Issuu on Google+

ausgabe 6

Vereinszeitung Virtual Endurance Racing-team

+++Kostenfreies Exemplar +++

April 2012 www.veracing.de

+++ Kostenfreies Exemplar +++

Gute Zeiten - schlechte Zeiten +++ in dieser Ausgabe +++

Rennbetrieb

Keine Frage, das VE-Racing-Team hat schon bessere Zeiten in der RLMS erlebt: eines der (leider recht zahlreichen) negativen Erlebnisse war der Verlust des Frontspoilers am LMP2-Porsche in der ersten Kurve von Monza

Seit der letzten Ausgabe der VENews-Vereinszeitung sind schon wieder drei RLMS-Rennen absolviert worden, und beim Rückblick auf diese drei Rennen kann man schon leicht wehmütig werden: Gemessen am fahrerischen Potential waren die harten Ergebnisse am Rennende dann doch ein wenig enttäuschend. Lediglich der LMP2-Porsche mit dem schnellen Fahrerduo Seiter/ Flemming konnte in Spa einen zweiten Platz auf dem Podium ausgiebig feiern, ansonsten war der Truppe um Chef Marcus Noffke in den drei vergangenenen Rennen leider eher selten zum Feiern zumute. Zahlreiche Ausfälle und unglückliche

NEU: VIndy500! Das Team VE-Racing wird gemeinsam mit der italienischen SimracingCommunity Iraceonline.com am 19.5.2012 ein Indianapolis500- Rennen organisieren. Das „VIndy500“ wird mit dem Indycar2010-Mod von Michael Peters bestritten werden. Eine eigene Homepage mit Forum wurde schon gestartet, und in der Interessensliste haben sich schon weit über 20 Fahrer eingetragen. (Mehr dazu im hinteren Teil der Ausgabe.)

Rennverläufe prägten den Gesamteindruck der zurückliegenden drei Rennen: an die teils tollen Ergebnisse der Vorjahre konnte man bisher leider nicht anknüpfen. Ein wenig außer Konkurrenz unterwegs ist natürlich der VE-Zytek in der LMP1-Klasse: als einziges Benzinerfahrzeug in der ansonsten von Dieseln dominierten Klasse steht man motorentechnisch auf verlorenem Posten. Desse war man sich natürlich durchaus bewusst, als es vor der Saison um die Wahl des Einsatzgerätes ging. Dass es jedoch im Verlauf der Saison sogar schwierig werden würde, mit den Fahrern der LMP2-Klasse mithalten zu können,

hätte man ehrlicherweise nicht vermutet. Nachdem Klaus Immer aus zeitlichen Gründen eher selten im Zytek eingesetzt werden konnte, sprang Altmeister Ladits in die Bresche und pilotierte den Boliden sowohl in Spa als auch in Monza und LeMans gemeinsam mit Noah Nevi und Thilo Bonkowski mit um den Kurs - aber auch Ladits‘ bravouröser Trainingsund Renneinsatz konnte die Chancenlosigkeit des Renngefährts nicht ausgleichen: mehr als die jeweils letzten Plätze in der LMP1 konnte nicht herausspringen. (weiter siehe Seite 2)

VE-Nascar: Rekordentwicklung im Jahr 2012 VE-Nascar entpuppt sich langsam aber sicher zu einer echten Größe im Simracing: Nach der Kurzsaison mit etwa 15 Fahrern und der ersten langen Saison 2011 mit einem Fahrerfeld von etwa 20 Teilnehmern nimmt im Jahr 2012 der Zustrom kaum ab: im letzten Rennen von Dover standen sage und schreibe 28 Piloten im Feld und sorgten damit für das größte Starterfeld seit Bestehen der Serie - eine tolle Entwicklung! Nicht ganz unbeteiligt daran dürfte

die Tatsache sein, dass mittlerweile jedes zweite SCS-Rennen von VENascar auf Simrace.tv live übertragen wird. Trotz der neuen Rekordzahlen bleibt eine Konstante: der dominierende Fahrer der Serie heißt nach wie vor Matthias Koch - der Vorjahresmeister führt die Serie nach sieben Rennen souverän an. (Ein ausführlicherer Bericht folgt im hinteren Teil dieser Ausgabe.)

2, 3

Seiters Serie

4

Teamintern

5

Interview

6

+++ Editorial +++

Liebe Leser, die sechste Ausgabe von erscheint mitten im Renngeschehen: viele Serien mit VE-Beteiligung laufen auf Hochtouren, befinden sich entweder im spannenden Mittelteil oder im wichtigen Finale einer Saison. Die Aktivitäten des Teams sind dabei so zahlreich, dass man sie kaum alle nennen kann: RLMS, GTEins-Serie, 24h-Rennen von Racedepartment, Nascar, Indycar, ERM, ... an zahlreichen Fronten befindet man sich im unermüdlichen Einsatz. Wir bemühen uns, inmitten dieser Hektik kurz innezuhalten und einen Blick auf das aktuelle Renngeschehen zu werfen, der eine Art Überblick darstellen soll. Dabei stehen zum einen die letzten Rennen, aber auch die Entwicklungen der einzelnen Serien ein wenig im Fokus des Interesses. Zusätzlich gibt es ergänzende Beiträge über das Team (Interview mit Ingo Lutz) und weitere interessante Beiträge zum Thema „Simracing“ - wir hoffen, es gefällt! Wie immer gilt der Dank an dieser Stelle allen Beteiligten, die mit ihrem Engagement im Team dafür sorgen, dass wir unser schönes Hobby miteinander genießen dürfen! F. Ladits , S. Seiter, N. Nevi


Ausgabe 6 / April 2012

Rennbetrieb

Seite 2

Gute Zeiten - schleche Zeiten (Forts.) Sehr wechselhafte Gefühle durchlebten die beiden „Speedracer“ des VE-Teams: Stefan Seiter, eh bekannt als ein unglaublich schneller Fahrer, und Sebastian Flemming, ebenfalls mit unglaublich starker Performance in diesem Jahr, sind auf dem Papier die mit Abstand schnellsten Piloten des Teams. Auf der Ardennenachterbahn von Spa-Fracorchamps konnten beide zeigen, was sie zu leisten in der Lage sind: trotz leichter Widrigkeiten (Leitplankenkontakt) fuhr man den LMP2 im Verlauf des Rennens immer weiter nach vorne und sicherte sich Platz 2, eine grandiose Platzierung! Und in Le Mans winkte sogar noch mehr: beim Langstreckenklassiker schechthin lag man schon in Führung, als mitten im Rennen auf einmal ein technischer Defekt das Duo unsanft aus dem Rennen riss und statt voller Punkte es nur leere Hände gab. Zur „Krönung“ lief es in Monza auch nicht viel besser: ein Startunfall zu Beginn warf den Wagen weit nach hinten, die Performance des Wagens war danach nicht mehr wirklich gut und so musste man sich mit einem sechsten Platz zufriedengeben - sicherlich nicht das, was die beiden Piloten

sich vor dem Rennen ausgemalt hatten. Die Geschichte des GT1-Lamborghinis, der in Spa erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ist leider schnell erzählt: Chris Düker, der sich des Boliden als Einzelfahrer annimmt (in Spa unterstützt von Sebastian Flemming) konnte in allen drei Rennen nicht die karierte Flagge sehen: entweder technische Probleme beim Fahrerwechsel oder recht heftige Einschläge in die Streckenbegrenzung sorgten für drei Ausfälle in Folge. Hier kann das Motto nur noch „Augen zu und durch“ lauten: es kann in den letzten Rennen der Saison ja eigentlich nur noch besser werden. In der GT2-Klasse stand in Spa neben dem altbekannten Spyker (Fahrerduo: Marcus Noffke und Hassan Bourouis) der Ferrari mit Georg Peklo am Start, VE warf also gleich zwei heiße Eisen in die Wagschale. Dem Ferrari allerdings war kein sehr langes Rennen beschieden: Peklo wurde das tragische Opfer eines spektakulären Highspeedunfalls und musste den Wagen völlig zerstört abestellen. In den beiden Folgeren-

nen in LeMans und Monza konnte der Ferrari nicht an den Start gebracht werden. Für den GT2-Spyker um das legendäre Fahrerduo Noffke/Bourouis lief es auch nicht so glatt wie erwartet: zwar konnte man in allen drei Rennen den holländischen GT-Renner über die Ziellinie bringen (was an sich schon aller Ehren wert ist), der Abstand zur Konkurrenz war jedoch spürbar, und mit den Podiumsplätzen hatte man nichts zu tun. Allerdings muss man zugute halten, dass insbesondere die GT2-Klasse in der RLMS unglaublich stark besetzt ist und mit einigen professionellen Simracing-Teams eine handfeste Kon-

kurrenz aufzuweisen hat. Wenig Licht und viel Schatten also im wichtigen Mittelteil der aktuellen RLMS-Saison, und viel Gelegenheit, sich Punkte zu sammeln, wird es auch nicht mehr geben: lediglich drei Rennen stehen noch aus, dann ist diese RLMS-Saison auch schon wieder Geschichte. Nach Silverstonde, Birmingham und Portimao wird es das Fahrerfeld ziehen, und VERacing wird trotz aller bisherigen leichten Rückschläge versuchen, das Beste aus dieser leicht verkorksten Saison zu machen. N. Nevi

Virtual Indy500 - ein Einzelevent der Extraklasse Nach einem vergeblichen Versuch, mit VE-Indycar eine längere Saison mit den Indycars zu realisieren, entschied sich VE-Racing dazu, aus der Not eine Tugend zu machen: statt einer langsam ausklingenden und schrumpfenden Saison wollte man die interessierte Indycar-Gemeinde nicht im Regen stehen lassen, sondern wagte einen Schritt nach vorne: die Realisierung eines virtuellen Indy500 stand auf dem Programm! Gesagt, getan: nach ein wenig Vorbereitungsarbeit wurde Anfang April das Event publiziert, und gemeinsam mit den italienischen Kollegen von Iraceonline.com entschloss man sich, die Organisation des Events durchzuführen. Gefahren wird dabei

der Indycarmod 2010 von Michael Peters / AOWSS, der sicherlich an einigen Stellen verbesserungswürdig erscheint, aber trotzdem insgesamt das beste Paket zu bieten hat. Als Strecke nutzt man eine SRPLVersion der berühmten IndianapolisRennstrecke. Die Anmeldezahlen für das Event sind auf jeden Fall schon einmal vielversprechend: innerhalb weniger Tage meldeten sich mehr als 20 Fahrer mit Interess am Event an mehr, als man eigentlich erwarten durfte. Vor dem Event steht aber noch eine Menge an: zum einen werden mehrere Lizenzrennen orga-

nisiert, in denen sich die Piloten jeweils die Lizenz für das Hauptrennen am 19.5.2012 sichern müssen. Wer hier nicht besteht, wird kein Startrecht im Mainrace erhalten. Zum anderen zeigte sich in den Trainingssessions, dass das Fahren im Pulk durchaus seine eigenen Gesetze hat und ein hohes Maß an Fahrzeugkontrolle und gegenseitiger Rücksichtnahme vorliegen muss, um erfolgreich das Rennen zu bestehen. Ob also wirklich alle bisher gemeldeten Piloten antreten (können oder dürfen), wird sich zeigen. Fest steht aber jetzt schon, dass das Rennen unglaublich spekatkulär

werden wird: dichtestes Pack-Racing mit zahlreichen Führungswechsel, spektakuläre Unfälle und Abflüge sowie taktisches Rennverhalten werden hier eine wichitge Rolle spielen. Das Ganze über eine kräftezehrende Renndistanz von 200 Runden (=500 Meilen) dürfte ine echte Herausforderung für Mensch und Material werden. Vor dem Mainevent am 19.5. wird am Freitag, 18.5. die Qualifikation ausgetragen. Am Samstag darauf wird dann um Punkt 19 Uhr abends die grüne Flagge fallen - und das Rennen zu einem hoffentlich spannenden und erfolgreichen VIndy500Event freigegeben.


Ausgabe 6 / April 2011

Rennbetrieb

Seite 3

ERM: Zwei Divisionen, ein Feld – tolle Rennen Bereits jetzt, nach „erst“ drei absolvierten Rennen der neuen ERMSaison lässt sich ein kleines Fazit ziehen: Die ERM ist in ihrer zweiten Saison noch spannender, noch energiegeladener und noch offener geworden - und dies, obwohl Heiko Stritzke alle Rennen bis dato gewonnen hat. Dies klingt vielleicht etwas widersprüchlich, ist es aber nicht: Vorjahresmeister Stritzke hatte in allen Rennen alle Hände voll zu tun, die Konkurrenz hinter sich zu lassen - und das Beste daran ist, dass er nicht nur einen Gegner hatte, sondern mit Stefan Seiter, Lars Nowack, Andreas Fehsecke und Dennis Matzis gleich einige Kaliber, die er erst einmal biegen muss. In der Division 2 gibt es zwar dieses Jahr mit Georg Peklo eine klare Nummer eins. In dieser Saison zeigt der Bayer, dass er das Zeug zum Seriensieger hat, jedoch hat auch er mit dem BMW 320 Turbo gegen die Lancia-Meute hinter sich zu kämpfen. Ob es nun Peter Kiermeier, Silvio Dörr oder die beiden Altmeister Noah Nevi und Friedrich Ladits sind, in der Meisterschaft ist noch alles offen. Immer besser mit diesen Geschossen kommt auch Ingo Lutz zurecht, der seine tollen Leistungen zwar noch nicht in zählbare Ergeb-

nissen ummünzen konnte (genauso wenig wie Frank Neumann, Bernd Arndt oder Chris Schub), aber auch für diese Jungs wird es noch Podestplätze und/oder Pole-Positions geben. Ebenfalls erwähnt werden sollte der unbändige Einsatz von Marcus Noffke in seinem Capri: Noffke wurde in einigen Rennen manchmal weit nach hinten geworfen, känpfte sich aber immer wieder bravourös durchs Feld. Ebenfalls immer besser in der Serie zurecht kommen auch die Nascar-Spitzenpiloten Mike Azzolin (in dieser Saison neu auf Porsche 935 unterwegs) und Matthias Koch (Capri), der schon P3 in der Gesamtwertung einnimmt. Leider nur Gelegenheitsteilnehmer sind bisher Hassan Bourouis, Robin Ricke, Christan Kohnen und Richard Frahm. Neuzugang Francesco D Áloia zerstörte zwar den Motor seines Porsches beim ersten Antreten in Riverside, zeigte jedoch einen irren Speed und wird auch für die nächsten Rennen zu beachten sein. Einen sehr bescheidenen Start hatte Vorjahresmeister der Division 1, Gerry Hard. Obwohl er seinem Arbeitsgerät (Porsche) treu blieb, verzeichnete der Österreicher schon

zwei „Nullerl“ und liegt in der Gesamtwertung auf P24 und in der Divisionswertung auf P14. Aber noch sind fünf Rennen zu fahren und alle Fahrer können ihr Können zeigen und in den Video Highlights der Rennen auch bewundern. Obwohl die Saison noch jung ist, beschäftigt sich das Organisationsteam rund um Noah Nevi bereits mit der nächsten Saison. Einige Neuerungen sind angedacht. Ein tolles Lob aber gebührt neben der Orga der Serie auch noch dem Videoteam mit Noah Nevi an der Spitze und dem Kommentatoren Stefan Seiter und Friedrich Ladits, die von den Rennen noch nachträglich berichten und für Unterhaltung bei den Fahrern sorgen. Aber lasst uns einen kurzen Ausblick auf die folgenden Strecken machen: Ein amerikanisches Original ist Mid Ohio. Diese Strecke wird wieder mal allen Fahrern alles abverlangen. Dort wird man nur reüssieren können, wenn man zwei Stunden das Auto voll am Limit bewegt und dabei keinen Fehler macht - ein Unterfangen, das mit diesen Autos mehr als schwierig ist. Nach Mid Ohio folgt Spa: ein euro-

päischer Klassiker, den alle Fahrer schon sehr gut kennen. Anschließend sicher ein Highlight der Saison: Monaco 1967. Schön, dass wir im Simracing die Möglichkeit haben, diese klassischen Strecken, die es so nicht mehr gibt, hier befahren zu dürfen. Ankommen wird hier wahrscheinlich oberstes Gebot aller Fahrer sein. Der Norisring wird eine Schlacht und das Finale findet - wie es die Tradition gebietet - auf der Nordschleife statt. Zu dieser Strecke muss man eigentlich nichts mehr sagen. Aber das Wichtigste der Serie ist und bleibt die Fahrer, die immer wieder zeigen, dass auch in so einer engagierten Serie Gentleman-Racing kein Fremdwort sein muss. Ein höflicher und netter Umgang miteinander zeichnet die Serie ebenso aus wie Spannung pur. Mit diesen Eigenschaften ist ein langes Bestehen der Serie ja schon garantiert. F. Ladits

VE-Nascar: Rekordsaison 2012

Die Fahrerliste der SCS von VENascar wird länger und länger: nahezu jede Woche treten neue Fahrer der Serie hinzu. Besonders toll daran ist, dass es VE-Nascar scheinbar geschafft hat, sich auch international zu positionieren: neben Fahrern wie Roberto Lai und Roberto Alaimo aus Italien sind die Godolakis-Brüder Martin und Erik aus Schweden hinzugestoßen, aus den Niederlanden sind drei Fahrer am Start (Jesse Jesura, Mike und Roy Schroten), und Josep Bac aus Spanien sorgt für weiteres internationales Flair. Diese sehr erfreuliche Entwicklung führt allerdings umgekehrt auch

dazu, dass die Rennen noch intensiver und enger geworden sind: ein dichtes Fahrerfeld führt in der Regel auch zu mehr Gelbphasen wegen der häufigeren engen Rennsituationen. Diese Tatsache führte auf den ersten Shorttrackrennen der Saison dazu, dass teilweise eine beachtlich hohe Anzahl an Cautions ausgelöst wurde - teils über einer erträgliche Grenze hinaus. Nach einer gewissen Eingewöhnung allerdings zeigte sich im letzten Rennen von Dover ein toller Fortschritt: das Rennen blieb einen Großteil unter Grün und die Taktik spielte wieder eine Rolle. Da es in den nächsten Rennen wie-

der vermehrt auf die klassischen 1,5-Meilen-Triovale gehen wird, besteht wohl berechtige Hoffnung, dass sich das Fahrerfeld noch mehr finden wird und die Rennen noch spektakulärer sein werden. Matthias Koch präsentiert sich nach wie vor in überragender Form: trotz starker Konkurrenz in Form von Sandro Petrozziello, Marius Bert, Marco Maier und Martin Stoellinger hat es der Meister der Saison 2011 schon wieder geschafft, vier der sieben Rennen für sich zu entscheiden. Hinter diesen fünf Fahrern die alle mehr als 200 Punkte aufweisen können, liegt ein unglaublich enges Mit-

telfeld: Platz 6 und Platz 22 sind gerade einmal 60 Punkte voneinander getrennt - die neue Saison verspricht auch in punkto Spannung eine absolute Rekordsaison zu werden. Zusätzlich mit den neu etablierten Livestreams und den ausnehmend gut besuchten Trainingsrennen am Montag davor hat sich VE-Nascar als größte ueropäische rFactor-Nascar-Community mittlerweile fest etabliert. N. Nevi


Ausgabe 6 / April 2012

Seiters Serie

Seite 4

Teamkollege - Freund oder Feind? (Teil 3) Nachdem wir in Teil 2 die Bekanntschaft von drei sehr verschiedenen Typen des „gemeinen Simracers“ gemacht haben, wollen wir uns nun (mit etwas Verzögerung) dem dritten und letzten Teil unserer kleinen Serie zum Thema Teamgefährte widmen. Abschließend soll sich mit der Frage befasst werden, wie unsere Kadetten ihre jeweilige Vorbereitung auf ein Rennen angehen; was also das Charakteristische in der jeweiligen Herangehensweise ist. Es folgt daher ... Teil 3: Das Training – oder „Jetzt geht es zur Sache!“

Beginnen wir mit dem Heizer; schließlich möchte er als Erster fertig sein und nicht lange von seiner Arbeit abgehalten werden. Damit wären wir im Grunde schon beim Kern der Sache: Für ihn ist das Fahren Arbeit. Harte, ehrliche Arbeit, für die er aufopferungsvoll auf jedwede andere Freizeitbeschäftigung dankend verzichtet und die jeder um ihn herum bitteschön entsprechend zu würdigen habe, gern auch mehrmals am Tag. Zu so etwas Banalem wie Kommunikation übers teameigene Internetforum lässt er sich gar nicht erst herab. Denn dies ist – ebenso wie die übrigen für dieses (in seinen Augen absolut überflüssige) Datenaufkommen verantwortlichen Personen selbst – unterhalb seiner Würde. Nachdem er beim aktuellen Rennen grußlos und ebenso flott, wie er sich auf der Strecke zu bewegen gedenkt, als Erster den Server verlassen und sich unmittelbar nach einer kurzen Verschnaufpause wieder auf dem Trainingsserver für den nächsten Wertungslauf eingefunden hat, geht es ihm (selbstverständlich) darum, möglichst bald auch hier wieder die Bestenliste anzuführen.

Solange man in seinem Beisein etwaige Fragen nach persönlichen Nebensächlichkeiten wie Name, Alter und allgemeiner Befindlichkeit ignoriert, ist man ein gern gesehener Gast bei seinen Trainingsaudienzen; und sei es auch nur als „Kanonenfutter“ auf dem Weg zum nächsten Rundenrekord. Er wird jede sich bietende Gelegenheit nutzen, Runde an Runde zu reihen, nur kurz unterbrochen von einigen wenigen Mausklicks am Setup und dem akribischen Studium von Motec-Datenblättern. Der unbeirrbare Fahrplan ist für ihn die Ideallinie, weswegen er bei Überhol- und insbesondere Überrundungsmanövern keine Gefangenen macht und dabei gerne mal den einen oder anderen Bodycheck austeilt; schließlich ist er völlig erbost darüber, dass sich nicht jeder Gegner augenblicklich in Luft oder zumindest im Kiesbett auflöst, sobald er auf der Strecke angepfeffert kommt und sein Erscheinen mit kilometerweit vorher sichtbarem Lichtorgelkonzert ankündigt. Sollte er beim Training (was vollkommen abstrus wäre) doch einmal von der Strecke abkommen, greift deshalb ein sorgsam eintrainierter, absolut in Fleisch und Blut übergegangener Bewegungsablauf: Im Moment des frontalen Aufpralls z.B. gegen eine Mauer in der Streckenbegrenzung wippt der Oberkörper die imaginären Fliehkräfte nachahmend aus dem maßgefertigten Rennsitz nach vorne, und dazu wird der Kopf zwei, drei Mal geschüttelt, als wollte sich der verunfallte Pilot den virtuell aufgewirbelten Sand aus der Mähne schleudern. Gleichzeitig verzieht sich die Miene vom konzentriert-glasigen Blick in die Ferne zu einem grimmigen Stirnrunzeln, gefolgt von einem kurzen und schroffen „Grmpf!“ Noch in der wippenden Vorwärtsbewegung befindlich, wird die linke Hand – bis dato noch zum lenkradkompatiblen Klammergriff geformt – um 90 Grad im Uhrzeigersinn ge-

dreht, so dass der Daumen in jahrelang eingeübter Präzision dem Tempo einer Chamäleon-Zunge nicht unähnlich auf die Escape-Tase schnalzt. Währenddessen ist die rechte Hand bereits perfekt synchronisiert auf der Maus gelandet und hat den Cursor in Richtung des „Fahren“-Buttons dirigiert, so dass geschätzte 0,004 Sekunden nach dem entnervten Hammerschlag auf die Tastatur die wilde Fahrt von Neuem beginnen kann. Die ganze Prozedur verläuft weitgehend intuitiv und dauert kaum länger als 1,5 Sekunden, wodurch sich der Heizer in die Lage versetzt sieht, unmittelbar nach Zurückwippen in die „Hotlap“Position seines Hobbygestühls erneut auf die Jagd nach dem perfekten Setup zu gehen.

Letzteres wiederum ist dem SofaEumel völlig fremd. An Setup nimmt er dankend, was er kriegen kann und ihm nicht offensichtlich Schaden zufügen soll. Perfekt hingegen sollten die Polsterung seines Sessels sowie Stärke und Temperatur des ihm zur Seite stehenden koffeinhaltigen Heißgetränks sein. Beim Training auf der Strecke ist er die Gelassenheit in Person. Das soll keineswegs heißen, dass er teilnahmslos oder gar gleichgültig agiert, oh nein. Aber dort, wo der Heizer noch die letzten drei Hundertstelsekunden herauszupressen versucht, lehnt er sich auch mit einem Rückstand von einer halben Sekunde auf seinen direkten Konkurrenten genüsslich zurück in der bisweilen beneidenswerten Attitüde, dass Zahlen auch nur Schall und Rauch sind und eine schnelle Runde nur solange etwas zählt, bis einem der Hintermann in Kurve 2 in die Seite rauscht und einen von der Strecke kegelt. Nach dieser beseelten Erkenntnis wollen wir ihn denn auch nicht länger belästigen, denn

schließlich hat er noch eine Menge soziale Kontakte zu pflegen.

Wenden wir uns also den Kreis schließend dem Dritten im Bunde zu, dem Emotionalen. Während der Vorbereitung auf ein Rennen erreichen seine innere Unruhe und äußeren Gefühlsausbrüche den absoluten Siedepunkt. Bereits der erste Testtag wird für ihn zum Drama: Ist er der erste auf dem Server (ok, denklogisch fast schon ausgeschlossen, da diese Position typischerweise der Heizer einnimmt, aber nehmen wir es trotzdem einmal an), dann bricht er entweder seine Trainingsrunden nach 6 Umläufen und 2 Unfällen im Mittelsektor ab, weil das Auto eh nicht macht, was es soll und er ein Setup sowieso nicht hinbekomme, schon gar nicht auf dieser Strecke, und überhaupt: Die anderen werden ohnehin Kreise um ihn fahren, so dass er es eigentlich gleich bleiben lassen kann ... und so weiter und so fort. Betrachten wir das Blatt jedoch von der anderen Seite, wird es kaum besser: Mit jeder weiteren gefahrenen Runde verengt sich sein Blick auf die Bestzeiten der Champs an der Spitze der Trainingsmeute, auf ihre Sektorenzeiten, auf ihre Beschleunigungspunkte und (noch viel wichtiger) auf ihre absolut überirdischen Bremspunkte – gleichwohl verkennend, dass trotzdem es bis zum Rennen noch über drei Wochen sind, die ersten Bematschten „da vorne“ schon wieder im Qualitrimm unterwegs sind, und das mit dem einzigen Ziel, solchen Fahrern wie unserem Emotionalen die Stimmung zu vermiesen. Mission erfolgreich. Wie man es also macht, ist es verkehrt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sich bei der soeben


Ausgabe 6 / April 2011

Seiters Serie / Teamintern

Seite 5

Teamkollege - Freund oder Feind? (Teil 3, Forts.) geschilderten Variante 2 des Schreckensszenarios die Trainingsleistung innerhalb weniger Tage mehr als verzehnfacht – genau so wie die schlechte Laune des Piloten, der durch immer weitere zum Scheitern verurteilte Versuche einer Rekordfahrt nur noch mehr Aggression aufbaut, Frust schiebt und den anderen die Pest an den Hals wünscht. Das Schöne (gerade in einem größeren Team) ist ja aber, dass man all diese faszinierenden Momente umfassenden Versagens miteinander teilen kann. Moment mal, sagte ich Versagen? Aber sicher. Aus Sicht jedes Einzelnen unserer drei Egomanen ist doch der jeweils andere ein Versager: Der eine, weil er zu schnell, der andere, weil er zu lang-

Gratulation An dieser Stelle muss man einfach mal erwähnen, was in diesem Team „so ganz nebenbei“ geleistet wird: Chris Düker, aktiver Fahrer von VERacing in der RLMS, hat sich für seine Diplomarbeit das Thema „Simracing“ gewählt: Ziel der Arbeit war die Untersuchung der Genauigkeit und der Treffsicherheit der Messung und Analyse von Rundezeiten im Simracing unter Berücksichtigung einzelner personeller Fähigkeiten und Besonderheiten. Grundlage der Arbeit war eine Befragung der teilnehmenden VE-Fahrer (zwei längere Fragebögen, jeweils vor und nach dem Training) und zwei einzelne Trainingssessions auf der Hockenheimstrecke im Ferrari F430. Unter tatkräftiger Unterstützung des gesamten Teams lieferte dann Chris ein blendendes Ergebis ab: die Note 1,7 stand am Ende auf dem Papier für dieses wissenschaftliche Werk, was sicher seinesgleichen suchen dürfte. Herzlichen Chris!

Glückwunsch,

sam ist und der nächste, weil ihm die anderen zu schnell oder zu langsam sind. So kann auch innerhalb eines gewachsenen Teams das ganze Trainieren in ein Hauen und Stechen ausarten, weil jeder dem anderen etwas missgönnt und sich diebisch darüber freut, wenn er selbst wieder die Krone auf hat und über den Dingen steht. Manchmal hilft es auch statt einer Krone auf eine Lampe an zu haben, aber das ist ein anderes Thema. Wir kehren also zurück zu unserem Ausgangspunkt und stellen vergnügt fest: Ist doch schön, zu mehreren zu sein. Denn schon Die Ärzte sangen einst so folgerichtig „Und jeder hier ist genau so blöd wie ich.“ S. Seiter

Der Videokommentar - Ein Blick hinter die Kulissen Damit der geschätzte Leser einmal einen tieferen Einblick (nein, nicht in das Dekolleté von irgendeinem Model) in den Ablauf einer Kommentatur (Originalzitat Uwe Heintz) eines Videos erhält, habe ich mich entschlossen, zu diesem Behufe eine Art „Artikel“ zu verfassen. Um seinen verbalen Müll abgeben zu können, braucht der geneigte Kommentator natürlich eine visuelle Vorlage. In diesem Falle nehmen wir praktikablerweise das Beispiel ERM. Nachdem also Noah Nevi die besten Szenen ausgeschnitten und diese auch schon vorab mit Infos versehen an beide Kommentatoren versendet hat, beginnt nun für mich der erste Spießrutenlauf: Zuerst ist einmal zu klären, ob ich mich schon vorab ins Video und den dazugehörenden Text vertiefen soll, damit ich bestens gerüstet und mit Informationen vollgestopft Noahs Kunstwerk mit Fachkommentaren und weiteren abstrusen Geschichten verunstalten kann. Nach kurzem Nachdenken und der Überlegung, dass wahrscheinlich Stefan (der 2. Kommentator; Anm. der Red.) sowieso in der nächsten Zeit nicht die Muße finden wird bzw. ja gar nicht erreicht werden will, schiebe ich diese Arbeit

einmal zur Seite und konzentriere mich darauf, unter Einsatz allerlei möglichen technischen Gerätes (Telefon, SMS, PN, Voice Mails, E-Mails und auch persönliche Briefe) Stefan zu erreichen. Irgendwann nach zahlreichen Versuchen und mehrmaligem Verfluchen des unwilligen Kollegen gelingt der Kontakt im TS. Es folgt ein unzensierter Mitschnitt des Gespräches:

Stefan: Guten Morgen! (man merke an, dass die Uhr inzwischen 22.34 zeigt und seit Zusendung des Videos von Noah bereits ca. eine Woche vergangen ist) Friedrich: Bist du blöd oder was? Ähhh hallo.

Stefan: Mich dünkt, du hast versucht, mich zu erreichen? Friedrich (mit leicht anschwellender Halsschlagader): Bis auf eine Brieftaube habe ich alles versucht, um einen Termin zum Kommentieren bei euer Durchlaucht zu bekommen! Stefan: Termin? Video? ... ERM vielleicht?

jenes Vorhaben handeln, das Video von Noah betreffend der ERM zu kommentieren, muss ich sagen, dass ich in der nächsten Zeit sehr beschäftigt bin. Und du weißt ja, ich muss mich da genau vorbereiten, da ich ja Mr. Perfekt bin.

Friedrich: Jaja, also sag wann. 2014 brauchen wir nicht mehr kommentieren, das musst ja selbst du verstehen. Stefan: Menno … Friedrich: Eigentlich wollte ich schon schlafen gehen, da ich ja mitunter auch arbeiten muss, aber wie schaut‘s aus? Machen wir das jetzt schnell, damit Noah auch fertig schneiden und das Video hochladen kann? Wir können ihn ja nicht immer so lange hängen lassen; er hat schließlich das Video Innerhalb von 3 Tagen fertig gehabt. Stefan: Aber… Friedrich: Schnauze jetzt, Aufnahme läuft……

Friedrich: Mach mich nicht wahnsinnig ... wann geht’s?

Tja, geneigte Leser, so oder so ähnlich läuft der Kommentar, also echt in natura, live und ohne Vorbereitung……und authentisch.

Stefan: Sollte es sich wahrhaftig um

F. Ladits


Ausgabe 6 / April 2012

Interview

Seite 6

Ein mann, kein Wort Voller Vorfreude machen sich Brutus Brummer und siene neue Assistentin Chantal Butterfly auf den Weg zu VE-Fahrer Ingo Lutz, um ihn zu einem Interview zu bewegen. Da man schon vorab die Zusage von VEBoss Marcus Noffke eingeholt hatte, war Brutus guter Dinge, das Interview schnell abzuhandeln. In Gedanken stellt er sich schon vor, wie er Chantal zu einem romantischen Dinner einlädt und sie anschließend zu sich nach Hause zu einem Drink einzuladen. Genießerisch wandert sein Blick langsam den endlos langen Beinen entlang, beginnend mit ihren zarten Fesseln, die zarten aber doch muskulösen Unterschenkel bis zum Rocksaum, der ca bei der Hälfte ihrer Oberschenkel beginnt... Erschrocken fährt er hoch, als Chantal meint: „Na, Brutus - können wir losfahren oder magst noch ein wenig mehr sehen?“ Mit blitzenden grünen Augen schaut Chantal Brutus an, der unter ihrem Lächeln rot wird. Um seine Unsicherheit zu verbergen latscht er voll aufs Gas und vergisst dabei den ersten Gang einzulegen. Sein klappriger Skoda protestiert mit einem lauten Aufjaulen und bringt Chantal nur noch mehr zum Lachen. Brutus legt vorsichtig mit einem hochroten Kopf den Gang ein und zuckelt los. Langsam gewinnt er sein Selbstvertrauen zurück und blökt Chantal an: „Schnepfe, sag wenigstens wohin wir müssen!“ Chantal: „Zu Ingo Lutz natürlich!“ Worauf Brutus seinen Kopf schüttelt und meint, „Na und die Adresse, Schätzchen?“ Chantal entfährt ein leichtes „Oops“ und lächelt Brutus entschuldigend an. „Die hab ich in meiner Handtasche und die ist in unserem Büro, ich hol sie gleich.“ Der

fest, dass die Dame wohl einen guten Geschmack besitzt und befiehlt Brutus: „EX!“

Anblick beim Aussteigen von Chantal entschädigt Brutus wieder für die erfahrene Schmach. Endlich sind die beiden auf dem Weg. EIne Serpentinenstraße führt auf ein Anwesen, das einer alten Ritterburg gleicht - nur dass die Warnschilder vor dem Domizil davor warnen den vorgezeichneten Weg zu verlassen. Beim Tor werden die beiden Reporter durch ein Videoüberwachungssystem identifiziert und eingelassen. Der Skoda muss draussen bleiben. Ein Hüne von über 2 Metern nimmt die beiden in Empfang und geleitet sie durch einen langen Gang in ein riesiges Büro. Hinter einem wuchtigen Schreibtisch steht gebückt Ingo Lutz und ruft: „Moment!“ Der Hüne erstarrt und deutet Chantal und Brutus ruhig zu sein. Langsam holt Ingo mit einem Golfschläger aus und befördert mit offensichtlichen Talent einen Golfball ins Hole! Mit einem Jubelschrei ballt Ingo die Faust und generös bittet er die Reporter Platz zu nehmen. Dem Hünen am EIngang deutet er mit Zeigefinger und Mittelfinger eine Zwei an und dann kreuzt er beide Zeigefinger worauf der Bodyguard

verschwindet. Brutus rutscht ein wenig verunsichert auf seinem Stuhl hin und her und will zu sprechen beginnen. Ingo springt auf und schreit: „ Halt! Bevor wir anfangen lasst uns erstmal in Ruhe und Demut weilen“, sinkt gedankenversunken in seinen Stuhl um 10 Sekunden später in die Hände zu klatschen. Ein im Wuchse zwergenhafter, bunt bekleideter Mann trägt ein Tablet mit einer Obstschale, zwei Gläser mit einer klaren Flüssigkeit und eine Kanne Jasmintee samt dazugehörigen Utensilien. Gekonnt serviert er Brutus das Glas, welches am Rand mit gefrorenem Zucker verziert ist. Chantal serviert er mit Gelassenheit ihren Jasmintee und mit einer tiefen Verbeugung, wo er mit seiner Stirn fast den Boden berührt, verlässt er den Raum, rückwärts schreitend. Voller Verzückung steht Ingo auf, hebt sein Glas und prostet Brutus zu. Brummer hebt ebenfalls das Glas und wartet. Chantal weiß nicht so recht, was sie tun soll und nippt an dem Tee, um sich dann genüsslich ihre Lippen anzulecken. Erfreut registiriert Ingo Lutz dies und stellt

Beide stürzen die Flüssigkeit in sich rein wobei sich zwei verschiedene Ergebnisse zeigen. Ingo Lutz schließt genießerisch die Augen und nimmt langsam wieder Platz, während Brutus Hals und Magen schier in Flammen zu stehen scheint. Mit hochroten Kopf nach Luft schnappend stürzt Brutus zum riesigen Panoramafenster um verzweifelt feststellen zu müssen, dass der Raum vollklimatisiert ist und daher das Fenster sich nicht öffnen lässt. Unter sichtlichen Höllenqualen röchelt er nach Wasser. Chantal blickt entsetzt mit ihren großen grünen Augen auf Ingo Lutz, der den Anfall von Brutus mit den Worten zur Kenntis nimmt: „Das wird schon wieder!“ Sprach es, klatscht in die Hände und der Kleinwüchsige erscheint mit einem Kübel Wasser, nimmt Brutus Kopf und taucht ihn mit unheimlicher Gewandtheit in den Wasserkübel. Dieses Prozedere wiederholt er fünfmal, um dann wieder schweigend den Raum zu verlassen. Brutus, der nun sichtlich nicht mehr in der Lage ist ein Interview zu führen, liegt halb komatös in seinem Stuhl. Ingo sagt nochalant zu Chantal: „Ich glaube, Brutus sollten wir für einige Zeit alleine lassen. Er hat Ruhe nötig.“ Nimmt die zierliche Rothaarige am Arm und geleitet sie ein Zimmer weiter mit den Worten: „Wir können ja unser Interview ja auch im Schlafzimmer machen, wenn es Ihnen keine Umstände bereitet...“


VE-News 06/2012