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Kostenlos / Farbig Ausgabe 12/2018

Über Netflix und Co.

THREE DAYS GRACE Live im März

AUGUST BURNS RED

Voll im Element

CALIBAN

Unabhängiges Fanzine mit News, Reviews, Interviews, Games und Verlosungen zu Musikern, Konzerten und Festivals jedes Genres.


We Are The Many Auch heute noch

Was vor einigen Jahren noch der absolute Live Hit von Caliban war, wird heute mit vielen weiteren Hymnen immer noch zelebriert. Never change a running system! Auch wenn viele Bands stets Probleme damit haben, von ihren Hits wegzukommen bei den Shows, zeigt sich der stetige Zuwachs an Bands und Songs hier durchaus positiv. Es gibt nicht mehr diese vier Songs, die auf einem Festival hart gefeiert werden müssen im Vorfeld. Stattdessen haben wir durch Streaming und co. eine riesige Auswahl an sehr guten Songs, welche nicht nur unserem Geschmack entsprechen, sondern auch noch unser Spektrum in diesem Genre erhöht. Wer vielseitig konsumiert hat einfach auch das bessere KnowHow in der Szene. Warum erzählen wir euch das überhaupt? Nun, gerade in puncto Streaming hatten wir mit Caliban als Coverstory ein sehr interessantes Thema, das ihr euch unbedingt ansehen solltet. Auch in unserem Track By Track Review schlagen sich die Jungs mit ihrem aktuellen Album Elements sehr gut! Es freut uns auch riesig, dass wir die Southern Rock Sensation aus Edmonton in dieser Sektion unterbringen durften - Black Stone Cherry geben sich bei uns die Ehre! Ansonsten haben wir für euch auf der bisherigen Tour des Jahres mit August Burns Red und In Hearts Wake ein paar Worte gewechselt. Wir sind auch ziemlich stolz darauf, dass wir Three Days Grace einige Informationen über kommende Konzerte entlocken durften - lest unbedingt hierzu auch unser 3-Seitiges Interview! Unseren knallharten Reviews konnten sich in dieser Ausgabe Bands wie Breaking Benjamin, Bleed From Within, KMPFSPRT, 30 Seconds To Mars, Underoath und viele andere nicht entziehen – ob diese Bands mit ihrer aktuellen Scheibe noch mal Glück gehabt haben erfahrt ihr also bei uns. Zuletzt möchten wir euch wie immer unsere netten Spotlight Bands ans Herz legen: Sagt dochmal Hallo zu Anchester, Drei Meter Feldweg, Modell Bianka und Sloppy Joe´s.

impressum Angaben gemäß § 5 TMG Gringoz Magazine Alexander Hoppen Rübenacher Straße 1 56218 Mülheim-Kärlich Vertreten durch: Alex Hoppen Kontakt: Telefon: 0170 – 289 46 41 E-Mail: info@gringoz-magazine.de RedakteurInnen dieser Ausgabe: Alexander Hoppen Jana Boese Linda Kasprzack Kevin Höfer Nils Boysen Jana Gall Niici Nico Simon Désirée Pezzetta ViSdPR: Alexander Hoppen, Für den Inhalt und der einzelnen Artikel ist der/die VerfasserIn verantwortlich. Diese geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Du hast Fragen, Anregungen oder Kritik auf Lager, möchtest uns mit Lobeshymnen überhäufen oder einfach mal „Hallo“ sagen? Dann schreib‘ uns über das Formular auf www.gringoz-magazine.de wir melden uns schnellstmöglich bei dir. Wenn du uns Promo- bzw. RezensionsMaterial zuschicken willst, sende dieses an: promo@gringoz-magazine.de

eure gringoz Gringoz-Magazine

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Inhaltsverzeichnis

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CALIBAN 20 Jahre Bandgeschichte, das aktuelle Album und wieso Streaming gut und schlecht ist - das sind nur einige der Themen, die wir mit der Metalcore Formation besprochen haben.

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INTERVIEWS THREE DAYS GRACE IN HEARTS WAKE AUGUST BURNS RED JOHN WOLFHOOKER

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LIVE REVIEWS HEAVEN SHALL BURN KRAFTKLUB K.I.Z

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REVIEWS THREE DAYS GRACE, RED SUN RISING, 30 SECONDS TO MARS, JUDAS PRIEST, BLEED FROM WITHIN, KMPFSPRT, BREAKING BENJAMIN, EDITORS

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TRACK BY TRACK BLACK STONE CHERRY CALIBAN

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SHORTREVIEWS CONCRETE JUNGLE RECORDS, DEFECTO, DIE HEART, DOROTHY, EGO SUPER, ERRDEKA, MILESTONES, NALE, THE LAST GANG, THE PLOT IN YOU

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GAMING FAR CRY 5 A WAY OUT

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SPOTLIGHTS ANCHESTER, DREI METER FELDWEG, MODELL BIANKA, SLOPPY JOE´S

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TITELSTORY

CALIBAN Man könnte es mittlerweile fast Tradition nennen: So ziemlich genau alle zwei Jahre dürfen ausgewählte Clubs in Deutschland dank frühen Ausverkaufs die Caliban DieHard Fans schon in den frühsten Morgenstunden vor ihrem Club auflesen. Denn als Fan lässt man sich die Release Shows eines neuen Albums dieser Band nur sehr ungern entgehen. Sie wollen zu den ersten gehören, die die neue Scheibe Elements live zu spüren bekommen und das im direkten Kontakt mit der Band. Text: Alex Hoppen, Fotos: Diana Hoppen

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Nach einem atmosphärischen Intro stürmten Caliban die kleine Bühne und eröffneten ihr Set mit dem Song This is War, welcher direkt vom neuen Album stammt. Elements kam heute erst raus und so hatten Fans lediglich seit wenigen Stunden die Möglichkeit, sich mit den heute anstehenden Songpremieren vertraut zu machen. Doch das merkte man hier keinesfalls. Tatsächlich hatten sich die ersten Reihen ja bereits seit Stunden vor der Venue aufgehalten und konnten gemeinsam die neuen Songs einstudieren. Zwar gab die Venue auch in Sachen Platz nicht viel her, aber wo kein freier Meter mehr frei war, wurde halt schnell einer durch zusammenrücken erstellt. Circle Pits und Wall of Deaths zu Klassikern wie Love Song, Paralyzed, Davy Jonesoder Walk Alone waren von Anfang an dabei und hielten sich über den gesamten Gig regelmäßig. Der gerade einmal 40cm breite Graben war quasi für die Jungs ein zweiter Laufsteg. Hautnah wie kaum eine andere Band ihrer Größe,fühlen sich die Jungs gerade in der ersten Reihe direkt bei den Fans sichtlich am wohlsten. Insgesamt lieferten die Essener wie gewohnt eine klasse Performance und haben die erste Feuerprobe mit Elements durchaus gemeistert – klar standen die neuen Songs dabei im Vordergrund, doch für Fans der älteren Werke kam auch der ein oder andere Song von bis vor 12 Jahren Bandgeschichte zum Einsatz. Das nächste Mal dürfte für unseren Geschmack gerne etwas von Shadow Hearts oder dem genialen The Opposite from Within mit dabei sein, aber das ist Kritik auf höchstem Niveau. Der Abend war klasse und wird spätestens mit Album Nummer 12 wiederholt. Wir haben uns mit Marc und Andy vor dem Konzert mal zusammengesetzt und über Elements, dem 20-jährigen Jubiläum und dem großen Diskussionsthema Streaming unterhalten.

Um diesen Shows stets ein gewisses Maß an Exklusivität zu geben, kommen dafür meist Clubs in Frage,die normalerweise aufgrund der hohen Nachfrage eher selten von Caliban bespielt werden. Wer schon mal dabei war weiß, wie geil diese Abende sind, aber für alle die Revue passieren, oder sich für 2020 anstecken lassen wollen, hier eine Zusammenfassung vom Gig in Köln: Das Luxor war schon vor dem Auftritt von Caliban ordentlich am Dampfen, dank engstem, intimstem Gedrängel und der Vorband Anchors & Hearts, die bereits erste Aufwärmübungen mit der Crowd durchführen durfte. Als jedoch für den großen Auftritt von Caliban die Lichter ausgingen, fing das bisher recht warme Luxor regelrecht an zu kochen. Gringoz-Magazine

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TITELSTORY GRINGOZ: Wie geht´s euch denn so? Gestern die erste Show in Berlin war doch sicherlich ein Erfolg oder? MARC: Mir geht es schon den ganzen Tag gut. Bei ihm hier weiß ich das noch nicht so genau. ANDY: Nach der Release Show gestern noch ich noch dabei mich zu akklimatisieren. GRINGOZ: Elements ist ja jetzt endlich raus – erste positive Rezensionen sprechen für sich – wie fühlt ihr euch damit? MARC: Erleichtert! Und natürlich ziemlich happy über die positiven Pressestimmen. GRINGOZ: Eure WarmUp Shows zu einem Albumrelease gehören ja mittlerweile eigentlich dazu – auch das Luxor ist da kein Unbekannter auf eurem Tourplan – wie lief es denn gestern in Berlin? MARC: Eigentlich lief es ganz gut. Es war halt die erste große Show nach Monaten. ANDY: Die letzten richtig großen Shows hatten wir halt im Dezember. MARC: Genau – live müssen die neuen Songs halt erst mal sitzen, aber für den ersten Versuch vor Publikum hat es den Leuten glaube ich ziemlich gut gefallen. ANDY: Sagen wir mal so: Wir haben es nicht voll verkackt. *lacht* MARC: Eben! Also Berlin hat es gestern offensichtlich gefallen und das ist ja die Hauptsache. Ich denke heute wird es mindestens genauso gut da Köln mittlerweile ja fast als zuhause für uns gilt. ANDY: Hat auf jeden Fall Spaß gemacht gestern. GRINGOZ: Ihr spielt ja jetzt nur zwei Shows im Rahmen eurer Release Tour – danach geht es auf die großen Festivals Europas-aber wann werden wir denn Elements und co. in einer richtigen Club Tour zu hören kriegen? MARC: Natürlich – wir planen für den Herbst aktuell eine kleine Tour. Bands darf ich aktuell noch nicht nennen, aber da ist auf jeden Fall was in Planung. Wir wissen nur noch nicht ob es eine

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Headliner oder Co-Headliner Tour werden soll – wahrscheinlich aber eine Co-Headline Tour für den Herbst/Winter Zeitraum mit drei anderen Bands. Wann ganz genau es los geht kann ich leider auch nicht sagen, aber irgendwann im November/Dezember sollte man uns wieder live sehen können. Vielleicht sogar schon im September – also für unsere Fans sei gesagt: Es kommt auf jeden Fall wieder zum Album eine Tour, nur halt diesmal ein bisschen später als sonst. Zwar erst nach den Festivals aber dafür wird es wahrscheinlich eine umso geilere Tour. GRINGOZ: Wir erinnern uns gerne an die kleine Tour mit Heaven Shall Burn zum 15-jährigen Jubiläum im Jahr 2012 – wieso gab es denn um 20-jährigen letztes Jahr kein Event? MARC: Es war einfach zu viel zu tun. Wir haben uns auf viele andere Sachen konzentriert wie zum Beispiel Elements und die aktuelle kleine Tour. ANDY: Man hat zwar dran gedacht aber groß gefeiert hat man das nicht. Gab ja auch keinen triftigen Grund. MARC: Was war denn dann zum 15. der Grund? Jetzt hab ich dir eine Fangfrage gestellt. *lacht* ANDY: Öhm ja ... die klassischste Antwort die man in jedem Interview hören will: Weiß ich nicht, du. *lacht* MARC: Klar ist es cool, dass wir so seit 20 Jahren funktionieren, aber ich hab für meinen Teil echt nicht groß drüber nachgedacht da was zu machen, weil halt einfach das Album anstand und da einfach zu viel in meinem Kopf umhergeflogen ist. GRINGOZ: Man kann ja eigentlich sagen, dass ihr zu den großen Inspirationen im deutschen Metalcore Bereich zählt. So ziemlich jede neu gegründete Metalcore Band der letzten 10 Jahre hat irgendwo einen Bezug zu euch. Wie war das denn bei euch vor 20 Jahren? MARC: In Deutschland war das damals, meine ich, sehr schwierig gewesen, da es Bands in unserem Stil kaum bis gar nicht gab. ANDY: Nee. Damals absolut nicht – deswegen werden wir ja gerne mal mit Heaven Shall Burn zusammen als die Bands bezeichnet, die den Metalcore in Deutschland publik gemacht haben. Gringoz-Magazine

So sagt man es zumindest. *lacht* MARC: Wir hatten halt eher internationale Vorbilder aus der Szene wie Earth Crisis, Morning Again oder Snapcase die nicht ganz so metallisch waren aber dadurch umso eher in diese Richtung gingen, die wir eingeschlagen haben. Damals haben wir uns aber auch von ganz anderer Musik inspirieren lassen wie Machine Head oder Korn. ANDY: Daraus ist dieser Style ja auch entstanden. Intern waren wir ja auch aus musikalischer Sicht immer sehr gemischt. Der eine mehr Metal, der andere schon Hardcore und dadurch kam das halt zustande. GRINGOZ: Es gibt heute ja gefühlt zu jeder Band ein „Core“ Genre. Egal ob Trancecore, Deathcore, Speedcore usw. – wie steht ihr denn dazu bzw. wie war das früher? ANDY: Metalcore steht da natürlich ganz oben, weil die anderen Sub-Genres ja quasi von ihm abstammen. Aber als wir damit früher anfingen war selbst das nicht mal Metalcore – keine Ahnung wie man das damals nennen könnte. MARC: In der Szene sprach man damals eher von New School Hardcore – generell bin ich komplett dafür, dass es soviel verschiedene Musik gibt wie es nun mal geht. Ich finde nur diese Betitlung total schwachsinnig bzw. ist es für mich persönlich nicht wichtig. Es ist mir total egal wie das genannt wird was ich da höre. ANDY: Sehe ich genauso – es muss einem halt gefallen. MARC: Wenn ich eine Band höre und mir einer sagt „Ich wusste ja nicht dass du Trancecore hörst“ – das ist mir scheiß egal was ich da für ein Genre höre – ich höre die Band! GRINGOZ: Wie steht ihr zu Streaming? Wir erinnern uns da gerne an 2014 zurück, wo euer damaliges Album Ghost Empire für Fans einen Tag vor Release zum rein hören quasi komplett im Stream erhältlich war. MARC: *Blick zu Andy* Willst du mal anfangen? Ich antworte irgendwie immer als erstes. ANDY: Nene – ich antworte nicht – ich füge hinzu. *lacht*

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TITELSTORY MARC: Generell finde ich das große Netzwerk, das Hörern da geboten wird, sehr gut. Es ist natürlich kein Geheimnis, dass Bands an Streams so gut wie nichts verdienen. Ich höre mir natürlich auch Bands auf den verschiedensten Streaming Portalen an, aber wenn ich sie dann geil finde, kaufe ich mir auch das Album und halte das auch gerne in den Händen. Man kommt um den Luxus der Streams fast nicht mehr vorbei. Wer will denn nicht einfach während man unterwegs ist Musik vom Smartphone direkt hören in einer fast unendlichen Auswahl? Die meisten Autos haben ja mittlerweile nicht mal mehr ein Laufwerk für CDs. Also klar ist Streaming sehr wichtig aber ich hoffe es gibt noch mehr Menschen da draußen, die sich Alben kaufen, auch wenn diese im Stream erhältlich sind. Es gibt natürlich auch Bands, die ganz andere Wege gehen und sich damit Eigentore schießen, wie zum Beispiel Crematory, welche auch in der Presse aktuell präsent sind. Die greifen halt die Fans offen verbal an, weil diese eher Streaming Dienste nutzen, als das Album zu kaufen – das ist halt komplett falsch in meinen Augen. Ein Stream ist ja irgendwo dennoch ein gewisser Support für die Band und vielleicht teilt der Hörer diesen Stream dann auch noch in den Sozialen Medien, um eine höhere Reichweite damit zu garantieren. Nur wenn man jetzt sagen würde: Keiner kauft mehr irgendwas, dann wird ab den Alben halt gar nichts mehr verdient, geschweige denn die Kosten gedeckt, wodurch Labels irgendwann auch im schlimmsten Fall den Hahn zudrehen werden. Ich bin da nicht vom Fach aber ich glaube die einzelnen Streaming Dienste sollten den Künstlern etwas mehr Geld für ihre Musik geben. Diese Bruchzahlen für pro 1000 gehörte Songs in 0,00X Centbeträgen bringen niemanden was. ANDY: Ja das wäre schon nicht schlecht, wenn da ein Wandel passiert. MARC: Mit einer Aufstockung wäre das ganze ja noch nicht mal schlimm – dann wäre das alles vollkommen okay. Dann gäbe es halt eine limitierte Auflage an CD´s für die DieHard Fans und der Rest streamt dann halt. Das wichtigste ist ja erst mal, dass die Albumproduktion dadurch gedeckt wird. ANDY: Die Leute wollen ja auch ein gutes Produkt haben. Gut produzierte Sachen kosten aber nun mal Geld und dieses Geld würden wir über Streaming nicht reinkriegen.

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GRINGOZ: Auf dem Weg zum Konzert und Interview heute sahen wir ein Plakat auf dem stand: „Im online Marketing ist der Kunde Gott“ – ist das auf die Musik bezogen ähnlich? Ist da mittlerweile der Hörer Gott? MARC: Definitiv nicht – das ist halt immer so eine Sache. Klar macht man Musik für Fans, aber man macht sie in erster Regel - wenn man sie ehrlich macht - für sich selber. Wir produzieren halt den Stil, den wir selber gerne hören und wenn es da draußen Leute gibt, die dieses Interesse mit uns teilen ist das natürlich umso geiler. Ich glaube, wenn man den Weg geht und Songs für ein Album danach auswählt, was den Leuten gefällt, dass das völlig falsch ist. Man würde dann ja auch irgendwie hören, dass das nicht ehrlich ist. Also ich würde zumindest diesen Beigeschmack haben, wenn man etwas spielt, wo man sich selber nur fragen kann, wie das andere gut finden. ANDY: Ich glaube da würden wir oder generell Musiker sich auch nicht mit wohl fühlen mit. MARC: Etwas anderes wäre, wenn man sich zwischen zwei Songs entscheiden müsste und man generell beide gleichermaßen geil findet. Wenn man dann Argumente für einen Song findet, der den Fans eher zusagt, dann ist das natürlich was anderes. ANDY: Oder wenn man merkt dass ein Song ein deutlich besserer live Song wäre als ein anderer – aber in erster Linie muss halt der Spaß und der Glaube an diesen Song im Vordergrund stehen. MARC: Eben – und ehe mir jemand sagt, dass wir irgendwie mehr Clean Gesang oder mehr Blastbeats reinbringen müssen, da würde ich, glaube ich, eher auf das Mucke machen verzichten, als mich dem zu beugen. GRINGOZ: Zum Schluss wollen wir von euch wissen, falls ihr das Angebot bekommen solltet mal für ein Game einen Soundtrack zu schreiben, welches Spiel wäre das. ANDY: Wahrscheinlich Call of Duty oder so was. MARC: Das hab ich sogar schon gemacht! Leider hat das aus firmeninternen Gründen seitens des Herstellers bisher noch nicht so bekannt, aber wir haben tatsächlich für das Game For Honor etwas produziert – das kommt auch ziemlich bald. Privat Gringoz-Magazine


bin ich ja sowieso Gamer und die Show heute Abend hier in Köln werden wir auch live auf Twitch streamen. Zuhause streame ich seit einigen Wochen regelmäßig Spiele und letzte Woche hat mich eine Marketing Agentur eine Spielefirma angeschrieben und wollte auch etwas von mir haben für ein Rennspiel, bzw. wurden wir angefragt, ob wir uns vorstellen könnten, einen Song für eines ihrer Spiele zu machen. GRINGOZ: Das erinnert uns sehr an den Matt von Trivium, welcher vor einigen Monaten ja auch Twitch und Co. für sich entdeckt hat. Was streamst du denn? MARC: Hauptsächlich aktuell Rainbow Six Siege. Manchmal dann noch so Story Koop Spiele mit Freunden oder anderen Musikern. GRINGOZ: Gibt es denn so das ein oder andere Spiele Highlight, auf das ihr euch freut für 2018? MARC: Da kamen schon ganz viele gute raus. Aktuell ist es Far Cry 5 und mal was ganz anderes: Ni No Kuni 2. Als nächstes kommt dann noch God of War und dann kommt ja noch alle drei

Monate ein Rainbow Six Update. Und was spielst du so gerne? *Blick zu Andy* ANDY: Momentan spiele ich Assassin´s Creed. Generell ist aber meine Lieblingsreihe so ziemlich alles von Tomb Raider. GRINGOZ: Noch mal auf Matt bezogen: Dieser macht ja auch als Stream so Privatkonzerte, wo dann Leute fleißig kommentieren und sich Songs wünschen können.. MARC: Genau das mach ich auch. Wir haben zum Beispiel mit Marco und Denis eine Probe bei mir zuhause gestreamt, wo wir drei Songs gespielt haben. Gestern den Soundcheck wollten wir eigentlich auch streamen aber das war leider zu hektisch und wie gesagt heute werden wir, wenn die Verbindung es zulässt, das Konzert live übertragen. Wir bedanken uns natürlich bei Caliban für diesen Einblick in aktuelle Projekte und die interessanten Fakten über die letzten 20 Jahre. Wir sehen uns hoffentlich im Sommer auf den Festivals!


ONE PHOTO TELLS STORY >> Leoniden am 07.03.2018, Tempodrom, Berlin


Foto: Adina Scharfenberg Photography


INTERVIEW

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DAYS GRACE Kaum eine kanadische Rock Formation lässt sich hierzulande trotz des hohen Erfolges seltener blicken, wie die Jungs von Three Days Grace. Wenn es dann doch mal zu der ein oder anderen Show kommt, sind diese recht zügig ausverkauft. Der Erfolg spricht in dem Fall für sich. Zwar müssen wir infolge der aktuellen Veröffentlichung vom neuen Album Outsider auch mal wieder eine Durststrecke durchleben, doch es gibt ein erstes Lebenszeichen für Deutschland. Wir haben uns mit Bassist Brad Walst mit diesem und vielerlei weiteren Themen auseinandergesetzt. Text: Alex Hoppen, Fotos: Three Days Grace

GRINGOZ: Hey Brad, könntest du uns, bevor wir richtig anfangen, noch mal die letzten drei Jahre aus eurer Sicht zusammenfassen? Da war ja einiges los. BRAD: Die waren eigentlich ziemlich gut. Wir verbrachten viel Zeit auf Tour. Zuletzt waren wir 2016 hier in Europa und spielten ein paar Shows. Danach setzten wir uns schon Ende 2016 für das neue Album Outsider zusammen. Ich glaube, wir haben noch nie so lange an einem Album gesessen und dieses ausgearbeitet – aber es fühlt sich klasse an! Jetzt sind wir wieder bereit auf großer Tour dieses Album zu präsentieren. GRINGOZ: Kannst du uns denn etwas über das Cover von Outsider erklären? Was hat es mit dem weißen Pfeil auf sich, der nach links zeigt? BRAD: Ich selber habe das Cover leider nicht entworfen aber für mich symbolisiert es Jemanden, der auf seine etwas andere Weise den persönlichen Weg findet, den er gehen will. Es soll dabei etwas Positives vermitteln, denn es ist überhaupt nicht schlimm, anders zu sein. GRINGOZ: Beim ersten Durchlauf von Outsider fiel uns direkt im Song Right Left Wrong zu Beginn der Satz „Ich weiß nicht was du meinst“ auf, welcher untypisch auf Deutsch durch die Boxen schallt. Wie kam es denn dazu? BRAD: Das war tatsächlich die Idee unserer Technikerin aus dem Studio, um diesem Song im Gringoz-Magazine

Intro eine bessere Atmosphäre zu geben. Diesen Part hat sie dann auch übernommen. Und da sie aus Deutschland kommt, fanden wir es eine coole Idee diesen Text in beiden Sprachen einmal auszuprobieren. Im Endeffekt haben wir uns dann dazu entschieden, beide Sprachen zu übernehmen. Das war eine wirklich spontane Idee. GRINGOZ: Im Januar konnten Fans bereits eine erste Hörprobe zu The Mountain hören. Das Logo von Three Days Grace sieht in dem Video aus, wie das von der Netflix Serie Stranger Things. Und wenn wir ehrlich sind, klingt Outsider an manchen Punkten auch wie der Soundtrack zu dieser Serie. War das geplant? BRAD: Das war tatsächlich so nicht geplant. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, höre ich auch genau, was du meinst. The Mountain war damals der erste Song, den wir für das Album aufgenommen haben. Der Stil, der sich durch das Album ziehen sollte, war da noch nicht klar definiert, daher klingt der Song sehr verspielt und recht offen. Die Vibes klingen da an einigen Stellen echt wie in dieser Serie. Wir haben da halt noch echt viel herumexperimentiert mit allerlei Instrumenten. Wenn ich jetzt genauer drüber nachdenke, hast du Recht und das Logo sieht tatsächlich dem von Stranger Things ähnlich. Das ist ziemlich cool, denn ich bin auch Fan dieser Show. GRINGOZ: Outsider ist das zweite Album mit deinem Bruder Matt als Sängerin der Band. Gab es da einen großen Unterschied zwischen Outsider und Human, was die Aufnahmen betrifft?

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INTERVIEW BRAD: Absolut! Human war ein super Debüt für Matt, aber Outsider ist das perfekte Album, das Matt im richtigen Licht zeigt. Das hört man in jedem Song raus. Da ist eine riesige Steigerung zu spüren. Wenn ich ehrlich bin, waren wir zu der Zeit von Human auch irgendwo auf einer Kreuzung. Wir wussten nicht in welche musikalische Richtung wir als nächstes gehen wollen und dann kam Matt als der Neue quasi in eine Band, die sich selbst wiederfinden musste. Human war ein klasse Album, aber mit Outsider hat Matt einfach seinen persönlichen Platz in der Band gefunden. Ich bin sehr gespannt, wie die Zukunft aussieht und freue mich darauf. GRINGOZ: Hast du denn einen Song auf Outsider, auf den zu besonders stolz bist? BRAD: Mein absoluter Favorit ist The Abyss, glaube ich. Dieser Song rundet zum Ende des Albums noch mal in einer dunklen Atmosphäre alles Negative ab, was wir auf Outsider verarbeiten wollen. Besser hätten wir meiner Meinung nach das Album nicht abschließen können. GRINGOZ: Es ist nun mehr als 10 Jahre her seitdem eure Live DVD Live at the Palace veröffentlicht wurde – gibt es hierzu Pläne für eine zukünftige Live DVD oder CD? BRAD: Boah, das habe ich ja fast vergessen. Aber demnach haben wir auch die letzten Jahre nie über eine neue Live Platte nachgedacht. Zuletzt hatten wir aber intern das Thema, ob wir eine Akustik Platte veröffentlichen wollen. Viele unserer Songs klingen akustisch einfach ganz anders und fangen eine ganz andere Atmosphäre ein. Das alles als Show zum Beispiel in einem düsteren Theater wäre ziemlich geil für eine DVD. Wie gesagt, wir

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hatten bis jetzt auch nur mal grob darüber nachgedacht, aber wenn wir etwas außerhalb der normalen Studioalben veröffentlichen, wird es wohl auf etwas Akustisches hinauslaufen. GRINGOZ: Unsere deutschen Fans kamen nun seit zwei Jahren nicht mehr in den Genuss eurer Shows. Ich hoffe doch einfach mal, dass Deutschland auf eurem Tourplan für 2018 steht? BRAD: Da gibt es leider noch keine konkreten Daten, aber die Idee bzw. der Wunsch ist da, dieses Jahr noch Shows in Deutschland zu spielen. Es wird zwar wahrscheinlich nicht im Sommer sein, aber spätestens im Herbst sollte man mit uns rechnen. Das steht schon viel zu lange auf unserer Liste und hat dringenden Nachholbedarf. GRINGOZ: Sehr gut! Zum Abschluss würden wir gerne noch mal dieses Netflix Thema aufgreifen und wollten dich fragen, ob du auch Fan der ein oder anderen Serie bist? BRAD: Natürlich! Zuletzt habe ich Narcos gesehen. Dann ist da noch Godless – eine Serie die nicht so viele auf dem Schirm haben. Peaky Blinders zählt zu meinen absoluten Favoriten! Netflix hat schon einen ziemlich großen Teil meiner Freizeit in Anspruch genommen und gerade schaue ich mit meiner Frau zusammen Shameless. Wer nach diesem Interview immer noch nicht genug von Three Days Grace hat, sollte sich unser Review zum aktuellen Album Outsider hier im Heft nicht entgehen lassen! Wir danken natürlich Brad für dieses sehr offene Gespräch und hoffen, dass Narcos bald fortgesetzt wird!

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INTERVIEW

IN HEARTS WAKE Mit ihrem aktuellen Album Ark feierten In Hearts Wake bereits 2017 eine mehr als erfolgreiche Tour in Deutschland und Europa. Jetzt wird das neuste Album der Australier erstmals vor großem Publikum vorgestellt. Wir haben Frontmann Jake nach dem ersten Gig der aktuellen Tour mal zu einem Gespräch zwischen Dressing Room und Nightliner gebeten. Text / Fotos: Alex Hoppen

GRINGOZ: Vor wenigen Minuten habt ihr die Tour als Support eröffnet. Wie fühlt es sich an, nach den paar Monaten zurück zu sein? JAKE: Ziemlich kalt. *lacht* GRINGOZ: Stimmt, ihr seid ja erst frisch aus Australien angereist. Wie warm ist es denn da zu dieser Jahreszeit? JAKE: Verdammt warm – als wir in den Flieger stiegen waren es um die 35 Grad in Australien. Da

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sind diese Temperaturen in den ersten Tagen natürlich erst mal eine große Umstellung. GRINGOZ: Dann sagen wir mal: Willkommen zu einer der kältesten Jahreszeiten hierzulande. JAKE: Es fühlt sich natürlich trotzdem super an, wieder hier zu sein – die Crowd hält uns da doch ziemlich warm bei den Shows. Aber wenn es dann danach von der Bühne Richtung Nightliner geht, ist es natürlich ein umso größerer Schock, wenn Gringoz-Magazine


wir die aufgeheizte Venue verlassen. Daran müssen wir uns erst mal gewöhnen. GRINGOZ: Hattet ihr denn schon mal vorab mit dem Headliner Heaven Shall Burn zu tun? JAKE: Ich habe gehört, dass die Jungs eine ziemlich große Nummer hier sind, aber wir speziell hatten leider noch nie mit ihnen zu tun. Ich kenne auch ehrlich gesagt keine Songs. GRINGOZ: Dustin von August Burns Red hat uns heute in einem Interview gestanden, dass er europäische Festivals mehr bevorzugt, als die aus den Staaten. Ihr wart mit In Hearts Wake ja auch schon des Öfteren hier auf den Festivalbühnen vertreten. Gibt es einen großen Unterschied zwischen diesen und den australischen Festivals? JAKE: Unsere sind etwas wärmer. Ansonsten genießen wir generell die Atmosphäre die so ein Festival mit sich bringt. Die Menge, die Location und bereiten uns natürlich auf unsere Auftritte immer vor. Da habe ich nie große Unterschiede bemerkt. GRINGOZ: Letztes Jahr habt ihr mit Ark euer fünftes Album veröffentlicht. Gibt es denn

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schon Pläne für das kommende Werk? Zwischen Earthwalker und Skydancer lag ja auch nur ein Jahr. JAKE: So schnell werden wir da leider kein Album nachlegen – also zumindest für 2018 ist nichts geplant. Vielleicht wieder 2019. Wir fühlen uns aktuell mit Ark und damit insgesamt fünf Alben eigentlich ziemlich wohl und wollen das auf verschiedenen Touren erst mal wirken lassen. Unser Set ist diesbezüglich auch sehr ausgeglichen. GRINGOZ: Gibt es denn die ein oder andere Band, mit der ihr gerne als Double Headliner eine Tour starten würdet? JAKE: Aktuell wären das unsere Freunde von Northlane. In jeder Hinsicht harmonieren wir mit denen – auch was die Temperaturen angeht. *lacht* Ich glaube auch für unsere deutschen Fans oder generell für Europa wäre das was. In Australien wäre so eine Tour deutlich leichter umzusetzen, als hier. Aber genau das macht so eine Idee erst exklusiv. Vielleicht lassen wir uns für den Herbst da was einfallen. Wie gesagt, ein neues Album wird Ende des Jahres nicht im Laden stehen.

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INTERVIEW

AUGUST BURNS RED Mit ihrem neuen Album auf großer Tour mit Heaven Shall Burn haben wir zum Tourstart August Burns Red noch mal abfangen können, bevor sie über den kompletten März verteilt in ganz Europa erneut ihr neustes Werk Phantom Anthem der Menge als Co-Headliner vorstellen dürfen. Dabei hat uns Bassist Dustin Davidson in einem wirklich unterhaltsamen Gespräch Rede und Antwort gestanden. Text / Fotos: Alex Hoppen

GRINGOZ: Irgendwie scheint es, als wärt ihr Jungs verflucht – letztes Wochenende erst wurde euer Flug zu einem Festival gestrichen und euer gestriger Flug hat sich, wie wir auf Instagram mitbekommen haben, ja auch verspätet. DUSTIN: Tatsächlich habe ich gestern vor dem Flug noch einen Witz darüber gemacht, dass das alles an Chris liegt – unserem FOH Techniker. Jedes mal ist irgendwas, wenn wir mit ihm auf Tour sind. Gestern vor Tourstart wurden wir zu einem anderen Flughafen geschickt, bei dem dann letztendlich beim CheckIn rauskam, dass es zwar neun Tickets für unsere Crew vorhanden sind,

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aber im Flugzeug nur acht Plätze frei waren. Dann haben wir entschieden, dass Chris mit dem nächsten Flieger nachkommen soll, welcher sich dann tatsächlich auch noch mal um sieben Stunden verspätete. Somit hatte Chris schon vor beginn der Tour mit drei Flügen zu kämpfen – der Kerl ist echt vom Pech verfolgt. GRINGOZ: Jetzt könnt ihr euch erst mal im Nightliner auf der Tour entspannen, oder müsst ihr während der Tour noch mal in einen Flieger? DUSTIN: Leider ja – gegen Ende müssen wir für eine Show nach Portugal fliegen. Gringoz-Magazine


GRINGOZ: Aye, dann viel Glück! Ich glaube, das könnt ihr gebrauchen. DUSTIN: *lacht* Danke, danke! Ich mach mir aber jetzt schon Sorgen um den Flug in die Heimat. GRINGOZ: Gibt es denn generell große Unterschiede zwischen dem Touring in Europa und der USA? DUSTIN: Da gibt es keine großen Unterschiede. Wenn es einen gibt, dann den, dass wir so gut wie gar nicht in den Staaten fliegen müssen. Außer auf unserer letzten Tourgab es eine Ausnahme, als wir in New Mexiko waren und für eine Grammy Nominierung nach New York mussten – auf Tour! Wir hatten den Gig in New Mexiko gegen Nachmittag gespielt, um am selben Tag noch nach New York zu fliegen, hatten dann am nächsten Tag tagsüber Day Off bis zu den Grammys, nur um danach direkt nach Denver zu fliegen, wo wir am darauffolgenden Tag eine Show spielten – das war ziemlich scheiße! Fliegen und danach eine Show spielen verträgt sich einfach nicht. *lacht* GRINGOZ: Und aktuell sieht es ja nicht gerade nach Pause aus – euer Tourkalender sieht Shows bis August vor. DUSTIN: Ja genau, darüber habe ich letztens erst mit unserem Mercher gesprochen – es fühlt sich so an, als hätten wir seit Weihnachten keine Pause gehabt. Nach dieser Tour haben wir ein paar Tage frei, bis wir in Lancaster eine Show zu unserem 15-jährigen Jubiläum spielen und danach geht es auch schon ziemlich bald auf die letzte Warped Tour. GRINGOZ: Wir haben mal nachgezählt und allein für eure Tour mit Heaven Shall Burn 23 Shows in einem Monat aufgelistet – das ist verdammt viel. DUSTIN: Oh ja! Das ist aber genau das Richtige für mich, da vergeht die Zeit auf Tour deutlich schneller als immer diese ganzen Day Offs zwischen den Shows. Klar muss Jake auch mal seine Stimme schonen, aber anders als in den Staaten spielen wir hier nicht 90 Minuten sondern als Co-Headliner nur 45 Minuten, daher sollten wir das locker hinkriegen. Wir waren auch schon ziemlich lange kein Support mehr auf einer größeren Tour. Diese Rolle fühlt sich mal ungewöhnlich angenehm an. Gringoz-Magazine

GRINGOZ: Gerade weil ihr so viel zusammen unterwegs seid: Hattet ihr schon mal Bekanntschaft mit Heaven Shall Burn gemacht? DUSTIN: Man kennt sich halt von Namen her und von dem ein oder anderen Festival. Aber bis heute habe ich nie jemanden von Heaven Shall Burn persönlich getroffen. Jedoch kamen eben einige von den Jungs mal in unseren Dressing Room rein um sich vorzustellen und ich muss sagen, dass die wirklich höflich rüberkamen. Wirklich sehr nette und entspannte Typen. Die meisten Bands leben so unter sich auf Tour und stehen mit anderen nicht wirklich groß im Kontakt, das Eis war quasi direkt gebrochen. Ich denke, wir werden eine Menge Spaß auf dieser Tour haben. GRINGOZ: Heaven Shall Burn haben vor einigen Jahren zusammen mit Parkway Drive hier eine Double Headliner Tour gespielt, auf welcher sie zeitgleich sich die Bühne teilten und nach und nach Songs spielten. Mal spielte Parkway Drive fünf Songs, mal Heaven Shall Burn und so wechselte die Show regelmäßig. DUSTIN: Das ist ja ziemlich abgefahren! GRINGOZ: War es wirklich! Wäre so eine einzigartige Idee auch was für euch? DUSTIN: Gute Frage! Auf Parkway Drive bezogen würde das sicherlich irgendwie passen, da wir irgendwo aus demselben Genre stammen. Unsere Fans schreien auch regelmäßig nach dieser Band wenn wir mal herumfragen, mit welcher Band wir doch mal zusammen auftreten sollen. GRINGOZ: Habt ihr eigentlich das Video auf den verschiedensten Social Media Kanälen gesehen, auf dem Adam von Killswitch Engage während einer Show zum Bierstand geht und live eine Bestellung aufgibt, diese trinkt und dabei sein Solo auf der Gitarre rockt? DUSTIN: Das hab ich tatsächlich gesehen ja – ziemlich krass! GRINGOZ: Ich sag mal so – ihr habt nun 23 Shows, um das zu toppen! *lacht* DUSTIN: *lacht* Manchmal rennt JB während der Show durch die Venue und spielt den Gig normal weiter. Das wäre tatsächlich mal eine neue Herausforderung für ihn.

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INTERVIEW GRINGOZ: Okay reden wir mal über euer aktuelles Album Phantom Anthem. Das war tatsächlich eines der positivsten Reviews, die wir je geschrieben haben. Die meisten Rezensionen im Netz schrieben, dass es das beste Album seit Messengers war. Wie stehst du zu dem Ganzen? DUSTIN: Damit habe ich mich die letzten Tage lustigerweise auch auseinandergesetzt. Es tat wirklich gut mal die ganzen alten Platten zu hören und mich im Hier und Jetzt damit auseinanderzusetzen, was meine persönlichen Highlights unserer Diskografie sind. Anders als viele Fans und Kritiker steht weder Phantom Anthem noch Messengers bei mir vorne – meine Wahl fiel auf Rescue & Restore weil es einen sehr düsteren Sound beinhaltete, der sich durch das Album zog. Natürlich liebe ich Phantom Anthem als unser neustes Werk, wie alle anderen Alben – generell sollte man als Musiker nie was veröffentlichen, was man nicht zu 100% vertreten kann. Wir haben wirklich lange daran gearbeitet und das nicht gerade sauber. Matt war zum Beispiel krank als wir mit den Aufnahmen begannen, wodurch wir zuerst die Gitarren einspielen mussten. Das machte den ganzen Prozess irgendwie einzigartig und hat wahrscheinlich das Endergebnis auch beeinflusst. Aber wenn man sich die ganzen Rezensionen ansieht, hat es uns nicht geschadet. *lacht* GRINGOZ: Es ist halt wirklich immer interessant wie Ansichten von Fans und Kritikern sich im Vergleich zu den Musikern unterscheiden –

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danke für diesen Einblick. Hast du denn auf Phantom Anthem irgendwelche Lieblingstracks? DUSTIN: Ja definitiv! Als erstes fällt mir da Hero of the Half Truth ein, was ein sehr düsterer Song ist, welcher sogar einen kleinen Break in der Mitte hat. Jake hat hierbei eine super Performance geliefert. Als nächstes wäre da Lifeline, was vielleicht daran liegt, dass ich diesen Song geschrieben habe. Wie sieht es bei dir aus? GRINGOZ: Tatsächlich ohne jetzt zu lügen, ist es auch Lifeline. DUSTIN: Dann sind wir ja auf derselben Wellenlänge. *lacht* GRINGOZ: Als letztes würden wir natürlich gerne wissen, was deine Top Festivals sind, auf denen du gerne spielen würdest oder ihr als Band sogar schon gespielt habt. DUSTIN: Als Erstes fällt mir da ganz klar Rock am Ring und Rock im Park an – wir haben diese Festivals zweimal gespielt und als Band ist es einfach einzigartig wenn man aus diesem Nightliner aussteigt und mitten auf einer Rennstrecke steht. Das sieht man nicht alle Tage. Generell sind die Festivals in Europa vom Gefühl her besser organisiert. Das fängt schon beim deutlich besseren Catering an und hört beim durchdachten Bühnenplan für die einzelnen Bands auf – ihr Jungs wisst einfach, wie man Festivals plant! Wir spielen gerne hier!

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INTERVIEW

JOHN WOLFHOOKER

Kleiner Tipp von uns: Auch wenn euch diese Band vielleicht nichts sagt, gebt ihr eine Chance! Nach ein paar Songs war uns bereits klar, dass wir es hier mit Etwas fernab des Einheitsbreis zu tun haben und so haben wir uns mit John Wolfhooker Frontmann Martin auf ein kleines Interview geeinigt, um euch diese Band mal etwas näher zu bringen. Wer die Jungs sind, was sie für einen Musikstil spielen und wie es mit ihnen weitergeht, erfahrt ihr in unserem Interview. Text: Alex Hoppen

GRINGOZ: Auf euren Social Media Kanälen seid ihr als Alternative Rock Band gelistet. Alternative ist heutzutage ja ein ziemlich breites Genre – was bedeutet dieser Musikstil speziell für euch? MARTIN: Wir möchten nicht in eine Schublade

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gesteckt werden mit unserem Sound, daher haben wir auf Facebook zum Beispiel lediglich Alternative Rock hingeschrieben. Wir haben in der Band verdammt viele verschiedene Geschmäcker und nutzen diese, um unsere Musik so vielfältig wie möglich zu schreiben, anstatt uns in irgendeinem Genre zu bewegen. Die Basis unseres Stils sind Gringoz-Magazine


Genres, die wir alle mögen wie Periphery, Linkin Park, Bring Me The Horizon, Paramore, Fall Out Boy, Highly Suspect, Eh Sheeran und so weiter... viele dieser Künstler haben uns bisher schon beeinflusst. GRINGOZ: Ihr nutzt öfter den Hashtag „Pidgeonarmy“ (zu Deutsch: Taubenarmee) – das klingt witzig! Könnt ihr diesen Hashtag für unsere deutschen Leser mal genauer erklären? MARTIN: Als wir mit dieser Band anfingen, nahmen wir die ganze Sache nicht so ernst. Wir waren einfach nur ein paar Freunde aus verschiedenen Bands, die drei Songs zusammen aufnehmen wollten. Die Freundin unseres Drummers AJ ist eine professionelle Fotografin und war zu dieser Zeit in Barcelona, wo sie ein Foto einer ziemlich frechen Taube aufnahm. Als wir das Bild sahen, waren wir alle der Meinung, dass das unbedingt unser Bandlogo werden musste. Ähnliche Situation mit unserem Bandnamen: Wir haben unsere Nachnamen ins Englische übersetzt und fanden das Ergebnis cool, so nannten wir uns John Wolfhooker. Wir haben uns entschieden, der Taube – unserem Alter Ego – diesen Namen zu geben – einige Lieder handeln auch von ihm. Deshalb haben wir beschlossen, unsere Fangemeinde Pidgeonarmy zu nennen. GRINGOZ: Ihr hattet vor Kurzem euren ersten Auftritt in Deutschland. Wie lief der denn so? Gibt es in naher Zukunft weitere Pläne für Auftritte hier?

typische Rock Elemente, welche wir mit PostHardcore, Djent, Pop, Punkrock und/oder Funk mischen. Leider haben die ganzen Social Media Kanäle nicht genug Platz, um das so ausführlich hinzuschreiben ;). GRINGOZ: Welche Künstler inspirieren euch denn am Meisten? MARTIN: Da gibt es so viele... Filip und ich sind zum Beispiel mit Punkrock Musik groß geworden. Daher mögen wir Bands wie Green Day oder My Chemical Romance. Rony und AJ haben eher diesen Heavy Metal Hintergrund – die mögen beide Sachen wie Ozzy Osbourne, Black Sabbath, B.B. King und Dream Theater. Aber es gibt noch eine ganze Menge anderer Künstler aus anderen Gringoz-Magazine

MARTIN: Es war im Sage Club in Berlin und es war ziemlich erstaunlich, wir haben wirklich nicht erwartet, dass die Leute so viel Spaß haben, wenn man bedenkt, dass sie uns zum ersten Mal sehen. Und der Club selbst sieht ziemlich bizarr aus. Wir haben ein paar Legenden über diesen Ort gehört und haben die Show wirklich genossen. Weitere Auftritte sind aktuell nicht geplant, werden aber definitiv noch kommen! GRINGOZ: Gibt es ein deutsches Festival, auf dem ihr gerne mal spielen wollt? MARTIN: Definitiv Rock am Ring und Rock im Park – ich denke so ziemlich jede Band hat diesen Traum! GRINGOZ: Ihr habt 2014 und 2016 jeweils ein Album veröffentlicht. Wie sieht es denn mit

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INTERVIEW 2018 aus? Bisher gibt es ja den Song Pitch Black – wird dieser auch auf einem kommenden Album erscheinen? MARTIN: Pitch Black ist einer von fünf Songs, die wir während unseres kleinen Experiments Anfang 2017 aufgenommen haben, als wir uns für zwei Wochen ohne Internet in einer alten Mühle in einem kleinen Dorf in der Slowakei (demselben Ort, an dem wir unser erstes Album aufgenommen hatten) einschlossen haben mit dem Ziel, neue Songs aufzunehmen. In der ersten Woche haben wir gejammt und Songs geschrieben und in der zweiten Woche haben wir aufgenommen – alle Instrumente zusammen, wie bei der Aufnahme unserer ersten CD. Wir haben bereits 3 davon veröffentlicht (Zeddknot, Voices, Pitch Black), also wird es noch 2 neue Songs geben. Wir hatten nicht vor, es als CD zu veröffentlichen, aber wer weiß, vielleicht werden wir alle Songs auf einen speziellen USB-Stick bringen, damit die Leute es in physischer Form bekommen können. Wir haben einfach gemerkt, dass es für Bands wie uns viel besser ist, Singles mit Musikvideos zu veröffentlichen, als ganze Alben. Zumindest macht das aktuell mehr Sinn.

MARTIN: Ich denke, der Hauptvorteil ist, dass wir alles selbst tun können. Wir sind nicht eingeschränkt in dem, was wir tun oder werden gezwungen, etwas zu tun, was wir nicht wollen. Von dem, was ich gehört habe, ist es ein ziemlich häufiges Problem für junge Bands, die gerade unterschrieben haben. Es gibt Dinge, die bei uns unter einem Label viel besser gehandhabt werden könnten, aber wir wollen es nicht erzwingen. Es wäre jedoch großartig, mit jemandem (Manager oder Label) außerhalb unseres Landes zusammenzuarbeiten, der das, was wir tun hauptsächlich wegen der größeren Möglichkeiten im Ausland zu spielen, mag.

GRINGOZ: Ihr arbeitet als Band ohne Label, hat dies spezielle Vorteile für euch?

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LIVE REPORT

HEAVEN SHALL BURN >> 09.03.2018 – HAMBURG – SPORTHALLE >> SUPPORT: AUGUST BURNS RED, WHITECHAPEL, IN HEARTS WAKE

Text: Alex Hoppen Fotos: Jana Boese Wer es schafft, über Jahre hinweg ausverkaufte Shows als Headliner zu bespielen, der kann sich schon mal auf die Schulter klopfen. In diesem Falle reden wir vom infernalischen Metal Gespann Heaven Shall Burn, die auch 2018 nichts außer die Bühne anbrennen lassen und mit einer geladenen Show das Publikum begeistern. Wir waren am Eröffnungswochenende zum Start der Tour dabei und berichten euch über sommerliche Temperaturen in tiefsten Frühling, harten Riffs und natürlich einer Packung Breakdowns, die sich sehen lässt. Noch bevor In Hearts Wake den Abend eröffnen konnten, wies die Hamburger Sporthalle durchaus weniger Besucher als in den letzten Jahren auf. Wohingegen bei der double Headliner Tour mit Parkway Drive 2016 der Laden schon Wochen vorher ausverkauft war, musste heute die Halle um gut die Hälfte verkleinert werden, was auf den

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ersten Blick eher unverdient aussieht. Es gilt aber auch zu bedenken, dass diese Venue zu den größten ihrer Art auf deutschen Boden zählt. Als In Hearts Wake den Abend allerdings eröffnen wird dank Lichttechnik und natürlich dem grandiosen Sounds & Vibes jede offene Größe in der Location vergessen und das Konzert gefeiert. Bereits letztes Jahr konnten die Jungs auf ihrer Ark Tour in den Clubs überzeugen und zeigen nun auch, dass sie auf der großen Bühne in der Lage sind das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Als erste von vier Bands lässt sich diese Eröffnung durchaus sehen. Danach betreten Whitechapel die Bühne, die aufgrund von Status und Respekt gegenüber Frontmann Phil Bozeman als kleiner Geheimtipp für die Tour und als das härteste Pferd im Stall gelten. Trotz des frühen Slots und der kurzen Spielzeit wird hier alles geboten, was man sich wünschen könnte – von Our Endless War bis The Saw Is The Law über This Is Exile werden alle Hits eingefangen und gefeiert. Da fühlt sich die kurze Gringoz-Magazine


Spielzeit der Jungs fast schon unterbesetzt an. Als Co-Headliner kann August Burns Red jegliche Erwartung erfüllen und rocken mit ihrem neusten Album Phantom Anthem nicht nur die Metal Charts sondern auch seit letztem Jahr die deutschen Hallen. Der Hype um diese Band wird nicht weniger, wie die aktuellen Shows beweisen. Besonders spektakulär sind die dirigierenden Einlagen von Frontmann Jake Luhrs während den instrumentalen Parts – hier wird das eigene Genre nicht nur gehört sondern auch gefühlt – mehr dazu verriet uns übrigens Bassist Dustin in einem Interview hier im Magazin. Als die Halle sich ein letztes Mal für diesen Abend verdunkelt und die erste schöne Lichtkulisse des Abends über die Bühne und dessen Vorhand scheint, wurde Jedem klar, dass das große Finale und Highlight der Tour noch aussteht. Doch bevor der Metal die Halle regiert, wird als Interlude noch einmal kräftig die Menge angeheizt mit One von Metalli.. ach Scooter – ja kein Scherz! Das kommt wirklich positiv an und lädt auch die statischen und natürlich viel zu coolen nickenden Fans in der letzten Reihe zum Feiern ein. Als erstes richtiges Intro kommt Frontmann Marcus durch einen Vorhangauf die Bühne um vor dem Publikum, mit dem Rest der Band als Silhouette im Hintergrund, mit dem Song Downshifter vom neuen Album das Inferno zu eröffnen. Von Sekunde eins packt jeden im Raum der gewohnte Sound

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von Heaven Shall Burn, die grandiose Lichtshow und natürlich die teils witzigen Showeinlagen. Die Jungs haben einfach Spaß und zeigen nur zu gern, wie viel Bock man auf die kommenden 23 Shows hat. Da wir hier keine Tour zum aktuellen Album erleben sondern eine neutrale Heaven Shall Burn Tour, wird keines der mittlerweile neun Alben im Live Set bevorzugt und bietet damit Hörern und Fans eine sehr gute Abwechslung der verschiedenen Epochen. Natürlich ist Jedem klar, dass der Großteil des Publikums die alten Hits von Iconoclast live immer feiert, weshalb diese heute mal schön an das Ende der Show gelegt werden und teilweise in der Zugabe für einen krönenden Abschluss sorgen. Als großes Finale wird von der ganzen Halle der Blind Guardian Hit Valhalla unter tosender Double Base mitgesungen und noch mal alles gegeben. Man will sich nach diesem Ereignis fast nicht ausmalen, wie still die letzten Jahre ohne Heaven Shall Burn gewesen wären. Klar wäre aufgrund der grandiosen Pyroshow unsere Atmosphäre vielleicht einiges erspart gewesen aber diesen Preis zahlen wir gerne für so eine packende Tour. Wir können nur hoffen, dass ihr da gewesen seid, denn wie schon 2016 bot sich den Besuchern auch hier eine gewisse „Tour Of The Year“ – und das bereits im März! Wir freuen uns schon auf die anstehenden Festival Termine aller hier involvierten Bands.

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LIVE REPORT

KRAFTKLUB >> 17.03.2018 – KIEL – SPARKASSEN-ARENA >> SUPPORT: FABER

Text: Kevin Höfer Fotos: Jana Boese Die Nachfrage nach Kraftklub Konzerten steigt von Jahr zu Jahr, Touren und Konzerte melden immer schneller den Ausverkauf, ihre Alben landen in den Charts und auf Festivals spielen sie ganz oben mit. Heute spielt die Band in der ausverkauften Sparkassen-Arena in Kiel. Der Supportact – Faber, ein Schweizer Singer-Songwriter, dessen Debütalbum „Sei ein Faber im Wind„ im Sommer 2017 erschien, eröffnet den zweiten Teil der Tour und somit auch diesen Abend – wird von Felix höchstpersönlich angekündigt. Musikalisch passt Faber in keine Schublade und das hat er zu seinem Konzept gemacht. Als die Band die Bühne nach dreißig Minuten verlässt wird diese von einem roten Kraftklub-Banner verhüllt. Als der Vorhang schließlich fällt, warten die Fans

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bereits ungeduldig. Das Konzert ist restlos ausverkauft, der Innenraum beinahe schon überfüllt. Ab dem ersten Ton ist die Menge in Bewegung, elektrisiert von der Musik singt sie jede Textzeile mit. Frontmann Felix heizt die Stimmung immer weiter und weiter an, der Band passieren keine Fehler und die Fans bekommen kaum eine Atempause. Immer mehr Crowdsurfer finden ihren Weg zur Bühne und werden von Felix abgeklatscht. Zwischendurch entstehen immer wieder verschieden große Moshpits. Schließlich performt die Band gemeinsam mit Faber den Song „I Love It“ von Icona Pop. Die Setlist ist bunt gemischt. Zwei Fans dürfen auf der Bühne am Glücksrad drehen um so einen zusätzlichen Song oder mit Pech eine Raucherpause zu gewinnen. An diesem Abend hielt das Glücksrad bei dem Song „Irgendeine Nummer„. Über 20 Songs gibt die Band zum Besten, für die Zugabe fährt die Band dann aber noch einmal so richtig auf. Auf Gringoz-Magazine


einer hochfahrend Bühne im Publikum spielt die Band mitten in der Arena 5 Meter über der Masse noch einmal ein paar richtige Knallersongs wie „Randale„. Spätestens hier fliegen alle Becher in der Halle umher. Um zur Bühne zurück zu gelangen veranstalten die Jungs ein Wett-Crowdsurfen zur Bühne. Nach gut zwei Stunden findet das Konzert und damit ein toller Abend mit dem Hit „Songs für Liam“ ein würdiges Ende. Die Chemnitzer-Band hat wieder einmal bewiesen, dass sie es drauf haben und problemlos die großen Hallen des Landes füllen. Sie wissen ihr Publikum und ihre Fans zu unterhalten und zu jeder Show das gewisse Extra hinzuzufügen, sodass es nie langweilig wird.

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LIVE REPORT

K.I.Z – NUR FÜR FRAUEN! >> 03.03.2018 – HAMBURG – GROSSE FREIHEIT 36 SUPPORT: DRUNKEN MASTERS

Text / Fotos: Jana Boese Wenn sich die Männer über Diskriminierung beschweren, dann ist es Zeit für die K.I.Z – nur für Frauen Tour. Wie der Name bereits sagt, sind auf dieser Tour anlässlich des Weltfrauentages ausschließlich Frauen erlaubt. Konzerte wie dieses gaben K.I.Z bereits in den vergangenen Jahren, jedoch durften bei den letzten Frauenkonzerten auch Männer in Frauenkleidung anwesend sein. Bereits vor dem Konzert regnete es viel Kritik sowohl von Frauen als auch von Männern, die sich offensichtlich diskriminiert fühlten. Trotzdem waren

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die meisten Konzerte innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Begleitet wird K.I.Z auf dieser Tour von den Drunken Masters. Die Schlange vor der Großen Freiheit 36 reicht bis zum Beatles Platz, dem Anfang der Reeperbahn. Das Konzert ist schon lange ausverkauft. Am Eingang kontrollieren Frauen den Einlass, die Sanitäter, das Barpersonal, die gesamte Security ist an diesem Tag ausschließlich weiblich. Die Idee der „nur für Frauen„-Tour wurde auf allen Ebenen konsequent durchgesetzt. Dieser Ausnahmezustand wirkt zunächst etwas befremdlich und erweckt zuerst den Eindruck man wäre auf dem Konzert einer Teenie-Boyband, doch das Publikum Gringoz-Magazine


besteht keinesfalls aus kleinen kreischenden Mädchen. Den Support an diesem Abend übernimmt die Drag-Version der Drunken Masters, die dem Publikum mit einem Mix aus ihren Songs, verschiedener Mash-Ups und einigen Girl Power-Hits á la Beyoncé oder den Spice Girls ordentlich einheizen. Die Stimmung ist ausgelassen, die Menge singt bereits jetzt jede Zeile mit, springt und klatscht im Takt der Musik. Bereits jetzt ist eigentlich klar, dass die Stimmung kaum besser sein könnte. Trotz der etwas altbackenen und biederen Outfits des Duos (strenge Blümchenbluse und Röcke, die über die Knie reichen), ziehen sie ihre gewohnte Show durch. Jetzt ist das Publikum bereit für K.I.Z. Die Ladies betreten nacheinander die Bühne, das Glas Champagner in der einen, das Mikro in der anderen Hand. Tarek, die sexy Latina im pinken, brasilianischen Karnevalsoutfit, Maxim, in der Schuluniform á la Britney Spears in „Baby one more Time„ inklusive Schulranzen mit Diddl-Anhänger und Nico, die französische Königin im kurzen Rokoko-Kostüm betreten schließlich die Bühne und bringen allein durch ihre Outfits die Menge zum Toben. Das Make-up sitzt, die Nägel frisch manikürt beginnt das Trio das Konzert mit ihrem Song „Wir„. Dj Craft, der erst im Februar diesen Jahres K.I.Z verließ wird an diesem Tag von Joe von den Drunken Masters vertreten, der inzwischen einen Outfitwechsel hatte und nun ein grünes Pailettenkleid trägt. Sie nennen sich gegenseitig Schwestern, trinken den Champagner mit einem Strohhalm um den Lippenstift nicht zu verwischen und spreizen selbst beim Rappen den kleinen Finger vom Mikro. Das Publikum singt und

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rappt jede Zeile mit, jubelt, tanzt und pogt. Männer werden am heutigen Abend wirklich nicht vermisst und Girl Power ist nicht nur im Publikum angesagt. „Wir wollen nicht auf unser Äußeres reduziert werden, wir können so viel„, so die Ladies von K.I.Z. und verteufeln die Männer noch weiter „Manchmal wird es erst perfekt wenn man etwas entfernt„. Als die Menge verlangt sie sollen sich ausziehen, entgegnete Nico empört so eine „Sexistische Kackscheiße„ wolle man hier nicht. Schließlich verkündet Tarek seine Schwangerschaft und die Band performt zu Beyoncé – Single Ladys. Auch „Bodypositive„ ist ein Thema an diesem Konzertabend. Die Setlist lässt kaum Wünsche der Fans offen, zum Schluss geben die Ladys sogar noch fünf Zugaben. Ganze zwei Stunden performen die Ladies ohne das ihr Make-up verläuft oder aus ihrer Rolle zu fallen. Die großartige Stimmung hält bis zum letzten Song. Der Champagner ist ausgetrunken, die vom Publikum geworfenen BH’s stapeln sich auf dem DJ-Pult. Maxim verteilt Schokolade aus einer Schultüte ans Publikum. Ein mehr als gelungener Konzertabend geht zu Ende, die fehlenden Männer sind nicht einmal aufgefallen, die Ladys könnten noch ewig weiter machen. Auch wenn der Gedanke an ein Konzert nur für Frauen am Anfang etwas befremdlich war, haben K.I.Z das Konzept perfekt umgesetzt und von einer Show in Berlin zu einer ganzen Tour gebracht. Die Outfits waren ein Hingucker und vom kleinen Armband über Strapse, bis zum Nagellack durchgestylt. Auch das MakeUp saß perfekt. Männer, es tut uns leid, aber ihr habt echt etwas verpasst.

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REVIEWS

thirty seconds to mars

bleed from within

Für die größte Überraschung auf dem Album sorgt wohl der Song Remedy, bei dem man sich zunächst fragt ob sich eine andere Band auf die Platte verirrt hat. Akkustik-Gitarren-Sound und Shannon Leto am Gesang, dazu Lyrics, die direkt unter die Haut gehen, gerade weil sich der Sound so zurückhaltend ist. Absolute Überraschung und daher der geheime Favorit des Albums. Mit Monolith hat sich auch ein Instrumental-Interlude auf das Album verirrt. Die Band hat sich weiterentwickelt. An Stellen an denen früher Gitarren zu hören waren peitschen nun Elektro-Beats und Synthie-Klänge, neben Autotune und den gewohnten Fanchören im Hintergrund um die Ohren. Nicht nur Jared schlüpft in seinen Filmen immer wieder in neue, ganz unterschiedliche Rollen, auch seine Band beweist immer wieder ihre Wandelbarkeit. Voller Energie kehrt das Trio nach einer viel zu langen Pause zurück. Thirty Seconds To Mars haben erneut die Genregrenzen gesprengt und trotzdem ein solides Album heraus gebracht. Auch wenn Fans der ersten beiden Alben nicht auf ihre Kosten kommen, das lange Warten hat sich dennoch gelohnt. America ist ein Album voller Ohrwürmer und Stadionhymnen, welche die Band auf ihrer kommenden Tour zum Besten geben wird.

Ein halbes Jahrzehnt hat es gedauert, bis die Jungs aus Schottland mit dem Nachfolger zu Uprising die Chance haben, uns endlich aus diesem tiefgründigen Loch voller Fragen rauszuholen. Wird Era endlich die Frage klären, zu welchem Lager wir Bleed From Within einteilen können? Na das schauen wir uns doch mal etwas genauer an. Zunächst einmal sei klar, dass Fans weiterhin den schnellen und aggressiven Metalcore der Vorgänger hier mehr als prägnant auffinden werden. Das extremst schnelle riffing könnte glatt aus der Feder von Genregrößen wie August Burns Red stammen. Das zusammen mit dem schon früher unverkennbaren Talent der düsteren Atmosphäre lässt Frontmann Scott Kennedy nicht nur wie einen Winston McCall aussehen, sondern driftet hier und da auch mal gerne in die Deathcore Richtung ab – hatten wir schon früher erlebt, nur halt jetzt noch deutlicher! Leider sorgt dieses Metalcore/Deathcore Konzept dafür, dass wir insgesamt sicherlich keine schlechte Platte hier vorliegen haben, jedoch auf die Schnelle kein Song wirklich groß hängen bleibt, außer die ersten sowie das große Finale. Zudem sei gesagt, dass Bleed From Within mit Drag You To The Ground sowohl atmosphärisch als auch klanglich den besten Track des Albums ans Ende hefteten und uns damit schon die Vorfreude für die nächste Platte ebnet – nur diesmal bitte nicht wieder 5 Jahre warten, dafür aber gerne weiter auf den musikalischen Weg, auf den sich diese Band befindet.

America

Jana Boese

Era

Alex Hoppen

sound konzept hörspass 34

3,8

sound konzept hörspass

4,8 Gringoz-Magazine


breaking benjamin

editors

Auch wenn wir hierzulande des Öfteren in die Röhre glotzen was Shows von Breaking Benjamin angeht, so können wir uns wie der Rest der Welt stets und hoffentlich noch auf lange Sicht auf zukünftige Alben der Band freuen. Denn anders als Frontmann Benjamin Burnley hat der Vertrieb dieser Band keine Flugangst. So geht es 2018 frisch mit Bart und harten Riffs in die nächste Runde für die Rockband aus Pennsylvania. Schon die ersten Auskopplungen ließen erahnen, dass Ember keine ruhige Kost wie der Vorgänger Dark Before Dawn wird sondern Fans sich ein gewisses „Back To The Roots“ Gefühl sichern können – zumindest teilweise. Tatsächlich blenden die Singles dabei in keinster Weise und trafen so ziemlich den Mittelweg von Ember – es gibt noch deutlich härtere Tracks wie Torniquet auf der Platte, als auch Stücke wie The Dark of You, welche uns doch sehr stark an den Vorgänger erinnern. Sollte es tatsächlich zwei Camps in dieser Hinsicht geben, so haben diese doch eines gemeinsam – egal ob laut oder leise – auch mit dem sechsten Album im Gepäck treffen Breaking Benjamin immer noch den emotionalen Nerv inhaltlich perfekt. Insgesamt ist Ember sehr experimentell und verspielt in Hinsicht auf die aktuelle Diskografie der Band. Klar geht die Lautstärke etwas nach oben aber die typischen Stilmittel des Vorgängers verblassen nicht ganz, sondern werden hier gezielter eingesetzt. Auch darf man sich nicht nur vom Sound leiten lassen, denn auch die melodischen Parts der Platte sind textlich sehr tiefsinnig und dunkel angehaucht und regen stets zum Nachdenken an. Diese düstere Mischung sorgt dafür, dass Breaking Benjamin mit Ember das wohl härteste Album ihrer Karriere veröffentlichen, wenn auch leider das Hit Potenzial eines Phobia oder Dear Agony in einer ganz anderen Liga spielt.

Die britische Indie-Rock-Band Editors sind mit ihrem 6. Studioalbum zurück und beweisen ihren Fans, dass sie es noch immer drauf haben und endlich wieder an Songs wie „An End Has a Start, Munich & Smokers Outside the Hospital Doors„ anknüpfen können. Mit ihrem aktuellen Album Violence melden sich Editors stärker denn je zurück. Mal laut und brachial oder leise und einfühlsam. Editors-Fans werden hier auf ihre Kosten kommen und ein abwechslunsgreiches Album kennenlernen. Die Band erfindet sich hier ganz neu, bleibt aber trotzdem ihrer alten Zeiten treu und das macht das Album vielleicht gerade deswegen so gut. Die Platte umfasst nur neun Songs, aber jeder davon ist auf seine Art einzigartig und mit keinem anderen auf der Platte gleich. „No Sound But The Winter„ ist einer dieser Songs auf der Platte, der so emotional wie auch schön ist. Er erzählt von der Geschichte, dass ein Vater seinen Sohn beschützen möchte. Editors Frontmann Tom Smith schrieb den Song 2009, kurz vor der Geburt seines Sohnes. Der Song ist aber gewiss nicht neu. Bereits 2009 fand das Stück Platz auf dem Soundtrack zum Film Twilight – New Moon. Aber erst jetzt fand er seinen Platz auf dem aktuellen Album, also gut 9 Jahre später. Der Song „Magazine„, der die erste Singleauskopplung des Album war, ist dagegen eine tanzbarer, energiegelandener, partymachender Song, der einfach dazu einlädt, das Tanzbein zu schwingen. Das Album ist so bunt wie der Regenbogen selbst. Und für jeden ist etwas dabei, selbst wenn man Editors das erste Mal hört. Genau das macht die neue Scheibe aber so gut: Sie erfreut alte Fans aufs Neue und lädt dazu ein, neue Fans zu gewinnen. Das sollte jeder Künstler schaffen, alte sowie neue Fans immer wiederzu begeistern. Überzeugt Euch einfach selbst von den neun einprägsamen Songs.

Ember

Violence

Alex Hoppen

sound konzept hörspass Gringoz-Magazine

Kevin Höfer

3,3

sound konzept hörspass

4,8 35


REVIEWS

judas priest

kmpfsprt

Es ist ein Problem mit dem jede Band aus den 70ern oder 80ern zu kämpfen hat, wenn man dort die größten Erfolge feierte – man wird einfach nie wieder ein Album schreiben, wie die von damals. Das sehen viele Kritiker und Fans bereits vorab so ein, wenn das nächste Werk der heutigen Zeit schon erstmals angekündigt wird. Gott sei Dank blicken gerade im Heavy Metal Bereich viele immer noch mal hinter die Fassade und wagen doch den ein oder anderen Blick, welcher im Falle von Judas Priest belohnt wird, denn egal ob Fan der ersten Stunde oder der späteren Werke – hier finden Liebhaber von Painkiller oder British Steel wieder Anklang. Schon beim ersten Durchgang fällt direkt auf, dass es auch im Jahre 2018 möglich ist, den starken und klassischen Sound der 80er im modernen Gewandt zu präsentieren. Selten klingen Gitarren heutzutage so schrill und peitschend wir auf Firepower, Nostalgie pur! Wo wir gerade bei schrill sind, so schafft es Judas Priest ganz klar zur musikalischen und alten Stärke ohne jedoch die heutige Gesangstechnik von Rob Halford wieder in schrilles Gekreische der 80er zu verwandeln. Damit schaffen es Judas Priest den Zahn der Zeit im Heavy Metal neu zu erfinden und mit der alten Stärke im neuen Glanz zu erstrahlen.

Kein Bock mehr auf das System, kein Bock mehr auf die alte Leier, kein Bock mehr auf den Fremdenhass, kein Bock mehr auf den Kapitalismus und kein Bock mehr auf den „In-einer-offenen-Beziehung-mit-Tinder“-Hype. Und das kann man sich anhören auf ihrem dritten Album namens Gaijin. Schon auf der Single „Trümmern“ kritisieren sie das in Massen konsumierende und antisoziale Verhalten der Gesellschaft. Die Leute haben kein Interesse daran zu sehen, wie ein Obdachloser in der Suppenküche ansteht. Die Leute leben in ihrer eigenen geschaffenen Welt, als ihr eigener Zuschauer. Sie besuchen Konzerte, gehen am Wochenende feiern, gehen zum Yoga-Kurs und wofür? Natürlich nicht, um soziale Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen, denn sie sind moderne Außenseiter die sich lediglich um ihre Abonnentenzahl kümmern müssen „Die Show gestern war nice, wer war eigentlich die Band? Die hab ich nicht gesehen, ich hab den Club geinstagrammt.„ – Außenseiter ihres eigenen Lebens. Gaijin hat seinen sprachlichen Ursprung in Japan. Gaijin bedeutet wörtlich übersetzt „Mensch von Außerhalb„. Das Album behandelt neben dem Desinteresse der „Hipster„-Generation auch das Gefühl, selbst Außenstehender zu sein wie beispielsweise in dem Song „Schwarz“, dessen Refrain „Egal wo hin wir gehen, wir sind Gaijin“ definitiv sofort hängen bleibt. Außerdem befasst sich das Album auch weiter mit politischen Themen wie unbegründete Polizeigewalt gegen Zivilpersonen oder dem Aufstieg der AfD. So ernst die Themen des Albums auch sind, und so wenig Bock man auf die Themen auch hat, umso mehr Bock macht die neue Platte von KMPFSPRT darauf, aufzustehen und selbst die Veränderung zu leben, die man sich so sehr für diese Welt wünscht.

Firepower

Gaijin

Alex Hoppen

Melissa Hülsermann

sound konzept hörspass 36

4,2

sound konzept hörspass

4,2 Gringoz-Magazine


red sun rising

three days grace

Red Sun Rising hört sich ja mal total nach einem Label an, finde ich. Aber es ist kein Label, sondern eine Band aus Ohio und sie sind gar nicht mal so klein. Trotzdem hab ich zuvor von dieser Band noch nie etwas gehört. Red Sun Rising wurde bereits im Jahr 2007 gegründet und macht Alternativ / Rock Musik. Nachdem die Band schon ein Album, zwei EP’s und mehrere Singles raus gebracht hat, folgt nun ein weiteres Album unter dem Titel „Thread“. Fangen wir mal mit ein paar kleinen Infos an: Auf dem Album findet ihr 11 Songs, von denen die meisten 4 Minuten oder länger dauern, ja teilweise sogar 5 Minuten, da habt ihr ordentlich was zu hören! Ich muss sagen, es macht richtig Spaß das Album durchzuhören. Die Lieder sind melodisch, gefühlvoll, der ein oder andere lädt auch zum Tanzen und mitsingen ein. Frontman Mike Protich leistet eine tolle Arbeit mit seinem Clean Gesang. Ja, es ist wirklich mal etwas anderes, wenn man die Texte der Band sogar versteht und der Sänger nicht nur rumschreit? In fast jedem Song hat die Band tolle Gitarrenriffs und Solos eingebaut was die Spannung im Song aufbaut. Nach einmal hören, hat man schon zwei drei Lieder raus gepickt, die einem besonders gut gefallen und sich die Melodie sich schon in den Kopf gefressen hat. So zum Beispiel bei mir „Left for Dead“ oder „Deathwish“ zu dem es auch schon ein tolles Musikvideo gibt! Red Sun Rising haben ein tolles Album mit sehr abwechslungsreichen Songs herausgebracht. Mich konnte die Band mit dieser Platte überzeugen und ich hoffe euch auch! Nicht umsonst wurde Red Sun Rising im Jahre 2017 bei den iHeartRadio Music Awards in der Kategorie „Best New Rock/ Alternative Rock Artist“ nominiert und als „New Artist of the Year“ ausgezeichnet.

Da ist es also, das neue Three Days Grace Album, welches für Fans der früheren Zeiten ein wirklich wichtiges ist, denn es ist als eine Art Feuerprobe zu hören. Endlich können wir für uns entscheiden, ob Matt Walst sich in den letzten Jahren als Sänger der Band etabliert hat, denn wo bei Human noch der meiste Teil vom Rest der Band geschrieben wurde und Matt den Fans erst zur Single Premiere vorgestellt wurde, konnte dieser nun mit der Erfahrung von vier Jahren Three Days Grace endlich im aktuellen Album zeigen, was er für ein Gewinn für die Band ist. Mit Outsider als Albumtitel wurde natürlich ein Name gefunden, der in vielen Köpfen schwirrt und immer wieder auf der emotionalen Schiene für Unsicherheit sorgt. Wie gewohnt schafft es die Band einem emotionalen Thema einen Sound zu geben und diesen entsprechend zu thematisieren. Musikalisch hat sich hierbei allerdings einiges getan. Wie auch auf Human klingt Outsider frischer und aufbrausender als die düsteren Vorgänger, wobei aber auch eine ganze Menge Atmosphäre den neuen leicht düster angehauchten Synthesizern zugutekommt, welche einige Songs umfassen und dem ganzen einen gewissen Stranger Things Style geben. Die neue Kombination ist allerdings nicht Programm auf Outsider und so können Fans sich auf Ohrwürmer wie The Mountain, Right Left Wrong oder Me Against You freuen. Als Fan der früheren Alben ist es wirklich schön zu sehen, wie eine Band sich nach und nach in neue Höhen baut auf dem Fundament, was durch den Ausstieg eines Bandmitgliedes zum Stocken gebracht wurde. Das zweite Studio Album mit Matt Walst führt den Aufbau weiter und zeigt Three Days Grace bei Weitem nicht im Glanze wie zu Zeiten von One-X, dafür aber entdecken wir die auf eine ganz neue Art und Weise mit demselben Interesse wie zu dieser Zeit.

Thread

Outsider

Niici

Alex Hoppen

sound konzept hörspass Gringoz-Magazine

3,8

sound konzept hörspass

3,7 37


TRACK BY TRACK

BLACK STONE CHERRY Family Tree

Sie zählen zu den wohl einflussreichsten aktuellen Vertretern des Südstaaten Rocks und spielen trotz dieses hierzulande kleinen Genres auf den großen Festivalbühnen – zurecht! Black Stone Cherry treten mit Family Tree ihr persönliches Erbe an und verbinden die modernen Stärken der Band mit alten Stilen, welche viele Fans schon als verloren vorhergesagt haben. Die Mischung überrascht und macht Family Tree zu einer modernen Rock Scheibe, welche sich ohne Probleme zu den Top Releases des Monats stellen kann. Text: Alex Hoppen

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Track 1: Bad Habit... Eröffnet wird das Rockgewitter durch modernste Riffs und der markanten Stimme von Frontmann Chris Robertson. Wer sich bereits mit dem Song abgefunden hat wird in der Mitte noch mal mit einem Tempowechsel sowie fetzigen Solo belohnt – klasse Überraschung! Track 2: Burnin’... Die Single des Albums rockt nur so daher – inhaltlich befinden wir uns zwar schon lange nicht mehr auf der Performance der ersten zwei Alben aber der rockige Sound lassen sogar Alltags Texte knallig aussehen. Gringoz-Magazine


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Track 3: New Kinda Feelin... Haben AC/DC hier ihre Finger im Spiel? Kein Track könnte den Southern Blues besser einfangen als New Kinda Feelin!

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Track 4: Carry Me on Down the Road... Es wird experimentell – instrumental bereichert uns dieser Song eine schier unzählbare Menge an verschiedenen Klängen und fängt mit jedem einzelnen den Sound von Black Stone Cherry perfekt und vielseitig ein.

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Track 5: My Last Breath... Es wird das erste Mal etwas ruhiger – und wieder persönlicher! Textlich sind wir hier auf dem Level von Folklore and Superstition!

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Track 6: Southern Fried Friday Night... Der Groove hat diesen Song voll im Griff und plätschert nur so runter. Kein schlechter Song aber nach den vorherigen Höhen auch keine große Nummer.

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Track 7: Dancin’ in the Rain... Wir hören hier den Soundtrack unseres fiktionalen 90er Jahre Action-Western mit Robert Duvall in der Hauptrolle! Als Featuring wurde die Legende Warren Haynes gefunden, was den Song perfekt abrundet.

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Track 8: Ain’t Nobody... Wo hat die Band nur diese Riffs her?! Erwachsen und mit dem richtigen Gespür für Bluesrock liefern die Jungs hier einen der stärkeren Songs der Platte ab.

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Track 9: James Brown... Ein schönes Tribut an eine Legende. Gospel Chöre untermalen die Atmosphäre ohne dabei den Stil von Black Stone Cherry zu verfälschen – insgesamt hat die Band es auf dieser Platte drauf, sich trotz der Vielfalt an Klängen komplett in ihrem Spektrum zu bewegen.

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Track 10: You Got the Blues... Kann man diesen Song im Sitzen genießen?! Chris gibt noch mal alles und lässt seine rauchige Stimme in neue Höhen springen. Ohrwurm Potenzial!

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Track 11: I Need a Woman... Nach den starken Nummern der Platte weicht dieser Song zwar nicht vom Konzept ab – wirkt aber eher dünn im direkten Vergleich.

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Track 12: Get Me Over You... Wir finden uns wieder in den tieferen Groove Bereichen. Über einen 4-Minütigen Prozess voller experimenteller Klänge wissen wir zwar nicht, was wir insgesamt vom Song halten sollen – schlecht ist er aber noch lange nicht!

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Track 13: Family Tree... Der namensgebende Track der Platte liefert als großes Finale noch mal alles, was wir die letzten 14 Track zu lieben lernten. Dazu kommt noch dass wir die von Magic Mountain lieb gewonnene rauchige Kneipen Atmosphäre wiedererkennen – leider ein bisschen spät.

fazit Insgesamt haben Black Stone Cherry Etwas geschafft, was wir nur selten erleben. Klanglich wurde das Spektrum der Band deutlich erweitert (wir können die genialen Soli gar nicht alle aufzählen), sowie inhaltlich wurde die gewohnte Stärke der ersten Werke wieder entdeckt und teilweise frisch umgesetzt. Family Tree wirkt persönlicher als die letzten drei Alben, was vor allem an der Produktion liegt, bei der jeder aus der Band mithalf in Sachen Songwriting und das Album insgesamt wie eine hochwertige Studio Jam Session durch die verschiedenen Fassaden den Bluesrock klingt. Gringoz-Magazine

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TRACK BY TRACK

CALIBAN Elements

Wer schon fleißig in der aktuellen Ausgabe geblättert hat wird wissen, dass Caliban unsere Coverstory sind und mit ihrem aktuellen Werk Elements wieder voll einschlagen. Wie sich die 11. Platte anhört erfahrt ihr hierbei natürlich in unserem ausführlichen Track-By-Track Review. Text: Alex Hoppen

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Track 1: This Is War... Brachialer Opener mit der gewohnten Power von Caliban. Dieser Track wird sich schnell in den Ohren der Fans festsetzen und das nicht nur wegen des verdammt guten Ohrwurm.

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Track 2: Intoxicated... Die erste Single der Platte wirkte nach den ersten Durchgängen für sich recht lahm, fügt sich aber auf dem Album insgesamt perfekt ein und bleibt auch weiterhin im Kopf.

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Track 3: Ich blute für Dich... Der mittlerweile traditionelle deutsche Track, der auf keiner neuen Platte fehlen darf. Zusammen mit einem Featuring von Eskimo Callboy und Nasty hält dieser Song die Tradition aufrecht und zählt live sowie auf Platte zu den stärkeren Songs.

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Track 4: Before Later Becomes Never... Ein Song, welcher so auch auf Gravity gepasst hätte – wieder einmal wird mit ruhigeren Elementen experimentiert, nur um Sshrittweise an Härte zu gewinnen damit der Song gegen Ende von niemand anderem als CJ McHahon komplett zerstört wird – im guten Sinne. Gringoz-Magazine


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Track 5: Set Me Free... Fängt ähnlich an, wie This Is War und hat auch inhaltlich nicht viel Weiteres zu bieten, außer wiedermal einen interessanten Refrain.

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Track 6: My Madness... Es wird rockig! Nach mehrmaligen Hören von Elements wäre dieser Song unsere erste Wunsch-Single gewesen. Zusammengefasst hat dieser Track alles, was wir uns von Caliban wünschen.

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Track 7: I Am Fear... Back To The Roots – naja zumindest zur I am Nemesis Ära bringt uns dieser Song zurück. Atmosphärisch wird noch mal auf Klassiker wie Davy Jones Eins draufgelegt.

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Track 8: Delusion... Nicht sonderlich schlecht aber auch nicht herausstechend gut – dieser Song reiht sich ohne Aufsehen in der Tracklist ein. Gerettet wird das Ganze von den experimentellen ruhigeren Parts, welche den Song perfekt abrunden.

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Track 9: Carry on... Jede Band braucht heute einen Track der so heißt! Der beste Song der Platte glänzt durch seine breite Fassade an Elementen (Wortspiel!) und lässt sogar Rap Parts bei einer Metalcore Band wie Caliban geil aussehen!

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Track 10: Masquerade... Es geht direkt brutal weiter. Deftige Drums treffen auf die unverkennbare brachiale Stimmlage von Frontmann Andy nur um zum Ende des Songs in einem musikalisch ruhigen Outro perfekt überzugehen.

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Track 11: Incomplete... Passende Singalongs treffen hier den Takt und beerben damit We Are The Many ohne Probleme. Caliban sind in kreativer Höchstform nur so langsam wiederholt sich auf Elements ein bestimmtes Schema.

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Track 12: The Great Unknown... Wir wollten Elements gerade abstempeln, da werden wir mit einem besonders starken Track aus lastigen Riffs und der gewohnten Brachialität belohnt. Leider wirkt hierbei der sonst so gute Refrain leicht abgedroschen.

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Track 13: Sleepers Awake... Mutig rücken die Jungs etwas in die Mathcore Richtung ein und das mit Bravour! Fans von Architects und co. werden sich bei diesem Song wohl fühlen.

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Track 14: Dark Shadows... Das Intro zum großen Finale wirkt sehr atmosphärisch und hätte so perfekt an den Anfang der Platte gepasst – wieso nur produzieren die Jungs keine geilen Intros mehr?! Aber als Übergang zum Finale wirkt das Ganze auch ziemlich genial.

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Track 15: Forsaken Horizon... Ein letztes Mal wird noch mal ordentlich an der Geschwindigkeit gekurbelt – Forsaken Horizon ist schnell, brutal und gnadenlos! Es wirkt fast übertrieben von uns aber hier wurde ein Song aufgenommen, welcher 20 Jahre Bandbestehen nicht hätte besser zusammenfassen können. Klasse Finale oder großen Platte!

fazit Caliban erfinden sich regelmäßig neu oder anders gesagt versuchen sie ihren Sound nicht unbedingt auf eine Schublade zu beschränken. Das hört man auf Elements mehr denn je und wird hoffentlich auch auf den nächsten Alben so fortgeführt. Elements ist wieder einmal ein Meilenstein für den deutschen Metalcore! Gringoz-Magazine

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SHORT REVIEWS CONCRETE JUNGLE RECORDS| DEFECTO | DOROTHY | DIE HEART | EGO SUPER | MILESTONES | ERRDEKA | THE PLOT IN YOU | THE LAST GANG | UNDEROATH UVM.

CONCRETE JUNGLE RECORDS Lucky 13

Um auch mal über den Tellerrand euch mit großen Löffeln voller Informationen zu füttern, rezensieren wir an dieser Stelle mal keine Band, sondern ein Unternehmen, ohne welches ihr die ein oder andere Band wahrscheinlich nie gehört hättet. Wir reden hier vom Label Conrete Jungle Records aus Nürnberg, welches mit über 100 Veröffentlichungen mehr als nur unseren Sombrero verdient hat. Grund genug einfach mal ein BestOf der angesagtesten Diamanten des Labels auf eine Platte zu pressen und diese als das Aushängeschild des Labels zu präsentieren. Mit einer Laufzeit von über 60 Minuten wird euch hier ein großes Buffet an

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Bands aus dem Punk & Hardcore Bereich präsentiert. Größen wie The Creepshow, Val Sinestra oder Death By Stereo hat der ein oder andere Leser sicherlich in den letzten Ausgaben hier mal vor das Auge bekommen aber auch Interpreten wie The Movement, Total Chaos oder Burning Lady sollten auf euren Radar landen. Generell können wir nur empfehlen die Platte mal aufs Ohr zu halten, wenn ihr mit den genannten Genres was anfangen könnt.

DEFECTO Nemesis

Wir müssen ja leider gestehen, dass uns das neuste dänische Metal Wunder zu Zeiten ihres Debüts entgangen ist. Umso schöner ist es jetzt als neu gewonnener Fan und natürlich professioneller Kritiker

sich mit Nemesis in die Kunst von Defecto reinzuhören. Belohnt werden wir hier nach einem epischen Intro mit 55 Minuten packender und schwerer Riffs, welche mit so viel Power daher kommen, wie zu den allerbesten Symphony X Zeiten (die selbstredend heute noch gut sind). Schön hierbei ist, dass der Progressive Metal zwar voll ausgelebt wird, sich aber nicht in engen Genre Trends verfängt und das so durchzieht, sondern komplett variabel durch die Box donnert – vom Groove Metal bis zum Southern Rock ist alles dabei – und es hört sich in Kombination einfach nur genial an! Wer sich bei den ersten Durchgängen selbst dabei erwischt, wie er bei Hits wie Ode To The Damned oder Endlessy Falling mit geballter Faust versucht innerlich die Vocals zu diesen Songs zu singen, ist bereits infiziert. Defecto sind damit bereit, die großen Bühnen zu erobern und ihr Meisterwerk von den heimischen Anlagen auf die Hallen zu übertragen.

DOROTHY 28 Days In The Valley

Dorothy ist ein Quintett aus Los Angeles, Kalifornien, welche sich im Hard Rock Bereich ansiedeln lassen und sich gelegentlich etwas in den Blues Rock verirren. Ihrem Debütalbum „Rockisdead“ aus dem Jahr 2016 folgt nun das zweite Studioalbum „28 Days In The Valley“. Das Album umfasst 13 Songs und klingt im Vergleich zu seinem Vorgänger fast schon, als hätte es eine andere Band geschrieben. Wo „Rockisdead“ mit schnellen Riffs und einem Klang der Hard Rock Schiene glänzte, siedelt sich „28 Days In The Valley“ eher klassisch an. Die Palette reicht von klassischem 70‘er Jahre Rock in Flawless, zum Titelsong des Albums, welcher ein eher Country mäßiGringoz-Magazine


ges Gefühl versprüht und mündet in einem fast schon Gospel ähnlichen Klang mit dem Song Mountain. Manch einem mag der Stilwechsel der Band zusagen und dem anderen eher weniger. Ganz klar ist allerdings, dass sich Dorothy hier von einer komplett neuen Seite präsentieren, die auch etwas für sich hat. Reinhören lohnt sich hier definitiv.

DIE HEART Monument

Die Heart sind zurück und präsentieren uns ihre neue EP „Monument„. Deutscher Hamburger Hardcore wie er sein sollte. Eine Prise Pop und Electro mischt sich unter die Songs, was das Ganze erst so interessant macht. Gerade für Fans von Asking Alexandria und Co. Die EP umfasst drei Songs. Als wir nichts ahnend Gringoz-Magazine

die Songs anhörten, presste es uns erst mal in den Sessel- in dem Fall den Schreibtischstuhl- zurück. Schon der Opener „Monolith„ hat einem gepflegt den Kopf gewaschen. Gerade der Breakdown und Dubstep Part im Song überzeugen einen SOFORT! Auch der zweite Song „Alles was du wolltest„ hat es ziemlich in sich. Frontmann Niels schreit förmlich die Texte aus seiner Brust heraus und beweist, das Hardcore einfach mehr als nur dummes Geschrei ist, wie es unsere Eltern vielleicht gerne sehen. Leider kommen wir auch schon zum letzten Song der EP. „Unser Leben„ ist so ein Song, der perfekt auf einen Freitag Abend im Hamburger Headcrash passt. Jeder Hamburger, der sich Freitags im Headcrash herumtreibt, weiß, wovon wir reden. Für alle anderen können wir nur sagen: Kommt vorbei um zu verstehen, was wir damit sagen wollen. Wir möchten gar nicht zuviel über die EP sagen, jeder sollte sich seinen eigenen Eindruck davon machen. So muss eine deutschsprachige Metalcore/

Punk Band klingen! Besonders auf dieser neuen EP zeigen Sie Ihre extreme Vielseitigkeit, sie klingen niemals eintönig oder vergleichbar. Musik von Hamburger Jungs, die für mehr bestimmt ist.

EGO SUPER Ego Politur

Treffen sich drei diplomierte Psychologen und gründen ne Band.. was wie der Clip aus einer Folge Family Guy klingt, ist tatsächlich kein Scherz! Ego Super aus Hannover machen von ihrer Berufung gebrauch und wandeln diese auf eine musikalische Ebene um. Dass das ganze dann Psycho-Rap-Rock heißt ist ja nur logisch! Wir haben ein bisschen Angst davor, durch unsere Wortwahl analysiert zu werden aber wir versuchen trotzdem mal das

neuste Werk Ego Politur in einige Worte zu fassen. Die 36-Minütige Therapie startet mit einer ordentlichen Mischung aus knalligen Beats, gekonnten Texten und dieser speziellen Portion „leider Wahr Momenten“, welche die humorvollen Rap Parts deutlich unterstreicht. Die Bezüge zu Bands wie der Rehbande.. ach wir meinen die Antilopen Gang oder Bilderbuch sind klar zu spüren. Das Ganze wird dann noch mit fetten Riffs ummantelt (nicht übergossen) und schon haben wir den frisch erfundenen Psycho-RapRock – war doch einfach! Doch die Jungs können nicht nur einen auf Partyband machen, sondern bearbeiten auch persönliche sowie politische Themen. Insgesamt wirken inhaltlich die gewählten Themen gut gewählt ohne dass drei Songs den selben Schmalz bearbeiten. Man kriegt quasi nicht nur was auf´s Ohr sondern kommt auch mal im Kopf ordentlich rum. Ego Politur hat einiges an Hit Potenzial! Allein die erste Single Geilah Stylah könnte einer die-

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SHORT REVIEWS

ser zu Tode abgespielten Radio Tracks werden, die man nach außen hin natürlich hart haten muss, nur um dann zu Hause dazu ganz fly am been abzufeiern und spätestens bei der nächsten Party leicht angetrunken jede Maske fallen lässt – es ist doch wahr! Wer einen Sinn für Humor und Übertreibungen hat und auch keinem Genre fest zugeschrieben ist, sollte sich noch heute für eine Sitzung eintragen und das kommende Album des Rap-Rock Trio´s bestellen. Wir sind infiziert!

MILESTONES Red Lights

Zwei Jahre Vorbereitung und dazwischen Auftritte mit den musikalischen Influencern der Band haben sich gelohnt. Milestones hauen mit Red Lights nach langer Wartezeit endlich ihr Debüt auf den Markt und überraschen damit die Pop

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Punk Szene ungemein. Wo Fans die letzten Jahre sich mit immer mehr Arrangements vergnügen mussten und dies auch ab und zu auf das mittlerweile recht ansehnliche Alter ihrer Idole zurückzuführen ist, weht nun ein frischer Wind. Klar kann man einem fast 40-Jährigen Pierre Bouvier von Simple Plan nur noch schwer seine Parolen über das Leben abnehmen und auch Blink-182 werden in den nächsten Jahren trotz vielerlei Comeback Hin und Her das Handtuch schmeißen müssen, doch das ist nun nicht mehr allzu tragisch, denn es gibt ja noch Bands wie Milestones. Mit Red Lights wurde hier ein Fundament geschaffen, welches den ein oder anderen Release der letzten Jahre noch älter aussehen lässt. Dabei wird an Variation und künstlerischer Freiheit in keinster Weise gespart, um sich aus dem altbekannt Pop Punk sumpf hervorzuheben – klar hat man die ein oder andere Melodie schon mal gehört oder kann im Kopf vorhersagen, was hier und da nicht neu erfunden wurde, jedoch liefern Milestones hier einfach mal wieder

Frischluft im Pop Punk Himmel, was sich kein Fan des Genre´s entgehen lassen sollte.

ERRDEKA Solo

Wir verfolge Errdeka schon seit Langem und wir sind immer wieder begeistert von seinem abwechslungsreichen Stil und seinen vielen unterschiedlichen Facetten, die er mit jedem Album neu definiert. Kein Album ist wie das andere. Das aktuell Album ist auch diesmal von starken und schwächeren Songs geprägt. Sie fangen sich wie in einer Partnerschaft gegenseitig auf und harmonieren so einfach perfekt miteinander. Errdeka schafft es mit dem Album Solo eine Platte zu schaffen, die seine ersten beiden Alben vermischen. Es treffen hier beide Sounds aufeinander. Die melancholischen Tracks von dem Debütalbum „Paradies„ und den straffen Rapsound

von „RAPUNDERDOG„. Errdeka versteht sein Handwerk, auch wenn er hier auf Autotune/Trap als Stilmittel gelegentlich zurück greift. Dies tun in der Hip-Hop und Rap Szene in Deutschland leider aktuell eindeutig zu viele Künstler. Jeder, der also auf Texte die unter die Haut gehen steht und trotzdem nicht auf guten Rap verzichten möchte, ist mit der neuen Scheibe von Errdeka genau richtig.

THE PLOT IN YOU Dispose

Bevor hier überhaupt wer weiterliest sei vorher gesagt, dass Hater und Flamer des Vorgängers Happiness In Self Destruction aus dem Jahre 2015 direkt abschalten sollten, denn wer den damals harten Umbruch der Band nicht als künstlerische Freiheit sondern als Verrat ansieht, ist leider noch nicht bereit Gringoz-Magazine


für Dispose. Was beim Vorgänger deutliche Züge nahm wurde in drei Jahren harter Arbeit perfektioniert und aufgenommen. Dispose stellt damit eine ganz neue Ebene für The Plot In Your dar, welche sich zwar nicht mit brachialen Metalcore Alben der letzten Monate in Sachen Härte messen kann, aber genauso wenig sich davor verstecken muss einfach mal anders zu sein. Frontmann Tewers schafft es perfekt seine naturgegebene, klare Stimme in den emotionalen Parts mit dem richtigen Klang zu betonen, nur um nächsten Moment die alte Stärke der Band in vollen Zügen auf den Hörer prasseln zu lassen. Dennoch wirkt Dispose überwiegend ruhig und fast verzweifelt und hin und wieder etwas weinerlich (ja darf man mal so sagen). Nach einem starken Anfang verliert sich die Band leider in sehr typischen Tracks wie I Always Wanted To Leave in viel zu oft angesprochenen Situationen, welche so ziemlich jede band schon durchgearbeitet hat. So kann man Dispose quasi als klangliche top Platte bewerten, während sie inhaltlich leider nicht die richtige Konsistenz Gringoz-Magazine

der Vorgänger bietet und vielerlei thematischen Einheitsbrei zusammen mit hin und wieder gewagten und unpassenden Elementen bietet. Dennoch möchten wir dazu anregen, dass diese Platte gehört werden muss um abgestempelt zu werden – es war seltenst schwerer, vorab für euch Leser eine schriftliche Meinung zu einer Platte zu bestimmen. Wagt einfach selbst das musikalische Experiment.

THE LAST GANG

stark in den Mainstream gezogen wird. Man könnte das Debüt als eine Kombination aus P!nk Demos von früher und Joan Jett auf Schlafmittel bezeichnen, nur dass diese Melodien dann dennoch zünden. Klar klingt das Debüt technisch sehr gut im Vergleich zu früheren Produktionen und auch das Songwriting ist nicht daneben, nur leider reifte hier über die Jahre mit durchweg positiven Erwartungen ein Album heran, welches in keinster Weise schlecht ist, aber schlichtweg nicht dem entspricht was Fans erwarten. Dennoch ist Keep Them Counting als Punkrock Debüt eine Top LP, welche sich vor allem neue oder offene Fans anhören sollten.

Keep Them Counting

Ein Debüt ist immer ein kleiner Meilenstein in jeder Bandgeschichte, so will es zumindest das Gesetz. Leider ist 11 Jahre nach Bandgründung und einigen Releases ein Sound gefunden wurde, der durchweg positiv aufgenommen wurde – so aber leider auf Keep Them Counting sehr

UNDEROATH Erase Me

Acht Jahre warteten Fans und Kritiker zugleich auf das neue Werk der Post Hardco-

re Helden, welche sich bereits mit ihren alten Werken gerne mal am Rand des „Darf man das eigentlich noch Hardcore nennen“ Monsuns sich bewegten. Dass nach acht Jahren eine Band bekanntlich nicht aggressiver, sondern durch das Alter reifer und meist bedachter klingen ist auch kein Mythos mehr. Wer sich mit dieser Erkenntnis an Erase Me wagt, wird recht schnell damit warm, denn es überrascht dann doch hier und da gerne einmal mit lauteren Sinne, aber dazu später mehr. Der perfekt gewählte Opener It Has To Start Somewhere klingt nach der langen Wartezeit wie eine musikalisch perfekte Fusion – wir verbinden das alt bekannte von Underoath mit dem kommenden was uns auf der Platte erwartet und haben einen Track vor uns, der leitend für den frisch erfundenen Sound der Band ist und zugleich alte Hasen mehr als bedient. Das auch eingesessene Fans müssen sich dem extremen neuen Stil der Band in dem ein oder anderen Song ganz und gar hingeben und müssen teils elek-

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SHORT REVIEWS

tronische, teils sehr ruhige Songs durchstehen – wobei dieses Wort mehr als übertrieben klingt, denn ruhiger heißt nicht gleich softer und so überzeugen selbst die „Zimmerlautstärke-Tracks“ mit Gefühl, Bedachtsamkeit und musikalischer Vielfalt, wie man sie von den stärksten Zeiten der Band kennt. Wer so offen wie die Band selbst an das Album ran geht muss sich sogar eingestehen, dass zwischen der überwiegend ruhigeren Tracks auch ein kleiner Goldschatz verborgen ist, welcher mit den alten Klassikern mehr als mithalten kann – mit In Motion hat diese Band ihr kleines Meisterwerk geschrieben und rundet damit das Comeback sowie die neue Platte zum Ende hin perfekt ab. Es hat sich damit alles geändert aber irgendwie auch doch nichts: Underoath sind zurück und sie klingen durchaus ruhiger, aber immer noch so verspielt und genial wie zu ihrer alten Zeit – willkommen zurück.

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VUG s/t

Wir müssen gestehen, dass wir beim Anblick des Covers erst mal an die neuste Thy Art Is Murder Platte denken mussten und uns bereits auf ein Metal Gewitter einstellen, welches dann aber zur positiven Überraschung sich als Album herausstellt, welches Wurzeln aus einem Genre hat, welches über 40 Jahre alt ist – dem Bluesrock! Stark, rau und vor allem im Groove rocken die Jungs auf sieben Tracks (alle in Überlänge) nur so daher und zeigen der Welt, dass auch heute noch Platz für ein so altes Genre ist, welches hoffentlich den ein oder anderen Fan da draußen noch finden wird. Beobachter hat die Band schon lange, es dauerte nur seine Zeit, bis die ersten

Mix Tapes endlich zum Mastern in ein modernes Studio kamen und so können Fans und Kritiker dieses Jahr endlich ein lang erwartetes Album von ihrer Geheimtipp Liste streichen, wobei sich die Wartezeit hoffentlich gelohnt hat. Wer jetzt noch nicht überzeugt wurde, sollte als Kenner aber kein Werk von Elder Mastermind Nick DiSalvo verspotten, welcher bei VUG die Drums im Griff hat.

NALE Death. Skulls. Satan.

Die Anzahl an Bands, welche nach gefühlt Jahrzehnten wieder ein Album rausbringen, welches vom Stil her dem gewohnten abweicht nimmt langsam überhand. Nale, welche vor sechs Jahren mal als

mutiges Aushängeschild durch ihren Drahtseilakt zwischen Rock und Metal galten, sind 2018 wieder da – und das lauter denn je! Schlimm sind die lauteren Töne nicht, im Gegenteil! Durch die sehr professionelle Produktion von Death. Skulls. Satan. gehen diese durch das Ohr wie man es von den obersten Headlinern der Groove/ Thrash Metal Szene gewohnt ist. Nur leider wurde dadurch ein Nerv getroffen, der heute zu oft bedient wird und so auch sich nicht sonderlich abhebt, wie zu Zeiten des Debüt´s von Nale. Nach dem ersten Hörgang konnte kein Song wirklich sitzen bleiben – klar war es laut und geil, aber mehr bleib auch nicht hängen. Das liegt vor allem daran, dass viele Songs nach dem gleichen Schema daherwehen und man so eine 35-minütige deftige Metal Brause erlebt, welche nach wie vor top klingt aber inhaltlich nicht überzeugt. Böse könnte man auch sagen, dass dies das Demo Tape der nächsten Rob Zombie Platte sein könnte – wer weiß. Gringoz-Magazine


Geht mit uns live auf Tour!

www.nova-event.solutions


GAMES REVIEW

FAR CRY 5

Von einsamen Inseln, über die Einöde einer Wüste, oder die eisigen Gipfel des Himalaja, bis in die Zukunft und auch die Steinzeit. Die Far Cry Games haben uns schon in allerlei verschiedene Settings geschickt und im nun offiziell fünften Teil des Franchises landen wir mitten in den vereinigten Staaten von Amerika – Hope County, Montana. Nachdem die letzten beiden Ableger der Reihe weniger zu überzeugen wussten, haben wir den neuesten einmal genauer unter die Lupe genommen. Text: Nico Simon

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Gringoz-Magazine


Dass Ubisoft Antagonisten erschaffen kann, mit denen man nicht selten sympathisiert haben sie spätestens mit Vaas Montenegro unter Beweis gestellt. Mit Joseph Seed gelingt es ihnen, den wohl einzigen religiösen Fanatiker zu kreieren, dem man gerne zuhört, denn über Charisma verfügt dieser Charakter definitiv. Natürlich geben uns die Entwickler im Laufe des Spiels mehr als genug Gründe, den guten Joseph zu hassen, aber darauf wollen wir nicht genauer eingehen. Selbstverständlich liegt es an uns, den Vater der „Project at Eden‘s Gate„ Religion zu Fall zu bringen. Dafür müssen wir uns allerdings erst durch eine umfangreiche Spielewelt prügeln, schleichen und schießen. Diese ist in drei Gebiete aufgeteilt, die von Josephs Geschwistern regiert werden. Nach und nach erledigen wir also Jacob, John und Faith und kämpfen uns so bis zum Prediger vor. Auf dem Weg dorthin treffen wir allerlei Neben- und Hauptcharaktere, welche die verschiedensten Aufgaben für uns haben. Diese variieren zwischen ernst und dem üblichen Humor, für den die Far Cry Spiele bekannt sind. Ob wir nun Stierhoden sammeln, oder einen Menschen folternden Psychopathen ausschalten, sind mal mehr und mal weniger fordernd, wissen aber stets zu unterhalten. Wirkliche Änderungen im Gameplay liefert Far Cry 5 nicht, sondern orientiert sich lieber an Altbewährtem – Wingsuit, Enterhaken, sowie allerlei Waffen und Transportmittel sind wieder mit von der Party. Lediglich den Aussichtstürmen, die man erklimmen muss um neue Teile der Map aufzudecken, hat man seitens Ubisoft wohl keine Einladung geschickt.

gesagt: Für jeden Spielstil ist etwas dabei! Reichen einem die KI-Verbündeten nicht aus, ist es auch möglich, sich einen Freund bzw. eine Freundin zu schnappen und Eden‘s Gate gemeinsam dem Erdboden gleich zu machen. Das gesamte Spiel lässt sich im Koop durchspielen. Ob man nun der Story folgt, Nebenmissionen abschließt oder sich einfach auf eine stark befahrene Kreuzung stellt und den Gegnern die Hölle heiß macht, bleibt dabei komplett euch überlassen. Alles in Allem ist Far Cry 5 ein Spiel, in dem man sich gerne für mehrere Stunden verliert, ohne zu merken, wie die Zeit verfliegt. Hier und da hätten wir uns gerne etwas mehr Innovation gewünscht, allerdings ist das durch die generelle Qualität des Spiels durchaus zu verschmerzen. Wer Lust auf eine geballte Ladung Action – allein oder mit einem Partner – hat, die eine ordentliche Prise Humor und Spielspaß mit sich bringt, wird hier definitiv fündig.

Bei der Grafik setzt der Ableger zwar keine neuen Maßstäbe, weiß sich aber gegen andere AAA-Titel durchaus zu behaupten und spielt auf jeden Fall ganz oben mit. Das gilt definitiv auch für die Versionen auf beiden Konsolen, allerdings ist das I-Tüpfelchen hier wie üblich der PC. Auch der Soundtrack ist sehr gut gewählt und unterstreicht die einzelnen Situationen im Spiel stets mit der richtigen Atmosphäre. Wer keine Lust hat, sich alleine auf das Abenteuer zu begeben, hat nun erstmalig auch die Möglichkeit, sich verschiedene NPC Begleiter zur Hilfe zu holen. Ob man nun die lautlose Jägerin Jess, einen jegliche Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Bären namens Cheeseburger, oder Nick welcher mit seinem Flugzeug den Tod von oben mit sich bringt bevorzugt, ist jedem selbst überlassen. Das waren nur ein paar Beispiele, aber soviel sei Gringoz-Magazine

grafik sound steuerung atmosphäre

4,2

spielspass 49


GAMES REVIEW

A WAY OUT

Wer erinnert sich nicht gerne daran zurück, als wir gemeinsam mit Freunden vor dem Fernseher gesessen haben und eine Unmenge Zeit damit verbrachten, auf einen geteilten Bildschirm zu starren und uns in diversen Videospielen entweder zu messen, oder diese gemeinsam durchzuspielen? Durch das Aufkommen von Online Gaming sind die guten alten Splitscreenzeiten praktisch ausgestorben. Mit A Way Out versuchen Hazelight Studios uns dieses Gefühl zurück zu geben. Text: Nico Simon

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Gringoz-Magazine


A Way Out lässt uns die Geschichte von Vincent und Leo erleben, welche gemeinsam versuchen aus einem Gefängnis auszubrechen. Zu Beginn sind die beiden noch skeptisch gegenüber dem jeweils anderen, doch als sich herausstellt, dass die Motivation unserer Protagonisten recht ähnlich sind, hat an schnell einen Verbündeten gefunden. Tatsächlich stellt der Ausbruch nur den Grundbaustein der atmosphärischen, spannungsgeladenen und emotionalen Geschichte dar, welche Hazelight uns erzählen möchte. Zum Einen gelingt es den Entwicklern eine Story zu schreiben, welche die Spieler fesselt und zum Anderen erschaffen sie Charaktere deren Schicksal uns interessiert. Untermalt wird die Story stets mit einem passenden, sowie stimmigen Soundtrack. Auch das Gameplay betreffend haben sich Hazelight Studios einige Gedanken gemacht. Das gesamte Spielerlebnis findet – egal ob wir uns online oder auf der hauseigenen Couch mit unserem Verbündeten treffen – im Splitscreen statt, sodass man immer den Überblick darüber hat, was bei unserem Coop Partner gerade passiert. Das ist tatsächlich auch ziemlich wichtig, da manche Situationen, das Timing betreffend, ziemlich genau aufeinander abgestimmt werden müssen. Sonst wechseln sich ruhigere Passagen stets mit der Action ab. Die ruhigeren Momente des Spiels sind für den Spieler geschaffen, um sich in der schön gestalteten Umgebung zu verlieren. Ob wir Vincent und Leo auf einer Baustelle gegeneinander Armdrücken, miteinander Baseball spielen, oder sich im Dart messen lassen, ist zwar stets eine optionale Möglichkeit, allerdings nimmt man diese als Spieler gerne an. Bevor wir uns aber vollständig in der „Idylle“ verlieren, macht uns das Game meist auf recht unangenehme Weise wieder bewusst, dass wir uns noch immer auf der Flucht befinden. Was die aufregenderen Momente angeht, bleibt das Game auch meist weitestgehend bodenständig und gibt uns nicht das Gefühl, dass wir einen Supersoldaten a la Call Of Duty, oder einen Rennfahrer der Marke Need For Speed spielen. Ein paar mal im Spiel steht es uns auch offen, den Weg unseres Voranschreitens selbst zu wählen. Meist stehen sich da die rationale Persönlichkeit Vincents und die Hitzköpfigkeit Leos gegenüber, wie das Ganze letztlich ausgeht, bleibt wie erwähnt den Spielern überlassen.

Käufer des Spiels erhält die Möglichkeit, einen Freund über den „Freundespass“ einzuladen, womit dieser Teil des Abenteuers werden kann, ohne das Spiel selbst zu besitzen. Einen solchen Zug aus dem Hause Electronic Arts – dem Publisher des Games – zu erleben, überrascht einen nach den letzten Jahren noch zusätzlich … und nein, Lootboxen haben wir auch keine finden können. In einer Zeit der Fortsetzungen, weitestgehend kompetitiven Multiplayer und In-Game Transaktionen, liefern uns Hazelight Studios einen Nischentitel, der sich gewaschen hat. A Way Out verschaffte uns wesentlich mehr Spaß, als so manches Triple A Game zum Vollpreis. Wir haben auf jeden Fall einen unserer Anwärter für das Spiel des Jahres gefunden. Daher ist unsere Empfehlung relativ eindeutig: Schnappt euch einen Kumpel, eure Freundin bzw. euren Freund, oder wen auch immer und genießt dieses Koop Juwel!

grafik sound steuerung atmosphäre

Ein weiteres Feature, das uns Hazelight liefern, ist das „Einer kauft, zwei spielen“-Konzept. Der Gringoz-Magazine

4,6

spielspass 51


SPOTLIGHT

ANCHESTER Funkrock aus Kassel Als wir vor einigen Wochen unseren Briefkasten öffneten und diese Jungs als Bewerbung vorliegen hatten, wussten wir mit dem ziemlich auffallenden Cover erst mal nichts anzufangen – als wir dann die CD einlegten waren wir dadurch nur umso positiver überrascht denn: Wem die Red Hot Chili Peppers zu abgehoben sind oder falls jemand eine aktuelle musikalische Formation sucht, in welcher man sich selbst und seinen Musikgeschmack neu entdecken kann, den kann man Anchester nur ans Herz legen. Vor zwei Jahren frisch gegründet geht das musikalische Funk-Quartett seit 2017 regelmäßig mal vor die Tür des Proberaumes, um bei Live Shows mit exklusiven Showeinlagen ihr Bestes zu geben. Da wir hier von einer frisch gegründeten Band reden,

line up Vocals, Guitar Guitar Bass Drums -

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Daniel Anthony Nils Janosch

ist der Radius der Live Shows bisher nur auf Hessen und Umgebung gerichtet – das könnt ihr aber mit eurem Interesse schnell ändern! Seit Anfang 2017 gibt es auch für zu Hause etwas auf die Ohren, nämlich die Debüt EP „Mind&Rhythm“, welche auf sieben Songs quer durch die verschiedenen Genres wie Funk, HipHop, RnB, Rap, Blues und Rock einfach alles bietet, was Fans und Kritiker zum Tanzen bringt. Lasst euch einfach binnen Minuten mitreißen, sobald der Song Out of My Head euch verzaubert. Doch Anchester kann nicht nur rocken, sondern zeigt in Songs wie Walking On Water sich auch mal von der emotionalen Seite und der ein oder andere Hörer wird sicherlich den aufbauenden Progress in Meisterstücken wie diesem hören und zu lieben lernen. Wir sind auf jeden Fall angefixt und wollen zukünftig mehr von Anchester hören und sind sehr gespannt, wo man die Jungs in naher Zukunft noch so aufs Ohr und hoffentlich vors Auge kriegt. Leider gibt es aktuell keine großen Pläne bezüglich einer Tour, jedoch könnt ihr die Funkrocker am 6. Mai in Kassel das nächste Mal live erleben. Nutzt die Chance! Gringoz-Magazine


DREI METER FELDWEG Punkrock aus Salzhausen (die beste Headline, die wir je hatten!) Zuerst entdeckten wir die Jungs letztes Jahr auf dem Traffic Jam Open Air und dachten uns nur, dass dies definitiv der geilste Bandname im gesamten LineUp ist. Heute dürfen wir ein Spotlight über die Jungs schreiben – kleine Welt! Wer die Jungs allerdings anhand des Namens als harte „Ey wir nehmen unser Album in schlechter Qualität zwischen drei Kästen Bier auf, weil wir sau harte Punks sind und nicht zuviel kaufen wollen wovon der scheiß Staat wiederum die Steuergelder abgreift“ – Band abtut, wird hier schwer enttäuscht, denn bei Drei Meter Feldweg geben sowohl Spaß als auch Köpfchen den Takt an. Wir gehen sogar soweit, dass wir ganz frech behaupten sogar ein bisschen Ska in diesem Sound rauszuhören. Die Jungs kommen zwar nicht annähernd aus Düsseldorf, könnten sich aber mit dem Größen dieser kreativen Punkrock Hochburg durchaus in eine Reihe stellen. Das zeigt vor allem die aktuelle LP Hypermaxx 4000, welche vielseitig und auf den Punkt gebracht alles liefert, was eine absolute gute Laune Stimmung benötigt. Wir können zu Liedern wie Sie haben Post oder Nimm dir Zeit das Tanzbein sowohl vor der Bühne, als auch in den eigenen vier Wänden schwingen und zugleich bei Gringoz-Magazine

Songs wie Schwarze Lichter auf der emotionalen Ebene einfach mal den Text sowie die Musik für sich wirken lassen. Die Kombination aus Witz und Wahrheit verpackt in einem modernen Punkrock Sound mit Mitgröhl Qualitäten zahlt sich aus. Das beweisen Konzerte mit Genregrößen wie Dritte Wahl und Rantanplan sowie Live Shows für mehr als 10.000 Menschen. Habt einfach Spaß mit dieser Band, egal ob Live oder auf CD – die Jungs verdienen es gehört zu werden.

line up Vocals Guitar Guitar Bass Drums -

Bennet Hendrik Finn Simon Philip

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SPOTLIGHT

MODELL BIANKA Lovepunk aus Hannover Seit Anfang 2017 entwickelt sich in einem Keller der Stadt Hannover ein musikalisches Quartett, welches seit dieser Gründung eigene Songs schreibt – wie haben die das eigentlich da unten ausgehalten so Anfang des Jahres?! Der Sound muss schon ziemlich heiß sein! Zumindest nennt sich dieser Sound Lovepunk, was genauer gesagt eine Kombination irgendwo zwischen Indie und Punk sein soll. Textlich frech, tiefsinnig und stets nachdenklich wird auf der ersten EP mit drei Songs kritisch mit allerlei Themen um sich geworfen, die die Band so beschäftigt. Auch wenn man diese inhaltlich nicht immer beim Wort nehmen muss und auch mal hinter die Fas-

line up Vocals, Guitar Guitar Bass Drums -

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Niklas Simon Sven Lukas

sade blicken sollte, donnert vor allem der raue Sound der Band stets im Vordergrund durch die Boxen und erschafft damit eine gewisse traurige und zugleich authentische Atmosphäre – und das stets im Takt! Auch wenn wir textlich eine ordentliche Gefühlsachterbahn besteigen, eines bleiben die Jungs stets: laut! Durchdachte Arrangements mit einer angenehm rotzigen Kellerpunk-Attitüde, Do-it-yourself-Spirit, eine 2017 im Proberaum entstandene DEMO EP. All das ist Modell Bianka. Ein Projekt, das mehr ist als nur Musik und in das bereits eine ordentliche Menge Herzblut, Schweiß, Tränen und Bier investiert wurde. Live erleben kann man das aktuelle Ergebnis der Band leider nur im Raum Niedersachsen. Solltet ihr aus dieser Ecke kommen, können wir euch die geplanten Gigs im Mai nur empfehlen. Im Herbst 2018 wird Ihre nächste EP veröffentlicht, welche hoffentlich auf das aktuelle Werk mit deutlich mehr Material noch mal eine Schippe drauflegt. Diese Band sollte man im Auge behalten, in den Ohren behält man sie auf jeden Fall! Gringoz-Magazine


SLOPPY JOE´S Heavy-Rock aus Hamburg Es gibt wirklich nicht viele Bands, die uns dazu bringen, nach einem ersten Durchlauf direkt das gerade Erlebte niederzuschreiben aber: Es ist halb sechs morgens und ehe wir uns nach ein paar gesunden Stunden Schlaf erneut ans Werk machen um eine erste Resonanz für den Spotlight zu ziehen, zog uns das Album Eight Reasons to Rock direkt vor den Rechner um euch davon zu berichten. Und nein: Das liegt nicht daran, dass wir gerade den größten Mist gehört habe – im Gegenteil! Die drei Rockaholics verstehen ihr Werk von vorne bis hinten und erschaffen den Rock´n´Roll zwar nicht neu, wissen diesen aber in seinem aktuellen Spektrum perfekt einzufangen. Wem Volbeat auf Dauer zu gleich klingt aber dennoch auf peitschende Ohrwürmer nicht verzichten will und sich gerne von diesem positiven Rock Spirit anstecken lässt, dem können wir Sloppy Joe´s nur empfehlen. Der Spaß an der Musik ist in jedem Takt zu hören und genau das zeigt auch die Karriere der Hamburger. Mit über 100 gespielten Shows auf den verschiedenen Bühnen Europas, eine Auszeichnung bei den Bestmusictalent-Awards in der Kategorie Bester Song 2016 und dem generellen Sieg beim „The Global Battle of the Bands 2015“ in Berlin lässt es sich durchaus sehen. Wir haben hier Gringoz-Magazine

einen Rock Stern am Himmel, der noch keine 40 Jahre Bandgeschichte hinter sich hat und noch hautnah in Clubs zu sehen ist – an alle Freunde der härteren Gangart: Nutzt diese Chance. Hier kommen selbst die konsequentesten Bewegungsverweigerer nicht ungeschoren davon!

line up Vocals, Guitar - Jesse Bass - Johnny Drums - Pätzy

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Gringoz Magazine #12  
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