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Hadeskinder

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Die Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet dieses Buch in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Erste Auflage 2018 © Größenwahn Verlag Frankfurt am Main www.groessenwahn-verlag.de Alle Rechte vorbehalten. ISBN: 978-3-95771-212-7 eISBN: 978-3-95771-213-4

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Ronnith Neuman

Hadeskinder Ein Korfu-Krimi

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IMPRESSUM

Hadeskinder Autorin Ronnith Neuman Seitengestaltung Größenwahn Verlag Frankfurt am Main Schrift Constantia Covergestaltung Marti O´Sigma Coverbild Achilleion, Korfu Lektorat Britta Voß Druck und Bindung Print Group Sp. z. o. o. Szczecin (Stettin) Größenwahn Verlag Frankfurt am Main April 2018 ISBN: 978-3-95771-212-7 eISBN: 978-3-95771-213-4 Handlungen und alle agierenden Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen ist rein zufällig.

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Dieses Buch ist meinen Lesern gewidmet, die mich in meinem Vorhaben es zu schreiben best채rkt und die Inspiration, die ich daf체r brauchte, durch ihr Interesse befl체gelt haben. Und Cora, meiner kleinen vierbeinigen Muse. Und wie immer G체nter, meinem Mann, dessen Kunst mich in meinem Schreiben immer wieder aufs Neue anregt.

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Es ist leicht, den Glauben eines Menschen an sich selbst zu erschĂźttern. Das auszunutzen, um die Seele eines Menschen zu zerstĂśren, ist Teufelswerk. George Bernhard Shaw

Das Unbewusste kennt keine Zeit. Sigmund Freud

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Noch hört er ihre Stimmen. Solange er die Stimmen hört, ist alles gut. Obwohl nichts gut ist. Schon lange nicht mehr. Seit der Feuernacht vor zwei Jahren. Kurz nach seinem vierten Geburtstag. Damals stürzte er durch die brennende Felsspalte in die Hölle hinab. Er lauscht. Solange er ihre Stimmen über sich hört, ist es gut. Es ist Tag. Vielleicht Nachmittag? Früher oder später Abend? Solange er die Stimmen hört, gibt es Hoffnung. Die Stimmen sind seine Uhr. Seine Verbindung zur Außenwelt. Zu dem, was sie Leben nennen. Das Oben und das Unten. Unten – das ist die Hölle. Wenn die Stimmen schweigen, ist es Nacht. Der fensterlose Raum ist dunkel. Ein Kellerloch mit maroden, pilzbefallenen Wänden, die aus dem feuchten Erdreich wachsen. Früher wurde hier Wein gekeltert und Schnaps gebrannt. So erzählen die Alten. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Damals gab es ihn noch nicht. Wozu gibt es ihn heute? Manchmal stellt er sich solche Fragen. Jetzt sind die Wandregale leer. Überall auf dem Boden liegen Tonscherben von zerbrochenen Amphoren und Fässern. In der Mitte thront noch der schwere gusseiserne Tisch, an dem sie ihre Geschäfte abwickelten. Von den ehemals acht mit Bast bezogenen Holzstühlen sind zwei geblieben. Auf einem der Stühle sitzt er. Seine Fußgelenke sind an die Stuhlbeine gekettet, sein Gesäß mit Riemen an die Sitzfläche fixiert. Kopf, Oberkörper und Arme kann er frei bewegen. Er kann sich zur Seite neigen. Die Arme heben, sich kratzen. Mit den Händen sein Gesicht zerkratzen. In die Haare greifen, sie in Büscheln ausreißen. Er kann seine Finger über die Brust bis hinab zur Gürtellinie führen. Darüber hinaus geht nichts. Wie in einem Kinderstuhl sitzt er gefangen inmitten einer

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zum Tisch hin offenen Eisenschiene, die ihn umrundet und deren Enden mit dem Tisch verkoppelt sind. Wütend hämmert er mit seinen Fäusten auf die schwere Eisentischplatte. Sie spaltet seinen Körper. In ein Oben und Unten. Er friert. Er hat Hunger. Noch mehr Durst. Er friert immer. Er hat immerzu Durst. Seine nackten Füße unter dem Tisch stehen in einer Bodensenke mit Wasser. Doch er kann das Wasser nicht erreichen. Die Tischplatte hindert ihn daran. Über ihm an einem hölzernen Deckenbalken, hängt ein Korb mit Früchten. Er kann ihren Duft riechen. Doch selbst wenn er sich ganz lang macht, Arme und Finger streckt, er kann die erfrischenden Köstlichkeiten nicht erreichen. Wie oft hat er es zu Anfang versucht? Er hat aufgegeben. Schon vor langer Zeit. Die Stunden vergehen. Die Stimmen über ihm verlöschen. Die Stille ist wie eine gierige Schlange, die sich langsam und gnadenlos um seinen mageren Körper windet, ihm die Luft aus den Lungen presst. Die Wände um ihn herum steigen steil auf, schrägen sich, verjüngen sich nach oben, wachsen zusammen wie ein himmelwärts gerichteter Pfeil. Er ist das Innere des Pfeils. Ein zu Fleisch gewordener Kern. Durch das Herz des Pfeils pumpt sein Blut. Er sitzt jetzt ganz still. Er riecht den Duft der Früchte. Stellt sich vor, wie der Pfeil sie mit seiner Spitze durchbohrt. Jede einzelne Frucht, bis das Blut aus ihr rinnt und er die köstliche Süße auf seiner ausgedörrten Zunge schmeckt. Er starrt mit brennenden Augen in die Nacht. Lauscht der Stille. Und wartet … Prolog

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München, März 1988

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r konnte kaum glauben, dass er entkommen war. Nun stand er inmitten dieser fremden Stadt, auf einem mittelalterlich anmutenden Platz, der sich Viktualienmarkt nannte, und konnte sich nicht sattsehen an all der Heiterkeit, die sogar in dem trüben Licht hell und farbenfroh schillerte. Trotz des Nieselregens reihten sich Verkaufsstände aller Art dicht aneinander, belagert von Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten. Händler, die lauthals ihre Waren anpriesen, gewagt dekolletierte Dirndl und stramme Lederhosen. Miniröcke, schrille Frisuren, Visagen, die offenbar einer Farbpalette entwachsen waren. Allerorts schier unüberschaubare Gruppen von Asiaten, die, das festgefrorene Lächeln wie ein Markenzeichen ins Gesicht gepflanzt, alles fotografierten. Er staunte über das Ausmaß an Sorglosigkeit, über die Ausgelassenheit, die ihn wie ein Moloch in sich einsog und zugleich ausgrenzte. Er zog den Gürtel seines neuen Trenchcoats enger und biss in eine riesige Bretzel, die er für ein paar Deutsche Mark erstanden hatte. Noch immer war er erfüllt von jener nebulösen Wolke, die vor nicht allzu langer Zeit die selbstzerstörerische Traurigkeit abgelöst hatte, und die nun nichts anderes zuließ als dumpfe Gleichgültigkeit. Das Wort Gewissen machte ihm keine Angst mehr. Gewissen war ein schwammiges, nicht greifbares Etwas, das jenseits seines Denkvermögens lag. In seiner Seele - wenn sie denn überhaupt existierte – fühlte er nur noch Eiseskälte. Die Kälte war gleichermaßen Schutz und Antrieb. Das Fehlen jeglichen Gefühls war zu seiner Stärke geworden. Anstelle von Empathie war eine Form von Dominanz getreten. So war es. So sollte es bleiben. Für alle Zeiten. Eine andere Form des Seins war für ihn nicht mehr vorstellbar. Während um ihn her das tobte, was andere als das wahre Leben bezeichneten, schmiedete er bereits die ersten Pläne.

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Er hatte nicht vor, lange mit seinem Vorhaben zu warten. Er wusste, es musste geschehen. Es war unaufhaltsam. Es war die Eintrittskarte zu seinem neuen Leben. Die Weichen hatte er bereits vor langer Zeit gestellt. Er hatte hart gekämpft für dieses neue Leben. Warum also sollte er es hinauszögern? Er brauchte einen Anfang. Einen spektakulären Auftakt. Es war Zeit, die Kontrolle zu übernehmen. Sie mussten seine Macht spüren. Um zu überleben brauchte er ihre Angst.

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1 Korfu, September 2012

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tefania Stefanidou stülpte die Überzieher über ihre Schuhe, schlüpfte in ihre kühlen Nitrilhandschuhe und betrat hinter Stelios Angelis die Ruine von Angelokastro. Sie musste unwillkürlich den Atem anhalten, und auch jetzt, nachdem sie das Geschehen grob erfasst hatte, entwich die Luft nur sehr langsam aus ihren Lungen. In dem jahrhundertealten verwitterten Gemäuer an der Nordwestspitze der Insel wirkten sie beide wie riesige Schatten, die sich über die kleine Gestalt beugten, die rücklings langgetreckt, mit ausgebreiteten Armen und Beinen auf dem lehmigen Steinboden lag. Durch ein hohes schmales Seitenfenster brach auf einmal morgendlich frühe Septembersonne. In dem scharfen Lichtstrahl tanzten Staubpartikel und verstärkten auf vielleicht barmherzige Weise das Unwirkliche der Szenerie. Stefania machte einen unachtsamen Schritt nach vorn und prallte gegen Stelios, der im selben Moment zurückwich. Stelios fuhr erschrocken zusammen, Stefania drückte ihre Hand sanft gegen sein Schulterblatt. Die Zeit schien still zu stehen, während sie schweigend auf das hinunter starrten, was da vor ihnen am Boden lag. »Mein Gott, was für ein Alptraum …«, flüsterte Stelios. Ich wollte, es wäre einer, dachte Stefania. Nur ein Alptraum. Ich wollte, ich könnte hinaus spazieren, ins Meer springen, mich auf Wellenkämmen davontragen lassen und mich danach zuhause auf meiner Veranda einer Selbstgedrehten und einem süffigen, schweren Wein hingeben, der dieses Bild in meinem Hirn auslöscht. Doch das Bild verspottete ihre Gedanken. Es hinterließ in Stefania ein Echo, das sie verstummen ließ. Wie alt mochte der Junge sein? Zwölf, dreizehn? Höchstens vierzehn. Nicht älter. In keinem Fall älter. »Er ist doch noch ein Kind … Warum ein Kind?«

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Warum ein Kind … Stelios Flüstern hallte in ihrem Innern wider. Es war eine Frage, auf die es keine Antwort gab. Niemals geben würde. Und so schwieg Stefania. Sie beneidete den Polizeifotografen, der mit seiner Digitalkamera langsam um den Leichnam herumging. Das kühle, glatte Gehäuse gab ihm Schutz, wenngleich einen zweifelhaften Schutz. Sachlichkeit der Technik als Schutzwall vor dem unfassbaren Grauen. Von Kriegsberichterstattern wusste Stefania, dass nicht wenige Fotografen ihren Zorn und ihre Ohnmacht angesichts der unnennbaren Grausamkeiten, die sie für die ahnungslose Außenwelt festhalten mussten, hinter dem kalten, gefühllosen Kameraauge versteckten. Darauf bedacht, die Arbeit des Gerichtsmediziners und des Polizeifotografen nicht zu stören, schritt sie langsam um den toten Jungen herum. Es war nur eine vage Erinnerung. Erinnerungsfetzen, die nicht weichen wollten. Dabei war es nicht nur der von oben einfallende Lichtstrahl, der den Raum zerschnitt. Nein, da war noch etwas anderes. Etwas, das das Bild zerriss, ihm zugleich transparente Einheit verlieh. Stefania zog den Kopf ein und trat durch den niedrigen Ausgang der Ruine ins Freie. Sie kniff die Augenlider zusammen und spähte hinüber zur anderen Seite. Vielleicht stand er dort drüben. Hinter den Büschen. Jenseits der Mauerreste. Das Ungeheuer, dem sie das Schreckensszenario, diesen Alptraum da drinnen verdankten. Vielleicht stand er hinter der polizeilichen Absperrung, zwischen den Gaffern, die in den frühen Morgenstunden nach ihrem Aufstieg zur Ruine von Angelokastro anstelle der erwarteten Aussicht etwas völlig anderes geboten bekamen. Vielleicht steht dieses Ungeheuer dort drüben. Schaut zu uns herüber. Beobachtet uns … * Ich habe mich zu den Gaffern gesellt. Ein wenig abseits, zwischen die Büsche, hinter ein paar großgewachsene Jugendliche in

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Sportkleidung, die eifrig über das spekulieren, was sie in der Ruine vermuten. Zu dieser frühen Stunde gibt es nicht viele Gaffer, dennoch genug, um sich vor den Augen der Polizisten zu verstecken. Ich genieße diese Perspektive. Das Verborgene. Verbotene. Es bietet sich mir nicht jeden Tag. Oh ja, ich habe ein Recht darauf, es zu genießen. Nur für wenige Augenblicke, bevor ich … Doch das kann warten. Hat noch ein wenig Zeit. Alles hat Zeit. Jetzt. Ich lasse mir diese Zeit. Ich kann es mir leisten. Ich darf das. Zeit … Dieser unsinnige Begriff! Diese Leerformel! Manche Wissenschaftler behaupten, es gäbe sie gar nicht. Sie existiere einfach nicht - die Zeit. Betrachten wir zum Beispiel die Tiere. Sie kennen keine Zeit. Hunde besitzen keinerlei Vorstellung von Zeit. Sie spüren nicht, ob eine Minute vergeht oder eine Stunde. Sie leben im Glückszustand des Augenblicks. Verstehen Sie, was ich meine? Ich jedenfalls habe Zeit. Wie immer danach habe ich unendlich viel Zeit. Erstaunlich, wie einfach es wieder war. Wie üblich hatte ich den Jungen zuvor beobachtet. Ich hatte seine Gewohnheiten studiert, seine Vorlieben, alles, was das sichtbare Leben eines Menschen ausmacht. Währenddessen hatte ich dreimal meine Verkleidungen gewechselt. Oh ja, ich bin ein Meister der Verkleidung! Bei der Auswahl der Verkleidungen lege ich Wert darauf, dass ein Detail ins Auge springt. Eine hässliche Narbe, ein besonders geformter Bart, eine Mütze oder ein Hut, eine auffallende Brille. Etwaige Zeugen werden sich später immer nur an dieses eine Detail erinnern. Alles andere wird in ihrer Erinnerung verblassen. Sie werden lediglich diese eine, ins Auge springende Beobachtung beschreiben können. Die Feinheiten einer Person werden dabei untergehen. Aber zurück zu dem Jungen.

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Er hatte genau die richtige Größe. Das ist mir besonders wichtig. Die richtige Körpergröße. Auch sonst stimmte alles. Ich hatte ihn sorgfältig ausgewählt. Ihn, ebenso wie die anderen, erwählt. Das bin ich ihnen und mir schuldig. Ich vergewisserte mich, dass keiner uns beobachtete. Trotz sorgsamster Verkleidung, Fensterglasbrille und auffallendem Bart, ist es immer noch am besten, wenn es gar keine Zeugen gibt. Ich folgte dem Jungen, bis ich ihn schließlich auf einem verlassenen Teil der Hafenmole von Paleokastritsa ansprach. Das Übliche, banale Freundlichkeiten über das Wetter, die vergangene Hitzeperiode, den milden Septemberabend, wie man das gemeinhin macht, ein alltäglicher Smalltalk. Wir schlenderten eine Weile wie zwei gute alte Bekannte nebeneinander her, plauderten und scherzten. Es war offensichtlich: Der Junge genoss es. Er besaß keine Freunde. Auch hatte ich ihn nie in Begleitung eines Mädchens gesehen. Er war immer allein. Vielleicht mied er andere Menschen, genau wie ich. Vielleicht mieden sie ihn. Keiner erwartete ihn. Oder hielt nach ihm Ausschau. Weder Freunde noch Geschwister oder Eltern. Der Junge schien einsam. Nicht zufällig oder gewollt allein. Nein, er war einsam. Wirklich einsam! Es war, als hätte er auf mich gewartet. Als wären wir beide füreinander bestimmt. Zwei einsame Wölfe. Zwei verwandte Seelen. Der Junge folgte mir bis zum Wagen. Ohne Aufforderung, ohne Absprache, keine Fragen. Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, einem Fremden zu dessen Wagen zu folgen. Während ich ihm half, sich auf dem Beifahrersitz anzuschnallen, fragte er mich nach meinem Namen. Ich ignorierte die Frage. Tat, als hätte ich sie nicht gehört und startete den Motor. In der einsetzenden Abenddämmerung fuhren wir Richtung Angelo-kastro. Den Namen des Jungen kannte ich nicht. Wollte ihn nicht kennen. Die Vertrautheit eines Namens zerstört alles. Solange sie namenlos sind, sind sie anonym. Gesichtslos. Auch dann noch, wenn man das Gesicht kennt, die Sprache der Gebärden.

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Solange ein Mensch keinen Namen besitzt, der ihm den Stempel einer bestimmten, unverwechselbaren Persönlichkeit aufdrückt, ist er konturlos. Ein verschwommenes Etwas, ein Ding, weit entfernt von einem spezifischen Ich. Nähe zerstört alles! Oh nein, ich erwarte nicht, dass Sie meinen Gedanken folgen können. Eigentlich erwarte ich gar nichts von Ihnen. Ganz sicher nicht irgendeine Art von Verständnis. Aber Sie scheinen mir recht neugierig. Sonst würden Sie sich doch spätestens an dieser Stelle von mir abwenden. Mir vielleicht sogar irgendeine obszöne Geste zeigen, oder? Aber Neugier zeugt bekanntlich von Intelligenz. Und nichts anderes erwarte ich von Ihnen. Der Parkplatz war gähnend leer. Weit und breit keine Menschenseele. So war es ein Leichtes, den Wagen ein wenig abseits abzustellen. Das Meer leckte in sanften Wellen den kiesigen Uferstreifen unterhalb der betonierten Fläche, und die Augen des Jungen funkelten mit dem Plankton um die Wette, als ich ihm meinen Plan unterbreitete. Also öffnete ich den Kofferraum und schnappte mir meinen Rucksack, den ich seit dem Morgen für diesen Zweck bereithielt. Wie erwartet, fragte der Junge nach einer Taschenlampe. Ich tat erschrocken, schüttelte bedauernd den Kopf. Der Junge kniff die Augen zusammen, schaute sich unentschlossen um. Ich gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter, der Junge lächelte verlegen. Ich schnallte mir schwungvoll den Rucksack auf den Rücken und drückte auf die Zentralverriegelung des Wagens. Der steinige Pfad hinauf zur Ruine schlummerte in nächtlicher Unschuld. Stille umgab uns, nur das Zirpen und Zischeln der Grillen und Insekten, die entfernten Rufe der Nachtvögel. Unheilvolle Stimmen der Finsternis. Die Einsamkeit war körperlich spürbar. Wie sich langsam erhebende Dämonen wuchsen aus dem Hügel über uns die Umrisse von Angelokastro, geisterhaft beleuchtet von der aufgehenden Mondsichel. In einem Seitenfach meines Rucksacks lag meine kleine Halogenlampe. Für den Notfall. Ich hoffte, es würde keinen

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Notfall geben. Wenn alles glatt verlief, würde ich keine Lampe brauchen. Ich brauchte kein Licht. Ich kannte den Weg. Ich kannte das, was uns dort oben erwartete. Ich hatte alles gut vorbereitet: Das Timing. Die Auswahl des Platzes. Die Bühne. Eine Festung, die einst eine der wichtigsten Verteidigungsanlagen Korfus war, und deren strategisch schwer einnehmbare Position jahrhundertelang großen Einfluss über das Schicksal und die Entwicklung der Insel hatte, schien mir genau der passende Ort für mein Vorhaben. Denn schließlich war das, was ich in der Ruine erledigen musste, nichts anderes als eine Art von Selbstverteidigung. Wie immer hatte ich nichts dem Zufall überlassen. Wie immer war alles perfekt. Was ich brauchte, hatte ich dabei: Die mit Käse gefüllten Teigtaschen, Kekse, Saft, Cola und Wein. Das Messer, die Fesseln, Lumpenhose und Pferderiemen, die Injektionsspritze mit dem kleinen Infusionsbeutel und den mausgrauen Plastikvogel mit dem blutroten Schnabel. * »Fundort ist gleich Tatort.« Der Rechtsmediziner Georgios Katzounis stemmte seinen massigen Körper ächzend aus der Hocke hoch. »Erstaunliche Präzision, mit der hier gearbeitet wurde. Da stimmt jedes Detail.« »Deine Begeisterung in Ehren, Georgios. Aber kannst du mir vielleicht sagen, welches kranke Hirn sich sowas ausdenkt?« Stelios Angelis biss die Zähne so kräftig aufeinander, dass ihm die Kiefermuskeln wehtaten. Ein Techniker im weißen Overall der Spurensicherung versuchte sich mit seinem Instrumentenkoffer an ihm vorbeizuschieben. Stelios trat einen Schritt zurück und ließ den Mann durch. Dieser hockte sich neben die Leiche und begann mittels Klebestreifen und einem Kleiderroller nach Faserspuren auf der Kleidung des Toten zu suchen. Die Kleidung bestand aus ein paar grauen Lumpen, die von den Lenden knapp über die Oberschenkel reichten und das Geschlecht des Jungen verdeckten. Lumpenshorts, im Schritt zugenäht. Um den Hals trug er eine runde, im Durchmesser etwa ein Zentimeter dicke Schlinge aus festem, abgegriffenem

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Leder, die im Nacken locker geknüpft war. Ansonsten war der Junge nackt. Der Techniker kämmte die Haare des toten Jungen mit einem kleinen Spezialkamm, entnahm mit einem dünnen Spachtel Proben unter den Fingernägeln und verteilte die gewonnenen Spuren in einzelne Asservatenbeutel. Zwei weitere Techniker vermaßen den Tatort und übertrugen die Maße auf eine Bleistiftskizze. Als Kriminalkommissar auf Korfu waren Stelios Angelis bisher nur wenige Fälle begegnet, die ihn bis ins Mark hinein erschüttert hatten. Dies hier war ein solcher Fall. Georgios Katzounis zwirbelte mit düsterer Miene die Spitzen seines imposanten Schnurrbartes und massierte mit der anderen Hand seinen Stiernacken. »Bizarr, was? Schätze, deine Frage könnte uns allenfalls ein Seelenklempner beantworten. Ich für meinen Teil kann nur sagen, was es darstellen soll.« Er ließ von Bart und Nacken ab, zwinkerte Stelios zu. »Obwohl bekanntermaßen Kenntnisse der Mythologie nicht unbedingt in meinen Fachbereich gehören.« »Was es darstellen soll, ist wohl ziemlich eindeutig«, murmelte Stelios. »Was sagst du zu der Verletzung?« Der Mediziner hob verblüfft die Brauen. »Die passt ins Bild.« »Auch das ist mir bekannt«, seufzte Stelios genervt. »Aber wenn es dich beruhigt, bei dem wenigen Blut gehe ich davon aus, dass sie ihm postmortal zugefügt wurde.« Stelios verzog das Gesicht. Beruhigte ihn das? Angesichts eines solchen Alptraums? »Was denkst du?«, fragte er Stefania, die urplötzlich aus dem Schatten der Ruine neben ihm auftauchte. Sie starrte auf den grauen Plastikvogel, der auf dem nackten Bauch des toten Jungen thronte. Aus dem roten leicht geöffneten Schnabel hing ein Stück schrumpeliges rohes Fleisch. Das Fleisch stammte eindeutig aus der klaffenden Wunde, unterhalb der sich die Leber des Jungen befand. »Der Titan Prometheus«, begann Stefania leise. »Zeus befahl, ihn an eine Felsspitze im Kaukasus zu schmieden, wo ein Adler jeden Tag seine Leber heraus hackte, die über Nacht wieder nachwuchs.«

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Die altgriechische Mythologie faszinierte Stefania und unwillkürlich war das antike Bild vor ihrem geistigen Auge erschienen. Sie wich einem der Techniker aus, der sich neben dem Leichnam hinkniete, den Vogel mit dem Leberstück vorsichtig eintütete und ihn in eine Kühlbox aus Styropor legte. Sie ging um den Mann herum und starrte auf den freigelegten Schnitt: seitlich links, ein kleiner tiefer Einschnitt, etwa drei Zentimeter lang. Stefania nahm den Geruch von Verwesung wahr, diesen morbiden, metallisch süßlichen Geruch des Todes. Ein plötzlicher Schwindel erfasste sie. Stefania verspürte Übelkeit, klaustrophobische Enge schnürte ihr den Hals zu. Als sie rückwärts taumelte, stolperte sie über einen harten, kantigen Gegenstand. Im Straucheln spürte sie eisiges Wasser, das über ihrem Kopf zusammenschlug, und eine Hand unter ihrer Achsel, die sie aus dem Wasser nach oben zog. Kreise und Punkte tanzten vor ihren Augen. Hechelnd wie ein Hund lehnte sie sich gegen die kalten Mauersteine. Doch die Steinmauer in ihrem Rücken gab nach. Schwankend versuchte sie sich von der Mauer abzustoßen. Nein, nicht sie schwankte. Die Mauer schwankte. Die gesamte Ruine schwankte. Die Menschen um sie herum. Stefania stand mit geschlossenen Augen, die Schultern gegen das Gemäuer gelehnt. Ihr Atem ging stoßweise, sie vernahm sich entfernende Stimmen, dann Stille ... Als Stefania ihre Augen öffnete, schaute sie in zwei besorgte Gesichter, die gegensätzlicher nicht sein konnten. Während Sie sich fragte, wie viel Zeit wohl vergangen war, wanderte ihr Blick von dem gutmütigen aber grobschlächtigen Gesicht des Rechtsmediziners zu Stelios Angelis schmaler Miene mit den aristokratisch feingeschnittenen Zügen. Erleichtert stellte sie fest, dass sie noch immer auf ihren eigenen zwei Füßen stand, was in ihrem bisherigen Leben nicht immer selbstverständlich gewesen war. Sie spürte eine Hand, die sie behutsam am Ellbogen fasste. »Wie wär s mit etwas Wasser?«, schlug Stelios mit sanfter Stimme vor. »Ich habe eine Flasche im Auto. Eiskalt und erfrischend.«

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Stefania lächelte matt und löste ihren Arm aus Stelios Griff. Sie musste ihre gesamte Energie aufwenden, sich ihren Zorn nicht anmerken zu lassen. Wie konnte sie sich nur so gehenlassen? Verdammt, Mädchen, reiß dich zusammen! Du bist ein Profi! Sie bohrte ihren Blick in den gezwirbelten, mächtigen Schnurrbart des Mediziners. »Und du bist sicher, dass diese Inszenierung erst nach dem Tod des Jungen stattfand?« »Ja. Ganz sicher.« Seltsam, dachte Georgios Katzounis, der Gedanke kam ihm zum ersten Mal innerhalb seiner langjährigen Tätigkeit als Gerichtsmediziner: So entsetzlich und entwürdigend diese Todesinszenierung war, sie strahlte zugleich auch etwas Sauberes aus. Etwas Reines. »Es mag seltsam klingen«, setzte er seinen Gedanken laut fort, »aber das Ganze wirkt auf mich wie eine Art Reinigungsbad. Als hätte sich der Täter durch sein Ritual gereinigt. Oder als hätte er den toten Jungen gereinigt. Vielleicht auch sie beide.« Stefania hob die Brauen. »Ich dachte, du bist kein Profiler?« »Das dachte ich auch.« »Dann sollte es uns vielleicht trösten, dass der Junge nichts mehr von der Reinigung mitbekommen hat«, meinte Stelios trocken. »Und woran ist er nun gestorben? Kannst du da schon was sagen, Dok?« Der Arzt hob die Schultern. »Erwürgt wurde er jedenfalls nicht. Trotz dieser Lederschlinge um seinen Hals.« »Die Lederschlinge ist ein Pferderiemen«, schaltete sich einer der Techniker ein. »Ich bin selber Reiter, und das da ist eindeutig ein Stück von einem Zügel.« »Aha«, machte Stelios. »Und was hat der Pferdezügel zu bedeuten?« Der Techniker, ein hochaufgeschossener, drahtiger Kerl, grinste herablassend. »Die Beantwortung dieser Frage fällt wohl eher in euer Ressort«, meinte er arrogant. Und damit schloss er die Kühlbox, ließ die Schlösser seiner Instrumententasche lautstark zuschnappen und kehrte den dreien seinen langen, asketischen Rücken.

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Sympathischer Mensch, dachte Stelios, dem der Name des Technikers – Napoleon – urplötzlich wieder einfiel. Er begegnete Stefanias Blick, die unverkennbar das gleiche dachte. Er trat einen Schritt von der Leiche zurück. Sein Blick wanderte umher, während er jedes Detail noch einmal auf sich wirken ließ. Dann schaltete er sein Diktaphon ein, um seine Eindrücke über den Tatort und dessen Dynamik festzuhalten. Der Arzt klatschte in die Hände. »Ihr Lieben, schafft ihn mir …« »… so rasch wie möglich rüber«, brummte Stelios, »danach reden wir weiter.« »Ich sehe, Kommissar, du hast deinen Text brav gelernt.« »Nun komm schon, Dok, kein klitzekleiner Verdacht?« »Woran der Junge gestorben ist?« »Ja?« »So, wie es sich momentan darstellt, nicht.« »Meinst du, er wurde missbraucht?«, fragte Stefania. Der Arzt wog skeptisch den Kopf. »Nun ja, abgesehen von den Lumpenshorts und dem Riemen um den Hals ist der Leichnam fast unbekleidet. Andererseits deutet der zugenähte Schritt eher auf ein nichtsexuelles Motiv hin.« »Und der Todeszeitpunkt?«, hakte Stelios nach. »Letzte Nacht. Irgendwann zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens.«

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Die Stimmen über ihm erwachen. Noch ist es dunkel. Nein, es ist bereits hell. Nur hier unten ist es dunkel. Hier unten ist es immer dunkel. Ewige Nacht … Oben ist es hell. Es ist Tag und die Sonne scheint. Oben scheint immer die Sonne. Von morgens bis abends. Bis in die Nacht. Oben ist immer Tag. Auch, wenn die Sonne nicht scheint. Er lauscht den Stimmen. Die eisernen Fesseln bohren sich tief in sein Fleisch. Er hat sich aufgebissen. Die Wut hat es ihm befohlen. Er hat den Geschmack von Blut auf der Zunge. Blut … Es ist der einzige Geschmack, an den er sich noch Jahre später erinnern wird. Und an die Gerüche. Von Früchten und Wasser. Von Moder und Fäulnis. Und er wird sich an die Lumpenhose erinnern. Die Sünderhose. Und an den Pferderiemen um seinen Hals. Er kann es nicht mehr einhalten. Er spürt den heißen Urin an seinen Beinen hinunter rinnen. Bald wird der Gestank ihn von unten her einhüllen. Scham und Schmerz verzerren sein Gesicht. Er spürt die Tränen, die ihm über die Wangen rollen. Seine Augen brennen. Er starrt in die Finsternis. Versucht einen Punkt auszumachen. Nur einen winzigen hellen Lichtpunkt. Einen Fixpunkt, an den er sich klammern kann. Etwas, das ihn hoffen lässt. Doch er hört nur ihre Stimmen. Weit oben. Weit, weit oben … Das Oben und das Unten. Im Oben scheint immer die Sonne. Im Unten herrscht ewige Nacht.

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© Foto: Nadine Est

RONNITH NEUMAN

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Ronnith Neuman in Haifa/Israel geboren, kam im Kindesalter nach Deutschland. Nach der Ausbildung zur Fotografin arbeitete sie für den Hessischen Rundfunk und Norddeutschen Rundfunk. Sie hat eine phonetische Ausbildung und absolvierte ein Studium auf der Akademie für Publizistik in Hamburg. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin und Künstlerin in München und auf Korfu. Neben Sendungen für den Hörfunk, Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitungen und Zeitschriften sowie Filmdrehbücher und Theaterstücke sind zahlreiche Bücher von ihr erschienen, u.a. die Erzählungen »Nirs Stadt«, 1991/2014; »Die Tür«, 1992/2014; »Ein stürmischer Sonntag«, 1996/2014, alle S. Fischer Vlg. Frankfurt/M und die Kriminalromane »Tod auf Korfu«, 2007, List Hardcover Vlg. Berlin und »Das Orakel von Korfu«, 2011, HSB Vlg. Stuttgart. Ihre Werke sind in mehrere Sprachen übersetzt worden. Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) und im Syndikat. Als bildende Künstlerin machte sie zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und auf Korfu. Preise und Auszeichnungen u.a.: Hamburger Literaturpreis, 1986; Preis des Nordrhein-Westfälischen Autorentreffens in Düsseldorf in der Gruppe Prosa, 1987; Gladbecker Satirepreis, 1989; Herforder Kulturpreis, 1995; Stipendium des Landes Schleswig-Holstein, 1997; Literaturpreis »Zerrissen und doch ganz«, 2000. www.ronnithneuman.com

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Aus dem Verlagsprogramm / Krimi ZAKYNTHOS-KRIMIS Antonia Pauly Himmelfahrt Kommissarin Myloná ermittelt auf Zakynthos ISBN: 978-3-95771-087-1 eISBN: 978-3-942223-37-9 Antonia Pauly Entspannung Kommissarin Myloná und die Gefahren des Yoga ISBN: 978-3-95771-088-8 eISBN: 978-3-942223-38-6 Antonia Pauly Lügenblau Kommissarin Myloná und die Gefahren des Yoga ISBN: 978-3-95771-088-8 eISBN: 978-3-942223-38-6 Kommissarin Mylona, geschieden, ein Kind, ist dem brutalen Arbeitsalltag bei der deutschen Polizei entflohen und hat eine Stelle auf der griechischen Ferieninsel Zakynthos angenommen. In ihre Fällen hat sie es mit ermordeten Hoteliers zu tun, Tavernenbesitzern die kulinarische Meisterwerke auf die Teller servieren, Umweltaktivisten zum Schutz der bedrohte Careta-Careta Schildkröte, eine Yoga-Schule, die deutsche Schülerinnen anlockt und Architekten die wegen der Finanzkrise sogar vom Mord nicht abschrecken, hauuptsache sie kommen auf dem Genuss eines der ragen stattlichen Bauprojekten. Vassilis, der neue Vermieter kennt sich in der griechischen Mythologie bestens aus. »Alle Irrungen und Wirrungen der menschlichen Seele, haben in den Mythen ihre Entsprechungen«, erzählt der Gastgeber und füllt das Glas seiner Untermieterin gut zur Hälfte mit griechischem Wein. Eleni Mylona hört genau zu, besonders dann, wenn das Ionische Meer stürmt und Zakynthos immer wieder von der Außenwelt abgeschnitten wird. Jeder ihre neuen Fälle findet Anschluss an die Fülle der griechischen Mythologie-Geschichten. Spannende Kriminalromane, die gleichzeitig schöne Reiseführer der Ionischen Insel Zakynthos sind. Geschichte, Land und Menschen, Bräuche und Alltagsprobleme werden so informativ weiter gegeben.

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PAROS-KRIMIS Peter Pachel Maroulas Geheimnis Kommissarin Waldmann ermittelt auf Paros

ISBN: 978-3-95771-214-1 eISBN: 978-3-942223-77-5 Peter Pachel Griechisches Gift Kommissarin Waldmann ermittelt auf Paros

ISBN: 978-3-95771-215-8 eISBN:978-3-95771-036-9 Peter Pachel Süßes Wasser Kommissarin Waldmann ermittelt auf Paros ISBN: 978-3-95771-138-0 eISBN: 978-3-95771-139-7 Peter Pachel Blutiger Marmor Kommissarin Waldmann ermittelt auf Paros ISBN: 978-3-95771-228-8 eISBN: 978-3-95771-229-5 Die griechische Insel Paros ist ein beschaulicher Platz, um Urlaub zu machen, und so trifft sich jedes Jahr aufs Neue eine eingeschworene Gemeinschaft, die bestens vertraut ist mit der Insel, ihren Einwohnern und Eigenheiten. Als Katharina Waldmann, die deutsch-griechische Chefin der Mordkommission Athen, zur Amtshilfe auf die Insel gerufen wird, ist jedem klar, dass ein Mord aufgeklärt werden soll. Paros beweist plötzlich allen Beteiligten, dass es voller Geheimnisse steckt. Mit Familiengeheimnisse, Fremdenfeindlichkeit, internationale Interessen und Bodenschätzen wird Katharina Waldmann in ihren Fällen konfrontiert. Gut dass sie ein Genussmensch ist und das gute Essen der Insel sorgt für Entschädigung. Peter Pachel inszeniert die beliebte griechische Kulisse aus Urlaub und Gastfreundschaft neu, bettet seine Charaktere zwischen Tradition und Tourismus ein und lässt sie über Homosexualität und Natur stolpern. »Eine spannende, hitzeflirrende Wer war s? Geschichte. Peter Pachel feiert die griechische Küche.« BRIGITTE

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ATHEN-KRIMI Hilda Papadimitriou Für eine Handvoll Vinyl Der erste Fall für Charis Nikolópoulos aus dem Griechischen von Gesa Singer ISBN: 978-3-95771-043-7 eISBN: 978-3-95771-044-4 Wie spielt sich das Leben im Stadtteil Exarchia in Athen ab, und was hat sich dort seit den 1970ern wirklich kaum verändert? Warum ist es für manche Leute wichtig, sich durch Musik auszudrücken, und warum sind Beziehungen so kompliziert? Was haben all diese Leute zu verbergen, die sich im Plattenladen von Fontas blicken lassen? Man hört Gang of Four, Neil Young, Clash, aber auch Percy Mayfield und Travis in diesem verregneten Februar. Und dann passiert ein Mord. Kommissar Charis Nikolópoulos muss sich beweisen: sein erster eigener Fall! Wie hängen Schallplattensammeln und Verbrechen zusammen? Welches Motiv hat der Mörder? Ist es denn möglich, für eine Handvoll Vinyl zu töten? »Hilda Papadimitriou stellt sich bewusst in die Tradition der Markaris-Romane, erweitert sie jedoch in bemerkenswerter Weise. Sie erschließt dem aktuellen griechischen Kosmos wieder die Hard Boiled-Tradition der amerikanischen NoirPioniere, und zwar ohne die Eigenheiten der mittelmeerischen Kultur in ihrer spezifisch griechischen Variante zu vernachlässigen.« Agis Sideras

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KORFU LANDKART E Landkarte der Insel Korfu im Ionischen Meer Griechenland Grafik: Marti O´Sigma © 2018 Größenwahn Verlag Frankfurt am Main

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