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Das Wappen von Ober-Rosbach

1623

1663

Ober-Rosbach

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Historischer Rückblick Unser Ober-Rosbach am Rande der Wetterau heißt nicht nur „vor der Höhe“, sondern es liegt tatsächlich auf den leicht abfallenden Ausläufern des Taunus. Damit sind wir in einer vor westlichen, regenreichen Winden recht geschützten Lage. Rosbach liegt in einem klimatisch günstigen Gebiet. Die mittleren Jahresniederschläge wurden um 1930 mit ca. 650 mm angegeben. Den fruchtbaren Boden erkannten schon vor rund 6000 Jahren die Menschen des Neolithikums, der Jungsteinzeit. Sie begannen sich auf den ertragversprechenden Böden der Wetterau sesshaft zu machen und siedelten auch hier bei uns, wie wir aus den zahlreichen bandkeramischen Lesefunden der nahen Umgebung wissen. Dass die Römer vor rund 2000 Jahren die Wetterau mit ihrem fruchtbaren Land in das Römische Reich mit einbezogen, ist allgemein bekannt. Für unsere Stadt ist das Römerkastell, die „Kapersburg“, von großer Bedeutung, denn es liegt mit seinen Zugangswegen innerhalb der Rosbacher Gemarkungsgrenze. Ganz besonders gilt das, seitdem im Jahre 2005 der römische Grenzwall, der Limes, zum „Weltkulturerbe“ erklärt worden ist.

Die schriftliche Ersterwähnung von Rosbach 884 Zeitlich näher an der Jetztzeit als Bandkeramiker und Römer, tauchte vor rund 1125 Jahren 884 Rosbach zum ersten Male schriftlich auf. Jedenfalls beziehen wir uns auf dieses Jahr, das im Kodex Eberhardi mitgeteilt wird. Das Interessanteste dieser Schenkungsnachricht des Kaisers Karl III., den man „den Dicken“ nannte und der ein Enkel Karls des Großen war, ist, dass darin die ersten Bewohner Rosbachs mit Namen aufgeführt sind. Nicht nur die 5 Familienväter, sondern auch Ehefrauen und einige Söhne werden namentlich mitgeteilt.

Abb. 1

Kopie des Urkundenkopfes von 884 (Aus RHGBl. 1/1986)

Diese ersten Rosbacher Einwohner wurden mit den zugehörigen Ländereien als Leibeigene einfach an das Kloster in Fulda verschenkt. Damals gab es noch kein Ober- und Nieder-Rosbach. Wir wissen demnach nicht genau, wo diese Menschen ihre Hütten und Häuser aufgestellt haben. Sicherlich aber am Wasser, dem Rosbach, der schon damals aus seiner Quelle am Taunushang heraussprudelte. Ist es da nicht sehr wahrscheinlich, dass an der Stelle, an der die uralte Handelsstraße, die Wein- oder Wagenstraße, auf den Rosbach traf, der geeignete Platz war, wo die Leibeigenen ihre Häuser bauten?

Ober-Rosbach

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Das erste Bild von Ober-Rosbach

Ober-Rosbach

Abb. 2 ( HStA Wiesbaden Abt.330, XIV a Nr.2)

Die älteste bildliche Darstellung von Ober-Rosbach ist die nebenstehende Zeichnung. Sie stammt von einer Geleitstraßenkarte aus der Zeit um 1512/1530. Wir sehen die bereits mit Mauern und Türmen geschützte Stadt. Die „Geleitstraße“ war der Weg, auf dem die Geleitreiter mit den ihnen anvertrauten Kaufleuten zwischen Frankfurt, Butzbach, Gießen und Kassel unterwegs waren. Wer mit Geleit durch die Lande ziehen wollte, der musste dafür bezahlen. Er bekam als Gegenleistung den Schutz einer Art Polizeitruppe, die die Straßen in kriegs- und fehdeunsicheren Zeiten überwachte. Besonders vor und nach den Messezeiten war auf der Geleitstraße viel Verkehr. Die Geleitreiter und ihre Schutzbefohlenen verbrachten die Nächte in sicheren Orten, wie zum Beispiel im ummauerten Städtchen Ober-Rosbach. Dort gab es Herbergen für Kaufleute und sichere Ställe für die Tiere, wie Pferde oder Ochsen. Um 1600 war Ober-Rosbach dreiherrisch, d. h. es hatte drei Herren: Nassau, Trier und Königstein. Jeder dieser drei Herren setzte einen Beamten ein, die „Keller“. Sie bildeten gemeinsam mit den Schöffen das Gericht und wechselten sich im Vorsitz ab.

Die ummauerte Stadt Ober-Rosbach mit seinen Türmen und seinen Mauern war ein sicherer Ort. Dort wo sich keine Mauer befand, war ein wassergefüllter Graben angelegt, dessen Wasserstand mit Hilfe von Dämmen reguliert wurde. Diese Dämme wurden „Feuerdämme“ genannt, da sie auch für Löschwasser im Brandfall zu sorgen hatten. Die Gräben waren außerdem mit einem dichten „Gebück“ geschützt. Als ineinander verflochtenes Gestrüpp hielten sie Angreifer ab und ver-hinderten, dass sich Vieh nach außen davonschlich. Auf unserem Bild oben sehen wir links das Untertor, rechts das Obertor. Sie dienten beide als Ein- und Ausgang für die Wein- oder Wagenstraße. Ein kleines Törchen führte in den Wald und auf die Viehweide. Weitere Ausgänge gab es nicht. Sie wurden jederzeit bewacht. An der Durchgangsstraße innerhalb des Ortes standen die wichtigsten Gebäude, wie das Gemeindehaus, das auch als Wirtshaus diente, das Pfarrhaus und die Häuser der Keller am Marktplatz. Dazu kam 1738 das Westerfeldsche Haus. Im Ausgang des Mittelalters und im Beginn der Neuzeit wurde Ober-Rosbach mehrfach als „Stadt“ bezeichnet, obwohl der Ort erst 1663 nach einer kräftigen Geldzahlung die Stadt-rechte „völlig“ erhielt, wie es in der Urkunde heißt. In anderen Gegenden Hessens ist manchmal ein Ort „Schloß“ genannt, der dann zur „Stadt“ wurde. Auch Ober-Rosbach hieß zu dieser Zeit „Schloß“, denn seine Mauern umschlossen das Dorf. Unsere Stadt besaß damals die „zu den wesentlichen Charakterzügen der mittelalterlichen Stadt gehörende bauliche Gestaltung mit Marktplatz und schützender Stadtmauer, . . . Standort der künftigen Verwaltungsund Wirtschaftszentren, vorzugsweise an wichtigen Straßen oder Wasserwegen. Hier kann die Ober-Rosbach

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Durchgangsstraße (Wein- oder Wagenstraße!) zur Achse des künftigen Stadtplans werden.“ (Die Chronik Hessens, Dortmund, 1991) Von einer „Stadt“ Rosbach war also bereits lange Zeit vor dem Jahre 1663 die Rede. So verkaufte Gottfried IX. von Eppstein 1486 ein Viertel der „Stadt“ Rosbach. Im Jahre 1489 bekannte Wilhelm, Landgraf von Hessen, dass Gottfried X. von Eppstein seinen Teil an dem „Städtlein“ Ober-Rosbach für 1200 Gulden auf Widerruf verkauft habe. Im gleichen Jahr wurde eine „Matrikel über die von der „Stadt“ und Gerichten Rosbach zu stellenden Soldaten“ erwähnt. Um 1543 schrieb Erasmus Alberus in „Kurtze Beschreibung der Wetterau“: „Rosbach ist ein Stedlein, da wechst auch Wein.“ In einer Urkunde vom 1. Januar 1597, deren Abschrift im Stadtarchiv im Wehrturm vorliegt, heißt es: „Deßen zu Urkund haben wir Bürgermeister und Rath for uns und die ganze Gemeindt unser Stadt-Ingesigel wissentlich an diesen Brief hangen. . . . . Dar geben ist am Ersten Januari Anno Fünfzehn hundert und neunzig V 2.“ Diese Urkunde wird mehrfach in der Literatur erwähnt, und zwar mit der Jahreszahl 1595. Dies muss allerdings ein Irrtum sein, denn der Landgraf Ludwig, an den die Urkunde gerichtet ist, trat seine Regierung erst nach dem Jahre 1595 an. Auch ist das „Stadt-Ingesigel“ ein beachtenswertes Indiz für den Stadtstatus. Aus diesen Nachrichten wird ersichtlich, dass sich Ober-Rosbach schon vor 1663 mit Recht „Stadt“ nannte, wenn auch die Bestätigung dafür bisher fehlt. Ober-Rosbach blieb trotzdem nur eine „Minderstadt“, wie moderne Forscher (H. Stoob, Minderstädte, 1959, Köln 1970) heute sagen.

Abb. 3 Die ummauerte Stadt, wie sie der HGV in seinem Heft 10/1995 abdrucken ließ.

Je ein Stück der alten Mauer hat sich noch am Neuen Weg und am Wingertsweg erhalten.

Ober-Rosbach

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Abb. 4 Der Rest der Stadtmauer im Neuen Weg

Abb. 5 Die Stadtmauer am Wingertsweg Die Stadtmauer hatte eine Höhe von ca. 3,5 m. Sie schützte den Ort vor fremden Eindring-lingen und sollte das Weglaufen des Viehes verhindern. Militärischen Angriffen konnte sie kaum standhalten. Das Betreten der Stadt war nur durch die beiden Tore, das Untertor und das Obertor, erlaubt. Daneben gab es die kleine Pforte am Ende der Kirchgasse für Viehtrieb zur Waldweide und zum Ausgang in die Weinberge und in den Wald. Wo sich die Sage zugetragen hat, nach der der Teufel, als er eilends aus Rosbach floh, seinen Fußabdruck auf der Mauer hinterlassen hat, ist im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten. Eine recht phantasievolle RekonstruktionsAbb. 6 zeichnung gibt einen Eindruck vom Obertor. Das gezeichnete Obertor Es hatte eine Fußgängerpforte an der rechten Seite und besaß ein Falltor. Beim Wasserleitungsbau fand man auffallend Ober-Rosbach 5


starke Fundamente aus hartem Quarzgestein, wie es im Steinbruch auf dem Salzberg vorkommt. Damit war die Stelle des Tores gut zu lokalisieren. Beide Tore des Dorfes wur-den bewacht und allabendlich geschlossen. In der Zeit, zu der die gesamte Bevölkerung beim Gottesdienst in der Kirche war, wurden die Tore nicht geöffnet. Männer der Stadt-wache gingen Streife im Ort. Sie hielten Diebe und Einbrecher von der Stadt fern. Der Turm am Obertor diente als Gefängnis. Leichtere Übeltäter wurden darin für wenige Tage gefangen gesetzt. Selten verhängte das örtliche Gericht längere Strafen. Sie mussten dann im Stockhaus zu Gießen verbüßt werden. Böse Weiber kamen für Stunden an den Pranger, den „Drilles“. Ob der Galgen, der an der Gemarkungsgrenze zu Ober-Straßheim stand, je benutzt wurde ist unbekannt.

Ober-Rosbach

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Geschichte  

Rosbach vor der Höhe

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