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zu einer unkontrollierten Proliferation führen. Unkontrollierte Proliferationen führen zur Bildung eines Tumors. Diese Erklärung macht verständlich: Krebs ist eine typische Alterserkrankung – noch viel mehr die Alzheimer-Demenz. Sie ist auf Ablagerungen von Eiweißen (so genannter „Beta-Amyloidpeptide“) zurückzuführen, die Neuronen schädigen und damit ganze Hirnregionen beeinträchtigen. Was erschreckend klingt: Beide Krankheiten sind unumgänglich. Sie treffen jeden Menschen zwangsläufig – sofern er nur alt genug wird! Nun entwickelt die Biologie zunehmend eine Vorstellung davon, warum Organismen überhaupt altern. Mehr und mehr Wissen über die molekularen Ursachen des Alterns werden zutage gefördert. Und dennoch ist die Pille für ein langes Leben noch nicht gefunden. Die Zufuhr von Blutplasma junger Menschen an Demenzpatienten, Kuren mit Resveratol, die Verabreichung von Rapamycon – keines dieser Verfahren und (vermeintlicher Hoffnungs- oder Wunder-)Mittel konnte bislang überzeugende empirische Befunde in Studien mit Menschen liefern. Trotzdem sind so manche Wissenschaftler mit der festen Überzeugung beseelt, die Wege zum ewigen Leben zu kennen. Und sie schreiten diese Wege munter voran, arbeiten an Zelltherapien gegen den Zellabbau im Gehirn, beschäftigen sich mit Zelltransplantation und forschen an Techniken zur Veränderung des Erbguts durch Gentherapie. Wenn man kaputte Gene wieder herstellt, Zellabbauprodukte beseitigt und verbrauchtes Baumaterial ersetzt, könnte man eben nicht nur Krankheiten heilen, sondern gar das Altern stoppen – so lautet die Theorie. Unabhängig davon, ob das funktioniert - wann und mit welchen Nebenwirkungen - sei an dieser Stelle einfach mal so eine philosophische Frage dahingestellt: In welchem Alter würden Sie sich wünschen, den Alterungsprozess anzuhalten? Mit 20, 30 oder 50 Jahren?

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Die Suche nach der Antwort auf diese Frage soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass nicht alles sein darf oder nicht alles sein muss, was sein kann – oder könnte. Immerhin hat Google ein eigenständiges Unternehmen gegründet (Firmenname „Calico“), das unzählige Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen beschäftigt, um das menschliche Leben zu verlängern – vielleicht bis hin zur Ewigkeit. So zumindest das erklärte Ziel. Kehren wir zurück zu dem, was wir wissen. Die Verlängerung der absoluten Lebensspanne ist fraglich – die Verlängerung der Gesundheitsspanne jedoch unbestritten möglich und an der demografischen Entwicklung ablesbar. „75 ist das neue 65“, so titelt die RNZ vom 16.12.2015, S.15. Ein Indiz für die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens und die Bedeutung der Lebensumstände ist die Tatsache, dass in den zehn Jahren zwischen Deutscher Einheit und Jahrtausendwende in den neuen Bundesländern die durchschnittliche Lebenserwartung um vier Jahre gestiegen ist. Was hinsichtlich des persönlichen Lebensstils am stärksten auf die Gesundheitsspanne wirkt, sind Ernährung, Bewegung und Stress. Die Verringerung der Kalorienzufuhr in unserer übersättigten Zivilgesellschaft zeigt eindeutige positive gesundheitliche Wirkungen für das Individuum. Vergleichsstudien bei Ratten ergaben: Eine Kalorienreduktion wirkt signifikant lebensverlängernd. Davon kann auch beim Menschen ausgegangen werden. Besondere Bedeutung kommt der Bewegung zu. Muskelaktivität schüttet unzählige Botenstoffe aus, deren positive Wirkungen in belastbaren Studien hinreichend belegt sind. Was beim Menschen nach wie vor unterschätzt wird, sind die gesundheitsbeeinträchtigenden und wohl auch lebensverkürzenden Konsequenzen von negativem Stress. Wichtig ist dabei besonders das Freisein von Zukunftsängsten.

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