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Liebe und andere Schmerzen

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| Reihe: Q


Die Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet dieses Buch in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Erste Auflage 2013 © Größenwahn Verlag Frankfurt am Main Sewastos Sampsounis, Frankfurt 2013 www.groessenwahn-verlag.de Alle Rechte vorbehalten. ISBN: 978-3-942223-23-2

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Jannis Plastargias (Hrsg.)

Liebe und andere Schmerzen 16 Herzschl채ge

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IMPRESSUM

Liebe und andere Schmerzen Reihe: Q Herausgeber Jannis Plastargias Seitengestaltung Größenwahn Verlag Frankfurt am Main Schriften Constantia und Lucida Calligraphy Covergestaltung www.hasenstein-DESIGN.eu Coverbild Marti O´Sigma: ›Flyer Nr. 45‹ Lektorat Ramona Gielau, August-Paul Sonnemann Druck und Bindung Print Group Sp. z. o. o. Szczecin (Stettin) Größenwahn Verlag Frankfurt am Main Juni 2013 ISBN: 978-3-942223-23-2

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I N H A L T 7

VORWORT

Jannis Plastargias

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FLIEGEN LERNEN SCHULE DER APHRODITE ICH WEISS ES NICHT LOTTE MONOGAM WÜNSCH DIR WAS LEERE TÜREN BLAUBARTS ERLÖSUNG BLACK-EYED ROTE LIEBE DAMPFBADLOTTERIE EINMAL IST KEINMAL LETZTE LIEBE VERSPROCHEN IST VERSPROCHEN BIS ANS ENDE UNSERER TAGE LIEBE UND ANDERE SCHMERZEN

Katrin Kolk Brigitte Münch Jannis Plastargias E.M. Jungmann Carsten Kubicki Sandra Mehlstäubl Peter Nathschläger Albin Spreng Jana Walther Carsten Nagels Thomas Pregel Elsa Rieger Brigitte Münch Jannis Plastargias Jan Büssers Levend Seyhan

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BIOGRAPHISCHES

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Diese Anthologie ist all jenen gewidmet, die lieben – egal welche Hindernisse sich ihnen in den Weg stellen, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Phänotyp. Liebe ist Liebe – überall auf der Welt. Sie ist das wichtigste in unserem Leben.

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VORWORT

A

m liebsten treffen wir uns in der Frankfurter Bahnhofsgegend, so merkwürdig es sich anhört. Wir mögen das Flair in diesen Kneipen, die immer etwas zwielichtig wirken, in denen man jedoch viele verschiedene Menschen jeder Nationalität, Schichtzugehörigkeit und Altersgruppe kennen lernt. Dieses Mal haben wir uns die Terminus-Klause ausgesucht: Wir sitzen an der Bar, trinken unser Bier, rauchen unsere Zigaretten – ja, das ist hier gestattet. Es sieht ›urdeutsch‹ aus mit den an die Wände gemalten Bauernszenen, den Holzvertäfelungen, der altmodischen Theke und dem einfachen Holzmobiliar. Schaut man die beiden Herren an, die das Lokal führen, erkennt man schnell ihre nicht-deutsche Herkunft, doch wenn man sie beim Reden nicht anguckt, könnte man annehmen, dass sie gebürtige Frankfurter sind – und nicht in der Türkei geboren wurden. Max führte uns das erste Mal hierher, weil er ganz angetan von der Klientel in der Terminus-Klause war, nicht diese Snobs und PseudoHipster, meinte er, auf die man so häufig in der Mainmetropole trifft, eher Menschen, die etwas anders ticken, die nach rechts und links blicken, und für die nicht das Geld und die Karriere das Wichtigste im Leben sind, die noch Ideale haben und dafür eintreten, sagte er. Und manche davon seien verdammt hübsch, fügte er schmunzelnd hinzu. »Was ist denn für dich queer?«, fragt er mich, als ich ihm von meinem neuen Projekt erzähle, einer Anthologie ›queerer‹ Liebesgeschichten. »Queer ist für mich ein Wort, das Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen, bezeichnet – ganz einfach«, erwidere ich achselzuckend und nippe an meinem Pils. »Der Begriff stammt ja aus den Vereinigten Staaten. Zuerst hieß alles ›gay‹, dann ›gay and lesbian‹, später ›LesBiGay‹. Und dann fragten manche: Was ist eigentlich mit den Transgender-Leuten? Was ist mit den

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Intersexuellen? Immer mehr Gruppen wollten mit einbezogen werden. Asexuelle, BDSM, Heterosexuelle, die der Polyamorie frönen, also mit mehreren Menschen gleichzeitig (sexuelle) Beziehungen führen«, erklärt mir Max nun, der sich offensichtlich noch gründlicher als ich mit der Thematik befasst hat. Er schaut mich nun interessiert an. »Deckst du mit deiner Anthologie die ganze Bandbreite ab?« Er zwinkert ironisch. »Sicher nicht. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es sind einige überraschende Geschichten mit interessanten Wendungen dabei. Die Figuren sind so vielfältig wie die Menschen im Bahnhofsviertel, führen teilweise ungewöhnliche Beziehungen, erleben spannende Dinge.« Während ich erzähle, erinnere ich mich an die Geschichten und freue mich sehr, dass ich aus ihnen ein Buch gestalten darf. »Kannst du mir Beispiele geben?«, fragt er schelmisch. »Gerne«, rufe ich begeistert, »doch ich darf noch nicht! Die Verträge mit den Autoren laufen gerade …«, füge ich hinzu. Er nimmt einen großen Schluck Bier, schaut mich dann listig an, und sagt: »Ach, komm! Wir sind doch unter uns … sei etwas ›queer‹, das heißt ja auch ›stören‹, ›etwas kommt in die Quere‹. Nur was ist das bei deinen Geschichten?« »Gerade kommst nur du mir in die Quere«, erwidere ich lachend. Ich berichte ihm von dem alten Morgán, der mir besonders ans Herz gewachsen ist, von dessen vermutlich letzter Liebe, von der ersten Liebe Olgas, die sie gar nicht fassen kann, von einem jungen sensiblen Mann namens Lennart, der sich nicht traut, seine Angebetete anzusprechen und sich Hilfe von weisen Männern ersucht, von zwei Typen, die sich vor dem nahenden Weltuntergang nochmals lieben, von einer Fee, die zwei Frauen zusammen führt, und – jetzt schaue ich ihn mit einem tiefen Blick an – »Deine Geschichte werde ich ebenfalls erzählen!« Er muss schlucken, eine Träne sehe ich in seinen Augen, er zuckt die Schultern, sagt, dass er diese gerne vor der Veröffentlichung lesen möch-

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te. Ich nicke. Wir bleiben eine Weile ruhig, verweilen in unseren eigenen Gedanken. Dann möchte er noch etwas wissen: »Was macht denn diese Anthologie so besonders, ich meine, außer dass meine Geschichte darin erzählt wird?« Da muss ich nicht lange überlegen. Nicht nur die Geschichten sind besonders, sondern auch die Autorinnen und Autoren, die sich beteiligt haben. »Weißt du, Max, in dieser Anthologie treffen Schreiberlinge aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Es treffen absolute Newcomer auf alte Hasen. Manche haben schon Texte im Größenwahn Verlag veröffentlicht oder werden es demnächst, andere haben mehrere Verlage, für manche ist es die allererste Veröffentlichung. Sie kommen alle aus unterschiedlichen Welten, wohnen in ganz Deutschland verteilt, aber auch in Österreich und in Griechenland. Es sind Autorinnen und Autoren verschiedener Religion, mit Migrationshintergrund oder ohne und mit unterschiedlicher sexueller Orientierung. Sie gehören einer großen Bandbreite von Berufssparten an, schreiben in anderen Genres: Gedichte, Aphorismen, Fantasy, Science-Fiction, magischer Realismus, Krimi ... Sie sind so vielfältig wie die Personen in ihren Geschichten.« Ihm gefällt, was ich sage und er verspricht mir, mich bei meinem Vorhaben zu unterstützen, Werbung zu machen, es seinen Freundinnen und Freunden zu schenken, und was man eben so als Kumpel eines Schriftstellers und Herausgebers von Anthologien verspricht. Um sicher zu gehen, dass er es wirklich macht, gebe ich ihm lieber noch ein Bier aus, und dann lasse ich ihn von seinen Projekten erzählen, die für mich mindestens genauso spannend sind. Jannis Plastargias Frankfurt am Main, im Januar 2013

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Katrin Kolk FLIEGEN LERNEN

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lga will fliegen. Vor ihren Füßen gähnt ein Abgrund, eine schroffe, steile Felswand. Sehnsüchtig blickt sie hinab, auf die saftig grünen Wiesen und Büsche und Bäume weit unten im Tal. Sie stellt sich vor, den Schritt nach vorne zu wagen, zu fallen, immer tiefer, immer weiter, dem Grün entgegen, ohne je wieder landen zu müssen. Allem zu entgleiten. Doch sie tut es nicht. Schuldbewusst denkt sie an alle, die sie im Falle eines Sprunges zurücklassen würde: Ihre Eltern, ihre lieben, immer um sie besorgten, sich für sie und ihre Brüder abarbeitenden Eltern. Ihre beiden jüngeren Geschwister Nikolai und Leo, oft laut und lästig, aber doch liebenswürdig. Ihre Großmutter, die ihrer Enkeltochter dringend bedarf, sei es für Einkäufe, sei es für Hausarbeit, sei es für schlichtes Dasein und Zuhören, wenn sonst niemand mehr die Zeit dafür aufbringt. Ihre Freundinnen, mit denen sie zusammen für die Abiturprüfungen lernt. Und schließlich: Die Gemeinde, Pfarrer Ewald, der Selbstlosigkeit und Nächstenliebe predigt – wäre es nicht schrecklich selbstsüchtig, den Schritt über die Kante zu tun und alle, alles zurückzulassen? Und schließlich David, ein wahrer Segen für Olga und vielleicht ihr späterer Ehemann, so Gott will. Während sich Olga im Geist diese ihr so wichtigen Menschen alle nacheinander ins Gedächtnis ruft, sich an die schönen Momente erinnert, die sie mit ihnen verbracht hat, wird ihr das fürchterliche Ausmaß ihres Wunsches bewusst und sie weicht entsetzt, entsetzt über sich selbst und ihre Schlechtigkeit und ihren Egoismus, zurück von der steinernen Kante. Verwirrt sucht sie unter den dunklen Tannen Unterschlupf, bemerkt nicht die kratzigen Nadeln, die ihre Schulter streifen und auch nicht das klebrige Harz an ihren Händen, als sie sich zitternd an einen Baumstamm lehnt.

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Ein Dämon hat von ihr Besitz ergriffen, dessen ist sich Olga sicher. Ein böser, abartiger Dämon, der sie von David trennen will, der sie von ihren Eltern, ihrer Familie, von der Gemeinde entfremden und sie zu sich zerren will in eine andere, fremde, gottlose und perverse Welt. Ein Dämon in Gestalt eines wunderschönen Mädchens mit ebenso bezaubernden langen, hellblonden Haaren. Olga schaudert, als sie an diese Haare denkt, die sie heute Morgen in der großen Pause auf dem Schulhof schon wieder wie zufällig streiften. Anna drehte sich um und lächelte ihr entschuldigend zu. Olgas Wangen begannen zu glühen, zumindest fühlte sie, wie die Hitze in ihr aufstieg und wandte sich schnell ab. Stunden später fängt ihr Herz immer noch an zu rasen, wenn sie an die flüchtige Berührung denkt. Sie weiß nichts mit sich anzufangen, denkt nur noch an Anna: an ihre blassblauen Augen, an die Grübchen in ihren Wangen wenn sie lächelt, an ihre geschwungenen, vollen Lippen. Sie denkt an die zarten Rundungen an gewissen Körperstellen, die Olga mehr als alles andere verwirren und bis in ihre Träume hinein verfolgen, von denen sie schweißüberströmt, schuldbewusst und mit sehnsuchtsvollem Ziehen im Magen erwacht. Sie versucht den Gedanken an Anna zu verdrängen, schiebt ihn gewaltsam zurück und ruft sich selbst zur Ordnung. Dann marschiert sie mit schnellem Schritt durch das kurze Stück Wald, das den felsigen Rückzugsort von ihrem Heimatdorf trennt. Das Gemeindezentrum der Landmission zu Waldstein ist aus einem ehemaligen Bauernhof entstanden und die Versammlungshalle befindet sich in der früheren Scheune, die der heraneilenden Olga schon von weitem einladend entgegenstrahlt. Sie öffnet das nur angelehnte Gartentürchen des weiß getünchten hölzernen Zaunes, der das Gemeindezentrum von der Straße abgrenzt und läuft über den mit kleinen Kieselsteinen ausgelegten Weg zur Versammlungshalle. Die Steine knirschen unter ihren Schuhen. Die Tore der alten Scheune, welche erst letztes Jahr von den Gemeindemitgliedern in sattem Zinnoberrot angestrichen worden ist, sind geöffnet und Olga kann Pfarrer Ewald erkennen, der am Eingang steht und die herankommenden Gemeindemitglieder begrüßt. Sie wird

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schneller, rennt fast, und steuert nun auf den Pfarrer zu, den sie hier alle bei seinem Vornamen, Ewald, nennen – so wie er es ihnen gesagt hat. »Olga, meine Tochter, schön dass du da bist«, sagt Ewald und lächelt sie wohlwollend an. Olga begegnet seinem milden Blick mit einem Gefühl von Dankbarkeit. Sie lächelt zurück, grüßt kurz und hastet ins Innere der Scheune. Stuhlreihen sind vor einer kleinen Bühne aufgestellt, die meisten gefüllt mit plappernden, lachenden, gut gelaunten Menschen. Olga wirft einen suchenden Blick über die Menge hinweg, während sie geistesabwesend die Begrüßungen erwidert, die ihr von hier und da entgegengebracht werden, und entdeckt schnell die vertrauten Silhouetten ihrer Familie in einer der vorderen Reihen. Ein Platz ist leer. »Kind, wo hast du gesteckt? Bist du wieder im Wald gewesen?« Olga bejaht, ihre Mutter schüttelt besorgt den Kopf. Für ein junges Mädchen sei der Wald kein Ort, es sei zu gefährlich, man wisse nicht, wer dort alles herumstreife. Olga nickt gehorsam. Ihre Mutter verstummt, Ewald hat die Türen geschlossen und schreitet feierlich Richtung Rednerpult. Das Tuscheln und Lachen verstummt, als der Pfarrer sich hinter sein Pult stellt und den Freitagabendgottesdienst einleitet. Er predigt über die zehn Gebote, über die Notwendigkeit, die Anweisungen Gottes zu befolgen, komme was wolle. »Nur dann werdet ihr errettet!« Mit ineinander verkrampften Fingern denkt Olga an die Verfehlungen, die sie bereits begangen hat. Seit Wochen widersetzt sie sich dem – wenn auch nicht absolut ausgesprochenen – Verbot ihrer Mutter, im Wald alleine spazieren zu gehen. Sie ist ungehorsam. Und das schlimmste – sie begehrt, wo sie nicht begehren darf. »Achtet die Gebote, so werdet ihr das Reich Gottes erben«, ruft Ewald der Gemeinde zu, Schweißperlen der Anstrengung auf der Stirn, und schließt die Predigt mit einem Gebet ab. »Amen« schallt es ihm aus fünfzig eifrigen Mündern entgegen. Olgas »Amen« übertrifft an Lautstärke das ihrer Familie. Vater und Mutter werfen ihr erstaunte, anerkennende Blicke zu. Davon abgesehen sind sie damit beschäftigt, den quirligen, fünfjährigen Leo und seinen pubertierenden älteren Bruder Niko unter Kontrolle zu halten. Olga, am äußers-

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ten Rand sitzend, ist für heute dieser Aufgabe entbunden, was sie fast bereut, denn das im Zaum halten der beiden Rabauken hätte sie wenigstens ein wenig von ihren düsteren Gedanken abgelenkt. Stattdessen hält sie nun Ausschau nach David, ihrem Sandkastenfreund David, der sie seit neuestem immer mit diesen schmachtenden, verträumten Augen ansieht und immer neue Gründe ersinnt, sich mit ihr zu treffen, sie anzurufen, ihr wie zufällig auf der Straße zu begegnen. Niko feixt deswegen ohne Unterlass, während Vater und Mutter wissende Blicke untereinander austauschen und seine Gläubigkeit, seinen Fleiß und die gepflegten Manieren ausgiebig loben, wenn die Familie abends gemeinsam am Tisch sitzt. Mittlerweile hat selbst Olga verstanden, was David von oder mit ihr möchte. Sie reckt den Hals und blickt über die Köpfe ihrer Eltern hinweg durch die Halle – da, weiter hinten auf der anderen Seite erkennt sie ihn und sieht, dass er ebenfalls nach ihr Ausschau hält. Sie treffen sich draußen vor dem Eingang, er umarmt sie schüchtern, zartes Rot zeichnet sich auf seinen Wangen ab. Er habe sie vermisst, sagt er, seine Augen suchen die ihren. Sie erwidert den Blick, lächelt ihn an und erklärt nun ihrerseits, dass sie ihn ebenfalls vermisst habe, was nicht ganz den Tatsachen entspricht, was aber in einer solchen Situation einfach gesagt werden muss, glaubt Olga. David, durch dieses Bekenntnis ermutigt, nimmt ihre Hand in seine und fragt sie nach ihren weiteren Plänen für den Abend und für das nun eingeläutete Wochenende, ohne den Blick von ihr zu nehmen. »Nicht viel«, gibt sie zu, und das Aufglimmen von Hoffnung, gepaart mit fast ungeduldiger Spannung, ist sofort in Davids braunen Augen zu erkennen. Er möchte sie treffen, nur sie ganz alleine, an einem ungestörten Ort. Sie fackelt nicht lange, lässt sich nur zu gerne überreden zu einem romantischen Spaziergang an der Breg, die hinter dem Gemeindehaus der Landmission plätschernd vorüberfließt, und an deren lauschigen Uferbuchten schon viele Paare ihre Zweisamkeit ausgiebig genossen haben – so geht zumindest das Gerücht. Nur David kann sie aus ihrem Gefühlschaos herausholen, nur mit ihm kann sie wieder in die richtige Bahn gelangen, sie sieht sich schon Hand in Hand, Arm in Arm mit ihm durch die Straßen von Wald-

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stein laufen, sieht die bewundernden Augen ihrer Freundinnen auf sich ruhen, die zufriedenen, beruhigten Blicke ihrer Eltern angesichts dieses perfekten Schwiegersohnes. Alles wird gut, wenn ich mit David zusammenkomme, sagt sie sich und nimmt sein Angebot, sie morgen Abend um 18 Uhr abzuholen, l채chelnd an. ... WEITERLESEN IM BUCH

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Jannis Plastargias ICH WEISS ES NICHT

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s hätte keinen Unterschied gemacht, dachte ich. Mittlerweile hatte es zu nieseln begonnen, warme Tropfen rieselten auf mein Gesicht und vermischten sich mit meinen Tränen. Ich kniete vor dem offenen Grab, bereit mich hineinzuwerfen, als könnte ich ihn damit zurückholen. Die anderen Trauergäste hatten den Weg zur Gastwirtschaft angetreten, während ich noch immer um Fassung rang. Nein, es hätte keinen Unterschied gemacht. Es ist, wie es ist. Die Sehnsucht wird mich umbringen. Der Tod verstärkt jedes Gefühl, auch die Sehnsucht, die mich bereits die letzten Jahre zermürbt hatte. Was hätte ich anders machen können? Ich, Max, war nicht wie die anderen, mochte es auch nicht sein. Ich gehörte zu diesen Menschen, die sich nie festlegen wollten, die Regeln als etwas ansahen, das man brechen musste, und sonst keinen Sinn darin erkennen konnten. Doch da ... da passierte mir etwas, das nicht sein durfte, das ich nicht zulassen konnte ... Wir sitzen auf einer kleinen steinernen Pyramide, die vor dem neuen schicken Einkaufszentrum in der Karlsruher Oststadt steht. Die Sonne brennt auf uns nieder, mir laufen die Schweißtropfen die Stirn hinunter in die Augen, es juckt mich leicht. Wir lecken an unserem Eis. Wie immer, wenn wir uns alleine treffen, reden wir nur das Nötigste. Für Außenstehende müssen wir ein ungewöhnliches Bild abgeben. Ein schmächtiger Dreizehnjähriger mit blonden, kurzen Haaren, blauen Augen und süßer Stupsnase und ein muskulöser Mittzwanziger mit langen, braunen Haaren, haselnussbraunen Augen und großer Nase. Ich war glücklich darüber, dass ich in einer anderen Stadt lebte, in der Großstadt, wenn man Frankfurt so nennen konnte. Ich hatte die alte als miefig und eng erlebt. Alles war neu und aufregend für mich, eine völlig

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andere Welt. Ich konnte frei atmen. So sein, wie ich war, zumindest wie ich dachte zu sein. Konzerte, Theater, Museen und Galerien, Ausstellungseröffnungen, Lesungen, Subkulturen – sie waren mein neues Leben. Ich setze mich erschöpft auf die Treppenstufen vor dem Erlebnisbad, zu früh hatte ich aufstehen müssen, um an diesem Ausflug als Betreuungsperson teilzunehmen. Sonst fange ich immer kurz vor halb eins an, im Schülercafé, als Honorarkraft. Meine Schüler sind alle bereits geduscht, angezogen und geföhnt. Sie stehen abfahrbereit vor dem Eingang. Doch sie müssen auf die Mädels warten. Der Junge setzt sich auf meinen Schoß, lehnt den Kopf an meine Schulter und schließt die Augen. Ich streichele zärtlich den Rücken des Kleinen, er ist nun 14 Jahre alt, doch nach wie vor sehr klein gewachsen, sehr kindlich. Es ist merkwürdig so zu sitzen, mit einem Schüler, der zwar nicht das eigene Kind ist, aber sich so ähnlich anfühlt und sich so benimmt. Die Jungs fehlten mir gelegentlich. Zu manchen hatte ich eine enge Bindung aufgebaut. Mein neues Leben gab mir so viel, dass ich alles andere ausblendete. Und doch ein kleiner Stachel blieb, wenn ich an meine Vergangenheit zurückdachte. Ein Kontakt, der abgebrochen war, der mir so vieles hatte geben können. Vieles, was andere Menschen nicht nachvollziehen konnten, in seiner ursprünglichen Reinheit ... Der Junge wird von der Kollegin scherzend gefragt, ob er mich lieb habe. Ganz selbstverständlich sagt Marcin: »Ja«. Er schaut mich dabei an. Ich lache und zwinkere ihm zu. Marcin schmiegt sich an mich. Ich frage mich die ersten Wochen, ob es vertretbar ist, so mit einem »Klienten« umzugehen, doch die erfahrenere Kollegin unterstützt mich, meint, dass alles in Ordnung sei, solange es von ihm komme – wenn er es brauche und ich bereit sei, es ihm zu geben. Also ließ ich diese Nähe zu dem Jungen zu, zweifelnd und doch erfreut, manchmal denke ich zu erfreut. Ich hatte mit Marcin noch lange nach meiner Arbeit im Schülercafé Kontakt, doch dieser brach eines Tages ab, als meine Kurzmitteilungen

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nicht mehr ihr Ziel fanden. Ich konnte den Jungen nie vergessen, dachte an ihn wie an einen verlorenen Sohn: Wie es ihm wohl gehe, was er in der Schule mache, welche Ausbildung er beginne, ob er glücklich sei. Dies alles wollte ich unbedingt wissen, doch ich hatte keine Möglichkeit, es zu erfahren. Wir sitzen gemeinsam im großen Kino, unser erster Film ohne andere Schüler neben uns, er ist mittlerweile 15. Vor der Vorstellung kauften wir uns im Supermarkt Süßigkeiten und Getränke und schmuggeln sie verschwörerisch ins Kino. Wir schauen uns »Troja« an. Wir sind gemeinsam in einer Welt versunken, in einer Welt der starken, kriegerischen Männer und der Männerbündnisse. Marcin lehnt seinen kleinen Kopf an meine Schulter, es fühlt sich warm an. Ich zweifele kurz an der unschuldigen Geste – beiderseits. Doch ich versuche es zu verdrängen. Er überlässt mich meinen Gedanken, ebenso versunken in den Film. Nur einmal sagt er etwas, oder ruft es vielmehr aus: »Du bist für mich Achilles!« Je mehr Zeit verging, desto häufiger dachte ich voller Sehnsucht an Marcin, als fehlte mir etwas ganz Wichtiges im Leben. Es war wie eine Sehnsucht, die nicht gestillt wurde, die allerdings namenlos für mich blieb. Viel zu oft ertappte ich mich bei Träumen an ihn, an Fantasien, ihn zu mir zu nehmen, mit ihm zusammenzuleben. Ich wusste allerdings, dass das nicht ging, dass es nicht sein durfte, dass ich mich lächerlich machte, dass er doch sicherlich eine Freundin hätte, hübsch wie er ist, clever, so süß, ich machte mich lächerlich und vergaß mich. Diese Gedanken versuchte ich immer häufiger zu vertreiben, vielmehr zu betäuben, mit Alkohol, mit Drogen, mit Sex. Doch es füllte meine Leere nicht aus, es weckte neue Sehnsüchte, anstatt sie zu stillen – es deprimierte mich, dass mir etwas passierte, wovon ich so oft in meinen Büchern las, als wäre ich gewöhnlich, als wäre ich schwach und langweilig. Wir stehen am Tischkicker: Wie immer gewinne ich gegen Marcin bei diesem Spiel – jahrelanges Üben mit den älteren Hauptschülern der Oststadt trägt Früchte. Später auf dem großen Fußballfeld muss ich mich je-

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doch geschlagen geben, da Fußball spielen trotz diversen Trainings nicht meins ist, und bin der Häme des Jungen ausgesetzt. Das stört mich nicht. Das Foppen ist zwischen uns selbstverständlich geworden, ich vermisse es am Wochenende, wenn ich nicht im Schülercafé arbeite. Ich fühle mich mit Marcin glücklich und befreit, alles fällt von mir ab. Es hört sich kitschig an, aber es ist wie ein Schwebezustand, es ist wie das Gefühl beim Kiffen, wenn die vollständige Entspannung einsetzt und man fast schon glaubt den sicheren Boden unter sich verlassen zu können. ... WEITERLESEN IM BUCH

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E.M. Jungmann LOTTE

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s war Liebe auf den ersten Blick. Ich weiß, es klingt banal, aber ich sah sie und wusste, ich muss sie haben. Ich blieb stehen, starrte sie an. Es war mir egal, was die anderen dachten, wenn sie mich so sahen. Ich ging auf sie zu, bewunderte ihre ausladenden Hüften, diesen prachtvollen runden Hintern, schlich um sie herum, betrachtete sie von vorne, was für Augen, so klar, so ausdrucksstark. Ein Lichtstrahl fiel von irgendwo ein und brach sich blitzend in ihren Linsen. Sie hatte formvollendete Wangen, breit und hoch, das Gesicht einer Diva. Sie war so wunderwunderschön. Wir waren füreinander gemacht. Und obwohl mir klar war, dass ich mir eine wie sie niemals leisten konnte, verabschiedete ich mich mit einem schmachtenden Blick, wandte mich ab und ging mit dem beschwingten Gefühl einer frischen Liebe nach Hause. Man mag mich für oberflächlich halten, weil mir das Äußere so viel bedeutet. Ich gebe zu, die schönen Dinge haben es mir angetan. Ich liebe schöne Häuser, schöne Landschaften, schöne Menschen, schöne Autos ... Ist das so verwerflich? Ich bin der Meinung, das Schöne will zum Schönen. Meine erste Freundin, Französin, war eine beauté céleste, eine überirdische Schönheit. Sie hieß Julie und war 17, ich damals 14. Sie führte mich in die Geheimnisse der körperlichen Liebe ein. Das dauerte einen Sommer lang, besser gesagt, zwei Wochen. Länger währte unser Urlaub an der Côte d'Azur nicht. Aber es fühlte sich wie ein ganzer Sommer an. Sie hatte eine Stimme wie ein Engel. Lippen wie die fleischgewordene Versuchung und ihre Sprache … oh, diese Sprache. Jedes Wort klang wie eine Liebeserklärung. Obwohl ich kaum verstand, was sie sagte, wusste ich, keine Frau würde ich jemals mehr begehren als sie. Als Mann kehrte ich aus Frankreich zurück.

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Ich war schon damals recht groß für mein Alter und die Natur hatte mich vor Pickeln und anderen unschönen Seiten des Pubertierens bewahrt. Ich bin, was man naturblond nennt. Das habe ich meiner Mutter zu verdanken. Sie ist Schwedin. Eine Bilderbuchschwedin. Zierlich, Augen wie Aquamarine und aschblond. Mein Vater lernte sie in Stockholm kennen und hat sie vom Stand weg geheiratet. Sieben Monate später kam ich. Aber mein Vater sagt immer, er hätte sie auch dann zur Frau genommen, wenn sie nicht mit mir schwanger gewesen wäre. Er ist ein durch und durch anständiger Kerl. Das habe ich zwar nicht von ihm geerbt, aber ich schulde ihm meine Größe und den muskulösen Körperbau. Und er hat von Anbeginn dafür gesorgt, dass ich mich sportlich betätige. Das sollte mir bezüglich meiner späteren beruflichen Zukunft bald schon sehr zugutekommen. Mit elf war ich der Star der Jugendfußballmannschaft meiner Schule. Mit zwölf wurde ich vom örtlichen Fußballverein – Erstligist, selbstredend – in die C-Jugend aufgenommen. Meine Profi-Fußballerkarriere konnte kommen, ich war bereit dafür. Aber zurück zu den Damen. Ich kam also von der Côte d' Azur nach Hause und begegnete zwei Tage nach meinem letzten Beischlaf mit Julie der liebreizenden Bettina. Es war im Freibad, sie war 16 und schön wie Aphrodite. Ihr langes, blondes Haar klebte nass auf den braun gebrannten Schultern, nachdem ich sie vom Beckenrand ins Wasser gestoßen hatte und ihr hinterher sprang, um sie zu retten. Bettina war die erste Deutsche, die ich ins Bett bekam. Ich musste ganz schön hart dafür arbeiten, es dauerte immerhin drei Tage von unserem Kennenlernen an. Endgültig gewann ich ihr Herz im Kino. Ich lud sie zu Fever Pitch ein. Als ich im Augenwinkel mitbekam, wie sie sich vor lauter Langeweile im Kinosaal umzusehen begann, womöglich nach jemand Besserem als mir, legte ich den Arm um sie und raunte: »Hey, schau gut hin, in vier Jahren spiel ich auch bei Arsenal.« Dann erzählte ich ihr, dass ich bei unserem Verein in der B-Jugend bin, eigentlich in die AJugend solle, aber die Regeln … okay, ich müsse halt noch warten. Aber ich habe reiche Eltern, mein Vater kenne Arsène Wenger persönlich. Den Trainer von Arsenal, erklärte ich geduldig, weil sie natürlich keinen Blas-

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sen hatte, wer Wenger ist. Frauen. Es ist eigentlich schon alles abgemacht, sagte ich ihr, ich muss mir nur noch ein paar Sporen zu Hause verdienen. Mit 21 werde ich Millionär sein – selfmade. Sie hörte auf, sich gelangweilt umzusehen und ihre großen braunen Augen ruhten fortan nur noch auf mir. Genau wie ihre Hände. Natürlich fand sie schnell heraus, dass ich geflunkert hatte – bis auf das mit meinen Eltern, wir waren tatsächlich ziemlich wohlhabend – aber da hatte ich sie schon entjungfert und somit mein Ziel erreicht. Außerdem liebte ich ja immer noch Julie. Bettina folgten Svetlana, Nathalie, Aischa, Verena, Druda – Mann, war die heiß – und Barbara ›Babsi‹ Müller. Dann war der Sommer vorbei. Julie hatte ich inzwischen verwunden, aber nicht vergessen. Keine war wie sie. Im Herbst wurde ich endlich 15 und rückte tatsächlich in die B-Jugend auf. Gleich in meinen ersten fünf Spielen schoss ich drei Tore, worauf Bettina reumütig bei mir anrief und sich entschuldigte, wie dumm sie damals gewesen sei. Ich sagte ihr, sie solle sich deswegen keine Gedanken machen, es gäbe nun einmal Menschen, die eher oberflächlich sind und denen der gesellschaftliche Stand wichtiger ist als ihre wahren Gefühle. Das sei doch kein Drama. Nein, sagte sie, so sei sie im Grunde gar nicht, sie habe sich nur so belogen gefühlt. »Das ist schon in Ordnung«, sagte ich zu ihr, »ich hab dich nicht geliebt, also hast du mich auch nicht verletzt.« Ich hörte nie wieder von ihr. In den kommenden Jahren folgten einige Bettinas, Svetlanas, Nathalies, Aischas, Verenas, Drudas und Barbara ›Babsi‹ Müllers. Aber es gelang mir nicht, eine Frau zu finden, für die mein Herz so brannte wie für Julie. Dafür baute ich meine Fußballerkarriere weiter aus und machte mir einen Ruf als Casanova. Auf jedes Tor, das ich schoss, kamen im Schnitt fünf Frauen, eine schöner als die andere. Hin und wieder war eine dabei, bei der ich mich wohler als bei den Übrigen fühlte. Aber keine, keine war wie Julie. ... WEITERLESEN IM BUCH

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Carsten Kubicki MONOGAM

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eit einer Stunde sitze ich vor dem Rechner. Wie jedem Abend wollte ich nur kurz nach meinen E-Mails schauen, wie jeden Abend lande ich bald im Internet, auf dem bekannten Portal, nur mal kurz reinschauen, aus kurz wird lange, also wie immer, es ist wie eine Sucht. Seit einer halben Stunde chatte ich mit Timo_21. Er hat ein ansprechendes Profil mit vielen, auch sehr eindeutigen Bildern und einem sympathischen Text, nicht so arrogant wie häufig sonst hier: »Opis über 30 können sich das Anschreiben sparen« ist da noch ein Satz der harmloseren Sorte. Nicht so bei Timo_21. »Auch Ältere dürfen sich gerne melden«, steht da. Überhaupt scheint er, wenn man seinem Profil glauben kann, ganz nach meinem Geschmack zu sein: jung, schlank, ein nettes Gesicht. Und willig. Ja, mit jeder weiteren Nachricht wird deutlicher, dass er interessiert ist. Ich fühle mich geschmeichelt, dass so ein junger und attraktiver Kerl an einem alten Sack wie mir Interesse zeigt. Mein Alter habe ich hier mit Neununddreißig angegeben, also um drei Jahre abgerundet. Damit liege ich noch immer zehn Jahre über der bei vielen hier seit Jahren feststehenden Neunundzwanzig. Aber die Wahrheit wird in dieser virtuellen Welt ohnehin zumeist dem Wunschdenken untergeordnet, bisher hat es keiner gemerkt, anscheinend habe ich mich ganz gut gehalten… Er will sich mit mir treffen, jetzt sofort. Ich habe nicht den Eindruck, dass er nur mit mir spielt. Alles schon erlebt: Über eine Stunde lang gechattet, mit Worten und Bildern gegenseitig aufgegeilt, und als es dann endlich konkret werden sollte, kam von der anderen Seite plötzlich nichts mehr, blaues Schweigen, alle weiteren Nachrichten von mir schienen in den Weiten des Netzes verloren zu gehen, Arschloch, dann eben nicht. Doch nicht so jetzt, ich soll zu ihm kommen, er hat mir bereits seine Adresse gegeben, mit dem Auto vielleicht zehn Minuten von hier. Ich schreibe zurück, dass ich komme, in einer halben Stunde bin ich da.

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Die Gelegenheit ist heute günstig, Frank ist mal wieder auf Geschäftsreise und kommt erst übermorgen zurück. Wir sind seit zehn Jahren zusammen. Sex mit anderen Männern war nie ein Thema zwischen uns. Das heißt nicht, dass nichts läuft, nur bin ich nicht ständig auf der Suche nach Abenteuern, halt ab und zu, wenn es sich ergibt. Ich weiß nicht, wie Frank das mit den anderen Jungs hält, ob auch er gelegentliche Ausflüge unternimmt, ich will es auch gar nicht wissen, denn wenn es so wäre, dann täte es mir weh. Vielleicht vögelt er gerade jetzt mit irgendwem im Hotelzimmer herum. Chancen hätte er allemal, und ich glaube er weiß das auch. Er ist fünf Jahre jünger als ich und sieht – finde ich zumindest – sehr gut aus. Seine Gesichtszüge strahlen noch diese jugendliche Frische aus, und man sieht ihm an, dass er viel Sport treibt. Zwar bin ich – bei aller Bescheidenheit – mit meinem eigenen Äußeren im Großen und Ganzen recht zufrieden, aber an Frank reicht es nicht heran. Ihm scheint das egal zu sein, jedenfalls lässt er mich nichts spüren. Vielleicht empfindet er das auch nicht so; letztlich ist Schönheit ja eine sehr subjektive Wahrnehmung. Manchmal, wenn ich ihn betrachte, sonntagmorgens, wenn ich vor ihm aufgewacht bin und er noch neben mir schläft, frage ich mich, warum einer wie Frank ausgerechnet mich zum Freund ausgewählt hat und wie es möglich ist, dass wir schon so lange ein Paar sind. Und dann frage ich mich, warum ich dennoch den Verlockungen fremden Fleisches unterliege. So wie gerade jetzt. Muss ich mir wirklich beweisen, dass ich noch bei anderen ankomme, sie erobern kann? Oder bin ich einfach nur ein Sklave der männlichen Biologie, die uns seit Urzeiten dazu zwingt, unsere Samen möglichst breit in alle Welt zu streuen, was in unserem Fall besonders sinnlos ist, sie landen ja niemals auf fruchtbarem Boden, sondern stattdessen, untätig, in Kondomen oder Papiertaschentüchern, manchmal auch, was die Sache nicht besser macht, in irgendwelchen Darmmündungen oder Mägen … ... WEITERLESEN IM BUCH

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Ich mÜchte all jenen danken, die mit so viel Engagement und ganz viel Liebe an dieser Anthologie beteiligt waren. Insbesondere Sofia Plastargia, die mir immer zur Seite steht – bei allem, was ich tue, und die auch hier ihren Teil zu diesem Werk beigetragen hat. J.P.

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B I O G R A P H I S C H E S


Jan Büssers 1988 geboren, aus Lich, abgeschlossenes Bachelorstudium der Biotechnologie an der Hochschule Darmstadt und aktuell eingeschrieben im Masterstudiengang Technik und Philosophie an der Technischen Universität Darmstadt. Mitglied im ›vielbunt Verein‹ Darmstadt und seit August 2012 Queer Referent im AStA der Technischen Universität Darmstadt. Veröffentlichungen: ›Sven und Wendy‹, Kurzgeschichte in der Anthologie ›Nachtgespinst‹, Vlg. BoD / 2011.

E.M. Jungmann 1969 in Fürstenfeldbrück geboren. Sie verschlug es in den frühen 70er nach Baden-Württemberg. Kaum konnte sie lesen, da entdeckte sie ihre Liebe zur Science-Fiction, später auch zum Horror. Seit 2009 beschäftigt sie sich intensiver damit, was sie ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Korrektor bei einem auf Horror spezialisierten Verlag zu verdanken hat. Sie hat zahlreiche Geschichten und Romane veröffentlicht, u.a. ›Das Herz von Abwûn‹, Fantasyroman, Vlg. Epidu, Aachen / 2011, ›Jenseits von Ninive‹, Fantasyroman, Kindle Ed. / 2012 und ›SLAM‹, Roman, ein Together-Writing-Projekt u.a. mit Akif Pirinçci, Kindle Ed. /2012.

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Katrin Kolk Katrin Kolk, Jahrgang 1987, lebt in Frankfurt am Main und studiert dort Kunstgeschichte und Amerikanistik. Sie schreibt seit ihrer Schulzeit Gedichte und Kurzgeschichten. ›Fliegen lernen‹ ist ihre erste Veröffentlichung.

Carsten Kubicki 1967 in Bielefeld geboren, lebt in Bonn, wohin er 1999 aus beruflichen Gründen umzog. Die Liebe zum Schreiben entdeckte er bereits mit siebzehn Jahren und hat zahlreiche Veröffentlichungen: ›Aus den Augen - aus dem Sinn?‹, Roman, Vlg. Himmelsstürmer, Hamburg / 2006 (unter dem Pseudonym Patrick Bega); ›Letze Runde‹, Roman, Kindle Ed. / 2011; und ›Herbsterwachen‹, Roman, Kindle Ed. / 2012. Texte veröffentlicht er auch auf seinem Blog: http://stancerblog.blog.de.

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Sandra Mehlstäubl 1989 geboren, unter dem Pseudonym ›kojikoji‹ bekannt und auf verschiedenen literarischen Plattformen vertreten. Sie wohnt in NordrheinWestfalen und ›Wünsch dir was‹ ist ihre erste Print-Veröffentlichung. Weitere Informationen über ihre Onlinewerke findet man auf ihrem Blog: http://kojikojiworld.blogspot.de/

Brigitte Münch 1947 in Düsseldorf geboren. Sie ist gelernte Buchhändlerin und arbeitete viele Jahre in Buchhandlungen und Verlagen. Von 1979 bis 1985 lebte sie in Kairo, und arbeitete bei Radio Kairo und für den Local European Service. Seit 1985 lebt sie auf der Kykladeninsel Naxos als freie Übersetzerin und Autorin und ist Fördermitglied der Gesellschaft der Griechischen AutorInnen in Deutschland e.V. Veröffentlichungen, Kurzgeschichten: ›Die blaue Tür‹, 2011; ›Geschenk vom Olymp‹, 2012; sowie in der Zweisprachichgen Anthologien ›Bewegt‹, 2010 und ›Xenos in Griechenland‹, 2011 ist sie vertreten, alles beim Vlg. Größenwahn erschienen.

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Carsten Nagels 1966 in Essen geboren, lebt in Frankfurt am Main. Er ist kaufmännischer Angestellter, freiberuflicher Texter, Bühnenpoet und auf vielen Poetry Slams unterwegs. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien u.a.: ›Einfach Gefühlsecht‹, Aphorismen mit Illustrationen, Carsten Nagels Kunstverlag / 2011. Mehr von ihm erfährt man unter: www.carsten-nagels.de

Peter Nathschläger Jahrgang 1965, stammt aus Wien. Er arbeitete als Bühnentechniker u.a. für die Staatsoper Wien, das Volkstheater Wien und die Volksoper Wien. Seit 1998 arbeitet er als IT Prozess Manager. Der Autor hat zahlreiche Veröffentlichungen unter anderem: ›Im Palast des schönsten Schmetterlings‹, Roman, Vlg. Himmelstürmer, Hamburg / 2012; ›Großstadttagebücher‹, Gedichte, Vlg. Wiesenburg, Schweinburg /2005; sowie viele Beiträge in Kurzgeschichtensammlungen oder Anthologien zu Literaturwettbewerben.

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Jannis Plastargias Autor, Blogger, Pädagoge, Lebenskünstler. 1975 geboren, in Frankfurt lebend, ist er StadtteilHistoriker 2012 und arbeitet dort an einem Projekt zum Thema ›Rote Zelle Schwul‹. Er betreibt mit zwei Kolleginnen die ›Lesebühne des Glücks‹, ist im Vorstand des Vereins ›Sprich! e.V.‹, in der Erwachsenen-Jury des Leseförderungspreises ›Goldene Leslie‹ und hat auf ›faustkultur.de‹ eine Rubrik: ›Junge LiteraturMonika von AutorInnen Schmidt mit Migrationshintergrund‹. Veröffentlichungen, u.a.: ›Plattenbaugefühle‹, Jugendroman, Vlg. Größenwahn, Frankfurt/M. / 2011. http://schmerzwach.blogspot.de/ http://jannisplastargias.blogspot.de

Thomas Pregel 1977 in Bad Segeberg, Schleswig-Holstein geboren. Er studierte Judaistik, Soziologie und Mittelalterliche Geschichte in Berlin, arbeitete als Fundraiser und seit 2011 ist er als freier Lektor/Redakteur tätig. Veröffentlichung: ›Die unsicherste aller Tageszeiten‹, Roman, Vlg. Größenwahn, Frankfurt/M. / August 2013. www.thomaspregel.de

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Elsa Rieger Jahrgang 1950 aus Wien, arbeitet als Atemtrainerin.
Nach Schauspielausbildung und Buchhandelslehre war sie in der
Inspizienz und Abendregie des Theater der Courage beschäftigt. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. ›Ein Mann wie Papa‹, Roman, Vlg. AAVAA Berlin / 2010; Teilnahme an Anthologien mit eigenen Texten und auch als Herausgeberin, z.B. ›SpurenWelt‹, mit ihrer Autorengemeinschaft Monika Schmidt ProLyKu, Vlg. Website / 2005. http://www.elsarieger.at/ http://ebooksalon.blogspot.co.at/ http://textlektorat.blogspot.com/

Levend Seyhan 1978 in Wesel geboren. Er absolvierte ein halbjähriges Germanistik-, Geschichts- und Philosophie-Studium an der Universität zu Köln und studierte Jura an der Gutenberg Universität Mainz. Seit 2011 ist er Mitglied bei der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Frankfurt/Main und engagiert sich beim Jugendwerk der AWO Frankfurt ›kriegkstr12‹ ehrenamtlich, als Projektleiter schuf er den Frankfurter JugendLiteraturPreis ›JuLiP‹. Seine erste literarische Publikation wurde im Autoren- und Kulturnetzwerk ›faustkultur.de‹ erschienen. Veröffentlichungen: ›Torben stirbt im Wohnzimmer‹, Roman, Vlg. Größenwahn, Frankfurt/M / Juli 2013.

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Albin Spreng Jahrgang 1987, wohnt in Frankfurt am Main und studiert an der Johann Wolfgang Goethe Universität. Als Autor bewegt sich in den Genres Horror und Science Fiction. Seit Anfang 2013 besucht er die renommierte Darmstädter Textwerkstatt unter der Leitung von Kurt Drawert.

Monika Schmidt

Jana Walther 1977 in der Oberlausitz geboren, wo sie immer noch lebt und als Sozialpädagogin arbeitet. Von ihr erschienen Beiträge in zahlreichen Anthologien sowie ›Benjamins Gärten‹, Roman, Vlg. Depüt, Hattingen / 2010; ›Im Zimmer wird es still‹, Roman, Vlg. B. Gmünder, Berlin / 2011; ›Daniel und Ismael‹, Schwule Liebesgeschichten, Kindle Ed. / 2013; (aus dieser Ausgabe ist die Kurzgeschichte ›Black-eyed‹ entnommen). Webseite: www.janas-seiten.de.

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Quellenangaben:

Die Kurzgeschichte ›Schule der Aphrodite‹ von Brigitte Münch ist aus dem Buch ›Geschenk vom Olymp und andere Bescherungen – Neue ägäische Geschichten‹, Vlg. Größenwahn, Frankfurt/M / 2012 entnommen.

Die Kurzgeschichte ›Black-eyed‹ von Jana Walther ist aus dem Buch ›Daniel und Ismael‹, Schwule Liebesgeschichten, Kindle Ed. / 2013 entnommen. Die Kurzgeschichte ›Einmal ist keinmal‹ von Elsa Rieger ist aus dem Buch ›Pfingstrosenträume‹, Vlg. Wartegeschichten, Kiel / 2011 entnommen.

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LenaustraĂ&#x;e 97 60318 Frankfurt Tel.: +49 (0)69 48 00 29 92 Mobil: +49 (0)171 28 67 549 www.groessenwahn-verlag.de

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