Issuu on Google+

Zugestellt durch Post.at

H I N T E R GRÜ N D E Die Zeitung der Grünen Alternative Mariahilf

Nr. 1/2008

Drechsler-Haus wird ,geköpft’! Wir haben in dieser Zeitung schon mehrmals über die teilweise schauderhaften und monströsen Aufstockungen und Dachausbauten im Bezirk berichtet. Kaum hat sich die Aufregung über das so genannte „UFO-Haus“ Ecke Getreidemarkt/Mariahilferstraße etwas gelegt (ich hatte vergeblich gegen den futuristischen Dachaufbau gestimmt), droht nun der nächste Bauskandal: Betroffen ist das Haus Ecke Girardigasse/Linke Wienzeile, in dessen Erdgeschoß sich das bekannte Café Drechsler befindet. Das schöne Gründerzeithaus ist in den letzten Jahren zu einem Spekulationsobjekt verkommen. Zuerst wurde es von einer Immobilien-Firma gekauft, die schon öfters für Ärger und höchst dubiose Vorgänge gesorgt hat. In der Schönlaterngasse trieb sie es unlängst besonders wild: Ein historisches Haus wurde um vier Geschoße aufgestockt und das Dach illegal mit einer irrwitzigen Lüftungsrohr-Konstruktion verunstaltet. Im Zuge dieses Skandals wurde aufgedeckt, dass der ausführende Architekt gleichzeitig als Prüfungsingenieur der Bauoberbehörde das Projekt genehmigt hatte. Kein Wunder: Schließlich teilt er auch sein Büro im sechsten Bezirk mit dem Chef der Immobilien-Firma. Das war

selbst für Wiener Verhältnisse zuviel: Der Herr Architekt wurde angezeigt und musste in der Bauoberbehörde zurücktreten. Vorher allerdings hatte diese Behörde noch die Umbaupläne für das Drechsler-Haus genehmigt: Das Satteldach dieses Hauses soll komplett weggerissen werden! Stattdessen sollen übereinander geschichtete Quader aus Stahl, Glas und Beton auf den Torso des Hauses gesetzt werden. Dies würde nicht nur das historische Erscheinungsbild des Hauses zerstören, sondern auch die gesamte Baulinie der Linken Wienzeile mit ihren weltberühmten Otto-Wagner-Bauten. Nachdem die Immobilien-Firma die Genehmigung für diesen städtebaulichen Irrsinn erhalten hatte, hat sie das Haus sogleich mit dickem Gewinn an eine andere wohlbekannte Immobilien-Firma verkauft. Und diese will jetzt natürlich möglichst viel Geld aus dem Gebäude herausholen. Die rote Bezirksvorsteherin lässt dafür auf der Homepage des Bezirks durchaus Verständnis anklingen: „Der Standort gegenüber dem Naschmarkt ist sehr attraktiv, daher besteht der berechtigte Wunsch, die Immobilie ökonomisch auszuschöpfen.“ weiter auf Seite 2

✂ Links das bedrohte Drechsler-Haus – rechts das konservativ ausgebaute Zwillingshaus


Fortsetzung von Seite 1

Da die Bezirksvertretung gar nicht informiert worden war, welches von verschiedenen eingereichten Projekten denn da nun genehmigt worden war, habe ich in der letzten Bezirksvertretungssitzung eine diesbezügliche Anfrage an die Bezirksvorsteherin gestellt. Anstatt jedoch die Anfrage zu beantworten, spielte sich diese wie eine Polit-Kommissarin beim Schauprozess auf: „Herr Weihs, wo waren Sie am 10. Mai um 16 Uhr?“

Editorial

Des Rätsels Lösung: Damals war im Bauausschuss mitgeteilt worden, dass die Bauoberbehörde positiv über das Bauvorhaben entschieden hatte – allerdings nicht, wie dieses nun wirklich genau aussieht. Die (damals gar nicht anwesende) Vorsteherin behauptete jedoch steif und fest, es wäre auch ein genauer Plan des – sicherlich hochprofitablen – Projekts präsentiert worden.

Liebe Mariahilferinnen und Mariahilfer,

jetzt gibt es endlich auch einen „Roten Platz“ in Mariahilf! „Christian Broda Platz“ soll er heißen – nach einem Innenminister der Sozialdemokratie. Einst haben sich die Sozialisten ja noch für Bürger- und Menschenrechte stark gemacht und dafür auch gelitten. Die heutige Sozialdemokratie ist aber eher an Macht und deren Erhalt interessiert. Und das von einer internationalen Jury ausgewählte Siegerprojekt für das „Mariahilfer Platzl“ wurde bis zum architektonischen Skelett abgenagt: Fast ohne Grün – der Mastenwald war ja ursprünglich für eine Vielfalt von Nutzungen gedacht. Dafür wendet sich die Mariahilfer Sozialdemokratie mit der Benennung vertrauensvoll an die eigene Vergangenheit – das ist ihre Zukunft! Die sozialarbeiterische Betreuungsstelle AXXEPT in der Windmühlgasse kümmert sich vorwiegend um Punks – sie sollte geschlossen und in den 15.Bezirk verlagert werden. In letzter Minute konnte das verhindert werden. Wir Grün-Alternative stehen zu dem Netz von Sozialeinrichtungen im Bezirk – wer bereit ist, diese zu schließen, möge doch die oft zitierte Bibel zu Rate ziehen unter dem Stichwort: Wer dem geringsten meiner Brüder (Schwestern) Gutes tut....und sich ansonsten ein wenig schämen! Garagenbau statt Vernunft – statt endlich das benzinbetriebene Auto als Technik von gestern zu sehen, gibt es von allen anderen Parteien dieses Bezirks immer wieder den begehrlichen Blick auf Parks, auf das Gewölbe des Wienflusses...Die drohende „Garagierung“ des Alfred-Grünwald-Parks wird von der SPÖ angedacht. Und die Garage unter dem Naschmarkt ist noch immer nicht vom Tisch..... Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein – so hieß einst ein Lied, und manche ErrichterInnen von Dachbodenausbauten denken wohl so ähnlich. Auch wenn die Bauoberbehörde ein konkretes Bauvorhaben nicht denkbar findet, wird munter weitergewerkelt: Die Bauordnung sagt nein, die Behörde sagt nein, der Bezirk sagt nein, das ist doch manchen einfach – Pardon – scheißegal! NICHT MIT UNS!

Mein wahrheitsgemäßer Einwand, dass ich einen derartigen Plan leider nie zu Gesicht bekommen hätte, wurde von der Riege der roten BezirksrätInnen mit höhnischem Geplärr quittiert. Auch das war höchst unangebracht: Denn erst auf Grund meiner Anfrage erhielt der Mariahilfer Bauausschuss zwei Monate später endlich Einblick in die bis dahin geheim gehaltenen Pläne. Die rote Bezirkskaiserin aber hat nicht nur die Auskunft über das von der roten Gemeinde genehmigte Projekt verweigert: Sie rechtfertigt auch, dass einer der architektonisch sensibelsten Straßenzüge des Bezirkes aus Spekulationsgründen zerstört wird – und dies entgegen den Beschlüssen des eigenen Bauausschusses! Aber wenn es jemand trotzdem wagt, etwas gegen derartige Machenschaften zu unternehmen, versucht sie das mit unwahren Behauptungen zu verhindern.

Nun, wir wissen ja seit den BAWAG- und ÖGB-Skandalen zur Genüge Bescheid über die starke Anziehungskraft, die sündteure Penthäuser auf die rote Polit-Prominenz ausüben. Auch die ehemalige SP-Stadträtin Pasterk hat sich eine Wohnung in einem höchst umstrittenen Bauprojekt im Karmeliterviertel reservieren lassen: Hier soll ein Biedermeierhaus gleich um drei Stahl/Glas-Geschosse aufgestockt werden. Richard Weihs

Impressum: MHV: Die Grünen Mariahilf, Kaunitzgasse 33/13, 1060 Wien, http://mariahilf.gruene.at

Werner Haslauer Stellvertretender Bezirksvorsteher von Mariahilf werner.haslauer@gruene.at

Druck: Luigard, 1100 Wien, Gestaltung: Mag. Susa Fuhrherr

2


B E TO N B LO C K A D E A M NAS C H M A R K T Zwischen Laimgrubengasse und Heumühlgasse gibt es einen schönen breiten Fußgängerdurchgang über den Naschmarkt. Leider ist dieser aber vor der Treppe zur Rechten Wienzeile wegen eines quer liegenden Betonblocks zur Hälfte unpassierbar. Dieses Hindernis hat keinerlei Funktion: Für eine schon vor geraumer Zeit demontierte Schrankenanlage war hier einst ein Betonsockel angebracht worden. Anstatt diesen aber gemeinsam mit dem Schranken zu entfernen, wurde er zusätzlich mit darauf gestellten Betonelementen „verziert“. Ich habe deshalb beantragt, das Hindernis zu entfernen. Jedoch: Dieser Teil des Naschmarkts gehört derzeit noch zum vierten Bezirk. Also wurde dort auf Antrag der Grünen einstimmig die Entfernung des störenden Relikts beschlossen. Aber: Die Gemeinde macht es wie der Betonklotz und legt sich quer! Die SP-Stadträtin Frauenberger teilte mit, „dass eine ersatzlose Entfernung des Betonblocks aus sicherheitstechnischen Überlegungen nicht zu befürworten ist.“

Das ist natürlich völliger Unsinn – die zuständige Fachabteilung dürfte sich die Angelegenheit gar nicht näher angeschaut haben! Aber wenn ein Antrag von den Grünen kommt, wird halt von den Roten prinzipiell erst einmal abgeblockt. Und so ein Betonblock im Schädel ist wahrscheinlich noch schwerer wegzukriegen als jener im Fußgängerdurchgang...

TIEFGARAGE UNTERM GRÜNWALD-PARK? Herr Kommerzialrat Akan Keskin ist Landesgremialobmann für Markthandel in der Wirtschaftskammer Wien, Vizepräsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes und SP-Bezirksrat. Dank seiner guten Kontakte zum Marktamt hat er es geschafft, eine Bauund Betriebsbewilligung für ein großes neues Lokal am Naschmarkt zu ergattern – und zwar unter Umgehung der Mariahilfer Bezirksvorstehung.

Mein Einwand, dass für ein derartiges Bauvorhaben sämtliche Bäume des Parks gefällt werden müssten, war Herrn Keskin jedoch herzlich gleichgültig. Man könne ja nachher ohnehin neue Bäume pflanzen... Der Herr SP-Bezirksrat aus unserem Nachbarbezirk Margareten wird mit seiner Forderung natürlich nicht durchkommen – das werden wir Grüne schon zu verhindern wissen. Aber die SP versucht eben immer wieder (übrigens stets mit freundlicher Hilfe von VP und FP), teure Tiefgaragen unter Parkanlagen zu errichten. Übrigens: Die SP-Vorsteherin hat sich – trotz mehrerer Anfragen – noch immer nicht von ihrer Forderung nach einer Großgarage unter dem Naschmarkt distanziert.

Der Betreiber des trendigen Szene-Lokals „OrientOccident“ hat unlängst auch am Beteiligungsverfahren Naschmarkt im Mariahilfer Amtshaus teilgenommen. Hier hat er mit einer radikalen Forderung aufhorchen lassen: Es wäre sein innigster Herzenswunsch, dass unter dem Alfred-Grünwald-Park an der Linken Wienzeile möglichst bald eine große Tiefgarage errichtet werde. Als Initiator der Bürgerinitiative, die diesen Park erkämpft und jahrelang betreut hat, aber auch wiederholte Verbauungsversuche verhindern konnte, wollte ich diese Forderung natürlich nicht unwidersprochen lassen.

Richard Weihs Bezirksrat richard.weihs@gruene.at 3


NASCHMARKT : SEHNSUCHT NA seite des Naschmarkts deutlich attraktiver machen. Nichtgenutzte Gehsteige und Stiegen ohne Rampen würden dann der Vergangenheit angehören. Eine weitere Barriere bildet die Schleifmühlgasse mit ihren Sperrgittern und den viel zu engen Gehwegen zwischen der Rechten und Linken Wienzeile, die eine Querung jedes Mal zu einem Spießrutenlauf geraten lassen. Warum kann man dieses Straßenstück eigentlich nicht dauerhaft sperren und in den Naschmarkt integrieren, ähnlich wie vor vielen Jahren die Faulmanngasse? Eine durchgängige Flaniermeile mit dem Dorfund Kulturplatz Schleifmühlgasse ist sicherlich keine Utopie, sondern nur eine Frage der Rückeroberung des öffentlichen Raumes. Es wäre eine absolute Notwendigkeit, diesen dann auch noch mit dem Fahrrad leicht und bequem erreichbar zu machen. Doch auf die Weiterführung des WientalRadweges zum Karlsplatz warten wir trotz positiver Beschlüsse der Bezirksvertretung schon sehr lange. Konfliktzonen bleiben somit weiterhin bestehen und werden keiner Lösung zugeführt.

Reges Treiben Dem Naschmarkt stehen einige positive Veränderungen bevor, wie etwa die Erneuerung von Infrastruktur-Einbauten (Kanal, Strom, Beleuchtung). Diese Gelegenheit wurde dazu benutzt, um einen Diskussionsprozess einzuleiten, der sich den Themen Verkehr, Leitbild, Marketing und zukünftige Gestaltung widmet. Natürlich spielen in diversen Arbeitskreisen auch Überlegungen zu Verbesserungen der Situation des öffentlichen Raumes eine wichtige Rolle: Defizite wurden festgestellt, die nach neuen Oberflächen- und Nutzungskonzepten rufen. Genau zu diesen Punkten haben wir Mariahilfer Grüne aber schon ziemlich konkrete Vorstellungen, wie dieser umkämpfte öffentliche Raum des Marktgebietes zugunsten von FußgängerInnen und radelnden Personen verbessert werden könnte. Prinzipiell sollten weitere Flächen für neue Standnutzungen, Kulturveranstaltungszonen und Ergänzungseinrichtungen erschlossen werden. Die Überplattung des derzeit freiliegenden U-Bahnabschnittes zwischen Pressgasse und Schleifmühlgasse würde nicht nur ein unansehnliches Loch verschwinden lassen, sondern auch Platz für neue Stände bieten und die Hinterhof-

Totes Loch

4


CH GESCHICHTE UND ZUKUNFT Anstatt für diese Defizite ein rasches Planungskonzept zu erstellen, da ja Handlungsbedarf besteht, will die KonsumentInnenschutz-Stadträtin Sandra Frauenberger nun ein neues Wiener Marktkonzept erstellen, und zwar mit Hilfe eines interfraktionellen Arbeitskreises, in dem auch die Naschmarkt-Agenden behandelt werden sollen. In ihrer Medieninformation vom 8. Mai „Neues Marktkonzept für Wien – Frauenberger will Wiener Märkte als Marke etablieren“ ist folgendes nachzulesen:

wegen einer Demonstration oder eines Unfalles zufällig einmal gesperrt ist. Blitzschnell nehmen da die Passanten die Strasse in Besitz um darauf zu promenieren. In solchen Momenten erinnert sich der Naschmarkt wieder an jene Zeiten, in denen die Wienzeile noch als Boulevard geplant und Urbanität sowie Stadtarchitektur noch nicht von Autokolonnen und Abgasen geprägt war. Da beginnt er langsam durchzuatmen, befreit vom viel zu engen Korsett der alltäglich sich dahin windenden Blechschlangen.

„Frauenberger erteilte in diesem Zusammenhang auch jenen „wildwüchsigen“ und unkoordinierten Ausbauplänen des Naschmarktes, die immer wieder kolportiert werden, eine klare Absage. Überdachungen, Überplattungen und ähnliches seien nicht nur illusionistisch und nicht finanzierbar, sondern auch bar jeder Vernunft. Abgesehen von denkmalschützerischen Aspekten müsse das Flair gerade dieses einzigartigen Marktes auch erhalten bleiben, so Frauenberger. Grundlage für das neue Wiener Marktkonzept und hier speziell für den Naschmarkt wird übrigens auch das Ergebnis des StandlerInnen - Beteiligungsverfahrens sein.“

Eine Vorstellung von der Aneignung des öffentlichen Raumes liefert das erste Naschmarktfest, bei dem sich der Markt nicht nur als Konsum-, sondern auch als Kulturschauplatz präsentieren wird. In Kombination mit dem dreitägigen Straßenfest in der Schleifmühlgasse zeigt sich dieses Gebiet als Großkulturraum, in dem sich die Kreativität des Viertels manifestiert.

Da sind wir jetzt aber schon sehr gespannt, wie die Frau Stadträtin Ideen und Vorschläge des Mariahilfer Naschmarkt-Beteiligungsverfahrens integrieren wird, nachdem sie diesen bereits im Vorfeld eine klare Absage erteilt hat.

Manfred Rakousky Bezirksrat manfred.rakousky@gruene.at

Aber vielleicht gelingt es ihr ja, einmal jene seltenen Augenblicke wahrzunehmen, wenn die Linke Wienzeile

Der grüne Bezirksrat Manfred Rakousky ist der neue Klubvorsitzende der Grünen Alternative Mariahilf.

Naschmarkt-Fest

veranstaltet vom Magazin „Der Naschmarkt“

Freitag, 27. 6. 2008 von 10 – 19 Uhr

Kinderprogramm: Mal-Wettbewerb, Zauberer, Spieltest Live-Acts: Braq, d’Gigerln, Emilio Laser, Nanomedici, Mag. Rudi, Tiga, Richard Weihs DJ’s: InDJury, Impuls, Minatrix, Max Mustermann, Willi Wonha u. a. sowie Künstler-Symposium, Kurzfilm-Premiere, Literatur, Fashion-Show http://www.wienernaschmarkt.eu/

5


LÄRM VERURSACHT STRESS …und schadet somit unserer Gesundheit. Da ich gewissermaßen direkt davon betroffen bin, weiß ich nur zu gut, dass derartige Aussagen von Ärzten sehr ernst zu nehmen sind. Ich arbeite seit vierzig Jahren in der Gastronomie, daher habe ich so meine Erfahrung mit Lärmbelästigung: Laute Musik, lärmende Gäste bis spät in die Nacht hinein, jahrelang auch ab vier Uhr in der Früh. Das war sicher nicht das Beste für meine Gesundheit. Aber es ist eben mein Geschäft: Ich hätte es natürlich auch anders machen können, doch wir mussten davon leben. Andere Menschen wohnen an stark frequentierten Straßen oder unter Flugzeug-Einflugschneisen. Natürlich, sie könnten ja auch übersiedeln – aber

vielleicht haben sie gar nicht die Möglichkeit dazu. Die Politiker sind deshalb schnellstens gefordert, Gesetze zu erlassen, die unsere Gesundheit vor Lärm schützen. Wir sollten uns tunlichst vor permanentem Lärm schützen bzw. von Gesetzen beschützen lassen, die auf unser aller Gesundheit achten.

Waltraud Freyberger Bezirksrätin waltraud.freyberger@gruene.at

LÄRM MACHT KRANK Ähnlich wie beim Klimaschutz schieben sich ÖVP und SPÖ gegenseitig die Verantwortung zu - auf der Strecke bleiben lärmgeplagte BürgerInnen. Wir fordern, dass die Lärmkarten und Lärmaktionspläne für Wien endlich veröffentlicht werden. Außerdem muss auch die Lärmgesetzgebung in Österreich verbessert werden, sodass Betroffene ein Recht auf die Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen bekommen.

Lärm ist ein Krankmacher ersten Ranges. Damit endlich gehandelt werden kann, müssen die Wiener Lärmkarten schnellstens veröffentlicht werden. 44 Prozent der WienerInnen fühlen sich durch Lärm belastet und gestört. 17 Prozent der Wiener Bevölkerung sind einem Lärmpegel ausgesetzt, der auf Dauer das Herzinfarktrisiko um 30 Prozent erhöht. Der Anteil, der am höchsten durch Lärm belasteten Straßen ist zwischen 1996 und 1999 um sieben Prozent gestiegen. An über 95 Prozent der Wiener Hauptstraßen liegt die Lärmbelastung über den geltenden Grenzwerten. Die Lärmmessungen, die wir im Rahmen der Kampagne „Lärmstopp“ durchgeführt haben, haben diese Zahlen bestätigt. An vielen Orten ist mehr es viermal lauter als die Vorsorgewerte der Weltgesundheitsorganisation.

Nicht zu akzeptieren ist, dass angesichts dieser Situation SPÖ und ÖVP die Hände in den Schoß legen und nichts gegen die Lärmbelastung unternehmen. Die Europäische Umgebungslärmrichtlinie schreibt den Städten und Gemeinden vor, den Lärmpegel zu senken. Während in Deutschland schon für viele Städte Lärmkarten und Maßnahmenpläne erstellt wurden, ist hier die Stadt Wien und der Bund weiter säumig.

Rüdiger Maresch Gemeinderat ruediger.maresch@gruene.at 6


KEINE DRITTE FLUGHAFENPISTE! Insbesonders das Land Niederösterreich hat hier krass rechtswidrige Persilscheine für UVP-Freiheit ausgestellt, die dem Flughafen Ausbauten erleichtert und verbilligt haben. Diese Missstände sind schleunigst zu sanieren. Die Grünen vermissen hier nicht zuletzt bei BM Faymann jeden politischen Gestaltungswillen. Konkrete Maßnahmen zur Entlastung der Fluglärmbetroffenen und der Umwelt müssen Vorrang haben: Die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung für die bereits nach Luftfahrtgesetz genehmigten und teilweise realisierten Anlagen ist sauber nachzuholen, Auflagen zum Lärmschutz, die in allen bisher erteilten Bescheiden der Luftfahrtbehörde fehlen, sind ein Gebot der Stunde. Mit objektseitigen Maßnahmen werde dabei keinesfalls das Auslangen zu finden sein, die Grünen verlangen auch Betriebszeitenregelungen bzw. Kontingentierung der Flüge. Moser: „Wenn hier nichts weitergeht, kann von Umweltverträglichkeit im Zusammenhang mit dem Flughafen Schwechat nicht ernsthaft die Rede sein.“ Zudem warnt Moser vor einem Milliardengrab: „Jeder weitere auf das AUA-Geschäftsmodell orientierte Ausbau könnte angesichts der Turbulenzen der AUA rasch zum ‘stranded investment’ werden. Statt jetzt mit Gewalt unumkehrbare Ausbau-Fakten zu schaffen, wäre eine Nachdenkpause beim Flughafenausbau auch aus diesem Grund dringend geboten“.

Die Grünen sind gegen die dritte Piste in Schwechat. Jeder weitere Ausbau kurbelt das ohnedies bereits gewaltige Wachstum des umwelt- und klimabelastenden Flugverkehrs künstlich an. Der stadtnah gelegene Wiener Flughafen ist aber für ein Wachstum ohne Grenzen nicht geeignet. Schon heute sind hunderttausende Menschen in Wien und in der Region vom gesundheitsgefährdenden Fluglärm betroffen. Die Stadt Wien, das Land Niederösterreich und der Bund wären gut beraten, Aktionärsinteressen und Profit nicht über Gesundheit und Lebensqualität der Menschen zu stellen“, hält Gabriela Moser, Verkehrssprecherin der Grünen, anlässlich des Starts zur Umweltverträglichkeitsprüfung des Projekts „Dritte Piste“ fest. Die Grünen werden die GegnerInnen der dritten Piste im Verfahren unterstützen. Moser verlangt darüber hinaus andere Prioritäten vom Flughafen und von der verantwortlichen Politik mit Bundesminister Faymann an der Spitze: „Es ist reichlich mutig, ein weiteres Umwelt belastendes Mega-Projekt wie die dritte Piste anzustoßen, wenn schon jetzt ein Berg rechtlicher „Altlasten“ rund um den Flughafen unerledigt auf dem Tisch liegt. Bei den Ausbauten der letzten Jahre wurde europäisches und innerstaatliches Recht ignoriert, wie die EU-Kommission nach einer EU-Beschwerde der Fluglärmbetroffenen zweifelsfrei festgestellt hat.

Gabriela Moser Verkehrssprecherin gabriela.moser@gruene.at 7


D E R

F L A K - T U R M

Die Abkürzung FLAK steht für Fliegerabwehrkanone. Der Idee zugrunde liegt die so genannte Flak-Hypothese, nämlich dass ein Bombenflieger beim Zielanflug sein Ziel eine gewisse Zeit lang geradlinig ansteuern muss, bis die Bomben ausgeklinkt werden können. Innerhalb einer Anflugdauer von 50 Sekunden (etwa 6 km) konnte ein Geschütz damaliger Bauweise etwa 12 – 16 Schuss auf den Angreifer abgeben, bei den in Wien eingesetzten Zwillingsgeschützen (Kaliber 12.5 cm) also doppelt so viele.

Leitturm. Bei dem Flakturm im Esterhazypark handelt es sich um den Leitturm für den Gefechtsturm in der Stiftskaserne. In Wien wurden drei solche Paare von Flaktürmen errichtet. Zwei Türme befinden sich im Augarten, zwei im Arenbergpark, einer in der Stiftkaserne (Geschützturm) und einer im Esterhazypark. Im 21. Bezirk (Gerichtsgasse) befindet sich ebenfalls ein Bauwerk, das einem Flakturm von der Bauweise sehr ähnlich ist, aber nie fertig gestellt wurde. Geschichte Flaktürme mussten im verbauten Gebiet relativ hoch angelegt werden, die unteren Ebenen waren daher eher nutzlos und wurden propagandistisch als Luftschutzbunker eingerichtet. Die Türme im 6./7. Bezirk gehörten der letzten von drei Bautypenreihen an (d.h. es wurde bereits an Material gespart) und erfüllten nur einen geringen militärischen Nutzen; ihre symbolische Bedeutung als Schutz- und Wehrbauten war für ihre Realisierung mindestens ebenso wichtig. Die Präsenz der sechs Flaktürme im Zentrum Wiens ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bedrohung der Zivilbevölkerung im „totalen Krieg“ bewusst in Kauf genommen wurde. Der Luftkrieg wurde als „Zukunftskrieg“ schon lange vor Beginn des zweiten Weltkrieges vom nationalsozialistischen Regime kalkuliert und der Bau von Luftschutzbunkern und Fliegerabwehrtürmen dabei als vermeintliche Fürsorglichkeit propagandistisch inszeniert. Für die Standortwahl waren folgende Überlegungen ausschlaggebend: Die Bauplätze mussten in den dicht bebauten Stadtzentren ausreichend groß und in der Nähe von Bahnhöfen gelegen sein, um die Zulieferung des Baumaterials zu gewährleisten. Im Falle des Esterhazypark-Bunkers erfolgte die Zulieferung über den Westbahnhof und auf Straßenbahnschienen (Mariahilfer Linien, Linie 13). Weiters ausschlaggebend für die Standortwahl war die sofortige Verfügbarkeit – also meist in Parks.

Der Erfolg war jedoch denkbar gering. Die US-Luftstreitkräfte griffen mit besonders beschussfesten Flugzeugen in 8.000 Metern Höhe an. Das Konzept der Flaktürme war also – wie so oft in der Militärtechnik – bereits bei Ende ihrer Fertigstellung einigermaßen überholt! Wegen der starken Rauchentwicklung durch die Geschütze mussten die Messgeräte auf einem eigenen Turm untergebracht werden. Je zwei Türme bildeten also ein Paar, bestehend aus Gefechts- und

Der Anteil deutscher bzw. österreichischer Arbeitskräfte am Flakturmbau sank auf Grund der Einberufungen 8

I M


M

E S T E R H A Z Y P A R K dersetzung mit einem der dunkelsten Abschnitte der österreichischen Geschichte. Ausdruck für die seit der Moskauer Deklaration legitimierte „Opferthese“ Österreichs ist nicht zuletzt der Umstand, dass alle Wiener Flaktürme im Gegensatz zu den deutschen Exemplaren bis heute unkommentiert und bedenkenlos bestehen. Die heute oft als „Kriegsmahnmale“ bezeichneten Flaktürme stehen seit Jahrzehnten als moderne Zweckarchitektur unter Denkmalschutz. Nachnutzung: Haus des Meeres So wurden zunächst jene Projekte umgesetzt, die ohne architektonischen Anspruch etwas im Inneren der Flaktürme bunkern: Im Haus des Meeres werden auf über 3.500 m2 mehr als 6.000 Tiere gezeigt. In der Terrarienabteilung finden sich Krokodile, Gift- sowie Riesenschlangen und Echsen. In den oberen Stockwerken finden sich Forschungseinrichtungen, wo Nahrung für die Exponate gezüchtet wird und Gegengifte für Verletzungen durch giftige Tiere in privater Haltung in Wien und Niederösterreich verfügbar sind. Das oberste Stockwerk ist als Aussichtsplattform nach diversen gescheiterten Projekten (Kaffeehausmuseum, Hotel) begehbar.

Radaranlage der jüngsten Jahrgänge zur Wehrmacht stetig und wurde durch Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Häftlinge aus den Konzentrationslagern ersetzt. Die Besatzungen der Flakbatterien wurden an die Front geschickt und durch Jugendliche und Berufsschüler ersetzt, selbst 15-Jährige kamen als so genannte Luftwaffenhelfer auf den Flaktürmen zum Einsatz. Architektur

Das Haus des Meeres widmet sich heute allerdings nicht mehr nur zoologischen Themen: Auf insgesamt vier Etagen informiert die Dauerausstellung „Die geheimnisvolle Geschichte der Flaktürme“ über die Betonbauten aus dem zweiten Weltkrieg.

Mit der Planung der Wiener Türme beauftragt wurde der deutsche Architekt Friedrich Tamms1. Die Ausführung übertrug man Berliner Großbaufirmen, die der Organisation Todt unterstanden. Behübschungen nach dem Berliner Vorbild waren in Wien (mit Ausnahme des Turmes in der Stiftskaserne) anbetracht des Zeitdruckes nicht mehr vorgesehen – alle sechs Türme standen nach 6 bis 9 Monaten Bauzeit im Rohbau. Die Bauweise 2 bzw. 3 sah zudem eine sparsamere Variante gegenüber den Berliner Vorbildern vor, da die Anlieferung des Baumaterials zur Zeit der Errichtung bereits extrem schwierig war.

Außen, am obersten Stockwerk des Esterhazy-Turms findet sich seit 1991 ein Schriftzug von Lawrence Weiner, der gemeinhin als eines der wichtigsten Werke des Amerikaners im öffentlichen Raum gilt: „Zertrümmert in Stücke / in der Stille der Nacht“.

Ungeachtet der Tatsache, dass die sechs massiven Stahlbetonmonolithe in der Wiener Innenstadt markante städtebauliche Positionen einnehmen, fristen sie ihr Dasein seit Kriegsende fernab jeder gelebten Auseinan1

Erich Dimitz Bezirksrat erich.dimitz@gruene.at

Sowohl Tamms als auch Todt wurden nach dem Krieg übrigens – wie die meisten Nazi-Architekten – voll rehabilitiert. Von Tamms stammt auch das erste Wiener U-Bahn-Konzept (1970)

9


ERINNERN FÜR DIE ZUKUNFT Den vielen hunderten Menschen, die während der nationalsozialistischen Diktatur aus Mariahilf deportiert und ermordet wurden, soll ein ehrendes Andenken bewahrt werden. Deshalb werden im Jahr 2008 Gedenkobjekte an den letztbekannten Wohnadressen angebracht. Erinnern heißt für uns: Nie wieder zuschauen und sagen, was habe ich damit zu tun!

70 Jahren. Eine HistorikerInnenKommission trifft sich regelmäßig, um den individuellen Schicksalen der Opfer nachzugehen. Wir danken dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands für die Opferlisten und Dr. Wolf-Erich Eckstein vom Matrikelamt der Israelitischen Kultusgemeinde für Ergän zungen.

Im Zentrum des Projektes, das von allen politischen Fraktionen einstimmig beschlossen wurde, steht die Anfertigung und Anbringung von Gedenktafeln für die etwa 740 in der NS-Zeit ermordeten MariahilferInnen. Derzeit wissen wir von 724 jüdischen Menschen, die nach den Nürnberger Rassegesetzen verfolgt und umgebracht wurden, und acht ermordeten behinderten Kindern.

Patenschaften Dieses Erinnerungsprojekt ist nicht nur auf die tätige Mithilfe der Bezirksbevölkerung angewiesen, sondern auch auf finanzielle Unterstützung. Helfen Sie mit, indem Sie die Patenschaft für ein Gedenkobjekt übernehmen! Eine Patenschaft kostet 150,- Euro.

Messingplättchen, 10 x 10 cm, für jede einzelne Person tragen die Inschrift „Hier wohnte“ sowie Namen und Lebensdaten. Inspiriert ist diese Aktion von Gunter Demnigs „Stolpersteinen“, die schon in einigen Städten der Bundesrepublik Deutschland, in Mödling und Braunau am Inn im Jahr 2006 und aktuell gerade in Salzburg verlegt wurden.

Wir bitten um Einzahlung auf das Konto 323 7807, BLZ: 32000 - Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, lautend auf Mariahilfer Kulturplattform – „Erinnern für die Zukunft“. Selbstverständlich sind auch Spenden in jeder Höhe willkommen. Homepage: http://www.erinnern-fuer-die-zukunft.at Erich Dimitz

Beim Mariahilfer Projekt gab und gibt es Diskussionen über die Anbringungsart der Gedenkobjekte. Einigen erscheint die Anbringung im Boden als unwürdig bzw. unangemessen, es wurden auch Bedenken bezüglich der Sicherheit geäußert. Deswegen wird es in Mariahilf auch Anbringungen an Hausfassaden geben. Dafür müssen allerdings die HausbesitzerInnen ihr Einverständnis geben, was leider oft nicht der Fall ist und auch einen zusätzlichen administrativen Aufwand bedeutet. Neben den Erinnerungstafeln steht im Mariahilfer Projekt das Lernen aus der Vergangenheit im Zentrum. Zahlreiche KünstlerInnen befassen sich das gesamte Jahr über mit Orten und Ereignissen der Gewalt durch Menschen an Menschen in unserem Bezirk vor 10


Ö V P - FA R C E U M G A N S LW I R T „Wer is stärker – i oder i?“ hat sich der profilierungssüchtige Obmann der Mariahilfer ÖVP wohl gedacht. Anders ist sein völlig widersprüchliches Verhalten in der Causa Ganslwirt nicht zu erklären. Einerseits unterstützt er die Übersiedlung der sozialmedizinischen Drogenberatungsstelle an den Gürtel und ruft sogar vehement nach Beeilung. Aktuelles Zitat auf der Homepage der VP Mariahilf: „Weitere Verzögerungen sind allen Betroffenen nicht länger zumutbar!“

Und da hört sich der Spaß auf: Hier wird aus hemmungslosem Opportunismus miese Politik auf dem Rücken suchtkranker Menschen gemacht (worunter dann auch die AnrainerInnen zu leiden haben). Von christlich-sozialen Werten keine Spur – dafür aber der patscherte Versuch, die spekulative Angstmacherei der FP noch zu unterbieten. Übrigens: Die Blauen stagnieren in Mariahilf aus gutem Grund bei 7,28 Prozent...

In der letzten Sitzung des Bezirksparlaments hat er sogar einen Antrag zur „Gewährleistung der Übersiedlung des Ganslwirtes in den Neubau am Gumpendorfer Gürtel“ gestellt. Gleichzeitig ist er nun aber auch gegen die Übersiedlung der Beratungsstelle dorthin. Denn: „Hier gibt es bereits eine Konzentration an sozialen Einrichtungen, gleichzeitig verkommt das Grätzel immer mehr!“ Und er unterstützt deshalb aktiv AnrainerInnen, die Unterschriften gegen die Übersiedlung sammeln...

Ja, also was denn jetzt? Billigen Populismus sind wir von Seiten der Bezirksschwarzen ja schon zur Genüge gewöhnt – aber gleichzeitig dafür und dagegen zu sein ist doch ein ziemlich starkes Stück! Und das, obwohl die VP Mariahilf selbst eingesteht: „Die Einrichtung platzt aus allen Nähten, wodurch eine entsprechende Betreuung immer schwieriger wird.“

Ganslwirt

Grüner Erfolg: Tafeln für Flöge und Loos Mehr als fünf Jahre hat es gedauert, bis die vielen verschiedenen Instanzen der Rathausbürokratie unserem Antrag endlich stattgegeben haben. Worauf sich die rote Vorsteherin natürlich prompt für die Anbringung der Tafeln feiern ließ.

Am 12. Dezember 2002 beantragte die grüne Bezirksrätin Isolde Zach, damals Vorsitzende der von ihr ins Leben gerufenen Frauenkommission, dass am Haus Mariahilfer Straße 1b Gedenktafeln für die Künstlerinnen Emilie Flöge und Lina Loos angebracht werden mögen.

Natürlich: Fünf Jahre sind schließlich eine lange Zeit – da kann man schon auf die wirkliche Urheberin der Initiative vergessen. Aber wir Grüne freuen uns trotzdem über unseren Erfolg und hoffen, dass wir auf die von uns beantragte Gedenktafel für den Jazz-Musiker Uzzi Förster nicht auch so lange warten müssen...

Der Vater der Schauspielerin und Schriftstellerin Lina Loos war Inhaber des von zahlreichen Künstlern frequentierten Cafés „Casa Piccola“ in diesem Haus. Und die Modeschöpferin Emilie Flöge betrieb hier einen berühmten Modesalon. 11


MARIAHILFER PLATZMÄNGEL Tja. Bleibt noch hinzuzufügen, dass der verschandelte Platz auf Antrag der Mariahilfer SPÖ nach dem früheren Justizminister Christian Broda benannt werden soll. Wir Grünen haben dem wegen seiner unbestreitbaren Verdienste zugestimmt (u. a. Aufhebung der Todesstrafe, rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau, Aufhebung der Strafbarkeit von Homosexualität). Dies geschah in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts – einer Zeit, der die SP heute mangels vergleichbarer Reformen gerne gedenkt.

Schon letztes Jahr haben wir über die misslungene Neugestaltung des „Mariahilfer Platzls“ beim Westbahnhof berichtet. Fast eine Million Euro hat die Asphaltierung und Verstachelung des Areals gekostet. Das preisgekrönte ursprüngliche Architektenprojekt war nur teilweise verwirklicht worden, die Unzufriedenheit bei den AnrainerInnen war enorm.

Aufgeschreckt durch Zeitungsschlagzeilen wie „Schock über Betonwüste!“ trat die für das Planungsdesaster mitverantwortliche Bezirksvorsteherin die Flucht nach vorne an und verstieg sich dabei sogar zur Aussage, der neue Platz wäre der am besten angenommene des ganzen Bezirks. Mehr noch: Er würde zum „Durchatmen und Besinnen“ anregen.

Gerade im heurigen Gedenkjahr sollte man allerdings nicht darauf vergessen, dass den Verdiensten von Justizminister Christian Broda die nicht nur von Simon Wiesenthal kritisierte „Kalte Amnestie“ gegenüber steht: Das möglichst geräuschlose Einstellen von Strafverfahren wegen NS-Verbrechen. Die SPÖ wollte so verhindern, dass Freisprüche von des Massenmordes Angeklagten dem Ansehen Österreichs schadeten. Als Vorgesetzter der Staatsanwaltschaften ließ es Broda zu, dass in seiner Amtszeit solche Verfahren meist mit nur geringer Energie und der Absicht der Erfolglosigkeit betrieben wurden. Broda gehörte zu jenen Sozial demokraten, die sich am massivsten um die „Karriereförderung“ ehemaliger Nazis bemüht haben. Anfang der achtziger Jahre schützte Broda den NS-Arzt und Parteifreund Heinrich Gross (mutmaßlicher Massenkindermörder in der Euthanasieklinik Spiegelgrund) so massiv, dass damals kein Verfahren eröffnet wurde.

Angesichts einer derartigen Chuzpe empfiehlt es sich allerdings, erst einmal tief durchzuatmen – und sodann besonnen zu reagieren. Dies tat auch der Journalist Christopher Wurmdobler und schrieb in der Stadt zeitung „Falter“ die folgende Kolumne.

Platzangst

Diese Woche wurde das „Mariahilfer Platzl“ offiziell eröffnet. Nun klingt das so wahnsinnig gemütlich, nach Geborgen- und Zufriedenheit, nach Verweilen statt Eilen. Dabei handelt es sich bei diesem so genannten „Platzl“ tatsächlich um einen beängstigend großen, zugigen Platz, genauer jenen Teil des Europaplatzes beim Westbahnhof, der dann zur Inneren Mariahilferstraße mutiert – und gemütlich ist hier echt nichts. Statt Architektur, wie vor 20 Jahren ursprünglich geplant, hat man auf dem lange Zeit brachliegenden Gelände nun viele rote Masten und spartanische Sitzgelegenheiten aus Beton angebracht. Dazwischen wurden ein paar Ladungen Asphalt gekippt. Alles, damit sich Menschen mit Platzangst wohl fühlen, toll!

Wer plant denn so etwas? Erwartet man tatsächlich, dass sich auf diesem Parkplatz ohne Autos jemand niederlässt? Entschuldigung, wir klingen fast schon wie die Konkurrenz, aber in einer ohnehin schon ziemlich asphaltorientierten Gegend wie dieser: Hätte man da nicht ein kleines bisschen mehr mit Grünzeug arbeiten können? Immerhin: Die Masten spenden zwar keinen Schatten, aber sie machen auch keinen Laubdreck. Wie praktisch.

12


N E U E R R A D FA H R B O O M Radtourismus und der Bau von Radfahr-Infrastruktur zu rechnen. Radfahren entwickelt sich mehr und mehr zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Auch die Beschäftigungswirkung des Ausbaus der Radfahrinfrastruktur ist sehr hoch. Laut WIFO ist die Beschäftigungswirkung des Radinfrastrukturausbaus pro Million Euro zwei bis zweieinhalb Mal so hoch wie beim Autobahnausbau.

Der Radfahrboom in Österreich kurbelt auch den Fahrradverkauf an. Seit dem Jahr 2001 wurden in Österreich bereits 2,69 Millionen Fahrräder verkauft. Im Vorjahr kletterten die Fahrradverkäufe auf mehr als 400.000. Damit wurden in Österreich um rund 100.000 Fahrräder mehr verkauft als Pkw. Durch den Verkauf von Fahrrädern, Zubehör, Service und Versicherungen wurden rund 330 Millionen Euro umgesetzt. Zum Wirtschaftsfaktor sind zudem der

S O M M E R - LO C H So wie andere Länder ihr LOCH NESS haben, hat Mariahilf immer wieder die Verbauung des FlakTurmes im Esterhazy-Park als Pausenfüller im Sommer-Loch. Da taucht doch unlängst in einem Jubelartikel des SP-Bezirksblattes gerade jenes Projekt wieder auf, das den Park am nachhaltigsten schädigen würde. Das mit den beiden Begleit-Türmen, die in den Himmel wachsen, das Projekt des Größenwahns. Na ja, wer hat denn daran geglaubt, dass gerade jene, die die allerbesten Drähte zu den Rathaus-Roten haben, kampflos die Segel streichen würden – wen von denen hat denn schon jemals ein demokratisches NEIN wirklich überzeugt!?? Und, ist die sehr geehrte Frau Bezirksvorsteherin jetzt doch von diesem Projekt überzeugt worden??? Werner Haslauer 13


W E R B U N G ,

A N

D E R

N I

Die Plakatfirma GEWISTA hat kürzlich einen weiteren Schritt unternommen, um ihre Monopolstellung im Ankündigergewerbe zu festigen. Um Wien EM-tauglich zu gestalten war es angeblich dringend notwendig, so genannte „Halbschalen“ zu montieren, die der bisher üblichen Praxis des freien Plakatierens ein Ende setzte: Den ach so feinsinnigen Fußballfans könne doch keine Stadt zugemutet werden, die mit Wildplakaten nur so zutapeziert sei.

und das Gefahrenpotential für Sehbehinderte: Denn die Plakatkästen sind mit dem Blindenstock nicht ertastbar. Doch abgesehen davon, dass sie hässlich und unpraktisch sind: Es ist die reinste Profitmacherei seitens der SPÖ-beteiligten GEWISTA. Der Hinweis darauf, dass man mit den Ex-WildplakatiererInnen im besten Einvernehmen stünde, ist ein Witz: Auf dass die Liste der Ehemaligen etwas länger wird, hat man kurzerhand in der Szene Wien die bis dato GESCHÄFTSFÜHRERIN Gina Salis-Soglio gegen Josef „Muff“ Sopper, seines Zeichens neuer GESCHÄFTSFÜHRERIN der Szene Wien , ausgetauscht. Sopper ist übrigens mit 15% an der GEWISTA–Firma Kulturplakat beteiligt. Auch als (Mit)Organisator des Donauinselfests und Erste Mai– Festes der SPÖ kennt man ihn. Wie praktisch: Jetzt kann er seinen Veranstaltungen ohne unnötige Umwege gleich mit Halbschale versorgen.

Die GEWISTA in Gestalt ihrer Tochterfirma „Kulturplakat“ sichert sich mit dem neuen Werbeträger Halbschale das letzte Segment in der ohnehin weitgehend monopolisierten Ankündigungsbranche. Wildplakatieren wird mittlerweile mit einer Geldstrafe von ca. 2200 € geahndet (Plakat-Entfernung inklusive). Die legale Variante ist zwar etwas billiger, dafür kann der Platz der Affiche nicht frei gewählt werden.

Zweifelhaft erscheint der neue Werbeträger – oder besser: die Unmöglichkeit, ihn zu umgehen, auch unter dem Aspekt der Meinungsfreiheit und der privilegierten Nutzung des öffentlichen Raums. Auf die (nicht zuletzt ökonomischen) Hürden für kleinere Kulturvereine wurde bereits hingewiesen. BürgerInneninitiativen etwa müssten künftig ebenfalls bei der GEWISTA anfragen. Im Rathaus wurde im Zuge einer Antragsstellung der Grünen Alternative auf Entfernung der Halbschalen bis zur Gewährleistung von freien Flächen für alle, zu den bedenklichen Ausmaßen der GEWISTA-Monopolstellung von Marco Schreuder treffend bemerkt, dass in naher Zukunft Affiche über entlaufene Katzen von der GEWISTA verwaltet würden. Wenn das so weiter geht, wird Wien sich eine Speaker`s Corner nach englischem Vorbild zulegen müssen, um Bekanntmachungen nach Gutdünken zu verbreiten.

Versetzten wir uns einmal in die Lage eines Theaterensembles in Mariahilf, das eine seiner Vorstellungen bewerben will: Ensemble X müsste bei „Kulturplakat“ die Herstellung und Affiche eines Sujets in exakt 100facher Ausführung bestellen. Legale Alternativen dazu gäbe es nicht. Wählen könnte Ensemble X zwischen zwei Rayons: Erstens Innere Stadt, zweitens die Bezirke 2 - 23. Das kleine Ensemble aus dem 6. Bezirk hätte früher vielleicht 200 Plakate im Eigendruck fabriziert und im Grätzel aufgehängt. Jetzt werden die Plakate über ganz Wien verteilt, fernab des eigentlichen Zielpublikums. Eine ganze Woche lang. Der Preis: ca. 700 € im Rayon Leopoldstadt bis Liesing. Ein immer wieder (vor allem von der GEWISTA) vorgebrachtes Argument ist die moderne, urbane Behübschung durch die Verhalbschalung der Stadt. Die Schönheit einer DIN A1-formatigen, rechteckigen Mastenverkleidung bleibt Geschmackssache. Problematisch aber ist die Teilverbarrikadierung der Gehsteige

Judith Zach Bezirksrätin 14

Susanne Pircher Bezirksrätin


E M A N D

V O R B E I K O M M T Ein besonders eklatanter Fall von Verhalbschalung: Das Papiermacher-Platzl bei der Rahlgasse. Der Plakatträger wurde genau in der Mittelachse des Platzes an einem Lichtmast angebracht. Dadurch ist der historische Brunnen von vielen Sichtpositionen nur mehr teilweise verdeckt wahrzunehmen. Das Erscheinungsbild des Platzes wird durch diese Halbschale massiv gestört.

G R O ß S TA D T FA U N A : D I E TA U B E N Motto: Blinde gehen, Lahme sehen – und die Tauben fliegen auf. (Funny van Dannen)

Manche Menschen bezeichnen sie als „Flugratten“ und würden sie am liebsten alle gnadenlos vertilgen: Die Tauben. Für andere wiederum, vor allem für vereinsamte alte Menschen, sind sie arme und hungrige Lebewesen, die es nach Kräften zu füttern gilt. Und für die Stadt- und Bezirksverwaltung kommen sie hauptsächlich im Zusammenhang mit den Worten „Problem“ und „Plage“ vor.

zent im ersten Lebensjahr. Mit zu vielen Tauben kommt es zu Lärm- und Geruchsbelästigungen der Stadtbewohner, Taubendreck an Gebäuden und eventuell Übertragung von Krankheitserregern. Als vernünftig und effektiv haben sich in vielen Städten Konzepte zum Management der Taubenbestände erwiesen. Dabei wird das Taubenproblem gezielt, nachhaltig, umweltschonend und tierschutzgerecht angegangen So kann die Gebäudeverschmutzung reduziert und der Taubenbestand in wenigen Jahren um ein Drittel reduziert werden. Ziel sollte nicht die Vernichtung, sondern ein kleiner gesunder Taubenbestand sein.

Die heutigen Stadttauben sind Nachfolger der Felsentauben. Wegen natürlicher Verluste, der Jungtaubennutzung zur Fleischgewinnung und begrenztem Futter hielten sich die Taubenbestände viele Jahre lang in Grenzen. Erst die Überflussgesellschaft begünstigte die Vermehrung der Vögel. Zufütterung und Stadtklima ermöglichen praktisch Fortpflanzung das ganze Jahr über. Zwei bis acht Mal jährlich können Tauben je zwei Junge aufziehen. Zu viele Tauben auf zu engem Raum – das ist ein menschengemachtes Problem. Hohe Taubenzahlen gibt es vor allem in den Stadtkernen und schaden den Tauben: Stress nimmt zu, Krankheiten und Parasiten treten häufiger auf, die Jungensterblichkeit steigt bis auf 90 Pro15


MARIAHILFER SCHMANKERLN Hartnäckige Werbung Wir haben bereits davon berichtet: Mitten in der KunstInstallation „Smashed to pieces (in the still of the night)“ des Künstlers Lawrence Weiner am Flakturm im Esterhàzy-Park wurde eine Leuchtreklame für das „Haus des Meeres“ montiert. Angeblich hat die mit der Montage beauftragte Firma das Schild dort versehentlich angebracht. Nach Protesten des Künstlers, der Grünen und des Kulturamtes hätte der Schriftzug eigentlich bis Weihnachten 07 entfernt werden sollen. Da dies nicht erfolgte, haben die Grünen im Frühjahr einen Antrag auf Demontage der Leuchtreklame gestellt – passiert bislang ist allerdings noch immer nichts! Na, dann vielleicht bis zu den nächsten Weihnachten...

Hellere Gehsteige in der Gumpendorferstraße! Die städtische Beleuchtung ist auf den motorisierten Verkehr fixiert. Deshalb befinden sich die Beleuchtungskörper grundsätzlich in der Straßenmitte, um den Autos den Weg zu weisen, während die Gehsteige ein kümmerliches Dasein fristen. Wenn höhere Kastenwagen geparkt sind, werfen diese zusätzlich Schatten auf das Trottoir. Personen mit Sehschwächen und Gehbehinderungen sind dann besonders gefährdet! Helle Gehsteige sind sicherer und laden Menschen zum Verweilen und Flanieren ein.

Verlängerung der Autobuslinie 2 A Wir beantragen eine Verlängerung der Linie 2A mit folgender Routenführung: Mariahilferstraße – Webgasse – Grabnergasse – Linke Wienzeile – Brückengasse – Stumpergasse – Mariahilferstraße stadteinwärts. Dies würde eine wesentliche Verbesserung für die Fahrgäste im Nah - und Kurzstreckenbereich bringen, sowie auch eine Direktverbindung zur U3 und der Mariahilferstraße. Bringt mehr Überwachung mehr Sicherheit? Seit Jahresbeginn darf die Polizei ohne richterliche Genehmigung alles überwachen: Private Computer, Telefon und Handy, den Mailverkehr. Der öffentliche Raum ist im städtischen Bereich ohnehin schon längst auf den staatlichen Bildschirmen. Das Ergebnis ist aber nicht die versprochene „Sicherheit“, sondern: Dutzende unaufgeklärte Banküberfälle, unzählige Einbrüche, Gewalttätigkeit im öffentlichen Bereich. Und: Vollüberwachte BürgerInnen! Jederzeit überprüfbare Bewegungen, wer hat mit wem, wo, wann, wie lange telefoniert oder Mails gewechselt. Und das ohne richterliche Genehmigung und ohne dass wir – auch nicht im Nachhinein – von dieser Überwachung verständigt werden. Überwachung bringt also mit Sicherheit nicht ein Mehr an Sicherheit!

Die nächste Sitzung des Mariahilfer Bezirksparlaments findet am

Donnerstag, dem 12.6. ab 17 Uhr im Festsaal des Amtshauses in der Amerlingstraße 11 statt. Sie ist öffentlich frei zugänglich. Schaun Sie sich das an! Bezirksgruppentreffen der Grünen Alternative Mariahilf jeden 1.und 3.Mittwoch ab 20 00 Uhr im Gasthaus Sopherl, Linke Wienzeile 34 http://mariahilf.gruene.at


Die Grünen Mariahilf / 2008