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THERAPEUTISCHER RAT

Die Angst zu stürzen, und was sich dagegen tun lässt von Cedric Bender

A

m Wochenende vor drei Wochen stürzte Frau Meyer beim Einkaufen mit ihrem Mann über einen Bordstein. Bis auf ein paar blaue Flecken ist ihr auf den ersten Blick nichts anzumerken. Deutlich schwerwiegender für Frau Meyer ist die Sturzangst, die aus einem solchen Ereignis resultieren kann. Tatsächlich fällt dem näheren Umfeld von Frau Meyer auf, dass sie seit dem Sturzereignis nur noch selten aus dem Haus geht.

zu stürzen. Insgesamt kann man der Arbeit entnehmen, dass von den Frauen 14,4 % entweder sehr viel (5,9 %) oder häufiger (8,5 %) Sturzangst angeben. Insgesamt 6,2 % der Männer gaben an, häufiger (4,4 %) oder sehr viel (1,8 %) an Sturzangst zu leiden. Je höher das Alter der Probanden, umso höher die Sturzangst. Die Daten zur Häufigkeit innerhalb eines Jahres in anderen Ländern schwanken in der Literatur zwischen 20 und 50 %4,5.

Wie Frau Meyer, geht es in unserer heutigen Zeit sehr vielen Menschen. In einer Arbeit des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 20121 wurden 2049 Zuhause lebende Personen im Alter von 65 bis 79 Jahren aus 180 Untersuchungsorten in Deutschland auf die Sturzhäufigkeit und die Sturzangst untersucht. Dabei stellte man fest, dass aus dieser Stichprobe in den letzten 12 Monaten 20,9 % (n=406) mindestens einmal gestürzt sind. In den Vereinigten Staaten stürzt sogar zirka ein Drittel der über 65-Jährigen selbständig lebenden Menschen einmal im Jahr, bei den über 80-Jährigen steigt der Anteil auf über 50 %2,3. Die Probanden wurden auch gefragt, ob sie Angst hätten

Solch ein Szenario, wie das Beispiel von Frau Meyer, kann der Anfang einer Abwärtsspirale sein. Viele Betroffene mit einem Sturz in der Vergangenheit oder der Angst eines zukünftigen, verlieren das Vertrauen in ihre motorischen Fähigkeiten. Dadurch kann ein Vermeidungsverhalten („lieber nicht mehr so oft vor die Tür gehen“) entstehen, was zu einer erhöhten Immobilität führt. Nicht außer Betracht gelassen werden sollten die Einbußen an möglichen Teilnahmen von gesellschaftlichen Aktivitäten und die Durchführung von Hobbies. Dies kann zu einer zunehmenden sozialen Isolation und schließlich zu einer Reduzierung der Lebensqualität führen.

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