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POKER WETTEN LIFESTYLE

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Dezember 2010

DEUTSCHLAND 1,90! ÖSTERREICH 2,20!

Das MMAPhänomen Echter geht’s nicht

Der neue König der Wüste Der Final Table der World Series of Poker

Der Big Fight

Der Venturi Fetish

Bernard Hopkins gegen Jean Pascal

Die Zukunft des Superautos ist elektrisch 000


GX Dezember 2010 08 MITGEDACHT 10 AUFGESCHNAPPT

SPORT + WETTEN 16 BARRY HEARNS SPORTREVOLUTION

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Zehn Jahre Darts-Dominanz

20 DER BIG FIGHT Bernard Hopkins gegen Jean Pascal

26 DAS MMA-PHÄNOMEN Echter geht’s nicht

28 UFC 124: ST-PIERRE V KOSCHECK Endlich ein Rematch für die ultimative Rivalität

POKER 32 DER NEUE KÖNIG DER WÜSTE Der Final Table der World Series of Poker

36 ES WEIHNACHTET SEHR - AUCH ONLINE

Der Big Fight

Der weihnachtliche Balanceakt

44 VON A BIS ZIMBLER... UND WIEDER ZURÜCK

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Vom Weihnachten bis zum Dreikönigstag

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46 EIN NEUER STERN AM POKERHIMMEL Exklusivinterview: James Bord

50 HAPPY SAMMY GEWINNT BEI WPT AMNEVILLE Die unauffällige Kleinstadt Amneville in Nordostfrankreich schrieb Pokergeschichte

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Dartz-Dominanz

Das MMA-Phänomen


INHALT

32 Der neue König der Wüste

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44 52 WPT KARTE World Poker Tour - Saison 9

54 SONNIGE FLUSHES IM PARADIES Sonne, Meer, Sand und Poker. Willkommen bei der PokerStars Caribbean Adventure 2011

60 DURRRR CHALLENGE II Tom “Durrrr” Dwan vs. Daniel “jungleman12” Cates

WPT Amneville

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66 ZU HAUSE IST ES DOCH AM SCHÖNSTEN – und das gilt auch fürs Pokern

70 DIE PSYCHOLOGIE VON BAD BEATS 74 DIE STRATEGIEN DER CHAMPIONS Unterschiedliche Denkebenen bei Poker und Online-Multi-Tabling

LIFESTYLE 78 AUF DER ÜBERHOLSPUR Der Venturi Fetish

Die Zukunft des Superautos ist elektrisch

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THCADEGTIM/MITGEDACHT

f Finde uns au azine ok.com/gxmag www.facebo

IMPRESSUM Trotz aller Vorwürfe über Bestechung, Schmiergelder und Betrug können wir eines aus der im vergangenen Monat erfolgten Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland bzw. Katar mitnehmen, nämlich: wie gut, dass wir sie 2006 hatten. Im Vergleich zum südafrikanischen Fest der Langeweile im letzten Sommer, das Deutschland durch Kantersiege gegen England und Argentinien zu beleben versuchte, war die vorherige Weltmeisterschaft, die 2006 hier stattfand, wahrlich zauberhaft: Mit ausverkauften Stadien, spannendem Fußball und vielen wunderbaren Sommerdestinationen für alle weitgereisten Fans ein insgesamt unvergessliches Erlebnis. Ob dies auch für Russland gelten wird, bleibt abzuwarten – sie haben in der Zwischenzeit noch sehr viel Arbeit vor sich – aber Katar? Die FIFA hat sich hier wirklich etwas eingebrockt. Und das bedeutet, dass wir dankbar sein können, die Weltmeisterschaft bereits organisiert zu haben, weil es nicht danach aussieht, dass wir zu unseren Lebzeiten wieder eine Gelegenheit dazu haben werden. Wie die Russen in ihrer Videopräsentation hervorhoben, stand es im Match um die Austragungsorte der Weltmeisterschaften Westen gegen Osten 10-0; Herr Blatter und seine Gefolgschaft waren bestrebt, hier Abhilfe zu schaffen, indem sie die Bewerbungen aus England, der Iberischen Halbinsel und den Benelux-Ländern ignorierten. Es scheint also, dass die FIFA mit der Weltmeisterschaft zu neuen Ufern aufbrechen will und dabei offensichtlich starke Bewerbungen wie jene Englands pauschal von der Hand weisen wird. Trotzdem ist kaum nachvollziehen, wie leicht Katar triumphieren konnte, während die technisch hervorragende Bewerbung Australiens – die sich im Unterschied zu Katar für die letzten zwei Weltmeisterschaften qualifizieren konnten und auch noch nie das größte Paradestück der Fußballwelt organisieren durften – eine einzige armselige Stimme einheimsen konnte. Da sich die Kontinente bei der Organisation der Weltmeisterschaft abwechseln sollen, wird sich England erst 2030 wieder bewerben können, und wer sagt denn, dass sie da besser abschneiden werden, besonders wenn sie gegen die aufstrebenden Zugpferde des Fußballs Monaco oder Vatikanstadt antreten müssen? Wir deutsche Fußballfans sollten also ewig danbkar sein für die Erinnerungen an 2006.

Lokationsnummer: ILN 42 6010035009 Design Isabel Ferrer Magnusson Mitwirkende Friedrich Palley Alex Hammond Michael Carr Nathan Chilcott Roddy Coltart Michael Gales Sebastian Saffari Paul Zimbler Ali Masterman David Tubbs Jamie Mallon Christian Zetzche Business Development Alex Soro Online Marketing Albert Vellvé albert@gxglobalmedia.com Commercial Directors Natalie Kenneally natalie@gxglobalmedia.com Online Community Manager Andrew Capel andrew@gxglobalmedia.com Web Developer John Davison johnd@gxglobalmedia.com Carlos Perez carlos@gxglobalmedia.com

GX INTERNATIONALE AUSGABEN

UK

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SPANIEN

USA

CHINA

ITALIEN

FRANKREICH


NEWS Michael Eiler siegt bei der EPT in Wien

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aniel Negreanu hat die begehrte Dreifachkrone im Poker knapp verfehlt, nachdem ein unbekannter deutscher Wirtschaftsstudent die EPT Wien gewonnen hat. Michael ‚MAE9690’ Eiler setzte sich im Heads-up gegen Team PokerStars Pro Martin Hruby durch und kassierte beim bisher reichsten Turnier in Österreich neben dem Titel auch den dazugehörigen ersten Preis von €700.000. Damit its der 20-jährige Münchner der erste deutsche Sieger einer EPT seit dem Triumph von Sandra Naujoks bei der EPT Dortmund in Saison 5, wobei das Preisgeld seinen Gewinn von $260.000 bei der Sunday Million im vergangenen März beträchtlich übersteigt. Das Turnier war Eilers erstes EPT-Event, und der Student war sichtlich von seinem Erfolg begeistert: „Es war meine erste EPT aber ich werde jetzt bestimmt mehr spielen. Das ist für mich ein wirkliches Glücksmoment. Natürlich freue ich mich über das Geld, aber der Titel ist für mich viel wert; ein EPT-Titel ist der Traum jedes Pokerspielers.“ Daniel Negreanu, der den Finaltisch mit mehr als einem Viertel der Chips begonnen hatte, konnte seinen Siegen bei der WPT und World Series keinen weiteren hinzufügen, wurde in einem 3-Way-Pot lahm gelegt und landete schließlich auf dem vierten Platz. Martin Hruby war für die Dezimierung von ‚Kid Pokers‘ Stack verantwortlich, nachdem sein Nutstraight Turn Negreanus Two Pair und Luca Cainellis Pocket Aces geschlagen hatte. Nur wenige Hände später musste der Kanadier aussteigen, als Hrubys AssHigh gegen eine niedrige Dame siegreich hervorging. Auf dem Weg zum Heads-up mit Eiler eliminierte Hruby Konstantinos Nanos, als der Deutsche aber fast sofort zur Chip Lead verdoppelte, steckte er fest. Schlussendlich musste sich Hruby mit seinen Pocket Deuces gegen Eiler’s Karo A - 10 geschlagen geben.

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Steht die Pik Acht vor dem Aus?

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n der Vergangenheit ist es öfters vorgekommen, dass ein Fußballteam die Nummer eines ihrer früheren Spieler zurückgezogen hat. Nach dem Tod des Kapitäns der englischen Weltmeistermannschaft, Bobby Moore, zog West Ham die Nummer 6 zurück, während Manchester City bzw, Espanyol nach dem plötzlichen Tod von Marc-Viven Foe und Daniel Jarque die Nummern 23 bzw. 21 zurückzogen. Es gibt auch Fälle, in denen ein Klub eine Nummer zu Ehren des Mannes zurückgezogen hat, der damit große Leistungen erbrachte, aus Angst, sein Nachfolger würde nicht an die Erfolge des früheren Inhabers anschließen können: Napoli verdankt Diego Maradona das Fehlen der Nummer 10, Ajax spielt zu Ehren Johan Cruyffs ohne Nummer 14 und Paolo Maldinis Trikot mit der Nummer 3 gehört nach seinen Jahren im Dienst von AC Milan der Vergangenheit an. Mit der Nachricht im vergangegen Monat, dass der frühere irakische Minister Tariq Aziz zum Tod verurteilt worden ist, stellt sich die Frage, ob irakische Pokerspieler die Pik Acht ausscheiden werden. Das war nämlich die Karte, die dem ehemaligen Vizepremierminister im amerikanischen Kartenspiel der am meisten

gesuchten Mitglieder des früheren irakischen Regimes zur Zeit der Invasion 2003 zugeordnet worden war. In diesem Fall lautet die Antwort allerdings: mit ziemlicher Gewissheit nicht. Und nicht nur, weil er Teil des Regimes des verstorbenen Saddam Husseins war, sondern auch, weil nur eine Handvoll der 55 Mitglieder des „Spiel des Todes“ (das Spiel hatte drei Joker) noch auf freiem Fuß ist; wären die Karten nach jeder Verhaftung oder jedem Tod zurückgezogen worden, dann müsste man auch bald Poker als Ganzes im Irak in den Ruhestand schicken. Sie waren zweifellos ein brutaler Diktator, Herr Hussein, aber die Poker-Götter haben Sie diesmal nicht überlisten können.

Die ganze Macht spüren

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runkenheit am Steuer, sexuelle Nötigung mit bedingtem Vorsatz, Entführung, Brandstiftung, Raub, Verkehrsunfälle mit Todesfolge unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Alles üble Freizeitbeschäftigungen und alle irgendwie mit Online-Poker im US-Staat Washington verbunden. Haben Sie es schon erraten? Nein, wir auch nicht, bis wir erfuhren, dass sie alle als Klasse-C-Verbrechen eingestuft werden, mit Strafen bis zu $100.000 oder bis zu 40 Jahren Gefängnis. Dann ist es auch nicht verwunderlich, dass Full Tilt angekündigt hat, in Folge von Gesetzesänderungen keine Spieler aus Washington State mehr zu akzeptieren (eine Entscheidung, die PokerStars genauso getroffen hat). Angesichts dieser Entscheidung gab die Website bekannt: „Aufgrund neuerer rechtlichen Entwicklungen hat Full Tilt Poker

bekanntgegeben, dass es Spielern, die sich im US-Staat Washington befinden, keine EchtgeldSpiele mehr anbieten wird.“ Die Entscheidung wird jene Spieler betreffen, die in Washington State wohnen genauso wie jene, die von auswärts kommen aber spielen möchten, solange sie vor Ort sind. Spieler können die Entscheidung nur dadurch umgehen, dass sie von einem anderen Staat aus auf die Website zugreifen; kaum eine willkommene Nachricht für Einheimische wie Matt Affleck. In der Zwischenzeit hat Full Tilt auch Schritte unternommen, um gegen eines der oben genannten Verbrechen vorzugehen, Raub, nach dem Abschluss einer Untersuchung von ‚Bot‘Nutzern auf der Website. Mehrere Accounts wurden entdeckt und gesperrt, nachdem Full Tilt entdeckt hatte, dass sie ausschließlich mit Bot-Technologie betrieben wurden.


NEWS Ali Tekintamgac wegen Betrugs aus Partouche geflogen

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er Sieger der WPT Barcelona, Ali Tekintamgac musste letzten Monat bei der Partouche Poker Tour den Endtisch wegen Betrugsverdachts verlassen. Ihm wurde vorgeworfen, mit falschen Bloggern zusammenzuarbeiten, die die verdeckten Karten seiner Gegner ansehen und Tekintamgac anschließend mit geheimen Handzeichen Auskunft geben. Patrick Partouche, Geschäftsführer des PartoucheKonzerns und Leiter der Partouche Poker Tour, verwies Tekintamgac des Tisches, nachdem er Videoaufzeichnungen gesehen hatte, die seiner Meinung nach zeigen, wie der Spieler betrügt. Nach Angaben der französischen News-Website MadelnPoker wurden die Aufzeichnungen mittlerweile der französischen Polizei übergeben. Dem Deutschtürken droht eine Gefängnisstrafe, sollte er für schuldig befunden werden. Im August dieses Jahres wurde Tekintamgac schon aus der EPT Tallinn rausgeworfen, weil der Turnierdirektor Thomas Kremser annahm, dass ein ähnlicher Betrugsfall vorlag, doch anscheinend kam die Situation aufgrund von Beweismangel nicht eher ans Licht. Anschließend gewann Vanessa Selbst das Turnier, wobei Tekintamgacs Chips aus dem Spiel entfernt wurden. Trotzdem sorgte der Vorfall für Aufsehen in der Pokerszene, und einige forderten eine lebenslange Sperre für Tekintamgac sowie strengere Regeln bei der Medienberichterstattung. Nutzer von Two Plus Two ließen keine Zeit verstreichen, sondern äußerten sich sofort zum Geschehen. ClockWyze schrieb: “Ich habe jeden Tag mit diesem Typen bei den EPT Austria Cashgames gespielt. Er machte den größten und verrücktesten (aber korrekten) Call auf John Duthie, den ich je gesehen habe. Sowas wie bet, einen Raise beim Flop und beim Turn callen, und das bei einem Underpair auf dem Board. Dann check-callte er beim River mit Sechsen auf einem sehr koordinierten all overcard Board. Duthie hatte 2, 3 off. Rückblickend ist es völlig klar, dass er wusste, was für Karten Duthie hatte.”In den nächsten Wochen werden sicher weitere Einzelheiten dieser Geschichte bekannt, doch schon jetzt wirft sie Zweifel auf, was Tekintamgacs WPT-Gewinn von mehr als 1.300.000 € im Mai betrifft.

Neue World Poker Tour Events für Europa angekündigt

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ie World Poker Tour hat die Termine für zwei neue TV-Turniere in Europa bekanntgegeben – die WPT Venice und WPT Vienna – und das erste Event der WPT National Series angekündigt. WPT Venice - von www.partypoker.it präsentiert – wird von der WPT im Fernsehen übertragen und global verteilt. Das Main Event findet vom 3. bis 8. Februar 2011 im luxuriösen Casino de Venezia in Venedig statt; das Buy-in ist mit €3.000 + €300 festgelegt. Der €10.000 High Roller findet vom 7. bis 9. Februar 2011 statt. WPT Vienna – von www.partypoker.com präsentiert – findet in der österreichischen Hauptstadt im glamourosen und noblen Montesino statt. Das €3.200+ €300 Main Event läuft vom 25. bis 29. März 2011, mit einem €15.000 High Roller vom 28. bis 30. März 2011. Ein weiterer Termin für Ihren Kalender, falls Sie Lust und Laune haben, 2011 in Europa bei großen Poker-Turnieren anzutreten, ist die WPT National Series: Paris – das www.acfpoker.fr

EFOP Diamond Championship im Aviation Club de France. Das €5.000 Main Event findet vom 9. bis 15. Februar 2011 statt. In der geistigen Heimat des französischen Poker ist auch ein €10.000 High Roller geplant, und zwar vom 14. -16. Februar 2011. WPT National Series: Paris ist das erste Event dieser neu angekündigten WPT Veranstaltungsserie in Europa, spannende Stationen auf der World Poker Tour, bei denen sich Spieler weder für Player of The Year Punkte noch für einen WPT World Championship Buy-in qualifizieren können. WPT Präsident Adam Pliska sagt: „Die World Poker Tour ist begeistert über die Ankündigung dieser neuen Termine in Europa. Wir freuen uns auf die Rückkehr nach Venedig, die Premiere der WPT National Series und des High Roller in Paris und auf den allerersten Besuch der Tour in Wien. „Die Zukunft ist spannend und diese internationalen Events bieten den Spielern noch mehr Chancen, auf der führenden Pokerbühne aufzutreten.“

Eastgate verscherbelt WSOP-Armband auf eBay

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er ehemalige Champion der World Series of Poker und jetzt entfremdete Pokerspieler Peter Eastgate hat im vergangenen Monat wieder für eine Überraschung gesorgt, indem er sein WSOP-Armband 2008 auf eBay angeboten hat. Der Mann, der mit dem Spiel, das er einmal liebte, über $20 Millionen gewonnen hat, lässt das 168-Gramm-schwere und mit Diamanten besetzte Armband aus 18-Karat-Weißgold mit der Bemerkung über eBay versteigern, er sei kein Mann, der Schmuck trägt und das Armband könnte daher besser dafür verwendet werden, um anderen zu helfen. Der 24-jährige Däne gab bekannt, dass er 100% des Erlöses aus dem

Verkauf des Armbandes an UNICEF spenden würde und setzte das Auktionslimit auf $16.000. Eastgate ist nicht der erste, der ein WSOP-Armband versteigern lässt; TJ Cloutier verscherbelte sein Armband dieses Jahr um $4000 ebenfalls auf eBay. Die Umstände könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein: Cloutier war pleite, während Eastgate offiziell stinkreich ist, womit Eastgates Entscheidung, sich vom Armband zu trennen, noch seltsamer anmutet. Ein Mann, der in einem einzigen Pokerturnier 5,5 Millionen Pfund gewonnen hat, könnte UNICEF den entsprechenden Betrag einfach spenden, und dafür das Armband behalten, das in Zukunft ein Teil der Geschichte der WSOP repräsentieren wird.

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NEWS APT Macao von High Stakes Cashgame überrollt

Hellmuth und UB.com stehen vor der Trennung

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as APT Macao Main Event, das im vergangenen Monat stattfand, lockte einige der größten Namen im Poker an, die dafür von den USA nach Asien flogen. Für die größten Spieler lag die Hauptattraktion allerdings nicht im Turnier selbst, sondern in den Nosebleed Cashgames zwischen den Pros aus den Vereinigten Staaten und einer Reihe chinesischer Geschäftsleute. Die Action begann mit einer Einladung an Phil Ivey und Tom Dwan, an ein High Stakes Cashgame mit mehreren chinesischen Geschäftsleuten teilzunehmen. Das Spiel kam schnell auf Touren und wurde schlussendlich zu einer Mammutsitzung, die fast eine Woche lang dauerte. Die Action wechselte zwischen Headsup und 6-handed-play, allerdings waren die Pros, mit Ausnahme der wenigen geladenen Gäste, vom Spiel ausgeschlossen. Informationen über die Spielentwicklung sickerten durch APT Turnierdirektor Matt Savage auf dem Pokerforum Two Plus Two durch, der Thread wurde dann aufgegriffen, verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die PokerCommunity und erzielte letztendlich mehr als eine Million Views. Das Spiel begann mit Blinds von HKD $5.000 - $10.000, verdoppelte schnell auf HKD $10.000 - $20.000 mit einem Ante von HKD $10.000, um die Action zu steigern, wobei die Wettlust der lokalen Geschäftsleute das Spiel noch weiter in die Höhe trieb. Mit zeitweise 40 Millionen Dollar auf dem Tisch gilt das Spiel mancherorts als das größte bekannte Cashgame, das die Welt bisher gesehen hat. Chau Giang, John Juanda und Jeff Lisandro wurden ebenfalls als Spielteilnehmer genannt.

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Es wurde auch von riesigen Pots berichtet, Dwan gewannt einen Pot von HKD $16-20 Millionen mit A-K bei einem 3-Way All-in, aber der größte war ein Pot zwischen Giang und einem chinesischen Geschäftsmsnn über fast 3 Millionen US$. Beide Spieler hatten beim Turn jeweils Full House auf einem J-J-10-A Board, wobei Giang mit Pocket Aces seinen Gegner mit A-J schlagen konnte, nachdem das Geld in die Mitte gegangen war. Widersprüchliche Berichte und eine Vereinbarung, das Spiel zum Großteil geheim zu halten, erschweren die Beurteilung der Ereignisse, Einigkeit besteht allerdings darüber, dass sowohl Ivey als auch Dwan beim Spiel gewinnen konnten, wobei ein Zuschauer berichtete, Dwan hätte in einer 24-stündigen Heads-up Sitzung 9 Millionen US$ (HKD $68 Millionen) eingestrichen. Im Cashgame gab es so viel Action, dass Dwan auf das HKD $5.000 Main Event verzichtete, nach dem ersten Tag zeigte Durrrr das erste Blatt in Tag 2, 10-4 offsuit, um die Cash Action nicht zu verpassen. Er gewann die Hand und verdoppelte, verließ dann aber sofort das Zimmer und bat Savage, ihn zurückzuholen, wenn sein Stack unter 20 BBs gefallen war. Schließlich schied er als 25. aus. Dwan und Ivey sind jetzt wieder in den Vereinigten Staaten, aber wundern Sie sich nicht, wenn speziell Durrrr sehr bald wieder auf dem Rückweg ist. Die Einladung zum Spiel soll angeblich offen bleiben, und Dwan hat bereits gescherzt, dass er sobald wie möglich nach Macao übersiedeln will. Wenn die Spiele so groß bleiben, könnte aus dem Scherz bald Wirklichkeit werden.

ie Spekulationen über eine angeblich kurz bevorstehende Trennung zwischen Phil Hellmuth und seinem langjährigen Sponsor UB.com nehmen weiter zu, nachdem der elfmalige Armband-Gewinner bei immer mehr Veranstaltungen und TV-Auftritten ohne das Markenlogo gesehen wurde. In seinem bisher letzten Fernsehauftritt spielte er im NAPT Los Angeles Bounty Shootout. Das Turnier wurde auf ESPN gesendet, und das UB.com-Branding fiel wieder einmal durch seine Abwesenheit auf. Derzeit ist nicht bekannt, ob ein Streit zwischen Hellmuth und der Poker-Site entbrannt ist oder was sich dahinter verbergen könnte; da es sich hier aber vielleicht um die am stärksten vermarktbare Persönlichkeit innerhalb der PokerCommunity handelt, können wir nur mutmaßen, dass finanzielle Probleme zum Scheitern der letzten Vertragsverhandlungen zwischen den Parteien geführt haben. Die logische Frage, die sich aus einer möglichen Trennung zwischen Hellmuth und UB.com ergibt, ist die nach dem nächsten Sponsor des Poker Brat nach Ablauf seines derzeitigen Vertrages. Der Abschluss einer Sponsoringvertrages mit dem wohl bekanntesten Fernseh-Poker-Gesicht, das auch mit großer Regelmäßigkeit bei Shows aller Online-Sites zu sehen ist (z.B. im Big Game von PokerStars.net oder Poker After Dark von Full Tilt), macht von einem Marketingstandpunkt aus durchaus viel Sinn. Einer weit verbreiteten Meinung zufolge trauen allerdings weder Full Tilt noch PokerStars Hellmuth die richtige Einstellung oder Persönlichkeit für ihre Marken zu und würden daher von einem Vertragsabschluss Abstand nehmen. Wahrscheinlicher ist eine Verbindung zwischen Hellmuth und einem Betreiber echter Kasinos wie etwa Aria oder MGM. Beide Unternehmen werden nach der für 2011 erhofften Verabschiedung des von Barney Frank eingebrachten Gesetzesentwurfs HR 2267 die Möglichkeit eines Einstiegs in den OnlinePoker-Markt erwägen, und Hellmuth wäre für sie ein großartiges Marketinginstrument für eine potentielle neue Marke. Hellmuth hat bereits Kleidung mit Aria- und Harrahs-Patches getragen und damit eine gewisse Verbindung zu diesen Unternehmen zur Schau gestellt. Da aber nur wenige Poker-Unternehmen in der Lage sind, Phil so viel zu zahlen, wie er seiner eigenen Meinung nach wert ist, sind Hellmuths Optionen stark eingeschränkt, und erst die Zukunft wird weisen, was im jüngsten Kapitel der Poker Brat-Saga zu lesen sein wird.


NEWS LiebesgrüSSe aus Russland

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eutzutage gibt es wahrlich kein Mangel an Online-PokerAction, die Spieler sind nicht mehr als ein Internet-Zugang von durchgehenden Echtgeld-Spielen entfernt. Kein Wunder also, dass die, die nur des Geldes willen dabei sind, ihre Zeit lieber nicht mit iPhone Poker-Anwendungen verbringen, bei denen sie ohne finanziellen Gewinn gegen Computer spielen. Stellt man sie aber einer frechen russischen Spionin gegenüber, entscheiden sie sich vielleicht doch für die App. Anna Chapman, die 28-jährige mit den roten Haaren unter den zwölf russischen Spionen, die im Juli vom FBI aus den USA abgeschoben wurden, hat eine iPhone Poker-App lanciert, in der sie als russisches Bond-Girl auftritt. Man kann Chapman zu einer virtuellen Hand Texas Hold’em oder Five Card Draw herausfordern, wobei siegreiche Spieler Zugang zu exklusiven Details ihres Privatlebens erhalten, einschließlich eines Abonnements zu ihrem Tagebuch, Facebook-Freundschaft und, vielleicht am aufregendsten, Zugang zu einem Fotoalbum scharfer Bilder der osteuropäischen Schönheit. Die App wird bald zum Download auf iPhone, iPad und iPod touch zur Verfügung stehen, und wird dem Krieg unter den Poker Apps etwas notwendige und willkommene Würze verleihen.

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SPORT + wetten

D Zehn Jahre Barry Hearns Sportrevolution

Im ersten Teil eines tiefgehenden Interviews mit dem Vorsitzenden der PDC [Professional Darts Corporation] Barry Hearn, unterhält sich Fred Palley mit dem Mann, der für den kometenhaften Aufstieg des Sports aus einer schlecht bezahlten Beschäftigung in Billiardhallen und Arbeiterklubs in eine Geldmaschine im Alexandra Palace und den grellen Lichtern von Las Vegas verantwortlich ist, und über Hearns Pläne für seine zukünftige Dominanz.

Die Verscheibung der Darts-Landschaft GX: Wenn man sich Darts heute ansieht, mit dem vielen Publikum, neue Turniere, hohe Preisgelder und große Spieler, dann haben Sie es offensichtlich geknackt. War es wirklich so einfach? Barry Hearn: Es ist derzeit einfach ein Phänomen und es ist faszinierend zu beobachten. Als wir anfingen war das Publikum im Durchschnitt 45-55 Jahre alt, man hat in

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Pubs gespielt; heute sind die 18- bis 25-Jährigen unterwegs. Es ist ein Wahnsinn. Ich muss mich selbst kneifen; ich gehe zur O2-Arena und sehe 10.000 Menschen und denke mir, wie ist das passiert? Als Sie allen Ihren Freunden vor so vielen Jahren sagten, Sie würden aus Darts eine normale Sportart machen, da glaubten sie wohl, Sie sind verrückt?

Na ja, es ist so, wenn man irgendetwas oft genug sagt, dann glaubt man das nicht nur selbst mehr, man kann dadurch auch den einen oder anderen sonst überzeugen. Ich kann keine Geheimnisse für mich behalten, wenn ich leidenschaftlich bin, dann muss ich oft und laut darüber reden. Man läuft das Risiko, sich lächerlich zu machen, aber wenn es klappt hat man die Gelegenheit zur Bemerkung: „Ich habe das doch gleich gesagt“.


SPORT + wetten

Darts-Dominanz e Um ehrlich zu sein, auch ein so guter Promoter wie ich es wahrscheinlich bin, braucht etwas Glück. Man muss zur rechten Zeit am rechten Platz sein, und das ist wichtiger als jede Fähigkeit, die man vielleicht hat. Ich habe es ein paarmal gut getroffen, die Poker-Explosion war wohl mein bester Wurf, aber Darts, wow. Ich kann mich erinnern, als ich das erste Mal in der Circus Tavern war und gefragt wurde, ob ich Vorsitzender werden will, da habe ich mich umgesehen und gedacht: „Ich kann das Geld riechen“. Die Leute dort haben das getan, was ich auch gerne tue: Bier trinken, Burger essen, wetten, beim Darts zusehen, Lärm machen. Und ich dachte mir, perfekt. Aber ich glaubte trotzdem nicht, dass es zu dem werden konnte, das es heute ist. Wir sind mit Premier League Darts Mitte Oktober in der Verkauf gegangen und haben in der ersten Woche 40.000 Tickets verkauft. 40.000 Tickets? Wir haben eine Rezession und es fängt erst im Februar an. Der

Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr beträgt 25%, es wird jedes Jahr im Jahresvergleich besser und die Quoten steigen auch, also machen wir offensichtlich etwas richtig. Inwieweit ist Phil Taylor dieses Glückselement gewesen, das Sie angesprochen haben? Ich denke, dass jeder Sport eine ikonische Figur an der Spitze braucht, eine Identifikationsfigur, besonders wenn man einen Sport erweitern und globalisieren wird; ein Tiger Woods oder ein Roger Federer. Und Phil Taylor ist ein bemerkenswerter, ein bemerkenswerter Spieler. Interessanterweise kommt immer eine Frage auf, wahrscheinlich ist es auch Ihre nächste Frage, was passiert wenn... Genau. Was passiert, wenn er zurücktritt? Ich war fasziniert zu sehen, dass er im Halbfinale des Grand Prix geschlagen wurde...

Wo er auch ausgebuht wurde... Ja, aber aus Spaß. Steve Davies wurde auch ausgebuht , weil er die Unvorhersehbarkeit des Spiels eliminiert hatte. Wenn die Menschen eine Sensation wittern, sind sie nicht zu halten, sie buhen und schreien, schlimmstenfalls denken sie, das Ergebnis wird knapp sein, aber sie lieben es, wenn ein Underdog sich durchsetzt und gewinnt.

Phil ging nach dem Spiel gegen Gary Anderson beim Grand Prix ab, während das Publikum buhte und sagte mir, „das ist nicht richtig, Barry, das ist nicht richtig“. Und ich habe gesagt, Du bist aber ein Profi, dafür wirst Du bezahlt, geh da raus und mach Deinen Job. Das ist alles, was Du tun musst. Die Leute buhen, aber sie werfen die Darts nicht. Die Leute buhen Boxer aus; sie verteilen selbst keine Schläge. Es ist eine reine Einstellungssache und wenn man sich

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Digital GX Ger DEC2010 Sample  

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