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Die Zeitung der Grünen Alternative Leopoldstadt

Nr. 1 / MÄRZ 2012

Mehr Frauenpolitik – mehr Frauen in die Politik! Wo ist unsere Kanzlerin, Präsidentin, Ministerin, Vorständin? Wir haben uns in der Zeitung Gedanken gemacht, warum es Frauenpolitik braucht. Wir könnten in Österreich schon etwas fortschrittlicher sein, wurden wir in unserer Geschichte doch von Kaiserinnen regiert. Stattdessen dümpeln wir am Ende von EU-Ranglisten, was Frauen in Spitzenpositionen betrifft. Aber jahrhundertelange patriarchale Männerherrschaft lassen sich die Männer nicht so einfach nehmen: Sie klopfen sich gegenseitig auf Schultern und schupfen sich Jobs zu. Die männerdominierten informellen Seilschaften sind jene Karrierenetzwerke, die sich die lukrativsten Jobs sichern und diese müssen durch geschlechtergerechte Quoten ersetzt werden – denn die Hälfte der Macht gehört den Frauen!

Werte Leopoldstädterinnen, werte Leopoldstädter! Wir laden Sie, herzlich ein, die Eröffnung unseres neuen Lokals „Grün2“ in der Novaragasse 7 mit der Grünen Vizebürgermeisterin und Stadträtin Maria Vassilakou zu feiern! Was wir im Bezirk bewirken können, wollen wir gerne mit Ihnen diskutieren und erarbeiten. Grün2 soll für kreative und politische Menschen Raum und Ort für Kommunikation bieten – erobern Sie ihn! Im Grün2 finden auch wechselnde Ausstellungen statt. Zum Start zeigen wir eine fotografische Dokumentation des Widerstands gegen die Verbauung am Augartenspitz von Martin Juen.

Eröffnung Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou eröffnet das neue Lokal der Leopoldstädter Grünen am Mittwoch, 7. März, 17 Uhr 30 in der Novaragasse 7. Sandra Rose singt Chansons und Jazziges. Foto: Martin Juen

Eröffnungsausstellung: Occupy Augartenspitz! Fotografische Dokumentation von Martin Juen. Zur Ausstellung spricht Wolfgang Zinggl, Nationalratsabgeordneter und Kultursprecher der Grünen.

Grün2 heißt ab sofort auch die Zeitung, die Sie in der Hand halten. Der Grünspecht ist in die Jahre gekommen und genießt seinen wohlverdienten Ruhestand im Regenwald. Traditionell machen zum Frauentag 8. März die Frauen den Anfang mit der Zeitung und kündigen auch sehr gerne die Einladung zur Ehrung „Frau des Jahres“an: am 8. März ab 19.00 Uhr im Grün2. Der Preis geht 2012 an Gül Lüle, Mitbegründerin und Leiterin des Frauentreffs am Volkertplatz. Wir gratulieren Gül Lüle sehr herzlich!

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Ulrike Böhmdorfer

„Kommens ma net wieder mit den Frauen“ Können wir den Lebensumständen von Frauen zu viel Aufmerksamkeit widmen? - „Kommens ma net wieder mit den Frauen“ ist ein von mir viel gehörter Satz, den Frauen und Männer zu mir sagen, wenn ich von Frauen erzähle, die sich in der Falle des Frausein befinden. Wenn ich einmal den Satz umgekehrt hören sollte, wie z.B.: „Kommens ma net scho wieda mit de Männer“ dann köpfe ich eine Champagnerflasche. Denn dann hätte sich Wesentliches geändert. Ich fürchte nur, soweit wird’s nicht kommen. Frauen und Männer leben in derselben

frau bekommt überhaupt Geld. Einen rich-

Arbeitsmarkt, Pensionsgesetze, Ehege-

Gesellschaft. Wir haben trotzdem andere

tig guten Job finden, das steht für Frauen

setze etc. zuständig. In der ÖVP wird die

Bedürfnisse und Voraussetzungen. Wir

in dieser Situation fast nie zur Debatte.

Anhebung des Pensionsalters für Frauen

verdienen noch immer 25% weniger als

Findet sie keinen Job, heißt das für den

diskutiert – angeblich damit die Frauen

Männer. Mehr Frauen als Männer stu-

Mann: weiterarbeiten, die Pension ist nicht

mehr Pension bekommen können. Doch

dieren, aber mehr Männer verdienen in

mehr weit, vielleicht geht sich noch eine

Frauen haben das höhere Einkommen

besseren Positionen mehr Geld als ihre

Gehaltserhöhung aus. Für die Frau heißt

oft in jungen Jahren. Danach haben sie

ehemaligen Studienkolleginnen.

es: Was soll ich jetzt machen? Einsamkeit,

entweder Kinder, oder man(n) unterstellt

Frauen und Männer heiraten gleich oft

Depression und der Druck vom AMS. Eine

ihnen, dass sie welche bekommen wollen.

– ja, fast immer einander, aber sie erleben

lächerlich geringe Pension ist oftmals die

Für den Arbeitsmarkt ein Problem. Ab 40

die Ehe anders. Ein Ehepaar bekommt

Folge.

gehören sie sowieso zum alten Eisen. Mit

Kinder, das heißt für den Mann: weiterarbeiten und noch mehr verdienen. Das heißt für die Frau: Einkommensstopp und

so genannten „Lücken“ im Lebenslauf tref-

Die Verantwortung liegt bei der Politik

Reduzierung auf die Kindererziehung. Sind

fen sie auf Vorurteile. Die besten Einkommensjahre sind bei Frauen oft im Alter zwischen 20 und 30 und

die Kinder größer, heißt das für den Mann:

Ja, ich finde es gerechtfertigt, dass wir

nicht zwischen 60 und 65. Bei Männern ist

weiterarbeiten und noch mehr verdienen.

natürlich immer über die Situation von

das umgekehrt. Deswegen brauchen wir

Für die Frau heißt es: zurück in den Job.

Frauen in unserer Gesellschaft sprechen.

an die verschiedenen Lebensumstände

Welchen Job? Den, den sie vor 5 – 10

Die Politik ist dafür verantwortlich, dass

angepasste Rechnungsmodelle. Und da

Jahren aufgegeben hat? Einen anderen?

Frauen im Leben zu ihrem Recht kom-

sind wir wieder. Sprechen wir doch end-

Halbtags? Oder doch mehr? Hauptsache

men. Die Politik ist für Kindergartenplätze,

lich, endlich über Frauen.

Foto: Uschi Lichtenegger

Immer wieder Frauen!

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Warum sollen wir uns eigentlich nicht Gedanken über 53% der Bevölkerung machen? Warum immer nur über die 47% Männer sprechen? Das sehe ich nicht ein, und deswegen komme ich immer wieder „mit den Frauen“.

Arbeiten und Hausarbeit – ein typisches Frauenschicksal?


USCHI LICHTENEGGER und MARTINA WURZER

WIEnERInnEnPLATZ! Eine Hommage an bedeutende Persönlichkeiten – die Wiener Frauen. In einer Aktionswoche rund um den Internationalen Frauentag präsentieren die Grünen Frauen Wien Frauenwege mit LILA STRASSENSCHILDER. Sie erinnern an großartige Frauen, die in Wien gelebt und gearbeitet haben.

Status quo – 53 % Frauen, nur 3 % der Straßen sind nach Frauen benannt (c) grüne Wien

Die Leopoldstädter Grünen laden von 5. bis 9. März 2012 in das

Die Wiener Bevölkerung besteht zu 53 % aus Frauen. In der „kol-

sich von den Vorkämpferinnen, den Heldinnen und Visionärinnen

lektiven Erinnerung“ im öffentlichen Raum, also als Straßenname

Kraft geben, Ihre eigenen Ideen umzusetzen!

Grätzl rund um die Novaragasse 7 ein, beeindruckende Frauen aus der Geschichte der Leopoldstadt kennen zu lernen. Lassen Sie

oder Denkmal, tauchen Frauen aber nur selten auf. Nur 3 % der Benennungen erinnern in Wien an Frauen, 40 % hingegen an Männer. Frauen haben die Gesellschaft immer schon mitgestaltet. Sie präg-

novaragasse, Glockengasse und Blumauergasse werden für diesen Zeitraum symbolisch nach Frauen umbenannt!

ten und prägen als Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Lehrerinnen, Geschäftsfrauen... das gesellschaftliche

Marianne-schoiswohl-platz (FußgängerInnenzone vor U2-

Leben. Wir Grüne kämpfen deshalb für eine gerechte Aufteilung

Ausgang Novaragasse)

der Benennung des öffentliches Raums und fordern deshalb:

1956 – 2009. Schriftstellerin, bildende Künstlerin, Lehrerin, Feministin, Frau des Jahres 2001.

Alle neu benannten Straßen- und Flächenbezeichnungen sowie mögliche Umbenennungen müssen ab sofort an Frauen und ihre Werke erinnern.

Friedl-Dicker-Brandeis-straße (ehemalige Glockengasse) 1898 – 1944. Malerin, Innenarchitektin. Organisierte im KZ Theresienstadt Kinderzeichenkurse. Ermordet in Auschwitz. Anita-Müller-cohen-straße (ehem. Novaragasse) 1890 – 1962. Sozialreformerin, Feministin, Zionistin. Setzte Aktionen für Kinderschutz und Frauenrechte; 1919 jüngste Gemeinderätin Wiens. Mignon-langnas-straße (ehem. Blumauergasse) 1903 – 1949. Krankenschwester. Unermüdlichen Einsatz während des Holocausts in Wien für Pflege und Rettung für Kranke und Kinder.

STRASSENNAMEN DIENEN NICHT NUR DAZU, DASS WIR UNS IN DER STADT ZURECHTFINDEN. SIE ERZÄHLEN AUCH GESCHICHTEN. GESCHICHTEN VON DEN MENSCHEN, DIE EINST HIER GELEBT UND GEARBEITET HABEN, DIE WICHTIGE, AKTIVE MITGLIEDER DER GESELLSCHAFT WAREN. STRASSENNAMEN SIND TEIL UNSER ALLER IDENTITÄT.

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Sabine Oberneder und Ulrike Böhmdorfer

Sag mir, wo die Mädchen sind, wo sind sie geblieben... Geschlechtssensible Erziehung bedeutet, ein vorurteilsfreies Bild von Frau und Mann fernab von antiquierten Rollenklischees zu vermitteln. Da ist die Politik aufgerufen, diese Erziehung in den Schulen zu ermöglichen und auf deren Einhaltung zu bestehen. Wenn es denn eine Erziehung sein soll, die sowohl Mädchen wie Buben mitnimmt und nicht die einen den anderen bevorzugt. Noch immer zeigt sich in Teilen der heu-

In vielen Büchern liegt der Anteil der

weil sie die männlichen Formen bevorteilt.

tigen Schulbücher ein altes, antiquiertes

Frauen und Mädchen unter 20%. Wo sol-

Damit wird eine Weltsicht geschaffen, in

geschlechtsspezifisches Bild. In den Text-

len Mädchen ihre Identifikation erleben

der Frauen nicht präsent sind.“

beispielen in Mathematikbüchern kom-

können?

Wir tun unseren Töchtern Gewalt an,

men Frauen, wenn überhaupt, nur dann

Leider müssen wir davon ausgehen,

wenn wir die Schulbücher nicht endlich

vor, wenn sie für den familiären Haushalt

dass die PädagogInnen mit diesem Un-

reformieren. Und wir tun ihnen Gewalt

einkaufen. Bügeleisen, Waschmaschinen,

terrichtsmaterial arbeiten. Es gibt aber

an, wenn wir unsere PädagogInnen nicht

Mixer: das ist die Mathematikwelt von Frau-

keinen Aufschrei und daraus folgend eine

geschlechtssensibel ausbilden lassen. Wir

en und das vermittelte Rollenbild für Mäd-

massive Forderung nach Gleichstellung

tun unseren Kindern Gewalt an, wenn wir

chen. Männliche Protagonisten hingegen

der Geschlechter in der Artikelauswahl.

nur zusehen.

schließen in Textbeispielen Kredit-, Miet-

Das lässt befürchten dass die Ungleichheit

Unter anderem ist es eine der wichtigsten

und Versicherungsverträge ab. Sie haben

auch von diesen LehrerInnen transportiert

Aufgaben einer Frauenpolitikerin die For-

mehr Geld. Natürlich! Woher sollen Frauen

und damit unterstützt wird.

derungen nach geschlechtsspezifischem

denn auch Geld haben? „Der Vater gibt

Die deutsche Sprachwissenschaftlerin

Unterrichtsmaterial und die adäquate

der Mutter 200 Euro für den Einkauf von

und Feministin Senta Trömmel-Plötz (Ge-

Schulung der PädagogInnen umzusetzen.

Lebensmitteln...“ Welch grauenhaftes Bild

walt durch Sprache) schrieb schon 1984

Deswegen brauchen wir Frauenpolitik

wird hier unseren Töchtern vermittelt?

dazu: „Unsere Sprache tut uns Gewalt an,

mehr denn je.

Die AutorInnen in diesem Heft: Ulrike Böhmdorfer, Politikwissenschafterin, Frauencoach; Frauen Kontakt: ulrike.boehmdorfer@gruene.at Wolfgang Kamptner, stv. Klubvorsitzender; Verkehr, Augarten, Planung Kontakt: wolfgang.kamptner@gruene.at Uschi Lichtenegger, Klubvorsitzende; Frauen, Kultur, BürgerInnenbeteiligung, Augartenspitz Kontakt: uschi.lichtenegger@gruene.at Sabine Oberneder, Bezirksrätin; Bildung, Soziales, öffentlicher Raum für Kinder Kontakt: sabine.oberneder@gruene.at Brigitte Redl-Manhartsberger, Bezirksrätin; Planung, Architektur, Kunst Kontakt: brigitte.redl@gruene.at Marianne Schoiswohl, Schriftstellerin, bildende Künstlerin

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Martina Wurzer, Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete; Frauen, Bildung, Wissenschaft Kontakt: martina.wurzer@gruene.at


Ein 220.000-Euro-Haus: Sehen Sie es vor sich? Spüren Sie, wie sich das anfühlt?

Marianne Schoiswohl

Jeder Frau ihr Haus! …   weil sie eine Frau sind, einfach bloß, weil sie eine Frau sind! Frauen verdienen ein Drittel weniger als Männer. Statistik! Österreich, unser so wunderbar reiches Heimatland, nimmt da einen beschämenden Rang im internationalen Ranking ein. Das wäre bei 33%, das Periodische lasse ich weg, 120,45 Tage, an denen Frau pro Jahr gratis für die Volkswirtschaft zu arbeiten habe. Der Zehent im Mittelalter war dagegen ein Dreck! Ich nehme nun ein eher schmächtiges

Haben Sie, liebe Frau, darüber mal

männliches Gehalt von 1.400 netto. 1.400

nachgedacht, was Sie damit hätten ma-

Euro erlauben das Anmieten einer be-

chen können, welche Wege Ihnen ver-

scheidenen Wohnung, den Erhalt dieser,

wehrt blieben und bleiben, weil Sie eine

und sichern ein einfaches Leben, ohne um

Frau sind? Einfach bloß, weil Sie eine Frau

gnädige Zugeständnisse bei Ämtern bitten

sind?

gehen, oder in der Abhängigkeit eines

In einem reichen Land. In einem angeblich

Mannes verbleiben zu müssen. Es ist doch

demokratischen Staat. Mit diesen Grund-

das Mindeste, dass man bei Arbeit und mit

sätzen, diesen Menschenrechten.

Arbeit eben von dieser, für sich selbst und

226.380! Mindestens. (Weil, wenn Sie

aus sich selber heraus, in bescheidener

Akademikerin sein sollten und Sie ein

Würde leben kann.

Vorstandsgehalt zum Berechnen nehmen

Zurück zu den 120,45 Gratistagen. Das sind 3,9 Monate. 1.400 pro Monat mal 14, macht das im Jahr ein Nettoeinkommen

hier bei uns, wird im Laufe ihres Lebens

von 19.600 Euro! Alles klar soweit?

mindestens um ein Haus betrogen. Sehen

Davon 33%. Das sind 6.468 Euro pro Jahr,

Sie es vor sich? Spüren Sie, wie sich das

die Frau weniger verdient, als Mann. Ihr

anfühlt?

entsprechendes weibliches monatliches

Mein Humor hat sich ob dieser un-

Einkommen wäre satte 938 Euro. Nun, da-

geheuerlichen Ungleichung gerade ver-

mit lässt sich schon nicht mehr springen.

abschiedet.

Jetzt nehme ich die verweigerten 6.468

Nur noch ein Gedanke, weil ich nun trotz

Euro im Jahr und multipliziere mit nur 35

allem ein positiver Mensch bin und bleiben

angenommenen Arbeitsjahren.

möchte: das hier gerade mal nur ange-

Das sind: 226.380 Euro. Zweihun-

schnittene Thema, das wäre doch was,

dertsechsundzwanzigtausenddreihun-

wenn es eine Lobby geben würde, die

dertachtzig Euro!

sich dieses Missstandes annehmen wür-

Das ist ein Wahnsinn. Das ist eine unerhörte Sauerei.

Unser Schlagobersland an erster Stelle. Als Vorbild. Ein Her-zeige-land. Das wäre witzig! – Von oben betrachtet, so aus den Wolken heraus.

in Österreich ja 93% Männer.) Das ist ein Haus! Ein Haus! Jede Frau,

nicht lustig.

geschichte.

würden… Aber in den Vorständen sitzen

inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld, so

Das ist nicht witzig. Das ist überhaupt

schen Kultur-, Sozial- und Gesellschafts-

de. Also auf Ihr Frauen und Männer. Euer Einsatz und Ehrgefühl sind angesagt. Jeder Frau ihr Haus! – Arbeit genug für die nächsten 100 Jahre der österreichi-

Marianne Schoiswohl (1956 – 2009), Schriftstellerin und bildende Künstlerin. Rund um den Frauentag 8. März wird im Rahmen des Projekts „Wienerinnenplatz“ die FußgängerInnenzonge vor dem U2-Ausgang Novaragasse in Marianne-Schoiswohl-Platz benannt. Der vorliegende Aufsatz „Jeder Frau ihr Haus!“ von Marianne Schoiswohl wurde bereits im März 2009 im Grünspecht veröffentlicht. Wir danken ihren Söhnen für für die Abdruckgenehmigung.

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Brigitte Redl-Manhartsberger

Wie Frauen leben wollen! „Befreit Euch von bisherigen Vorstellungen des Wohnens. Partizipation ist die Zukunft oder zumindest eine Möglichkeit, das Wohnen für die Zukunft zu gestalten“, sagt Sabine Pollak. Sabine Pollak ist Architektin, Doktorin der

Mietverträge sollen bevorzugt mit Frauen

und es mitgestaltet haben. – http://www.

Technischen Wissenschaften, habilitiert im

abgeschlossen werden. Alleinerziehende

frauenwohnprojekt.org – Seit Dezember

Fach Wohnbau, ist Partnerin im Architek-

Frauen mit ihren Kindern werden entlastet,

2010 heißt das Haus in Wien-Donaustadt

turbüro Köb&Pollak Architektur und leitet

ältere Menschen und Menschen mit Behin-

Johanna-Dohnal-Haus.

die Abteilung Urbanistik an der Kunstu-

derungen bleiben (u.a. durch barrierefreies

Männliche 0815 Projekte von Männern

niversität Linz.

Wohnen) in Kontakt und in Austausch mit

und für Männer gibt es genug! Wir brau-

der Hausgemeinschaft. Zum Wohlfühlen

chen Frauenpolitikerinnnen, die solche

gehört für Frauen viele Gemeinschafts-

Frauenprojekte initiieren, ausschreiben

räume, Sozialräume, Kinderspielräume, ge-

und umsetzen lassen.

Frauen leben anders als Männer Sabine Pollak kreierte die Idee eine Frau-

gemeinsame Grünflächen. Diese Ansprü-

enwohnprojekts in Wien, wie sie in anderen

che und Bedürfnisse versucht das Frauen-

europäischen Ländern schon entstanden

wohnprojekt zu realisieren. Die Architektur

sind. Kern des Projektes ist die gegensei-

des Hauses trägt dem bewussten mitein-

tige Unterstützung von Frauen, das Schaf-

ander von Privatheit und Gemeinsamkeit

fen eines Umfelds, in dem Frauen, deren

Rechnung. „Wir sind Frauen, die auf ihre

Kinder sowie eventuelle PartnerInnen in

Visionen und Fähigkeiten bauen und diese

einer solidarischen Nachbarschaft leben.

gemeinsam umsetzen“, sagen selbstbe-

Männer sind als Partner willkommen; die

wusst die Frauen, die im Projekt wohnen

Foto: Georg Spitzer

meinsam zu nutzende Dachterrassen und

Architektin Sabine Pollak plante das Frauenprojekt.

Uschi Lichtenegger

Garagen-Fakten; eine mehr, die leer steht... In der Ausstellungsstraße wurde für ei-

im noch während der SP-Alleinregierung.

nicht 65 Stellplätze? Weil dann die UVP

nen viergeschoßigen Garagenhochbau die

Der größte Nutznießer dieser Garagen-

fällig gewesen wäre.

Wieselburger Bierinsel abgerissen. Es gab

Klientelpolitik ist die Novomatic AG, die

keine Infos an die AnrainerInnen. Warum

sich damit einen Kundenparkplatz für ihr

wohl? In Luftlinie nur wenige Meter ent-

Casino am Präuscherplatz errichtet und

fernt steht schon so ein riesiges Unding

die mit 47,5% in der Errichtungsgesell-

meist leer, ganz zu schweigen von den

schaft sitzt. Neben Wurstelprater und U2 gelegen wird

weiteren Garagen rund um die Messe. Hier

Umweltverträglichkeitsprüfung umgangen!

nun eine Garage gebaut, deren Errichter

lichkeitsprüfung umgangen und es wur-

Foto: Uschi Lichtenegger

ist – die Novomatic AG. Auf dass dort

den Bäume gerodet. Die Entscheidung fiel

Kurz vor der Wienwahl im Oktober 2010

potentielle Geldbringer, die Novomatic-

drückte die damals noch allein regierende

Gäste, fast trockenem Hauptes ins Casino

SPÖ schnell einen dieser unglaublichen

gehen können.

wurde zentrumsnah wertvoller Grund dem Auto zugesprochen, eine Umweltverträg-

Und ganz nebenbei fielen hier ein paar Bäume wieder einer Garage zum Opfer. Foto: Martin Juen

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Die Leopoldstadt ist dem Auto und so manchem Unternehmertum Untertan...

so zusagen der WhoisWho des Praters

UVP-Feststellungsbescheide für ein Ga-

Und die DiscobesucherInnen? Werden

ragenprojekt in der Ausstellungsstraße

sie weiter in drei Nächten pro Woche das

durch. Zufällig ist die Garage drei (!) Plätze

Stuwerviertel verparken, oder die kos-

unter der Grenze für eine Einzelfallprüfung

tenpflichtige Garage aufsuchen? Wir ver-

nach UVP-Gesetz gelegen. Der Trick: An-

muten mal das erstere und bedauern es,

geblich sollen 70 Stellplätze den Anraine-

dass hier weitere Signale in Richtung Auto

rInnen als Dauerstellplätze angeboten Foto: Uschi Lichtenegger werden. Eine reine Fantasiezahl. Warum

gesetzt wurden: Komm in die Leopoldstadt, dein Auto ist hier Kaiser!


Wolfgang Kamptner und Uschi Lichtenegger

Stadträtin Maria Vassilakou bringt Straßenbahnen in die Leopoldstadt ! Grüne Frauenpolitik in der Stadt Wien bedeutet auch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Ende Jänner präsentierte Maria Vassilakou die neuen Straßenbahnlinien. Zwei Linien werden in der Leopoldstadt künftig das Bim-Angebot erheblich verbessern: die Linie O soll bis in die Brigittenau fahren und der 18er bis zum Stadion verlängert werden. Deutlich sichtbar wird die Grüne Handschrift der Stadträtin Maria Vassilakou in der Verkehrspolitik. So setzen wir Grüne voll auf den Ausbau der Oberflächen-Offis, denn die Straßenbahn ist ein leistungsfähiges und zeitgemäßes öffentliches Verkehrsmittel. Das ist der Gegensatz zu SP-Stadtrat Schicker, der in den vergange-

Von der grünen Verkehrspolitik profitieren auch das Volkert- und das Karmeliterviertel

nen Jahren Straßenbahnen wie den 21er stillgelegt hat...

Eine weitere Verbesserung im Öffi-Netz der Leopoldstadt wird der neue Bus 5B sein. Ab Sommer 2012 wird er vom Praterstern (U1, U2) über Taborstraße (U2), Obere Augartenstra-

Ausbau der Straßenbahnlinien Linien O und 18

ße, Gaußplatz, Wallensteinplatz und Jägerstraße (U6) nach Heiligenstadt (U4) fahren. Der Bus 5B ist eine wichtige Querverbindung zwischen 2. und 20. Bezirk. Auch gehören die derzeit viel zu kurzen Betriebszeiten des 80A westlich des Pratersterns der

Mit der Verlängerung der Linie O vom

Vergangenheit an, weil der 80A hier durch den 5B ersetzt wird und jener auch noch

Praterstern bis zum Friedrich-Engels-

nach 20 Uhr fahren wird.

Platz soll das Stadtentwicklungsgebiet am Nordbahnhof erreicht werden. Die Bebauung des riesigen Geländes mit ca. 10.000 Wohnungen und 20.000 Arbeitsplätzen tungsfähige Straßenbahn notwendig, ein Bus wäre hier zu wenig. Auch soll diese Straßenbahn ab 2016 die meist überfüllte Buslinie 11A entlasten. Leider legt sich der Bezirksvorsteher der Brigittenau gegen die Verlängerung in den 20. Bezirk immer noch quer – aus Angst um Parkplätze. So wird der O-Wagen vorerst nur bis zur Innstraße geführt. Die Verlängerung der Linie 18 über die Stadionallee/Meiereistraße dient der Verbindung der U2-Station Stadion mit der U3, den Stadtentwicklungsgebieten St. Marx und Eurogate und dem Hauptbahnhof.

Die Grüne Nationalrats-Abgeordnete Gabriela Moser überreichte am 13. Februar 2012 im Verkehrsministerium über 2.000 Unterschriften gegen die geplante Schließung der Postämter in der Leopoldstadt an Verkehrsministerin Bures. Die Unterschriften wurden von der BürgerInneninitiative Karmelitermarkt und den Grünen gesammelt. Weitere über 1.000 Unterschriften wurden von der Initiative Poldi/KPÖ gegen die Schließung des Postamts Engerthstraße gesammelt. Die Post AG will in der Leopoldstadt die Postämter Krummbaumgasse 2-4, Engerthstraße 191 und Wehlistraße 309 schließen, was ein Schlag gegen eine funktionierende Nahversorgung der Leopoldstadt wäre. In den Postämtern in der Krummbaumgasse und in der Engerthstraße bilden sich bereits jetzt lange Warteschlangen vor den Schaltern. Am 27.2. 2012 (Beginn: 19 Uhr) findet im Haus der Begegnung am Praterstern eine Bürgerversammlung zu den Postamtsschließung statt. Wir werden darüber auf unserer Webseite berichten.

Foto: Grüne Leopoldstadt

ist bis 2025 vorgesehen. Hier ist eine leis-

2.000 Unterschriften gegen die Schließung der Postämter übergeben

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FRAU DES JAHRES 2012 Der von den Grünen BezirksrätIinnen Leopoldstadt mit 1.100 Euro dotierte Preis „Frau des Jahres“ geht heuer an:

Gül Lüle Die in der Türkei geborene engagierte Fachfrau für interkulturelle Kompetenz und Gemeinwesenarbeit setzt sich seit Jahren für Frauen und Mädchen im Volkertviertel ein. Durch ihren großen Einsatz konnte der Frauentreff verwirklicht werden. Weiterbildung, Foto: Martin Juen

Unterstützung, Rückzugsmöglichkeiten und ein Heimatgefühl stehen für die Frauen in unterschiedlichsten Sprachen zur Verfügung. Antrieb ist Gül Lüle ihre eigene Geschichte, als Migrantin: geboren in der Türkei, aufgewachsen in Deutschland, lebend in Wien. Die Laudatio hält Alev Korun, Menschenrechtssprecherin der Grünen. Mit: Martina Wurzer (Frauensprecherin der Grünen); Uschi Lichtenegger (Klubobfrau der Grünen Leopoldstadt) Moderation: Ulrike Böhmdorfer. Leopoldine: Gestaltung Nora Dibowski. Musik: Yasmine Piruz (Gesang), Kurt Obermair (Gitarre) Wann: Donnerstag, Internationaler Frauentag, 8. März 2012, 19.00 Uhr Wo: Grün2, 1020 Wien, Novaragasse 7

Eröffnung des Lokals Grün2 mit Vizebürgermeisterin und Stadträtin Maria Vassilakou

Weitere Veranstaltungen im Grün2 Donnerstag, 22. März 2012, 19 Uhr

Mittwoch, 7. März, ab 17.30

Ingeborg Strobl präsentiert: WIEN und ANDERSWO (Bilder

1020 Wien, Novaragasse 7

zur Kunst). Die Leopoldstädter Künstlerin gestaltete die Fassade beim U2-Ausgang Novaragasse.

Occupy Augartenspitz! Fotografische Dokumentation von Martin Juen. Eröffnung: Wolfgang Zinggl, NRAbg. und Kultursprecher Zwei Jahre nach der gewaltsamen Räumung des Augartenspitz durch die Polizei zeigt der Fotograf Martin Juen ausgewählte Fotos aus seiner Dokumentation von drei Jahren Besetzung und Widerstand der Zivilgesellschaft am Augartenspitz.

Sprechstunden der Grünen BezirksrätInnen: jeden Mittwoch, 17 bis 19 Uhr open house: jeden 2. und 5. Mittwoch im Monat, 19 Uhr Jetzt kommen wir Frauen! Grüne Frauenpolitik – gemeinsam sind wir stärker. In diesem Sinn möchten wir unsere Frauentreffen wieder aufnehmen und wir freuen uns, mit Frauen aus

Passend zum Anlass kredenzt uns die Wahlwienerin, Sängerin

dem Bezirk zu diskutieren: Was kann Frauen-

& engagierte Reanimatorin des Karmeliterviertler Kulturlebens,

politik im Bezirk bedeuten? Wo können wir uns gegenseitig

Sandra Rose, Jazziges und französische Chansons.

unterstützen? Wir sind offen für alle Anregungen und Informa-

Mit dabei: Franz Scharf (g.) und Uwe Urbanowski (b.)

tionen. Kontaktieren Sie uns und/oder kommen Sie zu unserem

Buffet. Widerstandströpferl. Eintritt frei.

Frauen Jourfix: jeden 4. Mittwoch im Monat, 19 Uhr

Rahmenprogramm zur Ausstellung im März 2012: Donnerstag, 15. März, 19 Uhr, Grün2 Kampf um den öffentlichen Raum, Beispiel Augartenspitz Podiumsdiskussion mit Raja Schwahn-Reichmann (Josefinisches Erlustigungskomitee), Sabine Gretner (ehem. Grüne Gemeinderätin) Donnerstag, 29. März, 19 Uhr, Grün2 „Es geht rund am Spitz“ – Filme zum Augartenspitz von Doris Kittler und Wolfgang Weber.

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Impressum: PostZul.Nr.GZ02Z031846M • DVR-Nr. 0527491 • P.b.b • grün 2 Nr. 1/2012 • Medieninhaberin: Die Grünen – Grüne Alternative Wien, Linden­gasse 40, 1071 Wien • Herausgeberin: Die Grünen – Grüne Alternative Wien, Bezirksgruppe Leopoldstadt • Redaktion: Die Grünen – Grüne Alternative Wien, Bezirksgruppe Leopoldstadt, c/o Lindengasse 40, 1070 Wien • Druck: Donauforum, 1230 Wien • Verlagspostamt: 1070 Wien • Herstellungsort: Wien.

http://leopoldstadt.gruene.at

email: leopoldstadt@gruene.at

http://gruene.blog2.at/

Grün 2 - Zeitung der Grünen Leopoldstadt  

Nr. 1 - 2012