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diese Haltestelle hab ich mir gemacht

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Die Deutsche Nationalbibliothek – CIP-Einheitsaufnahme. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet dieses Buch in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Erste Auflage August 2015 © Größenwahn Verlag Frankfurt am Main, 2015 www.groessenwahn-verlag.de Alle Rechte vorbehalten. ISBN: 978-3-95771-049-9 eISBN: 978-3-95771-050-5

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Safiye Can

diese Haltestelle hab ich mir gemacht Gedichte

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IMPRESSUM diese Haltestelle hab ich mir gemacht Reihe: Apollon Autorin Safiye Can Seitengestaltung Größenwahn Verlag Frankfurt am Main Schriften Constantia und Felix Titling Covergestaltung und Illustrationen Ferdi Tosunlu Coverbild Ferdi Tosunlu Druck und Bindung Print Group Sp. z. o. o. Szczecin (Stettin) Größenwahn Verlag Frankfurt am Main August 2015 ISBN: 978-3-95771-049-9 eISBN: 978-3-95771-050-5

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AUCH IM SCHMETTERLING LIEGT KRAFT VERLETZLICHKEIT IM STIER Safiye

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für Dich – dem Leser

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Auseinandergehendes und Zueinanderstrebendes

Im Geäst der Bäume verfangen sich Träume, im Epizentrum stehen zwei Menschen eng umschlungen, ohne festes Land unter den Füßen, ist es zu spät zum Kennenlernen oder zu früh Abschied zu nehmen? Macht und Stärke und Dimension der Ferne etwas zuckt auf, wird lebendig, in ihrer Brust die Tragweite der Liebe wo ist oben, wo unten? An der Hauptwache fällt ein Olivenzweig zu Boden.

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Uhren messen nicht nur die Zeit, der Wind wellt ihr Haar fort, rieseln Schneeflocken, stürzen Gebäudeteile herab? Zwischen Finden und Loslassen hält sie weltvergessen das Mondlicht fest. Im Epizentrum stehen zwei Menschen eng umschlungen, die Menschenmenge zerstoben kein Gestern, kein Übermorgen wie viele Türen sie auch schließen neue gehen auf.

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Es ist nicht leicht als Mensch zu leben nicht leicht, achtsam zu lieben, den Stier in sich zähmen, eine Illusion bezwingen. Wo liegt Norden, wo Süden? An der Hauptwache fällt ein Uhrenschlüssel zu Boden. Die Möglichkeit des Lächelns zerbröckelt in ihren Händen von der Vielsamkeit gehts zur Zweisamkeit gehts zur Einsamkeit. Wer die meisten Träume hat wird nicht immer siegen ohne festes Land unter den Füßen senden sie eng umschlungen Wurzeln aus.

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Baum SieSie ist ist derder Baum in dessen Rinde in dessen Rinde Herzen und Pfeile ritzen siesie Herzen und Pfeile ritzen die Nacht wird ihn fortbringen die Nacht wird ihn fortbringen wird zurückfallen siesie wird zurückfallen hier nach dort vonvon hier nach dort führen keine Schienen führen keine Schienen Hauptwache an an derder Hauptwache fällt fällt einein G G e e d d i i c c h h

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Boden. zu zu Boden.

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Wir können nicht zusammen sein

Wir können nicht zusammen sein in der Stadt nicht, auf dem Land nicht im Fluss. Wir können nicht zusammen sein öffnen wir das Fenster, kriegen wir keine Luft öffnen wir die Tür: Abgrund. Wir können nicht zusammen sein auf dem Meer nicht, der Erde nicht in der Luft. Warum?

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Aufbruch ins Labyrinth

Sein Haar gebündelt zum blonden Blumenstrauß wie gemacht für den Wind wilder Reiselust.

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Ich freundschafte Dich

Damals als du nach Dubai flogst und zuvor wir die Zeit anhielten wie die Fliege mit einer Hand die Chaos Anrufe, weit nach Mitternacht und du deine Träume hinterließest mir zum Analysieren. Als wir uns mit Gedanken wärmten am Genus uns die Finger schnitten das Bonbon an deinem Rücken. Als ich dich beim Diktat stupste in der Schillerschule, weißt du noch wann immer ein Komma nötig war? Vielleicht wurden auch früher für Freundschaften Drachen und Ungeheuer erlegt doch man sprach nie darüber. Sobald der Mond ein staunender Mann war hielten wir die Zeit mit einer Hand stabile Seitenlagen, weit nach Mitternacht später begannst du mit den Integralen die Zigarettenpackung im Main versenkt danach Woyzeck Wangenrouge Existenzphilosophie

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Safiye Can

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© Foto: FAZ / Frank Röth

Safiye Can ist 1977 als Kind tscherkessischer Eltern in Offenbach am Main geboren. Sie hat Philosophie, Psychoanalyse und Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und ihr Studium als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Ihre Magisterarbeit trägt den Titel »Wer ist Friedrich Nietzsches Zarathustra?«. Seit 2013 ist sie Kuratorin der »ZwischenraumBibliothek« im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung, seit 2012 Pressesprecherin der Vereinigung türkischsprachiger Schriftsteller Europas (ATYG) und seit 2010 Mitarbeiterin der Horst Bingel-Stiftung für Literatur.

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Mehrere Jahre war sie am Landestheater Burghofbühne Dinslaken Regieassistentin für ein Schauspiel nach Yüksel Pazarkaya, arbeitete zuvor als Vertretungslehrerin in Offenbach am Main. Safiye Can leitet seit 2004 erfolgreich Schreibwerkstätten an Schulen und ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Amnesty International. Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) sowie im Verband deutschsprachiger Übersetzer (VdÜ). 2014 erschien ihr Debüt »Rose und Nachtigall« im Größenwahn Verlag, der in einer Rekordzeit von zwei Monaten zum Lyrikbestseller wurde. Im selben Jahr erschien ihre Kurzgeschichte »Das Halbhalbe und das Ganzganze« (Verlag Literatur Quickie). Mit »Diese Haltestelle hab ich mir gemacht« liegt uns ihr zweiter Lyrikband vor. Die auch als literarische Übersetzerin tätige Autorin wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Derzeit studiert sie im Zweitstudium Germanistik und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. www.safiyecan.de

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Hakan Akçit *1975 in Duisburg, Schriftsteller und Ăœbersetzer. Er lebt und arbeitet in Duisburg. Ferdi Tosunlu *1984 in Offenbach a. Main, Zeichner und Grafiker. Er lebt und arbeitet in Offenbach a. Main.

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I N H A L T AUSEINANDERGEHENDES & ZUEINANDERSTREBENDES 12 Auseinandergehendes und Zueinanderstrebendes 16 Wir können nicht zusammen sein 17 Aufbruch ins Labyrinth ICH FREUNDSCHAFTE DICH 22 23 24 25

Ich freundschafte Dich Lächle Vertraute Die Wolke, Pepe LEBEN UND WESEN

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Junge Basilikazisterne Heimadresse Hangi Entegrasyon? 160 km/h Verlegenheit Ein solcher Regen Leben und Wesen

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I N H A L T WAS DER KONKRETE POET SIEHT 47 48 49 50 51 52 53

Bis spät in die Nacht Haltestelle Ledermuseum Haltestelle Mühlberg DICHTER Routinearbeit Kein Manifest 1 Kein Manifest 2 DIESE HALTESTELLE HAB ICH MIR GEMACHT

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Diese Haltestelle hab ich mir gemacht THIS STOP I MADE BY MYSELF (english)

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This stop I made by myself Translated by Hakan Akçit

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Biographisches

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Safiye Can im Größenwahn Verlag

Rose und Nachtigall Liebesgedichte ISBN: 978-3-942223-64-5 eISBN: 978-3-942223-65-2 3. Auflage »Fern vom Land der Rosen und Nachtigallen lese ich verblasste Träume auf und pflanze sie in Blumentöpfe. Es ist leichter hundert andere Leben zu retten, als das eine eigene.«

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»Safiye Can nimmt es sehr genau mit dem persönlichen Ton. Angefangen von der richtigen Tonalität über die Tonlage oder -farbe des stimmlichen Ausdrucks bis hin zum jeweils einzig passenden Tonfall jeder kleinsten rhythmischen Einheit des poetischen Textes hat sie stets alles präzise im Ohr und wacht darüber als ihr kostbares Eigentum. Es ist ihre Musik. Ihre Liebesgedichte sind eine Art Programmmusik, da tauchen immer wieder Motivverbindungen auf, die Leser oder Hörer in gewisse Stimmungen versetzen, Erinnerungen wachrufen, um Safiye wieder zu erkennen.« GERHARDT CSEJKA »Eine Sensation.« HR2 »Bestechend die realistische Sprache.« OFFENBACH-POST »Anerkennung für eine Autorin, die etwas versucht, das es so lange nicht mehr gegeben hat in der deutschen Lyrik.« FIXPOETRY »Safiye Can entdeckt in diesem Erlebnis das Substrat der künstlerischen Kreativität.« KUNO »Der impressionistische Grundgestus der Gedichte setzt sich um in rhythmisch-melodischen Sequenzen.« GESELLSCHAFT FÜR ZEITGENÖSSISCHE LYRIK »Das Debütwerk der Dichterin ist schon ein großes.« LYRIKWELT »Safiye Can zog mit diesem Gedichtband all das Interesse der deutschen Literaturszene auf sich.« INTERNATIONAL JOURNAL OF LANGUAGES´ EDUCATION AND TEACHING

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www.groessenwahn-verlag.de

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Leseprobe diese haltestelle hab ich mir gemacht  

Ein Mensch, ein Kind, eine Dichterin hat sich ihre eigene Haltestelle erschaffen. Eine einsame Insel im Nirgendwo, weit weg von der Banalitä...

Leseprobe diese haltestelle hab ich mir gemacht  

Ein Mensch, ein Kind, eine Dichterin hat sich ihre eigene Haltestelle erschaffen. Eine einsame Insel im Nirgendwo, weit weg von der Banalitä...

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