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Liebe Leserinnen und Leser, nachdem im Spätsommer dieses Jahres die Debatte um eine gesetzliche Klarnamenpflicht in sozialen Netzwerken erneut ins Rollen gebracht wurde, kochten die kontroversen Meinungen zum Thema Anonymität im Internet wieder einmal hoch.1 Hier wurde deutlich, welche unterschiedlichen Positionen die Gesellschaft bezüglich dieser ambivalenten Thematik gerade im Kontext der Digitalisierung durchziehen. Argumente, die in Anonymität eine Stärkung von Partizipation und Aufrichtigkeit sehen, werden in diesem Zusammenhang oftmals gegen Argumente abgewogen, die einen Anstieg gesellschaftlicher Enthemmung durch Anonymisierung befürchten. Dazu thematisieren Lea Watzinger und Patrick Herget in ihrem Beitrag zunächst die grundlegenden Zusammenhänge von Anonymität und Privatheit. Dabei zeigen sie Begriffsdimensionen und Ambivalenzen des Anonymitätsbegriffes auf und verorten ihn sodann in der interdisziplinären Privatheitsforschung. Anne Deremetz beleuchtet die soziale Funktion von Anonymität und stellt dar, inwiefern Anonymität auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen notwendig für ein friedliches und funktionierendes Miteinander ist. Dem folgt ein Interview mit Prof. Dr. Thomas Knieper, der in Passau den Lehrstuhl für Computervermittelte Kommunikation innehat. Er gibt im Gespräch mit Patrick Herget und Lea Watzinger einen Überblick hinsichtlich des potentiellen Missbrauchs von Anonymität und kommt zu dem Schluss, dass das Netz kein rechtsfreier Raum sei – Anonymität im Internet sei daher nur mit Vorsicht als solche zu bezeichnen. Franz X. Berger blickt im Anschluss aus juristischer Perspektive auf soziale Netzwerke und zeigt auf, dass es ein Grundrecht auf Anonymität gibt. Im Folgenden erörtert er die daraus erwachsenden Konflikte zwischen dem Schutz der Persönlichkeit und der freien Meinungsäußerung als Herausforderungen für Recht und Gesellschaft. Hermann Jakobi setzt sich danach kritisch mit der zunehmenden Überwachungswut im öffentlichen Raum auseinander. Vergleichend geht er dabei auf die rechtlichen Systematiken für die Errichtung von öffentlicher Videoüberwachung am Beispiel von Krasnojarsk und München ein. Ebenfalls bezug1  Vgl. exemplarisch Mack, Daniel: Wird Zeit für eine gesetzliche Klarnamenpflicht auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. Auf: Twitter vom 14.09.2018. Online: https://twitter.com/danielmack/st atus/1040520176691752961?lang=de (20.11.2018).

nehmend auf Russland hebt Elizaveta Saponchik in ihrem Artikel die Bedeutung anonymer Kommunikation am Beispiel des Dienstes ›Telegram‹ hervor und zeigt auf, welche juristischen Konflikte sich in Bezug auf die Nutzung anonymer Kommunikationsdienste in Russland ergeben. Anschließend daran sind interessante Publikationsund Veranstaltungshinweise im Kontext von Privatheit und Digitalisierung aufgelistet. Zum Schluss finden Sie Berichte zu den Veranstaltungen und Exkursionen des Kollegs im Sommersemester 2018: Neben einem Bericht zur interdisziplinären Ringvorlesung »Narrative der Überwachung« und zur Kooperationstagung mit dem DFG-Forschungsprojekt »American Literature and the Transformation of Privacy« in Frankfurt, blickt Lea Raabe auf eine Exkursion des Kollegs nach Stuttgart zurück, wo eine Kooperation mit der Hochschule der Medien aufgebaut wird. Marcel Schlegel fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Amsterdam Privacy Conference 2018 zusammen, auf der eine Abordnung des Kollegs ein eigenes Panel bestritt. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der vorweihnachtlichen Lektüre!

Lea Watzinger Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 »Privatheit und Digitalisierung«. Patrick Herget Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg 1681/2 »Privatheit und Digitalisierung«.

Magazin #11 (Dezember 2018)  

Pünktlich zu Weihnachten kommt das Magazin im neuen Gewand. 47 spannende Seiten zum Thema "Anonymität"!

Magazin #11 (Dezember 2018)  

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