicher ist als allenfalls etwas auszuprobieren, was man nicht kennt. Im Zentralvorstand sitzen auch Leute mit genügend Kompetenz, die Richtung zu definieren und gegebenenfalls anzupassen. Man sollte die jetzt mal machen lassen. o handballworld 4/13

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WACKER THUN

«Wir bleiben ein Jäger» Wacker Thun ist Meister und Cupsieger, Favorit Schaffhausen bleibt nur das Nachsehen. Fred Bächer (41), der Geschäftsführer der Berner Oberländer, spricht über den Erfolg, das Geld, die Champions League und die Seitenhiebe der Schaffhauser. Text Stephan Santschi Fotos Foto Wagner

Fred Bächer, sind die Feierlichkeiten in Thun mittlerweile abgeschlossen? Ja, zum Glück. Würde ich mehr als eine Woche feiern, müsste ich die daraus entstehenden Falten wohl einer Botox-Behandlung unterziehen (lacht). Wir sind vom Thuner Gemeinderat empfangen worden, wir wurden in der Pause des Berner Fussball-Derbys zwischen Thun und YB geehrt, die Fans skandierten «Schweizer Meister». Das war alles sehr schön. Doch wir haben keine Zeit, um unsere Seele baumeln zu lassen. Wir müssen den Fokus bereits wieder nach vorne richten.

Was folgt in Thun auf die Feierlichkeiten? Die Suche nach dem Geld. Einerseits möchten wir künftig Gewinn erwirtschaften. Wir haben einen Finanzplan erstellt, um Reserven bilden zu können. Andererseits werden wir mehr Geld in die Mannschaft, in die Juniorenabteilung und in die Vermarktung stecken. Mein Aufwand als Geschäftsführer wird von zirka 50 wohl notgedrungen auf 80 Prozent steigen. Wir werden unser ordentliches Budget daher von 1,4 auf rund 1,7 oder 1,8 Millionen Franken erhöhen. Hinzu kommen weitere 400‘000 bis 500‘000 Franken, die wir für die Teilnahme in der Champions League generieren müssen.

Sie sagten vor einigen Wochen, Wacker Thun kämpfe um jeden Franken. Auch mit dem Double auf der Visitenkarte? Ja sicher. Doch wir haben von Geldgebern sehr schnell sehr positive Zeichen erhalten, dass sie uns helfen wollen. Einen Hauptsponsor für die Champions League haben wir bereits gefunden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Champions League rentabel gestalten können.

Wacker wird erstmals in der Königsklasse spielen und ist direkt für die Gruppenphase qualifiziert. Die Lachenhalle in Thun genügt den internationalen Anforderungen aber nicht. Wo werden die Heimspiele ausgetragen? Team-Manager Thomas Fahrni beschäftigt sich mit der Evaluation der Ortschaft. Zur Debatte stehen die Stadthalle in Olten, das Wankdorf in Bern und die BBC-Arena in Schaffhausen. Alle Standorte haben ihre Vor- und Nachteile. Nicht nur das Geld, auch die Verfügbarkeit von professionellem Personal ist hier ein relevantes Thema. Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen.

Kein Spieler verlässt das Team. Grosse Transfers soll es keine geben. Bleibt es dabei?

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Nun, einen grossen Transfer haben wir mit Stefan Huwyler aus Endingen ja bereits gemacht, er ist immerhin 1,95 Meter gross (lacht). Klar wären grosse Verstärkungen nicht schlecht, doch im Moment sehen wir diesbezüglich keine Notwendigkeit. Künftig möchten wir ohnehin vermehrt eigene Nachwuchsspieler in die 1. Mannschaft einbauen.

Kadetten-Präsident Giorgio Behr sandte in den Medien verschiedene, verbale Giftpfeile Richtung Thun. Ist dies ein Zeichen dafür, dass Wacker definitiv als ernsthafter Konkurrent wahrgenommen wird? Ich beurteile solche Äusserungen weder positiv noch negativ. An der Arbeit, die ich zu erledigen habe, ändern sie letztlich nichts. Sicher könnte ich darauf reagieren und es auf eine Konfrontation ankommen lassen. Doch dann würde ich mich nicht auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Klar festgehalten werden muss, dass die Kadetten Schaffhausen viel für den Schweizer Handball getan haben. Dank ihnen steht die Schweiz im Klubranking der EHF so gut da, dass wir direkt für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert sind.

Wird Wacker Thun nun vom Jäger zum Gejagten im Schweizer Handball? Nein, noch nicht. Wir verfolgen zwar eine klare Vorwärtsstrategie, wir sehen uns aber noch immer als Jäger. Die Schaffhauser sind weiterhin das Mass der Dinge in der Schweiz, sie könnten locker auch in der Bundesliga mithalten. Unser Double ändert daran nichts. o

name Bächer Vorname Fred Alter 41 wohnort Thierachern (bei Thun) familie verheiratet mit Denise, 2 Kinder (Fabienne/13 und Cédric/6) beruf Geschäftsführer Wacker Thun, Generalagent Vaudoise Versicherungen


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Wacker Thun Kreisläufer Reto Friedli geht im alles entscheidenden fünften Playoff-Finalspiel gegen Kadetten Torhüter Remo Quadrelli in den Abschluss. Die anderen Spieler beobachten gespannt. Im Hintergrund die prallvollen Zuschauerränge der Lachenhalle.

Ein Double für die Ewigkeit Wacker Thun ist die prägende Mannschaft der Saison 2012/13. Im April verteidigten die Berner Oberländer die CupTrophäe mit einem 30:26-Finalsieg gegen Schaffhausen. Im Mai gewannen sie erstmals in ihrer 52-jährigen Klubgeschichte den Schweizer Meistertitel. Die Art und Weise, wie diese Premiere zu Stande kam, macht sie noch eindrücklicher. Die Thuner lagen in der Best-5-Serie des NLA-Finals bereits mit 0:2 zurück, ehe sie mit drei Erfolgen in Serie noch die Wende schafften. Damit bleibt Schaffhausen, das in der jüngeren Vergangenheit zum Dominator der nationalen Handballszene avancierte, ohne Titel. Das gab es in den letzten zehn Saisons nur einmal (2009). Phasenweise sind die Kadetten von den Thunern sogar regelrecht gedemütigt worden. Entsprechend gross sind beim finanzstärksten Verein der NLA die personellen Konsequenzen (siehe Seite 26). Zusammengefasst: Der Thuner Teamgeist schlug den Schaffhauser Individualismus.

«Wir sind nicht Handballkollegen, wir sind Freunde», sagt Rückraumspieler Lukas von Deschwanden, der zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt wurde. Kampfstärke, Selbstvertrauen und Leidenschaft machten diese Mannschaft aus. Hinzu kamen Einzelspieler, die in der Finalserie über sich hinaus wuchsen. Goalie Nummer zwei Marc Winkler beispielsweise. Oder der bereits 38-jährige Aufbauer Borna Franic. Oder Kreisläufer und Chefmotivator Reto Friedli. Wacker verfügte über ein harmonisches und ausgewogenes Orchester, das von Trainer Martin Rubin und Spielmacher Roman Caspar meisterlich dirigiert wurde. Und schliesslich konnte Wacker auf das beste Publikum zählen. Während in der schmucken BBC-Arena in Schaffhausen eine ansprechende Atmosphäre herrschte, war die Thuner Lachenhalle ein Hexenkessel. Noch nie war Wacker Thun besser als in der Saison 2012/13, die Begeisterung im Berner Oberland ist riesig. Ein Double für die Ewigkeit.

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Wir gratulieren herzlich zum Schweizer Meistertitel!

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Giorgio Behr: «Das ist halb so dramatisch» Kein nationaler Titel, kein internationales Ausrufezeichen – Schaffhausen blickt auf eine erfolglose Saison zurück. Personelle Fehlentscheide und Verletzungspech sind dafür verantwortlich. Nun kommt es zu verschiedenen Mutationen. So kehrt David Graubner nach einem Jahr in der Bundesliga zurück. Text Stephan Santschi Fotos Foto Wagner

Kadetten-Präsident Giorgio Behr.

Scheitern. Giorgio Behr, Präsident und Macher der Kadetten, tut sich schwer mit diesem Begriff. Die Mannschaft ist zwar in der Meisterschaft und im Cup von Wacker Thun geschlagen worden. Auch in der Champions League konnte der Exploit der letzten zwei Jahre, die Achtelfinal-Qualifikation, nicht wiederholt werden. Der Erfolg der Vergangenheit lasse sie diese Ergebnisse aber mit Gelassenheit betrachten, sagt Behr. «Wir sehen die Sache nur halb so dramatisch. Wir sind in allen drei Wettbewerben im allerletzten Moment gescheitert. Wir haben trotz einer Rekordzahl an Verletzungen und Krankheitsfällen immerhin bis zum Schluss mithalten können.»

Drei erfolglose Trainer In der Tat hatten die Schaffhauser mit Spielmacher Peter Kukucka, Shooter Christian Dissinger, Goalie-Routinier Arunas Vaskevicius und Abwehr-Spe-

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zialist Ruben Schelbert gewichtige Absenzen zu verkraften. Dass der Erfolg ausblieb, lag aber auch an hausgemachten Problemen. Die Kadetten verbrauchten drei Trainer. Bei Petr Hrachovec machten sich nach fünf Jahren Abnützungserscheinungen bemerkbar. Im Oktober übernahm Assistent Urs Schärer die Hauptverantwortung, ehe ihm nach dem verlorenen Cupfinal im April die fehlende Trainerausbildung angelastet wurde. Matjaz Tominec sollte in den letzten Wochen mit dem Meistertitel für ein versöhnliches Ende sorgen. Mehr als ein Strohfeuer entfachte aber auch er nicht, im Playoff-Final fiel er vor allem als Dauernörgler auf. Behr erklärt, dass er Markus Baur, der nun das Traineramt in Schaffhausen übernimmt, schon vor einem Jahr habe verpflichten wollen. «Leider war das aufgrund der Vertragskonstellation mit dem Deutschen Handballbund aber nicht möglich.»

Prieto und Dissinger gehen Nicht die gewünschte Wirkung erzielten die Transfers. Der dreifache ChampionsLeague-Sieger Carlos Prieto vermochte die Erwartungen nicht zu erfüllen. Er verlässt die Mannschaft ebenso, wie Christian Dissinger (zu Atletico Madrid), Iwan Ursic (GC Amicitia), Remo Quadrelli (siehe auch Seite 16) und Marius Aleksejev. Der zweifellos talentierte Marko Mamic sass mehrheitlich auf der Tribüne, erst Tominec liess ihn regelmässig spielen. Und Julius Emrich vermochte den Verdacht, dass mit seiner Hilfe vor allem süddeutsche Fans in die BBCHalle gelockt werden sollten, nie ganz aus der Welt zu schaffen. Um wieder zur Nummer eins in der Schweiz zu werden, haben die Schaffhauser einige Hebel in Bewegung gesetzt. «Reculer pour mieux sauter», sagt Behr, was frei übersetzt so

David Graubner kehrt zurück nach Schaffhausen.

viel bedeutet wie: «mit neuem Anlauf in die Zukunft». Pfadi-Kreisläufer Markus Krauthoff wird Baurs Assistent. «Krauthoff ist in Schaffhausen für seinen Einsatz, seine positiven Emotionen und als Stimmungsmacher aus seiner Zeit als Spieler beliebt und geschätzt», so Behr. Ein noch prominenterer Rückkehrer ist David Graubner. Der 29-jährige Rückraumspieler verlässt Bundesliga-Absteiger Grosswallstadt und erhält einen Dreijahresvertrag. Schon länger bekannt ist die Verpflichtung von Kreisläufer Thomas Heer. Gabor Vass, ein weiterer ehemaliger Kadette (2004 bis 2006), wird Sportlicher Leiter NLA und bildet zusammen mit Peter Leutwyler und Giorgio Behr das Leitungsgremium Kadetten Leistungssport. Diesem Gremium ist auch die Scouting- und Transfer Commission unterstellt. Urs Schärer, der ursprünglich Leutwyler beerben sollte, wird Assistent bei B-Ligist Yellow Winterthur. o


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ALLE KLUBWECHSEL IN DER NATIONALLIGA A IN DER ÜBERSICHT Wacker Thun (Meister): Trainer Martin Rubin, Schweizer, bisher. Spieler: Hess (Rücktritt), Huwyler (neu, von Endingen) Kadetten Schaffhausen (Vizemeister): Trainer Markus Baur, Deutscher, neu. Spieler: Ursic (zu GC Amicitia), Bucher (Rücktritt), Meier (zu Gossau), Quadrelli (Rücktritt), Dissinger (zu Athletico Madrid), Prieto (offen), Trainer Schärer (zu Yellow Winterthur), Heer (neu, vom BSV Bern Muri). Pfadi Winterthur (3. Finalrunde): Trainer Adi Brüngger, Schweizer, bisher. Spieler: Grimm (als Trainer zu Kriens-Luzern), Kurth (zum BSV Bern Muri), Steiner (zu Yellow), Kasapidis (zu Suhr Aarau), Krauthoff (als Assistenztrainer zu Kadetten), Burkhard (zu Endingen), Reuter (zu Altdorf), K. Jud (neu, von Lakers Stäfa), L. Maros und Freivogel (neu, beide GC Amicitia), Bajram (neu Velenje/SLO), Cvetkovic (neu, BSV Bern Muri). St. Otmar (4. Finalrunde): Trainer Jan Filip, Tscheche, bisher. Spieler: Parolo, Hojc und Isenrich (alle Rücktritt), Usik (zu Gossau), R. Liniger (zu Yellow), M. Milosevic (neu, von Gossau), Babak (neu, Jicin/CZE), Galia (neu, Grosswallstadt/CZE), Ljubanovic (neu GCAmicitia/CRO), Brücker (neu, Altdorf). Kriens-Luzern (5. Finalrunde): Trainer Heiko Grimm, Deutscher, neu. Spieler: Steiger (zu BSV Bern Muri), Aleksejew (zu Kadetten/EST; schon während Saison 12/13), Willisch, Petrig (beide Rücktritt), Baverud (?), Jeremias (neu, von HS Biel), Hofstetter (neu vom HS Biel und vorher BSV Bern Muri), Spengler (neu, GC Amicitia), Portmann (neu, Lakers Stäfa), Schramm (neu, Kreuzlingen/GER), Stojanovic (neu, RK Vojvodina/BOS).

BSV Bern Muri (6. Finalrunde): Trainer Lukas Magnaguagno, Schweizer, neu. Spieler Hofstetter (zu Kriens-Luzern, während Saison 12/13 zu HS Biel), A. Milosevic (Ausland?), Kaufmann (zu Suhr Aarau), Heer (zu Kadetten), Cvetkovic (zu Pfadi), Steiger (zu Kriens-Luzern), Kurth (neu, von Pfadi), Mitrovic (neu, Partizan Belgrad/SRB). Fortitudo Gossau (1. Abstiegsrunde): Trainer Rolf Erdin, Schweizer, bisher. SpielerM. Milosevic (zu St. Otmar), Usik (zu St. Otmar), Meier (zu Kadetten). Lakers Stäfa (2. Abstiegsrunde): Trainer Markus Jud, Schweizer, bisher. Spieler: Nielsen (zurück nach Dänemark), K. Jud (zu Pfadi), Portmann (zu Kriens-Luzern), Bleuler (zu Uster) F. Maros (neu, von GC Amicitia), Ehlers (von DHK Flensborg/DEN). KTV Altdorf (Aufsteiger): Trainer Burkhard Keller, Deutscher, neu. Spieler: Brücker (Weggang zu St. Otmar), Reuter (neu, von Pfadi Winterthur), Wesseling (neu, von Emdetten/GER), Fallegger (neu Altdorf 2), Röösli (neu Sarnen), Stadelmann (neu Malters). GC Amicitia (Sieger Auf-/Abstiegsspoule): Trainer Arno Ehret, Deutscher, bisher. Spieler: Freivogel, L. Maros (beide Weggang zu Pfadi), F. Maros, (zu Lakers Stäfa), Spengler (zu KriensLuzern), Ljubanovic (zu St. Otmar), Stalder (zum STV Baden), Fongue (Rücktritt), Ursic (neu, von Kadetten), Malovic (neu, IBV Island/MTN), Wittlin (neu, RTV Basel), Jelincic (neu, Israel/CRO), Ginders (neu, Gänserndorf/GER). Zusammenstellung Werner Reimann

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CHAMPIONs LEAGUE FINAL4

Das Märchen vom Hamburger Handball-Aschenputtel Aussenseiter HSV Hamburg setzt sich nach dramatischem Finale gegen Barcelona die Krone der Champions League auf, Titelverteidiger Kiel enttäuscht auf ganzer Linie. 40‘000 Fans an zwei Tagen genossen die elektrisierende Stimmung in der Lanxess Arena in Köln. Text Björn Pazen Fotos Heuberger / Zaunbrecher Aschenputtel hatte zwei übermächtige Schwestern, die ihr keinen Raum zur Entfaltung liessen. Sagen wir einmal diese Schwestern heissen Kiel und Flensburg. Aschenputtel aus Hamburg sitzt immer in der dunkelsten Ecke, während vor allem die «grosse Schwester Kiel» immer im Rampenlicht steht. Aber irgendwie schafft es das Mauerblümchen doch noch zum Ball des Prin-

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zen nach Köln - zeigt sich von seiner hübschesten Seite und erobert alle Herzen im Flug. Zu schön, um wahr zu sein? Alles Märchen? Nein! Jede kitschige «Cinderella»-Verfilmung kann nicht das vermitteln, was dem HSV Hamburg in einer märchenhaften Saison gelang, nur, dass es beim «grossen Ball in Köln» nicht um den schönen Prinzen, sondern um die von österrei-

chischen Metallkünstlern geschaffene Champions-League-Trophäe ging. Und die war eigentlich für «die Reichen und Schönen» aus Kiel oder Barcelona reserviert gewesen, doch dann kam das Aschenputtel aus der Hansestadt und schnappte sich das Objekt der Begierde.

Vom Aussenseiter zum Sieger «Wir waren als Aussenseiter angereist,


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Bild links: Der HSV Hamburg feiert seinen Champions League Sieg. Bild rechts: Kiels Superstar Filip Jicha (links) blieb nur das Staunen. Domagoj Duvnjak wirft einer seiner 11 Treffer im CL-Halbfinal gegen Kiel.

waren die beste Mannschaft des Wochenendes und haben diese Trophäe verdient gewonnen», grinste Trainer Martin Schwalb, der mit dem Titel in der Champions League im denkwürdigen Finale gegen Barcelona den grössten Erfolg seiner Trainerkarriere feierte. Als erster deutscher Coach überhaupt holte er den begehrtesten Titel des europäischen Klubhandballs. Sein Erfolgsrezept: «Wir waren über die ganze Saison unwahrscheinlich fokussiert, auf unserem langen Weg nach Köln.» Dass letztlich der HSV nach Magdeburg (2002) und Kiel (2007, 2010, 2012) der dritte deutsche CL-Sieger wurde und so das Siegerpreisgeld von insgesamt 495‘000 Euro in Empfang nahm, konnte Ende September 2012 niemand ahnen. Im Finale des Wildcard-Qualifikationsturniers in St. Raphael stand man vor dem Aus, rettete sich – Ironie des Schicksals – wie beim 30:29 im Finale

gegen Barcelona in die Verlängerung und qualifizierte sich schliesslich für die Gruppenphase. Als erster Qualifikant überhaupt erreichte man das Finale und gewann später auch den Titel. «Nicht viele haben hier in Köln mit uns gerechnet, aber jetzt haben wir den Pott, ich bin unglaublich stolz auf das Team und stolz, deren Kapitän zu sein», sagte Pascal Hens.

Hamburg entzauberte Kiel Das «Wunder von Köln» begann für den HSV schon samstags. Mit einer Demonstration der Stärke wurde der phasenweise blutarme Titelverteidiger und grosse Favorit THW Kiel mit 39:33 entthront. Und am nächsten Tag belehrte der HSV auch THW-Trainer Alfred Gislason eines Besseren: «Ich glaube nicht, dass sie nur 24 Stunden später nochmal zu einer solchen Leistung fähig sind», sagte er nach der Halbfinalniederlage. War der HSV

aber. War es samstags der überragende Domagoj Duvnjak, der elf Treffer erzielte, kam sonntags Mimi Kraus wie Phönix aus der Asche, erzielte in 35 Minuten sechs Treffer in acht Versuchen, verabschiedet sich mit dem grössten Titel nach Göppingen. «Am Sonntag haben Spieler die Verantwortung übernommen, die samstags noch nicht mal auf der Platte standen. Das zeichnet eine grosse Mannschaft aus», meinte Hens. Finalgegner FC Barcelona stellte zwar die beste Abwehr des Turniers, aber im Angriff des ersten Champions-LeagueFinales überhaupt, das in einer Verlängerung entschieden werden musste, hatte der HSV seine Trümpfe. Beim 24:20 hätten die Hamburger den Sack schon zumachen können, aber Barca bäumte sich nochmals auf und glich zum 25:25 nach 60 Minuten aus. In der Verlängerung war es der überragende Torwart Johannes Bitter, der den Sieg rettete. handballworld 4/13

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hatten die Katalanen dem polnischen Finalturnier­debütanten Vive Targi Kiel­ ce dank einer sensationellen Defensivleistung beim 28:23 keine Chance gelassen. Aber Kielce durfte dann doch noch einen Prestigeerfolg feiern – den sich die rund 1‘000 friedlich feiernden Fans in Köln auch verdient hatten. Im Spiel um Platz drei gegen den erneut enttäuschenden THW hiess es am Ende eines Hitchcock-Thrillers 31:30 für die Wenta-Truppe, die zwischenzeitlich mit neun Treffern Differenz geführt hatte und die Kieler Aufholjagd gerade noch so überstand.

Lindberg wurde mit 101 Treffern Torschützenkönig

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Michael Kraus (HSV) gehörte mit seinen 6 Toren im CL-Final zu den Matchwinnern.

«Gegen 7 Spieler kann man nur schwer gewinnen» «Ich hätte bei unserer Ankunft in Köln nicht unbedingt damit gerechnet, dass es etwas zu feiern gibt», grinste Matthias Flohr, der wie Torsten Jansen, Hens und Stefan Schröder schon beim ersten internationalen Titel – dem Sieg im Pokalsiegerwettbewerb 2007 – dabei war, seinerzeit noch mit Iwan Ursic im HSVDress. Hens, Kraus, Jansen und Bitter feierten in der Lanxess-Arena nach dem WM-Titel 2007 so einen weiteren Mega-Triumph. Auch ein Verdienst der

19‘750 Zuschauer, darunter nur rund 1‘000 HSV-Fans. Aber die Leidenschaft und der Wille zum Erfolg begeisterte auch das neutrale Publikum. Es war geil, wie die Halle uns nach vorne gepeitscht hat, einfach gigantisch», meinte Hens. «Gegen sieben Spieler und 18‘500 Zuschauer kannst du nur schwer gewinnen», meinte Barcelonas Kapitän Victor Tomas, der zu gerne sein Triple nach 2005 und 2011 perfekt gemacht hätte, der aber auch zugab: «Wir müssen uns keinen Vorwurf machen, wir haben alles gegeben.» Im Halbfinale

Als Einziger mit sogar zwei Auszeichnungen kehrte der Däne Hans Lindberg nach Hamburg zurück. Mit 101 Treffern wurde er Champions-League-Torschützenkönig, und der 101., der Siegtreffer gegen Barca, war einer der wichtigsten seiner Karriere. Und mit Ausnahme von Barcelona und Kiel waren ale Beteiligten hochzufrieden mit der vierten Auflage des Finalturniers in Köln: «Die Atmosphäre war sensationell, die Spiele hochdramatisch und von höchstem Niveau, zudem hat sich die gesamte Handballwelt in Köln getroffen, es war wie eine königliche Hochzeit, nur dass es keine Royals gab», meinte EHF-Präsident Jean Brihault, der erstmals die Siegertrophäe überreichte – und das Märchen vom Hamburger Handball-Aschenputtel genau in diesem Moment Realität werden liess. o

EHF Champions League facts Resultate Halbfinals: Vive Targi Kielce (POL) – FC Barcelona (ESP) 23:28 (10:13) – Beste Torschützen, Barcelona: Rutenka 8, Garcia 5/Kielce: Strlek 4, THW Kiel (GER) – HSV Hamburg (GER) 33:39 (16:19) – Beste Torschützen, Kiel: Vujin 10, Jicha 6/Hamburg: Duvnjak 11, Hens 8, Lindberg 7, Spiel um Platz 3: Kielce – Kiel 31:30 (19:12) – Beste Torschützen, Kielce: Stojkovic 8, Cu­pic 7/Kiel: Ilic, Jicha je 6, Finale: Barcelona – Hamburg 29:30 (11:9, 25:25) - Beste Torschützen, Barcelona: Rutenka 8, Tomas 7/ Hamburg: Kraus und Lindberg je 6. Torschützenliste der CL-Saison 2012/13 1. Hans Lindberg (HSV Hamburg) 101 Tore, 2. Siarhei Rutenka (FC Barcelona) 95

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Tore, 3. Anders Eggert (SG Flensburg-Handewitt) 79 Tore, 4. Michal Jurecki (Vive Targi Kielce) 77 Tore, 4. Naumce Mojsovski (Metalurg Skopje 77 Tore, 4. Laszlo Nagy (MKB Veszprem) 77 Tore . Und auf Rang 47: Andrija Pendic (Kadetten Schaffhausen) 45 Tore. Zuschauerrekorde Alle vier Partien waren mit 19‘750 Fans in der Lanxess-Arena ausverkauft – wie alle drei Finalturniere zuvor. Während des Finalwochenendes wurden bereits über 4‘000 Tickets für das Final4 2014 (31. Mai/1. Juni) in der Arena verkauft. TV-Rekord Das Final4 wurde weltweit in 140 Länder übertragen. Für den guten Zweck Die Organisatoren

des Final4 konnten eine Spende in Höhe von 40‘000 Euro an die deutsche Krebshilfe überweisen. Diese Einnahmen stammen grösstenteils aus dem Benefiz-Golfturnier, an dem zahlreiche Handballlegenden wie Staffan Olsson, Daniel Stephan, Christian Schwarzer, Lars Christiansen oder Florian Kehrmann teilnahmen. Die All-Stars der Saison Linksaussen: Anders Eggert (SG Flensburg-Handewitt), Rückraum links: Filip Jicha (THW Kiel), Rückraum Mitte: Daniel Narcisse (THW Kiel), Rückraum rechts: Laszlo Nagy (MKB Veszprem), Rechtsaußen: Ivan Cupic (Vive Targi Kielce), Kreis: Julen Aguinagalde (Atletico Madrid), bester Abwehrspieler: Timuszin Schuch (MKB Veszprem).


15 Fragen

«Jeder Turnschuh erz�hlt eine Anekdote» Soka Smitran ist eine Leistungsträgerinnen des TV Zofingen, der jüngst in die SPL aufgestiegen ist. Die 30-jährige Aargauerin spielte in Frankreich und Dänemark über sieben Jahre als Profi. Sie erzählt von ihren Erfolgen, von einer besonderen Leidenschaft und vom Traum eines illustren Nachtessens. Text Stephan Santschi Fotos Zvg. französischen Meisterschaft. Champions-League und Europacup Einsätze waren auch immer etwas Besonderes. Zudem habe ich mit Topspielerinnen wie Inna Suslina, Ana Kareva, Sandrine Mariot oder Ana Maria Stecz gespielt. Das waren ebenfalls Highlight, sowohl in sportlicher, als auch in menschlicher Hinsicht.

Welches ist Ihre beste und was Ihre schlechteste Eigenschaft? Meine Schwester sagt, ich sei mit meiner impulsiven Art nichts für schwache Nerven. Ich kann einen dicken Schädel mit scharfen Widderhörnern haben. Auf der anderen Seite bin ich aber auch ein sehr sensibler, hilfsbereiter Mensch. Das Glück und Wohlergehen meiner Mitmenschen ist mir wichtiger als mein eigenes.

Was liegt bei Ihnen auf dem Nachttisch? Ich habe keinen Nachttisch.

Welches Menu kochen Sie am liebsten? Grundsätzlich mexikanisch. Ich koche und esse sehr gerne. Ein voller Bauch macht das Herz froh. Sokas Smitran posiert vor einer Auswahl ihrer Turnschuhsammlung, welche weit über 100 Paar umfasst.

Welches ist Ihr Lieblingsort? Für mich gibt es keinen ultimativen Lieblingsort. Mit den richtigen Menschen ist es überall schön.

Wie fing bei Ihnen im Handball alles an? Im Schulsport. Eine Trainerin des HV Rotweiss Buchs fragte mich im Rahmen eines Turniers, ob ich nicht Lust hätte, Handball zu spielen. Ich musste mich zwischen Handball, Fussball und Leichtathletik entscheiden. Beim Handball blieb ich letztlich, weil es mir am besten gefiel und weil ich dort die besten Kolleginnen hatte.

Welches ist das Highlight Ihrer Karriere? In der Schweiz gewann ich mit Nottwil zweimal die Meisterschaft und einmal den Cup. Damals gab es am Ende der Saison noch die Duelle zwischen Ost und West. Zweimal wurde ich ins Allstar-Team berufen, erstmals mit 17. Ich war damit die jüngste Schweizerin im Allstar-Team, das war eine besondere Auszeichnung. Mit 19 ging ich ins Ausland, ich war in Frankreich und Dänemark während siebeneinhalb Jahren Profi. Ich gewann in Frankreich zweimal den Cup, in Dänemark einmal. Und ich wurde Zweite in der

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Wie sehen Ihre Traumferien aus? Mit einer guten Mischung aus Abenteuer, Erholung und Erforschung der Gegend.

Welchem Artikel können Sie beim Shoppen nicht widerstehen? Einzig und allein Turnschuhen. Wenn ich eine neue Stadt oder ein neues Land bereise, wenn ich ein positives Erlebnis habe oder alles schief läuft, belohne ich mich normalerweise mit einem Paar Turnschuhe. Ich besitze über 100 Paar. Jedes erzählt eine eigene Anekdote.

Was gefällt Ihnen an einem Mann? Wenn «s’Häfeli ufs Deckeli» passt.

Wovor fürchten Sie sich? Einen mir nahestehenden, lieben, wichtigen Menschen zu verlieren.


SOKa SMITran

SOKA SMITRAN 11. april 1983 aarau Buchs ag Schweizerin/Serbin ledig gelernte Kauffrau und Polizistin, ab September ausbildung zur Primarlehrerin Hobbies Handball, Familie/Freunde, kochen, essen Position Kreis, rückraum Grösse/Gewicht 170 cm/74 kg Verein TV Zofingen Stationen Spono nottwil, SUn aLB Bouillargues, gog Svendborg TgI, HaC Le Havre, US Mios Biganos, CSV Vésoul, eSBF Besançon Erfolge 2-mal Schweizermeisterin und einmal Cupsiegerin mit Spono nottwil, Französische Vizemeisterin und Cupsiegerin mit HaC Le Havre, Französische Cupsiegerin mit US Mios Biganos, Dänische Cupsiegerin mit gOg Svendborg TgI Länderspiele 0 («Ich entschied mich früh, auf einsätze im nationalteam zu verzichten») Geburtstag Geburtsort Wohnort Nationalität Zivilstand Beruf

Was ist Ihre grösste Leidenschaft neben dem Sport? Die Familie und der engste Freundeskreis. Ich habe während meiner Zeit im Ausland jahrelang darauf verzichten müssen. Ich habe Geburtstage, Hochzeiten, Geburten und diverse andere Anlässe und Festivitäten im Familien- und Freundeskreis verpasst. Deshalb geniesse ich die Freizeit mit Familie und Freunden nach meiner Rückkehr in die Schweiz ganz besonders.

Welche Sorte Mensch bewundern Sie? Solche, die sich für die Menschheit einsetzen, die Gutes bewegen, die Glück vermitteln, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, die den Mut haben, neue Wege zu gehen. Menschen, die sich in ihrer Leidenschaft verlieren, Menschen, die ihr Wissen und Können weitergeben, Menschen, die durch eigene Aufopferung anderen helfen und sie weiterbringen in der Erfüllung ihrer Träume und Visionen.

Welches ist Ihr Lieblingszitat? Omnia vincit amor. Das ist lateinisch und heisst: Liebe besiegt alles.

Welchen Promi würden Sie gerne zu einem Nachtessen treffen? Am liebsten sässe ich an einem grossen runden Tisch, bunt durchmischt mit Promis aus der Musik-, Politik-, Kunst-, Literatur- und Filmwelt. Da ich mich jedoch in Sportkreisen am ehesten zu Hause fühle, wähle ich drei Sportler: Den Basketballer Michael Jordan, den Fussballer Zinédine Zidane und den Eiskunstläufer Jewgeni Pluschenko. Welch grossartige Sportler! Wann findet das Nachtessen genau statt? ;-)

Was möchten Sie unbedingt noch erleben? Das Gründen und Erleben einer eigenen, gesunden und glücklichen Familie. o

SO ODER SO?  ÖV

 Auto

 Berge

 Meer

 Winter

 Sommer

 Langschläfer

 Frühaufsteher

 Ordnung

 Chaos

 Blond

 Dunkelhaarig

 Buch

 Zeitung

 Luxus

 Schnäppchen

 Schokolade

 Chips

 Liebesfilm

 Thriller

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U21 Nationalmannschaft

«Ich habe keine Zeit für Wehmut» Die Schweizer starten am 14. Juli in die U21-WM in Bosnien-Herzegowina. Es wird der letzte gemeinsame Auftritt der besten Schweizer Junioren-Nationalmannschaft aller Zeiten sein. Text Stephan Santschi Foto Foto Wagner Grösser könnte die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der A-Nationalmannschaft und den U21-Junioren kaum sein. Während das blasse Aushängeschild des Schweizerischen Handballverbands seit dem Jahr 2006 auf die nächste Teilnahme an einem grossen Turnier wartet, ist die Auswahl von Trainer Michael Suter ein Stammgast an internationalen Kräftemessen. Die Mannschaft mit den Jahrgängen 1992 bis 1994 (Pascal Vernier hat sogar Jahrgang 1995) hat sich in den letzten Jahren in der Weltspitze etabliert: Rang sechs an der U18-EM (2010), Rang sechs an der U19-WM, Rang drei an der U19-Open-EM (beides 2011), Rang acht an der U20-EM (2012) und nun die Qualifikation für die U21-WM zeugen von konstant starken Auftritten auf höchstem Niveau. «Ja, dies ist die beste Junioren-Nationalmannschaft, welche die Schweiz jemals hatte», bestätigt Trainer Suter. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an die Anfänge: «Ich sollte mal schauen, was ich mit diesen Junioren herausholen könne, es seien nur durchschnittliche Jahrgänge, hiess es…»

Gelingt ein letztes Husarenstück?

Luca Spengler will mit seinen Toren dazu beitragen, dass sein Team den Sprung ins WMAchtelfinale schafft.

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An der U21-WM in Bosnien-Herzegowina werden die Schweizer zum letzten Mal in dieser Zusammensetzung auftreten. Danach werden die Jahrgänge 1992 und 1993 aus dem Juniorenalter ausscheiden. Ist da auch ein bisschen Wehmut dabei? «Nein, dazu habe ich gar keine Zeit. Sicher werden wir im Sommer ein Abschlussfest machen. Doch alles, was bisher war, sehe ich nur als Vorbereitung. In Zukunft sollen meine Spieler in der A-Nationalmannschaft Führungsrollen übernehmen», sagt Suter. Können die Toptalente zum Schluss nochmals über sich hinauswachsen und die bisherigen Ergebnisse vielleicht sogar noch übertreffen? «Das wird sehr schwer, weil andere Teams sicher breiter abgestützt sind als wir. Wir haben in der Vergangenheit aber bewiesen, dass wir alle


Spielplan u21-wm 2013 Gruppe B: Schweiz - Holland (So 14. Juli). Algerien - Schweiz (Mo 15. Juli). Deutschland - Schweiz (Mi 17. Juli). Schweiz - Kroatien (Do 18. Juli). Schweiz - Katar (Sa 20. Juli). Weitere Gruppen A: Tunesien, Dänemark, Russland, Angola, Frankreich, Serbien C: Kongo, Argentinien, Slowenien, Ungarn, Bosnien-Herzegowina, Südkorea D: Spanien, Ägypten, Schweden, Kuwait, Brasilien, Chile

Modus Die ersten vier Mannschaften jeder Gruppe qualifizieren sich für die Achtelfinals, die anderen Teams spielen die Ränge 17 bis 24 aus. Mit viel Teamspirit gehen die Schweizer U21 Junioren an die Weltmeisterschaft.

gros­ sen Gegner schlagen können. Mit Dänemark, Kroatien und Spanien haben wir alle Gewinner der letzten Welt- und Europameisterschaften mindestens einmal geschlagen. An guten Tagen sind wir zu Husarenstücken fähig.»

Schweizer in schwerer Gruppe Zu weit aus dem Fenster lehnen, mag sich Suter vor dem ersten WM-Spiel am 14. Juli gegen Holland allerdings nicht. Spanien sei der Topfavorit, auch Kroatien,­ Dänemark, Deutschland und Schweden seien stark. «Für uns wird es wegen der Dichte an starken Gegner nur schon unendlich schwierig, die Vorrunde zu überstehen.» Die Gruppeneinteilung hat es in der Tat nicht gut gemeint mit den Schweizern. Die Konkurrenz in der Gruppe B ist mit Kroatien, Deutschland, Holland, Algerien und Katar hochkarätig. Nominell stärkste Mannschaft der Gruppe ist Kroatien, das sich an der U20-Europameisterschaft im vergangenen Juli erst im Final von Spanien geschlagen geben musste. Die Kroaten dürften in der 25'000-Einwohner-Stadt Ljubuski, die direkt an der kroatischen Grenze liegt, zudem auch vom Heimvorteil profitieren. Deutschland und die Schweiz belegten an der EM die Plätze sieben und acht, die Holländer waren damals nicht ver-

treten. Sie setzten sich in der abgelaufenen WM-Qualifikation als Gruppenzweiter hinter Slowenien durch. Mit Katar und Algerien komplettieren zwei nicht-europäische Equipen die Gruppe B. Die katarischen Junioren sind für die SHV-Auswahl keine Unbekannten: Im Jahr 2011 spielten die Mannschaften in der Vorbereitung auf die U19-WM gegeneinander; die Schweiz setzte sich damals im arabischen Emirat zweimal knapp durch. Algerien kommt als Fünfter der afrikanischen U20-Meisterschaften an die WM-Endrunde und dürfte, zumindest auf dem Papier, mit der Aussenseiter-Rolle Vorlieb nehmen müssen. Auch die Partnergruppe A, aus welcher der allfällige Achtelfinal-Gegner kommen würde, beinhaltet Nationen wie Dänemark, Frankreich, Serbien oder Russland. «Die Gruppen C und D sind sicher nicht so stark», so Suter. Beklagen möchte er sich aber nicht, im Gegenteil. Gerade an solchen Herausforderungen können seine jungen Spieler wachsen. «An diesem Turnier wird ihr Rucksack mit den Erfahrungen wieder etwas grösser.»

Einige Junioren haben das «crazy Handball-Gen»

ke Deckung, die von Fabio Baviera und Stefan Huwyler im Innenblock, sowie von Nikola Portner im Tor, geprägt wird. «Da gibt es klare Absprachen. Die Arbeit in der Abwehr ist die Voraussetzung für unser Gegenstossspiel.» Im Angriff setzt Suter auf die quirligen Spielmacher Kevin Jud und Sergio Muggli. Auf den Königspositionen im linken und rechten Rückraum ist das vorhandene Talent besonders gross. Der erst 17-jährige Linkshänder Pascal Vernier und der 19-jährige Rechtshänder Luka Maros zählen zu den Rohdiamanten im Schweizer Handball. Nicht dabei sein wird der rekonvaleszente Nicolas Raemy. Ob Suters Toptalente dereinst auch auf höherer Stufe für Aufsehen sorgen werden, ist noch nicht absehbar. «Die nächsten zwei, drei Jahre werden hierbei entscheidend sein. Erstklassige Junioren gab es in der Schweiz schon viele. Doch letztlich schafften nicht viele den Durchbruch», weiss Suter. Das Vertrauen in seine aktuellen Top-Junioren ist allerdings gross. «Da sind einige dabei, die es weit bringen können. Einige, die das crazy HandballGen in sich tragen.» Etwas positive Verrücktheit könnte künftig auch der A-Nationalmannschaft nicht schaden… o

Doch was macht die Klasse dieser Auswahl aus? Suter nennt als erstes die star-

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SHV DELEGIERTENVERSAMMLUNG

Trainerlizenzen werden eingeführt Der Schweizerische Handball-Verband (SHV) führte am Samstag, 22. Juni im Saal des Zürcher Kantonsrats seine 39. ordentliche Delegiertenversammlung durch. Zentralpräsident Ulrich Rubeli durfte insgesamt 105 Delegierte begrüssen. Christian Traber, Mitglied des Gemeinderats der Stadt Zürich sowie Mitglied des Zentralvorstands des SHV, führte die Anwesenden in die Geschichte des ehrwürdigen Gebäudes ein. T

Von links: Saal des Zürcher Kantonsrats, SHV-Präsident Ulrich Rubeli, Peter Leutwyler, Manager Kadetten Schaffhausen. Er sorgte mit seinem Antrag bezüglich der Entwicklung der neuen SHV Gesamtstrategie für klare Verhältnisse. Fotos: Marco Ellenberger.

Patrick Bläuenstein stellte die NetzwerkVereinigung «Club der ehemaligen Handball-Internationalen (CeHI)», welcher der ehemalige Nationaltorhüter neu präsidiert, vor. Danach präsentierte Marco Ellenberger, SHV Medienchef, das neue Verbandslogo, welches ab sofort die bisherige, etwas in die Jahre gekommene Visualisierung ersetzt.

Finanzjahr (per 31.3.13), einen Gewinn von rund 200‘000 Franken präsentieren. Das Budget für 2013/14 sieht hingegen – aufgrund der zahlreichen anstehenden Wettkämpfe – bei Ausgaben in der Höhe von 3.2 Mio. Franken einen Verlust von rund 180‘000 Franken vor.

Mit 200‘000 Franken Gewinn abgeschlossen

Vor einem Jahr wurde eine vom Zentralvorstand vorgeschlagene Gesamtstrategie für das Handballhaus Schweiz nur teilweise gutgeheissen. Damals verlangte die Regional-Präsidenten-Konferenz (RPK), dass unter ihrer Führung eine detaillierte Ausarbeitung von Vorschlägen zu den zurückgestellten Punkten umgesetzt werden soll. Da dieses Unterfangen im abgelaufenen Jahr zu keinen Anträgen zu Handen der Delegiertenversammlung führte und auch keine Ergebnisse hervorbrachte, verlangte SHLPräsident Beat Wernli Auskunft über das weitere Vorgehen und entfachte damit eine intensiv geführte Diskussion (siehe dazu auch Kommentar auf Seite

Die Delegierten stimmten der Einführung von Trainerlizenzen im Schweizer Handball per Saison 2014/15 mit grosser Mehrheit zu. Damit müssen die Trainer von Leistungsmannschaften künftig eine entsprechende Lizenz vorweisen, ansonsten wird der fehlbare Verein finanziell sanktioniert. Dazu hiessen sie auch die Einführung von Spielerlizenzen auf der Stufe U13 gut. Während vergleichbare Sport-Verbände diese Zahlen in ihrer Statistik bereits ausweisen, konnten diese im SHV bisher nicht erfasst werden. Weiter durfte der Finanzchef René Stamm für das vergangene

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Strategie wieder beim Zentralvorstand

20/21). Die Delegierten folgten schliesslich mit grosser Mehrheit dem Antrag von Peter Leutwyler von Kadetten Schaffhausen, welcher vorschlug, das Geschäft wieder an den Zentralvorstand zurückzugeben, da die strategische Führung des SHV ausschliesslich dort angesiedelt sein soll. Der ZV kann somit die neue Gesamtstrategie für den Schweizer Handball wieder selber gestalten. Die Zeit drängt. Es wäre wünschenswert, dass die Delegierten nicht erst in einem Jahr in Aarau über die neue Strategie abstimmen können. Eine a.o. DV noch in diesem Jahr wäre eine gute Option. o

Das neue SHV Logo: Zwischen dem dynamischen Gestaltungselement dient das Schweizerkreuz als Verbindung zum Schriftzug.


International

Wiederholungstäter Anders als in der Schweiz, wo Wacker Thun überraschend Kadetten Schaffhausen als Meister ablöste, konnten in anderen Ländern die letztjährigen Champions ihren Titel erfolgreich verteidigen. Wir präsentieren eine Umschau von Kiel bis Barcelona. Text Werner Reimann Fotos Heuberger

Österreich: Wieder die «Roten Teufel» Mit einem 27:25-Heimsieg vor 2500 Fans verteidigte der HC Alpla Hard im entscheidenden Spiel des «best-of-3» ausgetragenen Playoff-Finals seinen Meistertitel aus dem Vorjahr gegen die Fivers WAT Margareten erfolgreich. Die «Roten Teufel vom Bodensee» setzten in der Meisterschaft fünf Ausländer (drei Serben sowie je einen Kroaten und Letten) ein. Ähnlich wie Wacker hatten sie gleich zu Beginn der Serie ihren Heimvorteil mit einer 28:29-Niederlage preisgegeben. Dafür siegten sie in Wien 27:24. Den Fivers blieb als Trost immerhin der Cupsieg.

Polen: Die Freude des Müllmanns Der aus Holland stammende Müllunternehmer Bertuus Servaas kann aufatmen: Die von ihm unterstützte und präsidierte Startruppe von KS Vive Targi Kielce ist alles andere als Abfall. Sie setzte sich in Polen mit drei aufeinanderfolgenden Siegen in der Finalserie gegen Wisla Plock erneut durch. Die vom ehemaligen polnischen Nationaltrainer und früheren deutschen Bundesligaprofi Bogdan Wenta trainierte

Mannschaft war auf diese Saison hin nochmals wesentlich verstärkt worden. So kehrten die Nationalspieler Karol Bielecki und Krzystof Lijewski von Andy Schmids Rhein Neckar Löwen zurück, die auch gleich noch den kroatischen Rechtsaussen Ivan Cupic mitbrachten. Wenige Tage nach dem erneuten nationalen Titelgewinn trat Kielce auch in Köln beim Final 4 der Cham­ pions League an und holte sich die Bronzemedaille – der grösste Erfolg in der Vereinsgeschichte. Mit Tobias Reichmann wird künftig auch ein Deutscher sein Brot bei Müllmann Servaas verdienen.

Slowenien: Die «Wespen» stachen erneut zu Auch in Slowenien heisst der neue Meister gleich wie der alte: Gorenje Velenje konnte schon am zweitletzten Spieltag feiern. Weil sich die Verfolger Celje (wird Zweiter) und Koper 26:26 getrennt hatten, hätten die in GelbSchwarz auftretenden «Wespen» sich bei Krka sogar eine Niederlage leisten können. Stattdessen feierte der Klub, der 2007/08 auch der Arbeitgeber des Ustermers Thomas Gautschi gewesen war, einen 41:20-Kantersieg. Keine Pro-

Trainer Bogdan Wenta (vorne in blau) bejubelt mit seinem Team den polnischen Titelgewinn mit KS Vive Targi Kielce.

bleme hatte der Verein, der als Sammelbecken einheimischer Talente gilt, auch beim Kühlstellen des Champagners für die Meisterfeier. Der Namenssponsor Gorenje ist Kühlschrankproduzent…

Ungarn: Veszprem im Abonnement In Ungarn besitzt MKB Veszprem das Abonnement auf den Meistertitel. Die Mannschaft aus der Nähe des Plattensees stand seit der Saison 1991/92 nur dreimal nicht zuoberst auf dem Treppchen. Dieses Jahr neu vom Spanier Antonio Carlos Ortega trainiert, schlug der zusätzlich mit Barcelona-Rückkehrer Laszlo Nagy verstärkte Titelverteidiger im Playoff-Final Pick Szeged mit zwei Siegen im Best-of-Three 29:19 und 26:24. Nächste Saison wird Veszprem noch spanischer: Neben Trainer Ortega, Spielmacher Chema Rodriguez und Linksaussen Cristian Ugalde wird neu auch Carlos Ruesga für den ungarischen Meister auflaufen. Der Weltmeister ersetzt Gabor Csaszar, der zu SG Paris wechselt.

Spanien: Barcelona siegt und rüstet auf In dem von der Wirtschaftskrise arg gebeutelten Spanien obsiegte erneut Barcelona, das anders als seine nationalen Konkurrenten weiter über die nötigen finanziellen Mittel verfügt – und weiter aufrüstet. Nach dem nationalen Titelgewinn und der Finalniederlage im Final 4 der Champions League gaben die Katalanen die Verpflichtung des wegen einer Wettaffäre in die Schlagzeilen geratenen Franzosen Nikola Karabatic sowie des mazedonischen Linkshänders und EM-Torschützenkönig 2012, Kiril Lazarov, bekannt. Auf dem zweiten Platz landete Atletico Madrid, das unter dem Namen Ciudad Real 2010 letztmals zu Meisterehren gekommen war. Auch die Madrilenen haben sich für die kommende Saison verstärkt. Sie engagierhandballworld 4/13

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InternatIonal

ten Alex Dujshebaev, den Sohn des ehemaligen Welthandballers und heutigen Atletico-Trainers Talant. Auch der Sohnemann hat seine Qualitäten bereits unter Beweis gestellt und schloss die Spielzeit bei Saragossa mit 198 Toren als Torschützenkönig der Liga Asobal ab. Im Übrigen kündigte Francisco Blazquez, der neue Verbandspräsident, eine härtere Linie an. Vereine, die am Ende einer Saison nicht alle Gehälter restlos ausbezahlt haben, können künftig im schlimmsten Fall zum Abstieg verdonnert werden.

handballer Mikkel Hansen. Die vom ehemaligen Nationalspieler Philippe Gardent trainierte Mannschaft wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und entthronte Montpellier. Die Südfranzosen retteten eine Saison, die mit einem Wettskandal begonnen hatte, in den mehrere ihrer Spieler verwickelt sind, doch noch und wurden wieder Cupsieger. Seinen Rücktritt im Alter von 37 Jahren gab im übrigen Daouda Karaboué bekannt, der 2002-04 bei den Grasshoppers das Tor gehütet hatte und zuletzt in den Diensten von Fénix Toulouse stand.

Deutschland: Kiel und das grosse «Aber»

Ilic nach Veszprem, und Captain Marcus Ahlm hört auf und zieht sich in den Aufsichtsrat der Norddeutschen zurück. Erstmals spielten gleich drei Schweizer in der Bundesliga. Andy Schmid erlebte die beste Saison seiner Karriere. Er holte als unangefochtener Spielmacher der Rhein Neckar Löwen in der Meisterschaft den dritten Platz, punktgleich mit Flensburg, und damit die Qualifikation für die Champions League. Zudem konnte er den Gewinn des EHF-Cups feiern. Manuel Liniger absolvierte bereits seine fünfte Bundesligasaison und schloss an seiner dritten Station mit Balingen-Weilstetten auf Rang 13 ab, wobei er 90/43 Tore beisteu-

Vor einem Jahr hatte der THW Kiel an allen Fronten brilliert: Damals entschied die Mannschaft des isländischen Trainers Alfred Gislason die nationale Meisterschaft ohne einen Barcelona ist wieder spanischer Meister. Saric und Rutenka können jubeln.

Frankreich: PSG mit dem Segen der Scheichs Nicht überall konnten sich die bisherigen Titelhalter durchsetzen. So kam es in Frankreich zum erwarteten Umbruch, nachdem vor einem Jahr die katarische Investorengruppe QSI bei Paris Saint-Germain eingestiegen war und eine völlig neue Startruppe zusammengekauft hatte. Nicht weniger als zehn neue Spieler wurden damals verpflichtet, darunter die Franzosen Didier Dinart, Luc Abalo und Samuel Honrubia, der spanische Torhüter Jose Manuel Sierra und Dänemarks Welt-

Luc Abalo beendete die Dominanz von Montpellier und wurde mit Paris Meister.

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einzigen Verlustpunkt für sich, gewann dazu den Cup und krönte die Saison mit dem Gewinn der Champions League. Dieses Jahr gelang zwar erneut das Double auf nationaler Ebene, in der Meisterschaft mit sieben Verlustpunkten und ebenfalls sieben Zählern Vorsprung auf die zweitplatzierte SG Flensburg-Handewitt. Aber ausgerechnet in der Königsklasse misslang die Titelverteidigung. Die Kieler verloren den Halbfinal des Final4 gegen den HSV Hamburg, der in der Bundesliga nur Fünfter wurde. Nun kündigt sich ein Umbruch an, denn eine Reihe von Leistungsträgern verlassen den Klub: Torhüter Thierry Omeyer kehrt zu Montpellier zurück, Daniel Narcisse geht zu Saint Daniel Narcisse gewann zum Abschluss seiner Zeit in Kiel Germain mit dem THW nochmals die deutsche Meisterschaft. In der kommenden Saison spielt er bei Saint Germain Paris. Paris, Momir


DIe MeISter Der UMlIeGenDen lÄnDer

damals eine der treibenden Kräfte. Dann kamen die politischen Umwälzungen mit dem Zerfall des sozialistischen Jugoslawien und dem blutigen Bürgerkrieg. Nach langen Jahren ist nun Banja Luka zumindest auf nationaler Ebene wieder die Nummer 1 und gewann neben der Meisterschaft auch den Cup.

erte. In seinem ersten Bundesliga-Jahr vermochte David Graubner trotz 93 Treffern als drittbester Torschütze seines Klubs den Abstieg des TV Grosswallstadt nicht vermeiden. Der Traditionsclub landete auf Rang 16, nur einen Punkt hinter dem rettenden 15. Platz.

Dänemark: Ein Premiereerfolg und ein Neuanfang Zwangsläufig einen neuen Meister gab es in Dänemark. AG Kopenhagen, der Champion von 2011/12, war nämlich kurz nach dem Triumph pleite gegangen. Das bescherte aus der Konkursmasse unter anderem Kadetten mit Carlos Prieto einen neuen Abwehrchef. Nun siegte Aalborg im Final gegen KIF Kolding-Kopenhagen mit 29:21 und 29:26. Der ehemalige Kieler Bundesligaprofi Nikolaj Jacobsen schloss seine erste Spielzeit als Cheftrainer damit

gleich mit einem Vollerfolg ab. Schlechter erging es seinem Koldinger Gegenüber Peter Bredsdorff-Larsen. Dieser wurde nämlich wenige Tage nach der Finalniederlage entlassen. Für Unruhe sorgte in der dänischen Jack & Jones Liga zudem der Rückzug von Viborg HK, das schon länger mit finanziellen Schwierigkeiten gekämpft hatte. Zuletzt hatten die Viborger noch versucht, ihr ausgedünntes Kader mit brasilianischen Nationalspielern auf-

Enttäuschung bei Kasper Hvidt von KoldingKopenhagen, ging doch das dänische Meisterschafts-Finale gegen Aalborg verloren.

zufüllen, die sich im Hinblick auf die Olympischen Spiele im eigenen Land 2016 im Ausland bewähren sollten. Doch der Deal mit dem Verbandspräsidenten Brasiliens platzte. Jetzt zieht sich Viborg in die dritthöchste Spielklasse zurück und versucht einen Neuaufbau unter Lars Friis Hansen, der 01/02 kurzzeitig bei GC gewirkt hatte.

Tschechien: Babaks Abschiedsgeschenk In Tschechien führte Tomas Babak den Provinzclub HBC Jicin zum Meistertitel. Der erst 19-jährige Spielmacher verabschiedete sich als Torschützenkönig der Liga aus seiner Heimat und wird in der kommenden Saison bei St. Otmar auflaufen.

Bosnien: Die Rückkehr von Borac Banja Luka 1991 war das Jahr des grössten Erfolgs für den bosnischen Verein Borac Banja Luka, als man mit dem damaligen IHFCup einen internationalen Wettbewerb mit einem Finalsieg über ZSKA Moskau für sich entscheiden konnte. Velimir Petkovic, heute Trainer beim Bundesligisten Frisch Auf Göppingen, war

Mazedonien: Das Duell der Stadtrivalen In Mazedonien bleibt der Meisterpott zwar in der Hauptstadt, wechselt aber dennoch den Besitzer. Statt Metalurg Skopje, das vier der fünf letzten Meisterschaften gewonnen hatte, schwang nun Vardar obenauf. Damit entschied Veselin Vujovic das Duell zweier Trainer-Koryphäen gegen Lino Cervar zu seinen Gunsten. Der Entscheid fiel erst in der letzten Runde, als Vardar Metalurg 22:19 schlug und damit noch am Stadtrivalen vorbeizog. Das Derby wurde überschattet von einem Polizeieinsatz, der die rivalisierenden Fangruppen voneinander trennen musste.

Kroatien: Wieder Zagreb Angeführt von Spiler, Valcic und Horvat holte wieder Serienmeister Croatia Zagreb den Titel. Zweiter wurde Nexe Nasice. Finanzielle Probleme werden wohl wieder dafür sorgen, dass einige Cracks den Klub verlassen (müssen) und dafür eigene Junge ihre Chance erhalten werden, sich im Champions League Schaufenster zu zeigen. Damit die Nachwuchsquelle auch weiterhin schön sprudelt, wurde als Nachwuchsausbildner der ehemalige Olympiasieger Zlatko Saracevic engagiert. o

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1. Liga

Nach 24 Jahren wieder unter den Top-24 des Landes Der STV Baden schaffte als Erster der 1. Liga Aufstiegsrunde nach 24 Jahren die Rückkehr in die Nationalliga B. Weil der HSC Suhr Aarau den Sprung ins Oberhaus verpasste, gehen nächste Saison gleich sechs Teams aus dem Aargau in der NLB an den Start. Und die Aufsteiger aus Baden wollen die Liga aufmischen. Text Alexander Wagner Fotos Foto Wagner

Präsident Daniel Hitz ist zurecht stolz auf den Aufstieg des STV Baden. Im Hintergrund die Limmat und die altehrwürdige Sporthalle Aue, welche immer noch die Heimspielstätte der Badener ist.

Es war kein Aufstiegs-Express, der durch die 1. Liga rollte. Zwar hatte der STV Baden mit dem Suhrer Urgestein Manuel Reichlin und dem ehemaligen Torschützenkönig der 2. Bundesliga und HSC Suhr Aarau Spieler, Björn Navarin, zwei gestandene NLA-Cracks verpflichtet und wurde vor der Saison als heisser Aufstiegskandidat gehandelt. Doch «Städtli Baden», wie sie im Aargau gerufen werden, taten sich anfänglich aufgrund der neu zusammengestellten Mannschaft und mit der aufgebürdeten Favoritenrolle schwer. «Es hat viel Zeit gebraucht, bis aus den Spielern auch wirklich ein Team wurde», bestätigt Trainer Andreas Steiner.

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Aus Einzelkämpfern ein Team formen Ebenfalls neu zur Mannschaft kam mit Goalie Beni Kropf ein weiterer Akteur, der schon in der Nationalliga spielte. Doch Trainer Steiner und sein Goalietrainer Adi Lehner mussten trotz ihrer grossen Erfahrung erleben, wie fragil das Gebilde einer Mannschaft ist. So mussten zuerst die Akteure, welche fast das ganze Handballer-Leben bei Städtli verbrachten und die auswärtigen Spieler zusammengefügt werden. Auf einmal mussten sich Spieler, welche vorher Leistungsträger waren und es sich gewohnt waren, sehr grosse Spielanteile zu bekom-

men, mit einer neuen Rolle zurechtfinden. Gestandene Teamstrukturen wurden durcheinander gewirbelt und es brauchte viel Zeit und Geduld, bis sich der Staub gelegt hatte. «Es gab eine neue Hierarchie und das brachte auch eine gewisse Unruhe», blickt Steiner zurück. Erst als man in einem entscheidenden Heimspiel in der altehrwürdigen Aue in Baden gegen Borba Luzern gewann, hatte der Trainerstab das Gefühl, dass sein Team langsam eine Mannschaft wird. Mit diesem Rückenwind und dem tollen Heimpublikum im Rücken erreichten die Ostaargauer schliesslich die Aufstiegsspiele zur NLB.


STV BaDEN

Aufstieg geglückt In den Aufstiegsspielen agierte das Team dann von Spiel zu Spiel souveräner und schaffte den umjubelten Sprung ins Unterhaus. Dadurch gehört der Traditionsverein nach 24 Jahren wieder zu den 24 besten Teams des Landes. «Das ist natürlich ein Meilenstein für den Verein», freut sich Präsident Daniel Hitz, der die Aargauer Handballszene seit Jahrzehnten aus verschiedenen Optiken kennt. Der Untersiggenthaler hat beim SC Siggenthal mit dem Handballsport begonnen. Danach wechselte der rechte Flügelspieler zum STV Baden in die 1. Liga, wo er heute noch in der 3. Liga mit dem STV Baden 3 auf Torejagd geht.

Wettbewerb unter den Vereinen spielt Mit Städtli Baden, dem TV Endingen und dem SCS, der jetzt als HSG Siggenthal / Vom Stein Baden an den Start geht, gibt es drei NLB-Verein auf engstem Raum, die zum Teil sogar ihre Heimspiele in der gleichen Halle austragen. Mit dem Branchenleader HSC Suhr Aarau, dem ehemaligen Schweizer Meister TV Zofingen und dem TV Möhlin kommen drei weitere Aargauer Teams dazu, die sowohl um gute Spieler, als auch Sponsoren, Zuschauer und helfende Hände im Hintergrund buhlen. Durch den Aufstieg des STV Baden hat sich der Wettbewerb für alle Vereine weiter verschärft. Wer seine Aufga-

ben professionell und mit viel Engagement erledigt, kann dafür auch neben dem Feld punkten. Und weil es derzeit eher danach aussieht, dass es in absehbarer Zukunft noch keinem Klub gelingen wird, sich nachhaltig auf NLA-Finalrundenniveau zu etablieren (siehe auch handballworld Nr. 1, 2013), ist ein gesunder NLB-Wettbewerb zwischen den sechs Aargauer B-Ligisten erst mal ohne absehbares Ende eröffnet. Genau wie Hitz kennt auch Steiner die Aargauer Handballszene sehr genau, war er doch jahrelang als Spieler und Trainer beim TV Suhr erfolgreich: «Jeder Verein wahrt seine eigenen Interessen», weiss er. «Wenn man ohne Emotionen analysiert, müsste der Handball im Aargau professionell vermarktet werden. Dann sollten man aus allen grossen Vereinen ein Topteam stellen können», meint Steiner. Aber auch er weiss genau, dass dies in absehbarer Zeit kaum passieren wird. Auch weil die nötigen finanziellen Mittel vielleicht doch nicht aufzutreiben wären.

Städtli will weiter Deshalb geht vorderhand jeder Verein seinen eigenen Weg. Und der STV Baden will noch deutlich weiter: In ihrer Vision 2022 haben sie sich auf die Fahne geschrieben, dass sie der führende Verein in der Region werden wollen. So gross die Freude über den Aufstieg war, «aber er kam vielleicht etwas zu früh», gibt Hitz zu bedenken, fehlt doch der

Herzliche Gratulation zum Aufstieg in die NLB! Wir wünschen eine unfallfreie Nationalliga B Saison und viel Erfolg.

Unterbau mit genügend eigenen Junioren. Deshalb sind die Badener nach wie vor auf auswärtige Spieler angewiesen. Doch die Vorwärtsstrategie geht unvermindert weiter: Mit Rückraumspieler Thomas Stalder (kommt von GC Amicitia Zürich), der schon für das Nationalteam auflief, und Kreisläufer Besfort Biljali wurden zwei weitere gestandene Ex-Suhrer verpflichtet, die sich in der Nationalliga bestens auskennen. Obwohl die ersten acht Spieler alle NLAErfahrung haben, reden die Verantwortlichen vorerst nur vom Ligaerhalt. «Wir haben ein dünnes Kader. Mit der ersten Aufstellung haben wir das Potential um in der NLB Akzente zu setzen», ist Steiner überzeugt. Er ist sich aber bewusst, dass es nicht viele Verletzte dulden mag. Die Aargauer Handballfans können sich jedenfalls auf noch mehr brisante Derbys freuen, die neben vielen Fans noch etwas pikanter sind, weil zahlreiche ehemalige Endinger bei Siggenthal auflaufen und viele Ex-Suhrer jetzt für Städtli auf Torejagd gehen. Und vielleicht beantwortet bereits die kommende Saison die Frage, welcher Aargauer Verein den ehemaligen «NLA-Hochburg-Kanton» (Suhr, Zofingen, Endingen), wieder in der Nationalliga A vertreten wird. o

Der Aufstieg in die Nationalliga B ist geschafft. Die Spieler des STV Baden dürfen jubeln.

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1. Liga

Hinten von links: Hans-Peter Lüttin (Trainer), Natalie Kolotuschkin, Caroline Mierzwa, Melanie Prell, Lena Ettwein, Nadine Stein, Regula Brüschweiler, Tanja Quickenstedt, Beat Weidmann (Betreuer), Prisca Limoncelli, Daniela Weidmann (Betreuerin), Dorena Raggenbass (Stadträtin), Stephan Wicki (TK-Chef), Patrick Müller (Präsident). Vorne von links: Anina Veit, Sara Bailon, Kira Klein, Selina Weidmann, Manuela Flütsch, Corinne Flütsch, Irena Singer.

Doppelte Freude am Bodensee Grosser Jubel beim bisherigen 1. Ligisten HSC Kreuzlingen: Nachdem sich die Frauen in den Barrage-Spielen gegen Malters überraschend klar durchsetzten, schafften die Männer ebenfalls den Sprung in die Nationalliga B. Doch Würde bringt auch Bürde. Für den Verein gilt es jetzt die richtigen Weichen für eine neue Zukunft zu stellen. Text Ernesto Piazza Fotos Foto Gaccioli, Kreuzlingen

Die Aufstiegsfeiern sind vorbei. In Kreuzlingen rückt der sportliche Alltag wieder ins Zentrum. Und diese Gegenwart heisst auch: Sich den neuen Herausforderungen stellen, sich dafür fit trimmen. Mit dem doppelten Aufstieg spielen künftig sowohl die Männer wie auch die Frauen in der zweithöchsten Schweizer Liga. Da gelte es neue Aufgaben zu stemmen, sagt Präsident Patrick Müller. Neben der Ergänzung und Verstärkung der Kader müs-

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sen die Hafenstädter auch finanziell über die Bücher.

Budget wird aufgestockt «Wir müssen unsere Budgets aufstocken», weiss der 39-jährige Staatsanwalt, der den Verein in seinem fünften Jahr als Präsident führt. Im Klartext heisst das: Bei den Männern werden sich die Ausgaben von bisher rund 100'000 Franken um rund die Hälfte erhöhen. Bei den Frauen hebt Kreuzlin-

gen das Budget um zirka 15'000 Franken auf 65'000 Franken an. Nicht, dass Spielerinnen und Spieler mit dieser Anpassung in Kreuzlingen plötzlich Geld verdienen können, «doch es kommen vermehrt Ausgaben auf uns zu», betont Patrick Müller. Seien es erhöhte Gebühren an den Verband oder zusätzliche Anpassungen im Umfeld der beiden Teams. «Die finanzielle Herausforderung ist gross», sagt der Präsident. «Doch wir müssen und werden sie


HSC KreuzLingen

herzliche gratulation zum doppel-aufstieg! Super gemacht, wir wünschen auch in der NLB viel Erfolg. Hinten von links: Tobias Eblen, Lukas Buff, Frank Schädler (Trainer), Marcel Briegmann, Stefan Runge, Marcel Müller, Remo Meier, Marco Kappenthuler, Oliver Gross, Peter Schramm, Manuel Fehr, Jonas Heim, Pascal Schweikhardt. Vorne von links: Istvan Fekete, Gabor Gacsalyi, Gabor Fülöp, Armin Greiner, Alexander Mierzwa (Trainer), Patrick Müller (Präsident), Roger Järmann (Betreuer).

stemmen.» Logisch, dass die Akquisition im Sponsorenbereich zu seinen momentanen Hauptaufgaben gehören.

zwar bereits 300 bis 500 Zuschauer, kamen für die entscheidenden Begegnungen deren 700 bis 800 Besucher.

Infrastruktur der Halle Egelsee bestens gerüstet

Aktiv und begehrt auch bei der Nachwuchsförderung

Bereits gut bedient sind die Kreuzlinger bezüglich Infrastruktur. Ihnen steht während der ganzen Woche jeweils die Dreifachhalle Egelsee für ihre abendlichen Trainings zur Verfügung. Zudem besteht für den Verein die Möglichkeit in der Dreispitzhalle – dort allerdings ohne Benützung des Haftmittels Harz – als Ausweichvariante zu trainieren. Was die Trainings betrifft: Die Männer bleiben bei ihren drei wöchentlichen Einheiten. Die Frauen werden ab sofort anstatt zwei, neu drei Trainingseinheiten absolvieren. Mit den jüngsten Erfolgen richteten sich nicht nur die Blicke der Handballschweiz vermehrt nach Kreuzlingen, «auch bei der Stadt, den Medien oder den Sponsoren stieg das Interesse», sagt Patrick Müller. Waren es bei den «normalen» Heimspielen

Diesen Handball-Hype wollen die Hafenstädter nützen. Bereits im letzten Jahr boten sie Kinderhandball für die Fünfjährigen mit Caroline Mierzwa an. In diesem Alter findet bei den Jungen – speziell gegenüber dem Fussball – eine Triage statt, glaubt der Präsident. Weiter sind die Kreuzlinger im Sommerpass der Schule mit dem «Fach» Handball aktiv eingebunden. Ob und in welcher Form weitere spezifische Angebote lanciert werden, ist offen. Es ist wie immer: Solche Aktivitäten steigen und fallen mit dem Engagement von Personen, welche mitunter viel an Freizeit investieren. Kreuzlingen nahm in der abgelaufenen Saison mit 14 Teams an der Meisterschaft teil. Der Verein zählt rund 350 Mitglieder, davon 150 im Aktivalter, 180 Jugendliche und 20 Mas-

sivmitglieder. Die Hafenstädter gehören zu den wenigen Vereinen, welche in der Schweiz sowohl über ein Männerwie auch ein Frauenteam in der zweithöchsten Liga verfügen. Für sie habe sich diese Frage nie gestellt, erklärt Patrick Müller. «Wir bieten dieses Angebot an und das stimmt auch so für uns.» Allerdings liegen die Prioritäten in Kreuzlingen – wie wohl bei allen Vereinen mit dieser Konstellation – im Männerbereich. Das habe nicht zuletzt mit der Vermarktung zu tun, so der Präsident.

Aufstiegs-Trainerduo verlässt Kreuzlingen Mit der künftigen NLB-Zugehörigkeit schafften die Männer ihr Ziel, auf welches sie kontinuierlich hingearbeitet hatten. Damit ging der Dreijahresplan auf, den sich das Trainerduo Alexander Mierzwa/Frank Schädler bei ihrem Antritt zurecht gelegt hatte. Die erste Saison sollte für eine Standortbestimmung genützt werden. In der zweiten Spielhandballworld 4/13

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HSC Kreuzlingen

zeit wollte Kreuzlingen vorne mitmischen und im dritten Jahr definitiv angreifen. Bereits haben die Hafenstädter erste Weichen für ihre erste NLB-Saison gestellt. Nach dem beruflich bedingten Rücktritt des Trainerduos konnte Kreuzlingen eine wichtige Personalie wieder schnell besetzen und den 36-jährigen Tobias Eblen als Spie­ lertrainer verpflichten. Der Deutsche hatte auf die Saison 2012/13 hin vom Bundesligisten HSG Konstanz zu den Thurgauern gewechselt. Präsident Patrick Müller gibt sich überzeugt davon, bei dieser Variante eine massgeschneiderte Lösung gefunden zu haben. Der 36-Jährige bringe als Spieler der 2. und 3. Bundesliga viel Erfahrung mit und geniesse grosse Akzeptanz in der Mannschaft. Diese Lösung noch zusätzlich forciert haben die guten Handballkontakte über die Landesgrenzen hinweg. Präsident Patrick Müller weiss: «Mit Konstanz möchten wir eine Zusammenarbeit anstreben.» Bei der Suche nach neuen Spielern werfe man aber ein Auge auf den Markt in Deutschland aber auch auf denjenigen der Schweiz. «Dabei ist es sicherlich ein Vorteil, dass uns der süddeutsche Raum nicht unbekannt ist.»

äquaten Ersatz. Sonst bleibt das Kader zusammen. «Zwei, drei Verstärkungen sollten ausreichen, um auch in der zweithöchsten Spielklasse bestehen zu können», ist Müller zuversichtlich.

Frauen in einem Jahr von der 2. Liga in die NLB

Präsident Patrick Müller freut sich auf die kommende Saison.

Tokskorer Peter Schramm wechselt zu Kriens Topskorer Peter Schramm wird das künftige NLB-Team verlassen. Er wechselt zum NLA-Verein HC Kriens-Luzern. Für ihn bemüht man sich um ad-

Tobias Eblen übernimmt neu das Spielertraineramt beim HSC Kreuzlingen.

Schlussrangliste 1. Liga Finalrunde Männer 1. STV Baden 2. HSC Kreuzlingen 3. STV Willisau 4. SV Fides St. Gallen 5. TV Birsfelden 6. HSG Leimental

Schlussrangliste 1. Liga Frauen 5/8 (+26) 5/8 (+25) 5/4 (-1) 5/4 (-5) 5/3 (-12) 5/3 (-33)

1. Liga Topskorer Finalrunde 1. Max Dannmeyer, HSG Leimental 2. Björn Navarin, STV Baden 3. Istvan Fekete, HSC Kreuzlingen 4. Yanick Schläpfer, HSG Leimental 5. Gabor Fülöp, HSC Kreuzlingen 5. Urs Greber, STV Willisau 7. Lorenz Bösch, SV Fides St. Gallen 7. Maximilian Gerbl, TV Birsfelden 9. Daniel Berger, SV Fides St. Gallen 10. Marco Weber, STV Baden

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Unverhofft kam der Sprung der Frauen in die SPL2. Nach dem letztjährigen Aufstieg in die 1. Liga hielt es wohl keiner für möglich, dass die Truppe auf Anhieb durchstarten würde. «Das ist auch für mich eine Überraschung», gesteht Patrick Müller. «Und erst noch eine positive», fügt er sofort an. Neben verschiedenen Abgängen, stossen drei Neue und drei Talente zum Team. Vanessa Maurer kommt von der HSG Freiburg (3. Bundesliga) und von der TuS Steisslingen (Südbaden-Liga) wechselt Flügelspielerin Martina Küng nach Kreuzlingen. Nach ihrer langen Verletzungspause wagt Tina Ertl nochmals einen Anlauf. Mit Selina Weidmann (17), Kira Klein (17) und Anina Veit (15) ergänzen drei eigene Nachwuchsspielerinnen das Kader. Noch offen ist zudem die handballerische Zukunft der ehemaligen Internationalen Caroline Mierzwa. Und obwohl in Kreuzlingen sowohl die Männer wie auch die Frauen sportliches Neuland betreten, ist für Präsident Patrick Müller klar: «Für beide Mannschaften steht der Ligaerhalt im Vordergrund. Wenn wir diesen Schritt geschafft haben, sehen wir weiter.» o

52/14 38/9 35/8 31/8 27/6 27/0 26/0 26/3 25/7 24/0

1. LK Zug 2. HSC Kreuzlingen 3. SG Muotathal/Mythen-Shooters 4. HV Olten 1 5. Handball Langnau 6. HR Hochdorf 7. Handball Wohlen 8. SG ATV/KV Basel 9. Handball Emmen 10. HC Arbon 1 11. BSC Wettingen/Siggenthal 12. SG RW Thun 2/Grauholz

22/36 22/30 22/25 22/24 22/22 (-2) 22/22 (-14) 22/20 (-1) 22/20 (-10) 22/19 22/18 22/17 22/11

1. Liga Topskorerinnen 1. Adriana Gubler, HV Olten 1 2. Serina Liechti, Handball Langnau 3. Corine Weberm, SG Muotathal 4. Regula Reitnauer, Handball Langnau 5. Ria Estermann, BSC Wettingen/Siggenthal

146/29 136/22 135/18 129/8 127/3


Schlusspfiff

«Das härteste Spiel meiner Karriere» Andy Schmid (29) ist der dritte Schweizer Handballer, der einen internationalen Titel erringt. Der Spielmacher der Rhein-Neckar Löwen spricht über den Erfolg, die Ferien und seine Zukunft. Text Stephan Santschi Foto Adrian Ehrbar Andy Schmid, im Mai gewannen Sie mit den Rhein-Neckar Löwen den EHF-Cup. Welchen Stellenwert hat dieser Pokal für Sie persönlich? Es ist das bisherige Sahnehäubchen meiner Karriere. Als ich 20-jährig war, wollte ich irgendwann einmal genau diese Rolle einnehmen. Damit hat sich ein Traum erfüllt. Der Weg zum Titel war sehr steinig. Nantes, der Gastgeber des Final-Four-Turniers, leistete bei der 24:26-Niederlage im Endspiel erbitterten Widerstand. Nantes, das uns spielerisch unterlegen war, versuchte mit allen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Das begann beim Speaker, setzte sich auf den Zuschauerrängen fort und mündete in einen sehr aggressiven und phasenweise unsauberen Aufritt der Mannschaft. Es herrschte eine brutale Heimatmosphäre. Wir wussten, dass es hart wird, aber dieses Ausmass hatten wir nicht erwartet. Das war das härteste Spiel meiner Karriere. Am nächsten Tag wusste ich nicht, ob mein Körper wegen dem Spiel oder wegen dem Alkohol an der anschliessenden Siegesfeier weh tat (lacht). Wie setzt man sich gegen einen überhart auftretenden Kontrahenten durch? Indem man trotzdem weiterhin voll in die Zweikämpfe geht, die Schmerzen hinnimmt und so ZweiminutenStrafen herausholt. Der Gegner merkt dann, dass man nicht zurücksteckt. Wie sahen die Feierlichkeiten aus? Nach unserer Rückkehr wurden wir im Rathaus von Mannheim empfangen. Anschliessend reisten wir mit der Mannschaft für drei Tage nach Mallorca. Im letzten Heimspiel ist jeder Spieler vor 10‘000 Zuschauern nochmals einzeln präsentiert worden, das war ein schöner Abschluss. Auf diesen ersten Titel haben die Fans, die Spieler und die Mitarbeiter des Vereins seit vielen Jahren gewartet. Es war eine grosse Last, die von den Schultern fiel.

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In der Bundesliga führten Sie die Löwen zudem auf Rang drei und damit in die Champions League. Wie kam es dazu, dass Sie in Ihrem dritten Jahr zu einer solch tragenden Rolle fanden? Der Einstieg im ersten Jahr war schwierig, im zweiten ging ich schon abgeklärter an die Situation heran. Nun spüre ich das Vertrauen des Trainers. Ich schaffe es, in den wichtigen Spielen gute Leistungen abzurufen. Irgendwann geht dann alles wie von alleine. Auch dank einem kongenialen Partner am Kreis. Mit Bjarte Myrhol verstehe ich mich tatsächlich sehr gut. Wenn ich ihn anschaue, weiss er bereits, was ich vorhabe. Ich habe noch nie mit einem besseren Kreisläufer zusammengespielt. In Heidelberg wohne ich nur einen Steinwurf von ihm entfernt. Wir diskutieren auch neben der Platte viel über Handball. Seine Freundin Charlotte und meine Freundin Therese kommen zudem aus der gleichen Stadt in Norwegen und verstehen sich ebenfalls gut. Nach Iwan Ursic, der 2007 mit Hamburg den Cupsieger-Cup gewann und Marc Baumgartner, der den gleichen Titel 1996 mit Lemgo holte, sind Sie erst der dritte Schweizer, der im Handball einen internationalen Titel erringt. Das ist schön, für mich aber eher eine Nebensache. Positiv ist, dass die Schweizer Medien dadurch auf den Handballsport aufmerksam werden. So besuchte mich das «Sportpanorama» zu Hause in Heidelberg für eine Reportage. Am 15. Juli beginnen die Löwen wieder mit dem Training. Wie sehen bis dahin Ihre Ferien aus? Im Moment bin ich in Sandefjord, der norwegischen Heimatstadt meiner Freundin Therese. Mit unserem zehn Monate alten Sohn Lio verbringen wir ein paar Tage bei ihrer Familie. Danach reise ich für eine Woche mit meinen Kollegen Pascal Stauber und Florian Goepfert nach Amerika. Wie sieht Ihre sportliche Zukunft aus? Mein Vertrag bei den Löwen läuft noch ein Jahr, den werde ich erfüllen. Danach ist für mich alles offen. Vielleicht bleibe ich bei den Löwen, vielleicht kommt es zu einem Wechsel innerhalb der Bundesliga oder in ein anderes Land wie Dänemark oder die Schweiz. Ich habe noch vier, fünf gute Jahre vor mir.


Grosse Jubiläumsausgabe 2. September 2013

Jubiläum 25 Jahre

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20. Lehner-Cup Datum 24./25. August 2013 Weissenstein Würenlingen AG

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Der Lehner Cup in Würenlingen verspricht bereits zum 20. Mal hochklassigen Handball-Nachwuchssport. Er bietet – kurz vor Saisonstart – eine Möglichkeit zur Standortbestimmung und den Zuschauern beste Unterhaltung nach der langen Sommerpause. Turnierbeginn Samstag 24. August, ab 11 Uhr Final Sonntag 25. August, ca. 15.30 Uhr Spielplan je Kategorie 3 Gruppenspiele, kleiner Final, grosser Final Preise U19 Sieger Fr. 500.—, Zweiter Fr. 300.—, Dritter Fr. 100.— Preise U17 Sieger Fr. 400.—, Zweiter Fr. 200.—, Dritter Fr. 100.— Teilnehmerfeld U19 Elite/Inter TV Endingen, Pfadi Winterthur, TV Birsfelden, TuS Steisslingen Teilnehmerfeld U17 Elite/Inter SG Zurzibiet/TV Endingen, Pfadi Winterthur, SG Möhlin/Magden, HSC Suhr Aarau Freundschaftsspiel Samstag 24. August, 19.15 Uhr TV Endingen (NLB) – Wacker Thun (NLA, Schweizer Meister) Infos www.tvendingen.ch oder Alois Mühlebach: 078 835 93 46, alois.muehlebach@hispeed.ch

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Ich lebe f端r den grossen wurf. Jeden Tag.

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