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rz 2013 AUSGABE Mä

2 N Ü R G L D STA DT O P O E L E N Ü GR

Dieses Heft ist entstanden unter dem Eindruck, dass eine deutsche Journalistin endlich einen ihrer wahrscheinlich vielen erlittenen Übergriffe in einem Artikel über einen honorigen Politiker veröffentlichte. Nein, es gab keinen Aufschrei über diesen alten geifernden Mann, sondern eine Diskussion über das Opfer. Sie würde nur versuchen sich in die Öffentlichkeit zu drängen, bitte soll sie sich doch wehren, was geht’s uns an? Und Herrn Brüderle wurde sofort von seinesgleichen an die Seite gesprungen und verteidigt. Aber da passierte etwas Ungeheuerliches. Nein, diesmal wurde die Journalistin nicht

© gaj

WAS WIR WOLLEN verdammt. Es entstanden große Solidaritätswellen. Auf Twitter z.B. wurde eine Gruppe namens „Aufschrei“ gegründet, in der sämtliche Frauen von den kleinen und großen Übergriffen und täglichen Demütigungen berichteten. Es passiert etwas, nämlich: WIR HABEN ES SATT! Und wir solidarisieren uns endlich. Jeder Frau passieren tagtäglich ungeheuerliche Dinge. Meistens bemerken wir sie gar nicht mehr. Trotzdem bleiben sie eine Schweinerei. Die Dominanz der Männer wollen wir uns nicht mehr gefallen lassen. Wir wollen nicht mehr – obwohl in der Mehrzahl – der Minderheit folgen. Wir

haben unsere Vorstellung von der Welt, und einen Teil davon wollen wir in diesem Heft darstellen. Manchmal haben unsere Visionen etwas mit der männlichen Welt zu tun und manchmal nicht. Aber es sind unsere Gedanken und wir hoffen, dass wir stärker werden, dass wir unsere Sicht der Welt immer mehr umsetzen. Und das wird vielleicht ein ziemlicher Spaß, denn schon Johanna Dohnal sagte: „Gemeinsam sind wir unausstehlich!“

MI., 13. MÄRZ 2013, 18.30 – 20.00 UHR Grünes Jour Fixe mit Bundesrat Marco Schreuder Marco Schreuder ist Grüner Sprecher für Netzpolitik sowie für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transgendern. Was macht der Bundesrat eigentlich?

Kann man ihn abschaffen? Wieso wollen Lesben und Schwule adoptieren? Ist das auch im Sinne des Kindeswohls? Und warum ist Privatsphäre und Neutralität im Internet wichtig? Auf diese – und alle anderen Fragen – gibt Marco Schreuder gerne Antwort.

à WIR WOLLEN:

HY!

SMASH PATRIARC

TERMINE FR., 8. MÄRZ, INTERNATIONALER FRAUENTAG Ein Fest für Waltraud Barton, Frau des Jahres 2013 Die Grünen ehren die Frau des Jahres und laden herzlich zur Preisverleihung ein! Näheres siehe Seite 8.


© Martin Juen

© Uschi Lichtenberger

FRAUEN

Es ist eine Schande, noch immer gibt es keine Lohngleichheit für Frauen. Wir Frauen fordern, Arbeit, Zeit und Geld gerecht zu verteilen! Smash Sexism. Die Lifestyle-Kultur setzt in Werbung und Medien Sex bewusst ein. Auf Twitter solidarisierten sich Frauen nach einem Übergriff und sagen, wir haben es satt. Von den Autorinnen der Zeitung wird Respekt im Alltag und in der Werbung eingefordert. Seit 2002 ehren die Grünen Leopoldstadt am Internationalen Frauentag eine Frau – stellvertretend für die vielen Frauen der Zivilgesellschaft, die Enormes für die Gesellschaft leisten und dafür kaum Anerkennung erhalten. Heuer bitten wir Waltraud Barton vor den Vorhang! Sie gründete den Verein IM-MER zum Gedenken an die 13.500 österreichischen Opfer der Shoa, überwiegend Frauen, die in Maly Trostinec und Minsk ermordet wurden. Ich lade Sie herzlich ein, feiern Sie mit uns am 8. März die Frau des Jahres, Waltraud Barton!

Uschi Lichtenegger E-Mail: uschi. lichtenegger@gruene.at Telefon: 0650 616 1313

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WIR FRAUEN MÜSSEN ANS GELD DENKEN UND BEIM EROBERN DER WELT DARAUF BESTEHEN, DIE DIE AUFGABEN NEU ZU VERTEILEN! Österreich ist ein feministisches Entwicklungsland. Das bestätigen alle Gleichstellungs-Rankings. Die bisher gesetzten Schritte für mehr Gleichstellung zwischen Frauen und Männern sind nicht genug. Manche Forderungen, wie etwa Lohngleichheit, sind seit über 100 Jahren unerfüllt. Die Welt funktioniert immer noch gleich: Frauen leisten, global gesehen, zwei Drittel der Arbeit, verfügen aber nur über 10 % des Einkommens und besitzen 1 % des Vermögens! In den Führungsebenen gibt es noch immer kaum Frauen. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung verdienen Frauen in Österreich durchschnittlich 24 % weniger. Auch im 21. Jahrhundert erledigen Frauen zwei Drittel der unbezahlten Familien- und Hausarbeit. Frauen federn damit die Probleme ab, die die Gesellschaft zu lösen versäumt hat. Je mehr unbezahlte Arbeit verrichtet wird, desto weniger Zeit bleibt für Erwerbsarbeit und Freizeit. Für gesellschaftliche Teilhabe braucht es frei verfügbare Zeitressourcen! Wir müssen die Aufgaben zwischen Männern und Frauen neu verteilen, statt uns immer zusätzliche aufzuhalsen. Die Aufteilung der Haus- und Pflegearbeit ist keine reine Privatangelegenheit, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Während Frauen nach der Hälfte der Welt greifen, lassen Männer leider immer noch aus, nach der Hälfte der Hausarbeit zu greifen. Gleichstellung ist

GRÜN 2 – März 2013

© Martin Juen

SEHR GEEHRTE LESERINNEN & LESER

aber keine Sache, die wir Frauen untereinander ausmachen müssen. Es ist die Aufgabe der Politik, an den zahlreichen Schrauben zu drehen, damit die Rahmenbedingungen für Frauen und Männer gleich werden. Über unbezahlte Arbeit kann nicht ohne die bezahlte Arbeit geredet werden. Erwerbsarbeit muss neu bewertet werden, damit Fraueneinkommen steigen. Es ist nicht genug!

GERECHTE N ARBEIT, ZEIT VERTEILUNG VO UND GELD!

à WIR WOLLEN EINE

¢ Martina Wurzer

Gemeinderätin der Grünen Wien mit den Arbeitsschwerpunkten Frauen und Bildung


PLATZ ZUM ATMEN

Die Grünen Wien stehen für eine Vision: Jedes Kind soll vor seiner Haustür spielen können. Das gab es schon einmal. Nämlich vor rund 100 Jahren. Damals hatten die Autos noch nicht den höchsten Stellenwert in unserer Gesellschaft. Sie mussten sich durch ein allgemeines Gewusel an Verkehrsteilnehmern und -teilnehmerinnen durchgfretten. Den Rechtsverkehr, den Schilderwald, die Ampellandschaft, das alles haben wir dem Autoverkehr zu verdanken. Die Straße ist zu 80 % dem Auto gewidmet. Die RadfahrerInnen, die FußgängerInnen bewegen sich an Hausmauern bescheiden fort. Aber wenn wir ins Auto steigen, dann kommen wir ganz locker durch die engsten Gassen. Mit dem Rad habe ich manchmal größere Schwierigkeiten meinen Weg zu finden,

ohne straffällig zu werden. Für das Auto jedoch ist alles freigemacht. Freie Fahrt voraus! Unsere Lebensqualität haben wir unserem Autowahn geopfert. Damit wir schnell durch die Stadt brausen können, sperren wir unsere Kinder weg und nehmen sogar Tote in Kauf. Dabei ist in Wien alles ohne Auto super erreichbar. Und zur Not gibt’s auch noch Car Sharing. Aber vor allem das Rad! – denn das Radfahren ist „geil“! ¢Ulrike Böhmdorfer

TOS RAUS UND LEBENSAUS DER STADT S ALLE! QUALITÄT FÜR UN

à WIR WOLLEN AU

GEHÖRT DEN AUTOS DER ÖFFENTLICHE RAUM? Die erste Frage der Volksbefragung in Wien im März 2013 dreht sich um die Parkraumbewirtschaftung. Es sollen von Parkdruck geplagte Gebiete entlastet und mehr Lebensqualität erreicht werden. Bei der Ausweitung des Parkpickerls wurde jedoch die Kompetenzaufteilung und der sogenannte „Ausweitungs-Fleckerlteppich“ kritisiert. Der Punkt ist nun Gegenstand der Volksbefragung: Wie soll die Parkplatzsituation und Lebensqualität für Bezirksbewohner/innen verbessert werden? à A. Es sollen für jeden Wiener Bezirk Parkraumregelungen eingeführt werden. à B. Es soll Lösungen für einzelne Bezirke geben (mit Berücksichtigung der Interessen der Nachbarbezirke)

A. Variante A stellt für alle politischen AkteurInnen in Stadt und Bezirk einen klaren Auftrag dar: Dort, wo Parkplatznot herrscht, sollen Regelungen zur Parkraumbewirtschaftung eingeführt werden. B. Diese Variante entspricht dem heutigen Status Quo. Es bleibt den BezirksvorsteherInnen überlassen, aktiv zu werden. Eine nachhaltige Mobilitätswende setzt eine wienweite Parkraumregulierung, mehr Platz für den Radverkehr und den Ausbau der Öffis voraus – die Jahreskarte um 365 Euro war ein erster Schritt.

EHRSLENE WIE DAS NDE INSTRUMENT

à WIR WOLLEN VERK KE PARKPICKERL!

GRÜN 2 – März 2013

© Grüne

© Martin Juen

AUTOFREIE STADT

ULRIKE LUNACEK ZUR VIZEPRÄSIDENTIN DER GRÜNE/EFA-FRAKTION IM EUROPAPARLAMENT GEWÄHLT

Die Grüne-Fraktion im Europaparlament in Straßburg hat Anfang Februar 2013 die Delegationsleiterin der österreichischen Grünen, Ulrike Lunacek, zur Vizepräsidentin gewählt. Knapp eineinhalb Jahre vor den nächsten Europawahlen ist die Bestellung Ulrike Lunaceks in den Fraktionsvorsitz ein Signal für die europaweite Zusammenarbeit aller Grün-Parteien. Ulrike Lunacek kann auf 16 Jahre Erfahrung in der Europäischen Grünpartei (EGP) zurück greifen. Von 2006 bis 2009 war sie EGP-Vorsitzende und hat in dieser Funktion maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen gesamteuropäischen Wahlkampagne der Grünen 2009 mit den meisten Grünen Europaabgeordneten und der Etablierung des Grünen New Deal als wegweisendem Zukunftsprogramm gehabt. Große Bedeutung hat die Wahl von Ulrike Lunacek durch ihre Vernetzung mit Grünen Parteien und der Zivilgesellschaft in Ost- und Südosteuropa. „Die Wahl ist Bestätigung und Anerkennung für das schon vor ihrer Zeit als EU-Abgeordnete ausgeprägte europapolitische Grün-Profil von Ulrike Lunacek“, freut sich Eva Glawischnig, Bundessprecherin der Grünen, über die Entscheidung der Grünen Kolleginnen und Kollegen im Europaparlament. Wir gratulieren der Leopoldstädterin und Vizepräsidentin Ulrike Lunacek sehr herzlich und wünschen ihr viel Kraft für die neue Herausforderung!

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ÖFFENTLICHER RAUM

Wienerinnenplatz Den 52% Frauen gewidmet, die Wien beleben

FREIE MITTE – VIELSEITIGER RAND

Die Grünen Frauen Wien

Die Wiener Bevölkerung besteht zu 53 % aus Frauen. In der „kollektiven Erinnerung“ im öffentlichen Raum, also als Straßenname oder Denkmal, tauchen Frauen aber nur selten auf. Nur 3 % der Benennungen erinnern in Wien an Frauen, 40 % hingegen an Männer. Frauen haben die Gesellschaft immer schon mitgestaltet. Sie prägten und prägen als Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Lehrerinnen, Geschäftsfrauen... das gesellschaftliche Leben – doch nur wer erwähnt wird, wird auch erinnert!

GERECHTE à WIR WOLLEN EINE NENNUNG BE AUFTEILUNG DER RAUMS UND ES DES ÖFFENTLICH NANNTEN FORDERN NEU BE FLÄCHENBEZEICH STRASSEN- UND BE UM MÖGLICHE NUNGEN SOWIE EN AB SOFORT LL NENNUNGEN SO ERTE FRAUEN AN BEMERKENSW ERINNERN! UND IHRE WERKE

SPRECHSTUNDEN der Grünen BezirksrätInnen jeden Mittwoch, 17 bis 19 Uhr im Grün2 in der Novaragasse 7, 1020 Wien und nach telefonischer Voranmeldung unter 0676 898 400 202. Für Ihre Anliegen nehmen wir uns Zeit!

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Am Nordbahnhof/Innstraße-Siegerprojekt sieht StudioVlay eine dichte Randbebauung vor, die weitläufigen Freiraum in der Mitte des Planungsgebietes bekränzen wird, was allerdings mit einer Verknüpfung mit den benachbarten Gründerzeitvierteln verbunden ist. Für die BewohnerInnen dieses Grätzls ist das ein sensationeller Anstieg ihrer Lebensqualität. Eine Perspektive der Taborstraße entlang, vom Donaukanal zur Donau, der Gleisstraße folgend zu Praterstern und Prater. Die aktiven BürgerInnen werden letztendlich mitgestalten und entscheiden, was aus diesen einzigartigen Möglichkeiten

© Planzeichnung: StudioVlay

Straßennamen dienen nicht nur dazu, dass wir uns in der Stadt zurechtfinden. Sie erzählen auch Geschichten. Geschichten von den Menschen, die einst hier gelebt und gearbeitet haben, die wichtige, aktive Mitglieder der Gesellschaft waren. Straßennamen sind Teil unser aller Identität.

Die letzte Bebauungsphase am Nordbahnhof bietet die einmalige Chance, im Areal eine Durchlässigkeit herzustellen, die an der Lassalle- und Walcherstraße unterwegs verloren gegangen ist. rund um „central park“ und Wasserturm wird. Dieser zukunftsreiche Ort am Nordbahnhof ist wie geschaffen für ein weiteres Wiener Frauenwohnprojekt. Gerade alleinstehende Frauen mit Kindern sollten in entspannter Nachbarschaft ideale Bedingungen zur Alltagsbewältigung finden. Sie sollten die Möglichkeit haben, sich schon frühzeitig partizipatorisch einbringen zu können. ¢ Brigitte Redl-Manhartsberger

FRAUENRDBAHNHOF. PROJEKT AM NO

à WIR WOLLEN EIN

ASPHALTBLÜTEN Der Asphalt ist ein hartes Pflaster, aber die „Kreativarbeiterinnen“ der Leopoldstadt zeigen sich unbeeindruckt von allen Widernissen! Plätze und Straße sind das Operationsfeld ihrer engagierten „Urban Practitioner“. Reclaim YOUR Strasse! war das Motto der 50. Ausgabe von „derive“. Zeitschrift für Stadtforschung. Die aktionsfreudige Redaktion lud zur „asphalttauglichen Fabulierlust“ beim Speakers Corner am Fluc Vorplatz. Angefeuert von Elke Rauth durfte 10 bis 15 Minuten „Streetwise-Credibility“ erprobt werden. Ein anderer Kampf um Sichtbarkeit im öffentlichen Raum findet hinter der Schaufensterfront der Künstlergruppe Steinbrenner/Dempf statt. Ihr Studio in den Räumen eines ehemaligen Bettwarengeschäfts in der Glockengasse ist

GRÜN 2 – März 2013

© Brigitte Redl-Manhartsberger

Eine Hommage an bedeutende Persönlichkeiten – die Wiener Frauen.

nicht wie bisher in eine „Wandzeitung“ gehüllt. Barbara Holub und Folke Köbberling widmen ihre Wandzeitung #13 dem Thema „urbanistisches Ballett des Urban Practitioner“. Eine dekonstruierte Schaufensterpuppe entledigt sich ihrer Dekorationsdienstleistung und entpuppt sich als explosiver Blickfang an einer e e Bushaltestelle. us a teste e.

NDIGKEIT T IM ÖFFENTUND KREATIVITÄ PHALT SOLL LICHEN RAUM. AS ADT! BLÜHEN IN DER ST

à WIR WOLLEN LEBE


ÖFFENTLICHER RAUM

Als Kind wurde mir von meinen Eltern eingetrichtert, ja nicht am Praterstern zu verweilen. „Nicht hinschauen, zügig weitergehen und sich nicht ansprechen lassen.“ Ich habe es damals beherzigt und hörte mit Schaudern Geschichten zu, die von verfolgten Schulfreundinnen erzählten, Menschen, die in Mistkübeln Essen suchten, dunklen Gängen und gefährlichen Ecken. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob die Vorsicht gerechtfertigt war. Heute ist der Praterstern sicherer. Das können wir sagen. Er ist vor allem zubetoniert. Pflanzen sind – wahrscheinlich zu unser aller Schutz – in Eisenkäfige gebannt, wo sie ein kärgliches Dasein fristen. Zwei übriggebliebene Straßenbahnen kreuzen den Platz großzügigerweise zweimal. MitarbeiterInnen des Mobilen Sozialen Dienstes SAM ziehen ihre Runden und versuchen den gestrandeten Menschen zu helfen.

© Martin Juen

PRATERSTERN: GEHEN SIE WEITER, BITTE KEINEN KONTAKT! Ein Ort der Begegnung ist er mit dem Umbau jedenfalls wieder nicht geworden. Viel Geld wurde in die Hand genommen und herausgekommen ist viel Beton und wenig Aufenthaltsqualität. Im Bahnhof gibt es überhaupt keine Sitzmöglichkeiten. Die wenigen, die es auf den Bahnsteigen gibt, sind nicht zum Sitzen gedacht, weil sie die Körperwärme nicht annehmen und eiskalt bleiben. (Schauen Sie einmal, wie wenige Menschen sich hinsetzen.) WAS WIR WOLLEN: Menschenwürdige Platzgestaltung, Bänke, die zum Sitzen einladen, aus Materialien, die unsere Gesundheit nicht gefährden, großzügige Begrünung der Arkaden und die Einbeziehung des Tegetthoff-Denkmals. ¢ Ulrike Böhmdorfer

PRATERSTERN GEGNUNG! ALS ORT DER BE

à WIR WOLLEN DEN

ANTONIPARK GEGEN PRATERSTERN 1:0 Am Praterstern hat man penibel darauf geachtet, dass sich niemand wohl fühlt. Niemand wird zum Verweilen eingeladen. Die Menschen, die sich dort dennoch treffen, werden problematisiert. Wenn sie müde werden, sitzen sie in dunklen Ecken auf dem Boden. Eine Schande!

NDLICHE UME! ÖFFENTLICHE RÄ

à WIR WOLLEN FREU

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© Uschi Lichtenegger

In Hamburg gibt es einen Platz direkt am Hafen, der fasziniert. Ursprünglich wollte man den Platz mit einem teuren Wohnhaus (Blick auf den Hafen) bebauen. Die Bevölkerung wehrte sich und der Platz wurde mit Unterstützung der Grünen realisiert. Eine Herausforderung waren Menschen mit Tagesfreizeit, die oft den leeren Platz besetzten. Anstatt sie – wie am Praterstern – wegzudrängen und sie zu problematisieren, schuf man in Hamburg viele Sitzgelegenheiten, Grünflächen zum Hinlegen, Sitzgruppen zum Verweilen. Ein Ort der Begegnung, an dem sich mittlerweile seit sechs Jahren alle unterschiedlichen Menschen der Umgebung treffen und abchillen.

Rund um den Internationalen Frauentag 8. März präsentieren die Grünen Frauen Frauenwege mit LILA STRASSENSCHILDERN. Sie erinnern an großartige Frauen, die in Wien und in der Leopoldstadt gelebt und gearbeitet haben. In zwei Grätzln im 2. werden für diesen Zeitraum Straßen symbolisch nach Frauen umbenannt. à Selma-Steinmetz-Straße (Arnezhoferstraße). 1907 – 1979. Widerstandskämpferin bis zu ihrer Verhaftung; wurde vor der Deportation nach Auschwitz befreit. Erste Bibliothekarin des DÖW. à Gisela-Herrnstadt-Straße (Wolfgang-Schmälzl-Gasse). 1916 – 1998. Geb. Steinmetz, 1937 Krankenschwester bei den Internationalen Brigaden in Spanien. Widerstandskämpferin in Frankreich und Belgien. Literaturwissenschafterin. à Claudia-Dietl-Straße (Mumbgasse). 1959 – 2011. Architektin. Aktivistin der Frauenbewegung. Anstachlerin zu Zivilcourage und Engagement. à Dagmar-Ostermann-Straße (Stuwerstraße). 1920 – 2010. Deportation nach Auschwitz und Ravensbrück. Nach dem Krieg engagierte Zeitzeugin. Generalsekretärin der Österreichischen Lagergemeinschaft Auschwitz. à Marianne-Schoiswohl-Platz (FuZo vor U2-Ausgang Novaragasse). 1956 – 2009. Künstlerin, Lehrerin, Feministin. Frau des Jahres 2002. à Friedl-Dicker-Brandeis-Straße (Glockengasse). 1898 – 1944. Malerin, Innenarchitektin. Organisierte im KZ Theresienstadt Kinderzeichenkurse. Ermordet in Auschwitz. à Anita-Müller-Cohen-Straße (Novaragasse). 1890 – 1962. Sozialreformerin, Feministin, Zionistin. 1919 jüngste Gemeinderätin Wiens. à Mignon-Langnas-Straße (Blumauergasse). 1903 – 1949. Krankenschwester. Unermüdlicher Einsatz während des Holocausts in Wien für Pflege und Rettung für Kranke und Kinder.

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SMASH SEXISM

à Dass die Warteschlangen vorm Damenklo länger sind. à Dass Männer ungehemmt in der Öffentlichkeit pinkeln. à Zerquetschte Metalltuben und Socken an den skurrilsten Stellen. à Dass Männer nie was finden – selbst wenn sie es vor der Nase haben. à Sexistische Bemerkungen, grapschen, sexistische Werbung. à Drängelnde Autofahrer. à Dass Frauengehälter niedriger sind. à Dass die öffentlichen Verkehrsmittel im Vergleich zum Auto teuer und kompliziert sind. à Dass Männer Frauen schlagen und sie mitunter aus Eifersucht sogar ermorden. à Vagina ist im Burgenland die Schande! Penis ist der Stolz! à Autoshows mit nackten Frauen. à Männer, die auf den Gehsteig schlatzen. à Bohrende Blicke, die ausziehen und nicht aufhören. à Männer, die nachpfeifen. à Rauchende Männer. à Zeitschriften mit Frauenkörper, die nachbearbeitet sind. à Bipa-Werbung mit minderjährigen aufgetackelten Mädchen. à Dass sich Männer bei Sitzungen den Ball zuwerfen. à Zicke genannt zu werden. à Männer, die mir die Welt erklären. à Männer, die nicht gendern können. à Frauen, die sich ihren Platz nicht nehmen. * Unvollständige Collage von Facebookuserinnen und von den Autorinnen des Heftes.

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RESPEKT ODER WIE ICH IM ÖFFENTLICHEN RAUM „BEHANDELT“ WERDEN WILL Belästigung wird von Frauen als normaler Bestandteil in unserer Gesellschaft wahrgenommen. Seit den anzüglichen Bemerkungen eines deutschen Spitzenpolitikers wird auf Twitter darüber diskutiert, ob wir Frauen uns damit nicht selber schaden und uns selbst damit zu „Hascherl“ degradieren. Jetzt werden Erfahrungen mit sexistischen Übergriffen und Äußerungen im alltäglichen Leben und am Arbeitsplatz veröffentlicht. Viele Frauen schützen sich vor möglichen Bedrohungen durch Vermeidung eventuell anzüglicher Kleidung, durch das Meiden dunkler Ecken, durch das Benutzen von Frauenparkplätzen und durch das Ausgehen in Gruppen. Die Praxis zeigt aber, dass dieser verantwortliche Umgang mit potentiellen Gefahren auch nicht immer hilft: im Oktober 2012 wurde eine Frau in der Grazer Innenstadt von einem wildfremden Mann am Po begrapscht. Nach einer Anzeige ihrerseits wurde das Verfahren mit der Begründung, dass der Po kein primäres Geschlechtsorgan sei, eingestellt! Im Klartext heißt diese Entscheidung: Der Mann missachtet die Grenzen der Frau. Die Entscheidung der Frau über ihren Körper wird ihr genommen! Viele Männer haben einen egalitären und wertschätzenden Umgang mit

GRÜN 2 – März 2013

Frauen. Traurig ist, dass diese als Weicheier und humorlos hingestellt werden. Dieses Image muss sich umkehren!

Sex sells trotz besseren Wissens! Sex ist mittlerweile zum fixen Bestandteil der Wirtschaft geworden: Werbung und Medien setzen Körper und laszive Bewegungen bewusst ein: Sex sells; das ist das Credo unserer Lifestyle-Kultur im 21. Jahrhundert! Aber durch Ge- und Verbote lässt sich diese Entwicklung nicht in den Griff bekommen. In einer liberalen Gesellschaft, wie sie uns vorschwebt, kann die Entwicklung zu einem für alle würdigen Zusammensein nur über eine gemeinsame Kultur der Achtsamkeit gelingen. ¢ Sabine Oberneder

EKTVOLL DEN! BEHANDELT WER

à WIR WOLLEN RESP

© Martin Juen

WAS NERVT ... *

© Uschi Lichtenberger

AUFSCHREI im Alltag, Teil 1


SMASH SEXISM

RESPEKT IN DER WERBUNG 3 Beispiele, wie Frauen in der Werbung dargestellt werden: 1. Für die Wiesn im Prater wurde mit einem Foto geworben, auf dem das Dirndl-Dekolleté einer Frau zu sehen ist. Nicht ihr Kopf, nicht ihr restlicher Körper, nicht einmal ihr Hals. Nur ihr Busen. Und zwischen ihren Brüsten liegt ein Lebkuchenherzerl mit der Aufschrift „Bussi“, quasi als Aufforderung bzw. Freigabe. Der direkte Zusammenhang mit der Wiesn bleibt ungeklärt. 2. Apropos Dirndl. In einem Prospekt steht eine junge Frau in einem Dirndl – breitbeinig –, ihr rotes Täschchen vor sich schwingend grinst sie verlegen, als könnt sie nicht bis drei zählen. Diese Mode scheint ja wieder hochaktuell zu sein. 3. Vor der Votivkirche prangte ein meterhohes Transparent einer Schuhfirma. Das Kleidchen der abgebildeten Frau ist derart kurz, dass es uns wissen lässt: Mehr als einen String-Tanga kann sie nicht drunter tragen. Dafür sind ihre Schuhe derart hoch, dass sie völlige Fluchtunfähigkeit bedeuten. Nein, hiezu veröffentlichen wir kein Foto. Wir wollen die beschriebene sexistische Werbung nicht durch eine weitere Abbildung verbreiten!

Kennen Sie die Werbewatchgroup? Die Werbewatchgroup Wien gegen sexistische Werbung ist im Wiener rotgrünen Regierungsprogramm festgelegt. Sie besteht aus ausgewiesenen ExpertInnen im Bereich Gender/Sexismus, die die Wiener Werbelandschaft beobachten und Werbung anhand definierter Kriterien bewerten.

© Uschi Lichtenberger

© Florian Spielauer

AUFSCHREI im Alltag, Teil 2

ES WAR EINMAL ... à … Nachmittagsturnen im Augarten. Schülerinnen beim Aufwärmen auf der Schlosswiese. Hinterm Zaun ein Mann, der seinen erigierten Penis durch den Zaun schiebt. Manche Mädchen finden das zum Kichern, anderen wird übel.

Sexistische Werbung ist derzeit in Österreich bis auf wenige Ausnahmen nicht gesetzlich geregelt. Umso wichtiger ist es, klar Position zu beziehen. BürgerInnen haben die Möglichkeit, sexistische Werbungen zu melden: http://www.werbewatchgroup-wien.at

à … am Heimweg. Ein junger Mann springt hinter einer Säule hervor, greift mir zwischen die Beine und läuft davon. à … im Büro. Mein wenig technik-affiner Chef an einer Kunsthochschule findet das Diskettenlaufwerkwerk am Rechner nicht und meint: „Da sind keine Haare rundherum, drum find ich nicht rein.“

Es werden auch zwei Musterbriefe angeboten, um den Unmut beim betroffenen Unternehmen selbst oder beim Österreichischen Werberat kundzutun: www.wien.gv.at/menschen/frauen/rtf/ musterbrief-werberat.rtf

à … beim AMS-Kurs. Ein Teilnehmer meint, dass es Frauen viel leichter haben, denn sie können sich binnen weniger Minuten 20 Euro am Praterstern verdienen. Am nächsten Tag sitzt mir ein anderer Mann gegenüber. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: „blow job is better than no job“

¢ Ruth Dögl

EKT IN DER EIN BUNDESWERBUNG UND SEXISTISCHER WEITES VERBOT DISKRIMINIEWERBUNG, WEIL ZEPTIERT ODER RUNG NICHT AK DEN DARF! TOLERIERT WER

à WIR WOLLEN RESP

à … in der Straßenbahn. Ein Mann kommt mir wesentlich näher als nötig und beginnt sich heftig an mir zu reiben.

Der 14. Februar ist V(agina)-Day – ein Tag, an dem allen von Gewalt betroffenen Frauen eine Stimme gegeben wird.

à … am Telefon. Männer, die fragen, was ich anhabe und andere, die nicht so gerne sprechen, dafür schwer atmen.

Eine Milliarde Frauen Die am V-Day stattfindenden Veranstaltungen standen unter dem Motto „One Billion Rising“. Weltweit erlebt jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt. Das ist eine Milliarde Frauen, die geschlagen, vergewaltigt und gedemütigt wird. Das ist ein Grauen. Eine Milliarde tanzender Frauen ist eine Revolution: Die Grünen Frauen luden am 14. Februar vor das Parlament ein, sich am V-Day zu solidarisieren, rauszugehen, zu tanzen, zu trommeln, Aktionen zu veranstalten, sich zu erheben und ein Ende der Gewalt gegen Frauen zu fordern.

© Martin Juen

Machen Männer ähnliche Erfahrungen in vertauschten Rollen mit Frauen?

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T ALS ELT OBJEKT BEHAND

à WIR WOLLEN NICH SEXWERDEN!

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Ein Fest für

Foto © Martin Juen

ON T R A B D U A WA LT R 13 0 2 S E R H A J F RAU D E S

tag n e u a r F r le a n Internatio 0 Uhr 3 : 9 1 , 3 1 0 2 z r Freitag, 8. Mä platz 1 Wien, Nestroy

gründete 2010 1020 , m o k traud Barton a al W m g! a un H ih le r eisver terreichischen Theate men Sie zur Pr die 13.500 ös m an ko n n, ke ei en h ed lic G n herz zum es und lade c Erinnern“ „Maly Trostine e Frau des Jahr di ER n M re d t wurden. eh un n “ ne ne Die Grü ive Malvi Minsk ermorde d at ti un ni c „I : ne ti IM . os y Tr -MER en, die in Mal den Verein IM wiegend Frau er üb , oa Sh r Opfer de ellschaft : igion und Ges el R à Programm n ri te ei sl Ö1-Abteilung is Appel, ORF, eken de Grüne Laudatio: Dor nna von der D Klubvorsitzen , ha er Jo gg g: ne un te hm ch . om hi Li Umra Musikalische Wien und Usc Theater Hamak in der Grünen grüßt für das er be ch ne re öh sp H en e Susann in und Frau r, Gemeinderät Martina Wurze . et. Eintritt frei Leopoldstadt Leopoldstadt 19:00 Uhr. Buff ksrätin Grüne ir ab s ez B as , nl er Ei rf do à ht. lrike Böhm , wird überreic Moderation: U Gudrun Gross n ri le st ün K ündete r t von de Barton. Sie gr dine, gestalte 13 an Waltraud ol 20 op 00 ht .5 Le 13 ge ie e “ D di es an à Jahr denken „Frau des innern“ zum Ge rch die dotierte Preis aly Trostinec Er it 1.100,- Euro nken an die du „M m de dt ER Ge ta M m d ds de ol un n “ op be ne Le vi r Ne urage al de n. M lco n de vi ive ne ur Zi at tin in Fragen der sk ermordet w -MER. IM: „Initi ünen Bezirksrä tinec und Min henrechte und t den Verein IM os sc en Der von den Gr Tr 10 m en y 20 M al ge g r M ga ta de in En en e n für ihr Frauen, di nalen Frau s im Bereich Waltraud Barto am Internatio beit besonder , überwiegend durch seine Ar tinnen möchten Opfer der Shoa in rä n re ks he Ve zir isc r Be de ich e en rre öste ten, möcht nn. Die Grün listen ermorde geschehen ka Nationalsozia der Derartiges ie w e ni ss da gen, dazu beizutra d danken. aussprechen un Anerkennung

http://leopoldstadt.gruene.at http://gruene.blog2.at/ email: leopoldstadt@gruene.at Impressum: PostZul.Nr.GZ02Z031846M • DVR-Nr. 0527491 • P.b.b • grün 2 Nr. 1/2013 • Medieninhaberin: Die Grünen – Grüne Alternative Wien, Lindengasse 40, 1071 Wien • Herausgeberin: Die Grünen – Grüne Alternative Wien, Bezirksgruppe Leopoldstadt • Redaktion: Die Grünen – Grüne Alternative Wien, Bezirksgruppe Leopoldstadt, Novaragasse 7, 1020 Wien • Druck: DonauForum, 1230 Wien • Verlagspostamt: 1070 Wien • Herstellungsort: Wien.

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