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H OT EL & PR A X I S

H OT EL AC H T ER D I EK AU F J U I S T I N TERVIE W ST E FAN DAN Z E R

Wir haben mit dem Wellnessangebot ein gutes Argument für die kälteren Jahreszeiten. Seit 2000 besteht die Wellnessanlage mit unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten im ausgebauten Dachstuhl mit herrlichem Wattblick. Schwimmbad sowie Saunalandschaft befinden sich im hellen Souterrain mit dazugehöriger Liegewiesen im Garten. Neben den Wellnessangeboten ziehen auch unsere gute Küche und unsere sechs bis zehn Aktionen im Jahr, wie „Danzer and friends“, eine lockere Veranstaltungsreihe mit befreundeten Köchen, und die Winzerabende. Für kleinere Seminare bieten wir einen unserer Restauranträume mit vollständiger Technik an. Was tut das Juister Marketing, um Sie zu unterstützen? Die Kurverwaltung setzt allein auf die Nachhaltigkeit, die mit dem Green Globe ausgezeichnet wurde. Wir profitieren neben der Auszeichnung auch von der Zertifizierung als Thalasso-Nordseeheilbad. Beides sind wichtige Buchungsgründe für viele Gäste. Wie finden Sie Personal und Auszubildende? Wir haben 65 Mitarbeiter in der Spitze und 55 im Schnitt – aus Deutschland und der ganzen Welt – ein internationales Team. Über unsere Homepage und das Portal www.hotelcareer.de akquirieren wir die Mitarbeiter. Aber Azubis auf die Insel zu bekommen, ist äußerst schwierig. Wir hatten zwei Jahre keine und bilden momentan drei im Berufsbild Koch aus. Auch mit Spaniern haben wir die Zusammenarbeit probiert, aber sie passen nicht zu unserer Mentalität und haben großes Heimweh. Anders verhält es sich mit Polen. Viele sind seit 20 Jah-

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Das Wellnessangebot, unter anderem mit Schwimmbad und Saunalandschaft, lockt

auch in der kälteren Jahreszeit Gäste ins Hotel Achterdiek

ren auf der Insel und heimisch geworden. Ich arbeite heute mit acht Personen in der Küche, darunter einem Flüchtling aus Syrien, der seit Februar als Koch in Deutschland anerkannt ist und sich gut bei uns integriert hat. Jigar Hasso bereichert durch seine Art zu kochen und zu würzen unsere Speisenkarte wie zum Beispiel mit Tabuleh mit Humus, arabischem Salat und Jakobsmuschel. Wie bringen Sie Ihr Personal unter? Wir haben mittlerweile drei Personalhäuser und mieten noch Wohnungen für unsere Angestellten dazu. Insgesamt kommen wir auf 60 Wohneinheiten. Das ist ein riesiger Kostenfaktor, den wir quersanieren müssen. Sie sind Mitglied bei Slow Food. Warum? Das war für mich die logische Konsequenz meiner Philosophie des achtsamen Umgangs mit Natur und Tieren. Schleswig-Holstein ist da vorzeigemäßig aufgestellt zum Beispiel mit dem Verein Feinheimisch. Wir sind in Niedersachsen eher Einzelkämpfer und haben Nachholbedarf. Auf einer Insel ist man abhängig von der Logistik. Die Frachtkosten haben sich vor zwei Jahren sehr verteuert, denn es gibt nur noch ein Unternehmen, das als Monopolist die Preise diktieren kann. Wie beschreiben Sie Ihren Küchenstil? Ich arbeite mit verschiedenen Ausrichtungen von asiatisch über ostfriesisch bis mediterran. Die Grundlage ist aber die klassische französische Küche. Mein Ste­ ckenpferd ist der eigene Kräutergarten

am Haus. Das Produkt ist der Star – unverändert und rein präsentiert, kombiniert mit möglichst saisonalem Gemüse. Ich halte nicht viel von Schäumen und molekularer oder Naturküche. Lieber verarbeite ich heimisches Wild, denn ich bin auch Jäger und schieße Fasane und Rehwild, davon haben wir auf der Insel über 250 Stück. Mit welchen Produkten arbeiten Sie gern, was fassen Sie nicht an? Pangasius, Brackwasserfische oder chinesische Zuchtfische kommen bei mir nicht auf die Teller, stattdessen Schellfisch, Scholle, Heilbutt – Fische und Tiere aus nachhaltiger Zucht und Wildfang. Wir arbeiten mit dem Unternehmen Deutsche See zusammen und mit kleinen Lieferanten wie der Fischräucherei Karl Weissig aus Norden. Was bringen Ihnen die Mitgliedschaften bei Romantik Hotels und Wellness Hotels? Wir fühlen uns in den Marketingorganisationen gut aufgehoben, denn unsere Ziele überschneiden sich. Beide bringen uns viele Gäste nach Juist. Was steht im Dezember im Achterdiek zur Modernisierung an, und werden Sie dabei von Landes- oder EU-Fördertöpfen wie Ihre Kollegen in Schleswig-Holstein unterstützt? Leider nein! Mir ist nicht bekannt, dass wir in Niedersachsen Förderzuschüsse für Modernisierungsmaßnahmen erhalten. Im Dezember bekommen unsere Flure ein neues Licht- und Farbkonzept, einen neuen Fußboden und schickes Mobiliar. Die Designlinie soll heller und freundlicher werden.

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Superior Hotel 4/2016  

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