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Mein Leben in Deutschland begann mit einem StĂźck Bienenstich

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Die Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet dieses Buch in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Erste Auflage 2017 © Größenwahn Verlag Frankfurt am Main, 2017 www.groessenwahn-verlag.de Alle Rechte vorbehalten. ISBN: 978-3-95771-184-7 eISBN: 978-3-95771-185-4

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Viktor Funk

Mein Leben in Deutschland begann mit einem StĂźck Bienenstich Roman

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IMPRESSUM

Mein Leben in Deutschland begann mit einem Stück Bienenstich Autor Viktor Funk Seitengestaltung Größenwahn Verlag Frankfurt am Main Schrift Constantia Covergestaltung Marti O´Sigma Coverbild © Viktor Funk, Fotografie Lektorat Doris Engelke Druck und Bindung Print Group Sp. z. o. o. Szczecin (Stettin) Größenwahn Verlag Frankfurt am Main August 2017 ISBN: 978-3-95771-184-7 eISBN: 978-3-95771-185-4

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Für Felix

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Kapitel 1

M

ein Leben in Deutschland begann mit einem Stück Bienenstich. Ich war mit meinen Eltern und meiner Schwester im Rathaus von Wolfsburg, der Bürgermeister hatte eingeladen. Zwei Dutzend Familien aus Kasachstan, Sibirien und Usbekistan saßen an runden Tischen, alte Frauen mit geblümten Kopftüchern, ihre Enkel mit MickyMaus-Sweatshirts, die Väter mit neuen Lederjacken. Die Mütter mahnten in vertrauter Sprache die Kinder zur Ruhe, bis unverständliche Worte alle verstummen ließen. Der Bürgermeister lächelte, breitete seine Arme aus, sagte »gut«, »Heimat«, »Arbeit« und viele andere Worte, die ich nicht verstand. Seit wir Platz genommen hatten, starrte ich auf den Tisch und wurde ungeduldiger, je länger der Mann redete. Auf einem Teller lagen Kuchenstücke, acht glänzende, honigfarbene, mit geraspelten Mandeln bedeckte kleine Vierecke. Ich hoffte, dass meine kleine Schwester nur eines essen würde. Und mit etwas Glück würde auch meine Mutter nur eines nehmen, mein Vater zwei. Ich wusste noch nicht, wie der Kuchen schmeckte, aber ich roch ihn. Ich atmete seinen Honigmandelvanilleduft ein und hielt immer wieder die Luft an. Lautes Lachen riss mich aus meinem Spiel. Auch meine Eltern lachten. »Mama, was hat er gesagt?«, fragte ich. »Das weiß ich nicht. Ich habe es nicht verstanden«, antwortete meine Mutter. »Und warum lacht ihr dann?«

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»Alle lachen doch.« Und alle rutschten ein Stück näher an die Tische, näher an die Kuchenteller. Ich sprang von meinem Stuhl auf und nahm zwei Stück Bienenstich, musste eines wieder zurücklegen – »Iss erst einmal das Erste auf« – und griff gleich wieder zu. Nie zuvor hatte ich so etwas geschmeckt. Er war um vieles süßer als die Butterkekse, die ich in Kasachstan so geliebt hatte, viel besser als das sowjetische Sahneeis, das mir unter der Sonne wegschmolz, wenn ich mit drei oder vier Eishörnchen für meine Familie nach Hause lief, besser als die Limonade und die Schokoladen-Bonbons, für die ich damals anstehen musste. Am Ende unseres Besuches beim Bürgermeister hatte ich vier Stück Kuchen gegessen. Ich war elf und Deutschland roch nach Mandeln und Vanille und hatte den besten Kuchen der Welt. Wir fuhren mit dem Bus nach Hause, ich blickte in den Februarabend hinaus, Laternenlichter spiegelten sich im nassen Asphalt. Ich erinnerte mich an das Knistern des Schnees vor wenigen Tagen unter meinen Filzstiefeln in Kasachstan. Ich erinnerte mich an den zugefrorenen Balchaschsee, an meine Oma und meinen Opa, die Eltern meiner Mutter, und an meinen Hund Malysch. Wenn ich die Augen schloss, fühlten meine Hände sein Fell, sein Geruch stieg in meine Nase, der Duft von Staub und Kohle, weil er neben dem Kohleverschlag angekettet war. Einige Tage vor der Abreise band ich Malysch mein rotes Halstuch um und schenkte ihm mein Pionierabzeichen, das ich nicht mitnehmen durfte. Ich nagelte es an seine Hütte. Als Kind wollte ich Lenin werden. Ich trug sein Bild in meiner Stiftschachtel und wartete, bis endlich auch ich das Pioniertuch bekam. »Lenin hat nie gelogen«, hatte meine Russischleh-

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rerin Ljudmila Nikolajewna gesagt. »Er hat nie schlechte Noten gehabt, sich nie geprügelt. Einmal fragten Schulkameraden ihn, wie viele Bedienstete er zu Hause hat. ›Zwei‹, antwortete Lenin, ›meine Hände‹.« In Deutschland interessierte Lenin mich nicht. Hier gab es Haribo-Teufel, gegrillte Hähnchen, Hamburger mit Röstzwiebeln und Überraschungseier. Deutschland war ein riesengroßes Kaufhaus mit Lego-Raumschiffen, Transformers-Robotern, Heman-Figuren, Matchbox-Autos und Panini-Sammelalben. Ich stand oft vor einem Spielzeuggeschäft in der Wolfsburger Innenstadt und traute mich nicht hinein, ich sprach weder gut Deutsch, noch hatte meine Familie Geld für Spielzeug. Aber für mein Ghostbusters-Sammelheft hatte ich schnell fast alle Bilder zusammen. Am Kiosk vor unserem Haus lagen die Bilderstapel gleich hinter der Kasse. Wenn die alte Kioskbesitzerin fragte, was ich wollte, zeigte ich auf die kirschroten Gummischnecken, für die die Frau sich umdrehen musste. Während sie zwei, drei Schritte zum Süßigkeitenregal ging, griff ich zu. Ich nahm nie mehr als zwei Packungen, damit sie nichts merkte. Eines Tages kaufte ich wieder Süßigkeiten, und als ich meine Hand auf die Bilder legte, legte sich eine fremde Hand auf meinen Nacken. Ich wandte mich, schrie einen Mann an – »ty staryj byk«, du alter Bulle – schlug nach seiner Hand und entkam. In Kasachstan hatte ich nicht so viel Glück gehabt. An einem Herbsttag war ich mit Freunden in eine alte Brotfabrik eingestiegen. Wir waren über die Backsteinmauer und durch ein zerschlagenes Fenster in das Gebäude geklettert. Die Sonne warf Schatten, in den Lichtstrahlen tanzten Staubwolken, Spatzen schwirrten unter dem Dach umher. Wir spielten Fangen und mussten nur eine Regel einhalten: Wir durften den Boden nicht berühren. Wir liefen über Förder-

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bänder, Gitterwege und Metallstege, schwangen uns an Gerüsten entlang, unser Lachen schallte durch die Halle. Ich rettete mich häufig nach ganz oben, wo der dicke Oleg und der ungelenkige Maxim nicht hinkamen. Aber ein Fremder. Der Mann betrat die Halle, stand einige Sekunden da und ließ die anderen entkommen. Dann kletterte er Sprosse für Sprosse die Leiter zu mir hoch. »Steig runter«, hörte ich seine Stimme und spürte seinen warmen Atem in meinem Gesicht. Ich malte mir aus, wie er mich in einen Teppich wickeln, in einen Wagen legen und in die Steppe bringen würde. Ich weinte. Am Boden führte der Mann mich am Hemdkragen über den Hof vom alten zum neuen Fabrikgebäude. In der Wachstube am Eingang musste ich mich in eine Ecke setzen. Ich schrie um Hilfe und heulte. Die Arbeiter lachten, am Nachmittag ließen sie mich gehen. Bis heute verstehe ich nicht, warum ich dem Direktor der Brotfabrik unsere richtige Telefonnummer gegeben hatte. Am Abend klingelte das Telefon. Ich lag im Bett. Vater nahm ab, hörte zu, legte auf und sprach mit Mutter. Sie riefen mich zu sich. Beide lachten. »Was hast du für Freunde, die weglaufen«, sagten sie. »Wenn du da noch einmal hingehst, nehme ich dich nicht mehr mit zum Angeln«, sagte Vater. »Ab ins Bett.« In Deutschland klingelte die Türklingel nach dem Vorfall am Kiosk. Ich öffnete und lief weg. Der Mann, der mich festgehalten hatte, stand da mit meinem Sportbeutel in der Hand. Er sprach mit meinen Eltern und ging wieder, es war der Ehemann der Kioskbesitzerin. Diesmal lachten meine Eltern nicht. Ich musste mein Ghostbusters-Album holen. Auf dem Küchentisch lag eine Nagelschere. Vor den Augen meiner Eltern zerschnitt ich jede Seite, meine Finger schmerzten. Den Schuhkarton mit den Schnipseln musste ich in meinem Zimmer auf den Schreibtisch

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stellen. Später diente er als Bücherstütze im Regal und blieb da, bis ich die elterliche Wohnung verließ und nach Hannover ging, wo Mark studierte. Mark war der erste Deutsche, der am Tisch meiner Familie gegessen hat. Es gab Zander, den ich gefangen hatte, dazu Buchweizen und eine Karotten-Zwiebel-Sahne-Soße. Mark bat um Nachschlag, aber er wollte nicht den Zander, den meine Mutter mit einer dünnen Mehlkruste knusprig gebraten hatte, sondern Buchweizen. Er hatte die braun-grauen Körner noch nie gegessen. In meiner Kindheit bekam ich sie gezuckert mit Milch oder zu Leberfrikadellen. Gretschka war ein Alltagsgericht in Kasachstan so wie Kartoffelsalat in Deutschland. Mark und ich hatten uns in einem Schwimmverein kennengelernt. Ich erfuhr, dass er angelte, und nachdem wir viele Karpfen, Hechte und Barsche zusammen gefangen hatten, sprachen wir nicht nur über Fische, sondern auch über Familien und Freundinnen. Vor Mark musste ich nicht darauf achten, wie ich mich verhielt, er korrigierte mich nicht, wenn ich der statt das Messer sagte; wenn es regnete, saß ich unter seinem großen Angelschirm, und wenn mir ein Köder fehlte, hielt mir Mark seinen Angelkoffer hin. Wir harrten selten an einer Stelle aus. Wir suchten die Fische, schlichen am Ufer umher oder wateten durchs Wasser. Genauso wie am fernen Balchaschsee in Kasachstan ging es auch an der Aller oder an den Kiesgruben in Velpke allein darum, Fische zu finden und sie mit unserem Futter zu überlisten. An der Schunter, einem kleinen Fluss westlich von Wolfsburg, haben wir uns eines Abends ins Wasser gestellt und mit Rotwürmern auf Rotaugen, Stichlinge und Barsche geangelt. »Ich glaube, lange halte ich es hier nicht aus«, sagte Mark. »Warum? Hier beißen sie doch.« »Ja, aber ein Stiefel ist undicht.«

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Wir lachten und kletterten wieder die Böschung hoch. Oben war Draht gespannt, dahinter stand ein halbes Dutzend Kühe. Mark begann zu muhen, laut und schnell, »Muuuh! Muuuh!« Ich lachte und wir gingen am Zaun entlang, bis Mark losschrie und auf der Stelle zu springen begann. Seine Angel war zwischen die Zaundrähte gekommen, die unter Strom standen. Mark schrie und tanzte, ich lag im Gras und lachte. Als es ihm gelang, die Angel aus dem Strom zu ziehen, fiel auch er hin und lachte. Mit Mark am Wasser fand ich ein Stück Heimat. Mit Mark am Wasser durfte ich »ich« sein. Als ich mit 19 Jahren meine Wehrdienstverweigerung formulierte, holte die Vergangenheit meine Familie wieder ein. In der Sowjetunion gab es keinen Zivildienst. Vater hatte Mitte der 70er Jahre seinen Einberufungsbescheid erhalten. Gleichzeitig bekam seine Familie die Ausreiseerlaubnis nach Deutschland. Als Russlanddeutsche lebten sie in der Verbannung im Norden Kasachstans. Wie Hunderttausende anderer Familien hatte Stalin sie 1941 aus dem Westen der Sowjetunion nach Sibirien und nach Kasachstan deportieren lassen. Moskau hatte Angst gehabt, die deutschen Kolonialisten aus der Zarenzeit würden sich der heranrückenden Wehrmacht anschließen. Also mussten sie ihre Höfe zurücklassen, in Viehwaggons steigen und im dünn besiedelten Osten Kohle- und Erzminen erschließen oder Holzfabriken aufbauen. Nach Stalins Tod 1953 durften sie nicht in die alten Gebiete zurück. Im Westen waren sie ein Risiko, im fernen Osten eine wichtige, billige Arbeitskraft. Und auf ihren Höfen in Alexanderfeld bei Odessa oder in Worms an der Wolga lebten inzwischen Ukrainer und Russen, die vor den Nazis geflohen waren.

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Seit Mitte der 60er Jahre hatte die Familie meines Vaters Ausreiseanträge nach Deutschland gestellt, jedes Jahr einen. Und jedes Jahr waren die Anträge abgelehnt worden. Beim zehnten Mal halfen sie mit Geld nach und durften Kasachstan verlassen. Die Gleichzeitigkeit der Bescheide für meinen Vater zum Armeedienst und seine Eltern für die Ausreise war vielleicht ein Zufall, vielleicht auch nicht. Als Familie konnten sie nicht mehr ausreisen. Vater wäre bestraft worden. Und hätten seine Eltern gewartet, wäre die Ausreiseerlaubnis erloschen. 1976 verließen meine Großeltern die Sowjetunion. Sie wussten nicht, ob sie ihren Sohn je wiedersehen würden. Gleichzeitig musste Vater in den Armeezug steigen. Im Mai 1976 stand er allein unter vielen anderen Einberufenen und ihren Familien am Gleis eines kleinen Bahnhofs und hoffte. Er hatte sich zwar schon am Abend zuvor von meiner Mutter verabschiedet, aber der Wunsch, sie noch einmal zu sehen, wühlte ihn auf. »Ich spürte, dass es wichtig ist, dass es etwas bedeutet«, erzählte er mir in einer unseren vielen Diskussionen über den Zivildienst. Meine Eltern hatten sich ein halbes Jahr zuvor auf einer Russlanddeutschen-Hochzeit kennengelernt. Mutter kam und gab ihm einen Brief. »Ich habe mich erschrocken«, erzählte Vater, »ich dachte, sie will damit ein Ende setzen, aber sie hat mir den Brief gegeben und gesagt, sie wird auf mich warten. Ich wollte ihr noch unbedingt Blumen kaufen, aber es gab keine. Eine Frau, die aus einem anderen Zug gestiegen war, hielt einen Strauß Tulpen. Ich habe ihr Geld angeboten, aber sie wollte nichts. Sie gab mir eine Tulpe, und ich schenkte sie deiner Mutter.« Er hat ihr auch eine vergoldete Uhr geschenkt und den Zug mit drei Rubel in der Tasche bestiegen.

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Die Waggons rollten vier Tage und drei Nächte nach Westen. In Leningrad kletterten die Rekruten in Militärlastwagen, die nach Norden fuhren. Die Dörfer wurden seltener, die Wälder dichter, die Wege holpriger. Der Dienstort war die Grenze zu Finnland, Karelien. Das Militärlager bestand aus mehreren Zelten mit Doppelstockbetten, in der Mitte jedes Zeltes stand ein Ofen. Wenn der Heizer nachts einschlief, froren alle. »Manche machten sich in die Hosen. Das wärmt kurz«, erzählte mein Vater. »Im Winter mussten wir morgens die Fußlappen von den Stiefeln losreißen, an denen sie festgefroren waren. Wir schlugen sie und wärmten sie unter der Decke auf.« Zu essen gab es, aber es gab nie genug. »Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals satt war. Aber ich konnte angeln. Zuerst hatte ich keinen Köder, es dauerte, bis ich den ersten Barsch mit einem Käfer gefangen hatte. Dann habe ich ihm ein Auge rausgenommen und das als neuen Köder verwendet. Später lachte der Koch über die einäugigen Fische.« Eines Morgens brach er beim Anstehen zum Frühstück zusammen. Der Dienstarzt ließ ihn in das nächste Dorf fahren, von dort aus ging es mehrere Stunden lang nach Kirowsk. In der Stadt gab es eine Klinik und Fachärzte. Noch am selben Tag haben sie ihm den Bauch geöffnet und ein aufgeplatztes Geschwür entfernt. »Ich wollte so sehr trinken, als ich nach der Operation aufwachte. Aber sie gaben mir nichts. Eine Schwester tupfte mir nur die Lippen ab und warnte, dass ich ja nicht an dem Wattebausch saugen soll. Drei Tage durfte ich nichts essen und nichts trinken. Die Rippen taten weh, weil die Ärzte sie bei der Operation auseinandergedrückt hatten. Schmerzmittel wollten sie mir

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aber nicht geben. Ein Arzt sagte, jede Tablette, die hilft, schadet auch. Ich soll abwarten«, erzählte Vater. Tagelang konnte er auch kein Wasser lassen. »Eine alte Pflegerin hat mir dann geholfen. Mir standen die Tränen in den Augen, als sie verstand, was los war. Sie ging weg und kam mit einem warmen Lappen und einem Blecheimer voll Wasser. Sie legte mir den Lappen auf den Unterbauch, setzte sich neben das Bett, schöpfte Wasser mit einem Becher und ließ es in den Eimer tröpfeln. Keine Ahnung wie lange es gedauert hat, aber irgendwann legte ich los. Die Urinflasche war voll, die Frau hielt sie die ganze Zeit fest, ›lass laufen, mein Sohn, lass laufen‹, hat sie gesagt, ›sonst kommen die mit einem Katheter, aber das ist zu gefährlich, du bist ja noch jung‹.« Nach der Operation musste Vater zurück, konnte aber nicht mehr an den Übungen teilnehmen. Er verbrachte viel Zeit im Zelt, schrieb Briefe. Dutzende Frauen von Leningrad bis Wladiwostok bekamen sie zu lesen, unterzeichnet von anderen Soldaten, die selbst nicht in der Lage waren, Liebesbriefe zu verfassen. Die Kameraden wandelten seine Schreiben mit ukrainischem Akzent ab, setzten kirgisische Liebesschwüre darunter oder Abschiedsgrüße auf Kasachisch. So verdiente sich mein Vater etwas nebenbei, Zigaretten oder Geld. Nach zwei Monaten schickte ihn der Dienstarzt in ein Militärkrankenhaus in Leningrad. »›Ist sowieso nichts mehr mit dir anzufangen‹, hat er gesagt.« Sechs Wochen lang untersuchten sie ihn in der Klinik an der Newa, bevor sie ihm eine schlechte Prognose gaben. Danach schrieb er Mutter: »Anfang Februar haben sie mich am Magen operiert. Ich weiß nicht, wann ich rauskomme. Such’ dir einen anderen, einen Gesunden.« Ihre Antwort sei kurz gewesen: Er solle es ihr überlassen zu entscheiden, ob sie einen anderen wolle oder nicht.

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Als ich in Deutschland die Freiheit hatte, zwischen Armee und Zivildienst zu wählen, verstand mich mein Vater nicht. »Willst du Alte durch die Gegend schieben? In der Armee kannst du wenigstens einen Führerschein machen oder eine Ausbildung anfangen …« »Und auf wen soll ich schießen? Auf Murat? Auf Stepan aus meiner alten Klasse? Ihr wolltet, dass ich frei lebe, dann lass mich auch selbst entscheiden«, sagte ich. Ich bekam eine Zivildienststelle in Hannover. Mark studierte dort BWL. Ich pflegte den querschnittsgelähmten Biologen Joachim. Zwischen den Nachtschichtwochen hatte ich mehrere Tage frei. Mark und ich angelten auf Döbel und Barsche in der Leine, auf Hechte in den Ricklinger Teichen und fingen Karpfen im Kanal. Bei Joachim hatte ich wenig zu tun, in seiner Wohnung gab es für die Zivis ein Zimmer, in dem ich während meiner Schicht wartete, bis er mich rief. Die längste Zeit, die wir zusammen verbrachten, war morgens, etwa zwei Stunden, wenn ich ihm beim Abführen half, ihn duschte, ihn anzog und ihm Frühstücksbrote schmierte. Er konnte nur den Kopf, seine Arme und die Finger bewegen. Er steuerte damit seinen Rollstuhl, bediente seinen Computer und blätterte die Bücher selbstständig um. Am Abend ging er mit Bekannten ins Kino oder in die Oper. Ich wartete, bis er zurückkam und las Bücher, die ich aus dem Regal meiner Eltern genommen hatte. Den »Stillen Don« von Scholochow legte ich nach einigen Seiten wieder weg. Ich wusste nicht mehr, wie ich manche Wörter aussprechen, welche Silbe ich betonen musste. Einfacher ging es mit der russischen Übersetzung des amerikanischen Autors O. Henry. Vater hatte seine tragikomischen Erzählungen über das Leben im New York des 19. Jahrhunderts immer wieder gelesen, er lachte dabei und Mutter lachte darüber, dass Vater sich immer wieder über die-

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selben Geschichten amüsierte. Jedes Mal, wenn ich die orangefarbene sowjetische O. Henry-Ausgabe aufschlug, erinnerte ich mich an die Witze meiner Eltern in Balchasch, daran wie mein Vater das Buch aus dem Regal zieht, wie meine Mutter ihn fragt, ob er noch nicht alle Geschichten auswendig kenne und wie wir lachen. Nach meinem Zivildienst blieb ich in Hannover. Ich hatte einen Studienplatz und einen Job nach einem Praktikum in einer Werbeagentur. Zehn Jahre nach der Ankunft in Deutschland und zwei Jahre nach dem Ende der Beziehung mit Karina hatte ich endlich das Gefühl, mein Leben geordnet und im Griff zu haben. Karina hatte ich mit 18 kennengelernt. Einen Sommer lang begeisterte sie sich fürs Angeln und fotografierte meine Fänge. Wenn wir nachts im Zelt waren, hoffte ich, dass kein Fisch biss. Und wenn einer biss, kroch ich heraus, landete den Fisch, wusch meine Hände im Sommernachtswasser und kroch zu Karina zurück, wo unser Spiel weiterging. Das Leben war perfekt. Deutschland war perfekt. Nach einem Jahr fand Karina erst das Angeln und dann mich langweilig. Wenn ich allein am See war, schmerzte die Stille; jeder Atemzug brannte in meiner Brust. Zu Weihnachten in unserem zweiten Jahr hatte Karina vorgeschlagen, dass wir uns keine Geschenke für mehr als 20 DM machen. Über so etwas spricht man nicht, dachte ich. Nie hatten mein Vater und meine Mutter ein Geschenk danach ausgesucht, wie viel es kostete. Am Weihnachtstisch ihrer Eltern saß Karina regungslos da, als sie mein Goldmedaillon ausgepackt hatte. Karinas Mutter stand auf, ging in die Küche und rief sie zu sich. »Frauen«, sagte ihr Vater.

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Ich schnappte Gesprächsfetzen auf. »Hatte dir gesagt«, »Unsinn«, »lustig«, »mach es«, »wie lange noch« ... Es vergingen einige Minuten, die Kruste auf der Crème brûlée erkaltete. Als die beiden wiederkamen, sagte Karina: »Danke, es bedeutet mir viel.« Es war nicht das erste Weihnachten ohne Schnee in Deutschland. Ein warmer Südwest-Wind trug leichten Nieselregen, als ich mich von Karina verabschiedete. »Sehen wir uns morgen?«, fragte ich. »Ich ruf dich an«, sagte sie. Drei Wochen schwieg sie. Drei Wochen lang saß ich jeden Abend in unserer Küche, hatte die Tür geschlossen und rang mit mir, nicht zum Telefon zu greifen und sie anzurufen. Ich schämte mich, weil ich weinte; ich hasste mich dafür, dass ich es nicht aushielt und hasste sie dafür, dass sie nicht mit mir sprach. Die Stille war unerträglich. Sie war so quälend wie die Stille in den ersten Monaten in Deutschland, wenn dich niemand versteht und du niemanden verstehst. »Ich kein Deutsch«, hatte ich damals allen gesagt, die mich ansprachen. Nun verstand ich Karina nicht. Ende Januar radelte ich zu ihr, vorbei an den frostigen Wiesen, durch die 70er Jahre Ein-Familien-Haussiedlungen, in denen alles geordnet, ruhig und friedlich schien. Ich klingelte an der schweren Tür, Karina öffnete. Sie trug eine Sporthose, ihr Haar war zerzaust und sie suchte nach den richtigen Worten, um mich zu begrüßen. »Ich wollte dich anrufen, aber dann wollte ich direkt mit dir reden«, sagte ich. »Sind wir noch zusammen?« Sie bat mich hinein, ging in ihr Zimmer, kam umgezogen wieder und sagte, wir sollten spazieren gehen. »Entschuldige, dass ich mich nicht gemeldet hab«, sagte sie. »Wohin gehen wir?«

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B I O G R A P H I S C H E S


© Foto, privat

VIKTOR FUNK

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Viktor Funk ist 1978 in der Sowjetunion (Kasachstan) geboren. Er kam als Elfjähriger 1990 nach Deutschland. Hier wiederholte er eine Schulklasse, bevor er aufs Gymnasium wechselte. Nach der Schule in Wolfsburg, studierte er in Hannover Geschichte, Politik und Soziologie. Viktor Funk volontierte bei der Frankfurter Rundschau (2006-2008) und arbeitet dort heute als Politikredakteur mit Schwerpunkt Osteuropa. www.viktorfunk.de

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Aus dem Verlagsprogramm Frank Michael Wagner Das unreife Wankendes Schlüpferdiebs in der Wolfsschanze Roman ISBN: 978-3-95771-182-3 eISBN: 978-3-95771-183-0 Konrad und seine Freunde Halleluja, Ratte und Hutzel dürfen noch einmal mit ins Ferienlager in der CSSR. Doch die vier Kumpel zieht es die meiste Zeit in ein altes Gewölbe im Wald, das sie zur Wolfsschanze erklären. Dort spielen sie den Zweiten Weltkrieg nach, wobei sie die Rollen Hitlers, Himmlers, Goebbels und Rommels sorgfältig untereinander aufteilen. Aber je stärker ihr Spiel ausufert, desto schwerer lässt es sich vor den Betreuern verheimlichen. Und da sind auch noch die Mädchen im Lager, die mit einem anderen, verlockenderen Spiel für Aufmerksamkeit sorgen: dem Liebesspiel. Frank Michael Wagner wirft in seiner bitterbösen Satire einen zeitgeschichtlichen Blick auf die DDR in den frühen 1970er Jahren. Die Erwachsenen verhalten sich nicht gerade vorbildhaft sozialistisch, entpuppen sich als Opportunisten, um sich ihren eigenen Vorteil zu sichern. Das wirkt auch auf die Erziehung, die janusköpfige Gestalten hervorbringt: ebenso fleißig, pflichtbewusst und gebildet wie angepasst, ausnutzbar und latent fremdenfeindlich. Ein Roman über die eigenwillige Moral einer Gesellschaft, die sich nach Freiheit sehnt, aber die Freiheit nicht sehen kann.

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Maria Skiadaresi Venezia Roman Aus dem Griechischen von Brigitte Münch ISBN: 978-3-95771-128-1 eISBN: 978-3-95771-129-8 Am Morgen des 7. September 1943, wurde Franco Solerti tot am Strand von Péra Meriá zwischen den Tamarisken aufgefunden. In seinem nackten Rücken steckte die lange Klinge eines Messers – eines von denen, die zum Häuten von Schweinen benutzt werden. Je weiter die Ermittlungen fortschritten, desto undurchsichtiger wurde die Sache. Ein Fetzen Frauenunterwäsche sowie Spuren von Pumps im Sand wiesen darauf hin, dass Franco kurz vor seinem Tod mit einer Frau zusammen gewesen war. In den offenen, gläsernen Augen schimmerte noch so etwas wie Ekstase. Doch wer war im Stande das Leben eines Menschen im Augenblick der Liebe zu vernichten? Und warum? Maria Skiadaresi erzählt das außergewöhnliche Schicksal der aristokratischen Familie Daponte. Ihre bewegte Geschichte ist auch gleichzeitig die der Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Freiheit gegen Besatzer, Verrat und Krieg erkämpfen mussten.

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Heny Ruttkay Somerset Maughams Traum Roman ISBN: 978-3-95771-180-9 eISBN: 978-3-95771-181-6 Anfang der 1960er Jahre in Côte d’Azur. Der Schriftsteller und früherer Geheimdienstagent William Somerset Maugham schreibt an seiner Autobiografie »Looking Back« und wird von Erinnerungen an seinen verstorbenen Bruder Henry geplagt. Um Henry, den »Versager und homosexuellen Selbstmörder« zu rehabilitieren und posthum zum Ruhm zu verhelfen, beschließt er das Schicksal seines Bruders nach so langer Zeit zu klären. Er engagiert Madame Dewaere von der gleichnamigen populäre Privatdetektei an, um nachzuweisen, dass der Selbstmord Henry Maughams in Wirklichkeit ein Mord war. Doch sie deckt eine eingefädelte Verschwörung auf, über verletze Gefühle und ruinierten Ruf. Heny Ruttkay hat einen vielschichtigen und berührenden Kriminalroman über den größten englischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts geschrieben. Sie lässt William Somerset Maugham als greisen Mann auftreten, und so gar nicht wie den kalten Zyniker erscheinen, als der er gemeinhin gilt. Im Mittelpunkt ihrer Geschichte steht die Akzeptanz von Schwulen, die selbst in so modernen Gesellschaften wie Englands oder Frankreichs schwer zu leiden hatten. Politische und gesellschaftliche Umstürze der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beleuchten Europas wegweisende Geschichte. Eine Zeit, in der die Partys noch Stil hatten und der Kalte Krieg jederzeit heiß werden konnte.

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Mohamed Leftah Der letzte Kampf des Kapitän Ni’mat Roman Aus dem Französischem von Laura Viktoria Skipis ISBN: 978-3-95771-188-5 eISBN: 978-3-95771-189-2 Ni’mat hatte schon immer fortschrittliche Ansichten: Er studierte Literatur, befürwortete marxistische Ideen und kämpfte für die Gleichstellung der Frau in der arabischen Welt. In der Nasser-Ära kämpfte er sogar als Pilot. Zuerst gegen religiösen Kräfte, dann gegen Israel. Er schied früh aus dem Militärdienst, heiratete und verbrachte seit dem eine scheinbar glückliche Ehe im Kairos Nobelviertel Maadi. Dreißig Jahre danach wird Ni´mat immer noch von einem Gefühl der Machtlosigkeit und des Versagens übermannt. Gemeinsam mit seinen ehemaligen Mitstreitern aus der Armeezeit, besucht er täglich das exklusivste Schwimmclub für reiche, aber gelangweilte Rentner. Und dann passiert das Unmögliche. Er verliebt sich in seinen Diener. Ein innerer Kampf beginnt, der Ni´mats letzter Kampf werden soll. Der populäre Französisch-Marokkanischer Schriftsteller Mohamet Leftah, der 2008 in Kairo verstarb, liefert einen Roman, der bis heute in Marokko nicht erscheinen darf. Denn der Inhalt ist ein Plädoyer für das Recht auf Freiheit, für das Recht auf Meinungsfreiheit, für das Recht auf Liebe. Rechte, die auch von radikal-islamischen Kräften eines patriarchalischen Systems beansprucht werden: moralische Wertstäbe festlegen und jegliche Form von Individualität brutal unterdrücken. Mohamet Leftah hat auf Französisch geschrieben und in Frankreich veröffentlicht. Dies ist die erste Übersetzung eines Werkes in Deutscher Sprache. Ein aktuelles Thema über Toleranz und gesellschaftliche Moral.

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Yiannis Xanthoulis Der Weihnachtstango Roman Eine Liebe in der Zeiten der Junta Aus dem Griechischen von Brigitte Münch ISBN: 978-3-95771-190-8 eISBN: 978-3-95771-191-5 Im Jahr 1970, in der finsteren Zeit der Junta in Griechenland, verliebt sich Oberleutnant Stefanos Karamanidis in die Ehefrau des Oberst. Die einzige Möglichkeit, sich ihr zu nähern, besteht auf einer Weihnachtsfeier in der Kaserne, zu der auch die Gattinnen der Offiziere geladen sind. Karamanidis will die Chance nutzen und sie zum Tanz auffordern, doch er hat nie tanzen gelernt. In seiner Verzweiflung befiehlt er seinem Untergebenen Soldaten Lazaros, es ihm in geheimen Nachtstunden beizubringen. Lazaros, der wegen seine linksorientiere Gedanken in gefährlichen Zeiten lebt, nimmt ungern das Angebot an. Mit verehrenden Folgen. Er verliebt sich, ausgerechnet in den Oberleutnant. Yiannis Xanthoulis ist der bedeutendste Zeitgenössischer Schriftsteller Griechenlands und wird zum ersten Mal in der deutsche Sprache übersetzt. Der Roman sorgte schon bei seiner Veröffentlichung für heftiger Diskussion, denn er thematisiert das mächtige Militär-Apparat Griechenlands und hinterfragt deren Bedeutung. Die Verbindung der Geschichte mit Homoerotik in einer Macho-dominierten Welt brachte gesellschaftliche Tabufragen auf. Der Weihnachtstango wurde erfolgreich verfilmt.

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Gaye Boralıoğlu Die Frauen von Istanbul Erzählungen einer unbekannten Gesellschaft Aus dem Türkischen von Wolfgang Riemann und Monika Carbe ISBN: 978-3-95771-108-3 eISBN: 978-3-95771-109-0 Istanbul – Zentrum für Handel, Finanzen, Medien und Kultur. Doch zwischen Hochhäusern und Moscheen, zwischen Europa und Asien, zwischen Moderne und Tradition, pocht das Herz einer patriarchalischen Gesellschaft, in der die Frauen tagtäglich ihren Platz finden müssen. Die Köchin übernimmt Verantwortung, um den besten Reis zu servieren, und die Schneiderin träumt beim Nähen gefährlich vor sich hin. Die Demonstrantin kämpft gegen das Establishment und die Toilettenfrau überwindet ihre Tätigkeit mit Kinobildern im Kopf. Die Tante entpuppt sich als Mörderin ihres Ehemannes und die Verkäuferin behauptet plötzlich, lesbisch zu sein. Die Frauen von Istanbul leben mit Träumen, Wünschen und Lügen, mitten in einem gefährlichen politischen System. Mit schwarzen Wimpern, großen Mandelaugen und gemalten Lippen lernen sie, außerordentlich erfinderisch zu sein. Um zu überleben. Ein Prozess, der seinen Preis hat. Bis in den Tod hinein. Gaye Boralıoğlu, eine der bekanntesten und erfolgreichsten türkischen Autorinnen der Gegenwartsliteratur, hebt den Schleier der islamisch-konservativen Herrschaft und erlaubt uns einen Blick in eine unbekannte Gesellschaft. In ihren Erzählungen erheben sich Frauencharaktere zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und den kulturellen Normen und Gesetzen ihres Landes. Geschichten, die Mut und Vertrauen aufbauen, und Geschichten, die Trauer und Wut auslösen. Geschichten einer Stadt mit ihren Frauen als Protagonisten. Frauen, die leben, lieben, sterben und sich stets nach ihren Rechten sehnen.

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Thomas Pregel Der ertrunkene See Roman ISBN: 978-3-95771-059-8 eISBN: 978-3-95771-060-4 Das Bucheichental ist eine idyllische, von einem gemächlich fließenden Fluss durchzogene Gegend, abgelegen und zutiefst rückständig. Es liegt inmitten grünbewaldeter Berge, wo die Natur ursprünglich ist und das Leben manchmal hart. Nur wenige Familien - Bauern und Hirten - leben dort als Selbstversorger seit Generationen. Doch jetzt kehren plötzlich die Fischerskinder, die bereits in der »zivilisierten«, hektischen Welt Wurzeln geschlagen haben, heim, und sie bringen schlechte Nachrichten: Den Bewohnern droht die Umsiedelung, das gesamte Tal soll in einem riesigen Stausee versenkt werden. Für die Bucheichentaler kommt das Aufgeben ihrer Heimat nicht infrage. Sie mobilisieren sich, protestieren, nehmen den Kampf auf gegen das Bauprojekt, finden unerwartete Verbündete und spielen auf Zeit, glauben an die Gerechtigkeit und appellieren an den Verstand der Mitmenschen. Doch auch die Baubefürworter sind auf den zähen Widerstand vorbereitet. So kommt es zum letzten Gefecht: ein Kampf Davids gegen Goliath. Kandidat für den Hotlist-Preis 2015 »Was Pregel aus dieser Ausgangssituation erzählertechnisch macht ist grandios.« Roberto Manteufel / Siegessäule »Wunderschön und gleichzeitig ernüchternd geschrieben. Was braucht der Mensch zum Glücklichsein? Empfohlen.« Christin Moll Lektoratsdiensten - EKZ Bibliotheksservice

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Peter Nathschläger Der Sturmgondoliere Roman ISBN: 978-3-95771-085-7 eISBN: 978-3-95771-086-4 An einem heißen Sommertag verliebte sich Julia in Paolo Meduccini, genau an dem Tag, an dem auch der fremde Lucian in Paolos Leben trat. Eine Begegnung mit verheerenden Folgen. Der Sommer 1979 in der Toskana sollte der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Ein Sommer, angefüllt mit Träumen, Ölbildern, Geheimnissen, Lügen und der Legende vom Sturmgondoliere, der mit Blitz und Donner gesegelt kommt und die Menschen das Fürchten lehrt. Zehn Jahre später, unter einem ähnlichen Gewitterhimmel, wird Paolo Meduccini in eine Katastrophe und ein Wunder gleichermaßen verwickelt: Als Einziger überlebt er den Absturz eines Flugzeugs beim Landeanflug auf Wien. Aber ist er es wirklich? Oder versucht ein Hochstapler seine Fäden zu ziehen? Peter Nathschläger webt ein Flächenbild um eine zutiefst menschliche Geschichte über die Sünden der Eltern. Das Ergebnis ist dieser höchst stoffliche Roman mit toskanischen Bildern, gewitterhaltigem Himmel und hoffnungsstrahlenden Gedanken. Ein Abbild des Lebens selbst. Das erträumte, das versäumte, das erduldete.

»Eine anspruchsvolle, spannend erzählte Geschichte, die in jeder größeren Bibliothek ihre Leser finden und somit gerne empfohlen wird.« David Cappel Lektoratsdiensten - EKZ Bibliotheksservice

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Mein Leben in Deutschland begann mit einem Stück Bienenstich  

Viktor Funk behandelt in seinem Debütroman Identitätskrisen junger Menschen mit Migrationshinter-grund. Mit den großen Fragen »Wo gehöre ich...

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