Page 40

iM interVieW

40

Foto: TTS GmbH

überragender Bildungsbeitrag meines Erachtens völlig außer Frage!

„Nicht das Ziel bestimmt die Handlung, sondern das Ziel liegt in der Handlung“

Sportpsychologe Prof. Dr. Hans Eberspächer im persönlichen Gespräch

Die Bertelsmann Stiftung hat die Lernbedingungen in unserem Lande untersucht. Dabei fanden auch persönliche und soziale Aspekte des Lernens Berücksichtigung. Wird damit indirekt auch sportlichen Ausbildungen mehr Stellenwert eingeräumt? Prof. EBERSPÄCHER: Natürlich ist es zu begrüßen, dass der plakativen Darstellung des „Deutschen Lernatlas“ auch die Bedingungen für das soziale und das persönliche Lernen zugrunde gelegt werden. Die Folgerung daraus müsste dann aber lauten, die Bildungsförderung darauf auszurichten. Ob das geschieht, kann ich in Bezug auf Sport ganz gut beurteilen – und da muss ich sagen: der Stellenwert des Sportunterrichts an den Schulen lässt nicht erkennen, dass großen Wert darauf gelegt wird, die Potenziale das Sports gerade in der sozialen und persönlichen Bildung zu nutzen – von Gesundheitsförderung ganz zu schweigen! Sportunterricht ist nach wie vor ein Stiefkind der Bildung!

40

Welche Voraussetzungen müssten denn gegeben sein, damit der Bildungsbeitrag des Sports zunehmend Anerkennung findet? Prof. EBERSPÄCHER: Zunächst bedarf es nach wie vor mehr Einsicht in die Tatsache, dass eine sportliche Ausbildung insbesondere im Kindes- und Jugendalter zwei wesentliche Aspekte beinhaltet: erstens die Gesundheitsförderung, zweitens die Leistungsförderung. Dabei liegt der Leistungsförderung im Sport ein Prinzip zugrunde, mit dem ich mich intensiv beschäftige: wie lassen sich Sachkompetenz, soziale Kompetenz und Selbstkompetenz zu einer umfassenden Handlungskompetenz zusammenführen? Es geht also entscheidend um die Frage, wie man auch unter schwierigsten Problemsituationen in der Lage ist, zielführende Lösungen zu finden bzw. zu entwickeln. Wenn Ausbildungen im Sport auf diese umfassende Handlungskompetenz abzielen, dann steht deren

Das klingt nun aber nicht nur nach Sport und sportlicher Leistung, sondern nach mehr…? Prof. EBERSPÄCHER: …genau das ist der Punkt. Lassen Sie uns aber zunächst beim Sport bleiben. Gerade im Sport wird in zunehmendem Maße anerkannt, dass neben den technisch-taktischen Fähigkeiten auch die Kompetenz im Umgang mit sich selbst und mit anderen die Leistung und den Erfolg beeinflusst. Und jetzt denken Sie mal an andere herausfordernde Situationen: an Prüfungen in der Schule oder an der Universität, an gefährliche Situationen im Straßenverkehr, wenn Sie eine Rede vor vielen Menschen halten müssen oder auch nur einer einzigen Person gegenüber treten, die sie für sich einnehmen möchten. Hier bedarf es einer umfassenden Handlungskompetenz – im Beruf, im Alltag und auch im Privaten. Stellen Sie sich vor, Sie stehen ihrer Traumfrau gegenüber und kriegen keinen vernünftigen Satz zustande… Zugegeben – kein unbekanntes Phänomen. Auch hier kann mir der Sport helfen…? Prof. EBERSPÄCHER (lacht): im weitesten Sinne bestimmt – durch folgende Logik: Training! Und wenn Sie an Training denken, ist die erste Assoziation: Sport! Sport und Training sind unmittelbar miteinander verknüpft. Um sportliche Leistungen zu erbringen, muss man konsequent trainieren, also technische Abläufe perfektionieren, taktische Muster üben und sich in eine hervorragende körperliche Verfassung bringen. Und dann muss die Leistung im Wettkampf umgesetzt werden. Es geht also darum, das eigene Leistungsvermögen optimal zu entwickeln und genau dann abzurufen, wenn es darauf ankommt: in einer Wettbewerbssituation. Menschliche Fähigkeiten zu fördern, um Situationen gerade auch außerhalb der üblichen Routine zu bewältigen, muss genauso Inhalt einer Ausbildung sein wie der Erwerb z.B. von Wissen oder Techniken. »

Profile for GSM mbH

RC Premium I/2012  

das Racket Center Magazin und offizielle Turniermagazin zum MLP-Cup 2012

RC Premium I/2012  

das Racket Center Magazin und offizielle Turniermagazin zum MLP-Cup 2012

Profile for gsm_mbh
Advertisement