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ZAP3 Physiotherapie

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Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Osteoporose

Nicole Abbing (ZAP3 Physiotherapeutin) gibt Antwort auf wichtige Fragen...

Was genau ist Osteoporose? N. Abbing: Osteoporose ist eine Skeletterkrankung. Bei Osteoporose nimmt die Knochendichte ab und das Knochengewebe verschlechtert sich. Dies führt dazu, dass der Knochen poröser wird. Dadurch kann es zu Knochenbrüchen kommen, derer es bei dieser Erkrankung keiner größeren Traumata bedarf. Das heißt, häufig genügen kleine oder nur wenig spektakuläre Stürze oder geringe Belastungen, um eine Fraktur zu verursachen.

N. Abbing: Das erhöhte Risiko für Osteoporose bei einer familiären Vorbelastung kann man nicht nehmen. Jedoch kann man versuchen, durch regelmäßiges Muskeltraining die Belastbarkeit des Körpers und somit auch des Knochens aufzutrainieren. Dies kann helfen, das Entstehen der Osteoporose zeitlich hinauszuzögern. Auch kann ein Körper besser mit der Osteoporose und ihren Folgen umgehen, wenn er vorher schon adäquat belastet wurde.

Osteoporose ist also ein deutlicher Knochendichteverlust. Was bedeutet genau Knochendichteverlust? N. Abbing: Der eigentliche Knochendichteverlust gehört zu dem normalen Alterungsprozess eines Menschen. Dieser beginnt ca. ab dem 40. Lebensjahr. Ab diesem Zeitpunkt verliert der Mensch zwischen 0,3-0,5% an Knochendichte pro Jahr. Bei Patienten mit Osteoporose ist dieser Dichteverlust jedoch deutlich erhöht.

Und wenn ein Mensch bereits an Osteoporose erkrankt ist, mit welchen langfristigen Folgen muss man rechnen beziehungsweise wie sehen die Folgen einer solchen Erkrankung aus? N. Abbing: Häufig kommt es, wie bereits erwähnt, zu Frakturen speziell des Hüftkopfes, aber auch der Rippen und der Wirbelsäule. Solche Frakturen führen zum Teil zu einer massiven Verschlechterung der Lebensqualität. Durch Brüche an den Wirbelkörpern kann es zu schwerwiegenden Haltungsveränderungen kommen. Die Haltung sinkt ein und dadurch kann die Atmung erschwert werden.

Häufig fällt der Begriff Osteoporose in Verbindung mit Frauen. Sind denn auch Männer von dieser Erkrankung betroffen? N. Abbing: Nun, es ist schon richtig, dass Frauen von dieser Erkrankung häufiger betroffen sind als Männer. Dies hängt hauptsächlich mit der hormonellen Umstellung in der Menopause zusammen. Lassen Sie es mich verdeutlichen: Frauen verlieren ab der Menopause circa 3-5% der Knochendichte pro Jahr, im Vergleich zum Durchschnittswert von 0,3-0,5% ist das schon enorm. Frauen können somit zum Teil bis zu 40 oder gar 50% ihrer Knochendichte verlieren. Männer hingegen verlieren zwar auch an Knochendichte, aber mit 20-30% deutlich weniger. Laut einer Untersuchung aus dem Jahre 2009 liegt das Vorkommen dieser Erkrankung in der weiblichen Bevölkerung bei

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über Fünfzigjährigen bei 24%, bei Männern gleichen Alters ist das Vorkommen lediglich bei 6%. Es scheint, dass jede Frau ab fünfzig Jahren ein erhöhtes Risiko für Osteoporose hat. Gibt es sonst noch andere Risikofaktoren? N. Abbing: Je früher die Menopause bei einer Frau eintritt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit an Osteoporose zu erkranken. Aber auch ein zu geringes Körpergewicht, eine schlechte Ernährung, (insbesondere im Hinblick auf eine nicht hinreichende Einnahme von Calcium und Vitamin D), Rauchen, wenig Bewegung oder auch eine familiäre Vorbelastung können als Gründe genannt werden. Nun gibt es ja Menschen, die zum Beispiel Osteoporose in der Familie haben. Welche Möglichkeiten haben diese Menschen um das Risiko überhaupt Osteoporose zu bekommen zu mindern?

Sie sprachen von der Problematik der auftretenden Frakturen, wie steht es um die Verheilung solcher Knochenbrüche. N. Abbing: Die Verheilung ist auch eine wesentliche Problematik. Infolge von Osteoporose verläuft der Heilungsprozess deutlich schlechter im Vergleich zu Personen gleichen Alters ohne Osteoporose. Dies wiederum führt die Patienten in einen Teufelskreis. Denn bei schlechter Heilungstendenz kommt es automatisch zu einem Bewegungsdefizit, einhergehend mit Muskel- und Koordinationsverlust. Vor allem bei älteren Menschen führt dies zu einer großen Bewegungsunsicherheit mit erhöhtem Sturzrisiko.

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