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SWS

churz & bündig

Sozialwerke Pfarrer Sieber

auffangen – betreuen – weiterhelfen

Jahresbericht 2017

5̕517*

Übernachtungen verzeichnete der Pfuusbus dieses Winterhalbjahr. Rund 300 Menschen suchten hier Schutz und Geborgenheit.

Es geht um Menschen – nicht um Fälle Jeder Mensch verdient, dass man sich ernsthaft und auf Augenhöhe mit ihm befasst. In unserem Alltag versuchen wir, diesem Grundsatz nachzuleben.

D

ie Herausforderungen, welchen wir in unserer täglichen Arbeit begegnen, nehmen zu. Die Menschen, die sich uns anvertrauen, kommen immer schwerer beladen mit Sorgen, Nöten und Ängsten zu uns. Das fordert unsere Mitarbeitenden, aber auch uns als Stiftung heraus. Neben Annahme, Vertrauen und Liebe ist eine hohe Fachlichkeit vonnöten, um den Notleidenden Hoffnung und Perspektiven zu geben. Auch in unserer niederschwelligen Organisation kommen wir nicht darum herum, technisch und administrativ gewisse Vorgaben zu erfüllen. So haben wir parallel zum Alltag mit den sich uns anvertrauenden Menschen

neue EDV-Systeme in der Buchhaltung, in der medizinischen Leistungserfassung und zur Unterstützung der Spenderbetreuung eingeführt. Mit diesen Systemen werden wir für die nächsten Jahre wieder fit sein und den auch für uns immer komplexeren administrativen Aufwand, insbesondere in der Abrechnung unserer medizinischen Angebote, schlank bewältigen können.

aus. Gegen Jahres­ende werden wir einen ersten Eindruck davon haben, wie das neue Haus mit den Spitalräumen dereinst aussehen wird. Es soll unseren Auftrag und unsere Wertehaltung sichtbar machen und die uns zugeschriebene Menschenfreundlichkeit ausstrahlen.

Armut, Sucht und Vereinsamung werden immer häufiger von psychischen Problemen begleitet.

Für das Projekt «neuer Sune-Egge» in Zürich-Affoltern, das wir mit der reformierten Stadtkirche planen, schreiben wir 2018 einen Architekturwettbewerb

Die konstante Überbelegung unserer Notschlafstellen zwingt uns, dieses Angebot zu überdenken und anzupassen. Neue Lösungen werden wir im Laufe des Sommers entwickeln. • Christoph Zingg, Gesamtleiter

Das Vorzelt des Pfuusbus bietet Platz für Begegnungen. * betrifft das Winterhalbjahr 2017/18


Wir passen unsere Gassenarbeit permanent der aktuellen Situation an Die Armutsproblematik zeigt: Es ist wichtig, dass wir langfristig planen und gleichzeitig auf kurzfristige Nöte reagieren. Neue Ausrichtung der Gassenarbeit Die steigende Zahl obdachloser Menschen, die psychisch teilweise erheblich beeinträchtigt sind, rief nach einer Anpassung unserer Gassenarbeit. Der Stiftungsrat bewilligte ein Gesamtkonzept Auffangen, das Bedürftigen raschen Zugang zu niederschwelligen Übergangslösungen ermöglicht.

Vom Flughafen Zürich weggewiesene obdachlose oder nicht mehr tragbare Mitmenschen finden Unterstützung und in unseren Einrichtungen vorübergehend Unterkunft.

Wir richten unsere Hilfe noch besser auf die Nöte der Be­dürftigen aus.

Langfristige Planung für das Spital Ohne geeignete Räumlichkeiten ist die Weiterentwicklung unseres auf suchtkranke Patienten spezialisierten Spitals Sune-Egge nicht möglich. Nach längerer Suche zeichnete sich 2016 eine Miet­

Das Konzept bewährt sich bereits:

lösung in einem vom reformierten Stadtverband Zürich geplanten Neubau auf dem Areal der Kirche Glaubten in ZürichAffoltern ab. Im Berichtsjahr unterzeichnete der Stiftungsrat mit dem reformierten Stadtverband eine Absichtserklärung, wonach die SWS im geplanten Neubau Räume für das Spital und dessen Pflegeeinrichtung mieten können. Bei der Planung des Neubaus arbeiten die SWS und der Stadtverband eng zusammen.

Begleitung durch

Anlauf- und Beratungsstelle

Gassenarbeit und Gassentierarzt

Lebensmittelverteilung

ambulante Angebote

Rehabilitation

Wohnsiedlung

Suchthilfeeinrichtung

Noteinrichtung für Jugendliche

Notschlafstellen und Nachtpatrouille

Warenspenden

Spital und Pflegestationen

Sozialberatung

Gassencafé

Stunden Freiwilligenarbeit wurden geleistet.

• Vanessa Ölz, Präsidentin des Stiftungsrats

Seelsorger/-in

11̕207

Unsere Angebotstreppe Wir begegnen mit aufeinander abgestimmten Angeboten unterschied­lichen Notlagen. Der Einstieg soll möglichst einfach sein. Ziel ist die soziale Integration. Die Angebote umfassen die drei Bereiche

auffangen – betreuen – weiterhelfen

Bereich Auffangen Notleidenden rasche und unbürokratische Hilfe zukommen zu lassen, ist die zentrale Aufgabe aller unserer Auffangeinrichtungen.

U

nsere Auffangeinrichtungen helfen unkompliziert und doch professionell. Die Gassenarbeitenden und Nachtpatrouillen suchen Obdachlose auf und bieten Hilfe an. In den Notschlafstellen erhalten sie im Winterhalbjahr ein Bett an der Wärme. Das Gassencafé Sune­stube, die Anlaufund Beratungsstelle Brot-Egge und die Noteinrichtung für obdachlose Jugendliche Nemo bieten niederschwellige Hilfe, Gemeinschaft und professionelle Begleitung.

Nachtpatrouillen Anzahl im Winterhalbjahr: 44 (27) Notschlafstelle Pfuusbus (45 Plätze) Übernachtungen im Winter 17/18: 5‘517 (4‘103) Notschlafstelle Iglu (25 Plätze) Übernachtungen im Winter 17/18: 2‘684 (1‘601) Gassentierarzt Konsultationen: 797 (801) Gassencafé Sunestube Besuche: 22‘817 (21‘822) Mahlzeiten: 4‘203 (3‘982) Anlauf- und Beratungsstelle Brot-Egge Besuche: 12‘153 (7‘975) Kleiderabgaben: 5‘606 (5‘991) Noteinrichtung für Jugendl. nemo (10 Plätze) Übernachtungen: 1‘096 (702) Sozialberatung Beratungen: 1‘147 (*) Diese Zahlen werden erst seit 2017 erfasst.

Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2017. In Klammern werden die Vorjahreszahlen aufgeführt. Gewisse Angaben werden erst seit 2017 erfasst.

12̕153 22̕817 Besuche verzeichnete die Anlaufstelle Brot-Egge.

Besuche verzeichnete das Gassencafé Sunestube.


Bereich Betreuen Suchtkranken und Obdachlosen Betreuung zukommen zu lassen, ist das Anliegen unserer medizinischen und therapeutischen Einrichtungen.

I

n der Suchthilfeeinrichtung Ur-Dörfli finden Süchtige Unterkunft und umfassende Betreuung. Damit lindern wir ihren Suchtdruck und holen sie von der Strasse weg, was letztlich ihnen, aber auch der Gesellschaft zu mehr Sicherheit verhilft.

Im Spital Sune-Egge und im Pflegezentrum Sunegarte bieten wir Randständigen medizinische Hilfe. Diese werden aus finanziellen und medizinischen Gründen von normalen Pflegeheimen kaum aufgenommen.

In der Wohnsiedlung Brothuuse erlangen Obdachlose Wohn- und Sozialkompetenzen, um auf dem Wohnungs- und Stellenmarkt wieder Fuss zu fassen. Suchthilfeeinrichtung Ur-Dörfli (29 Plätze) Belegungstage: 7‘246 (7‘734) Auslastung: 87 % (92 %) Spital Sune-Egge (30 Plätze) Durchschnittl. Aufenthaltsdauer: 73.7 (62.3) Tage Auslastung: 86.2 % (79.6 %) Ambulante Behandlungen: 3‘860 (3‘131) Ambulante Methadonpatienten: 33 (40) Pflegezentrum Sunegarte (15 Plätze) Pflegetage: 3‘999 (*) Wohnsiedlung Brothuuse (27 Plätze) Bewohner/-innen: 62 (67)

3̕860

ambulante Behandlungen wurden im Spital Sune-Egge durchgeführt.

88 %

aller Ausgetretenen von Brothuuse fanden eine Anschlusslösung.

Diese Zahlen werden erst seit 2017 erfasst.

Kommentar zur Jahresrechnung Von der Bank auf die Ersatzbank Nicole F. war erfolgreiche Bankerin. Der Tod ihres Mannes warf sie aus der Bahn. Dank Hilfe der SWS fing sie sich auf und sucht nun wieder einen Job. «Wer mich heute sieht, wird nicht glauben, dass ich mal erfolgreich war. Ich war Bankerin, dann selbständige Unternehmerin. Als mein Sohn zu Welt kam, arbeitete ich nur noch Teilzeit. Dann kam der Tag, der mein Leben auf den Kopf stellte: mein Lebensgefährte erlitt den plötzlichen Herztod. Das riss mir den Boden unter den Füssen weg. Es folgte eine schwierige Zeit. Ich hätte wieder mehr arbeiten sollen. Doch ich fand keine Stelle mehr. Ich musste feststellen,

dass niemand auf eine Alleinerziehende in meinem Alter gewartet hatte. Bald war mein Erspartes aufgebraucht. Mir blieb nur der Gang aufs Sozialamt. Dort wurde ich wie eine Nummer behandelt. Da hörte ich von Pfarrer Siebers Anlaufund Beratungsstelle Brot-Egge. Der Pfarrer war mir als Zürcherin natürlich ein Begriff, aber ich hätte nie gedacht, dass ich einmal auf seine Hilfe angewiesen sein würde. Im Brot-Egge fühlte ich mich von Anfang an willkommen. Hier fand ich Menschen, die mir zuhörten und mich rasch und unkompliziert unterstützten. Sie helfen mir jetzt bei der Stellensuche. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Die Treue unserer Spenderinnen und Spender verpflichtet uns zu einem sorgfältigen Umgang mit den uns zur Verfügung gestellten Mitteln. Die Zewo und die Revisionsgesellschaft BDO kontrollieren und garantieren die korrekte Rechnungsführung. Administration, Sachaufwand 5 %

Unser Spenden- franken

Prävention, Kommunikation, Fundraising 8 %

Hilfe für Bedürftige 87 %

Vom gesamten Betriebsaufwand in Höhe von 26,9 Mio. Franken wurden 9,4 Mio. Franken durch Spenden und Legate finanziert. Das sind rund 43 % aller Aufwendungen. Die restlichen Leistungen konnten wir durch Beiträge Dritter wie Krankenkassen und Sozialämter decken.

Bereich Weiterhelfen Randständige Menschen in den Arbeitsprozess und die Gesellschaft zu reintegrieren, ist das Ziel unseres Therapiezentrums und der Nachbetreuung.

I

m Rehabilitationszentrum Sunedörfli bieten wir eine stationäre, abstinenz­ orientierte Therapie, dies, auch wenn wir über keine Kostengutsprache verfügen. Das ist einzigartig. Aber so haben wir motiviertere Klienten und können therapeutisch wirkungs­voller arbeiten.

Mit Blick auf eine erfolgreiche Reintegration begleiten wir unsere Klienten nach ihrem Austritt ambulant. Seelsorgegespräche sind eine wichtige Ergänzung zur Sozialarbeit und medizinischen Betreuung. Sie bilden die

Grundlage, damit Klienten ihre Probleme anpacken können. Die Arbeit unserer freiwilligen Helfer und Helferinnen ist vor allem für die Notschlafstellen unverzichtbar. Ohne sie könnten wir unsere Angebote in dieser Form nicht anbieten. Rehazentrum Sunedörfli (12 Plätze) Betreuungstage: 2‘870 (2‘001) Auslastung: 88.9 % (67 %) Seelsorge Gespräche: 1‘643 (2‘001) Gottesdienste: 54 (74) Freiwilligenarbeit Anzahl Stunden: 11‘207 (11‘816)

2̕870

Betreuungstage verzeichnete das Rehabilitationszentrum Sunedörfli.

1̕643 Gespräche führte das Seelsorgeteam.


Wir helfen individuell und unbürokratisch So verschieden die Menschen sind, die unsere Unterstützung benötigen, so verschieden sind ihre Bedürfnisse. Wir helfen ihnen beherzt und professionell, rasch und unkompliziert. Mit Erfolg.

Stefanie hat Drogen und Obdachlosigkeit hinter sich gelassen.

Michel steht nach einer Therapie wieder erfolgreich im Berufsleben.

Markus fand mit etwas Hilfe eine Arbeitsstelle und eine Wohnung.

Nach der Matura zog ich nach London, um Kunstgeschichte zu studieren. Neben dem Studium interessierte mich das Kulturschaffen der pulsierenden Stadt. Ich wurde Teil der alternativen Szene, des Londoner Underground, und begann, Drogen zu konsumieren. Wegen einer Depression kehrte ich in die Schweiz zurück. Doch die Sucht folgte mir. Ich fand hier den Tritt nicht mehr und wurde obdachlos. Nach einem Unfall kam ich ins Spital Sune-Egge. Weil ich merkte, wie gut mir die Leute schauten, wollte ich nicht wieder auf die Gasse zurück. So fand ich den Weg in die Suchthilfeeinrichtung Ur-Dörfli. Hier fühle ich mich aufgehoben und bin ich daran, von meiner Sucht loszukommen.»

Nach dem frühen Tod meiner Mutter geriet ich in die Drogen und wurde obdachlos. Nach zehn Jahren im Elend kam die Wende. Nach mehreren missglückten Entzügen wurde ich auf das Rehazentrum Sunedörfli aufmerksam gemacht. Die Zeit dort war hart, aber ein Segen. Dank der umsichtigen und wohlwollend-fordernden Betreuung fand ich zu mir und begann, wieder an mich und eine Zukunft ohne Drogen zu glauben. Heute bin ich glücklich, nicht mehr von Substanzen und Ämtern abhängig zu sein. Ich arbeite und habe an meinem Arbeitsplatz viel Verantwortung. Das stärkt mich. Ich bin glücklich, wieder selbstverantwortlich leben zu können.»

Vor gut fünf Jahren war mir meine damalige Wohnung gekündigt worden. Mein Pech war, dass ich damals stellenlos und auf Jobsuche war. Ohne feste Anstellung findet man aber keine Wohnung. Auch beim Sozialamt wussten sie keinen Rat. In meiner Not wandte ich mich an die SWS. So fand ich in die Wohnsiedlung Brothuuse. Doch die Suche nach einem neuen Job und einer Wohnung war auch von hier aus schwierig. Dank der Unterstützung fand ich schliesslich eine Stelle als Hauswart in einem Schulhaus der Stadt Zürich. Kürzlich fand ich dann auch noch eine 1,5-ZimmerWohnung und lebe wieder selbständig. Ich bin total happy.»

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Wir alle können vom Pfarrer lernen, was es heisst, aufopfernd für andere da zu sein. Seine Stiftung ist auf Chris von Rohr, Rockmusiker, Produzent, Buchautor und Kolumnist dem richtigen Weg.

Organisation der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber (SWS) Geschäftsstelle Hohlstrasse 192, 8004 Zürich 043 336 50 80

Gerne schicken wir Ihnen unsere viertel­jährlich g ers­ cheinende Sieber Ziiti und unseren Newsletter. Bestellen Sie unsere aus­ . führliche Jahresrechnung Besuchen Sie unsere h. Website www.swsieber.c

info@swsieber.ch kommunikation@swsieber.ch www.swsieber.ch Gesamtleitung Christoph Zingg Stiftungsrat lic. iur. Vanessa Ölz (Präsidentin) Stefan Elsener Alfred Gerber Theo Handschin Patrick Hohmann Jolanda Huber-Gentile Ehrenpräsident Dr. h. c. Pfarrer Ernst Sieber Revisionsstelle BDO AG, Zürich

Betriebe/Fachbereiche Gassenarbeit, Nachtpatrouille, Notschlafstelle Pfuusbus Militärstrasse 116, 8004 Zürich Gassencafé Sunestube Militärstrasse 118, 8004 Zürich Anlauf- und Beratungsstelle Brot-Egge, Notschlafstelle Iglu, Gassentierarzt Seebacherstrasse 60, 8052 Zürich Noteinrichtung für obdachlose Jugendliche Nemo Kontakt: Hohlstrasse 192, 8004 Zürich Sozialberatung Josefstrasse 32, 8005 Zürich Suchthilfeeinrichtung Ur-Dörfli Bahnhofstrasse 18, 8330 Pfäffikon Spital für Sozialmedizin und Ab-­ hängigkeitserkrankungen Sune-Egge, Konradstrasse 62, 8005 Zürich Pflegestation Sunegarte Ober Halden 5, 8132 Egg Wohnsiedlung Brothuuse Mühlackerstrasse 4, 8046 Zürich Rehabilitationszentrum Sunedörfli, ambulante Angebote Postfach 36, 8816 Hirzel

Impressum Jahresbericht 2017 Juni 2018 Redaktion Walter von Arburg Christoph Zingg Elena Philipp Gestaltung Claudia Wehrli, Winterthur Druck Spühler Druck, Rüti Herausgeberin Stiftung Sozialwerke Pfarrer Ernst Sieber PC-Konto: 80-40115-7 IBAN CH98 0900 0000 8004 0115 7

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