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MAGAZIN

Grosseltern

# 10 / 2019

# 10 / 2019

ERIN Dossier NERU ERZ Ä NGEN H ab Se LEN ite

www.grosseltern-magazin.ch

Grosseltern 46

Das Magazin über das Leben mit Enkelkindern

Géraldine Knie

Strick-Anzug

Das erste Enkelkind

Grossvater Fredy Knie sen. war ihr grösstes Idol. (S. 6)

Warm angezogen geht das Baby in seinen ersten Winter. (S. 70)

Eine Grossmutter über ihre überraschende und überschwängliche Freude. (S. 24)

Grosseltern MAGAZIN CHF 9.50 EUR 8.50


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~ Magazin ~ EDITORIAL

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Erinnerungen

schaffen Zugehörigkeit

ürzlich beobachtete ich meine Mutter und ihre Freundin dabei, wie sie sich Fotos ihrer Enkelkinder zeigten. Während die eine dazu im digitalen Fotoalbum ihres Handys hin- und herscrollte, hatte die andere handfeste Abzüge dabei. «Wenn ich irgendwann im Altersheim lande, habe ich vielleicht die Fotos auf dem Handy nicht mehr», erklärte sie der erstaunten Freundin ihre altmodisch anmutenden Papierfotos. «Dabei wird es doch dann wichtiger denn je sein, Erinnerungen ans Leben dabeizuhaben.» An Vergangenes zurückzudenken, in Fotos, Briefen und Aufzeichnungen zu stöbern, ist das eine. Philosophin Lisa Schmuckli schreibt in ihrem Text ab ­Seite 46 von der Wichtigkeit, diese Lebenserinnerungen auch mit der nächsten Generation zu teilen: «Der Austausch von Erinnerungen schafft eine Zugehörigkeit. Zudem erfahren die Grosseltern durch das Erzählen eine Anerkennung.» Ich finde, man muss ältere Enkelkinder auch nicht mit traurigen Erlebnissen und Schicksalsschlägen verschonen. Sie erkennen, dass jemand, der ihnen nahesteht, Schlimmes durchgemacht hat. Konkrete schwierige Lebenssituationen werden für sie fassbarer und hoffentlich weniger beängstigend als diffuse Katastrophenmeldungen von brennenden Regenwäldern im Amazonas, deren Auswirkungen sie nur teilweise einordnen können. Mein Grossvater hat seine Kindheit unter fürchterlichen Bedingungen als Verdingbub im Berner Oberland verbracht. Weil ich sein Schicksal kenne, berührt mich

KARIN DEHMER legt für ihre Kinder altmodische Fotoalben an. Sie fragt sich, ob die Mühe irgendwann geschätzt wird oder ob die dereinst erwachsenen Kinder sich nicht vielmehr bei jedem Umzug über die schweren Kisten voller Erinnerungen ärgern werden. karin.dehmer@grosseltern-magazin.ch

auch das Schicksal anderer Verdingkinder viel tiefer. Ich weiss eben mehr – ich weiss es aus erster Hand. Von jemandem, der mir gegenübergesessen hat, der mir in anderen Momenten Witze erzählt und stets fröhlich gewesen ist. Grossvaters Geschichte hat mich natürlich traurig gemacht, mich in ihrer Ungerechtigkeit verwirrt und dabei nie hoffnungslos zurückgelassen. Auch Dinge, die Ihnen rückblickend als banal erscheinen, können für Ihre Enkelkinder spannend sein. Wenn Sie erzählen, wie Sie Ihre langen Zöpfe zuungunsten einer Kurzhaarfrisur abschneiden wollten, obwohl Mädchen auf dem Land das Anfang der Sechzigerjahre noch nicht tun durften, ordnet die Enkelin vielleicht ihre eigene Dickköpfigkeit plötzlich anders ein. «Ein Familienalbum visualisiert Erinnerungen und eröffnet ein Gespräch über damals und heute», schreibt Lisa Schmuckli an einer anderen Stelle und erinnert mich daran, meine Eltern darum zu bitten, wenn meine Kinder demnächst bei ihnen zu Besuch sein werden, ihre Fotolaben hervorzuholen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim ­L esen dieser Ausgabe. •

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INHALT # 10 / 2019

Die Nächsten sind dran

Schrittweise geben Walter und seine demente Frau Mona ihren Schrebergarten an Roland, Manuela und ihre beiden Söhne Fynn und Lino (Foto) weiter. Die Geschichte eines gelungenen Generationenwechsels in Bildern. (S. 38)

Wenn Kinder sterben

Maria Flury ist Pflegefachfrau im Palliative Care Team des Kinderspitals Zürich. Im Interview erzählt sie, wie es den Grosseltern dieser Kinder geht. (S. 28)

Zum ersten Mal Grossmutter

Als sie vor 27 Jahren Mutter wurde, gründete Familientherapeutin Karin Gerber (59) eine Kinderkrippe in ihrem Quartier. Heute hütet sie eine Nacht und einen Tag pro Woche Enkel Antony. (S. 24)

Cover: Oliver (4 Monate). Die Anleitung zum Strickoverall finden Sie auf Seite 70. Foto: Marco Scharf.

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~ Magazin ~ INHALTSVERZEICHNIS

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MUSE UMST ES Se ite 62

Magazin

Hintergrund

3 4

Editorial Inhaltsverzeichnis

24

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Meine Grosseltern

28

Überwältigt Familientherapeutin Karin Gerber über die Ankunft ihres ersten Enkelkindes.

Mit Grossvater am Zirkus-­ festival in Monte Carlo war für Géraldine Knie immer ein Höhepunkt.

34

15

18

19

Wo hört das Meer auf?

«Voll cringy.» Grosselterntag in Bayern Bayerns Ministerpräsident Markus Soeder (CSU) führt einen Grosselterntag ein.

54 56 57

Aus der Praxis Hausarzt Edy Riesen Hebamme Marianne Grädel Psychologin Dagmar Schifferli

58 Unterwegs 58 Freiamt (AG)

Heimweh ade

62 62 

Übernachten im Hotel Handeck, Grimsel (BE) Museumstesterin im Mühlerama in Zürich

Lichterkette für Halloween

Für jedes Alter gibt es geeignete Strategien und Tricks.

38

Gemeinsam gärtnern Den geliebten Schrebergarten schrittweise an die jüngere Generation abgeben.

45

Freiwilliges Engagement Rolf Michielin (62) ist Bahn- hofspate in Frauenfeld. Aline (16) erzählt Die dauernde Erreichbarkeit macht Teenager unfrei.

20 Leserbriefe 22

54

Durch die Kastanienwälder 60 oberhalb Locarno (TI) 61 Agenda

68 Basteln

14 Jugendsprache

Service

Palliative Care bei Kindern Pflegefachfrau Maria Flury über die Rolle von Grosseltern bei schwer kranken Kindern.

9 Kinderfrage

TER

GrossmütterRevolution Moderne Väter.

46

Erinnerungen schaffen Zugehörigkeit Über die Wichtigkeit, das eigene Leben weiterzuerzählen.

DO S

Anderswo: Iran Die Grosseltern warteten während der Geburt von Kian vor dem Gebärsaal.

SIER

SEI Kur HE FE SEs RS T LB Sei ELL ER te 7 2 EN

T ÄHLeLben n Z R E d e m r ig e h aus r 16 -Jä 9 e i n e S e it e 1

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70 Stricken

Winteranzug für Babys

73 Rezept Kartoffel-Cervelat-Auflauf 74 Lesen 74 Hans ten Doornkaat: Gereimte Geschichten: Alternativen zu Max und Moritz. 75 Buchtipps

76 Gemeinsam 76 77

Zeichnen: Ein Affe mit Schirm Spielen: Ein Ball und eine Wand fürs «Zähnerli».

82

Das Schlusswort Von François Höpflinger

66 72 78 80 81

Wettbewerb Kurs: Seife selber herstellen Rätsel / Kinderwitz Cartoon Impressum / Vorschau


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~ Magazin ~ MEINE GROSSELTERN

1984. Géraldine mit Vater und Grossvater in der Manege.

Géraldine Knie denkt jeden Tag an ihren Grossvater Fredy Knie sen. Er war ihr Trainer, Mentor und Ratgeber. Heute beobachtet sie, wie ihr Vater, Fredy Knie jun., dieselbe liebevolle, grossväterliche Präsenz bei ihren Kindern erfüllt.

Familie Knie 1980. Géraldine in der Mitte, links von ihr Grossvater Fredy Knie sen.

Die anderen wollten in die Disco, ich wollte lieber bei Grossvater sein Von KARIN DEHMER (Text)

M

eine Grosseltern mütterlicherseits waren Privatleute, so nennen wir beim Zirkus Nichtzirkusmenschen. Ich war neun oder zehn Jahre alt, als sie gestorben sind. Viel Zeit habe ich nicht mit ihnen verbracht, weil man mich nicht vom Zirkus wegbrachte. Ich wollte immer beim Zirkus sein. Ich erinnere mich aber, dass sie stolz darauf gewesen sind, dass ihre Tochter meinen Vater geheiratet hat. Mein Grossvater Fredy Knie sen. war mein Idol. Natürlich verband uns die Liebe zu den Pferden – er und mein Vater haben mich ja gemeinsam trainiert –, aber auch neben dem Zirkus und abgesehen von den Pferden, war er eine wichtige Person für mich. Ich habe für alles Rat bei ihm geholt. Auch wenn ich als Teenager unglücklich verliebt war, trug ich das zu Grossvater. Zu meinen Lieblingserinnerungen gehören unsere gemeinsamen Reisen ans Zirkusfestival in Monte Carlo. Ich und Grossvater blieben immer noch ein paar Tage länger als der Rest der Familie. Man traf sich mit anderen Show-Menschen und mit Zirkusunternehmern. Nein, ich fand das nie langweilig unter all den Erwachsenen, sondern nur spannend. Gleichaltrige wollten in die Disco oder in den Ausgang, aber ich war happy, bei Grossvater zu sein. Im Winterquartier lebten wir nicht zusammen, aber wegen des Trainings sahen wir uns auch da täglich. Dann machten wir auch mal ganz normale Dinge zusammen wie ins Kino gehen oder ins Schwimmbad. Mein Vater und er waren gleichermassen geduldig mit mir, ich war auch immer brav und habe gemacht, was sie gesagt haben. Grossvater war

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Géraldine Knie 1986.

GÉRALDINE KNIE ist in der siebten Generation der Zirkus-Familie verantwortlich für die künstlerische Leitung. Der Zirkus Knie reist noch bis zum 17. November mit seinem 100-Jahre-Jubiläums-Programm durch die Schweiz. knie.ch

vielleicht etwas weniger konsequent, aber das ist ja die Rolle der Grosseltern. Die Leute sagten immer, er sei ein anderer Mensch gewesen, wenn er mit mir zusammen war. Als er 2003 starb, brach eine Welt für mich zusammen. Seine erste Frau, meine Grossmutter, war Sportlerin, Eiskunstläuferin. Nach der Scheidung ging sie zurück nach Bern, führte dort einen Tennisclub und zog später mit ihrem zweiten Ehemann nach ­Mallorca. Ich habe Meme, wie ich sie nannte, jedes Jahr auf Mallorca besucht. Sie ist 2013 gestorben. EIN LEBEN WIE IM FERIENLAGER

Natürlich lebt man beim Zirkus sehr nahe aufeinander. Beruf und persönliche Leidenschaft verschmelzen, Arbeit und Freizeit auch. Meine Kinder sind genauso involviert in den Zirkusalltag, wie ich früher. Gerade gestern beim Aufbau in Bern durfte mein Kleiner mit seinem Grossvater Traktor fahren. Solche Dinge haben immer Platz. Unser Leben ist wie ein grosses Ferienlager. Und die Geschichte wiederholt sich: Mein Vater ist genauso geduldig mit seinen Enkelkindern, wie mein Grossvater es mit uns Kindern damals gewesen ist. Er lässt ihnen Freiraum. An Grossvater denke ich jeden Tag. In diesem Jahr, unserem 100-Jahre-Jubiläum, sowieso. Während der Vorstellung erscheint sein Bild auf einer Leinwand. Die Weitergabe von Verantwortung und Zirkusleidenschaft an die nächste Generation ist Teil unserer Jubiläumsshow. • # 10 ~ 2019

Familie Knie im Jubiläumsjahr 2019, v.l.n.r.: Géraldines ältester Sohn Ivan, ihre Eltern Marie-José und Fredy Knie jun., Tochter Chanel, Géraldine Knie, Ehemann Maycol Errani und Sohn Maycol jun. Auf der Leinwand im Hintergund Grossvater Fredy Knie sen.


~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Ortskunde ~

GROSSMUTTERLOCH Zwischen Ende Oktober und Mitte Februar gibt es in der Bergkette der Gastlosen im Kanton Fribourg jeden Tag ein seltenes Phänomen zu sehen: Die Sonnenstrahlen blitzen jeweils für wenige Minuten durch einen natürlichen Spalt in der Felswand. Der Legende nach soll der Teufel im Zorn seine Grossmutter über den Felsen geschleudert haben. Sogleich von Reue

gepackt, schlug er mit der Faust ein Loch in die Wand und konnte die Grossmutter ergreifen, bevor sie auf der anderen Seite auf dem Boden aufschlug. Nun scheint die Sonne im Winterhalbjahr einmal im Tag durch das Grossmutterloch. Bekannter als das Grossmutterloch ist das Martinsloch, das immer im Frühling und im Herbst in Elm (GL) beobachtet werden kann. ~KD

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WO

HÖRT

DAS MEER AUF

?

Einige Kinder haben diesen Sommer wohl zum ersten Mal das Meer gesehen. Mein kleiner Neffe, knapp vierjährig, auch. Mit grossen Augen blieb er am Strand stehen, schaute lange hinaus und staunte. Plötzlich entdeckte er ein Schiff weit, weit draussen, scheinbar schon fast am Horizont. Besorgt fragte er: «Was passiert, wenn es am Rand ankommt? Hört das Meer dort auf?» – «Nein, nein», beruhigte ich ihn. «Das Meer geht dort weiter und weiter.» – «Ja, aber wo hört es denn auf?» Sollte ich ihm die Kugelgestalt der Erde erklären? Von mutigen Seefahrern erzählen, die einst gefürchtet hatten, dort draussen ins Nichts abzustürzen, und dennoch weitergefahren sind? Von Kolumbus, der meinte, am anderen Ufer Indien entdeckt zu haben? Doch für solche Er-­ klärungen hätte ich einen Globus oder wenigstens ein paar Bilder oder ein Lexikon benötigt. Deshalb versuchte ich es mit einer mir einfacher scheinenden Antwort: «Das Meer hört dort auf, wo das Schiff landet.» Sicher können Sie sich die darauffolgende Frage vorstellen. Natürlich wusste ich nicht, wo dieses Schiff am Horizont landen wird, und selbst wenn ich eine Vermutung geäussert hätte, wäre die Frage nach dem Ende des Meeres damit ja nicht wirklich erledigt gewesen. Zumindest war der Kleine nun nicht mehr beunruhigt, deshalb versuchte ich es mit dem Trick 77 der Kinder­ philosophie: zurückfragen. «Was denkst du, wohin könnte das Schiff wohl unterwegs sein? Nach Afrika vielleicht? Oder in die Schweiz»? – «Nein!» – «Warum denn nicht?» – «Dort gibt es ja gar kein Meer!» «Wo würdest du denn gern hinsegeln, wenn du ein Schiff hättest? Wäre dort dann das Ende des Meeres? Und wo fängt das Meer eigentlich an?» Dies war sein Stichwort: Er rannte zum Wasser, patschte mit den nackten Füssen hinein und drehte sich kichernd zu mir um: «Hier fängt es an! Komm auch ins Wasser!» Erst jetzt wurde mir das Philosophische an der Frage bewusst: Wo etwas beginnt, können wir manchmal benennen. Aber wie es hinter dem Horizont des Sicht- oder Wissbaren weitergeht, darüber lässt sich oft nur philosophieren.

Die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf hat vor über 30 Jahren das Philosophieren mit Kindern entdeckt und in Büchern und auf kinderphilosophie.ch publik gemacht. Als Grossmutter freut sie sich nun über die kleinen Philosophen in ihrem Leben. Gerne nimmt sie auch Ihre Kinder­fragen entgegen, um zu überlegen und zu beschreiben, wie man damit umgehen könnte: redaktion@grosseltern-magazin.ch

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~ Gelesen ~

«Hier schreibt deine dich liebende Grossmutter Baba Dunja aus dem Dorf Tschernowo. Gerade bin ich allerdings nicht in Tschernowo, sondern im Gefängnis.»

~ Trennungen ~

ENGEL STROM PETE Wortspiele von Beat Gloor. uns-ich-er.ch

Aus: «Baba Dunjas letzte Liebe», Alina Bronsky, KiWi, 2015. Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die strahlenden Früchte fürchtet, baut sie sich mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf und erzählt davon in Briefen ihrer Tochter und Enkelin, die in Deutschland leben. Als Fremde ins Dorf gekommen, steht die kleine Gemeinschaft erneut vor der Auflösung und die Bewohner setzen sich zur Wehr.

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Bildarchiv ~

APFELERNTE

Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Comet Photo

Der Apfel ist das liebste Obst von Herrn und Frau Schweizer. Etwa 100 Äpfel essen wir pro Person und Jahr, die meisten davon Gala, gefolgt von Braeburn. Wobei Äpfel-Vorlieben über mehrere Jahre wechseln wie die Mode. Für die Ernte gibt es verschiedene Systeme, aber alle sehen sie eine schonende und druck­freie Behandlung vor. Gemäss dem Thurgauischen Obstverband sollen Äpfel wie rohe Eier behandelt werden. Wobei das auf die abgebildeten Ernte von 1964, ebenfalls im Kanton Thurgau, nicht zuzutreffen scheint. Rohe Eier könnte man jedenfalls nicht vom Baum fallen lassen. ~KD

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~ Aufgeschnappt ~

ROAD-TRIP MIT OMA 2015 lebte Grossmutter Joy, seit 20 Jahren verwitwet, in einem winzigen Haus in Ohio (USA) und hatte kein Geld zum Reisen. Nach Abschluss seines Veterinär-Studiums lud Enkel Brad seine Oma spontan auf eine dreitägige Reise ein. Mehrmals wurden die beiden während dieses Ausfluges von anderen Leuten darauf angesprochen, wie sehr sie es bereuten, nicht mehr mit ihrer Grossmutter unternommen zu haben. Dies animierte Brad zu weiteren Reisen mit Oma Joy. Er startete die Geld-Sammelaktion «Grandma Joy’s Road Trip» und konnte mithilfe der Spenden ihren ersten grossen Trip finanzieren: 21 US-Nationalparks in 28 Tagen. Inzwischen hat das Generationen-Gespann 38 US-Staaten bereist und 29 Nationalparks besucht. Als Nächstes gehts nach Hawaii und Alaska. Ihr Ziel ist es, alle 61 Nationalparks der USA zu besuchen. Auf das ungleiche Reisegespann sind in der Zwischenzeit auch die Medien aufmerksam geworden. Man kann den beiden Abenteurern per Social Media folgen. ~KD Instagram: grandmajoysroadtrip oder Facebook: facebook.com/GrandmaJoysRoadTrip

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Wie uns unsere Enkel nennen ~

Mamima und Papipa

~ Kindermund ~

« CHRÄBLER  » Die dreijährige Eila hat Nüdeliresten im Teller. Grospi sagt: «Das geben wir dem Büsi.» Eila: «Die brucht kei Gable, die hät Chräbler.»

Unsere Enkelin Milena konnte mit knapp zwei Jahren die ersten Wörter sprechen, nur Grossmami und Grosspapi, wie die andern vier Enkel uns nannten, schien ihr nicht zu passen. Aber ganz deutlich nannte sie uns plötzlich Mamima und Papipa. Wie wohl tut es, wenn sie uns von

Von Sylvia und Ueli Bosshard, Pfäffikon (ZH). Was hat Ihr Enkelkind Lustiges gesagt? redaktion@grosseltern-magazin.ch

Weitem sieht und laut ruft: «Mamimaa!» Von Marianne Büchli aus Elfingen (AG). Wie werden Sie von Ihren Enkelkindern genannt? redaktion@grosseltern-magazin.ch

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~ Jugendsprache ~

CRINGE Aussprache: Crinsch Erklärung: engl. zurückschrecken oder eine Situation oder jemanden peinlich finden, sich für jemanden fremdschämen. Man kann es als Nomen oder Adjektiv (cringy) benutzen.

Ha grad im Bus min Ex troffe!

Haha, voll cringy!

Philippe Wampfler, Experte für digitale Bildung, erarbeitet mit einer Klasse der Kantonsschule Enge ZH eine Webseite, auf der Jugendliche die aktuelle Jugendsprache der Deutschschweiz erfassen und erklären. jugendsprache.phwa.ch

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Kuba

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Neu ~

BAYERN FÜHRT DEUTSCHLANDWEIT DEN ERSTEN GROSSELTERNTAG EIN Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat Mitte September bekannt gegeben, dass Bayern ab sofort einen Grosselterntag begehen wird. Auf Twitter schreibt der CSU-Politiker: «Wertschätzung für unsere Grosseltern: Bayern führt deutschlandweit den ersten Grosselterntag ein. Am zweiten Sonntag im Oktober würdigen wir Oma und Opa, die viel leisten für ihre Kinder und Enkel. Zum ersten Mal am 13. Oktober!» Natürlich gab es umgehend Kritik von Söders Gegnern, die den Akt als reine Politikmacherei sehen. Zum Beispiel äusserte sich die Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, kritisch: «Grosseltern sind etwas Wunderbares und verdienen alle Anerkennung. Ich fürchte aber, dass ein Grosselterntag dasselbe

traditionelle Familienbild stützt, wie es der Muttertag heute noch tut.» Und das könne nicht im Sinne einer modernen Generationenpolitik sein. «Grosseltern dürfen keine Lückenbüsser für fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder mangelnde finanzielle Ausstattung von Familien sein.» Politisches Kalkül hin oder her, uns freut es, wenn aktive Grosseltern, die ihren Kindern und Enkeln und der gesamten Gesellschaft einen Dienst erweisen, nun auch in Bayern einen Ehrentag erhalten und so die Wichtikeit von Grosseltern auch in Deutschland vermehrt zum Thema wird. Der Grosselterntag in der Schweiz findet übrigens immer am zweiten Sonntag im März statt. Im Jahr 2020 ist das der 8. März. ~KD

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

Dabei ist alles! Bern, 24.–28.10.2019

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Brief an den Enkel ~

«NED OMESCHNÄGGELE!» Lieber Maurice Mit dem Tempo ist das bei dir so eine Sache, Maurice. Du selber findest, du seist enorm schnell. Unschlagbar schnell. Das beweist du etwa mit einem Wettrennen: Ich lade den schicken Wagen auf, das Schmuckstück in deiner Auto-Galerie, mit dem du dich messen willst, du gehst in Startposition, als wärst du auf der Aschenbahn, auf Los geht’s los. Du flitzest durch die Stube und am Schluss landest du mit einem Hecht auf dem Sofa, sodass schwer abzuschätzen ist, wer gewonnen hat, weil dein Gegner in Blech die Ziellinie nicht gefunden respektive das Sofa nicht als Zielraum erkannt hat. Wie auch immer: Deine Spurts sind äusserst beeindruckend, du hast dir diesbezüglich in der Familie einen beneidenswerten Ruf erarbeitet. Die ganze Wahrheit ist das natürlich nicht, Maurice, das weisst auch du. Wenn es darum geht, Kleider anzuziehen, die Wohnung zu verlassen, ein Stück zu Fuss zu gehen, sich zu beeilen, weil der Bus und der Zug nicht warten, dann kann dies für deine Supporter schon ein Nervenspiel werden. «Komm Maurice, mach vorwärts, etwas schneller bitte!» Na ja, mit diesem Kontrast bist du in der Grosskinderwelt nicht allein. Neulich hast du mir jedoch eine ganz unerwartete Seite in deinem Tempoverhalten offenbart. Du pflücktest dir den Übersichtsplan im Kinderzoo und zeigtest mir alle zwanzig Meter, wo wir uns gerade befänden. Ich war baff, es stimmte fast immer haargenau. Schon sehe ich dich als den talentiertesten

fünfjährigen Orientierungsläufer in Westeuropa. Und als du nach hinten der Grossmama und der kleinen Schwester Lucia ungeduldig zurufst: «Tüend ned omeschnäggele!», wurde mir endgültig klar, dass ich dich nie mehr mit einer Schnecke vergleichen sollte. Ein kleiner Haken steckt freilich in der Tempo-Geschichte des schnellsten Enkels in unserer Familie. Du siehst, lieber Maurice, durch den Zoo wandernd, fast nur noch auf die Karte, die dir verrät, wo du dich befindest. Als ich dich auf die mächtigen Elefanten, die lustigen Pinguine und das hübsche Erdmännchen aufmerksam mache, schaust du eine Sekunde auf und vertiefst dich sofort wieder ins geografische Kartenstudium. Die Welt fand an dem Tag für eine Weile nur noch auf Papier und in deinem Kopf statt. Nun, wenn ich an unsere Spitzenorientierungsläufer denke, ist das wohl nicht anders: Um die Welt wirklich zu sehen, werden sie Spaziergänger und lassen den Schnellläufer zu Hause – wie du, nehme ich an, lieber Maurice.

Von Rolf Käppeli aus Uetikon (ZH), der Enkel Maurice ist fünf Jahre alt. Schreiben auch Sie einen Brief an Ihr Enkelkind. redaktion@grosseltern-magazin.ch

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18 FREIWMein ENGA ILLIGES GEME NT

~ Engagiert ~

« MAN MUSS NICHT VIEL VERDIENEN FÜR EINE GUTE SACHE» Als Bahnhofspate steht Rolf Michielin vier bis sechs Mal pro Monat auf dem Bahnhof Frauenfeld den Reisenden zur Seite.

M

ein Götti war vor über zehn Jahren einer der ersten Bahnhofspaten am Bahnhof Frauenfeld gewesen. Da war er schon über 70 Jahre alt. Als ich vor zwei Jahren in Rente ging – ich arbeitete auf dem Bau und wurde mit 60 pensioniert –, dachte ich, das schaue ich mir jetzt auch mal an. Als Bahnhofspate patrouillieren wir zu zweit durchs Bahnhofsgelände. Wir stehen Reisenden für Auskünfte zur Verfügung, weisen auf Verbote hin, gewährleisten eine gewisse Sicherheit durch Präsenz. Wir tragen eine Uniform, wie sie die anderen SBB-Mitarbeitenden tragen, und ein Namensschild. Ein Einsatz dauert drei Stunden. Patrouillen von Bahnhofspaten gibt es mittlerweile auf vielen Bahnhöfen in der Schweiz. Der Bahnhof Frauenfeld sucht übrigens immer wieder Interessierte und ich weiss auch von anderen Bahnhöfen, die ihre Patrouillen verstärken wollen. Ich leiste vier bis sechs Einsätze pro Monat. Am liebsten habe ich die Schichten zwischen sechs Uhr abends und Mitternacht, dann läuft am meisten. Natürlich reagieren nicht alle Menschen freundlich, wenn man sie darauf hinweist, dass man auf dem Bahnhofsgelände nicht Velo fah-

ren darf. Ist Alkohol im Spiel, ist noch mehr Fingerspit­ zengefühl gefragt. Dann ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Ich mache jeweils einen Spruch, das lockert die Atmosphäre auf. Ausweis- oder Billettkontrollen dürfen wir keine machen. Wir haben ein Handy, mit dem wir in brenzligen Situationen die Transportpolizei anfordern können. Einmal ist ein Jugendlicher mit einem Messer herumgerannt. Das war bisher das einzige Mal, dass ich das Telefon benutzt habe. Die Bahnhof-Paten besuchen eine 2-tägige Ausbildung, einerseits SBB-intern sowie ein Sicherheitstraining. Man lernt, wie man in gewissen Situationen deeskaliert und sich notfalls geordnet zurückzieht. Solche Sachen sind ja auch sonst gut zu wissen. Jetzt, wo das Nichtraucherverbot auf Bahnhöfen gilt, wird es für uns sicher einiges zu tun geben. Aber wie gesagt, die Leute verhalten sich grösstenteils freundlich und kooperieren, wenn man sie anständig auf etwas hinweist. Manchmal werden wir auch gefragt, was wir verdienen. Wenn wir dann sagen, dass es ein freiwilliger Job ist, murren die Leute. Konkret erhalten wir eine Spesenentschädigung pro Einsatz sowie das Geld für ein Halbtaxabo geschenkt. Man muss nicht immer weiss was verdienen für eine gute Sache, finde ich. ~KD sbb.ch/railfair

WER Rolf Michielin (62), zwei Enkelkinder, aus Sonterswil (TG) WOFÜR Railfair SBB, Bahnhof Frauenfeld FUNKTION Bahnhofspate

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Aline (16) ~

OHNE HANDY MUSS DIE FREIHEIT WOHL GRENZENLOS SEIN verreist und ich habe das Gefühl sehr genossen, von zu Hause weg zu sein. Das erste Mal wirklich auf sich selbst gestellt zu sein, heisst auch, dass man sich aus seiner Komfortzone herausbegibt und sich irgendwie loslöst. Ich habe aber auch festgestellt, dass ich doch mehr mit daheim verbunden war, als ich gedacht hätte. Denn durch die technischen Möglichkeiten kann es heute gar keinen wirklichen Kontaktabbruch geben – es braucht nur einen Griff zum Handy und man ist mit allen in Kontakt. Das bescherte mir auch Momente, in denen ich wirklich

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aus dem HLT einer 16 -J L eben ä hrigen

Aline (16) fragt sich, ob sie Freiheit wirklich erleben kann, wenn sie überall und stets mit allen in Verbindung bleibt. Ich fand meinen Sommer toll. Je länger ich darüber nachdenke und in Erinnerungen schwelge, merke ich, wie gut er mir getan hat und wie neu viele Erfahrungen waren. Je älter ich werde (sprich: je mehr Freiraum ich habe), desto mehr merke ich, wie es mich überall hinzieht. Überall hingehen und alles sehen – das ist für mich der Inbegriff von Freiheit. In den Sommerferien bin ich das erste Mal mit Freunden

enttäuscht war: Ich fühlte mich durch das stetige Verbundensein zurückgebunden. Es fühlte sich oft so an, als brauchte es eben noch einen Schritt mehr bis zur wirklichen, echten Freiheit. Die heutige Technik kann viele Türen öffnen, das merke ich jeden Tag, doch diesmal verschloss sich mir eine Tür gerade wegen der technischen Möglichkeiten. Und genau hinter dieser Tür verbirgt sich etwas so Essenzielles und Wichtiges für mich: meine Freiheit. Vielleicht lasse ich in den nächsten Ferien mein Handy mal einfach zu Hause, dann gebe ich den technischen Möglichkeiten gar keine Chance, mich zurückzubinden. Oder weiche ich damit dem Problem aus? Ich weiss es nicht. Ich versuche, es noch herauszufinden.  •

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~ Magazin ~ LESERBRIEFE

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MAGAZIN

Grosseltern

# 09 / 2019

Die Meinung der Leserinnen und Leser

Dossier

WAHLEN 2019

#09 / 2019

rn Grosselte -magazin.ch www.grosseltern

Das Maga

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ab Seite 46

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Grosseltern MAGAZIN CHF 9.50 EUR 8.50

können. Der Anlass «Alt werden und selbstbestimmt bleiben – am liebsten daheim. Was ältere Menschen und ihre Angehörigen brauchen» wird vom Entlastungsdienst Schweiz veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung: angehoerige-pflegen.ch Elena Ibello, Kommunikationsbeauftragte Entlastungsdienst Schweiz

SO GELINGT DER ELEFANT «EINE TOLLE SACHE» Zum Grosseltern-Magazin

Wir freuen uns jedes Mal, wenn Ihr Magazin wieder bei uns eintrifft. Eine ganz tolle Sache! Vielen Dank für die interessanten und abwechslungsreichen Beiträge sowie die lässigen Spiel- und Bastelideen. Unsere Enkelin (6) freut sich jeweils speziell auf das Kinderrätsel. Bernadette von Holzen aus Hünenberg

«BEDEUTENDE THEMEN» Zum Beitrag «Altern in Würde»

Wunderbar, dass Sie so bedeutende Themen aufnehmen. Es ist unglaublich wichtig, dass wir uns fragen, wie Menschen in unserer Gesellschaft «gut altern» können. Und wer könnte die Diskussion darüber besser

voranbringen als eine Expertin, die sich selbst in diesem Lebensabschnitt befindet? Marie-Louise Barben stellt unter anderem klar: «Pflege allein garantiert kein würdiges Alter.» – Was selbstverständlich nicht heisst, Pflege sei im Alter nicht wichtig. Sie reicht bloss eben nicht. Wer Lust hat, an einer Diskussion zum Thema teilzunehmen, sollte sich den 30. Oktober 2019 vormerken. An diesem «Tag für pflegende und betreuende Angehörige» spricht Gesundheitsminister Alain Berset im Inselspital Bern über die Perspektiven fürs Altern in der Schweiz. Der Soziologe Riccardo Pardini, die Alt-Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist sowie betreuende Angehörige und Arbeitgebende diskutieren darüber, wie Betroffene unterstützt werden

Zur neuen Rubrik «Zeichnen»

Carla Erne (14) hat im Rahmen eines Schnuppertages unsere Redaktion besucht. Von ihr stammt das Rezept auf Seite 73 in dieser Ausgabe. Nach getaner Arbeit zeichnete sie den Elefanten gemäss Anleitung in unserer neuen Rubrik «Zeichnen».

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Grosseltern Roya und Hamid mit ihrem Enkelsohn Kian in Isfahan, Iran.

Erfüllt von Zuversicht und Glück

Von CAROLINE DOKA ( Text und Foto)

Grossmutter Roya und Grossvater Hamid haben ihre Kinder nach italienischem Vorbild erzogen. Ihr Enkel Kian ist in Kanada geboren, damit er eine zweite Staatsbürgerschaft hat.

# 10 ~ 2019


~ Magazin ~ ANDERSWO

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TEHERAN

IRAN Einwohner: 79 926 270 Hauptstadt: Teheran Fläche: 1 648 195 km² Währung: Rial Sprachen: Persisch

ISFAHAN

E

Religion: 98 Prozent der Bevölkerung sind muslimisch.

in emsiges Treiben im modernen Wohnhaus im grünen Herzen von Isfahan. Es ist Freitag, der freie Tag in Iran. Verwandte und Freunde trudeln ein zum gemeinsamen Mittagessen.

Höflichkeit und eine gute Schulbildung wichtig. Ein paar Jahre lebte die Familie in Italien. «Die Italiener sind sehr kinderliebend und fördern das Selbstvertrauen ihrer Kinder. Wir waren davon angetan

Man liebt und pflegt den Familiensinn. Die Frauen bereiten persische Köstlichkeiten für die grosse Tafel zu, an der bald ausgiebig und fröhlich gespeist werden wird, die Männer diskutieren. Roya, die Schwägerin der Gastgeber, interessiert beides gerade wenig. Sie hat nur Augen für Kian, ihren acht Monate alten ersten Enkel. Seit ihre Tochter Elmira vor wenigen Minuten mit dem Kleinen zur Tür hereingekommen ist, trägt die Grossmutter ihn auf dem Arm und strahlt vor Glück. Tochter Elmira und Schwiegersohn Aydin leben mit ihrem Söhnchen in Teheran, 400 km nördlich von Isfahan. «Das Getrenntsein von Kian ist schwer für mich», sagt Roya. Alle zwei Wochen fährt die 60-Jährige für ein paar Tage zur jungen Familie in die Hauptstadt und kümmert sich um den Enkel. Tagsüber, aber auch am Abend, damit die Tochter ausgehen kann, und nachts, wenn er nicht schläft. Auch Roya hat als Kind die Liebe einer Grossmutter erfahren. Damals, zu Schahs Zeiten, lebten mehrere Generationen unter einem Dach. Ihre Maman, wie die Grossmutter im Iran genannt wird, war eine gebildete Frau und ihr Vorbild. «Wir waren uns sehr nah.» Roya wünscht sich für Kian, dass er fröhlich und behütet in einem friedlichen Umfeld aufwachsen kann. Darauf achteten ihr Mann Hamid (70) und sie auch bei ihrer Tochter und ihrem Sohn. In der Erziehung waren ihnen Werte wie Benehmen,

und haben es für die Erziehung unserer Kinder übernommen», sagen Roya und Hamid. Kian ist noch kein Jahr alt, aber kann Roya schon etwas über seine Persönlichkeit sagen? «Oh ja! Er ist sehr lieb und sehr smart. Ich bin sicher, das wird sich nie ändern.» ZUM GEBÄREN NACH KANADA Aus der Küche duftet es verführerisch. Wegen des Tellergeklappers und Stimmengewirrs haben sich Roya und Hamid mit Kian in den schattigen Hof zurückgezogen. Die Grossmutter albert mit dem Kleinen herum, der keck an ihren Haaren zieht. Wie viele Iranerinnen trägt sie im Privatbereich kein Kopftuch. Geduldig löst sie das Babyfäustlein von der Strähne. Fast überflüssig zu fragen, was der Enkel ihr bedeutet. «Liebe», sagt sie. «Reine Liebe. Worte können es nicht beschreiben. Es kommt von tief innen. Mein Herz läuft über vor Liebe.» Kein Wunder eigentlich, denn Roya und Hamid haben sich bewusst auf das Ereignis Enkelkind eingelassen, von Anfang an. Kian sollte in Kanada zur Welt kommen, um neben der iranischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft zu besitzen. So flogen Mutter und Tochter Wochen vor dem Termin nach Kanada. Der werdende Vater folgte etwas später, und kurz vor der Geburt reiste auch der künftige Grossvater an. Während der Entbindung warteten Roya und Hamid # 10 ~ 2019

Ethnien: Die grössten ethnischen Gruppen nach den Persern sind Aserbaidschaner, Kurden und Luren. Die Völker des Irans verfügen über lange Traditionen in Kunsthandwerk, Architektur, Musik, Kalligrafie und Poesie. Exportprodukte: Iran besitzt das grösste Erdgasvorkommen und die viertgrössten Erdölvorräte der Welt. Zudem produziert das Land weltweit am meisten Kaviar, Pistazien und Safran. Tourismus: Um die Wirtschaft anzukurbeln, setzt Iran vermehrt auf Tourismus. Als besondere touristische Anziehungspunkte gelten Strände am Kaspischen Meer und am Persischen Golf sowie die Städte Teheran und Isfahan mit ihren alten Bauten, Museen und Bazaren. Im Land befinden sich zahlreiche Stätten des UNESCO-Welterbes. ~KD

vor dem Gebärsaal. Und so hielten die Grosseltern ihren Enkel Minuten nach seinem ersten Atemzug im Arm. Roya: «Es war das schönste und süsseste Gefühl, das ich je hatte.» Hat sich Roya verändert, seit sie Grossmutter ist? Sie überlegt. Ruhiger und gelassener sei sie geworden, erfüllt von Zuversicht und Glück. «Ich spüre eine wunderbare Energie und, obwohl das Leben vorher nicht sinnlos war, einen tiefen Sinn. Mein Enkelkind ist Gottes schönstes Geschenk», sagt sie und küsst Kian liebevoll auf die Wange. «Ich wünsche allen Menschen, dieses Glück erleben zu dürfen.» •


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~ Hintergrund ~ ERSTES ENKELKIND

« Sein Dasein berührt mich unerwartet tief »

Familientherapeutin Karin Gerber (59) beschäftigt sich ihr ganzes Berufsleben mit Themen rund um Pädagogik und Familie. Mit der überschwänglichen Freude an ihrem ersten Enkelkind überraschte sie sich selbst ein wenig. Von KARIN DEHMER (Text), TIBOR NAD (Foto)

Meine Freundinnen und ich – wir sind alle Ende fünfzig und haben erwachsene Kinder – rätselten im letzten Jahr öfter darüber, wer von uns wohl als Erste ein Enkelkind haben wird», erzählt Karin Gerber zu Beginn des Gespräches auf die Frage, wie sie erfahren hat, dass sie Grossmutter wird. «Bei mir haben wir es am wenigsten erwartet. Mein Sohn lebt zwar seit längerer Zeit in einer Beziehung, ist aber mit 24 Jahren noch eher jung, und meine Tochter hat gerade erst jemand Neues kennengelernt.» ~

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Karin Gerbers Gesicht hellt sich auf, als sie zum entscheidenden Moment gelangt. «Meine Tochter besuchte mich eines Tages und sagte eher so nebenbei, sie sei schwanger.» Die werdende Grossmutter spürte sofort, dass dieses Kind zwar ungeplant, aber sehr gewünscht war. «Ihre Klarheit liess meine anfänglichen Zweifel über ihre noch ungewisse Beziehungssituation sofort verfliegen», sagt die ausgebildete Familientherapeutin. Während der Schwangerschaft ihrer Tochter sei sie vorfreudig, aber auch gelassen gewesen. «Ich glaube, ganz so, wie ich es bei meinen eigenen Schwangerschaften gewesen bin. Meine beiden Geburten habe ich als glückliche Momente erlebt, sie aber irgendwie auch rational eingeordnet, in eine Art normalen Lauf der Dinge.» Kein Vergleich zu dem also, was passierte, als Enkel Antony im April dieses Jahres zur Welt kam. Die Augen von Karin Gerber füllen sich mit Tränen, wenn sie an den Moment zurückdenkt. «Es hat mich schlicht überwältigt. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Sein Dasein berührte mich so unerwartet tief, ich kann es immer noch kaum glauben.» Sie muss über ihre ­eigene Rührseligkeit lachen. Ungefragt habe sie Fotos des Kleinen herumgezeigt und geschwärmt, was wohl viele überrascht habe. «Ich habe mich ja selbst damit überascht!» Karin Gerber lacht noch mehr. «Ich habe dann aber schon gemerkt, dass ich mich zurücknehmen muss. Ich dosiere mittlerweile meine Freude und geniesse es mehr für mich.» DAS BEWUSSTWERDEN DER ENDLICHKEIT «Mit einem Schlag wurde mir auch die eigene Endlichkeit bewusst», sagt Karin Gerber. «Plötzlich steht man nicht mehr im zweiten Glied innerhalb der Familie, sondern rückt nach hinten

ins dritte. Das ist schön, das ist gut. Aber es gibt einem auch zu denken.» Vor Antonys Geburt haben sie und ihr Mann Fabian nie gross ans Älter- und Altwerden gedacht. «Jetzt fragte ich mich plötzlich, ob ich wohl noch hier sein werde, wenn der Kleine zwanzig sein wird.» Auch sei ihr Wunsch nach dessen Geburt noch dringlicher geworden, aktiver Teil im Leben ihres Enkelsohnes sein zu wollen. Während Karin Gerber vor 27 Jahren nach der Geburt ihrer Tochter sofort eine Krippe in ihrem Quartier gründete, weil es so etwas noch nicht gab und die junge Mutter zurück an die Arbeit wollte, liess sich ihre Tochter mehr Zeit. «Sie hat mehr Mühe mit der Ablösung als ich damals», glaubt Grossmutter Karin. «Ich finde es schön, dass sie sich die Zeit nimmt. Ich lebte es damals anders und sie lebt es jetzt so. Das ist doch gut.» Karin Gerber hat ihrer Tochter angeboten, Antony einen Tag pro Woche zu hüten, wenn diese im Oktober ihre Arbeit in einem kleineren Pensum wieder aufgenommen hat. Ein grosszügiges Angebot, wenn man das 70-Prozent-Pensum der arbeitenden Grossmutter bedenkt, Karin Gerber leitet die Fachstelle Pflegekind Aargau. «Mein Mann hilft mir», beschwichtigt sie. «Wir machen das gemeinsam. Jeder von uns übernimmt einen halben Tag.» Zu beobachten, wie ihre Tochter und ihr Partner in die Elternschaft hineinwachsen, wie gut sie es machen, ist eine grosse Freude für Karin Gerber. Aus ihrer Berufspraxis als Familientherapeutin weiss sie nur zu gut, wie die Ankunft von Enkelkindern auch zu Konflikten zwischen der Eltern- und Grosselterngeneration führen kann. Oft hat sie erlebt, dass Grosseltern meinen, es besser zu wissen. Sie machen sich zu grosse Sorgen um die Erziehung oder Entwicklung ihrer Enkelkinder und sprechen diese auch aus. «Das wirkt schnell übergriffig und hat oft mehr

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~ Hintergrund ~ ERSTES ENKELKIND

mit den Ängsten der Grosseltern zu tun als mit vermeintlichen Fehlern oder Nachlässigkeiten der Eltern.» Familientherapeutin Gerber ist klar der Meinung, dass es sich lohnt, überambitionierte Grosseltern darauf anzusprechen und sie zu bitten, ihre Ratschläge und Meinungen oder gar Eingriffe in die Erziehungsarbeit für sich zu behalten. «Die Grosseltern haben vielleicht nicht genug Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Kinder oder der Ablösungsprozess ist nicht ganz vollzogen worden. Die Grosseltern tun gut daran, sich mit ihren Meinungen zurückzuhalten. Denn schlussendlich haben die Eltern das Sagen.» Ein nicht ganz unbekanntes Phänomen in ihrer Praxis als Familientherapeutin sind auch Eifersüchteleien unter den Grosseltern. Es wird um Intensität und um Zeit gestritten. «Das ist belastend für die Eltern der Enkelkinder und je nachdem auch für die Kinder selbst, die das mitkriegen.» Auch hier ist es wichtig, entweder die Gefühle offenzulegen und sich ihnen zu stellen, notfalls mit Hilfe einer Fachperson, findet Karin Gerber. Noch besser wäre es, die Minderwertigkeitsgefühle oder Konkurrenzgedanken auszuhalten. «Sie schaden der Beziehung. Man sollte versuchen, sich selbst zu sagen, dass man dem Kind auch etwas zu bieten hat, dass es nicht nur auf die Zeit ankommt, sondern darauf, was man mit den Kindern macht. Wenn man das Enkelkind zwei Stunden vor den Fernseher setzt, entwickelt sich logischerweise nicht dieselbe Bindung, wie wenn man sich in derselben Zeit mit ihm aktiv beschäftigt.» Karin Gerber spürt keine Konkurrenz zu Antonys anderen Grosseltern. «Wir sind unterschiedliche Menschen, haben unterschiedliche Qualitäten. Die andere Grossmutter kommt aus Brasilien. Es freut mich für Antony, dass er so auch eine andere Kultur kennenlernen wird.» NATÜRLICHE MUTTER-TOCHTER-BINDUNG Karin Gerber geniesst die neue Beziehungssituation mit ihrer Tochter. Sie seien sich immer nahe gestanden, aber jetzt suchen beide wieder aktiver den Kontakt. «Man ist wieder intensiver Familie, das ist schön». Und das ist ein nicht unwichtiger Faktor beim Grossmutterwerden: Die Mutter-Tochter-Verbindung ist in Karin Gerbers Augen klar eine andere als jene von der Mutter zur

Schwiegertochter oder von der Mutter zum Sohn. Sie ist sich auch bewusst, dass, wenn dereinst ihr Sohn Kinder haben wird, die andere Grossmutter vielleicht mehr involviert sein wird. «Wenn das so ist, dann ist das so. Mir ist es einfach wichtig, auch eine Beziehung zu dem Kind aufbauen zu können.» Welche grossen Unterschiede sieht die junge Grossmutter zum Muttersein? «Also Spielplätze mag ich immer noch nicht besonders», lacht Karin Gerber. «Mit meinen Kindern habe ich Spielplätze früher gemieden. Ich mochte die Vergleiche unter den Müttern nicht, das fast ausschliessliche Gespräch über die Kinder.» Sie fügt schnell hinzu, dass sie aber selbstverständlich mit Antony auf Spielplätze gehen wird. «Er soll ja auch mit anderen Kindern in Kontakt kommen, wenn er bei uns ist. Und ich muss mich jetzt auch nicht mehr mit jemandem vergleichen. Ich bin ja nicht die Mutter.» Gleich geblieben sind auch die Lieder, die sie früher schon als Mutter vorgesungen hat und jetzt für Antony singt. Das Nachahmen von Babylauten, «Grrr» und «Brrr» oder Butterstossen mit dem Babyspeck an Armen und Beinen. «Alles ist wieder da, ganz intuitiv. Aber heute mache ich es bewusster.» Früher, eingebunden in das Berufs- und Familienleben und den Haushalt, lief das Schmusen und Schwatzen mit den Babys nebenher. «Jetzt habe ich mehr Raum und Bewusstsein für diese Vorgänge. Sich Zeit nehmen, die Zeit wahrzunehmen, ist sicher eine Qualität des Älterwerdens.» Kürzlich hat Karin Gerber gehört, wie ihre Tochter Antony dasselbe Einschlaflied vorgesungen hat wie sie früher. «Das hat mich berührt.» Ihren Mann Fabian erlebt sie als Grossvater ähnlich wie früher als Vater. «Es sind immer noch dieselben Verhaltensweisen da. Er wird dann vermutlich mit Antony Wasser stauen und Hütten bauen.» Wieder ganz die überlegte Fachfrau, hält Karin Gerber fest: «Es ist zwar eine neue Rolle, die wir erhalten haben, aber verändern tut uns das Grosselternsein nicht. Wir schätzen sehr, im Gegensatz zum Elternsein, keine Erziehungsaufgabe zu haben. Wir können nur geniessen und den Kleinen am Ende des Tages wieder abgeben.»  •

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~ Hintergrund ~ INTERVIEW

« G ROSSELTERN SIND

UNVERZICHTBARE »

PLAYERS

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~ Hintergrund ~ INTERVIEW

Maria Flury (53), Pflegefachfrau im Palliative Care Team des Kinderspitals Zürich, hat untersucht, wie es Grosseltern geht, die ein Enkelkind mit einer lebenslimitierenden Krankheit haben. Ein Gespräch. Von MELANIE BORTER (Interview) und TIBOR NAD (Fotos)

Maria Flury (53) arbeitet seit 30 Jahren als Pflegefachfrau, einen Grossteil davon auf der Onkologie, seit fünf Jahren im Palliative Care Team des Kinderspitals Zürich. Eben hat sie eine qualitative Studie zur Rolle der Grosseltern bei Enkelkindern mit einer lebenslimitierenden Krankheit durchgeführt. Es ist ihr ein Anliegen, dass die Ergebnisse bekannt werden. Das Grosseltern-Magazin trifft Maria Flury im Kinderspital Zürich, wo vielen Kindern geholfen wird und manche Kinder leider auch sterben. Im Interview erzählt Flury von eindrücklichen, emotionalen Gesprächen mit Grosseltern, die ein Enkelkind verloren haben. Sie nennt die Grosseltern «unverzichtbare Players», gibt aber auch offen zu, dass diese vom Fachpersonal manchmal vernachlässigt würden.

Maria Flury vor dem Kinderspital Zürich.

#10 ~ 2019

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30 Maria Flury, Sie arbeiten im «Palliative Care Team» des Kinderspitals Zürich. Was heisst eigentlich palliativ? Wenn man es wortwörtlich übersetzt, kommt die Bezeichnung palliativ vom lateinischen Wort Pallium, das einen Umhang bezeichnet. Im übertragenen Sinn heisst das, wir ummanteln die betroffenen Familien, wir geben ihnen eine Hülle und umsorgen (vom engl.care) sie. Konkret? Per Definition sind wir vom Palliative Care Team dafür da, das kranke Kind und die Familie umfassend zu betreuen. Wobei die Lebensqualität vom Kind und

für mich Spitalrealität. Wir können nicht alle gesund machen, auch Kinder sterben.

von der Familie bei unseren Bemühungen im Zentrum stehen.

traurig sind? Das Team. Da kann ich mich austauschen. Und man braucht auch einen gesunden Egoismus. Ich gehe zum Beispiel nicht an jede Beerdigung. Nur, wenn es mir gut tut. Und dann muss ich hinter jede Geschichte einen Schlussstrich ziehen, das heisst, ich muss die Familien auch wieder loslassen. Auch, damit ich mich wieder um die nächste Familie kümmern kann.

die wir hier im Spital nicht sehen. Sie sind oft für die Geschwister der kranken Kinder da, bringen sie zur Schule und zum Sportunterricht. Ich habe realisiert, dass Grosseltern unverzichtbare Players im ganzen Familiengefüge sind, aber trotzdem in der zweiten Reihe sitzen.

Wie gehen die Familien damit um, wenn sie erfahren, dass das Kind eine lebenslimitierende Krankheit hat? Beobachten Sie wiederkehrende Muster? Nein, da gibt es keine Muster, weil die Krankheitsbilder und die jeweiligen Familienstrukturen und Ressourcen der Familien unterschiedlich sind. Auch werde ich immer wieder überrascht: Vielleicht denke ich nach dem ersten Gespräch, bei dieser Familie könnte es schwierig werden, was sich dann aber überhaupt nicht bestätigt. Oder umgekehrt.

Was meinen Sie damit? Ein Beispiel: Ich erinnere mich an eine Grossmutter, die mit ihrem Enkelkind ins Spital kam, weil es ihm plötzlich sehr schlecht ging. Eine Krisensituation, die Eltern kamen so schnell wie möglich auch ins Spital. Wenn die Eltern eintreffen, begleiten diese das Kind zu den Untersuchungen, sind für sie da, sind im Gespräch mit Ärzten und dem Pflegepersonal. Die beschriebene Grossmutter aber musste draussen warten. Als ich mich neben sie setzte, merkte ich, wie erschüttert, gestresst und hilflos sie war.

Und die Grosseltern, was spielen die für eine Rolle? Ich habe bei meiner Arbeit immer wieder Grosseltern getroffen. Sie sitzen an den Betten der Kinder, manchmal tagelang. Ich habe aber auch erfahren, wie eingespannt jene Grosseltern sind,

Waren es solche Erlebnisse, die Sie bewogen, Ihre Masterarbeit zum Thema «Erfahrungen von Grosseltern, die ein Enkelkind an einer schweren Erkrankung verlieren», zu schreiben? Ja. Und als ich anfing zu recherchieren, merkte ich, wie wenig darüber bekannt

Weil das Kind nicht mehr geheilt werden kann? Ja. Wir sagen: Eine lebenslimitierende Erkrankung ist vorhanden, das heisst, über eine kurze oder längere Zeit wird die Krankheit zum Tod führen. Eine palliative Behandlung kann auch über Jahre gehen. Deshalb ist neben dem Management der körperlichen Symptome und der psychischen Situation auch die Entwicklung des Kindes ein Thema. Das zeigt: Palliative Care ist immer eine Team-Aufgabe. Wer gehört denn zu diesem Team? Im Kinderspital Zürich sind das die Ärzte, die Pflegefachfrauen und Psychologinnen, zudem haben wir eine Sozialberaterin im Team und arbeiten eng mit der Seelsorge, den Institutionen, also den Heimen, Kinderkrippen oder Schulen, zusammen. Frau Flury, Sie sehen viele Kinder sterben, wie halten Sie das aus? Es ist ein schmaler Grat zwischen Mitgefühl und Mitleid. Das Mitgefühl ist wichtig und eine Voraussetzung für meine Arbeit, aber man darf nicht ins Mitleid verfallen. Wenn man es schafft, auf diesem Grat zu bleiben, dann ist das Sterben ein Teil des Lebens und

Was hilft Ihnen persönlich, wenn Sie

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~ Hintergrund ~ INTERVIEW

31 Denn es braucht gar nicht viel, um sie zu ermuntern.

Das muss man aushalten können ... Ja, und zwar beide Seiten. Auch muss man bedenken, dass diese schwierige Zeit nicht bloss eine Woche dauert, sondern über Wochen, Monate, ja über Jahre gehen kann.

ist, wie Grosseltern damit umgehen, wenn eines ihrer Enkelkinder an einer schweren Erkrankung verstirbt. Ich habe im Auftrag des Palliative Care Teams des Universitäts-Kinderspitals Zürich Interviews mit Grosseltern von elf verstorbenen Kindern geführt. War es den Befragten wichtig, dass Sie die Rolle der Grosseltern untersuchen? Nur schon, dass sie sich zu den Interviews bereit erklärt haben, zeigt, wie wichtig ihnen diese Untersuchung ist. Denn alle Grosseltern mussten sich natürlich überwinden, nochmals über diese schwierige Zeit zu reden. Es waren sehr emotionale Gespräche. Haben sie auch Schwierigkeiten innerhalb der Familien angesprochen? Ja. Die Grossmütter und Grossväter waren sehr, sehr offen. Dadurch, dass die Töchter und Söhne so abhängig sind von der Unterstützung ihrer Eltern, entsteht da eine Nähe, die auch sehr herausfordernd sein kann. Eine Grossmutter erzählte mir, wie merkwürdig es für sie war, dass ihre erwachsene Tochter nun plötzlich wieder so abhängig war.

Wollten die Grosseltern selbst so intensiv helfen oder wurde das von ihnen verlangt? Die Motivation kam von den Grosseltern selbst. Sie wollten da sein für ihre Enkelkinder, aber auch für ihre Töchter, Söhne und Schwiegerkinder. Oder wie es eine Grossmutter formulierte: «Ich hätte ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich sie einfach hätte hocken lassen.» Zum Teil haben sie erst nach dem Tod des Enkelkindes gemerkt, wie völlig erschöpft sie selbst eigentlich waren. Was empfanden die Grosseltern als besonders belastend? Besonders schwierig war es, wenn sie mit dem Vorgehen der Eltern nicht einverstanden waren. Das ungeschriebene Gesetz, dass Grosseltern sich nicht in die Erziehung der Enkelkinder einmischen dürfen, gilt auch für diese Grosseltern. Es auszuhalten, wenn man sich nicht einig ist, ist in solchen Extremsituationen aber noch viel schwieriger. Fühlten sich die Grosseltern vom Kinderspital Zürich getragen? Es ist schon so, dass man die Grosseltern eher vernachlässigt. Ich persönlich gehe, seit ich diese Gespräche geführt habe, bewusster auf Grosseltern zu. #10 ~ 2019

Was heisst «nicht viel»? Das können ganz banale Fragen sein, zum Beilspiel: wie sie heissen oder zu welcher Seite – Vater oder zur Mutter des Kindes – sie gehören. Dann kann man sie fragen, ob man sie kurz ablösen soll, wenn sie einen ganzen Tag am Bett des Kindes sitzen. So kann auch das Fachpersonal zeigen, dass man sie wertschätzt. Das hat man bisher nicht gemacht? Schon, aber es war mehr dem Zufall überlassen. Aber nun werden auch die Grosseltern zunehmend ein Thema für uns. Auch wenn die Grosseltern nicht im Spital, sondern zu Hause unterstützen? Auch da können wir etwas tun. Ganz am Anfang können wir die Eltern fragen, wie sie die Diagnose den Grosseltern der Kinder kommunizieren möchten. Das hilft ja auch den Eltern, wenn wir ihnen da Möglichkeiten aufzeigen. Und später können wir in den Gesprächen mit den Eltern auch mal fragen, wie es den Grosseltern geht, so wie wir auch nachfragen, wie es mit den Geschwistern des kranken Kindes läuft. Sie schreiben in Ihrer Arbeit, dass im Gegensatz zu heute in früheren ­Generationen der Verlust eines Kindes eher totgeschwiegen wurde. Ja, zwei Grossmütter erzählten mir, dass sie selber einen Bruder oder eine Schwester verloren hätten, als sie Kinder waren. Das wurde damals einfach nicht thematisiert. Das ist heute anders. Es gibt natürlich auch heute noch Familien, die nicht darüber reden. Wie reagiert das Umfeld der ­Grosseltern? Sehr unterschiedlich, von grosser Bewunderung darüber, wie die ­Grosseltern und die Familie mit der ~


~ Hintergrund ~ INTERVIEW

32 Erkrankung und dem Tod des Kindes umgehen, bis zu sehr verletzenden Bemerkungen wie beispielsweise, dass die Familie ja froh sein kann, nicht mehr für das kranke Kind sorgen zu müssen. Eine Person erzählte mir, dass nach dem Tod des Enkelkindes sich eine Bekannte im Bus nicht mehr neben sie gesetzt hat. Wohl aus Angst, dass sie dieses Thema ansprechen würde. Erstaunt Sie ein solches Verhalten? Nein. Ich wünschte mir natürlich für die betroffenen Grosseltern, dass es nicht so wäre. Dass es in unserer Gesellschaft möglich wäre, auch über solche Themen zu reden. Es ist ja so schon schwierig genug. Und wenn sie dann noch aus der Gesellschaft irritierende Reaktionen erleben, wird es nicht einfacher. Mit welchen Dingen hatten die Grosseltern am meisten zu kämpfen? Mit dem Leiden der Enkelkinder. Dann das Aushalten, in gewissen Situationen einfach nicht helfen zu können. Und die Grosseltern müssen mit dem Wissen leben, dass mit einer grossen Wahrscheinlichkeit das Kind vor ihnen stirbt, dass die natürliche Reihenfolge nicht eingehalten wird. Und wie konnten die Betroffenen die Situation und nun den Verlust aushalten? Alle Grosseltern drückten in den Gesprächen eine grosse Dankbarkeit aus, dass sie die Enkelkinder wenigstens für die kurze Zeit hatten. Und die gemeinsame Erinnerung an das Kind, die hilft den Grosseltern auch. Haben Sie die Grosseltern gefragt, was sie sich vonseiten des Spitals an Unterstützung gewünscht hätten? Ja, ich habe sie explizit danach gefragt. Das, was sich die Grosseltern für diese Zeit gewünscht hätten, betraf fast immer die Familien, nie sie selbst. Und als ich fragte, ob sie ein Treffen mit anderen betroffenen Grosseltern, eine Selbsthilfegruppe oder Ähnliches, ge-

wollt hätten, fand nur eine Person, jetzt, nach vier Jahren, würde sie vielleicht zu solch einem Stammtisch gehen. Als Sie Ihre Arbeit dem Fachpersonal des Kinderspitals Zürich vorgestellt hatten: Wie war da die Reaktion? Dem Fachpersonal wurde bewusst, ja, die Grosseltern gibt es ja auch noch. Sie waren erstaunt, dass schon eine kleine Frage oder eine Bemerkung von ihnen als grosse Wertschätzung wahrgenommen wird. Und sehr wichtig, sie sollten den Grosseltern mal sagen, dass auch sie sich melden dürfen, wenn sie mal zur Toilette müssen oder eine Pause brauchen. Das ist eine wichtige Erkenntnis, man kann nicht darauf zählen, dass die Grosseltern sich von alleine melden, wenn sie etwas brauchen. Die Eltern der Kinder melden sich viel eher? Ja. Die Grosseltern sind da viel zurückhaltender. Das liegt natürlich auch daran, dass man mit den Eltern von Anfang an mehr Kontakt hat, sie kennen das Spitalpersonal besser. Da ist es für sie auch einfacher. Man darf nicht vergessen, die Grosseltern sind einfach in der zweiten Reihe, auch wenn sie viel im Spital anwesend sind. Liegt das auch daran, dass Sie den Grosseltern eigentlich auch keine Auskünfte geben dürfen? Das stimmt natürlich. Wir dürfen die Grosseltern nicht über gesundheitliche Aspekte informieren, schliesslich unterliegen wir dem Berufsgeheimnis. Aber das hält einem ja nicht davon ab, einer # 10 ~ 2019

Grossmutter mal zu sagen: «Das haben Sie jetzt sehr gut gemacht mit Ihrem Enkelkind.» So verletzt man das Berufsgeheimnis keine Sekunde und bewirkt doch so viel bei den Grosseltern. Wie bringen Sie diese wichtigen Erkenntnisse unter die Leute? Ich habe meine Arbeit im Rahmen eines Symposiums vorgestellt, an dem auch Fachpersonen von anderen Spitälern teilgenommen haben. Dann bin ich dran, die Arbeit in Fachpublikationen zu veröffentlichen. Im Rahmen meiner Arbeit im Palliative Care Team unterrichte ich auch an der ZHAW. Da lasse ich natürlich das Thema Grosseltern auch einfliessen. Und damit nicht nur Fachpersonen dies lesen, habe ich mich zum Beispiel auch beim Grosseltern-Magazin gemeldet. Und dafür sind wir Ihnen natürlich sehr dankbar. Vielen Dank für das Gespräch und Ihre wichtige Arbeit. •


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Heimweh befällt nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Während die Grossen gegen das unange­nehme Gefühl Strategien entwickeln, brauchen die Jüngeren aktive Unterstützung bei der Bewältigung ihres Trennungsschmerzes.

Heim-

weh Von KARIN DEHMER ( Text) und IRENE MEIER (Illustration)

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~ Magazin ~ WISSEN

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m 17. Jahrhundert umschrieb der Elsässer Arzt Johannes Hofer die sogenannte «Schweizerkrankheit» mit Melancholie, Schwermut und Trauer, verursacht durch die unbefriedigende Sehnsucht nach der Heimat. Er benannte die Krankheit nach der Legende von Schweizer Söldnern, die im Ausland Dienst taten und deutlich gehäufter die beschriebenen Symptome aufwiesen als Söldner aus anderen Ländern. Den Schweizern soll in Frankreich sogar unter Strafandrohung verboten worden sein, bestimmte Lieder anzustimmen – etwa

werden, kann mit dem Kind darüber gesprochen werden, was es mit den Grosseltern alles erleben wird, was Oma oder Opa vielleicht kochen werden, in welchem Zimmer es schlafen wird. Kinder haben noch kein ausgeprägtes Zeitgefühl, dennoch sollte man ihnen möglichst klare Zeitanga-

das Guggisberglied, das sie zur Fahnenflucht verleiten würde. Gut möglich, dass diese Sanktion die Sehnsucht der Söldner nur noch grösser werden liess. Denn heute weiss man, dass Menschen, die unter Heimweh oder Trennungsschmerz leiden, gut daran tun, ihnen bekannte Rituale aufrechtzuerhalten, Alltagsgewohnheiten auch am fremden Ort so gut es geht nachzugehen.

ben machen, wann es wieder abgeholt wird. Also: «Nach zweimal schlafen» oder «bis nach dem Abendessen.» Es gibt unzählige Bilderbücher zum Thema. «Schau, bald schläfst du bei Oma und Opa wie der kleine Bär hier im Buch.» Wichtig sind die sogenannten Übergangsobjekte, geliebte Gegenstände wie Plüschtiere oder Nuscheli, ohne die Kinder nirgendwo hingehen und die sie meist auch ins Bett nehmen. Remo Largo in «Babyjahre»: «Übergangsobjekte dienen den Kindern als Mutter- oder Vaterersatz auf Zeit. Sie helfen Zeiten zu überbrücken, die mit dem Gefühl von Alleinsein und Verlassensein verbunden sind. Somit sind Übergangsobjekte auch Hilfsmittel auf dem Weg zur eigenen Selbständigkeit.» Bei grösseren Kindern hilft neben dem Lieblingsplüschtier auch ein vertrautes Hörspiel, ein Buch oder ein Foto der Familie gegen Heimweh.

DEN UNTERSCHIED MACHT DAS ALTER Bei jüngeren Kindern spricht man in der Psychologie konsequent von Trennungsschmerz und nicht von Heimweh, das in der Regel erst ab dem Vorschulalter eintrifft. «Der Trennungsschmerz oder die Trennungsangst und das Fremdeln sind bei Zwei- bis Dreijährigen am stärksten ausgeprägt», schreibt Kinderarzt Remo Largo in seinem Standardwerk «Babyjahre». «Nach dem dritten Lebensjahr nehmen das Fremdeln und die Trennungsangst immer mehr ab. Den Kindern fällt es leichter, Beziehungen zu unvertrauten Personen einzugehen.» Beim Eingewöhnen in der Kita wird die Zeit, in der das Kind in die fremde Obhut gegeben wird, über eine Dauer von zwei bis drei Wochen konstant gesteigert. Selbstverständlich also, dass es auch für Hüteeinsätze der Grosseltern eine Ein- und Angewöhnungszeit braucht. Wenn der Trennungsschmerz des Kindes besonders gross ist, eignet sich dafür bei den ersten Malen ein Spaziergang oder ein Aufenthalt ausserhalb der Wohnung, beispielsweise auf einem Spielplatz, der dem Kind bekannt ist. Vielleicht übernachten die Eltern oder ein Elternteil auch das erste Mal gemeinsam mit dem Kind bei den Grosseltern, bevor es allein dort schlafen muss. VOR DER TRENNUNG ZU BEACHTEN Neben einer angemessenen Ein- und Angewöhnungszeit ist es ratsam, sofern das Kind dafür alt genug ist, es beim Kleiderpacken mithelfen zu lassen. Während gemeinsam Unterwäsche und Socken in den Koffer gelegt oder Spielsachen eingepackt

BESCHÄFTIGUNG HILFT Nicht gerade abbrechen, wenn das Kind bei der Übergabe losweint: Die Grosseltern können versuchen, es abzulenken und zu trösten. Überhaupt ist es gut, mit einem verunsicherten Kind viel zu sprechen. Die Eltern sollten sich nie einfach wegschleichen. Das verunsichert das Kind unnötig. Nach einer herzlichen, aber kurzen Verabschiedung ohne Zögern zu gehen, ist empfehlenswert. Fachpersonen raten, die Eltern erst um Hilfe zu bitten, wenn sich das Kind danach länger als 20 Minuten nicht beruhigen lässt. Gut also, wenn Eltern ihr Kind nicht dann zum ersten Mal den Grosseltern überlassen, wenn sie einen wichtigen Termin wahrnehmen müssen. Während der ersten Male sollte das Kind im Fall, dass es ~

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~ Magazin ~ WISSEN

sich nicht beruhigen lässt, schnell abgeholt werden. Später, wenn es schon mehrere Versuche hinter sich und somit eine gewisse Erinnerung daran hat, dass die Eltern es immer wieder abholen, kann man etwas abwarten. Es stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder, wenn sie es schaffen, ihre Sehnsucht zu überwinden. In keinem Fall sollte man dem Kind Vorwürfe machen, sondern es im Gegenteil dafür loben, wenn es einen erneuten Versuch wagt. Ein Kind, das Heimweh hat, zu trösten und abzulenken, ist anstrengend und zeitintensiv. Beschäftigung ist das beste Mittel gegen Heimweh und Trennungsschmerz und braucht Zeit. Grössere Kinder kann man dazu ermuntern, einen Brief nach Hause zu schreiben, in dem sie ihr Heimweh zum Ausdruck bringen und verarbeiten. Besser als tägliche Anrufe bei den Eltern sind ein oder zwei zum Voraus vereinbarte Termine. Wichtig ist, dass die Grosseltern das Heimweh und den Trennungsschmerz ihrer Enkelkinder nicht als Ablehnung verstehen. Meistens ist es nämlich so, dass die Kinder selber auch bei Oma und Opa bleiben wollen, es aber einfach noch nicht schaffen. In diesem Fall nicht verzagen, in ein paar Monaten kann es schon wieder ganz anders aussehen.  •

Das Kuscheltier muss mit. Oder ein Kissen oder ein T-Shirt von Mama oder Papa, das nach ihnen riecht.

Gewohnte Rituale, gerade beim Essen oder beim Einschlafen, möglichst beibehalten.

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Tipps

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bei Heimweh und Trennungsschmerz Kinder lassen sich gern von anderen Kindern ablenken, am besten auf einem grossen Spielplatz.

Nicht täglich telefonieren, sondern fixe Termine ausmachen, an denen sie miteinander reden wollen. So ist das KInd motiviert, von Anruf zu Anruf durchzuhalten, und kann sich die Zeit dazwischen auf die Umgebung einlassen.

Das Kind zum vereinbarten Zeitpunkt abholen. Also wenn man gesagt hat nach dem dritten Frühstück oder nach dem Mittagessen, dann sollte es auch so eingehalten werden. Beim Abschied auf Sätze wie «Wir werden dich schrecklich vermissen» verzichten. Das Kind stattdessen positiv motivieren und ihm viel Spass wünschen.

Nicht nur bei der Verabschiedung, sondern auch beim Wiedersehen nicht zu grosses Aufsehen erregen. Dem Kind signalisieren, dass es ganz normal ist, dass Mama zur ausgemachten Zeit wieder zurückkommt.

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Das Kind in ausgeschlafenem Zustand übernehmen. Nicht wenn es weinerlich, hungrig oder kränklich ist.


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~ Hintergrund ~ GENERATIONENWECHSEL

« Nein, schwierig war der Generation­enwechsel nicht » Walter (82) kann mit seiner dementen Frau Mona seinen Schrebergarten nicht mehr bewirtschaften. Manuela (41) und Roland (46) aber wünschen sich einen Garten. Ein behutsamer Generationenwechsel im kleinen Paradies. Von STEPHANIE ELMER (Aufzeichnung ), GABI VOGT (Fotos)

Die Autorin Stephanie Elmer und die Fotografin Gabi Vogt besuchten während dreier Jahre Gärtnerinnen und Gärtner in ihren Schrebergärten und porträtierten diese in Text und Bild. «Bei unseren Besuchen sind wir auf die verschiedensten Geschichten gestossen und haben 14 Porträts gesammelt, die von Gärten, aber noch von vielem mehr erzählen. Der Schrebergarten wird zur kleinen Welt mit grossen Geschichten», sagt die Fotografin Gabi Vogt. Eine dieser grossen Geschichten ist jene von Manuela (41) und Roland (46), die sich einen Schrebergarten wünschten und so Walter (82) und seine demente Frau Mona kennenlernten, die ihren Garten langsam abgeben wollten. Die Autorin Stephanie Elmer lässt ausschliesslich die Protagonisten selbst zu Wort kommen. Die Geschichten, die hinter diesen kurzen Statements stecken, lassen sich zusammen mit den Bildern erahnen. Man glaubt Walter, wenn er sagt: «Nein, schwierig war der Generationenwechsel nicht. Im Gegenteil, die Freude, dass eine Familie mit Kindern nachkommt, war gross.» ~MB

Walter (82) ist mit Fynn (12) und Lino (10) in seinem Garten, der bald ihr Garten sein wird.

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40 WALTER: Das Giessen ist wichtig. Am besten, man wässert

nur tropfenweise, unten bei der Wurzel. Sonst bekommt der Boden Risse, dann wird er feucht und die Erde krümelig. ROLAND: Angefangen hat alles mit einem Buch über Anbaumethoden in urbanen Räumen. Da hat es uns gepackt und wir haben begonnen, auf unserem Balkon Gemüse zu pflanzen. Zucchetti in Reissäcken etwa. Oder in Weinkisten. MANUELA: Irgendwann wurde der Balkon zu klein. Und die Idee, einen eigenen Garten zu haben, wuchs. Manchmal spazierten wir bei den Schrebergärten in unserem Quartier vorbei. Wir hatten aber von langen Wartelisten gehört und machten uns deshalb keine grossen Hoffnungen auf einen eigenen Garten. Bei einem dieser Spaziergänge trafen wir den Präsidenten des Areals und erzählten ihm von unserem Wunsch, vielleicht irgendwann einen Garten zu bekommen. «Wieso macht ihr keinen Tandem-Garten?» ROLAND: Die Idee gefiel uns: Anstatt von Anfang an einen ganzen Garten zu übernehmen, teilen wir ihn mit einem älteren Gärtner, für den eine ganze Parzelle wiederum zu gross wird. Kurze Zeit später meldete sich der Präsident wieder: «Ich habe einen Gärtner, der euch einen Teil seines Gartens abgeben würde», hat er gesagt. WALTER: Den Garten auf einmal ganz abzugeben, wäre für mich schwierig gewesen. Auch für Mona, meine Frau, ist der Garten viel wert. Im Garten geht es ihr besser, dann kommt die Erinnerung zurück, sie kann sich beschäftigen, mit Arbeiten, die ihr vertraut sind. Beeren pflücken. Alte Blätter entfernen. MANUELA: Am Anfang mussten wir auch etwas herausspüren, wie viel wir verändern dürfen. Schliesslich war Walti über vierzig Jahre im Garten. Das erste Jahr haben wir im Gartenhaus fast nichts verändert. Aber mit der Zeit haben wir gemerkt, dass das für Walter in Ordnung ist. WALTER: Nein, schwierig war der Generationenwechsel nicht. Im Gegenteil, die Freude, dass eine Familie mit Kindern nachkommt, war gross. ROLAND: Bis anhin hatten wir keine Gartenerfahrung. Walter hat uns am Anfang viele Tipps gegeben. WALTER: Bei den Trauben ist es wichtig, dass auch Triebe herausgeschnitten werden. Sonst hat die Pflanze irgendwann keine Kraft mehr. Auberginen brauchen einen fetten Boden. Ich gehöre zu der Generation Gärtner, die sehr viel über Bodenqualität diskutiert hat. Früher ging es ja auch ohne Kunstdünger. Nach biologischen Mitteln zu suchen, war mir deshalb immer wichtig. Farn- oder Brennnesselwasser etwa. Oder Schachtelhalm, aufgekocht in einer grossen Pfanne und dann eine Woche stehen gelassen. Ein sehr nahrhaftes Spritzmittel. Aber der Boden, der muss nass sein, sonst ist es zu scharf. MANUELA: Die Faszination der eigenen Ernte ist gross. Auch bei den beiden Jungs. ROLAND: Walter kennt zu jedem Gemüse ein Rezept. WALTER: Ich war schon immer eine Leseratte. Magazine, ­Zeitungen, Bücher. Lesen, lesen, lesen. ~

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~ Hintergrund ~ GENERATIONENWECHSEL

41 Walter erklärt Roland, warum es wichtig ist, dass man bei den Reben die Triebe herausschneidet.

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~ Hintergrund ~ GENERATIONENWECHSEL

42 «Immer mehr entschwindet Mona in ihre eigene Welt aus Wolken», sagt Walter.

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~ Hintergrund ~ GENERATIONENWECHSEL

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ROLAND: Anfangs bedeutete der Garten auch Stress. Wir wollten jede noch so kleine Ecke bepflanzen. In der Zwischenzeit sind wir da viel entspannter und lockerer. Pflanzen etwa mehr Kartoffeln, da diese weniger Arbeit geben als zum Beispiel Erdbeeren, die man entzweien muss. WALTER: In all der Zeit, in der ich den Garten hatte, sind viele Freundschaften entstanden, auch privat. Mittlerweile sind die meisten von uns pensioniert; wir gehören zur alten Garde Gärtner. ROLAND: Draussen sein. Dreckige Hände bekommen. Müde sein vom Werkeln. Das ist grossartig. WALTER: Früher, als ich noch nicht pensioniert war, war der Garten immer auch eine Inspirationsquelle für meine Arbeit als Grafiker. So viele Formen und Farben und Variationen. Oft ging ich in den Garten, um zu malen, Aquarelle, Muster, die als Vorlagen für Geschenkpapier dienten. ROLAND: Anfangs sahen wir uns noch öfter im Garten. Mittlerweile kommt Walter nicht mehr so oft und wir müssen schon fast abmachen,

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dass wir einander wieder einmal sehen. WALTER: Immer mehr entschwindet Mona in ihre eigene Welt aus Wolken, in denen sie unzählige Figuren und Formen erkennt. MANUELA: Manchmal bringen wir ihm sein Gemüse vorbei. ROLAND: Der Sommer mit dem Garten ist sehr intensiv, es gibt immer etwas zu tun. Im Herbst ist man schon beinahe froh, dass es eine Pause gibt und andere Hobbys wieder mehr Raum bekommen. Bier brauen auf dem Balkon beispielsweise. MANUELA: Und im Frühling ist der Balkon wieder voll mit Setzlingen, die wir dort ziehen.  •

Museum für Likes

Infos SCHREBER-, HEIM- ODER FAMILIENGARTEN Der Leipziger Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber gab dem Schrebergarten seinen Namen. Er wird aber auch Klein-, Heim- oder Familiengarten, Bünt, Pünt oder Beunde genannt. Schrebergärten gelten als kreative und produktive Freizeitbeschäftigung mit integrativem Charakter. DER VERBAND Über 23 000 Personen arbeiten in Sektionen oder Vereinen des Schweizer Familiengärtner-Verbandes. Die Gartenareale werden von Städten und Gemeinden dauerhaft zur Verfügung gestellt und von Gartenpächtern verwaltet. familiengaertner.ch DAS BUCH Stephanie Elmer und Gabi Vogt: «Flachs Sugo Tandem. Geschichten aus dem Schrebergarten», Edition Clandestin, 336 Seiten, 56 Franken. flachs-sugo-tandem.ch

Museum für Kommunikation, Helvetiastrasse 16, 3000 Bern 6 Dienstag – Sonntag, 10 – 17 Uhr, www.mfk.ch Eine Stiftung von:

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~ Kolumne ~ GROSSMÜTTERREVOLUTION

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Emanzipierte Väter haben es schwer ir haben einen wunderbaren Schwiegersohn: freundlich, charmant und mit gutem Benehmen. Das tönt nach einem Schwiegersohn, den sich alle Mütter wünschen, aber meiner ist weit mehr: Wir zwei streiten auch zusammen. Er wehrt sich, wenn ich wieder einmal eine Grenze überschritten habe. Ich meinerseits wage Gegenreaktionen, und er kann damit umgehen. Seit er Papa ist, hat er sich verändert. Früher war sein Beruf alles für ihn, und

in der Mikrowelle zu wärmen. «Es braucht rund 30 ­­ Sekunden», sagte mein Schwiegersohn fachkundig. Als er ihr schliesslich den Brei eingeben wollte und die Kleine noch mehr schrie, reagierten meine Tochter und ich schlagartig: «Der Brei ist zu heiss!» Dieses Mal blieb der Schwiegersohn nicht so souverän wie üblich. Er war sichtlich gekränkt. Er hatte vorher die Temperatur längst geprüft. Dass wir Frauen ihn für nicht fähig hielten, seine Tochter gefahrlos zu füttern, verletzte ihn. Ich verstehe

manchmal wirkte er deswegen gestresst ihn. Von der Frauenfront kam an diesem und müde. Heute ist er müde wegen der Tag aber noch mehr. Meine Schwester, schlaflosen Nächte, und trotzdem erlealso die Grosstante, hatte sich der KleiBERNADETTE be ich ihn als viel lockerer. Seine Tochnen bemächtigt. Sie trug sie herum, plauKURMANN CONDRAU (69) aus Ebikon LU, ter liess ihn zärtlich und weich werden. derte mit ihr, roch an ihr. Dann fragte sie ist Krankenschwester und Nerven braucht er dennoch mehr denn meine Tochter: «Wie gut sie riecht, welJournalistin. Sie hat drei je. Vor allem dann, wenn seine Schwieches Waschmittel verwendet du?» Der Töchter und ein Enkelkind. Seit 2017 ist sie aktiv bei germama den Säugling unbedingt selber Schwiegersohn reagierte schärfer, blieb wickeln will, und ihr die Übung zwi- der GrossmütterRevolution. aber entsprechend seinem Naturell geschenzeitlich etwas abhanden gekomlassen: «Das müsstest du eigentlich mich men ist. Wenn er versucht, ihr Unterstützung zu bieten, fragen. Bei uns mache ich die Wäsche.» Sein Einwand bleibt er erfolglos. Die Schwiegermutter bleibt stur: «Ich war entlarvend, und ich habe die Lektion verstanden: kann das noch.» Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie er Wir Frauen haben die Emanzipation der heutigen Mänbeim Zuschauen fast verzweifelt. Neulich waren wir in ner immer noch nicht internalisiert. Emanzipierte Väter einem Restaurant. Die Kleine hatte Hunger und schrie haben es wirklich nicht leicht.  • herzerweichend. Die Bedienung willigte ein, den Brei 

DIE GROSSMÜTTER(R)EVOLUTION GEHT AN DIE URNE 2019 ist ein Wahljahr. Es ist für uns sehr wichtig, wer in den nächsten vier Jahren in Bern sitzen wird. In den vergangenen Jahren wurde stets propagiert, dass das Alter ein Problem sei, die Alten eine Last, das Alter wurde so immer öfter zum «Feind». Volkswirtschaftlich ist das Alter aber eine rentable Lebensphase. Wir Grosseltern arbeiten in Ehrenämtern und als Freiwillige. Ohne uns könnten sehr viele Dienstleistungen nicht aufrechterhalten werden. Wir unterstützen durch Enkelbetreuung

und Nachbarschaftshilfe, entlasten unsere Töchter und Söhne – finanziell, praktisch und handfest. Am 20. Oktober heisst es also: Wer stimmt, bestimmt – stellen wir für die nächsten Jahre die Weichen neu! Die GrossmütterRevolution ist ein Think Tank, Netzwerk und eine Plattform für Frauen, unabhängig, ob sie Grossmütter sind oder nicht. Regelmässig veranstalten sie öffentliche Tagungen und führen eine Vielzahl von selbst organisierten Arbeitsgruppen.

grossmuetter.ch

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Wer sich erinnert, bleibt zukunftsfähig D

IER OS S

Die Philosophin Lisa Schmuckli schreibt darüber, wie wichtig Erinnerungen für die Gesellschaft, für die Familien und für den einzelnen Menschen sind. Von LISA SCHMUCKLI (Text) und CARMELA GANDER (Bilder)

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~ Dossier ~ AUS DEM LEBEN ERZÄHLEN

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eine gedankliche Reise durch den Dschungel der Welt- und Zeitgeschichte, anhand derer ich die Notwendigkeit von

Vernunft. Der Frauenstreik als Beispiel erinnert an Rechte, die qua Verfassung den Frauen zustehen. Der Streik selber

Erinnerungen für eine Gesellschaft darlege, kann hier aus Platzmangel nur in sehr gekürzter Form wiedergegeben werden. Sie schaft aber dennoch den sozialen, öffentlichen und gesellschaftlichen Zugang zur Notwendigkeit der Erinnerung für die Sippe und für das Individuum.

ist also Erinnerungsarbeit: In diesem Moment ist Erinnerung Arbeit an der politischen Vernunft.

DIE GESELLSCHAFT Erinnerungen sind für eine Gesellschaft in dreifachem Sinne notwendig: Sie sind erstens Arbeit an der Gerechtigkeit: Er-

t lek K ol

FAMILIENCHRONIK Meine Grossmutter väterlicherseits, geboren 1899, wohnte am Hardplatz in Zürich, im Arbeiterkreis 4. Bei ihr war ich – so meine Erinnerungen – oft in den Ferien, in der 3-Zimmer-Wohnung im 6. Stock, ohne Heizung und ohne Bad, mit Vorratskammer und ohne Kühlschrank.

t n Kit e l a z o s n e d n e e s ive G chichten oder My then bild

innern wir uns zum Beispiel an frühere gesellschaftlich feudale Verhältnisse, schaffen diese Erinnerungen das Bewusstsein für Ungerechtigkeit. Und dieser Blick für ungerechte Verhältnisse wiederum ist Bedingung, um an einer Gerechtigkeit in der Gegenwart arbeiten zu können. Zweitens entwickeln Erinnerungen die Zivilgesellschaft: Kollektive Geschichten oder gar Mythen bilden den sozialen Kitt, erschaffen und erhalten die gesellschaftlichen Traditionen und halten so eine Gesellschaft kulturell und politisch zusammen. Drittens sind Erinnerungen Arbeit an der politischen

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Ich wurde einmal die Woche im Zuber auf dem Küchentisch gebadet, nachdem meine Grossmutter das Wasser auf dem Gasherd heiss gemacht hatte. Der einzige Ofen stand im Wohnzimmer; meine Oma feuerte mit Paraffin-Stängeln ein. Sie achtete sorgsam darauf, dass kein Holz verschwendet wurde. Sehr viel später hatte sie mir erzählt, wie unglaublich es für sie gewesen sei, eine AHV zu erhalten. Wie sie jedes Mal staunte und sich freute, wenn der Postbote ihr die AHV an der Haustür in die Hand zählte. Diese Sicherheit nach einer brüchigen, prekären Arbeitsbiografie, geprägt von ~


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Arbeitslosigkeit und Heimarbeit. Die AHV war ihre Rettung und half nicht nur ökonomisch, sondern sie diente, so wie mir schien, auch dem Eheleben. Meine Grossmutter erzählte nur, wenn sie gefragt wurde. Wollte ich etwas erfahren,

Ihr Leben bli eb

–w ie da s Leb

tagen ihr einziges Hochzeitsfoto. Sie heiratete im Winter 1950. Auf der Schwarz-Weiss-Fotografie schaut sie direkt in die Kamera, im weissen, bescheidenen Kleid neben einem eher steif wirkenden Mann im schwarzen Anzug,

ählt z r e n hen – u en viel c s n e er M

musste ich die Geschichte quasi einfordern. Sie starb 1992 und ihr Leben blieb – wie das Leben vieler Menschen – unerzählt. Um unerzähltes Leben zur Sprache zu bringen, braucht es Zuhörerinnen und Zuhörer mit eigenen Fragen. Was erzählen Sie Ihren Kindern und Enkelkindern? Welche Familien-Mythen geben Sie weiter, welche Geschichten bleiben verschwiegen? Werden Sie von der jüngeren Generation aufgefordert, zu erzählen? Und umgekehrt: Was wollen Sie von den Jüngeren denn erfahren? Meine Schwiegermutter, geboren 1919, zeigte mir oft an verregneten Sonn-

umrahmt von den beiden Trauzeugen, ebenfalls schwarz gewandet. Der zarte, weisse Blumenstrauss verschwand quasi im Kleid. Sie hat mir natürlich dabei ihre Erinnerungen erzählt. Was mir auffiel und noch heute in Erinnerung bleibt, ist ihr Blick in die Kamera, als wolle sie sagen: Los jetzt, beginnen wir! Mit mir ist zu rechnen! Ebenso ihre Frisur, eher kürzer, voll, schwarz, mit einem Schwung. Eine Fotografie, aufgenommen nach dem Krieg, der Beginn einer Familiengründung, der Beginn auch einer intergenerativen Erzählung. Ein Familienalbum transportiert die Geschichten einer S ­ ippe

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~ Dossier ~ AUS DEM LEBEN ERZÄHLEN

durch die Jahre hindurch, visualisiert Erinnerungen und eröffnet ein Gespräch über damals und heute. Meist beginnt ein Familienalbum mit einer Hochzeitsfoto, gefolgt von den ersten Geburtsanzeigen, Fotos von Babys, Taufen, noch mehr

Ich denke, dass folgende drei Bedeutungen zentral sind: Der Austausch der Erinnerungen zwischen Grosseltern und Enkelkindern ermöglicht, dass die sozialen Fortschritte ganz konkret und sinnlich erlebbar werden. Die Einführung der AHV,

kte Zuhören sind A d n u n e l h Erzä Kindern. Es gibt Fotos einer Erstkommunion, vielleicht von Schulkonzerten, Jugendlagern, Familienferien am Meer, ersten Heiraten, ersten Enkelkindern. Beerdigungen werden kaum dokumentiert. In den Alben herrscht meist eine Chronologie. Man sieht sehr schön, wie man älter wird, wie die nächste Generation gross wird und die älteste Generation weggeht und auf den Bildern nicht mehr aufzufinden ist. Nur als Verschwinden, als ein Nicht-mehr-auf-Bildern-Sein wird der Tod in den Familienchroniken dokumentiert. WAS ERINNERN BEDEUTET Fotos aus den Familienalben erzählen meist nur die halbe Wahrheit. Was geschah vor, nach und neben dem Fotoausschnitt? Warum ist gerade dieser Moment festgehalten worden? Welche Momente fehlen? Welchen Stellenwert hat also die Erinnerung in diesem intergenerativen Dialog?

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und ernst. Der andere, der Grossvater, erzählt und spürt und sieht den zuhörenden Enkel. Selbstverständlich können die Rollen getauscht werden und die Enkelin erzählt aus dem Kindergarten und die Grossmutter hört zu. Erzählen

de r g e g e n s e i t i g e n

der erste Fernseher im Wohnzimmer, der Erwerb einer Waschmaschine für die eigene Familie – all diese Ereignisse machen den sozialen Fortschritt erfahrbar ebenso wie die damit einhergehenden Veränderungen des konkreten Zusammenlebens. Erinnerungen schärfen die sozialen Entwicklungsschritte und die konkreten Auswirkungen. Erinnerungen sind im generationenübergreifenden Austausch Transmissionsriemen im Verständnis für kollektive Entwicklungsschritte, Vermittlungen zwischen Sippe und Gesellschaft. Erinnerungen schaffen zweitens eine Zugehörigkeit. Der Enkel kann sich in die Geschichte des Grossvaters einfühlen, gar einordnen; er wird quasi in der Zeitachse mitgenommen. Zudem erfährt der Grossvater im Erzählen auch eine Anerkennung. Sich erinnern in diesem Austausch wird zu einer elementaren Erfahrung von «Menschsein»: der eine hört der Geschichte des anderen zu und nimmt ihn wahr

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Aner kenn ung

und Zuhören sind Akte der gegenseitigen Anerkennung. Schliesslich erlauben die intergenerativen Erinnerungen auch eine Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Tod. Erinnerungen setzen ein Zeitgefühl und ein Zeitverständnis voraus, das Kinder erst erfahren und erlernen müssen und mit dem ältere Menschen unmittelbar konfrontiert sind. Die Familienchronik zeigt eine Vergangenheit. Diese Vergangenheit verdeutlicht das Jetzt. Und allmählich wird auch die Zukunft erfahrbar, vielleicht gerade auch in der Frage der Enkelin an die Grossmutter: «Musst du auch sterben?» Erinnerungen und Erzählungen sind Ausdrucksformen, um als einzelne Person innerhalb einer Sippe, innerhalb von Generationen eine eigene Position zu erfinden und finden. Meist bleibt das Familienalbum zurück, oder die Mutter hat für jedes Kind ein individuelles Album hergestellt, sodass das erwachsene Kind seine individuelle Geschichte ~


mitnehmen kann; gleichzeitig bricht auf diese W ­ eise ein Teil aus dem Familienalbum weg und geht anderswo weiter. ZUFÄLLIGE SCHNAPPSCHÜSSE Was aber, wenn es keine Alben, sondern nur noch lose Schnappschüsse gibt? Jetzt sind wir beim einzelnen Menschen angelangt. Jeder Mensch hat seine eigenen

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des bekämen. Mit anderen Worten: Identität wird problematisch, gerade weil sie sich nicht mehr selbst-verständlich auch in einer Zeitdimension entwickelt, eingebettet in eine Erzählgemeinschaft und begleitet von Vorbildern. Vielmehr wird Identität zu einer zufälligen Momentaufnahme, die zudem unter dem Druck der Effizienz und Anpassung steht und im

r abgespeich nerungen, Bilde n i ert r E n e n e eig e n i e s at

Erinnerungen, Bilder, abgespeicherten Erfahrungen, und immer öfter fühlt man sich mit den eigenen Erinnerun-

Verlaufe des Lebens individuell zusammengesetzt und hervorgebracht werden muss. Die Metapher der «Schnappschüs-

gen fremd in der Gegenwart. Der jüngst verstorbene polnisch-englische Soziologe Zygmunt Bauman meinte, dass das Selbstbild eines jeden Menschen einer Ansammlung von Einzelbildern ähnelt, wahllosen Schnappschüssen, und folglich dem Aufbau einer stabilen Identität widerspreche. Dies würde zu einer eigentlichen Kultur des Vergessens führen, da Erinnerungen den Status eines zu löschenden oder überspielenden Videoban-

se» betont im Weiteren die Zufälligkeit der aufbewahrten Bilder. Welche Schnappschüsse, Bilder, Eindrücke, Erinnerungen bewahrt man in seiner Entwicklung auf? Welche werden verdrängt? Oder welche Schnappschüsse werden übermalt, verändert, idealisiert? In seiner Schrift «Das Unbehagen in der Kultur» notierte Sigmund Freud, dass wir «aus dieser Welt nicht fallen (können). Also ein Gefühl der unauflösbaren Ver-

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~ Dossier ~ AUS DEM LEBEN ERZÄHLEN

bundenheit, der Zusammengehörigkeit mit der Aussenwelt» haben. Heute besteht das Unbehagen wohl genau in diesem Gefühl: aus der Welt fallen zu können. Aus der Welt fallen, heisst: ohne Erinnerungen zu sein, ohne erzählte Geschichten und vor allem ohne Erzählgemeinschaften. Aus der Welt fallen, heisst: niemandem die eigenen Erinnerungen erzählen zu können. Was bleibt da einem anderes übrig, aus schierer Not vergessen zu müssen? «Ich soll erzählen», schreibt der leider viel zu früh verstorbene deutsche Essayist Roger Willemsen, «und ich erzähle, raffe die Tagesreste zusammen, gehe durch die gemeinsame Vergangen-

Bezeugen, dieses Zeugnis-Ablegen ist notwendig, um eine Kontinuität und eine Anerkennung von individuell gelebtem Leben zu schaffen. Erinnerungen sind von anderem Zeitmass als die Agenda der Gegenwart. Die Kontinuität der Vergangenheit steht der Beschleunigung der Gegenwart gegenüber. Eine Erinnerung wird kaum ganz genau gleich erzählt, die Erzählung verändert sich, ein Detail der Erinnerung verblasst, es wird ersetzt, ein anderes drängt in den Vordergrund, die Erzählung passt sich schleichend den Zuhörenden an. Erinnerungen sind dynamisch und damit auch auf spezifische Weise unzuverlässig.

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der Arbeitswelt den eigenen offiziellen Lebenslauf, den CV (Curriculum Vitae). Lebensphasen mit den dazugehörigen beruflichen Aktivitäten. Wie aber sähe Ihr Lebenslauf aus, wenn Sie sich auf acht oder zwölf oder vierzehn Erinnerungen konzentrieren würden? Wie sähe Ihr Leben aus als Perlenkette von Erinnerungen? Roger Willemsen nennt diese Augenblicke, die einen spürbar prägen und die sich als Erinnerungen unwiderruflich festsetzen und sich auch in der Entwicklung zwar verändern, aber nicht auflösen, «Momentum». Wie also sähe Ihre Biografie aus, wenn Sie diese in Momentum-Einheiten beschreiben

Aus der Welt fa llen, h eisst: o zählte Geschichten r hne Erinn e e n h erungen zu sein, o heit, verlaufe mich bis in die Zeitung. An der Banalität der Geschichte soll sie merken, dass ich nicht für den letzten Abschied rede. Sie schliesst die Augen. Ich werde leiser, schweige. Ihre Augen öffnen sich sofort. Ich setze abermals an, spreche lange und monoton. Längst sind ihre Augen wieder geschlossen. Doch ich spreche. Erst als ich sicher bin, dass sie schläft, lasse ich die Sätze hängen, betrachte ihr Gesicht. Sie lässt es geschehen, öffnet die Augen nicht, aber ihre Lippen flüstern unmissverständlich: «Weiter!»

Meine Erinnerungen vom Frauenstreik 1991 decken sich erstaunlicherweise kaum mit den offiziellen Schilderungen. Das, was in den Geschichtsbüchern steht, hat oft nichts zu tun mit der eigenen Erinnerung. Subjektive Erinnerungen erzeugen Spannungen, weil sie zwei Zeiten tangieren: Das Subjekt ist in der Gegenwart und denkt sich erinnernd in die Vergangenheit. Das Subjekt ist da und nicht da. Subjektive Erinnerungen schliesslich sind «immer radikal, niemals konsequent».

KONTINUITÄT DER VERGANGENHEIT

PERLENKETTE DER ERINNERUNGEN

Erinnerungen und Erzählungen bezeugen Augenblicke im Leben des einen oder von mehreren. Und genau dieses

Zygmunt Bauman verweist auf die Schnappschüsse, die das Selbstbild quasi zusammensetzen. Wir alle kennen aus

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und erzählen müssten? Eine Perlenkette der Erinnerungen. Wenn ich meine individuelle Biografie erforsche, wenn ich Ereignisse in meinem Leben, Entscheide oder Nicht-Entscheide, wenn ich mich an Momente tiefer Emotionen erinnere, wenn ich diese Erinnerungen in einer Zeit-Achse und ebenso bezogen zur damaligen Gegenwart verstehe, dann schaffe ich nicht nur ein Bewusstsein für die Zeit, in der ich lebe, sondern vor allem auch: Selbst-Bewusstsein. Dieses Selbst-Bewusstsein weiss zugleich, dass Erinnerungen auch ein Vergessen mitziehen. Erinnern und Vergessen werden zu einem Moment aktiver Selbst-Erkenntnis. «Weiter!» Dieses eine Wort in der Erzählung von Roger Willemsen verweist auf ~


~ Dossier ~ AUS DEM LEBEN ERZÄHLEN

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eine grundlegende Bedeutung von Erinnerungen: auf die Selbst-Vergewisserung. Wenn ich mich an früher erinnere, wenn ich diese Geschichte einem Zuhörer erzähle oder wenn ich eine Person bitte, mir das gemeinsam Erlebte wiederzugeben, dann kann ich mich meiner vergewissern. Dann weiss ich (wieder) um meine eigene Geschichte. Und: Die Sammlung meiner Schnappschüsse oder meiner vielfältigsten Perlenketten-Momente sind Bedingungen meiner eigenen Identität. Erinnerungen erschaffen meine Identität. Ich bin, die ich geworden bin – und wie ich mich an diesen Prozess des Geworden-Seins erinnere.

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erforschen, ergründen und für uns auch nutzbar machen. Erinnerungen sind sowohl subjektive Zugänge zu einer Vergangenheit als auch kollektive Verarbeitungen von historischen Ereignissen. In den Erinnerungen, so meine Erfahrung, bleibt auch die Vergangenheit lebendig. Und die Person, die sich erinnert, bleibt mit diesem Schatz lebendig und doch stabil in der sich zunehmend rasch wandelnden Gegenwart.  •

LISA SCHMUCKLI ist freie Philosophin und Psychoanalytikerin in einer Gemeinschaftspraxis in Luzern. lisaschmuckli.ch

STABILITÄT DANK ERINNERUNGEN Erinnerungen erweisen sich als Rück-Versicherung: Wir versichern uns einer familiären, kollektiven oder nationalen Vergangenheit, um uns so in der Gegenwart zu verankern. Um zu wissen, woher wir kollektiv und subjektiv kommen. Erst die Verankerung in der Gegenwart, erst das Wissen um die Herkunft befähigt uns für eine unübersichtliche Zukunft. Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht; was die Vergangenheit gebracht hat, können wir

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CARMELA GANDER ist Künstlerin, Illustratorin und Mutter von drei Kindern, sie lebt in Luzern. Das Erinnern und Vergessen prägen ihre Arbeiten. Die Bildserie für dieses Dossier ist 2013 enstanden und trägt den Titel «Origine». carmelagander.ch

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SERIE: AUS DEM LEBEN ERZÄHLEN

Für das Grosseltern-Magzin bildet dieser Text den Anfang einer kleinen Serie: Von verschiedenen Seiten beleuchten wir die Relvanz des generationenübergreifenden Erzählens. In der Ausgabe 11 des GrosselternMagazins wird der Soziologe und Generationenforscher François Höpflinger erläutern, «Was Jung und alt sich zu erzählen haben». In der Ausgabe 12 lassen wir eine Grossmutter und ihre erwachsene Enkelin zu Wort kommen, die «Gemeinsam ein Erinnerungsbuch schreiben».

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«Wer sich erinnert, bleibt zukunftsfähig.» Unter diesen Titel stellte die Luzerner Philosophin Lisa Schmuckli das Referat zum Thema «Erinnern und Vergessen», das sie im Rahmen der städtischen Veranstaltungsreihe «Lebensreise» am 19. Juni in Luzern hielt. Dieser Text ist ein Auszug des Vortrags. luzern60plus.ch

Sie haben Fragen? Wir a: sind für Sie d 031 389 94 84

Ich möchte den Ratgeber zum Thema Testament bestellen: Vorname, Name Strasse PLZ, Ort E-Mail-Adresse Talon senden an: Krebsliga Schweiz, Gönnerservice, Effingerstrasse 40, Postfach, 3001 Bern


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~ Aus der Praxis ~ DER HAUSARZT

Langzeiteffekt Eine Velotour mit Kindern und Enkelkindern erinnert Hausarzt Edy Riesen daran, wie wichtig die Abwechslung zwischen gemeinsamen Erlebnissen und Langeweile ist. Das gilt für alle Generationen.

on Zug bis Ziefen (BL) – unserem Dorf – in vier Etappen mit acht Velos, vier Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren sowie Eltern und Grosseltern. Die Kleinste mit dem Windschattenfahrrad. Das ist doch eine tolle Leistung. Luzern, Beinwil am See und Kappel waren die Etappenorte. Dieses Erlebnis macht stolz und wird unvergesslich bleiben. Für die Familie unserer Tochter war es schon die dritte Tour in der Schweiz. Letztes Jahr legten sie in Holland mehrere hundert Kilometer zurück mit Zelt und Sack und Pack. Wir Grosseltern waren in der Schweiz als Hilfsmotoren, Motivatoren, Süssigkeiten- und Wasserträger schon zum dritten Mal dabei. Die Kinder, die vor ein paar Jahren noch viel Unterstützung brauchten, fahren uns bald davon. Wir werden dann auf unsere E-Bikes umsteigen müssen, um noch mithalten zu können. Aus der Alterforschung (Gerontologie) wissen wir, dass bereits in jungen Jahren Depots angelegt werden für das Alter. Alle Stimuli körperlicher als auch mentaler Natur (Museen, Konzerte, Lesen, Vorlesen, Basteln etc.) haben einen Einfluss darauf, wie gut Menschen später alt werden. Es sind sowohl der physische Aufbau als auch die emotionalen Vorräte, die ein junger Mensch ins Leben mitnimmt. Unser Grossvater unternahm vor fast 60 Jahren mit meinen Cousins und mir einige Male

Strassentippel entlang von Landstrassen mit dem Höhepunkt eines Mittagessens in einer Landbeiz. Es waren abstruse Märsche, unsere Eltern schüttelten den Kopf, aber wir hatten grossen Spass, liefen ohne Anstrengung wie die jungen Rehe und schlangen die Schnipos mit Heisshunger und Begeisterung, begleitet von Unmengen Süssmost, in uns hinein. Merke: Nicht was man macht, sondern wie man es macht und wie authentisch man ist, das ist der Punkt. Unser Grossätti war eben ein spezieller Vogel, mit schwarzem Hut, Hemd ohne Kragen und Gilet, so etwas zwischen Uhu und Marabu, und es passte! GRUNDLAGEN FÜR EIN GESUNDES LEBEN

Auch wir unternahmen als Eltern mit unseren Kindern grosse Etappentouren. Stammesmutter Hilda kam mit dem Fahrradgen aus Holland und der Schreibende tat bald gut daran, die Liebe zu festigen, indem er vom Zweibeiner zu einem sattelfesten Ehemann wurde. Aber weshalb gehört diese Story in eine ­medizinische Kolumne? Die Grundlagen für ein gesundes Leben werden ganz früh angelegt. Was die kleinen Menschen einmal lernen, vergessen sie nicht so schnell. Es gibt allerdings auch Aussteiger, die sich schwören, so etwas nie mehr zu tun. Eine unserer Töchter haben wir wohl damals überfordert. Sie ist eine

# 10 ~ 2019


55 sehr tapfere Frau geworden, aber Velotouren, nein, lieber nicht. Ja, es bereitet Sorge, was den Kindern und Adoleszenten alles zugemutet wird von Klavier bis Mädchenriege, Ballet, Ponyreiten, Biken, Malen, Fussball usw. Wäre nicht manchmal weniger mehr? Es gibt nämlich eine vernachlässigte Beschäftigung: die Langeweile. Zu wenige sind sich bewusst, dass sich Körper und Seele im Wechsel mit den Aktivitäten immer wieder erholen müssen. Weg von der Reizüberflutung von Handys, Games,­ TV und den oben erwähnten Aktivitäten. Was diese Hyperstimulation später für die Alterung bedeutet, wird unsere Generation nie mehr erfahren. Aber es wird einmal ein brisantes Thema werden, da bin ich mir sicher. Menschen sind keine Maschinen und das immer höhere Tempo des Lebens wird seine gesundheitlichen Folgen haben. Gerade in diesem Zusammenhang aber sind die Erlebnisse in der Familie wichtig, denn da gibt es immer wieder einmal Auseinandersetzungen, Verdruss, Langeweile. Die Erfahrung, dass dies zum Leben gehört, muss nicht verbal erklärt, sondern erlebt werden, und wo könnte man das besser als auf gemeinsamen Reisen und Touren. Sich in eine Gruppe einfügen, für die Schwächeren schauen, das Kollektiv wichtiger nehmen als sich selbst, sind Voraussetzungen für ein späteres soziales Wohlbefinden und übri-

gens auch für eine demokratische Gesellschaft. Die Gesundheit der Menschen eines Landes hängt längst nicht nur von Geld, Nahrung und Wohnverhältnissen, Bildung und Sicherheit ab, sondern auch vom Zusammenleben, Austauschen, Tolerieren und von einer Diskussionskultur, in der man andere respektiert. All dies ist nicht selbstverständlich und kann nicht früh genug geübt werden. Wir Grosseltern können als Rollenmodelle etwas vorleben. Wir kennen sie alle, die typischen Fussstapfen unserer Vorfahren, sie sind vielleicht nicht nur positiv, aber sie sind da, wie die Abdrücke der Saurierpfoten im Fels oder im Tonboden.  •

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# 09 ~ 2019

EDY RIESEN (70) war als Hausarzt in Ziefen (BL) tätig. Er führte seine Praxis bis vor Kurzem mit seinem Schwiegersohn und ist mehrfacher Grossvater.


~ Beratung ~ DIE HEBAMME

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Das GrosselternProfil

Regelmässig oder spontan, Outdoorerlebnisse oder gemeinsames Singen: Die Beziehung mit Enkel- Outdooraktivitäten bieten können und erlebnisreikindern kann auf viele che Ferien liegen mit meinen finanziellen Möglichkeiten auch nicht drin. Aber ich werde mit ihnen Weisen gelebt werden.

«

Ich fürchte, ich werde meinen Enkeln

nicht bieten können, was sie heute interessiert. Unsere Aktivitäten früher waren so viel einfacher. Wir waren zufrieden, wenn wir draussen spielen konnten und nicht allzu eng überwacht wurden. Werden wir trotzdem eine innige Beziehung zu ihnen aufbauen können?» Solche und ähnliche Fragen begegnen meinem Mann und mir im Grosseltern-Austausch, den wir jeweils an drei Samstagvormittagen mit werdenden oder frischgebackenen Opas und Omas durchführen. Es geht dabei um alles Neue, um Erwartungen und Missverständnisse und um die neue Rolle als Grosseltern. Dabei fällt meinem Mann und mir auf, dass die Babyboomer sehr bewusst unterwegs sind. Sie treffen viele Entscheide, haben mehr Freiheiten als noch ihre Eltern, sind fit und gesund und möchten ihr Grosselternsein bewusst gestalten. «Wir sind geprägt von unseren eigenen Grosseltern und haben bei den Eltern und Schwiegereltern vieles beobachtet, als wir selber kleine Kinder hatten. Diese Vorbilder boten Gutes und Schönes, das wir weitergeben wollen, aber auch Fehler, die wir bestimmt nicht wiederholen wollen», stellt ein werdender Grossvater fest. «Ob jedoch unsere Angebote und Möglichkeiten willkommen sein werden, wissen wir nicht.» Seine Tischnachbarin, vor ein paar Monaten Oma geworden, beruhigt ihn: «Mir war von Anfang an wichtig, mich selbst zu bleiben. Ich weiss, dass ich keine Supergrossmutter sein kann. Aus gesundheitlichen Gründen werde ich den Kindern keine spektakulären

basteln, zeichnen, singen und ihnen viele schöne Geschichten erzählen. Das wird mein Profil sein. Ich muss nicht mit der anderen, jüngeren Grossmutter konkurrenzieren. Dass sie das Baby etwas häufiger sieht als ich, stört mich nicht. Ich bin selber verantwortlich dafür, dass die Kinder gerne bei mir sein werden.» Eine andere Frau drückt ihren Wunsch nach Beziehung so aus: «Ohne uns verbiegen zu müssen, sollten wir Zeit in die Betreuung investieren können. Ob das regelmässig oder spontan ist, spielt keine grosse Rolle. Eine meiner Töchter lebt in Kanada und selbst zu deren Kindern haben wir eine warmherzige Beziehung, weil wir regelmässig skypen und sie in den Ferien länger um uns haben.» Auch wir werden gefragt, worauf wir Wert legen würden. Mein Mann und ich sind überzeugt, dass die Beziehung zu den Kleinen erst mal über ihre Eltern läuft. Wenn wir in die Kinder und Schwiegerkinder investieren, ihnen Respekt, Fürsorge und Entlastung entgegenbringen, ist schon viel gewonnen.  •

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MARIANNE GRÄDEL (55) ist freischaffende Hebamme und Autorin. Sie lebt in Burgdorf. Gemeinsam mit ihrem Mann bietet sie einen Austausch für Grosseltern an. In ihrer Patchwork-Familie gibt es fünf Kinder und sechs Enkelkinder. gross-eltern.ch mariannegraedel.ch


~ Aus der Praxis ~ DIE PSYCHOLOGIN

« Immer auf Reisen »  UTE KOETTER Geschäftsführerin der Amavita Kinderapotheke Derby in Wil SG

MUTTER (38): Meine Eltern haben sich nach der Pensionierung einen Camper gekauft und tingeln damit monatelang durch Europa und Asien, sind immer auf Reisen. Ich finde das eigentlich schön, hadere aber damit, dass meine Kinder nur eine Beziehung zu den Schwiegereltern aufbauen. Das macht mich manchmal sogar wütend.

~ Amavita-Ratgeber ~

IN DIE KINDERAPOTHEKE MUSS … Vielleicht kommen die Enkelkinder zu Ihnen in die Herbstferien. Da ist die Frage berechtigt, welche Produkte in Ihrer Hausapotheke ergänzt werden sollten. Es

nicht, wäre es sicherlich eine Überlegung wert, sie bei passender Gelegenheit darauf anzusprechen. Wichtig scheint mir

DAGMAR SCHIFFERLI (67) ist Psychologin und Dozentin für Gerontologie und Sozialpädagogik. Sie veröffentlicht zudem Romane und Erzählungen. Sie hat eine Tochter und drei Enkelkinder. dagmarschifferli.ch Fragen an: beratung@grosseltern-magazin.ch Die Fragen werden anonymisiert.

# 10 ~ 2019

braucht nicht übermässig viel, aber Sinnvolles!

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S

ie schreiben von Ihrer Wut, die Sie manchmal erfasst, weil Ihre Eltern ständig unterwegs sind und sich anscheinend nichts aus den Enkelkindern machen. Vermutlich sind es sogar noch weitere Gefühle, die Sie umtreiben, Enttäuschung, Kränkung, Traurigkeit. Als Erstes stellt sich mir die Frage, ob Sie vor der Geburt Ihrer Kinder mit Ihren Eltern darüber gesprochen haben, wie sie sich ihr künftiges Grosselternsein ­vorstellen, denn wie leicht geht es vergessen, dass die ältere Generation ungefragt in diese Rolle gerät. Für viele ist es tatsächlich ein grosses Glück und sie sind bereit, auf einen Teil ihrer neuen Freiheit, die das Alter mit sich bringt, zugunsten der Enkelkinder zu verzichten und im Zusammensein mit ihnen neue, erfüllende Erfahrungen zu machen. Allerdings unterliegt das tradierte Rollenbild der liebenden und zuwendenden Grosseltern seit einiger Zeit einem imposanten Wandel. Immer mehr ältere Menschen nehmen nach einer langen Phase der Elternschaft und häufig zusätzlicher Berufstätigkeit für sich in Anspruch, ihre eigenen Bedürfnisse an erster Stelle zu setzen. Eine weitere Frage für mich ist, ob Ihre Eltern wissen, dass Sie unter deren Abwesenheit leiden. Falls

dabei ein sorgfältiges Vorgehen, um zu verhindern, dass Ihre Eltern Ihre Worte als Vorwurf auffassen. Selbst wenn Menschen lange unterwegs sind, bedeutet das glücklicherweise nicht mehr, dass auch jegliche Kommunikation unterbrochen ist. Vielleicht liesse sich ja mittels Skype, Facetime oder anderen Videoanrufen zumindest vorläufig ein virtueller Kontakt aufrechterhalten? Das könnte auch schon bei kleineren Kindern eine grosse Faszination auslösen und das Fehlen des direkten Kontakts zumindest ein wenig abfedern. Erzwingen lässt sich eine Beziehung nie, aber es gibt doch immer das eine oder andere, sie zu ermöglichen.  • 

Bei Verletzungen: Arnika, Kühlkissen, Desinfektionsspray, Pflaster, Strips (für tiefe Schnittwunden), physiologische Kochsalzlösung, Pinzette zum Entfernen von Splittern. Tipp: Geben Sie Ihrem Enkelkind 3–5 Tabletten des Schüssler Salzes Nr. 11 – Silicea fördert das Abstossen von Fremdkörpern aus dem Gewebe. Nach cirka 20 Minuten lässt sich der Splitter besser entfernen. Bei Verbrennungen: Brand- und Wundgel Bei Schmerzen und Fieber: Zäpfchen, sofortlösliches Granulat Bei Durchfall: Probiotika für die ganze Familie Bei Übelkeit: Nux vomica (homöopathische Kügelchen) Vergessen Sie nicht die Notfallnummern: 144 Notarzt / 145 Vergiftung Wir wünschen Ihnen schöne Ferien! Ein Artikel in Zusammenarbeit mit


58 Von KARIN DEHMER (Text) und MARIE-ANNE SPROSS (Illustration)

FREIAMT 1

WOHLEN

2

BREMGARTEN

HALLWILERSEE

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~ Service ~ UNTERWEGS

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Viel Natur, viele Flüsse und Bäche, schmucke Altstädte, in Vergessenheit geratenes Handwerk und eine Mohrenkopffabrik: das Aargauer Freiamt.

1

STROHMUSEUM WOHLEN Stroh war zwei Jahrhunder­ te lang Grundlage eines blühenden Wirtschafts­ zweiges im Freiamt. Die Museumsbesucher reisen durch die Zeit von bäuer­ lichem Kunsthandwerk im 18. und 19. Jahrhun­ dert über die industrielle Massenproduktion für den internationalen Modemarkt bis zum Niedergang der Industrie im 20. Jahrhun­ dert. Kindern zwischen 5 und 9 Jahren steht ein eigener Rundgang zur Verfügung. Bei schönem Wetter lohnt sich allein der Besuch im Park der Villa Isler, in der das Museum beheimatet ist. Mi–Sa: 14–17 Uhr, So: 12–17 Uhr. Erwachsene 9 Franken, Kinder gratis. strohmuseum.ch 2 ERDMANNLISTEIN Beim Erdmannlistein im Wald zwischen Wohlen und Bremgarten handelt es sich um die bedeutendste

Findlingsanordnung der Gegend. Er besteht aus drei Granitblöcken, die in der Würmeiszeit vom Reuss­ Gletscher ins Mittelland transportiert wurden. Laut einer Sage verste­ cken sich unter dem Stein zutrauliche Heinzelmänn­ chen. Die «Erdmannli» würden hervorkommen, so die Sage, wenn es jemand schafft, sieben Mal mit angehaltener Luft um den Erdmannlistein zu rennen (was unmöglich ist). 3

KINDERWEG Verborgen in einem Bach­ tobel liegt der Freiämter Kinderweg. Er ist vom Bahnhof Benzenschwil in wenigen Minuten erreich­ bar. Ein zentraler Brätliplatz – nahe dem Bachufer gele­ gen – ist mit diversen Spiel­ möglichkeiten und einem Waldsofa ausgerüstet. Alles ist naturnah belassen. Der untiefe Bach lässt gross­ artige Stauexperimente zu. Hier kann man einen ganzen Tag verweilen.

# 10 ~ 2019

~ Herausgepickt ~

EINE WANDERUNG UND EINE DELIKATESSE Der 190 Kilometer lange Freiämterweg (nicht zu verwechseln mit dem links beschriebenen Freiämter Kinderweg) durchmisst auf drei verschiedenen Routen das Gebiet im Südosten des Aargaus. Unterwegs passiert man Klöster und Städte, gut erhaltene Bauernhäuser, naturbelassene Flüsse und Bäche. Der Weg ist so konzipiert, dass er in mehreren Etappen begangen werden kann und mit dem öffentlichen Verkehr an vielen Punkten erreichbar ist. Einer dieser Punkte ist das Murimoos, eine Institution, die psychisch und sozial beeinträchtigten Menschen einen geschützten Arbeits- und Lebensraum bietet. Neben einem Bio-Markt gibt es im Murimoos vielfältige Erlebnisse für die ganze Familie: grossartige Spielplätze, verschiedene Tiergehege, darunter eine Storchenkolonie, und ein Restaurant. murimoos.ch Die Mohrenköpfe der Familie Dubler gibt es seit 1946 und sie sind eine Freiämter Spezialität. 2017 reichten ein paar Hundert Menschen eine Petition unter dem Titel «Schaumküsse müssen nicht rassistisch sein» ein, mit dem sie Firmenbesitzer Robert Dubler aufforderten, sein Produkt nicht mehr Mohrenkopf zu nennen. «Der Begriff ist nur diskriminierend, wenn er etwas Schlechtes bezeichnet», konterte Dubler. Er hält weiterhin an seinem Mohrenkopf fest. dubler.net


~ Service ~ UNTERWEGS

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~ Wandern ~

Durch die Kastanienwälder an die Castagnata

I

n Contra oberhalb Tenero beginnt neben der Terrasse des Restaurants San Bernardo der «Sentiero Collina Alta». Er führt Richtung Monti della Trinita in Locarno. Zuerst geht es leicht aufwärts Richtung Wald, alles dem Bach entlang. Sobald die Höhe erreicht ist, führt der Weg ohne weitere Steigung Richtung Locarno Monti, mit Blick durch den lichten Kastanienwald hinunter auf den See. Unterwegs passiert man eine Steinbrücke, alte Tessinerhäuser, Wasserfälle und die Ruinen einer Kapelle. Im Tessin finden im Oktober die «Castagnatas» (Kastanienfeste) statt. Besonders beliebt ist das Kastanienfest in Ascona. Hier findet man die goldbraune Kastanie geröstet, als Marmelade, Honig, in Torten und als Glace. Auf dem Spaziergang zwischen den vielen Marktständen entdeckt man, begleitet von Volksmusik, weitere lokale Köstlichkeiten und Kunsthandwerk. ~KD

SENTIERO COLLINA ALTA LOCARNO Start: Tenero – Contra Ziel: Locarno, Monti della Triniata Länge: 6.7 km Zeit: 2 Stunden 20 Minuten

TESSINER KASTANIENFESTE: 4.– 6.10. Locarno

EINKEHREN

6.10. Arcegno

Grotto al Ritrovo, in der Nähe der Steinbrücke, oberhalb Brione.

6.10. Brione

www.ritrovo.ch

6.10. Sonogno 12.10. Ascona 13.10. Cugnasco 13.10. Caneggio

672 m

547 m 421 m 378 m

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Foto: © Werner Gamper und MKB

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~ Museum der Kulturen Basel ~

BIMA, KASPER & DÄMON Mit der neuen Ausstellung taucht das Museum in die epische Welt des Figurentheaters ein. Es richtet das Spotlicht auf faszinierende Puppen, Marionetten und Schattenspielfiguren aus der ganzen Welt und widmet sich den Geschichten, die sie erzählen. ~KD Di–So: 10–17 Uhr, Erwachsene 16 Franken, Kinder bis 13 Jahre gratis Museum der Kulturen Basel,Münsterplatz 20, 4051 Basel, mkb.ch

~ Agenda ~

DATEN UND TERMINE ZUM MERKEN bis 24.11. – Spreitenbach

KLIMASCHUTZ Die neue Wechselausstellung führt Besucherinnen und Besu­ cher interaktiv in die Themen Katastrophenvorsorge, Klima­ wandel und Gesundheit ein und gibt Einblick in die Arbeit des Schweizerischen Roten Kreuzes. Die Reise führt nach Äthiopien, Haiti und auf die Philippinen. Ab 6 Jahren. Familieneintritt 38 Franken. Umweltarena. umweltarena.ch

bis 9.1.20 – Winterthur

SPIEGELEIEN Die Sonderausstellung «Spiege­ leien» versammelt über vierzig denkanregende und vergnügliche Experimente aus der virtuellen Welt hinter den Spiegeln. Kinder 18 Franken, Erwachsene 29 Franken. Technorama. technorama.ch

2.10. – Winterthur

ERNESTO HASE

~ Mummenschanz ~

YOU & ME Die visuelle Theatergruppe Mummenschanz ist mit ihrem Programm «You & Me» seit 2016 auf der ganzen Welt unterwegs. Im Herbst ist sie nochmals an wenigen Orten in der Schweiz zu sehen. Das stumme Spiel ist witzig und magisch und zieht Kinder ab 8 Jahren genauso in seinen Bann wie Erwachsene. ~KD 5./6.10., Thun, Schadausaal 9./10.10., Olten, Stadttheater 12.10., Schaan, SAL – Saal am Lindaplatz 18./19.10., Zürich, Theater 11 25./26.10., Basel, Musical Theater 30./31.10., Wil, Tonhalle mummenschanz.ch

Das Figurentheater Stuttgart erzählt die Geschichte einer Hasenfamilie, die plötzlich die Armut überfällt wie eine Krank­ heit. Überall tauchen Löcher auf, in Kleidern, im Dach, in Papieren. Ernesto Hase weiss einen Ausweg. Ab 5 Jahren. 14.30–15.30 Uhr. Eintritt: 17 Franken. Figurentheater. figurentheater-winterthur.ch

6.10. – Jegenstorf

SCHLÖSSERTAG In Verkleidung frönt man der Lebenskunst des späten Dixhuitièmes. Mit Karten, Jetons, Würfeln wird gezockt, mit Worten jongliert. Ein buntes Programm für die ganze Familie. 10–17 Uhr. Pro Familie 20 Franken. Schloss Jegenstorf. schloss-jegenstorf.ch

13.10. – Bern

FITZGERALD & RIMINI Hörspielartige Texte auf Mundart, Deutsch, Englisch und Russisch

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unterlegt das Duo mit brummenden Klanglandschaften. 15.30–17.30 Uhr, Erwachsene 30 Franken, Kinder 5 Franken. Turnhalle im Progr. progr.ch

16.10. – Wallisellen

GREGS TAGEBUCH Im Rahmen des Glatt Bücherfes­ tivals gibt es einen Zeichenkurs, in dem Kinder lernen, ihre Comic­ figur à la Greg zu zeichnen. 14–17 Uhr. Eintritt frei. Einkaufszentrum Glatt. glatt.ch/de/buecherfestival

19./20.10. – Hallwyl

MOSTTAGE Am Mostfest ist wiederum die Mostpresse in Aktion. Kinder pressen Äpfel und erleben, wie feiner Most entsteht. An den Marktständen gibt es Hoch­ stamm- und Wildobstprodukte zu kaufen. 10–17 Uhr. Schloss Hallwyl.

20.10. – Langenthal

SCHWIMM SOCKE, SCHWIMM Frau Wesels Wäschehaufen verwandelt sich nach und nach in witzige, zarte oder skurrile Wesen. Kinder entdecken das eine oder andere Kleidungsstück als neuen Spielkameraden. Ab 4 Jahren. 14–15 Uhr. Kinder 14 Franken, Erwachsene 20 Franken. Stadttheater. stadttheater-langenthal.ch

25.–27.10. – Mönchaltorf

KÜRBISSCHNITZEN Drei Tage lang dreht sich alles um den orange-gelben Kürbis. Kinder und ihre Begleiter schnitzen in der Naturstation fröhlich-gruselige Halloween-Gesichter. Werkzeug und Vorlagen stehen bereit. Kürbisse können vor Ort gekauft werden. 10–18 Uhr. Kinder 3 Franken, Erwachsene 7 Franken. Naturstation Silberweide greifensee-stiftung.ch


~ Service ~ UNTERWEGS

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~ Übernachten ~

Hotel Handeck

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nmitten der wilden Natur um den Grimselpass liegt das Hotel Handeck auf einer Alp, nur wenige Wanderminuten entfernt von der Gelmerbahn und der spektakulären Hängeseilbrücke über den Handeckfall. Rund um das Hotel gibt es Bäche zum Stauen, Wälder zum Verstecken spielen, Grillplätze und einen grossen Spielplatz. Im Kinder-Kletter-Garten können Kinder sich zudem im Klettern üben. Kletterfinken, Helme, Klettergstältli, Seil und Karabiner – alles ist vorhanden. Im Oktober übernachten Kinder im Zimmer ihrer Eltern oder Grosseltern gratis. DZ ab 250 Franken pro Nacht inkl. Frühstück für die ganze Familie. ~KD

Hotel und Naturresort Handeck Grimselstrasse 3864 Guttannen (BE) 033 982 36 11 hotels@grimselwelt.ch grimselwelt.ch

Es klappert die Mühle

MUS Mühleram EUM a S Züri TEST ch ER

enn man sich ein «Museum» als Ort vorstellt voller Objekte, die man nicht anfassen darf, dann ist das Mühlerama kein Museum. Hier funktioniert alles und man kann richtig damit arbeiten! Lioba (8) und die Grossmutter beginnen, wie zur Pfahlbauer-Zeit, Weizenkörner mit Steinen zu zerreiben. Sie arbeiten sich voran zu drehbaren Steinmühlen, da beginnt die Führung in der Mühle. Ihre raffinierten, seit 1913 elektrisch betriebenen Einrichtungen wie die senkrechten Schaufel-Förderbänder für das Getreide faszinieren, aber es ist ohrenbetäubend laut. «Ein Meerschweinchen!», tönt es da von Kindern. Sie stehen vor einem Fliessband, das Teller mit unterschiedlichsten Inhalten rundum transportiert. Per Knopfdruck können sie es anhalten und sich vorlesen lassen, dass in Peru beispielsweise Meerschweinchen-

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~ Ferien ~

NICHTS GEHT ÜBER FAMILIENZEIT Im Leading Family Hotel & Resort Alpenrose****S in Lermoos spielen Eltern und ihre Kinder die erste Geige. Im First-Class Kinderhotel sind anspruchsvolle Familien an einer führenden Adresse und lassen sich auf Topniveau verwöhnen. Die nächste Gondelbahn ins Wandergebiet ist nur 100 Meter entfernt. Im wunderbaren Bergpanorama sind die Wanderer, Mountainbiker und Golfer unterwegs.

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Lioba beim Teigkneten (links) und Körner mahlen (unten).

Mühlerama Mühle Tiefenbrunnen Seefeldstrasse 231 8008 Zürich Erwachsene 15 Franken, Kinder 9 Franken Di, Do, Fr, Sa: 14–18 Uhr, Mi:14 –21 Uhr, So: 10–17 Uhr Mühleführung immer um 15 Uhr Erwachsene 8 Franken, Kinder 4 Franken mühlerama.ch

braten als Delikatesse gilt. Dieses witzige Museum der Esskultur interessiert Lioba jetzt aber gar nicht. Sie muss weiter Mehl mahlen, damit es für ein Brötchen reicht. Per Rutschbahn (für die Kleiesäcke aus dem 4. Stock) saust sie zurück zu den Steinmühlen. Mit der grössten, die mithilfe einer Stange gedreht wird, schafft sie es, einen ganzen Becher zu füllen. Unter kundiger Anleitung wird daraus eine Brezel, die sie fertig gebacken später abholen kann. Mhm, fast so gut wie der Rüeblikuchen vom hippen Café nebenan! • ELI WILHELM (57) testet mit Enkelinnen, befreundeten Kindern und Jugendlichen regelmässig Museen. museumstester.ch

Was bringt ein Familienurlaub, wenn nicht auch die Eltern entspannen können? Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wählt eines der Familyhotels (familyhotels.com), die Luxus-Standards, altersgerechte Rundumbetreuung, viele Spa-Angebote sowie ein unkompliziertes und umfassendes Freizeitangebot im und um das Haus bieten. Wie das Leading Family Hotel & Resort Alpenrose in Lermoos auf der Tiroler Sonnenseite der Zugspitze. Familie Ernst und Andrea Mayer haben einen Vorzeigebetrieb geschaffen, in dem alle Generationen Luxusurlaub geniessen. Jeden Tag bieten die 24 Kindergarten-Pädagog(inn)en 13 Stunden Kinderbetreuung an. Im 2000 m² grossen Spielparadies gibt es auch einen eigenen Babyclub für Wickelkinder ab dem siebten Lebenstag und einen Teenie-Club ab zwölf Jahren. Willkommene Alternativen sind bei den Kids die Wasser-Wunder-Welt mit Piratenland und 90-Meter-Speed-Rutsche, das Kino & Theater, die Turnhalle und die Gokartbahn. Im Sommer erobern kleine Abenteurer den 5000 m² grossen Outdoorspielbereich mit Kletterwand und Kinderfahrzeug-Parcours, mit Boote-Pool, Abenteuer-Spielplatz und Riesentrampolin, mit Rutsche, Hüpfburg und Sand-Spielplatz. Die Eltern nehmen sich ihre Auszeit bei einem All-in-Aktivprogramm mit Yoga, Pilates, Stretching und Power Plate. Oder im 750 m² grossen Alpenrose Spa, in dem ein ganzes Team darauf wartet, Erwachsene von Kopf bis Fuss zu verwöhnen. Bei Massagen, Beauty-Therapien, Bädern, Wickeln, Peelings und Paar-­Treatments macht der Familienalltag Pause. Auch Anwendungen für werdende Mütter kann man im Alpenrose Spa buchen. Leading Family Hotel & Resort Alpenrose****S +43/(0)5673/2424 E-Mail: info@hotelalpenrose.at hotelalpenrose.at


Publireportage KAMBLY l in t i ke A r t ar b ei n i n E me em r am Zu s t un s e n d e n mi ge k u ei A nz

Wo sich Abenteurer und Guetzli-Bäcker treffen

In Trubschachen im Emmental bäckt Kambly seit über 100 Jahren die feinen Kambly-Guetzli, die schweizweit bekannt sind. Neben der Kambly-Fabrik liegt direkt beim Bahnhof das «Kambly Erlebnis», wo die Besucher in die Welt von Kambly eintauchen und mehr über die Gründungsgeschichte und die regionalen Rohstofflieferanten erfahren. In der Schauconfiserie blickt man den Maîtres Confiseurs über die Schultern und im Fabrikladen werden rund 100 Biscuitsorten zur Degustation angeboten.

Biscuits riechen. Unterwegs erfährt man von den drei Eichhörnchen viel Spannendes zum Dorf und seinen Bewohnern. Wer unterwegs den richtigen Geheimcode herausgefunden hat, dem winkt im «Kambly Erlebnis» eine kleine Überraschung. INFO

DER ENTDECKERPFAD TRUBSCHACHEN Start und Ziel des 3,5 Kilometer langen Entdeckerpfads durch Trubschachen ist das «Kambly Erlebnis.» Ausgerüstet mit Entdecker-Büchlein und Stift nehmen drei witzige Eichhörnchen die Besucher mit in die Natur, wo sie dem Plätschern des Bachs lauschen, das weiche Moos fühlen, die Kambly-Fabrik aus einer anderen Perspektive sehen und den Duft der Kambly-

Das «Kambly Erlebnis» in Trub­ schachen ist Montag bis Freitag 8.30 –18.30 Uhr und Samstag und Sonntag 8.30–17 Uhr geöffnet. Eintritt kostenlos. Der Entdecker­ pfad ist täglich begehbar. Das Entdeckerbüchlein ist kostenlos im Kambly Erlebnis erhältlich. Der Pfad ist nicht kinderwagentauglich. Dauer der Entdeckertour: 2–3 Std. Mehr Informationen und Anmel­ dung für die Backanlässe unter

GUETZLI BACKEN MIT DEN MAÎTRES CONFISEURS An den Backanlässen von Kambly können Kinder ab 6 Jahren wie auch Erwachsene teilnehmen. Gemeinsam mit den KamblyConfiseurinnen backen sie ihre eigenen Biscuitkreationen und dürfen diese danach selbstverständlich mit nach Hause nehmen. Anmeldung erforderlich.

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laufen, Schneeschuhlaufen, Schlitteln, etc. ab CHF 745.– • Wellness-Aktivitäten wie Wassergymnastik, pro Person Atmen und Entspannen, Rückengymnastik

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~ Das Olympische Museum ~

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WETTBEWERB Senden Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff «Entdecken und Erleben» und Ihrer Adresse an wettbewerb@railaway.ch. Scannen Sie jetzt den QR Code mit Ihrer Handykamera und gelangen Sie direkt zur Wettbewerbsteilnahme.

Unter allen Teilnehmenden verlosen wir ein kostenloses RailAway-Kombi-Angebot für 2 Erwachsene und 3 Kinder. Teilnahmeschluss: 30.11.2019. Der Gewinner wird bis Mitte Dezember persönlich benachrichtigt.

# 10 ~ 2019


~ 10 / 2019 ~ WETTBEWERB

Gewinnen Sie einen 65-Zoll-TV von TCL im Wert von 1149 Franken.

Die EP68-Serie vereint ein rahmenloses, ultraschlankes Gerät aus Metall, 4K HDR PRO-Bildqualität mit extra weitem Farbspektrum, Dolby Vision und dam fortschrittlichsten Smart-TV-System aller Zeiten: Android-TV mit integriertem Google Assistant. Für all diejenigen, die weder auf Eleganz, Bildqualität noch einfachen Zugriff auf ihre geliebten Inhalte verzichten möchten, wird sich die EP68-Serie in ihren Wohnraum harmonisch einfügen und allen Familienmitgliedern ermöglichen, ihre Lieblingsinhalte in aussergewöhnlicher Bildqualität zu geniessen.

tcl.com/de

~ Verlosung ~

SO KÖNNEN SIE GEWINNEN Schicken Sie bis zum 25. Oktober 2019 ein E-Mail oder eine Postkarte mit dem Betreff «TCL-TV» an wettbewerb@grosseltern-magazin.ch oder an Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden.


Publireportage IRLAND

Irlands historischer Osten Eine Reise durch die Zeit für Gross und Klein

Auf den ersten Blick ist der historische Osten Irlands bedeckt mit grünen Landschaften und idyllischen Kleinstädten, eingerahmt vom Fluss Shannon und der Irischen See. Hier gibt es jedoch für jedes Alter eine Menge zu entdecken. Landschaftliche Attraktionen und geschichtsträchtige Orte reihen sich aneinander. Hier wird der Moment genossen, während gleichzeitig in die Vergangenheit gereist wird. Wie und wo das am besten geht? Hier zwei Tipps, die Gross und Klein begeistern werden:

Ei Zu s n A r t ik am el i mi t m e n a n rbe u ns A nz i e ig e r e m t eku nde n

DUNBRODY FAMINE SHIP EXPERIENCE In New Ross liegt «The Dunbrody», der originalgetreue Nachbau eines Auswandererschiffes aus der Zeit um 1840. Geführte Touren, kostümierte Schauspieler und verschiedene Themenausstellungen machen das Schiff zu einem anschaulichen Erlebnis und garantieren eine einmalige Einsicht auf die Tapferkeit und Standhaftigkeit der Iren. IRISH NATIONAL HERITAGE PARK Im Irish National Heritage Park wird man mitgenommen auf eine Reise durch Irlands Vergangenheit. Über 9000 Jahre irische Geschichte werden hautnah erlebt: von steinzeitlichen Häusern und Höfen über Kult- und Begräbnisstätten – oder aber auch geführte Touren durch den Elfen- und Feen-Wald. Speziell für die jüngeren Gäste gibt es hier viel zu entdecken. Wer nach Irland reist, kommt an den zwei Dingen nicht vorbei: ganz viele Schafe (gibt es mehr als Einwohner auf der Insel!) und die irische Herzlichkeit. Letzteres findet man auch in den vielen von Familien geführten Guesthouses, wo man nicht nur einen heimeligen und authentischen Aufenthalt erlebt, sondern direkt auch noch die besten Insider-Tipps bekommt. Besser geht es kaum!

FERIEN BUCHEN

KLIMA

Reiseveranstalter in der Schweiz, bei denen Sie u.a. Ihre Irland-Reise planen und buchen können: Travelhouse (travelhouse.ch), Rolf Meier Reisen (rolfmeierreisen.ch), AG Traveltrend (agtraveltrend.ch)

Das Besondere am irischen Klima: An einem Tag kann man alle vier Jahreszeiten antreffen. Im Sommer klettert das Thermometer auf Temperaturen um die 25 Grad. Regenjacke nicht vergessen, wenn das Wetter wieder einmal umschlägt. # 10 ~ 2019

Umfassende Reiseinformationen, -tipps und kostenlose Broschüren bietet die Website von Tourism Ireland: ireland.com


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~ Service ~ BASTELN

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Von FLURINA CISANA und LYNN DEHMER (Idee) und MARCO SCHARF (Foto)

Halloween, vor einigen Jahren noch ein ferner Brauch in Übersee, ist mittlerweile aus dem Kalender unserer Enkelkinder nicht mehr wegzudenken. Eine Gespenster- und Kürbislichterkette an Ihrer Haustüre signalisiert: Hier es gibt

t

Süsses stat

Saures.

DAS BRAUCHT’S • • • • •

Lichterkette für den Aussengebrauch Orange und weisse Ping-Pong-Bälle weisse Stoffstücke grüne Pfeifenputzer wasserfester, schwarzer Filzstift

SO GEHT’S 1 2

Gespenstli: Weisser Ping-Pong-Ball mit Stoffstück umwickeln, Gesicht zeichnen. Mit spitzem Messer ein Loch durch Stoff und Ball stechen und Lämpli hineindrücken. Einen Tropfen Heissleim um die Öffnung verteilen, damit das Lämpli nicht herausrutschen kann. Kürbis: Gesicht zeichnen. Mit spitzem Messer ein Loch­ stechen und Lämpli hineindrücken. Einen Tropfen Heiss- leim um die Öffnung verteilen, ein Stück Pfeifenputzer zwischen Ball und Lämpli wickeln.

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en Strick das gegen ssen. Verge

Von ILONA HERZOG (Gestricktes) und MARCO SCHARF (Foto)

GRÖSSE

AUSFÜHRUNG

68, 5–8 Monate

Rücken, li Bein: Anschl 23 M in marine, 3 cm im Muster I str. Im Muster II weiterstr, dabei in der 1. R vert 9 M aufn = 32 M. Bei 19 cm ab Anschl am re Rd 6 x jede 2. Nd 1 M aufn = 38 M. Bei 21 cm ab Anschl nach einer Rückr die M stilllegen. Rücken, re Bein: Gegengleich str. Oberteil: Die M des re mit den M des li Beins verbinden = 76 M , im Muster II weiterstr Armloch: Bei 39 cm ab Anschl beids jede 2. Nd 1 x 4, 1 x 3, 1 x 2, 1 x 1 M abk = 56 M. Halsausschnitt: Bei 9 cm Armlochhöhe die mittl 16 M abk, dann beids jede 2. Nd 1 x 3, 1 x 2, 1 x 1 M abk, die je restl 14 M abk Rechtes Vorderteil: Das Bein wie am Rückent arb, inkl. Aufnahmen = 38 M. Gerade weiterstr, Armloch am li Rd in gleicher Höhe wie beim Rücken arb = 28 M Halsausschnitt: Bei 6 cm Armlochhöhe am re Rd jede 2. Nd 1 x 6, 1 x 3, 2 x 2 und 1 x 1 M abk. Die restl 14 M für die Achsel in gleicher Höhe wie beim Rückent abk. Linkes Vorderteil: Gegengleich str Ärmel: Anschlag 36 M in marine, 3 cm im Muster I str. Im Muster II weiterstr, dabei in der 1. R verteilt 12 M aufn = 48 M. Für die Schräge beids 7 x jede 8. Nd 1 M auf = 62 M. Bei 16 cm ab Anschl für die Armkugel beids 5 x 2, 6 x 1 und 5 x 2 M abk, die restl 10M abk

MASSE Oberweite 44 cm, Länge ca. 48 cm

MATERIAL

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Demenz! Helfen Sie uns, auf Demenz aufmerksam zu machen.

Winteranzug

Merino 150 von Lang Yarns, (100% Schurwolle, 150 m/50 g), 150 g = 3 Kn Farbe 35 marine und 100 g = 2 Kn Farbe 62 chianti. Stricknadeln Nr. 3.0 und 3 ½, 1 Häkelnd Nr. 3, 1 Reissverschluss 25 cm

STRICKMUSTER I mit Nd Nr. 3.0 1. R (Rückseite): Rdm, 1 M re, *1 M li, 1 M re*, von * bis * stets wdh, enden mit 1 M re, Rdm, jede folg R deckend str

STRICKMUSTER II mit Nd Nr. 3 ½ (M-Zahl teilbar durch 3 + 2) 1. R (Vorderseite) mit marine: re str 2. R mit marine: re str = 1 Rippe 3. R mit chianti: Rdm, 1 M re, *1 M li abh, den Faden hinter der Arb führen, 2 M re*, von * bis * stets wdh, enden mit 1 M abh, 1 M re, Rdm 4. R mit chianti: Rdm, 1 M re, *1 M li abh, den Faden vor der Arb führen, 2 M re*, von * bis * stets wdh, enden mit 1 M abh, 1 M re, Rdm

MASCHENPROBE 29 M und 26 R im Muster II = 10 x 10 cm

Eine Kampagne von

AUSARBEITEN Bein und Achselnähte schliessen. Um den Halsausschnitt mit Nd Nr. 3.0 und marine ca. 76 M aufn und 4 cm im Muster I str. Die M locker abk, zur Hälfte nach innen legen und annähen. Die vorderen Kanten mit marine mit je 1 R f M und 1 R Krebsgang abhäkeln. Den Reissverschluss einnähen.

Das Material stammt von Strickcafé GmbH, dem Onlineshop rund ums Stricken und Häkeln: strickcafe.ch

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~ Service ~ STRICKEN

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~ 10 / 2019 ~ KURSANGEBOT

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Naturseife selber machen KURSINHALT

Seifen rühren ist ein altes und in Vergessenheit geratenes Handwerk. Die Seifen von Béatrice Ducrocqs Label «il savun» werden nach der Kaltverseifungsmethode mit natürlichen Zutaten hergestellt. Dieses hochwertige Produktionsverfahren spürt man auf der Haut: Die Seifen können mehr als reinigen, sie schützen vor Irritation und Aus­trocknung und erhöhen die Elastizität der Haut. Sie sind zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Als Kursteilnehmer erhalten Sie eine Einführung in die Theorie des Seifenmachens. Im Anschluss werden Sie bis ein Kilogramm Seife selber machen, die übrigens ein perfektes Weihnachtsgeschenk sind.

DATUM & ZEIT

Donnerstag, 31. Oktober 2019 19.30 bis 22.30 Uhr KOSTEN

190 Franken inkl. Material KURSORT

Seifenmanufaktur «il savun» Untere Halde 9 5400 Baden ilsavun.ch

Die Anzahl der Teilnehmenden ist beschränkt. Die Kursteilnehmenden müssen aufgrund der

BÉATRICE DUCROCQ (48) Volkswirtschafterin aus Genf, in Ennetbaden (AG) wohnhaft, hat eine Vorliebe für Experimente und die Entdeckung von Schönem im Alltag. Aus der Suche nach Produkten für ihre sensible Haut ist eine Leidenschaft für die Herstellung sanfter und natürlicher Seifen entstanden.

Handhabung mit Lauge volljährig sein.

ER ELB EN S LL FE SEI RSTE HE Ku r

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ANMELDUNG ZUM SEIFENMACHEN Bitte füllen Sie alles gut leserlich aus und senden Sie uns Ihre Anmeldung.

Name 

Vorname 

Adresse 

PLZ / Ort 

Telefon 

E-Mail  Anmeldung bis 20.10.2019 an Grosseltern-Magazin, Seife machen, Kronengasse 4, 5400 Baden oder per Mail an verlag@grosseltern-magazin.ch


~ Service ~ REZEPT

GRATINMIT CERVELAT

M

eine (eigentlich nicht mit mir verwandte) Grossmutter Ruth kochte dieses Rezept oft für mich, nach-

dem sie mich vom Tanzen abgeholt hatte. Ich habe immer mit ihrem Partner Manfred die Kindersendung «Kika» geschaut oder Brettspiele gespielt, während sie in der Küche stand. Selbst wenn ich nicht bei ihr in

der Küche war, wusste ich, was sie kocht. Denn der Duft war unverkennbar. Sobald sie uns zum Essen rief, rannte ich förmlich zum Tisch und setzte mich auf meinen Platz. Ich ass so schnell, dass ich bloss halb so lange brauchte wie Ruth und Manfred. Den Heimweg vom Tanzen bewältige ich mittlerweile allein, jedoch bin ich froh, dass Ruth ab und zu noch immer für mich kocht.

Das braucht’s für 3–4 Personen: 6–8 Kartoffeln (mehlig kochend) 2 Cervelats 2,5 dl Rahm etwas Butter Salz, Pfeffer, Muskatnuss

So wird’s gemacht: Kartoffeln waschen, schälen und in gleichmässige Scheiben schneiden. Die Haut der Cervelats entfernen, der Länge nach halbieren und ebenfalls in Scheiben schneiden. Rahm mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss vermischen. Eine ofenfeste Form mit etwas Butter ausstreichen. Die Kartoffel- und Cervelat­ scheiben in die Form schichten und mit dem Rahm übergiessen. Im auf 200 Grad vorgeheizten Backofen etwa eine Stunde gold-braun backen. Garprobe: Mit einem Messer in eine Kartoffelscheibe stechen. Kann man das Messer ohne Wiederstand herausziehen, sind die Kartoffeln gar.

CARLA ERNE (14) war anlässlich eines Schnuppertages auf der Redaktion des GrosselternMagazins zu Besuch und brachte ihr Lieblingsrezept mit. Was essen Ihre Enkelkinder gerne, wenn sie bei Ihnen sind? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift, gerne auch mit einem Foto. redaktion@grosseltern-magazin.ch # 10 ~ 2019

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Gereimte

Geschichten

Max und Moritz ist süffig, frech und bildstark, aber auch drastisch und brutal. Wer gehemmt ist, um des Reimes willen von Körperschändung und Todesstrafe vorzulesen, fragt sich: Was sonst?

Aus: «Das tonners Telefon», Erich Kästner, Walter Trier, ins Berndeutsche nachgedichtet von Lorenz Pauli, im Buchhandel vergriffen, erhältlich unter mupf.ch, 24.80 Franken.

D

er Ausdruck «um des Reimes willen» stammt von Christian Morgenstern («Ein Wiesel, stand auf einem ­K iesel …»). Der Altmeister deutscher Nonsens-Lyrik hat viele Gedichte geschrieben, die Kinder geniessen. Vielleicht h ­ aben Sie gar «Die Galgenlieder» oder «Palmström» irgendwo im Regal. Sonst finden Sie Gedichte wie «Der Lattenzaun» auch im Internet. In den letzten Jahren sind wieder vermehrt Bilderbücher mit gereimtem Text erschienen. Aber Verse von der Qualität eines Busch bleiben rar. Erzählgedichte, deren Rhythmus die Handlung tragen und deren Reime die Komik verstärken, sind hohe Kunst. Und weil es dabei auch um Rhythmus und Melodie geht, muss gelten: Vorlesen und – hoffentlich – ­gemeinsam lachen. Erich Kästner hat in «Das verhexte Telefon» Schräges für Kinder veröffentlicht. Lorenz Pauli hat die Gedichte – von seiner Mutter vorgelesen – als Bub so geliebt, dass er als Erwachsener an dieses Spracherlebnis anknüpfte. Er hat die schrägen Geschichten absolut genial auf Berndeutsch nachgedichtet und selbst verlegt. Franz Hohler hat in den letzten Jahren zwei Bände mit ­K indergedichten vorlegt: «Es war einmal ein Igel» und «Am liebsten ass der Hamster Hugo Spaghetti mit ­Tomatensugo».

Die Bedeutung von Kinderversen für die Kleinsten wäre ein Thema für sich. Hier geht es um längere, eher erzählende Gedichte, die das Spiel mit Pointen bedienen, wie ältere Kinder es mögen. Oft habe ich als Primarschüler folgenden Vers mal laut, mal still aufgesagt: Hans, mein Sohn, was machst du hier? Vater, ich studiere. Hans, mein Sohn, das kannst du nicht. Vater, ich probiere. Und als später meine neue Grossmutter noch eine weitere Strophe wusste, wuchs meine Freude an den frechen Antworten: Hans, mein Sohn, du ärgerst mich heute noch zu Tode. Vater, dann begrab ich dich unter der Kommode. Wer da lieber schauen will, was aktuelle Kinderlyrik bietet, findet einen guten Überblick im Band «Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht», in dem Uwe-Michael Gutzschhahn hundert neue Kindergedichte versammelt (siehe Buchtipp Nummer sechs auf der rechten Seite).  •

HANS TEN DOORNKAAT (66) hat nie aufgehört, Kinderbücher zu lesen. So hat er ein vielseitiges Wissen über Lesestoffe für Kinder und Jugendliche gesammelt; er ist als Verlagslektor, Literatur­kritiker, Kursleiter und Dozent für Illustrationsgeschichte tätig.

Wollen Sie etwas zu Ihrem Lieblingsbuch von damals wissen? Haben Sie Fragen zu heutigen Bilderbüchern? Schreiben Sie an: bilderbuch@grosseltern-magazin.ch

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~ Service ~ LESEN

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Empfehlenswert

Für grosse Leser und solche, die es noch werden 1 Erwachsenenbuch: «Tante Martl», Ursula März, Piper, 31 Franken. Der Vater konnte seine Enttäuschung, dass auch das dritte Kind ein Mädchen war, sein Leben lang nicht überwinden. Nun versorgt ihn ausgerechnet diese unerwünschte Tochter bis zum Lebensende. Aus der Perspektive der Nichte erzählt der Roman die berührende Geschichte der selbstlosen und aufmüpfigen Tante Martl. Zugleich ist es das Porträt einer Generation, die ihre Jugend um 1940 an den Krieg verloren hat. 2 Bilderbuch: «Auf leisen Sohlen durch die Nacht», Marie Dorléans, Gerstenberg, 25 Franken. Eine Familie macht einen Nachtspaziergang. In atmosphärischen, wunderschönen Bildern in Blautönen wird der Zauber einer Sommernacht eingefangen. Die Lust, selber mit den Kindern nachts aufzu­ brechen und den Sonnenaufgang zu erleben, wird geweckt. 3 Kinderbuch ab 9 Jahren: «Die Bartfrau», Katalina Brause, Rowohlt Rotfuchs, 16 Franken. Weil Jonathan sich nicht genug anstrengt, um begabter zu werden, rufen seine Eltern die unheimlich Bartfrau. Diese Exbärtin soll ihn bessern. Doch sie hat nicht Jonathan im Blick, sondern bietet Hilfe für schwer erziehbare Eltern. Ein Lesegenuss, der Mut macht, auch mal unperfekt zu sein 4 Erwachsenenbuch: «Genau richtig», Jostein Gaarder, Hanser, 25 Franken. Albert, um die 70 Jahre alt, hat von seiner Ärztin und ehemaligen Geliebten eine schlechte Diagnose erhalten. Er fährt allein in sein Wochenend­haus und lässt sein Leben und seine Lieben Revue passieren. Was ist ihm gelungen und was nicht? Hat sich sein Leben gelohnt? Es sind Fragen auf Leben und Tod. Trotz der Schwere ganz federleicht zu lesen. 5 Jugend- und Erwachsenenbuch: «Blackbird», Matthias Brandt, Kiepenheuer & Witsch, 33 Franken. Nichts im Leben des 15-jährigen Motte ist, wie es einmal war. Sein bester Freund Bogi ist plötzlich sehr krank und dann gibt es da auch noch dieses Mädchen, das Motte gefällt. Zwischen der Möglichkeit des Todes und der Möglichkeit der Liebe spitzen sich die Ereignisse zu, geraten ausser Kontrolle und stellen Motte vor unbekannte, schmerzhafte Herausforde­ rungen. 6 Gedichte ab 6 Jahren: «Sieben Ziegen fliegen in der Nacht», Uwe-Michael Gutzschhahn, Sabine Kranz, DTV, 20 Franken. 100 neue Kindergedichte, verfasst von der Crème de la Crème zeitgenössischer Lyriker: ein herrlicher Lesespass für die ganze Familie. Ausgewählt von Hans ten Doornkaart sowie Andrea Kalt und Barbara Maurer von der Buchhandlung «Doppelpunkt» in Uster doppelpunkt-uster.ch

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~ Service ~ ZEICHNEN

«Komm, wir zeichnen einen Affen»

Zum Glück hat der Affe einen Regenschirm dabei! Zeichnungsanleitung Elefant siehe September-Ausgabe. # 10 ~ 2019


~ Service ~ SPIELEN

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Von KARIN DEHMER (Text) und IRENE MEIER (Illustration)

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Zehnerli Schon seit Generationen wird das «Zehnerli» gespielt, heute oft auch in der Version, die sich «Wand-ab» nennt. Ein kurzweiliges Vergnügen, das nach nicht mehr als einem Ball und einer Wand verlangt.

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F

ür ein Zehnerli reicht die Zeit immer. Gerade bei kühlnassem Herbstwetter ist ein Durch-

2

gang je nach Ansicht der Beteiligten lange oder kurz genug, um die Kinder mit genügend frischer Luft zu versorgen. Vor der Wand bilden die Kinder hinter einem am Boden angezeigten Kreidestrich eine Reihe. Die Linie darf während des Werfens und Fangens nicht überschritten werden. Der Ball muss mit der entsprechenden Vorgabe (siehe unten) geworfen und wieder gefangen werden und ein Kind darf so lange weitermachen, bis der Ball auf den Boden fällt. Dann kommt das nächste Kind an die Reihe. Beim folgenden Durchgang setzt man wieder dort ein, wo man zuvor die Runde verloren hat. Also wenn man beim Fünferli den Ball verliert, muss man beim nächsten Durchgang wieder beim Fünferli einsetzen. Wer als Erster das Zehnerli schafft, hat gewonnen. •

SO WIRD’S GEMACHT:

•  Einerli: Ball an die Wand werfen und wieder fangen. •  Zweierli: Ball an die Wand werfen, klatschen und den Ball wieder fangen. •  Dreierli: Ball an die Wand werfen, zweimal klatschen und den Ball wieder fangen. •  Viererli: Ball an die Wand werfen, einmal um die eigene Achse drehen und den Ball wieder fangen. • Fünferli: Ball an die Wand werfen, mit den Armen einen Korb bilden und den Ball hindurchfallen lassen. •  Sechserli: Ball an die Wand werfen, von eins bis sechs zählen und den Ball wieder fangen. •  Siebnerli: Ball an die Wand werfen, einmal hinter dem Rücken klatschen und den Ball wieder fangen. •  Achterli: Ball an die Wand werfen, auf den Boden knien, aufstehen und den Ball wieder fangen.

•  Neunerli: Mit dem Rücken zur Wand stehen, Ball an die Wand werfen, sich umdrehen und den Ball fangen.

•  Zehnerli: Ball blind werfen, Augen öffnen und den Ball wieder fangen

Haben auch Sie eine Spielidee? Schreiben Sie uns, am liebsten mit Foto, an redaktion@grosseltern-magazin.ch oder Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden. # 10 ~ 2019


~ Service ~ RÄTSEL

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Sudoku

Kinderrätsel

Schwierigkeit: mittel

Schwierigkeit: schwer

So lösen Sie Sudoku: Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen von 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 x 3-Blöcke nur einmal vorkommen.

Suchen Sie zusammen mit Ihren Enkelkindern diese fünf Pilze, die irgendwo in dieser Ausgabe versteckt sind. Schicken Sie uns die Seitenzahlen an kinderraetsel@grosseltern-magazin.ch oder Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden. Einsendeschluss ist der 31.10.2019. Zu gewinnen gibt es 10 Buntstifte von Faber Castell.

Punkt zu Punkt

Kinderlachen

Verbinden Sie die Punkte der Reihenfolge nach und Sie werden sehen: Aus Punkten werden Bilder.

Witze von Kindern für Kinder

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«Mama, kannst du mir fünf Franken geben für einen alten Mann?» «Das ist aber lieb von dir. Wo ist er denn?» «Er steht da drüben und verkauft Glace.»

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Diesen Witz erzählte Ben (11). Erzählt Ihr Enkelkind Witze? Schreiben Sie uns. redaktion@grosseltern-magazin.ch

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Conceptis Puzzles

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Die Lösungen der Rätsel schicken wir Ihnen gerne zu: verlag@grosseltern-magazin.ch # 10 ~ 2019


~ Service ~ CHRISTA CAMPONOVOS RÄTSEL

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Grünflächenzerstörer  ?

Gewinn en Sie

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waagrecht 4 Destinationen kürzerer Reisen. 15 Wo CH-Strassenbahnen Halt machen. 16 Solche Nachrichten erscheinen einfach so auf dem Handy. 17 Meist gepresste Pflanzen-Sammlung. 18 Bietet nicht nur einem Grüppchen Platz. 20 Die Gemeinde (BE) ist auch der Beginn eines Nachbarlands (poetisch). 21 Ende eines Winterspielorts, das der Schweiz goldene Tage bescherte. 22 Nicht ganz weiss. 23 Verkehrt kurz zwischen Zürich HB –Zug–Lugano. 24 Gehobene SchülerInnen sind auch englische Zahl. 26 Das und Rauch = gar nichts. 27 Österreichischer Schriftsteller lässt an Zuckersirup denken. 29 Mit Pinseln Porträtierte. 31 Auto…, DAB …, …logie. 33 Spuckt in Sicilia. 34 Speise im Garten Eden?

senkrecht 1 Sportverband aus Kolonnen. 2 Sie will nich so, as ik wol will. 3 Macht egal zur Republik. 5 Es gibt innere und äussere. 6 Der Erde grösstes Trockengebiet. 7 Kurzer Zusammenschluss der CH-Ärzteschaft. 8 Wo jährlich das Festival Oude Muziek stattfindet. 9 US-amerikanischer Schauspieler oder hiesiges Esswerkzeug.10 Beiger. 11 Das Heimchen tut es. 12 Sein Effekt ist nicht nachhaltig. 13 Wenn das Bett am Morgen regelmässig nass ist. 14 …tree, …soda. 19 Regierte das grösste Land Südamerikas. 22 Electrocardiography 25 Quo …? (Sienkiewicz). 27 Mahlzeit im Brexitland. 28 Gedrehte Göttin war eine Sondereinsatztruppe im 2. Weltkrieg. 30 Er soll alles neu machen. 32 ..dermannsdorf (Thal).

Das Lösungswort ergibt sich aus den eingefärbten Feldern fortlaufend. Schicken Sie uns dieses zusammen mit Ihrer Postadresse per E-Mail an raetsel@grosseltern-magazin.ch oder via Post an Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden. Einsendeschluss ist der 31.10.2019. Die Lösung des September-Rätsels finden Sie auf Seite 81. # 10 ~ 2019


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~ Service ~ CARTOON VON RENATE ALF

Nicht mehr zuständig

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~ Service ~ IMPRESSUM / VORSCHAU

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Vorschau 11/2019

Impressum Verlag 3G MEDIA GMBH www.grosseltern-magazin.ch

52. Ausgabe 10/2019 Erscheinungsweise monatlich, 10-mal im Jahr Auflage 15 000 Exemplare Preise EINZELPREIS CHF 9.50 JAHRESABO CHF 85.– (10 Ausgaben) 2-JAHRES-ABO CHF 160.– (20 Ausgaben) PROBEABO CHF 20.– (3 Ausgaben) JAHRESABO EUROPA CHF 120.– (10 Ausgaben) Copyright Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Für unverlangte Einsendungen wird jegliche Haftung abgelehnt.

Erscheint am 2.11.2019

Verleger DOMINIK ACHERMANN Redaktion redaktion@grosseltern-magazin.ch +41 56 558 91 77 MELANIE BORTER –MB Chefredaktorin melanie.borter@grosseltern-magazin.ch KARIN DEHMER –KD Stellvertretende Chefredaktorin karin.dehmer@grosseltern-magazin.ch Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe: Christa Camponovo, Caroline Doka, Hans ten Doornkaat, Stephanie Elmer, Carla Erne, Beat Gloor, Marianne Grädel, Bernadette Kurmann, Ilona Herzog, François Höpflinger, Andrea Kalt, Barbara Maurer, Edy Riesen, Dagmar Schifferli, Lisa Schmuckli, Aline Steiger, Philippe Wampfler, Eli Wilhelm, Eva Zoller Morf Layout IRENE MEIER irene.meier@grosseltern-magazin.ch

Herausgeberin 3G MEDIA GMBH Kronengasse 4 CH-5400 Baden +41 56 558 91 77 info@3g-media.ch

Fotografie Marco Scharf, Tibor Nad, Gabi Vogt

Druck & Vertrieb AVD GOLDACH AG www.avd.ch

Korrektorat Michael Achermann, Elsbeth Howald

Illustrationen Renate Alf, Carmela Gander, Irene Meier, Marie-Anne Spross

Verkauf & Vermarktung DOMINIK ACHERMANN +41 76 394 23 26 dominik.achermann@grosseltern-magazin.ch FERNANDO PALENCIAS +41 79 332 82 65 fernando.palencias@grosseltern-magazin.ch Abonnemente ABODIENST GROSSELTERN-MAGAZIN Industriestrasse 37, CH-3178 Bösingen +41 31 740 97 53 abo@grosseltern-magazin.ch

50 JAHRE LASST UNS RAUS! SESAMSTRASSE Klassische Rätselspiele Kein Kinderprogramm erhalten Live-Konkurläuft länger am renz: Wie es ist, sich in Fernsehen, keines hat einem «Escape-Room» mehr Preise einge(engl. Fluchtraum) heimst oder mehr wiseinschliessen zu lassen senschaftliche Studien und durch das Lösen von hervorgebracht. Rätseln wieder herauszufinden.

~ #09/2019 ~

DES RÄTSELS LÖSUNG waagrecht 5 Nachhaltigkeit 12 Klimakterium 15 Lange 17 Ueber 19 Lac 20 Bube 21 Stranger 22 Sammelsurium 25 Hima 26 Eto 27 Heiss 29 Vaki 31 AG 32 Eruiere 33 Gedanke 35 Irden 37 Elen 38 Umhang

Wir bekennen uns zu Werbung

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ANDERSWO: KROATIEN Das Bed & Breakfast von Marija (67) läuft nicht besonders gut und gesundheitlich könnte es ihr auch besser gehen. Die Zeit mit Enkel Maksim ist ihre Kraftquelle.

Inserate und ContentPartnerschaften sind für unser Magazin überlebenswichtig in i ke l und eine Bereicherung. So A r t ar b ei t n i E en können wir professionell und amm unabhängig Inhalte erarbeiten. Zu s Wir haben nicht mehr Werbung als andere Magazine, kennzeichnen diese aber konsequent. Damit schaffen wir Transparenz.

# 10 ~ 2019

senkrecht 1 Inklusive 2 Ihm 3 Altersheim 4 Viren 6 Alabama 7 Cinema 8 Akut 9 Te 10 Kirgisien 11 Eule 13 Aeset 14 Marmor 16 Gemeine 18 Bauer 23 Loge 24 Usen 28 Iuda 30 Kal 31 Akn 36 Rh

Lösungswort Amtshandlung


~ Kolumne ~ SCHLUSSWORT

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Dynamisch bis zur

«grosselterlichen Reife»

U

nsere vier Enkelkinder werden immer grösser (wobei der älteste Enkelsohn mich in körperlicher Hinsicht schon zu überragen beginnt). Im persönlichen Rückblick wird deutlich, dass Kon-

schenkten. Inzwischen sind alle unsere Enkelkinder so erwachsen, dass sie Geldgeschenke (für eigene Einkaufswünsche in Apple Shops) bevorzugen. Sachgemäss verläuft das Altern der Enkel parallel

takt und Umgang mit Enkelkindern eine höchst dyzum eigenen Altern. Die Kräfteverhältnisse vernamische Angelegenheit ist. schieben sich zuerst unmerklich, dann aber imDas Heranwachsen der Enkelkinder erzwingt immer deutlicher. Mir wurde dies erstmals bewusst, mer wieder neue Anpassungen: Aus herzigen Kleinals ich zum Öffnen einer Flasche die Hilfe eines kindern werden selbstbewusste Enkelsohns benötigte. Als die Persönlichkeiten, die mit den Enkelkinder klein waren, war Grosseltern auf Augenhöhe diskuich darauf bedacht, sie beim tieren möchten. Bei neuen digitaFussballspielen nicht zu verletlen Entwicklungen sind sie weit zen. Gegenwärtig muss ich eher überlegen (wenn auch nicht imaufpassen, mich selbst nicht mer in überlegter Art und Weise). zu verletzen. Skateboarden mit Ab einem gewissen Alter fühlen Enkelkindern wurde zu gefährsich Enkelkinder peinlich berührt, lich und ein Velorennen gegen wenn der Grossvater immer wieheranwachsende Enkelkinder FRANÇOIS HÖPFLINGER (70) der die gleichen Anekdoten von ist nur mit E-Bikes zu gewinnen ist in selbstständiger Forschung früher auftischt. Umgekehrt fin(was seine eigenen Risiken aufund Beratung zu Alters- und den sie es cool, über die Jugendweist). Abgesehen davon sind Generationenfragen tätig. Nebst seinen wissenschaftlichen Arbeiten sünden ihrer Eltern informiert zu für heranwachsende Enkel Sport schrieb der Soziologieprofessor werden (was allerdings diese nicht und Spiel mit Gleichaltrigen inauch diverse Kurzgeschichten, so lustig finden). teressanter als mit den «Alten». Satiren und Fabeln. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und Während bei Ausflügen früher ein Immer häufiger kommt es vor, vier Enkelkinder. Bergbach mit Steinen für stundendass Enkelsöhne Ferientage mit langes Herumplantschen genügte, uns in den Bündner Bergen am wollen ältere Enkelkinder mehr organisierten Fun liebsten verbringen, wenn auch ein Schulkamerad (etwa eine Reise zum Aroser Bärenpark oder eine mitkommen darf. Teilnahme an einer nächtlichen Lichtshow in Bad In der Wissenschaft wird ein geglückter Umgang Ragaz). Auswärts essen ist faktisch nur noch in eivon Grosseltern mit herangewachsenen Enkelnem Restaurant mit gutem WLAN beliebt. Kleinkinkindern als «grosselterliche Reife» bezeichnet, im der sind über jedes Geschenk erfreut, ältere Kinder Sinne, dass man seine Enkel gerade nicht als Ensind schon kritischer. Unsere Enkeltochter – die kel«kinder», sondern als eigenständige Personen mit schon sehr früh zu lesen begann – war sichtlich beeigenen Charaktermerkmalen akzeptiert.  • leidigt, als wir ihr einmal ein Lesebuch für Erstleser

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Grosseltern-Magazin 10/2019  

Eine Grossmutter wird geboren. Mit so grossen Emotionen hat Karin Gerber nicht gerechnet. Die Familientherapeutin ist vor kurzem zum ersten...

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