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Special

Übersteigt das wahrgenommene Anspruchsniveau der Umgebung den eigenen Ehrgeiz, wirkt dieses Missverhältnis als Druck. Auch hier offenbart die Lücke eine mögliche Ursache dafür, dass Sie Ihre Lebensqualität als eingeschränkt empfinden. GAP 3: „Entsprechen Sie den Erwartungen, die Sie an sich selbst haben?“ Diese Lücke offenbart die Diskrepanz zwischen Ihrem Eigenanspruch an sich selbst und dem eigenen Charakter bzw. der eigenen Persönlichkeit. Die Unzufriedenheit mit sich selbst wiegt schwer auf die Lebensqualität. Selbst gesteckte Ziele werden nicht erreicht, der Blick in den Spiegel oder auf die Anzeige der Waage führt zu Frustration. „Älter werden“, der Verlust an Leistungskraft und Attraktivität, kann im Verhältnis zum Eigenanspruch negativ auf die Lebensqualität wirken. Spiritualität wiederum kann den eigenen Charakter fortwährend prüfen und stärken, wodurch Charakter und Persönlichkeit soweit in Einklang gelangen, dass Sie sagen können: ich kann mit mir zufrieden sein! GAP 4: „Sind Sie der, der Sie vorgeben zu sein?“ Diese Lücke enthüllt die Diskrepanz zwischen Ihrem Charakter und Ihrer eigenen Außendarstellung. Im engeren Sinne definiert „Charakter“ die innewohnenden menschlichen Eigenschaften. Persönlichkeit definiert sich durch die Wahrnehmung der Außenwelt. Stimmen Charakter und Persönlichkeit überein, wird auch von „wahrer Persönlichkeit“ gesprochen. Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, Sie müssten immerzu jemanden darstellen, der Sie gar nicht sind. Ein Schauspielerdasein im täglichen Leben ist der Lebensqualität bestimmt nicht zuträglich. Dabei wirkt „Schein statt Sein“ nicht nur auf die wahrgenommene Persönlichkeit, sondern auch darauf, was Ihr Umfeld tatsächlich von Ihnen erwartet. Die Aufrechterhaltung eines Trugbildes von sich selbst stört die Authentizität der eigenen Persönlichkeit, trübt den wahren Charakter und ruiniert die Lebensqualität.

GAP 5: „Erfüllen Sie die Erwartungen Ihrer Umwelt?“ Diese Lücke zeigt die Diskrepanz zwischen dem, was Ihre Umwelt von Ihnen erwartet, und dem, was von Ihnen wahrgenommen wird. Je größer diese Lücke, desto höher der negative Einfluss auf die Lebensqualität, denn: natürlich möchten Sie dem entsprechen, was die Menschen von Ihnen erwarten. Es ist eine Lebenslüge, wenn Sie die Bedeutung von Akzeptanz, Respekt und Anerkennung von der Hand weisen. „Ist mir doch egal, was die anderen von mir denken“. Ist es eben nicht! Das Gefühl, verkannt zu werden, wirkt wesentlich auf die eigene Befindlichkeit.

Was lehrt uns dieses Modell? Kann es der Einsicht dienen?

Wir alle selbst, individuell und aus uns selbst heraus, im Kontext unserer Umwelt und anhand mehrerer, im Zeitablauf veränderlicher Aspekte, interpretieren unser Dasein als hohe oder niedrige Lebensqualität. Das „Modell der Lebensqualität“ zeigt: Lebensqualität ist eine subjektive Einschätzung der eigenen Persönlichkeit, Leistungsfähigkeit und

Befindlichkeit, die erst in relativer Hinsicht zu den Erwartungen an sich selbst, zu den Erwartungen von Außen und zur eigenen Selbstdarstellung als gut oder schlecht beurteilt wird. Die Größe der Lücken in diesem „GAP Modell der persönlichen Lebensqualität“ offenbaren Relationen, die mehr („schlecht“) oder weniger („gut“) aus dem Gleichgewicht geraten sind. Soll dieses Gleichgewicht wieder hergestellt werden, müssen die offenbarten Lücken geschlossen werden. Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass eine Anpassung stets aus zwei Richtungen erfolgen kann: von der Umwelt ausgehend oder von sich selbst ausgehend. Sicherlich schwieriger ist es, die Umgebungsbedingungen an sich anzupassen. Im Extremfall kann man sich bestimmten Umgebungsbedingungen gänzlich entziehen – den Job wechseln oder Freundes- und Beziehungskreise verändern. Einfacher ist es, von sich selbst auszugehen. Die Anpassung der endogenen Faktoren obliegt der eigenen Einflussmöglichkeit: man kann die Interpretation seiner Umgebungseinflüsse verändern (Wahrnehmung), seinen Ehrgeiz (Erwartung an sich selbst), sein Auftreten (Außendarstellung) und direkt an seiner Leistungsfähigkeit arbeiten (körperliches und geistiges Training). Lebensqualität ist folglich auch eine Frage der psychophysischen Anpassungsfähigkeit, also abhängig von Vitalität, Selbstbestimmtheit und Willenskraft. Einen ganz praktischen Beleg dafür, wie sehr Lebensqualität eine subjektive Wahrnehmung ist, die ganz primär aus der eigenen Persönlichkeit heraus entsteht, lieferte mir der Autor unseres Beitrags „geht nicht, gibt´s nicht – von Trondheim nach Oslo (540km) im Handbike“ (siehe RC Premium Sonderausgabe III/2011, S. 20ff.). Als ich Errol Marklein im Angesicht dieses Beitrags anrief und fragte, wie er seine Lebensqualität einschätzt, kam die Antwort ganz spontan: „sehr sehr hoch!“. Errol ist nach einem fremdverschuldeten Autounfall seit seinem 18. Lebensjahr ein nach eigenem Bekunden „glücklicher Rollstuhlfahrer…“!

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RC Premium III/2012  

Das Racket Center Magazin

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