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2018

Das Magazin von Wikinger Reisen

La Palma

Die groĂ&#x;artige Kleine

Alpen-Trekking

Gratwanderung der Extraklasse

Spitzbergen Exotische Arktis


Editorial | 2018

Liebe Leserin, lieber Leser, in jüngster Zeit fragen unsere Gäste meine Mitarbeiter und mich immer häufiger, inwieweit wir als Reiseveranstalter das Thema Nachhaltigkeit in unser Geschäftsmodell integrieren. Das Interesse freut mich sehr und es zeigt mir, dass wir mit unserem Handeln in diesem Bereich schon vor langer Zeit den richtigen Weg eingeschlagen haben. Nachhaltigkeit ist für uns in erster Linie nicht bloß ein Verkaufsargument, sondern vielmehr Teil unserer Unternehmensphilosophie, die wir so schon seit den Anfängen von Wikinger Reisen leben. Mein Vater Hans-Georg Kraus war von Beginn an darauf bedacht, die Reisen stets auch sozial und ökologisch verantwortlich zu gestalten. 1996 mündete sein Engagement in der Georg Kraus Stiftung, in die heute 20 Prozent des Gewinns von Wikinger Reisen fließen, um Bildungs­- projekte in ärmeren Ländern zu unterstützen. Mit dem Verein Die Ofen­macher haben wir uns 2016 zusammen­getan, um in Nepal den Bau von Lehmöfen voranzutreiben. Diese sind viel sicherer als offene Feuerstellen und sie verursachen zudem einen deutlich geringeren CO₂-Ausstoß. Oder nehmen wir den WWF Deutschland, den wir als strategischen Partner gewinnen konnten und der uns hilft, auf allen Ebenen immer nachhaltiger zu werden. Gemeinsam mit Ihnen gehen wir diesen Weg weiter – darauf freue ich mich noch mehr! Ich wünsche Ihnen viel Inspiration mit der neuen Grenzenlos-Ausgabe – getreu dem Motto: Heute reisen. Das Morgen bewahren. Bleiben Sie ­neugierig und schreiben Sie uns! An grenzenlos@wikinger.de

Daniel Kraus und das Wikinger-Team

Cover

Santa Cruz de La Palma ist bekannt für seine alten Häuser im kanarischen und kolonialen Stil mit kunstvoll verzierten Holzbalkonen. Von den ­Kanaren machte sich Christoph Kolumbus auf nach Westen, um einen direkten Seeweg nach ­Indien zu finden. Stattdessen entdeckte er Amerika. La Palma entdecken Sie ab Seite 18.

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Inhalt

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ewegend B Frankreich / Schottland

08 Unterwegs | Kärnten Grenzgang auf dem ­Karnischen Höhenweg

Fotos: A. Zlöbl, T. Jutzler, FVA La Palma, Crown copyright Visit Wales, S. Auth, Fotolia

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22

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08

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Im Fokus

Fotowettbewerb / Küchenschlacht auf isländisch

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Unterwegs | La Palma

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Ausrüstungsberatung

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Nah dran

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Notizen vom Wegesrand

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Weltsichten | Spitzbergen

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Unterwegs | Wales

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Geschmack von Welt

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Weit gereist

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Impressum

Sinfonie der Vielfalt

Trekking, so wird’s richtig gut Martin Antonin sucht die besten Reiseleiter Mitarbeiter ganz privat Urlaub on the rocks

Einsame, gewaltige, grandiose Küste Tsampa-Suppe, ganz einfach Tibet Und sich dabei gefunden

Ausführliche Beschreibungen und Details­zu unseren Reisen finden Sie im Internet unter wikinger.de

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BEWEGEND

Provence, Frankreich

Foto: Shutterstock

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s gibt Landschaften, die sind in unserem kollektiven Bewusstsein wie Blaupausen (in diesem Fall Lilapausen) abgespeichert: Wenn ich Provence höre, taucht unwillkürlich das Bild eines bis an den Horizont reichenden Lavendelmeeres vor meinem geistigen Auge auf. Die beste Reisezeit, um den Lavendel in seiner Blüte zu erleben, ist Anfang Juni bis Mitte August. Seit dem 17. Jahrhundert wird der Lavendel in der Provence im großen Stil angebaut. Der Name kommt vermutlich von lavare – waschen –, da er schon im antiken Rom als Bade- und Waschmittelzusatz verwendet wurde. Bei einer Tour durch die Provence begegnen einem seine bläulich-violette Farbe und das Aroma auch außerhalb der Blütezeit. In Seifen, Ölen, getrocknet oder zu Pralinen verarbeitet. Ein Fest für die Sinne und für jeden, der nach schönen Reisemitbringseln für die Daheimgebliebenen sucht! Erfahren Sie – im wahrsten Sinne des Wortes – Frankreich, auf der neuen Radreise »Le Tour de France – von Paris zum ­Mittelmeer«, Nr. 6784R.


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6


­

BEWEGEND

Highlands, Schottland

Foto: Shutterstock

S

chon ziemlich lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Glencoe, das Tal der Täler in Schottland, mit eigenen Augen zu bewundern. Und ja, es steht in der Realität seinem Auftritt in dem James-Bond-Film Skyfall in nichts nach. Mystisch verwunschen liegt es vor einem, sein Boden durchtränkt von wahrscheinlich ziemlich blutiger Geschichte. In einem Moment der Stille, als nur das leise Rauschen des nahen Bachs zu hören ist, meine ich fast, Kampfgeschrei des zu trauriger Berühmtheit gelangten Massakers in der Ferne zu vernehmen, das Glencoe den Bei­namen Tal der ­Tränen eingebracht hat. In den Morgenstunden des 13. Februar 1692 töteten die E ­ ngländer auf Befehl ihres Königs die Mitglieder des MacDonald-Clans. Und doch könnte der Ort kaum unschuldiger wirken. Notiert von Nina Kramer auf der Reise »Schottische Highlights – Natur und Kultur in Schottland«, Nr. 5327.

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Unterwegs | K arnische Alpen

Der Aufstieg auf den GroรŸen Kinigat ist einer der besonders schรถnen Abschnitte des Karnischen Hรถhenwegs.

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GIPFEL OHNE GRENZEN Auf dem Karnischen Höhenweg wandert man auf einem Friedensweg durch Millionen Jahre Erdgeschichte.

TEXT Monika Hippe FOTOS Armin Zlöbl

H

INTER MIR GLUCKST die Apfelschorle im Rucksack. Am Himmel blitzt eine Bilderbuch-Sonne. Dort oben schweben zwei Kolk­ raben. Ein Pärchen! Ganz mühelos gleitet es gemeinsam über die Berggipfel. Mal fliegen sie über Europa, ein paar Flügelschläge weiter kreisen sie über Afrika. Mein Freund und ich machen es ihnen nach, wenn auch nicht ganz so mühelos. Auf dem Karnischen Kamm stiefeln wir – geologisch gesehen – zwischen den Erdteilen hin und her. Denn hier krachten vor etwa 365 Millionen Jahren der afrikanische und der europäische Kontinent ineinander. Der enorme Druck presste Steine, Pflanzen und Muscheln nach oben, wie eine überschüssige Ladung Senf aus der Tube. Die Karnischen Alpen liegen auf der sogenannten Periadriatischen Naht, die vom Mittelmeer bis Ungarn verläuft. Sie bildet die Grenze zwischen Österreich und Italien. Geologen zählen den Höhenkamm zu den interessantesten Regionen der Erde. Nirgendwo sonst in Europa können sie auf so engem Raum so viele unterschiedliche Steinarten und Fossilien finden. Viele Pflanzengattungen haben in dieser Region zwei unterschiedliche Arten entwickelt. Nach einem 500-Meter-Aufstieg von der Leckfeldalm durch Wälder mit tellergroßen Pilzen und Almrausch, der aussieht wie grüner Blumenkohl, empfängt uns die Sillianer Hütte auf 2447 Meter über dem Meeresspiegel mit einem fantastischen Blick in die Sextener Dolomiten und die Defregger Alpen. Nach einer Guck-Pause laufen wir weiter über Wiesen mit blauem Enzian und rosa Knabenkraut. Über getrocknete Kuhfladen hüpfend, halten wir Ausschau nach versteinerten Korallen. Irgendwo pfeift ein Murmeltier. Es warnt seine Artgenossen vor dem Steinadler. Am Abend hüllt die untergehende Sonne die Berge in Schatten. In der Hütte am Obstansersee, idyllisch am Fuße von Roßkopf und Pfannspitze gelegen, gönnen wir uns Schweine­ braten und Kasknödel. Dazu gehört Weißbier und zur Verdauung ein Bärwurz-Schnaps, sagt der Wirt. Ebenso gehört es zu einer zünftigen Bergtour, einmal in einem Matratzen­

lager zu übernachten. Doch bevor wir uns Gedanken über mögliche Schnarcher oder Tütenraschler machen können, sind wir auch schon eingeschlafen. Am nächsten Morgen nehme ich noch ein Sekunden-Bad im eiskalten See – eine echte Mutprobe! Aber beim Wandern heize ich schnell wieder auf. Wir laufen weiter den Grat entlang. Schließlich wollen wir den 2686 Meter hohen Großen Kinigat am Wegesrand erobern. Die Drahtseilsicherung nutze ich gar nicht. Vor mir klettert ein braungebrannter Mittsechziger durch die Felswand. Als er mich schnaufen hört, dreht er sich um, streckt seine Hand aus und zieht mich Schritt für Schritt hoch. Wastl, so heißt er, ist ein geübter Bergsteiger mit kernigen Falten im Gesicht. Sein Stirnband ziert ein Edelweißmotiv. Er hilft anderen gern. Schließlich kennt er sich aus, er läuft 30-mal im Jahr hinauf. Oben kramt er Bananen und Puff­ reis aus dem Rucksack, reicht Birnenschnaps im Flachmann herum. Dabei zählt er die Namen der umliegenden Berge auf. »Bleibts brav und pfiats euch« verabschiedet er sich danach und klettert geschickt über die weißen Kalksteine Richtung Westen ab.

WIR BLEIBEN NOCH EINE WEILE auf den sonnen­warmen Steinen sitzen und genießen die Aussicht bis hin zum Großglockner. Über uns neckt sich das Kolkrabenpärchen. Die meisten Paare sind monogam und bleiben einander ein Leben lang treu. Schon den ganzen Weg begleiten uns die beiden, so als würden sie uns ihr wunderschönes Revier zeigen wollen. So gut wie wir hatten es die Menschen hier nicht ­immer. Das Gipfelkreuz trägt die Inschrift: »Nie wieder Krieg!« Denn wo heute Kuhfladen auf die Wiesen platschen, kämpften im Ersten Weltkrieg Soldaten um ihr Leben. Der Karnische Kamm wurde zum Frontgebiet, als Italien 1915 Öster­reich-Ungarn den Krieg erklärte. Überall entlang des

BLEIBT'S BRAV UND PFIAT'S EUCH Höhenwegs sieht man noch Schützengräben und Fels­höhlen, die als Bunker dienten. Drei Jahre lang mussten Tausende Männer Lebensmittel und Waffen heraufschleppen, auch bei klirrendem Frost. Heute verteidigen nur noch Schafe die ehemaligen Stellungen. Sie blöken aus schattigen Schutzwällen und lassen ihre Munition in Form von kleinen braunen Kugeln ins Geröll plumpsen. Wieder unten, kraxeln wir über

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Auf dem Friedensweg trifft man immer wieder auf steinerne Zeugen der Geschichte.

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KARNISCHE ALPEN ÖSTERREICH

Lienz Obertillach

Dr

au

Untertillach

Porzehütte

Hermagor

Drei Zinnen

ITALIEN

STEILE FELSFLANKEN SPUCKEN GERÖLL RICHTUNG TAL

­ unkles, Millionen Jahre altes, moosbedecktes Urgestein. Vor d dem weiteren Abstieg stärken wir uns in der Filmoor­hütte. Die umfangreiche Speisekarte lässt wohl jeden Wanderer staunen: Unter anderem gibt es Salat mit Kürbiskernöl, edle Trinkschokoladen und Ingwerweißbier. Das meiste d ­ avon schleppt der Wirt selbst im Rucksack vom Tal hoch. Von der Porzehütte bringt uns ein Fahrer nach Obertilliach. Ein sogenanntes Haufendorf mit 800 Einwohnern. Noch heute besteht der Ortskern aus uralten denkmalgeschützten Holzhäusern aus dem 13. Jahrhundert. An manchen Abenden dreht im Dorf der einzige Nachtwächter Österreichs seine Runden. Zum Schutz vor Feuer geht er wie früher mit Laterne und Hellebarde durch die schmalen Gassen. Dabei singt er das berühmte Nachtwächterlied. Hier übernachten wir in einem kleinen familiengeführten Hotel. Der Inhaber Josef Lugger macht am Abend mit seinen Liebsten für uns Hausmusik. Sein Hotel Unterwöger ist ein denkmalgeschütztes Dorfwirtshaus, das 1760 vom Tiroler Freiheitskämpfer Ignaz Peter Valtiner erbaut wurde. Mit der Renovierung hat der Hotelier sich viel Mühe gegeben, um

den Charakter des Hauses zu bewahren. In der Diele stehen originale Eichenholzschränke und alte Gemälde schmücken die Wände. Im Gewölbekeller wurde eine Szene des Kriegsdramas Tränen der Sextner Dolomiten gedreht, das vom Krieg am Karnischen Kamm handelt.

ZURÜCK AM KAMM kommen wir zu einem der schönsten Flecken auf dem Karnischen Höhenweg, dem Wolayer See. Das Wasser ist klar wie eine frisch geputzte Fensterscheibe. Es wird umarmt von senkrecht emporragenden Kalksteinfelsen, die vor 400 Millionen Jahren ein Meeres-Riff waren. Schautafeln des Geotrails erklären geologische Vorgänge und zeigen, wo im Fels Korallen, Seelilien, Schnecken oder urzeitliche Tintenfische versteinerten. Die Lebewesen verschwanden vor 250 Millionen Jahren durch das Absinken des Meeresspiegels, verursacht durch einen Klimasprung. Wir wandern weiter über Geröll, das steile Felsflanken Richtung Tal spucken. Der Atem pendelt im Takt unserer Schritte.

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Unerklärlicherweise oft menschenleer. Die Karnischen Alpen hat man häufig für sich allein.

IN DER SONNE LEUCHTEN DIE STEINE MAGISCH

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Auf ­ schmalen Pfaden geht es zum Öfner Joch und zum Giramondo­pass. Immer wieder haben wir fantastische Ausblicke auf die reiche Gipfelwelt im Süden. Manche Bergwände glänzen in der Sonne, wie silbriger Blätterteig. Im östlichen Teil des Kamms laufen wir erst über das steinige Valentintörl, später klingen die Höhe und das Felsig-Schroffe in sanft-grünen Berg­hängen und bunten Almwiesen aus. Auf diesem abwechslungsreichen Höhenweg möchte man ewig weiterlaufen. Schon jetzt planen wir wiederzukommen, um die Dolomiten auf dem Höhenweg Nr. 1 zu durchqueren. Er führt vom Pragser Wildsee bis nach Belluno. Ein ­Wanderer schwärmte vom Croda da Lago, von traumhaften Blicken auf die Felsburgen der Civetta, auf den Monte C ­ ristallo und die Marmolada. Wir machen erst mal einen Abstecher in die Garnitzenklamm östlich von Nassfeld. Hier hat sich der


­ arnitzenbach im Laufe von Jahrtausenden eine vier KilomeG ter lange Schlucht gegraben. Markierte Steige und ­Brücken führen durch bizarre Felsformationen, geformt von Gletschern der letzten Eiszeit. Mit Wucht tosen Wasserfälle neben uns bergab, als wollten sie die Ersten unten im Tal sein. Unterwegs drehen sie sich im Karussell türkisfarbener Strudeltöpfe. Sicher wäre das Wasser erfrischend, aber zu baden trauen wir uns nicht. Das holen wir lieber später im Weissensee nach. Vorerst stärken wir uns auf der Eggeralm mit Gailtaler Speck und Käse. Die Sennerin zeigt uns anschließend, wie sie den würzigen Almkäse herstellt.

BADEN-WÜRTTEMBERG

31.506.849 SCHRITTE OHNE SICH ZU VERLAUFEN*

ES FÄLLT UNS SCHWER, von den Bergen Abschied zu ­ ehmen. Deshalb hängen wir noch ein paar Tage dran und n fahren in die Sextener Dolomiten, um die Drei Zinnen zu sehen – das Wahrzeichen Südtirols! Wir wandern durch das romantische Fischleintal und kraxeln hinauf bis zur ­Locatelli-Hütte. Vor uns ragen die Zinnen steil empor – fast wie drei Soldaten, die strammstehen. In der Abendsonne leuchtet ihr Steinkleid ganz magisch. Kein Wunder, dass es das meistfotografierte Motiv Südtirols ist. Über uns hören wir einen Vogel krächzen. Am Himmel kreist wieder ein Kolkrabenpaar. Ist es uns gefolgt? Vielleicht – die Raben wissen einfach, welche ­Flecken zwischen Europa und Afrika die schönsten sind. ///

GRENZERFAHRUNG Reisen: Der Karnische Höhenweg führt an der Grenze zwischen Österreich und Italien entlang. Wikinger Reisen hat die 8-tägige Trekking-Tour »Ein Grat im Großformat: der Karnische Höhenweg« (Nr. 5430T, ab 998 €) im Programm. Auch toll und quasi in Sichtweite: »Der Dolomiten Höhenweg – die schönsten Panoramen von Nord nach Süd« (Nr. 6567T, ab 1.148 €). ­Außerdem gibt es die zwei Wanderreisen: »Naturparadies ­Kärnten – mit allen Sinnen genießen« (Nr. 5453, ab ­1.198 €) und »Im Angesicht der Dolomiten« (Nr. 5411, ab 1.130 €). Allgemein: Gute Informationen über die Gegend bietet die Website: osttirol.de Literatur: »Die Front in Fels und Eis« von Gunther Lange ist eine historische Darstellung des Hochgebirgskriegs, mit Berichten von beiden Seiten der Grenzlinie, mit Skizzen und Bildern von damals. Unbedingt: Am Gipfel innehalten und sich freuen, in welches vergleichsweise friedliches Jahrhundert man hinein­ geboren wurde.

*Perfekt beschilderte Wanderwege machen Kompass und GPS überflüssig. Stressfrei durch den Süden. Mehr darüber erfahren Sie unter: www.tourismus-bw.de

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Im Fokus FOTOWETTBEWERB

DIE SCHÖNSTEN

MOTIVE 2017 Haben Sie auf Ihrer letzten Wikinger-Reise ein besonderes Foto geschossen?­Dann machen Sie mit beim Fotowettbewerb! Jeden Monat­werden die drei schönsten Motive mit einem Gutschein prämiert.­Aus diesen wird wiederum im Herbst auf den Wikinger-Treffs das Jahres-Gewinnerbild­ gewählt. Weitere Infos und die Teilnahmebedingungen unter wikinger.de/fotowettbewerb­

COSTA RICA

WAS NUN? von Harald Marzahl Vielleicht einfach mal den Fotoapparat weglegen und inne­ halten und nur schauen und genießen. Es gibt so viel zu sehen in Costa Ricas überbordender Tier- und Pflanzenwelt.

Unterwegs mit dem Profi Auf speziellen Fotoreisen geben erfahrene Fotografen Insider-Tipps fürs Gelingen guter Bilder. Wer Fotografieren und Wandern gleichermaßen liebt, kann sich mit Wikinger Reisen auf Fotosafari begeben. Zum Beispiel nach Costa Rica (Reise-Nr. 4329) oder ­Mallorca (Reise-Nr. 62615).

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JAHRES SIEGER

FINNLAND

POLARLICHTER, ZEICHEN DER GÖTTER von Alexander Frankenhauser In grauer Vorzeit sahen die Menschen in dem ­Himmels­spektakel ein Zeichen dafür, dass die Götter sich mal wieder irgendwo eine Schlacht lieferten. Ganz profan betrachtet sind die Lichter einfach nur überirdisch schön.

IBIZA

CAFÉ DEL MAR von Uta Nagel Inbegriff des Chill-outs und eine der berühmtesten Locations der Insel. Hier muss man einfach einmal gewesen sein und die Magie bei einem Cocktail erlebt haben.

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KOCHEN AUF ISLAND

VE RO NIKA ,

DER BUS IST DA VERONIKA HILZ ARBEITET ALS KÖCHIN IN DEN VERSCHIEDENEN WIKINGER-­ ZELT-CAMPS AUF ISLAND. DORT MUSS SIE NICHT NUR GUT KOCHEN, SONDERN AUCH DEN LINIENBUS MIT DEM OBST UND GEMÜSE RECHTZEITIG ERWISCHEN.

Die Zelt-Camps stehen für Minimum zwei Monate, es ist kein Supermarkt um die Ecke ... Verhungern muss trotzdem niemand! Konserven können natürlich gebunkert werden, alles was frisch sein soll, kommt tatsächlich aus Reykjavik. Und zwar mit dem Linienbus. Wahrscheinlich fahren in den Sommermonaten mehr Wikinger-Gemüsekisten mit dem Linienbus über die Insel als Isländer (lacht). Auf jeden Fall ist es immer ein bisschen aufregend, an der Busstation zu stehen und auf die Ladung zu warten. Kommt der Bus? Hat er alles dabei? Wenn nicht – was die absolute Ausnahme ist – heißt es: improvisieren, telefonieren! Natürlich ist die ganze Saison für alle Gruppen und Camps durchgeplant und so werden die Waren von der Hauptstadt aus alle paar Tage auf die Reise geschickt. Island ist eines der Traditions-Reiseziele von Wikinger Reisen. Jedes Jahr, zu Beginn der Saison, werden diverse Zelt-Camps auf der Insel aufgebaut und bleiben den Sommer über als feste Anlaufstation für die verschiedenen Reisegruppen stehen. So harren, über die Insel verteilt, inmitten der Wildnis und vermutlich von Trollen neugierig beäugt, Küchenzelte, Wasserdepots, Klapptische und vor allem die Köchinnen und Köche aus und warten auf die nächste Wandergruppe. Bist du die ganze Saison in einem Camp stationiert oder reist du mit den Gruppen mit? Üblicherweise bin ich zwei bis drei Wochen in einem Camp. Versorge die vorbeikommenden Gruppen für ein paar Tage und warte dann auf die nächsten Gäste. Ab und zu wechseln die Köche zwischen den verschiedenen Camps durch. Einfach um für ein bisschen Abwechslung zu sorgen. Beim Trekking allerdings reist das ganze Equipment – inklusive Koch – mit der Gruppe mit. Beziehungsweise immer ein bisschen voraus. Da fahre ich dann mit meinem isländischen Kollegen im Unimog zum Standort voraus und wir bauen gemeinsam das Küchen16

zelt auf. Das erste was ich dann mache, ist, einen großen Topf Wasser zu erhitzen. Wenn die Gruppe kommt, steht das Teewasser schon bereit und der Esstisch ist aufgebaut. Was denkst du, warum reisen wir? Um faszinierende Orte zu finden, interessante Menschen und fremde Kulturen kennen zu lernen. Aber auch sich selbst weiterzuentwickeln, offener für unbekanntes zu werden, toleranter und rücksichtsvoller anderen und der Erde gegenüber. Deswegen finde ich die Arbeit auf Island auch so toll. So viele Charaktere, die ich da kennenlerne und meistens freuen die Gäste sich, mich zu sehen. Stichwort: Liebe geht durch den Magen! So eine schöne Stimmung ... klar, die sind ja auch im Urlaub! Ich finde Reisen ist eine Art Ausdruck der Wertschätzung unseres Lebens auf der Welt. Diese Neugier, alles kennenlernen zu wollen.

Bei den Wikingern Die erste Besiedlung Islands geht auf n­ orwegische ­Wikinger zurück. Deren Nachfahren kann man zum ­Beispiel auf der Reise ­»Island – rund um die Insel« (Nr. 5109, ab 2.095 €, inkl. Flug) besuchen. Ent­decken Sie Island bei der neuen Trekkingtour: »Unter­wegs auf stillen Pfaden« (Nr. 5146T, ab 3.165 €, inkl. Flug).


Das Camp ist aufgebaut ...

Auf den meisten Trekkingtouren bringen die Gäste ihr persönliches Geschirr mit. Das bringt Abwechslung und Farbe auf den Tisch und sorgt für schönstes Camping-Flair.

Im Moment unseres Gesprächs bist du gerade in Vancouver, wo du einen Work-And-Travel-Winter verbringst. Wirst du im Sommer wieder für Wikinger Reisen kochen?

... jetzt kann Veronika losbrutzeln.

Na klar! Island ist einfach zu schön! Wenn der Startschuss fällt, bin ich wieder dabei und helfe beim Aufbauen der Camps. Die kribbelige Vorfreude auf das Leben im Zelt-Dorf ist noch dieselbe, wie früher bei den Pfadfindern, wo ich lange aktiv war.

ist das Reisemagazin von Wikinger Reisen. wird an Kunden von Wikinger Reisen verschickt und kann über Wikinger Reisen bestellt werden (solange der Vorrat reicht). LESERSERVICE Adressänderung, Fragen zu Reiseangeboten etc. mail@wikinger.de Tel. 02331|90 46 KRITIK, LOB, ANREGUNGEN grenzenlos@wikinger.de DATENSCHUTZHINWEIS Meine Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann der Verwendung meiner Adresse für die Zukunft widersprechen. HERAUSGEBER Wikinger Reisen GmbH Kölner Str. 20 58135 Hagen

WIKINGER REISEN IM INTERNET www.wikinger.de VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT Dagmar Kimmel, Kirsten Meck DRUCKAUFLAGE 76.000 Stück | Frühjahr 2018 KONZEPT, DESIGN und REDAKTION anywhere I go Hauptwachstr. 5 96047 Bamberg Tel. 0951/51 93 62 19 grenzenlos@anywhereigo.com www.anywhereigo.com REDAKTION Ingo Hübner (Chefredakteur), Thomas Jutzler, Cindy Ruch, Egbert Neumüller (Lektorat)

MITARBEIT AN DIESER AUSGABE Martin Antonin, Friederike Brauneck, Christina Derlach, Christiane Flechtner, Alexander Frankenhauser, Monika Hippe, Matthias Kohlmüller, Harald Marzahl, Uta Nagel, Isabel Schad, Gisela Schuch, Christoph Willumeit, Armin Zlöbl ANZEIGEN und WERBUNG anywhere I go marketing@anywhereigo.com Tel. 0951|51 93 62 14 Tel. 0951|51 93 62 15 DRUCK Westermann Druck GmbH, Braunschweig Westermann Druck und das verwendete Papier sind FSC®-zertifiziert.

GRAFIK Annie Baumann baumann@anywhereigo.com

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Unterwegs | L a Palma

DIE UMWERFENDE OTE SCHILDER LEUCHTEN

vor sattem Grün, schön plakativ unverlaufbar scheint dieser C ­amino Real de la Costa. Hier in La Palmas sonnenreichem Westen bei Tazacorte bietet er einen Ausflug wie durch einen botanischen Garten. Und immer mit Meerblick. Mandelbäume, im Frühjahr in zartrosafarbener Blüte, ­ daneben hüft­ hohe Blütenkerzen des gelben Dachwurz und – Kopf in den Nacken – der sagenumwobene Drachenbaum. Zwischendrin finden sich handgemalte, verwitterte Schilder, die auf ein Café irgendwo tief drin im Grün hoffen lassen. Typisch für diese Insel: Sie ist vielseitig und überraschend, an vielen Stellen unberührt und manchmal liebenswert unprofessionell organisiert. Man spürt die Menschen dahinter. Etliche von ihnen treffen wir auf dem Bauernmarkt in Puntagorda. Zentrum alternativen Lebens, das am Samstagnachmittag in einer eher nüchternen Markthalle zelebriert wird. Viele sogenannte 68er finanzieren durch Verkauf von Lebensmitteln und Handwerk ihr Leben. Viel gesundes Grün aus eigenem Anbau wird geboten, da kommt eine süße Abwechslung gerade recht: frisch gepresster Zuckerrohrsaft mit ­ einem Stückchen Zitrone. Bei Sehnsucht nach deutschen Spezialitäten hilft stilsicher ein Stück Selva Negra, Schwarzwälder Kirschtorte, natürlich von einem deutschen Bäcker. Seine gut gefüllte Kühltheke bietet die gesamte heimische ­Konditorkunst feil. Mit dieser oder jener Köstlichkeit im Bauch fahren wir für den Abend in die nordöstliche Hälfte La Palmas. So klein die Insel auch ist, Ost und West unterscheiden sich klimatisch deutlich, geteilt von Nord nach Süd durch einen Gebirgskamm namens Cumbre. Der Westen darf sich mit den europaweit

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TEXT Friederike Brauneck

meisten Sonnentagen brüsten. Der Osten wird durch Passatwinde mit Regen versorgt und schmückt sich mit üppigen subtropischen Wäldern, Obst und Gemüse gedeihen auf das Prächtigste. Bis auf eine Höhe von 1500 Metern wird Wein angebaut, meist NegramollTrauben für einen guten Roten. Die leiblichen Genüsse wachsen einem auf dieser grünen Insel regelrecht in den Mund. Bei einem köstlichen Roten im Glas beschließen wir den Tag im Hotel Romantico in Barlovento, wohlgeborgen im rustikalen Charme des Hauses mit herrlichem Blick über die Landschaft bis aufs Meer.

HIMMELWÄRTS STEIL bergauf geht es am nächsten Tag auf kurvigen Straßen zum Gipfel La Palmas, dem Roque de los Muchachos auf knapp 2500 Meter über dem Meer. Von hier oben gibt es den perfekten Blick zu den Sternen, seit 2012 von der UNESCO als erstes Starlight-Reserve ausgezeichnet und mit Schutzvorschriften vor zu viel Lichtverschmutzung bewahrt. Heute gibt es allerdings überhaupt keine Aussicht: Schnee, dicke Wolken und eisiger Wind beherrschen alles. Das weltweit größte Spiegelteleskop und die karge Berglandschaft zeichnen sich gespenstisch gegen den grauen Himmel ab und wir sehnen uns zurück in die leuchtend warme Landschaft, die wir gerade verlassen haben. Also nichts wie zurück, man kann das Wetter ja je nach Inselseite wählen! Welch ein Kontrastprogramm erwartet uns da am Nabel in der Inselmitte,

Fotos: FVA La Palma

R


Pralle Pracht und klare Kanten – vom ßberbordenden Grßn bis zur kargen Mondlandschaft ist auf der Kanareninsel La Palma alles vertreten.

Die Insel mag klein sein, aber ganz oben ist die Freiheit doch ganz grenzenlos.

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Im Vulkankrater, mit Adlerblick hinein oder durch den einzigartigen Lorbeerwald – das kleine La Palma birgt für den Entdecker außerordentlich eindrucksvolle Facetten.

der Caldera de Taburiente, über den Wolken. Am Rand des acht Kilometer breiten Kraters lässt es sich herrlich wandern: Zur einen Seite fällt der Blick hinein in die gewaltige Schüssel mit dunkelgrünen Wäldern und bizarren Felsformationen, zur anderen Seite schweift er weit über die Landschaft tief unten bis zum blauen Meer.

DER EHEMALIGE VULKAN ist heute ein Nationalpark, der mit spektakulärer Felslandschaft, duftenden Kiefernwäldern, Wasserfällen und Höhlen mit 2000 Jahre alten Zeichnungen der Altkanarier zum Entdecken einlädt. Zurück in der Zivilisation gönnen wir uns in einer Bar eine Pause nach Inselmanier: einen Barraquito. Kann ein Mix-Getränk mit Dosenmilch Begeisterung auslösen? Absolut. Die Kombination von Kaffee, Zimt und Vanillelikör überzeugt. Sie gilt allerdings als Damen-Kaffee, die Herren genehmigen sich einen Carajillo: Espresso mit Weinbrand oder Rum. Herrlich, wohlige Wärme innen und außen nach Art der Palmeros. Derart gestärkt stellen wir uns der explosiven Seite der Insel. 1971 erst brach der Vulkan Teneguía aus, einer von etwa hundert Vulkanen, erloschenen Kegeln und Kratern La Palmas. Lavaströme ergossen sich in breiten Bahnen Richtung Meer und hinterließen eine schwarze Mondlandschaft von ästhetischer Strenge, durch die man auf markierten Wegen läuft. Die Asche knirscht unter den Schuhen, aus Felsspalten steigt spürbar die Wärme der ausströmenden Gase auf. Unten am Küstensaum

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LA PALMA

Barlovento

Pico de los Muchachos Caldera de Taburiente NP

Puntallana

Los Llanos

SANTA CRUZ

Tazacorte

EINE GEWALTIGE SCHÜSSEL BEDECKT VON DUNKELGRÜNEN WÄLDERN

harren gleich zwei Leuchttürme nebeneinander aus. Die Lavaströme verschonten dieses Areal um die Salinen von Fuencaliente, aber der alte Turm von 1892 wurde beschädigt. So hat man 1983 einfach einen neuen direkt daneben errichtet. Dramatisch schöner Hintergrund für eine Abendstimmung, die in Erinnerung bleibt: Das letzte Licht schimmert über den eckigen Salinenfeldern, in denen sich das Salz des Meeres in zarten Zügen anlagert. Davor wirft sich das offene Meer in weiß-türkisfarbenen Wellen übermütig an die schwarzen Felsen und mit ein wenig Glück lässt sich in der Ferne die Nachbarinsel El Hierro erahnen.

WER SO VIEL NATUR ERLEBT, freut sich über etwas städtisches Flair: In der Hauptstadt Santa Cruz und der heimlichen Hauptstadt Los Llanos lässt sich’s zwischen bunten Häusern mit geschnitzten Balkonen entspannt bummeln. Hochherrschaftlicher Glanz ist noch spürbar aus Zeiten, als im 16. Jahrhundert die Handelsrouten nach Westindien vorbeiführten, der Seidenhandel und Zuckerrohranbau Wohlstand brachten. Auf pralles Leben der Einheimischen trifft man in Bars wie der Bodeguita del Medio in einer Seitengasse in Santa Cruz’ Altstadt: Viel dunkles Holz, eine lange Theke mit einer beeindruckenden Sammlung von Insel-Rum und anderem Hochprozentigen und natürlich Schinken, die von der Decke baumeln. Man ist mittendrin in kanarischer Geselligkeit. Jetzt nur noch etwas Brot, Käse und Wein und auch dieser Tag klingt genussvoll aus. ///

Mazo

Atlantischer Ozean

Fuencaliente

INSEL REICH AN VIELFALT Reisen: Die 8-tägige Reise »Grünes Juwel zwischen Vulkanen und Ozean« führt von einem Standort aus zu den Schönheiten La Palmas (Nr. 6202, ab 1.358 €). Das Gleiche gilt für den etwas anspruchsvolleren Trip »Auf der „Isla Bonita“« (Nr. 6204, 8 Tage, ab 1.428 €). Eine herausfordernde Trekkingtour ist »Gipfel und Schluchten – die spektakulärsten R ­ outen La Palmas« (Nr. 6203T, 8 Tage, ab 1.428 €). Individuell wandert man bei »La Palma: ­Barrancos und Vulkane« (Nr. 7271, 8 Tage, ab zwei Personen, ab 458 € p. P. ohne Flug). Allgemein: Jede Menge Infos unter

visitlapalma.es

Literatur: Rother Wanderführer La Palma mit 64 Küsten- und Bergwanderungen. Unbedingt: Bei Fuencaliente den heißen vulkanischen Atem des Erdinneren spüren.

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Ausrüstungsberatung | Trekking

TREKKING –WANDERN FÜR

FORTGESCHRITTENE

TEXT UND FOTOS Thomas Jutzler

Eines der großen und nach ­Abenteuer klingenden Wander-Themen ist das Trekking. Wikinger Reisen widmet dem Thema einen eigenen Katalog. Aber was ist der Unterschied zum normalen Wandern? Und was nehme ich mit? Wir ­klären auf.

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Es gibt kein schlechtes Wetter. Punkt. Mit Schirm, Charme und der richtigen A ­ usrüstung wird jede Tour zum Vergnügen.

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W Kennt jeder. Muss man nicht erklären. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Victorinox passt! Besser eins mit arretierbarer Klinge nehmen.

Das A und O ist der Schuh. Hanwag hat für fast jede Fußform einen Leisten: Der Tatra Bunion zum Beispiel lässt im Ballenbereich Platz für einen Hallux und verzichtet dort auf Nähte. Ansonsten ist er normal geschnitten.

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ER BEI WIKINGER

Reisen schon mal eine Wanderreise gebucht hat, weiß, dass der Schwierigkeitsgrad beziehungsweise Anspruch, was Kondition, Wandererfahrung, Trittsicherheit und allgemeine Beweglichkeit angeht, der Wanderreisen in Stiefeln angegeben wird. In diese Einsortierung fließen auch Gehzeit, Höhenunterschied und Wegbeschaffenheit ein. Ein Stiefel: leicht. Vier Stiefel: schwer! Erstes Merkmal einer Trekkingreise: Sie hat mindestens 2-3 Stiefel und ist somit zumindest mittelschwer. Eine gute Kondition, Schwindelfreiheit und eine gewisse Wandererfahrung sollte man also mitbringen. Zweites Merkmal: Es sind Reisen von Ort zu Ort. Keine Standortwanderreisen. Zwischen Start und Ziel muss das Gepäck auf jeden Fall mitreisen. Auch wenn die allermeisten Wikinger-Trekkingreisen als Komfort-Trekking bezeichnet werden können (da das Gepäck zumeist von Unterkunft zu Unterkunft transportiert wird), so kommt es doch hin und wieder vor, dass der Gast seine komplette Ausrüstung selbst schultern muss. Ein guter Rucksack ist also Pflicht! Und hier kommen wir zum häufigsten Fehler, der uns beim Trekking begegnet: ZU VIEL GEPÄCK!

ALSO: REDUZIEREN. Vor allem Klamotten. Lieber zwischendurch mal waschen. Faustregel von Darek ­Wylezol, dem Produktleiter Trekking bei ­Wikinger Reisen: max. 45 Liter für eine Woche reichen. Das gilt übrigens auch für den Tagesrucksack: Am Morgen ist er federleicht und am Abend plötzlich gefüllt mit Wackersteinen. Im Übrigen darf man durchaus auch an diejenigen denken, die ansonsten den Transport für einen erledigen: Beim Himalaja-­ Trekking zum Beispiel wird das Gepäck zu Fuß von Sherpas von Camp zu Camp getragen! Nicht aussortieren sollte man allerdings eine Garnitur warme Kleidung. Auch – oder gerade – im Sommer: Ab einer gewissen Höhe kann es im Gebirge plötzliche Wetterumschwünge mit empfindlicher Kälte geben. Aufgrund seiner Winzigkeit im Rucksack geduldet: ein Schlauchtuch. Klein, aber ­wirkungsvoll.

Wer noch mehr über Trekkingausrüstung erfahren möchte, schaut hier mal rein: wikinger.de/ausruestung

Man nutzt es als Schweißtuch, Mundschutz wenn es staubt, Ohrenschutz bei Kälte oder als Sonnenschutz. Zur Not auch als Taschentuch. Ebenfalls nicht aussortieren sollte man natürlich seine Trekkingstöcke (siehe: Grenzenlos N°2|2017). Das wichtigste Trekking-Ausrüstungsstück überhaupt sind natürlich die Schuhe! Hier darf auf keinen Fall gespart werden. Eine große Trekkingreise hat zwar ihren Preis – vielleicht hat man sich die Ausrüstung erfolgreich bei Freunden zusammengeliehen, das Thema Schuhe aber noch nicht abschließend geklärt –, aber dem Herren aus Darek Wylezols Anekdote sollte man tunlichst nicht nacheifern. Der wollte – um Geld zu sparen – in seinen 20 Jahre alten Bundeswehrstiefeln zum Everest-­ Basecamp wandern. Er legte sich auf dem Weg dahin gleich zweimal auf die Nase und musste schlussendlich die Reise vorzeitig abbrechen. Stattdessen investiert man besser in gute Schuhe und kauft diese so ­ frühzeitig, dass man noch genügend Wanderungen vor der eigenen Haustür machen kann, bevor es zum


Beim Kaipak-Trekkingrucksack verwendet Fjällräven Textilien aus recyceltem Polyester und Bio-Baumwolle. Das Modell gibt es in einer Variante speziell für Frauen.

So wenig wie möglich – so viel wie nötig. Bei Mehrtagestouren im Hochgebirge sollte man genau überlegen, was mitgenommen werden muss.

MINI-PACKLISTE ZUM ABHAKEN ­ raum­trekking in die Ferne geht. Denn T merke: Mit Blasen an den Füßen genießt sich die fantastische Aussicht am Traumziel ja so schlecht!

IST MAN SICH NICHT SICHER, ob die Trekkingtour, von der man schon als Jugendlicher geträumt hat, tatsächlich die richtige für einen ist, sollte man bei Wikinger Reisen anrufen. Das empfiehlt Darek unbedingt. Eventuell wird man auch bei ihm selbst landen. Die erfahrenen Berater in der Trekking-­ Abteilung merken im persönlichen Gespräch sehr schnell, ob sich da eventuell jemand verbucht, und können passende Alternativen vorschlagen. ///

BESTES SCHUHWERK RUCKSACK, SO LEICHT WIE MÖGLICH STÖCKE TAPE FÜR EVENTUELLE REPARATUREN, Z.B.: RUCKSACK, HOSE, STÖCKE, FUSSGELENKE, ... SONNENBRILLE WARME KLEIDUNG REGENSCHUTZ SONNENSCHUTZ SCHWEIZER MESSER

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Nah dran | Martin Antonin

VOM POTT IN DIE WELT

UND ZURÜCK

TEXT Cindy Ruch FOTOS Cindy Ruch, Archiv Martin Antonin

Martin Antonin ist ein fest verwurzeltes Kind des Ruhrgebiets – doch trotz ­Heimatliebe zieht es ihn oft in die Ferne. Als Personalreferent sucht er den nächsten Superreiseleiter und als Hobbyradler die schönsten Fahrradwege.

B

EI WIKINGER REISEN GIBT ES Urlaube für Wanderer und Fahrradfahrer. Martin Antonin muss nicht lange überlegen, zu welchem Urlaubstyp er gehört. »Schon als Jugendlicher habe ich mit Freunden Radtouren durch halb Deutschland gemacht«, erinnert er sich. »Wir sind vom Ruhrgebiet in einer Woche bis nach Sylt geradelt und haben zwischendurch auf Zeltplätzen übernachtet.« Sein Vater habe ihn in den 1970ern in die Kunst der Radtouren eingeweiht, scherzt er: »Wir haben einfach die Sachen gepackt und sind aufs Geratewohl los.« Getreu dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Doch egal, ob er später auf Interrail-Touren durch Europa reiste oder ein Auslandssemester in Venezuela machte – immer wieder zog es ihn zurück in die geliebte Heimat, das Ruhrgebiet. »Ich komme aus’m Pott, auf Kohle geboren, aus Bottrop«, erklärt Martin stolz. In Bottrop wohnt der 55-Jährige heute noch mit seiner Frau. Seine Kinder Lena und Lukas studieren mittlerweile. Sein Arbeitgeber Wikinger Reisen befindet sich allerdings nicht im Pott, sondern in Hagen, dem Tor zum Sau-

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erland. 60 Kilometer liegen zwischen Wohn- und Arbeitsort. »Das tägliche Pendeln nehme ich gerne in Kauf, um hier arbeiten zu können und gleichzeitig bei Familie und Freunden wohnen zu dürfen.« Ein bisschen Heimat hat er sich mit an seinen Schreibtisch gebracht: Das blau-weiße Vereinswappen des FC Schalke 04 ziert seine Kaffeetasse, seine Schreibtischunterlage und den Bildschirmhintergrund.

EINGESTIEGEN IN HAGEN ist er bereits 1994. Als Geograf mit dem Schwerpunkt Umwelt- und Naturschutz und einer Zusatzqualifikation in Freizeit- und Tourismusmanagement absolvierte er zunächst ein Praktikum. »Wikinger hatte richtigen Abenteuercharakter, das reizte mich«, erzählt er mit einem Blitzen in den Augen. Er erinnert sich gut an das Coverbild des Reisekatalogs aus jenem Jahr, auf dem ein liegengebliebener Schienenbus in der Pampa zu sehen war. Die Reisenden sitzen gelangweilt auf dem Dach. Was für manch einen nach einer ärgerlich langen Wartezeit aussieht, weckte wohl Martins Abenteurergeist. »Zu dieser Zeit hatten die


Martins Arbeits-Outfit variiert zwischen outdoor- und bürotauglich.

Reiseleiter meist nur einen losen Plan und wurden einfach mit einer Gruppe, einem Bus, ein paar Zelten und Verpflegung losgeschickt«, erzählt er. Diese abenteuerliche Art des Reisens hatte er nicht erst durch seine Fahrradtouren, sondern schon als Kind lieben gelernt. Er war damals Pfadfinder in der katholischen Jugend. Erst als Gruppenkind, später als Leiter. Sie waren mit Rucksack und Zeltplane unterwegs, ohne eine feste Unterkunft im Visier zu haben. Mit den Kindern haben sie Flöße und Schlafplätze gebaut. Nach dem Praktikum führte sein Weg über einen Trainee­ vertrag zur Festanstellung. Im Laufe der Jahre hat er verschiedene Positionen durchlaufen, von der Agenturbetreuung über Produktmanagement bis jetzt hin zum Personal­management. Nur zwischendurch war er kurz weg, um bei einem touristischen EDV-Unternehmen zu arbeiten. Doch dann rief sein jetziger Chef Daniel Kraus an, lud ihn vor Weihnachten zum Essen ein und fragte, ob er zurück­kommen wolle. So haben sie bei einem leckeren Essen und Wein seine Rückkehr geplant.

SEIT 2008 IST MARTIN nun Personalreferent für Reise­

SEIN MOTTO: DER RADWEG IST DAS ZIEL

leiter. Das heißt, er stellt den Pool an Reiseleitern zusammen. Der besteht aus drei Gruppen: den Auszubildenden, den ­Freiberuflern und den lokalen Reise­leitern. Den Nachwuchs

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Familienglück in Machu Picchu: Vater und Tochter in Peru.

Warum nicht mal selber eine Reiseleitung ausprobieren? Island, wir kommen!

WIR SIND DIE JURY VON »WIKINGER SUCHT DEN SUPERREISELEITER«

wählt Martin jährlich mit seinen Kollegen im Assessment Center aus und testet ihn auf Teamgeist, Empathie, Konflikt- und Begeisterungsfähigkeit. »Das ist ähnlich wie bei Deutschland sucht den Superstar. Wir sitzen sozusagen in der Jury von Wikinger sucht den Superreiseleiter«, lacht er. »Wer also sozusagen ein ›Foto‹ in Hagen bekommt, darf eine Woche zur Ausbildung ins Münsterland.«

BEI DEN VERANSTALTUNGEN lernt er immer über 100 reisebegeisterte junge Menschen kennen. »Die Auswahl machen wir uns aber nicht einfach. Wir sitzen ja in einer Position, in der man über Karrieren entscheidet.« Daneben koordiniert er rund 400 Freiberufler, die er auf 3500 Reisen verteilen muss. Gar nicht so einfach, doch er mag die Herausforderung: »Das ist wie ein Wunschkonzert, und natürlich möchte ich so viele Wünsche wie möglich erfüllen.« Viele Reiseleiter üben noch einen anderen Job aus. Daher bringt jeder anderes Wissen in die Reise ein. Ein Geologe setze beispielsweise andere Schwerpunkte als ein Kul-

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turwissenschaftler oder Biologe, weiß er. Auch in der Ferne sucht Martin den Superreiseleiter. Das funktioniert so: Wikingers Partneragenturen im Ausland schlagen Reiseleiter vor, und er fliegt regelmäßig vor Ort, um sie kennenzulernen und auszuwählen. Das ist oft knifflig, denn lokale Reiseleiter müssen nicht nur ihr eigenes Land gut kennen, sondern auch Deutschland. Erst wenn man über Familienstrukturen, Bildungssysteme, Religionen und Erziehungssysteme beider Länder Bescheid weiß, kann man auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten eingehen. Nur so kann man zwischen den Vorträgen auch über Alltägliches sprechen. Etwa über Fußball, und wenn es nach Martin geht, natürlich über den FC Schalke 04. Dass er immer Reiseleiter auswählt und koordiniert, hat ihn scheinbar inspiriert, denn irgendwann sagte er sich, jetzt traust du dich einfach mal selbst, als Reiseleiter einer Gruppe gegenüberzutreten. Zunächst begleitete er ein bis zwei Touren pro Jahr nach Island, um ein Gespür für die Reiseleitung zu bekommen. »Wir schliefen in Zelten und abends spielte ich


Auf dem Rad ins Glück Als passionierter Radler hat Martin einen Tipp für die aus Berlin stammende Autorin dieses Artikels: »Berlin by bike!« (Nr. 5600R, ab 848 €). Eine spannende Tour durch die Hauptstadt mit Abstechern ins Umland und nach Potsdam. Auf Wunsch mit dem E-Bike. Eine gute Idee ist es, eine Radtour mit einer Reise auf einem Flussschiff zu kombinieren: Da fährt das Hotel quasi hinter dem Radler her (wie früher die Kähne beim Treideln). Zum Beispiel bei der Tour: »Entlang der Mosel & Saar mit Rad und Schiff« (Nr. 7680R, ab 529 €).

Wann immer es geht, muss die Gitarre mit auf Tour.

Lieder auf meiner Gitarre – fast wie zu ­Pfadfinderzeiten.« Wenn er Zeit hat, macht er das immer noch. Auch privat kann er es nicht lassen, weiter die Welt zu entdecken. Am liebsten natürlich auf zwei Rädern. Ein ausgemachter Genussradfahrer sei er und mache gerne Mehrtagestouren mit seinem Sohn und seinem Schwiegervater, der über 70 ist. Oft radeln sie einen Fluss entlang, die Mosel, die Elbe, den Rhein, den Neckar, die Weser. Wie früher bleibt der Weg das Ziel. Martin liebt das. Und immer noch übernachten sie in Jugendherbergen.

UND WIE DAS SO IST, wenn Reisen ­ rbeit und Hobby ist, vermischen sich A hin und wieder Berufs- und Privatleben. Bei Urlauben mit seiner Familie oder mit Freunden werde er schnell der Reiseleiter und organisiere alles, gibt er zu, lacht aber entspannt. Und gleich darauf fällt ihm noch ein Tipp für Berlin ein, wenn die Autorin wieder zu Hause sei. Ganz der Reisende, Radelnde und Reiseleiterausbilder: Da gibt es doch den zweitägigen Mauerradweg. Den sollte sie mal ausprobieren. ///

Auf ins Grüne! Auf dem Sattel fühlt sich Martin frei.

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Notizen vom Wegesrand

INSIDERTIPPS UNSERER MITARBEITER

 »Mein Lieblingsort zu Hause ist das ­ Schalker ­Wohnzimmer. Leider zu weit ­ entfernt, um genauso oft besucht zu ­werden: die Khaju-Brücke in Isfahan an einem Donnerstagabend. Ein fast magischer Ort mit bezaubernder Stimmung.« 

MITARBEITERIN seit 2016 ABTEILUNG: Service / Kundenbetreuung MARKENZEICHEN: Ohne ihr Schalke-Trikot geht Isabel nicht auf Reisen. Außerdem erkennt man sie – auch noch auf 4000 Meter Höhe – daran, dass sie immer einen ­Ersatz-Eyeliner dabei hat.

Meine letzte Wikinger-Reise war die 6414: »Madeira –

­Kulturlandschaft und Vulkanismus«. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal

LI E B LI N G S

OR T

so viele verschiedene Blumen auf einer Insel gesehen habe! Mein persönliches Highlight war der Tag der Kontraste und spektakulären Ausblicke: vormittags über den Wolken auf dem dritthöchsten Gipfel Pico Arieiro, nachmittags umgeben von der Brandung des Atlantiks auf der Halbinselkette Ponta de São Lourenço – Glücksgefühle pur!

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Buch

Fotos: Shutterstock, Adobestock, Wikinger Reisen

ISABEL SCHAD

SOUNDTRACK MEINER REISE:

LATINO-POP – KLINGT IMMER

NACH URLAUB!

S CH Ö N 30


­ R I CH DA WA ZULETZ T

»Von g-Tour: in k k e r T p-Alpen . Die ist f der To u a t z t 5403T) le . r u z N r ( a « w Ich ie Alpen eraus­ n über d echte H a r e e in M e r h a orf nac war r! Das w Oberstd Wortes ndtirole s la e h d c la e n F r in hrsten S nichts fü isen, wirklich kt im wa n u p e, Tritte e d h n ö lä H e G in s ng. Me e l. Alpine forderu ältigend ler Jöch a t z it h überw P c o m n u z u z g a stie e und d der Auf antisch! ale Weg m h c s elt! Gig r h w r e s e , h e c il s t Haltese nde Gle umliege ie d f u a e Ausblick

CHRISTINA DERLACH MITARBEITERIN seit 2013 ABTEILUNG: Europa / Alpen MARKENZEICHEN: Egal, wo es hingeht, Christina hat immer Müsliriegel dabei. Wenn sie zwischendurch nichts Süßes kriegt, ­bekommt sie schlechte Laune. Und wer will auf Reisen schon schlecht gelaunt sein?

Buchtipp

s für die

Reise:

»E5« vo n Marku s Schneid Krimi un er ist ein d Christ inas Buc Alpen-T htipp fü rekking. r das Für alle, Ort ein die sich bisschen v or gruseln wollen.

  »Mein bes

onderer O rt ist Sizil Die Insel h ien. at so viele wunderba re Dörfer dass ich m , ich gar nic ht ­festleg e n k welches ic ann, h am schön sten finde .«

H I E R!

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Weltsichten | Spitzbergen SPITZBERGEN

NordenskjöldGletscher Pyramiden

KjerulfGletscher

Nordmeer

LONGYEARBYEN Barentsburg

EINMAL ANS ENDE DER WELT BITTE! TEXT UND FOTOS Christiane Flechtner

DIE WELLEN SIND HOCH und das kleine Boot kämpft sich mit Mühe durch die raue See. Doch als es in den Bille­ fjord fährt, wird es merklich ruhiger. Vor dem Boot kommt eine weiß-türkise Wand zum Vorschein. Rund 40 Meter hoch türmt sich der Nordenskjöldgletscher in der menschenleeren Landschaft auf. »Gestern haben wir hier eine Eisbärin mit zwei Jungen gesehen«, reißt der Kapitän die Staunenden aus ihren Gedanken. »Eisbären zu begegnen ist keine Seltenheit. Schließlich ist ihre Zahl seit dem Jagdverbot von 1973 wieder auf rund 3000 Tiere angewachsen«, fügt er hinzu. Doch das weißfellige Trio lässt sich nicht blicken. Dann taucht aller­ dings etwas Weißes im Wasser auf. Kein Eisbär, aber ebenso spektakulär: Eine Schule Belugawale ist ganz in der Nähe, und bei jedem Atemzug kommen die glatten hellen Rücken zum Vorschein. Die zu Norwegen gehörende Inselgruppe ist fast so groß wie Bayern und wurde über Millionen von Jahren in der Werk­ statt der Naturkräfte gemeißelt, gehackt, gefeilt und poliert. Die Eiszeit dauert an, und der Zahn der Zeit arbeitet mühsam weiter an seinem endlosen Skulpturprojekt – ohne eine Skiz­ ze für das Endresultat. Es wird still im Boot, und jeder starrt auf den Gletscher, der die Felsen darunter glatt poliert und die Landschaft durch sein tonnenschweres Eis umgestaltet. Doch nicht nur die Kräfte der Natur haben in Spitzbergen gewirkt, auch der Mensch hat Spuren hinterlassen, Landstri­ che geformt und Berge ausgehöhlt. »Seitdem Willem Barents Ende des 16. Jahrhunderts bei der Suche eines nördlichen

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Seewegs nach China und Indien auf Spitzbergen traf, sind immer wieder Menschen hierhergekommen – davon zeugen nicht nur die zahlreichen Gräber der Walfangzeit«, erzählt Andreas Umbreit. In München geboren und im Allgäu auf­ gewachsen, lebt der 58-Jährige heute in Spitzbergens größter Stadt Longyearbyen. Er kennt sich auch in der Geschichte des Landes aus: »Es gab die Zeit der Trapper, die bis zu 500 Eisbä­ ren im Jahr schossen; aber auch die Rentier- und die Waljagd waren lukrativ. Hinzu kam der Steinkohleabbau. 1899 wurde das erste Schwarze Gold von hier verschifft«, fügt er hinzu.

DIE STILLEN ZEUGEN des Kohleabbaus sind auch bei den Wanderungen gegenwärtig. Auf dem Weg zum Berg Sarko­ phagen kommen wir an alten Kohleminen vorbei, die sich hoch im Hang befinden. »Hier fuhr auch eine Eisenbahn, die die Steinkohle transportierte«, erklärt Wikinger-­Reiseleiterin Monika Hiller. Das Gewehr geschultert, um gegen mögliche Eisbärangriffe gewappnet zu sein, geht sie voran hinein ins Tal. Hohe Bäu­ me gibt es nicht, die Weiden sind kaum höher als fünf Zenti­ meter bewachsen. Es leuchten der blühende Silberwurz, die den Mai­glöckchen ähnelnden Blüten der Vierkantigen Cassi­ ope und der Spitzbergenmohn. Zwischen den Felsen gut getarnt: zwei kleine Schneehühner. Rund 300 Höhenmeter führt die Wanderung durch weg­loses Gelände hinauf – dann wird die Anstrengung mit einem grandiosen Blick vom Plateau auf die arktische Landschaft


Foto: Stefan Auth

Spitzbergen ist eines der abgelegensten Gebiete der Welt. Auf der arktischen ­Inselgruppe trifft man nicht nur auf Polarfüchse, Schneehühner und ­Rentiere, ­sondern auch auf die ­Ruinen einer s­ owjetischen G ­ eisterstadt.

Der Polarfuchs ist der einzige Wildhund, der die Farbe seines Pelzes den Jahreszeiten entsprechend wechselt.


belohnt. Besonderes Highlight auf dem Rückweg: drei Rentiere, die gemütlich im Tal grasen und sich nicht von den k ­ lickenden Kamerageräuschen stö­ ren lassen. Dann geht es zurück zum Campingplatz. Es ist kalt und der Wind zerrt mit aller Kraft am Zelt, dessen Heringe sich tapfer in der Erde halten. Die Steine, die das Konstrukt noch zusätzlich beschweren, mussten groß sein, um den Böen standzuhalten. Gemütlich in den dicken Schlafsack eingehüllt, nehmen wir das Ruckeln und Flattern der weißen Zeltplane mit in die Träume.

WIR BESUCHEN DAS STILLE Bolterdalen und wandern über die Eiskappe Foxfonna und erhalten so einen Einblick in den kalten, arktischen Sommer. Von Weitem wirkt die Stadt Pyramiden wie eine in­ takte Kleinstadt am Ende der Welt – doch es ist kein Mensch, kein Auto auf den Straßen zu sehen. Die Stille gräbt sich tief ins Gedächtnis. Pyramiden war eine erfolgreiche und boomende Bergwerksstadt mit rund 1000 Bewohnern. Sie alle waren Russen, denn Pyramiden gehört zu Russland, seit es in den 1920er-Jahren an den sowjetischen Trust Arktiku­ gol verkauft wurde. Die Kohlevorkommen waren reichlich und die Zeche war modern, aber die Lage am Ende des Billefjords bedingte einen schwierigen und kostspieligen Transport der Kohle. Der Zusam­ menbruch der Sowjetunion und die sinkenden Prei­ se in der Kohleindustrie setzten der Enklave sehr zu. Hinzu kam ein Flugzeugabsturz im Jahr 1996, bei dem mehr als 100 Bergleute ums Leben kamen. Und so wurde das Bergwerk am 31. März 1998 ge­ schlossen, die letzten Bewohner verließen den Ort. Heute ist Pyramiden nur noch eine Geister­stadt, über die Lenin von seinem Denkmal­ sockel still ­Wache hält. ES IST MITTERNACHT, und im Licht der tief ste­ henden Sonne geht es mit Guide Andrej auf eine kleine Stadtführung. In der Grundschule warten die Hefte noch auf die zurückkommenden Kinder, im Musikzimmer hofft das Klavier auf einen Pianisten und im Schwimmbad müsste lediglich das Wasser wieder eingelassen werden, um einen Sprung ins kühle Nass zu wagen. Werkzeug liegt am Arbeits­ platz, eine Lore steht auf den Schienen – bereit für den nächsten Einsatz. Doch der Rost, der Staub und der Verfall sprechen für sich – seit hier ein Bergarbeiter tätig war, sind Jahrzehnte vergangen. Durch die Straße huscht ein Polarfuchs, und das Klappern der Rentierhufe hallt durch die Stille. Hin­ ter ­Pyramiden beginnt die arktische Wildnis. Wir machen uns auf den Weg ins Munintal, wo Reste

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RENTIERE RENTIERE GRASEN GRASEN GEMÜTLICH GEMÜTLICH IM IM TAL TAL


EISIGE EINSAMKEIT Nur etwa 3200 Einwohner leben in Spitzbergen. Sie alle hat es aus unterschiedlichen Gründen in das Gebiet aus Gletschern, schroffen Gebirgen, riesigen Fluss­ läufen und tief eingekerbten Tälern verschlagen. Bei der geführten Wanderreise »Spitzbergen – ­Europas hocharktische Wildnis« (Nr. 5242, ab 2.935 €) kommt man mit den so besonderen Menschen leicht ins Gespräch. Doch auch Begegnungen mit Rentieren, Polar­füchsen, Schneehühnern und möglicherweise sogar einem Eisbären stehen auf dem P ­ rogramm.

Picknick in Ruinen: Pause beim Ausflug in die Geisterstadt Pyramiden.

­ ines der ältesten fossilen Wälder gefunden wurden. An e einem Felsabbruch sind die Strukturen der gemaserten Stämme von palmenähnlichen Schuppenbäumen, die hier vor rund 300 Millionen Jahren wuchsen, im Stein deutlich zu sehen. Und wir können nur erahnen, wie Spitzbergen wohl ausgesehen hat, als es noch ein Land mit riesigen dampfenden, sumpfigen Farnwäldern war. Dann, nach elf intensiven Tagen, hebt der Flieger ab. Vor dem kleinen Fenster breitet sich die gesamte s­ chroffe und eisige Schönheit noch einmal zum Abschied aus. Es ist von hier oben offensichtlich: Die Werkstatt der Natur­ kräfte meißelt, hackt und poliert stetig weiter. Und wir durften eine Momentaufnahme daraus erleben. ///

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Unterwegs | Wales

KÜSTENSTILLLEBEN MIT ROBBE Auf dem Pembrokeshire Coast Path offenbart sich Wales in seiner ganzen einsamen Pracht. Schroffe Steilküsten wechseln sich ab mit fast mediterranen Stränden, wilde Gischt mit tiefblauen Wassern.

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TEXT Christoph Willumeit


I

CH STAHL MICH IM ERSTEN LICHT aus dem kleinen Guesthouse in Marloes in der walisischen Grafschaft Pembrokeshire. Nach einer kurzen, wenngleich heftigen Auseinandersetzung mit meinen knieschonenden Wanderstöcken, stellte ich einen der Stöcke an einem Zaun ab und verwünschte den Produktentwickler. Die gerade mal hundert Kilometer entlang des Wanderwegs hoch nach St. Ishmaels befand ich auch mit einem Stock für beherrschbar. Aber vor allen Dingen wollte ich allein sein. Es war Frühling, und das Wetter gerierte sich so, dass ich mit dem Programmpunkt »allein sein« wenigstens an diesem dritten Morgen meiner Wanderung keinerlei Schwierigkeiten haben würde, denn selbst der hartgesottenste Insulaner meidet waagerechten Regen. Gut eingepackt in mein Regencape setzte ich meinen Weg die Küste hinauf fort. Das Meer zu meinen Füßen war trotz des wolkenverhangenen Himmels verstörend blau, mediterran fast. Die Klippen steil, der Pfad hoch über den Wellen, die nackten Kalkfelsen wild und gezackt. Bis jetzt hatte der Coast Path so ungefähr alle Erwartungen erfüllt. Aber irgendetwas fehlte da noch. Ich war offenbar Opfer digitaler Überreizung, schneller Schnittfolgen und computergenerierter Bilder, und erwartete daher vom Pembrokeshire Coast Path, dass er irgendwie mehr sein müsste als eben nur der Pembrokeshire Coast Path. Dieser Gedanke beunruhigte mich. Der Regen hatte inzwischen aufgehört, die Sonne kam vereinzelt durch und beleuchtete scharf abgegrenzt einzelne Abschnitte der Küste. Die gelben Gräser wogten im Wind und das Wasser unter mir war so klar, dass man meinte, bis hinunter auf den felsigen Grund sehen zu können. Kurz vor St. Bride umrundete ich eine winzige Bucht, die sich 50 oder 60 Meter tief ins Land hineingefressen hatte. Unten, in diesem kleinen Swimmingpool, in dem sich das Wasser kaum ­bewegte, ­tummelte­sich eine einsame Robbe. In diesem Moment verstand ich das Wort »tummeln« in seiner ganzen lautmalerischen Exaktheit: eine Art spielerisches, entrücktes Herumalbern, das lediglich die Erfahrung der eigentlichen Körperlichkeit als Sinn hat. Ich hörte meine Schritte, den Wind in meinen Ohren und meinen Atem. Und die Vögel. ­Unter mir, jenseits der Bucht, befand sich ein kleiner Abschnitt mit einem Sandstrand; der Sand war gleißend weiß. Jedenfalls das, was man vom Sand noch sehen konnte

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Man läuft und läuft und läuft, und mit ­jedem Schritt zieht einen die ­intensive Landschaft mehr in ihren meditativen Bann.

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IRGENDEIN SCHÖPFERGEIST WOLLTE WOHL ZEIGEN, WAS MAN ALLES MIT KÜSTENLINIEN ANSTELLEN KANN

durch die ­Großgruppe von Möwen und anderen Seevögeln hindurch, die es sich dort gemütlich gemacht hatten. Ich wäre gern da hinuntergesprungen und hätte die Vögel aufgescheucht wie ein junger Hund, der vor lauter geflügelter Reizüberflutung gar nicht weiß, wohin er sich zuerst wenden soll. Ich lachte. Ich war fröhlich. Unbeschwert. Ruhig. Einen Augenblick lang dachte ich, dass ich der Robbe einen Namen geben müsste. Aber ich verwarf diesen Gedanken wieder, denn im Alltag muss man allem und jedem einen Namen geben und ich war hier ja nicht im Alltag.

SPÄTER PASSIERTE ICH DAS ST. BRIDES CASTLE, das sich von ferne in seiner ganzen Tudor-haftigkeit ­aufplusterte. Die walisische Küste ist gespickt mit Spuren versunkener Reiche und Zivilisationen. Festungsanlagen aus der Eisenzeit und verfallene Burgen der normannischen Eroberer, Castles der ungeliebten englischen Lords und sogar napoleonische Forts säumen den Weg. St. Brides Castle allerdings ist noch gar nicht so alt – auch wenn es für das ungeübte Auge so aussieht – und eigentlich nur eine Mischung aus einer Kirche aus dem 19. Jahrhundert und einem ehemaligen Herrenhaus, das nunmehr als Luxus-Resort dient. Ich stapfte weiter, und wo anfangs noch steilere Abschnitte waren und Kalksteinklippen ins Meer schnitten, wurde es nun sanfter, und die Küste wälzte sich wie eine Vielzahl fetter Zungen aus rotem Sandstein an den Strand hinunter. Ich hatte kein Fernglas dabei (zu schwer), und ich hatte keine Ahnung von Ornithologie (zu schwierig), aber das Vogelgewimmel auf den Stränden und an den Klippen war so wild, dass ich mich dann ärgerte, die Skomer Island Tour nicht mitgemacht zu haben. Na ja, nächstes Mal. Gegen Mittag musste ich feststellen, dass ich mein Etappenziel Little Haven wohl nicht erreichen würde, wenn ich weiterhin alle Nase lang irgendwo stand und minutenlang einfach nur (buchstäblich) in die Gegend starrte. Es war die seltsame Intensität der Landschaft, die fast wie ihr eigenes Klischee daherkommt, von der ich mich ein ums andere Mal erst nach minutenlanger Trance losreißen konnte. Irgendein Schöpfergeist hatte hier auf engstem Raum wohl mal zeigen wollen, was man mit Küstenlinien so alles anstellen kann,

Die Verlockungen sind groß, einfach anzuhalten und dem ewigen Spiel der Gezeiten beizuwohnen.

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MAN LÄUFT DURCH EIN LAND, DAS SICH SELBST GENÜGT

WALES Sankt-Georgs-Kanal

St. David´s

Solva

St. Brides Bay

Abschnitt des Pembrokeshire Coast Path

Haverfordwest Little Haven St. Ishmaels

Broad Haven Marloes wenn man sich nur richtig Mühe gibt. Dass ich in den frühen Morgenstunden absolut niemandem begegnet war, trug noch zusätzlich dazu bei, dass ich fast traumverloren durch diese Landschaft tapste. Der Pembrokeshire Coast Path ist, ganz ironiefrei, eine touristische Errungenschaft erster Klasse. Sie besteht hauptsächlich in ordentlicher Beschilderung, gut geh­baren Pfaden und der Möglichkeit, mit dem ex­tra für Wanderer eingerichteten Busservice auch mal eine Etappe zu überspringen. Dennoch ist der Weg nicht überlaufen. Vermutlich liegt das daran, dass hier außer dem allgegenwärtigen Naturschauspiel keinerlei künstliche Aufreger geboten werden. Der Coast Path hat keine Story zu erzählen, die über die Landesgrenzen hinweg per Schlagwort zu Prominenz gelangt ist. Man läuft hier durch ein Land, das sich selbst genügt und unter seiner Unbekanntheit nicht leidet. Dennoch, die Guesthouses und B&Bs, in denen ich übernachtete, schienen durchgehend gut gebucht zu sein. Weiß der Himmel, wo die ganzen Logiergäste sich tagsüber herumtrieben. Jedenfalls nicht auf dem Coast Path. So spazierte ich eine Woche lang in bequemen Etappen die Küste ­hinauf. Ich wanderte hoch über dem grandiosen Newgale Sands, einem riesigen, karibisch-weißen Sandstrand, der kilometerlang in strahlendem Sonnenschein fast menschenleer vor mir lag, umrundete die idyllische Caerfai Bay, die versteckt und verwunschen tief wie ein Fjord in das Land einschneidet, bis nach St. Davids. Dort stand ich dann in der uralten St. David's Cathedral und hörte der gesungenen Messe zu, die Woche um Woche, Tag um Tag dreimal täglich abgehalten wird. Im späten 6. Jahrhundert aus einer kleinen Mönchsgemeinde hervorgegangen, hat sich St. Davids rasch zu einem Zentrum des Glaubens und der Wissensbewahrung entwickelt. Selbst Wilhelm der Eroberer

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Skomer Island

Dale

Milford Haven

­ eugte hier 1081 das Knie und bezeugte b damit die besondere Bedeutung des Ortes als Hort der Spiritualität in Britannien. Man muss nicht einmal besonders religiös sein, um sich hier berührt zu fühlen: die Zeit gerinnt zu einem Ganzen aus Landschaft, Stein und Ritus. Wenn man die kleine Stadt, die Kathedrale und die Ruinen des Klosters drum herum besucht, dann fällt einem vor allen Dingen auf, dass die Anlage und eigentlich der ganze, etwas entrückt wirkende Ort relativ abgeschieden liegt. Es ist, als wenn man hier ein bisschen Distanz zur Welt hielte. Manchmal sicher keine schlechte Idee, dachte ich.

ALS ICH DANN EINES MORGENS mit dem Bus wieder zurück nach Süden zuckelte, überkam mich ein seltsames Gefühl von Wehmut. Ich vermisste sie jetzt schon, die stille Küste, die ich stundenlang schweigend, aber dennoch ohne jedes Gefühl von Einsamkeit hinaufgewandert war. Wo sich die Wanderer, wenn sie sich denn mal begegneten, alle mit demselben entrückten Lächeln auf dem Gesicht grüßten. Was würde ich wohl sagen, wenn mich zu Hause jemand nach den eindrücklichsten Erlebnissen meiner Urlaubsreise fragt? Dann fiel es mir ein. Ich würde erzählen, dass es mir gelungen war, einer badenden Robbe keinen Namen zu geben. Dann würde wohl jeder schnell das Interesse verlieren. Und ich hätte auch im nächsten Jahr den Pembrokeshire Coast Path wieder fast ganz für mich. In aller Stille. ///


Fotos: © Crown copyright Visit Wales

St. David's Cathedral, uralte Gemäuer, durchdrungen von tiefer Spiritualität.

WILDE KLIPPEN, RAUE SEE, ENDLOSE PANORAMEN Reisen: Wikinger Reisen bietet entlang der Küste in Pembrokeshire die individuelle Wandertour »Wales: im Küstennationalpark« (Nr. 7821, 8 Tage, ab 748 €) oder die geführte »Traumpfade im Küstenparadies – der Pembrokeshire Coast Path« (Nr. 5317, 8 Tage ab 1.498 €) an. Wer die etwas wildere Seite von Wales auch abseits der Küste kennenlernen will, der sollte sich auf die Reise »Sagenhaftes Wales: Natur und Kultur« begeben (Nr. 5307, 13 Tage, ab 2.028 €).

Allgemein: Die besten Infos über den Pembrokeshire Coast Path gibt es unter: nationaltrail.co.uk/pembrokeshire Literatur: Um sich in die walisische Seele einzuarbeiten, ist der Lyriker Dylan Thomas mit seiner Kurzprosa erste Wahl. Unbedingt: Eine Bootstour nach Skomer Island unternehmen. Die Vogelwelt dort ist überwältigend und ohrenbetäubend!

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Geschmack von Welt | Tsampa

Tibet Hauptnahrungsmittel in Tibets Hochland ist Tsampa: geröstete und gemahlene Gerste. Bei einer Himalaja-Reise begegnete uns Tsampa in den verschiedensten Zubereitungsformen. Die Sherpas hatten es im Grunde immer dabei und zauberten sich die leckersten Speisen daraus – von denen sie uns zum Glück immer kosten ließen. Häufig wird das Mehl mit Tee oder Milch gemischt. Zunächst trinkt man einen Teil, dann wird der Rest zu Teigbällchen geformt, die – durch das vorherige Rösten – ohne weiteres Backen gegessen werden können. Bereitet man es als Brei zu, kann noch Yakbutter oder Ziegenkäse untergemischt werden. Mein absoluter Favorit ist aber die Tsampa-Suppe: Die sämige Textur und der leicht nussige Geschmack kann wunderbar mit Gemüse und ­Granat­apfelkernen abgestimmt werden. Notiert von Thomas Jutzler.

Kulinarischer Achttausender: Tsampa-Suppe Je nach Gusto kochen wir uns eine Gemüsebrühe mit oder ohne Fleischeinlage. In Stücke geschnittene Kartoffeln und Möhren sowie geröstete Sonnenblumenkerne passen sehr gut als Einlage. Haben die gewählten Zutaten die gewünschte Bissfestigkeit, schöpft man einen Teil der Flüssigkeit ab und rührt hier nach und nach Tsampa ein, bis eine sämige Suppe entsteht. Wieder alles zusammen geben und frische Granatapfelkerne zugeben.

Auf den Geschmack gekommen? Entdecken­ Sie Tibet: REISE-NR. 3321, 17 TAGE ab

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4.395 €


Weit gereist | Über 65 Mal mit Wikinger Reisen

Namen

Gisela Schuch und Matthias Kohlmüller

Leben in

Frankfurt am Main (sie) und Dortmund

Die nächsten geplanten Touren

führen im Sommer in die Alpen und im Herbst nach Mallorca

Wenn sie nicht auf Reisen sind

wandern sie im Taunus, Odenwald oder Spessart, nutzen das große Kulturprogramm in Frankfurt und unterstützen die Eintracht. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal mit Wikinger Reisen? Gisela: Mich führte meine erste Reise 2009 in die Pyrenäen. Matthias: Meine erste Tour ging 1992 nach Hawaii. Und wie war es? Gisela: Es war erst meine zweite Gruppenreise und ich fühlte mich gleich wohl. Wir waren eine harmonische Gruppe und alle gleich per Du. Matthias: Es war eine sehr aufregende Reise. Bis dahin war ich erst einmal außerhalb Europas unterwegs, und dann gleich um den halben Globus. Ich musste zweimal umsteigen, beim Zwischenstopp in den USA auch noch das Gepäck aufnehmen und zum Weiterflug nach Honolulu bringen, für mich alles Neuland zu dieser Zeit, und dann diese andere Welt. Ein wirklich tolles Erlebnis, das bei mir die ohnehin schon vorhandene Reiselust noch steigerte. Der Beginn einer innigen Beziehung: Sie waren zusammengenommen über 65 Mal (Gisela über 15, Matthias über 50 Mal) mit Wikinger verreist. Was macht diese Beziehung aus? Wir fühlen uns einfach wohl bei Wikinger. Reisen mit Gleichgesinnten, tolle Reiseleiter, die einen für das Reiseland begeistern, aber auch sonst für Fragen aller Art offen sind, und eine persönliche und schnelle Betreuung durch das ­Hagener Büro; so wird Urlaub zum Erlebnis. Und Ihnen ist nie langweilig geworden? Reisen ist unsere Leidenschaft, daher kann Reisen gar nicht langweilig werden. Wikinger bietet ein riesiges Programm aus unterschiedlichsten Reisen in alle Regionen der Erde an. Daher gibt es für uns noch viele interessante Ziele, die wir bereisen möchten, und so wird es auch in Zukunft bestimmt spannend bleiben. Aber auch bekannte Ziele sind immer wieder aufs Neue interessant, zum Beispiel Mallorca mit Frank Mittelbach. Wir waren schon mehrfach mit Frank unterwegs, und immer wieder findet sich Unentdecktes. Ihr aussergewöhnlichstes, eindringlichstes Reiseerlebnis? Ganz einfach, die Silvesterreise in den Schwarzwald 2011. Dabei haben wir uns kennengelernt.

Ihre grösste Reisekatastrophe? Gisela: In Namibia wollte uns ein großes Pavianmännchen in unserer Unterkunft besuchen, zum Glück war die Tür gut verschlossen, sodass wir mit dem Schrecken davonkamen. Matthias: Wirkliche Katastrophen gab’s bei meinen Reisen nicht. Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ich aber doch, und das gleich bei meiner ersten Wikinger-Reise nach Hawaii. Wir zelteten und in Maui wurden wir nachts von einem heftigen Regenschauer überrascht. Mitten in der Nacht weckte mich mein Zeltnachbar mit dem Hinweis, dass unser Zelt bereits unter Wasser steht. Wir packten die wesentlichen Sachen zusammen und flohen in Richtung Waschräume, wo wir den Rest der Nacht auf Betonbänken verbrachten. Wo wachen Sie am liebsten auf? Auf einer schönen Finca auf Mallorca bei Cortado und Pa amb oli. Ihr schönster Sonnenuntergang? Gisela: In der Namib. Matthias: Im Valle Gran Rey auf La Gomera. Ihre Traumtour? Wir sind gerade aus Neuseeland zurück, und diese Reise kam unserer Traumtour schon verdammt nahe. Ein wunderschönes Land mit so vielen unterschiedlichen Impressionen. Die Tier- und Pflanzenwelt sowie die spektakulären Landschaften haben uns schon sehr beeindruckt. Dazu eine tolle Reiseleitung und eine Gruppe, die von Anfang bis Ende harmonierte, einfach perfekt. Das heißt aber nicht, dass wir keine Reiseträume mehr haben. Die Gletscherwelt Patagoniens, die Victoriafälle im Süden Afrikas oder der Indian Summer Kanadas reizen uns schon lange. Eine unterwegs gewonnene Lebensweisheit eines so weit gereisten Paares? Jeder ist in fast allen Ländern dieser Erde fremd und freut sich dann, als Gast willkommen zu sein. Daher sollte man sich auch zu Hause über jeden Gast freuen, woher auch immer er stammt.

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Wikinger Reisen GmbH | Kรถlner Str. 20 | 58135 Hagen

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Grenzenlos 2018  

Wandern, Kultur erleben, den Horizont erweitern. Grenzenlos ist das Reisemagazin von Wikinger Reisen.

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